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Ausgabe | 42
31. Oktober 2014
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Pflege
Unternehmer locken deutsche Senioren in osteuropäische Heime
Unternehmer sanieren mit Hilfe europäischer Fördergelder heruntergekommene Pflegeheime in Osteuropa für westliche Kunden
N
ach Anbietern aus dem deutschsprachigen
Raum
entdecken
zunehmend auch Unternehmer in
Mittelosteuropa Pflegeheime und Seniorenresidenzen als lukratives Geschäftsfeld. Dabei gehen sie in der Regel zwei
Wege: Sie sanieren mit Hilfe europäischer Fördergelder heruntergekommene Einrichtungen im eigenen Land oder
ziehen Großanlagen in attraktiver Lage
hoch. Umwarben die Anbieter zunächst
nur ihre eigenen Landsleute, schauen sie
sich heute auch im Westen nach Kunden
um. Dabei sind sie deutlich günstiger als
deutschsprachige Investoren und damit
inzwischen oft auch begehrter. Aktuell
gibt es vorrangig Pläne für neue Einrichtungen in Kroatien und der Ukraine.
Dienstleistungen rund um die Gesundheit hatten in den Visegrad-Staaten
Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn
lange Zeit einen Beigeschmack von Korruption. Zufriedenstellende ärztliche
Behandlungen oder Pflegedienstleistungen gab es zu kommunistischen Zeiten
oft nur gegen Schmiergeld, dabei blieb es
auch in den ersten beiden Jahrzehnten
nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Grundlegend geändert haben sich die
Slowakische Senioren weichen auf Heime in Kroatien aus, weil Deutsche sie auf der Suche nach bezahlbarer Pflege aus dem Land drängen.
Foto: Flickr/Riessdo
Dinge erst seit der EU-Osterweiterung
im Jahre 2004.
Seither bieten mehr und mehr Ärzte
ihre Dienstleistungen in privaten Praxen an. Der Umgang der mitteleuropäischen Ärzte mit ihren Patienten hat sich
gewandelt. So sind transparente Abrechnungen oder die gründliche Aufklärung
über gesundheitliche Risiken inzwischen auch im Westen der Slowakei oder
Ungarns ein wichtiges Kriterium für den
Geschäftserfolg von Medizinern.
Analyse
Crowdfunding-Projekt sammelt für patentfreies Krebsmedikament
Der Chemiker und Freizeit-Programmierer Isaac Yonemeto hat eine
Crowdfunding-Kampagne gegründet,
um patentfreie Open-Source-Krebsmedikamente herzustellen. Das „Project
Marilyn“ soll mit 75.000 Dollar Startkapital experimentell beweisen, dass sich
Komponenten aus mikroskopisch kleinen Insektenkulturen zur Krebsbehandlung einsetzen lassen.
Sollte der Plan gelingen, könnte dies
die Kosten für Krebsmedikamente drastisch verringern, berichtet der Blog techcrunch. Der weltweite Markt für Krebs-
medizin überstieg demnach in diesem
Jahr erstmals die Billionen-Dollar-Marke. Allein die monatlichen Kosten für ein
Markenmedikament gegen Krebs betragen in den USA im Durchschnitt 10.000
Dollar, so offizielle Berechnungen des
Institute for Healthcare Informatics.
Auf der Projekt-Webseite Indysci.
org beschreibt Gründer Yonemoto seine Idee zur Liberalisierung der Pharmabranche. Er hält patentfreie Medizin für
die Lösung gegen ungerechte Behandlung von Patienten durch überteuerte
Medizin. Die günstigen Alternativen
könnten demnach den Preisdruck auf
den Pharmamarkt erhöhen und so überall zu günstigeren Medikamenten führen.
„Die Software-Industrie und die
Open-Source-Bewegung
haben
gezeigt, dass Patente für Innovationen
gar nicht notwendig sind. Der Verzicht
auf das Patent bedeutet, dass die Medikamente billiger werden und es einfacher wird, die Medizin zu verändern
und durch neue Kombinationen zu
verbessern.“
Gloria Veeser
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Unternehmer aus dem Westen waren die ersten, die ab 2004 für sich als
Marktnische entdeckten, Missstände zu
beheben, die bei Polen, Tschechen, Slowaken oder Ungarn üblicherweise nur
Frust verursachten: schlechte Ausstattung der gesundheitlichen Einrichtungen, unterdurchschnittliche Bezahlung
der medizinischen Fachkräfte und eine
geradezu sträfliche Vernachlässigung
von Senioren. Damit war die Idee geboren, in den Visegrad-Staaten das zu
schaffen, was in Deutschland oder Österreich längst nicht mehr zu haben ist:
bezahlbare Pflege.
Im vergangenen Jahrzehnt sind vor
allem in Grenzregionen zu Deutschland
oder Österreich oder in der Nähe bekannter Kurorte wie Piešťany im Westen
der Slowakei eine Reihe von Seniorenheimen entstanden, in denen Pflegebedürftige aus dem deutschsprachigen
Raum für 1.000 bis 1.400 Euro im Monat
mindestens annähernd so gut versorgt
werden wie in Spitzenhäusern ihrer Herkunftsländer. Waren es zunächst jedes
Jahr nur wenige hundert Menschen, die
in diesen Einrichtungen unterkamen,
sind es heute schon mehr als 1.000.
Die ersten Gesundheitsunternehmer aus dem Westen wurden belächelt
oder galten schnell als herzlos. In den Visegrad-Staaten, wo eine intakte Familie
einen noch deutlich höheren Stellenwert
hatte, schickte es sich einfach nicht, pflegebedürftige Angehörige in ein Heim zu
geben, noch dazu in ein ausländisches.
Doch diese Zeiten sind mittlerweile
vorbei. Im Zuge der Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union hat auch
der traditionell starke Familienzusammenhalt in den Visegrad-Staaten gelitten. In der Slowakei wird inzwischen
jede dritte Ehe geschieden, vor zehn
Jahren waren es gerade einmal halb so
viele. Viele Menschen sind dauerhaft
im Ausland erwerbstätig und dabei getrennt von ihren Familien. Deshalb stellt
sich auch für immer mehr Slowaken die
Frage nach einer auswärtigen Unterbringung älterer Angehöriger. Gleiches
gilt für die Menschen in den anderen
drei Visegrad-Staaten. Dabei fällt immer
mehr ins Gewicht, dass die mittelosteuropäischen Gesellschaften einer rapiden
Überalterung entgegensehen. Noch gel-
ten die Polen als eines der jüngsten Völker der Welt, Slowaken als relativ jung.
Doch nach Berechnungen der Slowakischen Akademie der Wissenschaften ist
auch die slowakische Bevölkerung spätestens ab 2050 hoffnungslos überaltert, weil auf eine Frau im gebärfähigen
Alter derzeit gerade einmal 0,75 Kinder
kommen, wie die Deutschen Wirtschafts
Nachrichten beim Soziologischen Institut erfuhren.
Die ausländischen Investoren haben
zumindest ein wenig dazu beigetragen,
die Abwanderung qualifizierter Pflegekräfte ins westliche Ausland zu bremsen.
Alten- und Krankenpfleger aus der Slowakei waren bis vor kurzem sehr gefragt
in Österreich. Angeblich arbeiten rund
25.000 von ihnen im westlichen Nachbarland. Dort verdienen sie im Schnitt
1.800 Euro brutto im Monat und damit
etwa dreimal so viel wie üblicherweise in
der Slowakei. Mit dem Aufkommen der
Heime für deutschsprachige Pflegebedürftige hat sich das geändert. Offizielle
Statistiken zu den dortigen Gehältern
gibt es zwar keine, inoffiziell ist aber von
Löhnen um 1.300 Euro und höher die
Rede. Damit entfällt ein wichtiger Anreiz
für potenzielle Arbeitsmigranten. Das
wiederum kommt auch österreichischen
Einrichtungen entgegen, die immer weniger Kapazitäten für arbeitswillige Pflegekräfte aus dem Ausland haben.
Inzwischen haben aber auch mittelosteuropäische Geschäftsleute das
Geschäft mit der Pflegebedürftigkeit im
Alter für sich entdeckt. Erste Erfahrungen sammelten sie, indem sie im vorigen Jahrzehnt vorzugsweise vorhandene
Altersheime meist unter Zuhilfenahme
von EU-Fördergeldern von Grund auf
modernisierten. Damit schufen sie Angebote für Einheimische und schlossen
somit eine Lücke, die westlichen Investoren zuvor meist wegen Sprachbarrieren
verschlossen blieb. Herausgekommen
sind dabei moderne Einrichtungen wie
das „Sonnenhaus“ in Senec oder das „Gemütlichkeit“ in Galanta, beide nur wenige Autominuten von der slowakischen
Hauptstadt Bratislava entfernt. Längst
werben deren Betreiber auch um ausländische Kunden und sind dabei deutlich günstiger als deutschsprachige Anbieter. So ist Rundum-Pflege in Galanta
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schon ab 450 Euro im Monat zu haben.
Was für deutsche Ohren geradezu
traumhaft günstig klingt, können sich
viele Slowaken bei einem Bruttodurchschnittslohn von monatlich derzeit etwas mehr als 800 Euro und Renten von
deutlich weniger als 500 Euro schlichtweg nicht leisten. Die Pflege- und Gesundheitswirtschaft in Mittelosteuropa
hat allerdings schnell von der westlichen
Konkurrenz gelernt. Unternehmen wie
die zweitgrößte slowakische Finanzgruppe Penta stampfen in pulsierenden Städten wie Bratislava luxuriöse Residenzen
aus dem Boden, die wohlhabenden Senioren vorbehalten bleiben. Gleichzeitig
schauen sie sich im Ausland nach günstigem Baugrund um, wo sie Pflegeeinrichtungen für die weniger Betuchten unter
ihren Landsleuten schaffen können.
Attraktiv nicht erst seit dem EUBeitritt im vorigen Jahr ist Kroatien, wo
viele Slowaken ohnehin gern Urlaub
machen und kaum Verständigungsprobleme haben. Das Land hat außerdem
den Vorteil, dass es noch nicht allzu viele westeuropäische Investoren aus der
Pflege- und Gesundheitsbranche für sich
entdeckt haben, sodass beispielsweise
Grundstücke vergleichsweise günstig zu
haben sind, was durch die anhaltende
Wirtschaftskrise noch befördert wird. Im
Übrigen sind nicht wenige slowakische
Pflegekräfte bereit, zumindest für eine
gewisse Zeit nach Kroatien zu gehen.
Medizinisches Fachpersonal ist dort inzwischen so rar, dass qualifizierte medizinische Dienstleistungen zumindest in
der Privatwirtschaft teilweise relativ gut
bezahlt werden.
Besonders Wagemutige schielten
vor Ausbruch des russisch-ukrainischen
Konflikts schon eine Zeitlang in Richtung Krim. Offen mag derzeit niemand
über entsprechende Pläne sprechen.
Man könne nur abwarten, wie sich die
Dinge entwickelten, hieß es gegenüber
den Deutschen Wirtschafts Nachrichten
von einem führenden Developer aus
Bratislava. Die Ukraine bleibe aber im
Prinzip interessant, weil es wie in Kroatien kaum Verständigungsprobleme
und außerdem eine Fülle hervorragend
ausgebildeter Pflegekräfte gebe, „die keine unangemessenen Lohnforderungen
stellen“.
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Unternehmen
Deutsche Firmen haben Chancen auf Chinas Medizintechnikmarkt
Der komplexe Prozess zur Einführung neuer Medizintechnikprodukte in China bedarf einer sorgfältigen Planung
D
ie Nachfrage nach Medizintechnik
wird in China bis 2016 voraussichtlich mit Zuwachsraten um 20 Prozent
ansteigen. Eine schnell wachsende chinesische Mittelklasse mit zunehmender
Kaufkraft hat Bedarf an westlichen Gesundheitsprodukten. Medizintechnikunternehmen und Zulieferer dieser Branche
haben somit gute Absatzchancen.
Bis 2015 ist für die Medizintechnik
in China ein Wachstum auf ein Marktvolumen von rund 54 Milliarden US-Dollar
prognostiziert. Steigende Einkommen,
die zunehmende Lebenserwartung und
die neue Nachfrage aus Zentralchina sind
Gründe, warum China im Bereich Medizintechnik auch in den kommenden
Jahren attraktiv bleiben wird, ergab eine
Marktbeobachtung von Fiducia Management Consultants in Hongkong.
„China ist und bleibt ein Wachstumsmarkt und ist reif für deutsche Medizingeräte“, sagt Stefan Kracht, Geschäftsführer von Fiducia.
Die Hürden für den Einstieg in
diesen Markt sollten aber nicht unterschätzt werden. Wie die Erfahrung zeigt,
sollten etablierte Beratungsdienstleister
mit lokalem Know-how den Weg ebnen.
„Langfristige Beziehungspflege ist in China sehr wichtig, ebenso der Aufbau von
Schlüsselbeziehungen vor allem mit medizinischen Entscheidern und den Managern der Krankenhäuser“, erklärt Kracht.
Nicht nur aus diesen Gründen rät er zu
dem Aufbau eines eigenen Unterneh-
mensstandorts in China.
Die langfristige, direkte Kundenentwicklung
und deren Betreuung
vor Ort sowie die wichtigen After-Sales-ServiceAngebote ließen sich
nur im Zielland konsequent aufbauen.
Der eigentlich Lizensierungs- und Registrierungsprozess
von
medizinischen Produkten ist komplex und
nicht selten langwie- Minimalinvasive Chirurgie verbreitet sich in China.
Foto: Flickr/RA Torsten Kellotat
rig. Eine umfassende
Marktrecherche vorab
Für eine entsprechende Produktregilt daher als unverzichtbar. Generell
unterscheidet der chinesische Staat drei gistrierung sollte ein Unternehmen
Gruppen von medizinischen Geräten. mindestens 110 Tage veranschlagen, alKlasse 1: Produkte, deren Sicherheit und lerdings ohne Testphase oder DurchfühEffektivität durch Routineprüfungen ge- rung von klinischen Studien, und: „Für
sichert werden. Klasse 2: Produkte, deren jedes Produkt-Update muss man eine
Sicherheit und Effektivität durch strenge neue Registrierung einreichen. BestehenKontrollen sichergestellt werden müssen. de Registrierungen müssen regelmäßig
Und die dritte Klasse: Produkte, die in den erneuert werden“, so Kracht.
Körper implantiert werden und fortwähVielversprechende
Möglichkeiten
bieten sich darüber hinaus für Unternehrend intensiv überprüft werden müssen.
Kracht beobachtet auch in China men, die bereits im chinesischen Markt
den Trend zur minimalinvasiven Chir- aktiv sind. „Gegenwärtig besteht viel
urgie und somit einen großen Bedarf an Platz für Wachstum im mittleren PreisProdukten, die zur risikoreichsten Klas- segment“, betont der China-Kenner. Viele
se drei gehören. „Wer als internationales setzen in diesem Bereich auf lokales DeUnternehmen Fuß fassen möchte, muss sign, fertigen in China und liefern speziaTop-Qualität möglichst im technischen lisiertes technisches Know-how aus dem
High-End-Bereich liefern.“
Ausland zu.
Ebola
WHO plant Tests mit ungeprüften Ebola-Medikamenten in Afrika
Die Weltgesundheitsorganisation will in großem Umfang Medikamente zur Bekämpfung von Ebola testen und einsetzen
Z
urzeit gibt es drei bekannte potentielle Ebola-Medikamente: TKM-Ebola
von Tekmira, AVI-7537 von Sarepta und
ZMapp von Mapp Biopharmaceutical. Bei
allen drei Unternehmen hat sich das amerikanische Verteidigungsministerium mit
Finanzhilfen bei der Forschung beteiligt.
Die Bedrohung durch die Ebola-Epidemie
hilft den Unternehmen nun bei der Durchführung von notwendigen Tests. Tekmira
beispielsweise hat jüngst von den amerikanischen und kanadischen Behörden die
Erlaubnis erhalten, das Medikament an
Menschen zu testen.
Tekmira ist aber außerdem auch Teil
eines internationalen Konsortiums der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), um
entsprechende Präparate „für beschleunigte
therapeutische klinische Studien in Westafrika zu bieten“, schreibt das Unternehmen
auf seiner Website. Wie genau diese aussehen und ob es auch Studien in den USA oder
Europa geben wird, gab der Konzern nicht
an.
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Die WHO will Medikamente an Ebola-Patienten
auf ihre Wirksamkeit hin testen.
Foto: Flickr/European Comission DG Echo
Von Seiten der WHO heißt es, eine
neue Plattform werde ins Leben gerufen,
„um mögliche Behandlungsformen zu
identifizieren und in westafrikanischen
Ländern zu testen“. Es solle dann Isolierstationen geben, wo die Behandlungsformen „bei Patienten mit Ebola in einem
standardisierten Format ausgewertet
werden können“, so die WHO. „Eine Reihe
von Pharmakonzernen, darunter Mapp
Biopharmaceutical, Tekmira und Sarepta, arbeiten in diesem Projekt zusammen
und werden die wichtigsten Daten zur
Wirksamkeit, Sicherheit und zu Produktionsmöglichkeiten für mögliche Behandlungen zur Verfügung stellen.“ Anfang der
Woche teilte Tekmira mit, dass das Unternehmen nun angefangen habe, das Medikament in größeren Mengen herzustellen.
Anfang Dezember soll es dann verfügbar
sein.
Außerdem haben ebenfalls im Zug einer Aktion der WHO in den vergangenen
Wochen Studien mit möglichen EbolaImpfstoffen begonnen. In vielen unterschiedlichen Ländern werden die Impfstoffe getestet werden, auch Deutschland
zählt dazu. In Hamburg laufen derzeit die
Vorbereitungen. Marylyn Addo, Medizinerin für Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und
Professorin am Deutschen Zentrum für
Infektionsforschung (DZIF), wird die Studie leiten. Allerdings unterliege die Studie
noch der Genehmigung der zuständigen
Behörden, sagte Addo den Deutschen
Wirtschafts Nachrichten. Das Bundesinstitut für Impfstoffe, das Paul-Ehrlich-Institut und die Ethik-Kommission des UKE
müssten noch zustimmen.
Zwei Impfstoffe stehen dabei im Zentrum der Studien. Ein Impfstoff wurde
in einer Zusammenarbeit zwischen dem
britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline und der US-Gesundheitsbehörde
entwickelt. Der zweite zu testende Impfstoff kommt von der öffentlichen Gesundheitsagentur Kanada, die Lizenz zur
Herstellung liegt nun beim Unternehmen
NewLink Genetecs. Dabei handele es sich
um Studien der Phase eins an gesunden
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Menschen, mit Gruppen von ungefähr
30 Testpersonen, sagte Susanne Stöcker
vom Paul-Ehrlich-Institut den Deutschen
Wirtschafts Nachrichten. Es gehe dabei
vordergründig darum, zu testen, ob der
Impfstoff verträglich sei, wie er wirke und
vom Körper aufgenommen werde. Sehen
könne man dabei, ob der Impfstoff allergische Schocks auslöse oder vielleicht nicht
ausreichend Antikörper im Körper der
Testperson bilde.
Die Studien zu den Impfstoffen laufen in verschiedenen Ländern mehr oder
weniger gleichzeitig bzw. beginnen in kurzen Abständen nacheinander. „Wenn dann
die ersten Studienzentren Ergebnisse vorlegen, kann man sich vielleicht überlegen,
in einem Land mit einer Studie der Phase
zwei zu beginnen“, so Susanne Stöcker. Dadurch sei es möglich, dass die Tests überlappend stattfinden. Das könne das ganze
Verfahren beschleunigen. „Das langfristige Ziel ist durchaus, im kommenden Jahr
auch in den betroffenen Gebieten Impfstoffe in Form von Studien der Phase 2
oder 3 anbieten zu können.“ Dabei geht es
dann vordergründig um Dosierung und
Wirksamkeit. Für die Studie in Hamburg
wird derzeit überlegt, als Testpersonen
auch Menschen zu gewinnen, die vielleicht planen, in einem Ebola-Gebiet zu
arbeiten.
Innovation
Deutsche zahlen gern für innovative Gesundheitsangebote
Neue Gesundheitsangebote von branchenfremden Unternehmen finden großen Anklang bei der Bevölkerung
V
iele Bundesbürger wären bereit, für
innovative Gesundheitsleistungen
branchenfremder Unternehmen Geld
auszugeben. Dabei geht es nicht nur um
die Smartwatch, die den Puls misst, oder
die Kontaktlinse, die den Blutzuckerspiegel bestimmen kann. Voraussetzung ist,
dass die Qualität stimmt, ergibt die Studie „Healthcare & Pharma New Entrants“
der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Dazu wurden 1.000 Erwachsene befragt.
„Fast jeder zweite Deutsche ist offen für
die Angebote der neuen Marktteilnehmer“,
sagt Michael Burkhart, Leiter Gesundheitswesen und Pharma bei PwC. „Die einzige
Voraussetzung: gleiche Qualität.“ Folglich
werde der so genannte zweite Gesundheitsmarkt – also alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen rund um die
Gesundheit – von den Verbrauchern bereits
überwiegend angenommen.
Als besonders interessant bewerten die
Befragten Angebote, die besseren Schutz
im Notfall bieten: Das E-Call-System im
Auto, das nach einem Unfall automatisch
den Rettungswagen ruft, belegt Platz eins
unter den Produkten und Dienstleistungen, die zur Auswahl standen. 87 Prozent
halten diese technische Innovation für
„eher sinnvoll“ oder sogar „sehr sinnvoll“.
An zweiter Stelle rangiert mit einer Akzeptanz von 74 Prozent die „Post persönlich“:
Der Briefträger sieht dabei auf Wunsch
bei älteren Menschen einmal täglich nach
dem Rechten. Präventive Lösungen hingegen, wie zum Beispiel eine App, die die
Hörfähigkeit testet, finden wenig Anklang.
43 Prozent der Bundesbürger sind bereit, medizinische Dienste und Produkte
aus eigener Tasche zu bezahlen, wenn sie
damit gesundheitliche Leistungen schneller und unkomplizierter in Anspruch nehmen könnten. So halten 67 Prozent der Befragten eine App für attraktiv, mit der man
einen Termin in einer Praxis buchen kann,
um Wartezeiten zu vermeiden.
Auch würden es viele befürworten,
wenn Impfungen, Gesundheitschecks oder
einfache Behandlungen – beispielsweise
das Auftragen eines Vereisungssprays ge-
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Viele Bürger wollen für Routineuntersuchungen nicht mehr unbedingt in die Praxis kommen.
Foto: Flickr/heipei
gen Warzen – auch außerhalb von Arztpraxen möglich wären. 88 Prozent würden
das am liebsten zu Hause in Anspruch
nehmen. Auch Sanitätshäuser wären für 83
Prozent als Anlaufpunkt denkbar. Drogerien und Fitnessstudios kommen dagegen
nur für etwa die Hälfte der Befragten in
Betracht. Für mehr als 80 Prozent kommt
nicht in Frage, für Gesundheitsleistungen
Einkaufszentren, Supermärkte oder Friseursalons aufzusuchen.
Den eigenen Gesundheitszustand
kontrollieren zu können, nennen viele
ebenfalls als Grund, sich neue Produkte
anzuschaffen: Ein Armband, das Vitalwerte misst, spricht 71 Prozent der Befragten
an. Dennoch belegen Produkte wie die
Kontaktlinse für Diabetiker, die den Blutzucker anzeigt (51 Prozent), oder das iPho-
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ne mit Zusatzgerät zum Blutdruckmessen
(37 Prozent) im Ranking nur mittlere Plätze.
„Interessant ist vor allem, dass die
Kosten bei solchen Überlegungen nicht
im Vordergrund stehen“, sagt Michael
Burkhart. „Die wenigsten der Befragten
sind an solchen Angeboten interessiert,
um Geld zu sparen, sondern beurteilen
neue Produkte vor allem nach dem persönlichen Nutzen.“ Immerhin 41 Prozent
sehen diesen Nutzen zum Beispiel in einer
Online-Sprechstunde beim Hausarzt. Im
Gegenzug müssen aber die Hersteller von
Drohnen, die als Kurierdienst für Medikamente eingesetzt werden sollen, laut der
PwC-Studie noch werben: 63 Prozent der
Befragten halten diese Form von Lieferservice für sinnlos.
Innovation
3D-Drucker produziert Leichtgips aus Bienenwaben
Ein Student hat einen Gips auf Basis von Bienenwaben entwickelt. Die Wabenstruktur garantiert dabei die Stabilität
D
er Neuseeländer Jake Evill, der vor
kurzem seinen Abschluss an der Victoria University of Wellington gemacht
hat, hat einen Gips für gebrochene Arme
und Beine entwickelt, der mit einem 3DDrucker hergestellt werden kann. Das Modell trägt den Namen Cortex Cast.
Dabei sieht der Gips nicht nur sehr
modisch aus, wie die Fotos auf der Homepage des Erfinders zeigen, er hat auch weitere Vorteile für den Anwender. So leiden
betroffene Patienten meistens unter der
Last eines schweren Gipses. Das Thema
Gewicht ist mit dieser Entwicklung abgehakt. Denn das Material ist sehr leicht
und damit für jeden Bruch ideal einsetzbar. Insbesondere Kinder und ältere Menschen profitieren von dieser Erfindung.
Ein Thema, das viele Gipsträger stört:
Der Arm oder das Bein sind an der Stelle
des Gips komplett umschlossen. Besonders, wenn der Körper unter dem Verband juckt, ist dies oft unerträglich. Auch
dieses Problem löst das neue Design. Die
vielen Luftlöcher machen den Gipsersatz
nicht nur zu einem Hingucker, die Verletzten können auch jede Stelle der Haut
unter der Schiene erreichen.
Das verhindert auch, dass unangenehme Gerüche entstehen. Schließlich
können die Körperteile leichter gewa- chenden Idee, die hoffentlich auch bald
schen werden, ohne den neuen Gips auf- umgesetzt wird. Laut dem Design- und
Technologie-Blog Gizmodo wird das aber
zuweichen.
Die Idee für die Bauweise hat sich noch nicht in absehbarer Zeit geschehen.
Evill von der Natur abgeschaut. Im Design Dennoch gibt es von vielen Seiten Zuder Bienenwaben fand er die gewünsch- stimmung für das Projekt.
Vor allem, weil er relativ leicht umzute Struktur. Dadurch ist der Cortex Cast
für Anwender angenehm zu tragen und setzen ist, sollte der Cortex Cast möglichst
gleichzeitig stabil genug, um die Knochen in Krankenhäusern angewendet werden.
auch in Position zu halten, damit sie hei- Immerhin hat Evill das Konzept mit eilen können.
nem einfachen 3D-Scanner, den er selbst
Überhaupt soll die Heilung mit Hilfe hergestellt hat, entwickelt. Die Vorlage
der Entwicklung schneller gehen als bei dafür nahm er vom XBox-Kinect-System
herkömmlichen Verbänden. Dazu gibt es und konnte so dank der Spielekonsole seidie Möglichkeit, Ultraschall in niedriger nen eigenen gebrochenen Arm scannen.
Frequenz durch den gebrochenen KnoDie ersten Versuche waren zwar noch
chen zu schicken. Durch eine derartige kein Volltreffer, aber Evill war trotzdem
Beschallung von nur
20 Minuten pro Tag
sollen die Brüche um
40 Prozent schneller
heilen.
Die Kombination
aus optisch ansprechendem Gipsersatz,
komfortabler Handhabung und gleichzeitig rasanter Heilung
machen das Konzept
Das Material ist extrem stark, leicht und stabilisiert vollständig.
zu einer vielverspreScreenshot
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zufrieden: „Es sah nicht schön aus, aber
es funktionierte überraschend gut.“ In
Holland bestellte er dann bei einer Firma für 3D-Drucker sein Modell. Rein aus
Interesse, denn der Arm war inzwischen
längst wieder geheilt. Der neue Gips kostete ihn 80 US-Dollar ohne Porto. Insgesamt brauchte er drei Monate, um seine
Konstruktion abzuschließen.
Inzwischen sind vor allem orthopädische Chirurgen aus Europa und den USA
an der Erfindung interessiert. Natürlich
kann ein solches Design nicht einfach
von Ärzten weltweit eingesetzt werden.
Dazu müssen zuvor noch zahlreiche
Tests durchlaufen werden. Laut Evill ist
das Konzept hypothetisch bewiesen, weil
es die nötigen Bedingungen biete, um gebrochene Arme oder Beine zu unterstützen. Es sei extrem stark, stabilisiere vollständig und sei ein Leichtgewicht.
Seit Evill den Cortex Cast der Welt
vorgestellt hat, laufen ihm Investoren, die
seine Entwicklung umsetzen möchten,
bereits die Tür ein. Derzeit ist der junge
Absolvent damit beschäftigt, sich die bes-
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te Option auszusuchen. Doch nicht nur
Investoren melden sich bei Evill. Auch
zahlreiche Patienten mit gebrochenen
Knochen sind dermaßen von seinem Projekt überzeugt, dass sie sich als Testobjekte anbieten.
Vor allem gebrochene Handgelenke
sind sehr häufig und kompliziert zu heilen. Diesen Patienten muss Evill momentan aber noch eine Absage erteilen. Handgelenke kann er mit seinem Cortex Cast
derzeit noch nicht unterstützen. Aber zukünftig soll auch das möglich sein.
Finanzen
EU stockt Ebola-Hilfe auf eine Milliarde Euro auf
Die EU-Kommission hat nun ihre Finanzhilfen für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie auf über eine Milliarde Euro aufgestockt
D
ie EU und ihre Mitgliedstaaten haben den betroffenen Ländern seit
März 2014 über 600 Millionen Euro an
humanitärer Hilfe und Entwicklungshilfe zugesagt. Die Staats- und Regierungschefs der EU sind übereingekommen,
die Finanzhilfe auf insgesamt 1 Milliarde
Euro zu erhöhen.
Darüber hinaus wurden humanitäre
Helfer entsandt sowie dringend benötigtes Material zur Verfügung gestellt,
einschließlich einer Luftbrücke für Personen und Waren, die über den Katastrophenschutzmechanismus eingerichtet wurde. Die EU wird, wenn nötig, die
Evakuierung internationaler Mitarbeiter
aus der Region finanzieren und koordinieren. Sie garantiert zudem, dass internationalen freiwilligen Helfern im Falle
einer Ansteckung die entsprechende
Versorgung zukommt.
Noch konzentriert sich die Ausbreitung von Ebola auf einige afrikanische
Länder, doch werden Patienten bereits
weltweit behandelt. Neben der Bundesrepublik ist vor allem eine amerikanische Klinik in Dallas in die Schlagzeilen
geraten. „Im Fall von Ebola ist korrekter
Schutz der Mitarbeiter enorm wichtig.
Der Fall einer infizierten Krankenschwester in den USA zeigt, wie schnell eine
Übertragung auch unter kontrollierten
Schutzbedingungen stattfinden kann“,
sagt Nathalie Cholin vom Messtechnikunternehmen TSI.
In einer Studie hat das Unternehmen
jüngst einige Schwächen bei der Anwendung von Atemschutzmaßnahmen in
deutschen Krankenhäusern festgestellt.
„80 Prozent der befragten 210 Mitarbeiter aus dem Arbeitsschutz im Gesundheitswesen führen keine Trainings zur
richtigen Nutzung von Atemschutzmasken durch“, so die TSI-Sprecherin. Dabei
ist hier die größte Schwachstelle – und
viele Maskenträger machen aus Unwissenheit eklatante Fehler in der Anwendung. Die Gefährdung ist dabei nicht nur
in Kliniken groß: Auch alle Entwicklungsund medizinischen Helfer sind einem
enormen Risiko ausgesetzt.
Moderne Messtechnik ermöglicht
die Prüfung von Atemschutz in Einsatzsituationen. So kann festgestellt werden,
ob Riemen falsch angesetzt sind, ein
mechanischer Fehler in der Maske vorliegt ob oder die Maske schlicht zu locker
sitzt. Ein einfacher Selbsttest – wie ihn
85 Prozent der Befragten durchführen –
schützt überhaupt nicht. „Es muss klar
sein, dass hier mit dem eigenen Leben
gespielt wird. Daher müssen Schutzmechanismen regelmäßig trainiert werden“,
sagt Cholin.
Helfer, die sich in Afrika mit Ebola anstecken,
erhalten die beste medizinische Unterstützung,
so die EU-Kommission.
Foto: Flickr/European Comission DG Echo
Ebenfalls entscheidend ist die Unterbringung von Ebola-Patienten in speziellen Isolierstationen. Neben dem Schutz
des Personals gilt es auch, das Gebäude
passend vorzubereiten. Raumdruckregelungen und gekapselte Klimasysteme
bieten die Möglichkeit, Räume soweit
zu kontrollieren, dass der Austritt einer
Kontamination kaum möglich ist. „Die
richtigen Räumlichkeiten, korrekt trainiertes Personal und stete Überwachung
können weitere Ansteckungen in Kliniken und Krankenhäusern unterbinden.
Diese Pflicht tragen Krankenhausbetreiber – und das Beispiel in Dallas zeigt,
wie schnell hier unerwünschte Unfälle
das Risiko unkalkulierbar machen“, resümiert Nathalie Cholin.
Impressum Herausgeber: Dr. Michael Maier. Redaktion: Thomas Gollmann, Anika Schwalbe, Jennifer Bendele. Layout: Nora Lorz. Copyright:
Blogform Social Media GmbH, Kurfürstendamm 206, D-10719 Berlin. HR B 105467 B. Telefon: +49 (0) 30 / 81016030, Fax +49 (0) 30 / 81016033.
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