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Lack und Teer: Anschlagsserie auf die Hamburger S-Bahn

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Tim Mälzers Lebensrezept Der Koch über seine Berufung, sein Burn-out und die Lust auf Neues Seite 9
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DIENSTAG, 14. OKTOBER 2014 / NR. 239 / 42. WOCHE / 67. JAHRGANG / 1,40 EURO
Junge CDU-Gruppe
fordert von Merkel
mehr Reformen
Kanzlerin soll Agenda 2020
aufstellen – wie damals Gerhard
Schröder mit der Agenda 2010
UNABHÄNGIG, ÜBERPARTEILICH
Lack und Teer: Anschlagsserie
auf die Hamburger S-Bahn
VOLKSBE FRAGUN G
Irritationen um Olympia
HA MBUR G :: Im Bewerbungsverfahren um die Olympischen Spiele will
Hamburg weiter erst dann eine Volksbefragung anberaumen, wenn sich der
Deutsche
Olympische
Sportbund
(DOSB) für die Hansestadt und gegen
Berlin entschieden hat. Ein Interview
von DOSB-Chef Hörmann hatte am
Wochenende für Irritationen gesorgt.
>> >> Seite 2 Leitartikel Seite 7 Bericht
B E R LI N
:: Das hat es in der CDU lan-
ge nicht mehr gegeben: Eine Gruppe
von rund 50 jungen CDU-Politikern aus
Bund und Ländern verlangt von Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel
einen offensiveren Reformkurs. Es
müsse eine wirtschaftsfreundliche
Agenda 2020 geben, eine Weiterführung der von SPD-Kanzler Gerhard
Schröder durchgesetzten Sozialreformen der Agenda 2010.
„Die Gretchenfrage ist, ob wir endlich mal die Kraft zu Reformen haben,
während es uns noch gut geht“, sagte
der Initiator der Gruppe „CDU 2017“,
der
Bundestagsabgeordnete
Jens
Spahn, 34. „Wir müssen uns mehr anstrengen, wenn wir wirtschaftliche Lokomotive in der EU bleiben wollen.“
Leider mache der heutige Erfolg „eher
träge als kreativ“. Zur Agenda 2020 gehörten ein Punktesystem bei der Zuwanderung, die Haushaltskonsolidierung und Investitionen in die Infrastruktur statt neuer Sozialleistungen.
Führende CDU-Politiker reagierten zurückhaltend. CDU-Bundesvize
Armin Laschet rief die Gruppe auf, Ziele
genauer zu benennen. „Ich warte noch
auf konkrete Vorschläge.“
Unter Laschets Leitung soll eine
Parteikommission über die „Zukunft
der Bürgergesellschaft“ beraten. Redner zum Auftakt war am Montag der
frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU).
>> >> Seite 2 Kommentar Seite 3 Berichte zur CDU
HE UTE GEGE N I R LA N D
Löw: „Die Spieler sind heiß“
ES S EN :: Nach der 0:2-Niederlage in
Polen hat Bundestrainer Joachim Löw
vor dem heutigen EM-Qualifikationsspiel gegen Irland (20.45 Uhr, RTL)
Wiedergutmachung angekündigt. Die
Spieler seien „heiß“. Aber auch die Iren
wollen in Gelsenkirchen auf Angriff
spielen. Deutschland sei „ein verwundetes Tier“, so der Assistenztrainer.
>> >> Seite 24 Alltag eines Weltmeisters Foto: AP
GÖR I N G-EC KA R DT
Experten versuchen im S-Bahn-Werk Ohlsdorf die Farben
zu entfernen – in vielen Fällen gelingt dies nicht oder nur
unzureichend Foto: Andreas Laible
>> >> Seite 2 Presseschau Seite 5 Berichte
Zeichnung: Noy
::
Schon als Schüler wollte Friedrich
Merz zu den Konservativen. In seiner
Heimat im Sauerland trat er in die Junge Union ein. Es war eine schnelle Karriere: Nur für wenige Jahre arbeitete
Merz als Richter im Amtsgericht Saarbrücken, dann wurde er Profi-Politiker:
Er saß im Bundesvorstand der CDU,
wurde Fraktionschef im Bundestag,
manche sahen ihn schon als Kanzlerkandidaten. Er wurde es nie.
Merz blieb ein ewiger Hoffnungsträger der CDU. In der Merkel-Partei
spielte er eine immer geringere Rolle,
die Große Koalition war ihm ein Dorn
im Auge. 2009 zog sich Merz aus der
Politik zurück.
Jetzt ist der 58-Jährige, Vater von
drei Kindern, wieder da. In einer Kommission soll er über den künftigen Kurs
der CDU mit beraten. In seiner politisch aktiven Zeit hatte er sich für eine
„deutsche Leitkultur“ eingesetzt und
forderte die Steuererklärung in Bierdeckelgröße. Vor allem dies blieb von ihm
im Gedächtnis der Berliner Republik.
Sein Stil war oft provokant, wenig anbiedernd, die Talkshows luden den Finanzexperten gerne ein.
Nach seinem Rückzug heuerte er in
der Privatwirtschaft an, als Rechtsanwalt in einer Kanzlei. Heute sitzt er in
verschiedenen Aufsichtsräten. Auch
sein Lieblingsverein ist mittlerweile ein
erfolgreiches Unternehmen. Merz berät den Fußballclub Borussia Dortmund
bei Wirtschaftsfragen. (cu/hpsj)
>> >> Seite 2 Kommentar Seite 3 Die Heimkehr
DÄNEMARK 15,00 DKR / C 3390 A
20042
4 190339 001406
Redaktion 040-347 22261
::
Die Bundespolizei hat
wegen zahlreicher massiver Farbanschläge auf Hamburger S-Bahnen Ermittlungen eingeleitet. Unbekannte Täter haben in den vergangenen Tagen
von Bahnbrücken aus flüssiges Bitumen
(teerähnlich) und Lackfarben auf vorbeifahrende Züge ausgeschüttet. Die
Reinigung der Wagen erweist sich als
äußert schwierig.
„Von der Deutschen Bahn wurden
bislang zehn betroffene S-Bahn-Züge
gemeldet“, sagte der Sprecher der Bundespolizei, Rüdiger Carstens. Die Taten
geschahen zwischen Mittwoch und
Sonnabend vergangener Woche.
Die Deutsche Bahn wollte sich zur
Zahl der beschmierten Züge nicht äußern. Das Unternehmen hat Sorgen weHAMBUR G
Der Unkorrekte
:: Die Fraktionschefin der
Grünen im Bundestag, Katrin GöringEckardt, hat einen Uno-Einsatz gegen
die Terrormiliz IS in Kobane (Syrien)
gefordert. Daran solle sich auch die
Bundeswehr beteiligen. Auch ein Einsatz von Bodentruppen sei denkbar.
BERLIN
Zusammenhang mit Tod von Oz? Täter kippen auf Brücken Farbeimer über Zügen aus. Etliche nicht mehr einsatzbereit
DENIS FE N G L E R
MENSCHLICH
GESEHEN
Grüne: Bundeswehr gegen IS
gen möglicher Nachahmungstäter.
Sprecher Egbert Meyer-Lovis bestätigte aber, dass es Vorfälle dieser Art gegeben habe. Im S-Bahn-Werk Ohlsdorf
seien Sonderschichten eingeführt und
mehr Arbeitskräfte zur Reinigung von
Zügen eingesetzt worden, um die
Schmierereien so schnell wie möglich
zu entfernen.
Allerdings kommen die Reinigungskräfte, trotz ihrer Erfahrung bei
der Entfernung von Graffiti, in diesen
Fällen an ihre Grenzen. Wie das Hamburger Abendblatt erfuhr, wurde eine
Spezialfirma aus dem Umland beauftragt, die die großflächig verschmierten
Züge von Donnerstag an in einem speziellen Trockeneis-Reinigungsverfahren säubern soll.
Die Bundespolizei ermittelt wegen
Sachbeschädigung. Im Blick haben die
Ermittler dabei vor allem die Strecken
der Linie S 1 zwischen Altona und Blankenese sowie der S 21, die nach Bergedorf führt. Auf Brücken entlang dieser
beiden Bahnstrecken sollen die Täter
teils mit vollen Zehnlitereimern, teils
mit Farbbeuteln, auf die Bahnen gewartet haben.
Vermutet wird, dass die Unbekannten aus der Graffiti-Szene stammen.
Auffällig ist, dass die Anschläge nach
dem Unfalltod des Hamburger Sprayers
Oz, mit bürgerlichem Namen Walter
Josef F., Ende September begannen.
Auch Graffiti-Schmierereien häuften
sich nach seinem tragischen Tod – der
64-Jährige war in Hammerbrook von
einer S-Bahn angefahren worden. Tausendfach wurde seitdem sein Zeichen,
in der Szene „Tag“ genannt, an Züge und
Bahnhofswände gesprayt.
Von den 163 Triebzügen, die die SBahn im Einsatz hat, sind derzeit fast
ein Drittel, genau 53, stark beschmiert.
Ein Triebzug besteht aus drei nicht
trennbaren Waggons. Nach Bedarf können mehrere Triebzüge zu einem längeren Zug zusammengekoppelt werden.
Sieben Züge sind so massiv verschmutzt, unter anderem auch aufgrund der neuen Bitumen- und Lackfarben-Attacken, dass sie vollständig aus
dem Verkehr gezogen werden mussten.
Sie warten auf einem Abstellgleis nahe
dem Bahnhof Barmbek auf ihre Reinigung.
Bahn-Sprecher Meyer-Lovis sagte,
dass es trotz der Vorfälle keine Einschränkungen im Bahnverkehr gebe.
„Der Betrieb geht vor“, sagt er, auch
wenn dies bedeute, dass beschmierte
Triebwagen weiter im Dienst seien.
A XE L SC HN E I D E R
Der Mann der vielen Bühnen
HA MBUR G ::
Spieglein, Spieglein an
der Wand, wer hat die meisten Theater
an der Hand? Im Altonaer Theater erlebt Intendant Axel Schneider gerade
seine 20. Spielzeit – und leitet noch drei
weitere Hamburger Bühnen.
>> >> Seite 13 Schneider-Interview Foto: Magunia
PR E M I E R E I N HA M BU RG
Reinigen ohne Chemie
Mieterverein rechnet mit
Hamburger FDP-Chef verlässt
hohen Heizkosten-Rückzahlungen die Partei – und rechnet ab
HA MBUR G ::
Als erster Textilreinigungsunternehmer in Hamburg setzt
Innungs-Obermeister Lars Reuter aus
Heimfeld auf biologisch abbaubares
Flüssigsilikon. Es ersetzt das aggressive
Perchlorethylen.
>> >> Seite 22 „Viele Kollegen waren schon hier ...“
HAMBUR G ::
Nach den Preissteigerungen bei den Heizkosten in den vergangenen Jahren können Hamburgs
Verbraucher nun aufatmen: Wegen des
milden Winters wird Heizen in diesem
Jahr billiger. „Bei gleichbleibenden und
sogar sinkenden Energiepreisen sowie
milden Temperaturen kann mit hohen
Rückerstattungen der geleisteten Heizkostenvorschüsse gerechnet werden“,
HA MBUR G ::
Die Hamburger FDP
kommt nicht zur Ruhe. Jetzt tritt auch
der amtierende Vorsitzende Dieter
Lohberger von seinem Amt zurück und
aus der Partei aus. Gegenüber dem
Abendblatt begründete Lohberger seinen Schritt mit mangelnder innerparteilicher Demokratie. Alles werde von
einem kleinen Zirkel um Fraktionschefin Katja Suding bestimmt, sagte
sagte gestern Siegmund Chychla, stellvertretender Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Das gelte für fast
alle privaten Haushalte, egal ob sie mit
Gas, Fernwärme oder Öl heizten. Allerdings liegt der Energieverbrauch in
Hamburg fünf Prozent über dem Bundesdurchschnitt. (mk)
>> >> Seite 19 Milder Winter entlastet Haushalte
Lohberger. So habe Suding dafür gesorgt, dass auf die Landesliste zur Bürgerschaftswahl nur ihr genehme Kandidaten gekommen seien. Dafür habe sie
eine „Liste des Vertrauens“ durchgedrückt. Zuletzt waren bereits andere
führende FDP-Politiker ausgetreten,
darunter Parteichefin Sylvia Canel.
>> >> Seite 8 Die Vorwürfe gegen Suding
SUC HE N AC H URSAC HEN
Was hilft gegen Stottern?
BERLIN ::
800.000 Menschen in
Deutschland stottern dauerhaft – und
viele leiden unter Ängsten und wenig
Selbstbewusstsein. Trotz weltweiter
Forschung gibt es kein Allheilmittel.
Derzeit werden Teletherapien erprobt.
>> >> Seite 17 Einen Königsweg gibt es nicht
W E TTE R
52 Tote – der Rest ist Schweiger
Eine Erscheinung
Wer zählt die Leichen, nennt die Mörder? Der „Tatort“ mit Ulrich Tukur setzte einen neuen Rekord. Den kann nur noch einer brechen
VOLKER BE H R E N S
:: Leichen pflasterten seinen Weg.
Kommissar Murot (Ulrich Tukur) war
in „Tatort: Im Schmerz geboren“ nicht
zimperlich in Sachen Fangschuss. Die
Zuschauer kamen mit dem Zählen
kaum hinterher. Je nachdem, welche
Quelle man befragt, sollen 47, 51 oder 52
Darsteller das Filmzeitliche gesegnet
haben. Wird Til Schweiger das auf sich
sitzen lassen? Als Hamburger Ermittler
nietete er in „Kopfgeld“ 19 Leute um:
„Tatort“-Rekord – bis gestern. Los
komm, Til, 33 gehen noch rein, das wäre
doch ein spielgerechtes Unentschieden.
Anzeigen 040-35 10 11
Eigentlich stammt diese Taktik der
Erbsen... äh, Leichenzählerei ja als zynische Strategie aus dem Vietnamkrieg.
Beim „body count“ ging US-Verteidigungsminister Robert McNamara von
der Annahme aus: Je mehr getötete
Gegner, desto größer der eigene Erfolg.
Aber der Schuss ging sozusagen nach
hinten los. Es kam zu maßlosen Übertreibungen bei den Zahlen und zu negativen Presseberichten, weil auch zivile
Opfer unter den Toten waren.
Aber zurück in die Medien. Das TVPublikum störte sich nicht an dem
Mattscheibengemetzel, im Gegenteil.
9,3 Millionen Zuschauer sind ein sehr
ordentliches Ergebnis. Offenbar hatten
sie Lust auf Abwechslung von Münsteraner Thiel/Boerne-Geplänkel oder
Ludwigshafener Odenthal-Frauenpower. Aber wo soll das hinführen? Zu
Überstunden für den „Tatortreiniger“?
Zweifellos gibt es
perfekte Morde.
Sonst wüsste man
ja von ihnen.
Alfred Hitchcock
Abo-Service: 040-33 39 40 11
Originell ist das organisierte Frühableben nicht, das Portal mediabiz.de
spuckte nach einer Suchzeit von 0,155
Sekunden schon 500 Filmtitel aus, die
ein Wort aus der Familie „Tod“ schon im
Titel tragen. Aber der unkonventionelle
„Tatort“ von Florian Schwarz nach dem
Drehbuch von Michael Proehl bürstete
Krimikonventionen endlich mal wieder
gegen den Strich. Mit seinen Zitaten
von und Anspielungen auf Shakespeare,
Truffaut, Tarantino und von Trier polarisierte er zwar das Publikum, aber das
ist für ein betagtes Format aus dem Jahr
1970 ja nicht schlecht. Dafür kann man
schon mal ein paar Opfer bringen.
Erst teils zäher Hochnebel,
dann kommt doch noch die
Sonne heraus. Bis 18 Grad.
Das ausführliche Wetter auf
>> >> Seite 25
Meinung, Karikatur, Leserbriefe
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