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Rytmonorma 150 mg-Filmtabletten
2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung
1 Filmtablette enthält 150 mg Propafenonhydrochlorid.
Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. Darreichungsform
Filmtablette.
Weiße, bikonvexe Filmtabletten mit Prägung „150“ auf einer Seite.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Symptomatische bzw. behandlungsbedürftige:
– tachykarde supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen, wie z.B. AV-junktionale Tachykardien,
supraventrikuläre Tachykardien bei WPW-Syndrom oder paroxysmales Vorhofflimmern;
– ventrikuläre
Extrasystolen.
Schwerwiegende
symptomatische
ventrikuläre
tachykarde
Herzrhythmusstörungen, wenn diese lebensbedrohend sind.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung:
Oral:
Erwachsene
Die Ermittlung der individuellen Erhaltungsdosis, besonders bei ventrikulären Rhythmusstörungen
sollte unter kardiologischer Überwachung mit mehrmaliger EKG- (PQ-Zeit, QRS-Dauer) und Blutdruckkontrolle erfolgen. Dies gilt besonders für die erste Therapiewoche. Bei Verlängerung der QRSDauer über 20% oder der frequenzkorrigierten QT-Zeit soll die Dosis reduziert oder bis zur Normalisierung des EKG ausgesetzt werden. Während der Erhaltungstherapie z.B. in einmonatigen Abständen
Standard-EKG und in dreimonatigen Intervallen ein Langzeit- bzw. gegebenenfalls ein BelastungsEKG.
Die Dosierung richtet sich nach dem individuellen Schweregrad der Erkrankung.
Im Allgemeinen gelten folgende Dosierungsrichtlinien:
Bei Patienten mit einem Körpergewicht von 70 kg wird für die Initial- und Erhaltungstherapie eine
Tagesdosis von 450 – 600 mg (aufgeteilt auf 2 – 3 Dosen pro Tag) empfohlen. In seltenen Fällen kann
es notwendig sein, die Tagesdosis auf 900 mg Propafenonhydrochlorid zu steigern. Bei Patienten mit
geringerem Körpergewicht (<70 kg) sind die Tagesdosen dementsprechend anzupassen. Eine Erhöhung der Dosis sollte erst nach 3 – 4 Behandlungstagen vorgenommen werden.
Bei Verlängerung der QRS-Dauer oder beim Auftreten eines AV-Blocks 2. oder 3. Grades, sollte eine
Verringerung der Dosis in Betracht gezogen werden.
Die Behandlung ist bei aufmerksamer Beobachtung des Patienten und unter EKG- und Blutdruckkontrolle mit möglichst niedrigen Dosen zu beginnen.
Patienten mit eingeschränkter Leber- und/oder Nierenfunktion
Es ist wichtig, Rytmonorma nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten zu dosieren. Eine bestehende Leberinsuffizienz beeinflusst das Ansprechen des Patienten auf das Arzneimittel. Da Propafenon über die Leber metabolisiert wird, soll die Dosis bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion
titriert werden. Je nach Ansprechen ist eine Reduktion der Dosierung bis auf 20% der Dosis bei normaler Leberfunktion möglich.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion können therapeutische Dosen zur Kumulation von Muttersubstanz
und Metaboliten führen. Unter EKG-Kontrolle und klinischer Kontrolle können jedoch auch diese
Patienten gut mit Rytmonorma eingestellt werden.
Ältere Patienten (>65a):
Bei älteren Personen oder Patienten mit stark eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (LVEF
<35%) oder strukturellen myokardialen Erkrankungen sollte die Therapie besonders vorsichtig (einschleichend) begonnen werden.
Es wird empfohlen, eine therapeutisch notwendige Dosiserhöhung bei diesen Patienten erst nach
etwa 5-8 Tagen vorzunehmen.
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren:
Bei Kindern wird eine Tagesdosis von 10 – 20 mg Propafenonhydrochlorid pro kg Körpergewicht
(aufgeteilt auf 3 – 4 Dosen pro Tag) zur Initial- und Erhaltungstherapie empfohlen.
Eine Erhöhung der Dosis sollte erst nach 3 – 4 Behandlungstagen vorgenommen werden.
Die Behandlung ist bei aufmerksamer Beobachtung des Patienten und unter EKG- und Blutdruckkontrolle mit möglichst niedrigen Dosen zu beginnen.
Art der Anwendung
Die Filmtabletten sind wegen ihres bitteren Geschmacks und ihrer lokalanästhetischen Wirkung ungelutscht und unzerkaut kurz nach den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit einzunehmen.
Dauer der Anwendung
Die orale Anwendung von Rytmonorma ist eine Dauertherapie. Außer im Notfall ist abruptes Absetzen
zu vermeiden. Stattdessen soll bei Bedarf die Dosierung langsam reduziert werden.
4.3 Gegenanzeigen
– Überempfindlichkeit gegen Propafenonhydrochlorid oder einen der sonstigen Bestandteile;
– Bekanntes Brugada-Syndrom
– signifikante strukturelle Herzerkrankungen:
• unkontrollierte eingeschränkte Herzleistung mit einem linksventrikulären Auswurfvolumen < 35 %
• kardiogener, nicht arrhythmiebedingter Schock
• schwere symptomatische Bradykardie;
• innerhalb der ersten drei Monate nach Myokardinfarkt
• bestehende höhergradige sinuatriale, atrioventrikuläre und intraventrikuläre Störungen der Erregungsleitung (Adams-Stokes-Anfälle) ohne implantiertem Schrittmacher; Sinusknotensyndrom
(Bradykardie-Tachykardie-Syndrom);
– Ausgeprägte Hypotonie;
– Digitalisüberdosierung;
– Manifeste Störungen des Elektrolythaushaltes (besonders Kalium);
– Schwere obstruktive Lungenerkrankungen;
– Myasthenia gravis;
– Bei gleichzeitiger Einnahme von Ritonavir und Propafenon kann es zu einer Steigerung der Propafenonplasmakonzentration kommen; daher ist die gleichzeitige Gabe kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.5. Wechselwirkungen).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Vor sowie während der Therapie mit Rytmonorma muss eine klinische Kontrolle sowie EKG-Kontrolle
erfolgen. Je nach Therapieerfolg soll über das Fortsetzen der Behandlung mit Propafenon entschieden werden.
Bei eingeschränkter Nieren- bzw. Leberfunktion können auch therapeutische Dosen von Propafenonhydrochlorid zur Kumulation führen, unter EKG-Kontrolle kann aber auch an solchen Patienten eine
zufriedenstellende Einstellung erreicht werden.
Bei Patienten mit asymptomatischem Verlauf des Brugada-Syndroms kann es nach der Gabe von
Propafenon zu ausgeprägten Brugada Symptomen oder Brugada typischen Veränderungen des EKG
kommen. Nach Beginn einer Therapie mit Propafenon sollte ein EKG durchgeführt werden um ein
vorhandenes Brugada-Syndrom auszuschließen.
Bei kardial dekompensierten Patienten ist vor einer Behandlung mit Propafenon eine Rekompensation
erforderlich.
Eine Umwandlung eines paroxysmalen Vorhofflimmerns in ein Vorhofflattern mit begleitendem 2:1Überleitungs-Block oder 1:1-Überleitung mit möglicherweise daraus resultierender hoher Herzkammerfrequenz (z.B. >180 Schläge pro Minute) kann nicht ausgeschlossen werden (siehe Abschnitt 4.8.
Nebenwirkungen).
Unter der Therapie mit Rytmonorma können die Pacing- und Sensingschwelle von Herzschrittmachern
verändert werden. Die Funktion des Herzschrittmachers sollte überprüft und, falls erforderlich, neu
programmiert werden.
So wie bei anderen Klasse 1c-Antiarrhythmika können bei Patienten mit signifikanten, strukturellen
Herzerkrankungen schwere Nebenwirkungen unter Propafenontherapie auftreten. Für diese Patienten
ist Propafenon daher kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3. Gegenanzeigen).
Bei Patienten mit obstruktiven Veränderungen der Atemwege (z.B. Asthma) ist bei der Behandlung mit
Propafenonhydrochlorid besondere Vorsicht geboten. Bei schweren obstruktiven Lungenerkrankungen
ist Propafenon kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3. Gegenanzeigen).
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Kombinationspartner
Mögliche Effekte
Amiodaron
Kombinationstherapie von Amiodaron mit Propafenon
kann die Leitung und Repolarisation beeinflussen und
zu proarrhythmischen Abweichungen führen. Die
Dosis beider Wirkstoffe sollte gemäß dem therapeutischen Ansprechen abgestimmt werden.
Antiarrhythmika, Betarezeptorenblocker, Kalzi- verstärkte kardiodepressorische Effekte
umantagonisten und Arzneimittel die Frequenz
oder Kontraktilität hemmen
Antidepressiva, tetra-, trizyklisch (z.B. Deverstärkte kardiodepressorische Effekte, Verstärkung
sipramin)
der Nebenwirkungen der Antidepressiva
Erhöhung der Plasmaspiegels von Propafenon (GeSelektive Serotonin- Wiederaufnahmehemmer, meinsame Gabe von Propafenon und Fluoxetin führte
bei „schnellen Metabolisierern“ zu einem Anstieg von
z.B. Fluoxetin und Paroxetin
Cmax (+39%) und AUC (+50%) des linksdrehenden
Enantiomers S- Propafenon sowie zu einem Anstieg
von Cmax (+71%) und AUC (+50%) des rechtsdrehenden R-Propafenon).
Eine geringere Dosis könnte für den therapeutischen
Effekt ausreichend sein.
Antikoagulantien, oral
Verstärkung der Antikoagulantien- Wirkung, die zu
einer Verlängerung der Prothrombinzeit führt. Es
sollte eine sorgfältige Kontrolle des Gerinnungsstatus
bei den betreffenden Patienten erfolgen
Betarezeptorenblocker, wie Propranolol und
Erhöhung der Plasmaspiegel der BetarezeptorenbloMetoprolol
cker, ohne Beeinflussung des Propafenonspiegels
Chinidin
Verlangsamung der Metabolisierung von Propafenon
und Erhöhung des Plasmaspiegels
Cimetidin
Erhöhung des Propafenonplasmaspiegels (ca.20%)
Ciclosporin
Erhöhung des Ciclosporinplasmaspiegels
Digoxin
Dosisabhängige Erhöhung des Digoxinplasmaspiegels von ca. 35% (450 mg/d) - ca. 85% (900mg/d).
Gegebenenfalls sollte die Plasmakonzentration bestimmt und nötigenfalls die Dosis reduziert werden
CYP3A4-Induktoren (z.B. Rifampicin und Barbi- Therapierelevante Verminderung des Propafeturate)
nonspiegels
Lokalanästhetika (z.B. bei Schrittmacherimplan- verstärkte kardiodepressorische Effekte
tationen, chirurgischen oder zahnärztlichen
Maßnahmen)
Infiltrations- und Leitungsanästhesie mit Lido- erhöhtes Risiko von zentralnervösen Nebenwirkuncain
gen des Lidocains
Muskelrelaxantien
Verstärkung der muskelrelaxierenden Wirkung
Narkotika
verstärkte kardiodepressorische Effekte
Neuroleptika (Thioridazin)
verstärkte kardiodepressorische Effekte
Parasympatholytika
Verstärkung der parasympatholytischen Wirkung
Phenobarbital
Phenobarbital wird über das CYP3A4 System metabolisiert, das Ansprechen auf die Propafenontherapie
soll während der gleichzeitigen Therapie mit Phenobarbital überwacht werden.
Ritonavir
eine gleichzeitige Einnahme von Ritonavir ist
kontraindiziert! (siehe Abschnitt 4.3 Gegenanzeigen)
Theophyllin
Erhöhung der Plasmakonzentration (ca. 50%) von
Theophyllin
Eine Verabreichung von Propafenon gemeinsam mit Arzneimitteln, die über CYP2D6 metabolisiert
werden (z.B. Venlafaxin), führt zu erhöhten Plasmakonzentrationen dieser Substanzen.
Arzneimittel, die CYP2D6, CYP1A2 und CYP3A4 inhibieren, wie z.B. Ketoconazol, Cimetidin, Chinidin,
Erythromycin und Grapefruitsaft führen zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Propafenon.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Beim Menschen liegen über die Anwendung von Propafenon während der Schwangerschaft keine
ausreichenden Erfahrungen vor. Propafenon passiert die Plazentaschranke. Messungen ergaben eine
intraumbilikale Propafenon- Konzentration von ca. 30% der mütterlichen Plasmakonzentration.
Propafenonhydrochlorid sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen die eventuellen Risiken für den Fötus überwiegt. Siehe auch Abschnitt 5.3.
Stillzeit
Zurzeit liegen keine Daten aus Klinischen Studien vor, die den Übergang von Propafenon in die Muttermilch untersuchen. Eingeschränkte Daten zeigen jedoch, dass Propafenon in die Muttermilch übergeht, weswegen eine Propafenontherapie bei stillenden Müttern mit Vorsicht angewandt werden sollte.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Durch die Einnahme von Propafenon kann das Reaktionsvermögen so weit verändert werden, dass
die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies sollte besonders zu Beginn der Behandlung mit Propafenon sowie bei Änderungen
der Medikation und im Zusammenwirken mit Alkohol berücksichtigt werden.
4.8 Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schwindelgefühle, Herzleitungsstörungen und Palpitationen.
Untenstehend aufgeführte Nebenwirkungen wurden nach der Häufigkeit ihres Auftretens wie folgt
klassifiziert:
Sehr häufig (≥1/10), Häufig (≥1/100, <1/10), Gelegentlich (≥1/1.000, <1/100), Selten (≥1/10.000,
<1/1.000), Sehr selten (<1/10.000), Unbekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten
nicht abschätzbar).
Innerhalb der Häufigkeitsgruppierungen sind die Nebenwirkungen, falls beurteilbar, dem Schweregrad
entsprechend absteigend geordnet.
Systemorganklasse Sehr Häufig
Häufig
Gelegentlich
Unbekannt
Thrombozytopenie Agranulozytose
Erkrankungen des
Leukozytopenie
Blutes und des
Granulozytopenie
Lymphsystems
HypersensitivitätsErkrankungen des
reaktionen1
Immunsystems
Anorexie
Stoffwechsel- und
Ernährungsstörungen
Angst
Alpträume
VerwirrtheitszustänPsychiatrische ErSchlafstörungen
de
krankungen
Krämpfe
Erkrankungen des Schwindelgefühl2 Kopfschmerzen Synkopen
Dysgeusie
Ataxie
Extrapyramidale
Nervensystems
Parästhesien
Symptome
Unruhegefühl
Sehstörungen
Augenerkrankungen
Vertigo
Erkrankungen des
Ohrs und des Labyrinths
Sinusbradykardie Ventrikuläre
Kammerflimmern
Herzerkrankungen Leitungsstörungen3
Bradykardie
Tachykardie
Herzinsuffizienz4
Palpitation
Tachykardie
Arrhytmien
Kammerflattern
Hypotonie
Orthostatische HypoGefäßerkrankungen
tonie
Dyspnoe
Erkrankungen der
Atemwege, des
Brustraums und
Mediastinums
Bauchschmerzen Blähungen
Würgereiz
Erkrankungen des
Erbrechen
Flatulenz
VerdauungsstörunGastrointestiDurchfall
gen
naltrakts
Verstopfung
Trockener Mund
Leberläsionen
Abnormale LeLeber- und GalleCholestase
berfunktion5
nerkrankungen
Hepatitis
Gelbsucht
Urtikaria
Erkrankungen der
Pruritus
Haut und des UnterExanthem
hautzellgewebes
Erythem
Systemischer Lupus
Skelettmuskulatur-,
erythematodes
Bindegewebs- und
Knochenerkran-
kungen
Erkrankungen der
Geschlechtsorgane
und der Brustdrüse
Allgemeine Erkrankungen
Erektile Dysfunkti- Verminderte Speron
mienzahl6
Brustschmerzen
Asthenie
Müdigkeit
Fieber
Verlängerung des
QRS-Komplexes
Transaminasen erhöht
Alkalische Phosphatase erhöht
1 Mögliche Symptome: Cholestase, veränderte Blutwerte, Ausschlag 2 Ohne Vertigo
3 Inkludiert SA-Block, AV-Block und IV-Block
4 Es kann zu einer Verschlechterung einer vorbestehenden Herzinsuffizienz kommen.
5 Dieser
Bergriff beinhaltet abnormale Leberfunktionstests wie z.B. erhöhte AspartatAminotransferase, erhöhte Alanin-Aminotransferase, erhöhte Gamma-Glutamyltransferase und erhöhte Alkaline-Phosphatase im Blut.
6 Eine verminderte Spermienzahl ist nach Absetzen von Propafenonhydrochlorid reversibel.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie
ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko- Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über
das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 Wien
Österreich
Fax: + 43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/.
4.9 Überdosierung
Symptome einer Überdosierung:
– Kardiale Symptome
Die toxischen Wirkungen von Propafenonhydrochlorid am Herzen äußern sich in Erregungsbildungs- und Erregungsleitungsstörungen wie PQ-Verlängerung, Verlängerung des QRSKomplexes, Unterdrückung der Sinusknotenautomatie, AV-Blockierungen, Kammertachykardie,
Kammerflattern und Kammerflimmern. Außerdem kann die Verminderung der Kontraktionskraft
(negative Inotropie) zur Hypotonie bis zum kardiogenen Schock führen.
– Extrakardiale Symptome
Häufig können Kopfschmerzen, Schwindelzustände, Sehstörungen, Parästhesien, Tremor, Übelkeit, Obstipation und Mundtrockenheit auftreten.
Bei schweren Intoxikationen kann es zu klonisch-tonischen Krämpfen, Parästhesien, Somnolenz,
Koma und Atemstillstand kommen. Todesfälle können auftreten.
Therapie bei einer Überdosierung:
Neben allgemeinen Maßnahmen müssen unter intensivmedizinischen Bedingungen die vitalen Parameter überwacht und ggf. korrigiert werden.
Spezifische Maßnahmen:
– Bradykardie:
Reduzierung der Dosis oder Absetzen des Arzneimittels, gegebenenfalls Atropin.
– SA-Block und AV-Block II. oder III. Grades:
– Atropin
– Orciprenalin
– gegebenenfalls Schrittmachertherpie
– Intraventrikulärer Block (Schenkelblock):
Reduzierung der Dosis oder Absetzen des Arzneimittels, gegebenenfalls Elektrotherapie, da kein sicheres Antidot zur Behebung der durch Antiarrhythmika der Klasse I induzierten Schenkelblockade
zur Verfügung steht. Falls eine Elektrostimulation nicht durchführbar ist, sollte der Versuch, die QRSDauer zu verkürzen, mit hohen Dosen von Orciprenalin gemacht werden.
– Myokardiale Insuffizienz mit Blutdruckabfall:
Untersuchungen
– Absetzen des Arzneimittels
– Herzglykoside
Bei Lungenödem Nitroglyzerin hochdosiert, Diuretika, falls erforderlich, Katecholamine (z.B. Adrenalin
und/oder Dopamin und Dobutamin).
– Maßnahmen bei schweren Intoxikationen (z.B. Suizidversuch):
– bei schwerer Hypotonie und Bradykardie (in der Regel bewusstloser Patient): Atropin 0,5-1 mg
i.v., Adrenalin 0,5-1 mg i.v., evt. Adrenalindauertropf. Die Tropfgeschwindigkeit richtet sich nach
der klinischen Wirkung.
– bei zerebralen Krämpfen: Diazepam i.v., Sicherung der Atemwege, notfalls Intubation und kontrollierte Beatmung unter Relaxation (z.B. Pancuronium 2-6 mg).
– Bei Kreislaufstillstand durch Asystolie oder Kammerflimmern:
– Basismaßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation (ABC-Regel): Atemwege freimachen bzw.
Intubation. Beatmen, wenn möglich mit erhöhter Sauerstoffzufuhr. Circulation, d.h. externe
Herzmassage (notfalls über mehrere Stunden!).
– Adrenalin 0,5-1 mg i.v. bzw. 1,5 mg, mit 10 ml physiologischer Kochsalzlösung verdünnt, über
Tubus intratracheal. Mehrfache Wiederholung nach klinischer Wirkung.
– Natriumbicarbonat 8,4%, initial 1 ml/kg KG i.v., Wiederholung nach 15 min. Bei Kammerflimmern
Defibrillation. Bei Therapieresistenz Wiederholung nach Vorgabe von 5-15 mval Kaliumchloridlösung i.v.
– Infusion unter Zusatz von Katecholaminen (Adrenalin und/oder Dopamin/Dobutamin).
– Evt. Infusion unter Zusatz von konzentrierter Natriumchloridlösung (80 – 100 mval) bis zum Erreichen eines Serum-Natriumspiegels von 145-150 mval/l.
– Magenspülung
– Dexamethason 25-50 mg i.v.
– Sorbitlösung 40% 1 ml/kg KG i.v.
– Schrittmacher
Symptomatische intensivmedizinische Maßnahmen. Eliminationsversuche mit Hämoperfusion sind
wenig wirksam. Hämodialyse ist infolge hoher Eiweißbindung (>95 %) und großen Verteilungsvolumens ineffektiv.
Allgemeine unterstützende Behandlung und Medikation für Symptombehandlung kann analog lokaler
Behandlungsrichtlinien notwendig sein.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antiarrhythmikum der Klasse Ic:
ATC-Code: C01BC03:
Propafenonhydrochlorid stellt ein Antiarrhythmikum der Klasse Ic nach Vaughan Williams dar, das
lokalanästhetische bzw. membranstabilisierende Eigenschaften besitzt. Es blockiert den schnellen
Natrium-Einwärtsstrom und verlangsamt so den Anstieg des Aktionspotentials. Die Verlangsamung
der Erregungsleitung wirkt im Sinne einer Frequenzerniedrigung ektoper und normotoper Schrittmacherzentren, die atrioventrikuläre und die intraventrikuläre Erregungsleitung werden verzögert. Die
Substanz verlängert die Überleitungs- und Refraktärzeit in allen Bereichen des Myokards, wobei der
Effekt auf die intrakardiale Überleitung und das His-Purkinje- System besonders ausgeprägt erscheint.
Darüber hinaus wurde in klinischen Untersuchungen ein Betarezeptoren-blockierender Effekt nachgewiesen.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Absorption
Propafenonhydrochlorid wird bei oraler Applikation nahezu vollständig resorbiert. Maximale Plasmaspiegel zeigen sich nach ca. 2 – 3 Stunden. Aufgrund des ausgeprägten First-pass-Metabolismus
ergibt sich in Abhängigkeit von steigender Dosis eine zunehmende Bioverfügbarkeit. Bei wiederholter
Verabreichung steigen Plasmakonzentration und Bioverfügbarkeit durch Sättigung des First-passEffektes überproportional an, wobei ein Steady-State der Plasmaspiegel nach 3 – 4 Tagen erreicht
wird. Dadurch kann die Dosierung, unabhängig vom metabolischen Status (langsame oder schnelle
Metabolisierer), für alle Patienten gleich erfolgen.
Distribution
Die Bindung an Plasmaproteine beträgt im therapeutischen Konzentrationsbereich über 95%.
Metabolismus
Die Metabolisierung erfolgt hauptsächlich in der Leber, in zwei aktive Metabolite und ist genetisch
determiniert, dementsprechend ist die Ausscheidung der Substanz großen individuellen Schwankungen unterworfen. Bei schnellen Metabolisierern besteht eine nichtlineare, bei langsamen Metabolisierern eine lineare Pharmakokinetik.
Elimination
Die Substanz wird sowohl renal (<40%) als auch fäkal (>50%) ausgeschieden, daher ist bei eingeschränkter Leber- bzw. Nierenfunktion Vorsicht geboten.
Unverändertes Propafenon wird in Harn und Faeces zu ca. 1% ausgeschieden. Die terminale Halbwertszeit der Elimination schwankt genetisch determiniert zwischen 2 und 10 Stunden bei schnellen
Metabolisierern (ca. >90% der Patienten) und 10 – 32 Stunden bei langsamen Metabolisierern (ca.
<10% der Patienten; bei ihnen können die maximalen Plasmaspiegel um das 1,5 – 2-fache höher
liegen als bei schnellen Metabolisierern, bei täglichen Dosen von ca. 600 - 900 mg).
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Chronische Toxizität
In Versuchen zur subchronischen/chronischen Toxizität kam es bei Affen, Kaninchen und Hunden,
nicht aber bei Ratten, nur im toxischen intravenösen Dosisbereich zu unregelmäßig auftretenden,
reversiblen Spermatogenesestörungen.
In Untersuchungen zur chronischen Toxizität bei oraler Applikation traten diese Effekte nicht auf.
Beim Menschen wurde in Einzelfällen eine reversible Abnahme der Anzahl von Spermatozyten beobachtet.
Mutagenes und tumorerzeugendes Potential
Propafenon wurde in mehreren In-vivo- und In-vitro-Tests auf mutagene Wirkungen geprüft. Es ergaben sich keine relevanten Hinweise auf eine mutagene Wirkung.
Langzeituntersuchungen an geeigneten Tierspezies (Ratte und Maus) lieferten keine Anhaltspunkte
für ein tumorerzeugendes Potential von Propafenon.
Reproduktions- und Entwicklungstoxizität
In Tierversuchen an Ratten und Kaninchen erwies sich Propafenon bei hoher Dosierung (10- und 40fache humane Maximaldosis) als embryotoxisch. In beiden Tierarten konnte kein teratogener Effekt
festgestellt werden. Bei Verabreichung an Ratten während der Fetalentwicklung und Laktation kam es
bei 6-facher humaner Maximaldosis zu einer dosisabhängigen Erhöhung der maternalen und neonatalen Mortalität sowie zu einer verzögerten Gewichtsentwicklung und zu reduzierter physiologischer
Entwicklung der Neugeborenen. Es liegen beim Menschen keine Untersuchungen über mögliche
Langzeitfolgen einer prä- oder postnatalen Exposition vor.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Mikrokristalline Cellulose
Croscarmellose-Natrium
Maisstärke
Hypromellose
Magnesiumstearat
Gereinigtes Wasser
Macrogol 400
Macrogol 6000
Titandioxid (E 171)
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
36 Monate
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Hartfolie aus PVC und Aluminiumfolie, mit Heißsiegellack. Blisterpackung zu 20 und 50 Stück.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu
entsorgen.
7. Inhaber der Zulassung
Abbott Ges.m.b.H., 1230 Wien
8. Zulassungsnummer:
16.590
9. Datum der Erteilung der Zulassung/Verlängerung der Zulassung:
30. Oktober 1979 / 23. August 2006
10. Stand der Information:
August 2014
Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht:
Rezept- und apothekenpflichtig.
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Gesundheitswesen
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