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Informationen zum Neubau des BMBF am Dienstsitz Berlin

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Der Neubau des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung
am Dienstsitz Berlin
Presserundgang am 15. Oktober 2014
Inhalt
Die Besichtigungsroute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Der neue Dienstsitz des BMBF in Berlin – ein erfolgreiches Neubauprojekt
in Öffentlich-Privater Partnerschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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. . . . . . . . . . . . . . .7
Das Projekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Warum ein neues Gebäude? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Die Suche nach dem „richtigen“ Standort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Rahmenbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Das Gebäude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
Die Architektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .11
Besondere Anforderungen an ­Nachhaltigkeit und Energieeffizienz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Konzept zur Barrierefreiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17
Büroraumkonzeption und Farbkonzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18
Kunst am Bau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .19
Das Neubauprojekt als Öffentlich-Private Partnerschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .23
Das Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .23
Projektbeteiligte und -strukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
ÖPP bietet hohe Sicherheit für die öffentliche Hand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25
ÖPP ermöglicht hohe Architekturqualität und Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Meilensteine des Projekts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .27
Die wichtigsten Projektdaten .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Die Besichtigungsroute
4
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Der neue Dienstsitz
7
Der neue Dienstsitz des BMBF in Berlin
– ein erfolgreiches Neubauprojekt
in Öffentlich-Privater Partnerschaft
Im Oktober 2014 bezieht das BMBF mit seinem B
­ erliner
Dienstsitz den Neubau am Kapelle-Ufer in Berlin-Mitte
in unmittelbarer Nähe zu Reichstag, ­Kanzleramt und
Hauptbahnhof. Damit ist es gelungen, im Zeit- und
Kostenrahmen ein den ­Aufgaben des Ministeriums
– Bildung, Forschung, Innovation – und dem heraus­
gehobenen Standort in hohem Maße gerecht werdendes Gebäude in Betrieb zu nehmen. Das neue Gebäude
bietet nicht nur den Berliner Beschäftigten des BMBF
vorbild­liche Arbeitsbedingungen, sondern auch
• eine hohe architektonische und bauliche Qualität
sowie
• eine innovative und nachhaltige Konstruktion,
­Technik und Energieversorgung:
–Der Jahresprimärenergiebedarf liegt ca.
50 Prozent unterhalb der Vorgabe der aktuellen
Energie­einsparverordnung.
–Das Gebäude wird die höchste Auszeichnungs­
stufe „Gold“ nach dem Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB)
erhalten.
Beim Neubau des BMBF handelt es sich um das erste
zivile Hoch­bauvorhaben des Bundes, das im Rahmen
einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) reali­siert
wurde. Dabei wurde sowohl der ursprünglich fest­gelegte
Zeitplan (Übergabe des Gebäudes nach rd. 2 ½-jähriger Bauzeit im August 2014, Bezug im Oktober 2014)
als auch der gesetzte Kostenrahmen eingehalten. Der
ermittelte Effizienzvorteil von 9,5 % gegenüber der
konventionellen Errichtung ist bestätigt.
Das Prinzip von ÖPP besteht darin, durch Über­
tragung von Planung, Bau, Betrieb und ggf. Finanzierung einem privaten Partner die Verantwortung für
den Lebenszyklus zu übertragen und damit sicher­zu­
stellen, dass bereits in den frühen Phasen des P
­ rojekts
auch die Anforderungen im langfristigen Betrieb mit
bedacht w
­ erden. Der private Partner hat dadurch von
Anfang an wie der Auftraggeber ein den gesamten
Lebens­zyklus des Gebäudes umfassendes Interesse an
einem störungsfreien Projektverlauf. Diese Steuerungswirkung führt bei erhöhter Wirtschaftlichkeit zu einer
Verbesserung der Qualität und großer Termintreue.
Das Projekt
8
Das Projekt
Warum ein neues Gebäude?
Das BMBF verfügt seit 1990 – auf der Grundlage des
Berlin/Bonn-Gesetzes – neben seinem ersten Dienstsitz in Bonn über einen weiteren Dienstsitz in Berlin.
Am Anfang aller Überlegungen zur Neuunterbringung
des Ministeriums an seinem Berliner Dienstsitz stand
die unbefriedigende Unterbringungssituation in drei
verschiedenen Liegenschaften: Die frühere „Ständige
Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der
DDR“ in der Hannoverschen Straße 28–30 als Leitungsgebäude, die Liegenschaft „Dreispitz“, ein Wohn- und
Geschäftsgebäude in der Friedrichstraße 130 B, sowie
die Liegenschaft „Luisen Carree“ in der Hannoverschen
Straße 19.
Folge dieser auf mehrere Standorte verteilten Unterbringung waren lange Wege und erschwerte Kontaktmöglichkeiten für die Berliner Beschäftigten. Zudem
waren alle drei Liegenschaften sowohl hinsichtlich der
vorherrschenden räumlichen Bedingungen als auch im
Hinblick auf effiziente Arbeitsabläufe unzureichend.
Die Suche nach dem „richtigen“
Standort
Aufgabe der Neubaumaßnahme war die dauerhafte
gemeinsame Unterbringung der Berliner Beschäftigten
des BMBF an einem Standort.
Im Zeitraum April bis September 2008 wurde eine
umfassende Untersuchung von 28 potenziellen Standorten in Zusammenarbeit zwischen der Bundesanstalt
für Immobilienaufgaben (BImA) und dem Bundesamt
für Bauwesen und Raumordnung (BBR) durchgeführt.
Unter Berücksichtigung quantitativer und qualitativer
Unterbringungsaspekte stellte im Ergebnis ein Neubau
auf dem bundeseigenen Grundstück Kapelle-Ufer die
am besten geeignete Variante dar.
Der Standort am Kapelle-Ufer zeichnet sich durch
seine zentrale Lage in Berlin-Mitte unmittelbar im
Regierungsviertel aus. Das Reichstagsgebäude und die
weiteren Gebäude des Deutschen Bundestages sowie das
Bundeskanzleramt liegen ebenso wie der Forschungscampus der Charité in der direkten Nachbarschaft. Über
den benachbarten Hauptbahnhof mit seinen S-, U- und
Regio­nalbahnverbindungen und verschiedene Buslinien ist der Standort sehr gut an den ÖPNV angebunden.
Rahmenbedingungen
Grundlage für das Neubauprojekt ist das Berlin/BonnGesetz. Die Planung beruht auf einem durch das Bundesministerium der Finanzen (BMF) genehmigten Raumbedarfsplan und bezieht sich auf die derzeit in Berlin
eingesetzten Beschäftigten zuzüglich der Arbeitsplätze
für Pendlerinnen und Pendler, Praktikantinnen und
Praktikanten sowie Auszubildende.
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages
legte in seinen Beschlussfassungen zum BMBF-Neubau
aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ausdrücklich Wert
auf einen dauerhaft nutzbaren Ministeriumsstandort,
der Erweiterungen auf bis zu 1.000 Büroarbeitsplätze
für Bundesnutzungen zulässt. Hierfür erwartete er
entsprechende Vorsorge und eine Planung für das
Gesamtgrundstück. Vor diesem Hintergrund entschied
die BImA, aus immobilienökonomischen und wirtschaftlichen Gründen neben dem 1. Nutzungsabschnitt
zur Unterbringung der seitens des BMBF derzeit in
Berlin benötigten 350 Büroarbeitsplätze zeitgleich
auch den 2. Nutzungsabschnitt für weitere und damit
insgesamt 1.000 Büroarbeitsplätze zu errichten. Die
ÖPP-Ausschreibung des Bauvorhabens bezog sich dem­
entsprechend auf beide Nutzungsabschnitte.
Durch das BMBF nicht benötigte Flächen werden
durch die BImA anderweitig vermietet.
Das Projekt
9
Hauptbahnhof
Kanzleramt
Reichstag
Das Gebäude
10
Das Gebäude
Erdgeschoss
1. Obergeschoss
Das Gebäude
11
Büroetage
Die Architektur
(von Christian Pelzeter, Architekt)
Der Neubau des BMBF fügt sich als freistehender
­Solitär in das übergeordnete Leitbild der z­ ukünftigen
Bebauung am Spreebogen als prägnanter Stadt­
baustein ein und bildet eine klare Adresse innerhalb
des städtebaulichen Umfeldes aus. Durch eine konse­
quente bauliche Ausrichtung entlang der Bauflucht zur
Spree stellt er ein wichtiges Bindeglied in der Abfolge
der umliegenden Uferbebauung dar und führt zu einer
Beruhigung des heterogen städtebau­lichen Umfeldes.
12
Das sechsgeschossige Gebäude besteht aus zwei
im Grundriss u-förmig angeordneten Bürotrakten,
die über eine räumlich zurückgesetzte Mittelspange
verbunden werden. Somit wird eine optimale Ausrichtung der Bürobereiche zum umgebenden Grünraum und zu den benachbarten Regierungsbauten
erzielt. Zum Bahndamm hin öffnen sich die begrünten,
schallgeschützten Innenhöfe und erlauben eine Sicht­
beziehung in den nördlichen Stadtraum.
Die zur Innenseite des Gebäudes liegenden Bürobereiche orientieren sich zu den begrünten Außenräumen
und erhalten eine gleichwertige Aufenthaltsqualität.
Der mittig liegende Hauptzugang zum Ministerium
öffnet sich durch seine transparente Ausformung zur
Stadt und bildet die zentrale Anlaufstelle für Besucher
und Bedienstete aus. Der Eingangsbereich wird durch
die Staffelung von öffentlichem, halböffentlichem und
privaten Raum definiert und erzeugt eine offene und
einladende Stimmung. Das frei zugängliche Besucher­
zentrum in der Eingangshalle informiert über die
Auf­gabenbereiche des Ministeriums und erlaubt einen
ersten Einblick in den darüber liegenden Konferenz-
Das Gebäude
bereich. Nach Anmeldung bei der Pforte gelangt der
Besucher in das interne zweigeschossige Foyer, das
den Schnittpunkt der beiden Erschließungsmagistra­­
len darstellt. Von hier aus lassen sich alle zentralen
­Bereiche wie Konferenz und Kantine auf kürzestem
Wege er­reichen. Entlang dieser Gebäudeachse, die stets
in ­direkten Außenraumbezug zu den begrünten Innen­
höfen steht, befinden sich die vertikalen Erschließungskerne. An den Kreuzungspunkten der Treppenräume
und der Aufzüge schließen sich in direkter Nachbarschaft die Zugänge zu den einzelnen Nutzungsein­
heiten an. Aufgrund der gewählten Gebäude­geometrie
und den offen verglasten Verbindungsgängen in den
Innenhöfen kommt es zu keiner Durchquerung von
internen Nutzungsabschnitten.
Im 1. Obergeschoss führt der direkte Weg über eine
Freitreppe aus dem Foyer zum Konferenzbereich, der
in Verbindung mit einer umlaufenden Loggia einen
repräsentativen Ort ausbildet mit freiem Blick über das
Regierungsviertel.
Die gewählte Gebäudetiefe ermöglicht eine fl
­ exi­ble
und effiziente Bürostruktur und kann auch auf zu­
Das Gebäude
künftige Büroformen reagieren. Die einzelnen Büro­
bereiche erhalten offene Kommunikationszonen in
den Mittelbereichen, die farblich und thematisch indi­
viduell ausgeformt werden und einen hohen Wieder­
erkennungswert innerhalb des Gebäudes besitzen.
Das Erscheinungsbild im Außenraum wird durch
eine übergeordnete Fassadenkomposition geprägt, die
auf drei Gestaltungsebenen aufbaut. Eine umlaufende
Natursteinverkleidung akzentuiert das Grundraster
des Gebäudes, sichert die Proportionen und erzeugt
städtebauliche Prägnanz. Unterschiedliche Füll­elemente
zwischen den vertikal betonten Fenstern, die einen
direkten Blick in den um­gebenden Stadtraum ermög­
lichen, variieren zwischen Photovol­taik­elementen und
farblich differenzierten Sandwichpaneelen aus recyceltem Glas. Es entsteht ein reizvolles ­Farbenspiel und die
Monotonie des Rasters wird aufgebrochen. Dies wird
unterstützt durch die i­ nnenliegenden Blendschutzvorhänge, die im Dialog mit den vertikalen Füllelementen
der Außenfassade stehen.
13
Die außenliegenden Sonnenschutzlamellen wurden
mit einer Lichtlenkung im oberen Drittel versehen. Die
Blendschutzvorhänge wurden im oberen Bereich ebenfalls mit einer hohen Lichtdurchlässigkeit ausgebildet,
damit auch im geschlossenen Zustand möglichst viel
Tageslicht in den Raum eindringen und die Zusatzbeleuchtung in den Büros während des Tages auf ein
Minimum reduziert werden kann. Die tiefen Fensterlaibungen erhielten ebenfalls Naturstein, um auch vom
Innenraum aus den Bezug zur Fassade herzustellen.
Aufgrund des freistehenden Gebäudes als S
­ olitär
­erhält die Fassade ein umlaufend gleichwertiges Er­
scheinungsbild. Die Erdgeschosszone wird als ables­
barer Sockel ausgebildet. Darüber bilden sich die
Obergeschosse der Bürozonen durch eine tektonisch
aus­geformte Natursteinfassade ab, die auch als Ge­
staltungselement in den Innenraum des Eingangs­
bereiches geführt wird.
14
Besondere Anforderungen an
­Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Vorbildliches Energiekonzept und Zertifizierung
mit „Gold“
Der Gebäude- und Grundstückseigentümerin BImA
und dem Nutzer BMBF war es von Anfang an ein
­zentrales Anliegen, dass das neue Gebäude neben der
architektonischen Qualität auch die hohen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
entsprechend den Energie- und Klimaschutzzielen
des Bundes vorbildhaft erfüllt. So erfolgt die Energie­
versorgung des Gebäudes durch eine intelligente Vernetzung der einzelnen Anlagenkomponenten (Smart
Grid) unter Einsatz u. a.
• einer großen gasbe­triebenen Brennstoffzelle,
• eines Blockheizkraftwerkes zur Strom-, Kälte und
Wärmeerzeugung sowie
Das Gebäude
• Photovoltaikanlagen auf den Dächern und an der
Fassade, die rund 100.000 kWh elektrische Energie
im Jahr erzeugen.
Diese Systemlösung minimiert den Primärenergiebedarf und den Kohlendioxidausstoß. Darüber hinaus
senkt ein LED-Beleuchtungssystem in allen Büroetagen und -räumen den Stromverbrauch des Gebäudes.
Über die ökologischen Vorteile hinaus entsteht für den
Nutzer auch ein wirtschaftlicher Vorteil: die geringen
Energiekosten über den gesamten Bewirtschaftungszeitraum.
Der Jahresprimärenergiebedarf liegt ca. 50 Prozent
unterhalb der Vorgabe der aktuellen Energieeinspar­
verordnung.
Aufgrund seiner Nachhaltigkeit und Energieeffi­
zienz wird das Gebäude die höchst Auszeichnungsstufe
„Gold“ nach dem Bewertungssystem „Nachhaltiges
Bauen für Bundesgebäude (BNB)“ erhalten.
Das Gebäude
Die Schmelzkarbonat-Brennstoffzelle im BMBF
Vorteil der im neuen Gebäude eingesetzten Schmelzkarbonat-Brennstoffzelle (Molten Carbonate Fuel Cell,
MCFC), eine der größten in Gebäuden eingesetzten
Brennstoffzellen dieser Art in Europa, ist die hohe
Betriebstemperatur von 650°C, die eine ­effiziente
Abwärmenutzung bei ca. 400°C und den Einsatz­kostengünstiger Katalysatormaterialien ermöglicht. Die
Zelle kann direkt mit Erdgas betrieben werden, da die
Abspaltung des Wasserstoffs (Reformierung) zellintern
erfolgt. Andererseits stellt der Elektrolyt hohe Mate­
rialanforderungen, und es ist ein zu­sätzlicher Kreislauf für die Rückführung des Kohlen­dioxids notwendig, weil dieses für die Reaktion benötigt wird.
Die MCFC-Technologie wurde mit Förderung
des BMWi bei der Motoren- und Turbinen-Union
Friedrichs­hafen GmbH entwickelt, deren Aktivitäten
2012 von der deutschen Fuel Cell Energy Solutions
GmbH übernommen wurden. Die Installation im
Neubau des BMBF ist der erste kommerzielle Auftrag
an das junge Unternehmen. Es verbindet die Erfahrungen des US-amerikanischen MCFC-Herstellers
Fuel Cell Energy Inc. in einem Joint Venture mit den
15
technologischen Stärken des Fraunhofer-Instituts
für Keramische Technologien und Systeme – IKTS
in Dresden.
Charakteristika der Brennstoffzellenanlage im BMBF:
Typ: Schmelzkarbonat-Brennstoffzelle
(Molten Carbonate Fuel Cell, MCFC)
Elektrolyt: karbonatbasiert
Betriebstemperatur: 600–650 °C
Brenngas: Erdgas
Leistung: 250 kW elektrisch, 160 kW thermisch (Nutzwärme 88/83 °C)
Wirkungsgrad: 47 % elektrisch, 79 % gesamt
(bezogen auf den unteren Heizwert)
Einsparung gegenüber getrennter Erzeugung
(Strommix + Gaskessel): ca. 30 %
16
Das Gebäude
Das Gebäude
17
Konzept zur Barrierefreiheit
Nachfolgend einige Beispiele:
Auf die barrierefreie Gestaltung ist im Rahmen des
Planungsprozesses für den Neubau des BMBF ein be­son­deres Augenmerk gelegt worden, sie stellt ein
selbst­verständliches Ziel der Nachhaltigkeit dar. Dabei
müssen unterschiedliche Arten von Beeinträchtigungen
berücksichtigt werden, z. B.
• Der Haupteingang ist stufenlos erreichbar und
barrie­re­frei zugänglich. Der Höhenunterschied
zwischen Haupteingang und Foyer wird – ohne
­gesonderte Rampen – mit 6 %iger Steigung bar­
rierefrei überwunden.
Im Eingangsbereich und -foyer führt eine in den
Natursteinboden eingefräste Leitlinie sehbehinderte Personen in die Bereiche Empfangstresen des
Pförtners, Besucherzentrum, Behinderten-WC und
Konferenzbereich.
• Mobilität: Fortbewegung
• Sensorik: Sehen, Hören, Tasten
• Anthropometrie: Körpermaße und Maßverhältnisse
• Physische Kondition: Körperkraft, Ausdauer, ­Adaption
• Kognition: Erkennen, Verstehen
Die barrierefreie Gestaltung des neuen Gebäudes be­
zieht sich auf zahlreiche Bereiche, z. B. Haupteingang
und Eingangsfoyer, Büro-, Konferenz- und Sanitärräume, Kantine, Außenbereich, Treppen und Aufzüge,
visuelle Orientierungshilfen und das Leitsystem im
Gebäude.
• Barrierefreie Büroräume haben ausreichende Bewegungsflächen, die Türbereiche sind von festen Einbauten freigehalten. Fest installierte Bedienelemente
in diesen Räumen sind auch aus der Sitzposition
heraus zu betätigen, Lichtschalter und Türgriffe sind
auf der Standardhöhe von 1,05 m angeordnet.
• Die Konferenzräume sind mit loser Bestuhlung
möbliert und Tischen, die mit dem Rollstuhl
unterfahrbar sind. Bei der Möbelanordnung wurde dem Platz- und Bewegungsflächenbedarf von
Rollstuhlnutzern Rechnung getragen. Im großen
Sitzungssaal wurden unterstützende Maßnahmen
zur Hörakustik installiert.
• Die Kantine ist für beeinträchtigte Personen durch
lose Bestuhlung, unterfahrbare Tische und mit dem
Rollstuhl anfahrbare Essensausgaben ohne fremde
Hilfe zugänglich und nutzbar.
• 50 % der WC-Anlagen in den Arbeitsbereichen sind
vom räumlichen Platzbedarf bis zur geeigneten Ausrüstung barrierefrei nach DIN 18040-1 ausge­stattet.
Diese WC-Anlagen sind für nichtbehinderte und
behinderte Menschen gleichermaßen vorgesehen.
• In den Außenbereichen sind die Wege zu allen
Ein- und Ausgängen leicht, erschütterungsarm und
stufenlos mit dem Rollstuhl befahrbar. In den Innenhöfen wurden barrierefreie Rundwege angelegt.
Das Gebäude
18
Goethes Farbkreis
Büroraumkonzeption
und Farbkonzept
Der Goethe-Farbkreis:
Das Büroraumkonzept des neuen Gebäudes wurde in
enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für
Arbeitswirtschaft und Organisation (­Fraunhofer IAO)
in Stuttgart entwickelt. Es basiert auf den in Bundes­
behörden üblichen Größen für Büroräume entsprechend
dem Bürokonzept 2000 und sieht in den Mittel­be­rei­chen
der Flure in den Büroetagen ­offene Kommuni­kations­
zonen vor. Dies sind Bereiche, die für alle Beschäftigten
als Anlauf- und Treffpunkte dienen und Orte für die
interne Kommunikation dar­stellen. In den Mittelzonen
befinden sich neben ­Teeküchen insbesondere Post­
fächer, Sitzmöglichkeiten für spontane Gespräche
und kleine Besprechungen sowie Etagenkopierer und
Drucker.
Die Kommunikationszonen sind in den Büroetagen
unterschiedlich farblich gestaltet (je Etage eine einheitliche Farbe, angelehnt an den Goethe-Farbkreis) und
jeweils einer historischen Persönlichkeit (Wegbereiter/
in aus den Bereichen Bildung und Forschung) gewidmet; diese Persönlichkeiten werden mit einem kurzen
Lebenslauf, einem Zitat und einem großformatigen
assoziativem Motiv als Sinnbild für das Wirken der
Persönlichkeit dargestellt.
Beispiele Kommunikationszonen:
Der Goethe-Farbkreis ist auch Grundlage für die Farbgestaltung im Gebäudeinneren insgesamt, so beispielsweise in den Treppenhäusern und bei der farblichen
Gestaltung der Sitzmöbel in den öffentlich zugäng­
lichen Bereichen.
Das Gebäude
Kunst am Bau
„Der öffentliche Bauherr steht mit seinen Bauwerken in
besonderer Weise im Blickfeld der Öffentlichkeit. Ihm
kommt eine baukulturelle Verantwortung und Vorbild­
funktion zu. Der Bund bekennt sich zu dieser Verant­
wortung. Seine Bauwerke sollen, insbesondere wenn sie
herausgehobenen gesamtstaatlichen Funktionen dienen
und an exponierten Standorten stehen, das baukulturelle
Niveau und Verständnis in unserem Land widerspiegeln
und nationale Visitenkarte sein. Kunst am Bau ist ein
Element von Baukultur, das die Qualität und Ausdrucks­
kraft von Bauten mitprägt. Kunst am Bau ist daher ein
integraler Bestandteil der Bauaufgabe und der öffent­
lichen Bauherrenverantwortung.
Kunst am Bau ist eine besondere künstlerische Auf­
gabe mit unmittelbar öffentlichem Bezug. Künstlerische
Idee und Bauaufgabe sollen sich ergänzen. Der Orts- und
Objektbezug der Kunst am Bau trägt dazu bei, Akzeptanz
und Identifikation der Nutzer mit ihrem Bauwerk sowie
in der Öffentlichkeit zu stärken, Aufmerksamkeit herzu­
stellen und Standorten ein zusätz­liches Profil zu geben.“
(Auszug aus dem Leitfaden Kunst am Bau – aktualisierte
Fassung 2012 – des damaligen Bundesministeriums für
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung).
19
Folgende vier, eigens für den Neubau geschaffene
Kunstwerke, die nicht nur den ausgewählten Standorten im Gebäude ein zusätzliches Profil verleihen,
sondern auch Verbindungen zu den zentralen Themen
des Ministeriums – Bildung, Forschung, Innovation –
herstellen, wurden im Rahmen eines Wettbewerbs aus
319 eingereichten Entwürfen ausgewählt:
Standort 1 – Innenverglasung im Foyer
Künstlerin: Erdmute Prautzsch
Titel:„warum weiss ich nicht einfach alles“
Beschreibung durch die Künstlerin:
„Die Arbeit ,warum weiss ich nicht einfach alles‘ ist eine
vor Ort angefertigte Sandstrahlung auf Glas. Das Motiv
zeigt eine wie mit einem Finger auf ein beschlagenes
Fenster gezogene Spur. Nicht nur der ungehinderte
Durchblick wird so möglich, sichtbar wird auch der
Schriftzug ,warum weiss ich nicht einfach alles‘. Es
öffnet sich ein Feld für Gedanken um Begriffe wie
Wissen, Weis(s)machen und Weisheit, blinde Flecken,
Durchblick, Erweiterung des Blickfeldes, Suchen und
Finden, Verborgenes und Offenliegendes, Neugier und
Wissbegier, – ebenso um die Unendlichkeit und die
menschlichen Grenzen des Wissenkönnens. Die in
20
sorgsamer Schreibschrift gezogenen Worte erzählen
von den Anfängen und Mühen des Lernens, die frei
gezogene Spur von Leichtigkeit und Einfachheit, von
Idee und Intuition.
Hiermit werden Grundthemen des Aufgaben­
gebietes des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung berührt und bieten sich einer poetischen
wie philosophischen Betrachtung dar.“
Das Gebäude
Standort 2 – Treppe zwischen Foyer im Erdgeschoss
und dem Konferenzbereichs im 1. Obergeschoss
Künstler: Boran Burchhardt, Andreas Lippke, ­
Marcel Stammen
Ohne Titel
Beschreibung durch die Künstler:
„Das Kunstwerk ist eine virtuelle Skulptur. Sie entspricht dem Prinzip eines Regenbogens, der sich hier
jedoch nicht wölbt. Die Erscheinung folgt der Form des
Treppengeländers und wird oberhalb dieser sichtbar.
Sie verführt die Treppennutzer zum Anfassen entzieht
sich aber im Zugreifen sogleich: sie besteht nur aus
Luft, Licht und zerstäubtem Wasser. Das Aufscheinen
wird ausgelöst durch Bewegungssensoren, eine entsprechende Programmierung verhindert die dauerhafte
und verlässliche Sichtbarkeit der virtuellen Skulptur.
Stofflichkeit: Licht, Luft und Wasser.
Material: LED und optische Elemente, Ventilatoren,
Ultraschallzerstäuber, u. a.
Maße: 9 m“
Das Gebäude
Standort 3 – Umlaufende Außenwand des
Konferenz­bereichs
Künstler: Axel Anklam, Thomas Henninger
Titel: „EUNOMIA ∑3“
Beschreibung durch die Künstler:
„Eunomia leitet sich ab von griech. ‚eu‘ (gut) und
‚nomos‘ (Gesetz, Ordnung).
Die Spionglasverkleidung der vier Außenwände des
Konferenzzentrums offenbart eine Installation, die
mit Licht und den Dimensionen spielt. Hinter der
spiegelnden Glasfläche befinden sich unzählige Lichtquellen, die in unterschiedlichen Größen, Helligkeiten
und Lichttemperaturen leuchten. Sie verwandeln den
Konferenzkubus zu einem eigenständigen Leuchtkörper, dessen auratische Erscheinung besonders bei
Dunkelheit durch die großzügige Glasfassade über die
Gebäude­grenzen hinweg wahrgenommen wird.
21
Aus der Nähe zeigt sich eine Mehrdimensionalität:
Das zweidimensionale Spiegelbild wird eingebettet in
einen fiktiven Sternenkosmos, dessen Tiefe die Dimensionen mehrt. Die Konfrontation mit der Unendlichkeit des Universums berührt Fragen nach der Bedeutung des Menschen und seiner Verortung im ‚großen
Ganzen‘. Das Universum unserer Wahrnehmung ist
ein vom Menschen erdachtes und systematisiertes
Gebilde. Folgerichtig definiert die Installation mit der
Ausformung fiktiver Sternbilder einen Kosmos der
Kunst und kartografiert die Sternenkonstellationen
neu, so wie jede Kultur ein eigenes Ordnungssystem
für das Weltall kreiert.
Die Installation besteht aus 293 qm getöntem
Spionglas, das in Paneelen von 3 m Höhe mal 1,10 m
Breite vor die vier Wände des Konferenzzentrums
­geblendet ist und mit ca. 2000 unterschiedlich atmenden LED hinterleuchtet werden.“
22
Standort 4 – Innenwand im Konferenzraum
Künstler: Axel Anklam, Thomas Henninger
Titel: „Die fröhliche Wissenschaft“
Beschreibung durch die Künstler:
„Schreiben und Löschen ist ein dialektisches Prinzip.
Das Fortschreiben der wissenschaftlichen Ergebnisse
auf der Tafel macht die ästhetische Bildwerdung erst
möglich. Wissenschaftliche Zeichnungen wan­deln sich
zu visueller Poesie. Oder in den Worten Nietzsches:
‚Frei – sei unsre Kunst geheissen/Fröhlich – unsre
­Wissenschaft!‘ (Aus: ‚Die fröhliche Wissenschaft‘).
Die Maschine schreibt auf eine Tafel (3 x 10 m) in
Kreidebildern unzählige Diagramme, Patentzeichnungen, historische Tafelbilder und Skizzen – Ausschnitte
enzyklopädischen Wissens. Abwechselnd wischt ein
Schwamm Teile aus dem geschriebenen Tafelbild.
Wir sehen den ewigen Kreislauf der Wissenschaft:
Erkenntnisse werden zu absoluten Wahrheiten, bis sie
in Vergessenheit geraten oder durch neue Forschungsergebnisse berichtigt oder revidiert werden.
Das Schreibmodul beschreibt mit weißer Schul­
kreide die Tafel. Ist eine Kreide aufgebraucht, wird die
Schreibeeinheit automatisch über ein Magazin nachgefüllt. Das Löschmodul, der Schwamm, wischt nach
zufälligen Zeitintervallen an verschiedenen Positionen
Das Gebäude
der Tafel Bereiche aus. Schreib- und Löschmodul
­arbeiten nie gleichzeitig sondern alternierend, da­
zwischen gibt es unregelmäßige Phasen der Pause.
Die Steuereinheit besteht aus dem Microcontroler
Arduino und dem Minicomputer Raspberry Pi. Die
Arduino-Plattform ist eine aus Soft- und Hardware
­bestehende Physical-Computing-Plattform. Beide
Komponenten sind im Sinne von Open Source quell­
offen. Die Hardware besteht aus einem einfachen I/OBoard mit einem Mikrocontroller und analogen sowie
digitalen Ein- und Ausgängen. Die einzelnen Grafiken
werden auf einer SD-Karte gespeichert und eingelesen.“
Das neubauprojekt als ÖPP
23
Das Neubauprojekt als Öffentlich-Private Partnerschaft
Das Verfahren
Nach dem Haushaltsrecht des Bundes ist die wirtschaftlichste Beschaffungsvariante zu realisieren. Neben der
konventionellen Eigenbaulösung des Bundes stellt die
Realisierung im Rahmen einer Öffentlich-Privaten
­Partnerschaft (ÖPP) eine mögliche alternative Beschaffungsvariante dar. Der private Partner im ÖPPVerfahren ist dabei als Auftragnehmer verpflichtet, die
im ÖPP-Vertrag vereinbarten Leistungen zu erbringen.
Er wird nicht Eigentümer des Grundstücks und des
Gebäudes und hat keine Möglichkeit, auf die Aufgabenerfüllung der Auftraggeberin BImA und des Nutzers
BMBF Einfluss zu nehmen. Eine Übertragung von
hoheitlichen Aufgaben erfolgt bei ÖPP nicht.
Im Juli 2008 führte das Bundesamt für Bauwesen
und Raumordnung (BBR) einen sogenannten ÖPP-Eignungstest durch mit dem Ergebnis der grundsätzlichen
Eignung des Bauvorhabens für eine ÖPP-Umsetzung.
Es folgte im Februar 2009 die Aufstellung der ­Kosten
für eine Eigenbau- und Eigenbetriebslösung, die Erstellung des sogenannten Public Sector Comparator (PSC)
und dessen Vergleich mit einer ÖPP-Realisierung im
Rahmen einer vorläufigen Wirtschaftlichkeitsunter­suchung. Diese hatte zum Ergebnis, dass die ÖPP-Variante
die voraussichtlich wirtschaftlichere Variante darstellt.
Vor Beginn dieses ÖPP-Ausschreibungsverfahrens
waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Im Rahmen eines Leistungsverzeichnisses wurde eine Bedarfsbeschreibung für das neue Ministeriumsgebäude mit
Raumbedarfsplanung, die Beschreibung räumlicher
Zu­sammenhänge unter Berücksichtigung der verschiedenen Arbeitsabläufe bis hin zur Definition der
technischen Anforderungen durch die BImA in Zusammenarbeit mit dem Nutzer BMBF und verschie­denen
externen Beratern erstellt. Darüber hinaus wurden die
Vertragsentwürfe für das ÖPP-Projekt, also Planungs-,
Bau-, Betriebs- und Finanzierungsleistungen formu-
17. März 2010 – Bekanntmachung im EU-­‐AmtsblaH 12 Teilnahmeanträge April 2010 – Eingang 12 TNA Prüfung der Eignungs-­‐ und Auswahlkriterien Teilnahmewe*bewerb Auswahl der 5 am besten geeigneten Bewerber + Angebotsaufforderung Mai 2010 – Aufforderung zur Abgabe eines indikaMven Angebots Einbindung Baufachliches Bewertungsgremium Angebotsphase I Oktober 2010 – Eingang 5 Angebote Bieter 1 Bieter 2 Bieter 3 Bieter 4 Bieter 5 Bewertung Qualität (60 %) und Preis (40%) Einbindung Baufachliches Bewertungsgremium Auswahl der 3 bestplatzierten Bieter + Aufforderung zu Verhandlungen Januar 2011 – Beginn Vertragsverhandlungen mit zwei besten Bietern Verhandlungsphase März 2011 – Aufforderung zur Abgabe eines finalen Angebots (sog. „Best And Final Offer“ – BAFO) Angebotsphase II Mai 2011 – Eingang technischer Teil BAFO Juni 2011 – Eingang wirtschaXlicher Teil BAFO Vertragsabschluss 01. August 2011 – Vertragsabschluss Bieter A Bieter C (Reserve) Bieter B Bewertung Qualität (60 %) und Preis (40%) Auswahl des besten Bieters Auswahl des besten Bieters Zuschlagserteilung und Vertragsabschluss mit bestem Bieter Einbindung Baufachliches Bewertungsgremium Das neubauprojekt als ÖPP
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liert und abgestimmt. Das Leistungsverzeichnis und die
Vertragsentwürfe wurden Bestandteil der Ausschreibungsunterlagen.
Nach Befassung des Haushaltsausschusses des
Deutschen Bundestages wurde im März 2010 das
europa­weite ÖPP-Ausschreibungsverfahren (Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb) gestartet und zur qualitativen Bewertung der
Angebote ein mit Experten besetztes „Baufachliches
Bewertungsgremium“ bestellt.
Vor Zuschlagserteilung wurde im Juni 2011 auf der
Grundlage der finalen Angebote (sog. „Best And Final
Offer“ – BAFO) die abschließenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt mit dem Ergebnis, dass das
finale Angebot des am besten bewerteten Bieters um
9,5 % wirtschaftlicher ist als eine Eigenbaulösung.
Projektbeteiligte und -strukturen
Projektbeteiligte
Bundesbauministerium (jetzt BMUB) / Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Baufachliche Beratung bis zum Abschluss des ÖPP-­‐
Ausschreibungsverfahrens Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Au$raggeberin, Bauherrin, Grundstückseigentümerin ÖPP Deutschland AG ÖPP-­‐Projektsteuerung, wirtscha$liche Beratung Drees & Sommer GmbH Technische Beratung Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Nutzer Baufachliches Bewertungsgremium Einbindung ausschl. während der ÖPP-­‐Ausschreibungsphase Luther Rechtsanwalts-­‐
gesellschaC mbH JurisAsche Beratung Das neubauprojekt als ÖPP
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Projektstruktur
Projektstruktur des ÖPP-­‐Inhabermodells mit Projek6inanzierung und Anschubfinanzierung
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Miete
AuAraggeberin, Bauherrin, Grundstückseigentümerin Nutzer ÖPP-Projektvertrag
Vereinbarte Leistungen
Anschubfinanzierung (anteilig nach Baufortschritt)
Nutzungsentgelt
Eigenkapitalgeber Amber GmbH Planer Heinle Wischer & Partner Fremdkapital
Eigenkapital
ProjektgesellschaA BMBF Betriebs GmbH EK-Rendite
Bau BAM Deutschland AG ÖPP bietet hohe Sicherheit für die öffentliche Hand
Bei der ÖPP-Vertragsgestaltung wurde besonderer Wert
auf die Sicherung des öffentlichen Auftrag­gebers bei
Schlechtleistung oder Insolvenz des privaten ­Partners
gelegt. Insbesondere wurden folgende Maßnahmen
vertraglich geregelt:
• Ein Malussystem sichert eine hohe Qualität der
baulichen Substanz und der Bewirtschaftung in der
Betriebsphase und droht für den Fall von Schlechtleistungen empfindliche Abzüge an. ­Dadurch ist der
private Partner während der gesamten Vertrags­
laufzeit motiviert, den vereinbarten Standard
einzuhalten.
Darlehensrückzahlung
Fremdkapitalgeber SMBC, DZ Bank Betrieb BAM Immobilien Dienstleistungen GmbH • Die anteilige Projektfinanzierung dient als Sicherungsmittel für den öffentlichen Auftraggeber im
Falle einer Insolvenz oder Schlechtleistung des
Auftragnehmers. Bei hohen Mangelabzügen, die
die festgesetzte Betriebsrate übersteigen, kann
auch mit der Rückzahlung der Darlehensraten verrechnet werden.
• Es wurden Bürgschaften vereinbart, die die Erfüllung
der Vertragspflichten sichern, insbesondere die zum
Ende der Vertragslaufzeit vereinbarte Übergabe
eines in gutem Zustand befindlichen Gebäudes.
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ÖPP ermöglicht hohe Architekturqualität
und Nachhaltigkeit
Wesentliche Zielsetzung der Projektbeteiligten war es
von Anfang an, die für Bundes­ministerien geltenden
hohen Standards zu realisieren, d. h. insbesondere einer
vorbildlichen Energieeffizienz und Nach­haltigkeit
ent­sprechend den Klimaschutzzielen der Bundes­
regierung sowie eine sehr gute Architektur­qualität.
Die Verantwortung für den 27-jährigen Betrieb des Ge­
bäudes führte zu einem eigenen Interesse des privaten
Partners, die gewünschten Standards einzuhalten bzw.
noch zu übertreffen. Dies bezieht sich vor allem auf die
energetischen Anforderungen (um ca. 50 % besser als
die Vorgabe der aktuellen Energieeinsparverordnung),
den Einsatz innovativer Technik (große Brennstoffzelle,
LED-Technik, Smart Grid mit Blockheizkraftwerk und
Solarzellen auch in der Fassade), Kommunikations­
zonen und vieles mehr. Gleichwohl wurden die Rahmenbedingungen wie Kosten und Flächenverhältnis
eingehalten bzw. unterschritten.
Das neubauprojekt als ÖPP
Ergänzend wurden im Rahmen der ÖPP-Ausschreibung Anreize gesetzt, entsprechend gute Qualitäten
anzubieten:
• Im ÖPP- Ausschreibungs- und Vergabeverfahren
wurde bei den Zuschlagskriterien die Qualität mit
60 % und der Preis mit 40 % bewertet.
• Es wurde ein mit Experten besetztes Baufachliches
Bewertungsgremium bestellt, das die Vergabestelle
bei der Qualitätsbewertung unterstützt hat.
• Bereits im Teilnahmewettbewerb der ÖPP-Ausschreibung wurden Qualitätskriterien festgelegt.
Meilensteine des Projekts
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Meilensteine des Projekts
April bis November 2008:Standortuntersuchungen durch BImA und BBR mit 28 potentiellen Standorten in Berlin
Juli 2008:ÖPP-Eignungstest durch das BBR; Ergebnis: Das Bauvorhaben ist grundsätzlich
für ÖPP-Umsetzung geeignet.
November 2008:Baufachliche Genehmigung der Entscheidungsunterlage Bau auf Grundlage einer
­Eigenbaulösung für 350 Beschäftigte; Anerkennung einer Kostenobergrenze für PSC
und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (WU) durch BMF
Februar 2009:Ergebnis der vorläufigen WU: Die gewählte Variante der ÖPP-Umsetzung ist wirt­
schaftlicher als andere Beschaffungsvarianten.
Mai bis September 2009:Städtebauliches Gutachterverfahren mit Beteiligung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin als Grundlage für die Aufstellung eines Bebauungsplans
März 2010:Start des europaweiten ÖPP-Ausschreibungsverfahrens (Verhandlungsverfahren mit
­vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb); Bestellung eines mit Experten besetzten
­„Baufachlichen Bewertungsgremiums“
April 2010:Eingang von 12 Teilnahmeanträgen; Auswertung unter Einbindung des „Baufachlichen
Bewertungsgremiums“ und Auswahl der fünf besten Bewerber
Mai 2010:Aufforderung der fünf besten Bewerber zur Angebotsabgabe
Oktober 2010:Eingang der fünf indikativen Angebote; Auswertung unter Einbindung des
„Baufachlichen Bewertungsgremiums“ und Auswahl der zwei besten Angebote
Januar bis März 2011:Vertragsverhandlungen mit den zwei ausgewählten Bietern (Verhandlungsphase);
anschließend Aufforderung zur Abgabe eines finalen Angebots (sog. „Best And Final
Offer“ – BAFO)
Mai/Juni 2011:Eingang der finalen Angebote; Auswertung unter Einbindung des „Baufachlichen
­Bewertungsgremiums“ und Auswahl der zwei besten Angebote
Juni 2011:Durchführung der abschließenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (Ergebnis: BAFO des
besten Bieters ist 9,5 % wirtschaftlicher als Eigenbaulösung)
August 2011:Zuschlagserteilung und Vertragsschluss
Januar 2012:Beginn der Bauausführung
August 2014:Baufertigstellung
Oktober 2014:Umzug und Nutzungsbeginn durch BMBF
bis 31.07.2041:Betriebsphase/Nutzungsdauer (27 Jahre)
Die wichtigsten Projektdaten
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Die wichtigsten Projektdaten
Projektträger Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Direktion Berlin
Standort Berlin
Kategorie Verwaltungsgebäude
Art des Vorhabens Neubau
Gesamtbaukosten 115 Mio. €
Architekt
Christian Pelzeter, Heinle, Wischer und Partner, Berlin
Vertragsmodell Inhabermodell (I-Modell)
Finanzierungsmodell Projektfinanzierung mit anteiliger Eigenfinanzierung
Vertragsabschluss
August 2011
Vertragslaufzeit
30 Jahre
Fertigstellung
August 2014
Effizienzvorteil der BImA
9,5 %
Bruttogeschossfläche (BGF) 58.000 m²
Gebäudehöhe (Firsthöhe)
22 m
Straßenfront zur Spree
173 m
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Raum für Notizen
30
Impressum
Herausgeber
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
53170 Bonn Stand
Oktober 2014
Druck
BMBF
Gestaltung
BMBF
Bildnachweis
bernadette grimmenstein fotografie: Titel, S. 6, 11, 12, 13, 14, 16, 18, 21, 26, 30
FuelCell Energy Solutions GmbH (Brennstoffzelle): S. 15
Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten: Grafiken und Pläne
S. 4/5, 10, 11
Thomas Henninger: S. 22
Ronny Kutter (phase1): S. 19, 20
ÖPP Deutschland AG (Partnerschaften Deutschland): S. 23, 24, 25
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: S. 9
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Bildung
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