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Ausstellungskatalog zum Download - Sustainable Urbanism

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leben am fluss
in brandenburg an der havel
städtebauliches entwurfsstudio 2014
der TU München
in Kooperation mit
der Stadt Brandenburg an der Havel
und der AG stadt als campus
impressum // dank
inhalt
Katalog zur Ausstellung
1.leben am Fluss
1.1 Lage und Geschichte
1.2 Stadtbaukunst
1.3 Masterplan
1.4 buga 2015
1.5entwurfsgebiet und bauten
1
2
5
8
12
14
2.Analysen
2.1Referenzen
2.2
Vor Ort Workshop
2.3Wahrnehmung
2.4Inventar
Kartierung Lage am Wasser
Kartierung Kontext
Kartierung nutzungen
Kartierung Verkehrsflächen
Kartierung Freiraum
Kartierung Räumliche Besonderheiten
Kartierung Grenzen und schwellen
20
21
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23
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31
32
3.Entwürfe
Masterpläne
3.1 E-Werk und Tram-Depot
3.1.1.E-Werk-Forum rund um Kultur & boote
3.1.2. M-Werk Musikstudios
3.1.3. Herberge und Studentenwohnen
3.1.4. Jugendherberge im E-Werk
3.1.5.Havelwerkstätten und Co-Working
3.1.6.Konzert- und Markthalle
3.1.7E-werk Indoor skate und klettern
34
36
42
43
46
49
52
54
56
58
3.2. Stadtbad
3.2.1. Musikakademie im stadtbad
3.2.2. Regional genieSSen im stadtbad
3.2.3. hotel und therme
60
61
64
67
3.3.ehemaliger busbahnhof
überblick
3.3.1.Anger am Jakobsgraben
3.3.2. Offen und Dicht am Jakobsgraben
3.3.3. Park-Ränder zum Jakobsgraben
3.3.4. Schrittweises wachsen vom Rand
3.3.5. Plätze und höfe
3.3.6. Quartiersplatz als Gelenk
3.3.7. Drei Höfe
68
72
76
80
84
87
90
92
„Schaustelle Stadtkern“ in Brandenburg a d Havel
©2014
Technische Universität München
sustainable urbanism
Lehrstuhl für Nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land
Prof. Mark Michaeli, Architekt ETH SIA
Arcisstrasse 21
D-80333 München
www.sustainable-urbanism.de
in Kooperation mit der Stadt Brandenburg a d Havel und
Sally Below, STADT ALS CAMPUS e. V.
Unser Dank gilt besonders Andrea Kutzop, Fachbereichsleiterin vom
Fachbereich VI der Stadtplanung in Brandenburg an der Havel und ihrem
Mitarbeiter Martin Dornblut sowie Katrin Witt, Fachgruppenleiterin Denkmalschutz der Stadt Brandenburg an der Havel
für ihre große Unterstützung mit Informationen, Material, Anregungen und
Führungen vor Ort im Stadtbad, E-Werk, Johanniskirche und auf den
Wasserturm in Kirchmöser zu Beginn und während des Projektes und nun
bei der Ausstellungsvorbereitung.
Und Sally Below, die uns überhaupt auf das Thema gebracht und uns in ein
spannendes Netzwerk eingeführt hat.
Projektleitung:
Dipl.-Ing. Nadja Häupl, Architektin
nadja.haeupl@tum.de
Dipl.-Ing. Stefanie Seeholzer, Architektin
s.seeholzer@tum.de
Leitung Ausstellung und Katalog: Nadja Häupl
Text: (so nicht anders vermerkt), Grafik, Satz: Nadja Häupl
Foto Titelumschlag: Nadja Häupl
Das Material dient allein zu Lehrzwecken an der TU München
und dem internen Gebrauch der Stadt Brandenburg an der Havel und der AG
Stadt als Campus e.V..
Alle Karten, Pläne, historischen Bilder und sonstigen Materialien aus der in
den Bildunterschriften angegebenen Literatur.
leben
am
fluss
in brandenburg an der havel
städtebaulicher entwurf sommer 2014
Auf Brandenburg an der Havel als städtebauliches Entwurfsthema brachte uns - den Lehrstuhl für Nachhaltige Entwicklung
von Stadt und Land der TU München - Sally Below vom STADT
ALS CAMPUS e. V. mit dem Projekt CAMPUS HAVELREGION.
Die Stadt wird 2015 einer der Austragungsorte der erstmalig
regional konzipierten Bundesgartenschau 2015 am „Blauen Band“
der Havel sein. CAMPUS HAVELREGION ist dabei ein
Forschungs- und Aktionsprogramm, das über die Gartenschau mit
ihren Freiraumgestaltungen hinaus Räume in der Region mit
Formaten der aktivierenden Stadtentwicklung beleben will. Eine
unvoreingenommene Diskussionsplattform können dabei Projekte
für BUGA Standorte aus dem Umfeld von Hochschulen bieten.
Über den Horizont der BUGA hinaus entwarfen an unserem
Lehrstuhl Masterstudierende der Architektur und der Urbanistik
plausible Entwicklungsszenarien für einen strategisch wichtigen
Perimeter in Brandenburg an der Havel.
Eine Ausstellung der Ergebnisse dieses städtebaulichen
Entwurfsstudios findet nun am 18./19. Oktober 2014 in der ehemaligen Werfthalle am Packhof im sehr öffentlichen Rahmen der
landesweiten Aktion „Schaustelle Stadtkern“ statt.
Herzlichen Dank an die Stadt Brandenburg an der Havel, uns
diesen Rahmen zu bieten und an ihre Vertreter in der Stadtentwicklung und Denkmalpflege für die große Unterstützung mit Informationen, Anregungen, Material und Führungen vor Ort zu Beginn
und während des Projektes.
Im Doppelschatten von Potsdam und Berlin erlangte
Brandenburg im 20. Jh. als Stadt der Industrie und der Arbeitersiedlungen am Wasser endlich nach seiner Blütezeit im Mittelalter
wieder überregionale, ja weltweite Bedeutung und krönt sich als
mittelalterliche und zugleich moderne Stadt westlich Berlins zu
seiner Tausendjahrfeier 1929 mit einem Wohlfahrtsforum im Stile
der Neuen Sachlichkeit an der westlichen Havelspitze. Mit dem
Zusammenbruch der wirtschaftlichen Grundlagen nach dem Ende
1
der DDR beginnt erneut das Schrumpfen der Stadt, die sich heute
deshalb zurecht auf ihre einmaligen Qualitäten in der Kernstadt
konzentriert. Und tatsächlich: diese wächst wieder und wird neben
den vielen Domtouristen, Rad- und Bootswanderern auch als
ständiger Wohn- und Lebensraum entdeckt.
Durch eine in der Regel konsequente Konzentration der Kräfte
auf die Kernstadtentwicklung, also auf die Innenstadt und den sich
anschließenden Gründerzeitring, ist es in Brandenburg an der
Havel in den vergangenen beiden Jahrzehnten gelungen, gerade
hier hohe städtebauliche Qualitäten zu sichern. Dennoch liegen im
Altbestand besonders in der westlichen Innenstadt eine Reihe von
Liegenschaften brach, welche in Folge wirtschaftsstruktureller
Umbrüche in den letzten Jahrzehnten ihre Nutzung verloren. Bei
der Brachflächenreaktivierung soll nach den Zielen des Stadtumbaukonzeptes eine Konzentration von Neubaustandorten für
Wohneigentum an innerstädtischen Wasserlagen erfolgen. Im
Bebauungsplan für den Havelkiez, eben solch ein Neubaustandort
auf einer ehemaligen innerstädtischen Brache, heißt es: „Die
bisher vorrangig auf Wachstum ausgerichtete Stadtentwicklung
muss sich unter den Bedingungen des quantitativ schrumpfenden
Bedarfes an Wohnungen davon lösen, das bereits hohe Niveau
des Bauflächenangebotes an peripheren Stadtrandlagen noch
weiter zu steigern. Die mit der demographischen Entwicklung
einhergehende Veränderung der Rahmenbedingungen setzt neue
Maßstäbe und muss als Chance begriffen werden, den erforderlichen Stadtumbau zur Steigerung der Attraktivität des innerstädtischen Wohnens und zur Schaffung neuer städtischer Qualitäten
zu nutzen. Die vielen inmitten der Stadt gelegenen Industriebrachen müssen aus dem Stadtbild getilgt und für ein urbanes
Leben zurückgewonnen werden.“
Im städtebaulichen Entwurfsstudio der TU München wurde
die westliche Kernstadt am Schnittpunkt mehrerer Gewässerarme
und als Auftakt der BUGA 2015 zum Entwurfsort für neues
Wohnen, Arbeiten und Erholen. Anknüpfungspunkte dafür bieten
die Lagegunst, der außergewöhnliche, jedoch leer gefallene
Gebäudebestand von Stadtbad, Elektrizitätswerk und Straßenbahndepot sowie Vorstellungen der Stadt für mögliche öffentliche
Programme und ergänzende Wohnformen reichlich. Darüber
hinaus entwickelten die Studierenden auf ihren Entdeckungen vor
Ort und in eigenen Recherchen weitere Ideen. Ein Querschnitt
davon, gegliedert in eine vorangestellte Analyse und dann in die
drei Teilbereiche des Entwurfsperimeters - Westliche Landspitze //
Wohlfahrtsforum mit Stadtbad // Brache ehemaliger Busbahnhof ist in diesem Katalog zu sehen.
Mark Michaeli, Nadja Häupl, Stefanie Seeholzer
Lehrstuhl für Nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land
TU München
lage und geschichte
der stadt brandenburg an der havel
Altstadt um 1582, Bild aus einer Chronik des Stadtschreibers der Altstadt
Brandenburg Zacharias Gartz: Wahrzeichen der Stadt bis zum Abbruch erste
Hälfte 18.Jh. ist die Marienkirche auf dem Marienberg. http://de.wikipedia.org
Stich von Johann Gabriel Friedrich Poppel, Brandenburg an der Havel,
Dominsel von Nordwesten, im Vordergrund Havelauen, um 1860, Quelle:
www.zeno.org/Kunstwerke/B/Poppel
Geographische Lage
gekürzt aus: Wikipedia
Brandenburg an der Havel liegt im Westen des Landes
Brandenburg, etwa 70 km westlich von Berlin, am für die Binnenschifffahrt wichtigen Fluss Havel zwischen Potsdam und seiner
Einmündung in die Elbe bei Havelberg. Im Stadtgebiet verzweigt
sich die Havel in mehrere Seitenarme und Kanäle, die einige
Inseln bilden, die das Stadtbild prägen. Daneben gibt es zehn
natürliche Seen, die meist von der Havel durchflossen werden
oder mit ihr verbunden sind. Größte Seen im Stadtgebiet sind der
Plauer See mit einer Fläche von etwa 640 Hektar und der
Beetzsee. Die Havel trennt die historischen Landschaften
Havelland im Norden und Zauche im Süden. Die Stadt besitzt
Anteile an beiden Landschaften. Weitere natürliche Fließgewässer
neben der Havel sind die im Fläming entspringenden Flüsse Plane
und Buckau, die beide in den Breitlingsee münden. Daneben gibt
es einige Kanäle, die zu unterschiedlichen Zeiten angelegt wurden.
In der Stadtmitte erreicht der Marienberg eine Höhe von über
69 m über NHN; er war bis zur Eingemeindung von Schmerzke
1993 die höchste Erhebung. Die Böden sind gemeinhin eher
sandig und wenig fruchtbar. Etwa 75 Prozent des Stadtgebiets
sind landwirtschaftliche Nutzfläche, Sumpfgebiete oder Wasserfläche. Zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Stadt
gehören auch die Forste Gördenwald, Neustädter Heide und
Neu-Plauer Forst, die mit kleineren Waldgebieten etwa 20 Prozent
der kommunalen Fläche ausmachen. Bestimmende Bepflanzung
in diesen Gebieten ist monokulturell die Kiefer, wobei in letzter Zeit
verstärkt davon abgerückt und zum Pflanzen einer Mischvegetation übergegangen wird.
Einleitend
„Brandenburg ist nicht irgendeine Stadt »im Westen Berlins«,
irgendein potentielles »Oberzentrum« unter anderen. Die Stadt
Brandenburg ist die älteste Stadt der ehemaligen Mark
Brandenburg, die Hauptstadt der Mark bis in das späte Mittelalter
hinein. In Brandenburg wurde die Geschichte Preußens begründet,
Brandenburg ist ein zentraler Angelpunkt der deutschen »Ostpolitik« im Mittelalter und damit der europäischen Frühgeschichte.
Die Reste der Stadtbefestigung, die Kirchen und Klosterbereiche,
das Altstädtische Rathaus, die Anlagen des Wasserbaus und nicht
zuletzt der historische Stadtgrundriss sind noch heute erfahrbare
Zeugnisse dieser gar nicht zu überschätzenden Bedeutung
Brandenburgs. (...) Der »Doppelschatten« der Residenzen Berlin
und Potsdam hat die Stadt Brandenburg allerdings vor allem nach
dem Dreißigjährigen Krieg in das Halbdunkel der Geschichte
gerückt. Aus dieser Dämmerung konnte Brandenburg erst im
letzten Drittel des 19. Jahrhunderts im Zuge einer tiefgreifenden
Industrialisierung etwas heraustreten, um dann in der DDR-Zeit
trotz der Anerkennung als bedeutendste Industriestadt im Bezirk
Potsdam wieder in den »Doppelschatten« zurückzusinken.“ (Aus:
Stadtbaukunst Brandenburg an der Havel, Bodenschatz S.18)
2
Geschichte (gekürzt aus: Wikipedia)
Auf der Dominsel lag die zentrale Brandenburg der slawischen
Heveller, die 928/929 von König Heinrich I. erobert wurde. Otto I.
errichtete hier 948 das Bistum Brandenburg. In der Kaufmannssiedlung Parduin ließen sich bei der St.-Gotthardt- Kirche vor 1147
Prämonstratenser nieder, die 1165 auf die Dominsel übersiedelten,
wo das Domstift und ab 1165 der Dom errichtet wurde. Die
Zeichnung Max Grantz in dessen Sammlung „Deutsche Städtebilder“ 1940
veröffentlicht. Brandenburg ist auf die mittelalterlichen Stadtzeichen
reduziert. Stadterweiterungen der Kaiserzeit sind nur schematisch als
Bahnhof, Raster und Schornsteine angedeutet. Die Siedlungslandschaft der
Zwischenkriegszeit fehlt komplett.
Siedlung um die Gotthardtkirche weitete sich nach 1160 zur
Altstadt an der Straße von Magdeburg nach Berlin aus. Südlich
der Altstadt wurde am Ende des 12. Jahrhunderts die Neustadt mit
der Katharinenkirche planmäßig angelegt. Beide Städte wurden
getrennt mit Mauern versehen und bildeten zwei völlig eigenständige Kommunen. In der Altstadt gründeten die Franziskaner
nach 1234 ein Kloster, in der Neustadt wurde der markgräfliche
Hof 1286 den Dominikanern zum Klosterbau überlassen.
Als Hauptstadt der Markgrafschaft Brandenburg, als Bischofssitz, als Ort eines von weither angerufenen, seit 1326 bezeugten
Schöppenstuhls und als Fernhandelsstadt bildeten die beiden
Städte Brandenburg im Mittelalter zusammen das unbestrittene
Zentrum zwischen Elbe und Oder. 1521 bestätigt Kurfürst Joachim
I. offiziell den Titel Chur- und Hauptstadt für Brandenburg an der
Havel. Zwischen 1536 und 1555 setzte sich die Reformation in
Stadt und Domkapitel durch, das Bistum wurde 1598 säkularisiert
und dem Kurfürstentum Brandenburg eingegliedert. Gleichzeitig
verloren die Städte infolge des Aufstiegs Berlins zur kurfürstlichen
Residenzstadt ihre führende Stellung. Die Zerstörungen und der
Niedergang im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) konnten erst
nach 1800 aufgeholt werden. Von den 10.000 Einwohnern vor
dem Krieg lebten 1648 nur noch 3.000. Die Ansiedlung von
Hugenotten 1685 brachte mit der Gerberei und Lederverarbeitung
eine wirtschaftliche Belebung. Der Aufbau des brandenburgischen
Heeres seit dem späten 17. Jahrhundert machte beide Brandenburgs zu Garnisonstädten. 1717 wurde die Ritterakademie als
Ausbildungsstätte des Adels für den Staats- und Militärdienst
gegründet. Auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm
I. wurde die Stadtverwaltung beider Städte zusammengelegt. Das
Zusammenwachsen beider vorher eigenständiger Städte war ein
langwieriger Prozess. Es kam zu einer Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress:
Eingliederung ab 1816 in den Landkreis Westhavelland, Regierungsbezirk Potsdam, preußische Provinz Brandenburg (seit 1939
„Mark Brandenburg“). Am 1. April 1881 schied die Stadt
Brandenburg aus dem Kreis Westhavelland aus und bildete fortan
einen eigenen Stadtkreis.
1830 hatte Brandenburg 13.538 Einwohner. 1846 erhielt es
eine Bahnverbindung nach Berlin und Magdeburg, 1904 nach
Rathenow und Belzig, drei weitere Kleinbahnen entstanden
1901/1912. Die Industrialisierung setzte nach 1870 ein, die
Brennabor-Werke (Gründung 1871 durch die Gebrüder Reichstein)
erzeugten Fahrräder, Kinderwagen und Autos. Um 1900 folgten
zwei weitere Fahrradwerke, eine Schiffswerft, eine Eisengießerei,
Fabriken für Blechspielwaren, Textilien und Möbel. 1913 entstand
ein Stahl- und Walzwerk, während die alte Tuch- und Seidenweberei einging. Mit dem industriellen Aufstieg verdoppelte sich in
den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl durch Zuzug aus der Umgebung der Stadt, aber auch
3
aus dem Ruhrgebiet, aus Ost- und Westpreußen, aus Danzig,
Pommern und Schlesien. 1905 hatte die Stadt 51.000 Einwohner.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Brandenburg durch die
Stahl-, Metall-, Textil- und Spielwarenindustrie geprägt. Die
Weltwirtschaftskrise 1930/31 traf die Stadt schwer. Nach 1933
wurde Brandenburg durch die verkehrsgünstige Lage und die
Stahlproduktion zu einem wichtigen Standort der Flugzeug- und
LKW- Produktion. Das Arado-Zweigwerk wurde ab 1934 errichtet;
1935 folgte das LKW- Werk von Opel. Beide dienten der Aufrüstung der Wehrmacht und der Kriegsvorbereitung.
Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers bestand 1933 und
1934 in Brandenburg eines der ersten Konzentrationslager, im
„Alten Zuchthaus“ untergebracht. Das Zuchthaus BrandenburgGörden war bis zur Befreiung durch sowjetische Truppen am 27.
April 1945 ein Gefängnis und Hinrichtungsort für zahlreiche Widerstandskämpfer. Es beherbergt heute eine Dokumentationsstelle
für die Opfer der NS-Justiz. In Brandenburg befindet sich eine
Landesklinik für Psychiatrie (ehemals „Landesirrenanstalt“ dann
„Brandenburgische Psychiatrische Landesanstalt Görden“). Ihr
damaliger Direktor, Professor Hans Heinze, war einer der zentralen
Handelnden der verschiedenen Formen des nationalsozialistischen Krankenmordes. Die Klinik war Herkunfts- und Zwischenanstalt der Euthanasie-Aktion T4. Eine Spezialeinheit des Heeres
hatte seit Oktober 1939 ihren Sitz in Brandenburg an der Havel.
Am 1. Juni 1940 erreichte die Größe des Verbandes einen
Umfang, der eine Umbenennung in „Lehrregiment Brandenburg z.
b. V. 800“ sinnvoll machte. Nun erst, nach zahlreichen Einsätzen,
wurde die Bezeichnung Brandenburger auch zum Synonym für
deutsche Kommandoeinheiten.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges richteten Luftangriffe
1944/1945 und die Bodenkämpfe im April 1945 erhebliche Zerstörungen im Stadtgebiet Brandenburgs an. Rund 70 Prozent der
Industriebetriebe wurden zerstört. Praktisch alle größeren Industriebetriebe (vornehmlich stahlverarbeitende) dienten während des
Zweiten Weltkrieges der Rüstungsproduktion; ihnen galten die
Luftangriffe. Brandenburg wurde Teil der SBZ (sowjetischen
Besatzungszone). An vielen Orten demontierten Truppen der
Roten Armee in großem Stil Industrieanlagen und schafften sie als
Reparationen in die Sowjetunion.
Die 1950er Jahre waren Jahre des Neuanfangs. Der Bau des
Walzwerkes in Kirchmöser ab 1949 und des Stahl- und
Walzwerkes Brandenburg ab 1950 gab der Stadt ihre Schwerindustrie wieder. Stahl-, Maschinenbau- und Bauindustrie sowie
Betriebe der Deutschen Reichsbahn in Kirchmöser wurden
Symbole der Stadt. Die Einwohnerzahl stieg bis zum Jahr 1989
kontinuierlich. Nach der Wiedervereinigung übernahm die
Treuhandanstalt die Privatisierung, Verkleinerung oder Schließung
der Volkseigenen Betriebe (VEB). Die Einwohnerzahl sank; bis
heute ist die Arbeitslosenquote relativ hoch.
Mitteldeutsche Stahlwerke/ Flick Konzern mit großer Bedeutung in der
deutschen Aufrüstung im 2. Weltkrieg.
Unten: Luftbild Brandenburg an der Havel 1944 vor den Bombenangriffen
Karte rechts: Zerstörungsgrad
aus: Brandenburg an der Havel und Umgebung, Band 69, S.207
4
stadtbaukunst
im mittelalter und im 20. jahrhundert
aus: Stadtbaukunst Brandenburg an der Havel,
Harald Bodenschatz / Carsten Seifert, Berlin 1992
Die bis 1715 dreigeteilte Stadt Brandenburg (Dombezirk,
Altstadt, Neustadt) hat - wie jede andere Stadt auch - Perioden
des Aufbaus, der Stagnation und der Zerstörung erlebt, Perioden,
die alle ihre Spuren in das Gesicht der Stadt gegraben haben. Vor
dem Hintergrund der Perioden der Brandenburger Stadtbaugeschichte werden sechs Schichtungen unterschieden:
die Bürgerstadt des Mittelalters,
die absolutistische Garnisonstadt,
die liberalistische, sozialorientierte, kriegsorientierte und
realsozialistische Industriestadt.
Die erste und ohne Zweifel historisch bedeutsamste Periode
war der Bau der mittelalterlichen Bürgerstadt seit dem 12.
Jahrhundert, der im 15. Jahrhundert mit der Fertigstellung der
Pfarrkirche St. Katharinen in der Neustadt einen baukünstlerisch
spektakulären Höhepunkt fand. Dieser »Blüteperiode« folgte die
Krisenzeit der Reformation, welche die funktionale Aufgabe der
großen, den Alltag und die Struktur der Stadt mit prägenden
Klosterkomplexe zur Folge hatte. Die Aufhebung der Klöster kann
in struktureller Hinsicht nicht nur als Stärkung der Macht des
Landesherrn, sondern vor Ort auch als Schwächung der kulturellen, politischen und stadträumlichen Polyzentralität angesehen
werden. Die Krisenzeit fand ihre furchtbare Zuspitzung im Dreißigjährigen Krieg, der den beiden Städten Brandenburg die schlimmsten Zerstörungen in deren Geschichte brachte. (...)
Die Garnisonstadt Brandenburg erlebte keine prachtvolle
barocke Stadterweiterung, wohl aber rege Aktivitäten des Wiederaufbaus und der baulichen Erneuerung auf der Grundlage des
mittelalterlichen Stadtgrundrisses. Brandenburg ist von daher trotz einzelner Zerstörungsakte - ein wichtiges Zeugnis einer zwar
deutlich sichtbaren, für das 18. Jahrhundert aber relativ »behutsamen«, mit den Strukturen der überkommenen Stadt nicht
brechenden Stadterneuerung. (...)
Seit den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts () begann
unter Johann Gottfried Bröse der Bau großzügiger Grünanlagen
und damit der Ausbau Brandenburgs zu einer bürgerlichen
»Gartenstadt«. Die Eröffnung der Bahnlinie Potsdam - Magdeburg
über den Bahnhof Brandenburg im Süden der Neustadt 1846
brachte zunächst keinen besonderen Wachstumsschub. Erst die
gewaltige Ausbreitung der zum Teil Weltgeltung genießenden
Großindustrie vor allem nach 1880 - der Zeit seit der Wiedererlangung der Kreisfreiheit (1881) - läutete die erste große Wachstumsphase seit dem Mittelalter ein: Umfangreiche spekulative
Stadterweiterungen vorwiegend im Süden, Südwesten und
Westen der historischen Stadt, der Bau einer modernen stadttechnischen Infrastruktur, neue Wasserbauten, der Bau von weiteren
Grünanlagen und großen Kasernenkomplexen sowie eine im
5
wesentlichen auf die Hauptstraßen begrenzte partielle Erneuerung
des Gebäudebestandes in der historischen Stadt kennzeichnen
den Wandel von der verblichenen „Chur- und Hauptstadt« hin zur
militärisch geprägten Industriestadt von nationaler Bedeutung.
Nach dem Ersten Weltkrieg rückte die städtische Wohnungspolitik ins Zentrum des Städtebaus. Die Stadt Brandenburg wurde
zu einem Zentrum des sozialdemokratischen Wohnungs- und
Siedlungsbaus, der in erster Linie durch gemeinnützige Wohnungs
-baugenossenschaften realisiert und eng mit dem Wirken der
beiden bedeutenden Stadtbauräte Moritz Wolf und Karl Erbs
verknüpft war. In der Weimarer Republik wurde auch die bereits im
19. Jahrhundert begründete kommunale Grünpolitik intensiviert.
Trotz überzogener Planungen mit dem Ziel eines die Stadt
umschließenden Gewerbegürtels orientierte sich die Stadtentwicklung - der Attraktivität des Silokanals folgend - in Richtung
Westen. Hier entstand eine charakteristische Siedlungslandschaft
im Nebeneinander von Großindustrie und Arbeitersiedlung. Gipfelpunkt der ehrgeizigen, durch zahlreiche Planwerke gesteuerten
städtebaulichen Anstrengungen der zwanziger Jahre war der Bau
eines »Wohlfahrtsforums «, das durchaus als moderne »Stadtkrone« im Sinne eines Zentrums sozialer und kultureller Infrastruktur zu werten ist. Gegen Ende der Weimarer Republik wurde
die Stadt Brandenburg durch die Aktivitäten von Karl Erbs zu
einem deutschen Zentrum der Planung und des experimentellen
Baus von Erwerbslosensiedlungen.
Von den Nationalsozialisten wurde der Siedlungsbau fortgeführt -allerdings in einem veränderten Kontext. Noch einmal wurde
Brandenburg zu einem Zentrum der Rüstungsindustrie. Nicht nur
der Bau des Opel- und des Arado- Flugzeugwerkes erinnert an
diese finsteren Jahre. Das Zuchthaus Görden wie die alte Strafanstalt wurden zu Zentren des nationalsozialistischen Terrors.
Vergessen sind dagegen die städtebaulichen Anstrengungen der
dreißiger Jahre in Richtung des Baus einer Großsiedlung, die
Brandenburg zu einer wichtigen Etappe der Stadtplanung des
Nationalsozialismus werden ließ.
In der kriegsbeschädigten Stadt wurden - wie in anderen
deutschen Städten - zum Teil noch vorhandene Fassaden und
Gebäudeteile selbst wichtiger historischer Bauten abgeräumt. ()
Während sich der eher traditionalistisch orientierte Wiederaufbau
der fünfziger Jahre innerhalb der überkommenen Stadt vollzog
und sich dem überkommenen Stadtgrundriss unterordnete, zielte
der industrialisierte Wohnungsbau in Brandenburg- Nord (seit
1959) auf den Bau von neuen Stadtbereichen, die zur historischen
Stadt Distanz halten und in gestalterischer Hinsicht jeden regionalen Bezug vermissen lassen. () Abgesehen von einzelnen
bedeutenden denkmalpflegerischen Leistungen und trotz einer
sich seit den achtziger Jahren verstärkenden Wertschätzung
verfiel die alte Stadt. Nachtrag: 2014 strahlt die Kernstadt wieder
höchste Lebensqualität aus.
Ehemalige Brennaborwerke Kirchhofstraße 2014, Foto: N.Häupl
„Das Straßenbild wird durch die großartigen Anlagen der Brennaborwerke
beherrscht. Das summt und dröhnt, pocht und hämmert und klingt zusammen
zu einer Symphonie der Arbeit, die nur an Sonntagen ganz zur Ruhe kommt.
Früher stellte man sich unter dem Ausdruck Fabrik einen so billig wie möglich
hergestellten Nützlichkeitsbau vor, der mit seinen berußten Wänden wenig
einladend aussah. Heute sieht man unsere Industrie vielfach in stattlichen
Gebäuden untergebracht, die auch auf Schönheit Anspruch machen. Man
möchte glauben, das sei unwirtschaftlich und mit einem ökonomisch arbeitenden Geschäftsbetriebe nicht zu vereinbaren. In Wirklichkeit liegt aber die
Sache anders.“ (Wanderungen durch Brandenburg a d H, Raschig, 1918, S.85)
6
Wohnanlage an der Maerckerstraße (20), 1929-30, Entwurf Städtebau Karl
Erbs und Ludwig Schlegel, Bauten Werner Schenck, Blick in die Reimerstraße, um 1930. Viergeschossige, teils geschlossene, teils offene
Großblöcke als zeitgemäße Interpretation der Blockstrukturen der Kaiserzeit
mit reichlich bemessenem Abstand der Baufluchten und begrünten Höfen.
Funktionalistische Ästhetik und neue Eleganz in den abgerundeten
Eckbauten und der leicht geschwungenen Führung der Wohnstraßen. Die
Wohnanlage zählt zu den herausragenden Beispielen der Neuen Sachlichkeit,
die mit dem Stadtbaurat Karl Erbs in Brandenburg Einzug hielt.
unten: Stadtplan von 1910
Sichtbar sind die großen Neubaugebiete der Ära des städtebaulichen
Liberalismus nördlich des Staatsbahnhofs (Bahnhofsvorstadt), südwestlich
des Steintors (Wilhelmsdorfer Vorstadt), südwestlich bzw. westlich der
Altstadt (»Kasernenstadt« und Neuendorfer Vorstadt) und den kleinen
Neubaugebieten im Norden der Altstadt bzw. der Dominsel, die als großer
Halbkreis weder ein eindeutiges radiales noch eindeutig ringartiges
Wachstum beschreiben.
Buch Stadtbaurat Karl Erbs 1930, Einband mit Buchtitel
Planerisches Leitbild im Sinne einer dezentralen Konzentration von Bevölkerung und Arbeitsstätten in der Region zur Entlastung der Millionenstadt
Berlin: „In der gegenwärtigen Zeit, in der man überaus oft von einem Wendepunkt der Großstadtentwicklung spricht und das weitere Anwachsen der
Großstädte aus den verschiedensten Gründen ablehnt, gewinnt der Ausbau
der mittleren Städte an Bedeutung. Die Lage zu Berlin und zu den
Wasserwegen,auch zu dem im Bau befindlichen Mittellandkanal kann
Brandenburg zu einer Stadt machen, die auf die Wirtschaftszweige, die sich
in freier Lage einrichten wollen, eine große Anziehungskraft ausübt. (.) Neben
der Lage zu den Wasserwegen und den verschiedenen Eisenbahnverbindungen bietet die Stadt zur umgebenden Natur für den erholungssuchenden
und ansiedlungsfreudigen Großstädter starke Reize. Die umgrünten Ufer der
Havel und der zahlreichen anderen Flußläufe, die planmäßig mit den
Grünflächen für Sport und Erholung und später mit den umliegenden Wäldern
verbunden werden, ermöglichen Spaziergänge und sollen helfen, die >Trabantenstadt< nach und nach auch zu einer Musterwohnstadt zu machen. (S.VII)
Karte ISW Brandenburg: in gelb die Siedlungen von 1870 bis 1945
7
masterplan
der stadt brandenburg an der havel
2006 // Fortschreibung 2011
Meilensteine der bisherigen entwicklung
1. rolle alS regionaler wacHStumSkern
Auf Grundlage des Masterplans wurden entsprechende
Maßnahmen durch das Land beschlossen und gefördert. Projekte
wie z. B. der Ausbau und die Erweiterung des Krankenhauses
oder der Aufbau der Dachmarke »Gesund in Brandenburg an der
Havel« haben die Stadt als wichtiges regionales Gesundheitszentrum etabliert und die lokale wie regionale Bedeutung des
Standorts erhöht. Seit 2005 sind wirtschaftliche Kenngrößen wie
die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten,
Einpendler und Arbeitsplatzdichte kontinuierlich gestiegen. Die
wachsende Bedeutung der Stadt als Arbeits- und (Aus-)Bildungsstandort im Land Brandenburg und ihre hohe Attraktivität als
Wohnstandort drückt sich in positiven Wanderungssalden aus.
2. kernStadtentwicklung
Die Stadt Brandenburg an der Havel hat mit dem Masterplan
2006 die Fokussierung auf ihre Kernstadtentwicklung als Schlüsselstrategie beschlossen. Der weitere Sanierungsfortschritt, die
steigende Attraktivität, die Funktionsstärkung der Innenstadt,
deutliche Einwohnerzuwächse in der »jungen« Kernstadt bei
insgesamt zurückgehenden Bevölkerungszahlen und die Senkung
der gesamtstädtischen Leerstandsquote im Wohnungsbestand
stehen beispielhaft für den Erfolg dieser Strategie. Die Entwicklung
der Kernstadt hebt sich deutlich von der der anderen Stadtteile ab.
Sie hat zwischen 2005 und 2010 kontinuierlich Einwohner
gewonnen. Signifikant ist ein starker Anstieg der unter 16-Jährigen.
Dies hat zur Folge, dass sowohl die Innenstadt als auch der Ring
mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren die jüngsten Stadtteile
sind. Aufgrund der vorhandenen Entwicklungspotenziale ist zu
erwarten, dass die positive Entwicklung in der Kernstadt weiter
anhält und die Einwohnerzahl weiter ansteigt.
Auf Basis des Masterplans 2006 wurde die Stadt Brandenburg
an der Havel in das EFREProgramm »Nachhaltige Stadtentwicklung« aufgenommen. Damit wird die Umsetzung bedeutsamer
Schlüsselmaßnahmen wie die Gestaltung des Bahnhofsumfelds
und des Nicolaiplatzes realisiert. Insbesondere die Umsetzung der
Schlüsselmaßnahme Bahnhofsumfeld ermöglicht eine deutliche
und langersehnte Attraktivitätssteigerung des Bereiches und des
zentralen Stadteingangs.
3. höhere BeSucHerzaHlen
Die Weiterentwicklung der kulturellen und touristischen Infrastruktur hat ebenso zu einer Steigerung der Besucherzahlen und
Gästeübernachtungen geführt wie der Ausbau der Regattastrecke,
der die Austragung internationaler Wettbewerbe ermöglicht.
leitBild und entwicklungSziele
BrandenBurg an der HaVel – die Stadt im fluSS
Ein tatsächliches Alleinstellungsmerkmal im Landesmaßstab
ist die Lage der historischen Stadt (höchste Denkmaldichte und
8
Konzentration an mittelalterlichen Bauten und bedeutendstes
geschlossenes Stadtensemlbe) in einem gewässerreichen Gebiet
(200 km Ufer) mit unmittelbarem Landschaftsbezug.
Entwicklungsgrundsätze wie: ·Demografischem Wandel
begegnen /·Nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung
/·Nutzung aller Qualitäten und Potenziale der Stadt /·Sicherung
der Lebensqualität /·Stärker Prioritäten setzen /·Räumliche
Konzentration /·Intensivierung der regionalen Kooperation
beschreiben den Rahmen für das künftige Handeln.
Die vier leitBildBereicHe
1. dynamik zwischen tradition und Moderne
Vielfältig will sich die Stadt(region) als Wirtschaftsstandort
präsentieren. Die Förderung der vorhandenen Potenziale als
Gesundheitsstandort sind hierbei ein Baustein. Grundvoraussetzung für die Attraktivität des Standorts ist dessen Fachkräftepotenzial. Von der vorschulischen Chancenförderung über
wirtschaftsnahe Schulausbildung bis hin zur weiteren Profilierung
der Fachhochschule: Zukunft wird auf Wissen & Innovation gebaut.
2. grüne urbanität
Die in der Stadt vorhandenen kulturellen und naturräumlichen
Potenziale sollen künftig stärker gemeinsam genutzt werden.
Geschichtsträchtig, zugleich aber auch innovativ soll sich die
kulturelle Vielfalt präsentieren. Die Natur- und Landschaftsbezüge
sollen weiterentwickelt werden, sodass Naherholung mitten in der
City vielerorts möglich wird. Mit diesen Qualitäten will Brandenburg
an der Havel auch nach außen wirken und sich noch stärker als
lohnendes Ziel für Städte- und Naturtouristen präsentieren.
3. generationenübergreifende lebensqualität
Mit ihren unterschiedlichen Stadtteilprofilen verfügt die Stadt
über vielfältige Wohnqualitäten, die verschiedenen Ansprüchen
gerecht werden. Im Rahmen der notwendigen Konsolidierung des
Wohnungsmarktes soll der Wohnungsbestand nicht nur insgesamt
reduziert, sondern auch an die künftigen qualitativen Nachfragen
angepasst werden. Verschiedene Lebensweisen und Raum für
Begegnungen sollen ihren Platz finden.
4. rundherum bestens versorgt
Die Stadt übernimmt als Oberzentrum und Regionaler Wachstumskern wichtige Funktionen für die Region. Sich als Zentrum mit
Ausstrahlungskraft weiter zu profilieren und dabei umfassend,
kompetent und gebündelt Dienstleistungen bereitzustellen, ist
hierbei von großer Bedeutung für die Entwicklung der Stadtregion.
teilrÄumlicHe entwicklungSziele
Mit seiner polyzentralen Stadtstruktur verfügt Brandenburg an
der Havel über vielfältige Stadtteile mit unterschiedlichen Qualitäten inmitten einer wasserreichen Fluss- und Seenlandschaft. Mit
Blick auf eine strategische Entwicklung der Gesamtstadt hat die
Stadt frühzeitig teilräumliche Schwerpunkte gesetzt und
Maßnahmen priorisiert. Die Kernstadt mit den Stadtteilen Innen-
Ausschnitt: aktueller Strukturplan / Entwurf Masterplan- Fortschreibung 2011
Ernst Basler + Partner GmbH Potsdam
stadt und Ring ist Schwerpunkt für städtebauliche und funktionale
Aufwertungsmaßnahmen. Übergeordnetes Entwicklungsziel ist
die weitere Funktionsstärkung und Aufwertung als administrativer,
infrastruktureller und kultureller Mittelpunkt der Stadt sowie der
Region. Der Stadtteil Ring ist insbesondere als Wohn- und Versor-
9
gungsstandort weiter zu entwickeln. Strategische Ansätze für die
Kernstadtentwicklung sind u. a. die Fortsetzung des Sanierungsprozesses im Gebäudebestand, der Ausbau oberzentraler
Funktionen, die Entwicklung von Brachflächen sowie die Verbesserung der Gewässererlebbarkeit.
Schlüsselprojekt Bahnhofsumfeld und Gesundheitszentrum als Neues
Stadttor: Mit der Neuordnung des Bahnhofsvorplatzes soll eine dem Stadteingangscharakter angemessene Aufenthaltsqualität erreicht werden. Besonderes Augenmerk wird auf eine optimale Verknüpfung der Verkehrsträger,
besonders der Fußgänger und Radfahrer für eine bessere Anbindung des
Hauptbahnhofs an die Innenstadt gelegt. Ein weiterer Baustein bildet die
Sanierung/ Integration des Bahnhofsgebäudes. // Foto: N.Häupl 02/2014
Schlüsselprojekt Verwaltungssitz Stadtwerke Brandenburg auf dem Packhofgelände im Bereich des denkmalgeschützten ehemaligen Werftgebäudes der
Wiemannwerft. Mit den geplanten Neuansiedlungen sowie dem Bau einer
Versorgungsstation und einem zusätzlichen gastronomischen Angebot im
Kontext einer Marina soll das 0,5 ha umfassende innerstädtischeAreal belebt
werden. Zur BUGA 2015 wird das Werftgebäude das Eingangsgebäude des
Areals Packhof sein. // Foto Baustelle: N.Häupl 02/2014
1. Preis Wettbewerb 2010: Hinrichs Wilkening Architekten / Hahn Hertling Von
Hantelmann (LA) Berlin
1. Preis Wettbewerb 2011: bbp: architekten bda Kiel
Für den Entwurf relevante Schlüsselprojekte
aus dem Masterplan
-Ausrichtung BUGA Havelregion 2015: Aufwertung vielfältiger
naturnaher Stadtbereiche und Ausbau der Infrastruktur für
Tourismus und Verkehr zur regionalen und überregionalen
Vermarktung der Standortqualitäten und Erlebnispotenziale als
Stadt an Seen und Flussläufen sowie langfristig zur Stärkung des
Wohnstandorts und des Wassertourismus.
-Gestaltung öffentlich zugänglicher Uferbereiche im Kernbereich: Verbindung von Stadt-Natur-Kulturlandschaft
-Belebung von Wohlfahrtsforum und altem Stadtbad: Instandsetzung des bedeutenden Gebäudeensembles
-Ausbau des innerstädtischen Radverkehrsnetz: Schaffung
eines qualitätsvollen und sicheren Radverkehrsnetzes durch
Lückenschlüsse und Verbesserungen an Verknüpfungspunkten
-Ausbau des Kompetenzzentrums Gesundheit - Pflege:
Vernetzung der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie
Optimierung von Angeboten für alle Altersgruppen zur Erhöhung
der Lebensqualität und Stärkung der oberzentralen Funktion
-Ausbau eines hochwertigen Kita-Platzangebots insbesondere in der Kernstadt sowie Akzentsetzung in der Jugendförderung und Schaffung von Einrichtung von Seniorenbegegnungsstätten
-Ausbau überregionaler Radwege und Sportbootinfrastruktur:
Neutrassierung bedeutender Radwege zur Erhöhung der Erlebnisqualität in der Stadt in Verbindung mit dem Neubau von zwei
Sportboothäfen in zentraler innerstädtischer Lage
-Ausbau der Wassertourismusinfrastruktur in der Kernstadt:
Nachfrageorientierte quantitative und qualitative Angebotsergänzungen zur Stärkung des Tourismus in der Kernstadt
-Schaffung eines Jugendgästehauses oder einer Jugendherberge: Ausbau von Übernachtungskapazitäten insbesondere im
Niedrigpreissegment für »junge Menschen« und Wassersportler in
der Innenstadt.
10
www.iwconsult.de/regional // Regionalranking März 2014 des Instituts der
deutschen Wirtschaft Köln: Karte landesweit und Ausschnitt Liste der
dynamischen Entwicklung seit 2010 in den Bereichen Wirtschaftsstruktur/
Arbeitsmarkt/ Lebensqualität. Brandenburg an der Havel auf Platz 5!
bauen an der Havel in Brandenburg
Ehemalige Kammgarnspinnerei in Brandenburg an der Havel gegenüber vom
Entwurfsgebiet. Umnutzung zu Lofts, Gewerbe und Bootstourismus. Siehe
http://www.detlev-delfs.de, Foto: N.Häupl
http://www.panoramio.com/photo/47570914. Pension Havelfloß an der
Jahrtausendbrücke. Im Angebot: Gästezimmer mit Ausblick auf die Havel
oder Havelflöße zur Erkundung der Brandenburger Seenlandschaft.
„Wohlfahrtsforum“ mit Blick auf saniertes AOK Gebäude und Turnhalle,
Foto: N.Häupl
Krakauer Straße 1-2 ehemalige Burgmühle mit Mehlspeicher direkt nördlich
der Dominsel, 2006 Sanierung und Umbau zu Wohnungen, Foto: N.Häupl
Salzhofufer: Neue Uferpromenade mit Sitzstufen und Bootsanlegeplätzen,
Foto: N.Häupl
Mühlendamm und „Heidrichsche Mühle“ mit Blick Richtung Dominsel,
Foto: N.Häupl
11
buga 2015
und „Campus Havelregion“ als
Länderübergreifende Kooperation
Sachsen-Anhalt / Brandenburg 2015
Studierende und Lehrende vom Lehrstuhl für Nachhaltige
Entwicklung von Stadt und Land von der TU München sind –
neben den Studierenden der Hochschule Anhalt, die bereits in den
BUGA-Orten Stölln, Premnitz und Havelberg unterwegs und aktiv
waren – unter den ersten, die auf die Einladung von STADT ALS
CAMPUS e. V. hin in der Havelregion im Rahmen des Programms
Campus Havelregion aktiv sind.
Campus Havelregion
nimmt das Großereignis BUGA 2015 zum Anlass, die Havelregion auf eigene Weise zu erforschen und zu thematisieren. Der
berufliche Nachwuchs ist dabei ein wichtiger Motor, begleitet von
Lehrenden und Praktikern. Das Programm wurde seit 2013 im
Dialog mit regionalen Partnern und Akteuren schrittweise entwickelt und im Rahmen von Studien- und Forschungsarbeiten vorbereitet. In den BUGA-Städten sind bereits Themenschwerpunkte
abgesteckt und Impulsprojekte in Verhandlung.
Von Seiten der Hochschulen und Universitäten sind bisher als
Partner dabei: das Fachgebiet Stadt- und Freiraumentwicklung an
der Hochschule Anhalt, Bernburg, das Fachgebiet Kommunikationsdesign an der Hochschule Anhalt, Dessau, die FH Brandenburg
und die BTU Cottbus mit den Lehrstühlen Landschaftsplanung /
Carlo Becker und Städtebau / Heinz Nagler sowie Stadtplanung /
Prof. Miller Stevens. Auch das Künstlerdorf Strohdehne wird mit
einem eigenständigen Programm Partner von Campus Havelregion. Das Gesamtprogramm soll im Herbst 2014 im Zusammenwirken mit dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr
des Landes Sachsen-Anhalt und dem Ministerium für Infrastruktur
und Landwirtschaft des Landes Brandenburg auf den Weg
gebracht werden.
STADT ALS CAMPUS
Das lateinische Wort „Campus“ bedeutet „Feld”. In diesem
Sinne betrachten wir die Stadt als Campus als ein Feld, auf dem
sich Akteure ganz unterschiedlicher Ressorts und Disziplinen
versammeln, um es gemeinsam zu erforschen, zu bearbeiten und
zu gestalten. Die Methode Stadt als Campus ist eine Strategieentwicklung, ausgehend von konkreten Situationen und Orten:
handlungsorientiert, wissensbasiert und aktivierend, mit rasch
sichtbaren, sich verstetigenden Ergebnissen. Stadt als Campus
zielt auf eine eigendynamische Stadtentwicklung in neuen Partnerschaften zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Kultur, Wirtschaft,
Immobilienwirtschaft und Initiativen.
durch Premnitz, Rathenow, das Amt Rhinow bis zum Dom zu
Havelberg zu führen, ist neu und einmalig. Diese Region verbindet
eine über tausendjährige Kulturgeschichte, die über die Landesgrenze hinweg durch die BUGA wieder touristisch zusammengeführt wird. Eine Gartenschau vor dem Hintergrund der vorhandenen Bau- und Gartenkultur am jeweiligen Standort trägt dazu
bei, dass vorhandene städtische Areale aufgewertet und
nachhaltig erschlossen werden.
Den südlichen Ausgangspunkt der Gesamtkulisse Bundesgartenschau 2015 Havelregion bildet die Domstadt Brandenburg
an der Havel. Ihr hervorragend erhaltener mittelalterlicher Stadtgrundriss gliedert sich in drei Teile: Altstadt, Neustadt und
Dominsel. Havelarme sowie zahlreiche Inseln, Schleusen und
Brücken prägen das Stadtbild und lassen so den Charakter der
ehemaligen Hansestadt noch immer erkennen. Räumliche BUGA
Schwerpunkte innerhalb der Stadt bilden der Packhof direkt an der
Havel auf dem Gelände der ehemaligen Schiffswerft, der
Marienberg als größte, höchste und zentralste Parkanlage der
Stadt und die Blumenschau in der kriegszerstörten und nun mit
neuem Dach hergestellten Kirche St. Johannis.
Der Wiesenweg und das Heinrich-Heine-Ufer als Verbindung
von den 1.500 temporären Parkplätzen und der Innenstadt
gehören auch zu den BUGA-Geländen der Stadt. Sie werden bis
zur BUGA aufgewertet. Folgende drei Brücken werden dafür
gebaut: eine Brücke über den Jakobsgraben, eine Brücke über
den Stadtkanal und ein Bypass neben der Gottfried KrügerBrücke. Sobald die Brücken fertig sind, ist eine schnelle barriereund kreuzungsfreie Passage möglich – ganz wichtig für die auf
dem Parkplatz ankommenden BUGA-Gäste. Aber auch danach:
Gäste und Bewohner der Stadt sollen sich per pedes oder via Velo
sicher und stressfrei durch die Stadt entlang der schönen Havel
bewegen können.
Textbeiträge von der BUGA Homepage
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Sally Below, Vorstand STADT ALS CAMPUS e. V.
www.stadt-als-campus.de
BUGA 2015
Die Leitidee, eine Bundesgartenschau in einer Region entlang
der Havel vom Dom zu Brandenburg über 70 km Erlebnisräume
12
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Wittenberg/Wismar
Bhf. Glöwen
Havel-Radweg/
Tour Brandenburg
RE2
Elbe-Radweg
B107
RE2 Richtung
Berlin
BUGA Radweg
B167
A 24
HANSESTADT
HAVELBERG
Richtung
Hamburg/Rostock
Altmarkrundkurs
BUGA Radweg
AMT RHINOW/STÖLLN
Elbe
Tour Brandenburg
SACHSENANHALT
B107
BUGA Radweg
B102
Havel
A 10
B5
B273
Havel-Radweg
Havelland-Radweg
Havel-Radweg
B188
Altmarkrundkurs
RB 13 Richtung
Stendal
RE4
RB 13
A 10
RE4 Richtung
Berlin
RATHENOW
Havelland-Radweg
B188
RE2
BUGA Radweg
BRANDENBURG
PREMNITZ
RE4
RB 51
BERLIN
Havel-Radweg/
Tour Brandenburg
Havel
Havel
B102
Havel-Radweg
BUGA Radweg
Altmarkrundkurs
Elbe-Radweg
Havel-Radweg/
Tour Brandenburg
B1
RE1 Richtung
Potsdam/Berlin
RE1
B1
RE1
A 10
RE1
WERDER
POTSDAM
BRANDENBURG
AN DER HAVEL
A 115
B102
Richtung
Hannover/Magdeburg
A 10
Europaradweg R1
A2
Tour Brandenburg
A9
Richtung
Leipzig/München
Karte Region BUGA 2015 von www.buga-2015-havelregion.de/download.html
Unten: BUGA 2015 Planung für Brandenburg an der Havel Stand 2009
Visualisierung Brückenplanung mit Blick nach Osten auf die Landspitzen.
13
Kartografie: www.fischundblume.de
RE1 Richtung
Magdeburg
entwurfsgebiet
und bauten
Luftbild 2012 Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg
»Bebauungs-Plan für den westlichen Theil von Brandenburg«, gezeichnet
von A. Müller, um 1880, Versuch einer Ordnung von Straßennetzen, so nicht
realisiert. Aus: Stadtbaukunst Brandenburg an der Havel, S.150
14
Mitte: Modell Wohlfahrtsforum 1927 für die Gesamtplanung, Karl Erbs und
Willi Ludewig
Unten: Blick auf das Wohlfahrtsforum 1928-30, Stadtarchiv Brandenburg
Das für dieses städtebauliche Studio auch seitens der Stadtplanung angeregte Entwurfsgebiet ist Teil des Gründerzeitrings,
der sich im Norden, Westen und Süden um die Innenstadt
anschließt. Innenstadt und Ring bilden zusammen die Kernstadt.
Die Quartiere beiderseits der Bauhofstraße liegen auf der stadtentwicklungspolitisch wichtigen Achse zwischen Marienberg und
Hauptbahnhof. Durch die exponierte Lage am Schnittpunkt
mehrerer Gewässer spielt der Standort auch eine zentrale Rolle
im System der Freiraum- und Wegeverbindungen der Stadt. Die
historischen Vorstädte im Bereich des Rings, wie die Wilhelmsdorfer Vorstadt, bieten in der Verknüpfung aus Wasserlage und
interessanten historischen Kulissen gute Voraussetzungen für die
Entwicklung attraktiver Freiräume und Stadtansichten.
Von großer Bedeutung für die Stadtentwicklung wird das
Gebiet Ende des 19. Jahrhunderts „durch die Verlängerung der
Bauhofstraße über die neuangelegte Luckenberger Straße bis zur
Neuendorfer Straße. Erst durch diese Verlängerung werden die
drei größten Stadterweiterungsgebiete jener Zeit miteinander
vernetzt. Voraussetzung dieser Vernetzung ist der Bau von
Brücken über den Schleusenkanal und über die Unterhavel. Die
15
Fertigstellung der beiden Brücken im Jahre 1891 eröffnet erstmals
neben der Langen Brücke einen zweiten Havelübergang, transformiert die bisherige Sackgasse Bauhofstraße in eine erstrangige,
die historische Stadt tangierende Verbindungsstraße und fördert
die Entwicklung der südwestlichen Stadterweiterungen treibhausmäßig. () Die durch die Brückenbauten städtebaulich aufgewertete
und durch ein kommunales Entwässerungsprojekt seit 1898 für
eine Bebauung vorbereitete sumpfige Landzunge zwischen
Schleusenkanal und Havel wird Ende der zwanziger Jahre zum
Standort für das ehrgeizige »Wohlfahrtsforum«. (Aus: Stadtbaukunst, S.151) Das Gebiet westlich des Jakobsgrabens und nördlich
der Landstraße wird erst nach der Jahrhundertwende im Zusammenhang mit größeren Fabrikanlagen als Stadtteil mit eigener
Schule bebaut. Eine Aufziehbrücke über den Jakobsgraben stellte
die Verbindung mit der Bauhofstraße her.
1925 wird durch die Stadtverwaltung ein Bebauungsplan für
eine bedeutende Erweiterung der Wilhelmsdorfer Vorstadt im
Umkreis der Franz- Ziegler- Straße vorgelegt, der die Blockstruktur
des kaiserzeitlichen Gebäudebestandes und ihre geschlossene
Straßenrandbebauung fortsetzt und so auf eine Ergänzung des
Brückenplanung Wiesenweg BUGA 2015 M 1:2000
alten Arbeiterviertels durch eine städtisch geprägte Bebauung
orientiert. Nach einem Entwurf der städtischen Bauberatungsstelle errichtet 1926 der Bau- und Sparverein dort eine Wohnanlage mit expressionistischen Fassadendetails. (Aus: Stadtbaukunst, S.201, siehe auch Karte ISW S.9, Nr. 17) In diesem Plan
noch nicht enthalten ist die Feuerwache samt städtischem
Fuhrpark, die als Halbrund 1929 die bauliche Entwicklung nach
Norden abschließen.
Neueste Planungen zum Entwurfsgebiet beinhalten die
Brücken- und Wegeplanungen Wiesenweg für die BUGA 2015, die
über dieses Ereignis hinaus eine entscheidende neue Anbindung
innerhalb des Gebietes, entlang des Flusses in die Innenstadt und
in die Region darstellen.
Machbarkeitsstudie E-Werk Brandenburg
FIRU mbH 11/2011
Im westlichen Teil des Gründerzeitrings befindet sich mit dem
Gebäudeensemble aus ehemaligem Elektrizitätswerk und
Straßenbahndepot eine der das Stadtbild prägenden Brachflächen
mit einem alten Gebäudebestand. Für das Gebäude des Straßen-
16
bahndepots liegt bereits ein Nutzungskonzept eines privaten
Investors vor. Hier ist ein Service- und Erlebniszentrum für Oldtimerbesitzer und Automobilenthusiasten geplant. Die vorhandenen
Gleisanlagen und Oberleitungen der Straßenbahn dienen als
Havarie- und Ausweichanlagen und sollten dementsprechend für
einen längeren Zeitraum noch zur Verfügung stehen. Hierfür ist
die Zugänglichkeit zu gewährleisten. Nach Abstimmung mit dem
zuständigen Verkehrsbetrieb ist mindestens ein Gleis entlang des
Straßenbahndepots zu erhalten.
Das Gelände des Straßenbahndepots, des E-Werks und des
BRAWAG-Geländes werden straßenseitig über die Bauhofstraße
erschlossen. Alle Grundstücke nutzen derzeit gemeinsam eine
Einfahrt. Die am Brandenburger Stadtkanal liegende Trafostation
ist langfristig zu erhalten und im Entwurf zu berücksichtigen.
Das Elektrizitätswerk Brandenburg wurde im Jahr 1901 erbaut
und vermutlich bereits in den 1960er Jahren in seinem Betrieb
eingestellt. Anschließend wurde die Halle als Lager oder Reperaturbereich auch für den Straßenbahnbetrieb genutzt.
Die Entwicklung des ehemaligen Elektrizitätswerkes vollzog
sich in drei wesentlichen Bauetappen. Im Jahre 1901 erfolgte der
Straßenbahndepot historische Aufnahme, aus: 100 Jahre Straßenbahn, s.30
Straßenbahndepot und Elektrizitätswerk 2014, Fotos: N.Häupl
erste Bauabschnitt. Das Elektrizitätswerk wurde wegen der stetig
steigenden Nachfrage bereits in den Jahren 1912 und 1916
erweitert. Hierbei wurde die östliche Fassade vollständig überbaut
und durch eine neue Turbinenhalle ergänzt. Der entstandene
Kopfbau mit einem südlichen Seitenschiff ist heute noch prägend.
Weitere Erweiterungen sowie Abrisse und Ersatzneubauten
erfolgten im Jahre 1923 und 1927. Im Ergebnis entstand das heute
noch erlebbare symmetrische Gesamtbild im Kopfbereich zur
Bauhofstraße hin. Sowohl die Straßenbahnhalle als auch das
E-Werk wurden 1994 unter Denkmalschutz gestellt.
„Die Halle aus roten Ziegeln ist in klaren, sachlichen Formen
gehalten. Zwischen dem in hochrechteckige, scharf eingeschnittene Fenster aufgelösten Mittelteil der Fassade, der von
einem flachen Giebel überspannt wird, und den fensterlosen
Seitenteilen besteht ein wirkungsvoller Kontrast. Seine großflächige Gliederung verleiht dem Bau eine monumentale Wirkung.
An der Hofseite haben sich Reste der alten Halle von 1901
erhalten, deren spitzbogige Blenden und Fenster mit großflächiger
Verglasung gotische Stilelemente aufgreifen. Der Erweiterungsbau
ist ein gutes Beispiel für die Hinwendung der zeitgenössischen
Industriearchitektur zu sachlichen und gleichzeitig repräsentativen
Formen; deshalb kommt ihm architekturgeschichtliche und stadtbildprägende Bedeutung zu.“
Insbesondere der östliche Baukörper des Maschinenhauses
ist mit seiner repräsentativen, der Innenstadt zugewandten
Fassade von hohem Denkmalwert. Er ist mit einem Mittelschiff
und mit zwei Seitentrakten errichtet worden. Die Seitentrakte
besitzen im nördlichen Bereich drei Etagen und im südlichen
Bereich zwei Etagen. Der westliche Baukörper (ehem. Kesselhaus
und Kohlenbunker) ist im Hinblick auf seinen Bauzustand und
seine Nachnutzungsfähigkeit mit geringerer Bedeutung einzustufen. Aufgrund der ruinösen baulichen Bestandssituation besteht
hier die Option, die nicht mehr nachnutzungsfähigen Bauteile
abzureißen.
17
innerstädtische Brache ehemaliger Busbahnhof
„Die beräumte Fläche des ehemaligen Busbetriebshofes
befindet sich in innenstadtnaher Lage mit guter verkehrsmäßiger
Anbindung sowie hoher Lagegunst zwischen Jakobsgraben,
Mühlengraben und Stadtkanal. Das Areal ist aufgrund der
genannten Standortqualitäten besonders für Wohnnutzungen
geeignet, die in erster Linie Angebote im Wohneigentumsbereich
betreffen sollen. Gewünscht sind nachfrageorientierte und
zielgruppenspezifische Ansiedlungskonzepte (z.B. höherwertiges
Wohnen am Wasser, Angebote für Baugruppen, kostensparende
Wohnformen für Familien). Insgesamt wird für den Standort ein
qualitativ hochwertiges Bebauungs- und Freiraumkonzept
erwartet. Für die Wohnnutzungen empfiehlt sich insbesondere der
rückwärtige zum Jakobsgraben hin gelegene Grundstücksbereich.
Die Uferzone am Jakobsgraben soll von einer Bebauung freigehalten werden mit der Option der Errichtung eines Uferweges. Bei
der Erschließungs- und Freiraumplanung ist eine perspektivisch
vorgesehene Wegeverbindung zwischen der Friesenstraße und
mit Anschluss an die Innenstadt zu berücksichtigen. Empfohlen
wird aus diesem Grund eine randseitige Erschließung im südöstlichen Grundstücksbereich. Im vorderen Grundstücksbereich
entlang der Bauhofstraße sollten gemischt genutzte Gebäude
entstehen, um auf den rückwärtigen Flächen ruhige Wohnlagen zu
erreichen. Hier ist ein Nutzungsmix aus Versorgung, und Wohnen
denkbar. Die vorhandene Bauflucht und Geschossigkeit dienen als
Orientierung. Grundsätzlich besteht an diesem Standort die
Chance, Neubaumaßnahmen mit eigenem Charakter in die
Bebauungsstrukturen einzufügen und eine Weiterentwicklung zu
präsentieren.“ (Auszüge aus dem städtischen Gutachten)
Havelkiez
Nordöstlich gegenüber befindet sich das ins Stocken geratene
Baugebiet „Havelkiez“ als Nachnutzung der ehemaligen Gewerbe-
18
brache “VEB Folienerzeugnisse Brandenburg”. Ursprünglich war
dies der Standort der Fein-Jute-Garn-Spinnerei als Teil der nach
1871 einsetzenden Blütephase der Brandenburger Textilindustrie.
Das Werk zählte mit ca. 500 Beschäftigten im Jahr 1926 zu den
bedeutenden Brandenburger Fabriken. Das ehemals voll bebaute
Grundstück wurde im Jahr 1997 bis auf die Wohnbebauung
entlang der Bauhofstraße weitgehend beräumt, allein eine unter
Denkmalschutz stehende ca. 68m lange Klinkermauer aus der
Zeit der Garnspinnerei ist übrig geblieben. Den nördlichen
Abschluss unseres Entwurfsgebietes bildet der 380m lange
Mühlengraben. 2005 wurden die Flächen des Mühlengrabens als
Wasserfläche wieder reaktiviert und die Uferbereiche durch
Baumpflanzungen sowie die Herstellung eines Uferwanderweges
neu gestaltet. Diese Verbesserung der Standortqualität wird durch
die neue Fußgängerbrücke über den Mühlengraben als eine neue
Wegeverbindung in die Innenstadt noch verstärkt. Jenseits des
Grabens befindet sich eine aufgelockerte, stärker durchgrünte und
zum Teil villenartige Bebauung, die im Zusammenhang mit den
Fabriken an der Bauhofstraße errichtet wurde.
Mit einer Überbauung von 0,4 bei je nach Situation 2-4
Geschossen und damit einer GRZ von 1,2 ist insgesamt eine
angemessene Dichte vorgesehen. Nachdem jedoch die Parzellen
in Bestlage am Mühlengraben schnell für Einfamilienhäuser
vergeben wurden, finden sich jetzt für die geplanten schmalen
3-geschossigen Reihenhäuser im Baufeldinneren und die Blockschließung in Mehrfamilienhausbebauung an der Bauhofstraße
nicht so einfach Interessenten. Diese Erfahrung muss für die
Entwicklung unseres Entwurfareals berücksichtigt werden!
Auf der Landspitze Mühlengraben/Bauhofstraße ist die
Neuapostolische Kirche errichtet worden, leider auf dieser
exponierten Position im Vergleich zum Wohlfahrtsforum auf der
nächsten Landspitze von mäßiger architektonischer Qualität.
Am Jakobsgraben und Brache Busbahnhof, Fotos 2014: N.Häupl
Ein Wahrzeichen der städtischen Reformpolitik wird das
»WOHLFAHRTSFORUM« in stadträumlich prominenter Lage am
Zusammenfluß von Havel und Schleusenkanal, an der wichtigen
Verbindungsstraße zwischen Wilhelmsdorfer und Neuendorfer
Vorstadt. »Die Lage ist denkbar günstig, Fluß- und Kanalufer voller
Anmut, landschaftliche Situation - am westlichen Rande der neuen
>City< der Stadt - und Ausblick in die weite Havelniederung und
über Brandenburg selbst von hohem Reiz.« Dass dieses Terrain in
so zentraler Lage bisher unbebaut geblieben ist, ist dem
morastigen Boden zu verdanken. Schon der Name macht das von
beiden Arbeiterparteien im Herbst 1927 in der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Projekt zum Symbol einer das Wohl
aller Menschen in den Mittelpunkt stellenden sozialistischen
Kommunalpolitik. Der umfangreiche Gebäudekomplex wird jedoch
in folge der Erschöpfung der städtischen Finanzen während der
Weltwirtschaftskrise nicht mehr fertiggestellt. Der zur Ausführung
bestimmte Entwurf sieht die U-förmige Anordnung eines Verwaltungs- und Behandlungshauses für die Allgemeine Ortskrankenkasse, einer Schwimm- und einer Turnhalle, einer Volksschule und
von Wohnungen vor, letztere als südlicher Abschluss nicht mehr
verwirklicht. Die Ästhetik des Ensembles ist ganz der zeitgenössischen Moderne verpflichtet. »Flachdach, Horizontalbänderung
durch zusammengefaßte Fenster, Backsteinmaterial sind für das
ganze Wohlfahrtsforum gleichmäßig durchgeführt; eine Baugruppe
voller Plastizität und Gelassenheit des Horizontalmotivs«. (Schmidt
1931, Aus: Stadtbaukunst Brandenburg an der Havel, S.223)
Rechts: Stadtbad 2014, Eingangsfoyer und Halle, Fotos: N.Häupl
Oben und unten: Friedrich-Ebert-Bad 1929-30 als Teil des Wohlfahrtsforum,
Entwurf Karl Erbs, Mitarbeiter Hammer und Hakansson. Die Ausstattung der
Schwimmhalle umfasst neben dem Bassin Brause-, Wannen- und römische
Bäder, einen Erfrischungsraum, einen Verkaufsraum, einen Friseursalon und
einen großen Balkon für Sonnenbäder. Die in den Farben gelb und grün
gehaltene Schwimmhalle wird dank der hohen Seitenfenster vom Tageslicht
durchflutet. (Aus: Stadtbaukunst Brandenburg an der Havel, S.224)
19
analysen
Recherche von Referenzen
Eine der Aufgaben am Beginn des Entwurfsstudios ist die
Recherche zu relevanten Referenzen. Hierbei arbeiten wir mit
verschiedenen Programmen und Dichten von Projekten in
vergleichbaren Gebieten und Maßstäben, auch wenn natürlich
nicht alle Aspekte des jeweiligen Projektes sich mit unserer
Entwurfsaufgabe decken. Die Auswahl der Projekte und deren
Konzepte zeigt die unterschiedlichen Rollen, die sie in der Stadt
übernehmen. Es gibt Inkubatoren wie auch Entwicklungen, die
Ihrer Umgebung hinterherhinken, große Beispiele, kleine
Beispiele, Developer-Flagschiffe, Eigeninitiativen etc.
Die räumlich- programmatisch- kontextuelle Betrachtung wurde in
folgenden Darstellungen für alle Referenzprojekte angestrebt:
Bilder, so vorhanden vorher/nachher
Schwarzplan mit aussagefähigem Kontext in vergleichbarem
Maßstab (1:1000 bis 1:2000), ggf. unterlegt mit dem Luftbild
Schnitt- und Grundrissdarstellung (z.B. 1:500), so vorhanden
Nutzungsplan bzw. das urbane Progamm mit Legende
Markierung Zugänge / Zufahrten u.a. Erdgeschossschnittstellen /
Landschaftsbezüge / Bezüge zur Innenstadt
Verkehrsanbindung / Autarke oder vernetzende Rolle im Stadtgefüge / Einzugsgebiete
Eckdaten wie: frühere Nutzung / Größe der umgenutzten Flächen
heutige Trägerschaft.
Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus // Wohnen in den Industriehallen
der Sulzer in Winterthur
Von Lehrstuhlseite wurden als Anregung folgende Projekte vorgegeben, wobei die Studierenden viele eigene und ihnen persönlich
bekannte Referenzen eingebracht haben:
Umbau Stadtbad zu einem gesundheitszentrum
Altes Hallenbad Heidelberg
Umbau E-Werk
zu einem Museum...
Museum Industriekultur Nürnberg
Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim
Dieselkraftwerk Cottbus
Zu einer Jugendherberge
Herberge „Altes eWerk Sassnitz“
Jugendherberge Plauen „Alte Feuerwache“
zu einer eventhalle
Kulturzentrum E-Werk Erlangen
Kulturkraftwerk Zossen
Kulturfabrik im alten E-Werk Eschwege
IG Arbeit und Kultur im Kraftwerk Mitte, Dresden
Halle 710 in Winterthur
zu besonderen wohnformen
Die alten Industriehallen der Sulzer in Winterthur
Sweatwater und Baumwollspinnerei Leipzig
Umbau StraSSenbahndepot zur oldtimergarage
Classic Remise Berlin www.remise.de
20
Schinkelwettbewerb 1.Preis 2009: Wohnen am Packhof Brandenburg,
Wulf Böer / Simon Lindhuber, TU München
Sweatwater Leipzig
Vor-Ort-Workshop
UNTERKUNFT: Wassersportzentrum Alte Feuerwache
Freitag 25.04.2014
9.00 Uhr
Besichtigung Stadtbad
Führung Amt für Denkmalpflege, Frau Witt
Besichtigung E-Werk
11.00 Uhr
Einlass Stadtplanungsamt, Herr Dornblut
14.00 Uhr
Besichtigung Krematorium
15.00 Uhr
Stadtrundgang Neustadt- Dominsel- Altstadt
Samstag 20.04.2014
vormittags Fahrradtour: Gartenstadt Plaue, Kirchmöser, und andere Ikonen des Siedlungsbaus
nachmittags selbstständige Bestandsaufnahmen und
Wahrnehmungen auf dem Entwurfsgebiet
Sonntag 27.04.2014
vormittags
Fortsetzung der Bestandsaufnahmen
21
Wahrnehmung
Nach Sichtung aller relevanten Materialien,
-ersten Analysen anhand von Stadtgrundkarte, Orthogonalund Schrägluftbildern,
-dem Studium geeigneter Referenzen,
-dem Bau eines gemeinschaftlichen M 1:500 Einsatzmodells,
-der Erstellung von digitalen Plangrundlagen der wichtigen
Bestandsbauten galt es in dieser Weise gut vorbereitet
Brandenburg an der Havel und insbesondere das Entwurfsgebiet
vor Ort zu erkunden. Um die begrenzte Zeit dort best möglich für
das Sammeln möglichst vieler Informationen und Eindrücke zu
nutzen, wurden unter den Begriffen A. Wahrnehmung und B.
Inventar möglichst viele Aspekte vorab zusammengetragen.
A. subjektives Erfassen
Die persönlich empfundene Wirkung und die persönlich hergestellten Bezüge zum vorgefundenen Stadt- und Landschaftsraum
der westlichen Kernstadt Brandenburgs an der Havel wurden in einer selbstredenden Karte (Mental Map) zusammen getragen. Darüber hinaus ging es darum, die ganz persönliche Wahrnehmung
des Ortes -gegebenenfalls auch übersteigert- anhand von Skizzen und/oder geeigneten Fotocollagen/Fotoserien zu erfassen.
So können die besondere räumliche Wirkung und Stimmung des
Ortes dokumentiert und gleichzeitig eigene gedankliche Zugänge
zur vorgefundenen Situation dargestellt werden: Was nehmen wir
wahr? Welche Besonderheiten entdecken wir? Wo sind oder waren die wichtigen, die belebten Räume? Wie werden sie heute auch
informell genutzt? Welche Zeichen der Nutzung oder der Nichtnutzung nehmen wir wahr? Welche Stärken sehen wir, welche Defizite? Welche Potentiale sind bislang kaum entdeckt und entwickelt?
Hier kann der Blick in Nahaufnahme oder selbst konstruierter
Fernaufnahme auf spezifische Besonderheiten und Vielschichtigkeiten gerichtet werden, welche im Rahmen einer reinen Bestandserfassung (vgl. B) in einem vorgegebenen Maßstab nicht transportiert werden können. Diese Anekdoten und persönlichen Ableitungen ergänzen die auf Objektivität bemühte Analysearbeit des
Inventars und werden später zum Ideengeber für den persönlichen
Konzept- und Entwurfsansatz.
22
Bildcollagen Straßen- und Wasserläufe Mathieu Maréchal // Sophie Piticco
Inventar
B. Kartierungen von Bestandsaufnahmen
Die folgenden Kategorien für die Karten waren nur als Vorschlag
zu verstehen und wurden von den Studierenden vor Ort angepasst
und erweitert. Die auf den Folgeseiten abgebildeten Inhalte auf
der Grundlage der Stadtgrundkarte und des Orthogonalluftbildes
basieren auf Inaugenscheinnahmen während des Workshops vor
Ort und Überprüfungen in Internetrecherchen. Der Umgriff der
Karten variiert nach Aussageabsicht.
1// GEBÄUDENUTZUNGEN
Kartierung der Nutzungen
Kartierung der Qualitäten der Nutzungen in einer Farbskala dunkel
zu hell: hochwertig – Übergangsnutzungen – minderwertig...
Fotoserie mit Standortverankerung des Bildmotivs in einer Karte:
Potentiale und Mängel
2// BAULICHER BESTAND
Kartierung der Quantitäten:
Alter: vor 1915, nach 1915 - 1945, nach 1945 - 1990, Neubauten
Geschossigkeit: I-II-III-… +Dach
Bauart Fassade: Putzbau, Backstein, Betonbau, Stahlbau, Holz...
Kartierung des Zustands der Bausubstanz in einer Farbskala
dunkel zu hell: ansprechend/saniert – unsaniert mit Potentialen –
neutral – ohne Qualität
Fotoserie mit Standortverankerung des Bildmotivs in einer Karte:
Potentiale und Mängel
3// FREIRAUM UND VERKEHR
Kartierung der Quantitäten der Bodenbeläge mit geeigneten
Signaturen:
Material bzw. Form wie Natursteinpflaster, großformatige Platten,
Gehwegplatten, Asphalt, Beton, Kies, wassergebundene Decke,
Wasser, Wiese, Beete, Baumgruppen, wichtige Einzelbäume,...
Alter: vor 1945, nach 1945, neue Anlage nach 1990
Nutzung: Platz, Promenade, Fuß- und Radweg, klassische Straße
mit Bürgersteig, Wasserstraße als Wegenetz im größeren
Maßstab bis in die Innenstadt und zum Bahnhof geführt inkl.
weiterer Nutzungen wie Park, Garten, Gemüsegarten, Liegewiese,
Sport, Wassersport, Spiel, Friedhof, Brache...
Übergang zu regionalen Rad- und Wegenetz mit Pfeil
Kartierung der Qualitäten in einer Farbskala dunkel zu hell:
ansprechend – mit Potentialen – neutral – ohne Qualität
Fotoserie mit Standortverankerung des Bildmotivs in einer Karte:
Potentiale und Mängel
4// GRENZEN UND SCHWELLEN
zwischen privatem und öffentlichem Raum und
der Übergang bzw. der Bezug in den Landschaftsraum
Kartierung der Typologien mit geeigneten Signaturen:
23
Hauskanten, Mauern, Zäune, Hecken, Stufen, Terrassen, Uferböschungen (zugänglich/ unzugänglich), Anlegestellen, Vorgärten,
herausgearbeitete Eingangssituationen, Zu-/Eingänge (mit
Eingangspfeil) zu Häusern, hervorgehoben zu den öffentlichen
Fotoserie mit Standortverankerung des Bildmotivs in einer Karte:
Der genaue Blick: bemerkenswerte Schilder, Aussteller, Inschriften
5// RÄUMLICHE BESONDERHEITEN
Kartierung mit geeigneten Signaturen von:
Verweilen (Statik) und Bewegung (Dynamik)
Weite und Enge und deren Überleitungen (Aufweitungen und
Verengungen) durch Gebäude, Vegetation oder Wasserläufe
Maßstäbe /Fügungen der baulichen und freiräumlichen Strukturen
Besonders „gerahmte“, freigestellte oder verstellte Blickbeziehungen in die Innenstadt und in den Landschaftsraum
charakteristische Profilschnitte mit Blickansicht/ Panoramaserien
6// MENSCHEN an Ufern, auf Straßen und Plätzen
Schätzung (und deren grafische „Übersetzung“) der sichtbaren
Bevölkerungsgruppen in charakteristischen Bereichen auf dem
und um das Entwurfsgebiet z.B. an öffentlichen Einrichtungen
oder auf den Uferwegen nach Kriterien wie:
Generationengefüge: Kinder, Jugendliche, potentiell berufstätige
Bevölkerung, Senioren // Anwohner/ Touristen
Fotoserie mit Standortverankerung des Bildmotivs in einer Karte:
„Raumaneignungen“
Zusammenfassung von charakteristischen Interviews
Interviews Lovis Huppert // Clemens Loeffelholz
Familienvater, 53, im öffentlichen Dienst tätig, aus
Brandenburg a.d. Havel.
Er findet, dass risikofreudige Leute fehlen, die mit innovativen Ideen und Investitionen etwas bewegen wollen.
Außerdem fehlt es an Kultur, obwohl dies in der Innenstadt
versucht wird. Der Erfolg bleibt bis heute jedoch aus. Es gibt
einen kleinen Kulturkreis, der sich aber in Grenzen hält. Es
fehlen Arbeitsplätze. „Intelligenzquote fehlt!“ „Man weiß
nicht, was man in Brandenburg machen soll.“ „In
Brandenburg leben einfache Leute. Das sieht man auch an
dem Angebot an Geschäften.“ „Die BUGA nervt mich. Sie
wird nichts für die Zukunft bringen.“
Angestellter im Spielcasino, 50, Brandenburg a.d. Havel
„Ist ja meine Stadt hier, hier bin ich geboren.“
Ist zufrieden, findet dass eine Diskothek für junge Leute fehlt
und würde gerne eine Weltreise machen, jedoch erst wenn,
„... ich meine Stadt richtig kenne. Oft entdecke ich Winkel, die
ich noch nie gesehen habe.“
Musiker, 26, aus Brandenburg a. d. Havel
„Wer in Brandenburg unzufrieden ist, hat ein Problem mit
sich selber.“
„Es muss was passieren, damit mehr Leute herkommen.“
1
2
B 102
POTSDAM
WERDER (HAVEL)
SCHWIELOWSEE
BEETZSEEKETTE
ELBE
KLOSTER LEHNIN
BRANDENBURG
AN DER HAVEL
PLAUE
KIRCHMÖSER
BERLIN I 70 km, 1h
POTSDAM I 40 km, 30 min
SEENPLATTE
ELBE
B 102
4
RATHENOW
30 km, 40 min
3
Regionale Lage am Wasser M 1:200.000
Typologien am Wasser
0
24
50M m
100m
1:10.000
Kartierung Lage am Wasser. Der Fluss und seine
Seitenarme prägen das Bild der Stadt Brandenburg an der Havel.
Das Wasser stellt einen wichtigen Faktor für die Lebensqualität
und den Tourismus in und um die Stadt dar. Die Region wird von
vielen Berlinern und Potsdamern als Naherholungsgebiet genutzt
für ausgedehnte Boots- und auch Fahrradtouren mit kurzen
Anfahrtszeiten.
Am Anfang des städtebaulichen Entwurfes steht deshalb die
Auseinandersetzung mit der prägnanten Lage Brandenburgs am
Fluss und den konkreten Schnittstellen zwischen Stadt und
Wasser. Wie verhalten sich Freiräume und Gebäude strukturell
zum Wasser und welche Bereiche sind überhaupt zugänglich?
Anhand der Analyse wird offensichtlich, dass trotz der unmittelbaren Lage am Wasser zahlreiche Uferzonen für die Bewohner
und Besucher Brandenburgs nicht oder nur teilweise öffentlich
zugänglich sind. Die Gebäudestruktur gestaltet sich in Ufernähe
innerhalb der einzelnen Stadtteile sehr unterschiedlich: von klaren
Gebäudekanten direkt am Wasser (oft ehemalige Industrie) bis hin
zu langen Parzellen senkrecht zum Ufer mit einer Vielzahl von
Bootsanlegern.
Öffentliche Zugänglichkeit der Ufer
Felix Matschke // Rebecca Schuster
25
Das Entwurfsgebiet auf der Landspitze zwischen Jakobsgraben und Stadtkanal befindet sich in zentraler Lage. Hauptbahnhof, Altstadt, Neustadt und Fachhochschule liegen in einem
Fußradius von ca. 15 Minuten. Die Anbindung an den öffentlichen
Verkehr ist durch die Nähe zum Hauptbahnhof und durch die
Straßenbahn, die durch die Bauhofstraße fährt, sehr gut. In
Zukunft wird das Gebiet durch die BUGA -Planung noch besser an
die Neustadt angeschlossen. Durch eine Promenade, die den
BUGA - Parkplatz mit den Ausstellungsorten wie dem Packhofgelände oder dem Marienberg verbindet, wird die Nordspitze des
Perimeters einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Hier wird auch
der Havelradweg entlang geführt. Diese Öffnung kann als Impuls
für eine Entwicklung des seit langem brach liegenden E-Werks
genutzt werden, wodurch wiederum ein positiver Effekt für das
gesamte Quartier erwartet werden kann.
Das Fuss- und Radwegnetz hat jedoch darüber hinaus
mehrere Lücken. Einzelne Promenadenabschnitte sind nicht oder
nur ungenügend miteinander verbunden. Insbesondere der
Jakobsgraben ist eine markante Grenze im Perimeter. Zwischen
Wredowstraße und Wilhelmsdorferstraße kann der Graben nicht
überquert werden und auch entlang des Gewässers ist kein Weg
vorhanden. Weder öffentliche Freiräume noch Wohnbauten (mit
wenigen Ausnahmen) befinden sich direkt am Wasser. Dies
erstaunt, da gerade das Wohnen am Wasser äußerst attraktiv ist.
Während in den angrenzenden Gebieten die Blockränder
vorherrschen, sind im Perimeter keine eindeutigen Strukturen
0
50Mm
200m
1:20.000
Blockrandstruktur
visuelle Merkpunkte | funktionale Merkpunkte | Stadtachsen | Sichtachsen
26
auszumachen. Die Bauhofstraße als wichtige Verbindungsachse
in der Stadt ist nur teilweise räumlich gefasst. Die Qualitäten des
öffentlichen Raumes leiden auch im unfertigen Havelkiez mit
seinen Einfamilienhäusern. Die Versorgung mit öffentlichen
Freiräumen ist durch die Anbindung über die Promenaden an die
großen Freiräumen wie den Stadtpark und die umliegende Kulturlandschaft gegeben. Es fehlt jedoch an kleinräumigen Strukturen,
wie Quartiersplätze, Bolz- und Spielplätze und Plätze am Wasser.
Der Charakter des Wredowkomplexes ist geprägt durch
diverse kleinere Industriebauten. Gerade entlang des Jakobsgrabens befinden sich mehrere solcher leer stehenden Bauten.
Diese haben das Potential innerhalb des städtischen Gefüges als
Orientierungs- und Merkpunkte zu dienen.
Kartierungen prägender räumlicher und statistischer Merkmale
Denise Ehrhardt // Jan Stadelmann
0
100m
1:5000
50M m
NEUENDORFER VORSTADT
Einwohner +15,1% seit 2000
28% Leerstand
62% vollsaniert | 30% unsaniert
deutlicher Anstieg Anzahl kleiner Kinder
UNVOLLSTÄNDIGES
PROMENADENNETZ
NEUE ÖFFENTLICHKEIT
DURCH BUGA-BRÜCKEN
WREDOWKOMPLEX
80% des Einwohnerrückgans in der
Wilhelmsdorfer Vorstadt im Wredowkomplex
grösster Sanierungsbedarf und höchster
Wohnungsleerstadt im Ring
KAUM FREIRÄUME UND
WOHNEN AM JAKOBSGRABEN
BAHNHOFSVORSTADT
NUTZUNGSKONZENTRATION
ENTLANG WILHELMSDORFERSTRASSE
WILHELMSDORFER VORSTADT
Einwohner -6% seit 2000
23% Leerstand
47% vollsaniert | 32% unsaniert
27
Einwohner +3% seit 2000
23% Leerstand
59% vollsaniert | 26% unsaniert
Kartierung Nutzungen. Der Perimeter im Wredowkomplex
ist geprägt durch einen hohen Leerstand in der Gebäudestruktur
und einem hohen Anteil baufälliger Bauten. Auffällig ist die Brachfläche des ehemaligen Busbahnhofes, welche heute ungenutzt im
Zentrum des Perimeters liegt. Innerhalb des Wredowkomplexes
sind nur wenige Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungsinfrastruktur sowie Gastronomie vorhanden, jedoch liegen mit dem neu
entwickelten Rewe/ DM- Markt auf dem gegenüberligenden
Havelufer und der Wilhelmsdorferstrasse im Süden Konzentrationen mit diversen Nutzungen in fussläufiger Distanz. Der Großteil
des gastronomischen Angebots befindet sich erwartungsgemäß
erst in der Neustadt. Erstaunlich ist die verhältnismäßig geringe
Nutzung der Uferlinie.
Wohnen EFH DH RH 2+D
Denise Ehrhardt // Jan Stadelmann
Bildung / Kindergärten
Wohnen Geschoss 3-5
Nebenbauten
Industrie / Lagerhallen
Leerstand
Unterkunft
Gastronomie
Gesundheit / Arzt / Apotheke
Sport / Freizeit
Dienstleistung / Bank
Einkaufen
Kultur / Kunst
Kirche / Soziales
Lege
28
Kartierung Verkehrsflächen. Aufgrund der Kanäle und
Flussläufe bündelt sich der Verkehr in Brandenburg an der Havel
an wenigen Knotenpunkten. Einer dieser Knotenpunkte ist die
Bauhofstraße, eine von nur drei Kraftverkehrsverbindungen
zwischen Ost und West und zudem Teil des Straßenbahnnetzes.
Das Entwurfsareal wird von der Bauhofstraße, dem südlichen
Ring und der Jakobsstraße umfasst. Fußgänger oder Fahrradfahrer sind auf diese stark befahrenen Straßen angewiesen, es
gibt nur wenige Ausweismöglichkeiten.
Die Bundesgartenschau nutzt die sehr gute Verkehrsanbindung
westlich der Innenstadt und am Wasser als Knotenpunkt zwischen
Fußgängern, Fahrradfahrern, Autos und Booten.
Max Becker
29
0
50M m
100m
1:5000
Kartierung Freiraum
Gewässer
Wiese
Bepflanzung
Wildwuchs
Schotterweg
Beton
Asphalt
Platten
Pflasterstein Straße
Pflasterstein Gehweg
Parkmöglichkeiten
Felix Matschke // Rebecca Schuster
30
0
100m M 1:3000
Kartierung Räumliche Besonderheiten
DYNAMIK / BEWEGUNG
WEITE <-> ENGE
Schnelleres Tempo / Hohe Frequenz
Weite / Wahrnehmung als Fläche
Langsameres Tempo / Niedrige Frequenz
Enger werdendes Raumerlebnis
Vermutlich eher bewegte Flächen / HInterhöfe
Eng gefasste Räume
STATIK / VERWEILEN
BLICKBEZIEHUNGEN
Statik / Brache / ungenutzt
Verstellte Blickbeziehung (Mauern / Zäune)
Zugewachsene Blickbeziehung (Bäume / Hecken)
Verweilen
Besondere Blickbeziehungen
Vermutlich eher statische Flächen
freie Sicht
Tobias Metzger // Amely Myrenne
31
0
100m M 1:3000
Kartierung Grenzen und Schwellen
Definierte Uferkante
Fassade
Stufe
Mauer
Plateau
Zaun
Treppe
Hecke | Vegetation
Privater Innehof
Rasenfläche
Brachfläche
Hang
Tobias Metzger // Amely Myrenne
Beim Stadtspaziergang durch Brandenburg an der Havel
fallen in dichter Abfolge große Kontraste auf: Kriegslücken in der
städtischen Struktur wechseln sich mit verfallenen Bestandsbauten und aufwändig sanierten Fassaden ab. Verwilderte
Uferkanten oder Industriebrachen stehen der belebten Havelpromenade, den Parkräumen mit altem Baumbestand und den historischen Bauten an idyllischen Wasseradern gegenüber. Im
Entwurfsgebiet finden sich ebensolche gegensätzlichen Bilder:
32
0
100m M 1:3000
im Norden das überwiegend leere Wohlfahrtsforum, einst
Glanzstück der Gegend, heute nur noch von der AOK am Kopfbau
in Betrieb gehalten; im Osten ein Neubauviertel aus eingezäunten
Einfamilienhäusern hinter lückenhaften Blockrändern, das eine
Neuapostolische Kirche zur „Gallionsfigur“ hat; im Süden die
Brache des ehemaligen Busbahnhofes flankiert von teils leerstehenden Gewerbebauten und die westliche Landspitze, dominiert
von den leeren Bauten des einstigen E-Werks und Tram-Depots.
01 Elektrizitätswerk und Straßenbahndepot Blick nach Westen
04 Eingezäunte neue Einfamilienhäuser am Mühlengraben Blick nach Westen
02 Treppenanlage als Teil des Wohlfahrtsforums hinauf zur Bauhofstraße
05 Lückenhafte Blockrandbebauung und Reihenhäuser in zweiter Reihe
03 Neuapostolische Kirche als Auftakt des neuen „Havelkiezes“
06 Brache auf dem ehemaligen Busbahnhof Blick nach Süden
33
entwürfe
themen
Auf der Grundlage der gesamtheitlichen Betrachtung der
westlichen Kernstadt in Bezug auf Alt- und Neustadt und den
Innenstadtring, die Lage zu den Wasserarmen und zu den BUGA
Planungen, der innerstädtischen wie regionalen Vernetzung und
den sich daraus abzuleitenden urbanen Programmen in
MASTERPLÄNEN (S.36) wurden in städtebaulich- architektonischen Entwürfen in der Folge Teilbereiche näher beschrieben:
Westliche Landspitze Buga- Auftakt (s.42)
Hier dominieren neben der exponierten Wasserlage die
Bestandsbauten der BRAWAG (Regenrückhaltebecken), das
ehemalige Elektrizitätswerk und das ehemalige Straßenbahndepot. Das Gebäude des Elektrizitätswerkes befindet sich im
städtischen Eigentum. Die ehemalige Nutzung ist bereits in den
1960er Jahren aufgegeben worden. Der Handlungsdruck für das
E-Werk ergibt sich sowohl aus den aktuellen Investitionsabsichten
für das angrenzende Straßenbahndepot, dem allgemeinen Erfordernis zur Entwicklung dieser Brachfläche mit seiner herausgehobenen Lagegunst an der Havel als auch durch die im Jahr 2015
stattfindende Bundesgartenschau. Der zentrale Besucherparkplatz Wiesenweg für das Großereignis wird unmittelbar westlich
der Landspitze eingerichtet werden. Eine Machbarkeitsstudie von
2011 untersuchte die Chancen für eine museale Nutzung/
Ausstellung, als Jugendgästehaus mit Freizeitangebot und die
Nutzung als Event-/ Kulturbereich. In den Entwürfen finden sich
darüber hinaus auch Werkstätten mit Repaircafé, Co-Working,
Musikstudios, studentisches Wohnen und Jugendtreff, Loft- und
Atelierwohnen, Markthalle oder Indoor Skate- und Kletterhalle.
StadtBad 2030 - Umnutzung & erweiterung (S.60)
Das Stadtbad von 1930 als Teil der städtebaulichen wie architektonischen Ikone des Neuen Brandenburgs braucht dringend
eine Nachnutzung, die mit dem sehr spezifischen Raumprogramm
der ursprünglichen Nutzung gewinnbringend umgehen kann. Die
besondere Lage innerhalb der Stadt an der Havel legt eine öffentliche Nutzung nahe. Eine Musikakademie nutzt das ehemalige
Becken als Vortrags- bzw. Konzertsaal. Das Konzept „Regional
Genießen“ schlägt eine Kochschule mit Erlebnisgastronomie,
Seminarbetrieb, Verkauf und sogar Anbau vor. Und ein Hotel nutzt
das Stadtbad als Wellness- und Badebereich weiter. Allen gemein
ist eine Erweiterung des unvollendet gebliebenen „Wohlfahrtsforums“ als städtebauliche Fassung und die so begünstigte
Ausnutzung der neu definierten Freibereiche.
Neues Quartier am jaKobsgraben (S.68)
Aufgrund der Nähe zum Brandenburger Stadtkanal, Mühlengraben und Jakobsgraben sowie zum Innenstadtkern und zum
Bahnhof und der guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr
durch die Straßenbahn entsteht hier eine Wohnqualität, die den
34
veränderten Lebens- und Wohnformen gerecht wird und auch dem
Eigenheimwunsch ein adäquates und zugleich alternatives
Angebot bieten kann. An der Bauhofstraße wurden dem Wohnen
zuzuordnende Folgeeinrichtungen für die Nahversorgung als ein
Quartier der kurzen Wege untersucht. Die Entwürfe für die
Überbauung der Brache des ehemaligen Busbahnhofes zeigen
eine große Bandbreite sowohl von städtebaulichen Anordnungen
als auch darin eingebetteten Wohntypologien auf.
stadtBad 2030
Einsatzmodell M 1:500 mit den Entwürfen:
Neue Überbauung Brache Busbahnhof Max Becker, S. 84
Stadtbad und E-Werk-Landspitze Tobias Metzger // Amely Myrenne, S.37/S.54
Neues Quartier am jaKobsgraben
Westliche Landspitze
35
masterpläne
FELIX MATSCHKE // REBECCA SCHUSTER
36
Basierend auf einer umfassenden Analyse der freiräumlichen
und baulichen Typologien am Wasser setzt dieser Entwurf ganz
auf Durchlässigkeit und leichte Zugänglichkeit zu den Wasserwegen - der herausragenden Qualität des Lebens in Brandenburg
an der Havel. Neu herausgearbeitete Freiräume und Wohngebäude strecken ihre „Arme“ nach dem Wasser aus und lassen
dessen Atmossphäre weit ins Quartiersinnere wirken.
0
100m M 1:3000
Tobias Metzger // Amely Myrenne
37
Hohe Leerstandsquoten und zerklüftete städtebauliche
Resträume fordern eine kluge und in den Mitteln sparsame Reaktivierung, Umdeutung und Umfunktionierung der bestehenden
Strukturen. Die vorhandenen Charakteristika werden hervorgehoben und stehen als neue Impulsgeber zur Verfügung. Mit der
Erweiterung des Wegenetzes und Mitteln der baulichen Addition
zur Fassung von dann wieder inwertsetzbaren Freiräumen wird im
Gebiet um das Wohlfahrtszentrum wieder eine Atmosphäre
entstehen, die neben (Buga-) Touristen auch Suchende nach
einzigartigem Wohneigentum und nach besonderen Arbeitsumfeldern anzieht. Die ergänzten städtebaulichen Ränder zeigen in
ihrer Ausbildung neuer, frei geformter Blöcke eine überraschende
Lesart des Quartiers auf.
0
100m M 1:3000
Diese drei Bausteine werden über ein verbessertes durchgängiges Fuß- und Radwegenetz mit der umliegenden Stadt und dem
übergeordneten Freiraumsystem verwebt. Lücken im Promenaden- und Straßennetz werden geschlossen und eine neue
Brücke in der Achse der Friesenstraße ermöglicht eine zusätzliche
Querung des Jakobsgrabens. Diese Brücke verbindet das Quartier
mit der neuen Tramhaltestelle an der Bauhofstraße, die als
Entwicklungskatalysator für das Busbahnhofareal wirkt und daher
in Betrieb genommen wird, auch wenn die Auslastung anfangs
nicht gegeben ist. Innerhalb des Quartiers werden kleinräumige
Freiraumstrukturen insbesondere entlang des Jakobsgrabens
gefördert, die neben der direkten Wohnumfeldverbesserung auch
als Bindeglied zwischen Bestand und Neubauten dienen.
Das städtebauliche Konzept basiert auf drei Bausteinen
entlang des Jakobsgrabens. Das E-Werk wird durch die Jugendherberge zu einem wichtigen öffentlichen und touristischen Ort.
Durch die Anbindung an die neue Buga-Promenade erfährt dieser
Ort eine Transformation zu einem öffentlichen Raum als Bindeglied zwischen Wredowkomplex und Havel. Auf dem ehemaligen
Busbahnhof entsteht eine neue Qualität von Wohnen am Wasser.
Eine hohe Durchmischung unterschiedlicher Wohntypen erzeugt
ein lebendiges Quartier und setzt die umliegenden Strukturen in
Wert. Und an der Wilhelmsdorferstraße wird das alte Industriegebäude am Jakobsgraben zu einem Quartier- und Stadtteilzentrum
zwischen Wilhelmsdorfer Vorstadt und Bahnhofvorstadt.
entwurf Denise Ehrhardt // Jan Stadelmann
38
0
0
100m M 1:3000
200
50m
200m
Mm
1:20.000
Max Becker
39
Diesem Masterplan liegen zwei Ansätze zu Grunde: eine
attraktive Verbindung im großen Blockinneren zwischen Jakobsgraben und Bauhofstraße von der Havel im Norden zur Wredowschen Zeichenschule im Süden, an der markante, heute großteils
leer stehende Insudtriegebäude wieder revitalisiert werden. Dabei
werden realistische Nutzungen angenommen wie eine Jugendherberge am Jakobsgraben, Bauhütte und Werkstätten im ehemaligen E-Werk sowie ein Quartierskindergarten. Ebenso behutsam
wird die neue Wohnbebauung auf dem ehemaligen Busbahnhof
überlegt: gemäß der zaghaften Stabilisierung der Kernstadt wird
ein schrittweises Wachsen vom Rand durch unterschiedliche
Reihenhaustypen vorgeschlagen, bei dem sich die Brache
sukzessive in einen ausdifferenzierten Freiraum umwandelt.
0
100m M 1:3000
Mathieu Maréchal // Sophie Piticco
40
Dieser Entwurf arbeitet insbesondere mit klaren Übergängen
zwischen unterschiedlich benutzten, mehr oder weniger öffentlichen Freiräumen, um der heutigen Situation von Rest- und
Brachräumen langfristig eine Struktur zu geben. Dabei wird
zwischen Jakobsgraben und Bauhofstraße eine Abfolge jeweils
durchgesteckter Räume identifiziert, die durch bauliche Ergänzungen gefasst werden und somit eigene, „fassbare“ Qualitäten
bekommen. Von Nord nach Süd sind das: „Gasse“ der Jugendherberge zwischen E-Werk und Anbau am Wasser, atmender öffentlicher Raum zwischen E-Werk und Tramdepot mit Studentenheim
// halböffentliche Wohnhöfe nördlich und südlich der Wredowstraße, öffentlicher Freiraum für das neue Quartier auf dem
ehemaligen Busbahnhof, privater Gartenhof.
0
100m M 1:3000
Alessandra Speziali // Laure Wipf
41
Das Konzept dieses Projektes besteht aus einem feinen
System von Plätzen und Freiräumen zwischen der Havel und der
Wilhelmsdorferstraße, das die bestehenden baulichen und
freiräumlichen Qualitäten verstärkt und in einer freien Abfolge
zueinander orchestriert. An den Platzaufweitungen finden sich
öffentliche Nutzungen für einen jeweils passenden Wirkungskreis.
Auf der Freifläche zwischen Tram-Depot und E-Werk entsteht der
neue Magnet des gesamten Stadtviertels. Als Treffpunkt für
Bewohner und auch Besucher aus der Region vereint er
Nutzungen wie einen Markt und Räume für Kunst und Kultur. Die
durch das Wegenetz gebildeten Schollen weisen in Lage und
Größe ebenso differenzierte Qualitäten auf und werden diesen
entsprechend mit neuen Wohnformen verdichtet.
0
100m M 1:3000
e-werk & tram-depot
entwicklung westliche landspitze
Einsatzmodell M 1:500 mit dem Entwurf von Felix Matschke // Rebecca
Schuster. Deutlich wird besonders das die gesamte Landspitze erfassende
Freiraumkonzept.
42
e-werk-forum rund um kultur & boote
entwurf FELIX MATSCHKE // REBECCA SCHUSTER
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Das urbane Programm als Text anstelle der Gebäude und Freiräume im Plan.
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Das neue Forum an der westlichen Landspitze reaktiviert das
leerstehende E-Werk sowie das Tramdepot und schafft mit einer
gesamtheitlichen Freiraumgestaltung einen neuen Anlaufpunkt für
die Brandenburger Bevölkerung.
Die Topografie des Areals wird durch die beiden neuen
BUGA- Brücken und deren barierrefreie Abgänge, das Wasserrückhaltebecken an der Landspitze und das Gefälle von der
Brücke über den Stadtkanal stark künstlich überformt und lädt
darin zu einem Skate- und Bike- Parcours ein. Erhöhte Aussichtsplattformen und Sitzbereiche sowie Rampen und Bowls werden zu
einer dynamischen Raumsequenz rund um die alten Industriehallen zusammengezogen. Deren Oberfläche ist durch einen
harten befahrbaren Belag aus bestehendem Pflaster und neuen
Betonflächen gekennzeichnet. In diesem Raumfluss sind großflächige Plätze mit ungebundenem Kies- und Sandflächen, wie
beispielsweise zwischen dem E-Werk und der Volleyballhalle,
ausgespart, die so zu ruhigen Verweilenräumen werden.
Als Komplement zum Brandenburger Theater bietet das
E-Werk alternative Räumlichkeiten für Aufführungen junger und
experimenteller Art. Der neu gestaltete Vorplatz führt die Besucher
mit Freitreppe, Rampen und Skater-Bowl in das Foyer. Für Veranstaltungen und Konzerte jeglicher Art bietet der zentrale Raum
flexible Möglichkeiten zur Anordnung von Bühne und Zuschauerbereich. Über Garderoben, Proberäumen und Sanitärbereichen im
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KAPELLE
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Erdgeschoss befinden sich in den Obergeschossen weitere
Büroflächen. Der zweite separat erschlossene hohe Gebäudeteil
wird als Gastronomie mit Außenterrasse genutzt.
Das benachbarte Tramdepot füllt sich mit dem Konzept eines
offenen Repair- Cafés mit alltäglichen Aktivitäten für Bootsbesitzer
und Hobby-Schrauber. In den großen Räumen des Gebäudes
können beispielsweise Boote und Motorräder gewartet und
gelagert werden. Die direkte Wasserlage und der neue Zugang in
Form einer Rampe und einem Hebekran bietet den Bootsbesitzern
dabei die Möglichkeit, ihre Boote leicht an Land zu holen. Auch die
Schienen werden in das Transportkonzept mit einbezogen. An der
westlichen Stirnseite lockt das Café mit einer ausladenden
Terrasse mit Blick auf das andere Havelufer.
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M 1:1000
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m-werk musikstudios
entwurf lovis huppert // clemens loeffelholz
Die zukünftig über die Buga-Brücken gut erschlossene und
zugleich von Wohnquartieren entrückte Landzunge um das
E-Werk herum eignet sich hervorragend, nach und nach ein lebendiger Ort zu werden, an dem sich Künstler, Musiker, Kulturinteressierte genauso wie Spaziergänger, Badende oder Bootsfahrer
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100m
1:5000
treffen. Dies gelingt über die neuen Räumlichkeiten des M-Werks
hinaus mit Café und Bar, neuen Werkstätten, Ateliers und
Proberäumen, die allen Besuchern und Bewohnern offen stehen.
Über das Theater im Stadtpark und eine neue Musikakademie im
ehemaligen Stadtbad spannt sich ein Bogen der Kultur am Wasser.
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Das M steht für Musik. Geplant ist ein professionelles Studio
in den Hallen des ehemaligen E-Werks, das von Profis genauso
wie von Amateuren genutzt werden kann. Von der Bauhofstraße
wird durch die großen Giebelöffnungen der Blick auf die eingestellten hölzernen Aufnahmeboxen gewährt, als „Einblick“ in den
Produktionsalltag. Das Studio verschließt sich nicht der Öffentlichkeit, es funktioniert in ihr.
Die Bausubstanz wird weitestgehend erhalten und nur um ein
paar Erschließungen, Rampen und Treppen erweitert. Durch ein
neues Lichtband in der Decke streift Licht an den Wänden der
Studioboxen herab. Die Studioformen in den freischwingenden
Boxen können variieren, um unterschiedlichen Bedürfnissen der
Aufnahmen nachzukommen. Weiterhin verfügt das M-Werk über
zwei Abhörräume, mehrere Übungsräume, sowie eine kleine
Künstlerwohnung im zweiten Stock, die auch längere Produktionen ermöglicht. Die Rückseite im Westen des alten E-Werks
wird in ihrem jetzigen Zustand erhalten; lediglich Maßnahmen zur
Einsturzsicherung werden getätigt. Dieser Kalt-Raum kann in den
Sommermonaten frei bespielt werden, z.B. als Café, Bar, Kino,
Konzertraum oder einfach nur als ein sonnen- und regengeschützter Ort zum Verweilen.
Schnittmodell durch die in die Haupthalle eingestellten Aufnahmeboxen
Blick von Osten
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jugendherberge im e-werk &
studentenwohnen im Tram-depot
entwurf Mathieu Maréchal // Sophie Piticco
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Städtebauliches Freiraumkonzept mit klaren Zuordnungen von öffentlichen
(gelb) und halböffentlichen (grün) Freiräumen
Schnitt durch Jugendherberge mit Überbauung am Wasser und Kletterhalle
Die Gebäude des ehemaligen E-Werks und des alten
Tramdepots prägen den Zugang zur Landspitze von der Bauhofstraße aus. Die leicht konische Stellung der beiden Baukörper
zueinander formt einerseits eine Art Platzkante zum Vorplatz an
der Bauhofstraße und führt umgekehrt zu einer spannungsvollen
Weitung nach Westen zum Wasser hin. Diese beiden charakteristischen Orte am Eingang und Ausgang der Landspitze werden an
die BUGA- Promenade angebunden, um deren Öffentlichkeit weit
in dieses Areal zu ziehen.
Um dieses wieder zu beleben, werden die bestehenden Sportanlagen erweitert und Unterkünfte für junge Menschen entwickelt.
Der hohe Gebäudetrakt des E-Werks wird zu einer Kletterhalle
ausgebaut. Der Hauptteil beherbergt die Gemeinschaftsräume
einer Jugendherberge. Im flankierenden Neubau entlang des
Wassers liegen die dazugehörigen Zimmer, die über zwei
Übergänge mit dem E-Werk verbunden sind. Im Tramdepot finden
Studentenwohnungen Einzug, die sich nach Süden zum Hof der
Blockrandbebauung und nach Westen zum Wasser orientieren.
Die nördliche Seite des Tramdepots mit Bezug zum E-werk bietet
Raum für studentische Gemeinschaftsräume wie Gemeinschaftsküche, Medienraum und Lounge in synergetischer Kopplung mit
einem Jugendzentrum. Studierende, junge Einheimische und
Besucher, Sportler und Flaneure verwandeln die westliche
Landspitze in einen aktiven Sporn mit einzigartigem Ambiente
zwischen Industriehallen und Flusslandschaft.
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Schnitt durch das Jugendzentrum auf der Nordseite und das studentische Wohnen auf der Südseite des
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m
jugendherberge im e-werk
entwurf Denise Ehrhardt // Jan Stadelmann
Das E-Werk mit seiner attraktiven Lage an der Havel und der
historisch wertvollen Bausubstanz ist ideal für eine Nutzung durch
eine Jugendherberge. Der Eingriff unterwirft sich dem Bestand mit
größter Rücksicht auf die vorhandene Struktur. Einzig im Westen
wird durch den Abbruch des Anbaus der Maschinenhalle in die
Hülle eingegriffen. Dieser Eingriff erlaubt das Gebäude auf zwei
Seiten auszurichten. Die Haupthalle zur Bauhofstraße wird zum
neuen Eingangsbereich der Jugendherberge und führt zu einem
Restaurant auf der Empore. Durch das Erhalten der Seitenwände
und des Daches der baufälligen Maschinenhalle erhält das
Restaurant sowie die Jugendherberge einen gedeckten Außenbereich nach Westen gen Landspitze.
Die Nutzungen der Jugendherberge sind in den Seitentrakten
des E-Werks untergebracht. Hier befinden sich sämtliche Zimmer
sowie die gemeinschaftliche Küche und der dazugehörige Essbereich. Ansonsten wird auf eine möglichst hohe Synergienutzung
zwischen Jugendherberge und Restaurant geachtet. Die große
Halle dient einerseits als Empfang für die Jugendherberge aber
auch als Lounge-Bereich für Besucher des Restaurants und Gäste
52
der Jugendherberge. Die Halle ist zurückhaltend möbliert und
kann für Ausstellungen und bei Bedarf für temporäre Events auf
einfache Weise freigeräumt werden. Die behindertengerechte
Erschliessung der Jugendherberge und der öffentliche Bereiche
ist gewährleistet. Das E-Werk wird zu einem wichtigen Baustein im
Quartier, da es als öffentlich wirksames Gebäude eine Verbindung
zwischen dem Quartier und der durch die beiden Buga- Brücken
erweiterten Havelpromenade schafft. Die Promenade wird
zwischen den beiden Brücken mit einem neuen Wasserzugang als
„Stadteingang“ für den Havelradweg und Aufenthaltsort für die
Gäste der Jugendherberge und die Quartiersbewohner ergänzt.
In Zahlen:
94 Betten in 3 x 2- Bett Zimmer | 2 x 3- Bett Zimmer | 5 x 6- Bett
Zimmer | 1 x 8- Bett Zimmer | 2 x 10- Bett Zimmer | 2 x 14- Bett
Zimmer = 720 m2 Zimmerfläche
Keller: 500 m2 Veranstaltungsfläche | 210m2 Proberäume
EG: 190 m2 Restaurant / Café | 310 m2 Halle - verschiedene
Nutzungen
Blick in die frei gestellte Maschinenhalle als gedeckter Außenbereich auf
mehreren Ebenen für die Jugendherberge
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S 02
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havelwerkstätten und Co-Working in
e-werk und tram-depot
entwurf Tobias Metzger // Amely Myrenne
Das Areal auf der Landspitze, das von dem ehemaligen
Elektrizitätswerk und dem ebenfalls noch leerstehenden Straßenbahndepot dominiert wird, bietet mit den vier unterschiedlichen
Raumkanten ein besonders markantes Bild: Blockrandbebauung,
Hinterhöfe, frei stehende Ikonen der Industriearchitektur und
exponierte Uferkanten an der Havel mit vorbeifahrenden Booten.
Um den Raum vor den beiden „alternden Riesen“ an die Stadt
zu binden und zur Stadt hin zu öffnen, wird dieser zunächst durch
einen markanten Kopfbau mit Querriegel an der Brandwand des
unvollständigen Blockrandes und nach Süden zum privaten
Innenhof klar gefasst und von der Bauhofstraße eingeleitet.
Im E-Werk wird als eher niederschwelliges urbanes Programm
eine Co- Working- Basis eingerichtet, die durch unterschiedliche
Studios, eine Druckerei- Zentrale, eine Cafeteria und eine Ausstellungsfläche zum gemeinsamen Präsentieren die Halle im
Arbeitsalltag öffentlich zugänglich macht.
Über den Trafohäusern am Ufer sind nach Norden und zum
Wasser ausgerichtete Atelier- Wohnungen geplant.
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Das Straßenbahndepot wird sich mit der Nutzung eines
Verkehrsmuseums in Erinnerung an seine ursprüngliche
Bestimmung zum Vorplatz hin öffnen. Nach Norden bietet es
Raum für Werkstätten wie z.B. eine Fahrradreparatur-Werkstatt, in
Anlehnung an den über die BUGA- Brücken verlegten HavelRadweg, der über die Landspitze in die Innenstadt führt. Nach
Süden zum Innenhof des Blockrandes können loftartige
Wohnungen mit eigenem Zugang als Reihenhäuser der besonderen Art das Tramdepot füllen.
Werkstätten im Straßenbahndepot
Im Hintergrund: der neue Kopfbau an der Bauhofstraße
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konzert- & markthalle
in e-werk und tram-depot
entwurf Alessandra Speziali // Laure Wipf
Zwischen dem ehemaligem Elektrizitätswerk und dem ehemaligen Straßenbahndepot spannt sich der zukünftige Hauptplatz der
westlichen Kernstadt auf. Das E-Werk wird zu einer Konzerthalle
umgebaut. Neben einem großen Saal für diverse Veranstaltungen
in der Haupthalle und den dazugehörigen Nebenräumen in den
Seitentrakten beherbergt das Gebäude ein Restaurant, das täglich
den Platz belebt. Die bestehende Beachvolleyballhalle in einem
ehemaligen Maschinenhaus wird westlich um ein Basketballfeld
mit Sitzstufen ergänzt, um die Raumkante des E-Werks bis an die
westliche Spitze zu verlängern.
Das Tram-Depot gegenüber wird in zwei Abschnitte unterteilt:
Im östlichen und größeren Teil des Gebäudes befindet sich eine
Markthalle für regionale Händler, die sich zum Platz und zur
Bauhofstraße öffnet. Im Turm wird eine dazu passende Gastronomie mit Überblick über das Treiben Platz finden.
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Der westliche, augenscheinlich nachträglich angebaute
Bauabschnitt des Depots mit Blick zum Wasser wird mit reihenhausartigen Wohneinheiten bzw. Lofts ausgebaut. Vorbild ist das
Projekt in der ehemaligen Kammgarnspinnerei am gegenüberliegenden Havelufer. Südlich des Tram-Depots werden weitere
Geschosswohnungen und Townhäuser um einen Hof am Wasser
entstehen. Daran vorbei wird der Weg weiter nach Süden in das
neue Quartier auf dem ehemaligen Busbahnhof geführt.
Längsschnitt durch das Straßenbahndepot mit Café im Turm, Markthalle und Loftwohnen an Wasser
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e-werk indoor skate und klettern
entwurf Alice Meybeck
Die Skatebahnen vermitteln von innen nach außen: Modellfoto und Fotocollage
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Aussicht-Plateau über dem Regenwasserbecken an der Landspitze
Das Programm für die westliche Landspitze setzt sich aus
dem Erleben der exponierten Wasserlage an neu angelegten
Uferwegen, sportlichen Freiraumaktivitäten zwischen Beachvolleyball im Sommer und Eislaufen im Winter und der Umnutzung
des alten E-Werks zusammen. Für dieses sind angedacht: eine
Jugendherberge mit Gemeinschaftsräumen sowie Unterkünften
von Einzelzimmer bis Gruppenzimmer und Familienzimmern in
einer nördlichen Erweiterung über den Trafohäusern, eine Skatehalle, die auch als Disco dient und deren Bahnen auf dem Vorplatz
die Geländeunterschiede aufnehmen, eine hohe Kletterhalle um
die ehemalgen Schüttkegel, passende Sportausstatter und ein
Café-Restaurant mit Außenterrasse.
Alle Nutzungen kommunizieren miteinander und profitieren
voneinander. Stimmung und Zustand der Gebäude werden
weitestgehend beibehalten. Die großen Hallen für Skaten und
Klettern könnten zunächst auch als unbeheizte Volumen in der
Sommerzeit funktionieren, bis sie sich etabliert haben und mit
alternativen Energiekonzepten sinnvoll beheizt werden.
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M 1:1000
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stadtbad
Umnutzung & Erweiterung
Einsatzmodell M 1:500 mit dem Entwurf von Lovis Huppert // Clemens Loeffelholz
mit der Erweiterung nach Osten und dem sich nach Süden öffnenden Campus.
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musikakademie im stadtbad
entwurf lovis huppert // clemens loeffelholz
Das Stadtbad wird neu belebt zu einem einzigartigen Veranstaltungssaal auf dem Grund des alten Schwimmbeckens samt
umlaufender Galerie. Konzerte, Kabarett, Theater, Feiern bis hin
zu Podiumsdiskussionen sind hier denkbar. Vor allem aber ist er
der Hauptvortragssaal der neuen Akademie für Musik, die in den
weiteren Räumlichkeiten des Stadtbades sowie in einem Neubau
Platz findet, der den Block des „Wohlfahrtsforums“ nach Osten
schließt.
Gleich neben dem Saal liegt in den ehemaligen Umkleiden
eine Cafeteria, die nicht nur die Verpflegung für die neue Akademie
und den Saal sichert, sondern tagsüber auch als Café für alle
Besucher dient. Diverse Übungsräume erstrecken sich über die
Längsachse des Erweiterungsbaus, verbunden durch eine
Kommunikationszone, die sich hofseitig zum neu entstandenen
Campus öffnet. Seminarräume und ein weiterer Vortragssaal, der
in seiner Fassadengestaltung auf den Hauptsaal im Stadtbad
Bezug nimmt, schließen den Bau nach Süden ab. Im obersten
Stockwerk gibt es zudem einige kleine Wohnungen, geeignet für
studentische Wohngemeinschaften, aber auch zur Vermietung in
den Semesterferien im Pensionsbetrieb für Besucher der Stadt.
Blick von Süden auf Stadtbad, Campus und Erweiterung
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Nord-Süd-Schnitt durch Stadtbad, Campus-Hof und Erweiterung
Längsschnitt durch den Stadtbad- Konzertsaal
Süd-Nord-Schnitt durch den östlichen Erweiterungsflügel
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M 1:500
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regional GenieSSen im stadtbad
Oriane Spinnler // Mathilde Sudan
Die BUGA wird inhaltlich auf die Bereiche Gesundheit,
Ernährung, regionale Koch- und Esskultur und deren touristisches
Potential erweitert und mit diesen Themen an den westlichen
Landspitzen um Stadtbad und E-Werk räumlich verankert. Die
Lage des Gebiets am Wasser, nahe der historischen Innenstadt
und des Bahnhofs bietet sich für diese Nutzungen an:
Entspannen
INFORMIEREN
Übernachten
Wellnesshotel /
thematische Ausstellung Jugendherberge /
Seminarbetrieb
Familienhotel
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Das ehemalige Stadtbad wird zu einem idealen Ort für einen
Kurzurlaub zu jeder Jahreszeit, um auf Entdeckungstour in Sachen
Verkostung und Kochen mit regionalen Produkten oder Entspannenskur in den Dampf- und Moorbädern zu gehen. Die östliche
Raumkante des Wohlfahrtsforums wird durch einen Zimmertrakt,
die südliche durch eine „Orangerie“ neu gebildet.
Entdecken und Probieren
Veredeln
Kochschule / Erlebnis-Gastro Regionale Verkaufsstände
am Wasser und im Stadtbad
mit eigenem Anbau
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50m50
M 1:1000
m
Schaukochen und Kochschule im ehemaligen Schwimmbecken // Schauen, Anbauen und Ernten im hauseigenen Kräuter- und Gemüsegarten
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hotel und therme im stadtbad
entwurf Alessandra Speziali // Laure Wipf // Gabriel Lemoine
Das ehemalige Stadtbad wird gemäß seiner ruhigen und
erhabenen Ausstrahlung im Hauptraum wie in den durch Lichthöfe
belichteten Nebenräumen in eine Thermenanlage in Verbindung
mit einem (Wellness-) Hotel umgebaut. Mit der Erweiterung
erinnert der Grundriss des „Wohlfahrtsforums“ mit den Umgängen
und Innenhöfen an die Anlage eines Klosters.
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50m50
M 1:1000
m
ehemaliger busbahnhof
Neues Quartier AM JaKosbgraben
ÜBERBLICK
100m
1:5000
50M m
FELIX MATSCHKE // REBECCA SCHUSTER
Neubauten
Bestand
Schwarzplan
Wohnen EFH DH RH 2+D
Wohnen Geschoss 3-5
Nebenbauten
Schwarzplan: Matschke & Schuster
GSEducationalVersion
Industrie / Lagerhallen
Leerstand
Unterkunft
Gastronomie
Gesundheit / Arzt / Apotheke
Sport / Freizeit
Dienstleistung / Bank
Einkaufen
Kultur / Kunst
Kirche / Soziales
Bildung / Kindergärten
Nutzungen
Nutzung: Matschke & Schuster
GSEducationalVersion
Öffentlicher Freiraum
halböffentlicher Freiraum
wegekonzept
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zger & Myrenne
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Matschke & Schuster
GSEducationalVersion
Denise Ehrhardt // Jan Stadelmann
ardt & Stadelmann
& Stadelmann
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ffentliche Räume & Wege: Ehrhardt & Stadelmann
Tobias Metzger // Amely Myrenne
Schwarzplan: Metzger & Myrenne
GSEducationalVersion
Nutzung: Metzger & Myrenne
GSEducationalVersion
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Metzger & Myrenne
GSEducationalVersion
Max Becker
Mathieu Maréchal // Sophie Piticco
Schwarzplan: Marechal & Piticco
GSEducationalVersion
Nutzung: Marechal & Piticco
GSEducationalVersion
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tliche Räume & Wege: Becker
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Marechal & Piticco
GSEducationalVersion
Frank Hein
Cecelia Böger
Schwarzplan: Böger
GSEducationalVersion
Nutzung: Böger
GSEducationalVersion
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ffentliche Räume & Wege: Hein
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Böger
GSEducationalVersion
Anger zum Jakobsgraben
entwurf FELIX MATSCHKE // REBECCA SCHUSTER
Entsprechend der Analyseergebnisse werden im Zuge dieses
Entwurfes am Jakobsgraben insbesondere Maßnahmen getroffen,
die das Wasser als Freizeit- und Bewegungsraum für die Bewohner
des Quartieres erlebbar machen. Zugleich werden neue
Wohnformen angeboten, die den Stadtteil für unterschiedlichste
Bewohner attraktiv gestalten. Während die Einwohnerzahl in der
Stadt insgesamt seit längerem sinkt, verzeichnet das Wohnen
nahe und in der Innenstadt in den letzten Jahren zunehmende
Beliebtheit – hier wird wieder Wohnraum für Brandenburger,
Randberliner und weitere Hinzugezogene nachgefragt.
Die vorgeschlagenen Wohntypologien orientieren sich stark in
ihrer jeweiligen Lage zum Wasser- und Wegenetz und bilden darin
gemeinschaftliche Anger, die offen zum Jakobsgraben enden. Der
Hauptweg durch das Quartier samt der Freifläche zum Wasser
werden von drei- bis viergeschossigen Bauten gerahmt. Neben
Geschosswohnungen werden hier auch Maisonette-, Loggiensowie Townhouse- Typen angeboten, um eine möglichst breitgefächerte Bewohnergruppe anzusprechen. In zweiter Reihe
formieren zwei- und dreigeschossige Reihenhäuser einen
weiteren Anger.
Das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen BusbahnhofGelände zeichnet sich durch seine verbesserte Durchwegung für
Fußgänger und Radfahrer aus. Neben einer Verbindung über den
Jakobsgraben hin zur Friesenstraße, wird auch der direkte Uferbereich durch einen Weg von der Wredowstraße im Norden hin zur
Jacobsstraße im Süden erschlossen. An ihrer Kreuzung bildet
sich eine öffentliche Freifläche direkt am Wasser aus. Über die
Bauhofstraße hinweg wird eine Verbindung über die Schleuse bis
hin zum Brandenburger Theater und die Innenstadt geschaffen.
Jede Wohneinheit verfügt mit Terrassen oder Gärten über
einen direkten Bezug zu den rückwärtigen ruhigen Grünräumen.
Und statt der Stellplätze für die Autos werden die Bootsplätze in
den Bootshäusern und an den Stegen thematisiert. Ein Quartiersladen an der Bauhofstraße sowie ein Kindergarten ebenso mit
Bezug zum Wasser runden die ganz eigene Qualität des neuen
Quartiers ab.
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Schnitt durch Reihenhaus- „Anger“ mit eigenen Bootshäusern am Jakobsgraben
Erweiterte Durchwegungen ans Wasser und in die Innenstadt
GSEducationalVersion
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Isometrien Loggiawohnungen // Reihenhaus // Townhouse
Nutzung: Matschke & Schuster
GSEducationalVersion
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Geschosswohnungen
Geschosswohnung
Maisonette
Maisonette
Townhous undund
Reihenhaus
Townhous
Reihenhaus
Einfamilienhaus
Einfamilienhaus
Loggia-Wohnung
Loggia-Wohnung
Betreutes Wohnen
Betreutes
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keine Wohnutzung
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Wohnutzung
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M 1:1000
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Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Matschke & Schuster
GSEducationalVersion
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offen und dicht am Jakobsgraben
entwurf Denise Ehrhardt // Jan Stadelmann
Die neue Überbauung des Busbahnhof- Areals orientiert sich
zum Jakobsgraben hin. Durch Freiräume am Wasser wird der
visuelle und haptische Bezug zum Wasser erzeugt. Die einzelnen
Baufelder können relativ unabhängig voneinander entwickelt
werden, dabei werden auch die Freiräume an der Grenze des
76
jeweiligen Baufeldes von Beginn an realisiert. Sie dienen der
Aktivierung der angrenzenden Gebiete und als Bindeglied
zwischen den einzelnen Strukturen. Die neuen Quartiersplätze
und kleinen Parks bilden so wichtige Bausteine im urbanen
Gefüge. Eine hohe Durchlässigkeit zum Wasser hin ermöglicht
100m
1:5000
50M m
Durch die Differenzierung der Geschossigkeit passen sich die
neuen Gebäude in die heterogene Baustruktur des Wredowkomplexes ein. Die abgestuften Terrassenhäuser am Jakobsgraben
bilden ein angenehmes Gegenüber zu den niedrigen Bauten
westlich des Gewässers. In den drei Punkthäusern befinden sich
öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss sowie Sonderwohnformen
wie Cluster- und Alterswohnen in den Obergeschossen. Diese
Punkthäuser befinden sich an prominenter Lage im Quartier und
beleben die angrenzenden Quartiersplätze. Das bestehende
Gewerbegebäude am nordwestlichen Rand der Bebauung wird zu
Atelier- und Loftwohnen umgenutzt. Der Industriecharakter des
Gebäudes ist für den Ort identitätsstiftend.
Die Erschließung mit dem öffentlichen Verkehr ist durch die
Trambahn gewährleistet. In fast allen Gebäuden werden in den
Eingangsbereichen großzügige Fahrradräume in Ergänzung zu
den Fahrradabstellplätzen entlang der Straßen und Plätze
angeboten. Die Parkierung erfolgt in Streifen entlang der Gebäude.
In den Baufeldern zur Bauhofstraße werden zudem Tiefgaragen
angeboten. Durch diese Konzentration der Parkplätze entstehen
Fußwege für die Bewohner, die zur Belebung der öffentlichen
Räume beitragen.
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Ehrhardt & Stadelmann
GSEducationalVersion
auch Bewohner von Gebäuden die nicht direkt am Wasser liegen
den Zugang zum Jakobsgraben. Durch die hohe mögliche Vielfalt
an Wohntypologien innerhalb der klaren städtebaulichen Struktur
kann innerhalb der Entwicklung auf eine Veränderung der
Nachfrage an Wohnraum reagiert werden.
Plätze und Wohnen am Wasser: Bildcollage von Westen und Modellfoto von Süden
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Geschosswohnungen
Geschosswohnung
Maisonette
Maisonette
Townhous undund
Reihenhaus
Townhous
Reihenhaus
Einfamilienhaus
Einfamilienhaus
Loggia-Wohnung
Loggia-Wohnung
Betreutes Wohnen
Betreutes
Wohnen
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keine Wohnutzung
keine
Wohnutzung
50m50
M 1:1000
m
GSEducationalVersion
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Park- Ränder zum Jakobsgraben
entwurf Tobias Metzger // Amely Myrenne
Ein Entwicklungsschwerpunkt für die westliche Kernstadt liegt
auf dem alten Busbahnhofgelände entlang der Bauhofstraße.
Eine wichtige Maßnahme zur Verbindung mit dem westlichen
Stadtgebiet
ist eine neue Fußgängerbrücke im Süden des Areals.
Geschosswohnungen
Die angrenzenden
teils leerstehenden Gebäude werden durch
Maisonette
ergänzende
TownhousNutzungen
und Reihenhaus wie einem Kindergarten reaktiviert.
DieEinfamilienhaus
löchrige Struktur der restlichen Blockrandbebauung wird
Loggia-Wohnung
im Norden
der heutigen Brache durch einen vier- bis fünfgeschosWohnen
sigen Betreutes
Wohnhybrid
aus gestapelten Townhouses, Lofts und
keine Wohnutzung
Geschosswohnungsbau
sowie im Süden durch eine Kette von
Townhouses räumlich stark eingefasst. Gleichzeitig lässt die
Konzentration auf die Ränder einen großzügigen Freiraum in
West- Ost- Richtung zwischen Innenstadt und Hinterland offen.
Dieser Raum bietet den Anliegern einen gemeinschaftlichen Park
über den alle Häuser erschlossenen werden, mit Spiel- und Skateflächen, Gemeinschaftshochbeeten zur gärtnerischen Betätigung
und teilweisen Selbstversorgung und großen Rasenflächen zur
Entspannung am Wasser. Er ist auch der Ankunftsort aus der
gemeinschaftlichen Tiefgarage, die unterhalb des Parks im
Bereich der Bauhofstraße liegt.
80
Geschosswohnungen
Geschosswohnung
Maisonette
Maisonette
Townhous undund
Reihenhaus
Townhous
Reihenhaus
Einfamilienhaus
Einfamilienhaus
Loggia-Wohnung
Loggia-Wohnung
Betreutes Wohnen
Betreutes
Wohnen
keine Wohnutzung
keine
Wohnutzung
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Metzger & Myrenne
GSEducationalVersion
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Querschnitt durch den großen Freiraum mit gemeinschaftlichen Beeten, Südostseite: Townhouses, Nordwestseite: Etagen- und Maisonettewohnungen
0
50m50
M 1:1000
m
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Gestapelte Maisonetten
0 am Jakobsgraben
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10m50
M 1:500
m
Schrittweises wachsen vom Rand
entwurf Max Becker
Das ehemalige Busbahnhofgelände befindet sich am Rande
der wieder wachsenden Innenstadt (Zuwachs Innenstadt 2005 2010: 12,3%; Zuwachs Ring 2005 - 2010: 4,1%). Ziel dieses
Projektes ist es, attraktive Entwicklungsphasen vorzuschlagen,
die eine schrittweise Entwicklung als Chance sehen und nutzen.
Ausgehend von der derzeitigen Brachfläche wird eine etappenweise Bebauung aus verdichteten Einfamilienhaustypen mit
Stärkung der jeweiligen Raumkanten vorgeschlagen. Dabei orientieren sich die Bauphasen an den bestehenden Flurstücken und
Bestandsgebäuden. Die Entwicklung ist somit nicht an eine
definierte Sequenz gebunden.
Zunächst könnte im leerstehenden Industriegebäude südlich
der Wredowstraße zum Beispiel die derzeit in Brandenburg
fehlende Jugendherberge gut angebundene Räumlichkeiten
beziehen. Auch die Freiwilligen der Jugendbauhütte Potsdam
(deren Werkstätten vielleicht im E-Werk unterkommen) suchen
Wohnmöglichkeiten. Die Behindertenwerkstatt auf der gegenüberliegenden Straßenseite kann auch von diesem Umfeld profitieren.
Durch diese Sonderwohnformen würde die bauliche Substanz
zunächst saniert und belebt werden. Die Verknüpfung der bestehenden Einrichtungen eröffnet eine rückwärtige Verbindung für
Fußgänger und Fahrradfahrer abseits der stark befahrenen
Bauhofstraße. Zusammen mit dem Brückenschlag am Südzipfel
des Geländes würde dies eine große Verbesserung der fußläufigen Erschließung innerhalb des Quartiers ermöglichen.
Bei der Entwicklung von der Brache zum intensiv genutzten
Gemeinschaftsgrün werden die weiteren Entwicklungsetappen
antizipiert, zugleich bleibt sie aber frei bespielbar und begünstigt
spontane Raumaneignung. Im Verlauf der Entwicklung differenziert sich die große Freifläche in eine Abfolge von eigenständigen
Freiräumen aus: vom Platz an der Bauhofstraße bis hin zur
Wildwiese am Jakobsgraben.
100m
1:5000
0
50M m
84
Nutzung: Becker
GSEducationalVersion
Umwandlung in der ersten Phase: Reaktivierung Gewerbebau als Jugendherberge und neues Bootshaus mit Café am Jakobsgraben
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Becker
GSEducationalVersion
85
Schnitt durch das neue Baufeld im Nordwesten mit baulich integriertem erdgeschossigem Parken
0
0
86
10m50
M 1:500
m
50m50
M 1:1000
m
Plätze & Höfe
entwurf Mathieu Maréchal // Sophie Piticco
Auf dem alten Busbahnhof entstehen neue Wohnformen, die
ein breites Publikum ansprechen. Um den diversen Ansprüchen
gerecht zu werden, wurden Höfe mit verschiedenen Privatheitsgraden geschaffen. Der zentrale öffentliche Freiraum gliedert sich
in zwei Teile: einerseits in einen Platz umgeben von Geschäften,
Dienstleistungen und Kindergarten, andererseits zum Wasser als
Park mit Sport-, Freizeit-, und Erholungsangeboten. Die
Wohnungen werden über den öffentlichen Raum erschlossen,
damit dieser belebt ist und gleichzeitig die Intimität der Wohnhöfe
erhalten bleibt. Die innere Organisation der Wohnungen trägt den
beiden Seiten Rechnung. Die viergeschossigen Raumkanten zum
öffentlichen Freiraum bestehen aus Maisonettewohnungen mit
Gartenzugang unten und Geschosswohnungen oben. Im dreigeschossigen Gebäude im Süden werden je zwei Maisonetten
ineinander geschachtelt: die untere besitzt einen durchgängigen
Wohnraum im Erdgeschoss mit Ausblick zum Wasser sowie
Zugang zum privaten Garten, die obere profitiert von der überwiegenden Ausrichtung zum Wasser. Der Bedarf an konventionellen
verdichteten Einfamilienhäusern wird in zweiter Reihe angeboten.
Ein bestehender Gewerbebau im Nordosten des Areals wird zur
zentralen Garage für das ansonsten garagenfreie Quartier.
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Marechal & Piticco
GSEducationalVersion
87
10m50
M 1:500
m
Gestapelter Maisonette-Typ am Wasser
Stimmung in den Wohnhöfen
88
Zeilen am öffentlichen Freiraum mit Maisonetten unten / Etagenwohnungen oben
0
89
50m50
M 1:1000
m
quartiersplatz als gelenk
entwurf Frank Hein
Der offen gestaltete Wohnpark wird entlang einer gegliederten
Hauptroute als Shared- Space zum Wasser hin erschlossen. In
der Höhe gestaffelte Zeilen und Winkel aus gestapelten Maisonetten, Townhouses und Reihenhäusern formieren halböffentliche
und zum Wasser hin offene Innenhöfe, wobei die an die Plätze
grenzenden Gebäude Etagenwohnungen beinhalten mit ein bis
Blick von der neuen Brücke auf den Quartiersplatz
90
fünf Zimmern und mit Ausrichtung zu Platz- und Hofseite. Etwa
mittig liegt als Gelenk ein Platz mit Café und Jugendtreff, der durch
fünfgeschossige Gebäudeköpfe markiert wird. Entlang der
belebten Bauhofstraße befinden sich Gewerbeflächen für die
Quartiersversorgung. Alle Wohneinheiten verfügen über private
Gartenbereiche, Loggien oder Dachterrassen.
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Hein
GSEducationalVersion
0
91
50m50
M 1:1000
m
drei höfe
entwurf Cecilia Böger
Drei von Zeilen und Winkeln gerahmte Wohnhöfe schwimmen
wie grüne Inseln auf der ansonsten als offener Shared Space aus
Fahr-, Parkier- und Spielraum gestalteten Fläche des ehemaligen
Busbahnhofes. Dabei bietet die einfache städtebauliche
Anordnung eine Vielfalt an Typologien: In den Ecken finden sich
Etagenwohnungen unterschiedlicher Größe, in den geraden
Abschnitten eine Reihung von Townhouses mit eigenem Gartenbereich, in den Terassenhäusern zum Wasser je vier gestapelte
Maisonetten mit Dachterrassen, die wahlweise auch in Etagenwohnungen aufgegliedert werden können und an der Bauhofstraße ein Lebensmittelmarkt und Dienstleistung darüber.
Öffentliche & Halböffentliche Räume & Wege: Böger
GSEducationalVersion
0
100m
1:2000
50Mm
0
92
m
10m50
M 1:500
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Kategorie
Seele and Geist
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103
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