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Bauphysik - Bundesanzeiger Verlag

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10.14Bauphysik
2
Energieeinsparverordnung – EnEV 2014
2.1
Hintergrund und Ziele
Zweck der EnEV 2014 ist die Einsparung von Energie in Gebäuden. In diesem Rahmen und unter
Beachtung des gesetzlichen Grundsatzes der wirtschaftlichen Vertretbarkeit soll die Verordnung
dazu beitragen, dass die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung, insbesondere ein nahezu
klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2050, erreicht werden. Neben den Festlegungen in der
Verordnung soll dieses Ziel auch mit anderen Instrumenten, insbesondere mit einer Modernisierungsoffensive für Gebäude, Anreizen durch die Förderpolitik und einem Sanierungsfahrplan, verfolgt werden. Im Rahmen der dafür noch festzulegenden Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Niedrigstenergiegebäuden wird die Bundesregierung in diesem Zusammenhang
auch eine grundlegende Vereinfachung und Zusammenführung der Instrumente, die die Energieeinsparung und die Nutzung erneuerbarer Energien in Gebäuden regeln, anstreben, um dadurch die
energetische und ökonomische Optimierung von Gebäuden zu erleichtern.
Abb. 10.14
Überblick über die aktuelle Einbindung der EnEV 2014 in das
Umfeld der Verordnungen und
Gesetze. Darin ist:
EEG
Erneuerbare-Energien-Gesetz
EEWärmeG
Erneuerbare-EnergienWärmegesetz
EnEG
Energieeinsparungsgesetz
EPBD
Energy Performance of Buildings
Directive (EU Gebäuderichtlinie)
2.2
Geltungsbereich
Die EnEV 2014 gilt
ƒ für Gebäude, deren Räume unter Einsatz von Energie beheizt oder gekühlt werden und
ƒ für Anlagen und Einrichtungen der Heizungs-, Kühl-, Raumluft- und Beleuchtungstechnik sowie
der Warmwasserversorgung in Gebäuden, deren Räume mit Energie beheizt oder gekühlt werden.
Der Energieeinsatz für Produktionsprozesse in Gebäuden ist nicht Gegenstand der EnEV 2014.
Die EnEV 2014 gilt – mit Ausnahme ihrer §§ 12 und 13 – nicht für
ƒ Betriebsgebäude, die überwiegend zur Aufzucht oder zur Haltung von Tieren genutzt werden,
ƒ Betriebsgebäude, soweit sie nach ihrem Verwendungszweck großflächig und lang anhaltend
offen gehalten werden müssen,
ƒ unterirdische Bauten,
ƒ Unterglasanlagen und Kulturräume für Aufzucht, Vermehrung und Verkauf von Pflanzen,
ƒ Traglufthallen und Zelte,
ƒ Gebäude, die dazu bestimmt sind, wiederholt aufgestellt und zerlegt zu werden, sowie provisorische Gebäude mit einer geplanten Nutzungsdauer † 2 Jahren,
ƒ Gebäude, die dem Gottesdienst oder anderen religiösen Zwecken gewidmet sind,
ƒ Wohngebäude, die für eine Nutzungsdauer 4 Monate jährlich bestimmt sind oder die für eine
begrenzte jährliche Nutzungsdauer bestimmt sind, wenn der zu erwartende Energieverbrauch der
Wohngebäude 25 % des zu erwartenden Energieverbrauchs bei ganzjähriger Nutzung beträgt,
ƒ sonstige handwerkliche, landwirtschaftliche, gewerbliche und industrielle Betriebsgebäude, die
nach ihrer Zweckbestimmung auf eine Innentemperatur 12 °C oder jährlich 4 Monate beheizt
sowie jährlich 2 Monate gekühlt werden.
Energieeinsparverordnung – EnEV 201410.15
Auf Bestandteile von Anlagensystemen, die nicht im räumlichen Zusammenhang mit Gebäuden stehen,
deren Räume unter Einsatz von Energie beheizt oder gekühlt werden, ist nur EnEV §13 anzuwenden.
2.3
Begriffsbestimmungen
Technische Gebäudeausrüstung
Flächen und Volumina
Raum
Gebäude
Tafel 10.15 Zusammenstellung und Definition grundlegender Begriffe einschl. normativer Verweise bzw. Berechnungsvorgaben im Sinne der EnEV 2014
Bereich
Begriff
Definition
Wohngebäude
Gebäude, die nach ihrer Zweckbestimmung überwiegend dem Wohnen dienen (einschließlich Wohn-, Alten- und Pflegeheime sowie
ähnlichen Einrichtungen).
Nichtwohngebäude
Gebäude, die nach ihrer Zweckbestimmung nicht dem Wohnen dienen.
Kleine Gebäude
Gebäude mit einer Nutzfläche AN † 50 m2
Baudenkmäler
nach Landesrecht geschützte Gebäude oder Gebäudemehrheiten
Beheizte Räume
Räume, die auf Grund bestimmungsmäßiger Nutzung direkt oder
durch Raumverbund beheizt werden.
Gekühlte Räume
Räume, die auf Grund bestimmungsmäßiger Nutzung direkt oder
durch Raumverbund gekühlt werden.
Wohnfläche
Wohnfläche nach Wohnflächen-VO oder anderen Rechtsvorschriften
bzw. a.a.R.d.T.
Nutzfläche
Nutzfläche nach a.a.R.d.T., die beheizt oder gekühlt wird.
Nutzfläche mit starkem Öffentlich zugängliche Nutzfläche (insbesondere in Einrichtungen mit
Publikumsverkehr
gewerblicher, freiberuflicher, kultureller, sozialer oder behördlicher
Nutzung), die während ihrer Öffnungszeiten von einer großen Zahl
von Menschen aufgesucht werden.
Gebäudenutzfläche AN Wohngebäude: Ermittlung aus dem beheizten Gebäudevolumen
Nettogrundfläche
Nettogrundfläche nach a.a.R.d.T., die beheizt oder gekühlt wird.
Wärmeübertragende
a) Wohngebäude: äußere Begrenzungsfläche aller beheizten und
Umfassungsfläche A
gekühlten Räume entsprechend den in DIN V 18599-1
(12.2011) Abschnitt 8 angegebenen Bemaßungsregeln
b) Nichtwohngebäude: äußere Begrenzungsflächen mindestens aller
konditionierten (beheizten und/oder gekühlten) Zonen nach
DIN V 18 599-1 (12.2011) Abschnitt 8
Bei Wohngebäuden das Volumen, das von der entsprechenden wärBeheiztes
meübertragenden Umfassungsfläche A umschlossen wird.
Gebäudevolumen Ve
Heizkessel
Der aus Kessel und Brenner bestehende Wärmeerzeuger, der zur
Übertragung der durch die Verbrennung freigesetzten Wärme an den
Wärmeträger „Wasser“ dient.
Geräte
Der mit einem Brenner auszurüstende Kessel sowie der zur Ausrüstung eines Kessels bestimmte Brenner.
NiedertemperaturHeizkessel, der kontinuierlich mit einer Eintrittstemperatur von 35 bis
Heizkessel
40 °C betrieben werden kann und in dem es unter bestimmten Umständen zur Kondensation des in den Abgasen enthaltenen Wasserdampfes kommen kann.
Brennwertkessel
Heizkessel, der für die Kondensation eines Großteils des in den Abgasen enthaltenen Wasserdampfes konstruiert ist.
Nennleistung
Die vom Hersteller festgelegte und im Dauerbetrieb unter Beachtung
des vom Hersteller angegebenen Wirkungsgrades als einhaltbar garantierte größte Wärme- oder Kälteleistung in kW.
Erneuerbare Energie
Solare Strahlungsenergie, Umweltwärme, Geothermie, Wasserkraft,
Windenergie und Energie aus Biomasse
Elektrische
Heizsysteme mit vom Energielieferanten unterbrechbarem StrombeSpeicherheizsysteme zug, die nur in den Zeiten außerhalb des unterbrochenen Betriebes
durch eine Widerstandsheizung Wärme in einem geeigneten Speichermedium speichern.
Erläuterung der Abkürzungen:
VO = Verordnung;
a.a.R.d.T. = allgemein anerkannte Regeln der Technik.
10.16Bauphysik
Abb. 10.16 Lage der Grenzen (fette Linie)
der wärmeübertragenden Umfassungsflächen gemäß EnEV 2014
Die wärmeübertragende Umfassungsfläche
eines Wohngebäudes wird nach DIN V
18599-1 ermittelt. Das bedeutet zunächst
Außenmaßbezug aller Außenbauteile (inkl.
evtl. vorhandener Wärmedämmung und
Putzschicht); für oberste Geschossdecke
sowie unteren Gebäudeabschluss ist die
Oberkante der Rohdecke unabhängig von
der Lage einer ggf. vorhandenen Dämmschicht als Bezugsmaß anzunehmen.
2.4
Anforderungen
2.4.1 Wohngebäude (Neubau)
Neu zu errichtende Wohngebäude sind so auszuführen, dass die Höchstwerte des spezifischen, auf
die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlustes HT' nach Tafel
10.16 nicht überschritten werden.
Tafel 10.16 Höchstwerte des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts HT'
Gebäudetyp
Freistehendes Wohngebäude
Höchstwert des spezifischen
Transmissionswärmeverlustes HT'
in W/(m2·K)
mit AN ≤ 350 m2
0,40
mit AN > 350 m2
0,50
Einseitig angebautes Wohngebäude1)
0,45
Alle anderen Wohngebäude
0,65
Erweiterungen und Ausbauten von Wohngebäuden
Alle Wohngebäude (gilt ab dem 1. Januar 2016)
1)
0,65
HT' des jeweiligen Referenzgebäudes
Einseitig angebaut ist ein Wohngebäude, wenn von den vertikalen Flächen dieses Gebäudes, die nach einer
Himmelsrichtung weisen, ein Anteil ≥ 80 % an ein anderes Wohngebäude oder an ein Nichtwohngebäude
mit einer Raum-Solltemperatur ≥ 19 Grad Celsius angrenzt.
Zu errichtende Wohngebäude sind weiterhin so auszuführen, dass der Jahres-Primärenergiebedarf
für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung den Wert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes entsprechend den Vorgaben nach Tafel 10.17 nicht überschreitet.
Unter einem Referenzgebäude versteht man ein entwurfsidentisches Gebäude (d. h. also gleiche
Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung), jedoch mit vorgegebener Ausführung von Gebäudehülle und Anlagenkonfiguration.
Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) kann im Einvernehmen
mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie für Gruppen von nicht gekühlten
Wohngebäuden auf der Grundlage von Modellberechnungen bestimmte Ausstattungsvarianten beschreiben, die unter dort definierten Anwendungsvoraussetzungen die beschriebenen Anforderungen an die Gebäudehülle und den Jahres-Primärenergiebedarf generell erfüllen, und diese im Bundesanzeiger bekannt machen (→ „Modellgebäude-Verfahren“ oder auch „EnEV-easy“).
Die Anwendungsvoraussetzungen können sich auf die Größe, die Form, die Ausrichtung und die
Dichtheit der Gebäude sowie auf die Vermeidung von Wärmebrücken und auf die Anteile von bestimmten Außenbauteilen an der wärmeübertragenden Umfassungsfläche beziehen. Die Einhaltung
der in den Absätzen 1, 2 und 4 der EnEV 2014 festgelegten Anforderungen wird vermutet, wenn ein
nicht gekühltes Wohngebäude die Anwendungsvoraussetzungen erfüllt, die in der Bekanntmachung
definiert sind, und gemäß einer der dazu beschriebenen Ausstattungsvarianten errichtet wird; Berechnungen nach Absatz 3 der EnEV 2014 sind nicht erforderlich.
Energieeinsparverordnung – EnEV 201410.17
Tafel 10.17 Ausführung des Referenzgebäudes (Wohngebäude)
Bauteil oder Anlage
Referenzausführung
Gebäudehülle
Ab 1. Januar 2016 gilt:
Der nach einem in der EnEV 2014 vorgegebenen Verfahren berechnete Jahres-Primärenergiebedarf
des Referenzgebäudes ist für Neubauvorhaben mit dem Faktor 0,75 zu multiplizieren.
Außenwand (einschl. Einbauten, wie z.B. Rollladenkästen), Geschossdecke
gegen Außenluft
Außenwand gegen Erdreich, Bodenplatte, Wände
und Decken zu unbeheizten
Räumen
Dach, oberste Geschossdecke, Wände zu Abseiten
Fenster, Fenstertüren
U = 0,35 W/(m2K)
Dachflächenfenster
UW = 1,40 W/(m2K) und gA = 60 %
Lichtkuppeln
UW = 2,70 W/(m2K) und gA = 64 %
Außentüren
U = 1,80 W/(m2K)
Wärmebrückenzuschlag
'UWB = 0,05 W/(m2K)
Luftdichtheit der
Gebäudehülle
Sonnenschutzvorrichtung
U = 0,28 W/(m2K)
U = 0,20 W/(m2K)
UW = 1,30 W/(m2K) und gA = 60 %
Bemessungswert n50:
Bei Berechnung nach DIN V 4108-6 (06.2003) mit Dichtheitsprüfung, nach DIN V 18 599-2 (12.2011) nach Kategorie I
keine anzurechnenden Sonnenschutzvorrichtungen
Ɣ
Ɣ
Heizungsanlage
Anlagentechnik
Ɣ
Ɣ
Ɣ
Ɣ
Ɣ
Anlage zur
Warmwasserbereitung
Ɣ
Wärmeerzeugung durch Brennwertkessel (verbessert),
Heizöl EL, Aufstellung:
– AN † 500 m2: innerhalb der thermischen Hülle
– AN > 500 m2: außerhalb der thermischen Hülle
Auslegungstemperatur 55/45 °C, zentrales Verteilsystem innerhalb der wärmeübertragenden Umfassungsfläche, innen liegende
Stränge und Anbindeleitungen, Standard-Leitungslängen nach
DIN 4701-10 (08.2003) Tab. 5.3-2, Pumpe auf Bedarf ausgelegt
(geregelt, ǻp konstant), Rohrnetz hydraulisch abgeglichen
Wärmeübergabe mit freien statischen Heizflächen, Anordnung
an normaler Außenwand, Thermostatventile mit Proportionalbereich 1 K
zentrale Warmwasserbereitung
gemeinsame Wärmebereitung mit Heizungsanlage
Berechnung von QP nach DIN V 18599 (12.2011):
Solaranlage mit Flachkollektor sowie Speicher ausgelegt gemäß
DIN V 18599-8 (12.2011) Tab. 5
Berechnung von QP nach DIN 4108-6 (06.2003):
Solaranlage mit Flachkollektor zur ausschließlichen Trinkwassererwärmung mit Speicher, indirekt beheizt, stehend, gleiche
Aufstellung wie Wärmeerzeuger
– kleine Solaranlage bei AN † 500 m2 (bivalenter Solarspeicher)
– große Solaranlage bei AN > 500 m2
Verteilsystem innerhalb der wärmeübertragenden Umfassungsfläche, innen liegende Stränge, gemeinsame Installationswand,
Standard-Leitungslängen nach DIN 4701-10 (08.2003) Tabelle
5.3-2 mit Zirkulation
Kühlung
keine Kühlung
Lüftung
zentrale Abluftanlage, bedarfsgeführt mit geregeltem DC-Ventilator
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