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44/2014 Liebe Leserin, lieber Leser! Ihre pro-Redaktion - Stop

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44/2014
Das pdf-Magazin des Christlichen Medienmagazins pro | www.pro-medienmagazin.de
442. Ausgabe
Liebe Leserin, lieber Leser!
„Die dunkle Seite des Islam“ lautete am Montag das Titelthema des Wochenmagazins
Focus. Im Heft werden zum Beispiel fehlende Frauenrechte in islamischen Ländern oder
Abgrenzungstendenzen bei in Europa lebenden Muslimen angesprochen. Der Focus
gibt sich dabei wenig Mühe, zwischen radikalen und friedlichen Muslimen zu differenzieren. Es ist wichtig, dass die genannten Probleme angesprochen werden – aber nicht
auf eine Art und Weise, die einen friedlichen und integrationswilligen Muslim vor den
Kopf stößt, wenn sein Blick am Kiosk auf den Focus fällt. Die Kernaussagen des
Focus-Berichts haben wir auf Seite 7
für Sie zusammengefasst.
Auf Seite 8
finden Sie die Kritik zu einem für Christen besonders interessanten Film,
der heute in den Kinos gestartet ist. „Den Himmel gibt’s echt“ basiert auf einer wahren
Geschichte und handelt von einem Jungen, der während einer Operation den Himmel
gesehen und mit Jesus gesprochen haben will. Dem sehenswerten Film gelingt es, die
Herzen der Zuschauer anzusprechen, findet unser Redakteur Jörn Schumacher: „Denn
selbst wenn man nicht an Auferstehungsgeschichten glaubt, lässt einen der Konflikt
nicht kalt, den die gläubige Familie Burpo aufgrund der Geschichten ihres Jüngsten
durchläuft.“
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Aus zwei aktuellen Anlässen möchten wir Sie an dieser Stelle auf unsere Homepage,
www.pro-medienmagazin.de , aufmerksam machen. Am Sonntag jährt sich der Fall
der Berliner Mauer zum 25. Mal. Über die friedliche Revolution in der DDR werden wir in
den nächsten Tagen unter anderem Videos mit den Berichten von Zeitzeugen veröffentlichen.
Und: Am Sonntag startet die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf der
am Dienstag der neue Ratsvorsitzende, der Nachfolger von Nikolaus Schneider, gewählt wird. Unsere Redakteure Swanhild Zacharias und Nicolai Franz sind vor Ort und
halten Sie mit Nachrichten und Hintergründen auf dem Laufenden. Zusammenfassungen der Synode finden Sie selbstverständlich auch nächste Woche in proKOMPAKT.
Zunächst wünschen wir Ihnen eine informative Lektüre dieser Ausgabe von
proKOMPAKT! Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Berichterstattung.
MORITZ BRECKNER
Ihre pro-Redaktion
Haben Sie Fragen an die Redaktion? | redaktion@pro-medienmagazin.de
| Telefon (06441) 915 151
Herausgeber: Christlicher Medienverbund KEP e.V. | Postfach 1869 | 35528 Wetzlar | Telefon (06441) 915 151 | Telefax (06441) 915 157 | www.kep.de | info@kep.de
Geschäftsführer: Christoph Irion | Redaktionsleiterin: Stefanie Ramsperger
proKOMPAKT ist ein Nachrichtenservice des Christlichen Medienmagazins pro. Wenn nichts anderes vermerkt ist, liegen alle Rechte beim Christlichen Medienmagazin pro.
Nachdruck und weitere Veröffentlichung nur auf Anfrage bei der Redaktion.
proKOMPAKT 44| 2014
2
„ ... “
„Die Reformation reicht als eines der zentralen Ereignisse der
deutschen Geschichte mit ihren religiösen, gesellschaftlichen,
politischen und kulturellen Auswirkungen bis in die politische
Kultur unserer Tage hinein.“
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bei der Eröffnung des bundesweite Themenjahres
„Reformation – Bild und Bibel 2015“
„Ich bin mir sicher, dass ich mich einigen peinlichen Fragen stellen muss, wenn ich dereinst Gott
gegenüberstehe. Aber ich werde auch kritische
Fragen an ihn haben.“
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus
Schneider, im Interview mit der Tageszeitung Die Welt
„Gäbe es einen Nobelpreis für Beleidigtsein,
die islamische Welt würde sicher nicht so leer
ausgehen wie sonst in den Kategorien Medizin, Chemie oder Physik.“
Der Journalist Deniz Yücel in einem Beitrag für die tageszeitung (taz)
„Ich bin Christ und Pastor, deswegen
weiß ich: Diese Freiheit, also Witz,
Kabarett und Satire, tun oft weh – wen
wundert’s? Mir ja auch. Aber Grundgesetz und Gott sei Dank: Der Spott hindert mich eben nicht daran, meine Religion zu leben, in die Kirche zu gehen
und laut und öffentlich zu sagen, woran ich glaube. Meine Religion, mein
Glaube halten nicht zuletzt auch deswegen die Spötter aus.“
Präses Manfred Rekowski auf dem Blog der Evangelischen
Kirche im Rheinland zur Frage „Darf Religion Gegenstand
von Witz sein?“
proKOMPAKT 44| 2014
3
Prinz Charles nimmt Muslime in die Pflicht
Der britische Thronfolger und Prince of Wales, Prinz Charles, hat in einem Video für die Wahrung der Religionsfreiheit
appelliert. Seine Ansprache richtet sich an Religionsführer weltweit.
Foto: Wikipedia (Carlos de Gales) | gemeinfrei
Pakistan: Christliches Ehepaar verbrannt
Ein christliches Ehepaar ist am Dienstag in Pakistan von einem Mob bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Die
aufgebrachte Menge warf den beiden die Entweihung eines Korans vor.
Foto: Suzanne Chapman, flickr | CC BY-SA 1.0
Nordkorea: Amerikaner ließ Bibel absichtlich liegen
Der Amerikaner Jeffrey Fowle saß fast sechs Monate in Nordkorea im Gefängnis, weil er eine Bibel in einem Seemannsklub
liegen ließ. Jetzt machte er öffentlich, dass er das Buch absichtlich hinterließ.
Foto: George Bannister | CC BY 3.0
Ex-Rapper „Deso Dogg“ in Mord-Video zu sehen
Der deutsche Islamist Denis Cuspert, der als Rapper „Deso Dogg“ bekannt wurde, hat mehrere Propagandavideos für die
IS-Terroristen gedreht. Nun ist er auf dem Video von einer Enthauptung zu sehen.
Foto: YouTube / Screenshot pro
proKOMPAKT 44| 2014
4
USA: Viele Christen
unter Wahlsiegern
Bei den Kongresswahlen in den USA haben die Republikaner die Mehrheit im Senat erobert. Viele Kandidaten, die Abtreibung ablehnen und
für christliche Überzeugungen warben, konnten Mehrheiten für sich
gewinnen. Die jüngste von ihnen ist eine 18-jährige Studentin.
Sam Brownback, Saira Blair und Mia Love sind bei christlich-konservativen Wählern beliebt
Foto: United States Congress, Saira Blair, Gage Skidmore | Public Domain / CC BY-SA 3.0
D
ie demokratische Politikerin Wendy Davis wurde 2013 weltberühmt:
In bunten Turnschuhen hielt sie im
Senat von Texas eine elfstündige Rede, um
gegen die Einschränkung des Abtreibungsrechts zu protestieren. Am Dienstag wollte
sie sich zur Gouverneurin von Texas wählen
lassen, scheiterte aber an ihrem republikanischen Konkurrenten Greg Abbott. Der Katholik lehnt Abtreibung auch im Falle von Inzest oder Vergewaltigung ab.
In Kansas konnte sich der ebenfalls ka-
tholische Gouverneur Sam Brownback (Republikaner) im Amt halten, obwohl er unter
Kollegen der eigenen Partei wegen radikaler Steuersenkungen umstritten ist. Brownback ist erklärter Gegner von Abtreibung und
gleichgeschlechtlicher Ehe. Im Nahostkonflikt positionierte sich Brownback als Unterstützer Israels, der eine Ein-Staaten-Lösung
vorsieht, in der die Palästinenser nach Jordanien umsiedeln sollen.
In Tennessee stimmten im Zuge der Kongresswahl 53 Prozent für eine Gesetzesverordnung, die eine strengere Regulierung
und Einschränkung von Abtreibungen vorsieht. Gleichwohl scheiterte in Colorado
eine Initiative, die Ungeborene als Personen
bzw. Kinder bezeichnet. Das LebensschutzPortal LifeNews
zählt eine Reihe von Abtreibungsgegnern auf, die Sitze im Senat
und Repräsentantenhaus gewinnen konnten. Über den bisherigen demokratischen
Mehrheitsführer im Senat, den Mormonen
Harry Reid, heißt es dort: „Seine Tage als Abtreibungs-Anführer sind nun gezählt.“
Junge Frauen: Die neuen
Gesichter der Republikaner
Mit Mia Love haben die Republikaner nun
ihre erste schwarze Kongressabgeordnete. Die 38-jährige Mutter von drei Kindern
wirbt für einen schlanken Staat. Trotz ihres
mormonischen Glaubens gilt Love seit ihrem
Parteitagsauftritt 2012 als beliebt im Lager
der evangelikalen und katholischen Wähler.
Die erst 18-jährige Studentin Saira Blair ist
die jüngste unter den Wahlgewinnerinnen.
Sie wurde ins Abgeordnetenhaus des Staates West Virginia gewählt und hat sich dabei
nicht nur gegen ihren demokratischen Konkurrenten Layne Diehl durchgesetzt, sondern in einer Vorwahl auch ihren 48 Jahre älteren Parteifreund Larry Kump aus dem Rennen geworfen. Blair wirbt auf ihrer Homepage
für ihren christlichen Glauben und
die Werte, die sie daraus zieht. „Ich glaube,
dass die Ehe eine heilige Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist“, heißt
es dort. Außerdem spricht sie sich für den
Schutz des ungeborenen Lebens aus. „Unsere Verfassung garantiert Freiheit der Religion, nicht Freiheit von Religion“, schreibt
Blair. Sie macht sich zudem für den zweiten
Verfassungszusatz stark, der das Recht auf
Waffenbesitz festschreibt, und wirbt damit,
vom Waffenverband NRA unterstützt zu werden.
Bei den Zwischenwahlen am Dienstag wurde über das Repräsentantenhaus, 33 von
100 Senatssitzen sowie über die Gouverneure von 36 Bundesstaaten und Verwaltungszonen entschieden. Zudem gab es auf Bundesstaatsebene Volksentscheide. Die Republikaner konnten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus halten und zusätzlich die
Mehrheit im Senat und mehrere Gouverneursposten erreichen. Dies gilt auch als Ausdruck von Unzufriedenheit mit der Politik von
US-Präsident Barack Obama, der zur Demokratischen Partei gehört.
Die nächste Wahl in den USA findet 2016
statt – dann wird auch ein neuer Präsident
gewählt.
VON: MB
proKOMPAKT 44| 2014
Merkel:
Christliche
Werte
bestimmen
tägliche
Politik
Christliche Werte sind für Bundeskanzlerin Angela Merkel nach eigenen
Worten die maßgebliche Orientierung
im politischen Alltag. Diese durchzusetzen, sei in der realen Politik jedoch
oft schwer. Das sagte Merkel zum Reformationstag am Freitag im brandenburgischen Templin.
B
undeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Christsein und politisches Handeln sind ein großes Thema.“ In der
Gesundheits-, Familien- oder Außenpolitik –
überall spielten christliche Werte und Überzeugungen eine Rolle. Aber auch jeder andere Mensch, ob Arzt, Banker, Soldat oder Polizist, müsse sich immer wieder fragen, wie
5
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er Christsein und sein alltägliches Handeln
zusammenbringen könne, führte Merkel an.
Die Kanzlerin räumte ein, wie schwer es
in der realen Politik oft sei, christliche Ideale durchzusetzen – beispielsweise in der
Flüchtlingspolitik. Hier gebe es eine große
Hilfsbereitschaft in Deutschland, aber das
Land könne eben nur eine begrenzte Zahl an
Menschen aufnehmen. Aber auch bei Themen wie Waffenlieferungen in Kriegsgebiete
oder Auslandseinsätze von Soldaten seien
Politiker mit sehr schwierigen Fragen konfrontiert. Und auf manche Frage könne man
nicht einfach mit Ja oder Nein antworten, erklärte Merkel.
„Ich fürchte mich davor,
dass Grenzen immer weiter
verschoben werden“
Zurückhaltend zeigte sich Merkel laut evangelisch.de
beim Thema Sterbehilfe und
der im Bundestag angestrebten Regelung
des assistierten Suizids: „Allein der Anspruch, ich will das regeln, hat vielleicht in
sich schon etwas, was der Vielfalt menschlicher Situationen nicht gerecht wird.“ Bei Gewissensfragen befürwortete sie selbst eher
strenge Regelungen: „Ich fürchte mich davor, dass die Grenzen immer weiter verschoben werden und wir zum Schluss keinen Halt
mehr machen.“
Weiter sprach Merkel
über Freiheit und
Verantwortung: Die eigene Freiheit dürfe
nicht auf Kosten eines anderen gehen, die
Freiheit des anderen in Frage stellen. „Indem ich mich auf ein Gegenüber ausrichte,
bringt der Gedanke der Freiheit automatisch
die Verantwortung mit ins Spiel. Freiheit und
Verantwortung sind im christlichen Sinn eng
aufeinander bezogen.“
Merkels Kindheitsstadt Templin
Die Kanzlerin hielt die Rede in der evangelischen Maria-Magdalenen-Kirche ihrer Kindheitsstadt Templin. Die örtliche Kirchengemeinde hatte sie eingeladen.
Merkel war 1970 in dieser Kirche konfirmiert worden. 2011 nahm sie dort mit Mutter,
Geschwistern und Freunden in einer Trauerfeier Abschied vom Vater, dem Pfarrer Horst
Kasner. Kasner hatte in Templin ein Pastoralkolleg aufgebaut, eine Stätte zur Weiterbildung von Pfarrern.
VON: MS / DPA
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Merkel sprach darüber, Christsein und alltägliches Handeln zusammenzubringen (Archivbild)
Foto: World Economic Forum / Wikipedia |
CC BY-SA 2.0
proKOMPAKT 44| 2014
6
Nigeria: „Hunderte Pastoren abgeschlachtet“
Der Bundestagsabgeordnete Frank
Heinrich (CDU) ist Ende Oktober eine
Woche lang durch Nigeria gereist. Mit
pro sprach er über Morde an Christen,
mangelnde Hilfe aus Deutschland und
die Folgen der Ebola-Krise.
pro: Wie geht es den Christen in Nigeria?
Frank Heinrich: Im Süden Nigerias herrscht
ein relativer Frieden. Hier sind die Menschen
vor allem durch Entführungen aus wirtschaftlichen Gründen bedroht. Aber im mittleren
Teil und im Norden geht es ihnen schlecht.
Insbesondere die Fulani-Nomaden vollziehen
an vielen Orten regelrechte ethnische Säuberungen. Sie morden und zerstören Wohnhäuser und Kirchen. Weiter im Norden tut die Terrorgruppe Boko Haram dasselbe. Es gibt dort
Anschläge am laufenden Band. Wir konnten
bei unserer Reise manche Straßen nicht passieren, weil dort am Tag zuvor tödliche Anschläge verübt worden waren. Wir haben Geschichten von Familien gehört, deren Häuser
in der Nacht angezündet wurden. In einem anderen Fall war der Auslöser der Diebstahl eines Motorrades, Christen wurden bezichtigt,
und am kommenden Tag wurden 400 Häuser
von Christen zerstört und deren Felder abgefackelt. Es gibt dort also eine latente Dauerbedrohung. Wir haben Gespräche mit Kirchenvertretern geführt, die uns davon berichteten, dass hunderte Pastoren abgeschlachtet, vertrieben und verletzt worden seien.
(Heinrich nimmt einen Stapel Papier, hunderte Seiten dick, in die Hand. Sie enthalten
die Namen tausender nigerianischer TerrorOpfer. Die Kirchgemeinden haben die Opfer
fein säuberlich dokumentiert.)
Uns wurde beim Treffen mit Kirchenvertretern ein Propagandavideo der Boko Haram
vorgeführt, in dem ein Christ gezwungen
wurde, sich an den Rand einer Grube zu le-
gen, damit ein Terrorist ihm die Kehle durchschneiden und ihn anschließend hineinstoßen konnte.
Wir hören immer von brennenden Kirchen
und Entführungen zur Zwangskonvertierung. Die letzten Anschläge der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram richteten
sich aber auch gegen moderate Muslime.
Wie sehr leiden sie unter den Radikalen?
Frauen bei einem Gottesdienst in Nigeria: Christen leben in permanenter Angst
Foto: Mike Blyth|flickr | CC BY-NC-SA 2.0
Gerade in den vergangenen Tagen gab es
zahlreiche Anschläge der Terroristen gegen andere Muslime. Die Extremisten stellen sich gegen alle Menschen, die in ihren
Augen nicht den wahren Glauben verfolgen.
Christen sind allein schon deshalb häufiger
von dieser Gewalt betroffen, weil sie, etwa
durch ihre Namen, erkennbar sind. Bei den
Muslimen hingegen ist nicht gleich ersichtlich, ob es sich um moderate oder radikale
Gläubige handelt. Die friedliebenden Muslime in Nigeria haben zwei Möglichkeiten: Sie
können sich gegen die Radikalen stellen und
damit selbst zur Zielscheibe werden. Oder
sie können still sein und sich so von den Terroristen instrumentalisieren lassen. Ich habe
das Gefühl, dass derzeit eher das zweite geschieht. Protest gegen die Boko Haram von
muslimischer Seite habe ich nicht allzu oft
gehört, erst recht nicht öffentlich. Ich würde
mir da mehr Widerspruch von den Muslimen
wünschen.
Gibt es etwas Neues von den 200 im April
von Boko Haram entführten christlichen
Mädchen?
Nur, was wir in den vergangenen Tagen auch
in den Nachrichten lesen konnten: Dass
sie möglicherweise zwangsverheiratet und
-konvertiert wurden.
Lesen Sie hier weiter ...
DIE FRAGEN STELLTE ANNA LUTZ
proKOMPAKT 44| 2014
7
„Die dunkle Seite des Islam“ im Focus Boko
Haram
dementiert
Waffenruhe
Viele Inhalte, auf die sich muslimische
Extremisten berufen, sind im Islam angelegt. Dieser Problematik widmet sich
der Focus in der Titelgeschichte „Glaube
zum Fürchten“. In acht Thesen wird die
„dunkle Seite“ des Islam vorgestellt.
A
n den kollektiven Gewaltausbrüchen
von Islamisten sei der Islam, der hierzulande oft als friedliche Religion verstanden wird, nicht ganz unbeteiligt, heißt
es im Focus-Artikel von Michael Klonovsky.
In einer ersten These erklärt er, warum der
Islam das gesamte Leben der Gläubigen bestimmen wolle. Neben den fünf Säulen Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosengeben,
Fasten und Pilgerreise nach Mekka gebe es
unter anderem noch Speise- und Kleidungsvorschriften oder Regeln zum Verhältnis der
Geschlechter zueinander. Bis hin zum Begräbnis sei alles festgelegt. Der Artikel betont besonders, dass der Koran an mehreren
Stellen zum bewaffneten Dschihad für Gott
aufrufe. „Alle islamischen Staaten tragen zumindest Züge einer Theokratie“, heißt es.
Gegenüber anderen Religionen sei der Islam
zudem intolerant: „Es hat unter seiner Herrschaft nie Religionsfreiheit gegeben. Für andere Religionen herrscht Missionierungsverbot“.
Die Konversion vom Islam zu einer anderen
Glaubensrichtung sei „ein todeswürdiges Verbrechen“. In keinem muslimischen Land seien
Christen gleichberechtigte Bürger. Oft würden
sie als Menschen zweiter Klasse behandelt.
Der Islam eigne sich zum Missbrauch durch Islamisten, lautet eine These im Focus-Artikel
Foto: Ben Murray|flickr | CC-BY-NC 2.0
Keine Anpassung an europäische
Sitten
Auch die Rolle der Frau unterscheide sich
stark vom westlichen Verständnis. In vielen
Teilen der islamischen Welt dürften Frauen
nicht am öffentlichen Leben teilnehmen und
kein Eigentum besitzen. Selber entscheiden,
wen sie heiraten möchten, sei ihnen oft unmöglich. Islamische Gelehrte seien zudem
oft der Meinung, westliche Frauen lüden mit
ihrer Kleidung geradezu zur Vergewaltigung
ein. Als Beispiel zitiert der Focus den australischen Imam Sheik Faiz, der im Jahr 2007
sagte, dass westliche Mädchen „Huren und
Schlampen“ seien und Vergewaltigungsopfer
niemanden anzuklagen hätten als sich selbst.
Die Anpassung der in Europa lebenden
Muslime an die Sitten und Gebräuche sei
rückläufig. Der Focus-Autor zitiert dazu eine
Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für
Sozialforschung von 2013. Dabei kam heraus, dass 65 Prozent der in Europa lebenden
Muslime religiöse Gesetze für wichtiger halten als weltliche. Fast jeder zweite Befragte
gab an, dass es nur eine gültige Auslegung
des Koran gebe und dass Muslime zu den
Wurzeln ihrer Religion zurückkehren sollten.
oko Harams Anführer, Abubakar
Schekau, habe in einem am Samstag
veröffentlichten Video erklärt, er weise ein Waffenstillstands-Übereinkommen
von sich, meldet CNN . Es gebe keine Waffenruhe. Er kenne zudem den angeblichen
Vertreter seiner Organisation nicht, der mit
der nigerianischen Regierung verhandelt haben soll. Dieser Mann repräsentiere Boko
Haram nicht. In dem Video droht Schekau:
„Wenn wir ihn fangen, werden wir ihn nicht
verschonen und ihn schlachten.“ Wann das
Video aufgenommen wurde, ist nicht klar.
Lesen Sie hier weiter ...
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VON: SZ
VON: MS
Die Terrorgruppe Boko Haram hat eine
Waffenruhe mit der nigerianischen
Regierung zurückgewiesen. Nigerias
Führung hatte Mitte Oktober einen vereinbarten Waffenstillstand mit den Islamisten bekanntgegeben.
B
proKOMPAKT 44| 2014
8
Verfahren gegen
Kabarettisten Nuhr
eingestellt
Die Ermittlungen gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr wegen angeblicher
Islam-Hetze werden eingestellt. Für
die Erfüllung des Volksverhetzungsparagrafen fehle es in seinen Werken an
der „fremdenfeindlichen Gesinnung“,
hieß es in der Begründung.
D
as Ermittlungsverfahren gegen den
Kabarettisten Dieter Nuhr wegen
des Verdachts auf Islambeleidigung
wird eingestellt, bestätigte die Staatsanwaltschaft Osnabrück dem NDR . Sie habe
die Kunstfreiheit gegen den Schutz von Religionsgemeinschaften abgewogen und sei
dann zu dieser Entscheidung gekommen,
sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft
Osnabrück, Alexander Retemeyer, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Kriterium der Beschimpfung
einer Religionsgemeinschaft
nicht erfüllt
Die Ermittlungen wegen angeblicher Islam-Hetze
gegen den Gastgeber des ARD-„Satiregipfels“
Dieter Nuhr sind vom Tisch
Foto: rbb/Thomas Ernst
Der Volksverhetzungsparagraf sei nicht erfüllt, in den Werken von Nuhr fehle es an der
„fremdenfeindlichen Gesinnung“. Auch das
Kriterium der Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft sei nicht erfüllt, da es sich erkennbar um Satire handele.
Vor zwei Wochen hatte der Muslim Erhat
Toka den Kabarettisten angezeigt
, weil
Nuhr in seinem Programm Bekenntnisse und
Religionsgesellschaften beschimpft haben
soll.
VON: MS
Im Kino:
Phantombild von Jesus
Der kleine Colton Burpo aus Imperial im
US-Bundesstaat Nebraska will Jesus im
Himmel begegnet sein. Coltons Vater,
ein Pastor, glaubt ihm erst nicht, später ist er begeistert von Coltons Berichten über Jesus. Das Buch „Den Himmel
gibt‘s echt“ wurde zum Bestseller. Nun
kommt die Verfilmung ins Kino. EINE
FILMKRITIK VON JÖRN SCHUMACHER
D
ieser Film scheidet sicher die Geister.
Zu glauben, dass ein Mensch sterben, dann in den Himmel auffahren
und anschließend wieder über die Erde laufen kann, dazu gehört schon eine ordentliche Portion Kinderglauben. Die einen sagen,
so etwas kann unmöglich passieren, und jeder, der behauptet, nach dem Tod im Himmel
gewesen zu sein, muss entweder lügen oder
einer Halluzination unterliegen. Die anderen
fühlen sich durch derartige Berichte im Glauben gestärkt.
Im Jahr 2003 wurde der vierjährige Colton
Burpo, Sohn eines Pastors in einem übersichtlichen Landfleck im US-Bundesstaat Nebraska, sterbenskrank. Seine Eltern hatten
zunächst angenommen, er habe lediglich
eine Magen-Darm-Grippe. Dass in Wirklich-
War der vierjährige Colton Burpo wirklich im Himmel? Die Verfilmung des Bestsellers „Den Himmel
gibt‘s echt“ läuft jetzt in den deutschen Kinos an
Foto: TriStar Pictures
keit der Darm des Kleinen gerissen war, bekamen sie erst mit, als es schon fast zu spät
war. Im Krankenhaus wird Colton sofort operiert, die Ärzte werden Zeuge eines Wunders:
Colton überlebt. Anschließend gibt der Junge
im Laufe der Zeit gegenüber seinem Vater immer wieder seltsame Bemerkungen über den
Himmel von sich. Er sei dort gewesen, sagt er,
er habe Jesus und einige Engel gesehen.
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proKOMPAKT 44| 2014
9
Homosexueller überschätzen, auch die gesellschaftliche Auswirkung der Legalisierung der Homo-Ehe überschätzten. Andererseits könne die außergewöhnlich verzerrte
Wahrnehmung als ein Triumph der Homosexuellen-Bewegung gewertet werden.
So sieht das auch Stuart Gaffney, Sprecher einer Lobby-Gruppe für die Homo-Ehe.
Er habe gelacht, als er von der Studie gehört
habe: „Sie ist tatsächlich ein Zeichen des Erfolgs der schwul-lesbischen Community“,
erklärte er.
Deutlich weniger
Homosexuelle
als gedacht
In Medien- und Wirtschaftskreisen war die Homosexualität von Apple-Chef Tim Cook bekannt. Nun hat er sie öffentlich gemacht
Foto: The Climate Week, flickr | CC BY-SA 1.0
Studien zeigen: In den USA wird der
Bevölkerungsanteil
Homosexueller
weit überschätzt. Trägt die Medienberichterstattung um prominente Homosexuelle wie Apple-Chef Tim Cook zu
dieser Fehleinschätzung bei?
D
er Blick ins amerikanische Fernsehen
zeigt: Homosexuelle sind überdurchschnittlich oft präsent, sei es als Nachrichtensprecher, als Serienrolle oder als Gegenstand der Berichterstattung, wenn sich
wieder einmal ein Prominenter wie AppleChef Tim Cook „outet“. Fördern die Medien damit eine Fehleinschätzung darüber,
wie viele US-Bürger tatsächlich homosexuell empfinden? Laut der nationalen Gesundheitsstudie, die im Juli von der US-Behörde
CDC vorgelegt wurde, bezeichnen sich 1,6
Prozent aller Erwachsenen als homosexuell,
weitere 0,7 Prozent als bisexuell. 96,6 Prozent stuften sich als heterosexuell ein, 1,1
Prozent konnten oder wollten die Frage nicht
beantworten. Sollten die Amerikaner nicht
massenweise bei ihren sexuellen Präferenzen lügen, sind diese Werte sehr gering. Die
Frage nach der sexuellen Orientierung war
auf Wunsch von Homosexuellen-Verbänden
in die Gesundheitsumfrage aufgenommen
worden, um die Bedürfnisse homosexuell
orientierter Menschen besser einschätzen
zu können.
Die Ergebnisse werden interessant, wenn
man sie mit anderen Zahlen vergleicht. „Einer von Zehn“ heißt beispielsweise eine Lobbyorganisation schwuler, lesbischer, bi- und
transsexueller Menschen in Washington D.C.
Der Name basiert auf der über Jahre im öffentlichen Diskurs verbreiteten Annahme,
dass etwa zehn Prozent aller Menschen homosexuell seien.
35 Prozent glauben, mehr als 25
Prozent seien homosexuell
Während diese in Debatten gängigen zehn
Prozent also ein deutlich überhöhter Wert
sind, liegen die US-Bürger noch klarer daneben. Das Gallup-Institut fragte 2011 die Amerikaner: „Einfach mal geschätzt, was glauben Sie, wie viele Amerikaner schwul oder
lesbisch sind?“ Die Antworten überraschten:
Jeder Dritte befragte Amerikaner geht davon aus, dass mindestens einer von vier Bürgern homosexuell empfindet. Dagegen glauben nur vier Prozent, dass weniger als jeder
zwanzigste betroffen sei.
Diese deutliche Fehleinschätzung könne
die öffentliche Haltung zu HomosexuellenRechten wie etwa der gleichgeschlechtlichen Ehe beeinflussen, schrieb das PolitMagazin The Atlantic . Einerseits liege es
nahe, dass Menschen, welche die Anzahl
Homosexuelle in Medien und
Kultur omnipräsent
Über die Ursachen der drastischen Fehleinschätzung, welche die Gallup-Studie offenbarte, gibt es keine Erhebung. In der gleichen Umfrage gut neun Jahre zuvor glaubten
„nur“ 25 Prozent der Befragten, der Anteil
Homosexueller mache mehr als 25 Prozent
der Gesamtbevölkerung aus. Es liegt die Vermutung nahe, dass die starke Präsenz Homosexueller in Popkultur und Medien in den
USA die Wahrnehmung der Amerikaner verzerrt hat.
So bekennen sich neben Prominenten wie
Apple-Chef Tim Cook immer mehr homosexuelle Fernsehjournalisten öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung, seien es Schwule und Lesben bei den drei großen Nachrichtensendern oder den Infotainmentprogrammen der Networks.
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VON: MB
proKOMPAKT 44| 2014
10
Schneider: „Kritische
Fragen“ an Gott und
Muslime
Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende
Nikolaus Schneider hat sich in einem
Interview mit der Zeitung Die Welt für
mehr Einsatz deutscher Islamverbände gegen einen gewalttätigen Islam
ausgesprochen. Und er ist sich sicher,
am Ende seines Lebens „peinliche Fragen“ vor Gott beantworten zu müssen.
D
ie Islamverbände in Deutschland
leisteten zu wenig, wenn es darum
gehe, die Rolle der Gewalt im Islam
und im Koran zu identifizieren, sagte Schneider in einem Interview mit der Welt. Er gehe
zwar davon aus, dass die deutschen Verbände friedlich seien und nichts mit der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zu tun hätten.
Es sei aber nicht von der Hand zu weisen,
dass sich der IS auf den Islam berufe. Darüber müsse stärker debattiert werden.
Zugleich lobte Schneider, der am kommenden Dienstag sein Amt als EKD-Ratsvorsitzender vorzeitig niederlegt, den Einsatz der
Islamverbände gegen Judenhass. „Wir brauchen ihre Mitarbeit, um energisch gegenzusteuern, wenn junge Männer durch Hassprediger aufgehetzt und für die IS-Milizen rekrutiert werden“, sagte er. Der Kirchenmann
forderte, dass „bei der Ausbildung von Imamen und Religionslehrern die Rolle der Gewalt in der islamischen Tradition sowie die
Unklarheiten im Verhältnis von Staat und
Religion kritisch angesprochen werden“.
Schneider gestand aber auch ein, dass er
die „innerislamischen Mechanismen“ zu wenig durchschaue, um abschätzen zu können,
wie durchsetzungsfähig die Verbände seien.
Anfeindungen gegen Juden bedrückten ihn
zudem sehr, sagte er. Trotz des Einsatzes demokratischer Parteien in Bund und Ländern,
Kirchen und islamischer Verbände habe der
Antisemitismus nie vollständig überwunden
werden können. Neben der Schändung von
jüdischen Einrichtungen würden die Konflikte im Nahen Osten auch immer stärker in der
westlichen Gesellschaft ausgestragen, zum
Beispiel durch radikalisierte junge Muslime. Eine „legitime Kritik an der Politik der
israelischen Regierung“ werde oftmals „mit
pauschalem Hass auf Juden“ verbunden. Vor
dem Hintergrund der deutschen Geschichte
des Antisemitismus sei er Juden „von Herzen
dankbar, dass sie trotz der Verbrechen des
Holocaust zu einem Gespräch mit den Kirchen bereit sind“.
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VON: SZ
Fundamentalist
mit Vernunft
Gegen ein zu simples frommes Weltbild:
Bei Zeit Online beschreibt ein Leser, warum
er trotz Zweifeln glaubt
Foto: Piotr Marcinski|fotolia
„Manche nennen meinen Glauben evangelikal, böse Zungen sprechen sogar
von Fundamentalismus“, heißt es in
einem Leserartikel bei Zeit Online. Mit
den gängigen Vorurteilen gegenüber
frommen Christen habe sein Leben aber
wenig zu tun, schreibt der Autor.
E
r sei in einer freikirchlichen Pastorenfamilie aufgewachsen. Die Bibel sei
ihm von Kindesbeinen an vertraut.
Kindergottesdienst, Jungschar, Jugendgruppe – er habe alles mitgemacht. „Im Fernsehen würde jetzt der Sektenbeauftragte der
Evangelischen Kirche eingeblendet, um zu
erklären, wie trügerisch und gefährlich diese Evangelikalen sind“, schreibt der anonym bleibende Autor im Rahmen der Zeit
Online-Serie „Wer‘s glaubt“ . Dabei füh-
le er sich ganz normal. „Ich bin 20 Jahre alt,
studiere Sozialwissenschaften, habe eine
Freundin, höre Hip-Hop und trinke gerne
Bier. Trotzdem scheint etwas nicht ganz richtig an mir zu sein, denn ich bin ja ein gläubiger Christ.“
Evangelikale machen Fehler
Er räumt ein, dass evangelikale Christen viele Fehler machten. Auch er ärgere sich oft
darüber. „Das lässt mich oft an den Menschen zweifeln, nicht aber an Gott. Es bestätigt mich vielmehr in der Annahme, dass wir
alle Sünder sind und eine Menge Vergebung
brauchen.“
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VON: AL
proKOMPAKT 44| 2014
11
Huber lehnt ärztliche
Suizidbeihilfe ab
Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland,
Wolfgang Huber, hat sich gegen eine Freigabe ärztlicher Suizidbeihilfe ausgesprochen. Er fürchtet einen Dammbruch.
S
chwache, kranke oder alte Menschen
müssten in der Gewissheit leben
können, ihr Dasein sei ebenso wertvoll wie das anderer, schreibt Huber in der
Montagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Deshalb werde vorrangig Hospizarbeit und Palliativpflege benötigt. Die
Forderung nach ärztlicher Suizidbeihilfe hingegen führe zur Auflösung der staatlichen
Schutzpflicht für das Leben. „Aus keiner Art
der Beeinträchtigung kann und darf eine
Einschränkung des Lebensrechts abgeleitet
werden“, schreibt Huber, und warnt: „Der
Schritt von der ärztlichen Assistenz beim Suizid zur ärztlichen Tötung auf Verlangen ist
nicht groß.“ Die öffentliche Meinung unterscheide schon jetzt kaum zwischen beidem.
Zugleich dürfe sich ärztliches Handeln
aber auch nicht von einem „therapeutischen
Übereifer“ leiten lassen. Ärzte seien aufgerufen, nur solche Maßnahmen vorzunehmen, die dringlich und medizinisch indiziert
seien. „Wäre das gewährleistet, dann würde
es auch um den assistierten Suizid stiller“,
ist Huber überzeugt. Deshalb müsse geklärt
werden, wann Mediziner das Sterben zulassen dürften. Die Debatte um den assistier-
ten Suizid, der im Gegensatz dazu den Tod
direkt herbeiführt, führe in die falsche Richtung. Stattdessen müsse das ärztliche und
pflegerische Handeln in der Endphase unheilbarer Krankheiten zum Thema werden.
Der Fall Brittany Maynard
Wer für den Suizid eintrete, schlage die Gabe
des Lebens aus. Es sei Aufgabe der Glaubenden, diese Überzeugung in die Gesellschaft
hineinzutragen, erklärt Huber.
Bei der ärztlichen Suizidbeihilfe stellen Mediziner Patienten Medikamente zur
Selbsttötung zur Verfügung. Das Mittel wird
aber von den Erkrankten eigenständig eingenommen. So geschehen ist dies am vergangenen Samstag im Fall der Amerikanerin
Brittany Maynard. Die an einem Hirntumor
Erkrankte hatte sich vor ihrem Tod öffentlich
für die Freigabe dieser Form der Sterbehilfe
eingesetzt und weltweite Debatten ausgelöst. Auch der Deutsche Bundestag beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Thema.
Am 13. November findet eine erste Orientierungsdebatte im Plenum statt.
VON: AL
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Nachwuchsjournalistenpreis
Der Christliche Medienverbund KEP e.V. schreibt einen Nachwuchs­
journalistenpreis 2015 aus. Prämiert werden journalistische Beiträge,
die in vorbildlicher Weise
jüdisch-christliche Werte und Kultur als Grundlage der
Menschenrechte aufzeigen
überzeugende Beispiele von gelebtem Christsein thematisieren
Bibel, christlichen Glauben und Kirche ins öffentliche Gespräch bringen
Preisgeld: 1.500 Euro
Teilnahmebedingungen:
Der Beitrag wurde zwischen 1. Januar und 30. Oktober 2014 in einem
säkularen, deutsch-sprachigen Medium (Print/TV/Radio/Online)
veröffentlicht
Höchstalter des/der Bewerbers/in bei der Veröffentlichung: 28 Jahre
Maximal zwei Beiträge pro Bewerber/in
Bitte schicken Sie uns Ihre Beiträge mit einer kurzen Erläuterung
und Ihrem Lebenslauf bis zum 31. Oktober an:
Christlicher Medienverbund KEP | Steinbühlstraße 3 | 35578 Wetzlar
medienpreis@kep.de | +49 (0) 64 41 / 915 166
kep.de/home/medienpreis
proKOMPAKT 44| 2014
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Schule: Kirche will mit
Muslimen kooperieren
Die Evangelische Kirche will in Sachen Schule
künftig auf Interreligiosität setzen
Foto: Kzenon|fotolia
oder der Krieg in Syrien könnten Thema der
Schulstunden werden, um Extremismus vorzubeugen.
„Kinder haben Recht auf religiöse
Bildung“
Beim schulischen Religionsunterricht will die Evangelische Kirche in
Deutschland (EKD) künftig stärker mit
anderen Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten. Das soll religiösem
Extremismus vorbeugen.
D
ie Evangelische Kirche sehe sich
mit einem neuen Pluralismus in
der Schule konfrontiert, erklärte
der scheidende Ratsvorsitzende Nikolaus
Schneider am Donnerstag in Berlin. Musli-
me, Juden, Christen und nichtreligiöse Schüler träfen ganz selbstverständlich aufeinander. Dem müsse der Religionsunterricht
Rechnung tragen, indem er zum einen die jeweilige religiöse Identität der Schüler stärke, zum anderen aber auch interreligiöse
Beziehungen fördere. „Religionsunterricht
ist kein missionarisches Unternehmen der
Kirchen“, sagte Schneider. Künftig strebe
die EKD eine noch engere Zusammenarbeit
mit der Katholischen Kirche, aber auch eine
Kooperation mit islamischen und jüdischen
Religionslehrern an. Der Ethikunterricht soll
ebenfalls stärker mit dem Bekenntnisunterricht verzahnt sein.
Wie das im einzelnen aussehen soll, steht
noch nicht fest. Der Religionspädagoge
Friedrich Schweitzer erklärte, er stelle sich
zum Beispiel gemeinsame Moschee- oder
Kirchenbesuche vor. Außerdem könnten Kinder und Jugendliche im Unterricht gemeinsam über die unterschiedlichen Glaubensverständnisse sprechen. Auch Ereignisse
wie die Anschläge des 11. Septembers 2001
„Ich wünsche mir, dass Schüler am Ende
auskunftsfähig darüber sind, wie ihr Verhältnis zu Gott ist“, sagte Schneider. Der evangelische Religionsunterricht sei nach wie vor
ein Zukunftsmodell. „Es geht nicht um Privilegien der Kirche, sondern um das Recht
der Kinder auf religiöse Bildung“, sagte er
mit Verweis auf das Grundgesetz. Anlass des
Gesprächs in Berlin war die Veröffentlichung
einer neuen EKD-Denkschrift mit dem Titel
„Religiöse Orientierung gewinnen – Evangelischer Religionsunterricht als Beitrag zu einer pluralitätsfähigen Schule“.
Derzeit besucht nach Angaben der EKD
etwa ein Viertel der Schüler den evangelischen Religionsunterricht. Die Teilnahme am Religionsunterricht ist in manchen
Bundesländern freiwillig, etwa in Berlin. In
anderen besteht eine grundsätzliche Teilnahmepflicht, allerdings können Schüler
aus Glaubensgründen abgemeldet werden,
etwa, wenn es keinen Unterricht ihrer Religion gibt. Islamischen oder jüdischen Religionsunterricht gibt es nach wie vor nicht
bundesweit.
VON: AL
proKOMPAKT 44| 2014
13
Am Freitag tritt der 21-jährige Patrick
Jakucs bei „The Voice of Germany“ in
der Battle-Round an. Im pro-Interview
verrät er, warum er in den Blind Auditions ein Lobpreis-Lied gesungen hat.
pro: Wie unterscheiden sich die Auftritte auf
der The Voice-Bühne von denen mit deiner
Worship-Band „Rejoice“ vor der Gemeinde?
Patrick Jakucs: Bei The Voice ist es keine
christliche Gemeinde, die zum Gottesdienst
kommt und in der alle zusammen Gott loben.
Dieser andere Fokus ist der einzige Unterschied. Besonders aufgeregt war ich bei The
Voice nicht und wenn ich auf der Bühne bin,
geht das weg, sobald das Lied beginnt.
Ansonsten habe ich mir gesagt, egal wo ich
bin, ob es auf der The Voice-Bühne ist oder in
der Gemeinde: Ich möchte mein Bestes geben und damit zum Ausdruck bringen, wie
dankbar ich Gott bin und dass ich ihn dafür
ehren möchte, was er mir als Talent gegeben
hat. Die Einstellung habe ich auch auf die
The Voice-Bühne mitgenommen.
Als was siehst du The Voice für dich und deine musikalische Laufbahn?
The Voice ist eine Musikshow mit hohem Niveau, guten Musikern, und es ist eine Ehre,
dabei sein zu können. Es ist eine spannende Erfahrung für jeden, der mitmachen kann,
um musikalisch und persönlich zu wachsen.
Bei den Vorbereitungen und den Interviews,
die du für die Show führst, musst du wissen,
wer du bist und was du willst. Gleichzeitig
ist es unheimlich wertvoll, mit professionellen Musikern, der Band, dem Musikteam und
den Coaches zu arbeiten, ihre Sichtweise
Patrick Jakucs (r.) sang sich in der ersten „The
Voice of Germany“-Runde mit dem Lobpreislied
„How He Loves“ ins Team von Michi und Smudo
Foto: Richard Huebner
The Voice-Kandidat Patrick Jakucs:
„Gott ist Liebe“
über Musik zu hören, zu sehen, wie sie Dinge handhaben.
Darüber hinaus ist ein großer Fernsehauftritt natürlich ein guter Kickstart für einen
Musiker wie mich, der auch seine eigenen
Lieder schreibt und eine Botschaft weitergeben will.
Du sagst, du musst wissen, wer du bist und
was du willst. Wer bist du denn und was
willst du?
Meine Mutter sagt immer zu mir: Als du acht
Jahre alt warst, wusstest du genau, wer du
bist und was und wohin du willst. Ich bin ein
Mensch, der unter anderem Sänger, Songschreiber und Tänzer ist, und darüber hinaus
bin ich ein Kind Gottes, was das wichtigste
an dem Ganzen ist. Was ich will: Das weitergeben, was ich erlebt habe, Dinge, wo Gott
mir geholfen hat. Gott war in vielen Situationen die einzige wirkliche Hilfe und Antwort.
Mit welcher Intention hast du das Lobpreislied „How He Loves“ für The Voice ausgewählt?
Dass ich den Song „How He Loves“ singen
durfte, war absolut hammer und voll cool,
weil ich somit genau darüber singen konn-
te, wer Gott wirklich ist: Gott ist Liebe, und
er liebt uns sehr. Das war meine Absicht. Ich
glaube daran und hoffe, dass Gott das Lied in
irgendeiner Weise benutzen kann, um Menschenherzen zu berühren. Ich habe zu mir
gesagt, wenn durch das Lied bei den Blind
Auditions auch nur ein einziger Mensch berührt wird oder Gott zu dem Herzen sprechen
konnte, dann hat sich das Ganze schon gelohnt.
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DIE FRAGEN STELLTE MARTINA SCHUBERT
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Kirchen leiden
unter Folgen der
SED-Diktatur
Lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins
pro, wie die Pfarrer Theo Lehmann in Karl-Marx-Stadt und Friedrich Magirius
in Leipzig die Spannung zwischen Kirche und Staat in der DDR erlebt haben.
Bestellen Sie das Heft kostenlos und unverbindlich unter der Telefonnummer
06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.
Der Osten Deutschlands ist weitgehend religionslos. Die führende Rolle
der Kirchen während der friedlichen
Revolution brachte ihnen keinen Aufschwung. Der Historiker Thomas Großbölting erklärt, warum.
I
n den Neuen Bundesländern herrsche
eine „Kultur der Religions- und damit der
Konfessionslosigkeit“, stellt Großbölting
vom Excellenzcluster „Religion und Politik“
der Uni Münster in einem Beitrag für die Zeitschrift Herder Korrespondenz fest. Drei Viertel der Bevölkerung seien religionslos. Es gehöre zur sozialen Norm, keiner Religion anzugehören. Dass sich dieser Trend wieder
in eine andere Richtung entwickeln könnte,
sei unwahrscheinlich, denn ein solcher Zustand verstärke sich selbst. Dabei gebe es
im Osten Deutschlands nicht mehr Atheisten und Freidenker als in anderen Ländern
auch. Jedoch sei der Anteil derer größer, die
sich schlicht nicht für religiöse Fragen interessierten oder nichts darüber wüssten. Auch
eine Skepsis dagegen, dass Rationalität und
Religion zusammenpassen könnten, sei weit
verbreitet.
Als eine wesentliche Ursache sieht Großbölting die „religions- und kirchenfeindliche
Politik der SED“ (Sozialistische Einheitspar-
1989 war die Nikolaikirche zu Friedensgebeten
überfüllt. Heute bleiben viele Plätze frei. Die Kirche hat als Institution ihre gesellschaftliche Verankerung in der ostdeutschen Gesellschaft verloren, stellt der Historiker Thomas Großbölting fest
Foto: pro
tei Deutschlands). Allerdings stehe die Region mit Tschechien und der Slowakei auch
im Vergleich mit anderen ehemaligen Ostblockstaaten an der Spitze der Religionslosigkeit. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts
sei die religiöse Bindung und die Beteiligung
am Abendmahl in Mitteldeutschland zurückgegangen. Das führt Großbölting darauf zurück, dass viele Menschen in der Region zuund abwanderten und sich traditionelle Bindungen somit auflösten.
Kirche verliert Kampf um die
Bevölkerung
Der SED-Staat habe den gesellschaftlichen
Einfluss der Kirchen an den Rand gedrängt.
Dies habe er unter anderem dadurch geschafft, dass er die Jugendweihe als staatliches Gegenstück zur Konfirmation und Firmung ab 1953 etablierte und in den folgenden Jahren immer stärker ideologisch auflud.
Wer die Jugendweihe verweigerte, habe mit
Nachteilen in der Ausbildung rechnen müssen. „Dass die Kirchen entscheidende Übergangsmomente im Leben des Einzelnen prägen – damit sollte jetzt Schluss sein.“ Evangelische und Katholische Kirche hätten von
ihren Mitgliedern zunächst eine Entscheidung zwischen kirchlichem und staatlichem
Akt verlangt. Viele seien aber nicht bereit gewesen, ihren religiösen Autoritäten und Organisationen zu folgen, schreibt Großbölting.
Lesen Sie hier weiter ...
VON: JST
proKOMPAKT 44| 2014
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Zu Gast im
Schöpfungsmuseum
Besucher des „Schöpfungsmuseums“
im US-Bundesstaat Kentucky können
den biblischen Schöpfunsgbericht
anschaulich erleben. Der Journalist
Hannes Stein hat das Projekt besucht
und seine kritischen Eindrücke in der
Zeitung Die Welt veröffentlicht.
D
ie Museumsbetreiber gehen von einer Schöpfung in sechs Tagen vor
etwa 10.000 Jahren aus, legen die biblische Schöpfungsgeschichte also als historische Tatsache aus. Stein beschreibt
Ausstellungsstücke wie Dinosaurierknochen
und Schautafeln, auf denen die Unterschiedlichkeit von Menschen- und Affenskeletten
verdeutlicht werden.
Gegründet hat das Museum der Australier
Ken Ham. Der laut Stein „bemerkenswert humorlose“ Lehrer lebt seit den Achtzigerjahren in den Vereinigten Staaten. Das Museum
hat bis zu seiner Eröffnung 2007 27 Millionen
Dollar gekostet. Seitdem sind weitere neun
Millionen Dollar hinzugekommen, die alle
von privaten Spendern stammen. Ham will
den Schöpfunsgbericht auch deshalb nicht
in Frage stellen, weil er einen Domino-Effekt
Der Welt-Autor hat sich auf Spurensuche in das Creation Museum in Kentucky begeben. Hier ist ein
Exponat des Museums zu sehen
Foto: Anthony5429 / Wikipedia
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befürchte, heißt es im Text von Stein. Denn
wenn der Schöpfungsbericht nicht mehr gültig sei, welche Teile der Bibel seien es dann?
Gleichwohl sei es theoretisch möglich, an
die Evolutionstheorie zu glauben und trotzdem ein „guter Christ“ zu sein. Im Gespräch
mit Ham fragte Stein, ob die Bibelstelle Josua 10,12 („Sonne, steh still zu Gibeon, und
Mond im Tale Ajalon“) beweise, dass die
Sonne um die Erde kreist. Darauf antwortete Ham, dass dies nur im übertragenen Sinn
gemeint sei.
Vom Mörder
zum Menschenretter
Mehr als 40 Prozent der
Amerikaner glauben an die
Schöpfung an sechs Tagen
Für die wissenschaftliche Ausrichtung des
Museums ist die Molekularbiologin Georgia
Purdom zuständig. Die von Stein vorgetragene Position mancher sehr frommer Juden,
dass es keine Dinosaurier gebe, weil sie im
Schöpfungsbericht nicht erwähnt werden,
lehnt sie ab. Gott würde die Menschen nicht
betrügen, sagt sie. Zu der Theorie gehört
auch die Annahme, Gott habe Dinosaurierknochen in der Erde versteckt, um den Glauben der Menschen zu prüfen.
Laut der jüngsten Gallup-Umfrage glauben
mehr als 40 Prozent der Amerikaner, dass
Gott vor 10.000 Jahren die Menschen in ihrer heutigen Form geschaffen habe. Die Hälfte der Amerikaner glaubt an eine Evolution,
die von Gott gelenkt wurde.
Lesen Sie hier weiter ...
VON: JW
Die unfassbare Geschichte eines Mannes,
der einen der größten AutoschieberRinge Europas aufzieht, mit der RussenMafia Geschäfte macht und schließlich
zum Mörder wird. Im Gefängnis entdeckt
Torsten Hartung den christlichen
Glauben. Und ändert sein Leben radikal.
Heute hilft er jugendlichen Straftätern,
wieder auf den richtigen Weg zu finden.
Leseprobe unter www.adeo-verlag.de
Gebunden mit Schutzumschlag • 224 Seiten
Mit 16-seitigem, farbigem Bildteil
ISBN 978-3-86334-029-2 • € 17,99
Erhältlich im Handel oder unter www.adeo-verlag.de
Unterwegs. Sein.
proKOMPAKT 44| 2014
16
Wie steht der Papst zur Evolutionstheorie?
Der Papst sieht zwischen der biblischen Schöpfung und der Evolutionstheorie Gemeinsamkeiten, melden
dieser Tage verschiedene Medien.
Auch Franziskus‘ Vorgänger haben
sich zum Thema geäußert. EINE ANALYSE
VON REINHARD JUNKER
W
enn sich ein Papst zum Thema
Schöpfung und Evolution äußert,
hört man genauer hin. Die Feststellung des vorletzten Papstes, Johannes
Paul II., dass die Evolution der Lebewesen
mehr als eine Hypothese sei, gewann 1995
viel Beachtung. Dass der menschliche Geist
und die Moral nicht aus natürlichen Prozessen ableitbar seien, was Johannes Paul II.
ebenfalls betonte, ging dabei fast unter. Der
Papst erkennt Evolution an, war der Tenor in
der Presse. Sein Nachfolger, Benedikt XVI.,
hat sich kritischer zur Evolutionstheorie geäußert, auch wenn er sich nicht von einem
evolutionären Weltbild distanziert hat.
Die jüngst erfolgten Äußerungen von Papst
Franziskus über das Verhältnis von Schöpfung und Evolution knüpfen eher an Johannes Paul II. an. Gott sei der Schöpfer aller
Dinge, doch die Geschöpfe könnten sich
nach den in sie hineingelegten Gesetzen
evolutiv entfalten. Dabei blieben sie aber un-
ter der Herrschaft Gottes. Die Evolution der
Lebewesen widerspreche der Vorstellung
von einer Schöpfung nicht, sie setze eine
Schöpfung voraus. Der Mensch habe – anders als die Tiere – eine gewisse Autonomie
gegenüber der Natur.
Der Papst erteilt damit einer naturalistischen Sicht von Evolution eine klare Absage:
Evolution könne nicht alleine aus den Naturkräften ablaufen. Dafür hat er bereits deutlichen Widerspruch geerntet, denn es gilt in
der Evolutionsbiologie weithin als unaufgebbarer Standard, dass Evolution ohne jede
Lenkung erfolgt.
Wie stellt die Bibel Gottes
Schöpfungshandeln dar?
Dass der Papst ein naturalistisches Verständnis von Evolution ablehnt und die Tätigkeit des Schöpfers für unverzichtbar hält,
ist natürlich nicht überraschend. Doch gerade an dieser Stelle bleiben viele Fragen offen. Zum Beispiel: Was tut Gott als Schöpfer?
Offenbar versteht Franziskus den Evolutionsvorgang so, dass er gesetzmäßig als Naturprozess abläuft. Diese Gesetze sind so in die
Natur eingepflanzt, dass sie den Kreaturen
eine Autonomie ermöglichen. In der Konsequenz kann das nur bedeuten, dass sich die
Rolle Gottes als Schöpfer darauf beschränkt,
eine evolutionsfähige Materie geschaffen zu
haben. (Dass Gott die Schöpfung jederzeit
erhält, steht auf einem anderen Blatt und ist
nicht mit „Schöpfung“ gleichzusetzen.)
Die biblischen Aussagen über Gott als
Schöpfer stellen sein Schöpfungshandeln
anders dar. Gott spricht in die Schöpfung hinein – und es geschieht das, was Gott will.
Durch sein Wort erschafft er augenblicklich:
„Wenn er spricht, so geschieht es“ (Psalm
33,9). Genauso hat Jesus Christus auch gewirkt, als er durch sein Wort Schwerstkranke
augenblicklich heilte, Tote auferweckte und
den Sturm stillte. Diese Taten Jesu sind gerade nicht aus den Gesetzmäßigkeiten der Natur erklärbar. Damals wie heute kann man an
diesem schöpferischen Handeln Jesu erkennen, wer er ist: Der Schöpfer ist in menschlicher Gestalt auf unsere Erde gekommen. Jesus bestätigt außerdem in einem Gespräch
mit den Pharisäern, dass die Menschheit genauso ihren Anfang nahm, wie es in den ersten beiden Kapiteln der Genesis geschildert
wird (Mt 19,3f.). Gott hat den Menschen zu
seinem Bilde geschaffen und ihn besonders
befähigt und beauftragt. Wie der Mensch dagegen im Laufe eines evolutiven Prozesses
zu seiner Sonderstellung kam, von der Franziskus zu Recht spricht, bleibt unklar.
Ein theistisch-evolutionäres Weltbild wirft
weitere Fragen auf. Wie wurde der Mensch
Sünder und weshalb braucht er Jesus als seinen Retter? Eine evolutive Erschaffung des
Menschen bedeutet, dass der Mensch auf
dem Wege der Evolution auch zum Sünder
wurde, mithin als Sünder geschaffen wurde. Dagegen macht die Heilige Schrift einen
klaren Unterschied zwischen Geschöpf-Sein
und Sünder-Sein.
Gottes Handeln bleibt ein
Geheimnis
Schließlich ist Schöpfung durch einen evolutionären Prozess nur möglich über Tod und
massenhaftes Sterben: Charles Darwin hat
es treffend am Ende seines berühmten Buches „Über die Entstehung der Arten“ ausgedrückt: „Aus dem Kampf der Natur, aus
Hunger und Tod geht also unmittelbar das
Höchste hervor, das wir uns vorstellen können: die Erzeugung immer höherer und vollkommenerer Wesen.“ Die Heilige Schrift
stellt den Tod jedoch ganz und gar nicht als
kreativen Faktor dar, sondern als Gericht
Gottes über den Ungehorsam des Menschen
– er wird überwunden durch das stellvertretende Leiden und Sterben Jesu. Der Unterschied in der Bewertung des Todes könnte
kaum größer sein.
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proKOMPAKT 44| 2014
17
IMPULS
MAUERFALL
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LASSE
ANN
BLASKAPELLE. ER K
WUNDER WIRKEN.
as ist eine spannende Geschichte in der
Bibel: Nach dem Aufmarsch von Blasmusikern fallen die Stadtmauern von Jericho
um. Josua hatte einen merkwürdigen Auftrag
in Vorbereitung auf diese Aktion erhalten.
Ob er geschmunzelt hat, wissen wir nicht:
„Und lass sieben Priester sieben Posaunen
tragen vor der Lade her, und am siebenten
Tage zieht siebenmal um die Stadt, und lass
die Priester die Posaunen blasen. Und wenn
man die Posaune bläst und es lange tönt, so
soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei erheben, wenn ihr den Schall der
Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer
einfallen.“ (Jos 6,4-5a).
Die Bibel erzählt, dass es genau so gekommen ist. Ein Wunder. Manche Wissenschaftler rätseln und überlegen, bei welchem
Schalldruck Steinmauern einstürzen. Es gibt
keinen Fernsehbericht aus Jericho. Das war
beim Fall der Mauer in Berlin anders. Jugendliche können sich heute anschauen,
was Ältere damals erlebt haben: Ein Wunder.
Krenz, Gorbatschow, Kohl und alle anderen,
die politisch etwas zu sagen hatten, erscheinen wie Randfiguren einer Geschichte, in deren Mittelpunkt ein Wunder stand. Es war das
Wunder der friedlichen Wiedervereinigung
eines Volkes, das sichtbar begnadigt worden
ist. Am 9. November 1989 wurde Wirklichkeit,
was kaum einer für Deutschland noch erwartet hatte. Ohne Kriegsgeschrei änderte sich
schließlich halb Europa. Gott kann Mauern
fallen lassen – mit oder ohne Blaskapelle. Er
kann Wunder wirken. Unglaublich, und doch
wirklich, was wir erlebten!
Gesegnete Zeit, Egmond Prill
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18
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Sagen Sie es
weiter …
… was Sie auf dem Herzen haben und
lernen Sie in unseren Seminaren, wie
Sie mit Ihrer Botschaft Öffentlichkeit
und Medien erreichen.
ABC der Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Termin: 7.-8. November 2014
Ort: Wetzlar
Referentin: Astrid Jaehn,
Medienagentur zeichensetzen
Crashkurs Pressesprecher
Termin: 30. Januar 2015
Ort: Wetzlar
Referent: Egmond Prill,
Leiter der Christlichen Medienakademie
Schulungen
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Inhouse-Seminar zu Ihnen direkt
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das Unternehmen.
Bewährte Themen für Tagesseminare:
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Termin: 13.-15. Februar 2015
Ort: Bad Blankenburg
Referent: Egmond Prill,
Leiter der Christlichen Medienakademie
Christliche Medienakademie
Steinbühlstraße 3 | 35578 Wetzlar | Telefon (0 64 41) 9 15 166 | Telefax (0 64 41) 9 15 157 | www.christliche-medienakademie.de
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