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Zürcher Hochschule der Künste
Zürcher Fachhochschule
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Title
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Title
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Title
02
Inhaltsübersicht / Editorial
Zett 1–14
HO CHS CHULE
DA RSTELLEN DE K ÜNSTE UN D FILM
04
Austausch und Wohnlichkeit
Sechs Studierendenporträts. Andrea Zeller
32
07
«Wir haben uns viel vorgenommen»
Interview mit Rektor Thomas D. Meier.
Caroline Süess
Song of the Goat Theatre – der Gesang der Ziegen
Schauspielstudierende über ihre Studienreise nach
Wrozlaw. Judith Hunger
34
«Vielseitige Tänzerpersönlichkeiten haben Erfolg»
Samuel Wuersten über den neuen Bachelor
Contemporary Dance. Hartmut Wickert und
Judith Hunger
09
Strategie ZHdK 2014–2018: die Ziele im Überblick
Eine Zusammenfassung von Heike Pohl
11
Ihre Meinung ist uns wichtig!
Betrachtungen zum Schlagwort «Partizipation».
Tobi Müller
12
Ode an die alten Orte
Mitarbeitende verabschieden sich von ihren liebgewonnenen Arbeitsorten
14
Grünräume rund ums Toni-Areal
Lukas Handschin erzählt von den schönsten Orten
in Zürich-West
36
23
«In Bezug auf die Kunst ist man ständig ein
Anfänger»
Janine Schiller spricht mit Dieter Mersch über Ästhetik
und Wissen
Die Künste als ideale Verbündete der Kulturanalyse
Ein Interview zum 10-jährigen Bestehen des Institute
for Cultural Studies in the Arts. Julia Wolf
37
Die dritte Dimension in der Musikwiedergabe
Das Forschungsprojekt «3D Audio». David Bollinger,
Lars Dölle und Simon Könz
38
Der musikpädagogische Alltag existiert nicht
Ein Gespräch mit Schulmusik-I-Studierenden.
Ruth Frischknecht
40
Vom Weggehen und Ankommen
Johannes Degen geht in Pension, Ranko Markovic
kommt an die ZHdK. Michael Eidenbenz und
Daniela Huser
KUNST & M EDIEN
41
DES I GN
25
26
27
29
Klappe und Action! Oder: Was ist Industrial
Design?
Industrial Designers drehen auch gute Filme.
Cyril Kennel
Über den kreativen Umgang mit der Kasinomentalität
Studierende entwickeln Infografiken zur Finanzkrise.
Karin Seiler
Unvertraute Ressourcen fördern Experimentiergeist
Workshop «Resourcing Design» des Masters Design.
Karin Zindel
Z Club: On Money, Space, Post-Industrialization
and . . .
Die ZHdK an der Architekturbiennale in Venedig.
Stephan Trüby
LKW und Packteam aus: Hans-Rudolf Lutz, Die Hieroglyphen von Heute,
Verlag Hans-Rudolf Lutz, 1990; altes Toni-Logo, Hafenkran und
This-Side-Up aus dem freien Bildermeer (RBE & TMS)
Experimentelle Kunst im Archiv
Das Archiv von Serge und Doris Stauffer wurde
erschlossen. Gina De Micheli, Michael Hiltbrunner
und Andrea Portmann
M US EUM
20
Das Enfant terrible unter den Typografen
Wolfgang Weingart im Museum für Gestaltung.
Barbara Junod und Vanessa Gendre
44
Unterirdisch – Das Spektakel des Unsichtbaren
Ausstellung zu Bauwerken unter dem Boden.
Andres Janser
LEUTE
46
Who is Who – Der Studiengang Master Art Education
stellt sich vor. Eva Brüllmann
49
Hochschulversammlung
50
Neu an der ZHdK
KURZ M ELDUNGEN
51
53
58
58
59
Der Toniumzug
Wir ziehen zusammen!
Das Toni-Areal
als kollektiver Kick
Liebe Leserin, lieber Leser
Endlich ist es so weit: Von Mai bis August zügelt die ZHdK
ins Toni-Areal. Mitte September startet das erste Studienjahr
auf dem neuen Campus an der Pfingstweidstrasse in ZürichWest. Rund 5000 Studierende und Mitarbeitende der beiden
Hochschulen ZHdK und ZHAW werden dort täglich einund ausgehen; dies entspricht etwa der Bevölkerung einer
Gemeinde wie Greifensee, Oberrieden oder Zumikon.
M US IK
KULTURANALYS EN UND VERMI TTLUNG
17
Die Bühne als Labor
Über den Forschungsschwerpunkt Performative Praxis.
Jens Badura
Zett 1–14
Auszeichnungen
Veranstaltungen und Vermischtes
Publikationen
Impressum
Carte blanche
Die ZHdK bezeichnet sich seit ihrer Gründung im Jahr 2007
als eine der grössten Kunsthochschulen Europas. Im Zürcher Stadtbild konnte sie bisher jedoch nie als Ganzes in Erscheinung treten, da sie auf 37 Standorte verstreut war. Erst
durch die Konzentration im Toni-Areal bekommt die ZHdK
eine ihren Dimensionen entsprechende Sichtbarkeit. Dank
des neuen Hauptgebäudes gewinnt sie auch an Ausstrahlung.
Der Tages-Anzeiger nannte das Toni-Areal gar das «dritte
Bildungsmonument» neben ETH und Universität Zürich.
Wie wird die materialisierte Fusion der ZHdK die Entwicklung der Ausbildungen in den Künsten, im Design und in deren
Vermittlung beeinflussen? Die britische Hirnforscherin Baroness Susan Greenfield untersucht, wie sich unsere Umgebung
auf Gehirn, Kreativität und Denken auswirkt. In einem Interview zum neuen Novartis Campus in Basel sagt sie dazu: «The
environment has a huge impact on the development of the
brain, and on how we think. [. . . ] Changing the environment
can be extremely powerful on how many brain cells are formed, on the connections between brain cells, and the patterns
that they make. [...] – If you want people to see things in a
different way, if you want them to understand things from a
different perspective, then the environment, and getting the
environment right, is hugely important.»
In diesem Sinn wünsche ich uns allen, dass das Toni-Areal
eine Umgebung sein wird, die unser Denken in überraschende
Bahnen lenkt und uns neue Perspektiven auf die Inhalte von
Lehre, Forschung und Weiterentwicklung der Hochschule
eröffnet. Und ich schliesse mich Ruedi Widmers Wunsch auf
Seite 47 an: Möge das Toni-Areal der ZHdK «einen kollektiven
Kick» geben!
Heike Pohl,
Leiterin Hochschulkommunikation
03
Ralph Durrer, Einsiedeln, wohnt in
Zürich. Departement Musik, Master
Musikpädagogik, Vertiefung
Schulmusik (Abschluss Primarlehrer).
musikalische Mitarbeit
in einem Rhythmik-Abschlussprojekt;
Konzerte solo und mit diversen
Bands als Gitarrist/Sänger. Freud
und Leid im Studium. Freud: spannendes,
abwechslungsreiches Studium; familiäre
Stimmung; humorvolle Mitstudierende
und Dozierende. Leid: ständig voller
Terminkalender, dadurch bleibt wenig
Zeit für einen selbst. Drei Wünsche an
die gute Fee: beste Gesundheit; einen
erfolgreichen Abschluss; nochmals drei
Wünsche. Zum Toni-Areal: inspirierende
Stimmung; optimal eingerichtete und
freie Übungsräume; gutes Essen und
guten Kaffee; spannenden Austausch
unter Studierenden; gemeinsame,
interdisziplinäre Projekte; eine gute Fee.
Aktuelle Projekte:
Austausch
und Wohnlichkeit
Schon bevor das Toni-Areal
bezogen ist, möchten die ZHdKStudierenden dort nicht nur die
Tage, sondern auch die Nächte
verbringen. Am liebsten mit viel
Austausch und Interdisziplinarität, gemütlichen Ecken und
gutem Essen. Andrea Zeller*,
Fotos: Regula Bearth
Olga Alvarez, Russland und Costa Johannes Bachmann, Deutschland,
Rica, wohnt in Zürich. Departement wohnt in Meilen, Departement Dar-
Kunst & Medien, Bachelor Medi- stellende Künste und Film, Baen & Kunst, Vertiefung Theorie chelor Film. Aktuelle Projekte: Postpro-
(Abschluss Kunstgeschichte). Aktuelle Projekte: noch kein konkretes Vorhaben; geniesse es immer noch, in den Unterricht
zu gehen und einen allgemeinen Blick auf
die Dinge entwickeln zu können. Freud und
Leid im Studium. Freud: die Unterstützung
der Dozenten, die immer bemüht sind,
zu helfen, und nützliche Ratschläge zu
Projekten geben. Leid: fehlender Austausch mit den anderen Departementen;
unser Departement ist ziemlich isoliert.
Drei Wünsche an die gute Fee: eine grössere
Bibliothek im Stil der Zentralbibliothek;
bequeme und gemütliche Leseräume;
eine bessere Kaffeemaschine. Zum ToniAreal: Ich hoffe auf mehr Einblick in die
verschiedenen Bereiche der ZHdK.
duktion der Kurzfilmkomödie «Zimmer
ohne Aussicht (AT)», bei der ich Regie
geführt habe; im März Peachum in der
«Dreigroschenoper» in der Pasinger Fabrik in München spielen. Freud und Leid im
Studium. Freud: Filme nicht nur zu schauen,
sondern auch studieren zu dürfen; nacheinander in alle interessanten Positionen
am Set schlüpfen zu dürfen; diese Leidenschaft mit geilen Leuten zu teilen.
Leid: noch nicht die zündende Idee für
einen genialen Kurzfilm zu haben; nicht
zu wissen, was nach all dem Studieren
ist. Aber das klappt schon irgendwie . . .
Drei Wünsche an die gute Fee: eine geniale
Kurzfilmgeschichte; mehr Zeit im Alltag; noch mal drei Wünsche. Zum Toni-Areal:
die Erlaubnis und Platz für unsere Sofaecke, den Kühlschrank, die Mikrowelle
und noch ein paar Matratzen erhalten;
24-Stunden-Zutritt; dass wir mit den Materialwagen direkt aus der AV-Ausleihe
über eine Rampe in den Technikbus für
die Filmdrehs fahren können.
Yumi Jacqueline Ito, Basel, wohnt in
Zürich. Departement Musik, Bachelor Musik, Instrument/Gesang,
Jazz. Aktuelle Projekte: Yumi Ito Quintett/
Quartett; Japantournee und CD-Aufnahmen in den Hardstudios Zürich mit
der ETH Big Band; Duo mit Silvan Jeger; steady Gig mit Gastmusikern im Café
Schober. Freud und Leid im Studium. Freud: dass
unsere Schule wie eine kleine Familie ist;
Dozenten, die mich zum Hinterfragen
und Reflektieren der eigenen Arbeit anregen; mein Bachelor-Projekt; dass Pop
und Jazz unter einem Dach vereint sind;
Wochenenden im Mehrspur; Wednesday
Jam Sessions. Leid: der Theorieblock mit
wenig Zeit für Praxis in den ersten zwei
Bachelor-Jahren; Unterricht um 9 Uhr
morgens. Drei Wünsche an die gute Fee: Master-Studium in New York; Welttournee;
den Lebensunterhalt mit meiner Musik
verdienen. Zum Toni-Areal: veganes Essen
in der Kantine und Selecta-Automaten
mit gesunden Snacks; eine Bar mit 24
Stunden Livemusik; viele Übungsräume.
06
Zett 1–14/ Hochschule
Hochschule / Zett 1–14
Benjamin Jagdmann, Deutschland,
wohnt in Zürich. Departement Kul-
turanalysen und Vermittlung,
Master Transdisziplinarität (Abschluss
Architekt). Aktuelle Projekte: Master-Arbeit
zur Relation zwischen Raum, Bewegung
und Architektur; eine multidisziplinäre
Performance in einem Research-Format;
einen Spielplatz gestalten. Freud und Leid
im Studium. Freud: zwischen ganz verschiedenen Disziplinen und Orten springen
zu können; viel Neugierde mitbringen zu
dürfen; die Möglichkeit, eine Zeit lang in
einem anderen Teil von Europa zu leben;
ein sehr buntes und internationales Umfeld. Leid: arg viele Mails, Dropbox-Inhalte
und Intranetzugänge; ein Studiengang,
der noch keinen richtigen Ort bieten
kann. Drei Wünsche an die gute Fee: wochenlang auf einem Frachtschiff auf dem Meer
zu sein und dabei andere Kontinente zu
entdecken; freie Fahrt mit den SBB; ein
Baumhaus. Zum Toni-Areal: Ich wünsche mir
an diesem Ort all das, was noch verborgen
scheint: ganz viele Menschen, die sich auf
dem Areal die Räume aneignen und sie
mit dem Improvisierten füllen, das heute
die Räume der ZHdK ausmacht.
«Wir haben
uns viel
vorgenommen»
Seit Kurzem liegt die Strategie der ZHdK für die
nächsten vier Jahre vor (siehe auch Artikel
Seite 9). Sie hält fest, wohin sich die Hochschule
bis 2018 entwickeln will. Rektor Thomas D. Meier
gibt Auskunft, was sich damit für Studierende,
Lehrende und Forschende ändert und wo er die
grössten Herausforderungen sieht.
Caroline Süess*
Leonie Haab, Zürich, wohnt in Zürich.
Departement Design, Bachelor
Design, Vertiefung Scientific Visualization. Aktuelle Projekte: melodramatischer Selbstfindungsprozess in der
Bachelor-Arbeit und der verzweifelte
Versuch, mir in dieser Zeit alles andere vom Hals zu halten. Freud und Leid im
Studium. Freud: der ASVZ; eine Klasse voller Freunde; die Bibliotheken. Leid: keine Zeit für den ASVZ; zu viel Broccoli,
Würfel und Sparschäler abzeichnen zu
müssen. Drei Wünsche an die gute Fee: nasse
Küsse der Muse mit viel Zunge auf Abruf und mal wieder Zeit für ein Bier. Den
dritten Wunsch darf sie behalten, ich bin
glücklich. Zum Toni-Areal: Begegnungszonen für echte Interdisziplinarität; einen
Garten auf dem Dach; 24/7-Betrieb. Und
ich wünschte, dass ich es auch noch erlebt hätte.
* Andrea Zeller ist Projektleiterin Hochschulkommunikation (andrea.zeller@zhdk.ch).
Anna Tuena (links, Schlagzeug) und Anna Gschwend (Gesang) präsentierten am Hochschultag im März unter anderem ihr mit dem ZHdK-Förderpreis ausgezeichnetes Bachelor-Projekt «AnnA. Vom Gegensatz zum Einklang». Foto: Johannes Dietschi
Caroline Süess: Was ist das Beste an der Strategie?
Thomas D. Meier: Das Beste an der Strategie ist ihr hoher Konkretisierungsgrad, die enge Verbindung von Analyse, Zielen
und Massnahmen. Wir zeigen damit an, dass wir mit dieser
Strategie tatsächlich etwas bewegen und erreichen wollen.
Was gab während des Strategieprozesses am meisten zu
reden?
In einer Expertenorganisation – und als Hochschule sind wir
das – ist die Frage der Mitwirkung in allen Prozessen bedeutsam. Sie gab denn auch bei der Strategieentwicklung viel zu
reden. Die Hochschulleitung hat sich immer wieder die Frage
gestellt, welche Personen bei welchen Fragen wann und wie
einzubinden wären. Die Strategie sollte durch den Einbezug
zusätzlicher Expertisen überprüft und verbessert werden.
Zudem wollten wir durch den Einbezug weiterer Kreise eine
gute Abstützung bei der Umsetzung vorbereiten. Es ging also
einerseits um fachlichen Input und Dialog und andererseits
um frühzeitige Kommunikation. Aktiv involviert haben wir
die Dossiers mit ihren Kommissionen, die Führungsverantwortlichen aus Lehre und Forschung sowie die Hochschulversammlung. Breit zur Diskussion gestellt haben wir die Ziele
der Strategie mit einem Strategieblog der Hochschulleitungsmitglieder, der für alle Mitarbeitenden der ZHdK zugänglich
war. Inhaltlich am meisten zu reden gab das Kapitel Internationalisierung. Die Globalisierung, von der die Künste und
das Design in besonderem Mass betroffen sind, wird auch an
der ZHdK kontrovers verhandelt. Viele Angehörige unserer
07
08
Zett 1–14/ Hochschule
Hochschule erkennen in diesem Prozess neue Möglichkeiten,
andere wiederum sehen eher die kritischen Aspekte und die
Gefahren.
In welchen Punkten stellt die Strategie die Hochschulleitung
derzeit vor die grössten Herausforderungen?
Wir haben uns viel vorgenommen. Die Umsetzung der Strategie ist eine grosse Herausforderung, nicht nur für die Hochschulleitung, sondern für die ZHdK insgesamt und damit
für alle Menschen, die sie ausmachen. Viele der geplanten
Massnahmen werden zudem neue Anforderungen an unsere
Organisation stellen. Der organisatorische und administrative
Vollzug der 2007 eingeleiteten Fusion ist noch nicht bis in alle
departementalen Verästelungen hinaus abgeschlossen. Ich bin
überzeugt, dass uns der Bezug des Toni-Areals helfen wird,
diesen Prozess abzuschliessen.
Ist es wichtig, dass die Studierenden die Inhalte der Strategie
kennen?
Unsere Studierenden sind für eine beschränkte Zeit bei uns.
Trotzdem ist es wichtig, dass sie das Selbstverständnis ihrer
Hochschule kennen und verstehen, wohin sie sich bewegt.
Wir hätten vergeblich gearbeitet, wenn die Umsetzung der
Strategie spurlos an den Studierenden vorbeigehen würde.
Sie ist ja insbesondere auch für die weitere Entwicklung von
Lehre und Forschung entwickelt worden. Das soll durchaus
positive Auswirkungen auf die Studierenden haben.
Welche Verbesserungen sind in der Lehre zu erwarten?
Die Lehre an der ZHdK ist von einem hohen Qualitätsbewusstsein geprägt. Dieses wollen wir bewahren. Die Einführung
einer flächendeckenden Unterrichtsevaluation wird verstärkt
Transparenz schaffen und aufzeigen, wo wir allenfalls noch
besser werden können. Die Lehre soll zudem Taktgeberin sein
für die anderen Leistungsbereiche. An ihr soll sich auch die
Forschung vermehrt ausrichten. Ziel bleibt die Einheit von
Lehre und Forschung. Erst dann erhält die Lehre jene Forschungsorientierung, die sie braucht, um sich zielgerichtet
weiterzuentwickeln. Gleichzeitig haben wir uns vorgenommen, ein systematisches Monitoring der für uns relevanten
Berufsfelder aufzubauen. Je besser wir diese Felder kennen,
desto effektiver können wir die Lehre auf aktuelle Entwicklungen ausrichten. Und schliesslich sind weitere Massnahmen
geplant, um unsere Curricula durchlässiger und beweglicher
zu machen. Die Studierenden sollen künftig leichter auf das
breite Angebot der ZHdK zurückgreifen und davon profitieren
können.
Sieht die Strategie neue Wege zu einer starken Forschung an
der ZHdK vor?
Die erwähnte Einheit von Lehre und Forschung bedingt, dass
Lehrende forschen und Forschende lehren. Die Forschung an
unserer Hochschule ist nach wie vor relativ jung. In der Aufbauphase ging es um eine Verständigung über Fragestellungen,
Methoden, Publikationsformen, Darstellungsformate und den
Aufbau von Forschungskompetenzen. Das führte zu einer teilweise autonomen Entwicklung der Forschung. Heute sind wir
in der Lage, Forschung und Lehre verstärkt aufeinander zu
beziehen, und zwar sowohl inhaltlich als auch personell. Die
Einrichtung von Forschungsdeputaten soll forschungsstarken
Hochschule / Zett 1–14
Lehrenden forschende Tätigkeiten ermöglichen. Dafür ist eine
Grundfinanzierung bereitzustellen. Gleichzeitig führen wir
den Aufbau von Forschungskompetenzen fort und investieren
in die Nachwuchsförderung. Der Ausbau der Doktoratsprogramme, die wir im Verbund mit internationalen Kunsthochschulen führen, ist ein Instrument dafür. Mittelfristig wird es
darum gehen, in den Künsten und im Design ein eigenständiges Promotionsrecht zu erlangen. In beiden Bereichen, bei
der Grundfinanzierung wie beim Promotionsrecht, sind wir
in hohem Mass auf die Politik des Bundes angewiesen. Das
heisst, dass wir unsere Ziele auch auf politischen Wegen verfolgen müssen.
Zum gesetzlichen Leistungsauftrag der ZHdK gehört die
Weiterbildung. Sie muss selbsttragend sein. Warum nennt die
Strategie hier kaum quantitative Ziele?
Der hohe Grad der Eigenfinanzierung verlangt nach einem
sorgfältigen Aufbau. Eingehende Marktanalysen im Hinblick
auf Inhalte und Formate sind zentral. Für diese Prozesse wollen wir uns ausreichend Zeit nehmen. Gleichzeitig sind wir
überzeugt davon, unser Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft zu haben.
Der diesjährige Hochschultag war dem strategischen Thema
Internationales gewidmet. Wie waren die Reaktionen?
Die Reaktionen, vor allem aus Politik und Verwaltung, waren
insgesamt gut. Man hat offenbar verstanden, warum das Thema für uns so wichtig ist.**
Der neue Campus Toni-Areal ist fest in der Strategie verankert. Was bedeutet das für die nächsten Monate?
Das Toni-Areal wird uns gegen innen näher zusammenführen und gegen aussen an Ausstrahlung gewinnen lassen. Die
Hauptanstrengung liegt in den nächsten Monaten beim Bezug und bei der Aneignung des riesigen Gebäudes. Die grosse
Aufmerksamkeit, die das Toni-Areal von Beginn weg wecken
wird, wollen wir nutzen, um daraus einen Kulturort für Zürich
mit nationaler und internationaler Ausstrahlung zu machen.
* Caroline Süess ist Projektleiterin Hochschulkommunikation
(caroline.sueess@zhdk.ch).
** Auf www.zhdk.ch/hochschultag2014 sind die Inhalte des Hochschultags
verfügbar. Zudem bespricht der Observer-in-Residence Tobi Müller den Hochschultag in seinem Blog auf blog.zhdk.ch/observer.
Weiterbildung
Strategie ZHdK
2014–2018:
die Ziele im
Überblick
Im Jahr 2013 hat die Hochschulleitung unter
Einbezug der Angehörigen und der Gremien der
ZHdK eine neue Strategie erarbeitet. Dabei
wurden strategische Ziele und Massnahmen für
die Bereiche Lehre, Forschung, Weiterbildung,
Internationales, Campus Toni-Areal und für die
Organisation der ZHdK formuliert. Im Dezember
genehmigte der Fachhochschulrat diese Strategie. Ihre wichtigsten Zielsetzungen werden hier
zusammengefasst dargestellt. Heike Pohl*
Gemäss ihrem Leitbild stellt die ZHdK ihre Arbeit in den
Kontext kultureller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher
Verantwortung. Gleichzeitig ist sie sich ihrer Rolle als grösste
Kunsthochschule der Schweiz und als eine der massgeblichen
Kunsthochschulen Europas bewusst. Sie stellt sich dabei in
den Dienst ihrer Studierenden, der Tätigkeitsfelder, für die
sie ausbildet und forscht, sowie ihrer Träger, in deren Auftrag
sie arbeitet.
Lehre
Die Lehre an der ZHdK orientiert sich an den Ansprüchen
möglicher Tätigkeitsfelder und befähigt ihre Studierenden,
diese später zu prägen. Sie ist dabei beweglich und offen angelegt und erlaubt schnelle Reaktionen auf Veränderungen
des dynamischen Umfelds. Die Qualität der Lehre ist in den
künstlerisch-gestalterischen Ausbildungsbereichen dem Gebot der Exzellenz verpflichtet. Entsprechend der zentralen
Bedeutung der Lehre an der ZHdK werden andere strategische
Felder in enger Verknüpfung mit ihr entwickelt.
Forschung
Die ZHdK gehört in der Forschung zu den führenden Kunsthochschulen und ist attraktiv für hervorragende Forschende.
Ihre künstlerische und wissenschaftliche Forschung trägt zu
den Diskursen der internationalen Forschungsgemeinschaft
bei, befördert die Entwicklung ihrer Disziplinen und ist mit
ihren Ergebnissen für Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft
relevant. Der Austausch zwischen Forschung und Lehre ist
grundlegend, um eine forschungsorientierte Lehre sicherzustellen. Zur Qualifikation ihrer Mitarbeitenden betreibt die
ZHdK einen zielgerichteten Kompetenzaufbau, auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung von Doktoratsprogrammen.
Die Weiterbildungsangebote der ZHdK ziehen ein nationales
und internationales Fachpublikum an. Sie orientieren sich
an der Nachfrage, am aktuellen Stand des Wissens sowie an
den Kompetenzen und Qualitätsstandards von Lehre und Forschung.
Internationales
Die Arbeitsfelder der Künste und des Designs sind international. Darauf richtet die ZHdK Lehre und Forschung aus.
Internationalisierung versteht sie als Austausch. Sie pflegt
ausgewählte internationale Partnerschaften und engagiert
sich in internationalen Netzwerken. Die Dozierenden und
Mitarbeitenden beteiligen sich an den entsprechenden Aktivitäten der Hochschule und verstehen Mobilität als integralen
Bestandteil von Studium und Arbeit.
Campus Toni-Areal
Das Toni-Areal ist ein attraktiver Treffpunkt für die Kultur-,
Kunst- und Designszene, dessen Ausstrahlung weit über Zürich hinausreicht. Die kulturellen Produktionen der ZHdK
sind dafür verantwortlich, dass sich der Campus zum beliebten
Veranstaltungsort entwickelt, an dem die offene und experimentierfreudige Kultur der ZHdK auch für die Öffentlichkeit
erlebbar wird.
Organisation
Die ZHdK verbessert ihre organisatorischen Rahmenbedingungen durch die weitere Standardisierung von administrativen Prozessen. Es wird ein hochschulübergreifendes
Verständnis entwickelt für die partnerschaftliche Zusammenarbeit und die Entwicklung von Dienstleistungen, die
angemessen auf die Erfordernisse der Hochschule reagieren.
* Heike Pohl ist Leiterin Hochschulkommunikation (heike.pohl@zhdk.ch).
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Ihre
Meinung
ist uns
wichtig!
Partizipation ist das Zauberwort der Stunde: in der
Politik, aber auch in den Künsten. Doch die Rede
von der Teilhabe hat ihre Tücken. Tobi Müller*
Bitte ausfüllen, posten, kommentieren, denn Ihre Meinung ist
uns wichtig: Im digitalen Alltag werden wir pausenlos zum
Mitmachen aufgefordert. Der direkte Kontakt schafft Identifikation mit dem Produkt. Personalisierte Werbung in den
sozialen Netzwerken zeigt aber auch, dass unsere Spuren im
Netz zu Geld gemacht werden. Wir tippen und klicken, jemand
anders verdient. Spätestens seit den Skandalen der geheimdienstlichen Totalüberwachung und seit den Datenschutzdebatten über kommerzielle Anbieter wissen alle, dass Begriffe
wie Vernetzung, Kommunikation und Teilhabe vergiftet sein
können. Seien Sie der Erste, der das kommentiert …
In der Politik und auch in der Kultur heisst dieser Mitmachzwang Partizipation. Es geht um die Wählerinnen und Wähler,
die zur Urne gelockt werden wollen. Das ist das traditionelle
Modell. Oder um Versuche der sogenannten Liquid Democracy, wie sie etwa die Piraten vorschlagen: Man wählt nicht
Personen für eine Legislaturperiode, sondern Experten für
bestimmte Problemlösungen. Dass man damit auch dem Lobbyismus die Tür öffnet, blenden die Piraten aus.
Geburt eines Begriffs aus dem Geist der Krise
Um die Karriere des Partizipationsbegriffes zu verstehen,
muss man fragen: Was löste den Boom überhaupt aus? Die
kurze Antwort: Eine Krise, in der Politik wie in der Kultur.
In der Politik spricht man von einer Krise der repräsentativen Demokratie, wenn Wahlbeteiligungen sinken und die
Parteien folglich die Interessen von immer kleineren Teilen
des Stimmvolkes wahrnehmen müssen, von der wachsenden
Bevölkerung ohne Schweizer Pass einmal ganz abgesehen.
In der Kultur, besonders in öffentlich geförderten Institutionen, entsteht allmählich ein Bewusstsein für die soziale
Homogenität des Publikums (weiss und reich). In England
ist man in dieser Hinsicht weiter als etwa in der Schweiz, wo
man die demografischen Verschiebungen meistens ignoriert.
In Deutschland steckt man mittendrin in diesen Diskussionen,
man spricht darüber, dass in den Grossstädten mehr als die
Hälfte der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache sprechen.
Und welche Folgen das für die Kunst haben könnte.
Auseinandersetzung oder Kundenakquise?
Es gibt handfeste Gründe für eine Kulturinstitution, sich
über neue Formen der Partizipation Gedanken zu machen.
Partizipation heisst allzu oft und ökonomisch verdreht: neue
Kundenschichten ansprechen. Also rein in die migrantisch
geprägten Stadtteile und migrantische Geschichten erzählen,
mit echten Migrantinnen und Migranten. Rein in die Schulen
und Schulprobleme erzählen. Das ist eine Logik der Werbung:
Die Leute dort abholen, wo sie sind. Kunst sollte aber immer
wieder heissen: Die Leute dort abholen, wo sie noch nie waren.
Oder sie dort hinführen. Wenn wir immer nur die Geschichten
erzählen, die das jeweilige Publikum abbilden, muss irgendwann jeder selbst sein Stück schreiben und auch gleich spielen.
Für und vor sich selbst.
Die wichtigste Frage, die partizipatorische Kunst beantworten
muss, wäre aber: Welchen Status hat die eingebundene Zuschauerin, ist sie Ko-Autorin, lässt man die Differenz bestehen
oder versucht man sie einzuebnen, oder bleibt der «fremde»
Zuschauer Kulisse?
Symptom mangelnder Visionen
Partizipation in der Politik ist noch problematischer. Der deutsche, in England lehrende Ingolfur Blühdorn spricht von einer
«Simulativen Demokratie» (Suhrkamp, 2013). Blühdorn sagt,
die Politik habe «immer weniger Handlungsfreiheit und vor
allem immer weniger Spielraum, um bottom-up den Willen
der Bürger zu repräsentieren». Griechenland, Irland, Italien,
Spanien: Wurde da jemand gefragt, bevor man drakonische
Sparprogramme durchgesetzt hat? Je mehr die Politik auf
Märkte und Ratingagenturen hört, desto mehr spricht sie von
Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung, wie es scheint.
Von der simulativen Demokratie ist es nur ein kleiner Schritt
zur simulativen Kultur. Auf wen hören Intendanten und Direktoren? In der Regel sind auch sie von der Politik abhängig, von
der sie eingesetzt werden. Und hier kommt die Partizipation
wieder ins Spiel: Partizipatorische Projekte an Institutionen
festigen den politischen Rückhalt. Am Ende wird allerdings
entscheidend sein, wer in diesen Institutionen arbeitet und sie
inhaltlich lenkt. Wenn die Theater und Museen innen anders
aussehen, werden jene partizipatorischen Projekte von selbst
wieder abflauen, die immer ein Stück weit äusserlich bleiben.
* Der Kulturjournalist Tobi Müller ist im Studienjahr 2013/2014 als Observerin-Residence für Z+ an der ZHdK tätig (tobi.mueller@zhdk.ch). Seine Beobachtungen sind einsehbar und kommentierbar unter blog.zhdk.ch/observer.
Im Frühlingssemester begleitet Tobi Müller auch das Projekt «Mitmachen, aber
subito! Partizipation in den Künsten zwischen Beteiligung und Befehl».
www.zhdk.ch/observer-in-residence
11
12
Zett 1–14/ Hochschule
Hochschule/ Zett 1–14
Was mir am Sihlquai 125 gefiel . . . Der direkte Blick auf den
Oberen Letten und das Schindlergut, in allen Jahreszeiten
eine Augenweide von meinem Bürotisch aus; das Mikroklima
im Hinterhof, wo man bei Sonnenschein bereits im Frühling
hemdsärmlig draussen sitzen kann und sich bei aufkommenden Gewittern kleine Windhosen bilden. Durch unsere
drei Standorte Sihlquai, Pfingstweidstrasse und Kunsthof gehörten die Wege zwischen diesen Orten zu meinen Arbeitsumständen: manchmal ärgerlicherweise, wenn ich etwas am anderen Ort vergessen hatte, manchmal willkommenerweise,
wenn ich auf dem Weg vom einen zum anderen Ort wieder
einen klaren Kopf kriegen konnte.
Die räumliche Nähe zu den Studierenden war für mich während all der Jahre prägend in meiner Arbeit; die Möglichkeit,
unkompliziert und direkt mit ihnen zusammenzuarbeiten,
ohne lange Wege beschreiten zu müssen. Das war eine Qualität, die ich auch am neuen Ort wieder aufbauen möchte.
Nicole Kind, Co-Leiterin Vertiefung Industrial Design, Dept. Design
Dieses klassisch-moderne Gebäude – mir war wohl im heute
denkmalgeschützten Haus der Architekten Adolf Steger und
Karl Egender mit seiner funktionalen und ästhetischen Qualität. Was nicht heisst, dass ich nicht neugierig wäre auf die
zeitgeistige Architektur von EM2N! Aber ich verlasse diesen
beeindruckenden Ort doch mit einem Quäntchen Bedauern.
Ode
an die alten
Orte
Diesen Sommer zieht die ZHdK ins Toni-Areal.
Für die Mitarbeitenden bedeutet das nicht nur,
Umzugskisten zu packen und sich neues Terrain
anzueignen, sondern auch Abschied zu nehmen
von den bisherigen Arbeitsorten. Die «Zett»Redaktion rief deshalb zu ein paar Abschiedsworten an die «alten Orte» auf.
Elisabeth Krüsi, Assistentin Departementsleitung Design
Verena Schmid, Leiterin Hochschuladministration, Services
Ich werde meine Baumhütte nie vergessen – ein Blick in die
jahrhundertealten Platanen hat so manche Aufregung beruhigt!
Judith Scheiber, Mitarbeiterin Informationstechnologie-Zentrum ITZ, Services
Der vorauseilende Kniefall vor der Zürcher Feuerpolizei erstickte die Korridore, die als kommunikative Kraftorte geplant
waren, zu trostlosen, leeren halbdunklen Nichtorten. Dagegen
verströmen die Korridore der Kaserne Losone, die ähnliche
Proportionen aufweisen, eine menschlichere Atmosphäre.
Was ich im Toni-Areal vermissen werde: Fenster aufmachen
zu können, um Frischluft nach Belieben zu tanken, und dies
ohne zusätzlichen Lärmpegel. Das Rauschen der Blätter der
Riesenbäume in Griffnähe und das Kreischen der Krähen über
dem Rasen.
Rudolf Barmettler, Dozent Typografie/Typedesign, Leiter CAS Schriftgestaltung/
Typografie, Dept. Design
Tössertobelstrasse 1,
Winterthur
Erschreckend viele, aber eben wunderbare Stunden habe ich
hier verbracht. Zuerst studierend fast rund um die Uhr, dann
als Assistent, Forscher und Dozent nicht minder engagiert.
In Erinnerung bleiben werden mir die inspirierenden Begegnungen in den langen Gängen an der Ausstellungsstrasse. So,
wie damals mit einer Austauschstudentin. Ob unser Sohn deswegen jeweils so begeistert ruft: «Gömmer hüt a d ZHdK?»
Stefano Vannotti, Dozent, Dept. Design
Am meisten fehlen wird mir die Letten-Badi, mit der ich viele
erholsame, erfrischende und kameradschaftliche Erinnerungen verknüpfe. Für mich – und ganz sicher auch für viele
andere – ist das hier ein Lieblingsort, den wir sehr vermissen
werden im Toni!
Ausstellungsstrasse 60, Zürich
Sommerfest unter den mächtigen Bäumen, kühlender Schatten auf den orangen Ikea Chairs vor dem Museum, der Blick
auf Vrenelisgärtli und Tödi von der Dachterrasse aus, das
Flattern der Stoffstoren im Wind, Menschen im Gegenlicht
auf den langen Gängen, Goldfische im Teich, mein täglicher
Arbeitsweg mit dem Velo durch die Kreise 4 und 5, hupende
Autos während der «Euro», Fischreiher und das erfrischende
Bad über Mittag im Fluss, das Sachliche, Klare, Moderne des
Egender-Baus.
Christian Fürholz, Unterrichtsassistent, Vertiefung Bildende Kunst,
Dept. Kunst & Medien
Mathias Schmid, stellvertretender Leiter Informationstechnologie-Zentrum ITZ,
Services
Hier mein Lieblingsort am Standort Winterthur: die Villa
Rychenberg mit ihrem schönen Park. Eine Oase, die ich vermissen werde.
Simone Erasmi, Mitarbeiterin Betriebsbüro und Sekretariat Standort Winterthur,
Dept. Musik
Florhofgasse 6, Zürich
Sihlquai 125 /131, Zürich
Aussicht–Sicht nach aussen–Licht–Himmel–Bäume–
Wetter–Farben: Das alles werde ich vermissen.
Im Hinterhof ein Feigenbaum
Der Fuchs, er kommt die Feigen klaun
Chahna Gottet, Administrative Assistentin, Dept. Design
Eine tägliche «Promenade architecturale»: Von der S-Bahn
über den Carparkplatz zum Park mit den Platanen, vorbei am
Brunnen mit dem Schwan zum Eingang B des Hauptgebäudes.
Die Treppe hoch, über die verglasten Zwischenpodeste, die
mir Stock um Stock den Flussraum eröffnen. Dann durch den
Schultrakt zur Westseite, wo wieder ein spektakulärer Blick
hinaus Quartier und Gebäude verzahnt. Durch den Bibliotheksgang mit den feinen Oberlichtern die Freitreppe runter
ins Vestibül: ein Blick wie in einen botanischen Garten. Hie
und da ein Gruss, ein Gespräch, sogar Networking. Schon
vor über 25 Jahren, als ich meine Arbeit hier begann, faszinierte mich die Komposition dieses Gebäudes von Steger und
Egender aus den frühen 30er-Jahren. Es ist eine durchlässig
konzipierte Architektur, die Bewegung und Begegnung geradezu zu beabsichtigen scheint.
Christina Reble, Leiterin Publikationen, Museum für Gestaltung
Daniela Huser, Kommunikation, Dept. Musik
Freiestrasse 56, Zürich
Riikka Tauriainen, Unterrichtsassistentin,
Vertiefung Bildende Kunst, Dept. Kunst & Medien
Goldregen und Sonnensterne,
Lichtpunkte kosen durchs Fenster Papier,
Trommeln rumoren im Wandgedärme,
Stimmen und Klänge aus jeder Tür . . .
Leise ist das Knarren der alten Böden geworden,
leise am Tor zur Erinnerung,
leise die Klinke, der Wind in den Ritzen,
Schritte vor dem Fenster, so leise,
was in Jahren lieb gewonnen.
Leb wohl, altes Haus . . .
Gabriela Krull, Assistentin Bachelor Musik und Bewegung, Mitarbeiterin
Sekretariat Master Music Pedagogy, Dept. Musik
13
14
Zett 1–14/ Hochschule
Grünräume
rund ums
Toni-Areal
Wo kann man in Zürich-West den Kopf auslüften und vom Studienalltag abschalten? Grün
Stadt Zürich hat im März mit dem Bau des
Pfingstweidparks gleich neben dem Toni-Areal
begonnen, er soll im Sommer 2015 eröffnet
werden. Viele weitere Möglichkeiten zeigt ein
Streifzug durchs Quartier. Lukas Handschin*,
Fotos: Grün Stadt Zürich
Das Band des Gleisbogens, des vielleicht ungewöhnlichsten –
andere würden sagen: gewöhnungsbedürftigsten –, schmalsten und längsten Parks der Stadt, führt vom Bahnhof Hardbrücke der Pfingstweid entlang über die markante Passerelle
bis zur Hardturmstrasse und zum Escher-Wyss-Platz. Das
ehemalige Industriegleis ist nicht nur ein wichtiger Zubringer
zum Toni-Areal. Wer auf dem roten Betonband joggen geht,
begegnet dort öfter Mauereidechsen, die sich zwischen den
Steinen des alten Bahnschotters angesiedelt haben und sich
an der Sonne aufwärmen.
Von der Hardturmstrasse an der Buchhandlung Sphères vorbei
ist es nur ein Katzensprung über den Ampèresteg zum Wipkingerpark. Treppenstufen laden zum Sitzen ein, während
die Limmat an einem vorbeirauscht und die heiss gelaufenen
Füsse kühlt. Die Freifläche neben dem Gemeinschaftszentrum
Wipkingen hiess zunächst Kattunpark, um an die Baumwolldruckerei zu erinnern, eine von insgesamt neun im damaligen
Dorf Wipkingen. Die Textilindustrie war im 19. Jahrhundert
der wichtigste Industriezweig in Zürich. Doch nachdem sich
Vertreterinnen und Vertreter des Quartiers geschlossen gegen
die Bezeichnung gewehrt hatten, wurde der Kattunpark 2004
von der Strassenbenennungskommission in Wipkingerpark
umgetauft.
Wer es etwas urbaner und belebter mag, ist mit dem Turbinenplatz gut bedient. Auf Liegebänken zwischen Schatten spendenden Birken und auf den Stufen hinunter zu den Feuchtbiotopen kann man entspannt sein Picknick zu sich nehmen.
Go West!
Folgt man der Förrlibuckstrasse Richtung Westen, stösst man
auf den Stadiongarten auf dem Areal des abgewrackten Hardturmstadions, wo allerlei Gemüse angepflanzt und donnerstags
Pizza im selbstgebauten Holzofen gebacken wird. Bis hier
oder andernorts in der Stadt vielleicht einmal eine neue Fussballarena entstehen wird, dürfte noch viel Wasser die Limmat
hinunterfliessen. In der Zwischenzeit bildet das Areal eine
idyllische Oase im Niemandsland, in der Besucherinnen und
Besucher jederzeit willkommen sind.
Badeorte und Erlebnissteg
Nach dem Stadiongarten hat man die Wahl. Entweder man
nimmt den Hardeggsteg, der zur Fabrik am Wasser führt:
Die Umgebung der ehemaligen Seidenstoffweberei Höngg,
die Heiligabend 1992 einem Grossbrand zum Opfer fiel,
wurde 2007 von Grün Stadt Zürich neu gestaltet. Dort, wo
einst der Industriekanal in die Limmat mündete, wurde die
Bild Seite 14: Die Passerelle
gehört als Teil des Gleisbogens zum
längsten Park Zürichs.
Oben: Jagdrevier von Wasserfledermäusen: die Limmatauen.
Links: Idyllische Oase im
Niemandsland: der Stadiongarten.
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Kulturanalysen und Vermittlung/ Zett 1–14
«In Bezug auf
die Kunst
ist man ständig
ein Anfänger»
Dieter Mersch ist ein Grenzgänger. Der Philosoph
und Mathematiker, der seit Kurzem das Institut
für Theorie (ith) leitet, entwickelt sein Denken
zwischen Abstraktem und Konkretem. Mit
Janine Schiller* spricht er darüber, warum Wissen
nichts wäre ohne Ästhetik und wie er sich für die
Qualifikation des Nachwuchses einsetzen möchte.
Turbinenplatz
Uferböschung abgetragen und man gelangt direkt zum Fluss.
Ein idealer Badeeinstieg! Im ehemaligen Turbinenhaus aus
dem Jahr 1874 findet sich ein Bistro mit schöner Gartenterrasse.
Oder man spaziert den Fischerweg hinunter bis zur Werdinsel, wo sich auf den Kiesbänken an der Südspitze im Sommer Nudistinnen und Nudisten tummeln, und weiter zu
den Limmatauen Werdhölzli. Auf der Höhe der Kläranlage
führt ein Erlebnissteg durch den Auenwald, der stark von
wiederkehrenden Überschwemmungen und einem hohen
An der Limmat im Wipkingerpark.
Grundwasserspiegel geprägt ist. Ein Fuchs gräbt seinen Bau
zwischen den Erlen und Eschen, Eisvögel und Reiher spähen nach Fischen im Hauserkanal und bei Anbruch der Dämmerung fallen scharenweise Wasserfledermäuse ein, die sich
von ihren Schlafplätzen im Hönggerbergwald den Bombach
hinunter zur Insektenjagd über der Limmat aufmachen.
Hier hört die Stadt auf. Es ist Zeit, die Limmat auf dem Fussgängersteg zu überqueren und auf dem Kloster-Fahr-Weg die
Heimkehr anzutreten. Flussaufwärts bei der Europabrücke
lohnt es sich allerdings, einen Abstecher hinauf zur Kirche
Höngg unter die Füsse zu nehmen. Die Treppen des Chillesteigs führen durch den städtischen Rebberg, der jährlich
einen Ertrag von rund 15 000 Flaschen Wein abwirft. Oben
angelangt, geniesst man einen herrlichen Blick auf die Abendsonne, die langsam über dem Limmattal untergeht.
* Lukas Handschin ist Kommunikationsbeauftragter von Grün Stadt Zürich
(lukas.handschin@zuerich.ch).
www.stadt-zuerich.ch/gsz
Pfingstweid-Eröffnung 2015
In einem Jahr wird der Park Pfingstweid der Zürcher Bevölkerung zur Nutzung
übergeben werden. Eine gute Gelegenheit, um auszuprobieren, was sich im
jüngsten Park der Stadt in Pantoffeldistanz zur ZHdK alles anstellen lässt:
Konzerte, ein Open-Air-Kino, Flashmobs, eine Papierflieger-Flugshow oder ein
nächtliches Feuerspektakel? Grün Stadt Zürich ist auch für aussergewöhnliche
Ideen offen. Kontakt: lukas.handschin@zuerich.ch
Dieter Mersch, Leiter des Instituts für Theorie. Foto: Regula Bearth
Janine Schiller: Wie bringen Sie das mathematisch-analytische oder diskursive Denken Ihres universitären Werdegangs
mit dem ästhetischen Denken, dem Wahrnehmungsdenken
überein?
Dieter Mersch: Es gab immer die beiden Seiten, einerseits das
Interesse für Kunst, andererseits das analytische Denken, die
Philosophie. Wobei nicht einfach zu entscheiden ist, ob die
Philosophie der Kunst näher steht oder der Mathematik! Ich
sehe mich irgendwie dazwischen. Tatsächlich habe ich immer
diesen Spagat zwischen einem sehr abstrakten Denken und
dem konkreten Umgang mit Farben, Materialien, Gestalten,
Formen und so weiter vollzogen. Als ich in Köln Mathematik
studierte, habe ich nebenbei gemalt. Ich hatte Verbindungen
mit Künstlern sowohl aus der Musik als auch aus Literatur und
Malerei und stiess etwa auf die Gruppe Mülheimer Freiheit.
Meine eigene Malerei fand ich allerdings im Vergleich dazu
hoffnungslos anachronistisch. Gleichzeitig stellten sich mir
immer wieder dieselben Fragen: Was ist das? Warum sieht das
so aus? Kann man das überhaupt noch als Kunst bezeichnen?
Von Anfang an hat mich zudem immer die Philosophie begleitet, die sozusagen mein Bedürfnis nach einem existenziellen
Verstehen befriedigt – und die dann ausschlaggebend für die
Begriffsarbeit wurde. Allerdings bestehen zwischen der Welt
der Kunst und der Welt der Philosophie, wie sie an Universitäten betrieben wird, grosse Differenzen. Das philosophische
Denken orientiert sich stark an Theorietraditionen, während
17
18
Zett 1–14/ Kulturanalysen und Vermittlung
die Kunst gewissermassen immer wieder neu anfängt. In Bezug auf die Kunst, auch auf ihre Deutung, ist man eben immer
wieder ein Anfänger.
Als das ith vor bald 15 Jahren gegründet wurde, musste argumentiert werden, dass eine Kunsthochschule Theoriebildung
zum Erkenntnisgewinn betreiben müsse. Das ith fokussiert
heute auf eine allgemeine Theorie des Ästhetischen, die Ästhetik sowohl als eine Erkenntnisweise als auch als eine Wissenspraxis begreift. Braucht es dazu noch eine Legitimation?
Nein, die Ästhetik gehört zum Bereich der Grundlagenforschung, die ihren Ort an Kunsthochschulen besitzt. Ich spreche insbesondere von «Epistemologien des Ästhetischen».
Der Titel umgreift die Tatsache, dass den Künsten eine eigene
Art zu denken innewohnt, dass sie eine spezifische Kultur der
Reflexion und des reflexiven Wissens ausgebildet haben, die
sich von den Wissenschaften radikal unterscheidet. Es wäre
nun ein Widerspruch, wenn man den diskursiv orientierten
Universitäten die Behandlung solcher nicht diskursiven Formen des Denkens überliesse. Ich würde sogar noch weiter
gehen: Diese besondere Form eines ästhetischen oder künstlerischen Wissens, von der ich spreche, ist meines Erachtens ein
unverzichtbarer Teil aller kulturellen Wissensordnungen – ja
man kann sogar sagen, dass zum Beispiel das wissenschaftliche Wissen nichts wäre ohne eine gleichzeitige ästhetische
Grundierung.
Was können Sie zu den geplanten Projekten und zur Positionierung des Instituts sagen?
Der Titel «Epistemologien des Ästhetischen» steht programmatisch für etwas, was ich in den nächsten Jahren konturieren
möchte am ith. Ich möchte den Schwerpunkt auf das legen,
was Jörg Huber angefangen hat und was die an der ZHdK
überall virulente Frage nach den Grundlagen «ästhetischen»
oder «künstlerischen Forschens», dem «practice-based research», berührt. Es gibt da eine Reihe von Säulen, die das
Ganze tragfähig machen sollen. Da ist zum einen die Frage
nach der Entwicklung künstlerischer PhDs nach internationalem Vorbild auch für die Schweiz. Ein zweiter Schwerpunkt
liegt natürlich auf den Forschungsprojekten. Ich werde das
Hauptgewicht darauf legen, grössere kooperative Gemeinschaftsprojekte zu entwickeln und nicht nur Einzelprojekte,
die es natürlich auch weiterhin geben wird. Die dritte Säule
betrifft die Richtung der Theoriebildung selbst. Sie geht über
Fragen eines genuinen Erkenntnischarakters der Künste insofern hinaus, als es ebenfalls um das Verhältnis zwischen Kunst
und Politik, Kunst und Kritik, Kunst und Medien oder Kunst
und Technik gehen muss. Hinzu kommt das flexible Reagieren
auf aktuelle Themen, was voraussetzt, dass man sehr schnell
das aufgreifen muss, was gerade diskutiert wird – und hierfür ist die Organisation von Vortragsreihen oder Workshops,
begleitet von kleinen, schnellen Publikationen, das geeignete
Format. Das bildet sozusagen die vierte Säule der künftigen
Arbeit am Institut.
Eng mit dem Auftrag der Forschung verknüpft ist die Aufgabe,
künstlerischem und wissenschaftlichem Nachwuchs Qualifikationsmöglichkeiten zu bieten. Welche Wege und Notwendigkeiten sind in dieser Hinsicht angebracht?
Die Kunsthochschulen haben den Auftrag, Künstlerinnen und
Künstler, Gestalter im weitesten Sinne auszubilden. Darunter
gibt es immer auch solche, die sich stärker in eine diskursivreflexive Arbeit einbinden wollen. Deswegen muss es Programme geben, die den Nachwuchs direkt fördern. Ich finde
es nach wie vor skandalös, dass es keine solchen Programme,
insbesondere kein PhD-Programm, innerhalb der Schweiz
gibt. Was ich mir auf die Fahne geschrieben habe, ist neben den
vielen produktiven Kooperationen, die es mit ausländischen
Hochschulen gibt, den sogenannten dritten Zyklus auch für
die Schweiz anzugehen.
Mit der Leitung des ith haben Sie die Aufgabe übernommen,
ein Konzept für ZHdK-weite Lehrangebote zu entwickeln.
Können Sie uns dazu schon mehr verraten?
Zusammen mit Ruedi Widmer aus dem Dossier Lehre habe ich
Konturen eines solchen Programms entworfen – es muss noch
verabschiedet, finanziert und getestet werden. Ich könnte
mir vorstellen, dass die übergreifende Lehre wie ein Nukleus
wirkt, ein Kern, der eine eigene Energie erzeugt. Das Schwierige dieser Formate ist allerdings, dass man versucht, etwas zu
lehren, was man gar nicht lehren kann: Kreativität. Man kann
Kreativität nicht programmieren.
Was braucht es für Kreativität?
Erst mal einen Raum, nicht einen physischen Raum, sondern
einen Freiraum. Kreativität braucht sehr viel Input, und zwar
sehr heterogene Inputs, Inputs, die gerade nicht zweckrational
organisiert sind, die Ideen verbreiten, die inspirativ sind und
die gewissermassen den Blick von der Seite erproben.
Ist mit dem Toni-Areal dieser inspirierende Raum gegeben?
Zunächst muss ich sagen, dass ich mich sehr freue auf diesen
Umzug, das ist eine sehr grosse Chance für die ZHdK, weil
man endlich den Zustand der Streuung überwinden kann. Ich
begrüsse von meiner Arbeitsweise her extrem, dass man unter
einem Dach ist und vieles gemeinsam entwickeln kann. Die
Vereinigung der Künste ist ja immer schon eine Utopie gewesen, ob man das durch ein Haus realisieren kann, ist natürlich
eine sehr offene Frage. Hinzu kommt, dass das Toni-Areal wie
eine Maschine wirkt. Ich würde nicht wagen, hier irgendeine
Prognose zu stellen, ich bin jedoch zuversichtlich, dass die
Vorteile überwiegen werden.
Sie sind seit Oktober in der Schweiz, sind Sie gut gestartet?
Ja, ich fühle mich ausserordentlich wohl in der Schweiz. Die
Menschen erlebe ich als sehr zuvorkommend. Interessant ist,
dass das Soziale hier eine andere Logik besitzt als in Deutschland – übrigens eine, die weniger konkurrent ist und mehr auf
Verbindlichkeit setzt. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, ich
bin hierhergekommen und habe alle Freiheit der Welt, etwas
daraus zu machen. Und für diese Chance bin ich sehr dankbar.
* Janine Schiller ist Dozentin in der Vertiefung publizieren & vermitteln im
Master Art Education, Dept. Kulturanalysen und Vermittlung
( janine.schiller@zhdk.ch).
Prof. Dr. Dieter Mersch ist Leiter des Instituts für Theorie, Dept. Kulturanalysen und Vermittlung, und seit März Vorsitzender der Forschungskonferenz der
ZHdK (dieter.mersch@zhdk.ch).
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badesaison.ch
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das ZHdK–Fest
Samstag
25. Oktober 2014
17–02 Uhr
Zürcher Hochschule der Künste
Toni–Areal, Pfingstweidstr. 96
8005 Zürich
20
Zett 1–14/ Museum
Das
Enfant terrible
unter den
Typografen
Wolfgang Weingart hat der Grafiksammlung
einen grossen Teil seines Archivs geschenkt.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts des
Schweizerischen Nationalfonds SNF wurde
die Donation aufgearbeitet. Die Ausstellung «Weingart Typografie» zeigt nun das
Werk des Typografen. Barbara Junod und
Vanessa Gendre*
/ Zett 1–14
Das Museum für Gestaltung widmet Weingarts Lebenswerk
die erste umfassende Ausstellung in der Schweiz. Sie präsentiert seine eigenen neben ausgewählten Arbeiten seiner Studierenden und zeigt nicht nur die Ergebnisse, sondern auch
die Entwurfsprozesse. Da kommen analoge wie frühe digitale
Techniken zum Einsatz. Die Exponate stammen allesamt aus
den eigenen Sammlungsbeständen des Museums, denn der
Gestalter hat dem Museum 2011 einen grossen Teil seines privaten Archivs geschenkt. Die Donation wurde elektronisch
erfasst und im Rahmen eines Forschungsprojekts des SNF
wissenschaftlich untersucht.
Vanessa Gendre: Das «Experiment Buch» entstand während
Ihrer Schriftsetzerlehre in Stuttgart. Mit welcher Technik
haben Sie hier gearbeitet und was war Ihre Intention?
Wolfgang Weingart: Mich interessierte es, die Grenzen der
traditionellen Arbeitsinstrumente auszuloten. Ich wollte das
schlafende Material der Setzerei wecken, mit grossen Holzbuchstaben und -formen arbeiten und die Materialstruktur
sichtbar machen. Den Holzkreis habe ich mit Säure behandelt
und die weichen Holzfasern anschliessend mit einer Bürste
abgetragen, wodurch im Druck die Struktur sichtbar wurde.
Mich begeistern Buchstaben, die dynamisch sind, ausdrucksstarke Konturen, klare Formen und lineare Umrisse haben.
längerungen ohne Zwischenräume möglich. Und heute kann
jeder mit einer bestimmten Tastenkombination Verzerrungen
am Computer machen. Auch hier ging es mir darum, mit dem
vorhandenen Material aus der Werkstatt etwas Neues zu kreieren. Die Wörter «Moon Rufen» sind eine reine Spielerei und
Ausdruck meiner Experimentierfreudigkeit.
Für das Plakat des Walker Art Center haben Sie Ihre spezielle
Technik der Lithofilm-Collage angewandt. Warum haben Sie
nicht mehr mit Bleisatz gearbeitet?
Ich habe immer gemacht, was ich wollte, und mich von keiner
Berufsregel einschränken lassen. Weder wollte ich alles im
rechten Winkel setzen noch mich auf den Bleisatz beschränken. Die Motivation, stets etwas Neues auszuprobieren, hat
mich dazu geführt, mit Lithofilm zu arbeiten. Das war in den
frühen 1970er-Jahren.
Ihr Umschlag für die amerikanische Zeitschrift «Visible Language» löste einige Reaktionen aus. Es kam sogar zu Abonnementskündigungen. Wie haben Sie darauf reagiert?
Das hat mir nichts ausgemacht, ich habe darüber gelacht und
mich amüsiert. Anlass zu Diskussionen gab vor allem die kindlich dargestellte Sonne. Dabei passte sie doch gut. Es handelte
sich bei der Zeitschrift nämlich um eine Sommerausgabe.
* Barbara Junod ist Kuratorin der Grafiksammlung und der Ausstellung
(barbara.junod@zhdk.ch). Vanessa Gendre ist Mitarbeiterin der Grafiksammlung und kuratorische Assistentin der Ausstellung (vanessa.gendre@zhdk.ch).
Oben: Wolfgang Weingart, The 20th Century Poster, Ausstellungsplakat Walker
Art Center, 1984, Offset (Fotocollage).
Unten: Wolfgang Weingart, Visible Language, Buchumschlag, 1974, Offset.
Alle Bilder: Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung,
Foto: Umberto Romito
Weingart gilt als Enfant terrible der modernen Schweizer Typografie. Schon Mitte der 1960er-Jahre verstösst er gegen ihre
etablierten Regeln: Er befreit die Buchstaben aus dem Korsett
des rechten Winkels, sperrt, unterstreicht oder manipuliert
sie und ordnet das Satzbild neu. In den 1970er-Jahren beginnt
er, Rasterfilme zu Collagen zu montieren, und nimmt damit
das digitale Sampling der postmodernen New Wave vorweg.
Weingarts Werk ist eng mit seiner Lehrtätigkeit an der Schule
für Gestaltung Basel verbunden. Dort unterrichtet er ab 1968
Typografie an der Weiterbildungsklasse für Grafik. Er prägt
mehrere Generationen von Gestaltenden, die aus der ganzen
Welt kommen und zu seiner internationalen Bekanntheit beitragen.
Diese Arbeit widerspiegelt meine Freude am Handwerk und
meine Begeisterung für die Technik des Druckens. Als Lehrling nutzte ich jede freie Minute, um in der Werkstatt für mich
zu experimentieren. Ich suchte innerhalb meines Berufs nach
neuen Techniken und Anwendungsmöglichkeiten.
«Moon Rufen» ist eine rein typografische Arbeit, deren lautmalerische Umsetzung beeindruckt. Wie sind Sie hier vorgegangen?
Die lang gezogenen Lettern habe ich durch das Aneinanderreihen von vorgefundenen Buchstaben gebildet. Es ist unmöglich,
eine nahtlose Verlängerung zu erzielen. Ich habe diese Zwischenräume als grafische Elemente integriert und damit auf
die Besonderheit der Technik des Setzens hingewiesen. Mit
dem Fotosatz, den ich ja nie verwendet habe, sind solche Ver-
Bild Seite 20: Wolfgang Weingart, Experiment Buch, Doppelseite, 1962,
Holzdruck.
Oben: Wolfgang Weingart, Das Kotzenbuch, Doppelseite «Moon Rufen»,
1970–1972, Buchdruck, Handsatz.
Ausstellung «Weingart Typografie», 7. Mai bis 28. September 2014
Museum für Gestaltung Zürich, Galerie, Ausstellungsstrasse 60, Zürich
Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr
Vermittlungsprogramm: www.museum-gestaltung.ch
Forschungsprojekt «Wolfgang Weingart – Typografie im Kontext. Untersuchungen zu Tradition, Medienumbrüchen und Innovation im Werk
von Wolfgang Weingart 1961–2004». Leading House: ZHdK, Institute for
Cultural Studies in the Arts (ICS). Kooperationspartner: Museum für
Gestaltung Zürich, Weingart-Archiv Basel.
21
Kulturanalysen und Vermittlung/ Zett 1–14
Diplomausstellung
31. Mai bis 12. Juni 2014
täglich 12 – 20 Uhr, Eintritt frei
—
Vernissage 30. Mai, 17 Uhr
Vortragssaal, Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich
—
—
Design
Bachelor / Master Design
Die Künste
als ideale
Verbündete der
Kulturanalyse
Das Institute for Cultural Studies in the Arts
(ICS) feiert sein 10-jähriges Bestehen. Mit den
Künsten zu denken, ist eine Aufgabe, die
wechselseitige Übertragungen von einem Feld
ins andere berücksichtigen muss. Den Beteiligten ist es dabei wichtig, stets von situiertem
Wissen auszugehen. Sigrid Schade und Sigrid
Adorf im Interview mit Julia Wolf *
Ausstellungsstrasse 60
—
Kunst & Medien
Bachelor Medien & Kunst
Sihlquai 125 + 131, Ausstellungsstrasse 60
—
Art Education
Bachelor Vermittlung von Kunst und Design
Herostrasse 5
Master Art Education
Limmatstrasse 44
—
Transdisziplinarität
Master Transdisziplinarität
Limmatstrasse 44
—
—
Alle Diplomveranstaltungen unter www.zhdk.ch/agenda
Julia Wolf: Der Ansatz einer Kulturanalyse «in the Arts» beinhaltet eine Breite an Gegenstandsfeldern. Worin begründet
sich dieses transdisziplinäre Selbstverständnis?
Sigrid Schade: Der Forschungsschwerpunkt des ICS wurde als
«Kulturanalyse in den Künsten» definiert. Dieser war somit
von vornherein transdisziplinär. Ich fand es spannend, dies im
Umfeld einer Kunsthochschule mit so vielfältigen Studienangeboten umzusetzen. Trans- und gegebenenfalls kontradisziplinäre Forschung lassen sich nicht additiv, sondern sinnvoll
nur durch übergreifende Themenfelder organisieren, zu denen
unterschiedliche disziplinäre Konzepte und Theoriebildungen
beitragen, sich ihre jeweiligen Grenzen aufzeigen, erhellen
und kommentieren können.
Welche theoretischen und thematischen Felder werden dabei
zentral behandelt?
Sigrid Adorf: Wir haben drei Forschungsfelder definiert:
«Politics of Display» (Inszenierungspraktiken), «Politics of
Site» (Verortungen) und «Politics of Transfer and Translation» (Übersetzung und Übertragung). Uns interessiert, wie in
einem spezifischen kulturellen beziehungsweise gesellschaftlichen Feld Bedeutungen hergestellt werden, die gesellschaftliche Prozesse mit regulieren. Der Begriff «Politics» steht in
Bezug zu Theoriebildungen von Michel Foucault. In seinen
Konzepten werden gesellschaftliche Praktiken, Ideologien,
Subjektivitäten und Macht verschränkt – als sich jeweils gegenseitig bedingend – gedacht.
Sigrid Schade: Das Konzept schlägt vor, implizite und explizite
Machteffekte in Gestaltungsprozessen in allen Feldern der
Gesellschaft aufzugreifen und diese in Bezug auf Form, Wahrnehmung und kulturelle, ökonomische und soziale Bedeutung
an zeithistorischen Schnittstellen zu untersuchen.
In Deinem Aufsatz in der Publikation «Is it now?» schreibst
Du: «Über Zeit zu sprechen, ist nicht anders möglich, als
in der Zeit zu sprechen.» Könntest Du das Konzept von
Zeitgenossenschaft(en) näher erläutern?
Sigrid Schade: Einerseits kann man dem gar nicht entgehen,
Zeitgenossin oder Zeitgenosse einer bestimmten Zeit, Gesellschaft usw. zu sein. Andererseits muss man in eine Reflexion
über das In-der-Zeit-Sprechen eintreten, um so etwas wie eine
ethnologische Perspektive auf sich selbst und die eigene Zeit
zu werfen, die Automatismen dieses In-der-Zeit-Seins kritisch
zu befragen und damit eventuell durchbrechen zu können.
Sigrid Adorf: Dies spricht generell auch mein Interesse an
Kunst als einer Form von Kulturanalyse an. Künstlerische
Praktiken haben die Möglichkeit, in einer jeweiligen Zeit Räume und Erfahrungssituationen für solche Erkenntnismomente
zu schaffen. Wichtig ist für uns eine reflexive Distanz, die
sich nicht anmasst, über den Dingen zu schweben, sondern –
ausgehend vom Verständnis, dass Wissen immer situiert ist –
versucht, mittendrin für Abstand zu sorgen.
Sigrid Schade: Diese Art von Reflexion über Zeitgenossenschaft
lässt sich auch in den künstlerischen Produktionen nachweisen, die uns interessieren. «Kulturanalyse in den Künsten» ist
auch mehrdeutig zu verstehen. Die Formulierung bezeichnet
ein wissenschaftliche Einzeldisziplinen überschreitendes kulturanalytisches Verfahren, das unter anderem an Beispielen
künstlerischer Produktionen seine Thesen entfaltet; zugleich
ist der Hinweis enthalten, dass ein solches Verfahren auch in
reflektierten künstlerischen Arbeiten selbst im Gang ist.
Welche abgeschlossenen Forschungsprojekte verdienen aus
Eurer Sicht besondere Erwähnung in Bezug auf das Profil des
ICS?
Sigrid Schade: Das ICS soll wie andere Institute auch Forschung zu einem grossen Teil aus externen Fördermitteln
generieren. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) fördert
jedoch Projekte, keine Institutsprofile. Das heisst, nicht immer
sind bewilligte Projekte so dicht an unserem Profil, wie wir
uns das wünschen und wie wir es auf der Leitungsebene entwickeln können (siehe Sigrid Adorfs Dissertation «Operation
Video» und mein Projekt zur kanadischen Künstlerin Vera
Frenkel). Es gab eine Reihe von vom SNF geförderten Projekten, die transdisziplinäre Konzeptionen der Künste thematisiert haben, zum Beispiel Corinna Caduffs Förderprofessur
zum «Verhältnis der Künste» sowie Nachfolgeprojekte von
Sabine Gebhardt Fink und Steffen A. Schmidt im Bereich der
Synergien zwischen Kunst-, Tanz- und Musikforschung auf
kulturwissenschaftlicher Grundlage.
Sigrid Adorf: Oder das von Irène Hediger zusammen mit Jill
Scott geleitete Artists-in-Labs Program – ein Stipendienprogramm, das es Künstlerinnen und Künstlern über einen längeren Zeitraum ermöglicht, Projekte in Kooperation und im
Austausch mit natur- und technikwissenschaftlichen Laboren
durchzuführen. Die Grenzziehung zwischen Kunst und Wissenschaft wird hier als eine historisch, kulturell und institutionell hergestellte betrachtet, die der konkreten Überprüfung
durch Übersetzungen und auch in Reibung zueinander bedarf.
23
24
Zett 1–14/ Kulturanalysen und Vermittlung
Sigrid Schade: Wir hatten auch eine Reihe von SNF-Projekten
zur thematisch strukturierten Aufarbeitung von Sammlungsbeständen, unter anderem in Kooperation mit dem Museum
für Gestaltung Zürich (zu Surimono-Holzschnitten, zu Sophie
Taeuber-Arps Marionettenspiel «König Hirsch» usw.). Weitere
SNF- und KTI-Projekte [Anmerkung der Redaktion: Kommission für Technologie und Innovation KTI] setzten sich mit
Praktiken des Ausstellens und Tradierens auseinander, zum
Beispiel «Ausstellungs-Displays» oder «archiv performativ».
Das letzte Projekt wurde von Pascale Grau geleitet, die selbst
Performance-Künstlerin ist und aus ihrer Master-Arbeit ein
hochkarätig vernetztes und profiliertes Projekt zwischen Praxis und Theorie entwickelt und durchgeführt hat. Das SNFProjekt «Konstruktionen kultureller Identität in der Schweizer
Filmwochenschau», das zusammen mit Kornelia Imesch an
der Universität Lausanne durchgeführt wurde, gehört zu den
medientheoretisch und -historisch begründeten transdisziplinären Projekten.
Wo findet der Transfer von Forschungsinhalten in die Lehre
statt?
Sigrid Adorf: Der Transfer findet schwerpunktmässig zum
Master Art Education hin statt. ICS-Forschende finden sich
ausserdem in der Lehre der Z-Module oder unter anderem als
Mentorinnen und Mentoren im Master Transdisziplinarität.
Wechselwirkungen zwischen Forschung und Lehre finden
auch in unseren Master-of-Advanced-Studies-Angeboten Cultural Media Studies, das Steffen A. Schmidt mit Pietro Morandi
leitet, und Curating, geleitet von Dorothee Richter, statt sowie
in den Doktoratsprogrammen.
Design/ Zett 1–14
25
Welche Perspektiven seht Ihr für die inhaltliche Profilbildung
und die Zukunft des Instituts?
Sigrid Adorf: Mit den Fragestellungen, mit denen wir uns identifizieren und beschäftigen, geht uns die Arbeit nicht aus. Kultur ist der Raum, in dem wir uns bewegen; Zeitgenossenschaft
ist immer ein blinder Fleck und muss reflektiert werden können – wie eine jeweilige Zeit sich denkt, lenkt und konstruiert,
ist eine Frage, die immer eine Zukunft haben wird.
Sigrid Schade: Wir betrachten es als Chance, an der ZHdK
Möglichkeiten experimenteller Verfahren produktiv nutzen zu
können. Das, was wir bereits zuvor an anderen Universitäten
und Kunsthochschulen erfolgreich erprobt haben, ist spannend und vielversprechend im Umfeld der ZHdK anzuwenden
– gerade durch das Vorhandensein aller Gegenstandsfelder
der Künste. So können wir mit den Künsten denken und mit
und an ihnen relevante aktuelle Fragestellungen bearbeiten.
* Julia Wolf ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Studio zeitgenössische
Musik, Dept. Musik, und hat ihre Master-Arbeit im Rahmen des Forschungsprojekts «archiv performativ» erarbeitet ( julia.wolf@zhdk.ch).
«Gedanken in einem Kopfhörer» nennen Sonja Frey, Tom Mundy und Nicolas Python die Bilder zu ihrem Kurzfilm, der Industrial Design anschaulich auf den Punkt bringt.
© Sonja Frey, Tom Mundy, Nicolas Python
Prof. Dr. Sigrid Schade ist Leiterin des Institute for Cultural Studies in the
Arts (sigrid.schade@zhdk.ch). Prof. Dr. Sigrid Adorf ist stellvertretende
Leiterin des Institute for Cultural Studies in the Arts und Dozentin im Master
Art Education (sigrid.adorf@zhdk.ch), Dept. Kulturanalysen und Vermittlung.
Aktuelle Forschungsprojekte am Institute for Cultural Studies in the Arts (ICS)
und Angaben zu den Weiterbildungsangeboten auf ics.zhdk.ch.
Klappe und Action!
Oder: Was ist
Industrial Design?
Industrial Designer als Filmschaffende? Ob das
gutgehen kann? Die Vertiefung Industrial Design
hat es im Rahmen eines jährlich stattfindenden
Workshops ausprobiert. Cyril Kennel*
Traditionellerweise beschäftigen sich in diesem Workshop
alle drei Klassen der Vertiefung Industrial Design eine Woche lang mit jahrgangsübergreifenden Fragestellungen. Das
Workshop-Motto «Was ist Industrial Design?» wurde als
Möglichkeit aufgefasst, die eigene Disziplin zu hinterfragen
und die eigene Auffassung derselben zu durchleuchten. Die
Aufgabe war, diese Frage in Form von Kurzfilmen zu beantworten. So wurden die Studierenden plötzlich zu Regisseurinnen, Drehbuchschreibern, Storyboard-Zeichnerinnen
und Schauspielern; die entstandenen Kurzfilme wurden am
Schluss der intensiven Arbeitswoche im Kino Xenix gezeigt.
Superhelden des Alltags
Das ICS-Team. In der hinteren Reihe (von links): Samuel Sieber, Irène Hediger, Dorothee Richter, Patrizia Mosimann, Jacqueline Fahrni,
Thomas Burkhalter, Sigrid Schade, Katrin Luchsinger und Medea Hoch. In der vorderen Reihe (von links): Sigrid Adorf, Mirjam Bayerdörfer,
Jill Scott und Vera Harder. Auf den Porträtfotos (von links): Viviane Leupin-Aggeler, Steffen Schmidt, Irene Chabr und Dora Borer.
Die Bandbreite der Resultate war erstaunlich: Manche Studierende sehen sich als Superhelden für die Lösung von Alltagsproblemen, ohne deren Hilfe unser gewohntes Leben keines-
falls funktionieren würde, andere empfinden die Arbeitsweise
eines Industriedesigners als einzigen Brainflash und visualisieren den Moment der «zündenden Idee». Auch die Inspiration,
die eine Industriedesignerin zum Beispiel durch Bionik erhält,
wurde thematisiert, ohne romantisch verklärt zu wirken.
Je einfacher, desto besser
Eine Jury, bestehend aus den Vertiefungsleiterinnen Sandra
Kaufmann und Nicole Kind, kürte den Film «Gedanken in
einem Kopfhörer» von Nicolas Python, Sonja Frey und Tom
Mundy zur aussagekräftigsten Arbeit. Ausgehend von einem
massenproduzierten Alltagsobjekt, einem Kopfhörer, visualisiert der Film rasant ein Universum von Fragen und Teilaspekten, die es in der Disziplin zu beachten gilt. Auf diese Weise
wird simpel und doch eindrücklich eine der Hauptfähigkeiten
von Industriedesignerinnen und -designern erklärt: Sie erkennen die Komplexität eines Alltagsgegenstandes und identifizieren die für die Produktentwicklung relevanten Aspekte.
* Cyril Kennel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Vertiefung Industrial
Design, Dept. Design (cyril.kennel@zhdk.ch).
Eine Auswahl der Filme gibt es auf dem Vimeo-Kanal oder der Homepage zu
sehen: https://vimeo.com/userzhdkindustrialdesign, vid.zhdk.ch
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Zett 1–14/ Design
Design/ Zett 1–14
«Krisenanstalt» heisst
Hansueli Kuhns und
Elia Marcaccis Infografik,
die im Modul «Faites vos
jeux» entstanden ist.
© Hansueli Kuhn,
Elia Marcacci
Über den kreativen
Umgang mit der
Kasinomentalität
Finanzkrise: ein an sich unscheinbares Wort,
aber seit Längerem ein grosses Thema. Die
Vertiefung Scientific Visualization näherte sich
dem Thema im Modul «Faites vos jeux – eine
kritische Untersuchung der Finanzkrise mit
visuellen Mitteln». Ziel war, mit visuellen Mitteln Klarheit in komplexe Zusammenhänge
zu bringen. Karin Seiler*
Raus auf die Strasse führte der Workshop «The Life of Objects».
Unvertraute
Ressourcen
fördern
Experimentiergeist
Der Ausdruck «Faites vos jeux!» stammt aus der Welt der
Spielkasinos. Damit fordert der Croupier die Spielenden auf,
jetzt ihre Einsätze zu tätigen. «Faites vos jeux – eine kritische
Untersuchung der Finanzkrise mit visuellen Mitteln» lehnt
sich daran an und ist der Titel eines Moduls im Departement
Design, ausgeschrieben von der Vertiefung Scientific Visualization.
Was geschieht, wenn Designstudierende aus
dem Projektalltag gerissen und mit vollkommen
neuen, für sie experimentellen Ressourcen
konfrontiert werden? Sind sie in der Lage, mit
diesen kreativ umzugehen, Überraschendes
zu schaffen? Der Workshop «Resourcing Design»
des Masters Design ist diese Thematik angegangen. Karin Zindel*
Attraktive Visualisierung fördert Diskussion
Marc Chesney, Professor für Finance am Institut für Banking
und Finance der Universität Zürich, erläuterte zu Beginn mit
viel Engagement seine dezidiert kritische Haltung zu einem
ökonomischen System, das eine Kasinoökonomie fördert, bei
der es immer weniger um Investitionen in die Realwirtschaft
und immer mehr um Wetten auf mögliche Bankrotte von Ländern oder Unternehmen geht.
Ein besseres Verständnis der Hintergründe der Krise und
möglicher Massnahmen sei unerlässlich, so Marc Chesney,
um bei der breiten Bevölkerung ein differenzierteres Problembewusstsein und damit die Basis für ein Umdenken zu
schaffen. In der Ausbildung angehender Ökonominnen und
Ökonomen müssten zunehmend auch ethisch-moralische
Aspekte thematisiert werden. Und an diesem Punkt setzt das
Modul unter der Leitung von Karin Seiler und Rahel Arnold
denn auch an. Ausgehend von der These, dass durchdachte,
verständliche und attraktive Visualisierungen in Lehre und
Öffentlichkeit einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung
und Diskussion leisten können, erarbeiteten die Studierenden
aus verschiedenen Vertiefungen in Zweierteams unterschiedliche gestalterische Konzepte.
Die Finanzkrise und die Zusammenhänge ihrer Ursachen
stellen ein Publikum ohne ökonomische Bildung – ebenso
wie Dozierende und Studierende – vor eine grosse Herausforderung. Was bedeutet Leverage und was sind toxische
Finanzprodukte? Wie funktioniert eine Spekulationsblase?
Und was macht eigentlich eine Bank genau? Marc Chesney
erklärte zu Beginn des Moduls die wichtigsten Begriffe und
Mechanismen.
Sind Vereinfachung und Ironie zielführend?
Bei der Suche nach geeigneten visuellen Metaphern stellte
sich immer wieder die Frage, wie viel Vereinfachung zulässig
und zielführend ist. Inwiefern ist ironische Zuspitzung – beispielsweise die Umrechnung von als Boni ausgezahlten Millionenbeträgen in absurde Mengen materieller Luxusgüter wie
Brioni-Anzüge und Sportwagen – erlaubt? Darf man Banker
in einer Animation anthropomorph darstellen und wenn ja,
wie? Welches Publikum fühlt sich davon angesprochen und
zur Vertiefung des Themas angeregt? Behindert das Bemühen
um eine sachlich-informative Bildsprache und um grösstmögliche inhaltliche Genauigkeit nicht den Anspruch, ein breites
Publikum für das komplexe Thema zu interessieren? Welche
Rolle kommt der Interaktivität dabei zu?
Die gemeinsame Reflexion der umgesetzten Arbeiten mit
Chesney sorgte, da zwei ganz unterschiedliche Welten aufeinandertrafen, für interessante Gespräche und warf auch
Fragen auf, die nicht sofort beantwortet werden konnten –
beispielsweise ob sich bei einem Einsatz der Visualisierungen
in Chesneys Vorlesungen Ökonomiestudierende auf die teilweise provokativen Interpretationen der Designstudierenden
einlassen würden. Wünschenswert und bereits angedacht ist
deshalb ein Folgeprojekt im Dialog mit Ökonomiestudierenden
der Universität Zürich.
* Karin Seiler ist Dozentin und stellvertretende Leiterin der Vertiefung
Scientific Visualization, Bachelor Design, Dept. Design (karin.seiler@zhdk.ch).
Als Auftakt zum Frühlingssemester realisierte der Master
Design im Februar zum fünften Mal einen interdisziplinären
Design-Workshop und brachte Erst- und Drittsemesterstudierende mit international tätigen Expertinnen und Experten
aus den Bereichen Design, Kunst, Architektur und Wissenschaft zusammen. Ziel ist, die Master-Studierenden aus ihrem
Projektalltag herauszuholen und mit ihnen in einer experimentellen und kollaborativen Umgebung neue Ideen, Ansätze und Methoden für die eigene Arbeit zu entwickeln. Das
Leitthema des diesjährigen Workshops war «Ressourcen aus
der Designperspektive». Die Teilnehmenden setzten sich mit
unterschiedlichen Formen von Ressourcen auseinander, beispielsweise mit Stadt (Raum), Senioren (als gesellschaftliche
Ressource), Lebensmittelabfällen und Alltagsgegenständen
(Wiederverwertung).
Stadt als Datenproduzentin
Im Workshop «City as Resource», geleitet von Tanja Herdt
und Wulf Böer vom Institut für Designforschung der ZHdK,
setzten sich die Studierenden mit unterschiedlichen Perspektiven der Stadt als Erzeugerin von digitalen Daten auseinander.
Daraus entstanden fünf Arbeiten, welche die Methoden der
Kartografie und der Datenanalyse im Rahmen der städtischen
Umwelt eruieren und neu formulieren.
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Zett 1–14/ Design
Hochschule/ Zett 1–14
thoden und Regeln von Game Design erforschten die Teilnehmenden die Stadt aus einer Bottom-up-Perspektive und
entwarfen Spiele, die benutzbare oder verborgene Ressourcen
des Stadtraumes hinterfragen und beleuchten.
Das zweite Leben der Lebensmittel
In «Ways of Food Waste» der Eating-Designerin Marije Vogelzang gingen die Studierenden der Frage nach, wie das Designdenken neue Szenarien und Strategien zu entwickeln vermag
und damit einen Beitrag zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung leisten kann. Daraus sind Zukunftsszenarien
für die Lebensmittelabfallbewirtschaftung und ein Modell
zur Wiederverwendung beziehungsweise Wertschöpfung aus
solchen Abfällen entstanden.
Reparieren als höchstes Gebot
Was macht ein Nahrungsmittel zu einem Rohstoff, was zu Abfall? Antworten
wurden im Workshop «Ways of Food Waste» gefunden.
«The Life of Objects» von Cynthia Hathaway, Designerin, Gabriele Oropallo, Designhistoriker, und Joanna van der Zander,
Kuratorin, beschäftigte sich mit dem Lebenszyklus von Artefakten als Quelle für neue Formen der Interaktion und des
Nutzerverhaltens. Basierend auf dem «Repair Manifesto» der
niederländischen Designergruppe Plattform 21 gestalteten die
Teilnehmenden neue Produkte aus bestehenden Objekten und
erweiterten damit sowohl deren Anwendungsbereiche und
Lebensdauer wie auch deren Narration.
Der Workshop «Resourcing Design» zeigte, wie wichtig Machen und Erleben, sprich angewandtes oder experimentelles
Entwerfen, als Methode für die Designdisziplin sind und
welches Potenzial das Arbeiten mit bisher unbekannten Ressourcen birgt. Aus der Entdeckung neuer Ressourcen lassen
sich oftmals alternative Formen und Ideen generieren, die als
neue Lösungen in der Gesellschaft Anwendung finden können.
* Karin Zindel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Master Design, Dept.
Design (karin.zindel@zhdk.ch).
Aufs Tapet gebracht im Workshop «The Scope of the Super Seniors»: das
Potenzial alter Menschen.
Vernachlässigtes Alter
«The Scope of the Super Seniors», durchgeführt von der
Trendforscherin Judith Mair und dem Grafikstudio I Like
Birds, thematisierte die vorherrschende, tendenziell negative
Konnotation des Alters. Über die Ergründung und die Interpretation der Mechanismen und Motive des vernachlässigten
Werts von Senioren wurden Ideen für den verbesserten Einsatz dieser für unsere Gesellschaft wertvollen Human Resource entwickelt und in Form von Plakaten, einem Buch und
Videoskizzen vermittelt.
Der Philosoph und Street-Game-Designer Viktor Bedö und
die Architektin Nadine von Bergmann haben im Workshop
«R(esource)-Objects» Game Design und Urban Design auf
Strassenebene greifbar und erlebbar gemacht. Mittels der Me-
Z Club:
On Money,
Space, PostIndustrialization
and …
Unter dem Motto «Geld – Raum – Postindustrialisierung» vertritt der Z Club die ZHdK auf
der Architekturbiennale Venedig 2014 im Palazzo
Trevisan degli Ulivi. Stephan Trüby*
Am 7. Juni öffnet die von Rem Koolhaas geleitete Architekturbiennale Venedig ihre Tore, und sie wird – so viel scheint
sicher – eine besondere werden. Unter dem Motto «Fundamentals» stehend dauert sie – zum ersten Mal – genauso lange
wie die Kunstbiennale (bis zum 23. November). So können im
Rahmen dieser Architekturbiennale die vielen Schnittmengen mit den ebenfalls während des Sommers stattfindenden
Tanz-, Theater-, und Musikbiennalen sowie dem Filmfestival
Venedig ausgelotet werden. Auch die ZHdK wird Teil dieser
spartenübergreifenden Architekturbiennale sein: Der Z Club,
ein Diskurs-, Performance- und Musikfestival mit Akteuren
vor allem aus der ZHdK, das vom 25. bis zum 31. Juli stattfinden wird, ist in das offizielle Begleitprogramm der Biennale als
sogenanntes Collateral Event aufgenommen worden.
Monumente der Postindustrialisierung
Der Z Club macht auf, wenn in Venedig die Sonne untergeht:
Allabendlich um 21 Uhr entfaltet sich im Palazzo Trevisan degli
Ulivi ein Programm, das sieben Abende lang einen Querschnitt
durch die ZHdK bietet. Diskurse treffen auf Performances,
Konzerte auf Aktionen. Die Raumgestaltung des Clubs stammt
von den Studierenden des Masters of Advanced Studies (MAS)
Spatial Design, für das leibliche Wohl ist stets gesorgt. Als inhaltliche rote Fäden ziehen sich die Themen «Geld», «Raum»
und «Postindustrialisierung» durch die Woche. Die gegenwärtige (Europa-)Krise, so wird impliziert, ist nicht nur eine
ökonomisch-politische, sondern auch eine räumliche. Dies
insofern, als die Postindustrialisierung latent nur noch bestimmten Städten und Regionen eine Zukunft bietet, meist in
Form einer Alternative aus Headquarter-Ökonomie plus Kreativwirtschaft oder Tourismus. Ein Raum des Z Club widmet
sich einem neuen Monument der Postindustrialisierung: dem
ehemaligen Industrieareal der Toni-Molkerei und neuen Campus der ZHdK (siehe Poster nächste Doppelseite). In dessen
Geschichte wird die venezianische Geschichte der Industrialisierung gespiegelt, die sich – in Blickweite des Z Club – vor
allem auf der Insel Giudecca zutrug. Gute Clubs, so führte
Andy Warhol einmal sinngemäss aus, verfügen über viererlei:
erst einmal die richtige Musik und die richtigen Drinks. Und
dann – ganz entscheidend – einen Backroom mit Stuff, der der
Rede Wert ist. Und schliesslich über Expertinnen und Experten. Die letzten beiden Ingredienzen lassen aufhorchen: Mit
ihnen blitzt die Möglichkeit von Clubs auf, die den Wörtern
und Dingen gewidmet sind – les mots et les choses. Der Z Club
ist diesen verpflichtet.
In der Lagune des Geldes
Die ersten beiden Abende des Z Club stehen unter der Regie
von Christoph Weckerle, Heinrich Lüber und anderen und
sind dem Thema eines sehr speziellen Raumes gewidmet: dem
der Gastfreundschaft. Verschiedene Akteure mit seltsamen Gepflogenheiten erwecken mit raffinierten Methoden den Besucherwunsch, wiederzukommen. Am dritten Abend, erarbeitet
von Stephan Müller und der Gruppe Neue Dringlichkeit, wird
mit theatralen und aktionistischen Mitteln die «Polis Athen»
in eine «Situation Venedig» überführt: Die Lagunenstadt und
ihre Bezüge zum globalen Kapitalismus werden «psychogeografisch» erforscht. Der vierte Abend ist der Frage «Design –
A Social Machine?» gewidmet. Unter der Leitung von Gerhard
M. Buurman, Tanja Herdt, Claude Lichtenstein, Marc Rölli
und Peter Vetter werden in einer diskursiven Performance die
Bezüge von Produktdesign, Architektur und Geld am Beispiel
von Cedric Price und anderen auf die Bühne gebracht. Der
fünfte Abend – gestaltet von Jörg Scheller – macht mit einer
Konzertperformance den Nexus von Heavy Metal, Death Metal und Postindustrialisierung sinnfällig. Die letzten beiden
Abende des Z Club sind schliesslich ganz der Neuen Musik
und ihrem Verhältnis zur Industrie gewidmet. Auf Luigi Nonos
emblematische Arbeit «La fabbrica illuminata» – eine wunderbare Metapher für das neue Campusgelände der ZHdK –
folgen Kompositionen von Iannis Xenakis, Horacio Vaggione, Zbigniew Karkovski sowie – am zweiten Abend – jüngere
Werke von ZHdK-Angehörigen. Der Z Club kulminiert in einer
audiovisuellen Liveperformance von Michael Egger, Thomas
Peter und Jorge Sánchez-Chiong.
* Dr. Stephan Trüby ist Leiter Master of Advanced Studies Spatial Design,
Dept. Design, und Co-Kurator der Architekturbiennale Venedig 2014
(stephan.trueby@zhdk.ch).
Z Club, 25. bis 31. Juli, täglich 21–24 Uhr
Palazzo Trevisan degli Ulivi, Campo S. Agnese, Dorsoduro 810,
30123 Venedig, Italien
Mit Daniel Bisig, Gerhard M. Buurman, Michael Egger, Karmen Franinović,
Tanja Herdt, Carlos Hidalgo, Philippe Kocher, Simon Könz, Claude Lichtenstein, Heinrich Lüber, Thomas Meier, Kenn Mouritzen, Patrick Müller,
Stephan Balthasar Müller, Neue Dringlichkeit, Peter Richter, Marc Rölli,
Jorge Sánchez-Chiong, Jörg Scheller, Martin Stricker, Sarah Maria Sun,
Germán Toro-Pérez, Peter Vetter, Christoph Weckerle und anderen.
Mise en scène: Nina Bühlmann, Christine Cyris, Michele D’Ariano, Benjamin
Gorzawski, Nina Heydorn, Olivier Ilegems, Sandra Keyssner, Rainer Müller,
Aleksandra Pavlovi, Ann-Chantal Rufer, Vera Ryser (Studierende MAS Spatial
Design).
Organisation: Alexandra Carambellas
Kurator: Stephan Trüby
Der Z Club wird von Pro Helvetia und der Ernst Göhner Stiftung unterstützt.
Bild nächste Doppelseite: Das Toni-Areal in einer Collage zur Vorbereitung
des Z Club an der Architekturbiennale Venedig 2014. Der Z Club ist der Beitrag
der ZHdK zur Biennale. Im Palazzo Trevisan degli Ulivi wird dazu an sieben
Abenden untersucht, wie Geld, Raum und Postindustrialisierung die beiden
Städte Venedig und Zürich verbinden. © Olivier Ilegems, Anne-Chantal Rufer
(MAS Spatial Design)
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Zett 1–14/ Darstellende Künste und Film
genaue Arbeit am «Apparat Schauspieler», an seinem inneren
(Er)leben, seinem Zugang zu Emotionen durch Körperempfindungen hat es mir besonders angetan.
Song of the Goat
Theatre – der
Gesang der Ziegen
Song of the Goat Theatre ist ein ungewöhnlicher
Name für eine aussergewöhnliche Theatertruppe aus Wrozlaw, Polen, der Wiege der GrotowskiMethode für Schauspiel. Wrozlaw wurde für
einige Schauspielstudierende der ZHdK für
einen Monat Heimat und Ort äusserst intensiver
schauspielerischer Erfahrungen. Judith Hunger*
hat drei Stimmen dazu eingeholt.
Zürcher Studierende üben in Polen nach der Grotowski-Methode für
Schauspiel. Foto: Mateusz Bral
Schon der Modulbeschrieb versprach Aussergewöhnliches:
einen ganzheitlichen Zugang zur Schauspielkunst, in den
Aspekte der Stimme, des Gesangs, der Bewegung und des
Rhythmus gleichermassen einbezogen werden sollten. Eine
intensive Arbeit mit den Mitgliedern des Ensembles Song of
the Goat Theatre** – vor Ort im Teatr Piesn Kozla in Wrozlaw.
Grotowski sagte 1999 zu seiner Methode: «Rhythmus im Text
ist nicht gleichbedeutend mit Monotonie oder einer gleichförmigen Prosodie, sondern mit Pulsieren, Variieren, plötzlichen
Wechseln.»
Judith Hunger: Was hat Euch an diesem Workshop besonders
begeistert?
Jördis Wölk: Mich begeisterten zum Ersten die Arbeitsatmosphäre und der Vertrauensraum, in dem die Kompagnie arbeitet: Gefordert werden hohe Konzentration, Aufmerksamkeit
und geschärfte Wahrnehmung, damit eine sehr intime Arbeit
möglich ist. Dadurch entsteht eine besondere Energie/Magie und Spannung zwischen dem Schauspieler, seinem Gegenüber und dem Publikum. Ausserdem gefiel mir der hohe
Stellenwert, den die Gruppenarbeit innehat. Die filigrane und
Nicolas Müller: Die Art des Unterrichts hat mich besonders
beeindruckt. Man konnte in der kurzen Zeit besondere Lehrpersönlichkeiten in einer Intensität erleben, wie ich es bis
anhin noch nicht gekannt habe. Besonders spannend war, wie
man über das Zuhören arbeitete – das Hören auf sich selbst
und auf die Gruppe. Auf diese Weise eine Harmonie zu suchen,
war schon etwas Besonderes. Die Mitglieder des Song of the
Goat Theatre nehmen das Theater sehr ernst – fast wie eine
Religion mit entsprechenden Regeln und Verboten. Da war
eine ganz besondere Stimmung im Proberaum: ein bisschen
streng, manchmal vielleicht zu streng. Aber in Polen ist das
Theaterleben auch viel härter als in der reichen Schweiz.
Felix Utting: Besonders begeistert hat mich, mit welch ungewohntem «Geist» man ans Theater heranging. Da war eine
Ernsthaftigkeit in der Arbeitsmethode, die etwas nahezu
Heiliges erreichte, was anfangs etwas befremdlich war, dann
aber eine disziplinierende Basis für einen riesigen Erfahrungsraum bot. Man blieb an den körperlichen, stimmlichen,
rhythmischen Übungen dran, egal ob sie Stunden um Stunden
gingen, und gelangte so in nahezu metaphysische Zustände,
aus denen man dann zum Text, zur Figur ging, was einem
eine neue Erfahrungswelt eröffnete. Es war interessant zu
erfahren, dass man Theater so unintellektuell und unironisch
begreifen kann wie Song of the Goat Theatre.
Wie sehr hat es Euren Zugang zum Schauspielen verändert?
Jördis Wölk: Der Kurs hat meinen Zugang nicht verändert,
sondern mir vielmehr – vor allem in Bezug auf die Arbeit
mit einem bekannten Text – eine andere Sichtweise auf das
Phänomen Bühne/Schauspielen eröffnet: nämlich, dass Text
nicht immer als kognitiv zu verstehender und zu vermittelnder Inhalt betrachtet werden muss, sondern dass er auch als
musikalisch-rhythmische Struktur interpretiert werden kann.
Der Kurs hat mich an einen wichtigen Aspekt des Theatermachens erinnert, der den Zugang zum Publikum lebendig erhält:
Es sind weniger die Inhalte als die Energie und das innere
Leben unter der Oberfläche des Spielers, der Rhythmus und
die Musikalität, die zählen. Und das andauernde Zuhören –
sich selbst und der Gruppe.
TA
GE
S A . 27.0 9.
10-18 UHR
SO. 28.09.
10-16 UHR
2O14
DER
OF F E NE N
TU
R
Nicolas Müller: Keine Ahnung. Eine Person, die mich vorher
gesehen hat und die mich jetzt auf der Bühne sieht, könnte
die Frage vielleicht beantworten. Man denkt nicht, man spielt.
Frag mal meinen Körper.
Felix Utting: Ich glaube zumindest, mehr «wirklich lebendiges» Leben in meinen Monologen zu spüren. Etwas vage
könnte man sagen, dass ich mehr «Tiefe» in meinem Erleben
einer Geschichte oder einer Figur erforscht habe. Der Transfer
auf mein alltägliches, schauspielerisches Arbeiten ausserhalb
dieses Rahmens fällt mir aber noch schwer.
T O N I -AREAL
* Judith Hunger ist Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit des Dept.
Darstellende Künste und Film ( judith.hunger@zhdk.ch).
** Der Name ist eine Anlehnung an den Gesang der Ziegen – oder vielmehr das
Meckern der Ziegen. Die Rhythmisierung der Sprache sozusagen.
Jördis Wölk, Nicolas Müller und Felix Utting studieren Schauspiel im
Master Theater, Dept. Darstellende Künste und Film.
W W W.T O NI -TA G E . C H
P F IN G S T W E ID S T R . 9 6
8005 ZÜRICH
34
Zett 1–14/ Darstellende Künste und Film
«Vielseitige
Tänzerpersönlichkeiten
haben Erfolg»
/ Zett 1–14
anderen Kunstfeldern betreibt, wird zu einem Kernbereich
von neuen kollaborativen Erfahrungen und künstlerischen
Ausrichtungen am Departement werden.
Judith Hunger hat mit Samuel Wuersten, künstlerische Leitung des Bachelors Contemporary Dance, gesprochen.
Lange erwartet, endlich erreicht: Das Departement Darstellende Künste und Film bietet
ab kommendem Herbstsemester neben dem
Theater auch eine Fachhochschulausbildung für
den zeitgenössischen Tanz an. Künstlerischer
Leiter des Bachelors Contemporary Dance ist
Samuel Wuersten. Hartmut Wickert,
Judith Hunger*
Judith Hunger: Du kommst ursprünglich aus der Schweiz,
lebst und arbeitest aber seit langer Zeit in Holland. Welches
sind die wichtigsten Unterschiede zwischen der hiesigen Tanzszene und derjenigen in Holland?
Samuel Wuersten: Die holländische Tanzszene ist sehr ausgewogen. Das heisst, es gibt eine gute Balance zwischen der
freien Szene und den festen Tanzkompagnien. Beide wurden
über viele Jahre in gleichem Masse gefördert und unterstützt.
Entsprechend hoch ist das Niveau – auch in der freien Szene.
Es gibt beispielsweise Tanzwerkstätten, vielleicht vergleichbar mit dem Tanzhaus Wasserwerk, in welchen junge Choreografen gezielt gefördert werden. Das wird in Holland seit
über 25 Jahren so praktiziert. Somit ist die Ausgangslage für
Tanzschaffende eine ganz andere als hier in der Schweiz.
Was Vision und Kerngedanke für die Konzipierung des Departements Darstellende Künste und Film war, die Nähe zwischen den drei Kunstdisziplinen zu einem entscheidenden
Vorteil eines Studiums an der ZHdK werden zu lassen, kann
jetzt endlich Wirklichkeit werden. Die Studierenden werden
ihre disziplinären Interessen nun durch die Möglichkeit,
Zusammenarbeitsformen zwischen Theater, Film und Tanz
zu praktizieren, entscheidend ausweiten und reflektieren
können. Der zeitgenössische Tanz, der exemplarisch eine
Verbindung anspruchsvollster technischer Fähigkeiten mit
Du bist Co-Rektor und gleichzeitig Leiter der Abteilung Tanz
und Performing Arts an der Codarts Rotterdam. Was hat die
Codarts an der Kooperation mit der ZHdK gereizt?
Einen starken ausländischen Partner zu finden, war schon länger ein strategisches Ziel der Codarts. Mit der ZHdK glauben
wir einen solchen Partner gefunden zu haben. Mich persönlich
hat natürlich die Perspektive, dass es endlich einen Bachelor
Contemporary Dance in der Schweiz geben soll, besonders
begeistert. Ich musste mich noch im Ausland ausbilden lassen
– damals gab es in der Schweiz keine adäquaten Tanzausbil-
Bilder: Studierende der Rotterdamer Tanzschule Codarts zeigen, was bald auch in Zürich gelernt werden wird. © Jan Hordijk
dungen. Die Codarts reizten unter anderem die Grösse und die
Vielfalt der ZHdK. Gerne würden wir auch in der Forschung
oder im Bereich der neuen Medien, Popmusik oder Szenografie mit der ZHdK zusammenarbeiten.
Welchem Ausbildungsmodell folgt der Bachelor Contemporary
Dance der ZHdK?
Das Modell, auf welchem der Bachelor Contemporary Dance
der ZHdK basiert, ist stark an das langjährig bewährte Modell
der Codarts angelehnt. Unsere Schule wurde bereits in den
30er-Jahren gegründet. Der bis heute gültige Grundgedanke
der Ausbildung ist, dass Tänzerinnen und Tänzer sich nicht
nur auf der Bühne bewegen. Sie müssen Tanz auch vermitteln
oder sich im Gebiet der Choreografie bewegen können. Diesen
Weg werden wir auch an der ZHdK verfolgen.
Der Qualitätsanspruch an Tänzer und Tänzerinnen ist heutzutage sehr hoch, sowohl was das technische Können als auch
die künstlerische Reife anbelangt. Wie wird die Qualität der
Ausbildung sichergestellt?
Das Wort «sicher» ist schwierig in diesem Zusammenhang.
Wir können keine Garantien für eine erfolgreiche Tänzerkarriere abgeben – das kann wohl kaum eine Ausbildungsstätte.
Aber wir können Umstände schaffen, welche die Chancen
dafür vergrössern. Und dann müsste man definieren, was denn
Qualität in diesem Zusammenhang genau heisst. Muss die
Tänzerin oder der Tänzer technisch möglichst versiert sein
und viele Pirouetten drehen können?
Was ist Deine Haltung in dieser Frage?
Natürlich braucht es ein solides technisches Fundament. Aber
darüber hinaus bin ich der festen Überzeugung, dass Vielseitigkeit und Flexibilität besonders wichtig sind. Die Erfahrung
hat gezeigt, dass besonders vielseitig einsetzbare Tänzerpersönlichkeiten gefragt sind und Erfolg haben. Persönlichkeiten,
die ihren Körper, ihr Instrument, bewusst bewohnen und ein-
setzen können. Daran kann man arbeiten. Ausbildungssituationen sind nicht immer sexy. Man muss viel Zeit investieren –
das tägliche Training, die kontinuierliche Auseinandersetzung
mit dem eigenen Körper, damit, was man als Künstler aussagen
möchte und wo man hinwill. Ähnlich einem Musiker, der viel
Zeit mit seinem Instrument verbringt.
Du hast von Vielseitigkeit und Flexibilität gesprochen – was
zeichnet die erfolgreiche Tänzerin, den erfolgreichen Tänzer
von heute sonst noch aus?
Viele Leute meinen, dass Tanz besonders viel mit Drill zu
tun habe. Meine Erfahrung sagt mir etwas anderes: Tänzerinnen und Tänzer von heute müssen auf eine konstruktive
und eigenständige Art und Weise verstehen, was sie genau tun,
wie Tanz physisch und auch künstlerisch funktioniert. Das zu
vermitteln, ist für die Ausbildung im Bachelor Contemporary
Dance zentral.
* Prof. Hartmut Wickert ist Direktor Dept. Darstellende Künste und Film
(hartmut.wickert@zhdk.ch). Judith Hunger ist Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit des Departements ( judith.hunger@zhdk.ch).
Samuel Wuersten ist künstlerischer Leiter des Studiengangs Bachelor
Contemporary Dance, Dept. Darstellende Künste und Film
(samuel.wuersten@zhdk.ch).
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Zett 1–14/ Darstellende Künste und Film
Musik/ Zett 1–14
Die dritte
Dimension
in der
Musikwiedergabe
Wie beschreibt man die Räumlichkeit einer
Aufnahme? Das Forschungsprojekt «3D Audio»
am Institute for Computer Music and Sound
Technology (ICST) erstellt die Terminologie
dazu. Die Wissenschaftlichen Mitarbeiter
David Bollinger, Lars Dölle und Simon Könz*
erklären, wie das vor sich geht.
Szene aus dem Stück «Im Abseits» von Elfriede Jelinek. Die Modellproduktion entstand
im Rahmen des SNF-Forschungsprojekts «Disembodied Voice».
Die Bühne
als Labor
Der Forschungsschwerpunkt Performative Praxis
ist einer der beiden Forschungsschwerpunkte
des Institute for the Performing Arts and Film
(IPF), des Forschungsinstituts des Departements
Darstellende Künste und Film. Körperlicher
Ausdruck und Stimme sind hier sowohl Arbeitsinstrument als auch ein Mittel der Erkenntnis.
Jens Badura*
Performative Praxis bildet den Überbegriff für die verschiedenen «live arts» wie Theater, Tanz und Performancekunst.
Geforscht wird hier durch und mit den in diesen Künsten ausgebildeten Expertisen: dem körperlichen Ausdruck, der Stimme, der Inszenierung von Sinn und Raum, der kunstbasierten
Vermittlung und vielem anderem mehr. Die Arbeitsbereiche
der künstlerischen wie wissenschaftlichen Forschungsprojekte heissen folglich «Bühne als Labor» und «Experten der
Bühne». Auch an der Entwicklung des aktuell an der ZHdK
entstehenden dritten Zyklus (Doktorandenausbildung) ist der
Forschungsschwerpunkt (FSP) federführend für den Bereich
der Darstellenden Künste beteiligt.
Von Expertisen, Emotionen und Traditionen
Seit 2007 wurden im FSP Performative Praxis 17 Forschungsprojekte realisiert – überwiegend gefördert durch Mittel des
Schweizerischen Nationalfonds SNF. Derzeit sind fünf Projekte in Arbeit, die sich unter anderem mit den spezifischen
Qualitäten der Schauspielausbildung in den unterschiedlichen
Sprachregionen der Schweiz, den besonderen Eigenschaf-
Seit Juni 2013 läuft das Forschungsprojekt «3D Audio» am
ICST. Ziele des Projekts sind die Aufnahme, Mischung und
anschliessende Dokumentation dreidimensionaler Schallereignisse sowie das Erstellen einer Terminologie zur Beschreibung der Räumlichkeit einer Aufnahme.
Stand der Technik
ten von ausgebildeten Bühnenstimmen, der Expertise von
Schauspielerinnen und Schauspielern im gezielten Umgang
mit Emotionen sowie der Tradition und der aktuellen Debatte
zum Festspiel in der Schweiz befassen.
Zeitgenossenschaft im Tanz
Im Bereich des Tanzes wird – erstmals im April/Mai 2014 in
Kooperation mit dem Institut für Theaterwissenschaft der
Universität Bern und dem Tanzfestival Steps – die «Research
Academy for Contemporary Dance and Choreography» durchgeführt. International renommierte Tänzer, Choreografen und
Theoretiker forschen zusammen mit 15 Stipendiatinnen und
Stipendiaten zum Thema Zeitgenossenschaft. Verbunden mit
der im Herbstsemester 2014/15 erfolgenden Einführung des
neuen Bachelors Contemporary Dance wird so der zeitgenössische Tanz an der ZHdK in Forschung und Lehre etabliert.
Darüber hinaus werden im Rahmen des FSP künstlerische
und wissenschaftliche Diskurse im Bereich der Performing
Arts aufgegriffen und zusammen mit den Dozierenden in den
Arbeits- und Entwicklungszusammenhang des Departments
hineingetragen.
Der FSP kooperiert mit verschiedenen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Kunsthochschulen im In- und
Ausland.
* Dr. Jens Badura war seit 2012 Leiter des Forschungsschwerpunkts Performative Praxis am Institute for the Performing Arts and Film, Dept. Darstellende
Künste und Film ( jens.badura@zhdk.ch). Ab Herbstsemester 2014 übernimmt
er die Dozentur «Ästhetische Theoriepraxis» im Master Fine Arts, Dept. Kunst
& Medien ( jens.badura@zhdk.ch).
www.performativepraxis.ch
ipf.zhdk.ch
Die Beschränkung auf zweidimensionale Formate bei der
tontechnischen Abbildung von räumlichen Klangereignissen
ist unbefriedigend. Der umhüllende Klangeindruck, der die
Zuhörenden in den Konzertsaal, den Jazzklub, das Theater
oder die Kirche versetzt, fehlt. Wesentliche Eigenschaften
zeitgenössischer Musik, aktuellen Musiktheaters und moderner Klangkunst, die räumliche Elemente formbildend integrieren, werden nur unzureichend abgebildet. Auch neue
Medieninhalte wie 3D-Kino und -Fernsehen, Videogames
und Anwendungen bei der Herstellung von virtuellen Umgebungen verlangen zwingend nach angemessenen Aufnahmeund Wiedergabetechniken.
Forschungsansatz
Angesichts der Fülle an technischen Möglichkeiten wird es
für den Tonmeister zunehmend schwieriger, in der Praxis
einen geeigneten Ansatz für die Abbildung einer bestimmten
Hörsituation zu finden. Das empirische Wissen ist verstreut,
theoretische Ansätze und technische Mittel werden kaum
nach klaren Kriterien reflektiert. Ein verbindliches Vokabular
für eine angemessene Beschreibung und Qualifizierung dreidimensionaler Klangereignisse fehlt. Im Projekt «3D Audio»
sollen Verfahren der tontechnischen Abbildung dreidimensionaler Kunstereignisse nach definierten Kriterien erarbeitet
werden. Der Weg von der Aufführung über Aufnahme, Abmischung, Wiedergabe bis zur Rezeption soll anhand unterschiedlicher Hörsituationen untersucht werden.
Bisher wurden zwei Aufnahmen gemacht: Im November 2013
wurde im Grossen Saal der Tonhalle Zürich Charles Ives’ Sinfonie Nr. 4 für grosses Orchester im Rahmen der Tage für
Neue Musik aufgezeichnet. Das Werk ist durch die räumliche
Anordnung von mehreren Orchestern, Chor und Solisten für
die Zwecke der Forschungsgruppe sehr gut geeignet. Eine
In der Kirche Enge Zürich wird ein Stück von Germán Toro-Pérez
aufgenommen. Foto: Julia Wolf
weitere Aufnahme fand im Januar 2014 statt. Hier wurde in
der Kirche Zürich Enge mit dem Vokalensemble Zürich eine
Komposition von Germán Toro-Pérez für Chor, zwei Streicher
und im Raum verteilte Elektroakustik produziert.
Im Projekt wird ein in die Höhe erweitertes 5.1-LautsprecherArray mit zusätzlichen fünf Lautsprechern verwendet. Vier
davon befinden sich über den Ecklautsprechern, einer senkrecht über der Abhörposition.
Kooperation und Ausblick
Geplant ist die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus technischen und künstlerischen Bereichen. Auf der technischen
Seite geht es vor allem um einen Erfahrungsaustausch mit
Tonmeistern, die bereits Aufnahmen für das Projekt «3D Audio» gemacht haben. Auf künstlerischer Seite sollen Urheber
beziehungsweise leitende Musikerinnen der aufgenommenen
Stücke eingeladen werden, um sie die Aufnahmen ihrer eigenen Werke beurteilen zu lassen.
Im Anschluss an die bereits realisierten Aufnahmen sollen
auch Produktionen aus den Bereichen Pop, Rock und Jazz
folgen. Insgesamt sind sieben Modellaufnahmen geplant. Im
Frühjahr 2015 sollen diese Aufnahmen im Rahmen eines Symposiums in den Räumen des ICST sowohl Fachleuten als auch
anderen interessierten Personen vorgestellt werden.
* David Bollinger (david.bollinger@zhdk.ch), Lars Dölle (lars.doelle@zhdk.ch)
und Simon Könz (simon.koenz@zhdk.ch) sind Wissenschaftliche Mitarbeiter
am Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST), Dept. Musik.
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38
Zett 1–14/ Musik
Musik/ Zett 1–14
tische und musikalische Fenster zu öffnen. Ihnen ist noch so
vieles unbekannt! Letzthin habe ich einer Klasse ein Stück
der mongolischen Vokalgruppe Huun-Huur-Tu vorgespielt.
Die Jugendlichen waren richtiggehend verstört ob dieser Art
des menschlichen Stimmeinsatzes. Dank der anschliessenden
Kontextualisierung war dann eine Einordnung der ersten
Hörerfahrung möglich und sie fanden einen Zugang zu dieser
Musik. So entwickelten sie eine grundlegende Neugierde und
konnten dabei Neues lernen.
Der musik-
pädagogische
Alltag
existiert nicht
Schürfen nach Talenten
Offensichtlich übt diese Arbeit eine Faszination auf Euch
aus . . .
Daniele: Wir haben es mit Jugendlichen zu tun, die sich in
einer schwierigen Phase ihrer Entwicklung befinden. Das ist
eine tägliche Herausforderung und verhindert, dass unser Unterricht gleichförmig wird. Einen Alltag gibt es bei mir nicht.
Auf der Bühne zu stehen und live aufzutreten ist für diese
Schülerinnen und Schüler wichtig, weil sie dann realisieren,
dass sie sich in gewissen Bereichen noch verbessern möchten.
Wer nicht rückwärtsgehen kann, muss gewaltig üben, bis er
den Moonwalk zustande bringt!
Wer Musikpädagogik mit Schwerpunkt Schulmusik I studiert, hat sich für ein attraktives und
anspruchsvolles Berufsfeld entschieden. Worin
liegt die Leidenschaft, mit Jugendlichen der
Sekundarstufe musikpädagogisch zu arbeiten,
und welche Rolle spielt dabei das Studium? Ein
Gespräch mit Studierenden gewährt Einblick in
Studium und Praxis. Ruth Frischknecht*
Deana: Die Jugendlichen gewinnen Selbstvertrauen, wenn sie
im Projektunterricht ihr informell erworbenes Wissen einbringen und erweitern können, selbst wenn sie über wenig
instrumentale oder vokale Fertigkeiten verfügen. Die Herausforderung für mich lautet: Wie kann ich es schaffen, Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass nicht alles sh** ist und
man null Bock darauf hat?
Andreas, Daniele, Deana, Natan und Ralph studieren im zweiten Jahr Master Musikpädagogik/Schulmusik I in Teilzeit. Sie
sind alle seit mindestens einem halben Jahr an einer Sekundarschule als Musiklehrende tätig und spielen in eigenen Bands
oder Kammermusikgruppen.
Praxis und Theorie in Wechselwirkung
Lehrpersonen haben gewisse «Unterrichtsbilder» verinnerlicht, die als Kern ihres Praxiswissens das methodischdidaktische Handeln steuern. Das Praxiswissen entsteht im
Verlauf der Berufssozialisation und wird aus verschiedenen
Wissensbeständen und Erfahrungen zusammengestellt. Es
dient sowohl der Bewältigung beruflicher Alltagssituationen
als auch der kreativen Lösungsfindung bei neuen Aufgaben.
Im Studium der Musikpädagogik wird dieses Praxiswissen
reflektiert und mit Theoriewissen in Verbindung gebracht.
Ruth Frischknecht: Welche Aspekte Eurer eigenen Unterrichtspraxis werden durch das Studium der Schulmusik massgebend
beeinflusst?
Deana: In musikalischer und pädagogischer Hinsicht bin ich
mutiger geworden und wage mich mittlerweile auch in musikalische Fachgebiete vor, in denen ich selber noch am Lernen
bin. Mein methodisches Repertoire konnte ich vor allem im
Bereich der offenen Unterrichtsformen erweitern.
Ralph: Eigentlich möchte ich ja einfach Musik unterrichten,
aber im Gegensatz zur Unterstufe, auf der ich vorher arbeitete,
bin ich erstaunt, wie viel Raum der Bereich der Erziehung auf
der Sekundarstufe einnimmt. Viele meiner Klassen sind disziplinarisch anspruchsvoll. Das Studium bestärkt mich darin,
schwierige Situationen über das gemeinsame Musikmachen
zu lenken.
Natan: Da ich bis anhin lediglich den theoriegeprägten Musikunterricht in Spanien gekannt habe, lerne ich hier viel Neues
über Musikpädagogik. Die Infrastruktur, die ich in Schweizer
Studierende mit ihrer Dozentin Ruth Frischknecht (rechts) im Gespräch über
ihre Erfahrungen als angehende Musiklehrende.
Schulen angetroffen habe – Bandräume, Perkussionsinstrumente und genügend grosse Räume für Bewegung –, hat mir
vor Augen geführt, wie stark der Unterricht auf das praktische
Musikmachen ausgerichtet ist.
schaft der Jugendlichen. Im Musikunterricht haben sich diese
Arbeitsweisen zum Beispiel im Zusammenhang mit Bandproben, kompositorischen Aufgabenstellungen mit digitalen
Musikprogrammen oder dem Wissenserwerb sehr bewährt.
Daniele: Der Austausch mit den anderen Studierenden ist für
mich ein grosser Gewinn. In informellen Momenten, aber
auch in Unterrichtsmodulen diskutieren wir viel über unsere Erfahrungen. So findet eine permanente Reflexion des
Unterrichts statt.
Inwiefern nützt Ihr den Freiraum, den Euch die Lehrpläne
bieten, um Eure eigenen musikalischen Präferenzen im Unterricht zu thematisieren?
Natan: Stilistisch bewege ich mich in der Schule auf einem
ganz anderen Feld als in meinem künstlerischen Berufsleben
als klassischer Kontrabassist. Der Unterricht auf der Sekundarstufe ist vorwiegend pop- und rockmusikorientiert und
deshalb eine hervorragende musikalische Ergänzung für mich.
Meine favorisierte Musik würde ich nicht unterrichten, es
kann nämlich schmerzhaft sein, wenn Schülerinnen und Schüler einer Musik, die einem selber viel bedeutet, nicht offen
gegenüberstehen oder sie gar ablehnen.
Spielräume fördern pädagogische Vielfalt
Die Lehrpläne, in denen die Richt- und Feinziele des Unterrichts festgehalten werden, sind für die Sekundarschulen
kantonal geregelt. Die heutigen Lehrpläne lassen den Lehrpersonen in der Wahl von Inhalt, Methodik und Didaktik viele
Freiheiten. Dank diesem Gestaltungsspielraum können ästhetische Präferenzen, aktuelle musikalische Themen sowie
Bedürfnisse einzelner Klassen berücksichtigt werden.
Seit einigen Jahren werden «offene Unterrichtsformen» eingesetzt. Damit werden Modelle und Methoden bezeichnet,
die im Gegensatz zum Frontalunterricht individualisierte und
selbstständige Arbeitsweisen ermöglichen. Die Lehrpersonen
brauchen dazu Vertrauen in die Neugierde und die Lernbereit-
Ralph: Die ungetrübte Freude an der Musik lebe ich in meiner
Band aus. Es kann ja schon deprimierend sein, wenn Schülerinnen und Schüler gewisse Musikrichtungen einfach ablehnen.
Andreas: Eine wichtige Aufgabe des Musikunterrichts besteht gerade darin, den Schülerinnen und Schülern ästhe-
Andreas: Die Jugendlichen bringen viel Energie mit und zeigen
oft Gefühle im Musikunterricht. Es liegt natürlich auch am
Gegenstand der Musik, dass diese emotionale Atmosphäre
geschaffen werden kann. Wenn eine ganze Klasse von 15-Jährigen ihre volle Energie investiert, ist das schon toll.
Ralph: Der Musikbegriff der Jugendlichen ist oft recht eng.
Ich betrachte es als meine Aufgabe, diesen zu erweitern, und
muss mich dabei ihnen gegenüber oft auch erklären.
Natan: Die Suche nach Talenten beschäftigt mich sehr. Ich
versuche den Jugendlichen zu zeigen, dass jede und jeder ein
Talent hat und dass man dieses Talent finden kann, wenn man
es sucht. Als Musiklehrer bin ich ständig auf der Suche nach
den Talenten in jedem Schüler und jeder Schülerin.
Welche Rahmenbedingungen ermöglichen die Erhaltung dieser Faszination?
Andreas, Daniele, Deana, Natan und Ralph: Nicht kämpfen
müssen für Neuanschaffungen bei Instrumenten, aber auch
nicht um Ansehen im Lehrerzimmer; Zusammenarbeit in
einem tollen Team; interessierte Schülerinnen und Schüler;
vier bis fünf Unterrichtszimmer und ein grosser Musikraum
mit angepasster Akustik, in dem Technik und Instrumente
bereitstehen für «plug and play»!
* Prof. Ruth Frischknecht ist Leiterin der Vertiefungen Schulmusik I
und Schulmusik II und Dozentin für Fachdidaktik, Dept. Musik
(ruth.frischknecht@zhdk.ch).
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Zett 1–14/ Musik
Vom
Weggehen
Im April hat Ranko Markovic seine Arbeit als
Leiter des Bachelors Musik (Klassik) und als
Co-Profilleiter Klassik aufgenommen. Er tritt
die Stelle als Nachfolger von Cobus Swanepoel
an, der seinerseits Johannes Degen als Leiter
Master Music Performance und Master Specialized Music Performance nachfolgt.
Michael Eidenbenz und Daniela Huser*
Johannes Degen geht in Pension.
Eine Ära geht zu Ende
Eine Würdigung von Michael Eidenbenz
Auf der einen Seite: Cellolehrer am Konservatorium Winterthur, Fachdidaktikdozent in Zürich, Chef der Musikhochschule Winterthur, später Leiter der mehrfach umgestalteten
Performance-Studiengänge in den mehrfach fusionierten Institutionen, stellvertretender Departementsdirektor, irgendwann ist noch ein Professortitel dazugekommen – eine Laufbahn in reformfreudigen Zeiten.
und
Ankommen
Auf der anderen Seite: Konstanz, Prinzipien, Haltung. Und
eine immense Arbeitsleistung, die die Institution während
Jahrzehnten mit unverkennbarer Substanz geprägt hat. Man
darf ruhig von einer «Ära Degen» sprechen und damit eine
Hochschulausstrahlung meinen, die sich auszeichnet durch
einen unbestechlichen Sinn für künstlerische Qualität und eine
ebenso entschiedene Ablehnung von Schaumschlägerei. Eine
Haltung, die persönliche Werte vertritt und sich nicht hinter
Paragrafen versteckt, sondern das subjektive Urteil zulässt,
einfordert und auch zu begründen weiss. Sie zeigt sich im
konkreten Resultat: Bei ungezählten Prüfungen, die Johannes
Degen geleitet hat; bei einer Personalpolitik, die er als unerreicht erfolgreicher Headhunter betrieb; bei Beratungsgesprächen mit Studierenden, bei klugen Programmkonzepten für
Konzerte und Studienwochen, bei Strategieentscheidungen,
beim kollegialen Austausch im Fumoir-Büro – kurz: Ein Wegweiser der Musikausbildung verabschiedet sich von der ZHdK.
Und dazu ein Freund und Kollege, der über den Job hinaus
informiert und mit Rat und Tat zur Stelle ist. Als begnadeter
Koch etwa oder auch mit selten gewordener Belesenheit: Wie
wohltuend es ist, einen Büronachbarn zu haben, dem der Freiherr von Risach eine vertraute Figur ist oder der Autoren wie
Dino Buzzati empfiehlt! – Von Herzen wünschen wir einen
glücklichen Ruhestand!
Ranko Markovic kommt an die ZHdK.
Und bringt die halbe Welt mit
Vier Fragen von Daniela Huser an den neuen Leiter des
Studiengangs Bachelor Musik
Daniela Huser: Was zieht Sie nach Zürich, an die ZHdK?
Ranko Markovic: Neugierig gemacht hat mich in erster Linie
das Projekt der neuen ZHdK. Endlich wagt sich eine Stadt in
die bildungspolitische Offensive, endlich spüre ich Rückenwind für die Verwirklichung einer neuen, auf umfassender
Begeisterung und spezifischer Begabung beruhenden kunsthochschulischen Konzeption.
Oben: Johannes Degen, unten: Ranko Markovic
Welche internationalen Vernetzungen bringen Sie in die
ZHdK ein?
Geboren im damaligen Vielvölkerjugoslawien, studierte ich in
Österreich, Russland, Frankreich und England und bereise bis
/ Zett 1–14
Inspirierten und bestärkten sich gegenseitig in ihrem Schaffen: Serge und Doris Stauffer,
Porträt von 1968. © Peter Schweri, Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek
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heute die ganze Welt. Ich habe daher nicht nur zu den arrivierten Institutionen in Europa, Asien und Nordamerika, sondern
auch zu innovativen Initiativen in Brasilien, Venezuela und
Indien beste Beziehungen.
Was treibt Sie an und um in der Kunst, als Künstler, als Hochschulleiter?
Das Musizieren ist mir bereits familiär bedingt ein Grundbedürfnis. Dennoch war und bin ich zuallererst ein Forschender und Lernender. Den Jüngeren Möglichkeiten und Wege
aufzuzeigen, scheinbar Gesichertes mit ihnen zu hinterfragen
und sich mit Lehrenden und Studierenden auf die Suche nach
Schönheit und Wahrheit zu begeben sind für mich Aufgabe
und Privileg der künstlerisch-wissenschaftlichen Gemeinschaft unserer Hochschulen. In meinem Fall wurde früh auch
die Fähigkeit zur Organisation und Kommunikation entdeckt
und gefördert, was mich in die heute gelebte hybride Identität
als Künstler, Lehrer, Gestalter und Vernetzer geführt hat.
Kaum am Zürcher Arbeitsplatz, steht der grosse Umzug an.
Wie begegnen Sie dieser verlängerten Umbruchphase?
Das Toni-Areal und dessen «Besiedelung» bewerte ich als den
idealen Ort zur idealen Zeit, was meine Abnabelung nach den
langen und intensiven Wiener Jahren betrifft. Möge die Umbruchphase zum Aufbruch genutzt werden und viele Energien
freisetzen – nichts ist der Kunst abträglicher als das Verharren in Gewohnheiten und die Anmassung des Anspruchs auf
«wohlerworbene Hoheitsgebiete».
* Prof. Michael Eidenbenz ist Direktor des Dept. Musik
(michael.eidenbenz@zhdk.ch). Daniela Huser ist zuständig für die
Kommunikation im Departement (daniela.huser@zhdk.ch).
Das ungekürzte Interview mit Ranko Markovic ist nachzulesen auf
www.zhdk.ch/interview_rm.
Experimentelle
Kunst im Archiv
Das Archiv von Serge und Doris Stauffer wurde
im Rahmen eines SNF-Forschungsprojekts erschlossen und ist nun in der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek
einsehbar. Bereits zum zweiten Mal arbeitete das
Institute for Contemporary Art Research mit
der Berner Institution zusammen. Gina De Micheli,
Michael Hiltbrunner und Andrea Portmann*
Die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiernde Doris Stauffer und ihr Ehemann Serge Stauffer (1929–1989) prägten je
auf ihre Weise die Auffassung von Kunst und deren Vermittlung. Sie wurde bekannt für das Zusammenbringen von Kunst,
Feminismus und Politik, und er gilt als einer der zentralen
Duchamp-Kenner und als Vordenker von Kunst als einer
alle Wissensbereiche erfassenden Forschungstätigkeit. Diese
Art widerständiger und inhaltlich ausgerichteter, forschender Kunst der Zeit vor Bologna, wie sie im Archiv Serge und
Doris Stauffer dokumentiert ist, stellt eine unverzichtbare
historische Referenz aktueller künstlerischer Forschung dar.
Eklat führt zu Schulneugründung
Kennengelernt hatten sich Doris und Serge Stauffer 1952 in
der Fotografieklasse von Hans Finsler und Alfred Willimann
an der Kunstgewerbeschule Zürich, die heute Teil der Zürcher Hochschule der Künste ist. Schon 1957 unterrichtete
Serge Stauffer selber mit Walter Binder an der Fotoklasse und
gründete zusammen mit Hansjörg Mattmüller 1965 die Klasse
«Form und Farbe» als Plattform für freie Kunst. Doris Stauffer
bot in dieser Klasse 1969 den Kurs «Teamwork» zur Realisie-
41
Zett 1–14/
rung von Happenings an und führte einen Klassenrat ein, in
dem Lehrende und Lernende gleichwertig vertreten waren.
Dies führte in einem bereits zuvor gespannten Klima zum
Eklat mit der Schulleitung und Anfang 1970 zum gemeinsamen
Austritt aller Schülerinnen, Schüler und Lehrenden dieser
Klasse. Der Skandal wurde in allen Zeitungen und auch am
Schweizer Fernsehen thematisiert und änderte schlagartig das
Bild der Kunstgewerbeschule, an der die Unruhen von 1968
keine Spuren hinterlassen zu haben schienen.
Mit breiter Unterstützung konnte 1971 die F+F Schule für experimentelle Gestaltung Zürich gegründet werden (heute F+F
Schule für Kunst und Mediendesign Zürich). Hier entstanden
eine freie Gestaltungspädagogik und ein Zentrum für neue
Ansätze in der Kunst, die Ideen der Antikunst, politischer
und gesellschaftlich engagierter Kunst, Performance und Video beinhalteten. Serge Stauffer entwickelte an der F+F seine
Ideen zu Kunst als Forschung, die 1976 zum ersten Mal in einer
Ausstellung der Schule am Kunsthaus Zürich präsentiert wurden. Die als Mitbegründerin der Frauenbefreiungsbewegung
feministisch aktive Doris Stauffer bot ihrerseits ab 1977 für
Frauen einen «Hexenkurs» an.
Flyer und Briefe der Zürcher Avantgarde
Das Archiv von Serge und Doris Stauffer geht weit über die
Ereignisse im damaligen Zürich hinaus und spiegelt die Tragweite experimenteller künstlerischer und kultureller Bewegungen der Nachkriegszeit bis in die 1980er-Jahre. Die schon
vollständig erfassten Bestände von Serge Stauffer zeugen von
einem faszinierenden forschenden Künstler, dessen Werk
eine Vielfalt an Archivalien hervorgebracht hat. Dazu gehört
zum Beispiel eine chronologisch abgelegte Korrespondenz
(1948–1989), die den intensiven Austausch mit befreundeten
Künstlerinnen und Künstlern, darunter Liliane Csuka, Fredi
M. Murer, Urs Plangg, Ida Szigethy und André Thomkins,
aus dem Umfeld experimentellen und surrealistischen Kunstschaffens dokumentiert. Wertvoll sind in diesem Zusammen-
/ Zett 1–14
hang auch die Ausstellungseinladungen, Plakate, Flugblätter
und Flyer einer eigensinnigen künstlerischen Avantgarde,
etwa der Fluxusbewegung, der Wiener Poeten, von Künstlern wie John Cage oder Dieter Roth, und von Zürcher Treffpunkten wie dem Club bel étage, dem Filmklub Zürich, dem
Houdini und den Galerien Palette und Artischock. Im Archiv
findet sich im Übrigen auch die einzige, vollständig erhaltene
Dokumentation der Gründungsjahre der F+F, die mit künstlerischen Arbeiten verschiedener Schülerinnen und Schüler
einen fundierten Einblick in deren Lehre und Produktion gibt.
Eine erste Retrospektive dieser experimentellen Kunst bot im
Frühjahr 2013 die von Michael Hiltbrunner kuratierte Ausstellung «Serge Stauffer – Kunst als Forschung» im Helmhaus
Zürich, zu der eine gleichnamige Publikation mit Texten von
Serge Stauffer erschien. Doris Stauffer ihrerseits gab nach rund
30 Jahren erstmals wieder einen Workshop, der in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof Oberegg (Appenzell) stattfand,
und plant nun eine Publikation zu ihrer Arbeit, die noch dieses
Jahr im Verlag Scheidegger & Spiess erscheinen soll.
Ehrgeiziges Ziel in acht Monaten erreicht
Das Forschungsteam am Institute for Contemporary Art Research (IFCAR) arbeitete ab Sommer 2013 für acht Monate
an der Erschliessung des Archivs von Serge und Doris Stauffer. Eine besondere Herausforderung stellte dies für Philipp
Messner dar, der die Archivierung konzipiert hatte. Es galt, in
kurzer Zeit eine angemessene, übersichtliche Erschliessung
zu ermöglichen. Gina De Micheli und Andrea Portmann, in
erster Linie für eine aus Zeitzeugengesprächen bestehende
Ergänzungsdokumentation zuständig, wurden zusammen mit
dem Projektleiter Michael Hiltbrunner ebenfalls zum «Einschachteln» herangezogen, um das ehrgeizige Vorhaben einer
professionellen Sicherung und Erschliessung des Nachlasses
innerhalb von acht Monaten zu realisieren. Die erreichte effiziente und massgeschneiderte Katalogisierung ist insofern
beispielhaft, als sie zeigt, wie eine Erfassung von Archiven
und Nachlässen experimenteller Künstlerinnen und Künstler
trotz der sehr spezifischen Anforderungen in dieser kurzen
Zeit machbar ist.
* Gina De Micheli (gina.demicheli@zhdk.ch), Michael Hiltbrunner
(michael.hiltbrunner@zhdk.ch) und Andrea Portmann
(andrea.portmann@zhdk.ch) sind Wissenschaftliche Mitarbeitende
am Institute for Contemporary Art Research (IFCAR), Dept. Kunst & Medien.
43
Forschen mit Humor: Aktion von Anton Bruhin zusammen mit der F+F-Klasse, 1966.
© Iwan Schumacher, Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek
«Wald»: Teamwork-Kurs von Doris Stauffer an der damaligen Kunstgewerbeschule, 1969.
© Doris Stauffer, Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek
42
44
Zett 1–14/ Museum
Pläne erzählen, was man nicht sieht
Unterirdisch –
Das Spektakel des
Unsichtbaren
Unterirdische Bahnhöfe und Kinosäle, grosse
Tunnels und enge Leitungsrohre − die letzte Ausstellung in der Halle des Museum für Gestaltung
vor dem Umzug ins Toni-Areal widmet sich der
weitverzweigten Wirklichkeit unter dem Boden.
Andres Janser*
Manche Bauwerke befinden sich unter dem Boden, weil sie
dort geschützter oder diskreter sind als an der Oberfläche –
etwa der Bundesratsbunker, der so geheim ist, dass er offiziell
gar nicht existiert. Für andere Anlagen wird der Untergrund
aus pragmatischen Gründen gewählt, weil dort zusätzlicher
Platz vorhanden ist.
Freiheit unter dem Boden
Die Underground-Kultur hingegen erobert sich leere Kellerräume als Orte der Utopie, an denen die Freiheit wohl grenzenlos sein muss. Solche Umnutzungen, wie sie neuerdings
auch die Betreiber von Datenspeichern gerne vornehmen,
sind indes nur möglich, weil das Unterirdische immer äusserst
solide gebaut und damit dauerhaft ist.
Egal ob klein oder gross, etwas ist allen unterirdischen Bauwerken gemeinsam: Es fehlt ihnen eine äussere Erscheinung.
Nur das Portal am Übergang zwischen ober- und unterirdisch
erhält bisweilen eine architektonische Form. Also wird das
Sichtbarmachen des Unsichtbaren mit den Mitteln der visuellen Kommunikation betrieben: Der 1933 eingeführte Londoner U-Bahn-Plan beispielsweise betont die Netzwerklogik und
die Umsteigemöglichkeiten. Die Verkehrsbetriebe Zürich und
zahlreiche andere Verkehrsbetriebe folgten diesem bahnbrechenden Designkonzept, obwohl es die reale Geografie einer
Stadt verzerrt.
In sieben thematischen Räumen, deren Gestaltung vom Untergrund inspiriert ist, macht die Ausstellung das Unterirdische
als eigenständige Realität sichtbar, die unsere Städte und Landschaften in der Zukunft noch viel mehr prägen dürfte, als dies
heute schon der Fall ist.
* Andres Janser ist Kurator des Museum für Gestaltung Zürich
(andres.janser@zhdk.ch).
Ausstellung «Unterirdisch – Das Spektakel des Unsichtbaren»,
4. Juli bis 28. September 2014
Museum für Gestaltung Zürich, Halle, Ausstellungsstrasse 60, Zürich
Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr
Vernissage: Donnerstag, 3. Juli 2014, 19 Uhr
Vermittlungsprogramm: www.museum-gestaltung.ch
Bilder:
Seite 44 oben: Verborgene Universen: Eingangstunnel zum Wasserkraftwerk
Ferrera, 2011. © Luca Zanier
Seite 44 unten: Underground als Ort und als Gegenkultur: Konzert der Luzerner
Punkband Chaos am 27. Januar 1979 im Eiskeller Adligenswil. © Emanuel Ammon,
Aura
Oben: Machte als Erster ein unterirdisches Verkehrssystem sichtbar: Plan der
Londoner U-Bahn von 1933. © London Transport Museum
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rubrik
Zett 2–12
rubrik Zett
zett 1–14
2–12
6 Fiona Knecht
3
1
2
4
8
6
Who is
Who
Im Studiengang Master
Art Education werden
zukünftige Ausstellungsmacherinnen,
Kulturvermittler, Lehrpersonen und Kulturpublizistinnen ausgebildet. Herausgefordert
werden die Studierenden je nach der Vertiefung im Vermitteln,
Schreiben oder Ausstellen. Eva Brüllmann,
Bild: Regula Bearth
7
5
9
1 Hannah Horst
2 Bettina Emmisberger
3 Heinrich Lüber
4 Denise Widler
5 Rainer Trösch
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Vertiefung ausstellen & vermitteln. Beruf/Ausbildung: Kommunikationsdesignerin. An der
ZHdK seit: September 2011. Ausserberufliche
Interessen: Bilder, Texte, Philosophien,
Plakate, Kunsträume, Orte, Menschen,
Filme, Töne, Yoga, Konzepte, Farben und
Fotografien. Was mir an der ZHdK gefällt: die
Möglichkeit, zu entdecken, zu hören, zu
lernen, zu gestalten, zu lesen, zu riskieren, zu scheitern, zu teilen und zu erleben. Was ich verändern würde: Recycling. Was
ich mir für das Toni-Areal wünsche: Inspiration
und guten Kaffee.
Leiterin Administration Art Education.
Beruf/Ausbildung: Drogistin/Weiterbildung
in Projektmanagement, Marketing und
Leadership. An der ZHdK seit: März 2003.
Ausserberufliche Interessen: Weinbau und
-sensorik, Kochen, Sport (Yoga, Badminton), Literatur. Was mir an der ZHdK gefällt:
Vielseitigkeit, interessante Kolleginnen
und Kollegen, Kontakt zu Studierenden,
partizipative Führungskultur. Was ich verändern würde: Prozesse, die umständlich
und praxisfern sind. Was ich mir für das Toni-Areal wünsche: gute Vernetzung (sozial
und fachlich) zwischen Bereichen und
Stufen.
Leiter Master Art Education, Leiter
Vertiefung bilden & vermitteln. Beruf/
Ausbildung: Bildender Künstler, Lehramt
für bildende Kunst, Nachdiplomstudium Fachdidaktik. An der ZHdK seit: August
2008. Ausserberufliche Interessen: Rollbrettfahren. Was mir an der ZHdK gefällt: dass sie
ein Ort lebhafter Gespräche ist. Was ich verändern würde: mehr Künste, weniger Hochschule. Was ich mir für das Toni-Areal wünsche:
eine gute Kaffeemaschine.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Vertiefung bilden & vermitteln. Beruf/Ausbildung:
Vermittlerin Kunst & Design/Master Art
Education, Erwachsenenbildung. An der
ZHdK seit: November 2006. Ausserberufliche
Interessen: Verbiegen, Geniessen, Tanzen,
Sehen, Gestalten, Kreieren, Zupfen. Was
mir an der ZHdK gefällt: die Ungleichheit
des künstlerischen Denkens und Tuns.
Was ich verändern würde: das Toni-Glas als
Markenzeichen für die ZHdK. Was ich mir
für das Toni-Areal wünsche: Hühner auf dem
Dach, einen frischen Wind und ein neues
Gesprächsthema.
Administrative Assistenz. Beruf/Ausbildung:
Kaufmännische Lehre, künstlerische
Ausbildung. An der ZHdK seit: Sommer
1993. Ausserberufliche Interessen: Schwimmen, Velofahren, Spazieren, Kunst (Malerei/Zeichnen), Fussball (BVB). Was mir
an der ZHdK gefällt: selbstständiges und
doch teamorientiertes Arbeiten, nette
und interessante Kolleginnen und Kollegen, künstlerisches Umfeld, Kontakt
mit Studierenden und Dozierenden. Was
ich verändern würde: Aktzeichnen gratis für
Mitarbeitende.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Vertiefung publizieren & vermitteln. Beruf/
Ausbildung: Master Design, selbstständige
Designerin und Geschäftsführerin der cd
studio ag. An der ZHdK seit: Juli 2012. Ausserberufliche Interessen: die Zürcher Musikszene, Food-Design, moderne Biotope,
Sounds und Comics der 60er-Jahre. Was
mir an der ZHdK gefällt: der interdisziplinäre
Arbeitskontext und das vielfältige kulturelle Freizeitangebot. Was ich verändern
würde: weniger Aktionismus intern, dafür
mehr Synergien und kreative Outputs.
Was ich mir für das Toni-Areal wünsche: Flow and
Usability.
7 Ruedi Widmer
Leiter Vertiefung publizieren & vermitteln, Verantwortlicher Basisprogramm.
Beruf/Ausbildung: Kulturwissenschaftler,
Journalist, Publizist. An der ZHdK seit: 1998.
Ausserberufliche Interessen: Wandern, Lesen
und Velofahren. Was mir an der ZHdK gefällt:
ihr Potenzial. Was ich verändern würde: das
Potenzial besser ausschöpfen. Was ich mir
für das Toni-Areal wünsche: einen kollektiven
Kick.
8 Angeli Sachs
Leiterin Vertiefung ausstellen & vermitteln, Kuratorin Museum für Gestaltung
Zürich. Beruf/Ausbildung: Kunsthistorikerin,
Kuratorin. An der ZHdK seit: Februar 2006.
Ausserberufliche Interessen: Berufliches und
Ausserberufliches sind bei mir nicht so
getrennt: Lesen, Reisen, Ausstellungen,
Kunst, Architektur, Design, Musik, Entdeckungen machen. Was mir an der ZHdK
gefällt: die Vielfalt der Möglichkeiten. Was
ich verändern würde: den Fokus stärker auf
die Inhalte legen, strukturellen und administrativen Aufwand reduzieren. Was
ich mir für das Toni-Areal wünsche: die ZHdK
als Ganzes erleben, überraschende Perspektiven, Austausch jenseits der bereits
bekannten Strukturen, Raum für Experimente und Entwicklung.
9 Anita Juchli
Administrative Assistenz. Beruf/Ausbildung:
Medizinische Masseurin. An der ZHdK seit:
Frühling 2006. Ausserberufliche Interessen:
Natur, Pflanzen, Steine, Feldenkrais,
Schwimmen im Sommer, interessante
Bücher. Was mir an der ZHdK gefällt: die tägliche Begegnung mit Menschen, die ich
mag. Was ich verändern würde: Ich wünsche
mir, dass die Lunch-Checks weiterhin
abgegeben werden können. Was ich mir
für das Toni-Areal wünsche: eine gemütliche
Kantine mit leckeren Köstlichkeiten zum
Schlemmen.
47
49,7%
Hochschulversammlung Die Alumni-Organisation der ZHdK
www.netzhdk.ch
Das Netzwerk
verknüpft mehr als
1800 Ehemalige der ZHdK und
ihrer Vorgängerhochschulen
aus allen Studienrichtungen.
Informiert bleiben
Aufruf zum
Austausch
über Neues aus der ZHdK,
aktuelle Veranstaltungen und
Informationen von
und seinen Mitgliedern.
Vorteile als Mitglied
-Mitglieder haben
Zugang zu vielfältigen Angeboten
und Vergünstigungen der ZHdK.
Weitere Informationen und Anmeldung:
www.netzhdk.ch
Die Rubrik Hochschulversammlung (HSV) bringt Gegebenheiten, Fragen und Positionen
zur Sprache, die es aus Sicht
der Mitwirkungsgremien wert
sind, auch in erweiterter Runde
diskutiert zu werden.
Zett 1–14
und die guten Kontakte mit über 140 Partnerhochschulen, die das International
Office der ZHdK unterhält, garantieren
die Möglichkeiten für eine Weiterführung der Aktivitäten. Gerade in Zeiten
wie jetzt ist es wegweisend, sich für
ein Austauschprogramm zu bewerben:
49,7 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung können und wollen noch
über den Tellerrand hinausschauen!
(Fernando Scarabino)
What’s up?
mit Einzug ins Toni-Areal keine LunchChecks mehr gewähren möchte, klären der
Mittelbaurat und der Personalrat zusammen
mit den Verantwortlichen der ZHdK die
Verpflegungssituation genau ab. Konkrete
Ergebnisse werden im Lauf des Frühlingssemesters 2014 erwartet.
Laut Aussagen mehrerer Mittelbauangehöriger wird das neue Assistenz-Laufbahnmodell noch nicht überall befriedigend
umgesetzt. Der Mittelbaurat bespricht
konkrete Verbesserungsmassnahmen mit
den Verantwortlichen.
Senat: Am 20. Februar führte der Senat
eine Infoveranstaltung zum Personalrecht
durch. Marlies Stopper, lic. iur., Dozentin
für Recht an der Pädagogischen Hochschule
Zürich, erläuterte die Rechtsgrundlagen der
Anstellung an der ZHdK. Zur Sprache kamen
Themen wie Anstellungsverfügung, befristete
Anstellung, Beschäftigungsgrad, Pensenreduktion, Kündigung, Änderungskündigung,
Kündigungsschutz, Arbeitszeit, Überzeit,
Über die Wichtigkeit der finanzi- Faktorisierung, Lohneinstufung. Wer den
ellen, administrativen und sozialen Vortrag verpasst hat, findet die Präsentation
Unterstützung eines Erasmus-Aus- im Intranet unter www.zhdk.ch/senat.
SturZ: Die Homepage steht: Auf sturz.
zhdk.ch werden laufend neue Inhalte über
Sitzungen, Projekte, Anliegen, Aufrufe
und anderes aktualisiert und zur offenen
Debatte freigegeben (Kommentare sind
erwünscht). Der SturZ engagiert sich in der
Begrenzung der Folgeschäden nach dem Ja
zur Masseneinwanderungs-Initiative und
nimmt aktiv an der Kampagne zur eidgenössischen Stipendieninitiative des Verbands
der Schweizer Studierendenschaften (VSS)
teil. Mehr Infos auf sturz.zhdk.ch.
tauschs berichtet uns zum Beispiel
Janka Stemmle, Departement Kunst &
Medien. Ihr Austausch in Barcelona habe
bewiesen, dass es gut sei, «sich auf etwas
erst mal Ungeschriebenes einzulassen
und sich nicht immer auf das, was man
kennt, zu verlassen». Seit den Anfängen
der ZHdK hat sich die Anzahl der Austauschstudierenden (Outgoing) unter
den ZHdK-Studierenden praktisch verdoppelt, drei Viertel davon verbrachten
ihren Austausch auf dem alten Kontinent. Obwohl die Schweiz nicht mehr
Vollmitglied von Erasmus+ ist, wird sich
für ZHdK-Angehörige hoffentlich wenig
ändern: Der Bund setzt alles daran, mit
einer Finanzierung die Fortführung der
Austauschprogramme sicherzustellen,
Verantwortlich für die Rubrik HSV: Lucia Degonda,
«Künste und Design kennen keine nationalen oder geografischen Grenzen»,
heisst es auf der Website der ZHdK.
Das Dossier Internationales der ZHdK
erachtet es deshalb für eine qualitativ
hochstehende Hochschule für wichtig,
Vernetzung, Kooperationen und eine
breite Mobilität zu pflegen.
Personalrat: Der Personalrat hat entschie- Nico Lypitkas, Mona Neubauer (HSV),
Judith Hunger (PR), Martin Zimmermann (MBR),
den, zweimal jährlich eine Vollversammlung Fernando Scarabino (SturZ)
durchzuführen. Diese soll vorläufig das
traditionelle Gipfelitreffen ersetzen. Damit
soll eine Plattform geschaffen werden, die
es dem Personalrat ermöglicht, Meinungen
direkt an der Basis einzuholen. Am 4. März
traf man sich zum ersten Mal im Vortragssaal
an der Ausstellungsstrasse. Zwei Hauptthemen standen auf der Traktandenliste: «Info
bezüglich Abschaffung der Lunch-Checks»
und der «Massnahmenplan der Mitarbeiterbefragung».
Mittelbaurat: Nachdem die Hochschulleitung den Angehörigen von Mittelbau
und Administrativ-technischem Personal
49
50
Leute
Zett 1–14
Neu an der ZHdK
Künstlerischer Leiter
Bachelor Contemporary Dance
Samuel Wuersten ist künstlerischer Leiter
des neuen Studiengangs Contemporary
Dance auf Bachelor-Stufe. Samuel Wuersten
ist Leiter der Rotterdamer Tanzschule
Codarts und Direktor des Holland Dance
Festivals. Er hat aktiv an der Entwicklung
Hauptfachdozentinnen
der neuen Ausbildung mitgewirkt. Er ist in
Gesang
Gstaad geboren und lebt und arbeitet seit 26
Ab dem Herbstsemester begrüsst die ZHdK Jahren in den Niederlanden. In der Schweiz
zwei neue Stimmen in ihrem Kollegium. Die war er von 1998 bis 2010 künstlerischer
Sopranistin L’uba Orgonášová (Bild oben) Co-Leiter des Tanzfestivals Steps und von
und die Mezzosopranistin Yvonne Naef 1997 bis 2009 Mitglied des künstlerischen
(Bild unten) sind regelmässige Gäste der Ausschusses des Prix de Lausanne und desrenommiertesten Opernhäuser Europas und sen offizieller Dozent für modernen Tanz.
zählen zu den gefragtesten Sängerinnen ihres Er hat in der Schweiz das Ballet du Grand
Fachs. Beide bringen ein umfangreiches Kon- Théâtre de Genève unterrichtet und war
zertrepertoire mit. L’uba Orgonášová wurde als Choreograf für das Cathy Sharp Dance
als eine der letzten «Entdeckungen» Herbert Ensemble in Basel tätig. Siehe auch Interview
von Karajans an die Salzburger Festspiele Seite 34. (red)
eingeladen und arbeitet heute regelmässig
mit Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt
und John Eliot Gardiner zusammen. Opernsängerin und Konzertsolistin Naef singt
häufig unter der musikalischen Leitung von
Grössen wie Pierre Boulez, Bernard Haitink
und anderen. (red)
Auszeichnungen Zett 1–14
Orchesterstellen
Musik
Ein Mann von Welt
verlässt die Bühne
der Typografieausbildung
Auf letzten Herbst demissionierte Prof. HansJürg Hunziker, Dozent für Schriftgestaltung
in den Weiterbildungsstudiengängen Certificate of Advanced Studies (CAS) Schriftgestaltung und Master of Advanced Studies
(MAS) Type Design, aus Altersgründen. Er
unterrichtete bei uns seit 2004. Hans-Jürg
Hunziker ging es nie darum, Vorbilder zu
propagieren und Konzepte zu vermitteln,
sondern unterschiedliche Voraussetzungen
und persönlich mitgebrachte Arbeitsmethoden der Kursbesucherinnen und -besucher
produktiv zu machen und zu vertiefen
sowie eine eigenständige Schriftgestaltung
zu fördern. In seinem Unterricht wurden
Schriftvorhaben mit Bleistift entwickelt
und in einem fortgeschrittenen Stadium
Administrativer Leiter
auf dem Rechner optimiert und finalisiert.
Bachelor Contemporary Dance Von seinem reichhaltigen Arbeitsleben als
Gianni Malfer ist seit 15. April 2014 opera- Schriftsetzer und später als Type Designer
tiver und administrativer Leiter des Bache- bei Linotype (Brooklyn), als Mitarbeiter von
lors Contemporary Dance. Die Anstellung Adrian Frutiger (Paris) sowie von seinen
ist befristet auf ein Jahr und hat den Aufbau eigenen Schriftentwicklungen für das Centre
des Studiengangs unter der künstlerischen Pompidou, IBM und Siemens konnte er uns
Leitung von Samuel Wuersten zur Aufgabe. fachlich viel mitgeben. Hans-Jürg Hunziker
Gianni Malfer begann seine Tanzausbildung lehrte auch in Rabat, Paris und Nancy.
in Zürich und schloss sie an der Ram- Auch wenn er als Dozent der ZHdK nicht
bert Academy in London ab. Der Kultur- mehr zur Verfügung steht, freuen wir uns
manager entwickelte als Geschäftsführer auf weitere Schriftkreationen aus seiner
des Choreographischen Zentrums NRW Werkstatt. Arthur Rimbaud wusste, dass
in Nordrhein-Westfalen ein umfassendes «Abschiede und Aufbrüche zusammengeWeiterbildungskonzept für Tänzer und hören». Wir danken ihm für seine inspiangehende Choreografinnen. Seit 2007 ist rierende Lehre und freuen uns, dass er uns
er Mitglied der Tanzkommission der Stadt als Experte weiterhin zur Verfügung stehen
Zürich. 2008 übernahm er die Geschäfts- wird. (Rudolf Barmettler)
führung des Berufsverbands der Schweizer
Tanzschaffenden Danse Suisse. (red)
Chiara Enderle
Wettbewerbserfolge Musik
Zum fünften Mal wurde im März der Nestlé
and Salzburg Festival Young Conductors
Award vergeben. Der begehrte Preis wird
jährlich an eine Dirigentin oder einen
Dirigenten bis 35 Jahre verliehen. Zu den
drei Finalisten, die aus 82 Bewerbungen
ausgewählt wurden, gehörten zwei Alumni
der Klasse Johannes Schlaefli: Victor Aviat
und Leo McFall. Sie konnten sich in drei
Konzerten dem Publikum vorstellen und
ihr Programm mit der Camerata Salzburg,
dem Mozarteumorchester Salzburg und dem
Symphonieorchester Vorarlberg gestalten.
Der Preis ging an Maxime Pascal.
Zum fünften Mal in Folge vergab Sound
Track Cologne 2013 den Peer Raben Music
Award für die beste Kurzfilmmusik. Gesucht
wurden Filmscores mit innovativer und dramaturgisch nachvollziehbarer Verwendung
von Musik und Ton in Beziehung zum Bild.
Von mehr als 300 Einreichungen wurden in
diesem Jahr zwölf für den Preis nominiert.
Erfüllt wurden die Kriterien im Score von
Rosanna Zünd, Studentin Komposition
für Film, Theater und Medien bei André
Bellmont, für den Film «Letzte Spuren».
Violoncellistin Chiara Enderle (Bild) studiert bei Thomas Grossenbacher und wurde
an dem vom Migros-Kulturprozent durchgeführten Instrumentalmusik-Wettbewerb
2013 als Migros-Kulturprozent-Solistin ausgezeichnet. Sie erhält einen Studienpreis und
findet Aufnahme in der Konzertvermittlung
des Migros-Kulturprozents.
Am Wettbewerb des Schweizerischen Tonkünstlervereins und der Kiefer Hablitzel Stiftung haben zwei aktuelle und eine ehemalige
Studierende den zweiten Preis gewonnen:
Ágnes Vass (Querflöte, Studentin von Philippe Racine), Arata Yumi (Violine, Student
von Zakhar Bron) und Tatiana Pimenova
(Querflöte, Alumna von Maria GoldschnidtPahn). Ágnes Vass erhielt zusätzlich den
Sonderpreis «Prix Collard». (dhu)
Giorgia Cervini, Bratschenstudentin bei
Christoph Schiller, wird nach gewonnenem
Probespiel demnächst im Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI mit Sitz in Turin
Platz nehmen.
Drei Schlagzeugstudenten von Klaus
Schwärzler erspielten sich begehrte Orchesterplätze: David Gurtner gewann eine Akademie im Sinfonieorchester Basel, Thomas
Büchel bei den Stuttgarter Philharmonikern.
Lukas Rechsteiner ergatterte ein Praktikum
im Berner Symphonieorchester.
Alumnus Alexandr Sorokow studierte bei
Zakhar Bron und hat das Probespiel für die
1. Geige bei den Wiener Philharmonikern
gewonnen.
Hornist Simon Lewis, Student von Nigel
Downing, hat sich einen Zeitvertrag über
mindestens eineinhalb Jahre im SchleswigHolsteinischen Landestheater und Sinfonieorchester erspielt.
Florian Hatzelmann, Tubastudent von Anne
Jelle Visser, gewinnt eine Orchesterakademie
bei den Berliner Philharmonikern.
Violoncellist Payam Taghadossi aus der
Klasse Thomas Grossenbacher hat sich
eine Tutti-Stelle im Sinfonieorchester Basel
erspielt.
Innerhalb eines Monats schafften drei Studierende von Rudolf Koelman den Sprung
in professionelle Sinfonieorchester: Leena
Jaakkola zieht ins Tampere Philharmonic Orchestra im finnischen Tampere ein.
Mateus Mai-Antal nahm im Februar im
Musikkollegium Winterthur Platz. Alumnus
Peter Fleischlin hat im Januar bei Klaus
Schwärzler sein Schlagzeugdiplom mit
Auszeichnung absolviert und sich nun eine
Festanstellung im Berner Symphonieorchester erspielt.
Nicht zum ersten Mal figuriert Schlagzeuger
Edzard Locher in den Erfolgsmeldungen
– vor Kurzem hat der Student von Klaus
Schwärzler die Akademie beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
gewonnen.
Martin Ruda, ehemaliger Student bei Klaus
Schwärzler und Rainer Seegers, hat die
Stelle als Solopauker bei der Bayerischen
Staatsoper München gewonnen.
Alumnus Gideon den Herder studierte
Violoncello bei Thomas Grossenbacher. Jetzt
zieht er als Solocellist ins Residenzorchester
Den Haag ein.
Die Erfolgswelle Dirigierstudierender von
Johannes Schlaefli ebbt nicht ab. Nicht nur
seine Ehemaligen machen laufend von sich
reden (Mirga Gražinyt-Tyla wird neue
Generalmusikdirektorin der Oper des Salzburger Landestheaters, Ciaran McAuley
ist seit dieser Spielzeit Assistent beim BBC
Scottish National Orchestra in Glasgow,
Fergus Macleod wurde die Fellowship bei
der English National Opera zugesprochen),
auch aktuelle Studierende ergattern begehrte
Stellen und Preise: Eduardo Strausser ist
ab kommender Spielzeit 1. Kapellmeister
an der Oper des Theatro Municipal de São
Paulo in Brasilien. Chin-Chao Lin gewinnt
den Publikumspreis in Leipzig beim Operettenwettbewerb des Dirigentenforums und
gibt diesen Sommer sein Debüt am Lucerne
Festival. Antoine Lopéz-Ferrer wurde als
Stipendiat ins renommierte Dirigentenforum
des Deutschen Musikrates aufgenommen.
Thomas Grossenbachers früherer Student
Alexander Gropper hat die Tutti-Stelle als
Violoncellist in der Philharmonia Zürich
gewonnen. (dhu)
Lou Spichtig. © PhotoPerricone/Mario Perricone
Tanzerfolge in Cape
Town und Berlin
Die 16-jährige Lou Spichtig, Studentin an
der Tanz Akademie Zürich (taZ), überzeugte
an der International Ballet Competition
in Cape Town, Südafrika – sie gewann die
Silbermedaille. Sie hatte die Einladung zu
diesem Wettbewerb aufgrund ihres Sieges
am Youth America Grand Prix 2013 erhalten.
Salvatore Mulone, ebenfalls Student an der
taZ, erhielt am Tanzolymp in Berlin die
Goldmedaille. Der 19-Jährige zeigte die
Männervariationen aus dem «Grand Pas
Classique» und dem Ballett «Paquita». (red)
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Zett 1–14
Auszeichnungen, Veranstaltungen
Licht neu gedacht
Poster von Dafi Kühne, 2013. © Dafi Kühne
Glarner Förderbeitrag für
Dafi Kühne
Damian Fopp, Alex Jenter und Reto Togni,
allesamt Absolventen der Vertiefung Industrial Design, haben die Jury des Gestaltungswettbewerbs und das Publikum am
energyday13 überzeugt. Gesucht waren für
den Wettbewerb neue Anwendungsbereiche
für LED-Leuchten. Der Entwurf Tune sorgt
für einen gänzlich neuen Umgang mit Licht:
Niedrige Stromspannung wird direkt durch
einen Sockel geleitet, in welchen Lichthalme gestellt werden können. Diese leuchten
automatisch, sobald sie den Sockel berühren. Unterschiedliche Halmlängen sorgen
zudem für unterschiedliche Lichtstärken.
Benutzerinnen und Benutzer können sich
so je nach Situation ein ihnen passendes
kabelloses Lichtbouquet zusammenstellen
und die Lichtquellen nach Belieben positionieren und ausrichten. Gewonnen haben
die Jungdesigner sowohl den ersten Preis
der Jury wie auch den Publikumspreis.
(Cyril Kennel)
Der Grafiker Dafi Kühne hat den Glarner
Förderbeitrag 2014 aus dem Kulturfonds
in Höhe von 25 000 Franken erhalten. Der
31-Jährige schloss 2009 sein Studium in
Visueller Kommunikation an der ZHdK
ab. Seitdem arbeitet er als selbstständiger
Grafiker und Buchdrucker – und bis August
als Dozent an der Virginia Commonwealth
University in Richmond. Pläne, wie er sein
Preisgeld einsetzen möchte, hat Kühne
auch schon: «Ich werde im Mai insgesamt
drei Fortbildungs- und Inspirationstrips in
den Staaten machen. Ziel ist es, den Kopf
gleichzeitig so voll und so leer wie möglich zu
kriegen. Es handelt sich um drei zweiwöchige
Projekte in drei Städten in Zusammenarbeit
mit sehr unterschiedlichen Druckwerkstätten.» In seinem eigenen Atelier in Näfels Gewinner am energyday13 (von links): Reto Togni,
verfügt Dafi Kühne über rund 15 Tonnen Alex Jenter und Damian Fopp. Bild: Inge Jurt
an 40- bis 60-jährigen Druckpressen und
Bleischriften. (Rebecca Morganti-Pfaffhauser,
Daniela Mirabella)
Zett 1–14
Zalando unterstützt
«Karussell»
jede Woche die Gelegenheit zum Malen,
Zeichnen, Üben und Ausprobieren ohne
Zielvorgaben und Leistungsdruck. Jeweils
am Mittwochabend stehen dafür der Aktsaal
sowie ein Aktmodell zur Verfügung. Seit
der Öffnung für das gesamte Departement
erfreut sich das Mallabor grosser Beliebtheit und ist zu einem Begegnungsort für
Studierende unterschiedlicher Vertiefungen
geworden. Auch Ehemalige sind willkommen.
Materialien wie Staffeleien, Bretter, Acrylfarben, Kohle und Papier werden von der
Vertiefung bereitgestellt, alles andere kann
selbst mitgebracht werden. Die Teilnahme
ist kostenlos. (Alessandro Holler)
Sponsoring ermöglicht es Style & Design, das
Engagement von Studierenden ausserhalb
des Unterrichts zu fördern. Selbst initiierte
Projekte generieren wertvolle Netzwerke für
den späteren Einstieg ins Berufsleben und
machen die Erprobung von Arbeitsbedingungen jenseits der Hochschule möglich.
In diesem Jahr erhält Fabio Kunz, Studierender im vierten Semester Style & Design,
den mit 1000 Franken dotierten Preis zur
Unterstützung seines Projekts «Karussell».
Der Preis wurde von Zalando zur Verfügung
gestellt. Die seit einem Jahr bestehende
Kulturplattform im Zürcher Kreis 4 bietet
Raum für Design, Kunst, Konzerte, Theater
und Aktionen aller Art. Ein gemütlicher Ort,
an dem man sich austauschen und verweilen kann und der ständig in Bewegung ist.
(Katharina Tietze)
Mallabor
Bis 4. Juni jeden Mittwoch 17–19 Uhr, Ausstellungsstrasse 60, 5. Stock, Aktsaal, Zürich
www.facebook.com/mallaborzhdk
Festspiele Zürich:
Prometheus-Tag
der ZHdK
www.karussell.co
Visiting Filmmaker:
Joan BrookerMarks
Die amerikanische Film- und Fernsehautorin
Joan Brooker-Marks ist in diesem Semester Visiting Filmmaker im Departement
Darstellende Künste und Film und gibt
Inputseminare in den Filmstudiengängen.
Als Fernsehautorin in Los Angeles arbeitete Joan Brooker-Marks für Serien wie
«Designing Woman» und «Full House».
Als Dokumentarfilmregisseurin wurde sie
vielfach ausgezeichnet, unter anderem für
«Larry Flynt: The Right to Be Left Alone».
Ihr neuer Film «The Silent Truth» beschäftigt
sich mit den Todesursachen der Soldatin
LaVena Johnson in der US-Armee. Filmvorführungen geben Einblick in ihre Arbeit.
(Marille Hahne)
Filmscreenings
Montag, 19. und 26. Mai, jeweils 17.30–20 Uhr,
Limmatstrasse 65, 5. Stock, Zürich
Joan Brooker-Marks
Vom 13. Juni bis 13. Juli stehen die Festspiele
Zürich unter dem Motto «Prometheus –
Entfesselung der Kräfte» und laden das
Publikum ein, den Mythos des Feuerbringers und Kulturstifters neu zu entdecken.
Der 15. Juni steht am Departement Musik
ganz im Zeichen des Prometheus. Unter
der Leitung von Marc Kissóczy und Daniel
Glaus entfesselt das Prometheus-Ensemble
der ZHdK kammermusikalische Kräfte und
stellt alte und jüngere kompositorische
Grenzüberschreitungen einander gegenüber. Beethoven und Luigi Nono liefern mit
ihren Werken die ungebändigte Anmassung
existenziellen Künstlertums, literarische
Aus dem Aktsaal (oben): Aktstudien von Noemi
Texte kontrapunktieren den Klang mit dem
Chow (Bild unten) und Gregor Forster.
Wort. Dass das vermeintlich Bekannte in
unerwartetem Gewand daherkommt, ist
Konzept: «Die Geschöpfe des Prometheus»
werden neu instrumentiert, die «Eroica» ist
für einmal als Klavierquartett zu erleben –
man glaubt, Beethoven beim Komponieren
Das Mallabor ist ein Angebot der Vertiefung über die Schulter schauen zu können. OriScientific Visualization für Angehörige des ginal, aber nicht minder unvertraut sind die
Departements Design. Jeden Mittwoch Tonbandklänge, die Nono den akustischen
wird dazu in den Aktsaal an der Ausstel- Instrumenten mitgibt. Als Klangarchipele
lungsstrasse 60 geladen. Kurz vor dem wechseln Konzertmomente mit Pausen,
Umzug ins Toni-Areal stehen die Türen Austausch und Gespräch – für Erfrischungen
des legendären Aktsaals für einmal auch ist gesorgt. Der Eintritt ist frei. (red)
anderen ZHdK-Angehörigen offen. Das
von den Studierenden geleitete offene Ate- Prometheus-Tag
lier bildet einen Rahmen für individuelles Sonntag, 15. Juni, 11–15 Uhr, Florhofgasse 6, grosser
Saal, Zürich
zeichnerisch-malerisches Arbeiten und bietet
Aktmalen für alle
im Mallabor
Sommeratelier
Kunst und Design
für Teenager
Es tut sich viel Neues für Teenager an der
Zürcher Hochschule der Künste! Nach neun
erfolgreichen Jahren Junior Design spannen
dieses Jahr das Departement Design und
das Departement Kunst & Medien erstmals
zusammen und laden zum «Sommeratelier
Kunst und Design» ein. Während einer
Woche können Jugendliche im Alter von
12 bis 16 Jahren in elf unterschiedlichen
Workshops die verschiedenen Studienbereiche spielerisch kennenlernen. Anhand
vielfältiger Angebote mit spannenden Titeln
wie «Game Design», «Urban Photography»,
«Sound Art», «Digital Handmade» oder
«Einmal Zukunft retour» haben Jugendliche
die Chance, neuste Trends und Techniken
selber zu erproben und handfeste Einblicke
in den Studienalltag beider Departemente
zu bekommen. Die Workshops werden von
erfahrenen Dozierenden und Assistierenden
der ZHdK geleitet. (Flurina Gradin)
Informationen sowie Anmeldung bis 30. Mai unter
www.zhdk.ch/sommeratelier
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—
Zett 1–14
Veranstaltungen
Zett 1–14
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—
Zürcher Hochschule der Künste
Zurich University of the Arts
Jubiläumsgala
der taZ
Die Tanz Akademie Zürich (taZ) feiert in
diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Die
diesjährige Gala, «Fussspuren X», findet auf
der grossen Bühne des Opernhauses statt.
Endlich also genug Platz, um Spannendes
zu zeigen. Die Proben laufen schon jetzt
auf Hochtouren. Beate Vollack, designierte
Leiterin der Tanzkompagnie des Stadttheaters St.Gallen, nimmt ihr Stück «Wenn
die Noten tanzen lernen» mit den jüngeren
Studierenden des Grundstudiums wieder
auf. Der international agierende Choreograf
Kinsun Chan erweitert sein bereits gezeigtes
Stück «Shimmer» der letzten Gala um einen
weiteren Satz zu Musik von Antonio Vivaldi.
Eine besondere Herausforderung stellt das
Werk des französischen Choreografen Jean
Guillaume Bart, Etoile und Trainingsmeister
der Grand Opéra de Paris, dar. Eine ganz
dem klassisch akademischen Stil der französischen Schule gewidmete Choreografie
ist für alle beteiligten Studierenden eine Art
Meisterprüfung der Klassik. ( jhu)
Jubiläumsgala
Samstag, 28. Juni, 17.30, und Sonntag, 29. Juni,
14 Uhr: Stadttheater Schaffhausen
Sonntag, 6. Juli, 13 Uhr: Opernhaus Zürich
Summer School
Weiterbildung im Bausteinsystem
29. August – 7. September 2014
Kompakte Inputs in
Kunst & Design
www.zhdk.ch/weiterbildung
taZ-Studierende proben für die Jubiläumsgala.
Bachelor- und
Master-Projekte
Musik 2014
Die Zeitkunst Musik feiert ihren Nachwuchs – mit Projekten, die in ihrer programmatischen Ausrichtung vielfältiger
nicht sein könnten. Sie zeugen von Passion
und Schaffenslust, von Ambitionen und
Visionen der Diplomandinnen und Diplomanden auf dem Sprung in ihre Karrieren.
Hauptsächlich von April bis Juli wird auf
zahlreichen Bühnen im Grossraum Zürich
gespielt, gesungen und performt. Wer die
Gunst der Stunde nutzen möchte, findet unter
www.zhdk.ch/diplomkonzerte alle Bachelor- Modefotografie von Clifford Coffin, 1949. © Condé Nast
und Master-Projekte im Überblick. (dhu)
Modefotografie
von Man Ray bis
Mario Testino
«Zeitlos schön» heisst die neue Ausstellung
zur Modefotografie im Museum Bellerive. Verführerisch, provokativ, banal, exzentrisch –
Modefotografie ist ein Experimentierfeld
zwischen Kommerz und Kreativität, Mainstream und Subkultur, Industrie und Kunst.
Mehr als reine Auftragsarbeit und ästhetisierende Dokumentation hält sie nicht
nur den Zeitgeist, individuelle Sehnsüchte
und gesellschaftliche Träume fest, sondern
beeinflusst diese auch gleichermassen. Der
amerikanische Verleger Condé Nast hat die
soziologische Dimension und Wirkungskraft
der Modefotografie früh erkannt, neue
Talente entdeckt sowie Karrieren gefördert.
Erstmals öffnet der gleichnamige Verlag nun
seine Archive und gibt Einblick in die exklusive Fotosammlung. Mit rund 160 VintagePrints und frühen Originalausgaben unter
anderem der Magazine «Vogue» und «Vanity
Fair» zeigt diese internationale Wanderausstellung einen beeindruckenden Auszug aus
der Geschichte von 100 Jahren Modefotografie. Von den klassischen Bildkompositionen
der Gründerväter wie Edward Steichen und
Man Ray über die experimentelle Fotografie
von Erwin Blumenfeld und Irving Penn, die
Sexualisierung und den Voyeurismus von
Helmut Newton, die Cool Elegance von Peter
Lindbergh bis hin zu Arbeiten von Mario
Testino. (Jacqueline Greenspan)
Ausstellung «Zeitlos schön – Modefotografie
von Man Ray bis Mario Testino»
11. Juli bis 19. Oktober 2014, Museum Bellerive,
Höschgasse 3, Zürich
Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr
Donnerstag, 10–20 Uhr
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Zett 2–12
Veranstaltungen und Vermischtes
«Denn das
Schöne …» und
«Atelier Erich –
Erich»
Die 3D-Brille ist Teil des Vogelflugsimulators.
Neues Design fürs
Neeracherried
Sport im
Toni-Areal
Auf die laufende Saison wurde das BirdLifeNaturzentrum Neeracherried in ein neues
Gewand gekleidet. Verschiedene Angehörige
und Ehemalige des Departements Design aus
den Studienbereichen Interaction Design,
Scientific Visualization, Cast/Audiovisuelle Medien und Style & Design sowie dem
Institut für Designforschung konnten im
Besucherzentrum vor Ort an den zwei neuen
Ausstellungen mitwirken und mit Rat und
Tat aktiv werden. So wurden unter anderem
ein Porträtfilm über das Naturzentrum,
moderne Touchscreen-Stationen sowie die
Ausstellungsszenografie und -grafik für
Dauer- und Sonderausstellungen umgesetzt. Ein Highlight der Sonderausstellung
«Fliegen wie die Vögel» stellt der von Max
Rheiner, Fabian Troxler, Thomas Tobler und
Thomas Erdin in monatelanger Arbeit entwickelte Flugsimulator dar. An zwei Stationen
erhalten Besucherinnen und Besucher die
Möglichkeit, in die Haut eines Rotmilans
zu schlüpfen und die Welt detailgetreu und
körperlich erfahrbar von oben zu erkunden.
(Flurina Gradin)
Ab kommendem Herbstsemester sollen im
Toni-Areal verschiedene Aktivitäten für alle
sportinteressierten Angehörigen der ZHdK
angeboten werden. Ein interdisziplinäres
Team arbeitet seit Anfang Jahr an der Konzeption und realisiert erste Massnahmen.
Vorgesehen sind spezifische Kursangebote,
Veranstaltungen sowie ausleihbare «Sportmaterialboxen», die ortsunabhängige Bewegungsmöglichkeiten und sportliche Experimentierflächen eröffnen. Das Herzstück
der Aktivitäten bildet die neue Plattform
sport.zhdk.ch, auf der alle Sportangebote
rund um den Hochschulcampus Toni-Areal
sowie Angebote des Akademischen Sportverbands Zürich (ASVZ) laufend erfasst
und vorgestellt werden. Die Plattform vernetzt zudem Sportinteressierte aus allen
Bereichen: Eine Inseratsuche nach Trainingsoder Tanzpartnern soll ebenso ihren Platz
finden wie beispielsweise die Ausschreibung
der ZHdK-Teilnahme an der Sola-Stafette
oder eines Mittelbau-Wanderwochenendes.
(Flurina Gradin)
www.zhdk.ch/birdly
www.birdlife.ch/neeracherried
Mehr Musik für
Tagesschülerinnen
und -schüler
Die musikalischen Ausbildungsstätten von
Zürich untersuchten kürzlich gemeinsam, wie dem Wunsch vieler Eltern und
Lehrpersonen an Zürcher Tagesschulen
nach mehr ausserschulischen Angeboten
musisch-kultureller Art entsprochen werden kann. Grundlage war der 2010 von
der Pädagogischen Hochschule Zürich
(PHZ) publizierte Schlussbericht zu den
Befragungen zu «Schülerklubs und Tagesschulen in der Stadt Zürich», die Esther
Forrer Kasteel (Zürcher Hochschule für
Angewandte Wissenschaften ZHAW) und
Patricia Schuler (PHZ) mit Eltern und
Lehrpersonen der erwähnten Institutionen
durchgeführt hatten. In deren Rahmen
wurden mehr ausserschulische Angebote
musisch-kultureller Art an den Tagesschulen
gewünscht. Dies veranlasste Exponentinnen
musikalischer Ausbildungsstätten der Stadt
Zürich (ZHdK, ZHAW, Musikschule Konservatorium Zürich und Verband Zürcher
Musikschulen), interdisziplinär Angebote
zu entwerfen unter Berücksichtigung des
aktuellen theoretischen und empirischen
Standes zur Ganztagesbildung. Dabei wurden
bestehende Projekte zusammengefasst sowie
entsprechende Aus- und Weiterbildungsmodule skizziert und in einer Stellungnahme
festgehalten. Die genannten Publikationen sind verfügbar auf www.zhdk.ch/mb.
(Elisabeth Danuser)
Der Forschungsschwerpunkt Musikalische
Interpretation beleuchtet in einem Symposium im Juni mit einer Buchpräsentation und
Konzerten zwei Musikerpersönlichkeiten des
20. Jahrhunderts. Der Schweizer Dirigent
und Komponist Erich Schmid (1907–2000)
studierte bei Arnold Schönberg in Berlin,
schrieb einige Meisterwerke, gab aber viel
zu früh das Komponieren auf und wurde
als Dirigent bekannt. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz 1933 wurde er erst
Musikdirektor in Glarus, später Dirigent
des Tonhalle-Orchesters Zürich sowie des
Radio-Orchesters Beromünster. Die wenigen Aufführungen seiner Kompositionen
erhielten oft hanebüchene Kritiken. Da
wurde seine Musik etwa mit dem «Gegacker
in einem Hühnerhof» verglichen. Erich Itor
Kahn (1905–1956) war einer von Schmids
engsten Freunden. Sie unterhielten auch
nach der gemeinsamen Studienzeit einen
intensiven Briefwechsel, der tiefe Einblicke
in ihr künstlerisches Denken und Arbeiten
gestattet. Kahn musste als Jude 1933 nach
Paris fliehen, nachdem er als Pianist eine
vielversprechende Karriere gestartet hatte.
Nach Aufenthalten in verschiedenen Internierungslagern gelang ihm 1941 im letztmöglichen Moment die Flucht in die USA, wo er
vor allem als Pianist und Kammermusiker
tätig war. Für das Komponieren blieb kaum
noch Zeit, dennoch schuf Kahn einige bedeutende Werke. Wie viele Exilkomponisten
geriet er unter die Räder der Geschichte – in
der alten Heimat vergessen, in der neuen
ohne Gelegenheit, seine Kompositionen
bekannt zu machen. (Burkhard Kinzler)
Konzert «Denn das Schöne …»
Freitag, 20. Juni, 20.15 Uhr, Theater am Gleis,
Winterthur
«Atelier Erich – Erich»
Samstag, 21. Juni, 8–21 Uhr, Florhofgasse 6, Zürich
www.zhdk.ch/ims
Zett 1–14
Popdesign –
das Konzert als
Ereignis
Die zweite Kooperation zwischen dem
Schwerpunkt Pop und der Vertiefung Style &
Design beinhaltete die Entwicklung, Inszenierung und Aufführung von zwei Konzerten
am M4Music-Festival vom März im Schiffbau
in Zürich. Die interdisziplinäre Projektarbeit
begann mit der gemeinsamen Konzeption der
Band, ihrem Musikstil und ihrem Auftritt.
Im Zentrum standen Themenbereiche wie
Strategien des Visuellen, neue Formen des
Erlebens, Maskerade und Verwandlung,
Erwartungshaltungen und Rituale, Partizipation der Zuschauer und ganz allgemein
die Perspektiven des Konzerterlebnisses.
Im weiteren Projektverlauf erarbeiteten die
14 Popstudierenden das Konzertrepertoire
und die 12 Designstudierenden die Konzert­
inszenierung von der Dramaturgie über das
Bühnenbild bis hin zur Werbe- und Kommunikationsstrategie in stetem gemeinsamem
Austausch. (Daniel Späti)
«Zugabe»: iPadMagazin für
das Opernhaus
Was wären die Mitglieder der Philharmonia
Zürich geworden, wenn nicht Musiker?
Welche Dos und Don’ts gelten bei einem
Opernbesuch? All diese Fragen beantwortet
das iPad-Magazin «Zugabe» der Philharmonia Zürich mit Filmen, Videos, einem
Game, Animationen, Reportagen, Interviews
und Quizfragen humorvoll und interaktiv.
«Zugabe» ist in einer Kooperation zwischen
der Vertiefung Cast/Audiovisuelle Medien
und dem Opernhaus Zürich entstanden.
Im Rahmen eines dreiwöchigen Moduls
des Departements Design erarbeiteten 14
Designstudierende aus dem fünften Semester
das iPad-Magazin. Geleitet wurde das Modul
von den Dozentinnen Nina Thoenen und
Ulrike Beling. Generalmusikdirektor Fabio
Luisi ist vom Ergebnis begeistert: «Es ist ein
wunderbares Onlinemagazin geworden, das
mit frischem, unvoreingenommenem Blick
auf ein Orchester schaut und dem Leser die
Musiker der Philharmonia näherbringt.»
(Martin Zimper)
«Zugabe» ist kostenlos im iTunes-Store (für iPad)
erhältlich.
Auftritte der Bands «Buffalo Soldouts» (Bild Mitte)
und «Cmd C» (unten) am M4Music-Festival. Bilder:
Johannes Dietschi
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Zett 1–14
Publikationen / Impressum / Carte blanche
Impressum
«Zett», das Magazin der Zürcher Hochschule der
Künste, erscheint dreimal jährlich (Mai, September,
Dezember).
Herausgeberin: Zürcher Hochschule der Künste,
Zürcher Fachhochschule
Redaktion: Heike Pohl (hpo, Chefredaktion),
Caroline Süess (csü, stv. Chefredaktion),
Laura Saller (lsa), Hochschulkommunikation,
Eva Brüllmann (ebr), Services, Barbara Draeyer
(bdr), Kunst & Medien, Daniela Huser (dhu), Musik,
Elisabeth Krüsi (ekr), Design, Judith Hunger ( jhu),
Darstellende Künste und Film, Janine Schiller ( jsc),
Kulturanalysen und Vermittlung, Leona Veronesi
(lve), Museum für Gestaltung Zürich
Lektorat: Lektorama Zürich
Serge Stauffer –
Kunst
als Forschung
Armin Coray: Skelett des Schwarzen Seeigels
Arbacia lixula. Aquarell, 1977.
Handwerkliche
Brillanz für die
Wand
Die Vertiefung Scientific Visualization blickt
auf eine langjährige Tradition der naturalistischen Visualisierung wissenschaftlicher
Inhalte aus Zoologie, Biologie, Medizin und
Archäologie zurück. Bis in die 90er-Jahre
wurde intensiv mit analogen Techniken
wie Aquarell und Tusche gearbeitet – die
entstandenen Arbeiten bestechen heute
durch ihren hohen Grad an Detailtreue und
handwerklicher Brillanz. Nun werden einige
Perlen aus dieser Sammlung in der Edition
«Plakate aus über 50 Jahren wissenschaftlicher Illustration» neu aufbereitet und für
Liebhaber in Kürze zum Verkauf angeboten.
(Rahel Arnold)
Serge Stauffer (1929–1989) war gleichzeitig
als Theoretiker, Performer, Autor und Übersetzer tätig. Sein Werk zeugt von Humor
und Ernsthaftigkeit, von Genauigkeit und
Grenzen sprengendem Weitblick. Stauffer
pflegte nicht nur mit Marcel Duchamp
Kontakt, auch mit André Thomkins verband
ihn eine lebenslange Freundschaft. Er entwickelte zudem eine Theorie zu «Kunst als
Forschung», wonach dem Künstler in der
Gesellschaft eine neue Rolle als Forscher
zukomme.
Die Publikation präsentiert vergriffene und
unveröffentlichte Texte Stauffers, illustriert
mit zahlreichen Fotografien. Sie ist 2013 zur
Ausstellung im Helmhaus Zürich und als Teil
des von Michael Hiltbrunner geleiteten Forschungsprojekts (siehe Seite 41) am Institute
for Contemporary Art Research der ZHdK
erschienen. (Michael Hiltbrunner)
Helmhaus Zürich (Hg.): Serge Stauffer: Kunst als
Forschung. Essays, Gespräche, Übersetzungen,
Studien. Schriftenreihe des Institute for Contemporary Art Research, Band 8. Scheidegger & Spiess,
Zürich 2013. 304 Seiten, 139 Abbildungen,
49 CHF/44 EUR.
Gestaltung und Produktion: Regula Bearth,
Rita Lehnert, Tobias Markus Strebel
Papier: Gobi, 290 g, Reprint FSC C010121, 90 g
Schriften: Neue Helvetica LT Com, Mercury,
Grotesque MT Std
Druck: Ropress Genossenschaft Zürich
Auflage: 5000
Copyright: Der Nachdruck von Artikeln ist unter
Quellenangabe gestattet. Belegexemplare
erwünscht.
«Zett» ist auch als E-Paper und PDF-Datei
erhältlich: www.zhdk.ch/publikationen
cc.zhdk.ch/zett.html
ISSN 2296-6021
Redaktionsschluss «Zett» 2–2014:
5. Juni 2014
Das nächste «Zett» erscheint
Mitte September 2014.
Feedback und Anregungen zu «Zett»:
heike.pohl@zhdk.ch
caroline.sueess@zhdk.ch
Adresse ab 1. Juli 2014:
Zürcher Hochschule der Künste
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96,
8005 Zürich
Telefon Redaktion +41 43 446 44 20
Adresse bis 30. Juni 2014:
Zürcher Hochschule der Künste
Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich
www.zhdk.ch
www.zhdk.ch/vsv
Rechte Seite:
Carte blanche: «Zielgruppe Bacon», von
Reto Hüttenmoser und Gina Pigagnelli
(Bachelor Design, Vertiefung Cast/Audiovisuelle Medien).
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Kunst und Fotos
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