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Hauptausgabe - Migros-Magazin

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NACHT
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NR. 44, 27. OKTOBER 2014 | MIGROS-MAGAZIN |
Neugeborene schlafen bis zu 18 Stunden am Tag,
Nicht ohne Gschichtli ins Bett
Gutenachtgeschichten sind ein wichtiges Ritual und stärken die Bindung zwischen Eltern und
Kindern. Fünf Kinder haben uns ihre liebsten Geschichten verraten und sie gezeichnet.
Z
ähne putzen, Pyjama anziehen,
und dann lesen Mami oder Papi
noch was vor: Die Gutenacht­
geschichte ist in vielen Familien ein
wichtiges Ritual vor dem Zubett­
gehen. Laut einer Studie der Univer­
sität Bern zu Abendritualen wird in
der Hälfte aller Schweizer Familien
abends vorgelesen. Gutenachtge­
schichten geben dem Tag Struktur
und ziehen die Grenze zwischen Tag
undNacht.Ob esum eine Abenteurer­
bande oder nimmersatte Raupen
geht: Das «Guetnachtgschichtli»
weckt Emotionen und stärkt die Bin­
dung zwischen Eltern und Kindern.
Für Daniela Melone, Leiterin der
Elternberatung von Pro Juventute,
steht fest: «Kinder lieben Geschich­
ten! Für ein Kind bedeutet eine Ge­
schichte erzählt zu bekommen immer
Beziehungszeit. Das Kind bekommt
ungeteilte Aufmerksamkeit und
Zuwendung.»
Die Gutenachtgeschichte
geht auch auf dem Sofa
Das Geschichtenerzählen unterstützt
Sprach­ und Hörverständnis: Durch
das regelmässige Vorlesen lernen
Kinder, einer Geschichte inhaltlich zu
folgen und diese zu verstehen. Beim
Erzählen empfiehlt Daniela Melone
Kreativität: «Schön ist es, wenn Er­
wachsene eine Geschichte anschau­
lich erzählen, wenn sie beispielsweise
knurren und Stimmen nachmachen.»
Muss die Gutenachtgeschichte im
Bett erzählt werden? Nicht unbe­
dingt, sagt die Elternberaterin: «Eine
Familie kann sich auch aufs Sofa
kuscheln. Es soll eine ruhige Atmo­
sphäre herrschen, schliesslich soll das
Kind nachher einschlafen können.»
Das Sofa ist auch der Lieblingsort der
fünfjährigen Flurina. Am liebsten be­
kommt sie ihre Gutenachtgeschichte
von den Grosseltern erzählt. Ihrer
siebenjährigen Schwester Lisa ist
nicht der Ort, sondern die Stimmung
wichtig: Sie besteht darauf, dass beim
Vorlesen ihre orange Hasenlampe
brennt.
Text: Silja Kornacher
Flurina (5): «Ich mag
das Märchen von Rapunzel uu gerne. Rapunzel
hat so lange Haare und
schöne grüne Augen.»
«Rapunzel», Brüder Grimm
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NACHT
MIGROS-MAGAZIN | NR. 44, 27. OKTOBER 2014 |
Säuglinge 14 bis
15 Stunden,
Kleinkinder 12 bis
14 Stunden,
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Amelie (3): «Die Raupe Nimmersatt ist meine Lieblingsgeschichte, weil die Raupe einen Lolli isst und mega viele Erdbeeren und ein
Blatt – wäää! Danach ist sie total dick, macht eine ‹Kokosnuss›
um sich herum, knabbert ein kleines Loch und schlüpft heraus.
Tada! – dann ist sie ein wunderschöner Schmetterling!»
«Die kleine Raupe Nimmersatt» von Eric Carle
Raphael (5): «Mein Mami erzählt
mir die Geschichte, wenn ich im Bett
liege. Mir gefällt der ‹kleine Drache
Kokosnuss›, weil die Geschichten so
spannend sind. Es nimmt mich beim
Zuhören immer wunder, wen er bei
seinem Schulausflug im Tal der
Riesenpilze noch so antrifft. Ein Mal,
zum Beispiel, trifft er einen Troll.»
«Der kleine Drache Kokosnuss: Schulausflug
ins Abenteuer» aus der Reihe von Ingo Siegner
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NACHT
MIGROS-MAGAZIN | NR. 44, 27. OKTOBER 2014 |
Kindergärtner
11 bis 13 Stunden,
Primarschüler 10
bis 11 Stunden,
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Lisa (7):
«Meine Lieblings-Gutenachtgeschichte ist ein
englisches
Buch. Meine
Mutter erzählt
es mir immer
auf Deutsch.
Die Maus
Angelina fährt
Schlittschuh
und bereitet
sich auf eine
Aufführung in
der Schule vor.
Aber alles geht
schief, zum
Beispiel hat es
böse Buben
auf dem Eisfeld, die ihr
ständig in den
Weg fahren.
Das finde ich
spannend.»
Gschichtli-Quiz
Scannen Sie den
QR-Code und sehen
Sie im Video, wie die
porträtierten Kinder
ein Gutenachtgschichtli erzählen.
Erraten Sie, welches
es ist?
«Angelina Ice
Skates» aus der
Reihe «Angelina
Ballerina» von
Katharine Hollabird.
Alan (8): «Mein Papi erzählt mir am Abend gerade die Geschichte der vier Kinder, die
in einem arabischen Land ein Abenteuer erleben. Das Buch ist mega spannend, sie
treffen einen Schlangenbeschwörer, finden Schätze und fahren auf einem Motorboot
durch den Fluss. Manchmal ist das Buch auch ein bisschen unheimlich. Es hat fast
keine Bilder, aber das macht nichts, ich kann mir die Geschichte selber gut ausmalen.»
«Der Fluss der Abenteuer» aus der Abenteuer-Serie von Enid Blyton
NACHT
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NR. 44, 27. OKTOBER 2014 | MIGROS-MAGAZIN |
Duftorgie im Mondschein
a) Bauerntabak
(Nicotiana alata)
Einjährige Zierpflanze
ca. 90 cm, blüht ab Juli bis zu den
ersten Frösten, cremeweiss.
Besonderes: Neuere Sorten blühen
auch tagsüber,
duften aber weniger intensiv.
b) Geissblatt
(Lonicera caprifolium)
Mehrjähriger, einheimischer
Fassadenkletterer
ca. 3 Meter, blüht Mai bis Juni,
cremefarben.
Besonderes: Die korallenroten,
erbsengrossen Beeren
sind schwach giftig.
c) Wunderblume
(Mirabilis jalapa)
Mehrjährige, nicht frostfeste
Zierpflanze
ca. 70 cm, blüht Juli bis September,
gelb, rot, weiss.
Besonderes: teils verschieden
gefärbte Blüten auf der gleichen
Pflanze (daher auch der Name).
d) Abendlevkoje
(Matthiola bicornis)
Einjähriges Kreuzblütengewächs
ca. 50 cm, blüht Juli bis Oktober,
weiss mit zartem rosa Hauch.
Besonderes: weihnachtliches
Duftgemisch aus Vanille, Zimt
und Nelken.
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NACHT
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MIGROS-MAGAZIN | NR. 44, 27. OKTOBER 2014 |
e) Abendduft-Leimkraut
(Silene italica)
Mehrjähriges Nelkengewächs
ca. 60 cm,
blüht Juni bis September, weiss.
Besonderes: Der schwere
und süssliche Duft erinnert an
Bittermandeln.
f) Gemeine Nachtviole
(Hesperis matronalis)
Mehrjährige Bauerngartenpflanze
ca. 40 cm, blüht Mai bis Juli, violett.
Besonderes: Die veilchenartig
duftenden Blüten eignen
sich roh oder gezuckert als Beigabe
zu Süssspeisen.
g) Gewöhnliche
Nachtkerze
(Oenothera biennis)
Zweijährige, einheimische Staude
ca. 160 cm, blüht Juli bis
September, gelb.
Besonderes: Das Heilkraut blüht
Abend für Abend
im Zeitlupentempo auf.
Illustration: bunterhund.ch
Text: Almut Berger
Sie haben ihre Sternstunde, wenn sich der Tag dem Ende neigt: Die nachtaktiven
Pflanzen in unseren Gärten. Während ihre tagsüber blühenden Schwestern vor
allem optisch um Bestäuber buhlen, bezirzen sie mit ihrem Duft.
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NACHT
MIGROS-MAGAZIN | NR. 44, 27. OKTOBER 2014
Teenager schlafen 8.5
bis 9.5 Stunden,
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Erwachsene
7 bis 9 Stunden.
Nachts im Zolli
Nach Einbruch der Dunkelheit sind die Tiere im
Basler Zoo unter sich und erholen sich. Werden sie
dabei gestört, schätzen sie das gar nicht.
Schon bald werden sich die jungen Löwen an einen geschützten Ort verziehen und ausruhen, und ihre Mütter werden Nachtwache schieben.
D
er Basler Zoo ist seit drei Stunden
geschlossen, es ist dunkel, und im
Gehege der Löwen ist kein Tier zu
sehen. Stefan Hoby (38) öffnet die Tür
zum Löwenhaus, und wir stellen uns
hinter die Glasscheibe und warten. Ob­
wohl wir das Gelände aufmerksam ab­
suchen, sehen wir sie nicht kommen.
Wie von Geisterhand hingezaubert steht
die Löwin plötzlich regungslos vor uns,
wenige Meter von der Scheibe entfernt.
Wir starren sie an, sie starrt uns an. Und
dann springt sie gegen die Scheibe, lan­
det wenige Zentimeter vor unseren Na­
sen, fixiert uns erneut und verschwindet
so schnell, wie sie gekommen ist.
Wir bleiben wie versteinert stehen
und atmen tief durch. Dann sagt der
Zootierarzt: «Das war ernst gemeint –
ohne die Scheibe zwischen uns gäbe es
uns jetzt nicht mehr.» Die Löwin wollte
wohl die vier im letzten November ge­
borenen Jungtiere beschützen.
Nachts gehört der Zoo den Tieren. Bis
auf die blassen Lichter in den Aquarien
ist es um 21 Uhr stockdunkel im Viva­
rium des Zolli und sehr still. Bloss das
Plätschern des Wassers ist zu hören. Der
Blick in die Becken ist intim, als wäre
man am Tiefseetauchen. Die Lippfische
schwimmen gemütlicher als sonst, der
Stierkopfhai ruht am Grund, der Rund­
rochen zieht seine Runden unbeirrt.
«Nachts
erholen
sich die
Tiere von
den Besuchern.»
Stefan Hoby,
Zoo-Tierarzt
Vom Lungenfisch ist im Süsswassertank
nichts zu sehen. Bloss ein Büschel Cata­
lonia­Salat – armlange löwenzahnartige
Blätter – schwebt im Wasser. Wir war­
ten und stehen still. Plötzlich taucht aus
dem Dunkel ein prähistorisch anmuten­
der Fischbrocken auf. Der Lungenfisch
(kleines Bild) ist über ein Meter lang,
massig und offensichtlich hungrig: Er
reisst ein Blatt nach dem anderen vom
Büschel und verputzt den ganzen Salat.
«So was sieht man nur nachts»,
raunt Hoby auf dem Weg in den Garten,
vorbei an der Hundskopfboa, die ent­
spannt um einen Ast gewickelt schläft,
unddemechsenartigenWickelschwanz­
kink, der flink davonkriecht.
Ein unheimliches Kreischen hallt
durch die dunkle Anlage
Ein unheimliches Kreischen ertönt, als
wir das Vivarium verlassen. Affen? Vö­
gel? Hyänen? Wohl eher eine Stockente,
glaubt Hoby. Auch wenn der Zolli sich
mitten in Basel befindet und man das
entfernte Quietschen von Trams hört,
fühlt sich die Anlage im Licht des Monds
geheimnisvoll an. «Nachts erholen sich
die Tiere vom Tag und den Besuchern»,
sagt Hoby. Normalerweise ist um diese
Zeit niemand im Zolli, auch Hoby ist
bloss einige Male pro Jahr bei Dunkelheit
hier: letztmals im Sommer, als ein
Storch in der Basler Innenstadt ab­
stürzte und er ihn in eine Krankenvoliere
brachte; und als das Indische Panzer­
nashorn ein Junges gebar.
Am Wegrand ist die Silhouette eines
Känguruhs zu sehen. Die Wildesel
traben in der Gruppe davon. In der Ferne
gackern und schnattern die Flamingos
dumpf. Von den Wölfen ist nichts zu
sehen und nichts zu hören. Sie haben
uns wohl gewittert und sich verzogen.
Stefan Hoby stösst die schwere Tür
zum Elefantenhaus auf. Seine Stimme
klingt tiefer, warm und liebevoll. «Hallo.
Hallo! Hoi Heri, alles ist gut», sagt er.
Heri steht schon ganz vorn bei der Ab­
schrankung. Die Chefin der Elefanten
hat ihre Ohren aufgestellt, schwenkt sie,
hebt den Rüssel und wirbelt Staub auf.
Sie grollt. Ein tiefes, lautes, donnerähn­
liches Grollen, das durch Mark und Bein
geht. «Heri, wir gehen», flüstert Hoby
– und wir verziehen uns.
Die Schimpansen, Orang­Utans und
Gorillas sollten wir in Ruhe lassen, sagt
Hoby. Sie sind sich gewohnt, exakt 12
Stunden zu schlafen. Um 18 Uhr bauen
sie jeweils ihr Nest für die Nacht und
versinken in tiefen Schlaf. Wir wollen
keine weiteren Tiere stören und ver­
lassen den Zoo so lautlos wie möglich.
Text: Monica Müller
Bilder: Torben Weber/Zoo Basel
NACHT
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NR. 44, 27. OKTOBER 2014 | MIGROS-MAGAZIN |
Schlafforscher wenden die Namen von Vögeln auf Menschen mit den entsprechenden Schlaf­
Die tagaktiven Lerchen findet man nur bei 15 Prozent der Bevölkerung. Dazwischen liegt der grosse
1 4
«Kinder wachsen in der Nacht»
Dieser Mythos hat in der Tat einen wahren Kern. Das bemerken oftmals die
Grosseltern, welche die Kinder weniger
häufig sehen – «die Kleinen sind plötz­
lich so gewachsen». In Studien stellte
man fest, dass das Wachstum sprunghaft
ist: Ein paar Tage wächst das Kind, dann
gibt es wieder einen Stopp, das lässt sich
deutlich in den ersten Lebensjahren be­
obachten. Weiter erkannte man, dass die
Schlafdauer mit dem Wachstum zusam­
menhängt. Je länger das Kind schläft,
desto eher gibt es solche Wachstums­
sprünge. Tatsächlich werden in der Nacht
jeweils Wachstumshormone ausge­
schüttet, gerade während des Tiefschlafs.
Oskar Jenni, Entwicklungspädiater,
Kinderspital Zürich
«Dinnercancelling: Kann man im
Schlaf abnehmen?»
Ja. Dinnercancelling oder zu Deutsch
Abendfasten hat die Wirkung, dass
nachts die Verdauungsorgane weniger
arbeiten. Die Chronobiologie bestätigt
heute, dass wir einen inneren Rhythmus
im Stoffwechsel haben und die Verdau­
ungsorgane nachts weniger arbeiten.
Und nachts benötigen wir sehr wenig
Energie. Das Dinnercancelling führt
häufig zu erholsamerem Schlaf dadurch
zu gesteigerter Leistungsfähigkeit, und
es erleichtert, das Gewicht zu halten.
Sybille Binder, Ernährungsberaterin,
Geschäftsführerin der Schule für
angewandte Naturheilkunde, Zürich
«Babys im Elternbett sind
gefährlich»
5
2
«Lernen vor dem Schlafengehen
ist effektiver»
Nein. Schlaf ist zwar für die Konsolidie­
rung von Gedächtnisinhalten wichtig.
Im Labor durchgeführte wissenschaftli­
che Experimente, wie das Lernen von
Wortlisten in verschiedenen Zeitabstän­
den, können hierzu wichtige Erkennt­
nisse liefern. Für die Praxis kann man
daraus ableiten, dass es kontraproduktiv
wäre, erst in der Nacht vor der Prüfung
mit dem Lernen zu beginnen. Genauso
falsch wäre es, den ganzen Tag zu ver­
trödeln und erst kurz vor dem Schlafen­
gehen zu lernen. Für das Lernen und
Verstehen komplexer Zusammenhänge
braucht man vor allem Zeit.
Elsbeth Stern, Lernforscherin, Institut
für Lehr- und Lernforschung ETH Zürich
Die Untersuchungen hierzu sind nicht
eindeutig, auch wenn Hinweise beste­
hen, dass das Risiko im Elternbett erhöht
sein könnte. Insbesondere wenn die
Eltern übermüdet sind, rauchen oder Al­
kohol, beruhigende Medikamente oder
Drogen konsumieren. Am sichersten
schläft ein Kind in einem Beistellbett,
wo das Kind nicht hinausfallen kann,
aber auch nicht zwischen den Eltern
überwärmt werden kann. Wichtig ist ein
Abwägen zwischen einer für alle kom­
fortablen Schlafsituation, in der das
Stillen mit kleinem Aufwand möglich
ist, und einer Risikominimierung be­
züglich des «plötzlichen Kindstods»,
dessen Ursache nach wie vor ungeklärt
ist.
Gian Bischoff, Kinderarzt, Zürich
«Ältere Menschen brauchen
mehr Schlaf»
6
3
«Man steht am besten dann auf,
wenns mit dem Biorhythmus
übereinstimmt»
Stimmt nicht. Es gab einmal eine Mo­
de Biorhythmus, die darin bestand, aus­
gehend vom Geburtstag farbige Wellen­
linien zu berechnen. Mit Naturheilkun­
de hat sie nichts zu tun. Der wichtigste
Biorhythmus der Naturheilkunde ist
das, was zum Beispiel Pfarrer Kneipp mit
seiner Ordnungstherapie meinte, was
seit jeher als menschgerechter, regel­
mässiger Wechsel zwischen Aktivität
und Passivität empfohlen wird. Am bes­
ten steht man dann auf, wenn man aus­
geschlafen und ausgeruht ist.
Christian Vogel, Heilpraktiker und Präsident NVS Naturärztevereinigung
Schweiz, Herisau
Nein, die Schlafqualität verändert sich.
Ältere Menschen haben morgens oft das
Gefühl, noch müde zu sein, und inter­
pretieren dies als Schlafmangel. Mit zu­
nehmendem Alter verändert sich das
Schlafmuster. Dies ist ein natürlicher
Alterungsprozess, der dazu führt, dass
man kaum noch Tiefschlafphasen hat
und weniger aktive Traumphasen. Durch
denflacherenSchlafistdieWeckschwelle
gesenkt; Betroffene wachen leichter auf
und können nicht mehr Durchschlafen.
Kommt hinzu, dass es für viele schwie­
riger wird einzuschlafen. Nicht zuletzt
leidet die Schlafqualität durch häufige­
res nächtliches Wasserlassen.
Sandra Oppikofer, Gerontologin,
Zentrum für Gerontologie der Universität
Zürich
12 Mythen
rund um
den Schlaf
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NACHT
MIGROS-MAGAZIN | NR. 44, 27. OKTOBER 2014 |
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gewohnheiten an: Unter den Erwachsenen liegt der Anteil an nachtaktiven Eulen bei rund 25 Prozent.
Rest der Menschen, der sowohl morgens als auch abends einigermassen zurechtkommt.
«Haut, Nägel und Haare
regenerieren sich in der Nacht»
«Bei Vollmond schläft man
schlechter»
7 10
Stimmt nicht. Der Schlaf-WachRhythmus reguliert bei allen höheren Lebewesen eine ganze Reihe überlebensnotwendiger Vorgänge. Unzählige biologische Vorgänge in den Geweben und im
Stoffwechsel gehorchen einer «inneren
Uhr». Intuitiv würde man daher annehmen, dass sich Haut, Nägel und Haare in
der Nacht regenerieren. Die innere Uhr
der Haut funktioniert jedoch anders.
Neuste Forschungsergebnisse haben
nachwiesen, dass die Regenerationskraft
von Haut, Haaren und Nägeln tagsüber
und speziell am Mittag am höchsten ist.
Jürg Hafner, Dermatologe, Präsident der
Schweiz. Gesellschaft für Dermatologie
und Venerologie (SGDV), Bern
Immer vor Mitternacht ins Bett,
damit Sie vom «guten» Schlaf
profitieren können? Das können
Sie vergessen, sagt der Experte.
Wie vieles andere auch, was
der Volksmund verbreitet.
Texte: Stefan Müller
Der Volksmund hat es eigentlich schon
immer gesagt – doch die Wissenschaft
konnte diesen Nachweis bis vor Kurzem
nicht erbringen. Jetzt ist aber gemäss
aktuellen Studien auch wissenschaftlich belegt, dass die Schlafqualität bei
Vollmond schlechter ist. Warum das so
ist, kann man noch nicht erklären. Dass
der Vollmond Einfluss auf die Menschen
ausübt, wurde schon früher in anderen
Erhebungen festgestellt, etwa dass die
Zahl von Gewaltverbrechen während des
Vollmonds zunimmt.
Jens Georg Acker, Schlafmediziner,
Klinik für Schlafmedizin, Bad Zurzach
«Im gemeinsamen Ehebett
schlafen Männer besser und
Frauen schlechter»
8 11
«Baldrian hilft beim Einschlafen»
Baldrian wirkt sehr gut als Einschlafhilfe. Wissenschaftlich ist der Wirkmechanismus nicht genau bestimmt, der
für die schlaffördernde und entspannende Wirkung der Baldrianwurzel verantwortlich ist. Sicher ist, dass der
Baldriantee oder die Baldriantinktur bei
Unruhezuständen und Nervosität als
idealer Schlafanstoss gilt. Je nach Präparat wirkt der Baldrian mehr angstlösend oder entspannend. Die Präparate
verursachen keinerlei körperliche Abhängigkeit und beeinträchtigen den
physiologischen Schlafrhythmus nicht.
Stephan Savoy, Drogist, Drogerie Savoy,
Zürich
Der gute Schlaf
ist dort, wo man
gut schlafen
kann, sagt der
Schlafmediziner.
Bild: Getty Images
«Der Vor-Mitternachtsschlaf ist
der beste»
Stimmt so nicht. Frauen geben häufiger an, schlechter zu schlafen als Männer. Das hat aber selten mit dem Ehebett
oder Ehemann im gleichen Bett zu tun.
In der Kleinkindphase fühlen sich Mütter nach wie vor hauptsächlich zuständig für ihre Kinder, auch während der
Nacht. Das führt zu feineren Sensoren
und «leichterem», störungsanfälligerem, Schlaf. Im späteren Erwachsenenalter scheinen hormonelle Veränderungen zu mehr Schlafstörungen bei Frauen
zu führen. Grundsätzlich gibt es aber
Hinweise, dass emotionaler Stress bei
Frauen sich stärker auf den Schlaf auswirkt. Das ist jedoch schwierig zu beurteilen. Denn häufig geben die Männer
nur an, keine Schwierigkeiten zu haben.
Da sind Frauen oft einfach ehrlicher.
Raimondo Lettieri, Paarberater und
Psychotherapeut, Paarberatung Zürich
9 12
Das stimmt so nicht. Die Menschen
haben individuelle Schlafzeiten. So gibt
es «Lerchen», die Frühaufsteher, und
«Eulen», die Nachtmenschen. Ausserdem verschiebt sich mit zunehmendem
Alter der Schlafrhythmus deutlich nach
vorn. Das Problem dabei ist, dass die
Gesellschaft sich nicht nach diesen
individuellen Schlafzeiten richtet. Man
denke an die Diskussion des Schulbeginns oder an die Schichtarbeit. Das
heisst: Der gute Schlaf ist dort, wo man
gut schlafen kann. Wichtig ist ein regelmässiger Schlafrhythmus und die richtige Schlafmenge.
Jens Georg Acker, Schlafmediziner,
Klinik für Schlafmedizin, Bad Zurzach
«Zu wenig Schlaf macht dick»
Ja, das trifft prinzipiell zu. Schlafmangel führt zu einem Mangel eines bestimmten Hormons, das häufig das Risiko von unkontrollierten Heisshungerattacken erhöht. Die Menschen neigen
dann dazu, den Heisshunger mit Schokolade und Süssem oder koffeinhaltigen
Getränken zu stillen. Ausserdem hat
Schlafmangel zur Folge, dass das vegetative Nervensystem aus dem Lot gerät
und falsche Impulse aussendet. Auf diese Weise wird der Körper weniger gut
entgiftet.
Sybille Binder, Ernährungsberaterin
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Seele and Geist
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