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BK-Heft 2014-03 - Baukammer Berlin

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3/2014
A 50239
BAUKAMMER
BERLIN
Nachrichten für die im Bauwesen tätigen Ingenieure
Das Neue Museum Berlin
© Staatliche Museen zu Berlin,
Achim Kleuker
jetzt Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst
Einzelverkaufspreis € 20,00
C
Energetische Sanierung und Wirtschaftlichkeit? - Der EnEV neue Kleider Seite 28
Archiv Flughafengebäude Tempelhof Seite 11
Das Berliner Stadtwerk – ein Projekt mit Zukunft Seite 27
Die Verwandlung der Siedlung „Am Steinberg“ Seite 62
Hinweise zur Energieausweispflicht Seite 72
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Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:11 Uhr
Seite 1
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Baukammer Berlin
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gutsmuthsstraße 24,
12163 Berlin-Steglitz
Telefon: (030) 79 74 43-0,
Fax: (030) 79 74 43-29
E-Mail: info@baukammerberlin.de
http://www.baukammerberlin.de
Bankverbindungen:
Berliner Volksbank
BIC: BEVODEBB
IBAN: DE95 1009 0000 8844 5560 05
Postbank Berlin,
BIC: PBNKDEFF
IBAN: DE78 1001 0010 0457 8081 08
Redaktion:
Dipl.-Ing. Hans Joachim Wanderer †,
Dipl.-Ing. Joachim Wanjura,
Dr. jur. Peter Traichel,
Corinna Fuhrmann
Namentlich gekennzeichnete
Veröffentlichungen geben nicht unbedingt
die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor,
Leserzuschriften zu kürzen.
Verantwortlich für die ehrenamtliche
Schriftführung:
Dipl.-Ing. Joachim Wanjura,
Chefredakteur
Verlag und Anzeigenabteilung:
CB-Verlag Carl Boldt
Baseler Str. 80,
12205 Berlin
Postfach 45 02 07, 12172 Berlin
Telefon (030) 833 70 87,
Fax (030) 833 91 25
E-Mail: cb-verlag@t-online.de
Anzeigenleitung:
Peter Gesellius
Telefon (030) 833 70 87,
Fax (030) 833 91 25
E-Mail: cb-verlag@t-online.de
www.cb-verlag.de
Anzeigen:
Es gilt Anzeigenpreisliste
Nr. 12 vom 1.10.2011
Technische Herstellung:
Globus-Druck GmbH & Co. Print KG
E-Mail: globus-druck@t-online.de
Drucklegung:
22. September 2014
Redaktionsschluß
für die nächste Ausgabe:
24. November 2014
Inhalt:
Bericht des Präsidenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3
Titelthema
Neues Museum Berlin
jetzt Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst . . . . . . . . . . . . . . . .
9
Baugeschehen / Stadtentwicklung
Archiv Flughafengebäude Tempelhof –
eine vorläufige Bestandsaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wasserversorgungskonzept bis zum Jahr 2040 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ampelfrauen für Berlin? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zustimmungspflicht der Berliner Feuerwehr bei Bauvorhaben –
Genehmigungsverfahren beschleunigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Koordinierung von Bauvorhaben in Steglitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Erweiterung Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Berlin-Mitte . . . . . . . . . . . . . . .
Das Berliner Stadtwerk – ein Projekt mit Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Energetische Sanierung und Wirtschaftlichkeit? Der EnEV neue Kleider . . .
Verlängerung der U-Bahnlinie U5 in Berlin:
Besondere Herausforderungen an den Tunnel- und Spezialtiefbau
unter komplexen geotechnischen Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Grundlagen zu den spezifische Gefährdungen bei Arbeiten in Druckluft . . .
Metallgestaltung versteht sich als Wechselspiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
BMVI: Augenmerk auf digitale Planungsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
11
21
22
22
23
24
27
28
30
36
41
42
Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Aus dem Wettbewerbsausschuss der Baukammer Berlin . . . . . . . . . . . . . .
Wichtige Änderung in der Beitragsordnung der Baukammer Berlin
vom 25.06.2014 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
„Sauschwänzlebahn“ ist Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst
Auszeichnung des Deutschen Stahlbaues 2014 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
TU München stellt auf Englisch um . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Auswirkungen der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts
auf die Rentenversicherungspflicht von Freiberuflern . . . . . . . . . . . . . . . . .
Baukammer-Preis 2013
Wämebrücken - Studie zur praxisgerechten Anwendung
des Beiblatts 2 der DIN 4108 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Variantenuntersuchung für einen Ersatzneubau der Eisenbahnüberführung
Reichenhainer Straße im Zuge des Ausbaus der Strecke 6258 DresdenBogendreieck Werdau inklusive statischer Berechnung . . . . . . . . . . . . . . .
Weiterbildungsverantaltungen der Baukammer Berlin
– Winterhalbjahr 2014/2015 – . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
44
46
47
50
50
51
52
54
56
Denkmalschutz
Die Verwandlung der Siedlung 'Am Steinberg' . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bodenwerte im Postkommunismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
62
64
Recht
Merkblatt 08 Hinweise zur Energieausweispflicht Stand: Juni 2014 . . . . . .
Merkblatt 09 Vergütung der Leistungen entsprechend der EnEV 2014
Stand: Juni 2014 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Neuauflagen und Neuerscheinungen in der AHO-Schriftenreihe . . . . . . . . .
Haftungsrecht der Ingenieure und Architekten im Fokus des
5. Deutschen Baugerichtstags . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Pflichtangaben auf Rechnungen
74
75
Stellenmarkt
76
............................................
Produktinformationen
..................................
72
73
73
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Baukammer Berlin 3/2014 |
1
Bau 3-14 Umbruch 2
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Autoren dieser Ausgabe
Autoren dieser Ausgabe
Dipl.-Ing. Jörg Simon
Vorstandsvorsitzender
der Berliner Wasserbetriebe
Dipl.-Ing. Michael Aldinger
BG Bau Prävention
Rechtsanwalt Karl Heinz Güntzer
Justitiar bauforumstahl e.V.
Dipl.-Ing. Thomas Blau
Sachverständiger für
Bauwerkserhaltung
Dr.-Ing. Jens Karstedt
Beratender Ingenieur
Präsident der Baukammer Berlin
Aliénor Dahmen
Preisträger Baukammerpreis
Philipp-Benjamin Kroll
Preisträger Baukammerpreis
Dr.-Ing. Roman Wahlen
Amberg Engineering AG
Dipl.-Ing. Architekt Karim El Ansari
Architekturbüro El Ansari
Arne Kuczmera
Berliner Wasserbetriebe
Dipl.-Ing. Paul Erdmann
Amberg Engineering AG
Dipl.-Ing. Marion Pristl
Vorsitzende des Wettbewerbsausschusses der Baukammer Berlin
Dipl.-Ing. M.Sc. Wilfried Wolff
Vorsitzender des Ausschusses
Denkmalschutz und -pflege der
Baukammer Berlin
Dr.-Ing. M.Sc. Ralf Gastmeyer
Krebs und Kiefer Beratende Ingenieure
Dipl.-Ing. Architekt Ulrich Springer
ö.b.u.v. Sachverständiger
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Bericht des Präsidenten
Bericht des Präsidenten
Mit der für die Baukammer Berlin neuen
Aufgabe der Anerkennung ausländischer
Studienabschlüsse nach dem Ingenieurgesetz steht nun auch eine Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für
Arbeit, Integration und Frauen für die
Baukammer auf dem Programm. Die
Senatsverwaltung ist nämlich als sog.
„IQ Netzwerk“, d. h. zentrale Erstanlaufstelle für Ausländer, der Baukammer vorgeschaltet. Unter dem 17.06.2014 fand
auf Einladung der Senatsverwaltung eine
Podiumsdiskussion „Anerkennungsverfahren im landesrechtlich geregelten
Berufen“ in Berlin-Neukölln statt, auf der
die Baukammer Gelegenheit hatte, ihre
Praxis der Anerkennungsverfahren zu
erläutern (siehe Bilder unten).
Fazit: Mehrere hundert Antragsteller aus
den unterschiedlichsten Herkunftsländern (vgl. unten stehende Grafik) durchliefen bisher das Anerkennungsverfah-
Foto: C. Vagt
Dr.-Ing. Jens Karstedt
ren, das der Baukammer gemäß Ingenieurgesetz übertragen ist und welches
mit Hilfe der Kultusministerkonferenz/
Zentralstelle für die Anerkennung von
Berufsqualifikationen als Gutachterstelle
in Bonn und dem Bildungsausschuss der
Baukammer Berlin durchgeführt wird.
Wie auch immer man eine glaubwürdige
Überprüfbarkeit der Gleichwertigkeit
ausländischer Studienabschlüsse beurteilen mag – letztlich wird der Markt über
die Qualität der als gleichwertig Anerkannten entscheiden.
Mit Datum vom 01.08.2014 haben wir
den Referentenentwurf zur Novelle der
Bauordnung erhalten und sollen bis zum
17.10.2014 Stellung nehmen. Für den
02.10.2014 ist noch eine zusätzliche Verbändeanhörung zu den Schwerpunktthemen vorgesehen. Ziel der Novelle ist
im Wesentlichen die Anpassung an die
MBO 2012 und die weitgehende Annäherung an die Brandenburgische Bauordnung. Die bisherige Planung sieht ein
Inkrafttreten zum 01.01.2016 vor.
Es freut mich, aus dem Sachverständigenausschuss mitzuteilen, dass am 28.
August 2014 folgendes Mitglied durch
die Baukammer Berlin als Sachverstän-
Bei der Baukammer gestellte Anträge zur Genehmigung zum Führen der
Berufsbezeichnung "Ingenieur" gem. Ingenieurgesetz seit 25.07.2011
Stand: 1. August 2014
Marion Engling, Dr. Peter Traichel
Geschäftsstelle Baukammer Berlin
© IQ Netzwerk Berlin/Fotograf: Peter Himsel
Sonstige: (hier wurden bisher jeweils ein bzw. zwei Anträge pro Land gestellt)
Albanien, Algerien Argentinien, Aserbeidschan Äthiopien Chile, Großbritannien,
Irak, Kasachstan, Kirgistan, Kolumbien, Kroatien, Lettland, Libanon, Litauen,
Mexiko, Moldawien, Nigeria, Panama, Portugal, Somalia, Südafrika,
Tschechische Republik, Ungarn, Vietnam, Weißrussland
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Bericht des Präsidenten
diger öffentlich bestellt und vereidigt
werden konnte:
Dipl.-Ing. Michael Hentrich
Beratender Ingenieur
Hentrich Engineering UG
(haftungsbeschr.)
Otto-Erich-Str. 9 A, 14109 Berlin
Tel.: (030) 78 71 52 54,
Fax: (030) 78 71 52 53
E-Mail:
hentrich@hentrich-engineering.de
www.hentrich-engineering.de
Sachgebiet: Rohrvortrieb
Die folgenden öffentlich bestellten und
vereidigten Sachverständigen wurden
für weitere fünf Jahre wiederbestellt:
Dipl.-Ing. Michael Hentrich
Dipl.-Ing. (FH) Chistoph Bukowski
Dipl.-Ing. Ulrich Drechsler
Brandschutzbüro f. M. TÜV Nord
Buchenallee 4, 16341 Panketal
Tel.: (030) 94 41 47 01,
Fax: (030) 94 41 47 01
E-Mail: info@brandsicherheit.de
www.brandsicherheit.de
Sachgebiet:
Vorbeugender Brandschutz
Dipl.-Ing. Bernd Gützlaf
Beratender Ingenieur
IBG Ingenieurbüro Bernd Gützlaf
Dorfstr. 21 C, 12621Berlin
Tel.: (030) 30 81 22 05,
Fax: (030) 30 81 22 06
E-Mail: guetzlaf@t-online.de
Sachgebiet: Pflasterdecken,
Plattenbeläge und Einfassungen
Dr.-Ing. Klaus Schulte
geo-ingberlin Ingenieurgesellschaft mbH
Geotechnik, Tunnelbau und
Umwelttechnik
Wrangelstr. 11 – 12, 12165 Berlin
Tel.: (030) 69 56 60 60,
Fax: (030) 695 66 06 29
E-Mail: k.schulte@geo-ingberlin.com
www.geo-ingberlin.com
Sachgebiet:
Grundbau, Rohrleitungsbau
Außerdem konnten weitere
Prüfsachverständige für energetische
Gebäudeplanung anerkannt werden:
Dipl.-Ing. (FH) Christoph Bukowski
HEG Beratende Ingenieure Berlin GmbH
Köpenicker Str. 48-49 G, 10179 Berlin
Tel.: (030) 278 78 9-0/31,
Fax: (030) 27 87 89 60
E-Mail: hegb@ingenieure-heg.de
www.ingenieure-heg.de
v.l.n.r.: Dr. Peter Traichel, Dr.-Ing. Hans Scholz (Vorstandsmitglied), Dipl.-Ing. Michael
Hentrich, Dipl.-Ing. Markus Wolfsdorf (Vorsitzender Ausschuss Energie und Umwelt), Dr.Ing. Jens Karstedt (Präsident der Baukammer Berlin), Dipl.-Ing. (FH) Christoph Bukowski,
Dipl.-Ing. Jan Kröger, Dipl.-Ing. Michael Krätschell (Ausschuss Prüfsachverständige) und
Dipl.-Ing. Manfred Wunderlich (stellv. Vorsitzender Sachverständigenausschuss)
Zukunftsplanung. Mit Sicherheit!
Wer das Erscheinungsbild unserer Städte plant und realisiert
benötigt Freiraum und die Unterstützung zuverlässiger Partner.
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4 | Baukammer Berlin 3/2014
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Dipl.-Ing. Jan Kröger
Beratender Ingenieur
Syrius
Ingenieur/-innengemeinschaft GmbH
Palisadenstr. 49, 10243 Berlin
Tel.: (030) 61 39 51 22,
Bau 3-14 Umbruch 2
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Bericht des Präsidenten
zu verhindern. Gebt den Ingenieuren
endlich tauglichere Gesetze, damit dem
ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden kann! Wenn „das Kind erst in den
Brunnen gefallen“ ist, ist der Schaden,
auch der Reputationsschaden, nur
schwer zu beheben.
Dipl.-Ing. Jan Kröger
Sehr positiv ist unsere gute langjährige
Kooperation mit der Architektenkammer
Berlin, bei der wir am 30.06. zu einer
gemeinsamen Sitzung eingeladen waren.
Bei der Anerkennung der Prüfsachverständigen für energetische Gebäudeplanung, der Fort- und Weiterbildung, der
Fassung unseres gemeinsamen Gesetzes,
Fotos: © Kirsten Ostmann
Fortsetzung auf Seite 8
Fax: (030) 61 39 51 51
E-Mail: j.kroeger@syrius-planung.de
www.syrius-planung.de
Dr.-Ing. Alexander Liebrecht
WISSBAU
Beratende Ingenieurgesellschaft
Undinestr. 43, 12203 Berlin
Tel.: (030) 83 20 32 05,
Fax: (030) 83 20 32 06
E-Mail: liebrecht@wissbau.de
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Der BDB-Landesverband Berlin war
Gastgeber seines alljährlichen Sommerfestes am 18.06.2014, zu dem neben den
bekannten Honoratioren aus den Kammern und Verbänden auch Bausenator
Müller und der Vorsitzende der Bundesstiftung Baukultur Reiner Nagel ihre Aufwartung machten.
v.l.n.r.: Dipl.-Ing. Architektin Christine
Edmaier (Präsidentin der Architektenkammer Berlin), Dipl.-Ing. Peter Klein (Vorstand
BDB-LV Berlin und Baukammer Berlin) und
Dipl.-Ing. Architektin Anja Beecken (Vorstand BDB-LV Berlin)
Am 25.06. musste die weltweite Öffentlichkeit mit Erstaunen wahrnehmen, dass
der Flughafen BER mit einer weiteren
Besonderheit verblüffen konnte: Ein falscher Bauingenieur wurde „entlarvt“, nach
erheblichem Presserummel vom Auftraggeber gekündigt und von der Baukammer
nach dem Ingenieurgesetz pflichtgemäß
mit einem Bußgeld belegt. Die untenstehende Presseerklärung erübrigt mir, den
Fall weiter zu kommentieren.
Nur eins sei noch gesagt: Für mich wird
an diesem Beispiel deutlich, wie sehr
Berufskammern notwendig sind, wie
wichtig der Zunftgedanke, eine sog.
„Compliance“ ist, um derartige Scharlatanerie zum Nachteil der Allgemeinheit
v.l.n.r.: Reiner Nagel (Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur), Dipl.-Ing.
Architekt Peter Grosch (Vorstand Architektenkammer Berlin und BDB-LV Berlin),
Dipl.-Ing. Architektin Anja Beecken, Senator Michael Müller, Dr.-Ing. Jens Karstedt
und Dipl.-Ing. Peter Klein
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Bericht des Präsidenten
Empfang für die ehrenamtlich Tätigen und Freunde der Baukammer Berlin
am 4. Juli 2014 in der Humboldt-Box
(Fotos: Christian Vagt)
Dr.-Ing. Jens Karstedt
(Präsident der
Baukammer Berlin)
Prof. Dipl.-Ing.
Günter Hanschke
(Sprecher der FG 6)
mit Ehefrau
Dipl.-Ing. Volker Heerwagen und
Dipl.-Ing. Günter Schlack
Präsident des Bundes-BDB Dipl.Ing. Architekt Hans Georg
Wagner mit Vizepräsident der
Baukammer Dipl.-Ing. Werner
Nissen
Dipl.-Ing. Günter Schlack und
Vizepräsident Dipl.-Ing. Joachim Wanjura
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Bericht des Präsidenten
Blick aus der Humboldt-Box:
Unter den Linden
Fotos: © Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Möhle
Schloßbaustelle
Impressionen
von den
Humboldt-Terrassen
Dr.-Ing. Jens Karstedt mit
Ehefrau sowie
Dr. Corinna Peschke (links)
und Rechtsanwältin
Julia Bunzel (rechts)
Univ. Prof.
Dr.-Ing.
Werner Lorenz
(BTU Cottbus)
Dr.-Ing. Jens Karstedt
mit
Prof. Dr.-Ing. Stefan
Heimann (links, Beuth
Hochschule für Technik
Berlin) und Prof. Dr.-Ing.
Andreas Fischer (rechts,
Beuth Hochschule für
Technik Berlin)
v.l.n.r.: Dipl.-Ing. Matthias Krebs (Präsident der
Brandenburgischen Ingenieurkammer), Dipl.Ing. Hans Georg Wagner (Präsident des
Bundes-BDB) und Dipl.-Volksw. Herbert
Barton (HGF des Bundes-BDB)
v.l.n.r.: Angelika Wagner, Marion Engling,
Karin Tortschanoff und Monique Münzberg
(Geschäftsstelle der Baukammer Berlin)
Vorstandsmitglied
Dipl.-Ing.
Peter Klein und
Dipl.-Ing.
Lutz Bölk
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Seite 8
Bericht des Präsidenten
Baukammer Berlin
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gutsmuthsstraße 24
D- 12163 Berlin (Steglitz)
Tel.: (030) 79 74 43 - 15
Fax: (030) 79 74 43 - 29
Pressemitteilung der Baukammer Berlin
25. Juni 2014
BER: Ohne Berufsausübungsrecht für Ingenieure keine Bausicherheit !
Solange wirklich jeder Mann oder jede Frau in Deutschland ganz legal
Ingenieurleistungen erbringen darf, solange soll sich bitte keiner wundern, wenn Laien oder unzureichend Ausgebildete hochkomplexe
Ingenieurleistungen anbieten. Und das hat nicht notwendig etwas mit
Betrug zu tun. Die Verwunderung und Empörung, die jetzt gezeigt wird,
ist scheinheilig.
Die Ingenieurkammern als berufsständische Vertretung, als Berufsaufsicht predigen und warnen seit vielen Jahren, dass es notwendiger
gesetzlicher Grundlage bedarf, um in der zunehmend komplexen
Welt des Bauens Selbstverständlichkeiten im Berufsrecht der Ingenieure endlich umzusetzen. Standsicherheit und Brandschutz dürfen nicht
Laien überantwortet werden. Bei Ärzten, bei Rechtsanwälten ist es
selbstverständlich, dass ärztliche oder rechtsberatende Dienstleistungen nur und ausschließlich von Berufsträgern erbracht werden dürfen.
Bei Ingenieuren, die, wie jetzt beim BER offenbar wird, hochsicherheitsrelevante Leistungen erbringen, hat es der Gesetzgeber bis heute
nicht vermocht, entsprechende berufsständische Sicherheitsregularien zu verabschieden. – Man fragt sich, warum nicht!
verantwortlich:
Dr. Peter Traichel
Presseinformation
info@baukammerberlin.de
www.baukammerberlin.de
stehenden Bericht Seite 9) fand am selben Tage unser Empfang für die ehrenamtlich in der Baukammer tätigen Mitglieder, Freunde und Unterstützer der
Baukammer in der Humboldt-Box statt.
Alle geladenen Gäste, gut über 100 Personen, sind erschienen und beweisen
mir damit, wie sehr die ehrenamtliche
Arbeit untereinander doch verbindet und
mir war es sehr wichtig, mit dieser Einladung ein kleines Zeichen der Wertschätzung ehrenamtlichen Tuns für die Baukammer zu setzen. Von den vielen Fotos,
die an diesem Abend gemacht wurden,
hat unsere Geschäftsstelle nur ein paar
zur Erinnerung in diesem Heft auf Seite 6
und 7 abdrucken lassen.
Eine der Hauptaufgaben einer Berufskammern ist, auch dafür zu sorgen, dass
ein vernünftiges Fort- und Weiterbildungsangebot für die Mitglieder bereit
steht und sie so ihrer Verpflichtung, sich
beruflich auf dem Laufenden zu halten,
nachkommen können. Die hier veröffentlichte Grafik zeigt erfreulich deutlich,
dass pro Jahr im Durchschnitt 600 bis
700 Personen an den Veranstaltungen
teilnehmen und damit m. E. ein hoher
Zuspruch zu den wirklich preiswerten
Fortbildungsangeboten festzustellen ist.
Ich danke dem Bildungsausschuss, der
für die attraktiven Vorlesungen in der
Baukammer seit vielen Jahren alles tut.
Und weil es an historischen Bauwerken
der Ingenieurkunst in Deutschland mehr
als genug gibt, diese jedoch als solche
erkannt und gewürdigt werden müssen,
wurde am 08.09. in Südbaden am
Bodensee die sog. „Sauschwänzlebahn“
ausgezeichnet. Ich möchte auch hier
nicht vorgreifen und weise auf den Kurzbericht auf Seite 47 in diesem Heft hin.
des ABKG, sowie der Novelle der Bauordnung Berlin ist eine enge Abstimmung
zwischen den beiden Kammern unverzichtbar und gewährleistet.
Das Neue Museum auf der Museumsinsel ist seit dem 04.07.2014 Historisches
Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst
Deutschlands. Anlässlich dieses Ereignisses (ich verweise insofern auf unten
Die einzelnen Ausgaben der Zeitschrift
Baukammer Berlin
finden Sie auch im Internet auf unserer Homepage www.baukammerberlin.de
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Bau 3-14 Umbruch 2
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Titelthema
Neues Museum Berlin
jetzt Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst
Am 4. Juli 2014 ist das Neue Museum auf
der Museumsinsel Berlin von der Bundesingenieurkammer als "Historisches
Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in
Deutschland" ausgezeichnet worden.
Der nichtöffentliche Festakt fand um
11:00 Uhr im Vaterländischen Saal des
Neuen Museums statt. Am Bauwerk wurde eine Ehrentafel enthüllt:
Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der
Bundesingenieurkammer, sagte zur
Begründung der Auszeichnung: „Die
Bedeutung des Neuen Museums als
Ausstellungsort berühmter Sammlungen
ist allgemein bekannt. Mit unserer Auszeichnung wollen wir die in der Öffentlichkeit weniger bekannte bautechnikgeschichtliche Bedeutung des Neuen
Museums würdigen.“
Das Neue Museum wurde von Friedrich
August Stüler (1800-1865) im Auftrag
Friedrich Wilhelms IV. zwischen 1841 und
1859 auf der Berliner Spreeinsel errichtet, die heute allgemein als Museumsinsel bekannt ist. Mit dem Neuen Museum
hat Stüler nicht nur ein spätes Glanzstück des Klassizismus geschaffen.
Zur Realisierung des Bauwerks nutzte
der Schinkelschüler auch eine Vielzahl
damals noch völlig neuartiger Bauwei-
v.l.n.r.: Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, Prof. Dr. Matthias Wemhoff (Museum für Vor- und
Frühgeschichte - Staatliche Museen zu Berlin), Dr.-Ing. Jens Karstedt, Dr. Ralf Nitschke (Leiter der Stabsstelle Bau - Staatliche Museen zu Berlin),
© Christian Vagt
sen. Die ungewöhnlichen Konstruktionen
prägen das Tragwerk ebenso wie den
Ausbau – von guss- und schmiedeeisernen Trägern und Stützen über Leichtbauund Scheingewölbe aus Tontöpfen,
Leichtziegeln oder Drahtputz bis hin zu
innovativen Putzen und einem neuartigen Wasserheizungssystem.
Stüler nutzte die neuen technischen
Möglichkeiten nicht nur im Sinne einer
„dienenden Technik“. Er stellte sich ihnen
auch als einer baukünstlerischen Herausforderung. Neue Konstruktion und
innovatives technisches Detail avancierten zum wesentlichen und sichtbaren
Neues Museum
© Staatliche Museen zu Berlin,
Achim Kleuker
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12:12 Uhr
Seite 10
Titelthema
Frühindustrialisierung über
die faszinierende Konstruktionsgeschichte des Hauses
bis hin zum Umgang mit diesem schwierigen Erbe im
Rahmen des Wiederaufbaus.
Thema seiner Architektur. Im
Ergebnis ist das maßvoll
monumentale, wohlproportionierte Gebäude damit
nicht nur ein Stein gewordenes Programm einer Museumsidee, die Räume, Technik und Dekoration in den
Dialog mit den ausgestellten
Kunstwerken zu setzen
suchte – es ist auch ein
„Theatrum aedificale“, eine
Schaustelle der Bautechnik.
In seiner bedeutendsten
Schöpfung hat der preußische Baumeister damit ein
großartiges Bekenntnis zur
Einheit von Technik und Kultur abgelegt. Konzipiert als
ein
Kompendium
der
Menschheitsgeschichte, macht die
Architektur des Hauses die als Aufstieg
empfundene Geschichte des Menschengeschlechts nahezu physisch erfahrbar –
von den mythologischen Anfängen bis in
die, als Höhepunkt der Entwicklung verstandene Jetztzeit des frühen 19. Jahrhunderts.
Die offensiv zur Schau gestellten historischen Tragwerke und Details des spätklassizistischen Baus vermitteln in diesem Zusammenhang eine zentrale Botschaft: Der technische Fortschritt ist Teil
dieses Menschheitsfortschritts, ganz
selbstverständlich nimmt er in diesem
Gesamtkunstwerk seinen Platz ein.
Bombenkrieg, jahrzehntelange Vernachlässigung und Verfall legten von der Konstruktion des Hauses noch weit mehr frei
als ursprünglich sichtbar gewesen war.
Klarer als je zuvor war das Neue Museum
nun zu einem offenen Buch der Technik,
zu einer „Baukonstruktionslehre“ des
frühen 19. Jahrhunderts geworden.
Das Konzept der „Ergänzenden Wiederherstellung“ nach Plänen David Chipperfields griff die kunstvoll ineinander verwobenen Schichten des Konstruktiven
neu auf; der Wiederaufbau geriet zu
einem differenzierten Diskurs über
Schönheit, Zeit, Vergänglichkeit und Veränderung auch der Technik. Ziel war
nicht die bestmögliche Wiederherstellung des Gewesenen. Vielmehr wurden
die freigelegten „Präparate“ in die neue
Architekturschicht des Wiederaufbaus
eingebunden – „neu hinzugekommene
Zeichen des Konstruktiven als Teil der
Geschichte des Hauses“ (Prof. Lorenz).
In der weiterhin offensiven Auseinandersetzung mit dem Konstruktiven wurde
die Leitlinie der Architektur des
ursprünglichen Bauwerks fortgeschrieben.
Die Broschüre kann im Buchhandel oder
bei der Bundesingenieurkammer zum
Preis von 9.80 Euro zzgl. Versandkosten
bestellt werden.
Im Rahmen der von der Bundesingenieurkammer herausgegebenen Schriftenreihe zu den „Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ erscheint als Band 15 die Broschüre „Das Neue Museum Berlin“.
Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz würdigt darin das in den 1840er Jahren errichtete
Bauwerk als eine „Inkunabel preußischer
Konstruktionskunst im Zeichen der Industrialisierung“. Dabei spannt der renommierte Autor den Bogen vom zeitgeschichtlichen Kontext der preußischen
“Wissensgesellschaft“ im Zeichen von
Biedermeier, Gewerbeförderung und
Honoraransprüche
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
realisieren
RAuN Uwe Seifert
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10 | Baukammer Berlin 3/2014
„Diesem
wundersamen
Gefüge aus verschiedenen
Schichten oft ungewöhnlicher und neuartiger Konstruktionen, die im Wiederaufbau noch eine neue
Dimension der Transparenz
erfahren haben, ist dieses
Buch gewidmet. Es will das
Neue Museum lesen lernen
als das, was es ist – eine
Wunderkammer der Bautechnik.“
(Prof. Lorenz).
Die gesamte Auszeichnungsreihe wird
durch das Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert und unterstützt.
www.wahrzeichen.ingenieurbaukunst.de
www.bingk.de/order-hw
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Archiv Flughafengebäude Tempelhof –
eine vorläufige Bestandsaufnahme
Dipl.-Ing. Thomas Blau
Vorbemerkung
Am 19. Mai 2014
beging die Berliner Flughafen Gesellschaft mbH
(BFG) und damit
auch der Flughafen Berlin-Tempelhof den „90.
Geburtstag“. Das
ist Anlaß für einen
Rückblick auf die
bisher geleistete
Arbeit im „Archiv Flughafengebäude
Tempelhof“. Gleichzeitig soll über die
dabei neu gewonnenen Erkenntnisse
vom Bau und der späteren Nutzung des
Flughafens berichtet werden.
Bei der im Mai 2012 wieder aufgenommenen Sichtung und datentechnischen
Erfassung weiterer Unterlagen des
Bestandes (ca. 1.400 Zeichnungen aus
der Nutzung durch die USAF von 1945 1991 und aus der Nutzung der BFG von
1950–1974 sowie von 35 Aktenordnern
„Diverses“) konnten weitere Erkenntnisse über den Bau und die spätere Nutzung
der Bauwerke gewonnen werden, über
die nachfolgend berichtet wird. Die aufgeführten Fakten sollen den Leser animieren, dem einen oder anderen Sachverhalt nachzugehen und sich so mit
dem ehemaligen Flughafen und der
Geschichte der Luftfahrt in Berlin weiter
auseinanderzusetzen.
Archiv Flughafengebäude Tempelhof
Der vorhandenen Alt-Aktenbestand wurde von der Tempelhof-Projekt Gesellschaft mbH (TP) vom ursprünglichen
Eigentümer übernommen.
Die Akten bestehen hauptsächlich aus
zeichnerischen Unterlagen wie Lageplänen, Entwurfszeichnungen, Gebäudegrundrisse, Gebäudeansichten, Schnitte, Schal- und Bewehrungsplänen der
Eisenbetonkonstruktionen, Konstruktionszeichnungen des Stahlbaues und
Ausschreibungen, Vergabe- und Abrechnungsunterlagen und Unterlagen über
die Baustellenführung in Form von Protokollen der Bauleiter.
Mit der Übernahme der Akten ist für die
Tempelhof Projekt Gesellschaft die Ver-
pflichtung der Pflege und weiteren Archivierung verbunden, damit die interessierten Öffentlichkeit (Bauhistoriker,
Denkmalpfleger, Bauingenieure, die mit
der Sanierung der baulichen Anlagen des
ehemaligen Flughafens befaßt sind,
Museen, Landesarchiv der Stadt usw.)
die Unterlagen nutzen können.
Entsprechend der Bau- und Nutzungsphasen wird das Archiv in 5 Teil - Archive gegliedert:
• ursprünglicher Flughafen 1923-1935
• Neubau des Zentralflughafens
1935-1945
•
Nutzung durch die USAF 1945-1991
• zivile Nutzung durch die Berliner
Flughafengesellschaft mbH (BFG)
1950-1974
• Nutzung durch die BFG nach 1990
Die Sortierung und Aufbereitung der
Akten und Zeichnungen wird nach den
ursprünglichen Bauteilen vorgenommen.
Ziel ist es, alle Unterlagen bauteilbezogen zusammenzuführen.
Die Datenerfassung für Zeichnungen /
Statische Berechnungen usw. erfolgt mit
einem vorhandenen und bewährten
Erfassungsprogramm nach folgenden
Merkmalen:
Bauteil, Zeichnungstitel, Datum der
Erstellung, Angabe des Fachbereiches,
wie Grundriß/Schnitte oder Schal- und
Bewehrungsplan, Stahlbau usw. Nummer des Aktenordners, bzw. Nummer
und Fach des Zeichenschrankes im
Raum.
Die Tempelhof Projekt Gesellschaft hat
im vergangenem Jahr acht neue großformatige Zeichenschränke angeschafft,
damit die ca. 1.700 Architekturzeichnungen der Entwurfsphase (Transparentoriginale) liegend und vor Lichteinwirkung
geschützt gelagert werden können.
Bisher waren die Originale im Zeichnungsarchiv der Berliner Flughafen
Gesellschaft lose in Mappen und Rollen
gelagert.
Dem Schriftverkehr konnten viele allgemeine Daten und Fakten entnommen
werden. Er gibt aber auch hinreichend
Aufschluß auf die damals herrschenden
gesellschaftlichen Verhältnisse. Hier eine
chronologische zusammengestellte Auswahl.
1. Dringlichkeitsstufe:
Das Reichsluftfahrtministerium als Bauherr des neuen Flughafens, vertreten
durch die Bauleitung der Luftwaffe hatte
für das Vorhaben Flughafen Tempelhof
die Dringlichkeitsstufe I S, Listenkennzeichen 1 B Berlin 56 S.
Das Vorhaben Flughafen Tempelhof wurde vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe
Reichsmarschall Göring ausdrücklich als
kriegswichtig anerkannt und in die Liste
der kriegswichtigen Bauten des Generalbevollmächtigten für die Regelung der
Bauwirtschaft aufgenommen, obwohl
der Flughafen nur für zivile Nutzung ausgelegt war. Man wollte offenbar verhindern, daß die Bauarbeiten mit Kriegsbeginn eingestellt werden. Wahrscheinlich
ist das mit ein Grund, weshalb die Luftrüstung auch in Tempelhof einzog. So
konnte man den Bau als kriegswichtig
einstufen.
2. Ariernachweis :
Das „Amt für zentrale Verwaltungsaufgaben der Luftwaffe“ mit Sitz in Berlin SW
68, Friedrichstraße 223 schreibt am
15.02.1939 an die Neubauleitung und
fordert für zehn „Gefolgschaftsmitglieder“, also Beschäftigte der Neubauleitung, die noch ausstehenden „ArierNachweise“ an. Die namentlich aufgeführten Personen haben bis zum
28.02.1939 die fehlenden Unterlagen
beim Amt vorzulegen.
Offensichtlich durfte die Neubauleitung
des Flughafens nur „Arier“ beschäftigen.
3. Anzahl der Bauarbeiter:
Aus dem „Verteilungsplan zur Unterbringung der Belegschaft Neubauleitung
Flughafen Tempelhof in Gasschutzräumen“ vom 24. Juli 1939 geht folgendes
hervor:
Zu dieser Zeit waren 90 Firmen und insgesamt 2023 Arbeitskräfte auf der Baustelle beschäftigt. 49 Firmen waren mit
dem Ausbau und der Ausstattung der
fertiggestellten Gebäude befaßt, davon
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
- 17 Firmen im Innenausbau tätig
- 11 Firmen arbeiteten für die elektrische
Ausrüstung und Beleuchtung
- 8 Firmen waren mit Naturstein- bzw.
Steinmetzarbeiten befaßt
- 8 Firmen führten Be- u. Entwässerungsarbeite/Installationsarbeiten
aus und
- 5 Firmen erbrachten Leistungen für
Heizung und Lüftung
Von 45 Firmen ist die Anzahl der eingesetzten Arbeitskräfte bekannt. Danach
gab es drei Firmen, die mehr als 100
Arbeitskräfte auf der Baustelle eingesetzt
hatten (Gresitza, Kuthe und Steindl). Sieben Betriebe beschäftigten mehr als 50
Arbeiter (Dywidag, Gebr. Hein, Lauster &
Co., Massiv – Bau – GmbH, Schlagmann,
Schuffelhauer und Steffens & Nölle).
30 Firmen beschäftigten von zwei bis 10
Arbeitskräfte. 624 Arbeitskräfte waren
auf dem Rollfeld beschäftigt, 410 Arbeitskräfte arbeiteten in den Bauteilen A,
B, C, D, J 1 und J 2. Alle Firmen sind
namentlich aufgelistet und damit bekannt.
Der größte Gasschutzraum befindet sich
im Bauteil J 2. Er faßt 625 Personen.
Der zweitgrößte Schutzraumbereich
befindet sich im Mittelteil des 3. Untergeschosses des Bauteils C. Dort wurden in
den Räume 5-8 410 Personen untergebracht.
4. Einsatz von Kriegsgefangenen und
Fremdarbeitern
Immer wieder wird behauptet, bzw.
von Medien verbreitet, beim Bau der
Flughafengebäude wären Kriegsgefangene und Fremdarbeiter eingesetzt
worden. Das ist nicht ganz korrekt,
denn der Bau war vor dem Krieg
schon fast fertig gestellt.
Unstrittig ist, daß ab Sommer 1941 in
Tempelhof von der Rüstungsindustrie
bei der Flugzeugproduktion durch die
Weser Flugzeugbau GmbH Bremen
(WFG), Fremdarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt wurden. Das
belegt u.a. auch eine Rechnung der
WFG vom 14.10.1942 an die Bauleitung der Luftwaffe, wo zum Beispiel
„Zivilrussen“ von der Neubauleitung
für die Unterhaltungs- und Pflegearbeiten des Rollfeldes, der gärtnerischen Anlagen und den erweiterten
Gemüseanbau eingesetzt wurden.
Der Stundenlohn wurde mit 60 Pfg.
angesetzt. Für Unterkunft und Verpfle-
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gung wurden pro Tag und Person 15
RM der Bauleitung in Rechnung
gestellt.
Aber auch Baubetriebe wie Wiemer &
Trachte haben zu dieser Zeit z.B.
kriegsgefangene Franzosen für die
Fertigstellung der Flughafenaußenanlagen eingesetzt.
Die Kriegsgefangenen- Std. wurde mit
0,93 RM verrechnet. Die Firma Carl
Rose, Tief- und Betonbau GmbH, hatte für Pflegearbeiten des Rollfeldes
ebenfalls Kriegsgefangene eingesetzt. Sie wurden mit einem Stundensatz von 55 Pfg. berechnet.
Offensichtlich wurden auch den Baufirmen ab Mitte des Krieges Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen zugeteilt.
Einen einheitlichen Abrechungssatz gab
es nicht, die Arbeitsleistungen wurden
unterschiedlich vergütet.
5. Kriegswirtschaft:
Die Auswirkungen des Krieges auf die
Wirtschaft werden deutlich an der Rationierung der Materialien. Zunehmend
müssen von der Neubauleitung Formblätter ausgefüllt werden, die eine
schnelle Prüfung des Bedarfes zulassen.
Hier einige Beispiele:
„Aufteilungsblatt für Eisen und Stahl
(einschließlich Legierungsmetalle) zur
Ausführung von Wehrmachtsaufträgen von 1940“
Es wurde zwischen Walzwerkserzeugnissen und Guß unterschieden. Das aufgefundene Formblatt betrifft die Heizzentrale und Kesselanlage für die Westbauten im Bauteil W 6. Dieses Gebäude wurde jedoch nicht mehr realisiert.
„Runderlaß an die Haupt- und Unterkontingentträger, an die Baustoffleitstellen und an die Gebietsbeauftragten für die Baustofftransporte mittels
Eisenbahn vom Generalbevollmächtigten für die Regelung der Bauwirtschaft Reichsminister Dr.-Ing. Todt“
Die Bauträger mußten den Baustoffbedarf jeweils für den Halbmonat an Baustoffleitstellen melden. Diese Stellen entschieden dann über den Zeitpunkt des
Baustofftransportes.
„Metallanforderungsschein für Wehrmachtsaufträge
Nur für Nichteisen-, Stahllegierungsund Edelmetalle zu verwenden.
Die Stahllegierungsmetalle Chrom,
Molybdän und Wolfram sind auf
besonderem Schein,
getrennt von
den übrigen Metallen, zu beantragen.“
Mit diesem Schein wurden z.B. 2,6 t Aluminium für das Treppengeländer im Bauteil C beantragt.
Das Material wurde genehmigt und
beschafft. Das Geländer existiert heute
noch.
6. „Kriegssachschädenamt“
In Berlin-Tempelhof gab es ein „Kriegssachschädenamt“.
Die BFG hatte z.B. die Erstattung von
Mietausfällen beantragt. Der Mieterin
„Deutsche Lufthansa A.G.“ war die
zweckentsprechende Benutzung der
Büroräume auf Grund eingetretener
Kriegssachschäden in der Zeit vom
29.12.43 bis 31.3.44 nicht möglich.
7. Erstellungs- bzw. Anschaffungskosten des alten Flughafen
Tempelhof
In einer vierseitigen Liste der Bauten und
Anlagen des alten Flughafens Tempelhof
sind mit Datum vom 12.06.1944 für alle
Baukonstruktionen die Erstellungs- bzw.
Anschaffungskosten, der Zeitwert von
1939 und die Kosten der Kriegssachschäden von Heinrich Kosina aufgestellt
worden. Der alte Hafen kostete demnach
4.782.200,- RM.
Die Kriegssachschäden beliefen sich
damals auf 2.342.300,- RM.
8. „Wirtschaftsstelle Tempelhof BFG“
Gemäß Verfügung des Magistrats der
Stadt Groß-Berlin vom 8. August 1945
wurde die „Wirtschaftsstelle Tempelhof
BFG“ als Abrechnungs- und Verbindungsstelle zur amerikanischen Besatzungsmacht im Flughafen Tempelhof
eingerichtet.
9. Arbeiten nach dem Krieg:
Aus einer Aufstellung der Gehälter des
Lohnbüros für die Berechnung der Entgelte für die Einsatzkräfte in der Zeit vom
01.08.1945 bis zum 30.06.1946 geht hervor, dass im Mittel zwischen 1.500 und
1.800 Einsatzkräfte vor Ort waren. Für die
Unterhaltung des Flughafens wurden bis
Juni 1946 ca. 240.000,- RM ausgegeben.
10. „Treuverkehr , Deutsche Treuhand
Aktiengesellschaft“
Offensichtlich wurde nach dem Krieg im
Zuge der Währungsreform von 1948 die
„Treuverkehr, Deutsche Treuhand Aktiengesellschaft“ als Wirtschaftsprüfungsge-
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
sellschaft gegründet. Im Schriftverkehr
befinden sich div. Bilanzen der BFG auf
Formblättern der Treuverkehr. Die erste
Bilanz wurde mit Datum vom 01.05.1945
erstellt.
Bauteil H2 lg
38%
Bauteil H2 rd
40%
Die letzte als DM-Eröffnungsbilanz zum
01.04.1949.
Flugzeughallen 1 und 2
11. Grad der Zerstörung der
gesamten baulichen Anlagen
Bauteile K1 und K2
0%
Bauteil J2
5%
Flugzeughalle 3
10%
Flugzeughalle 4
18%
Bauteil A
Dieser wurde von der BFG analysiert und
im Schreiben vom 04.05.1950 den Amerikanern mitgeteilt. Danach ergibt sich
für die wichtigsten Bauwerke folgendes
Bild:
Flugsteig A2
22%
Flugsteig A1
8%
Bauteil B
Bauteil C
60%
22%
(C1 2%, C 8%, C2 50%)
Bauteil D1
0%
Bauteil D2
3/7 90% und 4/7 50%
Bauteil F1
0%
Bauteil F2 mit Heizwerk
20%
Wasserwerk
0%
Bauteile G1 und G2
0%
Bauteil H1 lg (lang)
0%
Bauteil H1 rd (rund)
35%
nicht in Abzug gebracht. Das Bauvolumen wurde nach einer Aufstellung vom
09.11.1939 der Neubauleitung ohne
Startbahn / Rollfeld, ohne Grunderwerb
und Erschließung sowie ohne die Umbettung des Garnisonfriedhofes auf 98 Mio.
Reichsmark (RM) beziffert. Für die Startbahn bzw. das Rollfeld wurden 15 Mio.
RM und für die Neugestaltung des Rundplatzes (heute Platz der Luftbrücke) 9
Mio. RM veranschlagt.
Die Gebäude-Erstellungskosten blieben
damit unter der 1939 veranschlagten
Bausumme!
Bauteil J1
Flugzeughalle 5
60%
Flugzeughalle 6
20%
Flugzeughalle 7
18%
13. „Forderungen der Gemeinden
gegen das frühere deutsche
Reich und gegen den Bund „
12. Gebäude-Erstellungskosten :
Mit Schreiben vom 25.05.1954 teilt die
BFG dem Senator für Finanzen unter
dem Titel „Forderungen der Gemeinden
gegen das frühere deutsche Reich und
gegen den Bund“ folgende Aufstellung
mit:
In einem Schreiben vom 13.07.1950 hat
die BFG die Gebäude-Erstellungskosten
nachträglich auf der Basis der vorhandenen Unterlagen zusammengestellt. Irrtümer werden dabei ausdrücklich vorbehalten.
Kriegsschäden:
alter Flughafen
3.563.200,- DM
neuer Zentralflughafen 13.731.000,- DM
Danach beläuft sich die Summe auf
91.100.000 RM. Kriegsschäden wurden
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Forderungen gegen
das RLM aus dem
Reichsleistungsgesetz
320.000,- DM
Schrottentnahme der
Besatzer und Demontage 332.384,- DM
14. „Verfügungen 1.531 bis 3.900“
vom 01.04.1953 bis 09.08.1963
Aus der Akte kann man die Wiederaufbauleistungen zeitlich einordnen.
Die Verfügungen geben genau Auskunft,
wie viel Geld wofür beantragt und genehmigt wurde. Es sind also nicht nur Bauleistungen ausgewiesen, sondern alle
anfallenden Kosten für den laufenden
Betrieb und die Unterhaltung z.B. Revision von Kran- und Aufzugsanlagen,
Malerarbeiten, Reinigungsarbeiten, Kosten für Ungeziefervernichtung, Reparatur/Instandhaltung Klima, Sanitär, Heizung, Beseitigung von Unfallgefahren,
Hinweisbeschilderung, Beleuchtung/
Arbeitsplatzbeleuchtung, Instandhaltung
und Wartung der Gleisanschlußbahn.
15. Übergabe/Übernahme
des Wasserwerkes
Mit Schreiben vom 03.01.1945 wendet
sich die BFG an die Neubauleitung mit
der Bitte, für die bevorstehende Übergabe/Übernahme des Wasserwerkes alle
erforderlichen Dokumente und eine listenmäßige Zusammenstellung der von
fremden Firmen für den Betrieb der Wasseranlagen benötigten Arbeitskräfte vorzubereiten. Es handelt sich um 14
Arbeitskräfte von den Firmen Wolfferts &
Wittmer, Robert Zimmer, Unger & Co,
Zürn & Schubert und Otto Hoehns.
Das Wasserwerk wurde also noch von
der Neubauleitung offiziell Anfang 1945
an die BFG übergeben.
Weitere Angaben zu diversen Bauteilen
und Anlagen der Infrastruktur:
Bauteil A, Flugsteighalle
In einem Schreiben der Neubauleitung
vom 26.05.1937 an die Fa. Steffens &
Nölle AG, Abt. Brückenbau in Berlin –
Tempelhof bestätigt die Neubauleitung
den Eingang des Prüfberichtes des
Reichsbahn-Abnahmeamtes und den
Eingang von 36 Röntgenfilmen von den
Schweißnähten der Binder 2, 4, 6, 8, 10
und 12, die im Werk der Fa. J. Gollnow &
Sohn, Stettin, hergestellt wurden.
Damit ist nachgewiesen, daß die
Schweißnähte geröntgt wurden und daß
die Reichsbahn die Werkabnahme der
Stahlkonstruktion der Flugsteighalle vor-
14 | Baukammer Berlin 3/2014
nahm. Die Reichsbahn hatte im Stahlbau,
insbesondere im Brückenbau hinsichtlich
der Schweißtechnik seinerzeit die größten Erfahrungen. Deshalb ist es nicht
ungewöhnlich, daß die Hallenbinder zur
Prüfung an die Reichsbahn gegeben
wurden.
Bauteil B,
Empfangsgebäude, Abfertigungshalle
Geplantes Restaurant über der Abfertigungshalle auf der Ebene + 71,05 m
Interessant ist eine Entwurfszeichnung
des 6. Obergeschosses.
Sie trägt mit Bleistift den Vermerk: „Nicht
vernichten! Überholt!“ und wurde am
16.12.1934 mit dem Signum „ Mü“ abgezeichnet (vermutlich Herr Müller, Architekt aus dem Entwurfsbüro in der Mohrenstraße).
Die Zeichnung zeigt die beabsichtigte
Nutzung des 6. Obergeschosses als
Restaurant.
Danach wird die Grundrißfläche der
gesamten Abfertigungshalle oberhalb
der Fachwerkbinder in drei große
Restaurantbereiche eingeteilt. Beginnend vom Bauteil C ist mittig ein Bankettsaal angeordnet, der an jeder
Längsseite von einem kleineren
Vorsaal flankiert wird. In der Mitte über der
Abfertigungshalle befindet sich der zentrale Festsaal. An den beiden Längsseiten dieses Saales wurden zwei Nebensäle eingerichtet.
Zum Flugsteig (Bauteil A) hin, war ein
kleiner Tanzsaal vorgesehen, von denman über zwei kleine Treppen hinunter
auf das Hallendach vom Flugsteig
( + 68.05 m) gelangen konnte, wo sich die
Freifläche des Restaurants befand. Für
das Restaurant auf der Dachterrasse
des Empfangsgebäude gibt es einen
Bestuhlungsplan. Danach waren für das
gesamte Restaurant 2777 Plätze vorgesehen, die an 488 Tischen 80 x 80 cm
und 120 Tischen 80 x 130 cm untergebracht waren.
Zwischenhalle
Der Abfertigungshalle in Richtung Flugsteig/Vorfeld war eine „Zwischenhalle“
vorgelagert. Der Flugsteigwandelgang
war dort auf eine Länge von 21,50 m
unterbrochen.
Die Zwischenhalle wies zum Vorfeld in
der Fassade fünf Felder (4 Stützen) auf.
Der Fußboden war in dieser Halle mit
einer aufwendigen Rosette versehen.
Die Pläne wurden nicht mehr vollständig
realisiert. Die Zwischenhalle wurde nicht
errichtet. Nach dem Krieg wurde aus
dem bereits im Rohbau fertiggestellten
Bankettsaal eine Turnhalle für die amerikanischen Soldaten. Der östlich gelegene kleine Vorsaal und der anschließende
Nebensaal des Festsaales wurden mit
einer Bowlingbahn versehen. Die verbliebene Restfläche wurden für den Einbau
von Klimaanlagen und für Einrichtungen
der Flugsicherung benötigt.
Die Bautagesberichte von der Fa. Wiemer & Trachte für Bauteil B sind aufgefunden worden und geben Aufschluß
über den Bauablauf der Empfangshalle.
Eine detaillierte Auswertung der Bauablaufes mit der Fertigung der Finsterwalder-Binder erfolgte bisher noch nicht.
Im Herbst 1953 wurden die Fassadenstützen 1a, 2 und 2a der Westseite
instand gesetzt, die im Krieg schwer
beschädigt waren.
Im Sommer 1959 erfolgte der Abriß der
alten Stuckrabitzdecke in der Abfertigungshalle, um eine neue Decke mit
Strahlungsheizung einbauen zu können.
Bauteil C
Der Adler auf dem Flughafengebäude
war beschädigt und wurde erst 1962 entfernt.
Dazu gibt es eine Ausschreibung des
Bauamtes Süd vom 15.02.1962. Daraus
geht hervor, daß das Bildwerk aus Stahlguß besteht und eine Masse von 9,5 t
aufweist. Die Gesamthöhe der Figur beträgt einschließlich der Kugel 5,3 m ,
(Kugeldurchmesser 1,5 m). Die Schwingen sind 4,5 m breit.
Es wurden zwei Positionen ausgeschrieben:
1. Lagerung innerhalb des militärischen
Bereiches auf dem Flughafen
2. Transport zu einem West-Berliner
Schrottplatz
Aus einem Zeitungsausschnitt, der in
das Bautagebuch eingeklebt war, geht
hervor, daß das Standbild am 23.03.1962
demontiert wurde.
Bauteil J, Flugzeughallen
Mit Schreiben der Neubauleitung vom
18.11.1937 an das Reichsbahn-Abnahme-Amt I, Berlin SW 11, Hafenplatz 8
wurde der Antrag auf Überwachung von
Stahlbauarbeiten im Werk der Fa. G.E.
Dellschau GmbH, Berlin-Tempelhof
gestellt.
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Hier eine auszugsweise Abschrift aus
dem Antrag: “In der Anlage wird ein
Antrag auf Überwachung und Abnahme
eines Teiles der Werkstattarbeiten der
Stahlkonstruktion der Flugzeughallen,
Bauabschnitt J, des neuen Flughafens
übersandt.“
Zur Erläuterung wird in dem Schreiben
folgendes mitgeteilt:
„Es handelt sich um einen Auftrag, der
am 05.07.1937 von der Neubauleitung
Fl.Te. an eine Arbeitsgemeinschaft von
12 Firmen unter Federführung der Fa.
Steffens & Nölle, AG, Berlin-Tempelhof
vergeben wurde.
... Als Baustoff kommt hauptsächlich
Handelsbaustahl zur Verarbeitung. Höher beanspruchte Konstruktionsteile, wie
die Stehbleche der großen Binder, werden gemäß Zeichnung und statischer
Berechnung aus Baustahl St 37.12 hergestellt.
... Besondere Güteprüfungen, wie Zerreiß- und Biegeproben der Baustoffe aus
Handelsbaustahl sind nicht erforderlich.
Die einwandfreie Beschaffenheit der
Flexible
Finanzierungslösungen.
Baustoffe aus St 37.12 und Elektroden
hat sich die Lieferfirma von den Walzwerken durch Werksatteste bescheinigen zu
lassen.
... Für einzelne in den Binderzeichnungen
besonders gekennzeichnete Schweißnähte ist die Kontrolle durch Röntgenaufnahmen ausdrücklich vorgeschrieben.
Auf die Güte dieser Schweißungen ist
besonders zu achten. Im Übrigen müssen alle Schweißungen den ReichsbahnVorschriften entsprechen. Die Filme sind
vom Abnahmebeamten zu prüfen, zu begutachten und mit Datum und Unterschrift zu versehen. Die Lieferfirma sendet die geprüften Filme geordnet und mit
Kennzeichen versehen an die federführende Firma Steffens & Nölle, BerlinTempelhof zur Kenntnisnahme und Weiterleitung an die Neubauleitung.
... Die Zusammensetzung der Bleimennige für den Grundanstrich der Konstruktion muß den Reichsbahn-Vorschriften
entsprechen. Es sind ab und zu Proben
zu entnehmen und bei einer staatlich
anerkannten Stelle prüfen zu lassen. Auf
die vorschriftsmäßige Aufbringung des
Grundanstriches und die vorherige
gründliche Reinigung der Konstruktionsteile ist streng zu achten, weil die lange
Bauzeit einen besonders guten Grundanstrich erforderlich macht.”
Auffallend sind die klaren Anweisungen
an die Prüfstelle. Das zeugt von der
hohen Fachkompetenz der damaligen
Neubauleitung.
In einem weiteren Schreiben der Neubauleitung an Steffens & Nölle wird der
Firma die Genehmigung zum Ausglühen
der als Gurtplatten für die Binder zur
Verwendung kommenden Universaleisen über 25 mm Stärke und auch der
Nasenprofile gegeben.
Die Treppentürme der Flugzeughallen
(Bauteil J1 und J2) werden entgegen der
ursprünglichen Planung nicht in Stahl
sondern in Massivbauweise als Stahlbetonskelett-Konstruktion ausgeführt.
Das wurde mit Schreiben vom
10.01.1938 der Fa. Steffens & Nölle mitgeteilt.
Wahrscheinlich sind akuter Materialmangel und die Einhaltung der Baufristen
Wir finanzieren,
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Gründe für diese auftraggeberseitige
Projektänderung.
Aufragnehmer in einer Besprechung am
13.06.1942.
Die im Krieg zerstörte Flugzeughalle 5
(Hangar 5) wurde 1953 instandgesetzt.
Der Bau wurde in Form eines rechten
Winkels errichtet. Der Haupttrakt liegt
dem Gebäude H1 lang in voller Länge
direkt gegenüber. Der andere Teil wurde
im Bayernring errichtet. Realisiert wurde
lediglich das Kellergeschoß.
Die Verfügung 1702 vom 01.09.1953
sieht für die „Teilwiederherstellung 1.
Bauabschnitt“ folgende Leistungen vor:
Die demontierten Kragteile der Binder
14‘ und 15‘ sind zu überholen, zu ergänzen und wieder anzubringen. Der gerissene Binder 16‘ ist zu heben und instandzusetzen.
Die beiden vorderen Fachwerkpfetten
über drei Binderfelder sind neu herzustellen und zu montieren. Die erhalten
gebliebene Hängekonstruktion für das
Vordach ist zu überholen, zu ergänzen
und wieder zu montieren. Die fünf erhaltenen Vordachbinder sind zu überholen
und neu zu montieren. Der Kranbahnträger ist instandzusetzen.
Aus dem Auftrag für die Teilwiederherstellung ist der Grad der Zerstörung zu
entnehmen.
Bauteil W (Westbauten)
Im September 1941 wurde das Bauteil
W2 zur Ausführung freigegeben. Da
sofort mit den Bauarbeiten begonnen
werden sollte, erhielt am 03.11.1941 die
Massivbau Gesellschaft mbH den Auftrag zur Ausführung. Die Firma war
bereits auf dem Baufeld vor Ort und führte andere Bauteile aus. Deshalb konnte
sie unverzüglich mit den Arbeiten an W2
beginnen. Sie verfügte über Material und
Arbeitskräfte. Am 08.06.1942 wird ihr
aber der Auftrag wieder entzogen, weil
das Bauvorhaben unter die angeordnete
Stillegung fällt.
Lediglich der barackenmäßige Ausbau
des Erdgeschosses bleibt bestehen.
Arbeitsgerät und Schalung verbleiben
aber auf der Baustelle, weil kein Treibstoff für den Abtransport aufzutreiben ist.
Darauf einigten sich Auftraggeber und
Redaktions- und
Anzeigenschluss
für Heft 4/2014
am
25.11.2014
16 | Baukammer Berlin 3/2014
Erste befestigte
Start- und Landebahn
Wenn man sich mit den Anlagen des
Flughafens Tempelhof beschäftigt, fällt
auf, daß die baulichen Anlagen zur Flugzeugabfertigung, wie der Flugsteig und
die sich anschließenden Flugzeughallen
ausgesprochen modern und wegweisend waren.
Daß man sich damals aber darauf
beschränkte, auf einer einfachen Grasnarbe zu starten und zu landen , erscheint
uns heute merkwürdig.
Wie wir aus dem Folgenden erfahren
können, war der Bau von Flugplatzbefestigungen Anfang der 30iger Jahre tatsächlich wissenschaftlich-technisches
Neuland.
Das Reichsluftfahrtministerium (RLM)
beauftragte das Zentrallaboratorium der
Straßenbau-Aktiengesellschaft Berlin
mit Bodenuntersuchungen auf dem
Flugfeld Berlin-Tempelhof.
Die vorkommenden Bodenarten, die
Bodenschichten und die erdstoff-physikalischen Eigenschaften der Hauptbodenarten wurden bis 1,5 m unter endgültiger Geländeoberfläche gründlich untersucht. Das geht aus dem Schreiben vom
06.02.1937 des Zentrallaboratoriums der
Straßenbau-Aktiengesellschaft Berlin
hervor. Vom Auftraggeber wurden Bohrpunkte festgelegt und mit einem Tellerbohrer die Bodenproben aus der notwendigen Tiefe entnommen. Im Ergebnis
der Untersuchungen wurde festgestellt,
daß die Stärke der Mutterbodenschicht
sehr ungleichmäßig ist. Stellenweise ist
überhaupt kein Mutterboden vorhanden.
Dort aber, wo die Mutterbodenschicht
20-30 cm dick war, ist auch die Grasnarbe tadellos und für künftige Landungen
der Flugzeuge geeignet.
Diese allgemeine Aussage genügte dem
RLM als Auftraggeber offensichtlich
nicht.
So wurden in einem Nachtrag zu dem
Bericht über die Bodenuntersuchungen
auf dem Flugfeld Berlin-Tempelhof am
09.02.1937 die grundsätzlichen boden-
mechanischen Zusammenhänge dem
Auftraggeber erläutert und ein Vorschlag
zur Befestigung einer Landebahn
gemacht. In dem Bericht heißt es u.a.:
„Die Erfahrungen der letzten Jahre
haben gezeigt, daß auf manchen Flugplätzen die Standfestigkeit des Bodens
nach starken Regengüssen so gering
war, daß der Flugbetrieb eingestellt werden mußte. Besonders schlimm war es
bei Flugplätzen, deren Untergrund aus
fettem Lehm oder Mergel bestand.
In Amerika, Holland und auch bei uns hat
man nun in letzter Zeit versucht, durch
bestimmte Vermagerungs- und Mischmethoden die Standfestigkeit von Böden
zu verbessern.
...In Amerika hat man ähnlich wie beim
Zementbeton Kornabstufungen für
Lehm-Kiessand-Mischungen festgesetzt. Gleichzeitig verlangen die Amerikaner noch eine bestimmte Plastizität
des Lehms, damit eine gute Verkittung
erreicht wird.
... Will man nun bei Flächen, die etwas
stärker beansprucht werden, wie Startbahnen auf Schulflugplätzen, die Bodenstandfestigkeit erhöhen, kann man noch
Portlandzement zumischen. Der Portlandzement vernichtet dann den kolloidalen Charakter des Lehms und erhöht
die Wasserfestigkeit der Mischung.
.... Dieses Verfahren mit Portlandzement
wurde in Holland praktisch ausgeführt.
Auf Grund der bisherigen Erfahrungen
auf deutschen Flugplätzen gerade
bezüglich der Verschiedenartigkeit der
Böden innerhalb eines Platzes darf man
das Lehm-Kiessand-Mischverfahren
nicht allzu optimistisch betrachten.
Für die technische Durchführung des
Mischverfahrens gibt es zwei Möglichkeiten.
Erstens, mit landwirtschaftlichen Geräten, wie Pflug, Egge, Fräse und zweitens,
mit einem Gegenstrom-Mischer. Die letzte Methode wurde in Holland in größerem
Maße ausprobiert. Die Holländer sind zu
dem Schluß gekommen, daß es nur mit
einem Gegenstrom-Mischer, der gleichzeitig eine Knetwirkung ausübt, möglich
ist, eine wirklich homogene Mischung,
die die wichtigste Voraussetzung für die
Standfestigkeit ist, zu erreichen.
.... Zusammenfassend kann man sagen,
daß das Lehm-Kiessand-Mischverfahren
nur dann wirtschaftlich sein wird, wenn
Lehm und Kiessand in reichlichem Maße
vorhanden sind.
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
... Ist zum Beispiel ein Flugplatz in einem
ausgedehnten Lehmbodengebiet gelegen und sind Kiessandlager nicht in
unmittelbarer Nähe vorhanden, würde
die Heranbringung des Kiessandes, dessen Anteil mindestens doppelt so groß
sein müßte wie der Lehmanteil, der
Mischung unverhältnismäßig große
Kosten verursachen. Es wäre dann doch
zu erwägen, ob nicht ein anderer Weg in
dem Falle besser zum Ziel führt, der darin besteht, daß man den Lehmboden gut
drainiert und ihn durch eine dünne bituminöse Abschluß- bzw. Isolierschicht vor
weiterer Einwirkung von Regen schützt.
... Wir denken uns eine solche Isolierung
(Abdichtung gegen Niederschlagswasser)* so, daß man auf einem Lehmplatz
zunächst eine dünne Kiesschicht (als
kapillarbrechende Schicht)* aufbringen
würde; statt Kies könnte auch Schlacke
Kesselasche oder irgendein anderer
Stoff genommen werden, der jeweils am
billigsten wäre. Darauf käme eine fett
gehaltene Isolierschicht (gegen Niederschlagswasser)* von relativ großer Plastizität, so daß keine Risse eintreten können, durch hohen Gehalt an bituminösem Bindemittel jedoch ein Durchtritt
von Feuchtigkeit verhindert wird.”
Im Juni 1939 schreibt der Direktor der
Berliner Flughafengesellschaft Rudolf
Böttger zum Betriebsablauf im neuen
Flughafen Berlin folgendes:
„Eine der größten Schwierigkeiten liegt
für die modernen großen Flughäfen mit
großem Verkehr darin, die Grasnarbe
ihres Rollfeldes vor den Zerstörungen zu
schützen, die ihr die immer größer werdenden Flugzeuge mit ihren großen Raddrücken zufügen.
In Amerika ist man deshalb dazu übergegangen, das ganze Rollfeld mit befestigten Start- und Landebahnen für alle
Windrichtungen zu durchziehen, da man
nicht mehr in der Lage ist, eine Grasnarbe zu erhalten.
In Berlin wird man, wie bisher, lediglich
den gesamten Rollverkehr und den Start
auf befestigen Flächen abwickeln, während man für die Landung nach wie vor
die Grasnarbe vorgesehen hat, die ja nun
einmal die sicherste und beste Landefläche darstellt. Es erschien auch unerwünscht, inmitten unseres schönen Berlin eine derartige ausgedehnte Fläche mit
der nicht zu vermeidenden großen
Staubentwicklung entstehen zu lassen,
* ( Anmerkungen des. Verfassers)
18 | Baukammer Berlin 3/2014
während umgekehrt die rd. 2500 Morgen
große Grasfläche im Interesse der Volksgemeinschaft als Lunge für die Großstadt besonders wichtig ist.
... Sollte es einmal in Tempelhof nicht
mehr möglich sein, die Grasnarbe zu
erhalten, so wird man immer noch später
die Möglichkeit haben, befestigte Landebahnen durch die Grünflächen zu ziehen.
Man hat aber dann den Vorteil, daß man
aus der Lage der zerstörten Flächen die
richtige Anlage für die befestigten Startbahnen ableiten kann.”
Dieser Äußerung Böttgers liegt die bisherige Erfahrung von Flugplatzbefestigungen mittels einer Grasnarbe zugrunde.
Es entsprach dem bisherigen Stand der
Technik.
Des weiteren zeugt sie aber auch von
einem gewissen Umweltbewußtsein.
Auf den Rasenflächen eines Flugplatzes
wurden in der Regel Schafherden gehalten, die den Rasen kurz hielten, für ausreichende Düngung sorgten und gleichzeitig den oft bindigen Boden mit ihren
kleinen Hufen immer wieder nachverdichteten.
(Für die Verdichtung von bindigen Böden
verwenden wir heute noch eine sogenannte Schaf-Fuß-Walze. Auf der Mantelfläche der Walze sind gleichmäßig
Nocken verteilt, die den Effekt der SchafFüße erzielen sollen.)
Die beim Bau von “Automobilstraßen”
gesammelten Erfahrungen ließen sich
nicht einfach auf den Bau von Flugplätzen übertragen.
1921 wurde zwar die Automobil-Verkehrs-und Übungs-Straße (AVUS) als
kreuzungsfreie und mit Teer befestigte
Autostraße eröffnet und damit das mit
dem Automobilverkehr verbundene
Staubproblem bisheriger Schotterstraßen prinzipiell gelöst. Am 06.August
1932 wurde auch die erste Autobahn als
anbaufreie Straße mit erzwungenem
Richtungsverkehr, die nur an bestimmten
Anschlußstellen zugänglich ist und
bebaute Ortslagen meidet, als Schnellverkehrsstraße in Zementbetonbauweise
für Kraftfahrzeuge zwischen Köln und
Bonn dem Verkehr übergeben.
Im März 1935 hat die Direktion der
Reichsautobahnen “Richtlinien für Fahrbahndecken” herausgegeben, von
denen für den Betonstraßenbau der Teil 2
“Richtlinien für Betondecken” besonders
wichtig ist.
Das Problem bei dem Bau von Landbahnen war wohl in erster Linie der Umgang
mit den hohen Radlasten, die vom Untergrund aufgenommen werden mußten. So
war z.B. für Brückenbauwerke in der DIN
1072 als zulässige Verkehrslast für Lastkraftwagen damals lediglich 9 t festgelegt, die auf die Hinterräder mit 3 t und
auf die Vorderräder mit je 1,5 t aufgeteilt
wurden. Die maximale Radlast betrug im
Straßen- und Brückenbau also 3 t.
Das Standard-Verkehrsflugzeug der
Lufthansa war die 1931 in den Dienst
gestellte Junkers Ju 52/3 für 17 Passagiere mit einer Startmasse von 10,5 t.
1932 stellte Junkers sein Großflugzeug
G38 vor, das 34 Passagiere befördern
konnte. Die Startmasse erhöhte sich
bereits auf 21,2 t.
Fünf Jahre später 1937 startete die Junkers Ju 90 mit 40 Passagieren und 23 t
Abflugmasse.
Die Flugzeuge besaßen hauptsächlich
einrädrige Fahrwerke. Das Hauptfahrwerk unter den beiden Tragflächen und
am Heck ein kleines Spornrad.
Auf das Einzelrad eines Hauptfahrwerkes
kamen also schon fast 10 t Last, also das
Dreifache eines LKW-Rades!
Die Vorgänge beim Aufsetzen des Flugzeuges auf den Boden waren noch nicht
endgültig erfaßt und in ein mechanisches
Beanspruchungsmodell
umgesetzt.
Außerdem entwickelte sich der Flugzeugbau rasant. Die Flugzeuge wurden
immer größer und damit schwerer.
Im Luftverkehr ist die Verkehrslast bei
Start und Landung verschieden.
Je nach Flugdauer unterscheidet sich
das Landegewicht durch Verbrauch von
Treibstoff vom Abfluggewicht.
Maßgebend für die Bemessung der Konstruktionsdicke einer Start- und Landebahn ist das Abfluggewicht, weil damit
gerechnet werden muß, daß unmittelbar
nach dem Start das Flugzeug aus technischen oder sonstigen Gründen wieder
landen muß.
Das Flugzeuggewicht wird je nach Größe
des Flugzeuges durch ein- oder mehrrädrige Fahrwerke auf die Start- und Landebahn übertragen. Durch die Anwendung großer Raddurchmesser und einer
Begrenzung des Reifeninnendruckes
versucht man, die Beanspruchung von
Start- und Landebahnen einzuschränken.
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Beim Aufsetzen des Flugzeuges auf die
Landebahn tritt eine stoßartige Beanspruchung der Piste auf. Die Größe dieses “Landeschocks” wird maßgeblich
durch die Sinkgeschwindigkeit des Flugzeugs bestimmt. Untersuchungen haben
ergeben, daß diese Belastung bei normaler Landung nicht größer als die statische Last des Flugzeugs ist, bei einer
schlechten Landung aber bis zum
3fachen Wert ansteigen kann. Da die
Landelast nur für eine sehr kurze Dauer
wirksam ist, und die Trägheit der Landebahn und des Untergrundes eine volle
Entwicklung der Spannungen verhindert,
wird deshalb für die Bemessung nur die
statische Last zu Grunde gelegt.
Zur Vereinfachung der Berechnung der
Fahrbahnkonstruktion wird das Abfluggewicht eines Flugzeuges entsprechend
seinem Hauptfahrwerk in eine Ersatzlast
umgerechnet, die einem äquivalenten
Einzelrad entspricht.
Nach den Richtlinien der ICAO, der International CIVIL Aviation Organizatio, die
am 04. April 1947 unter der Teilnahme
von 52 Staaten gegründet wurde, beträgt
die äquivalente Einzelradlast bei Vierradfahrwerken 22% des Flugzeuggesamtgewichts. Diese Zusammenhänge wurde erst noch erforscht und bilden heute
die Grundlage für eine ingenieurtechnische Bemessung der Konstruktionsdikke von Start- und Landbahnen.
Angesichts der noch vagen Vorstellung
der Fachleute des Zentrallaboratoriums
der Straßenbau-Aktiengesellschaft Berlin
über den Aufbau einer geeigneten Lan-
debahnbefestigung, die den damaligen
internationalen Kenntnisstand (Amerika,
Holland) durchaus berücksichtigte, kann
man verstehen, daß sich die Verantwortlichen für den Bau des neuen Flughafens
Tempelhof noch nicht festlegen wollten
und sich zunächst an die bewährte Grasnarbe gehalten haben.
Vereinzelt wurden Flugbetriebsflächen
auf Flugplätzen schon befestigt. So
erhielt z.B. der Flugplatz Dessau-Alten
auf Forderung von Junkers bereits 1925
eine Asphaltbahn und 1926 eine Betonpiste*(1). Der erste Dresdner Flughafen
hatte 1935 auch schon eine Betonpiste*(2). Der Flugplatz Bremen erhielt als
erster deutscher Verkehrsflughafen 1938
drei befestigte Start- und Landebahnen
von 800 m Länge und 50 m Breite, die
zum Anfang des Zweiten Weltkrieges auf
1000 m verlängert wurden. Auf dem
Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt wurde im Generalausbauplan von 1938
zunächst die gleiche Verkehrsabwicklung
wie in Tempelhof vorgesehen (Starten
und Landen auf einer Grasnarbe). Erst
1943 wurde die Start- und Landebahn in
Ost-West-Ausrichtung auf eine Länge
von 1500 m und eine Breite von 50 m ca.
15 cm dick vermörtelt (betoniert). Sie
wurde im Krieg vollständig zerstört*(3).
1948 wurde in Tempelhof die Start- und
Landebahn bituminös befestigt.
Auch der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel erhielt erst 1948 eine Befestigung für
seine beiden gekreuzten Start- und Landebahnen *(4).
Auf einem kürzlich im Archiv Flughafen-
gebäude Tempelhof aufgefundenen
geheimen Lageplan des IX. Engineer
Command vom 5. September 1945 ist
in Ost-West-Richtung in Höhe
der
heutigen Nordbahn eine 4987 Fuß lange
und 120 Fuß breite mit Lochblechen
(Pierced Steel Planks PSP) befestigte
Landebahn dargestellt, die westlich um
450 und östlich um 750 Fuß verlängert
werden soll.
Damit war also die ursprüngliche Landebahn auf dem Tempelhofer Flughafen
4.987 x 0,30479 m = 1520 m lang und
120 x 0,30479 m = 36,5 m breit.
Mit den beiden geplanten Verlängerungen an den Köpfen kam die Start- und
Landebahn dann auf eine Länge von
1885 m.
Unterirdische Vorfeldtankanlage
Für den zügigen Betriebsablauf auf dem
neuen Flughafen wurden vor den Flugzeughallen zur Betankung für die auf
dem Vorfeld abgestellten Flugzeuge
unterirdische Tankanlagen geplant und
ausgeführt.
Es handelt sich um insgesamt 8 Zapfstellen, die in einem Abstand von ca. 80 m
vor den Toren der Flugzeughallen angeordnet waren und auf die beiden Bauteile J 1 und J 2 so aufgeteilt wurden, daß
jeweils 4 Zapfstellen zu einem Bauteil
gehören.
Die Vorfeldfläche vor dem Flugsteig
(Bauteil A1/A 2) erhielt keine Zapfstellen.
Diese Fläche war Verkehrs- und keine
Flugbetriebsfläche!
Baukammer Berlin 3/2014 |
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Jede Zapfstelle wurde von einem „Tankkessel“ gespeist.
Die Tankbehälter wurden paarweise aufgestellt, damit zwei Behälter von nur
einer Zuleitung gespeist werden konnten.
Die Zuleitungen wurden unter dem Vorfeld und unter dem Hallenfußboden in
einem Kanal 80/175 cm bis zu den Einfüllstellen auf der Rückseite der Hallenbauten geführt.
Die Zuleitungen für das Bauteil J 1 liegen
entlang der Brandschutzmauer zwischen
den Hallen 5 und 6 sowie 6 und 7.
Demzufolge befinden sich die Einfüllstellen auf der Hallenrückseite zwischen den
Treppentürmen 1, 2 und 3, 4.
Beim Bauteil J 2 liegen die Zuleitungen
entlang der Brandschutzmauer zwischen
den Hallen 1 und 2 sowie 3 und 4.
Die Einfüllstellen liegen demnach zwischen den Treppentürmen 13,12 und 10,
9. (nach heutiger Treppenturm-Numerierung)
Die Zapfstellen auf dem Vorfeld wurden
wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen
in einem Abstand von 40 m zu zugehörigen Tankbehälter angeordnet.
In den Bauunterlagen gibt es Schal- und
Bewehrungspläne für die Tankkesselfundierung (mit Domschacht) und die Zapfgruben.
Danach ruhen die Tankbehälter auf einer
ca. 8 x 5 m großen Sohlplatte aus 60 cm
dicken Stahlbeton direkt im Erdreich.
Die Zapfgruben hingegen waren im
Grundriß ca. 3 x 3 m groß und 2 m in der
lichten Höhe.
Sohle und Wände waren wiederum aus
Stahlbeton hergestellt. Die Decke bildeten in Beton verlegte Stahlträger IP 18.
Sohle und Wände waren gegen eindringende Feuchtigkeit mit einer Bauwerksabdichtung geschützt. Die Innenflächen
der Wände und die Deckenuntersicht
erhielten eine Wärmeisolierung.
Die einzelnen Ausgaben der
Baukammer Berlin
finden Sie auch im Internet
auf unserer Homepage
www.baukammerberlin.de
20 | Baukammer Berlin 3/2014
Angaben zur Ausrüstungstechnik, wie
Abdeckungskonstruktion für den Einstieg, Pumpen und Rohrleitungen wurden bisher nicht gefunden.
Die Tankanlage vor dem Bauteil J 1 wurde von der Fa. HUTA, Hoch- und TiefbauAktiengesellschaft, Niederlassung Berlin
errichtet. Die Anlage vor dem Bauteil J 2
baute die Fa. Hermann Möller, Eisenbeton-, Hoch- und Tiefbau, Zweigniederlassung Berlin.
Im Zuge der Erneuerung des Vorfeldes
wurden die Zapfstelle nach dem Krieg
beseitigt.
Die Betankung der Flugzeuge erfolgte
dann wie heute noch üblich mit Tankwagen.
Ballonfüllstutzen
Für gasgetragene Luftfahrzeuge, wie
Ballons und Luftschiffe, ist für deren
Befüllung mit Gas ein Rohrleitungssystem notwendig.
Das Luftschiff ist ein lenkbares Luftfahrzeug mit eigenem Antrieb, das durch seinen statischen Auftrieb in der Luft getragen wird. Der Tragkörper ist eine Stoffhülle, die mit einem Gas gefüllt ist, das
eine geringere Dichte als Luft (Wasserstoff, Helium) hat.
Das Triebwerk bestand in der Regel aus
mehreren, in Gondeln untergebrachten
Motoren.
Die starren Luftschiffe des Graf von Zeppelin beispielsweise erlangten für die
Verkehrsluftfahrt Bedeutung, als 1924
das Luftschiff ZR III erstmalig den Atlantik ohne Zwischenlandung überquerte
und fünf Jahre später LZ.127 um die ganze Welt flog. Das Luftschiff LZ 127 landete u.a. am 05.11.1928 in Staaken und ein
Jahr später in Tempelhof.
LZ 129 flog anläßlich der Olympischen
Spiele 1936 am 01.08. über das Olympiastadium in Berlin. Beim Landemanöver in
Lakehurst (USA) verbrannte es am 06.05
1937. Das Schwesternschiff LZ 130 wurde am 14.09.1938 in Betrieb genommen
und unternahm 30 Fahrten bis es am
20.08.1939 seine letzte Fahrt unternahm.
Auf Befehl Görings wurden die beiden
verbliebenen Luftschiffe LZ 127 und LZ
130 im April 1940 verschrottet. Das
Unglück von Lakehurst und der bevorstehende Krieg führten zur Einstellung der
Luftschifffahrt. Es ist deshalb nachvollziehbar, daß bei einem Neubau eines
modernen Verkehrsflughafens, wie in
Berlin Tempelhof, auch an die Befüllung
gasgetragener Luftfahrzeuge gedacht
wurde.
Für die Befüllung von gasgetragenen
Luftfahrzeugen mit Gas wurde auf dem
neuen Flughafen in Tempelhof eine Gasrohrleitung NW 500 mit 10 Ballonfüllstutzen verlegt.
Das geht aus einer Zeichnung hervor, auf
der die „Übereinstimmung mit der Ausführung“ am 28.07.1939 bestätigt wurde.
Die Anlage wurde also realisiert!
Insgesamt wurden 10 Ballonfüllstutzen
angeordnet. Die Gasleitung NW 500 verlief in einem Abstand von ca. 50 m zur
bogenförmig geführten Entwässerungsrinne des Vorfeldes, die dem Verlauf der
Hallen folgt und endete jeweils ca. 220 m
von der Mittelachse des Hallenzuges
nach beiden Seiten.
Die 10 Füllstutzen haben untereinander
einen Abstand von etwa 50 m und wurden in einem gemauerten Schacht von
1,0 m x 0,7 m Grundrißfläche im Lichten
mit umlaufendem 24er Mauerwerk untergebracht. Die Ballonfüllstutzen wiesen
eine Nennweite von 150 mm auf, genau
wie der Abgang mit Absperrventil von der
500er Gasleitung.
Gespeist wurde die Leitung auf dem
Flughafen von einer in der Friesenstraße
vorhandenen Gasleitung mit Nennweite
450 mm.
Über die Art und die Herkunft des Gases
ließen sich bisher keine Angaben finden.
Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die
Rohrleitung nie in Betrieb gegangen ist,
nachdem die Luftschifffahrt 1937 eingestellt wurde.
Stand: Dezember 2013
Quellen:
*(1) Günter Schmitt „Hugo Junkers und seine
Flugzeuge“ S. 99 transpress VEB Verlag
für Verkehrswesen, Berlin 1986
*(2) Lothar Willmann „Dresden, Zeithistorische Luftbilder“ S. 62 edition klageo,
W&M Verlagsgesellschaft mbH, Berlin
1998
*(3) Werner Treibel „Geschichte der deutschen Verkehrsflughäfen“. S. 101 u. 170
ff Bernard & Graefe Verlag Bonn 1992
*(4) „90 Jahre Hamburg Airport 1911 – 2001“
S. 59 Aviatic Verlag GmbH, Oberhaching
2001
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12:12 Uhr
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Drucksache 17 / 14 035 · Schriftliche Anfrage · 17. Wahlperiode
Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Oliver Friederici (CDU)
vom 19. Juni 2014 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 20. Juni 2014) und Antwort
Wasserversorgungskonzept bis zum Jahr 2040
Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie
folgt:
Haushaltsjahr ein Teilansatz von jeweils
100.000 € veranschlagt (Kapitel 1280,
Titel 54010 –Dienstleistungen).
in den letzten 10 Jahren?
Frage 1: Die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung Berlins sieht bis zum
Jahr 2030 einen Zuwachs von 250.000
Einwohnern vor. Wann erfolgt eine
Anpassung des Wasserversorgungskonzeptes bis zum Jahr 2040 hinsichtlich der
zu erwartenden höheren Rohwasserförderung?
Frage 3: Wie entwickelt sich die Anzahl
der neu angezeigten bzw. genehmigten
Brunnen auf privaten Grundstücken in
den letzten 10 Jahren?
Berlin, den 30. Juni 2014
Antwort zu 1: Das Wasserversorgungskonzept (WVK)
berücksichtigt
2004
in der Steigerungsvariante
58.377.220 €
bereits steigen2009
de
Bevölkerungszahlen
54.290.457 €
und sich entwikkelnde Gewerbe
bis zum Jahr 2040. Daher ist eine Anpassung des WVK nicht erforderlich.
Frage 2: Wie entwickeln sich die Einnahmen des Landes Berlin durch das Grundwasserentnahmeentgelt in den letzten 10
Jahren und wie viel wurde für Maßnahmen des Grundwassermanagements
eingesetzt?
Antwort zu 4: Angaben hierzu werden
beim Senat nicht erfasst.
In Vertretung
Antwort zu 3: genehmigungsfrei, erlaubnisfrei, genehmigungspflichtig
Christian Gaebler
Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung und Umwelt
Frage 4: Wie entwickelt sich die Menge
an verbrauchtem Sprengwasser in Berlin
(Eingang beim Abgeordnetenhaus
am 03. Juli 2014)
2005
2006
2007
2008
54.725.316 €
57.373.316 €
54.602.491 €
50.817.341 €
2010
2011
2012
2013
51.803.740 €
53.254.377 €
54.946.859 €
55.064.431 €
Jahr
Gartenbrunnen
Trinkwasserbrunnen
Summe
2004
336
22
358
2005
396
18
414
2006
339
20
359
2007
286
17
303
2008
346
5
351
Antwort zu 2: Im Kapitel 1280 betrugen
die IST-Einnahmen zum Titel 11147 –
Grundwasserentnahmeentgelt:
2009
409
14
423
2010
342
12
354
Für Maßnahmen zum Grundwassermanagement von Berlin gemäß Berliner
Wassergesetz (BWG) und Grundwassersteuerungsverordnung (GruWaSteuV),
Optimierung des Datenmanagements
war in den vergangenen Jahren pro
2011
350
22
372
2012
270
25
295
2013
259
26
285
3.333
181
3.514
Summe
Urlaub an der Nordsee im Badeort Cuxhaven-Duhnen
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Die Politik kümmert sich um die bauliche Zukunft der Hauptstadt:
Drucksache 17 / 13 991 · Schriftliche Anfrage · 17. Wahlperiode
Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Katrin Vogel (CDU)
vom 16. Juni 2014 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 17. Juni 2014) und Antwort
Ampelfrauen für Berlin?
Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie
folgt:
Frage 1: Wie bewertet der Senat die
Möglichkeit der Einführung von „Ampelfrau“-en in Berlin?
Antwort zu 1: Generell wird in der Straßenverkehr-Ordnung (StVO) für die Fußgängersignale von einem Sinnbild „Fußgänger“ geschrieben. In den Richtlinien
für Lichtsignalanlagen (RiLSA) werden
solche konkreten Sinnbilder abgebildet
(eher dünne Strichmännchen). Darüber
hinaus verweisen die RiLSA konkret darauf, dass das „Ampelmännchen“ gemäß
Einigungsvertrag verwendet werden
darf. Berlin hat das Ampelmännchen
weiter verwendet und setzt seit 2005 bei
Neuanlagen nur noch das Ampelmännchen ein, da es eine größere Leuchtfläche hat und somit von Sehbehinderten
besser erkannt werden kann.
re Sinnbilder einzuführen, da im Interesse der Verkehrssicherheit ein einheitliches Erscheinungsbild gewährleistet
werden muss. Darüber hinaus ist die einheitliche Verwendung nur noch des „OstAmpelmännchens“ auch zu einem sympathischen Identitätsfaktor in Berlins
Straßenbild geworden. Eine Rückkehr
zum geschlechtsneutralen Sinnbild der
RiLSA ist daher nicht beabsichtigt.
Frage 2: Wird der Senat aktiv Maßnahmen ergreifen, um die "Ampelfrau" in das
Berliner Stadtbild einzubetten, wie es
bereits in Teilen Sachsens, Thüringens,
Brandenburgs, NRW und Bayern der Fall
ist?
Symbolische Darstellungen im Straßenverkehr wie das „Ampelmännchen“ (mit
Hut) folgen nicht bestimmten Rollenbildern, da bei Weitem nicht jedermann Hut
trägt. Sie können also auch nicht ein
Frauenbild in der Gesellschaft spiegeln.
Bei dem in Sachsen verwendeten Symbol der „Ampelfrau“ (mit Rock und Zöpfen) handelt es sich um eine recht klischeehafte, mädchenhafte Darstellung,
während der „Ampelmann“ eindeutig
einen erwachsenen Fußgänger darstellt,
was im Hinblick auf Vergleichbarkeit und
Gleichbehandlung ebenfalls u. a. zu folgenden Diskussionen führen könnte.
Was trägt eine moderne, selbstbewusste
Frau heute? Wie wird sie frauenspezifisch als solche erkennbar, ohne Klischees zu pflegen?
Antwort zu 2: Nein. Berlin beabsichtigt
nicht, abweichend von den RiLSA ande-
Tests in Sachsen haben zudem ergeben,
dass das weibliche Symbol bei Verwen-
dung von Leuchtdioden (LED), die in Berlin immer mehr zum Einsatz kommen
werden, schlechter konturiert erscheint.
Frage 3: Hält der Senat eine kostengünstige Einführung der "Ampelfrau" bei
Neuaufstellung oder Reparatur bzw.
Ersatz von Ampeln für möglich?
Antwort zu 3: Nein.
Frage 4: Gibt es schon erste Ergebnisse
zur Akzeptanz und Effektivität der sog.
„Countdown-Ampeln“?
Antwort zu 4: Erste Zwischenergebnisse
zum Rot- und Grünblinken wurden
bereits im letzten Jahr veröffentlicht. Zur
„Countdown-Ampel“ liegen noch keine
Zwischenergebnisse vor. Die umfangreichen Nachher-Untersuchungen für alle
drei Ampelarten laufen das ganze Jahr
2014, Ergebnisse werden im letzten
Quartal 2014 erwartet.
Berlin, den 26. Juni 2014
In Vertretung
Christian Gaebler
Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung und Umwelt
(Eingang beim Abgeordnetenhaus
am 01. Juli 2014)
Drucksache 17 / 14 160 · Schriftliche Anfrage · 17. Wahlperiode
Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Stephan Lenz und Gottfried Ludewig (CDU)
vom 03. Juli 2014 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 07. Juli 2014) und Antwort
Zustimmungspflicht der Berliner Feuerwehr bei Bauvorhaben –
Genehmigungsverfahren beschleunigen
Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie
folgt:
1. Ist dem Senat bekannt, dass es in Berlin nach erteilter Baugenehmigung durch
die zuständigen Baubehörden regelmäßig zu Verzögerungen aufgrund der ausstehenden Genehmigung von Bauverfahren durch die Feuerwehr kommt?
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Falls ja, in welchem Rahmen erfolgt die
Unterrichtung des Senats hierüber?
Bauanträgen durch die Berliner Feuerwehr“ beantwortet.
Zu 1.: Ja, die Verzögerungen aufgrund
der ausstehenden Stellungnahmen
durch die Berliner Feuerwehr sind dem
Senat bekannt. Im März 2014 wurde
diesbezüglich die Schriftliche Anfrage Nr.
17/13 368 des Abgeordneten Gottfried
Ludewig (CDU) über „Genehmigung von
2. Wie lange beträgt die durchschnittliche Bearbeitung von Bauantragsunterlagen durch die Feuerwehr (aufgeschlüsselt nach den einzelnen Bezirken)?
Zu 2.: Die Stellungnahmen der Berliner
Feuerwehr im Rahmen des Baugenehmi-
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
gungsverfahrens werden derzeit je nach
Direktion und Umfang des Bauvorhabens innerhalb von vier bis zwölf Wochen
bearbeitet.
Direktion Nord
Direktion Süd
Direktion West
Allgemeiner VB
Allgemeiner VB
Allgemeiner VB
1 MA hD
1 MA hD
8 MA gD
11 MA gD
Aufgeschlüsselt nach Direktionen und
Bezirken ergeben sich folgende Zeiten:
Direktion Süd (Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick und Neukölln sowie Sonderaufgaben Löschwasserrückhaltung
und Abfallbetriebe für das Land Berlin):
Vier Wochen (entspricht der Fristvorgabe).
Direktion West (Bezirke Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Spandau sowie Sonderaufgabe
Verkehrsanlagen im Fachbereich Einsatzvorbereitung): Sechs Wochen.
Direktion Nord (Bezirke Lichtenberg,
Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Reinikkendorf sowie Sonderaufgabe Kulturgutschutz für das Land Berlin): Zwölf
Wochen.
Einzelne Vorgänge im Bezirk Pankow
wiesen Bearbeitungszeiten von mehr als
zwölf Wochen auf, befinden sich derzeit
aber in der Abarbeitung.
Stab (Störfallprävention als Sonderaufgabe für das Land Berlin): Zwei Wochen.
5 MA gD
3. Wie viele Mitarbeiter der Berliner Feuerwehr sind aktuell für die Bearbeitung
und Zustimmung der Feuerwehr zu Bauvorhaben eingesetzt (ebenfalls aufgeschlüsselt nach den einzelnen Bezirken)?
Zu 3.: Aktuell werden für die Bearbeitung
von Stellungnahmen im Baugenehmigungsverfahren im Vorbeugenden
Brandschutz (VB) und im Sachgebiet
Verkehrsanlagen der Direktionen sowie
im Stab (Arbeitsgruppe Störfallprävention) der Berliner Feuerwehr insgesamt 30
Mitarbeiter (MA) im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst (gD) und zwei
Fachbereichsleiter im höheren feuerwehrtechnischen Dienst (hD) eingesetzt.
4. Plant der Senat, die Anzahl der für diese Genehmigungen zuständigen Mitarbeiter kurz-, mittel- oder langfristig zu
erhöhen? Falls ja, in welchem Rahmen
soll dies geschehen? Falls nein, welche
anderen Möglichkeiten sieht der Senat,
Direktion West
Stab
Sachgebiet
Arbeitsgruppe
Verkehrsanlagen Störfallprävention
2 MA gD
4 MA gD
um das Zustimmungsverfahren für
bereits erteilte Baugenehmigungen zu
beschleunigen?
Zu 4.: Der Bedarf an Stellen für den Vorbeugenden Brandschutz aller Direktionen wird durch die Berliner Feuerwehr
neu ermittelt und ggf. in der Dienstkräfteanmeldung für 2016/2017 Berücksichtigung finden. Die derzeitigen personellen
Defizite müssen und werden innerhalb
der Berliner Feuerwehr ausgeglichen.
Dies kann zum jetzigen Zeitpunkt aber
nur zu Lasten anderer Bereiche der Berliner Feuerwehr geschehen.
Berlin, den 15. Juli 2014
In Vertretung
Bernd Krömer
Senatsverwaltung für Inneres und Sport
(Eingang beim Abgeordnetenhaus
am 23. Juli 2014)
Drucksache 17 / 13 812 · Schriftliche Anfrage · 17. Wahlperiode
Schriftliche Anfrage des Gerwald Claus-Brunner (PIRATEN)
vom 14. Mai 2014 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 15. Mai 2014) und Antwort
Koordinierung von Bauvorhaben in Steglitz
Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie
folgt:
Frage 1: Im Zeitraum vom Jahr 2015 bis
mind. 2017 erfolgen in Steglitz der Brükkenneubau Albrechtstraße/A103, die
Sanierung der Feuerbachbrücke und die
Grundsanierung der U9-Bahnhöfe sowie
die Sanierung und der Umbau des Steglitzer Kreisels. Erfolgt bereits jetzt eine
Koordinierung dieser Bauvorhaben?
Wenn ja, wie gestaltet sich diese? Wenn
nein, ist eine Koordinierung geplant und
wann soll diese voraussichtlich beginnen? Wenn nein, warum nicht?
Frage 2: Wenn keine Koordinierung der
Bauvorhaben geplant ist, welche Maßnahmen werden dann voraussichtlich
ergriffen, um die Einschränkungen für
den Straßen und öffentlichen Nahverkehr
so gering wie möglich zu halten?
Antwort zu 1 und 2: Die Beauftragung
erster Planungsleistungen für den
Ersatzneubau der Brücke im Zuge der
Bundesautobahn (BAB) A 103 über die
Albrechtstraße wie Machbarkeitsstudien
und Variantenuntensuchungen wird für
2015 angestrebt. In diesen Planungsphasen ist ebenfalls zu untersuchen, ob
gegenseitige Beeinflussungen mit anderen Bauvorhaben örtlich und zeitlich
stattfinden und deshalb Koordinierungen
erforderlich werden. Die Abstimmungen
auf die Planungen Dritter werden dann
auch Teil der Grundleistungen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) für beauftragte Ingenieurbüros.
Ein Beginn der Bauarbeiten kann nach
derzeitiger Einschätzung nicht vor 2018
erfolgen.
licher Baubeginn deutlich nach hinten.
Die Durchführung der erforderlichen Leistungen zur Grundinstandsetzung der
Feuerbachbrücke über die Gleise der DB
AG am S-Bhf Feuerbachstraße ist im
Zeitraum vom II. bis zum IV. Quartal 2015
vorgesehen.
Soweit planrechtliche Verfahren erforderlich werden, verschiebt sich ein mög-
Die Haltestellenbeziehung zu den Buslinien und dem SBhf. Feuerbachbrücke
Dem Grunde nach erfolgen keine
wesentlichen Einschränkungen der
bestehenden Verkehrsflächensituation.
Die Durchführung der Instandsetzungsmaßnahmen ist unter halbseitiger Sperrung der Brücke geplant. Der Verkehr
wird unter Aufrechterhaltung je einer
Fahrspur pro Fahrtrichtung aufrecht
erhalten. Der Öffentliche Personennahverkehr auf der Brücke wird nicht unterbrochen.
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
werden lediglich in Abhängigkeit zu den
erforderlichen Bauphasen verschoben,
um das provisorische Verschwenken der
Fahrbahnen zu ermöglichen.
Für eine sichere Fußgängerüberführung
aufgrund der Sperrung von je einer Gehwegseite im Zuge der Bauarbeiten ist die
Aufstellung einer provisorischen Lichtsignalanlage auf der westliche Seite der
Brücke vorgesehen.
Hierzu erfolgten im Vorfeld Abstimmungen mit der S-Bahn Berlin GmbH, der DB
AG, der BVG, dem Bezirksamt SteglitzZehlendorf und der Verkehrslenkung
Berlin.
Frage 3: In der Drucksache 17/13581 ist
in der Antwort von Frage 2 davon die
Rede, dass die Brücke der A103 über die
Albrechtstraße in Steglitz für den
Schwerlastverkehr gesperrt wurde. Gilt
die Sperrung für beide Richtungen?
Inwieweit und wo ist diese Sperrung ausgeschildert?
Antwort zu 3: Die Brücke wurde nicht
vollständig für den Schwerlastverkehr
gesperrt. Es besteht in beiden Fahrtrichtungen nur ein Fahrverbot für Lkw über
3,5 t auf dem linken Fahrstreifen. Eine
Umleitungsbeschilderung war nicht
erforderlich, da die Brücke weiterhin vom
Lkw -Verkehr befahren werden kann.
Verkehrszeichen für das Lkw-Verbot auf
dem linken Fahrstreifen (Z 253 Straßenverkehrsordnung [StVO]) sind in beiden
Fahrtrichtungen auf der A 103 und im
Bereich der Anschlussstelle (AS) Schloßstraße-Wolfensteindamm angeordnet.
Berlin, den 26. Mai 2014
In Vertretung
Christian Gaebler
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
und Umwelt
(Eingang beim Abgeordnetenhaus
am 28. Mai 2014)
Erweiterung Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Berlin-Mitte
Dr.-Ing. M.Sc. Ralf Gastmeyer M.Sc.
Allgemeines
Die Erweiterung des Marie-ElisabethLüders-Hauses schließt an die bisherige
Ostfassade des Bestandsgebäudes an
und führt dessen nördliche sowie südliche Bauflucht auf etwa 100 m Breite bis
zur Luisenstraße fort. Der Hauptteil des
Gebäudes verfügt über zehn Geschosse
– drei unterirdische (Ebenen U2, U1 und
EG) sowie sieben oberirdische (Ebenen 1
bis 7). Die Gründungsebene befindet
sich etwa 13 m unter Geländeoberkante.
Mit der Erweiterung des Marie-ElisabethLüders-Hauses wird die zentrale Halle
des Bestandsgebäudes, die sich von den
Ebenen 3 bis 7 erstreckt, in Richtung
Osten verlängert und durch eine Freitreppe ergänzt, die von dem neuen Haupteingang an der Luisenstraße in Ebene 1 zur
Ebene 3 führt und von einer Rotunde
umgeben wird. Die Rotunde dient gleichzeitig als Auflager für das Dachtragwerk
der Hallenerweiterung.
An die Hallenerweiterung schließen analog zum Bestandsgebäude in Nord-Südrichtung Bürokämme mit zwischengelagerten Hofbereichen an. Diese Hofbereiche werden von der zentralen Halle
durch so genannte Sonderbaukörper
getrennt. Für weitere Büroflächen steht
an der Luisenstraße ein kreisrunder,
turmartiger Baukörper zur Verfügung, der
sich bis zur Ebene 10 erstreckt.
Da an der Ostseite des vorhandenen
Gebäudes auf dessen gesamter Breite
und etwa 15 m Tiefe ein unterirdisches
Erschließungssystem (UES) als Bestandteil des vorhandenen Kellerkastens vorgelagert ist, können hier die Lasten der
Hallenerweiterung mit der Rotunde und
den Sonderbaukörpern nur punktuell in
den Bestand und die Untergeschosse
des Erweiterungsbaus abgetragen werden. Zu berücksichtigen ist hierbei auch
die Durchfahrt vom unterirdischen
Erschließungssystem in die Ebene U1
des Erweiterungsbaus, welche die Herstellung einer nachträglichen Öffnung in
der vorhandenen östlichen UG-Außenwand erforderte.
Tragwerksbeschreibung
Die zuvor beschriebene Überbauung des
unterirdischen Erschließungssystems
durch die Hallenerweiterung mit Freitreppe, umgebender Rotunde, hierauf gelagertem Hallendach und angrenzenden
Sonderbaukörpern wurde durch die Ausbildung einer komplexen räumlichen
Tragstruktur realisiert – bestehend aus
einem Stahlbeton-Trägerrost in Dachebene, je zwei konzentrisch angeordneten, punktuell gelagerten Zylinderschalensegmenten, deren Kragmomente
durch horizontale Kräftepaare von Dekkenscheiben aufgenommen werden, und
Baugrube des Erweiterungsbaus
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
an jeweils zwei Schalensegmenten gelagerten Kragscheiben, die wiederum als
Auflager für geschosshohe wandartige
Träger und Deckenplatten dienen.
Der Erweiterungsbau ist in den untersten
drei Geschossen und im Bereich des
Hallendaches vom Bestand aufgrund
hier für den Ausbau unverträglicher Verformungsdifferenzen durch Fugenkonstruktionen getrennt. In den Obergeschoss-Deckenebenen erfolgte zu einem
möglichst späten Zeitpunkt eine kraftschlüssige Verbindung der Galeriedekken in der Hallenerweiterung mit den
hieran grenzenden Treppenhauskernen
der bisher in etwa halber Breite ausgeführten Bürokämme, um zum einen Vertikallasten aus erforderlichen Abfangträgern für die Stützen und Wände der neuen Sonderbaukörper über dem UES
gezielt in den Bestand zu leiten und zum
anderen eine Horizontalverschiebung
Rotunde und
Bürokämme des
Erweiterungsbaus
im Bauzustand
Ostfassade des
Erweiterungsbaus
mit turmartigen
Baukörper
Für die Abtragung der Lasten aus den
punktuell gelagerten Zylinderschalensegmenten über die westliche UGAußenwand des Erweiterungsbaus in die
Gründung war die über die angrenzende
Außenwand des UES überstehende
Bodenplatte zu berücksichtigen, die zur
Auftriebssicherung mit der noch vorhandenen Schlitzwand der früheren Baugrube kraftschlüssig verbunden wurde.
Daher wurden an der Außenwand im 2.
UG des Erweiterungsbaus in den Auflagerachsen der über das UES kragenden
Rotunde innenseitige Wandvorlagen
(Schotte) vorgesehen, welche die konzentrierten Lasten direkt in Bohrpfähle
neben der vorhandenen Schlitzwand
weiterleiten.
zwischen Bestand und Erweiterungsbau
aus dem „Kippen“ der über das UES kragenden Rotunde im Endzustand auszuschließen. Hierzu wurde die Stahlbetonkonstruktion der Hallenerweiterung auf
einer bauzeitigen Hilfsunterstützung mit
Überhöhung zur Kompensierung der
Bauwerkssetzungen errichtet. Die punktuelle Einleitung der Neubaulasten in die
Untergeschosswände des Bestandsgebäudes erfolgte nach vorhergehender
Verstärkung dieser Bauteile durch gezielte Umlagerung der Gebäudelasten von
der bauzeitigen Hilfsunterstützung zu
den Auflagerpunkten für den Endzustand
mittels hydraulischer Pressen, die kraftund verformungsabhängig gesteuert
wurden.
Kellerkasten des Erweiterungsbaus mit
kombinierter Pfahl-Platten-Gründung
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Die Tragkonstruktion der Sonderbaukörper und Bürokämme des Erweiterungsbaus besteht wie diejenige des
Bestandsgebäudes aus mehrfeldrigen
Flachdecken, den Randstützen in Fassadenebene und zusätzlichen Innenstützen. Die Flachdecken der bisher nur auf
halber Breite ausgeführten Bürokämme
hinter der Ostfassade des Bestandsgebäudes wurden um ein Deckenfeld verlängert. Die hieraus resultierende Lasterhöhung der vorhandenen Innenstützenreihe und die auf der UG-Wand zum UES
zu ergänzenden Randstützen sind in der
damaligen Planung bereits eingeflossen.
Berechnungsmodell
der
Bestandüberbauung
Schlauchwaagensystem zur
Verformungsmessung
Unten:
Bauzeitliche Setzung
des
Bestandsgebäudes
Das turmartige Bauwerk an der Luisenstraße ist wie die zuvor beschriebenen
Baukörper als Stahlbetonkonstruktion
konzipiert, die aus kreisförmigen Flachdecken mit einem Durchmesser von
maximal 27 m, zwei entlang des Deckenrands angeordneten Stützenreihen
sowie einem zentralen Treppenhaus- und
Aufzugskern besteht. Von den beiden
Stützenreihen entfällt die äußere in den
Ebenen 7 und 8 aufgrund der hier gegenüber den weiteren Geschossen zurückgesetzten Turmfassade. Daher mussten
in den Ebenen 9 und 10 die äußeren Stützen, welche zur Durchbiegungsbeschränkung der weit gespannten Turmdecken beitragen, als Zugglieder ausgebildet und an einem Randüberzug in
Dachebene gelagert werden. Die inneren
Stützen werden teilweise von wandartigen Trägern abgefangen, welche die
Lasten auf die Schachtwände sowie den
zentralen Treppenhaus- und Aufzugskern des Turms weiterleiten.
Sämtliche aufgehenden Baukörper des
Erweiterungsbaus einschließlich ihres
gemeinsamen Kellerkastens wurden als
fugenlose Konstruktion ausgeführt, die
über eine durchgehende Flächengründung in Kombination mit Ortbeton-Bohrpfählen im Bereich der Lastkonzentrationen am Übergang zum Bestand sowie
unter dem turmartigen Bauwerk – und
Mikroverpresspfählen im Bereich der
abhebenden Kräfte verfügt. Die Flächengründung besteht aus einer bis zu 1,20 m
dicken Bodenplatte und den Untergeschosswänden, die als Lastverteilungsbalken und Bodenplatten-Überzüge mitwirken.
Die im Bereich der Lastkonzentrationen
am Übergang zum Bestand erforderliche
Tiefgründung wurde zur Vermeidung
einer ungewollten Lastübertragung in die
Schlitzwand der früheren Baugrube mit
Ortbeton-Bohrpfählen ausgeführt, die
über eine teilweise Stahlrohr-Ummante-
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
lung verfügen. Für die gezielte Abtragung
der Pfahlkräfte über Mantelreibung in
den Untergrund wurde eine nachträgliche Mantelverpressung um den Pfahlschaft unterhalb der vorhandenen
Schlitzwand durchgeführt
Die abhebenden Kräfte aus dem „Kippen“ der über das UES kragenden
Rotunde – und in den gering belasteten
Hofbereichen aus der Auftriebswirkung
des Grundwassers – werden durch
Mikroverpresspfähle aufgenommen, die
auch zur Auftriebsicherung der mittelhoch liegenden Dichtungssohle der
Trogbaugrube herangezogen wurden.
Überhöhung und Absenkung
des Traggerüstes
für die UES-Überbauung
Zur Gewährleistung der Tragsicherheit
und Gebrauchstauglichkeit der Flächengründung des Bestandsgebäudes ist
deren Zusatzbelastung aus dem Erweiterungsbau zu begrenzen. Hierzu wurde
die bauzeitige Hilfsunterstützung der
UES-Überbauung nach Fertigstellung
der Hallenerweiterung abgesenkt, um
deren Eigengewichtslasten an den endgültigen Auflagerpunkten in die vorhandenen Bauteile kraft- und verformungsgesteuert einzuleiten. Der Mindestwert
dieser Absenkung wurde durch Berechnung der Auflagerkräfte infolge Eigengewicht der UES-Überbauung unter gleichzeitiger Stützensenkung und anschließender Überlagerung mit den Auflagerkräften infolge Ausbau-, Nutz- und Aussteifungslasten ermittelt, welche in der
Summe die von der Bestandskonstruktion aufnehmbaren Lasten nicht überschreiten dürfen. Deren Maximalwert ist
durch die Grenztragfähigkeit der westlichen UG-Außenwand des Erweiterungsbaus vorgegeben, die an den Auflagerpunkten der UES-Überbauung mit innenseitigen Wandvorlagen (Schotten) zur
Lastweiterleitung in die Pfahlgründung
unmittelbar vor der vorhandenen und bis
zur neuen Baugrubensohle rückzubauenden Bestandsschlitzwand ausgebildet
ist. Die mögliche Streubreite der Absenkung musste durch rechnerische Variation der Auflagersteifigkeiten für die UESÜberbauung zur Erfassung von Setzungsdifferenzen
zwischen
dem
Bestandsgebäude und Erweiterungsbau
vor Herstellung der Auflagerpunkte für
den Endzustand bestimmt werden.
Für die Absenkung des Traggerüstes
sowie die kraft- und verformungsgesteuerte Einleitung des Eigengewichts der
UES-Überbauung in das Bestandsgebäude waren am Kopfpunkt der Traggerüststützen hydraulische Pressen und
Wegaufnehmer vorgesehen und an den
endgültigen Auflagern im Bestand Kapselpressen eingebaut. Die Öl- und Injizierdrücke der Pressen wurden simultan
zu den Widerstandsänderungen der
Wegaufnehmer, den Setzungen im
Bestandsgebäude sowie den Pfahlkräften und -verformungen elektronisch
erfasst.
Mit dem Einbau der Auflager für den Endzustand der UES-Überbauung wurden
Ende 2013 die Rohbauarbeiten für die
Erweiterung
des
Marie-ElisabethLüders-Hauses erfolgreich abgeschlossen, so dass nun der Ausbau zügig voranschreiten kann.
Das Berliner Stadtwerk – ein Projekt mit Zukunft
Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtsch.-Ing. Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender Berliner Wasserbetriebe
Der Berliner Senat
hat im Oktober
2013 beschlossen, ein eigenes
Stadtwerk
zu
gründen. Ein kommunales
ÖkoStadtwerk, welches Strom ausschließlich aus
regionalen, er© Berliner Wasserbetriebe /
neuerbaren EnerMalte Jäger
gien gewinnt und
den Schwerpunkt auf die lokale Energieversorgung legt.
Die Berliner Wasserbetriebe haben den
Auftrag vom Land Berlin gern angenommen, die Berliner Stadtwerke aufzubauen. Denn die Berliner Wasserbetriebe
engagieren sich seit ihrer Gründung für
den Schutz der Ressourcen. Mit einem
Energieverbrauch in der Größenordnung
einer Stadt wie Braunschweig mit
250.000 Einwohnern suchen die Berliner
Wasserbetriebe ständig nach Lösungen,
Energie selbst zu erzeugen bzw. Energie
effizienter einzusetzen. So werden heute
zum Beispiel 53 % des Strombedarfs
und 93 % des Wärmebedarfs aller Klärwerke aus Klärschlamm erzeugt. Klärschlamm ist damit wichtigster Energieträger der Wasserbetriebe. Aber auch
Energie aus Photovoltaik- und Windenergieanlagen kommt zum Einsatz. Außerdem unterstützen die Wasserbetriebe die
Wärmegewinnung aus Abwasser. Prämisse bei der Realisierung aller Projekte
ist die Wirtschaftlichkeit. Anlagen zur
Erzeugung von erneuerbaren Energien
müssen sich neben dem ökologischen
Mehrwert auch ökonomisch rentieren.
Das Land Berlin hat beschlossen, dass
das neue Stadtwerk Strom und Wärme
ausschließlich aus regionalen erneuerbaren oder mithilfe dezentraler Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen bereitstellen soll
und mögliche Überschüsse ins Netz einspeist. Ausschließlich die Energie aus
den eigenen Anlagen, die die Stadtwerke
entweder selbst oder durch Dritte bauen
und betreiben werden, darf vertrieben
bzw. verbraucht werden. Damit sind die
Rahmenbedingungen für die Berliner
Stadtwerke gesetzlich klar geregelt.
Das Berliner Stadtwerk zu realisieren,
bedeutet ein Novum in der Gesamtberli-
ner Energiepolitik. Denn wo früher eine
breitflächige Energieversorgung im
Fokus stand, gilt es nun, die einzelnen
Voraussetzungen vor Ort zu prüfen, eine
individuell passende Bedarfsermittlung
und zielgerichtete Konzepte zu erstellen.
Mit einem geplanten Investitionsvolumen
von knapp 80 Millionen Euro bis 2018,
also rund 20 Millionen Euro pro Jahr, in
Anlagen aus erneuerbaren Energien, leisten die Berliner Stadtwerke einen aktiven Beitrag zur Gestaltung der Energiewende und zur Umsetzung der ökologischen Zielvorgaben.
Bis vor einigen Jahren galt die Faustregel
maximale Fläche = maximaler Ertrag. Bei
der Realisierung wird sich das Berliner
Stadtwerk nun direkt am Bedarf der Verbraucher konzentrieren und die Kapazitäten vor Ort ermitteln. Dabei geht es primär nicht um maximale Erträge, sondern
um die bestmögliche Abdeckung des
individuellen Strom- oder Wärmebedarfs
der Hauseigentümer oder Mieter. Klares
Ziel der Stadtwerke wird demnach eine
optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Flächen und die Errichtung der
unter den gegebenen RahmenbedingunBaukammer Berlin 3/2014 |
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
gen maximal möglichen Anlagenzahl
sein.
Die Berliner Stadtwerke werden ebenso
ein zuverlässiger Partner der regionalen
Wirtschaft sein. So leisten die Stadtwerke ihren Beitrag zur Verbesserung der
lokalen Wertschöpfung und stärkeren
Einbindung örtlicher Marktpartner. Konkret bedeutet dies, dass die Berliner
Stadtwerke auf die Erfahrung und die
Kooperation mit versierten Ingenieurund Planungsbüros, dem Handwerk und
Berliner Wohnungsbaugesellschaften
setzen. Somit wird das Stadtwerk Hand
in Hand mit lokalen Akteuren zusammenarbeiten. Die Berliner Stadtwerke werden
von Anfang an eine enge Zusammenar-
beit und einen regen Erfahrungsaustausch anstreben, um so auch neue
Impulse für das Handwerk und die Bauindustrie in der Hauptstadt zu geben.
Der Schwerpunkt liegt auf intelligenten
Lösungen unter Nutzung von Photovoltaik und Blockheizkraftwerktechnologie.
Darüber hinaus sind Investitionen in
Anlagen zur Nutzung von Windenergie
geplant. Beispielsweise kann die Installation einer Photovoltaikanlage im Idealfall parallel zu ohnehin anstehenden
Sanierungsmaßnahmen bei Wohnanlagen geplant werden. Das heißt, zukünftig
wird die eigene lokale Stromerzeugung,
bei Blockheizkraftwerken auch die eigene Wärmegewinnung, ein fester Be-
standteil der Bauplanung sein.
Die Berliner Stadtwerke als einhundertprozentiges Tochterunternehmen der
Berliner Wasserbetriebe werden den
Berlinerinnen und Berlinern individuelle
Lösungen anbieten, um umweltfreundlichen Strom zu nutzen. Sie werden passgerechte Vollversorgungsverträge anbieten, kombiniert mit einer technisch optimalen Nutzung der Ressourcen vor Ort.
So haben Mieter die Möglichkeit, unmittelbar an der Produktion regenerativer
Energien zu partizipieren. Damit bringen
die Berliner Stadtwerke die Energiewende und die Nutzung von Ökostrom in
Berlin deutlich voran.
Energetische Sanierung und Wirtschaftlichkeit?
Der EnEV neue Kleider
Dipl.- Ing. Architekt Karim El Ansari
Sicher kennen
viele das Märchen von des
„Kaisers neuen
Kleidern“, eine
Allegorie
auf
Leichtgläubigkeit, Verlogenheit und unkritische Akzeptanz
von
höchsten
Dipl.- Ing. Arch.
Repräsentanten
Karim El Ansari
eines
fiktiven
Staates. An genau jenes Märchen erinnert mich die Diskussion um die derzeitige und die kommende EnEV 2016. Da wird der Bevölkerung und den Bauschaffenden weisgemacht, dass jeder, der nicht die CO2Reduktion durch immer dickere Wärmedämmungen, aufwändigere Gebäudetechnik und die hingerechneten Energieeinsparungen sieht, ein Steinzeittechniker oder ein Umweltfrevler sei. Viele Kolleginnen und Kollegen beginnen jedoch
zu zweifeln. Für den Einen sind es Fragen
des Brandschutzes oder der Gestaltung,
für den Anderen Aspekte der fehlenden
Wirtschaftlichkeit oder der ökologischen
Gesamtbilanz. Gemeinsam ist den Kritikern jedoch das Unbehagen und der
beginnende Zweifel an immer dicker
werdenden Dämmpaketen und aufwändigeren technischen Lösungen. Dieser
Umstand ist für mich an den sehr vielen
1 „Wirtschaft im Wandel 9/2010“ IWH Halle
Wirtschaft im Wandel 22.9.2010, 16. Jahrgang
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positiven Äußerungen von Kolleginnen
und Kollegen auf das mediale Echo
erkennbar.
Energetische Sanierung und
Wirtschaftlichkeit
Die augenscheinlich fehlende Wirtschaftlichkeit energetischer Sanierung
wird schon länger breit diskutiert.
Umfangreiche Studien, zuletzt die ISTAStudie aus dem Jahr 2010 „Energieeffizienz im Altbau: Werden die Sanierungspotenziale überschätzt? Ergebnisse auf
Grundlage des ista- IWH-Energieeffizienzindex“1 oder die s.g. PROGNOSStudie „Wirtschaftlichkeit von effizienten
neuen und sanierten Gebäuden“ aus
dem Jahr 2013 zeigen dieses Dilemma
deutlich auf. Leider sind nicht alle
Dämmmaßnahmen unter Würdigung
betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge, Fragen der Gesamtnutzungsdauern
und realisierter Einspareffekte für den
Bauherrn sinnvoll. Von ökologischen
Aspekten wie PEI (Primärenergieindex)
oder Vergiftung der Gewässer durch algizide Zusätze ganz zu schweigen.
Die EnEV selbst gibt hier mit dem § 25
einen Ausweg vor:
„Die nach Landesrecht zuständigen
Behörden haben auf Antrag von den
Anforderungen dieser Verordnung zu
befreien, soweit die Anforderungen im
Einzelfall wegen besonderer Umstände
durch einen unangemessenen Aufwand
oder in sonstiger Weise zu einer unbilligen Härte führen. Eine unbillige Härte
liegt insbesondere vor, wenn die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der
üblichen Nutzungsdauer, bei Anforderungen an bestehende Gebäude innerhalb angemessener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können.“
Der Planer muss also „nur“ nachweisen,
dass die Anforderungen unwirtschaftlich
sind und schon bekommt er die begehrte Befreiung nach § 25 erteilt. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine mail an die
oberste Bauaufsichtsbehörde der jeweiligen Bundesländer, weil es sehr unterschiedliche Verfahrenswege und Betrachtungsparameter gibt. In einem Bundesland wird eine jährliche Energiepreissteigerung von 4% unterstellt, im Nächsten 5%. In einem Bundesland betragen
die Betrachtungszeiträume 20 Jahre, im
Nächsten 30 Jahre.
In Badisch- Schöllenbach gelten anscheinend andere wirtschaftliche Randbedingungen und Energiepreise wie in
Schöllenbach in Hessen, obwohl der Ort
nur durch ein kleines Bächlein getrennt
ist.
Bericht aus der Baurealität
Dass immer dickere Dämmpakete keine
wirklichen Einsparungen mehr bringen,
liegt an einer mathematischen Besonderheit des Verhältnisses des U- Werts
zur Dämmstärke, die eine hyperbolische
Funktion ist. Dieser Sachverhalt scheint
mir unbestritten und ist in Fachkreisen
auch hinlänglich bekannt. Diesen Fragen
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
schen Sanierungen mit Fassadendämmungen liegt bei den von uns realisierten
Objekten bei etwas über 40% Energieeinsparung zum Verbrauch. Somit wurde
bereits bei dieser schwachstellenbezogenen energetischen Sanierung ohne flächige Fassadendämmung des Objekts 2
ein Wirkungsgrad von 75 % des statistischen Mittels erreicht. Und das mit lediglich ca. 50% des Invests, der für eine vollumfängliche energetische Sanierung einschließlich Fassadendämmung erforderlich gewesen wäre.
Abbild. 1,
Ortschild Badisch- Schöllenbach/
Schöllenbach
wollte ich mich praktisch nähern und habe
zu diesem Zweck die Heizenergieverbräuche zweier von mir sanierter Objekte aus
einem Betrachtungszeitraum vor und
nach der Sanierung ausgewertet.
Unterschiedliche Konstruktionen verfügen über unterschiedliche bauphysikalische Eigenschaften. Es geht also bei
energetischen Sanierungen auch darum,
diese objektbezogenen Eigenschaften
zu erkennen und zu nutzen. Bei zwei in
Art und Nutzung gleicher Gebäude
beträgt die Differenz der Jahresendenergieverbäuche ca. 120 kwh/m2a trotz
rechnerisch ähnlicher U- Werte von ca.
1,4 W/m2k. Der einzige Unterschied lag
in der unterschiedlichen Materialität der
Aussenwände. Während das unsanierte
Objekt 1 (Baujahr 1975) im Mittel von
2006 – 2008 ca. 316 kWh/m2/a verbrauchte, lag der Energieverbrauch am
unsanierten Objekt 2 im Mittel von 2006
– 2010 bei ca. 190 kWh/m2a. Auf Basis
eines objektbezogenen Sanierungskonzepts wurden am Objekt 2 u.a. die
Schwachstellen von nachträglich errichteten Kopfbauten mit 6,0 cm WDVS als
auch Laibungsdämmmungen ausgeführt. Trotz weiterhin ungedämmter Fassadenflächen betrugen die Energieeinsparungen nach der objektbezogenen
Schwachstellensanierung bereits über
30% zum Verbrauch am Objekt 2. Der
rechnerische Mittelwert von energeti244.316
190.146
212586
177.699
168.057
152.427
132.409
113.368
190.768
137.357
105.127
190.485
Abbildung 2,: Auswertung der Verbrauchsdaten
Intelligente Planungen anstatt
intelligenter Folien
Seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich,
zuerst als Zimmerman und später als
Architekt, mit Sanierungen und Umbauten. In dieser Zeit wurden eine Vielzahl
von energetischen Sanierungen, zuerst
noch mit 6,0 cm bis jetzt 18,0 cm Dämmung ausgeführt. Man kann mir also
nicht vorwerfen, ein Saulus zu sein. Für
mich ist jetzt aber nach vielen Jahren ein
Punkt in der energetischen Sanierung
erreicht, den ich aufgrund meiner beruflichen Erkenntnisse und Verantwortung
so nicht mehr mittragen mag. Aus
diesem Grund werden durch mich keine
standardisierten Thermoskannen nach
Schema F mehr ausgeführt, sondern
objektbezogene, energetische Ertüchtigungen vorgenommen. Objekte werden
auf ihre Schwachstellen hin untersucht
und diese werden dann gezielt saniert.
Das ist beim ersten Objekt die Anlagentechnik, beim Zweiten der Dachraum und
beim Dritten die Fensterlaibung. Diese
Handlungsfreiheit wird durch die
Befreiungen nach EnEV § 25 erlangt.
Die immer weiter angezogene Schraube
der EnEV ist bei Betrachtung der tatsächlichen Energieeinsparung unter
Beachtung der grauen Energie (alle zur
Herstellung, Transport und Rückbau
erforderliche Energie) und unter den
Aspekten der Wirtschaftlichkeit nicht
mehr vertretbar. Und wie das bei Schrauben so üblich ist, kommt nach „Fest“
lose. Wenn alle zu berücksichtigenden
Aspekte wie Wohnungslüftung, Dauergerüstanker, Bauteilanforderungen, Dämmstärken, etc. buchstabengetreu nach
EnEV umgesetzt werden, kann man
jedem Hauseigentümer nur von einer
energetischen Sanierung abraten.
Ich bin trotz kritischer Haltung zur EnEV
ein Befürworter der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden und energieeffizientem Bauen. Allerdings nur,
wenn objektbezogene und sinnhafte Eingriffe an Bauteilen vorgenommen werden
können, deren Aufwand unter Würdigung
aller Aspekte in einem Verhältnis zum
Nutzen steht. Maßgeblich ist nach meinem Verständnis vor allem die Betrachtung sämtlicher objekteigener Schwachstellen und weniger die Frage, ob 8,0
oder 18,0 cm gedämmt wird.
Anstatt hochsensible, fragile und teure
Systeme („intelligente“ Folien, Vakuumdämmpaneele, u.ä.) zu verwenden, sollten wir uns endlich der bewährten und
funktionierenden Konstruktionen erinnern. Was spricht eigentlich gegen ein
gedämmtes, hinterlüftetes Dach oder ein
speicherfähiges, massives Außenwandbauteil? Und warum muss ich ein Flachdach so konstruieren, dass es nur dann
funktioniert, wenn dunkle Dachbahnen
eine
rechnerische
Rücktrocknung
sicherstellen?
Wenn der sinnhafte Umgang mit den
Ressourcen zum ehrlich energieeffizienten Bauen und funktionierende Konstruktionen wieder zum Selbstverständnis der Bauschaffenden werden, sind wir
wieder auf dem richtigen Weg.
Quellenverzeichnis:
[1] „Sanierungspotenziale werden überschätzt“ aus der GEB- Newsletter 212010 vom 23.09.2010
91.486
118.499
143.033
122.077
131.048
108.353
116.916
116.257
138.981
137.407
115.410
107.419
128.064
118.870
126.146
87.988
109.939
131.352
97.037
111.300
81.288
101.063
117.386
66.580
130.634
93.307
73.413
115.597
31.228
56.922
62.578
61.476
125.254
88.746
35.030
67.855
31.875
63.143
64.994
75.193
152.010
117.897
40.490
87.508
42.181
78.549
79.113
91.216
119.043
83.845
32.805
68.352
30.270
70.696
59.345
76.338
130.179
96.186
34.478
70.311
33.960
71.050
74.976
78.276
171.595
169.296
166.932
140.131
164.399
114.210
117.089
45
38
-668
-668
66
41
65
-302
-907
-310
32
-894
Einsparung (%) zum durchschnittlichen Verbrauch vor Sanierung
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Verlängerung der U-Bahnlinie U5 in Berlin:
Besondere Herausforderungen an den Tunnel- und Spezialtiefbau
unter komplexen geotechnischen Randbedingungen
Dipl.-Ing. Paul Erdmann · Dr.-Ing. Roman Wahlen
Zusammenfassung
Die bestehende U-Bahn-Linie U5 in Berlin endet im Bereich Berlin-Mitte bei der
U-Bahn Station Alexanderplatz. Geplant
und derzeit im Bau ist die Herstellung
eines ca. 2,2 km langen Lückenschlusses der Trasse zwischen den bestehenden Tunnelanlagen am Berliner Roten
Rathaus und der Station Brandenburger
Tor. Baubeginn war im Frühjahr 2012.
Im Schildvortriebsverfahren werden zwei
parallele Tunnel mit einer Länge von
jeweils ca. 1,6 km hergestellt. Die Unterfahrung der Uferwände der Spree, die
Berücksichtigung des Neubaus des Berliner Schlosses und der Anschluss an die
bestehende Station Brandenburger Tor
stellen besondere Herausforderungen an
Planung und Ausführung des Schildvortriebs dar.
1
Einführung
Für die fehlende Verbindung der UBahn-Linie U5 zwischen den Haltestellen Alexanderplatz und Brandenburger
Tor ist der Lückenschluss geplant. Die
bestehende U-Bahn-Linie U5 in Berlin
endet derzeit am Bahnhof Alexanderplatz. Mit der neu geplanten Trasse des
Lückenschluss ist vorgesehen, die
bestehenden Tunnelanlagen am Berliner
Roten Rathaus mit dem Bahnhof Brandenburger Tor zu verbinden. Im Zuge der
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Baumaßnahmen der Verkehrsanlagen im
zentralen Bereich wurde bereits der Tunnelabschnitt (U-Bahnlinie U55) vom
Hauptbahnhof bis zum Brandenburger
Tor erstellt. Über die Verbindung der U55
mit der neu geplanten U5 erhält BerlinMitte Anschluss an den Hauptbahnhof.
Das Projekt U5 in Berlin umfasst den
Neubau von drei U-Bahnhöfen und einer
verbindenden zweigleisigen Tunneltrasse, die im Schildvortrieb erstellt wird.
Das Projekt ist in zwei Baulose unterteilt.
Los 1 umfasst die Gleiswechselanlage
(GWA), den Bahnhof Museumsinsel
(MUI), den Bahnhof Unter den Linden
(UDL), den Anschluss an den Bahnhof
Brandenburger Tor (BRT) sowie die diese
Bahnhöfe verbindenden Tunnelanlagen.
Das Los 2 beinhaltet den Neubau des
Bahnhofes Berliner Rathaus sowie den
Anschluss an den Bestandstunnel Richtung Alexanderplatz.
Die Linienführung der Trasse sieht vor,
die neue U-Bahn-Linie innerstädtisch in
Tunneln von dem neu zu erstellenden
Bahnhof Rotes Rathaus unter der Spree,
unterhalb des zukünftigen Neuen Berliner Schlosses und dem Spreekanal entlang der Straße Unter den Linden zum
Bahnhof Brandenburger Tor zu führen.
Die Länge des Lückenschlusses beträgt
ca. 2,2 km vom Anschluss an den
Bestand östlich des zukünftigen Bahn-
hofs Rotes Rathaus bis zum Anschluss
an den bestehenden Bahnhof Brandenburger Tor (Abb. 1).
Es sind zwei parallele Tunnelröhren mit
einer Länge von jeweils ca. 1.6 km
geplant. Die Tunnel werden von einer
Tunnelvortriebsmaschine mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust im sogenannten Schildvortriebsverfahren hergestellt.
Hierbei haben die Unterfahrung der Uferwände der Spree und des Spreekanals,
die Berücksichtigung des Neubaus des
zukünftigen Neuen Berliner Schlosses
und der Anschluss an den bestehenden
Bahnhof Brandenburger Tor besonderen
Einfluss auf die Planung und die Ausführung des Schildvortriebs.
Es werden drei neue Bahnhöfe in offener
Bauweise sowie in Deckelbauweise hergestellt. Der Bahnhof Rotes Rathaus
wird in Deckelbauweise in unmittelbarer
Nähe zum Berliner Roten Rathaus
gebaut. Der Bahnhof beinhaltet den
Anschluss an die sich im Betrieb befindenden Tunnelanlagen (Abstellanlagen)
der bereits bestehenden Strecke der U5.
Im weiteren Verlauf des Bahnhofs ist eine
Gleiswechselanlage in offener Bauweise
Abb. 1 Übersicht der Linienführung vom
Bahnhof Rotes Rathaus (rechts) zum
Brandenburger Tor (links)
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
stehenden Tunnel unterirdisch abgerissen und zur Realisierung der Umsteigebeziehungen neu erstellt werden.
2
Geologie
Berlin Mitte wird durch das ost-westlich
verlaufende Berliner Urstromtal geprägt.
Es entstand als Teil des Warschau-Berliner Urstromtals am Ende der letzten Eiszeit und ist durch mächtige Sand- und
Kiesablagerungen gekennzeichnet, die
als Grundwasserspeicher dienen. Lokal
werden die Sande von organisch durchsetzten Sanden oder Torf und Mudde mit
teilweise großen Mächtigkeiten überlagert. Insbesondere im Bereich zwischen
der Spree und dem Spreekanal können
oberhalb der Sande anstehende Schichten bestehend aus Faulschlamm sowie
organisch durchsetzten Sanden und
Schluffen bis in den Bereich des Ausbruchquerschnitts des Schildvortriebs
hineinreichen.
Für die Herstellung der Bahnhöfe ist es
im Bereich des Bahnhofs Museumsinsel
erforderlich, die Gründung des Bauwerks bis in die unter den Sanden anzutreffenden Mergelschichten abzuteufen.
Die Ergebnisse der Erkundungen weisen
ein wahrscheinliches Antreffen von großen Steinen und Blöcken während der
Herstellung der Schlitzwände und während des Schildvortriebs auf. Die sandigen Böden wurden aufgrund ihres
Quarzgehaltes als stark abrasiv angesprochen.
Abb. 2
Regelquerschnitt
Der Grundwasserspiegel liegt im Mittel
ca. 3,0 m unter der Geländeoberfläche.
Die mächtigen Tal- und Schmelzwassersande bilden im untersuchten Gebiet
und dessen Umgebung einen zusam-
und bereichsweise in Deckelbauweise
geplant. Hier beginnt die Schildfahrt.
Der Bahnhof Museumsinsel wird im
Bereich des Spreekanals liegen. Die Planung sieht vor, den Bahnsteigbereich
des Bahnhofs von den beiden Bahnhofsschächten aus im Schutze einer Bodenvereisung in Bergmännischer Bauweise
herzustellen.
Im Bahnhof Unter den Linden kreuzen
sich die bestehende U-Bahnlinie U6 und
die neue U5. Für die Konstruktion des
Kreuzungsbauwerkes müssen die be-
Abb. 3 TBM
während des
Einrichtens im
Startschacht
Abb. 4
Ziehen der
Spundwandprofile
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
menhängenden, ergiebigen Grundwasserleiter.
3
Schildvortrieb mit
flüssigkeitsgestützter Ortsbrust
Die Tunnel werden im Schildvortrieb mit
einer flüssigkeitsgestützten Ortsbrust
aufgefahren. Die Tunnelvortriebe beginnen im Startschacht in der Gleiswechselanlage und enden vor dem Bahnhof
Brandenburger Tor.
Der Innendurchmesser der Tunnelröhren
beträgt 5,70 m. Die Tunnelröhren werden mit Stahlbetontübbings ausgekleidet. Es ist ein Blocktübbingring mit einer
Dicke von 35 cm vorgesehen. Die Ringbreite wird konisch ausgeführt und
beträgt im Mittel 1500 mm (Abb. 2). Die
Dichtung der Tübbingfugen erfolgt mittels eines in einer Nut eingebetteten
geschlossenen Elastomerrahmens. Die
Dichtung ist auf einen max. Wasserdruck
von 3.0 bar zu bemessen. In den Tübbings ist ein Bohrraster vorgesehen der
es ermöglicht, den Ringspalt nachzuinjizieren.
Die Tunnelröhren werden nacheinander
aufgefahren. Es ist vorgesehen, zuerst
die Tunnelröhre für Gleis 1, danach die
Röhre für Gleis 2 vorzutreiben.
Die Anfahrt der Schildvortriebsmaschine
erfolgt im Startschacht im Bereich der
Gleiswechselanlage (Abb. 3). Die Herstellung der Baugrube für den Startschachtes und die Gleiswechselanlage
erfolgt mittels Schlitzwandbauweise. Die
im Zuge des Schildvortriebs zu durchörternde Baugrubenwand wird im Bereich
der Schilddurchfahrt mit Glasfaserbewehrung hergestellt.
Für die Anfahrt ist ein redundantes Dich-
tungssystem bestehend aus Anfahrtopf mit Lippendichtungen, aufblasbarer
Notdichtung
sowie aus einem
erdseitig vor der
Schlitzwand hergestellten
Düsenstrahl-Körper (DSVKörper) vorgesehen.
Die Vortriebe erfolgen nach Herstellung der Baugrubenumschließungen für die Bahnhofsbauwerke und
vor dem Lenzen
und Aushub der
Baugruben. Innerhalb der Baugruben
ist der Stützdruck
aufgrund des in den
Baugruben vorhandenen
kleineren
beaufschlagbaren
Bodenvolumens für
den Vortrieb zu
reduzieren. Aus diesem Grund ist der in
den Baugruben vorhandene Wasserdruck mittels der für den Lenzvorgang
vorgesehenen Brunnen an den aufzubringenden erforderlichen Stützdruck
anzugleichen.
4
Besondere Herausforderungen
des Schildvortriebs
Der Schildvortrieb unterfährt die Spree,
den Bereich des ehemaligen Palastes
der Republik, auf dessen Gründung teilweise das zukünftige Berliner Schloss
Abb. 5
Berliner Schloss, 400 Jahre alte Gründung
(Humboldtforum) errichtet wird, den
Spreekanal, das Bertelsmann-Gebäude,
den Lindentunnel, das Reiterstandbild
Friedrich des Großen sowie den S-Bahntunnel der Nord-Süd-Bahn im Bereich
„Unter den Linden“.
Nachfolgend wird auf die Spreeunterfahrung und die Unterfahrung des Humboldtforums näher eingegangen. Weiterhin werden die in
diesem Los herzustellenden Bahnhöfe
Museumsinsel und
Unter den Linden
sowie der Anschluss
an den bestehenden
Bahnhof Brandenburger Tor betrachtet.
Mit dem Vortrieb des
Tunnels für Gleis 1
wurde im Juni 2013
begonnen.
Abb. 6
Lageplan Bahnhof
Museumsinsel
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
4.1 Unterfahrung der Spree
Die Unterfahrung der Spree stellt aufgrund der Geologie und des Abstands
zur Gewässersohle von ca. 6,0 m
besondere Anforderungen an den
Schildvortrieb. Der Schildvortrieb stößt
unter den gegebenen Randbedingungen
ohne zusätzliche Maßnahmen an die
Grenze der Machbarkeit. Um die Sicherheit zu erhöhen und ein Aufbrechen des
Bodens zu verhindern, sollte die Gewässersohle unter Berücksichtigung der
Aufrechterhaltung des Schiffsverkehrs
ursprünglich entweder mit Stahlplatten
oder Schwerbetonwürfeln ballastiert
werden.
In der Ausführung wurde eine Alternative
zu den vorgesehenen Ballastierungen
der Fluss-/ Kanalsohle ausgearbeitet.
Dieser Alternativvorschlag sieht vor, die
durch die Ballastierung rechnerisch
nachweisbaren Sicherheiten gegen Ausbläser und Aufbrechen des Bodens
durch den Einsatz einer Stützflüssigkeit
höherer Dichte zu erreichen und die sog.
High-Density Suspension-Method
(HDSM) anzuwenden.
des Spreekanals verliefen störungsfrei
und die gemessenen Setzungen an der
Oberfläche lagen durchschnittlich unter
1 cm.
Zum Nachweis der Gleichwertigkeit und
Wirksamkeit der Methode im anstehenden Boden wurde ein in-situ Testfeld vorgesehen, in dem verschiedene Suspensionsdichten im Zusammenspiel mit Vortriebsmaschine und Boden vor Ort getestet wurden. Hierzu wurde zwischen
Startschacht und Spree ein etwa 50 m
langes Testfeld eingerichtet. Zum Einsatz im Bereich der Unterfahrung der
Spree und des Spreekanals kam eine
Stützflüssigkeit mit einer Dichte von 1,3
bis 1,4 g/cm3. Die Vortriebsmaschine
und die Separierung mussten für die
Herstellung, das Handling und die Aufbereitung der Suspension erhöhter Dichte umfangreich modifiziert werden. Der
Schildvortrieb unterhalb der Spree und
Am westlichen Spreeufer ragt eine
Spundwand, die als Teil der Baugrubensicherung im Zuge der Herstellung des
Palastes der Republik im Boden belassen wurde, in den Querschnitt des
Schildvortriebs hinein. Die Spundwand
wurde ca. im Jahr 1970 erstellt. Der im
Vortriebsquerschnitt liegende Teil der
Spundwand sollte in einer temporären
Baugrube in der Spree unter Einsatz von
Tauchern im Pilgerschrittverfahren
zurückgebaut werden. Die Funktion der
Spundwand als Uferwand einer Bundeswasserstrasse musste erhalten bleiben.
In der Ausführung wurde auf die Herstellung der Baugrube verzichtet und das
Ziehen der Spundwandbohlen vorgesehen. Es ist gelungen, die 40 Jahre alten
Abb. 7 Frostkörper Bahnhof Museumsinsel
und in den Schlössern verschweißten
Spundwandprofile einzeln soweit wie
notwendig aus dem Tunnelquerschnitt
zu ziehen und zu kürzen. Der Schildvortrieb konnte somit hindernisfrei durchgeführt werden.
4.2 Unterquerung des zukünftigen
Berliner Schlosses
Als der Palast der Republik abgerissen
wurden, musste die massive Fundamentplatte im Boden bleiben. Sie hätte
nur im Zusammenhang mit einer erheblichen, heute aber nicht mehr zulässigen
Grundwasserabsenkung zurückgebaut
werden können. Die Bodenplatte wird
demzufolge in den Neubau des Berliner
Schlosses integriert.
Der Bau des neuen Berliner Schlosses
startete im März 2012 mit der Vergabe
des Bauloses „Baugrube neues Berliner
Schloss“. Die Bauarbeiten werden
gleichzeitig mit den Tunnelvortriebsarbeiten ausgeführt. Das heißt, dass
sowohl die Bodenplatte als auch die
Baugrube von der Schildmaschine
unterquert werden. Dieses hat verschiedene Abhängigkeiten beider Projekte
untereinander zur Folge, die vor allem
den Schildvortrieb in Bezug auf die in
kurzer Folge unterschiedlichen Stützdruckverhältnisse und die aufeinander
abzustimmenden Bauablaufpläne beider
Baumaßnahmen beeinflussen.
Im Bereich des neuen Berliner Schlosses
Abb. 8
Beispiel Ergebnis der thermischen
Berechnung
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Hierzu sind die Tübbingröhren in Teilflächen abzubrechen und der Ausbruch ist
zu sichern. Der Einbau der bewehrten
Innenschale im Mittelstollen erfolgt
bevor die Querschnittsaufweitung in den
Seitenstollen beginnt. Den Vortrieben in
den Seitenstollen nachfolgend werden
die bewehrten Innenschalen in den Seitenstollen hergestellt und mit der Innenschale des Mittelstollen kraftschlüssig
verbunden. Die Dicke der Innenschalen
variiert und beträgt mindestens 45 cm
(Abb. 9).
4.2 Bahnhof Unter den Linden
Der im Grundriss T-förmige Kreuzungsbahnhof liegt in Ost-West-Richtung
unter der Straße Unter den Linden und in
Nord-Süd-Richtung unter der Friedrichstraße. Im Bahnhofsbereich Unter den
Linden kreuzen sich zukünftig die bestehende U-Bahnlinie U6 und die neue UBahnlinie U5 (Abb. 10). Der Bahnhof
Unter den Linden wird in verschiedene
Baufelder unterteilt erstellt.
Abb. 9: Ausbruchfolge der Teilflächen im Bereich Bahnhof Museumsinsel
wurde während der Tunnelvortriebsarbeiten eine historische Pfahlgründung
entdeckt. Es handelt sich um die Überreste der Gründung eines ehemaligen
nahezu 100 m hohen Münzturms. Die
Pfähle sind teilweise 400 Jahre alt. Sie
haben eine Länge von ca. 11 m und
einen Durchmesser von ca. 30 cm. Der
Abstand der Pfähle untereinander
beträgt ca. 40 cm (Abb. 5). Im Bereich
der Schilddurchfahrt wurden die Pfähle
vollständig gezogen.
4.3 Bahnhof Museumsinsel
Der Bahnhof Museumsinsel beginnt am
östlichen Spreekanalufer und endet im
Bereich der Kommandantur (Abb. 6).
Das Bauwerk besteht aus zwei Schächten an den Enden des Bahnhofs mit den
zugehörigen Zugängen und Verteilerebenen sowie den dazwischen liegenden Bahnsteigröhren. Die Schächte werden in Deckelbauweise mit einer maximalen Tiefe bis zu 43 m hergestellt. Die
Sohlsicherung der Baugruben erfolgt
mittels tiefliegender DSV-Sohlen und
darüber liegenden Aussteifungsrosten.
Bevor der maschinelle Tunnelvortrieb
den Bahnhofsbereich erreicht, werden
die Verbauwände der späteren Baugruben für die Schächte in SchlitzwandBauweise erstellt. Die zu durchörternden
Baugrubenwände werden für die Durchörterung mit Schildvortriebsmaschine im
34 | Baukammer Berlin 3/2014
Bereich des Ausbruchquerschnitts mit
GFK-Bewehrung ausgeführt. Vor den
Baugrubenwänden werden erdseitig
DSV-Körper hergestellt, um eine definierte Abdichtung des Ringspaltes zwischen Tübbing und Schlitzwand mit
Ringspaltmörtel erzielen zu können.
Die Bahnsteighalle liegt im Bereich des
Spreekanals und wird im Schutze eines
Frostkörpers in bergmännischer Bauweise hergestellt. Die minimale Überdeckung zwischen Frostkörper und
Spreekanalsohle beträgt ca. 4,50 m.
Der Frostkörper wird mittels maximal
105 m langer horizontaler gesteuerter
Bohrungen hergestellt. Aufgrund der
Bahnhofsgeometrie ist es erforderlich,
die Bohrungen in ihrer gesamten Länge
von einer Seite auszuführen. Die planmäßige statische Dicke des Frostkörpers beträgt 2,0 m (Abb. 7 und 8).
Die Bahnsteighalle wird in einem dreizelligen Querschnitt bestehend aus einem
Mittel- und zwei Seiten-stollen ausgebrochen. Der Bauablauf sieht vor,
zunächst den Mittelstollen und dann
zeitlich versetzt die Seitenstollen im
bergmännischen Kalottenvortrieb mit
unmittelbarem Sohlschluss aufzufahren.
Der Ausbruch erfolgt mit einer Fräse. Die
Stollen werden mit Spritzbeton gesichert. Der Vortrieb der Seitenstollen
erfolgt im Zuge einer Querschnittsaufweitung im Bereich der Tübbingröhren.
Für die Herstellung des neuen Kreuzungsbahnhofs mit einer Umsteigebeziehung zwischen der bestehenden U6
und der neuen U5 wird ein Teilstück der
U6 neu errichtet. Hierzu ist es notwendig, die U6 für den Zeitraum von ca.
einem Jahr außer Betrieb zu nehmen.
Das neue Teilstück der U6 wird ebenfalls
im Schutze einer Schlitzwandbaugrube
errichtet. Da die U6 im späteren Betrieb
von der U5 unterfahren wird, ist die Konstruktion des neuen U6-Tunnels als
Brücke ausgebildet. Der Anschluss an
den Bestand erfolgt im Schutze von
abdichtenden DSV-Körpern. Die außenliegende Dichtung des Bestandstunnels
ist hierbei für den Anschluss an die
Abdichtung des neuen U6-Tunnels freizulegen und instand zu setzen.
Der Bahnhof wird in Deckelbauweise
errichtet. Im östlichen Teil wird für den
Bau der Zugänge zur Bahnhofsebene
eine offene Baugrube benötigt. Analog
zum Bahnhof Museumsinsel besteht der
Baugrubenverbau aus Schlitzwänden
mit einer Tiefe von bis zu 35 m sowie
einer tiefliegenden Dichtsohle. Die Konstruktion des Bahnhofs sieht vor, Decke
herzustellen, die über eine Länge von bis
zu 40 m fugenlos zu betonieren sind.
Dies stellt besondere Anforderungen an
die Herstellung und Verarbeitung des
Betons.
Die Schildvortriebsmaschine durchfährt
den Bahnhof nach der Herstellung der
Baugrubenumschließungen und der
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Seite 35
Baugeschehen / Stadtentwicklung
Herstellung des neu erstellten Teilstücks
der U6. Die Baugruben sind zu diesem
Zeitpunkt noch nicht ausgehoben und
gelenzt. Zur gesicherten Abdichtung der
Fugen werden auf der Außenseite der
Schlitzwände DSV-Säulen erstellt und
die Fuge zwischen Schlitzwand und
Tübbingring wird nachinjiziert. Auf Gleis
2 hat die Schildvortriebsmaschine einen
Bereich zu durchörtern, in dem zuvor
Anker und Verpresskörper aus ehemals
erstellten Baugruben benachbarter
Gebäude zu bergen sind. Die Anker und
Verpresskörper werden überbohrt und
die Ankerteile dem Schildvortrieb vorlaufend geborgen.
4.3. Anfahrt
Bahnhof Brandenburger Tor
Die Tunnelröhren schließen an die östliche Baugrubenwand des östlichen
Bahnhofschachtes (Bauwerk 129) des
Bahnhofs Brandenburger Tor an. Der
Bahnhof wurde als bewehrtes Stahlbetonbauwerk im Schutze eines bewehrten
Schlitzwandverbaus (Baugrubenverbau
d = 1,20 m) erstellt. In der östlichen
Stirnwand des Bauwerkes 129 wurden
bereits Fugenbänder verwahrt eingebaut. Die Fugenbänder und ein Übergangsblock ermöglichen den wasserdichten Anschluss der Tunnelinnenschale an die bestehende Stirnwand. Hierzu
wird die für die Einfahrt der Schildvortriebsmaschine vorgesehene unbewehrte Schlitzwand mit einer Dicke von 1,50
m durch einen DSV-Körper mit einer
Länge von ca. 10 m ergänzt (Abb. 11).
Die Schildvortriebsmaschine fährt in den
DSV-Körper und die unbewehrte Schlitzwand soweit hinein, bis ein sicheres
Abdichten der Vortriebsmaschine möglich ist. Rund um den Schildmantel ist
nun nacheinander unter Druckluft der
Spalt im Schneidenraum und der Schildmantel sowie atmosphärisch der Spalt
zwischen Schildschwanz und letztem
Tübbingring abzudichten. Bevor die
Druckluftbeaufschlagung abgesenkt
wird, muss von der Geländeoberfläche
aus ein Frostkörper erstellt werden, der
es ermöglicht, die wasserführende Fuge
zwischen Stirnwand und bewehrter
Schlitzwand, die herstellungsbedingten
Längsfugen zwischen den Schlitzwandlamellen sowie die Fuge zwischen
bewehrter und unbewehrter Schlitzwand
abzudichten. Hierzu werden Gefrier- und
Temperaturmessbohrungen in zwei hintereinanderliegenden Reihen in der
bewehrten Schlitzwand als Kernbohrungen abgeteuft. Das Aufgefrieren soll mit
Sole erfolgen. Erst wenn alle Fugen dicht
Abb. 10
Bahnhof Unter den Linden,
Längsschnitt U6,
Querschnitt U5
sind, kann mit dem Rückbau der Schildvortriebsmaschine begonnen werden.
Der Rückbau und die Bergung der
Schildvortriebsmaschine ist aus betrieblichen und sicherheitstechnischen Gründen vom Bahnhof aus nicht möglich. Der
Durchschlag der Tunnelröhren in den
Bahnhof hinein kann daher erst nach
Rückbau der Schildvortriebsmaschine
erfolgen.
Die Schildvortriebsmaschine wird nach
Ankunft am Bahnhof Brandenburger Tor
Abb. 11
Anfahrt Bahnhof Brandenburger Tor,
Längsschnitt
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
rückgebaut und zum Startschacht
zurücktransportiert. Der Schildmantel
verbleibt im Boden. Nach erneuter Montage der Schildvortriebsmaschine kann
die Röhre für Gleis 2 aufgefahren werden. Die Schildvortriebsmaschine wird
abschließend erneut demontiert und
zum Startschacht zurücktransportiert.
Analog zur ersten Röhre bleibt der
Schildmantel auch in der Röhre von
Gleis 2 im Boden.
Der Restvortrieb zur Durchörterung der
Schlitzwand und der Konstruktionswand
erfolgt händisch im Schutze des Frostkörpers. Hierbei ist der Frostkörper
durch ein Verlegen der Gefrierrohre an
den Ausbruchrand während des Vortriebs aufrecht zu erhalten. Die in der
Stirnwand verwahrten Fugenbänder
werden freigelegt, aktiviert und in den
Übergangsblock der Tunnelinnenschale
einbetoniert.
5.
Zusammenfassung
Beim Lückenschluss der U-Bahnlinie der
U5 handelt es sich um ein technisch
anspruchsvolles Bauprojekt. Die Lage
der gewählten Gradiente resultiert aus
den planerischen Zwangspunkten wie
z.B. der Unterfahrung der Spree und des
Spreekanals sowie der angrenzenden
Bebauung. Die anzusetzenden Grundwasserstände und die hieraus resultierenden erforderlichen Abmessungen der
einzelnen Bauteile machen einen Einsatz
der gewählten Bauverfahren bis in den
bisher bekannten Grenzbereichen erforderlich. Dies trifft für die Teufe der erforderlichen Bohrungen zur Herstellung der
tiefliegenden DSV-Sohlen genauso zu
wie für die Länge der gesteuerten
Gefrierbohrungen für den Frostkörper im
Bereich des Bahnhofs Museumsinsel.
Im Bereich der Schildfahrt konnten
durch innovative Lösungen Alternativen
gefunden werden, die die Beherrschung
des Schildvortriebs im Grenzbereich
erleichtern. Dabei wurde das der Planung zugrundeliegende Sicherheitsniveau in Bezug auf die möglichen geotechnischen Versagensmechanismen
nicht geändert und aufrecht erhalten.
fortgeschritten, dass die Bahnhöfe
Museumsinsel und Unter den Linden für
die Schilddurchfahrt bereits nahezu fertig vorbreitet sind. Der Vortrieb befindet
sich auf Gleis 1.
6.
Literaturverzeichnis
[1]
Erdmann, P., Brenner, T., Schmeiser, J.,
Weizenegger, M. 2011. Design Aspects
of the Underground Line U5 in Berlin,
Closing the Gap between the Stations
Alexanderplatz and Brandenburger Tor.
In: Forschung + Praxis, U-Verkehr und
unterirdisches Bauen, Vorträge zur STUVA-Tagung ‘11. Gütersloh: Bauverlag BV
GmbH.
[2]
Breitsprecher, G., Seegers, J. and Hass,
H. 2012. Zum Weiterbau der U-Bahnlinie
U 5 in Berlin-Mitte. In: Bautechnik 89
(2012, Heft 9, Ernst & Sohn Verlag GmbH
und Co KG.
[3]
http://www.bvg.de .2013. Homepage of
BVG (Berliner Verkehrsbetriebe).
Erstveröffentlichung im
BauPortal, Heft 6-7/2014
Die Herstellung der Bahnhöfe ist soweit
Grundlagen zu den spezifische Gefährdungen
bei Arbeiten in Druckluft
Dipl. -Ing. Michael Aldinger
In diesem Artikel werden im Wesentlichen die physikalischen und physiologischen Grundlagen sowie deren spezifischen Gefährdungen bei Arbeiten
in Druckluft dargestellt. Eine umfassende Gefährdungsbeurteilung, unter
kosequenter Beachtung der Schutzmaßnahmen auch aus dem genannten
umfangreichen Vorschriften- und
Regelwerk, lassen auch Druckluftbaustellen sicher und unfallfrei abwickeln.
Begriffe, Definitionen
Arbeiten in Druckluft werden in einem
geschlossenen Raum bei einem Überdruck durchgeführt, der mindestens 0,1
bar über dem Umgebungsdruck liegt. Der
geschlossene bzw. umschlossene Raum
wird auch als Arbeitskammer bezeichnet.
Die Arbeitskammer ist durch eine Material- und Personenschleuse gegenüber der
Umgebung bzw. dem Umgebungsluftdruck abgeschottet. Der, mit Hilfe von
Kompressoren, aufgebaute Überdruck,
verhindert das Eindringen von Grundwasser in die eigentliche Arbeitskammer.
36 | Baukammer Berlin 3/2014
Bei dem in der Druckluftverordnung
bezeichneten Arbeitsdruck, handelt es
sich immer um den über den atmosphärischen Luftdruck hinausgehenden
Differenzdruck bzw. Überdruck. Der
Gesamtdruck (Pabs) ergibt sich somit
aus der Summe von atmosphärischem
Luftdruck (Patm) und Arbeitsdruck Pü:
Pabs = Patm + Pü.
Atmosphärischer Luftdruck ist in Abhängigkeit der geodätischen Höhenlage
sowie der witterungsbedingten Luftzusammensetzung gewissen Schwankungen ausgesetzt. Auf definierter Meereshöhe beträgt der Luftdruck 1,013 bar
bzw. 1013 mbar. Zwischen 560 m ü. NN
und 1560 m ü NN ergibt sich ein Druckunterschied von 0,1 bar. Zwischen 0 m ü.
NN und 6000 m ü. NN beträgt der atmosphärische Druckunterschied bereits 0,5
bar.
1 bar = 100.000 Pascal = 1000 hPa
(mbar) = 100.000 N/m2 = 10 N/cm2
entspricht 10 Meter Wassersäule.
Anwendungsbereich
Arbeiten in Druckluft
Das Bauverfahren „Arbeiten in Druckluft“
wird dann angewandt, wenn ein Baukörper in den Untergrund eingebracht werden soll und das anstehende Grundwasser nicht abgesenkt werden kann oder
darf. Dieser Anwendungsbereich liegt
vor, wenn z. B. unterirdische Hohlraumbauten wie Tunnel, Rohrvortriebe, Kavernen oder Senkkästen in grundwassergesättigten Böden ausgeführt werden sollen.
• Tunnelvortrieb in Spritzbetonbauweise unter Druckluft
• Tunnelvortriebsmaschine mit Druckluftschild
• Tunnelvortriebsmaschine mit Hydroschild, Druckluftexposition nur in Wartungs- oder Reparaturfällen
• Rohrvortrieb mittels Druckluftschild
oder Hydroschild
• Caissonbauweise
Die Druckluft dient zur Verdrängung von
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Grundwasser, um im Schutz eines Luftpolsters Tiefbauarbeiten ausführen zu
können. Gereinigte Druckluft (gemäß
Normierung für Atemluft) wird mit einem
Druck in die Arbeitskammer eingeblasen,
die der Druckhöhe des anstehenden
Grundwasserspiegels entspricht. Derartige Verfahren sind technisch und personell sehr aufwändig und teuer.
Durch den Überdruck mittels Luftdruck
ist der menschliche Organismus spezifischen Gefährdungen und höheren Belastungen ausgesetzt, als in atmosphärischen Verhältnissen.
Physikalische und
Physiologische Grundlagen
Arbeiten unter Tage in Druckluft werden
im wesentlichen durch die physikalische
Gesetze von Dalten, Boyle Mariotte,
Henry und Gay – Lyssac beeinflusst. Luft
besteht bekanntermaßen aus ca. 78 Vol.% Stickstoff, ca. 21 Vol-% Sauerstoff
und einer kleinen Restmenge von Edelgasen sowie Kohlendioxid und Kohlenmonoxid.
Das Gesetz von Dalten über die Teildrücke eines Gases besagt, dass in
einem Gasgemisch jedes Gas für sich
einen Druck ausübt, der so groß ist, wie
es seinem Volumenanteil entspricht. Der
Gesamtdruck des Gemisches entspricht
der Summe der Einzeldrücke: Pges =
P1+P2+P3+PN.
Diese Physikalischen Gesetzmäßigkeiten führen beispielsweise dazu, dass also
unter atmosphärischen Verhältnissen
(1013 mbar) der Sauertoffpartialdruck
ca. 0,21 bar und der Stickstoffpartialdruck ca. 0,78 bar in diesem Gasluft-
gemisch beträgt. Bei einer Steigerung
des Druckes auf z.B. 3 bar Überdruck
(Pabs = 4 bar) erhöhen sich die Partialdrücke in dem Luftgemisch proportional
auf 0,84 bar bei Sauerstoff und auf 3,14
bar bei Stickstoff.
Die Beziehung zwischen Druck und Volumen von Gasen haben die beiden
Physiker Boyle und Mariotte unabhängig
voneinander in den Jahren 1662 und
1676 erkannt. Die Beziehung läßt sich
über die Formel P x V = constant bzw. P1
x V1 = P2 x V2 beschrieben. Das Gesetz
Bild 2:a, b: Personenschleuse, Baustelle Arge H7-1 Tunnel Fritzens
Foto: Michael Aldinger
Bild 1:
Startschacht Konventioneller
Druckluftvortrieb mit Blick auf Materialund Personenschleuse.
Foto: Michael Aldinger
sagt aus, dass der Druck idealer Gase
bei gleichbleibender Temperatur und gleichbleibender Stoffmenge umgekehrt
proportional zum Volumen ist. Erhöht
man den Druck auf ein Gaspaket, wird
durch den erhöhten Druck das Volumen
verkleinert. Verringert man den Druck, so
dehnt es sich aus.
Aus dieser Gesetzmäßigkeit ergibt sich
auch die grundlegende physiologische
Wirkung des Überdruckes auf den Menschen. Die Situation der komprimierbaren Luft und der nicht komprimierbaren festen Stoffe wie z.B. Knochen,
Muskeln und Organe im menschlichen
Körper, führt bei nicht stattfindendem
Druckausgleich zu einem relativen
Druckunterschied zwischen den Systemen. Hieraus können in den im menschlichen Körper vorhandenen Hohlräumen wie beispielsweise im Mittelohr, Verdauungstrakt, den Lungen, und Nasennebenhöhlen sowie Karieshöhlen, physiologische Probleme entstehen.
Das Gesetz von Henry besagt, dass die
Konzentration eines Gases in einer Flüssigkeit direkt proportional zum Partialdruck des entsprechenden Gases über
der Flüssigkeit ist. Die Proportionalität
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Bild 3a, b: Arbeitskammer
wird durch die Henry-Constante ausgedrückt. Wenn also der Druck der Atemluft
außerhalb des Körpers und bei entsprechender Atmung auch gleichzeitig in
der Lunge eines Menschen zunimmt,
steigt nach dieser Gesetzmäßigkeit im
Blut der physikalisch und chemisch
gelöste Anteil an Sauerstoff und Stickstoff an. Der Anteil an Sauerstoff ist in
bestimmten Grenzen unproblematisch,
da er im Stoffwechselprozeß verwertet
wird. Stickstoff allerdings wird im Körpergewebe eingelagert bzw. gespeichert. Bei einer Druckentlastung, wie
z.B. beim Ausschleusen, wird der gespeicherte Stickstoff wieder in den Blutkreislauf zurückgegeben. Bei hoher Druckdifferenz und zu schnellem Ausschleusvorgang wird der Stickstoff nicht mehr nur
physikalisch und chemisch gelöst in das
Blut zurückgegeben, sondern auch gasförmig, in Form von mehr oder weniger
großen Gasblasen.
Spezifische Gefährdungen
Barotrauma
Unter dem Begriff Barotrauma versteht
man eine Gesundheitsstörung, die bei
einer nicht stattfindenden Anpassung
des Körperinnendruckes an den Arbeitsdruck entsteht. Neben dem Ausmaß der
Bild 4: Physik der komprimierbaren Gase
38 | Baukammer Berlin 3/2014
Fotos: Arbeitsmedizinisches Zentrum Hall in Tirol
Druckänderung ist auch die Geschwindigkeit der Druckänderung für
das Entstehen eines Barotraumas verantwortlich. Beim Menschen können alle
luft- oder gasgefüllten Hohlräume und
deren Umhüllung betroffen sein, unabhängig davon, ob die Hohlräume natürlichen, künstlichen oder krankhaften
Ursprungs sind. Hierzu zählen z.B. Lungen, Mittelohr, Nasennebenhöhlen,
Karieshöhlen und gasgefüllte Hohlräume
zwischen fest anliegenden Kleidungsstücken und der Haut (zum
Beispiel Taucheranzug oder Gesichtsmaske). Entsprechend den betroffenen
Hohlräumen werden verschiedene Formen von Barotraumen unterschieden. Im
engeren Sinne werden mit Barotraumata
Schädigungen bezeichnet, welche durch
die Exposition gegenüber Überdruck
und Unterdruck entstehen.
Typische Beschwerden aufgrund dieser
Wirkungsmechanismen sind Ohrenschmerzen bis hin zum Trommelfellriß,
Schmerzen in den Nasennebenhöhlen
aufgrund von Schleimhautschwellungen
und Einblutungen, Lungenüberdehnungen, Zahnschmerzen sowie Ablösen von
Zahnfüllungen. Unter bestimmten Vorraussetzungen, insbesondere beim
Tauchen, können auch die Haut, das
Auge und der Verdauungstrakt durch
Barotraumen betroffen sein.
Stickstoffaufsättigung
Der menschliche Organismus ist unter
Normalatmosphäre von 1 bar mit Stickstoff von etw 0,78 bar in allen Körperstrukturen gesättigt. Dabei wird mit
jedem Atemzug die gleiche Menge Stickstoff eingeatmet, die anschließend
wieder ausgeatmet wird, da dieser für
den Stoffwechsel des Körpers keinerlei
Funktion hat. Sauerstoff als lebensnotwendiges Oxidationsgas wird entsprechend den aktuellen Energieanforderungen des Organismus von den
Körperzellen verstoffwechselt. Ausgenommen bei reiner Sauerstoffatmung
bleibt daher die Höhe des Sauerstoffpartialdruckes bei bereits kritischen Stickstoffpartialdrücken noch unproblematisch.
Bei erhöhtem Umgebungsdruck steigen
auch die Sticksottpartialdrücke des
Atemgases proportional an. Auf neuem
Druckniveau beginnt nun eine Aufsättigung aller Körpergewebe mit Stickstoff.
Dabei bestehen erhebliche Unterschiede
in der Stickstoffaufnahmefähigkeit verschiendener Gewebe. Fettgewebe lösen
z.B. fünfmal mehr Stickstoff als Blut. Die
Grafiken: Arbeitsmedizinisches Zentrum Hall in Tirol
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Knochennekrose (AON), Hörschädigungen, Netzhautschäden sowie neurologische Folgeschäden nicht behobener DCS
Typ II.
Stickstoffnarkose (Tiefenrausch)
Bild 5: Je höher der Druck desto mehr Gase lösen sich im menschlichen Körper, Aufnahme
über die Lunge
Foto und Grafiken: Arbeitsmedizinisches Zentrum Hall in Tirol
Menge aufgenommenen Stickstoffs wird
dabei im Wesentlichen von den Größen
Druck, Zeit, individuelle biologische Stoffwechselsituation und physische Beanspruchung, bestimmt.
Das menschliche Gewebe ist in der Lage,
einen gewissen Differenzdruck zwischen
erworbenem, erhöhtem Stickstoffgewebedruck und Umgebungsdruck symptomlos zu akzeptieren (tolerierter Inertgasdifferenzdruck bei der Dekompression). Beim Überschreiten dieses individuellen „inneren Grenzwertes“ kommt es zu
einem zunehmenden Wechsel des Aggregatszustandes von gelöstem Stickstoff in
die Gasphase. Auf allen Gewebsstrukturebenen beginnen dann organische
Störungen aufzutreten, die klinisch als
sog. Dekompressionserkrankungen mit
ihren verschiedensten Ausprägungsformen und Schädigungsmustern in Erscheinung treten und zu unverzüglicher spezifischer druckluftmedizinischer Behandlung zwingen. Das „Ausperlen“ von
gelöstem Stickstoff in gasförmigen Stickstoff im Blut und den Geweben des Menschen, bei zu schnellem Ausschleusen,
kann man sich in in der Weise vorstellen,
wie das Ausperlen von gelöster Kohlensäure im Mineralwasser beim schnellen
Öffnen, einer unter Druck stehenden Mineralwasserflasche.
Skelettmuskulatur, selten Hand- und
Fußgelenke
Dekompressionserkrankungen Typ 2:
• Neurologische Symptome: Sensibilitätsstörung, Lähmung, Schwindel,
Erbrechen, Bewußtlosigkeit, HörSeh- und Sprachstörungen und
Müdigkeit. Diese Störungen treten
auf, da sich Gasblasen im Gehirn,
dem Innenohr, Herz, der Lunge, Niere
oder dem Rückenmark ablagern.
Gegebenenfalls kommt es durch die
Gasblasen gar zu ganzen Verschlüsse
von Blutgefäßen (Embolien).
• Atemnot mit Husten: Erstickungsgefühl mit Brustschmerzen
Dekompressionserkrankung Typ 3:
Langzeitschäden werden unter Typ III
zusammengefasst. Als Berufskrankheit
anerkannt sind bisher die aseptische
Je nach Größe und Intensität der auftretenden Stickstoffblasen ergeben sich folgende Schädigungsmuster:
• Dekompressionserkrankungen Typ 1:
• Hautsymptome
(„Taucherflöhe“):
Juckreiz, punktförmige Hautrötung,
Schwellung, marmorierte Haut
• Muskel- und Gelenkschmerzen
(Bends): große, mittelgroße Gelenke,
Bild 6: Bei schneller Druckentlastung
entstehen Gasblasen auch im menschlichen Gewebe und Blutgefäßen
Stickstoffnarkose ist ein rauschartiger
Zustand in der Isopressionsphase, der
ab ca.3 bar Überdruck auftritt. Die
Schwankungsbreite für das Auftreten ist
abhängig von der körperlichen Verfassung (Anstrengung, Stress, Gesundheitszustand). Typische Erscheinungen sind
ein eingeschränktes Urteilsvermögen
und logisches Denken, auch was
Gefahrensituationen angeht, verändertes akustisches Empfinden, metallischer Geschmack sowie Euphorie oder
Angst, und nach dem Tauchgang eine
bleibende Müdigkeit.
Sauerstofftoxizität
Reiner Sauerstoff wirkt ab 1,0 bar latent
und ab 1,8 bar Überdruck direkt toxisch.
Insofern darf gemäß Druckluftverordnung beim Ausschleusen mit der Sauerstoffatmung erst begonnen werden,
wenn der Druck in der Schleuse auf 1,0
bar abgesenkt ist. Unter Beachtung
dieser Randbedingungen bringt die
Sauerstoffdekompression beim Ausschleusen für die Stickstoffentsättigung
allerdings erhebliche Vorteile. Hierdurch
werden Auswirkungen der Dekompressionserkrankungen und Ausschleuszeiten erheblich minimiert.
Bei Luft als Dekompressionsgas kommt
als Druckgradient für die Stickstoffelimination nur der geringe Druckgradient
zwischen dem aktuellen Gewebepartialdruck und dem Stickstoffpartialdruck der
Atemluft auf der Haltestufe zum Wirken.
Die Dekompression benötigt dabei viel
Zeit.
Bei der Verwendung von 100 % Sauerstoff als Dekompressionsgas kommt
dagegen der gesamte Druckgradient
zwischen Gewebedruck und Umgebungsdruck zum Tragen, die Entsättigung des Gewebes erfolgt in kürzerer
Zeit. Durch die Atmung von Sauerstoff im
Überdruck steigt zusätzlich der Anteil
von physikalisch im Blut gelöstem
Sauerstoff um ein Vielfaches an, die
Sauerstoffversorgung der Gewebe wird
dadurch gesteigert. Mögliche Mikrozirkulationsstörungen durch Stickstoffblasen können somit bereits im Entstehen unterbunden werden. Spezifische
Wirkung des Sauerstoffes ist auch die
Verkleinerung von Stickstoffblasen und
ein gewebeabschwellender Effekt.
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Bild 7: Blutung im Mittelohr
bei nicht stattgefundenem
Druckausgleich beim
Einschleusen
Bild 8:
Schmerzen bis Trommelfellriß
bei nicht stattfindendem
Druckausgleich beim
Ausschleusen
Grafiken: Arbeitsmedizinisches Zentrum Hall in Tirol
Gefahrstoffe in der Atemluft unter
Überdruck
Gefahrstoffe bei Arbeiten unter Druckluft
können z.B. auftreten in Form von Stäuben, Quarzfeinstaub, Spritzbetonbeschleuniger oder auch Schweißrauche.
Insbesondere aufgrund der erhöhten
Partialdrücke auch von diesen Stoffen in
der Luft ist die Wirkung auf den Menschen nicht abschätzbar. Relevante
Arbeitsplatzgrenzwerte gelten nicht
unter Überdruck. Aus diesen Gründen
gilt beim Auftreten von Gefahrstoffen in
Überdruck grundsätzlich ein Minimierungsgebot.
Brand
Ein Brand entsteht, wenn Zündenergie,
Brennstoff und Sauerstoff zusammentreffen. Mehr Sauerstoff bedeutet geringere
Zündtemperatur bei gleichzeitiger Zunahme der Abbrandgeschwindigkeit und
Hitzeentwicklung. Komprimiert enthält
Luft mengenmäßig mehr Sauerstoff als
Anzeigen
in der
Baukammer Berlin
CB-Verlag Carl Boldt
Baseler Str. 80 · 12205 Berlin
Telefon (030) 833 70 87
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40 | Baukammer Berlin 3/2014
bei atmosphärischem Druck.
Die Bauleitung muß daher, durch entsprechende Organisation der Arbeitsabläufe, die Menge der in der Arbeitskammer gelagerten brennbaren Materialien minimieren, die erforderlichen Maßnahmen festlegen sowie deren Durchführung überwachen.
• mögliche Zündquellen (Elektroanlagen, Maschinen, Förderbänder) auf
Defekte prüfen,
• hochentzündliche Stoffe nur in der
unbedingt erforderlichen Menge in der
Arbeitskammer lagern,
• brandgefährliche Stoffe (Holzwolle)
soweit möglich in nichtbrennbaren
Behältern lagern,
• besondere Sicherheitshinweise für
Schneid- und Schweißarbeiten beachten,
• Abfall umgehend aus der Arbeitskammer entfernen,
• Alarm- und Rettungsplan erstellen.
Bei Feuerlöscharbeiten in der Arbeitskammer einer Druckluftbaustelle kann
es sich in der Regel nur um die Bekämpfung eines Entstehungsbrandes durch
das im Druckluftbereich eingesetzte
Baustellenpersonal handeln. Wasserleitung mit ausreichender Kapazität und
Anzahl von Anschlüssen und Schläuchen sind erforderlich, um jede Stelle in
der Arbeitskammer zu erreichen. Eine
ausreichende Anzahl von geeigneten
Feuerlöschern (z.B. Schaumlöscher oder
Pulverlöscher mit Freigabe für den
Untertageeinsatz) sind vorzuhalten.
Mit einem Brandschutzplan sind klare
Regelungen z. B. über Zuständigkeiten
für den Ablauf der Rettungsmaßnahmen,
Meldesystem, Schleusenbelegung, Belüftungskonzept im Brandfall, Atemschutzgeräte für Selbstrettung, Feuerlöscheinrichtungen zu treffen. Die Beschäftigten sind regelmäßig zu unter-
weisen. Diese Unterweisung ist zu dokumentieren. Die Kenntnisse sind im Rahmen von Notfallübungen zu vertiefen.
Vorschriften- und Regelwerk
zu Mindestanforderungen
an Schutzmaßnahmen
Druckluftverordnung (DruckLV) mit
Änderungen und Anpassungen in den
Jahren 1997, 2005 und 2008. Die dort
formulierten Maßnahmen und insbesondere die Ausschleustabellen mit reinem
Sauerstoff ab 1,0 bar Überdruck, ermöglichen ein sicheres und bewährtes
Arbeiten in Druckluft.
Verordnung zur arbeitmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
RAB 25 (Regel zum Arbeitsschutz auf
Baustellen) vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Arbeit Ende 2003 bekannt gegeben, in welcher sehr weit
gehende Konkretisierungen zur Druckluftverordnung beschrieben sind.
Weitere Anforderungen und Konkretisierungen, unter anderem auch zu
Arbeiten in Druckluft, sind in folgenden
autonomen Vorschriften und Regeln der
Technik angesiedelt:
• BGV C 22 Unfallverhütungsvorschrift
Bauarbeiten
• BGR 500 Berufsgenossenschaftliche
Regel, Kapitel Schweißen und
Schneiden
• BGR 160, Sicherheitsregeln
Bauarbeiten unter Tage
für
• BGI 593, Berufsgenossenschaftliche
Information,
Schadstoffe
beim
Schweißen
• BGI 743,
Schweißen
Nitrose
Gase
beim
• EN 12110: Tunnelbaumaschinen –
Druckluftschleusen – Sicherheitstechnische Anforderungen
• EN 12021: Anforderungen für Atemluft
• Germanischer Loyd: „Rules and
Guidelines for Cassification, Certification and Construction of chamber
systems, pressure chamber systmes,
hyperbaric treatment chambers, Temporary safe refuges”.
• International tunnelling and underground space association (ITA):
Guidelines for good working practice
in high pressure compressed air
Erstveröffentlichung in
BauPortal Nr. 4/2014
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
Metallgestaltung versteht sich als Wechselspiel
Zwischen Denken, Intuition und Handeln
Arne Kuczmera
Vielleicht ging es Ihnen auch schon so!
Um dem Verkehr in unserer schönen
Stadt aus dem Wege zu gehen oder einfach nur zu entspannen, schwinge ich
mich oft auf den Sattel meines Rades.
Dabei fallen mir immer wieder aufs Neue
die wunderschönen Schmiedearbeiten
auf. Überall hier in Berlin kann man sie
bewundern. Unterschiedlichste Arbeiten. Angefangen von Balkon und Fenstergittern, Dachverzierungen, Brunnen
bis hin zu Denkmälern und ihren Einfassungen.
Neobarocke Gitter zieren ein
Geschäftshaus in München
Davon fasziniert, begann meine Recherche nach Leuten, die
dieses
Handwerk
auch noch heute im
Zeitalter der industriellen Fertigung
betreiben. Bei meiner
Suche stieß ich auf
die Firma Theel.
Seit 1990 ist Torsten
Theel mit seinen Mitarbeitern ansässig in
der
Hofschmiede
Dahlem,
übrigens
dem ältesten Landgut Berlins. Inmitten
dieser Harmonie gelingt es immer wieder
aus so schroffem
Material einzigartig
Schönes, ja fast
schon Lebendiges
entstehen zu lassen,
sagt Theel.
Ursprünglich stammte Torsten Theel aus
7,50 Meter hohes Tor zum Jagdschloss
Glienicke. Das Tor befindet sich in der
Waldmüller Str. und trägt deshalb auch
diesen Namen („Waldmüller-Tor“)
Zaun für ein
Landhaus in
Dahlem
, Auftraggeber
Architekturbüro
Müller Reihmann
Sonnenpavillon im Rehgarten
von Schloss Sanssouci
Diese Arbeit befindet sich nicht in
Deutschland , es ist der Auslauf eines
Wasserspeicher verziert durch eine
Chinere und gehört zu einer Villa in
Teneriffa
Baukammer Berlin 3/2014 |
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Bau 3-14 Umbruch 2
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Seite 42
Baugeschehen / Stadtentwicklung
tekten, wie Thomas Müller und Ivan Reimann in Berlin.
Mitarbeiter der Firma Theel, aufgenommen in der Schmiede der Domäne Dahlem
Leipzig, wo er 1959 geboren wurde. Als
16-Jähriger begann er eine Lehre als
Schmied in der Werkstatt von Fritz Kühn.
Später arbeitete er in der „Kunstschmiede Berlins“, nach seiner Meisterprüfung
1982 wechselte Theel zum „Kollegium
Bildender Künstler“. Es folgten Arbeitsaufenthalte bei Leopold Habermann in
Iglau, Tschechien.
Getreu dem Motto, „die Architektur ist
die Mutter aller Künste“, entwirft Theel
auch Metallarbeiten für namhafte Archi-
Das Spektrum der Firma Theel umfasst
neben Neubauten auch Restaurationen
historischer Schmiedearbeiten. Dabei
kommen je nach Verwendungszweck
nicht nur Stahl sondern auch Metalle wie
Messing, Kupfer, Aluminium oder auch
gegossene Werkstücke zum Einsatz.
Besondere Herausforderungen waren
unter anderem auch Kupfertreibarbeiten
bei der Restaurierung am Berliner Dom,
darunter die vier Meter hohe Statue
„Gerechtigkeit“. Ebenfalls als sehr kompliziert stellte sich die Wiederherstellung
des Sonnenpavillons im Rehgarten von
Sanssouci in Potsdam dar. Zu seinen
Arbeiten gehören ebenfalls, die goldene
Rosenlaube im Park Babelsberg,
geschmiedete Gitter im Rokokostil für
Schloss Rheinsberg.
Fotos:
© Torsten Theel
Dieses Bild ist sehr
interessant und hat
mich sehr
beeindruckt,
Das Denkmal trägt
den Namen
"Miteinander".
Es entstand in
Zusammenarbeit mit
den Mädchen einer
12. Klasse
(Kunstprojekt) in
Alt-Ruppin.
Gefallene Russische
Soldaten sollten
umgebettet werden.
Daraufhin wurde von
der
Russischen
Regierung ein
Denkmal gefordert,
das darauf hin
entstand.
BMVI: Augenmerk auf digitale Planungsprozesse
Die deutsche Bauwirtschaft und Ingenieurskunst genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Dennoch werfen Baukostenüberschreitungen und Terminprobleme bei privaten und öffentlichen Bauprojekten, nicht zuletzt bei einer Reihe
aktueller, prominenter Großprojekte, die
Frage auf, ob oder inwieweit es strukturelle Defizite bei Planung und Realisierung von Großprojekten in Deutschland
42 | Baukammer Berlin 3/2014
gibt. Aus diesem Anlass wurde 2013 vom
BMVBS die fast 40köpfige Reformkommission Großprojekte gegründet. Ihre
Aufgabe ist es, – nunmehr für das Bundesministerium für Verkehr und digitale
Infrastruktur (BMVI) – Lösungsvorschläge zu entwickeln, wie große Bauvorhaben effizienter und vor allem im Zeit- und
Kostenrahmen realisiert werden können.
Dazu gehört auch, den gesamten Bau-
prozess - von der ersten Projektidee bis
zur Inbetriebnahme und Nutzung - und
die zugrunde liegenden Vorschriften auf
den Prüfstand zu stellen. Schlüsselaspekte sind:
• Verstärkte Planung in frühen
Projektphasen
• Anwendung modernster IT-gestützter
Planungsmethoden
Bau 3-14 Umbruch 2
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Baugeschehen / Stadtentwicklung
• Verlässliche Kostenschätzungen und
belastbare Termine
• Systematisches Risikomanagement
• Kooperation von Planung und
Bauausführung
• Effiziente Ausschreibung und
Vergabe
• Klare Regelungen von Verantwortung
und Haftung, Bonus-MalusRegelungen
• Effiziente Bauausführung,
Bauüberwachung und
Projektsteuerung
• Mehr Transparenz gegenüber der
Öffentlichkeit
Arbeitsgruppen erarbeiten zu den Einzelthemen Analysen und Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Die Reformkommission soll insgesamt achtmal tagen und 2015 ihren
Abschlussbericht vorlegen. Der Bericht
soll schließlich Grundlage für ein „Handbuch Großprojekte“ werden.
Im vergangenen Monat hat nun die
Reformkommission Großprojekte zum
dritten Mal in Berlin getagt. Thema dieser
Sitzung waren die Chancen durch
moderne digitale Planungsmethoden.
„Die durchgängige Digitalisierung
aller planungs- und realisierungsrelevanten Bauwerksinformationen als
virtuelles Bauwerksmodell kann dazu
beitragen, Termin- und Kostenüberschreitungen bei Bauprojekten zu
vermeiden“, so das BMVI in seiner
Digitales Gebäudemodell
Pressemitteilung aus Anlass der 3.
Sitzung der Reformkommission am
tend angewendet. Verbände der Deut15. Mai. „Diese Methodik wird mit BIM
schen Planungs- und Bauwirtschaft
umschrieben (Building Information
sowie Unternehmen wollen deshalb eine
Modeling). Sie nutzt gegenüber herBIM Task Group gründen.“ Bundesminikömmlichen IT-Modellen deutlich mehr
ster für Verkehr und digitale Infrastruktur
Informationen bzw. Daten und schafft
Alexander Dobrindt kündigte darüber
eine synchronisierte Datenbasis, auf die
hinaus in der Pressekonferenz an, Pilotalle am Bau Beteiligten zugreifen könprojekte ins Leben zu rufen, um die Diginen. Sie verbessert so gegenüber hertalisierung des Bauens in Deutschland
kömmlichen IT-Modellen Transparenz
voranzubringen.
und Vernetzung. Obwohl entsprechende
Softwareprodukte in Deutschland entDer AHO bringt sich über seinen AK BIM
wickelt und angeboten werden und BIM
unter der Leitung von Professor Oltbei der Vergabe öffentlicher Bauvorhamanns in die Diskussion ein.
ben in vielen europäischen Ländern
bereits verbindlich vorausgesetzt wird,
Quelle:
wird sie in Deutschland noch zurückhalAHO-Newsletter, Ausgabe 3, Juli 2014
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Aus dem Wettbewerbsausschuss der Baukammer Berlin
Dipl.-Ing. Marion Pristl
I. Wettbewerbe
Das Ziel des
Wettbewerbsausschusses der
Baukammer Berlin ist es, das
Wettbewerbswesen für Bauingenieure zu fördern
und darauf hinzuwirken,
dass
möglichst zahlreiche offene Wettbewerbe ausgelobt werden. Der Zugang sollte
möglichst auch jungen, kleineren und
mittleren Büros offengehalten werden.
Deshalb sollten sämtliche Wettbewerbsverfahren grundsätzlich für junge Büros
anteilig zugänglich sein. Im Zweifelsfall
kann durch ein nachlaufendes Verhandlungsverfahren eine entsprechende
kompetente Verstärkung des siegreichen
Wettbewerbers im gegenseitigen Einvernehmen vereinbart werden.
laufenden VOF-Verfahren bevorzugt
berücksichtigt werden und bei reduziertem Anforderungsprofil mit dem Nachweis der Fachkunde und der notwendigen Kapazität den Zuschlag erhalten.
Die wesentlichen Tätigkeiten des Wettbewerbsausschusses der Baukammer
Berlin sind:
• Förderung des Wettbewerbswesens:
leichten Zugang zur Wettbewerbsteilnahme mittels niedrigschwelliger
Anforderungen hinsichtlich Bürogröße und Referenzen ermöglichen
• Begleitung von Wettbewerbsverfahren von Beginn der Auslobung bis zur
Preisgerichtssitzung mit dem Ziel,
eine faire Wettbewerbsdurchführung
zu erreichen – positive Beispiele:
Wettbewerbsabteilungen von SenStadtUm und BBR mit fairen und gut
durchgeführten Wettbewerben
Unser Tätigkeitsschwerpunkt wird auf
die Auslobung von interdisziplinären
Wettbewerben und Ingenieurwettbewerben für Infrastrukturprojekte
gelegt, wobei den Aspekten der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz besondere Bedeutung zukommt. Bei Ingenieurwettbewerben sollte je nach Aufgabenstellung die Federführung der teilnehmenden Bewerber bei den Bauingenieuren liegen.
• Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Berlin, dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie dem Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, dem Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung und der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin mit dem
vorrangigen Ziel, die Verfahrenstransparenz und den Zugang für junge,
kleinere und mittlere Büros zu erhöhen
Der Wettbewerbsgewinn von Fachplanern innerhalb eines offenen bzw. nicht
interdisziplinär ausgeschriebenen Verfahrens ist angemessen zu würdigen.
Siegreiche Teams sollten in einem nach-
Folgende wesentliche Verbesserungen
bei der praktischen Durchführung von
Wettbewerben gem. RPW2013 sind
schwerpunktmäßig aus der Sicht der
Baukammer im Sinne aller Planer notwendig:
Preis der Baukammer Berlin 2014
für besonders gute Abschlussarbeiten auf dem Gebiet des Bauingenieur- und
Vermessungswesens an den Berliner Hochschulen und der Technischen
Universität Berlin.
Mit dem Preis der Baukammer soll die Vielseitigkeit des Bauingenieurwesens
anhand von herausragenden und sich durch besondere Kreativität
auszeichnenden Abschlussarbeiten gezeigt werden.
Die Abschlussarbeiten aus dem Jahr 2014 müssen bis zum 31.01.2015
eingereicht werden.
Nähere Informationen:
Baukammer Berlin · Gutsmuthsstr. 24 · 12163 Berlin
Tel.: (030) 79 74 43-0 · www.baukammerberlin.de
44 | Baukammer Berlin 3/2014
• Wettbewerbsauslobungen sind hinsichtlich der spezifischen Planungsaufgabe und dem zu bearbeitenden
Bauvolumen für die Teilnehmer angemessen zu formulieren. Die Anzahl
der Teilnehmer sollte sich dabei nach
der Komplexität der Planungsaufgabe
orientieren. Eine zumindest anteilige
Öffnung für junge Büros sollte auch
bei beschränktem Teilnehmerkreis
angestrebt werden.
• Die Wettbewerbssumme ist entsprechend der RPW 2013 sowie dem
Anforderungsprofil der Planungsaufgabe angemessen festzulegen. Dazu
gehört zwingend, dass die Baukosten realistisch bestimmt werden
(Kostenobergrenze) seitens des Auftraggebers zum Zeitpunkt der Auslobung. Bei vielen Wettbewerbsverfahren besteht eine unüberbrückbare Differenz zwischen Aufgabenstellung,
dem erwarteten Anspruch und dem
verfügbaren Budget.
• Das Auftragsversprechen für den
Preisträger sollte im Honorarbereich
der HOAI bis zur Ausführungsplanung
erfolgen.
• Die Planungstiefe im Wettbewerb ist
auf die Leistungsphase LP 2 der
HOAI zu beschränken. Der Fokus der
Wettbewerbsverfahren muss zurückgeführt werden für ein bestimmtes,
vorgegebenes Ziel, wobei die besondere Entwurfsidee darzustellen ist und
nicht sämtliche Planungsbereiche im
Vorfeld visualisiert werden müssen.
• Darüber hinausgehende besondere
Leistungen, wie z. B. Modelle, Renderings, etc. sind auf ein Mindestmaß
zu beschränken und durch einen Aufschlag in der Wettbewerbssumme
gesondert zu honorieren.
• Die Auslobungsunterlagen sind auf
ein notwendiges Maß zu begrenzen.
Dies spart Kosten in der Vorbereitung
für den Auslober und Kosten bei der
Bearbeitung durch die Teilnehmer.
• Bei Ingenieurwettbewerben können
unsere Bauingenieure/-innen bereits
in der Phase der Formulierung der
Wettbewerbsaufgabe den Auftraggeber kompetent beraten.
• Grundsätzlich sind interdisziplinäre
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Wettbewerbe zu stärken. Bei Bauwerken mit besonderen Anforderungen an das Tragwerk, wie Sporthallen, Konzertsäle, Bibliotheken etc.,
sollte die verbindliche Einbeziehung
von Tragwerksplanern in das Wettbewerbsteam festgeschrieben werden.
Der Wettbewerbsausschuss der Baukammer Berlin regt an, einen interdisziplinären Wettbewerb für die Umgestaltung des Autobahnkreuzes BerlinCharlottenburg-Funkturm auszuloben
(siehe Bild rechts).
Dieser verkehrsreiche Knotenpunkt soll
in Zukunft saniert und umgestaltet werden. Hier bietet sich die Chance, dass
Planer aus dem Ingenieur- und Brückenbau Verkehrsplanung mit den Architektur-/ Stadt- und Landschaftsplanern
gemeinsam eine integrative und bautechnisch anspruchsvolle Lösung für ein
schwieriges städtebauliches Areal entwickeln.
II. VOF-Verfahren
Weiteres Ziel der Ausschussarbeit ist es,
darauf hinzuwirken, dass in Berlin und
bundesweit die Anforderungskriterien im
VOF-Verfahren vereinfacht werden,
damit der formale Bewerbungsaufwand
auf ein Minimum reduziert wird. Die bisherige Vergabepraxis in den Ländern
zeichnet sich dadurch aus, dass der
Umfang der Teilnahmeanträge unverhältnismäßig aufgebläht worden ist. Dies
führt zu einer mittelstandsfeindlichen
Vergabepraxis.
Der Wettbewerbsausschuss setzt sich
für die Verbesserung der Teilnahme ihrer
Mitglieder an Verhandlungsverfahren
nach VOF 2009 ein und fordert die
Umsetzung folgender Vereinfachungen
bei der Vergabe öffentlicher Planungsleistungen:
• klare Benennung der Zuschlagskriterien;
• Reduzierung des formalen Bewerberaufwandes > Verschlankung der Teilnahmeanträge;
• Nachweis der Referenzprojekte auf
einen Zeitraum von 10 Jahren erhöhen;
• Beteiligung junger, kleiner und mittlerer Büros ermöglichen;
• Ergebnismitteilung der Vergabe mit
Begründung auch an die Teilnehmer,
die keinen Zuschlag erhalten haben Transparenz herstellen auch im
Blick vom Funkturm auf den AVUS-Verteiler zur Stadtautobahn mit Anschluss
zum ICC-Parkhaus
Unterschwellenbereich durch Vergabebekanntmachung an die Teilnehmer mit Nennung des Vergabehonorars.
Da die Honorarordnung für Architekten
und Ingenieure - HOAI 2013 – gültig ist,
darf das Honorar kein Zuschlagskriterium sein: > Keine Vergabe über einen
Preiswettbewerb!
Weitere Kritikpunkte sind:
• Nachweis von Referenzprojekten wird
häufig in der Bauwerksart zu eng
gefasst: z. B. Ausschreibung im Hochbau mit der Referenzforderung, dass
ein Hubschrauberlandeplatz bereits
geplant wurde
• Abfrage von Lösungsansätzen im Verhandlungsverfahren ohne entsprechende Vergütung
Die Länderingenieurkammern werden
bei der Umsetzung ihrer Forderungen
wesentlich durch die europaweiten
Tätigkeiten der Bundesingenieurkammer
unterstützt sowie durch den im letzten
Jahr gegründeten „Arbeitskreis Vergabe“
auf Bundesebene.
Baukammer Berlin 3/2014 |
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Wichtige Änderung in der Beitragsordnung der Baukammer Berlin
vom 25.06.2014
Aufgrund § 44 Abs. 1 Nr. 4 in Verbindung
mit § 54 des Berliner Architekten- und
Baukammergesetzes (ABKG) vom 07.
Februar 2014 (durch Artikelgesetz GVBl.
Nr. 4 vom 19.02.2014) beschließt die Vertreterversammlung am 25. Juni 2014
folgende Beitragsordnung:
Gliederung
§ 1 Beitragspflicht
§ 2 Beitragshöhe
§ 3 Stundung, Erlass, Niederschlagung
und Befreiung von Beiträgen
§ 4 Beitragsfälligkeit
§ 5 Beitreibung der Beiträge
§ 6 Verjährung
§ 7 Rechtsbehelf
§ 8 Inkrafttreten
§1
Beitragspflicht
des Beitrages. Pflichtmitglieder zahlen
drei Viertel und die Beratenden Ingenieure zahlen den vollen Beitrag.
(3) Freiwillige Mitglieder, die das 65.
Lebensjahr vollendet haben, zahlen mit
Beginn des folgenden Beitragsjahres ein
Sechstel des vollen Beitrages.
Pflichtmitglieder, die das 65. Lebensjahr
vollendet haben und deren berufsbezogenen Einkünfte die in § 3 (1) genannte
Grenze nicht überschreiten, zahlen mit
Beginn des folgenden Beitragsjahres ein
Viertel des vollen Beitrages. Über die
Höhe der berufsbezogenen Einkünfte ist
ein geeigneter Nachweis vorzulegen.
(4) Die Höhe der Beiträge wird jährlich
zusammen mit dem Haushaltsplan von
der Vertreterversammlung festgesetzt.
Die Beitragsfestsetzung wird jährlich im
Amtsblatt für Berlin veröffentlicht.
(1) Die Kammer erhebt zur Erfüllung ihrer
Aufgaben und zur Deckung ihres sachlichen und personellen Aufwandes von
den Kammermitgliedern Beiträge (siehe
§ 54 ABKG).
(5) Zur Deckung außerplanmäßiger Ausgaben der Kammer kann auf Beschluss
der Vertreterversammlung ein außerordentlicher Beitrag erhoben werden.
(2) Die Beiträge sind öffentliche Abgaben.
Stundung, Erlass, Niederschlagung
und Befreiung von Beiträgen
(3) Beitragspflichtig sind alle Mitglieder
der Kammer. Ausnahmen von der Beitragspflicht regelt § 3.
(1) Mitgliedern, die berufsbezogene Einkünfte gemäß § 2 Abs. 1 EStG im vorangegangenen Jahr von weniger als
30.000,00 € erzielen, wird auf schriftlichen Antrag die Zahlung eines ermäßigten Beitrages in Höhe der Hälfte des
jeweiligen Mitgliedsbeitrages nach § 2
Abs. 2 der Beitragsordnung der Baukammer Berlin gewährt. Über die Höhe der
berufsbezogenen Einkünfte ist ein geeigneter Nachweis spätestens 6 Monate
nach Antragstellung vorzulegen.
(4) Die Beitragspflicht entsteht mit dem 1.
des Monats, der dem Beginn der Mitgliedschaft folgt.
(5) Die Beitragspflicht endet mit Ablauf
des Kalenderjahres in dem das Mitglied
aus der Kammer ausscheidet. Bei Tod
eines Mitgliedes erlischt die Beitragspflicht mit Ablauf des Monats vor dem
Todesfall.
(6) Außerordentliche Mitglieder zahlen
einen Jahresbeitrag von 30 EUR.
§2
Beitragshöhe
(1) Die Beiträge werden als Jahresbeiträge erhoben. Entsteht die Mitgliedschaft
im laufenden Jahr; wird der anteilige Beitrag unter Berücksichtigung von § 1 Abs.
4 erhoben.
(2) Freiwillige Mitglieder zahlen ein Drittel
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§3
Berufsbezogene Einkünfte sind der
Gewinn aus Gewerbebetrieb, der
Gewinn aus selbständiger Tätigkeit und
der Bruttoarbeitslohn abzüglich der Werbungskosten. Zu den berufsbezogenen
Einkünften gehören auch weitere Einkünfte wie zum Beispiel die aus berufsbezogenen Lehr-, gutachterlichen- und
schriftstellerischen Tätigkeiten.
(2) Erwerbs- oder arbeitslosen Mitgliedern kann auf schriftlichen Antrag und
Nachweis - für die Zeit der Erwerbs- bzw.
Arbeitslosigkeit - die Beitragszahlung
vollständig oder teilweise erlassen werden.
(3) Berufs- und erwerbsunfähige Mitglieder können auf schriftlichen Antrag und
Nachweis von der Beitragspflicht vollständig oder teilweise befreit werden.
(4) Anträge auf Ermäßigung, Stundung
und Erlass sind bis zum 31. März eines
jeden Jahres zu stellen.
(5) Beitragsforderungen können niedergeschlagen werden, wenn ihre Beitreibung keinen Erfolg verspricht oder wenn
Aufwand und Kosten der Beitreibung in
einem Missverhältnis zur Höhe des Beitrages stehen.
(6) Über Stundung, vollständigen oder
teilweisen Erlass oder Niederschlagung
von Beitragsforderungen entscheidet
der Vorstand. Die Entscheidung ergeht
schriftlich und ist zu begründen.
§4
Beitragsfälligkeit
(1) Der Beitrag ist einen Monat nach Veröffentlichung der Beitragstabelle im
Amtsblatt für Berlin fällig, jedoch nicht
früher als zwei Monate nach Beginn des
Beitragsjahres. Die Mitglieder werden
hiervon gesondert informiert.
(2) Entsteht die Mitgliedschaft im laufenden Jahr, ist der anteilige Beitrag ein
Monat nach Beginn der Mitgliedschaft
gemäß § 1 Abs. 4 fällig.
(3) Ein Monat nach Fälligkeit kann der
Beitrag angemahnt werden. Die Mahngebühr beträgt jeweils 10,00 €.
§5
Beitreibung der Beiträge
Beiträge, die nach zweimaliger Mahnung
nicht entrichtet sind, werden zusammen
mit einer Gebühr nach den Vorschriften
des Verwaltungs-Vollstreckungsgesetzes beigetrieben.
§6
Verjährung
Für die Verjährung der Beitragsforderung
gelten die Vorschriften der Abgabenordnung über die Verjährung der Steuern
von Einkommen und Vermögen (§§ 143
bis 148 AO). Die Verjährungsfrist beträgt
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
5 Jahre; sie beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Beitragsforderung entstanden ist.
§7
Rechtsbehelf
(1) Gegen die Entscheidungen nach § 3
(6) ist innerhalb eines Monats nach
Zustellung der Einspruch zulässig. Er ist
schriftlich oder durch Niederschrift bei
der Geschäftsstelle der Kammer zu
erheben.
(2) Über den Einspruch entscheidet der
Vorstand der Kammer. Der Einspruchsbescheid ist zu begründen, wenn dem
Einspruch nicht oder nicht in vollem
Umfang stattgegeben wird. Er ist mit
einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen und dem Beitragspflichtigen zuzustellen.
(3) Gegen einen ablehnenden Einspruchsbescheid kann innerhalb eines Monats
nach Zustellung beim Verwaltungsgericht
Berlin Klage erhoben werden.
(4) Der Rechtsbehelf gegen die Beitragsfestsetzung hat keine aufschiebende
Wirkung.
§8
Inkrafttreten
Diese Beitragsordnung tritt am Tage
nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt
für Berlin in Kraft.
Veröffentlicht im Amtsblatt von Berlin
Nr. 29 vom 11.07.2014 Seite 1350.
„Sauschwänzlebahn“ ist
“Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst”
Die Wutachtalbahn, auch Sauschwänzlebahn genannt, gehört zu
den „Historischen Wahrzeichen der
Ingenieurbaukunst in Deutschland“.
Dieser Titel wurde ihr am 8. September von der Bundesingenieurkammer
gemeinsam mit der Ingenieurkammer
Baden-Württemberg (INGBW) und
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann in Blumberg
verliehen.
Fotos: © Peter Traichel
Die Bundesingenieurkammer ehrt seit
2007 historisch bedeutende Ingenieurbauwerke mit dem Titel “Historische
Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in
Deutschland”. Die in Frage kommenden
Bauwerke müssen sich auf dem Territorium der BRD befinden und älter als 50
Jahre sein. Die zwischen 1887 und 1890
errichtete Wutachtalbahn ist der Mittelteil
einer eingleisigen Verbindung zwischen
badischer Schwarzwaldbahn und Hochrheinbahn. Die Sauschwänzlebahn ist ein
Teilabschnitt dieser knapp 62 Kilometer
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Stellwerk
Die Präsidenten dreier Ingenieurkammern
Der Verkehrsminister Baden-Württemberg
langen Bahnstrecke. Sie beginnt in
Blumberg-Zollhaus und endet in Weizen.
nicht nur ein herausragendes touristisches Ziel, sondern zudem ein technisch
einzigartiges Gesamtbauwerk. Einst aufwändig geplant und gebaut vornehmlich
für Militärzwecke, dient es heute dem
Frieden und der Verständigung über
Grenzen hinweg. Insofern ist die Sauschwänzlebahn ein erfolgreiches Konversionsprojekt, dessen Erfolg auch
durch Landesmittel möglich gemacht
wurde. Daneben leistet die Sauschwänzlebahn durch den Ringzugverkehr und
die Schülerzüge einen wichtigen Beitrag
im öffentlichen Schienenpersonennah-
“Die Sauschwänzlebahn wird von uns
ausgezeichnet, weil sie exemplarisch für
die herausragenden Ingenieurleistungen
im Eisenbahnbau am Ende des 19. Jahrhunderts steht. Die Streckenführung und
die dafür errichteten Bauwerke bilden ein
in Europa einmaliges Ensemble”, sagte
der Präsident der Bundesingenieurkammer, Hans-Ullrich Kammeyer.
Verkehrsminister Winfried Hermann
betonte: “Die Sauschwänzlebahn ist
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
verkehr. Gerade im ländlichen Raum ist
eine gute Versorgung im öffentlichen Verkehr wichtig, wenn man sich – wie die
Landesregierung- dem Ziel nachhaltiger
und umweltfreundlicher Mobilität verschrieben hat.”
v.l.n.r.: Christian Brinkmann (Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg & Co. KG), Markus Keller (Bürgermeister Blumberg), Winfried Hermann (Verkehrsminister Baden-Württemberg), Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer (Präsident der Bundesingenieurkammer) und
Dipl.-Ing. Rainer Wulle (Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg)
Landrat Sven Hinterseh betonte: “Der
Titel unterstreicht die besondere Bedeutung der Museumsbahn für unsere Ferienregion Schwarzwald-Baar-Kreis und
hebt die geniale Ingenieurleistung hervor,
durch die diese Bahn entstanden ist.
Dank gilt vor allem denjenigen, die sich
hauptamtlich, aber auch sehr stark
ehrenamtlich für den Erhalt und die
Instandhaltung der Sauschwänzlebahn
einsetzen. Sie ermöglichen zahlreichen
Fahrgästen bei einer Bahnfahrt mit ihrer
spektakulären Streckenführung durch
unsere Naturlandschaft im Wutachtal
einen Blickwinkel, der begeistert. Unsere
Sauschwänzlebahn ist ein Highlight in
unserem Schwarzwald-Baar-Kreis, welches weit über Blumberg und die Region
hinaus strahlt.”
Christian Brinkmann, der Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg
GmbH & Co. KG, fügte hinzu: “Die Auszeichnung wirft einmal wieder ein Licht
auf die Sauschwänzlebahn, deren
Hauptfinanzierung durch den Fahrkartenkauf unserer Fahrgäste für die Museumszügen geleistet wird. Die Instandhaltung der Infrastruktur gelingt jedoch nur,
wenn ganzjährig Züge diese Strecke nutzen können und einen Deckungsbeitrag
erwirtschaften. Zusätzlich möchten wir
auf unsere ‘Stiftung Sauschwänzlebahn’
aufmerksam machen, welche das Ziel
der hochwertigen Erhaltung der historischen Bahnlinie unterstützt. Auch hier
brauchen wir Förderer.”
“Der Titel ‘Historisches Wahrzeichen der
Ingenieurbaukunst’ ist eine große Ehre
für die Stadt Blumberg”, sagte Blumbergs Bürgermeister Markus Keller.
“Unsere Sauschwänzlebahn ist für die
Blumberger nicht nur ein Stück Heimat,
sondern auch ein großes und wichtiges
Kapitel unserer Stadtgeschichte. Im Jahr
1887 entschloss man sich aus sicherheitspolitischen Gründen für den Bau
dieser einzigartigen Bahnstrecke mit
ihren beeindruckenden Viadukten und
Foto: Michael Latz
Zur Begründung der Titelverleihung
erläuterte INGBW-Präsident Rainer
Wulle: “Auch für die damalige Zeit war es
außergewöhnlich, eine solch aufwendige
Bahnstrecke zu ausschließlich militärischen Zwecken zu bauen. Das Besondere an der Bahn ist aber für uns, wie die
Ingenieure die Aufgabe umsetzten, eine
für schweres Gerät befahrbare Strecke in
anspruchsvollem Gelände einer damals
noch bedingt leistungsfähigen Lokomotivtechnik anzupassen.” So mussten im
Wutachtal auf der Strecke zwischen Weizen und Blumberg 231 Höhenmeter auf
einer Luftlinie von knapp zehn Kilometern zurückgelegt werden. Um die Vorgabe von einer Maximalsteigung von einem
Prozent einzuhalten, wurde deshalb die
Strecke künstlich auf 25 Kilometer verlängert – durch zahlreiche Schlaufen und
den Bau des einzigen Kreiskehrtunnels
außerhalb der Alpen. In der sogenannten
“Großen Stockhalde” fährt der Zug im
Tunnelverlauf einen vollen Kreis und
überwindet dabei über 15 Höhenmeter.
Tunnel. Die umfangreichen Bauarbeiten
brachten damals rund 4.500 Arbeiter aus
ganz Deutschland und dem Ausland
nach Blumberg – einige sind geblieben
und brachten ‘frischen Wind’ und den
besonderen Charme, der heute noch
Blumberg ausmacht, in das damals
etwas verschlafene Städtchen Blumberg”, erläuterte Keller, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bahnbetriebe
Blumberg GmbH & Co. KG ist.
ten rasch von Württemberg und Bayern
an die französische Grenze verlegt werden können. Denn nach dem deutschfranzösischen Krieg von 1870/71 und der
erzwungenen Abtretung von ElsassLothringen an das Deutsche Reich wurde
ein neuer Krieg mit Frankreich erwartet.
Die Strecke wurde dann während der
beiden Weltkriege nur sporadisch von
Militärzügen sowie für Material-, Kohle-,
Verwundeten- und Kriegsgefangenentransporte genutzt. Bis 1977 diente sie
zum Teil dem Güter- und Personenverkehr, spielte hier aber nie eine wichtige
Rolle. Seit 1977 wird die Teilstrecke von
Blumberg-Zollhaus nach Weizen als
Museumsbahn betrieben. Zur Sauschwänzlebahn ist eine Publikation im
Rahmen der Schriftenreihe “Historische
Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in
Deutschland” geplant.
www.wahrzeichen.ingenieurbaukunst.de
www.sauschwaenzlebahn.de
Die Sauschwänzlebahn verdankt ihren
Spitznamen der weitläufig verschlungenen Streckenführung. Um steile Steigungen im Wutachtal zu vermeiden, wurde
die Strecke durch zahlreiche Bögen und
Kehrschleifen verlängert. Sie führt durch
sechs Tunnel, darunter der einzige Kreiskehrtunnel außerhalb der Alpen, sowie
über vier Brücken und Viadukte. Die
Bahnstrecke wurde im Auftrag des Deutschen Reiches und des Großherzogtums
Baden zu rein militärischen Zwecken
gebaut: Truppen und Kriegsmaterial sollBaukammer Berlin 3/2014 |
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Auszeichnung des Deutschen Stahlbaues 2014
für unser Mitglied Univ.-Prof. em. Dr.-Ing. Joachim Lindner
und Univ.-Prof. em. Dr.-Ing. Herbert Schmidt
Seit nunmehr 42 Jahren wird die
babilistischen Nachweismethoden
„Auszeichnung des Deutschen
in Deutschland die Vorreiterrolle
Stahlbaues“ verliehen. Mit ihr
übernehmen konnte.
werden im Zwei-Jahres-RhythProf. Schmidt hat mit seinen berufmus Personen der Wissenschaft,
lichen Erfahrungen sowohl in der
der Technik und der Wirtschaft
Stahlbaupraxis als auch im Bereich
für hervorragende Leistungen
der Stahlbauforschung die Grundgeehrt, die das Bauen mit Stahl
lage seiner jahrzehntelangen engadurch Weiterentwicklungen in
gierten und fruchtbaren Lehr- und
Technik oder Wirtschaftlichkeit
Forschungstätigkeit gelegt. Viele
vorangebracht haben. Die Ausseiner Forschungsergebnisse fanzeichnung 2014 geht gemeinden Eingang in Handbücher,
sam an Univ.-Profs. em. Dr.-Ing.
Regelwerke und Normen. Über seiJoachim Lindner und Dr.-Ing.
ne Mitarbeit in vielen nationalen
Herbert Schmidt. Urkunden und Univ.-Prof. em. Dr.-Ing. habil.
Univ.-Prof. em. Dr.-Ing.
und europäischen Fachgremien
Herbert Schmidt
Plaketten werden anlässlich des
Joachim Lindner
verlor er aber nicht den Bezug zur
Deutschen Stahlbautages 2014
© Alfred Jansen
© Joachim Lindner
Praxis. Besonders seine Veröffentam 29. Oktober 2014 in Hannolichungen zu DIN 18800-4 wie auch
ver im festlichen Rahmen des
zu DIN 18800-7, die er genauso wie
Auszeichnung des Deutschen StahlbauStahlbauforums überreicht
die
neue
europäische Stahlbaunorm, die
es 2014 zu.
(www.deutscher-stahlbautag.com).
DIN EN 1090, in Kommentaren ausführProf. Lindner hat sich mit einer beeinlich vorgestellt und bewertet hat, zeigen
Die Begründungen der Jury lauten:
druckenden Anzahl wissenschaftlicher
seinen Einfluss auf die Fachwelt.
„Univ.-Prof. em. Dr.-Ing. habil. Joachim
Arbeiten richtungsweisend und nachhalBeide Herren haben mit ihren Arbeiten für
Lindner und Univ.-Prof. em. Dr.-Ing. Hertig für den Stahlbau eingesetzt. Seine
den Stahlbau die praktische Anwendung
bert Schmidt haben sich als national und
grundlegenden Arbeiten zur Stabilitätsvon Stahlbauten besonders in Deutschinternational anerkannte Wissenschaftler
theorie sowie seine Abhandlungen zu
land gefördert und die Zusammenarbeit
im Stahlbau besonders herausragende
den Traggerüsten stellen Standardwerke
zwischen Wissenschaft und Planern
Verdienste erworben. Die Jury erkennt
in Wissenschaft und Praxis dar. Seine
sowie ausführenden Firmen positiv
den Herren für ihr Lebenswerk, die jahrArbeiten zur DIN 18800-2 und die von
gestaltet und nachhaltig beeinflusst.“
zehntelange prägende Beeinflussung
ihm verfassten Erläuterungen zu dieser
der Stahlbaunormung auf den Gebieten
Norm haben wesentlich zur Akzeptanz
Quelle:
der Stabstabilität und der Schalenstabilider neuen Normengeneration im StahlPresseinformation bauforumstahl
tät sowie der Stahlbauausführung auf
bau beigetragen und es ermöglicht, dass
vom 20.08.2014
nationaler und internationaler Ebene, die
der deutsche Stahlbau bei den semipro-
TU München stellt auf Englisch um
Bis zum Jahr 2020 will die Technische Universität München Englisch als Unterrichtssprache für alle Master-Studiengänge einführen. Dies sei laut Unileitung nötig, um die Studenten auf das internationalisierte Berufsleben vorzubereiten.
Man hofft so auch, für Studenten und Lehrpersonal aus dem Ausland attraktiv zu bleiben. Die deutschsprachigen Studenten sollen während des Bachelor-Studiums ausreichende Englischkenntnisse erwerben.
Dieses Verhalten der Universitätsleitung gräbt nicht nur allen Bestrebungen in Deutschland das Wasser ab, die deutsche Sprache
auch als Werkzeug für die Wissenschaft zu erhalten, die angestrebten Ziele werden ebenfalls verfehlt.
Quelle: Sprachnachrichten Nr. 63 (III/2014)
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Der Präsident · Bundesingenieurkammer · Charlottenstraße 4 · 10969
Berlin
Herrn
Dr. Jan-Marco Luczak MdB
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
DER PRÄSIDENT
1. August 2014
11011 Berlin
Auswirkungen der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts
auf die Rentenversicherungspflicht von Freiberuflern
Sehr geehrter Herr Abgeordneter Dr. Luczak,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 25.07.2014, in welchem Sie ein
auch die freiberuflichen Ingenieure betreffendes Problem
ansprechen.
Im Bereich der Ingenieurversorgung bestehen bundesweit Versorg
ungswerke in Baden-Württemberg, Bayern, MecklenburgVorpommern und Niedersachsen, an die durch Staatsverträge auch
die Mitglieder der übrigen Länderkammern angeschlossen sind. Die Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen ist dem
Versorgungswerk der dortigen Architektenkammer angeschlossen.
Nach den Urteilen des Bundessozialgerichtes vom 03.04.2014 müssen
sich angestellte Ingenieure, die als freiwillige Mitglieder einer Kammer aufgrund einer Altregelung Mitte der 90er Jahre
von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit worden sind, darauf einstellen, künftig wieder Mitglied der gesetzlichen
Rentenversicherung zu werden.
Problematisch ist dies insbesondere dann, wenn mit dem Arbeitsp
latzwechsel die zuvor erteilte Befreiung kraft Gesetzes erlöschen soll, wie das Bundessozialgericht entschieden hat. Angeste
llte Mitglieder, die deshalb ihre Befreiung verlieren, könnten
zwar grundsätzlich einen neuen Befreiungsantrag stellen. Jedoch
würde dieser Antrag nach der jetzigen Rechtslage nicht mehr
zu einer Befreiung führen mit der Folge, dass freiwillige Mitglieder
im Angestelltenverhältnis künftig in der gesetzlichen Rentenversicherung beitragspflichtig sind.
Darüber hinaus besteht für Ingenieurbüros die Gefahr von Nachza
hlungspflichten für die bei ihnen angestellten Ingenieure auf
Grundlage der sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen. Diese
treffen den Arbeitgeber, der dann die geschuldeten Sozialbeiträge zur Rentenversicherung noch einmal zu zahlen hat.
Betroffen sind aber auch Beratende Ingenieure als Pflichtmitgliede
r der Kammern, wenn diese als Geschäftsführer von Unternehmen tätig sind.
Wir versuchen derzeit, über die Arbeitsgemeinschaft berufsständisc
her Versorgungswerke (ABV) bei der Deutschen Rentenversicherung eine sachgerechte Lösung für die Betroffenen zu erwirke
n.
Vor diesem Hintergrund unterstützen wir Ihre Initiative zu einer entspre
chenden Änderung im Sozialversicherungsrecht ausdrücklich.
Im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode wurde im Kapitel
"Deutschlands Wachstum stärken" vereinbart: "Selbständige und Freiberufler stehen als wesentlicher Teil des Mittelstands
im Fokus unserer Wirtschaftspolitik. Wir werden uns für den
Erhalt der Selbstverwaltung von Kammern und Verbänden in den
Freien Berufen auf europäischer Ebene einsetzen." Enthalten ist auch ein Bekenntnis zu der berufsständischen Versorgung
der verkammerten Freien Berufe, die
als eigenständiges Alterssicherungssystem erhalten bleiben soll.
Dipl.-Ing.
Wir werden uns auf Grundlage dieser Aussage sowohl auf Bundes
- als auch auf Landesebene politisch Hans-UllrichKammmeyer
für eine Stärkung der freiberuflich tätigen Ingenieure einsetzen. Soweit
wir Sie hierbei konkret unterstüt- Kammeyer
zen können, werden wir dies gerne tun und freuen uns auf die Zusamm
Charlottenstr.
4
enarbeit.
10969 Berlin
Mit freundlichen Grüßen
Telefon
030 25342900
Hans-Ullrich Kammeyer
Präsident
Telefax
030 25342903
kammeyer@bingk.de
www.bingk.de
Baukammer Berlin 3/2014 |
51
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:14 Uhr
Seite 52
Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Baukammer-Preis 2013
2. Preis an Aliénor Dahmen in der Gruppe der Masterarbeiten und Diplom-Arbeiten (TUB) für ihre Master-Arbeit:
Wämebrücken - Studie zur praxisgerechten Anwendung
des Beiblatts 2 der DIN 4108
Kurzfassung
Die Masterarbeit behandelt die Grundlagen der Wärmebrückenberechnungen
und die Berücksichtigung des Wärmebrückeneinflusses auf die Energiebilanz
des Gebäudes. Um den Einfluss der
Wärmeverluste von Wärmebrücken zu
verdeutlichen, wurden an einem Praxisbeispiel eines dreigeschossigen Wohngebäudes
Variantenuntersuchungen
unter Berücksichtigung der Wärmebrükken mit pauschalen Zuschlägen ͬUWB
= 0,10 W/(m2K) und ͬUWB 0,05 W/(m2
K) und mit dem genau ermittelten
Zuschlag berechnet und dabei ein Vergleich gezogen.
Drei Varianten des Projekts wurden zum
baulichen Wärmeschutz untersucht: Die
“DIN 4108 Bbl. 2”-Variante, die den wärmeschutztechnischen Standard-Vorgaben des Beiblatts 2 entspricht, die “aktuelles Projekt”-Variante, die den vorliegenden Angaben des Projektes entspricht, und die “Passivhaus”-Variante,
v.l.n.r.: Prof. Dr.-Ing. Udo Kraft, die Preisträgerin Alienor Dahmen, Dr.-Ing. Jens Karstedt
und Prof. Dr.-Ing. Stefan Himburg
Variante
„DIN 4108 Bbl 2“
Variante
„Aktuelles Projekt“
Variante
„Passivhaus“
16 cm außenliegende
Wärmedämmung
UAW = 0,23 W/(m2K)
UF =1,25 W/(m2K)
Details nach Bbl. 2
18 cm außenliegende
Wärmedämmung
UAW = 0,20 W/(m2K)
UF = 1,25 W/(m2K)
Details nach Bbl. 2
30 cm außenliegende
Wärmedämmung
UAW = 0,11 W/(m2K)
UF = 0,8 W/(m2K)
optimierte Details
die dem Standard eines Niedrigenergiehauses mit konstruktiv verbesserten
Anschlussdetails entspricht.
Um die detaillierten Wärmebrückenzuschläge für alle drei Varianten zu ermitteln, wurden zunächst sämtliche Wärmebrücken identifiziert und die entsprechenden Bezugslängen ermittelt. Das
dreigeschossige Gebäude weist hierbei
51 verschiedene Wärmebrücken auf. Zur
Berechnung der zusätzlichen Wärmever-
Tabelle 1: Untersuchten Varianten des Projektes
Variante
„DIN 4108 Bbl 2“
Variante
„aktuelles Projekt“
Variante
„Passivhaus“
ͬUWB = 0,035 W/(m2K)
ͬUWB = 0,029 W/(m2K)
ͬUWB = 0,009 W/(m2K)
Unterschied zu pauschalem
ͬUWB = 0,05 W/(m2K)
-30%
-40%
-80%
Unterschied zu pauschalem
ͬUWB = 0,10 W/(m2K)
-65%
-70%
-90%
detaillierter
Wärmebrückenzuschlag
Tabelle 2: detaillierte Wärmebrückenzuschläge
52 | Baukammer Berlin 3/2014
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:14 Uhr
Seite 53
Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Transmissionswärmeverlust Variante „DIN 4108 Bbl. 2“
mit pauschaler
ͬUWB = 0,10 W/(m2K)
mit detaillierter
ͬUWB = 0,035 W/(m2K)
mit pauschaler
ͬUWB = 0,05 W/(m2K)
luste über die Wärmebrücken sind die
Wärmebrückenverlustkoeffizienten
I.J für jedes inzelne Anschlussdetail
ermittelt worden. Diese I.J-Werte sind
in drei Katalogen zur jeweiligen
Variante erfasst worden.
Mit dem detaillierten Wärmebrückenzuschlag beträgt der Wärmebrückenanteil am gesamten Transmissionswärmeverlust nur 9%. Wird jedoch
der pauschale Wärmebrückenzuschlag ͬUWB = 0,05 W/(m2K) angewendet, liegt der Anteil der Wärmebrücken bei 13%. Dieser Anteil ist
Transmissionswärmeverlust Variante „aktuelles Projekt“
mit pauschaler
ͬUWB = 0,10 W/(m2K)
mit detaillierter
ͬUWB = 0,029 W/(m2K)
mit pauschaler
ͬUWB = 0,05 W/(m2K)
1,4-fach größer, als der genau
berechnete Anteil. Unter Anwendung
des pauschalen Wärmebrückenzuschlags von ͬUWB = 0,10 W/(m2K)
beträgt der Anteil der Wärmebrükken am gesamten Wärmeverlust nunmehr 22%. Dieser Anteil ist somit 2,4fach größer,
Mit dem detaillierten Wärmebrückenzuschlag beträgt der Wärmebrükkenanteil an den gesamten Transmissionswärmeverlusten 8%. Wird der
pauschale Wärmebrückenzuschlag von ͬ UWB = 0,05
W/(m2 K) angewendet, liegt der
Anteil der Wärmebrücken bei
14%. Dieser Anteil ist 1,-5-fach
größer als der genau berechnete
Anteil. Bei Verwendung des pauschalen
Wärmebrückenzuschlags von ͬ UWB = 0,10
W/(m2K) stellen die Wärmebrükken einen Anteil von 24% dar.
Dieser Anteil ist 3-fach größer,
als der genau berechnete Anteil.
Die detaillierte Wärmebrückenberechnung ergibt hierbei einen
Wärmebrückenzuschlag
von
ͬUWB = 0,009 W/(m2K) und hat
somit einen Wärmebrückenanteil von
5% an den gesamten Transmissionswärmeverlusten. Werden die pauschalen
Wärmebrückenzuschläge angewendet,
sind demnach die Anteile der Wärmebrücken wesentlich größer, als im Vergleich zur „DIN 4108 Bbl. 2“ Variante; Der
Anteil der Wärmebrücken beträgt 22%
für ͬUWB = 0,05 W/(m2K) und ist 4,4fach größer, als der genau berechnete
Anteil, und für ͬUWB = 0,10 W/(m2K)
beträgt der Anteil 35% bzw. 7-fach größer als, der genau berechnete Anteil.
Die Verwendung des Wärmebrückenzuschlags von ͬUWB =
0,10 W/(m2 K) führt dazu, dass
der Einfluss der Wärmebrücken
am Transmissionswärmeverlust
des gesamten Gebäudes mehr
als doppelt so groß ist, als wenn
man die Wärmeverluste über die
Wärmebrücken genau ermittelt,
und entspricht somit nicht der
realen Abbildung der Wärmebrückenverluste. Dies wird alleine schon dadurch deutlich, dass
selbst bei Berücksichtigung der
Detailvorgaben aus dem Beiblatt
2 der DIN 4108 der reduzierte
Wärmebrückenzuschlag
von
ͬUWB = 0,05 W/(m2K) deutlich
unterschritten wird. Hierbei ist auch zu
berücksichtigen, dass die Mehrheit der
Details des Beiblatts für einen durchschnittlichen Dämmstandard gelten, wie
z.B. bei außengedämmten Mauerwerkswänden, die nur einen Dämmschichtdikkenbereich von d = 100-160 mm aufweisen. Die Anwendung des Wärmebrükkenzuschlags von ͬ UWB = 0,10
W/(m2K) sollte demnach für Neubauten
abgeschafft werden. Ohne einen explizit
geführten Gleichwertigkeitsnachweis für
die Wärmebrücken, aber mit den NachBaukammer Berlin 3/2014 |
53
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:15 Uhr
Seite 54
Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Transmissionswärmeverlust Variante „Passivhaus“
mit pauschaler
ͬUWB = 0,10 W/(m2K)
mit pauschaler
ͬUWB = 0,05 W/(m2K)
ses reduzierten Wärmebrückenzuschlags wiederum ein Gleichwertigkeitsnachweis geführt werden.
Ab 2020 sollen alle Neubauten
einen Jahres-Primärenergiebedarf von nahezu Null aufweisen.
Um diese wiederum erhöhten
Anforderungen einzuhalten, wird
vorgeschlagen, einen dritten
pauschalen Wärmebrückenzuschlag von ͬ UWB
= 0,01
W/(m2 K) mit einen adäquaten
Gleichwertigkeitsnachweis einzuführen.
weisen des Wärme- und Feuchteschutzes nach DIN 4108-2 könnte der
pauschale Wärmebrückenzuschlag
von ͬUWB = 0,05 W/(m2K) grundsätzlich für Neubauten angewendet
werden.
mit detaillierter
ͬUWB = 0,009 W/(m2K)
Auf Grundlage der vorliegenden
Arbeit wäre es vorstellbar einen „neuen“ Wärmebrückenzuschlag einzuführen. Dieser pauschale Zuschlag
sollte in einem Bereich von 0,0250,03 W/(m2K) liegen. Auf Grundlage
eines „aktualisierten“ Beiblatts der
DIN 4108 könnte zur Anwendung die-
Baukammer-Preis 2013
2. Preis an Philipp-Benjamin Kroll in der Gruppe der Bachelor-Arbeiten der TUB
und Bachelor- und Diplom-Arbeiten der Hochschulen für seine Bachelor-Arbeit:
Variantenuntersuchung für einen Ersatzneubau
der Eisenbahnüberführung Reichenhainer Straße im Zuge des
Ausbaus der Strecke 6258 Dresden-Bogendreieck Werdau
inklusive statischer Berechnung
Themengebiet: Konstruktiver Ingenieurbau
Kurzfassung
Die Eisenbahnüberführung Reichenhainer Straße in Chemnitz ist ein 104 Jahre
altes, aus genieteten Stahlträgern bestehendes Brückenbauwerk der Strecke
6258 Dresden-Bogendreieck Werdau
mit einer Stützweite von 22,50 m. Der
geplante Ausbau dieser Strecke erfordert den Ersatzneubau der Brücke. Um
für letzteren die effizienteste Konstruktionsform des Überbaus zu bestimmen,
werden drei Varianten ausgewählt,
bemessen und verglichen.
54 | Baukammer Berlin 3/2014
Unter Berücksichtigung der individuellen
Randbedingungen des Bauvorhabens
und dem Aspekt der Minimierung von
Sperrpausen und Verkehrseinschränkungen erfolgt die Auswahl der möglichen Brückensysteme. Einerseits wird
ein Überbau bestehend aus Walzträgern
in Beton (WiB), sowie eine weitere Ver-
v.l.n.r.:
Prof. Dr.-Ing. Udo Kraft, Philipp-Benjamin
Kroll und Dr.-Ing. Jens Karstedt bei der
Preisverleihung
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
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Seite 55
Baukammer / Berufspolitik / Bildung
bundbrücke zusammengesetzt aus Doppel-T-Trägern, einer werksseitig hergestellten Filigranplatte sowie einer Fahrbahnplatte aus Ortbeton untersucht.
Andererseits erfolgt die Betrachtung
eines stählernen Vollwandtragwerks.
Unter Berücksichtigung der verschiedenen Ansprüche und Einwirkungen, welche vom Bahnverkehr an ein Brückenbauwerk gestellt werden und der Vorstellung der Grundlagen des Sicherheitskonzepts werden die theoretischen Grundlagen für die statischen Berechnungen
gelegt. Die Bemessung der VerbundVarianten erfolgt mit der Statik-Software
Acobri, die Dimensionierung des Vollwandtragwerks aus Stahl hingegen wird
eigenständig ohne Programmunterstützung durchgeführt.
Abbildung 1: Ansicht Bestandsbauwerk Südseite (Eigene Aufnahme)
% !
$#
!
# Der Variantenvergleich wird mit Hilfe
einer Entscheidungs-Matrix, bestehend
aus sieben, das Brückenbauwerk maßgeblich prägende Vergleichsaspekte,
durchgeführt. Die Auswertung der Matrix
hat als Vorzugslösung für den Ersatzneubau der Eisenbahnüberführung Reichenhainer Straße die Variante des Walzträgers in Beton zum Ergebnis.
!"
!
#
!"
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#
"!
"#
! # .<=*7-<<,1>=C
$G,4+*>
.@F5+.?.;/G55>70
Abbildung 2:
Draufsicht der örtlichen
Gegebenheiten (Auszug Lageplan)
(*;2*7=.
(.;05.2,1<*<9.4=
Abbildung 3:
Entscheidungs-Matrix
{Eigene Darstellung)
Besonders durch die geringen Instandhaltungskosten sowie im Vergleich zu
den anderen Varianten größte Schlankheit (I/hk = 22,30), ist der Walzträger in
Beton im vorliegenden Fall als die effizienteste Konstruktionsform zu bezeichnen. Weiterhin werden die Materialeigenschaften im Verbundquerschnitt optimal
ausgenutzt und der Brückenüberbau
weist eine kurze Herstellungsdauer
sowie einen geringen Montageaufwand
aus.
)*5C=;E0.; 27
.=87
*=.;2*548<=.7
"5*==.7+*54.7
(.;+>7-+;G,4.
%=E15.;7.<
(855@*7-=;*0@.;4
7<=*7-1*5=>70<48<=.7
;<,1.27>70<+25-
*=.;2*5.20.7<,1*/=.7
#>.;<,172==<.20.7<,1*/=.7
.;<=.55>70<-*>.; 87=*0.
%9.;;9*><.75E70.
#
Preis der Baukammer Berlin 2014
für besonders gute Abschlussarbeiten auf dem Gebiet des Bauingenieur- und Vermessungswesens
an den Berliner Hochschulen und der Technischen Universität Berlin.
Die Abschlussarbeiten aus dem Jahr 2014 müssen bis zum 31.01.2015 eingereicht werden.
Baukammer Berlin · Gutsmuthsstr. 24 · 12163 Berlin · Tel.: (030) 79 74 43-0 · www.baukammerberlin.de
Baukammer Berlin 3/2014 |
55
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:15 Uhr
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
$XVIKUOLFKH,QIRUPDWLRQHQ]XGHQHLQ]HOQHQ9HUDQVWDOWXQJHQÀQGHQ6LHLP,QWHUQHWXQWHUwww.baukammerberlin.de RGHUIRUGHUQ6LHLP
(LQ]HOQHQ6HPLQDUEHVFKUHLEXQJHQWHOHIRQLVFKLQGHU*HVFKlIWVVWHOOHXQWHU7HODQ
Weiterbildungsverantaltungen der Baukammer Berlin
Für Mitglieder der Architektenkammer Berlin und einiger Ingenieurkammern (Verwaltungsvereinbarung) gelten die gleichen Konditionen
wie für Baukammer-Mitglieder. Studenten können auf Nachweis kostenlos teilnehmen. Zu allen Veranstaltungen wird ein Skript ausge– Winterhalbjahr 2014/2015 –
händigt.
'LH$ENU]XQJHQEHGHXWHQ0 0LWJOLHG10 1LFKWPLWJOLHG
Weiterbildungsveranstaltungen (Änderungen vorbehalten!)
Teil I Allgemeine Seminare
Nr. Titel
Referent
Datum/Uhrzeit Ort
, Sachverständige in der Baukammer Berlin –
Eine Einführung in das Sachverständigenwesen
Dipl.-Ing.
0DQIUHG
Wunderlich
Ingenieurbüro
'RQQHUVWDJ
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
, Nachfolgeregelung und Bürobewertung Auftaktveranstaltung
Dipl.-Betriebswirt 'RQQHUVWDJ
(FH) Andreas
3UHL‰LQJ0%$
8KU
und
*HUKDUG5HLQHUW
6W%:35$
Dr.-Ing. Preißing
$*
, Welches Marketing braucht ein Ingenieurbüro?
0DUF'lXPOHU
'LHQVWDJ
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
, HOAI 2013 – Eine Synopse
Rechtsanwalt
Lars Christian
1HUEHO
caspers mock
$QZlOWH
Dr. Bernd Heitmann
+99*PE+XQG
André Welzel
DGHQVLR*PE+
Prof. Dr. sc.
techn.
Peter Wotschke
HWR Berlin
'RQQHUVWDJ
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
5HFKWVDQZlOWLQ
'U(YD/XLJ
.1+
5HFKWVDQZlOWH
'RQQHUVWDJ
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
:DVLVWHLQ6DFKYHUVWlQGLJHU"
:HOFKH$XIJDEHQKDEHQ6DFKYHUVWlQGLJH"
- Wie werde ich öffentlich bestellter und
YHUHLGLJWHU6DFKYHUVWlQGLJHU"
:R OLHJHQ GLH 5LVLNHQ GHU 6DFKYHUVWlQGLJHQWlWLJNHLW"
‡ 1DFKIROJHUHJHOXQJ
5DKPHQEHGLQJXQJHQ$XVJDQJVVLWXDWLRQ
=HQWUDOH)UDJHVWHOOXQJHQ%HLVSLHOH
• Bürobewertung
9HUVFKLHGHQH 0HWKRGHQ 9HUIDKUHQ DP 0DUNW
%URZHUWDQDO\VHQDFKGHP6WDWXVZHUWYHUIDKUHQ
mit dem Ziel der Festlegung eines realistischen
.DXISUHLVHV%URZHUWHV
‡ 5HFKWOLFKHXQGVWHXHUOLFKH$VSHNWHGHU1DFKIROJHregelung
‡ 1DFKIROJHUVXFKH:RXQGZLHILQGHWPDQHLQHQ
JHHLJQHWHQ1DFKIROJHU"
‡ 1DFKIROJHVSUHFKVWXQGH.RRSHUDWLRQVDQJHERWGHU
'U,QJ3UHL‰LQJ$*
• Diskussionsrunde
:DVJHK|UW]XHLQHPSURIHVVLRQHOOHQ$XIWULWW"
excognito
,QWHUQHWVHLWH(LJHQVFKDIWHQ%RWVFKDIWHQ,PDJH
6(2
%ULHISDSLHU9LVLWHQNDUWHQ
6RFLDO0HGLDZDVLVWHLJHQWOLFKZLFKWLJ"
- LQNO$QDO\VHYRQ%HLVSLHOHQZDVJXWRGHUXQJHHLJQHWLVW
:HVHQWOLFKHbQGHUXQJHQ +2$,LQGHU
3UD[LVIUGLH%HUHLFKH9HUWUDJVJHVWDOWXQJ+RQRUDU
und Haftung
- Haftungsfragen in der BerufshaftpflichtYHUVLFKHUXQJLQ%H]XJDXIGLHQHXH+2$,
/LTXLGLWlWVJHZLQQGXUFKRSWLPLHUWHV
Projektcontrolling
, Bauablaufstörungen als Gegenstand von
Nachtragsforderungen
(LQOHLWXQJ%HJULIIVEHVWLPPXQJ0RWLYDWLRQ
1DFKWUDJVEHDUEHLWXQJLP6WXIHQ0RGHOO
6WXIH)HVWVWHOOXQJGHV%DX6ROO
6WXIH)HVWVWHOOXQJGHV%DX,VW
6WXIH)HVWVWHOOXQJGHU$EZHLFKXQJ%DX,VWYRQ
%DX6ROO
6WXIH)HVWVWHOOXQJGHU9HUJWXQJVSIOLFKWLJNHLW
der Abweichung
%HVRQGHUKHLWHQEHL%DX]HLWQDFKWUlJHQ
%OLFNEHUGLH*UHQ]HQ$XVODQGVEDX
- Beispiele
1DFKWUDJVIRUGHUXQJHQJHP†92%%
1DFKWUDJVIRUGHUXQJHQJHP†92%%
1DFKWUDJVIRUGHUXQJHQJHP†%*%
- Zusammenfassung und Ausblick
, Aktuelle Rechtsprechung zur VOB/B
insbesondere Kündigung, Abrechnung und
Mängel
1HXH5HFKWVSUHFKXQJ]X
.QGLJXQJ
- :LFKWLJHU*UXQGRGHUIUHLH$XIWUDJJHEHUNQGLJXQJ
56 | Baukammer Berlin 3/2014
Gebühr
0½
Haus der
10½
%DXNDPPHU
*XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
'LHQVWDJ
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:15 Uhr
Seite 57
Baukammer / Berufspolitik / Bildung
Frist zur Kündigung
%HL%HGHQNHQGHV$1
%HLHUKHEOLFKHQ%DXPlQJHOQ
Bei Arbeitseinstellung
%HL6WHOOXQJHLQHU]XJHULQJH6LFKHUKHLWQDFK
†D%*%
$EUHFKQXQJ
- Abrechnung nach Kündigung
‡ EHLP3DXVFKDOSUHLVYHUWUDJ
‡ 1DFKXQWHUQHKPHU
6WXQGHQORKQ
9RUEHKDOWVHUNOlUXQJ6FKOXVVUHFKQXQJ
0lQJHO
9HUVWR‰JHJHQ+HUVWHOOHUYRUJDEHQXQG+HUVWHOOHUrichtlinien
9HUKlOWQLVPl‰LJNHLWGHU0lQJHOEHVHLWLJXQJ
8QWHUVFKUHLWXQJGHUDOOJHPHLQDQHUNDQQWHQ
5HJHOQGHU7HFKQLN
$EQDKPHWURW]0lQJHO
, Digitale Fotografie für Sachverständige,
Ingenieure und Architekten
7HLO, (LQIKUXQJLQGLH'LJLWDOWHFKQLN
7HLO,, 6LQQYROOHU(LQVDW]YRQ$XIQDKPH=XEHK|UZLH
6WXIHQJUDXNHLO5LVVEUHLWHQNDUWH$XIVLFKWV)DUENDUWH5LQJOHXFKWHHWF
7HLO,,, %LOGEHDUEHLWXQJ
=LHOJUXSSH 6DFKYHUVWlQGLJHGLHLKUH3URMHNWHVHOEVW
GLJLWDOIRWRJUDILHUHQXQGGLH)RWRVLQLKUH*XWDFKten einbinden möchten.
Jens Kestler
Kestler6FKXOXQJHQ
6FKZDU]DFK
Bitte bringen Sie Ihre eigene Digitalkamera mit.
'RQQHUVWDJ
8KU
Referent bringt
VlPWOLFKHV
(TXLSPHQWPLW
Laptops für jeden
7HLOQHKPHU
6HPLQDUXQWHU
ODJHQ%HDPHU
Haus der
0 ½
%DXNDPPHU
10 ½
*XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
, Bauzeitverlängerungsansprüche – von der Mär
der gerichtsfesten Darstellbarkeit
Prof. Dr. sc.
'LHQVWDJ
techn.
Peter Wotschke 8KU
HWR Berlin
, Schäden, Mängel Wertminderungen, speziell
bei optischen Mängeln – Ein Praxisseminar für
Sachverständige
Dipl.-Ing.
0DQIUHG
Wunderlich
Ingenieurbüro
'RQQHUVWDJ
0½
Haus der
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
, Intensivkurs VOB/B 2012, Teil 3
RA
0LWWZRFK
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
, Anforderungen an ein Sachverständigen-gutachten und Haftung des Sachverständigen
RA Dr.
.DUO6FKZDU]
.1+
5HFKWVDQZlOWH
'RQQHUVWDJ
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
-
(LQOHLWXQJ%HJULIIVEHVWLPPXQJ0RWLYDWLRQ
$QIRUGHUXQJHQGHU*HULFKWHDQGLH'DUVWHOOXQJ
7DWVlFKOLFKH'DUVWHOOXQJVSUD[LV
%OLFNEHUGLH*UHQ]HQ$XVODQGVEDX
Beispiele
%DX]HLWQDFKWUDJDXVGHP7LHI6WUD‰HQEDX
-- Bauzeitnachtrag aus dem Hochbau
-- Bauzeitnachtrag aus dem Anlagenbau
- Zusammenfassung und Ausblick
2EZRKOGDV:HUWHQDQVLFKHLQVHKULQGLYLGXHOOHU
XQGGDPLWVXEMHNWLYHU9RUJDQJLVWODVVHQVLFKGLH
*U|‰HQYRQ:HUWPLQGHUXQJHQQDFKYROO]LHKEDUXQG
prüfbar berechnen.
(LQDOOJHPHLQ²DXFKYRQ*HULFKWHQ²DQHUNDQQWHV
9HUIDKUHQ]XUP|JOLFKVWREMHNWLYHQ(UPLWWOXQJYRQ
WHFKQLVFKHQ0LQGHUZHUWHQZLUGDQKDQGHLQHV3UD[LVEHLVSLHOVYRUJHVWHOOW
6SH]LHOOZLUGDXIGDV7KHPDÅ:HUWPLQGHUXQJGXUFK
RSWLVFKH0lQJHO´HLQJHJDQJHQ
6FKOXVVUHFKXQJVSUIXQJ
Bernd R.
9HUOlQJHUXQJGHU%DX]HLWXQG0HKUNRVWHQ
1HXPHLHU
6LFKHUKHLWXQG%UJVFKDIWHQ9RUDXV]DKOXQJV
*HZlKUOLHVWXQJV XQG YHUWUDJVHUIOOXQJEUJVFKDIWHQ
9HUKDOWHQEHL,QVROYHQ]GHV8QWHUQHKPHUV
- Formale und inhaltliche Anforderungen an ein
6DFKYHUVWlQGLJHQJXWDFKWHQ
+DIWXQJGHVDX‰HUJHULFKWOLFKEHDXIWUDJWHQ6DFKYHUVWlQGLJHQ
+DIWXQJGHVJHULFKWOLFKHQ6DFKYHUVWlQGLJHQ
JHPl‰†D%*%
- Haftung gegenüber Dritten
9HUWUDJOLFKH*HVWDOWXQJVP|JOLFKNHLWHQ]XU(LQVFKUlQNXQJGHU+DIWXQJXQGZHLWHUH+DQGOXQJVempfehlungen
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
*XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
Baukammer Berlin 3/2014 |
57
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:15 Uhr
Seite 58
Baukammer / Berufspolitik / Bildung
, Rechtliche Grundlagen der Technischen
Gebäudeausrüstung unter besonderer
Berücksichtigung des Brandschutzes
RA Dr.
*XLGR6FKXO]
Kapellmann
5HFKWVDQZlOWH
0½
Haus der
'RQQHUVWDJ
10½
%DXNDPPHU
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
, Praxisprobleme der neuen HOAI 2013 –
vorbeugende Vertragsgestaltung
RA Bernd R.
1HXPHLHU
0LWWZRFK
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
$QMD7KHXUHU
Auftragsberatungsstelle
Brandenburg
e.V.
0½
'RQQHUVWDJ
Haus der
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
$QMD7KHXUHU
Auftragsberatungsstelle
- Wahl der richtigen Verfahrensart bei nationalen und Brandenburg
(89HUJDEHQ
e.V.
'RQQHUVWDJ
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
‡ 5HFKWOLFKH*UXQGODJHQGHU7HFKQLVFKHQ*HElXdeausrüstung
- Einleitung
5HFKWOLFKH*UXQGODJHQ
- Konfliktpunkte
- Zusammenfassung
‡ %UDQGVFKXW]$NWXHOOXQGEULVDQW
5HFKWOLFKH*UXQGODJHQ
- Prüfingenieure für Brandschutz und BrandschutzPlQJHODP%DX
'LH+DIWXQJYRQ3ODQHUQIU%UDQGVFKXW]PlQJHO
- Honorierung der Änderungsplanung
- Fehlende Abnahme und rechtliche Folgen
8PEDX]XVFKODJXQGDQGHUHÅ.DQQ%HVWLPPXQJHQ´
, Die neue ABau - Richtiger Umgang mit
Richtlinien und Formblättern bei der
Vergabe von freiberuflichen Leistungen und
Bauleistungen
- Aufbau des Vergabe- und Vertragshandbuch für
freiberufliche Leistungen bzw. für Bauleistungen
8PVHW]XQJODQGHVUHFKWOLFKHU9RUJDEHQ8PZHOWVFKXW]0LQGHVWORKQ)UDXHQI|UGHUXQJHWF
3UDNWLVFKHU8PJDQJPLWGHQ)RUPXODUHQ
, Qualität bei der Vergabe freiberuflicher
Leistungen: Verhandlungsverfahren nach VOF
optimieren
- Effiziente Eignungsprüfung und Bewerberauswahl
=LHOIKUHQGH$QJHERWVZHUWXQJDXI%DVLVYRQ4XDOLWlWVNULWHULHQ
6RQGHUSUREOHP$QJHERWHXQWHU+2$,0LQGHVWVDW]
$NWXHOOH5HFKWVSUHFKXQJ]XU92)
, Intensivkurs VOB/B 2012, Teil 4
RA Bernd R.
1HXPHLHU
0LWWZRFK
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
, Typische Haftungsfallen und Fallstricke des
überwachenden Ingenieurs – Teil 3: Aktuelle
Haftungsprobleme
RA Bernd R.
1HXPHLHU
0LWWZRFK
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
8KU *XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
Referent
Datum/Uhrzeit Ort
Dr.-Ing.
7KRUVWHQ
Weimar
'LHQVWDJ
8KU
incl. Pause
- Kündigung und Arbeitseinstellung
'XUFKVHW]XQJYRQ0lQJHODQVSUFKHQ
9HUMlKUXQJVIDOOHQXQGDQGHUH)DOOVWULFNH
$EQDKPHXQG$EQDKPHYHUZHLJHUXQJ
8QWHUODVVHQH%HGHQNHQDQ]HLJH
- Fehlender Versicherungsschutz
Teil II Weiterbildungsveranstaltungen der Fachgruppen
Nr. Titel
Gebühr
FG 1 Konstruktiver Ingenieurbau
,, DIN 18008 – Die neue Norm für Glas im
Bauwesen
%ORFN
*ODVLP%DXZHVHQ²%HPHVVXQJVXQG.RQVWUXNWLRQVregeln
7HFKQLVFKH5HJHOQXQGDOOJHPHLQH*UXQGODJHQ
QDFK',1
/LQLHQI|UPLJJHODJHUWH9HUWLNDOYHUJODVXQJ
²=ZHLVFKHLEHQ,VROLHUJODVQDFK',1
%ORFN
/LQLHQI|UPLJJHODJHUWH9HUWLNDOYHUJODVXQJ²
'UHLVFKHLEHQ,VROLHUJODVQDFK',1
3XQNWI|UPLJJHODJHUWH9HUJODVXQJHQQDFK',1
%ORFN
$EVWXU]VLFKHUQGH9HUJODVXQJHQQDFK',1
9HUHLQIDFKWHU1DFKZHLVQDFK$QKDQJ&XQG
3HQGHOVFKODJVLPXODWLRQQDFK$QKDQJ&
58 | Baukammer Berlin 3/2014
Haus der
0½
%DXNDPPHU
10½
*XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
Bau 3-14 Umbruch 2
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
%ORFN
%HJHKEDUH9HUJODVXQJHQQDFK',1
%HWUHWEDUH9HUJODVXQJHQQDFK',1
9HUIDKUHQXQG1DFKZHLVHEHL=XVWLPPXQJLP(LQ]HOfall (ZiE)
,, Berechnung, konstruktive Durchbildung
und Ausführung von Konstruktionen aus
Nichtrostenden Stählen im Bauwesen
Dr.-Ing.
'LHQVWDJ
3HWHU1|OOH
Berater und
8KU
:DVEHGHXWHWQLFKWURVWHQGEHLGLHVHQ6WlKOHQ"
Prof. Dr.-Ing.
Korrosion ist keine Werkstoffeigenschaft.
0DUWLQ6FKZHVLJ
(LQWHLOXQJ1RUPXQJ%HGHXWXQJXQG=XODVVXQJGHU Hochschule
1LFKWURVWHQGHQ6WlKOHLPEDXDXIVLFKWOLFKHQ%HUHLFK 2:/'HWPROG
0½
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%HUOLQ
6DFKJHUHFKWH:HUNVWRIIDXVZDKOEHLDWPRVSKlULVFKHU([SRVLWLRQ%HVRQGHUKHLWHQEHL1LFKWURVWHQdem Betonstahl.
6FKZHL‰HQXQG6FKQHLGHQ1LFKWURVWHQGHU6WlKOH
$XVIKUXQJYRQ6WDKOWUDJZHUNHQQDFK=XQG
(1
1DFKEHDUEHLWXQJ8QWHUKDOWXQG:DUWXQJYRQ
Konstruktionen.
- Anwendungsbeispiele im Bauwesen.
- Bauliche Durchbildung korrosionsgerechter
Konstruktionen.
%HPHVVXQJLP9HUJOHLFKYRQ=XQG
(XURFRGH
FG 3 Verkehr, Wasser, Abfall sowie Ver- und Entsorgungstechnik
,, Stellplatzplanung in Gebäuden
Dipl.-Ing.
6LHJPDU*XP]
Ing.-ges.
+2))0$11
/(,&+7(5
'LHQVWDJ
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%HUOLQ
,, Stand der Berliner Altlastensituation
'LSO*HRJU
Frank Rauch
6HQ6WDGW8P
VIII C
Å%RGHQVFKXW]
$OWODVWHQ´
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Anika Dittmar
Doktorandin
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%HUOLQ
7LHIJDUDJHQ
$N]HSWDQ]]XU1XW]XQJ
ZHLWHUH*HElXGHSODQXQJ
'DUVWHOOXQJYRQXDDOOJHPHLQHQXQGVSH]LHOOHQ
technischen Randbedingungen bei der DurchfühUXQJDNWLYHU%RGHQXQG*UXQGZDVVHUVDQLHUXQJHQ
LP6WDGWJHELHW
- Wesentliche gesetzliche Rahmenbedingungen und
*UXQGODJHQ VRZLH GDUDXV UHVXOWLHUHQGH EHK|UGOLFKH
9RUJHKHQVZHLVHQ EHL GHU 8PVHW]XQJ YRQ 6DQLHUXQJV
XQG 6LFKHUXQJVPD‰QDKPHQ
FG 4 Technische Gebäudeausrüstung
,, LEED – Zertifizierung von Neubau- und
Bestandsgebäuden
,QKDOWHGHU%HZHUWXQJVNULWHULHQ$QIRUGHUXQJHQDQ
GDV*HElXGHXQGGHQ%DXSUR]HVVXQG9HUJOHLFK
gegenüber anderen Zertifikaten
.RQNUHWH%HLVSLHOHE]JOGHU8PVHW]XQJLQGHU$XVführungsphase
- Ablauf einer Zertifizierung
FG 5 Bauphysik
,, Wärmebrücken und Gleichwertigkeit nach
EnEV 2014
Dr.-Ing.
'RQQHUVWDJ
Peter Baum
Ingenieurbüro
8KU
Bauklimatik
Zerpenschleuse
,, Neuregelungen zum sommerlichen
Wärmeschutz nach DIN 4108-2
Prof. Dr.-Ing.
Helmut
0DUTXDUGW
:LUNXQJHQXQG.HQQZHUWHYRQ:lUPHEUFNHQ
%HUHFKQXQJVYHUIDKUHQXQG%HZHUWXQJQDFK(Q(9
LPhEHUEOLFN
*OHLFKZHUWLJNHLWVQDFKZHLVQDFK(Q(9',1
%EOPLW+DQGUHFKQXQJ
- Vorführung eines Beispiels
hEXQJDQHLQHP%HLVSLHO7DVFKHQUHFKQHULVWHUIRUderlich)
*OHLFKZHUWLJNHLWVQDFKZHLV PLW 6RIWZDUH LP hEHUEOLFN
1HXIDVVXQJYRQ',1PLWbQGHUXQJHQEHLPVRPPHUOLFKHQ:lUPHVFKXW]
9HUHLQIDFKWHV9HUIDKUHQ]XP1DFKZHLVGHVVRPPHUOLFKHQ:lUPHVFKXW]HVPLW%HLVSLHOYRQ+DQG
XQGLQ([FHO7DEHOOH
Haus der
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
FG 6
Brandsicherheit, Geotechnik, Projektsteuerung, Sicherheits- und Umwelttechnik
sowie andere Fachrichtungen
,, 1. Hilfe-Kurs
mit Herz-Lungen-Wiederbelebung
$6%1RUGRVW
Berlin
'LHQVWDJ
XQG
0LWWZRFK
MHZHLOVYRQ
8KU
7DJH
,, Brandschutz im Denkmal
Dipl.-Ing.
Andreas Flock
'LHQVWDJ
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10½
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-
$EVLFKHUQYRQ8QIDOOVWHOOHQ1RWUXI
6WDELOH6HLWHQODJH+HU]/XQJHQ:LHGHUEHOHEXQJ
+HOPDEQDKPH%HDWPXQJ'UXFNYHUEDQG
+HU]LQIDUNW 6FKODJDQIDOO
9HUJLIWXQJHQ9HUlW]XQJHQ9HUEUHQQXQJHQ
Beatmung
(LQOHLWXQJXQGhEHUVLFKW
- Arbeitsweise
- Beispielprojekte
,, Das Rechtliche beim Brandschutz –
sicher kommuniziert!
I. Brandschutzanforderungen differenziert für Berlin
und Brandenburg nach
D 6WDQGDUGEDX EHDXIODJW LQ GHU %DXJHQHKPLJXQJ
E 6RQGHUEDX EHKDQGHOWLP3UIEHULFKW
F 5HFKWOLFKH%HZDQGWQLV'XUFKVHW]XQJ:LGHUspruchsmöglichkeit
,, *UXQGODJHQGHU.RPPXQLNDWLRQ
III. Brandschutz und Bestandsschutz
,9 6LFKHUXQGIROJHULFKWLJDUJXPHQWLHUHQ
hEXQJHQ%HLVSLHOH]X,,9
(LQ *UXQGZLVVHQ ]XP %UDQGVFKXW] LVW QRWZHQGLJ XP
GHU IDFKOLFKHQ 9HUWLHIXQJ IROJHQ XQG GLH 0HWKRGHQ
der Kommunikation aufnehmen zu können.)
6DFK
YHUVWlQGLJHUIU
YRUEHXJHQGHQ
Brandschutz
'LSO,QJ78
6LPRQH0H\HU
0DVWHURI$UWV
und
Dipl.Psychologin
Christiane
KellerZimmermann
Besichtigungen von Baustellen, bestehender Anlagen
und kulturhistorischer Bauten
'LH7HUPLQHZHUGHQQDFK(LQJDQJGHU$QPHOGXQJHQ
DE3HUVRQHQPLWGHQ*DVWJHEHUQYHUHLQEDUW
DQVFKOLH‰HQGZHUGHQ6LHVFKULIWOLFKLQIRUPLHUW
0LWWZRFK
8KU
Haus der
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*XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
Haus der
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10½
*XWVPXWKVVWU
%HUOLQ
2UJDQLVDWLRQ
3URI'LSO,QJ*QWHU+DQVFKNH
und
'LSO,QJ7KRPDV%ODX
,, %XQGHVPLQLVWHULXPIU)LQDQ]HQLP'HWOHY5RKZHGGHU+DXV
½
,, 6WDDWVELEOLRWKHN
½
,, 6WDDWVRSHU
½
,, %DUHQERLP6DLG$NDGHPLH
½
,, ICC
½
,, 1HXHV0XVHXP
½
,, .RPSHWHQ]]HQWUXPGHU0XVHXPVLQVHO
½
,, -GLVFKHV0XVHXPXQG$QEDXWHQ
½
,, $UFKlRORJLVFKH$XIJUDEXQJLQ%HUOLQ0LWWH
½
,, 1HXEDX%HWULHEVZHUNVWDWW%9*2O\PSLDVWDGLRQ
½
,, 1HXHV3XPSZHUN)ULHGULFKVKDLQ5XGROIVWUD‰H
½
,, 1HXHU5HJHQZDVVHUVSHLFKHUDQGHU2EHUEDXPEUFNH
½
,, +.:0RDELW
½
,, HKW Klingenberg in Rummelsburg
½
60 | Baukammer Berlin 3/2014
Bau 3-14 Umbruch 2
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Baukammer / Berufspolitik / Bildung
,, 0OOYHUEUHQQXQJ5XKOHEHQ
½
,, %0::HUN6SDQGDX
½
,, 1HXEDX)UH\EUFNH6SDQGDX
½
,, '/5*7DXFKWXUP
½
,, 6FKZHUEHODVWXQJVN|USHU6FK|QHEHUJ
½
,, *DVRPHWHU6FK|QHEHUJ
½
,, 6SUHQJSODW]*UXQHZDOG
½
,, 6SRUWPXVHXPDP2O\PSLDVWDGLRQ
½
,, 8QIDOONUDQNHQKDXV0DU]DKQ
½
,, 6FKORVVEDXKWWH6SDQGDX:HUNVWDWWIU+XPEROGWIRUXP
½
,, :DVVHUEDXLQVWLWXW6FKOHXVH7LHUJDUWHQ78
½
,, Die Brauerei Königsstadt - Industriegeschichte in Prenzlauer Berg
½
,, )OXJKDIHQ7HPSHOKRI
½
,, Flughafen BER
½
,, 6FKLIIVKHEHZHUN1LHGHUILQRZ
½
,KUH$QPHOGXQJ]XHLQHURGHUPHKUHUHQ9HUDQVWDOWXQJHQNDQQPLWDQKlQJHQGHP$QPHOGHIRUPXODUHUIROJHQ,KUH
VFKULIWOLFKH$QPHOGXQJVROOWH7DJHYRU%HJLQQGHU9HUDQVWDOWXQJHQEHLGHU%DXNDPPHUHLQJHJDQJHQVHLQ%LWWH
EHUZHLVHQ6LHGLH*HEKUQDFK(UKDOWXQVHUHU5HFKQXQJ$QPHOGHEHVWlWLJXQJ
%HLHLQHU6WRUQLHUXQJELV7DJHYRU%HJLQQGHU9HUDQVWDOWXQJ(LQJDQJEHLGHU%DXNDPPHU%HUOLQZLUGGLH$QPHOGH
JHEKUHUVWDWWHW%HLVSlWHUHU$EVDJHRGHU1LFKWWHLOQDKPHHUIROJWNHLQH(UVWDWWXQJGHU7HLOQDKPHJHEKUHQ%HL$XVIDOO
HLQHU9HUDQVWDOWXQJZHUGHQGLHDQJHPHOGHWHQ7HLOQHKPHUGDUEHULQIRUPLHUWXQGGLH$QPHOGHJHEKULQYROOHU+|KH
erstattet.
$EVHQGHU)LUPHQVWHPSHO7HOHIRQ)D[H0DLO
Anmeldung fürs Winterhalbjahr 2014/15
%LWWHNUHX]HQ6LHGLH1XPPHUGHU9HUDQVWDOWXQJDQDQGHU6LH
JHUQHWHLOQHKPHQP|FKWHQXQGID[HQ6LHDQ030/79 74 43 29
RGHUEHUVHQGHQ6LH,KUH$QPHOGXQJSHU3RVW6LHN|QQHQVLFK
auch online unter www.baukammerberlin.de/Veranstaltungen
anmelden.
5,
5,
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0LWJOLHGGHU%DXNDPPHU5
0LWJOLHGGHU$.%OQRGHUDQGHUHQ,QJ.5
1DPHGHU.DPPHUBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB
6WXGHQW5
1LFKWPLWJOLHG5
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Denkmalschutz und -pflege
Die Verwandlung
der Siedlung 'Am Steinberg'
Dipl.-Ing. M.Sc. Wilfried Wolff
Die Siedlung 'Am Steinberg' in Berlin
Reinickendorf ist seit Monaten in den
Schlagzeilen. Ob Berliner Kurier am
17.01.2014, Morgenpost vom 7.4.2014
oder RBB ZIBB vom 24.06.2014 das
Thema wirbelt mehr als nur ein wenig
Staub auf. Die Siedlung 'Am Steinberg'
wurde 1919/20 vom Berliner Architekten
und Stadtbaumeister Ernst Hornig
erbaut. Sie besteht aus 5 Reihenhauszeilen mit 62 Wohneinheiten. In der Nähe
befinden sich die Mitte bis Ende der
1920er Jahre erbauten Siedlungen im
Tile-Brügge-Weg.
Die Siedlung steht in ihrem Anspruch
nach einfachem, bezahlbarem Wohnraum in einer Reihe mit den unter Welterbeschutz stehenden Siedlungen der
Berliner Moderne wie die Hufeisensiedlung in Britz und Am Falkenberg. Die einbis zweigeschossigen gemauerten, Häuser sind teilunterkellert und im ziegelgedeckten Dach teilweise ausgebaut. Bis in
Fotos ©Wolff
Bild 01, Sockel Bestand
Bild 02, Sockel neu
Bild 03, Fenster und Putz Bestand
Bild 04, Fenster und Putz neu
Bild 05, Gaube Bestand
Bild 06, Gaube neu
Bild 07, Obstgarten im Bestand
Bild 08, Riesenpool statt Garten, neu
62 | Baukammer Berlin 3/2014
die Mitte der 1980er Jahre wurde die landeseigene Siedlung vom Wohnungsamt
verwaltet, dann von der GSW und
schließlich an einen Investor verkauft.
Dieser wirbt im Internet (3) mit dicken
grünen Haken vor den Begriffen 'luxuriöse Ausstattung' und 'denkmalgeschützte
Kleinhaussiedlung'. Im Verkaufsprospekt
in dem die Siedlung "Stonehill Gardens"
heißen soll, ist zu lesen: "Die Siedlung als
Ganzes ist ein architektonisches Meisterwerk, welches aufgrund des hohen
Gartenanteils der Häuser eine grüne
Oase in der Großstadt bildet." (3)
Nachfolgend sollen nicht Anglifizierung,
Luxussanierung oder Mietsteigerungen
auf teilweise das 5-fache im Mittelpunkt
stehen, sondern der Umgang mit der so
gelobten und denkmalgeschützten Bausubstanz. Die "Kleinhaussiedlung am
Steinberg" ist in der Denkmalart 'Gesamtanlage' unter der OBJ-Dok-Nr.:
09011780 in der Liste der eingetragenen
Denkmale Berlins aufgeführt. Mit den
Bauarbeiten wurde bereits begonnen.
Den Worten sind Taten gefolgt. Erste
Ergebnisse lassen auf das Gesamtergebnis schließen.
Die Fassaden wurden mit einem Dämmputz versehen, Bild 01 und Bild 02. Der
Sockel steht somit nicht mehr vor, sondern springt zurück. Die vorhandenen
Fenster wurden durch neue Fenster
ersetzt, sh. Bild 03 und Bild 04. Zusammen mit der Dämmung erhöht sich die
Anschlagstiefe ebenso wie sich der Fensterrahmen verbreitert. Der bisherige
Kratzputz ist einem Glattputz gewichen.
Die Dachgaube, ursprünglich aus Holz,
hat nunmehr eine verputzte Außenwand
erhalten, sh. Bild 05 und 06. Noch gravierender sind die gartenseitigen Veränderungen. Die Außenwand wurde geöffnet,
großflächig verglast und der der teilweise
seit Errichtung der Siedlung gewachsene
Baumbestand
zugunsten
eines
Schwimmbeckens und einfachen Rasens beseitigt, sh. Bild 07 und 08. Die
Obstbäume des als Nutzgarten angelegten Bereiches, ursprünglich Teil der Gartenstadtphilosophie, wurden vollständig
abgeholzt. Schließlich wurde noch das
Dach, sh. Bild 09 um rd. 10 cm angehoben, um durch die nunmehr angeordnete
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Denkmalschutz und -pflege
Wärmedämmung maximalen zusätzlichen Wohnraum im Dach zu schaffen.
Zum denkmalrechtlichen Bescheid A4UD/17.2-02-11 sowie weiteren Ergänzungen aus dem Jahre 2011 werden nun
zurecht einige Fragen gestellt.
Rechtfertigt eine Wärmedämmung von
knapp 4 cm eine derartige Veränderung
des Charakters der Fassade und des
Daches? Warum wurden die bestehenden Fenster nicht aufgearbeitet, wie es in
anderen Siedlungen inzwischen sowohl
technisch als auch wirtschaftlich erfolgreich ausgeführt wurde? Wie kann die
Zerstörung des Gesamtensembles von
Haus und Garten genehmigungsfähig
sein? Was bleibt von dem gepriesenen
'architektonischen Meisterwerk' optisch
und materiell übrig? Bleibt es ein Denkmal? Bleibt es das Denkmal als das es in
die Denkmalliste eingetragen wurde?
In Britz wird die Garten- und Landschaftsgestaltung mühevoll und mit vielen Diskussionen auf die ursprüngliche
Gestaltung der Gartenarchitekten Lesser
und Migge zurückgeführt.
Hier 'Am Steinberg' wird der (immer)
noch vorhandene Bewuchs – gegen die
Mieterinteressen – beseitigt. Für Parkbereiche sollen sogar weitere Grünflächen
beseitigt und versiegelt werden.
Nach dem Denkmalschutzgesetz von
Berlin (1) §8,(1) gilt:" Der Verfügungsberechtigte ist verpflichtet, ein Denkmal im
Rahmen des Zumutbaren zu halten und
instand zu setzen, es sachgemäß zu
behandeln und vor Gefährdungen zu
schützen."
Die bereits durchgeführten Baumaßnahmen belegen die zumutbaren Möglichkeiten des Verfügungsberechtigten. Um
so erstaunlicher ist, daß die lt. Gesetz
vorgegebenen Instandhaltungsmaßnahmen nicht eingefordert und schon gar
nicht durchgesetzt werden.
Nebenstehende Häuser weisen gut
(1 Gesetz zum Schutz von Denkmalen in Berlin vom 24.April 1995 (BVBL. S. 274)
(2) Die Beteiligung der Denkmalfachbehörde
(Landesdenkmalamt) an den Entscheidungen der unteren Denkmalschutzbehörden
nach §6 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. §5 Abs.2 Nr. 13
DSchG Bln (AV-Einvernehmen),; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom
30.11.2006
(3) http://www.denkmalimmobilien.info/berlin
/stonehill-gardens
Bild 09, Veränderung Dachhöhe
Bild 10, Dachbegrünung
Bild 11, Kellerfeuchte
Bild 12, Schornsteinversottung
wachsenden Baumbestand auf - allerdings im Dachbereich, sh. Bild 10. Kellerwände sind seit Jahren feucht bis naß,
sh. Bild 11. Und wer sich im Dachboden
in die Nähe des vollig versotteten
Schornsteins begibt, sh. Bild 12, wird
den beißenden und gesundheitsgefährdenden Schwefelgeruch für die folgenden Stunden in der Nase spüren, von
dem desolaten Mauerwerksverband
nicht zu reden.
Bild 13, Müllhausverhüllung
Die Anlage wurde nach einem Konzept,
einer Idee als Ganzes geplant und gestaltet, selbst das Müllhaus. Die planmäßige
und geordnete Entsorgung des Hausmülls sollte nicht nur nach hygienischen
sondern auch gestalterischen Gesichtspunkten erfolgen. Nun ist das Müllhaus
verhüllt, hoffentlich nur vorrübergehend.
Um den ganzen Müll zu verbergen?
Eine letzte Frage betrifft das Verfahren
selbst. Gemäß Einvernehmensrichtliche(2) gilt die Zustimmung durch das
Landesdenkmalamt als Fachbehörde als
gegeben (fiktives Einvernehmen), wenn
die Entscheidung der Unteren Denkmalbehörde im Rahmen einer Vorgabe des
Landesdenkmalamtes ergeht. Derartige
Vorgaben können sein:
– einzelfallübergreifende Rahmenvorgaben
– vom Landesdenkmalamt abgezeichnete Gutachten
– Denkmalpflegekonzeptionen
Zur Siedlung 'Am Steinberg' liegt keine
der vorgenannten Unterlagen vor. De facto gibt es für die Siedlung 'Am Steinberg'
keine Erhaltungs- oder Gestaltungssatzung also nicht einmal eine bezirkliche
Satzung zur Erhaltung dieses Ensembles.
Ein Einvernehmen zwischen Unterer
Denkmalbehörde und Landesdenkmalamt liegt ebenfalls nicht vor. Das Landesdenkmalamt war, soweit bekannt, bisher
nicht an den bisherigen Entscheidungen
beteiligt.
Im Ergebnis sind einige Fragen zu stellen.
Warum wurden wie bei vergleichbaren
Objekten oder Ensembles sonst so
detaillierte und schonende Vorgaben
nicht gemacht? Warum gibt es, wie es
dieser Siedlung angemessen wäre und in
anderen Bezirken üblich ist keine Erhaltungssatzung? Wie wurde, trotz der
gesetzlichen Vorgaben, auf die Herstellung des Einvernehmens mit dem Landesdenkmalamt verzichtet? Handelt es
sich hiermit um einen Verfahrensfehler,
der die Genehmigung grundsätzlich
infrage stellt? –
Baukammer Berlin 3/2014 |
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Denkmalschutz und -pflege
Bodenwerte im Postkommunismus
Dipl.-Ing. Architekt Ulrich Springer
a) Potsdam: Das Konsens-Modell
Das Eigentum an und das Verfügen über Grund und Boden ist eine der Grundlagen unserer Gesellschaftsform, das Verzeichnen von Liegenschaften in Katastern sowie die Eintragung der Eigentums- und Rechtsverhältnisse in Grundbücher bilden einen unverzichtbaren Teil des Fundaments
unserer Wirtschaftsordnung. Da Privateigentum an Produktionsmitteln und Boden in den sozialistischen Staaten verboten oder nur in engen Grenzen gestattet war, geriet die Fortschreibung der
Register zur Nebensache. In der DDR wurden seit 1945 die Kataster gar nicht und Grundbücher
nur noch spärlich fortgeführt.
Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung befanden sich immerhin noch 25 % des Wohnraums in Privateigentum. Ein Drittel der Mehrfamilienhäuser – insbesondere die vor 1945 errichteten Gebäude
– waren in privater Hand, und zwei Drittel der Ein- und Zweifamilienhäuser gehörten ihren Bewohnern. Es gab in der DDR Sachverständige für Grundstücksfragen, die beim Rat des Kreises registriert waren und die Objekte bei Kauf und Eigentumsübertragung bewerteten.
Wer ein Mietshaus besaß, hatte allerdings wenig Freude daran. Die Objekte wurden auf der Basis
so genannter Einheitswerte von 1935 sehr niedrig bewertet. Mieten waren eingefroren und auf den
Stand von 1944 festgeschrieben. So blieb Wohnraum in der DDR spottbillig und zugleich Mangelware. Bei durchschnittlichen Preisen von unter einer Mark je Quadratmeter reichten die Mieteinnahmen kaum für den laufenden Unterhalt sowie die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen.
Die Häuser trugen sich nicht selbst und verfielen über die Jahre, sofern der Eigentümer nicht aus
anderen Einnahmequellen Reparaturen finanzierte. Auch über die Mieter hatte nicht der private
Eigentümer zu entscheiden, sondern das örtliche Amt für Wohnungswesen.
All dies revidierte der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Die Bewertungsmaßstäbe für Gebäude
und Grundstücke änderten sich und somit auch die Arbeit der Sachverständigen in den neuen Bundesländern. Der Westberliner Verband der vereidigten Sachverständigen begann, die Kollegen in der
ehemaligen DDR auf die neuen Verhältnisse vorzubereiten und fachlich fortzubilden. Da ich von anderen Vieles gelernt hatte und vom Abend-Technikum über die Ingenieurfach- bis zur Gutachterausbildung geschult worden war, gab ich fortan als Dozent mein Wissen weiter. Die Seminarteilnehmer
waren nicht selten älter als ich und entpuppten sich durchweg als hervorragend qualifizierte Fachleute. Für manche ihrer Fragen und Probleme hatte ich keine schnellen Antworten parat.
Das betraf vor allem die Methoden und Maßstäbe, wie ein Haus in Potsdam, ein Gewerbegrundstück in Bernau oder eine Kaufhalle in Luckenwalde einzuwerten war. Obwohl ich dies selbst nach
bestem Wissen und Gewissen tat, blieben besonders in den ersten Jahren der Einheit viele Unsicherheitsfaktoren, die mit dem Herausbilden von Märkten zusammenhingen. Es hatte zuvor keine
freie Preisfindung und damit keine verlässliche und nachvollziehbare Entstehung und Differenzierung von Grundstücks- und Gebäudewerten gegeben. Bei den Bewertungsverfahren standen
unterschiedliche Ansätze zur Wahl, und allgemeine Richtgrößen wie Bodenleitwerte gab es noch
nicht. Hinzu kamen ungeklärte Eigentumsverhältnisse und das Chaos bei Katastern und Grundbüchern. Zumindest halfen alte Pläne und noch vorhandene Unterlagen dabei, im Osten neue Verzeichnisse zu erstellen.
In den alten Bundesländern gibt es schon lange für sämtliche Städte und Gemeinden Bodenrichtwertkarten, die mindestens alle zwei Jahre aktualisiert werden. In Berlin erfolgt die Festsetzung
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heute jährlich, und zwar für einzelne Quartiere, sogenannte Bodenrichtwertzonen. Für die faire,
transparente Preisschätzung eines bebauten oder baureifen Grundstücks in den neuen Bundesländern benötigte man damals zumindest Bodenleitwerte, die Vorgänger von Bodenrichtwerten.
Hierbei handelte es sich um Schätzungen, die im Vergleich zu Lagen in den alten Bundesländern
vorgenommen wurden. 1991 machte ich mich an den Entwurf einer Bodenleitwertkarte für die
Brandenburger Landkreise rund um Berlin. Wie brauchbar und nützlich solche Arbeit ist, steht und
fällt mit der Einteilung der Quartiere und dem Vergleichsmaßstab bei der Bewertung. Der eigentliche Test aber ist die Praxis. Wie präzise bildet der eigene Ansatz das Marktgeschehen ab oder
nimmt es möglicherweise vorweg?
Der Umfang des Projektes war enorm: Von 14 Landkreisen Brandenburgs grenzen neun an Berlin.
Wer das Berliner Umland betrachtet, betrachtet also das halbe Bundesland Brandenburg. Das
eigentliche Problem aber war nicht die geografische Ausdehnung, sondern die geringe Zahl und
sehr ungleiche Verteilung von Immobilientransaktionen. Erst eine Mindestmenge an Verkäufen liefert realistische Ansätze für Vergleichspreise.
Bereits in meinem ersten Bericht zeichnete sich ein klarer Trend ab, der bis heute ungebrochen ist.
Der südliche und westliche Berliner „Speckgürtel“ legt am kräftigsten zu und ist deutlich höher
bewertet und dynamischer als das Umland im Osten und Norden. Die wirtschaftlichen und demografischen Zahlen der vergangenen zwei Jahrzehnte bestätigen diese Entwicklung.
Für das südwestlich an Berlin grenzende Potsdam war die Bestimmung von Bodenleitwerten
etwas einfacher. Wegen seiner Größe, Nähe und Bedeutung als Landeshauptstadt prosperierte der
dortige Haus- und Grundstücksmarkt. Mein Grundansatz für Potsdam beruhte auf einem Vergleich
mit Berlin-Spandau. Beide waren Garnisons- und Vorstädte Berlins. In beiden gab es Übereinstimmungen in zentralen Bereichen des historischen Stadtaufbaus und ihres Einzugsgebiets. Überdies
waren ihre Immobilienmärkte eng mit dem Berliner Geschehen verknüpft, schon daher waren Vergleiche Potsdams mit z. B. Lübeck und dem Umland von Hamburg weniger sinnvoll. Eine zu
berücksichtigende Besonderheit war die große Zahl an denkmalwürdigen Gebäuden. Unklar war
seinerzeit auch, ob bald ein gemeinsames Bundesland aus Berlin und Brandenburg entstehen würde und welche Auswirkungen dies hätte.
1992 erschien meine erste Bodenleitwertkarte für Potsdam, die, wie auch die Berichte für das Berliner Umland, in den folgenden Jahren mehrfach aktualisiert wurde. Unsere Datensammlung wuchs
und beruhte vor allem auf Wertgutachten, Maklerangeboten und Material von Hypothekenbanken.
Jeder konnte die Berichte für zehn D-Mark erwerben, das entsprach den Druck- und Portokosten
plus einmal Kaffee und Kuchen. Die Branchengrößen und Experten griffen als erste zu, die Datensammlung lieferte willkommene Anhaltspunkte für ihre Geschäfte. Neben den Insidern wie institutionellen Investoren, Maklern und Baufinanzierern erwarben auch viele Privatleute die Broschüren.
Es waren Hauseigentümer und Kaufinteressenten, die nach marktüblichen Vergleichspreisen
suchten. Heute sorgt das Internet bei Immobilien und anderen Gütern für eine vor zwanzig Jahren
noch undenkbar gewesene Markt- und Preisübersicht.
Doch nicht jeder Marktteilnehmer schätzt Transparenz. Wer für Objekte Mondpreise aufruft, fürchtet um seine üppigen Margen. Damals hatten Immobilien-Glücksritter Hochkonjunktur. Preisdifferenzen von 500 % bei gleichartigen Objekten sprachen für maßlose Übertreibung und hitzige Spekulation. Unzufriedenheit über die neuen Bodenleitwerte herrschte folglich bei Verkäufern mit weit
überhöhten Preisforderungen und Vermittlern mit entsprechend saftigen Provisionen. Auch Investoren, die Liegenschaften bereits teuer erworben hatten, waren von Wertansätzen unterhalb ihrer
Einstandspreise nicht erfreut. Wer zudem als Eigentümer einen Baukredit bei der Bank aufnahm,
hatte es mit hohen Grundstückswerten leichter als mit niedrigeren.
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In diese allzu durchsichtige Kritik an meiner Arbeit mischten sich landsmannschaftliche Animositäten. Die Stadt Potsdam hatte eine eigene Bodenleitwertkarte erstellt, die das Erstgeburtsrecht für
sich beanspruchte, jedoch zahlreiche
Schwächen aufwies. Dass die fachlich
gebotenen und sachlich angeregten Korrekturen „aus Berlin“ kamen, war für
manchen nur schwer erträglich. Hier
zeigte sich die komplizierte Beziehung
zwischen der alten und wieder künftigen
Bundeshauptstadt und der brandenburgischen Landeshauptstadt. Berlin war zwar
Residenz- und seit 1701 Hauptstadt des
Preußischen Königreichs, doch wurde der
Ort als Brandenburgische Kommune lange Zeit von Potsdam aus verwaltet. Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts
geriet Potsdam in den Schlagschatten der
mächtig aufstrebenden Metropole. Diese
Jahrhunderte hatten das beiderseitige
Verhältnis verhagelt.
Eifersucht und Missgunst treten auf,
wenn es um das glanzvolle Regieren,
Residieren und Repräsentieren geht. Der
Gegensatz zwischen Provinz und Metropole, zwischen Preußisch und Berlinisch
spielt ebenfalls eine gewichtige Rolle.
Die gegenseitige Abneigung reicht zwar
längst nicht an den Beziehungsstress der
Land
Sachsen-Anhalt
Berlin Umlandkreise 1990
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Paarungen Moskau-Sankt Petersburg
oder Warschau-Krakau heran. Doch
ganz falsch war es nicht, als jemand das
Verhältnis zwischen den Städten Potsdam und Berlin sowie den Ländern Berlin
und Brandenburg als Ganzes mit den
polnisch-deutschen Beziehungen verglich. Auch mir erscheint die mentale und
emotionale Bruchlinie zwischen Kleinmachnow und Zehlendorf wesentlich
stärker zu verlaufen als etwa der viel
bemühte Graben zwischen Bayern und
Berlinern oder Berlinern und Dresdnern.
Vielleicht sollte man Hauptstädter und
Märker für eine gewisse Zeit gemeinsam
in die Fremde schicken, um das Einende
hervorzubringen. Wenn sich zu DDR-Zeiten zwei Sachsen in Ost-Berlin trafen,
war das Geschäft schon getätigt, wenn
nur einer von ihnen den Mund aufmachte.
Dass die Zusammenführung von Brandenburg und Berlin an der Volksabstimmung scheiterte, war mehr als eine spontane Gemütslage der Wähler. Der absurde Gedanke, Brandenburg gegen Berlin
entwickeln zu wollen, hat aber hoffentlich
in Brandenburger Ministerien und Potsdamer Amtsstuben ausgedient. Als Teil
der Metropolenregion geht es Potsdam
glänzend. Die Stadt wächst und gedeiht
prächtig durch ihre Nähe zu Berlin, während die übrigen kreisfreien Städte im
Land – Frankfurt (Oder), Brandenburg a.
d. Havel und Cottbus – seit 1989/90 bis
zu einem Drittel ihrer Einwohner verloren
haben und unentwegt schrumpfen. In
politischen Führungsämtern sowie bei
der Stadtverwaltung von Potsdam beginnt der unübersehbare Berlin-Bonus
den Groll auf den großen Nachbarn zu
dämpfen. Man hat Berlin und seine Vorteile heimlich lieben gelernt.
Überdies verabschiedete sich Potsdam
von eigenwilligen Vorstellungen über das
Zustandekommen und die Funktion von
Bodenrichtwerten. Alte Gewohnheiten,
Preise politisch festzusetzen, hatten ausgedient. Seit 20 Jahren gehöre ich dem
Gutachterausschuss für Grundstückswerte von Potsdam an, der die Bodenrichtwerte für die Stadt ermittelt. Längst
bin ich kein Zugereister mehr und schon
gar kein Exot. Fast 25 % der Potsdamer
Einwohner sind heute ihrem Ursprung
nach Berliner Auswanderer. Sollte Brandenburg mit dem gemeinsamen Bundesland zu lange warten, entscheiden sich
die Potsdamer irgendwann kurzerhand
für die Eingemeindung nach Berlin – vorausgesetzt, sie erhalten ein attraktives
Angebot.
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b) Posen: Das Consulting-Modell
Oft wird von „Transformationsstaaten“ gesprochen, wenn die Länder des ehemaligen sowjetischen Machtbereichs gemeint sind. Diese Bezeichnung schließt erstaunlicherweise unser eigenes
Land nicht ein. Dabei steckten Deutschland und seine neue Hauptstadt Berlin, die von der Teilung
besonders betroffen war, in einem ebenso tiefen Umbruch und Übergang wie Tschechien oder
Tadschikistan. Es gibt freilich dort – und das ist der zentrale Unterschied – keinen Weststaat, der
den Umbau von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit in die Hände nimmt und finanziert.
Um die östlichen Nachbarstaaten zu unterstützen, organisierten wir in unserem Fachverband
anfangs kleine Treffen und Seminare. Ihr Zweck bestand im Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer. Wegen des regen Interesses machten wir die Veranstaltungen später eine Nummer größer und luden Kollegen aus Mittel- und Osteuropa zu Sachverständigentagungen ein. Bei einem
der Treffen lernte ich einen munteren polnischen Immobilienexperten kennen. Er war wie ich
Diplom-Bauingenieur und hatte ein Büro in Posen. Über das Fachsimpeln wurden wir beide uns
schnell sympathisch und sprühten sogleich vor Tatendrang. Wir wollten etwas auf die Beine stellen, vornehmlich ein kleines deutsch-polnisches Projekt mit möglichst großem praktischen Nutzen.
Da ich ihm von der Erstellung meiner Bodenleitwertkarten für Potsdam und das Berliner Umland
erzählte, schlug er vor, das Gleiche für Posen zu tun. Die Stadt hätte wie Potsdam in den zurückliegenden Jahren Eigentumsfragen und Restitutionsfälle geklärt und den Übergang zur Marktwirtschaft vollzogen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung sowie die Lage auf der Achse Berlin-WarschauMoskau würde großes Potenzial besitzen. Posen stünde ein anhaltender, solider Aufschwung
bevor. Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt gekommen, um Transparenz und Fairness in das Marktgeschehen zu bringen.
Die Idee begeisterte mich, und seine Begründung für den rechten Moment schien mir plausibel.
Außerdem war der Ort sehr geeignet für ein Zeichen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Für
die Stadt Posen mit ihrer bewegten Vergangenheit unter den beiderseitigen Herrschaftsansprüchen, die sich vor allem in den letzten 200 Jahren und besonders unter deutscher Besatzung im
letzten Krieg blutig auswuchsen, versprach es, ein gutes Werk zu werden. Wir verabredeten die Bildung einer Arbeitsgruppe von fünf Experten aus Berlin und Brandenburg sowie zehn Fachleuten
aus Posen und der gleichnamigen Wojewodschaft (heute Großpolen). Einige Tage Vorbereitung
und ein intensives Sommer-Wochenende vor Ort sollten ausreichen, um das Vorhaben umzusetzen.
An einem Freitag im Juni 1996 nahmen wir die Arbeit in Posen auf.
Während wir von polnischer Seite fürsorglich mit Bier und Gurken bewirtet wurden, reifte die Entscheidung heran, das Projekt schnell zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Wir setzten uns tags
darauf ins Auto und fuhren mit dem Stadtplan in der Hand die 27 Quartiere ab, in die wir Posen
unterteilt hatten. Die Auswahl von Stadtteilen nach der vorherrschenden Nutzungsform erwies sich
als brauchbar, wenngleich nicht immer klar war, wie sie sich zum Stadtentwicklungs- oder Masterplan von Posen verhielt. Das große Potenzial dieser wichtigsten polnischen Messe- und bedeutenden Bankenstadt war ohne Zweifel vorhanden. Dennoch war die Marktlage insgesamt unübersichtlich. 80 % der Wohnungen befanden sich in genossen- schaftlichem, betrieblichem oder kommunalem Besitz. Institutionelle und Finanzinvestoren waren kaum geschäftlich aktiv, dafür eher
schon Privatleute. Gleichwohl fehlte für viele Immobiliensegmente eine ausreichende Zahl an Kaufpreisen, um überhaupt seriöse Durchschnittswerte ermitteln zu können. Alles in allem waren die
Einschätzungen unseres Gastgebers über die Reife seines heimischen Immobilienmarkts zu optimistisch geraten.
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Unsere Erkenntnisse flossen in eine
Bestandsaufnahme mit vielen Unwägbarkeiten ein. Wegen der relativ groben
Erfassung von Bauflächen und Nutzungsformen sowie dem dürren Datenbestand an Preisen bewerteten wir nur
unbebaute Grundstücke. Ebenfalls
anders als üblich wurde anstelle eines
festen Preises mit Preisspannen operiert.
Die Unterschiede waren im Zentrum
besonders groß und lagen zwischen 300
und 800 D-Mark. Anstelle von Zloty wurden die Bodenrichtwerte zur Vereinfachung in D-Mark ausgewiesen, als
geeigneten Vergleichsort für die Bewertung zog ich Potsdam heran. Am Sonntag war die Arbeit beendet, und wir
waren mehr als zufrieden. Unsere Stimmung wurde so euphorisch, dass wir
beschlossen, Gleiches für Stettin zu tun.
Zuerst aber sollte im Herbst der Bericht
zu Posen in Polnisch und Deutsch
erscheinen.
reges Interesse und wurde in der Tagespresse diskutiert. Unsere Arbeit inspirierte andere internationale Maklerunternehmen ebenfalls, Bodenwerte zu veröffentlichen. Die Nähe ihrer Ergebnisse zu
unseren Bewertungen bestätigte die
Qualität unserer Leistung.
c) Sankt Petersburg:
Das Kapital-Modell
Anfang 1998 war es dann soweit. Unabhängig von unseren polnischen Kollegen
wurde der Marktbericht in Berlin veröffentlicht.
Was in der DDR und eingeschränkt auch
in Polen durch den Rückgriff auf alte
Grundbücher möglich war, konnte in
Russland nicht funktionieren. Kirchenbücher und Kataster aus den Zeiten vor der
Verstaatlichung 1917 - sofern überhaupt
noch vorhanden - lieferten schon wegen
ihres hohen Alters keine geeignete
Grundlage mehr zur Ermittlung heutiger
Bodenverhältnisse. Auch deshalb wurden nach dem Ende der Sowjetunion
zunächst keine privaten Eigentumsrechte, sondern lediglich Nutzungs- oder
Erbbaurechte vergeben. Das reichte
allerdings aus, um ein Wettrennen anzufachen, möglichst viele dieser Rechte zu
sammeln. Sie wurden anschließend
bevorzugt an Ausländer veräußert, was
diese manchmal in missliche Situationen
brachte. Kurz bevor Unternehmen und
Investoren im Vertrauen auf den rechtmäßigen Erwerb von Nutzungsrechten
ein neues Gebäude fertiggestellt hatten,
kam u. U. aus heiterem Himmel ein Halter
gleicher Rechte daher. Aus der sicheren
Investition war plötzlich ein unkalkulierbarer Rechtsstreit oder üppig kalkulierter
Preisnachschlag geworden.
Er stieß wie alle anderen Expertisen auf
Am Aufbau neuer Kataster und Grundbü-
Dazu kam es nicht. Schnell wurde klar,
dass das Veröffentlichungsdatum nicht
eingehalten werden konnte. Stattdessen
zog sich die versprochene Durchsicht
und Überarbeitung der Ergebnisse quälend in die Länge. Das Projekt war in ein
zähes, zeitloses Verwaltungsverfahren
geraten. Schließlich verloren wir die Hoffnung, dass die Arbeit je das Licht der
Öffentlichkeit erblicken würde.
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cher sowie an der Einführung zeitgemäßer Bewertungsmethoden für Grund und
Boden führte in Russland kein Weg vorbei. Ein Kreis von Sachverständigen aus
Berlin und Brandenburg bot hierbei seine
Unterstützung an. Zu Zeiten der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft hätte man es einen Beitrag zur
internationalen
Völkerverständigung
oder einfach brüderliche Hilfe genannt.
Auf russischer Seite war unser Verbindungsmann German Gref, seinerzeit
Direktor für Liegenschaften beim Komitee für die Verwaltung des Staatsvermögens von Sankt Petersburg und, wie sich
bald zeigte, ein aufgehender Stern am
russischen Politfirmament.
1997 luden wir ihn mit einer kleinen Delegation zum Sachverständigentag nach
Bonn ein. Gref sprach gut deutsch. Sein
Familienstammbaum ging auf deutsche
Einwanderer zu Zeiten Katharinas der
Großen zurück, er selbst war mit russifiziertem Namen als Hermann Gräf in
Kasachstan aufgewachsen. Sein Verstand war wach und er begriff rasch,
worum es aus Sicht einer Stadt bei diesem Thema ging. Mit seiner spontanen
Art war er das Gegenteil des drögen
Apparatschiks, der Vorträge mechanisch
abliest und die Nerven seiner Zuhörer mit
endlosen Zahlenkolonnen von Hydranten, Laternenmasten und Straßenkilometern in St. Petersburg strapaziert.
Gegen Ende der Veranstaltung bemerkte
er, dass er nach seiner Rückkehr aus
Deutschland nicht bloß erzählen wolle, er
habe gut gegessen und den Rhein gesehen, sondern er wolle aus Deutschland
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etwas Greifbares mitnehmen. Wir schlugen ihm vor, gemeinsam eine Bodenleitwertkarte für seine
Stadt zu erarbeiten. Er willigte ein, und sechs Monate darauf trat unsere zehnköpfige Delegation
den Gegenbesuch an.
Gref war inzwischen zum Leiter der Privatisierungsbehörde und Vizegouverneur von St. Petersburg
aufgestiegen. Sein Vorgänger in beiden Ämtern, Michail Manewitsch, war im Auto mitten auf dem
Newski-Prospekt am helllichten Tag erschossen worden. Alles deutete auf einen Auftragsmord hin,
der mit den Privatisierungen zusammenhing. Es war der Beginn einer beispiellosen Mordserie in
der Stadt. Ob Gref zu unserer gemeinsamen Auftaktveranstaltung kommen würde, war zunächst
ungewiss. Kurz nach der Begrüßung erschien er mit einem Rudel von Bodyguards. Er wirkte lebhaft und entschlossen und durfte gleich zu Beginn der gemeinsamen Expertensitzungen ein Hindernis aus dem Weg räumen.
Es stellte sich nämlich heraus, dass St. Petersburg aus Schweden ein EDV-Programm zum Anlegen eines Katasters erhalten hatte. Obwohl unser Projekt darauf fußte, sollten wir es nicht zu
Gesicht bekommen. Das war nicht persönlich zu nehmen, sondern entsprach, wie uns Kenner versicherten, dem landestypischen Verschlusssachenwahn. Als wir andeuteten, dass wir unter diesen
Umständen besser abreisten, bekamen wir Einblick. Die Daten waren hervorragend aufbereitet und
enthielten sogar digitalisierte Fotos von jedem Grundstück sowie Mietverträge zu einzelnen Liegenschaften. Davon konnten wir in Deutschland nur träumen. St. Petersburg besaß wahrscheinlich die russlandweit vollständigste und genaueste Übersicht über seinen Immobilienbestand.
Unter diesem Eindruck nahmen wir beschwingt die Stadtpläne zur Hand. Wir grenzten die großen
Quartiere voneinander ab und besichtigten eines nach dem anderen. Entsprechend seiner Lage,
Bebauung und Nutzung erhielt jedes Quartier einen Quadratmeterpreis zugeordnet, bei dem wir
uns an den Erfahrungswerten Berlins orientierten. Der Newskiprospekt, das Herz und Einkaufszentrum von St. Petersburg, bekam mit 1.500 D-Mark den höchsten Wert zugeschrieben. Dies war kein
empfohlener Handels- oder Marktpreis, sondern ein Leitwert. Er bietet Marktteilnehmern einen
Anhaltspunkt, vor allem aber hilft er der Verwaltung bei der Stadtplanung und -entwicklung. Auch
dämmt er wilde Bodenpreisspekulationen ein und belässt Wertsteigerungen in großen Entwicklungsgebieten bei der Stadt selbst, um aufwändige Planungsarbeiten sowie kostspielige Erschließungs- und Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren.
Gref begriff das System, anders als viele seiner Mitarbeiter. Für die Stadtverwaltung bedeutete es
eine Umstellung ihrer Denk- und Preisstruktur. Bislang galten für Grund und Boden nur Steuerpreise, nach Art von Grundsteuern und darauf basierenden Hebesätzen. Für ein Einfamilienhaus zahlte man, bemessen an einem für alle Lagen gültigen Einheitswert, zum Beispiel 100 %, während bei
einem Mietshaus etwa 400 % fällig waren. Die nützliche Steuerungs- und Differenzierungsfunktion
von Bodenleitwerten war den meisten fremd, obwohl jeder wusste, dass Mietpreise oder Pachten
am Alexander-Newski-Platz völlig andere waren als in den Vorstädten am östlichen Ring. Wenngleich ziemlich unterschiedliche Denkweisen aufeinander trafen, konnte die Karte schließlich fertiggestellt werden.
Die Kombination aus Arbeits- und Besuchsprogramm verlangte vielen von uns das Äußerste ab.
Die St. Petersburger erwiesen sich als großartige Gastgeber, nicht nur während der Abendbankette. Die Atmosphäre bei der Besichtigung der städtischen Kunstdenkmäler und der nächtlichen
Flussfahrt auf den Kanälen der Newa war stimmungsvoll und herzlich. Als Höhepunkt und, wie es
schien, als persönliches Bedürfnis von Gref war ein Ausflug zum alten Zarenpalast nach Peterhof
vorgesehen. Er hatte sich dort seine ersten Sporen als Verwalter und Privatisierer verdient sowie in
der Nähe den Bau einer Musterwohnsiedlung für Russlanddeutsche mit auf den Weg gebracht.
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Neudorf-Strelna, so der Name, wurde
von der Bundesregierung mit zehn Millionen D-Mark im Rahmen eines Programms finanziert, das Russlanddeutsche von der Übersiedlung nach
Deutschland abhalten sollte. Es gab
einen Generalbebauungsplan, dessen
erste Stufe die Errichtung von 50 Wohnhäusern samt Kulturzentrum, Bäckerei
und kleinen Produktionsstätten vorsah.
1996 flog zum ersten Spatenstich mit
dem Gouverneur von St. Petersburg
eigens der Aussiedlerbeauftragte, Horst
Waffenschmidt, ein. Auch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
und das Land Baden-Württemberg
waren beteiligt. Die Wahl des Orts war
symbolträchtig: Hier hatten Deutschstämmige bis zu Hitlers Angriff auf die
Sowjetunion 1941 gesiedelt und waren
daraufhin zusammen mit 25.000 Landsleuten in der Region auf Befehl Stalins
nach Kasachstan und Sibirien zwangsdeportiert worden. Was von der Siedlung
übriggeblieben war, wurde von der deutschen Wehrmacht bei ihrer tausendtägigen Belagerung Leningrads dem Erdboden gleichgemacht. Neudorf-Strelna war
fürwahr ein historisch sensibles und in
eine hoffnungsvolle Zukunft gerichtetes
Werk.
Weit weniger ambitioniert erschien im
Vergleich dazu unser Projekt. Doch entgegen der Abmachung, die Karte mit den
Bodenrichtwerten für St. Petersburg zeitgleich in Russland und Deutschland zu
veröffentlichen, verschwand das Gemeinschaftswerk in den unergründlichen
Tiefen der russischen Administration.
Möglich, dass sich jene durchsetzten,
die der ganzen Aktion nichts abgewinnen
konnten. Ebenso gut war aber denkbar,
dass mögliche Entwicklungsgewinne
und Pläne für das Baugeschehen in der
Stadt unserem Projekt im Wege standen.
Es ging um enorm viel Geld und Einfluss.
Der Mord an Manewitsch war lediglich
der Anfang eines blutigen Krieges um die
Privatisierung von Staatseigentum, der
St. Petersburg auf Jahre in ein russisches
Neapel verwandelte. In diesen Mahlstrom geriet unsere Karte. Ich habe nie
herausgefunden, was mit ihr geschah.
Das war wahrscheinlich auch besser so.
Für German Gref erwies sich die Millionenmetropole Sankt Petersburg bald als
zu eng. Er wurde Wladimir Putins Wirtschaftsstratege, Wirtschafts- und Handelsminister Russlands und Vorstandsvorsitzender des Staatsriesen Sperbank,
der nationalen Sparkasse. Die Siedlung
für „seine“ Russlanddeutschen aus
Kasachstan ist nie fertig gestellt und das
ganze Gebiet mittlerweile nach Sankt
Petersburg eingemeindet worden.
Baukammer Berlin
Nachrichten für die Bau-Ingenieure in Berlin mit Berichten
rund um den Ingenieurberuf.
Anzeigen: CB-Verlag Carl Boldt · Baseler Str. 80 · 12205 Berlin · E-Mail: cb-verlag@t-online.de
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Denkmalschutz und -pflege
Von einst 170 geplanten Unterkünften für 1.000 Menschen wurden gerade 38 errichtet. Die Familien, die sie bewohnen, halten bis heute keine Eigentumsrechte an den Grundstücken, und nur
wenige konnten ihr Haus erwerben. Sie haben mit der nahen Ansiedlung einer Fabrik für Kühlschränke von Bosch-Siemens Haushaltsgeräte in gewisser Weise ein weiteres Stück Heimat
bekommen. Zudem produzieren seit kurzem in der benachbarten Sonderwirtschaftszone Neudorf
mehrere Pharmaunternehmen.
Russland ist in jeder Hinsicht ein Land oder eigentlich ein Kontinent der Extreme – politisch, geografisch, emotional. Gemäßigt ist ein Wort, dass auf diesen Raum und seine Menschen nicht
zutrifft. Das ist anstrengend, nervenaufreibend und zugleich spannend. Einiges habe ich gelernt,
mit Humor zu nehmen. Mittlerweile bin ich zum Ehrenpräsidenten des deutschrussischen Vereins
zur Förderung des Sachverständigenwesens ernannt worden. Er ist ein kleines Stück Bürger- oder
Zivilinitiative, versucht, gemeinsam Fach- und Qualitätsstandards hochzuhalten und im Arbeitsalltag zu leben. Wir beraten, bilden fort und freuen uns auf unsere Treffen, die im jährlichen Wechsel
mal typisch russisch oder eben typisch deutsch verlaufen.
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Recht
Hinweise zur Energieausweispflicht
Kommission „Energetische Gebäudeplanung“
Merkblatt 08
Stand: Juni 2014
Vor dem Hintergrund, dass die Regelung
in der Energieeinsparverordnung 2014
unter Berücksichtigung der Baupraxis
und der Gepflogenheiten am Immobilienmarkt gegensätzlich sind, weist die Baukammer Berlin auf folgende Sachverhalte hin:
Der Energieausweis für einen Neubau
darf erst ausgestellt werden, wenn das
Bauvorhaben hinsichtlich aller energieausweisrelevanten Bauteile der Gebäudehülle und technischen Anlagen fertiggestellt ist.
Zitat EnEV
(1) Wird ein Gebäude errichtet, hat der
Bauherr sicherzustellen, dass ihm,
wenn er zugleich Eigentümer des
Gebäudes ist, oder dem Eigentümer
des Gebäudes ein Energieausweis
nach dem Muster der Anlage 6 oder 7
unter Zugrundelegung der energetischen Eigenschaften des fertig
gestellten Gebäudes ausgestellt und
der Energieausweis oder eine
Kopie hiervon übergeben wird. Die
Ausstellung und die Übergabe
müssen unverzüglich nach Fertigstellung des Gebäudes erfolgen.
Im Weiteren wird in der EnEV 2014 darauf hingewiesen, dass die Energieeffizienzklasse in Immobilienanzeigen anzu-
geben ist und Mietern oder Käufern im
Rahmen der Erstbegehung die Energieausweise zur Verfügung zu stellen sind.
Zitat EnEV
(1) Wird in Fällen des § 16 Absatz 2
Satz 1 vor dem Verkauf eine Immobilienanzeige in kommerziellen Medien
aufgegeben und liegt zu diesem Zeitpunkt ein Energieausweis vor, so hat
der Verkäufer sicherzustellen, dass die
Immobilienanzeige folgende Pflichtangaben enthält:
1. die Art des Energieausweises:
Energiebedarfsausweis oder Energieverbrauchsausweis im Sinne
des § 17 Absatz 1 Satz 1,
2. den im Energieausweis genannten
Wert des Endenergiebedarfs oder
Endenergieverbrauchs für das
Gebäude,
3. die im Energieausweis genannten
wesentlichen Energieträger für die
Heizung des Gebäudes,
4. bei Wohngebäuden das im Energieausweis genannte Baujahr und
5. bei Wohngebäuden die im Energieausweis genannte Energieeffizienzklasse.
Pflichtangaben für die Immobilienanzeigen aus der
aktuellen Energiebedarfsberechnung (Grundlage für den Energieausweis)
Endenergie
[kWh/(m2) · a)]
<
30
A
<
50
B
<
75
Energiebedarfsausweis / -verbrauchsausweis
C
< 100
kWh/(m2a)
D
< 130
E
< 160
F
< 200
G
< 250
H
> 250
xxx
Wesentlicher Energieträger für Heizung/Warmwasser:
xxxx
Baujahr des Gebäudes:
xxxx
Energieeffizienzklasse:
A+ bis H
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Unverzüglich nach Abschluss des
Kaufvertrages hat der Verkäufer
dem Käufer den Energieausweis
oder eine Kopie hiervon zu überge-
A+
Nachfolgend werden die für Immobilienanzeigen notwendigen Pflichtangaben aus
dem vorläufigen Energieausweis für Wohngebäude ausgegeben. Die Kenndaten
basieren auf dem derzeitigen Planungsstand vor Fertigstellung des Bauvorhabens.
Endenergiebedarf des Gebäudes:
(2) Soll ein mit einem Gebäude bebautes Grundstück, ein grundstücksgleiches Recht an einem bebauten
Grundstück oder Wohnungs- oder
Teileigentum verkauft werden, hat der
Verkäufer dem potenziellen Käufer
spätestens bei der Besichtigung
einen Energieausweis oder eine
Kopie hiervon mit dem Inhalt nach
dem Muster der Anlage 6 oder 7 vorzulegen; die Vorlagepflicht wird
auch durch einen deutlich sichtbaren Aushang oder ein deutlich
sichtbares Auslegen während der
Besichtigung erfüllt. Findet keine
Besichtigung statt, hat der Verkäufer den Energieausweis oder eine
Kopie hiervon mit dem Inhalt nach
dem Muster der Anlage 6 oder 7
dem potenziellen Käufer unverzüglich vorzulegen;
Energieeffizienzklasse
Anlage 1
Art des Energieausweises:
(3) Bei Energieausweisen, die nach
dem 30. September 2007 und vor
dem 01. Mai 2014 ausgestellt worden sind, und bei Energieausweisen nach § 29 Absatz 1 sind die
Pflichten der Absätze 1 und 2 nach
Maßgabe des § 29 Absatz 2 und 3
zu erfüllen.
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Recht
ben. Die Sätze 1 bis 3 sind entsprechend anzuwenden auf den Vermieter, Verpächter und Leasinggeber bei
der Vermietung, der Verpachtung oder
dem Leasing eines Gebäudes, einer
Wohnung oder einer sonstigen selbständigen Nutzungseinheit.
Vor dem Hintergrund, dass Neubauten
im Regelfall bereits vor und während der
Bauzeit vermarktet werden, kann der
Forderung der EnEV 2014, in Immobilienanzeigen die Energieeffizienzklasse des
fertiggestellten Gebäudes mit anzugeben, nicht gänzlich nachgekommen werden, da der Energieausweis, wie vorangehend beschrieben, erst mit Fertigstel-
lung des Gebäudes ausgestellt werden
darf.
anstelle eines gewünschten Energieausweises.
Gleiches gilt auch hinsichtlich der Erstbegehung und Besichtigung, die im Regelfall
bei Neubauvorhaben im Rahmen von sog.
Musterwohnungen stattfinden, während
das Bauvorhaben selbst noch nicht vollständig abgeschlossen und fertiggestellt
ist. Hier gilt das Gleiche.
Hinweis: Das Bauvorhaben befindet sich
in der Bauausführung. Die hier angegebenen Kenndaten stellen demnach nur
den derzeitigen Planungsstand dar.
Gegebenenfalls notwendige Anpassungen im Rahmen der Bauausführung sind
im Rahmen der Energieausweiserstellung für das fertiggestellte Bauvorhaben
nachzuführen. Die Kenndaten des fertiggestellten Gebäudes können somit von
den hier ausgegebenen Kenndaten
abweichen.
Die Baukammer Berlin empfiehlt daher
ihren Mitgliedern, auf Basis des Energieeinsparungsnachweises entsprechend
der EnEV auf Begehren des Auftraggebers und Bauherrn vor Fertigstellung des
Gebäudes das in der Anlage 1 enthaltene Formblatt ausgefüllt zu übergeben,
Vergütung der Leistungen entsprechend der EnEV 2014
Vertragsausschuss
Merkblatt 09
Stand: Juni 2014
Die Baukammer Berlin weist darauf hin,
dass die HOAI 2013 eine Honorierung
der Leistungen entsprechend der EnEV
nicht verbindlich regelt. Die Leistungen
zur EnEV sind individuell vertraglich zu
vereinbaren. Die in ihrem unverbindlichen Teil unter der Überschrift “Wärmeschutz und Energiebilanzierung” enthaltenen
Honorierungsempfehlungen
haben keinen verbindlichen Charakter.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass die
Honorarempfehlungen in der HOAI 2013
sich grundsätzlich nur auf die EnEV
2009 beziehen. Vor dem Hintergrund der
neuen geänderten Anforderungen durch
die EnEV 2014, der erweiterten und
ergänzten Nachweismöglichkeiten und
Notwendigkeiten sowie des damit verbundenen erhöhten Aufwands sind
durch die Neuerungen der EnEV 2014
Vergütungstatbestände gegeben, die in
der HOAI 2013 unter der Überschrift
“Wärmeschutz und Energiebilanzierung”
nicht abgedeckt sind. Vor diesem Hintergrund und auch vor dem Hintergrund,
dass die Honorartafel fehlerhaft ermittelt
wurde, ist bei Honorarvereinbarungen
auf Grundlage der HOAI 2013 ein Hono-
raraufschlag auf die Tafelwerte gerechtfertigt und notwendig.
Da derzeit keine an die EnEV 2014 angepasste Honorartafel vorliegt, empfiehlt
die Baukammer Berlin weiterhin zur Orientierung die Honorartafel für Nichtwohngebäude, wie sie im Heft 23 des
AHO enthalten ist vorerst mit einem pauschalen Leistungszuschlag von 15 %
heranzuziehen, bis die Überarbeitung
des Heftes 23 des AHO erfolgt ist.
Neuauflagen und Neuerscheinungen in der AHO-Schriftenreihe
Heft 9 –
Projektmanagement in der Bau- und
Immobilienwirtschaft,
4. vollständig überarbeitete Auflage
Erarbeitet von der AHO-Fachkommission
„Projektsteuerung/Projektmanagement“
Die Projektsteuerung im Bauwesen hat
sich seit den 70-er Jahren als eine eigenständige Leistungsdisziplin bei der Abwicklung von großen Bauvorhaben etabliert. Da die in § 31 HOAI beispielhaft
aufgezählten Leistungen nicht geeignet
waren, die auftraggeber- und auftragnehmerseitigen Anforderungen an ein
spezifiziertes Leistungsbild für Projektsteuerleistungen zu erfüllen, hat die
AHO-Fachkommission Projektsteuerung/Projektmanagement erstmals 1996
ein Leistungsbild entworfen. Von diesem
Erstansatz aus hat sich dieses kontinuierlich fortentwickelt. In aktueller Fassung weist die Leistungsstruktur fünf
Handlungsbereiche der Projektsteuerung
auf
und wurde im
Hinblick auf die
neue HOAI 2013
überarbeitet:
A Organisation,
Informationen,
Koordination und
Dokumentation
B
C
D
E
(übrige Handlungsbereiche einbeziehend)
Qualitäten und Quantitäten
Kosten und Finanzierung
Termine, Kapazitäten und Logistik
Verträge und Versicherung
Die Handlungsbereiche sind wiederum in
fünf Projektstufen differenziert. Alle Einzelleistungen wurden umfassend kommentiert. Abgeleitet wurde eine Honorarordnung mit verschiedenen Differenzierungsmöglichkeiten. Ebenfalls integriert
wurde ein Leitfaden zur Beauftragung
und Vertragsgestaltung für Projektsteuerungsleistungen sowie eine Aufgabendifferenzierung zwischen Auftraggeber und
Auftragnehmer.
Baukammer Berlin 3/2014 |
73
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Recht
Heft 6 –
Besondere Leistungen bei der Planung von Anlagen der Technischen
Ausrüstung nach Teil 4 Abschnitt 2,
Anlage 15, Nr.15.1 HOAI 2013, 3. Vollständig überarbeitete Auflage
Die 3. Auflage des
Heftes Nr. 6 der
Schriftenreihe
des AHO bezieht
sich
auf
die
Besonderen Leistungen der HOAI
2013.
Das Leistungsbild Technische
Ausrüstung ist
sowohl bei den
Grundleistungen als auch bei den
Besonderen Leistungen vollständig
überarbeitet worden. Im Auftrag und
unter der Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sowie in Zusammenarbeit mit Vertretern der öffentlichen Auftraggeber des Bundes, der Länder und
der kommunalen Spitzenverbände, der
Deutschen Bahn AG und Vertretern des
Ausschusses der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für
die Honorarordnung e.V. (AHO), der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der
Bundesingenieurkammer (BIngK) wurde
unter wissenschaftlicher Begleitung von
Univ.-Prof. Hans Lechner eine Aktualisierung der Leistungsbilder vorgenommen.
Dabei wurden die Grundleistungen und
die Besonderen Leistungen in Anlage
15.1 zur HOAI 2013 wieder phasenbezo-
gen zusammengefasst .Die getrennte
Aufführung der Grundleistungen und
Besonderen Leistungen -so noch in der
HOAI 2009- wurde wieder aufgegeben.
Im Teil A werden die Besonderen Leistungen in einzelnen Leistungsphasen
1. im Leistungsbild der Technischen
Ausrüstung,
2. für infrage kommende Besondere Leistungen in anderen Leistungsbildern
sowie
3. für relevante Besondere Leistungen,
die in keinem Leistungsbild der HOAI
enthalten sind, aufgelistet, beschrieben, anhand von Beispielen erläutert
und wenn möglich in v.H. der Honorare des § 56 Abs. 1 HOAI bzw. in v.H.
der anrechenbaren Kosten gemäß § 6
Abs. 1 Nr. 1 HOAI bewertet.
Die noch in der 2. Auflage des Heftes 6
als „außerordentliche Leistungen“ bezeichneten Besonderen Leistungen werden nunmehr im Teil B als Besondere Leistungen im gesamten Leistungsbild aufgeführt.
Heft 30 –
Planungsleistungen im Bereich der
Tiefen Geothermie, 1. Auflage
Die Planungsaufgaben von Anlagen zur
Nutzung der Tiefen Geothermie lassen
sich grundsätzlich in die beiden Bereiche
„Untertägige Anlagen“ und „Obertägige
Anlagen“ unterteilen. Während die Honorierung der Planungsleistungen zu den
Obertägigen Anlagen als anderweitig
durch die HOAI
abgedeckt angesehen
werden
kann, sind die
Leistungen der
„Untertägigen
Anlagen“ derzeit
nicht im Hinblick
auf die Honorierung definiert. In
diesem Leitfaden
werden deshalb
die erforderlichen
Leistungen für die Planungen der „Untertägigen Anlagen“, unterteilt in vier Leistungsphasen bis zur Abnahme der
Untertägigen Anlagen, behandelt. Der
Aufbau der Beschreibung der Leistungsbilder orientiert sich an dem zeitlichen
Ablauf eines Projektes der Tiefen Geothermie und löst sich damit von dem
klassischen Aufbau der HOAI. Mitbehandelt werden die Schnittstellen zum fachspezifischen Projektmanagement sowie
zu spezifischen Leistungen der „Obertägigen Anlagen“.
Das im Arbeitskreis „Tiefe Geothermie“
erarbeitete Heft weist die folgende Struktur auf:
• Anwendungsbereich
• Leistungsbild
• Honorierungsansätze
• Honorartabellen
Mit dem vorgelegten Heft soll Investoren,
Bauherren und Planern ein Leitfaden für
die Honorierung ihrer Projekte zur Verfügung gestellt werden.
Bestellbar unter www.aho.de
Haftungsrecht der Ingenieure und Architekten
im Fokus des 5. Deutschen Baugerichtstags
Am 23./24. Mai
fand in Hamm der
5. Deutsche Baugerichtstag statt.
Seit seiner Begründung im Jahr
2006 hat sich der
Deutsche Baugerichtstag als unabhängiges Forum zu einer InstiProf. Stefan Leupertz
tution entwickelt,
dessen rechtspolitische Empfehlungen an den Gesetzgeber in Politik und Wirtschaft Gehör finden
74 | Baukammer Berlin 3/2014
und zunehmend an Gewicht gewonnen
haben.
„Das Planen und Bauen ist in Deutschland mit seinem gesamten Wirtschaftsvolumen Garant für den gesellschaftlichen Wohlstand, einen gesunden Mittelstand und ein konstantes Wirtschaftswachstum“, so Roland Koch, ehemaliger
Ministerpräsident des Landes Hessen
und Vorstandsvorsitzender der Bilfinger
SE, vor etwa 600 Teilnehmern. Dieser
Stellenwert drohe in Deutschland
momentan vernachlässigt zu werden, so
Koch, der in seinem Gastvortrag die
Ursachen für Fehlentwicklungen im
gewerblichen und industriellen Bauen
und das Scheitern bekannter Großvorhaben analysierte: Das Bauen sei mittlerweile von so vielen Unwägbarkeiten
geprägt, dass sich ein Teil der noch vorhandenen Bauunternehmen vom Markt
zurückziehen könnte. Die Bau- und Vergabeprozesse seien von zu vielen Faktoren abhängig, als dass eine wirtschaftlich
vernünftige Kalkulation und Abwicklung
der Vorhaben erfolgen könne. Ein Kritikpunkt, den auch Professor Stefan Leupertz, Richter am BGH a.D. und Vorsitzender des Deutschen Baugerichtstags
Bau 3-14 Umbruch 2
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Recht
e.V. zum Thema seines Plenarvortrages
„Bauen als gesellschaftspolitische Herausforderung“ machte.
Im Anschluss an die Plenarveranstaltung
diskutierten die Teilnehmer aus Justiz,
Politik, Wissenschaft, den Verbänden
und der Baupraxis in acht Arbeitskreisen
die im Vorfeld vorgelegten Thesen und
Fragen des privaten und öffentlichen
Baurechts sowie des Vergaberechts.
Im besonderen Fokus der Diskussion
des Arbeitskreises IV stand das Haftungsrecht der Ingenieure und Architekten, wobei die anwesenden Vertreter der
Justiz, ebenso wie zuvor Professor Leupertz in seinem Plenarvortrag, Nachholbedarf der Architekten im Hinblick auf
deren Selbstverständnis als „Unternehmer“ und die damit zusammenhängenden Betriebs- und Vertragsstrukturen
formulierten.
Unabhängig davon wurde für die Architekten und Ingenieure in Zusammenhang
mit dem Instrument der gesamtschuldnerischen Haftung, die der BGH
ursprünglich zu deren Schutz eingeführt
hatte, eine Fehlentwicklung festgestellt.
Auch wenn die Verantwortlichkeit grundsätzlich nur für Mängel eigener Planung,
Vergabe und Überwachung der Bauleistungen gilt, ist der allein am Bau zum
Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung verpflichtete Berufsstand
zunehmend der Erste und/oder der Letzte, der für den gesamten Schaden in
Anspruch genommen wird. Einstimmig
sprach der Arbeitskreis sich daher
schließlich für folgende Empfehlung aus:
„Dem Gesetzgeber wird empfohlen, eine
Regelung zu treffen, der zufolge der
Architekt oder Ingenieur durch einen
Besteller erst dann im Rahmen eines
Gesamtschuldverhältnis auf Schadenersatz nach §§ 634 Nr. 4, 281 Abs. 1 BGB
in Anspruch genommen werden kann,
wenn der Bauunternehmer zuvor fruchtlos unter Fristsetzung zur Nacherfüllung
aufgefordert worden ist.“
Des Weiteren interessant erscheinen die
Ergebnisse der Arbeitskreise III (Bauprozessrecht) und VII (Außergerichtliche
Streitbeilegung), deren gemeinsame
Tagung das Thema „Baubegleitende Eil-
verfahren in Vergütungs- und Nachtragsstreitigkeiten“ zum Gegenstand hatte.
Bei Streitigkeiten aus Bau-, Architektenund Ingenieurverträgen im Zusammenhang mit Bauleistungen geht die Empfehlung an den Gesetzgeber nunmehr
dahin, in Anlehnung an das Verfahren auf
Erlass einer einstweiligen Verfügung eine
so genannte Bauverfügung gesetzlich zu
regeln. Zugleich sollen die Parteien die
Möglichkeit erhalten, das gerichtliche
Bauverfügungsverfahren vertraglich auszuschließen und durch die Vereinbarung
eines Adjudikationsverfahrens, dessen
Mindestvoraussetzungen ebenfalls vom
Gesetzgeber geregelt werden sollen, zu
ersetzen. Die gesamten Empfehlungen
des 5. Deutschen Baugerichtstages können auf der Website www.baugerichtstag.de des Deutscher Baugerichtstag
e.V. eingesehen werden. Der 6. Deutsche
Baugerichtstag wird am 3./4. Juni 2016
in Hamm stattfinden.
Quelle:
AHO-Newsletter, Ausgabe 3, Juli 2014
Pflichtangaben auf Rechnungen
Rechtsanwalt Karl Heinz Güntzer
Aus gegebenem Anlass ist nochmals auf
die bereits seit 2004 unbedingt erforderlichen elf Pflichtangaben auf Rechnungen hinzuweisen, damit diese steuerrechtlich anerkannt werden können.
Fehlt in einer Rechnung auch nur eine der
nachfolgend aufgelisteten Angaben,
kann keine Vorsteuer geltend gemacht
werden. Unbedingt erforderlich sind
daher alle folgenden Rechnungsangaben:
1)
Name und Anschrift des leistenden
Unternehmers (Rechnungsaussteller),
2)
Steuernummer und/oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des
leistenden Unternehmers,
3)
Ausstellungsdatum der Rechnung
(Rechnungsdatum),
4)
Fortlaufende Nummer mit einer oder
mehreren Zahlenreihen, die zur Identifizierung der Rechnung vom Aussteller einmalig vergeben wird
(Rechnungsnummer),
5)
Name und Anschrift des Leistungsempfängers (Rechnungsadressat),
6)
Menge und handelsübliche Bezeichnung des Liefergegenstandes oder
Art und Umfang der sonstigen Leistung (Leistungsgegenstand),
7)
Zeitpunkt der Lieferung oder der
sonstigen Leistung,
8)
Netto-Entgelt für die Lieferung oder
sonstige Leistung (ausgewiesener
Nettobetrag),
9)
der auf das Netto-Entgelt entfallende Steuerbetrag, der gesondert auszuweisen ist – oder ein Hinweis auf
eine evtl. Steuerbefreiung,
10) Ausweisung des anzuwendenden
Steuersatzes (z. B. 7% oder 19%)
und des betreffenden Umsatzsteuerbetrages
11) Der ausgerechnete Brutto-Entgeltbetrag (ausgewiesener Bruttobetrag), - und gegebenenfalls: Zeitpunkt, zu dem das Entgelt vereinnahmt wurde, falls die Zahlung vor
der Leistungserbringung erfolgt (Einnahmedatum).
Unrichtig ausgestellte Rechnungen können zwar berichtigt werden; der Vorsteuerabzug ist aber erst zu dem Zeitpunkt
möglich, in dem die berichtigte Rechnung vorliegt.
Von den neuen Pflichtangaben auf Rechnungen sind auch solche Aussteller
betroffen, die nur umsatzsteuerfreie Leistungen erbringen. Somit müssen auch
Freiberufler, Versicherungsvertreter oder
Vermieter von Räumlichkeiten, obwohl
sie umsatzsteuerfreie Leistungen erbringen, ihre Steuernummer (bzw. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer) und eine
Rechnungsnummer ausweisen. In die
Rechnungen ist ein Hinweis auf den
Grund der Steuerbefreiung aufzunehmen. Möglich ist dies durch Angabe der
einschlägigen gesetzlichen Vorschrift
oder aber in umgangssprachlicher Form,
z. B. „steuerfreie Verbandsleistung“.
Bei sog. „Kleinbetragsrechnungen“ bis
100,00 € gelten zwar verminderte Anforderungen – zur Vermeidung von Schwierigkeiten bei der Betriebsprüfung sollten
aber auch Kleinbetragsrechnungen die
vorgenannten elf Pflichtpunkte enthalten.
Quelle: Stahlbau-Nachrichten Juni 2014
Baukammer Berlin 3/2014 |
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Stellenmarkt
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76 | Baukammer Berlin 3/2014
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Stellenmarkt
Deutsche Gesellschaft für Anlagesicherheit und Projektmanagement mbH
Fachbereichsleitung (m/w)
mit Erfahrung in Bauwesen, Betrieben und Verwaltungen, ASiG, USM, EMAS,
OHAS/HSE und Riskmanagement
Die DEGAS mbH ist ein Unternehmen der Ingenieurgruppe Tepasse und bietet seit über 35 Jahren ausgereifte Dienstleistungen
rund um Anlagensicherheit, Technische Überwachung, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination (SiGeKo), HSE, SCC,
Baumanagement, Qualitätsmanagement, ASM, Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin, Risikomanagement, Betriebssicherheit,
Gefahrstoffsanierung (Asbest- und Altlastensanierung), Brandschutzmanagement/ Brandschutzgutachten, Gefährdungs-/ Belastungsanalysen, Facility Management Engineering, Risk-/ Sicherheitsmanagement mit Auditierung, Energiegutachten, EMAS
Schulungen und Weiterbildungen an.
Ihre Aufgaben:
• Sie haben den Überblick im Unternehmen über komplexe Ingenieursleistungen (ASM, USM, TQM, RiskM, Auditor, ISO 2000,
HSE, Gefahrstoffe, Planung/Sanierung oder Altbau, Hoch- und Ingenieurbau oder Heizung, Lüftung, Sanitär,
Honorarverordnung, HOAI, Akquise, F+E, W+F).
• Brücke zur Geschäftsführung: Organisation und Umsetzung der Anweisungen, Organisation von Besprechungen intern und
extern (Kunden- und Geschäftsbesuche, Besprechungen intern, Klausurtagungen, Symposien etc.) Eckpunkte, ZielAmpelmanagement
• Leitung eines Teams von ca. 20-30 Mitarbeitern
• bundesweiter Einsatz mit dem Hauptstandort Berlin/Brandenburg
• Vor- und Nachbereitung von Besprechungen, Protokollführung, sicher EDV
• allgemeine Verwaltungsaufgaben (ISO 9000 ff., OHSAS, QM)
• Erzeugung und Pflege von Datenbanken (Excel, Access), Erstellung von Organigrammen und den Umgang mit
Managementsystemen
Ihr Profil:
• Sie haben eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als Dipl.- Ing. der Fachrichtung Bau- und/oder Wirtschaftsingenieur
oder verfügen über mehrere erfolgreich abgeschlossene Semester als Dipl.- Ing. im Bereich Stahlbau. Heizung-Luft-Sanitär,
Gebäudetechnik oder Sicherheitsingenieur als staatl. anerkannter Techniker.
• Sie können eine mindestens dreijährige Berufserfahrung als Teamleiter (Führungserfahrung) mit finanzieller und
disziplinarischer Verantwortung von Ingenieursteams vorweisen.
• Sie haben Erfahrung auf Betriebs- und Baustellenebene sowie im Bereich Kalkulation und Vertrieb
• Sie sind im Umgang mit ISO 9000ff. zertifiziert.
• Sie haben Erfahrung in der Erstellung von Präsentationen und Protokollen jeglicher Art auch unter Zeitdruck und sind. EDVaffin.
• Sie besitzen ein ausgeprägtes Kommunikations- und Organisationstalent und sind mit den technischen Gegebenheiten eines
modernen Unternehmens bestens vertraut.
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Umgangsformen, starkes Durchsetzungsvermögen und eine hohe Eigenmotivation.
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Dienstleistungsorientierung und Belastbarkeit runden Ihr Profil ab.
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marktübliche Basisvergütung mit Bonuskomponente, EOV, Firmenfahrzeug
flache Hierarchien, unbefristete Anstellung, kurze Entscheidungswege, zukunftsorientiert
Aufstiegspotenzial zur Geschäftsführung
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tepasse@degas.de
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DEGAS mbH, z. H. GF Herr Rainer Tepasse, Adlergestell 129, 12439 Berlin
Baukammer Berlin 3/2014 |
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Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:17 Uhr
Seite 78
Stellenmarkt
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Prenzlauer Promenade 175, 13189 Berlin, Thomas Schimmel, Tel.: (030) 28 38 55 72
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Projektingenieur H/L/S (m/w)
Wir suchen einen
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Bauaufgaben und Projekte hat.
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Student (Bauingenieurwesen) sucht Praktikumsstelle
Als Student(m, 47 Jahre) an der Fachhochschule Potsdam suche ich im Rahmen der Erstellung meiner
Diplomarbeit eine Praktikumsstelle im Bereich „Bauen im Bestand“.
Mein Profil
• Student, Bauingenieurwesen (Diplom), 7 Fachsemester, Vertiefungsrichtung: Konstruktiver Ingenieurbau
und Bauwerkserhaltung
• Kaufmännische und handwerkliche Berufsausbildung
• Langjährige Berufserfahrung im Bereich Handel (Baustoffe [Dach])
• Praktische Erfahrungen auf Baustellen
Das Praktikum sollte im Feb./ März 2015 beginnen und bis September 2015 dauern. Da der Schwerpunkt meines
Studiums in der Bauwerkserhaltung liegt, suche ich eine interessante und vielseitige Stelle im Gebiet der Umnutzung
und Sanierung von Bestandsgebäuden. Der Tätigkeitsschwerpunkt sollte vorzugsweise in den Bereichen Bauleitung, Bauphysik, Projektplanung/ -steuerung liegen.
Kontaktadresse: Michael Tolk E-Mail: michaeltolk@hotmail.de, Mobil: (0176) 99 80 80 85
78 | Baukammer Berlin 3/2014
Bau 3-14 Umbruch 2
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12:17 Uhr
BLOWER DOOR
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Ausgewählte Produktinformationen
Klein, leicht, leistungsstark
Das neue MessSystem Minneapolis BlowerDoor MiniFan
Neu im Sortiment der BlowerDoor
GmbH ist das handliche MessSystem
BlowerDoor MiniFan. Mit einem Gewicht von nur 2,7 kg und einem Messbereich von 5 – 2.300 m3/h eignet sich
das leichte und kompakte Messgebläse ideal für die Prüfung der luftdichten Gebäudehülle in Einfamilienhäusern mit modernem Energiestandard
sowie in sehr dichten Gebäuden und
Einzelwohnungen.
Messung alternativ per App
auf dem Smartphone oder Tablet
Ebenfalls neu und für alle BlowerDoor
MessSysteme verfügbar: BlowerDoor
WiFi (optional) ermöglicht die Ausführung der 1-Punk-Messung alternativ per
App auf dem Smartphone oder Tablet.
Der aktuelle Gebäudedruck und die Luftwechselrate n50 werden in Echtzeit auf
dem Display angezeigt, so dass diese
Informationen z.B. auch während der
Leckageortung im gesamten Gebäude
jederzeit zur Verfügung stehen.
Für die Messung nach DIN EN 13829
erfolgt die Datenübertragung auf Wunsch
per WiFi-Link kabellos vom Druckmessgerät zum Laptop. Durch die Funkverbindung mit einer Reichweite bis 100 m
ist die Steuerung der BlowerDoor Messung am Laptop räumlich unabhängig
vom eingebauten BlowerDoor MessSystem und kann komfortabel an einem geeigneten Ort im Gebäude durchgeführt
werden. Eine Erweiterung vom MessSystem BlowerDoor Standard zum System MiniFan WiFi ist mit dem Erwerb von
Messgebläse, Regler und Plane sowie
WiFi-Link und Software einfach zu realisieren.
Minneapolis BlowerDoor ist heute
das marktführende MessSystem für
Luftdichtheit in Deutschland
Mit einem Messbereich von 5 – 2.300 m3/h
(BlowerDoor MiniFan) bzw. 19 – 7.200 m3/h
(BlowerDoor Standard) und der Kombinierbarkeit mehrerer Systeme (BlowerDoor MultipleFan) ist die Minneapolis
BlowerDoor universell einsetzbar.
Die herausragende Präzision der BlowerDoor Messtechnik sowie die Transparenz des Messablaufs unterstreichen
die hohe Qualität der Minneapolis BlowerDoor MessSysteme. Neben qualifizierter
Beratung und dem Vertrieb modernster
Messtechnik für Luftdichtheit sind die Ver-
Fotos: Blower Door
Mit dem Präzisions-Druckmessgerät
DG-700 und der im Lieferumfang enthaltenen neuen Software TECTITE Express
4.1 wird die BlowerDoor Messung nach
DIN EN 13829 mit höchster Genauigkeit
automatisch oder, bei Bedarf, halbautomatisch oder manuell am Laptop ausgeführt. Zur Qualitätssicherung wird das
BlowerDoor Gebläse direkt über das
DG-700 angesteuert, die 1-Punkt-Messung zur Leckageortung erfolgt ohne
Laptop.
mittlung von Know-how, die Kalibrierung
von Druckmessgeräten und Messgebläsen sowie auch die kontinuierliche Weiterentwicklung von Hard- und Software
Leistungen, von denen Kunden der
BlowerDoor GmbH profitieren.
Mehr Infos im Web.
www.blowerdoor.de
Hinweis der Redaktion: Für diese mit Namen
und/oder Internet-Adresse gekennzeichneten
ausgewählten Produktinformationen übernimmt
die Redaktion keine Verantwortung.
Kontakt: Roger@Ferch-Design.de
Baukammer Berlin 2/2014 |
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Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:17 Uhr
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Ausgewählte Produktinformationen
KVH
Nach europäischer Norm
Konstruktionsvollholz KVH® und Balkenschichtholz (Duobalken® und Triobalken®)
Die harmonisierte europäische Produktnorm für keilgezinktes Vollholz
ist in der deutschen Fassung DIN EN
15497:2014-07 im Juli dieses Jahres
veröffentlicht worden. Die englische
Fassung ist bereits seit Juni 2014 verfügbar.
Querschnitt Triobalken®
Die bereits im August erschienene europäische Produktnorm DIN EN 14080:
2013-08 regelt neben Brettschichtholz
auch Balkenschichtholz.
Die Aufnahme der DIN EN 14080:
2013-08 in das offizielle Amtsblatt der
EU und damit die Anwendbarkeit in Europa wurde für den Sommer 2014 angekündigt. Da auch diese Norm zunächst
in die Bauregelliste und die dazugehörige Anwendungsnorm DIN 20000 – 3 in
die Landeslisten der technischen Baubestimmungen aufgenommen werden
muss, dürfte Balkenschichtholz nach
DIN EN 14080:2013-08 frühestens ab
Frühjahr 2015 in Deutschland anwendbar sein.
Wegen der hohen Qualitätsstandards
erfreut sich KVH®, Duobalken® und Triobalken® seit Jahren hoher internationaler
Nachfrage, die mit Anwendbarkeit der
neuen europäischen Normen noch steigen dürfte.
Querschnitt Duobalken®
nungen Duobalken® und Triobalken® bekannt, wird künftig europäisch geregelt.
Fotos: KVH
Für die europaweite Anwendbarkeit
der DIN EN 15497:2014-07 ist die Veröffentlichung im europäischen Amtsblatt
der EU erforderlich. In Deutschland muss
die Norm zudem in die Bauregelliste und
eine noch zu schreibende Anwendungsnorm der Normenreihe DIN 20000 – x in
die Landeslisten der technischen Baubestimmungen aufgenommen werden.
Nach Ansicht von Dr. Tobias Wiegand,
Geschäftsführer der Überwachungsgemeinschaft KVH e.V., ist die Anwendbarkeit der DIN EN 15497:2014-07 in Europa für den Jahreswechsel, in Deutschland für den Herbst 2015 zu erwarten.
Die DIN EN 15497 regelt Leistungsund Herstellungsanforderungen für keilgezinktes Bauholz mit rechteckigem
Querschnitt aus bestimmten Nadelholzarten. Konstruktionsvollholz KVH® ist
keilgezinktes Vollholz, an das zusätzliche Anforderungen an die Maßhaltigkeit
und die Oberflächenqualität gestellt wird.
Es wird von derzeit von 34 Mitgliedsfirmen der Überwachungsgemeinschaft
KVH e.V. aus den Holzarten Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie hergestellt. Die über die DIN EN 15497 hinausgehenden Qualitätsanforderungen
werden durch unabhängige Materialprüfanstalten halbjährlich überwacht.
Auch Balkenschichtholz, in Deutschland besser unter den Markenbezeich-
Moderne Holzbaustoffe wie Konstruktionsvollholz KVH® und
Balkenschichtholz (Duobalken®, Triobalken®) ermöglichen kostengünstiges,
schnelles und schadstoffarmes bauen.
80 | Baukammer Berlin 2/2014
Mehr Informatioen zur DIN EN
15497, KVH®, Duobalken® und Triobalken® (Balkenschichtholz) im Web
oder Überwachungsgemeinschaft
KVH e.V., Heinz-Fangman-Straße 2,
42287 Wuppertal, info@kvh.de.
www.kvh.eu.
Bau 3-14 Umbruch 2
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OPITZ HOLZBAU / OPITZ SOLAR
Ausgewählte Produktinformationen
Intelligente Systeme für das Bauen von morgen
Architekturbüro Stockwerk Orange Jochen Eichner, Foto: Ludger Paffrath
Opitz Holzbau und Opitz Solar sind Innovationsführer ihrer Branchen
Dreigenerationenhaus mit Holzfaserdämmplatten aus der OPITZ Zukunftsfabrik.
In 70 Jahren Firmengeschichte produzierte Opitz Holzbau als industrieller Hersteller vorgefertigter Bauteile
aus Holz rund 75.000 Dachstühle,
6.000 Einfamilienhäuser und 5.000
Supermärkte.
Die güteüberwachte und hochmoderne industrielle Fertigung in der Opitz
Zukunftsfabrik mitten in Brandenburg ist
die größte ihrer Art in Europa. Durch das
Zusammenspiel mit der Opitz Solar, die
auf Solaranlagen, Power Ports®, SolarTerrassenüberdachungen und andere
Anwendungen mit Photovoltaiksystemen
spezialisiert ist, ist eine optimale Synergie des umweltbewussten Bauens entstanden.
Opitz Holzbau
hat drei große Produktbereiche:
Präzisionsarbeit bei der Aufstellung
der Wandelemente.
Dachstuhl mit Nagelplattenkonstruktionen – 29 Meter freitragend.
• Nagelplattenkonstruktionen bis zu
35 Meter freitragend.
Fotos: Opitz Holzbau
• High-Tech-Abbund: Hier wird auf
hochmodernen Hundegger-Anlagen
produziert.
• Holztafelbau für alle individuellen
Bauprojekte, von großen Wohnkomplexen über Einfamilienhäuser,
Dachaufstockungen, Gewerbebauten,
bis hin zu Spezialprojekten wie zum
Beispiel Floating Homes.
Innovatives Mehrfamilienhaus
in Passivhausstandard
im Altstadtkern Neuruppins.
Neu: OPITZ ÖKOWAND
Das System für Wandbauten aller Art.
(KfW 55 und KfW 70 förderungsfähig)
Die beeindruckende Energiebilanz
macht Opitz zum ersten Energie-Plus
Holzbaubetrieb Europas, der achtmal so
viel Energie erwirtschaftet wie er verbraucht. Opitz Holzbau wurde in den Jahren 2009, 2010 und 2011 mit dem begehrten Top 100-Siegel als einer der innovativsten Mittelständler ausgezeichnet. In
2013 zog Opitz als einer von nur fünf Finalisten in die letzte Runde des »Großen
Preises des Mittelstandes« ein. Im Jahr
2014 erreichte Opitz die Jurystufe des
»Großen Preises des Mittelstandes«.
2013 wurde Opitz auch mit dem Brandenburger Zukunftspreis CAI der IHK Potsdam in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Auch Bundeskanzlerin Angela
Merkel stattete Opitz einen Besuch ab
und zeigte sich begeistert von der Modernität des Betriebes.
Opitz ist Ihr Generalpartner bei allen
Fragen rund um Holzbau und Solarprodukte. Jeder Auftrag ob für private
Bauherren oder für Großprojekte wird
individuell durchgeführt und die hochspezialisierten Mitarbeiter in Technik
und Vertrieb stehen Ihnen mit Rat und
Tat zur Seite.
Opitz Holzbau GmbH & Co. KG
Opitz Solar GmbH
Valentin-Rose-Str. 4, 16816 Neuruppin
Telefon 033 91/519 60
www.opitz-holzbau.com
www.opitz-solar.com
Baukammer Berlin 2/2014 |
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Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:17 Uhr
Seite 82
BOSCH POWER TOOLS
Ausgewählte Produktinformationen
Leistung wie Bezingeräte, aber 50 Prozent leiser
Neu: Die 36 Volt-Gartengeräte von Bosch für Profis
Wegweisende Akku-Technik: Mit einem 36 Volt-System mit 6,0 Ah steigt
Bosch jetzt in den Profi-Markt für
elektrische Gartenwerkzeuge ein.
Zum neuen Programm gehören die
Rasenmäher GRA 48 Professional
und GRA 53 Professional mit 48 beziehungsweise 53 Zentimetern Schnittbreite sowie die Freischneider GFR 42
Professional mit Fadenspule und GFR
25 Professional mit Metallmesser.
Bosch bietet damit erstmals Akku-Gartengeräte, die in puncto Leistung eine
echte Alternative zu benzinbetriebenen
Profi-Geräten darstellen, diese bezogen
auf ihre Lautstärke aber deutlich unterbieten: Sie sind mindestens 50 Prozent
leiser als Benzingeräte. Dadurch schonen sie zuverlässig Gehör und Nerven
von Anwendern, Anwohnern und Passanten.
Trotz dieser Nachteile verwenden Profis immer noch bevorzugt benzinbetriebene Geräte, um Grünanlagen und Gärten zu pflegen. Grund dafür ist, dass derzeit erhältliche Akku-Systeme ihrer Meinung nach nicht die notwendige Leistung
für professionelle Anwendungen bringen
und empfindlich gegenüber Feuchtigkeit
sein können. Das neue Bosch-System
löst dieses Problem: Innerhalb einer
Stunde können Anwender mit den neuen
Rasenmähern und den Freischneidern
Fotos: Bosch
Geringere Lautstärke und weitere
Vorteile gegenüber Benzingeräten
Der kabellose Bosch-Freischneider
mit Metallmesser arbeitet beispielsweise mit gerade einmal 79 Dezibel, was
der Lautstärke eines Staubsaugers entspricht. Im Unterschied dazu erzeugt ein
Benzin-Freischneider rund 100 Dezibel
und ist damit so laut wie ein Presslufthammer. Auch die Vibrationen eines
Benzinmotors sind höher als die eines
sanft laufenden Elektromotors. Zusätzlich belasten Benzinabgase sowohl den
Anwender als auch die Umwelt. Hinzu
kommt, dass die Geräte nicht immer sofort starten.
82 | Baukammer Berlin 2/2014
dieselbe Fläche bearbeiten wie mit einem Benzingerät. Möglich macht das der
6,0 Ah starke Lithium-Ionen-Akku mit einzigartiger CoolPack-Technik von Bosch.
Seine Aluminium-Kühlrippen schützen die
Zellen zuverlässig vor Überhitzung und
sorgen dafür, dass der Akku seine Kapazität auch bei intensiven Anwendungen
voll ausschöpfen kann. Es findet eine
konstant hohe Energie-Entnahme aus
dem Akku statt. Das sorgt für eine durchgängig höhere Motorleistung als bei Verwendung herkömmlicher Akkus. Darüber
hinaus ist der Akku im Gegensatz zu bisherigen Systemen im Markt durch eine
Versiegelung der Zellen wetterfest, sodass die Akkus selbst bei Regen problemlos gelagert, transportiert und eingesetzt werden können.
www.bosch-professional.de
Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:18 Uhr
Seite 83
STOCRETEC
Ausgewählte Produktinformationen
Econstra 2014: M3-Nass-Spritzmörtel TS 203
Höchstleistung in der Betoninstandsetzung
Wenn es um die Erhaltung und Wiederherstellung der Standsicherheit eines geschädigten Betonbauwerks
geht, werden an die Betonersatzsysteme hohe Anforderungen gestellt.
Dafür eignen sich insbesondere Mörtelsysteme der Beanspruchungsklasse M3, die die Anforderungen
nach RiLi-SIB, ZTV-ING und EN 1504-3
erfüllen, wie der kunststoffmodifizierte, hydraulisch abbindende NassSpritzmörtel StoCrete TS 203. StoCretec zeigt den BASt-gelisteten Mörtel jetzt zur Ingenieurbau-Fachmesse
econstra am 22./23. Oktober in Freiburg (Halle 3, Stand 3.3.20).
Die M3-Produktpalette der StoCretec
umfasst den Nass-Spritzmörtel StoCrete
TS 203, den Trockenspritzmörtel StoCrete TS 100 und den händisch zu verarbeitenden Instandsetzungsmörtel StoCrete TG 203. Sie sind sowohl vertikal
als auch über Kopf verarbeitbar, partiell
genauso wie großflächig. Abgerundet
wird das M3-Sortiment durch die PCC I
Mörtel StoCrete TG 114 und StoCrete
TG 118 für die tragfähigkeitsrelevante Instandsetzung von Bodenflächen.
Der „Telespargel“ in Berlin –
ein Betonbauwerk als Landmarke.
Solch hohe Bauwerke sind klimatisch
exponierte Bauwerke; hier kommt es
darauf an, dass das Mörtelsystem
dauerhaft auch den klimatischen
Beanspruchungen standhält.
Das M3-Betonersatzsystem StoCrete
TS 203 bewährt sich unter anderem im
Brückenbau, wo es für den Erhalt der
Standsicherheit sorgt. Hier ist die
Verarbeitung des Materials sogar
unter moderater dynamischer
Verkehrsbelastung möglich.
M3-Spezialmörtel: StoCrete TS 203
StoCrete TS 203 bewährt sich als besonders variabel einsetzbarer Instandsetzungsmörtel für tragfähigkeitsrelevante ebenso wie für nicht tragfähigkeitsrelevante Betoninstandsetzungen.
Frost-/Tauwechsel-Prüfungen und langjährige Erfahrungen mit dem Produkt belegen die exzellente Beständigkeit bei
freier Bewitterung, selbst bei zusätzlicher Beanspruchung durch Tausalze.
Darüber hinaus eignet sich der gemäß
DIN EN 13501-1 geprüfte und in die Baustoffklasse – nichtbrennbar – (A2-s1, d0)
eingeordnete Instandsetzungsmörtel zur
Wiederherstellung des Feuerwiderstands entsprechend der Klassifizierung
R 90 für Stützen bzw. REI 90 für raumabschließende Decken und Wände gemäß DIN EN 13501-2. Des Weiteren besteht ein allgemeines Prüfzeugnis für die
Anwendung in LAU-Anlagen (Lager-, Abfüll- und Umschlagplätze wassergefährdender Stoffe) und ein Eignungsnachweis als Anoden-Einbettungsmörtel für
das Instandsetzungsprinzip Kathodischer Korrosionsschutz gemäß RiLI-SiB.
Fotos: StoCretec
Die Richtlinie „Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen“ des Deutschen Ausschuss für Stahlbeton (RiLiSIB) unterteilt die Anforderungen an
Mörtel für die Betoninstandsetzung in
drei Beanspruchbarkeitsklassen: M1 für
nicht statisch relevante Instandsetzungen, M2 für statisch relevante, aber nicht
mittragende Systeme, und M3 als höchste Anforderung für Instandsetzungen an
statisch relevanten Bauteilen, die Bauwerkslasten mittragen. Welche Klasse
jeweils einzuhalten ist, entscheidet ein
sachkundiger Planer.
Große Siloanlagen sind oft besonders
hohen Belastungen ausgesetzt, z.B.
durch Befüllvorgänge. Entsprechend
widerstandsfähig müssen die Baustoffe
sein, die für ihre Standsicherheit sorgen.
Die aufeinander abgestimmten M3Betonersatzsysteme sind BASt gelistet
und übertreffen die Anforderungen der
DIN EN 1504-3. Sie unterliegen bei der
Produktion einer strengen Qualitätskontrolle, wozu auch die regelmäßige
Fremdüberwachung durch ein unabhängiges Prüfinstitut gehört.
Anwendungsbeispiele und weitere
Systeme für die tragfähigkeitsrelevante Betoninstandsetzung zeigt
StoCretec auf der Fachmesse für den
Ingenieurbau, der „econstra“ in Freiburg (22. und 23.10.2014, Halle 3,
Stand 3.3.20).
www.stocretec.de
Baukammer Berlin 2/2014 |
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Bau 3-14 Umbruch 2
22.09.2014
12:18 Uhr
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Ausgewählte Produktinformationen
KLÖBER
Für mehr Wohnkomfort unter dem Dach
Klöber präsentiert seine optimierten
Produkte aus der Thermo-Line mit
dem Hochleistungsdämmstoff Permo®
therm. So wurde die Produktion der
Aufdachdämmung technisch verbessert. Das Unternehmen kann nun mit
noch besseren Dämmwerten aufwarten: Der Hochleistungsdämmstoff
Permo® therm ist in den Dicken von
60 mm bis 160 mm und mit einem
Lambda-Wert D ab 0,020 erhältlich.
Dies bedeutet maximale Dämmwirkung bei minimaler Plattendicke. Die
Aufdachdämmung bietet guten Wohnkomfort unter dem Dach. Neben dem
ausgezeichneten Kälteschutz zeichnet sich Permo® therm auch durch hervorragenden sommerlichen Wärmeschutz aus.
Systemkomponenten optimiert
Fotos: Klöber
Lärmschutz für das Dach
Über Klöber Deutschland
Klöber Deutschland ist mit mehr als 50 Jahren Erfahrung einer der führenden Spezialisten für qualitativ hochwertiges, innovatives Dach- und Wandzubehör. Mit professionellen Lösungen „von Profis für Profis“ möchte das Unternehmen seinen Partnern Vorteile im Wettbewerb verschaffen und die funktionale und ästhetische Qualität von Gebäuden verbessern.
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Ihre Vorteile auf einen Blick:
Weiterführende Informationen im Web.
www.kloeber.de
Bau 3-14 Umbruch 2
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Baukammer Berlin 2/2014 |
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