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Leseprobe zum Titel: Stuttgarter Zeitung (17.10.2014) - Die Onleihe

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Die unabhängige Zeitung für Baden-Württemberg
Nr. 42 2014
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Freitag, 17. Oktober 2014
Nr. 240 | 42. Woche | 70. Jahrgang | E 4029
Ökonomisch
optimiert leben
Politik startet Textilbündnis
Foto: dpa Montage: Detsch
Für einen
Euro mehr
L
Entwicklungsminister Müller kämpft für bessere Arbeitsbedingungen
in Billiglohnländern. Doch die Großen der Branche verweigern sich. SEITEN 2 UND 3
Die Dritte Seite
Aus aller Welt
Sport
Köpfen mit dem Schwert – was der IS
von Saudi-Arabien kopiert hat SEITE 3
Pierce Brosnan verrät, warum er für
Emma Thompson schwärmt SEITE 9
25 Jahre nach dem Mauerfall: ein
Dopingopfer der DDR erzählt SEITE 38
Stuttgarter Moschee
in Verdacht
In Stuttgart gerät eine Moscheegemeinde
in das Visier der Ermittler. Das Landesamt
für Verfassungsschutz hat keine Zweifel,
dass in der Moschee in Botnang Salafisten
ein- und ausgehen. Man wisse, dass mehrere der Besucher mittlerweile nach Syrien
aufgebrochen sind, so ein Sprecher.
Derweil streitet die große Koalition
über den Umgang mit Islamisten aus
Deutschland. Burkhard Lischka, der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion,
wendet sich gegen einen Vorschlag von
CDU und CSU, Personen die deutsche
Staatsbürgerschaft abzuerkennen, die mit
terroristischen Absichten in den Nahen
Osten reisen. „In letzter Konsequenz würde das ja bedeuten, dass wir solche Leute an
unseren Grenzen einfach wieder laufen lassen“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. StZ
– „Wettlauf gegen Salafisten gewinnen“ SEITE 4
– Von Stuttgart aus in den Dschihad SEITE 21
Politschlachtfeld Schule
In der Bildungspolitik ist im Landtag kein
Konsens in Sicht. Bei einer Debatte warfen
sich die Parteien gegenseitig Konzeptlosigkeit vor. Auch über pädagogische Inhalte
wurde heftig gestritten – dabei hatte die
FDP einen Schulfrieden angeregt. SEITE 6
Flugzeuge am Boden
Kurz nach Ende des jüngsten Lokführerstreiks sind die Piloten der LufthansaTochter Germanwings in den Ausstand
getreten. Während des zwölfstündigen
Streiks sollen etwa ein Fünftel der Germanwings-Verbindungen ausfallen. SEITE 13
Gaslieferung fast sicher
Die EU ist nach den Worten des Energiekommissars Günther Oettinger auf die
Möglichkeit eines Ausfalls russischer Gaslieferungen in diesem Winter vorbereitet.
Ein Restanteil von 22 Prozent aber könne
nicht ersetzt werden. SEITEN 8, 11
Wetter SEITE 10
Freitag
17°/8°
Samstag
20°/11°
Sonntag
22°/13°
Börse SEITEN 16, 17
Dax 8582,90 Punkte (+ 0,13 %)
Dow Jones 16 117,24 Punkte (– 0,15 %)
Euro 1,2749 Dollar (Vortag: 1,2666)
Ausführliches Inhaltsverzeichnis SEITE 2
56042
4 190402 901909
EU plant schärfere
Ebola-Kontrollen
Fluggäste in den betroffenen Ländern sollen penibler
überprüft werden. In Europa gibt es mehrere neue Verdachtsfälle.
Epidemie
D
ie EU-Staaten wollen sich besser
gegen eine Einschleppung der Ebola-Epidemie wappnen. Dazu planen sie, die Ausreisekontrollen in den betroffenen Ländern Westafrikas zu überprüfen. Dies soll in Zusammenarbeit mit der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) geschehen, wie EU-Gesundheitskommissar
Tonio Borg am Donnerstag mitteilte. Währenddessen wurden mehrere neue EbolaVerdachtsfälle in Europa bekannt.
In Madrid wurden gleich drei möglicherweise erkrankte Personen ins Krankenhaus gebracht – darunter ein Mann aus
Nigeria, der während eines Flugs Schüttelfrost bekam sowie ein Priester, der vor kurzem in Liberia tätig war. In Frankreich wurde eine Krankenschwester, die eine EbolaPatientin gepflegt hatte, wegen eines „verdächtigen Fiebers“ ins Krankenhaus eingeliefert. Ein erster Test bestätigte den Verdacht bei der Frau jedoch nicht.
Die EU-Gesundheitsminister einigten
sich am Donnerstag darauf, „sofort“ mit
einer Überprüfung der Ausreisekontrollen
an Flughäfen in Liberia, Sierra Leone und
Guinea zu beginnen. „Es gibt widersprüchliche Angaben dazu, ob diese Kontrollen effektiv sind oder nicht“, sagte EU-Gesundheitskommissar Borg. „Es wird gemacht,
aber das Problem ist, ist es effektiv?“
Experten bemängeln, dass dieses sogenannte Screening relativ wirkungslos sei.
So könnten bei den Kontrollen Menschen,
die sich mit Ebola infiziert, aber noch keine
Symptome entwickelt haben, nicht ent-
deckt werden. Andererseits sei mit falschen Verdachtsfällen zu rechnen.
Ebenfalls zur Sprache kamen Überlegungen, wie der Austausch über Reisende
aus Risikogebieten verbessert werden
kann. Derzeit gibt es nur zwei Direktflüge
aus der EU in die hauptsächlich von Ebola
betroffenen Länder: aus Brüssel nach Liberia und aus Paris nach Guinea. Nach EUAngaben nutzen pro Woche 2000 bis 2500
Menschen diese Verbindungen für einen
Direktflug nach Europa. Hinzu kommen
Reisende, die unterwegs umsteigen.
Die Teilnehmer des Brüsseler Treffens
einigten sich laut Borg auch darauf, sich bei
Einreisekontrollen möglichst abzusprechen. In Europa gibt es Kontrollen derzeit
in Großbritannien, Frankreich will sie ab
Samstag durchführen. Belgien hat bisher
noch keine solchen Kontrollen eingeführt.
Deutschland stockt derweil die Hilfen
im Kampf gegen Ebola um weitere 85 Millionen Euro auf insgesamt 102 Millionen
auf, wie es aus der Unionsfraktion im Bundestag hieß. Bundesgesundheitsminister
Hermann Gröhe (CDU) sagte, Hilfe vor Ort
sei „die beste Chance“, das Ansteckungsrisiko gering zu halten.
Die WHO sieht die bisher von Ebola verschonten Länder Westafrikas schlecht für
Krankheitsfälle gerüstet. Besonders Mali,
Guinea-Bissau, Senegal und die Elfenbeinküste seien nicht gut vorbereitet, warnte
die WHO. Bislang gibt es in Westafrika rund
4500 Ebola-Todesopfer. epd/rtr/dpa/AFP
– Obama macht Ebola zur Chefsache SEITE 7
Harsche Kritik am
„Social Freezing“
In Deutschland reagieren Politik und Gesellschaft ablehnend auf neue Leistungen
von US-Konzernen zur Familienplanung.
Hierzulande mischten sich die Arbeitgeber
„nicht in die Familienplanung von Arbeitnehmern ein“, sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände.
Zuvor war bekannt geworden, dass die
Konzerne Facebook und Apple Mitarbeiterinnen die Kosten für das Einfrieren von
Eizellen („Social Freezing“) bezahlen, um
die Fruchtbarkeit zu konservieren. Das sei
ein falsches Signal, sagte der evangelische
Sozialethiker Peter Dabrock. Der CDU-Familienexperte Marcus Weinberg nannte
das Angebot unmoralisch.
AFP/epd
– Kein Verständnis für Apple SEITE 10
Luff
Radikal gestutzt
Was will das Volk wirklich?
W
Bürger. Was tut man da? Eine Arbeitsgruppe bilenn Besuchergruppen in BusladungsÖsterreich Normale
stärke heutzutage die Zuschauertri- Bürger sollen demnächst den, klar. Wiewohl diese Arbeitsgruppe nun doch
bünen von Parlamenten betreten,
im Parlament mitreden. eine besondere ist, denn es gehören ihr neben Vertretern der Parteien (und weiteren ständigen Mitnehmen sie mit einer gewissen Ehrfurcht Platz:
Von Mirko Weber
gliedern) auch acht ganz normale Bürgerinnen
Berlin, München, Wien, gleichviel. Man sieht
und Bürger an. Noch bis Ende Oktober kann man
dann aber, seinerseits Beobachter, wie – und wie
schnell – der anfängliche Respekt vor dem „Hohen Haus“, wie sich in Wien bei der Parlamentsverwaltung bewerben, man
es oft heißt, abgelegt wird. Die da unten, denken die da oben im muss mindestens 16 Jahre alt sein. Ansonsten entstehen vier
Nu, sind das wirklich Volksvertreter, wie sie sich pseudotheat- Gruppen: über und unter 35, männlich oder weiblich. Dann
ralisch ins Wort fallen, sich anschreien, sich übereinander lus- wird gelost, was dazu führen könnten, dass am Ende, sagen wir,
lauter Freiheitliche (also FPÖ-Wähler) das große Wort führen.
tig und, schlimmer, den anderen lächerlich machen?
„Quasselbude“ nannten zunächst ultralinke Gegner grund- Oder Neos, die neuen Liberalen. Aber so ist es dann nun mal.
Erstattet werden Teilnehmern der Beratungen lediglich die
sätzlich Parlamente. Ein Ausdruck, den der Propagandaminister Joseph Goebbels nur allzu gerne übernahm in sein faschisti- Reisekosten. Bis zum Juni 2015 wird unter anderem diskutiert,
sches Beschimpfungsrepertoire. Demgegenüber hat eine En- ob Volksbegehren nützlich oder eher schädlich sind oder die
quetekommission zum Thema „Direkte Demokratie“ im öster- Kommunikation zwischen Abgeordneten und Bürgern mehr
reichischen Parlament damit begonnen, sich mit der „Aufwer- schlecht als recht ausfällt. Für ein Land, das namentlich in seitung direktdemokratischer Instrumente“ zu beschäftigen. Sie ner Verwaltung mitunter noch Praktiken des neunzehnten
will also dafür sorgen, dass es munterer, aber fairer zugeht, Jahrhunderts zu imitieren sucht, ist das eine begrüßenswert
wenn beratschlagt wird, was das Beste sei fürs Land und seine fortschrittliche Initiative.
www.stuttgarter-zeitung.de
// Prominente
Doppelgänger Zum Verwechseln ähnlich
Frauen Mit dem Einfrieren
von Eizellen folgen Firmen
ihren Interessen, nicht denen
von Frauen. Von Katja Bauer
assen Sie einfrieren?“ Das könnte
demnächst ein Chef seine künftige
Mitarbeiterin im Bewerbungsgespräch fragen. Natürlich müsste darauf keine Frau antworten. Aber die Personalplanung des Unternehmens und damit die individuellen Karrierechancen der Frau würde es doch erheblich verbessern.
Die amerikanischen Unternehmen
Facebook und Apple machen ihren Mitarbeiterinnen das Angebot, ihnen das Einfrieren ihrer Eizellen zu bezahlen. Die
Internetgiganten haben einen einfachen
Grund dafür. Er lautet nicht: mehr Freiheit
für Frauen. Ein strategisches Ziel für die
Unternehmen ist ein hoher Anteil weiblicher Beschäftigter im entsprechenden Alter. Denn Frauen dominieren derzeit als
Nutzerinnen das Wachstumsfeld Social
Media im Netz. Sie sind aktiver in sozialen
Netzwerken, stellen die Mehrzahl der Onlinekundinnen. Sie sind die entscheidende
Zielgruppe fürs Marketing. Facebook und
Apple brauchen also Arbeitnehmerinnen,
denn diese denken wie ihre Nutzerinnen.
Diese jungen Arbeitskräfte bergen aber
für Firmen ein Problem: Sie verlagern immer dann ihren persönlichen Fokus, wenn
sie gerade maximal leistungsfähig sind.
Was über den Atlantik herüberweht, ist der
eiskalte Hauch der ökonomischen Verwertung der Arbeitnehmerin. Die Firma bezahlt die Verschiebung der Familiengründung, denn diese stört den Betriebsablauf.
Aber würden Facebook und Apple dieses
Angebot machen, wenn es für niemanden
interessant wäre? Der eigentlich wichtige
Befund ist, dass junge, gut ausgebildete
Frauen ihr Geld auch heute schon privat für
das Einfrieren von Eizellen – Social Egg
Freezing – ausgeben. Sie tun das, um genau
die Entscheidung zu verschieben, die Frauen immer noch treffen müssen, aber Männer nicht: Kind oder Karriere.
In Rede steht nicht die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie; das kriegen viele
Paare mittlerweile irgendwie hin. Nein, es
geht um Karriere. Anders als für Männer,
deren berufliches Leben sich durch die Vaterschaft meist kaum ändert, ist die Entscheidung einer Frau für Kinder immer
noch mehrheitlich eine irreversible Entscheidung gegen den beruflichen Aufstieg.
Ein Grund dafür ist, dass tatsächlich entscheidende Weichen in jener Lebensphase
gestellt werden, in der Frauen fruchtbar
sind – die Biologie der Fortpflanzung passt
einfach nicht zur Berufswelt. Leidtragende
sind die Frauen.
Nun wird gesellschaftlich suggeriert,
das Einfrieren von Eizellen stelle Freiheit
in der weiblichen Lebens- und vor allem
Karriereplanung her. Das mag im Einzelfall
sogar zutreffen – wenn man den Zufall auf
seiner Seite und das Glück im Leben hat,
dass mit Ausbildung, Liebe, Job, Gesundheit und Familie alles so läuft, wie irgendwann mal gedacht.
Aber vor allem wird die gesellschaftlich
zu lösende Frage der Vereinbarkeit von
Karriere und Familie für Frauen ganz ungeniert in den privaten Bereich der Frau zurückgeschoben: Sie soll an ihrem Körper
herummanipulieren und gesundheitliche
Risiken tragen, sie soll ihr Leben so leben,
dass es zu den Anforderungen der Wirtschaft am besten passt.
Und genau hierin liegt das Frankenstein’sche am Zugriff der Konzerne auf diesen privatesten Bereich ihrer Mitarbeiterinnen. Er unterwirft die Frauen – und nur
die! – der Erwartung, einer Art persönlichem Businessplan zu folgen. Am Ende
der ökonomischen Optimierung für den
Arbeitsmarkt steht die Mutterschaft als
Bonus mit gesellschaftlichem Restnutzen.
Das Angebot der Konzerne tut das
Gegenteil dessen, was es vorgibt: es nimmt
Frauen Freiheit. Auf beruflich ambitionierte Frauen wird enormer Druck entstehen,
diese hypermoderne Form der Ausbeutung
als Option wahrzunehmen. Einfrieren als
Nachweis von Karrierebereitschaft und
Flexibilität.
// Oscars
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