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Lokale Antiinfektiva als Alternative
A. Kramer, v. Adrian
zu systemischen Antiinfektiva mit
Ergebnissen zur Gewebeverträglichkeit
im Explantationstest als einem
weiterentwickelten
In-vitro-Prüfmodell
Stellenwert lokaler Antiinfektiva
Lokale Antiinfektiva (Syn. Antiseptika) bieten die Möglichkeit
einer lokal umschriebenen antimikrobiellen Behandlung unter
prophylaktischer oder therapeutischer Zielsetzung. Im Unterschied dazu sind systemische Antiinfektiva (Syn. antimikrobielle Chemotherapeutika) der gezielten, kontrollierten systemischen Gabe (oral oder parenteral, Abb. l) überwiegend unter
therapeutischen Gesichtspunkten vorbehalten und sollen nur
streng indiziert zur perioperativen Prophylaxe eingesetzt werden [4,6].
Antiin Aktiva
lokale Applikation
= Antiseptik
systemische Applikation
= antimikrobielle
Chemotherapie
lokale
Antiinfektiva
systemische
Antiinfektiva
Xenobiotika
oder schwer
lösliche Antibiotika
resorbierbare
Xenobiotika
Abb.1
Antiinfektiva
oder Antibiotika
als
gemeinsame
Zielsetzung
und vorge-
schlagener Oberbegriff für Antiseptika und antimikrobielle Chemotherapeutika.
Bei jeder antiinfektiösen Prophylaxe und Therapie muß die
Entscheidung getroffen werden, ob die Anwendung antimikrobieller Wirkstoffe lokal oder systemisch indiziert ist. Dabei
kann folgende Faustregel zugrunde gelegt werden: Lokale Infektionen sind lokal, systemische Infektionen sind systemisch
zu behandeln.
Bei der Entscheidung für einen Einsatz lokaler Antiinfektiva
sind folgende Voraussetzungen sorgfältig abzuwägen:
- Ist die lokale Anwendung effektiv und ohne Risiko von Nebenwirkungen?
- Erreicht oder übertrifft die erwartete Effektivität die von systemischen Antiinfektiva; können somit Antibiotika eingespart werden oder sind durch Kombination beider Prinzipien
günstigere Ergebnisse erreichbar?
Die Anwendung lokaler Antiinfektiva ist im Vergleich zu systemischen Antiinfektiva mit folgenden Vorteilen verbunden:
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- Aufgrund ihres Wirkungsmechanismus haben lokale Antiinfektiva - im Unterschied zu systemischen Antiinfektiva wirkstoffabhängig im allgemeinen ein breites Wirkungsspektrum, das sich mehr oder weniger ausgeprägt sowohl
gegen grampositive als auch gegen gramnegative Bakterien
sowie Pilze richtet und zum Teil auch Viren, Chlamydien und
Protozoen einschliefst.
- Aufgrund des mikrobioziden Wirkungsmechanismus ist in
praxi keine relevante Resistenzentwicklung beobachtet worden.
- Bei geeigneter Wirkstoffauswahl besitzen lokale Antiinfektiva unter Umständen eine geringere Zytotoxizität und gleiche,
häufig sogar bessere lokale Verträglichkeit als Lokalantibiotika bzw. zur systemischen Anwendung vorgesehene, jedoch
topisch angewandte Chemotherapeutika.
- Ein weiterer Pluspunkt ist die im allgemeinen geringere Sensibilisierungspotenz von Antiseptika, die mit ihrer chemischen Struktur im Vergleich zu der der Antibiotika in Zusammenhang steht.
- Der entscheidende Vorteil der lokalen Anwendung ist die Erreichbarkeit wirksamer mikrobiozider Konzentrationen direkt am Wirkort ohne eine Überflutung des Gesamtorganismus und das damit verbundene geringere Risiko von Nebenwirkungen.
- In Verbindung mit geeigneten Zusätzen (zum Beispiel antiphlogistische oder regenerationsfördernde Wirkstoffe, pHRegulierung) ist mit lokalen Antiinfektiva die Möglichkeit
der gleichzeitigen Normalisierung episomatischer Biotope
gegeben.
Prophylaktische Indikationen
Für eine Reihe prophylaktischer Indikationen ist die Anwendung lokaler Antiinfektiva unentbehrlich, während systemische Antiinfektiva für diese Indikationen aus den oben genannten Gründen ungeeignet bzw. sogar schädlich sind (Tab. l).
Nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Nutzen-Risiko-Relation, sondern auch unter dem Wirtschaftlichkeitsaspekt und
der Einführung neuer Untersuchungsverfahren und Behandlungsformen gewinnt die Antiseptik zunehmend an Bedeutung, z. B. durch die Förderung des ambulanten Operierens und
durch Anwendung moderner diagnostischer Verfahren.
Therapeutische Indikationen
Bei einer Reihe von Infektionen bzw. unerwünschter Kolonisation ist die Therapie mit lokalen Antiinfektiva Mittel der ersten
Wahl, z. B. bei
- infizierten chronischen Wunden,
- Verbrennungswunden,
- bakteriellen, mykotischen und viralen Infektionen ohne systemische Beteiligung (z. B. Pyodermien, Erythrasma, superinfizierte und mikrobielle Ekzeme, infektiöse Konjunktivitiden, akute Wundinfektionen, lokale Infektionen im Cenital-
A. Kramer, V. Adrian
Tab. 1 Indikationsbereiche zur prophylaktischen Anwendung lokaler Antiinfektiva (Details vgl 7).
Merkmal
Indikation —
unentbehrlich
effektive Alternative
zur lokalen und/oder
systemischen Anwendung systemischer
Antiinfektiva
keine gesicherte Indikation •
—.--.-.- ...—...-..-.....-—
fragliche Schutzwirfehlende Schutzwirkung
kung bzw. widersprüchliche Ergebnisse
Durchtrennung bzw.
Traumatisierung des Integuments
vor Injektion, Punktion, op. Eingriff
(Haut, Schleimhaut),
auf Wunden (abhängig von Kontamination und Infektionsgefährdung, z.B.Nabelantiseptik Neugeborener), Verbrennungspatient
präoperative Augenantiseptik, intraoperative Spülung bei entsprechenden pathophysiologischen
Bedingungen im
Wundgebiet (Nekrosen, schlechte Durchblutung)
episomatisch um die
Insertion liegender
Gefäßkatheter
intaktes Integument
transurethrale Katheterisierung, gynäkologische Untersuchung,
zahnärztliche Behandlung, Schutz vor unerwünschter Kolonisierung (Crede'sche Prophylaxe), oropharyngealeAntiseptikbei
Intensivtherapiepatienten
Selektive Darmdekontamination (bei sorgfältiger Indikationsstellung), Ganzkörperantiseptik bei immunsupprimierten Patienten
Fußsprühanlagen zur
Mykoseprophylaxe,
endotracheale Pneumonieprophylaxe bei
Beatmungspatienten
-
-
bereich, Harnblasenperfusion bei putriden und phosphatinkrustierenden Zystitiden, Mundhöhleninfektionen),
Magen- und Darminfektionen in Abhängigkeit von derÄtiologie (Renaissance der Bismutverbindungen), häufig in Kombination mit systemischen Antiinfektiva,
Peritoneallavage als Bestandteil der Peritonitisbehandlung,
chronischen Osteomyelitiden (geschlossene Spül-Saug-Drainage in Verbindung mit chirurgischer Revision),
Keimträgersanierung (z.B. in der Nase bei Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen oder in der Vagina
bei ß-hämolysierenden Streptokokken).
Der Einsatz lokaler Antiinfektiva im geschilderten Umfang
macht die noch weit verbreitete ungezielte Anwendung systemischer Antiinfektiva überflüssig. Gerade die zunehmenden
schweren Krankheitsverläufe durch multiresistente Keime
zwingen den Arzt heute zu kritischerem Umgang mit antimikrobiellen Chemotherapeutika als dies in der Vergangenheit
üblich war. Wenn dieser wissenschaftlich begründete, kostensparende Trend hin zu lokalen Antiinfektiva (Antiseptika)
durch falsche Weichenstellung aufgehalten würde, wäre im
prophylaktischen Bereich eine noch stärkere Verwendung von
systemischen Antiinfektiva und im therapeutischen Segment
ein Substitutionseffekt durch antimikrobielle Chemotherapeutika unvermeidbar.
Auswahlkriterien für lokale Antiinfektiva
Für die Wirkstoffauswahl sind folgende Kriterien ausschlaggebend:
- experimentell bzw. klinisch bestätigte prophylaktische bzw.
therapeutische Effektivität der vorgesehenen Anwendung,
- Gewährleistung ausreichender lokaler Wirkspiegel,
- lokale Verträglichkeit (fehlende Allergisierungs- und Irritationspotenz, keine Beeinträchtigung lokaler Abwehrprozesse und Wundheilungsvorgänge),
- fehlende Resistenzentwicklung,
- keine resorptiven Nebenwirkungen (akut oder chronisch)
präoperative Ganzkörperwaschung
Die Auswahl der lokalen Antiinfektiva richtet sich sowohl nach
dem vorgesehenen Anwendungsbiotop als auch nach den pharmakologischen Eigenschaften der Wirkstoffe. Ein wichtiges
Kriterium ist das Verhältnis zwischen toxischer Wirkung und
erwünschter mikrobiozider Wirkung. Hierfür haben wir als
orientierende Kenngröße die Berechnung der therapeutischen
Breite als Quotient von oraler LD5o/Ratte und minimaler mikrobiozider Konzentration eingeführt. Unter den mikrobioziden
Wirkstoffen zeichnen sich PVP-lod und Polihexanid durch eine
vergleichsweise hohe therapeutische Breite aus (Tab. 2).
Gewebeverträglichkeit lokaler Antiinfektiva
im Explantationstest
Es ist naheliegend, zur Prüfung der Gewebeverträglichkeit Präparationen von Haut, Peritoneum, Schleimhäuten oder anderen Körpergeweben einzusetzen. Im Vergleich zum Zytotoxizitätstest an der Zellkultur sind damit folgende Vorteile verbunden:
- Die hauchdünne Monolayerschicht der Zellkultur ist mit einer den Anwendungsverhältnissen nicht entsprechenden
hohen Empfindlichkeit verbunden. Frisch präparierte Gewebe verfügen noch über Entgiftungs- und Repairmechanismen, wenn auch nicht in dem Maße wie in situ.
- Durch die Möglichkeit des Abspülens präparierter Gewebestückchen nach Exposition mit der Prüfsubstanz kann die
Einwirkungszeit auf praxisrelevante Zeiten verkürzt werden.
Ziel unserer Untersuchungen war es, einen schnell und einfach
handhabbaren Test zur Prüfung der Gewebeverträglichkeit von
antiseptischen Wirkstoffen, die auf der intakten Haut, auf
Schleimhäuten und auf Wunden angewendet werden sollen,
aufzubauen. Dazu wurden Bauchhaut und Peritoneum neonataler Ratten explantiert.
Methodik
Neonatale Ratten (LEW 1A, Institut für Diabetes »Gerhard
Katsch« Karlsburg) wurden mit Ether (DAB 10, Aug. Hedinger)
Lokale Antiinfektiva als Alternative zu systemischen Antiinfektiva
Tab. 2 Therapeutische Breite ausgewählter antiseptischer Wirkstoffe.
Quotient orale 1050* Ratte (mmol/
kgKM)/MMK" (mmol/1) ——————————
Wirkstoff
Chlorhexidindigluconat
Staphylococ-
Pseudomo-
cusaureus
nasaerugi-
berechnet für
Einwirkungs-
nosa
zeit
Octenidindihydrochlo-
0.9
3.2
0.9
3.2
5 min
5min
rid
Benzalkoniumchlorid
Formaldehyd
PVP-lod
Polihexanid
Kaliumpermanganat
Benzethoniumchlorid
Cetylpyridiniumchlorid
lod
8.0
15.9
500.0
25000.0
1.5
10.0
6.3
280.0
2.0
8.2
1000.0
200.3
6.0
0.5
1.6
425.0
5 min
5 min
5min
5 min
10min
10 min
10 min
10 min
' LDgo = letale Dosis für 50% der Versuchstiere
' MMK - minimale mikrobiozide Konzentration
getötet. Im folgenden wurden drei methodische Varianten geprüft:
- Testung an intakter Bauchhaut zur Prüfung von Hautantiseptika,
- Testung an intaktem Peritoneum, um zu einer sensitiveren
Verträglichkeitsbeurteilung zu gelangen (z. B. im Hinblick auf
eine mögliche peritoneale Anwendung),
- Testung an Peritonealexplantaten zur Prüfung von Wundantiseptika.
Prüfung an intakter Haut
Unter aseptischen Bedingungen wurde die Bauchhaut der Tiere
mit 0,2 ml der Prüfsubstanzlösung bzw. Ringerlösung (Kontrolle) bei unterschiedlichen Einwirkungszeiten benetzt. Je Prüfkonzentration und Wirkstoff wurde jeweils ein Tier verwendet.
Am Ende der Einwirkungszeit wurde ein jeweils gleiches Hautareal herausgeschnitten, dreimal in Ringerlösung gewaschen,
in ca. l mm x 1 mm große Gewebestücke zerteilt und kultiviert.
Applikation auf das intakte Peritoneum
Die Bauchdecke der Tiere wurde eröffnet und die zu prüfende
Lösung bzw. Ringerlösung auf das unversehrte Peritoneum gegeben (s.o.). Nach der entsprechenden Applikationsdauer wurde ein jeweils etwa 1 cm x l cm großes Peritoneumareal herausgetrennt. Dazu mußte das Peritoneum mit einer Pinzette
vorsichtig leicht angehoben und mit einer Schere herausgeschnitten werden. Die Gewebestücke wurden in Ringerlösung
gespült, weiter zerteilt und kultiviert (s.o.).
Inkubation von Perifoneumstückchen
Das Peritoneum wurde in l mm x l mm große Stücke zerteilt.
Die Cewebeteile wurden für die entsprechende Applikationszeit in die jeweiligen Prüflösungen bzw. Ringerlösung gelegt,
anschließend dreimal in Ringerlösung gewaschen und kultiviert (s. o.).
Explantat-Kultur
Nach der Präparation wurden die Gewebeteile in Nährmedium
(MEM + 50% Jungrinderserum + l % Antibiotikalösung, Biochrom KG), das auch der anschließenden Kultivierung diente,
gelegt. Diese Zwischenlagerung wurde auf maximal 60 min begrenzt.
Die Kultivierung der Explantate erfolgte in 24-well-Kulturschalen (Costar). In jede Vertiefung kamen zwei Tropfen Medium,
ein Cewebestück wurde hineingelegt und nochmals ein Tropfen Medium vorsichtig hinzugefügt.
Nach 48stündiger Inkubation bei 37 °C im CO^-Inkubator, zu
diesem Zeitpunkt hafteten die Gewebestücke fest am Kulturgefäßboden und die ersten Zellen waren bereits ausgewachsen,
wurden 0,2 ml Medium pro Gewebestück hinzugefügt. Daran
schloß sich eine achttägige Kultivierung an.
AuswertungArn 10. Tag wurden die kultivierten Explantate mit Ringerlösung gespült, 10 min mit absolutem Ethanol (Laborchemie
Apolda) fixiert und 5 min mit Hämalaun (Merck) gefärbt. Die
Auswachszone der Cewebepartikel wurde bei lOfacher Vergrößerung mit einem Stereomikroskop ermittelt. Dazu wurden die
Kulturschalen auf Millimeterpapier gelegt und die von den Zellen bewachsene Fläche ausgezählt. Die Wachstumsfläche
(mm2) wurde pro mm2 Ausgangsgewebe berechnet. Als Bezugssystem (100%) dienten die Zahl der gewachsenen Explantate und die Zellfläche der jeweiligen Kontrollen.
Bewertet wurden die Explantationsrate (= Zahl der antiseptisch
behandelten Explantate mit Zellwachstum : Zahl der Kontrollexplantate mit Zellwachstum) und die Wachstumsrate (=
Wachstumsfläche der Zellen aus antiseptisch behandelten Explantaten : Wachstumsfläche der Zellen aus Kontrollexplantaten).
Ergebnisse und Diskussion
Verträglichkeit an irital<ter Haut
PVP-lod-Präparate finden in der Praxis breite Anwendung, da
sie gleichermaßen gut wirksam und verträglich sind [3). Um
die Ergebnisse unserer Untersuchungen mit bisher bekannten
Befunden vergleichen zu können, wurde daher Betaisodona Lösung (Mundipharma GmbH) gewissermaßen als Referenzsubstanz mitgeführt.
Die Untersuchungen zur Hautverträglichkeit der ausgewählten
Antiseptika wurden mit einer langen, nicht praxisrelevanten
Einwirkungszeit von 20 min begonnen. Das in der maximalen
Anwendungskonzentration von 0,2% eingesetzte Lavasept
(Fresenius AG) und Betaisodona-Lösung beeinträchtigen das
Zellwachstum nicht. Die entsprechende Octenisept (Schülke &
Mayr GmbH)-Behandlung verminderte dagegen das Wachstum um etwa 50%. Exponierte Hautstückchen ( 1 x 1 cm) verhielten sich ähnlich wie die in situ benetzte Bauchhaut (Tab.3).
Damit erwies sich Octenisept als deutlich zytotoxischer als die
anderen beiden Prüfpräparate. Unter Berücksichtigung der langen Einwirkungszeit im Explantationstest und der Praxiserfahrungen mit Octenisept bei kurzfristiger Anwendung auf Haut
und urogenitalen Schleimhäuten, die ohne subjektive und klinische lokale Nebenwirkungen toleriert wird [5], ist die Indikation der »kurzfristigen antiseptischen Behandlung von
Schleimhaut und angrenzender Haut im Vaginalbereich sowie
der Glans penis« gemäß Roter Liste (1994) jedoch gegeben. Allerdings sollte nach Auffassung der Autoren die Anwendung bei
entzündlich verändertem oder traumatisiertem Biotop zumindest der vertieften klinischen Überprüfung unterzogen werden, bevor hierzu eine entsprechende Anwendungsempfehlung gegeben werden kann.
Verträglichkeit' an intaktem Peritoneum
Das Peritoneum reagierte erwartungsgemäß empfindlicher als
die Bauchhaut.
A. Kramer, V. Adrian
Präparat
Zahl der Explantate
Explantate mit Wachstum
(Ringerlösung- 100%)
Zellwachstumsfläche
(Ringerlösung3 100%
intakte Haut:
Betaisodona-Lösung
0,2 %Lavasept
Octenisept
24
24
24
95,8
100,0
87,5
96,6
102,0
54,2
Hautstückchen:
Betaisodona Lösung
0,2% Lavasept
Octenisept
48
48
48
97,8
82,6
76,1
47,3
60,8
24,3
Nach 20 min Exposition war nach Einwirkung sowohl von Betaisodona-Lösung als auch von 0,2% Lavasept die Anzahl der
Explantate mit Wachstum und deren Wachstumsfläche im Vergleich zur Kontrolle um etwa die Hälfte reduziert (Tab. 4). Auch
bei Verlängerung der Einwirkungszeit von Lavasept auf 60 min
waren die Prüfergebnisse nicht ungünstiger.
Die in der Tendenz bessere Gewebeverträglichkeit von Lavasept ist insofern nicht überraschend, als Betaisodona-Lösung
zur Peritonealspülung als nicht indiziert gilt (tierexperimentell
Auslösung von Fettgewebsnekrosen und fibroplastischen Veränderungen) [2], Allerdings ist aufgrund dieser Befunde die
0,2%ige Konzentration von Lavasept für eine peritoneale Anwendung offensichtlich noch zu hoch. Das steht in Übereinstimmung zu bisherigen klinischen Anwendungen, bei denen
Lavasept zur Peritoneallavage 0,1 %ig eingesetzt wurde, wobei
die Exposition 20 min nicht überschreiten sollte und anschließend eine Nachspülung mit Ringer-Lösung empfohlen wird [9].
Tab. 3 Zellwachstum aus
Explantaten der Haut neonataler
Ratten nach Applikation auf die
intakte Bauchhaut bei 20 min
Einwirkungszeit.
isodona-Einwirkung betrug die Explantationsrate etwa ein
Drittel. Die Wachstumsfläche war mit der nach Lavasept-Wirkung vergleichbar. Die Befunde nach Sminütiger Inkubation
mit Betaisodona-Lösung müssen durch weitere Untersuchungen überprüft werden; pH-Schwankungen des Nährmediums
könnten eine mögliche Ursache für das verringerte Wachstum
sein, zumal die Explantationsrate im Bereich der von vorangegangenen Tests liegt.
Nach praxisrelevanter l minütiger Anwendung erwies sich neben Betaisodona-Lösung auch 80 %igesEthanol als gut gewebeverträglich. 60%iges 2-Propanol verminderte die Wachstumsfläche bei 2 min Einwirkungszeit um die Hälfte.
0,5%ig unterdrückte Chlorhexidindigluconat jegliches Explantatwachstum. Selbst 0,05 %ig, also unterhalb der üblichen Anwendungskonzentration, war noch eine deutliche zytotoxische
Wirkung feststellbar.
Bei Verkürzung der Einwirkungszeit von Betaisodona-Lösung
auf 5 min steigt die Cewebeverträglichkeit erwartungsgemäß
an.
Octenisept führte selbst bei 30 s Einwirkung nicht nur zu einer
ausgeprägten Hemmung der Explantationsrate, sondern auch
das Flächenwachstum wurde fast vollständig unterbunden.
Im Unterschied dazu wurde durch Octenisept jegliches Wachstum komplett unterdrückt. Damit scheidet eine peritoneale
Anwendung für dieses Präparat mit Sicherheit aus.
Schlußfolgerungen
Verträglichkeit an Peritonealexplantaten
Die vergleichsweise stärksten zytotoxischen Wirkungen von
lokalen Antiinfektiva sind bei ihrer Anwendung auf Wunden zu
erwarten. Für die In-vitro-Prüfung wurden deshalb l mm x
l mm große Gewebepartikel in der Antiseptika-Lösung inkubiert und anschließend explantiert.
Hier wurde eine Überlegenheit von Lavasept gegenüber Betaisodona-Lösung deutlich (Tab. 5). Nach einstündiger Lagerung
von Peritoneumstücken in 0,2?oiger Lavasept-Lösung wuchsen
noch aus 71 % der Explantate Zellen aus, wobei die Wachstumsfläche etwa 50% der Kontrollen ausmachte. Nach 30 min Beta-
Wenn auch die Zusammenhänge zwischen praxisrelevanter
Gewebetoxizirät, Konzentration und Einwirkungszeit der Prüfsubstanzen im Explantationstest in weiterführenden Untersuchungen noch genauer überprüft werden müssen, gestatten die
bisherigen Ergebnisse unter Berücksichtigung tierexperimenteller und klinischer Erfahrungen unseres Erachtens schon jetzt
folgende Schlußfolgerungen:
- Betaisodona kann als gut verträgliches Haut- und Schleimhautantiseptikum eingeordnet werden. Die bekannten Kontraindikationen in bezug auf die Schilddrüsengefährdung
sind zu beachten.
- Lavasept ist in der Anwendungskonzentration (0,1 bzw.
0,2%) Betaisodona-Lösung an Verträglichkeit überlegen und
als ein Wirkstoff der Wahl zur antiinfektiven Wundbehand-
Zahl der Explantate
Explantate mit Wachstum
(Ringerlösung3 100%)
Zellwachstumsfläche
(Ringerlösung = 100%)
60 Minuten:
0,2% Lavasept
24
52,2
77,2
20 Minuten:
Betaisodona Lösung
0,2%Lavasept
Octenisept
48
48
48
40,4
53,2
0
36,1
52,7
0
5 Minuten:
Betaisodona-Lösung
24
83,3
77,0
präparat/Einwirkungszeit
Tab. 4 Zellwachstum aus
Explantaten des Peritoneums
neonataler Ratten nach Applikation auf das intakte Gewebe.
Lokale Antiinfektiva als Alternative zu systemischen Antiinfektiva
Präparat/Einwirkungszeit
Zahl der
Explantate
Explantate mit Wachstum
(Ringerlösung = 100 %)
Zellwachstumsfläche
(Ringerlösung = 100 %)
60 Minuten:
Betaisodona-Lösung
0,2%Lavasept
Octenisept
24
24
24
32,0
70,8
0
48,6
54,7
0
30 Minuten:
Betaisodona-Lösung
0,2 % Lavasept
Octenisept
24
24
24
32,0
87,5
0
52,8
57,1
0
5 Minuten:
Betaisodona-Lösung
10% Octenisept
24
48
41,7
16,7
2 Minuten:
60%2-Propanol
24
44,3
1 Minute:
Betaisodona-Lösung
0,5%Chlorhexidindigluconat
0,05%Chlorhexidindigluconat
80%Ethanol
70%Ethanol
10%Ethanol
60%2-Propanol
30 Sekunden:
Octenisept
24
24
100
0
11,5
nur einzelne Zellen
14,5
81,3
0
47
91,5
59,1
24
48
48
48
95,8
100
100
81,3
71
73,5
112,9
49,5
48
27,1
lung anzusehen. Für Betaisodona-Lösung ist die Unbedenklichkeit einer kurzzeitigen Anwendung auf Wunden in Übereinstimmung mit klinischen Erfahrungen gegeben.
Chlorhexidin ist zur antiinfektiven Wundbehandlung offensichtlich ungeeignet.
Gleiches läßt sich, unabhängig von der erweiterten Zulassung »zur unterstützenden antiseptischen Wundbehandlung« [l], aus den Ergebnissen zu Octenisept ableiten. Zur
orientierenden Bewertung der Schleimhautverträglichkeit
von Octenisept sind weiterführende Untersuchungen bei
praxisrelevanten Einwirkungszeiten vorgesehen.
In der Mundhöhle scheidet eine Anwendung trotz der hohen
Effektivität wegen zu hoher Aggressivität für die Mundschleimhaut und der geschmacklichen Inakzeptanz aus (Kramer et al. in Vorbereitung), obwohl diese Indikation jetzt
ebenfalls zugelassen ist [l].
Ethanol käme aufgrund dieser Ergebnisse offensichtlich als
Kombinationspartner in Wundantiinfektiva in Betracht, was
in Übereinstimmung mit der früheren Anwendung des Spiritus iodi dilutus steht.
Tab. 5 Zellwachstum aus
Explantatenvon Peritoneum
neonataler Ratten nach Inkubation der Gewebestücke.
nur einzelne Zellen
Literatur
' Braunwarth, H.: Neue Zulassung Octenisept. Int.J. Exp. Clin. Chemotherap. 7, Suppi l (1995) 59-62
2
Görtz, G., F. Borchard: Fettgewebsnekrosen nach intra-abdomineller PVP-Iod-lnstillation - Experimentelle Untersuchungen. In:
Hierholzer, G., G. Cörtz (Hrsg.) PVP-lod in der operativen Medizin,
Springer, Berlin (1984) 192-200
3
Görtz, G., R. Häring: PVP-lod als Alternative zu anderen Antiseptika und Lokalantibiotika in der Chirurgie. Aktuelle Chirurgie (Beilage), Thieme Stuttgart • New York (1985) 1-13
4
Kaulhold, H.-W.. F. Daschner, G. Kienzler-Schär, P. Albrecht: Perioperative Antibiotikaprophylaxe. Hyg. Med. 19 (1994) 213-222
5
Klebingat, K.-J., A. Kramer: Antiseptik in der Urologie. In: Kramer, A., M.Wendt, H.-P. Werner (Hrsg.) Möglichkeiten und Perspektiven der klinischen Antiseptik. rnhp, Wiesbaden (1995) 8993
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Kramer, A„ H. Willenegger: Perioperative Antibiotikaprophylaxe dominierende Möglichkeit zur Infektionsprophylaxe bei chirurgischen Eingriffen. Hyg. Med. 19 (1994) 180-182
7
Kramer, A., M. Wendt, H. P. Werner: Möglichkeiten und Perspektiven der klinischen Antiseptik. mhp, Wiesbaden (1995)
8
Werner, H.-P., A. Kramer: Mikrobiologische Anforderungen an lokale Antiinfektiva unter spezieller Berücksichtigung der antiinfektiven Wundbehandlung. In: Kramer, A., M.Wendt, H.-P. Werner
(Hrsg.): Möglichkeiten und Perspektiven der klinischen Antiseptik.
mhp, Wiesbaden (1995) 26-30
9
Willenegger, H.: Klinische Erfahrungen mit einem neuen Antiinfektivum. Hyg. Med. 19 (1994) 227-233
27496
Topische
Infektionstherapie und
Prophylaxe
Aktueller Stellenwert von PVP-lod
Herausgegeben von
G. Hierholzer, K. Reimer, E. R. Weissenbacher
Mitherausgeber
G. Görtz, U. B. Hoyme, P. R. Zellner
unter Mitarbeit von
R. Achatzy
V. Adrian
P. von Arx
F. Daschner
0. Fischbeck
V. Geng
H. Gerber
M. Hansis
A. Kramer
M. Meyer
D. Michel
D. Miangeni
H.Neef
R.Niedner
H.-D. Nöske
R.Rahn
A. Stobernack
W.Vahlensieckjr.
I. Wächter
C.Wewalka
C. Wiese
G. A.Zach
95 Abbildungen
50 Tabellen
Impressum
Prof. Dr. med. Günther Hierholzer
Ärzclieher Direktor
der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik
Duisburg-Buchholz
Croßenbaumer Allee 250
47249 Duisburg
Dr. med. Karen Reimer
Referatsleiterin Antiseptik
der Medizinischen Abteilung
IVIundipharmaCmbH
Mundipharmastraße 2
65549 Limburg (Lahn)
Prof. Dr. med. Ernst Rainer Weissenbicher
Oberarzt der Frauenklinik Lind Poliklinik
Ludwig-Maximilians-Universität
Klinikum Croßhadern
Marchioninistriiße 15
SI377 München
Wichtiger Hinweis:
Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen. Forschung und klinische Erfall rung erweitern
unsere Erkenntnisse, insbesondere was Behandlung und medikamentöse Therapie anbelangt. Soweit in diesem Werk eine
Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird, darf der Leser
zwar darauf vertrauen, daß Autoren, Herausgeber und Verlag
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Geschützte WaienntUnen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, daß es sich um einen Freien Warennamen handele.
Die Deutsche Bibliothek - ÖP-Einheitsailfnahnw
Tapische Infektionsthempie und Prophyln.w : aktueller
Stellenwert von PVP-lod ; 50 Tabellen l hrsg. von C. Hierholzer
... Unter Mitarb. von R. Achatzy... - Stuttgart: New York :
Thieme, 1996
NE: Hierholzer, Günther [Hrsg.]: Achatzy. Richard
Das Werk. einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich
geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des
Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen. Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
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1996
Georg Thieme Verlag
Stuttgart • New York
:?. 1996 Georg Thieme Verlag
Rüdigerstraße 14. D-70469 Stuttgart
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Satz: Guide, Tübingen
Druck: Grammlich, Pliezhausen
Buchbinder: Held, Rottenburg
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