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bz Basel, vom: Mittwoch, 22. Oktober 2014 - Martin Forter

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MITTWOCH, 22. OKTOBER 2014
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Sanierungskritik schwappt
aufs Trinkwasser über
IWB/Hardwasser AG Muttenzer Deponie-Allianz stellt Trinkwasser-Analysen infrage
VON DANIEL HALLER
«Die Schadstoffe mit einer Konzentration unter 100 Nanogramm pro Liter
schauen die IWB und die Hardwasser
AG gar nicht mehr an», kritisiert die Allianz Deponien Muttenz (ADM). Mit anderen Worten: 230 000 Trinkwasserbezüger in der Agglomeration Basel würden dem Risiko krebserregender und
genverändernder Stoffe vor allem aus
der unweit der Muttenzer Hard gelege-
nen Deponie Feldreben ausgesetzt.
Vergangene Woche hatte der Kanton
Baselland seinerseits publiziert, gemäss
dem ETH-Institut Eawag sei die Wasserqualität aus der Hard sehr gut. Was
stimmt nun?
Sowohl IWB / Hardwasser AG als
auch das Kantonslabor Baselland untersuchen nach wie vor die bekannten
Schadstoffe auch unterhalb der Konzentration von 100 Nanogramm pro Liter, die der Bund als Toleranzwert fest-
gelegt hat. Dies geschieht durch gezielte Einzelstoff-Analysen, deren Ergebnisse die IWB auf ihrer Website publiziert. Die Konzentrationen unterschreiten die Toleranzwerte.
Daneben gibt es eine zweite AnalyseSchiene: Man schaut mit sogenannten
Screenings, ob man irgendwelche Stoffe findet. Diese Methode sei sowohl bezüglich der Art der gefundenen Stoffe
als auch deren Konzentration ungenau,
betonen sowohl die IWB als auch der
Baselbieter Kantonschemiker Peter
Wenk. Je tiefer die Konzentration, desto ungenauer seien die Ergebnisse.
Der Zeitpunkt des Disputs über das
Trinkwasser ist kein Zufall: Über die finanzielle Beteiligung der Gemeinde
Muttenz an der Deponie-Sanierung
stimmt morgen die Gemeindeversammlung ab. Die ADM kritisiert die geplante Methode als «Billigsanierung»
und drängt auf einen Totalaushub.
KOMMENTAR
So wird das Wasser
immer besser
S
eit Jahren zankt die Allianz Deponie Muttenz (ADM) mit Behörden und Industrie darüber,
wie Chemiemüll-Deponien saniert werden sollen. Zum Holzhammer-Argumentarium des ADM gehört es auch, immer wieder mit unangenehmen Nachrichten über Verunreinigungen die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Das schreckt die
Bevölkerung auf. Gerade beim jüngsten
Vorwurf des ADM geht es um das Wasser, das in der Region über 230 000
Menschen konsumieren, darunter auch
alle Einwohner der Stadt Basel. Im
KOMMENTAR RECHTS, SEITEN 25 UND 31
von Benjamin Wieland
Trinkwasser habe es toxische Stoffe,
welche die IWB und die Hardwasser AG
nicht mehr genau messen wollten, so
der Vorwurf. Dieser wird umgehend dementiert: Grenzwerte wurden keine
überschritten – alles im grünen Bereich.
Nun könnte man sagen, die Allianz mache leichtfertig auf Panik. Doch die Arbeit der ADM um Altlasten-Experte Martin Forter ist Gold wert: Nur durch ihre
Hartnäckigkeit sind die Behörden und
Trinkwasserproduzenten gezwungen,
ihre Analysen ständig zu verbessern;
ebenso hat die Pharma-Industrie keine
andere Wahl, als sich ihren Erbsünden
– dem verbuddelten Gift – zu stellen.
Und auch für die Konsumenten hat das
Seilziehen zwischen Allianz auf der einen sowie Behörden und Industrie auf
der anderen einen positiven Effekt, wie
auch der Baselbieter Kantons-Chemiker
Peter Wenk gegenüber der bz einräumt:
In der Schweiz gebe es wohl keine andere Region, in der das Trinkwasser so
häufig und so penibel untersucht werde
wie bei uns.
@ benjamin.wieland@azmedien.ch
MEINUNGSSEITE
Hans Fahrländer zur Sperrung des
Gubristtunnels wegen Sojabohnen
«Wer zu Hause arbeitet,
fährt nicht.»
Ein genialer Komponist Dieter Ammann (2. v. links), «einer der interessantesten, spannendsten, fantasievollsten und innovativsten Komponisten unserer Zeit», hat gestern Abend in Baden den Kulturpreis der AZ Medien erhalten. Derart mit Lob überhäuft wurde er von Michael Haefliger
(rechts), dem Intendanten des Lucerne Festivals. Ammann erhielt den Preis aus den Händen von Verleger Peter Wanner und az-Kulturchefin
Sabine Altorfer. Dieter Ammann lebt in Zofingen. SEITEN 2/3
FOTO: CHRIS ISELI
SEITE 43
bz Basel
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INSERAT
INSERAT
Ausländergesetz
Personenfreizügigkeit
Basel weist
Musiker aus
London hilft nicht aus der Patsche
Der Kanton Basel-Stadt warnt 55 Klassik-Musiker: Sie müssen sich eine fixe
Anstellung suchen, sonst müssen sie
das Land verlassen. Die Betroffenen
sind teilweise hervorragende Musikspezialisten. Nun fürchtet die Szene der
klassischen Musik, ihre besten Leute zu
verlieren. SEITE 27
Die Schweizer Befürworter von Einwanderungskontingenten setzen schon
länger auf Grossbritannien. Jede kritische britische Bemerkung zur Personenfreizügigkeit wird in der Schweiz
seit dem 9. Februar besonders aufmerksam registriert. Dahinter steckt
die Hoffnung, London könnte der
Schweiz nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative in den Verhand-
771223
lungen mit der EU aus der Patsche helfen. Doch jetzt folgt die Ernüchterung:
Zwischen dem Schweizer Votum und
der Position der britischen Regierung
gibt es Differenzen.
«Grossbritannien stellt die Prinzipien
der Personenfreizügigkeit nicht infrage», teilt die britische Botschaft in Bern
auf Anfrage der «Nordwestschweiz»
mit. KOMMENTAR OBEN, SEITE 43
544923
MITTWOCH, 22. OKTOBER 2014
REGION
25
www.bzbasel.ch
www.basellandschaftlichezeitung.ch
BASEL-STADT, BASELLAND, SCHWARZBUBENLAND
Umweltschützer: IWB trickst beim Wasser
Trinkwasser Die Industriellen Werke würden bei Schadstoffen nicht genau hinschauen – mit dem Segen der Behörden
VON BENJAMIN WIELAND
Über 230 000 Menschen in der Region Basel trinken jeden Tag das Wasser der
Hardwasser AG. Es wird in die Netze der
Industriellen Werke Basel (IWB) und vieler Agglomerationsgemeinden gespeist.
Darüber, wie sauber das Wasser ist, wird
heftig gestritten – wieder einmal.
Die Allianz Deponien Muttenz (ADM)
wirft der Hardwasser AG und der IWB
«Trickserei» vor. In einer gestern verschickten Medienmitteilung heisst es,
Hardwasser und IWB würden bei Verunreinigungen nicht mehr genau genug hinsehen – und könnten diese somit auch
nicht mehr feststellen.
Die Schadstoffe würden bei den Messungen also «zum Verschwinden» gebracht, und das mit dem behördlichen Segen der kantonalen Laboratorien BaselStadt und Baselland.
Zeitpunkt nicht zufällig gewählt
Das ist starker Tobak an die Adressen von
Hardwasser und IWB. Den Zeitpunkt für die
Anschuldigungen hat die Allianz kaum zufällig gewählt: Morgen Abend stimmt die
Muttenzer Gemeindeversammlung darüber, ob sich Muttenz an der Sanierung der
Chemiemüll-Deponie Feldreben – sie steht
als Hauptquelle der Verunreinigungen im
Verdacht – beteiligt oder nicht. Zwar soll die
Gemeinde lediglich eine Million an die geschätzten Gesamtkosten in der Höhe von
176 Millionen Franken beisteuern – bei einem Nein würde jedoch die gesamte Vereinbarung hinfällig; ebenso die spätere Abstimmung in Basel-Stadt. Kurz: Das Projekt
wäre für Jahre vom Tisch.
Das wiederum käme der ADM recht:
Die Allianz betrachtet die vorgeschlagene
Feldreben-Sanierung als Billig-Variante.
Aus ihrer Sicht würde zu wenig Erde abgetragen – sie setzt sich für eine Totalsanierung ein. Nur so könne verhindert
werden, dass weiterhin Schadstoffe ins
Trinkwasser gelangen können.
Spuren von Chlor im Wasser
Die Allianz bestreitet, dass sie mit den
gestern publizierten Vorwürfen die Abstimmung in Muttenz beeinflussen wolle.
Die ADM erhält die Trinkwasser-Daten
von der IWB zur Verfügung gestellt. «Wir
brauchten eine gewisse Zeit», sagt ADMExperte Martin Forter, «die Daten seriös
auszuwerten.» Im Verlauf der Untersuchungen sei dann festgestellt worden,
dass die IWB/Hardwasser AG bestimmte
Stoffe plötzlich nicht mehr ausweise.
Aus dem Hardwald stammt ein grosser Teil des Trinkwassers der Region. Es würde zu wenig genau kontrolliert, sagt die Allianz Deponien Muttenz.
Als Beispiel nennt ADM einen Stoff namens Hexachlorbutadien. Das ist eine
farblose Chlorverbindung, die als gefährlich eingestuft wird. Greenpeace fand diesen Stoff und andere 2006 im «Basler»
Trinkwasser – und mutmasste, sie stammten aus den Muttenzer Chemiemüll-Deponien, die nicht unweit der Muttenzer
Hard liegen, wo die Hardwasser AG ihr
Trinkwasser anreichert.
IWB-Mediensprecher Erik Rummer
sagt, die IWB und die Hardwasser AG hätten ihre Analytik nicht heruntergefahren,
sondern sogar ausgebaut. Der ADM sei bei
ihrer Beobachtung offenbar ein «Fehlschluss» unterlaufen: Die IWB habe den
Verantwortlichen von ADM erstmals in
diesem Sommer die Auswertedaten von
systematischen Testverfahren, sogenannten GC/MS Screenings, zur Verfügung gestellt. «Diese sind verifiziert, also um zu
INSERAT
grosse Unsicherheitsfaktoren bereinigt,
um Fehlinterpretationen zu vermeiden»,
sagt Rummer. Es wurden folglich weiterhin alle Schadstoffe gemessen, sie seien
einfach nicht mehr Teil des Datenpakets,
das der ADM zugestellt werde.
Die IWB hat jedoch bereits auf die Vorwürfe der ADM reagiert. In Zukunft solle
bei den Screenings die Genauigkeit verbessert werden – doch auch das geht der
ADM zu wenig weit.
Regierungsrat warnt Muttenz
Nicht nur die ADM, auch der Kanton beeinflusst die morgige Abstimmung in Muttenz. Er publizierte erste Zwischenresultate zu einer Untersuchung der Trinkwasserqualität der Hardwasser AG am vergangenen Freitag – also ausgerechnet sechs
Tage vor der Gemeindeversammlung. Die
Resultate hätten gezeigt, teilte die Basel-
SANIERUNG FELDREBEN
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Pharma trägt den
Löwenanteil
Den Löwenanteil der vermuteten Kosten in der Höhe von
172 Millionen Franken an der
Sanierung der Deponie Feldreben tragen mit über 52 Prozent Novartis, Syngenta und
BASF. Die Kantone Baselland
und Basel-Stadt folgen mit
35 % respektive 4,2 %. Muttenz bezahlt pauschal eine
Million – für den Rest kommt
ein von den Pharmafirmen gespeister Härte-Fonds auf.
bieter Bau- und Umweltschutzdirektion
mit, dass das Wasser eine sehr gute Qualität vorweise. Ebenfalls vergangene Woche
warnte Regierungsrat Thomas Weber die
Muttenzer vor einer Ablehnung. Bei einem Nein, sagte er in einem Interview der
bz, verlöre die Gemeinde bei zukünftigen
Projekten ihr Mitspracherecht. Und nicht
zuletzt würde ein Nein aus Muttenz die
Abstimmung in Basel obsolet machen.
Denn auch der Basler Grosse Rat muss
noch über die Kostenbeteiligung des
Stadtkantons in der Höhe von 4,4 Millionen Franken entscheiden.
In Muttenz selbst sind die Meinungen
nicht gemacht. Die Gemeindekommission
empfiehlt die Vorlage zwar mit 9 Ja gegenüber 7 Nein zur Annahme, die fünf Enthaltungen zeugen jedoch von einer
schwelenden Unzufriedenheit.
WEITERE BEITRÄGE SEITE 31
INSERAT
Geschafft! Die gekenterte «Merlin» ist
seit gestern Nachmittag aufgerichtet.
Somit ist die schwierigste Etappe der
Bergung abgeschlossen. Nach der finalen Drehung muss
nun das Wasser aus
dem Laderaum gepumpt werden. Die
weiteren Arbeiten
können vom Quai
(Bermenweg) beobachtet werden. Die
«Merlin» setzt ihre –
vielleicht letzte – Reise mit dem Abtransport in den nächsten
Tagen fort.
FOTO: MARTIN TÖNGI
KEYSTONE
BASEL | BASELLANDSCHAFTLICHE
MITTWOCH, 22. OKTOBER 2014
BASELLAND 31
Grosse Diskussion um kleinste Mengen
Trinkwasserqualität Die bz zeigt, worüber die Experten bei den Giftstoffanalysen streiten
VON DANIEL HALLER
Vor der Gemeindeversammlung in
Muttenz, bei der die Sanierung der Deponie Feldreben im Zentrum steht, gehen die Wogen in der Trinkwasserdiskussion hoch: Letzten Donnerstag publizierte die Bau- und Umweltschutzdirektion Zwischenergebnisse aus dem
Projekt «Regionale Wasserversorgung
Baselland 21». Tenor: Die Analysen des
ETH-Instituts Eawag hätten ergeben,
die Trinkwasserqualität der Hardwasser AG sei sehr gut.
Gestern nun warf die «Allianz Deponien Muttenz» (ADM) der IWB und der
Hardwasser AG vor, die Probleme
durch Verschiebung der Analyse-Grenzen zu vertuschen (siehe Seite 25).
1
Welche Analysemethoden für
Wasser gibt es?
Grundsätzlich kann man Wasser auf
zwei Arten untersuchen:
■ Screening: Man schaut nach, ob da
etwas ist. Das Analysegerät (GasChromatograf/ Massenspektrometer,
GC/MS) zeigt auf dem Bildschirm gewisse Peaks. Daraus kann man vermuten, was es ist. Zur Menge kann
man aber nichts Genaues sagen.
■ Target-Analyse: Man weiss genau,
welche Stoffe man sucht. Dabei bestimmt man deren Konzentration im
Wasser genau.
2
Was wirft die ADM der IWB und
der Hardwasser AG vor?
«Seit dem Greenpeace-Nachweis von
Schadstoffen im Trinkwasser haben die
IWB/Hardwasser AG ihre Analytik bei
den GC/MS-Screenings runtergefahren.
Diese
Trinkwasser-Untersuchungen
sind heute so unsensibel, dass der neue
5
Was sagen die IWB zur Kritik der
ADM?
IWB-Sprecher Erik Rummer betont,
dass jedermann die Trinkwasserqualität inklusive der Einzelstoffanalysen für
die Chlorbutadiene auf der IWB-Website abrufen kann.*) Das Hexachlorbutadien ist mit unter 17 Nanogramm pro
Liter verzeichnet. Der vom Bund definierte Toleranzwert für krebserregende und potenziell genverändernde Stoffe beträgt 100 Nanogramm pro Liter.
Die ADM habe von der IWB Screening-Resultate erhalten. Doch seien die
mit GC/MS möglichen Ergebnisse unterhalb der 100 Nanogramm-Grenze
ungenau: «Man sieht, dass da ein Peak
ist. Aber man kann oft nur mit einer
Genauigkeit von 50 Prozent sagen, um
was es sich handelt. Das heisst: Es ist
ebenso wahrscheinlich, dass man den
Stoff richtig erkennt wie dass man sich
täuscht.» Solch unsichere Resultate zu
Stoffen, die in einer tiefen Konzentration vorliegen, publiziere die IWB nicht,
sondern überprüfe sie «risikobasiert»
intern. Dass die IWB der ADM nur Resultate über 100 Nanogramm pro Liter
gab, bedeute nicht, dass alles, was darunter liegt, vom Radar verschwinde.
Grenzwert des Bundes gar nicht kontrolliert werden kann», heisst es in der
Pressemitteilung. Mit anderen Worten:
«Die IWB und die Hardwasser AG haben als Lebensmittellieferant die Qualität ihres Produkts nicht unter Kontrolle», betont Altlastexperte Martin Forter
im Namen der ADM. Hätte man auch
2006, als man das krebserregende Hexachlorbutadien im Trinkwasser feststellte, die Werte unter 100 Nanogramm pro Liter ausgeblendet, dann
wäre kein Aktivkohlefilter eingebaut
worden. Indem man die Mengen unter
100 Nanogramm pro Liter «abschneidet», sei der Grenzwert von 100 Nanogramm nicht effizient kontrollierbar.
3
Was hat der Kanton durch die
Eawag untersuchen lassen?
Im Hardwald wird Rheinwasser in
Trinkwasser umgewandelt, indem man
es zuerst filtert und dann ins Grundwasser versickern lässt. Dann pumpt
man es aus Brunnen wieder an die
Oberfläche und lässt es durch den Aktivkohlefilter laufen. Diese letzte Stufe
soll die unerwünschten Chemikalien
entfernen. «Die Eawag hat am Beispiel
von 540 aus der Zivilisation stammenden Stoffen untersucht, wie gut die Reinigung funktioniert», erklärt der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk.
Die Eawag hat also gezielt die Menge
von Hunderten von Indikatorstoffen
vor und nach den Reinigungsstufen gemessen. «Darunter sind auch gesundheitlich unbedenkliche Substanzen wie
der Süssstoff Cyclamat, der schwer abbaubar ist», berichtet Wenk. Die Eawag
hat also nicht nach unbekannten gefährlichen Stoffen gesucht, sondern die
Qualität des Aufbereitungsprozesses
überprüft.
6
Wie weit haben Zivilisation und Chemiemüll die Brunnen vergiftet, aus denen über
WALTER SCHWAGER
200 000 Menschen trinken?
4
Was kritisiert der Kantons-Chemiker an der Kritik der ADM?
Die ADM vermische das Screening – also die Suche nach unbekannten Stoffen
– mit der exakten Überwachung der be-
kannten giftigen Stoffe. «Sowohl die
Hardwasser AG und die IWB als auch
das Kantonslabor überprüfen regelmässig die Konzentration bekannter
Problemstoffe im Trinkwasser.»
Kann man das Wasser trinken?
«Die Toleranzwerte wurden vom
Bund so festgelegt, dass auf 1 Million
Menschen höchstens ein zusätzlicher
Fall von Krebs auftreten darf», erklärt
Wenk. Zudem sei das Wasser gerade
wegen der Altlasten in der Region das
am intensivsten untersuchte der
Schweiz. Die Toleranzwerte würden
deutlich unterschritten.
*) http://iwb.ch/media/Wasser/Dokumente/trinkwasserqualitaet_2013.pdf
GASTKOMMENTAR über die Chemiemülldeponie Feldreben
Unser Trinkwasser richtig schützen
I
m Interview vom letzten Mittwoch sprach Regierungsrat Thomas Weber von schwerwiegenden Folgen, falls die Gemeindeversammlung Muttenz den Kooperationsvertrag zur Deponie Feldreben ablehnt. Dies würde die
«Sanierung um Jahre zurückwerfen»
und «Mehrkosten für die öffentliche
Hand» bedeuten.
würden, ist unser Trinkwasser weiterhin in Gefahr.
Die Gemeinde Muttenz hat schon in
den 1940er- und 1950er-Jahren gegen
die Ablagerung von stinkendem und
hochgiftigem Chemiemüll in die Feldrebengrube opponiert. Dies geht sogar
aus industrie-internen, historischen
Zudem bliebe das Feldrebenareal «für
Jahrzehnte in seiner Weiterentwicklung
blockiert». Als besorgter Muttenzer
INSERAT
Hansueli Recher
Der Autor ist Muttenzer
Einwohner, Mitbegründer
der Interessengemeinschaft
Deponie Feldreben richtig
aufräumen (IGDFRA) und
ehemaliges Mitglied der Gemeindekommission.
«Die Teilsanierung löst das
Problem der Deponie Feldreben
nicht.»
Einwohner und Mitglied der Interessengemeinschaft Deponie Feldreben
(IGDFRA) kann ich die Aussagen von
Regierungsrat Weber nicht unwidersprochen stehen lassen: Im Jahr 2006
habe ich aus Sorge zum Muttenzer
Trinkwasser zwei Anträge an der Gemeindeversammlung eingereicht, welche mit grossem Mehr angenommen
wurden. Die Anträge führten dazu,
dass Muttenz heute eine zeitgemässe,
mehrstufige Trinkwasseraufbereitungsanlage errichtet, welche die Gemeinde
17 Millionen Franken kosten wird.
Dokumenten hervor, die uns vorliegen. 1955 etwa hat die Baudirektion
des Kantons Baselland «ausdrücklich
auf die Verantwortung der Ablagerer
für den Fall der Verunreinigung des
Grundwassers aufmerksam gemacht»,
steht etwa in einem unveröffentlichten
Sandoz-Dokument vom 10. Januar
1955. Nun wollen aber die Nachfolgefirmen nicht mehr wirklich bezahlen.
Auch wenn die Menge des Chemiemülls in der Feldrebengrube geringer
ist als in Bonfol, so ist genau dieser
Chemiemüll das Problem. Gemäss Regierungsrat Weber sollen aber die Novartis, BASF und Syngenta möglichst
ungeschoren davonkommen: Etwa
70 Prozent der Kosten dieser Teilsanierung, die das Problem des Giftmülls
nicht löst, sollen die öffentliche Hand
bezahlen.
Jetzt soll die Gemeinde noch zusätzlich
eine weitere Million an eine Teilsanierung bezahlen. Die Teilsanierung aber
löst das Problem der Deponie Feldreben nicht. Im Gegenteil: Da 80 Prozent
des Chemiemülls im Boden bleiben
Regierungsrat Weber schürt Angst und
meint, dass uns eine Ablehnung «für
Jahre zurückwerfen» würde. Das Gegenteil ist der Fall. Seit mehr als 10 Jahren werden Untersuchungen durchgeführt. Als Resultat schlägt der Kanton
✒
zusammen mit der Industrie einen teuren Unsinn vor. Wir wollen, dass richtig aufgeräumt wird, um unser Trinkwasser wirklich zu schützen. Alles andere ist Augenwischerei.
Zudem: Nach einer Teilsanierung kann
nur ein kleiner Teil der gesamten Feldrebengrube bedenkenlos bebaut werden. Der grösste Teil des Muttenzer
Deponieareals bleibt verseucht und im
Altlastenkataster eingetragen: Somit
wird eine vernünftige bauliche Entwicklung im Bereich des Polyfelds blockiert. Bei späteren Bauvorhaben werden dannzumal exorbitante Kosten für
weitere Sanierungen auf uns zurückfallen. Deshalb lehne ich diesen Kooperationsvertrag dezidiert ab und
verlange eine sofortige, sichere und
vollständige Sanierung – damit wir
auch in Zukunft sicheres Trinkwasser
haben.
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