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Kärntner Landesgeschichte - Kärnten

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Kärntner Landesgeschichte
Von den Anfängen bis 1918
Dr. Evelyne Webernig
Dr. Wilhelm Wadl
Dr. Wilhelm Deuer
Burggasse 14/4, A-9020 Klagenfurt, Tel.: 0463-536-2871-2876, Fax: 0463-536-2870,
e-mail: kvak@ktn.gv.at http://www.verwaltungsakademie.ktn.gv.at
INHALTSVERZEICHNIS
I. Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte (Anfänge bis 1918)........................................... 3
1. Vorgeschichte und Antike .................................................................................................. 3
2. Karantanien. Das frühe Mittelalter bis 976......................................................................... 4
3. Das Herzogtum Kärnten im hohen Mittelalter.................................................................... 6
4. Das Herzogtum Kärnten im späten Mittelalter ................................................................... 8
5. Die ständische Epoche..................................................................................................... 10
6. Landesfürstlicher Absolutismus und Zentralismus .......................................................... 11
7. Franzosenzeit und Vormärz............................................................................................. 12
8. Vom Jahr 1848 bis zum Ende der Monarchie ................................................................. 13
II. Grundzüge der Kärntner Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte.................................. 14
Landesfürst und Stände (15.–18. Jahrhundert) ................................................................... 16
Staatliche Landesverwaltung zur Zeit Maria Theresias....................................................... 17
Staatliche Landesverwaltung 1782–1849; Grundherrschaft ............................................... 18
Die Bedeutung der Revolution des Jahres 1848 ................................................................. 20
1848 – Beginn moderner Verwaltung .................................................................................. 21
Stadtverwaltung vor 1848..................................................................................................... 22
„Die Grundfeste des freien Staates ist die freie Gemeinde“................................................ 24
Staatliche Landesverwaltung 1849–1918 ............................................................................ 26
Autonome Landesverwaltung 1861–1918 ........................................................................... 27
Verfassungsformen 1918-1925............................................................................................ 28
III. Kulturgeschichtliche Aspekte der Kärntner Landesgeschichte.......................................... 30
1. Spätantike und Frühmittelalter: bis zum 8. Jh. n. Chr. .................................................... 31
2. Hochmittelalter (Karolinger bis zum Ende der Spanheimer): spätes 8. Jh. – 1269 ........ 32
3. Spätmittelalter (Gotik): 1269 – ca. 1500 .......................................................................... 33
4. Frühe Neuzeit (Humanismus, Renaissance, Reformation): 16. Jh. – ca. 1629) ............ 35
5. Gegenreformation und Absolutismus (Barock und Rokoko): 17. – 3. V. 18. Jh. ............ 37
6. Aufklärung, Romantik und Biedermeier: 4. V. 18. Jh. – 1848 ......................................... 39
7. Neoabsolutismus, Liberalismus und Gründerzeit (von 1848 – 1918) ............................ 41
8. Erste Republik (1918 - 1938) ........................................................................................... 42
9. Nationalsozialismus (1938-1945)..................................................................................... 44
10. Zweite Republik (seit 1945)............................................................................................ 45
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
I. Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
(Anfänge bis 1918)
1. Vorgeschichte und Antike
Ca. 40.000 Altsteinzeit bis Jungsteinzeit: älteste Spuren menschlichen
– Ende
Lebens in den Tropfsteinhöhlen des Burgberges in Griffen
3. Jtsd. v.
Chr.
Um 2000
v. Chr.
Ende der Jungsteinzeit: erste größere und feste Siedlungen
finden sich am Maria Saaler Berg, am Kanzianiberg, am
Strappelkogel/Lavanttal.
750 – 250
v. Chr.
Hallstattkultur: Das große Gräberfeld mit ca. 300 Brandgräbern von Frög bei Rosegg mit Grabbeigaben (Bleifiguren)
ist von europäischer Bedeutung.
Um 250 v.
Chr. –
Christi Geburt
Keltische Stämme besiedeln den Ostalpenraum (Latènekultur), überschichten die illyrische Vorbevölkerung und gründen das Königreich Noricum mit der Hauptstadt auf dem
Magdalensberg.
113 v. Chr. Die nach Süden ziehenden germanischen Kimbern schlagen bei Noreia erstmals die einheimische n Noriker und ein
römisches Heer.
15 v. Chr.
Die Römer +besetzen das norische Königreich. Sie errichten ihr Verwaltungszentrum unterhalb des Magdalensberggipfels. Norisches Eisen hat Weltruf und wird nachweisbar
exportiert.
Um 45 n.
Chr.
Noricum wird römische Provinz, Virunum auf dem Zollfeld
wird Hauptstadt und Sitz des Statthalters. Eine durchgreifende Romanisierung des Landes ist die Folge, die Höhensiedlungen werden allmählich verlassen, es folgt ein pla nmäßiger Ausbau des Städtewesens in Virunum und Teurnia.
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Webernig © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Um 300 n.
Chr.
Die erste Christianisierung in Kärnten erfolgt vom Patriarchat Aquileja aus. Virunum und Teurnia werden Bischofssitze; die Provinz Noricum wird unter Kaiser Diokletian geteilt, Virunum wird Hauptstadt von Binnennoricum. Es folgt
der allmähliche Niedergang der provinzialrömischen Kultur
und des Städtewesens.
5. Jh.
Völkerwanderung; Germanenstämme fallen in Binnennoricum ein (West-, Ostgoten); Bischofs- und Friedhofskirche in
Teurnia (berühmter Mosaikboden). Auf dem Hemmaberg
entsteht ein frühchristliches Pilgerheiligtum (reiche Mosaike). Ende des Weströmischen Reiches (476), germanische
Nachfolgereiche in Italien. Kärnten wird Grenzprovinz des
Ostgote nreiches in Italien.
2. Karantanien. Das frühe Mittelalter bis 976
Ab 591
Teurnia wird 591 zum letzten Mal in einer antiken Quelle
genannt. Um 600 wandern slawische Stämme in den
Kärntner Raum ein und gelangen im Westen bis ins Pustertal. Das Zentrum des slawischen Fürstentums entsteht auf
dem Zollfeld in Karnburg.
Um 700
Der Name „Carontani“ (=die Karantanen) taucht beim
„Geographen von Ravenna“ auf; um 800 beim langobardischen Geschichtsschreiber Paulus Diaconus die Form „Carantanum“ für Kärnten.
Um 740
Der karantanische Slawenfürst Boruth ruft die Bayern unter
Herzog Odilo gegen die Awaren zu Hilfe. Dies ist der Beginn der bayrischen, seit 788 der fränkischen Oberherrschaft über die Karantanerslawen.
Um 757
Unter Bischof Virgil von Salzburg erfolgt die zweite und
endgültige Christianisierung Karantaniens. Er schickt Missionare ins Land, darunter den Chorbischof Modestus. Dieser
weiht u. a. die Kirchen Maria Saal (beim ehemaligen Virunum) und St. Peter im Holz (beim ehemaligen Teurnia). Das
Chorbistum Maria Saal existiert bis ca. 945.
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Webernig © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
772
Herzog Tassilo III. von Bayern wirft einen Aufstand der Karantanerslawen nieder. Kloster Molzbichl (bis 9./10. Jh.)
788
Karl der Große setzt Herzog Tassilo III. ab; Bayern wird
fränkische Provinz; Karantanien wird unter die Oberhoheit
des Frankenreiches gestellt.
811
Karl der Große bestimmt die Drau als Diözesangrenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Patriarchat Aquileja.
817 – 823
In Karantanien wird die fränkische Grafschaftsverwaltung
eingeführt; die einheimischen Fürsten werden durch
Reichsbeamte (Markgrafen) ersetzt.
9. Jh.
Beginn der bayrischen Kolonisation und Christianisierung in
Karantanien. Unter den mit Königsgut Beschenkten befindet
sich auch das Bistum Freising, das schon im 9. Jh. Maria
Wörth und das Gebiet zwischen Trixen und Griffen besitzt.
Um 870 wird in Salzburg eine Bekehrungsgeschichte der
Bayern und Karantanen abgefaßt.
876
König Karlmann überträgt seinem illegitimen Sohn Arnulf
von Kärnten die Verwaltung Karantaniens. Arnulf wird 887
König des ostfränkischen Reiches, 896 Kaiser.
888
König Arnulf (von Kärnten) feiert das Weihnachtsfest in der
karolingischen Pfalz zu Karnburg.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
3. Das Herzogtum Kärnten im hohen Mittelalter
976
Kärnten wird aus der Personalunion mit Bayern herausgelöst und selbständiges Herzogtum. Kärnten ist somit die
älteste historisch-politische Individualität unter den heutigen
österreichischen Bundesländern. In der zweiten Hälfte des
10. Jhs. bilden sich drei Grafschaften: Lurn in Oberkärnten,
Friesach in Mittelkärnten und Jaun in Unterkärnten.
996
Bruno, der Sohn Herzog Ottos von Kärnten, wird der erste
deutsche Papst Gregor V.
1007
Das Bistum Bamberg erhält reichen Besitz in Kärnten (Hof
Villach, Gebiet um Arnoldstein und Tarvis; im Lauf der Zeit
wird Wolfsberg zum Sitz des bambergischen Vizedoms in
Kärnten.
11. Jh.
Beginn der Kärntner Klostergründungen: Nonnenstifte St.
Georgen am Längsee (um 1010) und Gurk (1043), Benediktinerklöster Ossiach (vor 1028), Millstatt (um 1070), St. Paul
(1091).
1011 –
1035
Adalbero von Eppenstein wird Kärntner Herzog und begründet damit erstmals eine einheimische Herzogsdynastie. Die
Eppensteiner lösen die Herzöge von Kärnten aus verschiedenen bayrischen, schwäbischen und fränkischen Geschlechtern ab.
1072
Das Bistum Gurk wird vom Salzburger Erzbischof Gebhard
errichtet, erst 1131 erhält es einen bescheidenen Diözesansprengel. Unter Bischof Roman I. wird ca. 1140 mit dem Bau
des Gurker Domes begonnen.
1122
Die Herzogsdynastie der Eppensteiner stirbt aus. Die Steiermark (Kärntner Mark) scheidet endgültig aus dem Verband
des Herzogtums aus.
12. Jh.
Romanische K unst in Kärnten. Es folgen weitere Kloste rgründungen: Arnoldstein (Benediktiner, 1106), Eberndorf (Augustiner-Chorherren, zw. 1132 und 1149), Viktring (Zisterzienser,
1142).
1122 –
1269
Die rheinfränkischen Spanheimer betreiben als Kärntner Herzöge erstmals eine gezielte Landespolitik. Besonders unter
Herzog Bernhard II. von Spanheim (1202–1256) tritt ein Aufschwung ein, das Städtewesen beginnt auf Grundlage der
alten Märkte zu blühen, St. Veit wird Landeshauptstadt. Zu
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
den ältesten Städten des Landes gehören noch das salzburgische Friesach, das bambergische Villach, dann die la ndesfürstlichen Städte Völkermarkt und Klagenfurt. Die spanheimische Politik richtet sich hauptsächlich gegen die territoriale
Zersplitterung des Landes.
1228
Erzbischof Eberhard II. von Salzburg errichtet das Bistum
Lavant mit dem Sitz in St. Andrä im Lavanttal.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
4. Das Herzogtum Kärnten im späten Mittelalter
1269 –
1276
Mit dem Spanheimer Herzog Ulrich III. von Kärnten erlischt
die letzte einheimische Herzogsdynastie. Unter König Ottokar II. von Böhmen wird Kärnten vorübergehend mit Österreich, der Steiermark und Krain vereinigt.
1270
Der Kärntner Ulrich von Heunburg wird von König Ottokar II.
zum ersten Landeshauptmann von Kärnten ernannt.
1276 –
1335
Kärnten, zuerst dem Grafe n Meinhard von Görz-Tirol unterstellt, wird seit 1286 von den Herzögen aus dem Hause
Görz-Tirol, den „Meinhardinern“, regiert.
1286
Am 1. Sept. 1286 unterzieht sich Meinhard von Görz-Tirol
den Einsetzungsbräuchen auf dem Zollfeld. Der erste Bericht
darüber stammt vom steirischen Reimchronisten Ottokar aus
der Geul aus dem Beginn des 14. Jhs. Abt Johann von
Viktring (1312–1345) wird zum bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters in Kärnten bzw. Österreich.
1335
Kärnten fällt an das Haus Habsburg und wird mit Österreich,
der Steiermark und Krain vereinigt.
1338
Herzog Albrecht II. von Österreich bestätigt und erweitert die
Kärntner Landesfreiheiten. Auch die Stadtrechte von Klagenfurt und St. Veit werden urkundlich bestätigt.
1348
Katastrophenjahr in Kärnten: Erdbeben, Bergsturz der Villacher Alpe, Pest
1379
Bei der habsburgischen Länderteilung kommt Kärnten an die
leopoldinische Linie (Herzog Leopold III.), 1411 fällt Kärnten
der steirischen Linie der Habsburger (Innerösterreich mit
dem Zentrum Graz) zu.
1414
Auf dem Fürstenstein zu Karnburg findet das letzte Mal eine
Herzogseinsetzung statt. Die Bräuche am Herzogstuhl auf
dem Zollfeld werden noch bis 1597 (durch den Landesfürst
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
persönlich) bzw. bis 1651 (durch einen Vertreter des Landesfürsten) geübt. Die kirchlichen Zeremonien finden von alters
her im Dom zu Maria Saal statt.
1460
Im Frieden von Pusarnitz erwirbt Kaiser Friedrich III. den
Kärntner Besitz der Grafen von Görz und der 1456 ausgestorbenen Grafen von Cilli.
1473 –
1483
Fünfmal falle n die Türken in Kärnten ein (1473, 1476, 1478,
1480, 1483) und gelangen auf ihren Raubzügen weit in das
Innere des Landes. Jakob Unrest (1465–1500), Pfarrer in St.
Martin am Techelsberg, berichtet in seinen Chroniken (Kärntner, Österreichische, Ungarische Chronik) über diese Zeit.
1478
Im Bereich der Grafschaft Ortenburg in Oberkärnten bricht
unter Führung des Peter Wunderlich ein großer Bauernaufstand aus, der sich über das ganze Land ausbreitet.
1480 –
1490
Notzeit des Landes: Die Besetzung der salzburgischen Besitzungen in Kärnten durch ungarische Truppen führt zu
schweren Plünderungen. In Folge der Türken- und Ungarngefahr erfolgt der Ausbau sogenannter Wehrkirchen in Kärnten.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
5. Die ständische Epoche
1518
Klagenfurt wird von Kaiser Maximilian I. den Kärntner
Ständen geschenkt. Diese lassen die Stadt im 16. Jh.
nach Plänen des Domenico de Lalio im Stil der Renaissance erweitern und zur Festung ausbauen. Klagenfurt
wird landständische Residenz und in weiterer Folge Landeshauptstadt. 1574–1594 wird vo n den Baumeistern Antonio Verda und Hans Freymann das Landhaus als Symbol ständischer Macht erbaut. Der Lindwurm, das Wappentier und Wahrzeichen der Stadt, wird 1590 vom Bildhauer Ulrich Vogelsang geschaffen.
Seit 1525
Das Gedankengut der Reformation dringt in Kärnten, v. a.
in die Städte, ein.
1535
Entscheidende Schwächung der salzburgischen und bambergischen Positionen in Kärnten.
1564
Bei der habsburgischen Länderteilung bleibt Kärnten bei
Innerösterreich. Erzherzog Karl II. empfängt am Herzogstuhl auf dem Zollfeld die Huldigung der Stände und nimmt
an einem großen Landtag in Klagenfurt teil.
1578
Erzherzog Karl II. gewährt dem Kärntner Adel Religionsfreiheit und erhält dafür Hilfe gegen die Türken.
1579 –
1592
Michael Gothard Christalnick verfaßt die „Historia Carinthiaca“ (=Geschichte Kärntens), die 1612 von Hieronymus Megiser unter dem Titel „Annales Carinthiae“ in Leipzig gedruckt wird.
1600
In Kärnten beginnt in verstärktem Maße die landesfürstliche
Gegenreformation, und zwar vorerst im Bürger- und Bauernstand. Die Exulantenbewegung aus Glaubensgründen
setzt ein, vor allem in den süddeutschen Raum. Der Jesuitenorden läßt sich in Klagenfurt nieder (1604–1773; Kollegium, Gymnasium mit Hochschulstatus, Schul- und Ordenstheater).
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
1628
Es erfolgt nun auch die Aufhebung der Religionsfreiheit für
den Adel. Die Auswanderungswelle der Protestanten erreicht einen Höhepunkt. Die Kärntner Stände werden dadurch entscheidend geschwächt.
6. Landesfürstlicher Absolutismus und Zentralismus
1660
Die Erbhuldigung der Kärntner Stände für Kaiser Leopold I.
wird im Landhaus zu Klagenfurt vorgenommen.
1728
Kaiser Karl VI. empfängt in Klagenfurt als letzter habsburgischer Herrscher die Erbhuldigung der Stände.
1732
Neue Protestantenverfolgungen führen zur Transmigration
vieler Kärntner Protestanten nach Siebenbürgen.
1748 –
1756
Die zentralistischen Verwaltungsreformen Maria Theresias
bringen auch in Kärnten die Kreiseinteilung (Villacher, Klagenfurter, Völkermarkter Kreis). Die Macht der Stände ist
praktisch gebrochen.
1751
Das Gebiet südlich der Drau gelangt nach Auflösung des
Patriarchates Aquileja vorübergehend unter das Erzbistum
Görz und dann im Zuge der josephinischen Diözesanregulierung 1786 an das Bistum Gurk.
1759
Der Staat erwirbt die bambergischen Besitzungen in Kärnten.
1781
Auf Grund des Toleranzpatentes Josephs II. bekennen sich
über 14.000 Protestanten zu ihrem Glauben, es entstehen
13 sogenannte Toleranz- und acht Filialgemeinden. Die Zeit
des Geheimprotestantismus ist damit zu E nde. Im gleichen
Jahr wird auch die Leibeigenschaft aufgehoben. Erzherzogin Maria Anna, Schwester Kaiser Josephs II., übersiedelt
nach Klagenfurt und lebt dort bis zu ihrem Tode 1789 in
enger Nachbarschaft zum Elisabethinenkloster.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
1782
Kärnten wird der Verwaltung in Graz unterstellt (Gubernium
Graz). Die bisherige ständische Selbstverwaltung wird dadurch aufgehoben, die administrative Selbständigkeit des
Landes (mit Unterbrechungen von 1790–1804) beseitigt. In
Klagenfurt wird ein Appellationsgericht für Inner- und Oberösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Gradiska,
Küste nland, Triest, Tirol und Vorarlberg) errichtet.
1783 –
1787
Die Klöster Arnoldstein, St. Georgen am Längsee, Ossiach,
Viktring, Griffen und St. Paul werden im Zuge der josephinischen Kirchenpolitik aufgehoben. St. Paul wird 1809 von
Mönchen aus St. Blasien im Schwarzwald wieder besiedelt.
7. Franzosenzeit und Vormärz
1797 –
1813
In Folge der Französischen Revolution bzw. der europäischen Kriege dieser Zeit kommt es zum Durchmarsch der
Franzosen unter General Napoleon Bonaparte durch Kärnten, das damit Schauplatz der Franzosenkriege wird. Die
Stadt Klagenfurt wird mehrmals von französischen Truppen
besetzt. Das Land Kärnten leidet neben den kriegerischen
Ereignissen auch sehr unter schweren Kriegskontributionen. Führer des Widerstandes ist der "Kärntner Andreas
Hofer", Johann Baptist Türk, der in Maria Saal begraben
liegt.
1805
Die salzburgischen Besitzungen in Kärnten werden säkularisiert. Friesach, Althofen, Maria Saal, die Herrschaft Krappfeld, Guttaring, Sachsenburg und Gmünd kommen an den
österreichischen Staat.
1809
Im Frieden von Schönbrunn wird der Villacher Kreis an
Frankreich abgetreten und somit zu einer der dem Gubernium in Laibach unterstellten „illyrischen Provinzen“. Der Klagenfurter Kreis wird dem Gubernium in Graz unterstellt. Die
Schleifung der Befestigungsanlagen durch die 1810 abziehenden Franzosen führen in Klagenfurt zum Verlust der
Bauarchitektur des 16. Jhs.
1813 –
Nach der Rückeroberung des Villacher Kreises 1813 ve rbleibt dieser bei den österreichischen illyrischen Provinzen
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
1825
(seit 1816 Königreich Illyrien). 1825 wird auch der Klagenfurter Kreis dem Gubernium in Laibach unterstellt.
8. Vom Jahr 1848 bis zum Ende der Monarchie
1848 –
1849
Die Revolution von 1848 findet auc h in Kärnten statt. Eine
eigene Nationalgarde wird aufgestellt. Der erste frei gewählte provisorische Kärntner Landtag spricht sich mit den
Stimmen der Slowenen für ein ungeteiltes Kärnten aus.
Kärnten wird wieder selbständiges Kronland mit dem Sitz
der Landesregierung in Klagenfurt. Die Grundentlastung der
Bauern löst die Abhängigkeit von den alten Grundherrschaften. An deren Stelle treten die politischen Ortsgemeinden,
die 1849/50 eingerichtet werden.
1859
Der Sitz des Bistums Lavant wird nach Marburg (heute Maribor, Slowenien) verlegt. Die Kärntner Gebiete des Bistums
werden dem Bistum Gurk unterstellt, dessen Diözesangrenzen sich seit damals mit den Landesgrenzen decken.
1861
Ende März 1861 wird in Kärnten der Landtag gewählt; mit
der ersten Sitzung am 6. April 1861 beginnt die bis heute
maßgebende Zählung der Gesetzgebungsperioden.
1918
Am 11. November 1918 erklärt die Vorläufige Landesve rsammlung in der provisorischen Landesverfassung den Beitritt Kärntens zum neuen Staat Deutsch-Österreich. Dr. Arthur Lemisch wird Landesverweser von Kärnten.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
II. Grundzüge der Kärntner Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte
Kärnten ist das am frühesten ausgebildete Land auf dem Boden des
heutigen Österreich (8. Jh.: slawisches Stammesfürstentum, 9. Jh.:
zeitweiliger Mittelpunkt eines karolingischen Teilreichs („Arnulf von
Kärnten“), 976: Trennung von Bayern und erstes Herzogtum Öste rreichs).
Die Macht der Kärntner Herzoge war jedoch sehr begrenzt und beschränkte sich im wesentlichen auf den Zentralraum (Städtedreieck St.
Veit, Klagenfurt, Völkermarkt) und umliegende Burgen. Weite Teile des
Landes standen unter der Herrschaft auswärtiger geistlicher Fürsten.
Erzbistum Salzburg: Stall, Sachsenburg, Gmünd, Friesach, Althofen,
Hüttenberg, St. Andrä, Maria Saal
Bistum Bamberg: Kanaltal, Unteres Gailtal, Villach, Feldkirchen, Griffen, Wolfsberg, Oberes Lavanttal
In Oberkärnten herrschten die Grafen von Görz und die Grafen von
Ortenburg (ab 1418: Grafen von Cilli). Erst nach dem Erbfolgekrieg,
der auf das Aussterben der Grafen von Cilli folgte, gelang es Kaiser
Friedrich III., ganz Oberkärnten für die Habsburger zu gewinnen (Friede von Pusarnitz 1460). In Staatsverträgen („Rezessen“) mit den
Habsburgern mußten 1535 auch Salzburg und Bamberg für ihre Besitzungen in Kärnte n auf die Landeshoheit verzichten, bleiben aber
Grundhe rren.
Eine Besonderheit Kärntens ist, dass das Land schon früh ohne eigenes, im Land selbst residierendes Herrschergeschlecht ist (Tod des
letzten Herzogs aus dem Geschlecht der Spanheimer 1269).
Den abwesenden Landesfürsten vertritt ab ca. 1270 der Landeshauptmann. Zusammen mit dem Landesverweser und dem Vizedom
verwaltet er im Auftrag des in Wien oder Graz residierenden Herzogs
das Land.
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Wadl © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
In Kärnten selbst gewinnen ab dem Spätmittelalter die Landstände
zunehmend an Einfluss. Der Landtag gliederte sich in drei Kurien
(Geistliche, Adel, Städte und Märkte). An der Spitze der ständischen
Landesverwaltung standen das Verordnetenkollegium, der Burggraf
und der Generaleinnehmer. Die Stände hoben Steuern und Zölle ein
und hatten auch das Münzwesen in ihrer Hand.
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Wadl © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Landesfürst und Stände (15.–18. Jahrhundert)
Landesfürst
ab 1335 Habsburger
Residenz in Wien bzw. Graz
Landesvizedom
Landeshauptmann
Landesverweser
Finanzchef
vertritt den Landesfürsten
gegenüber den Ständen
Stellvertreter des LHM
LANDSTÄNDE
Geistliche - Adel - Städte und Märkte
Ständischer Ausschuß
Generaleinnehmer
Verordnetenkollegium
Burggraf
(ständischer Finanzchef)
(ständische Regierung)
(Stadthauptmann)
Im Jahre 1518 schenkte Kaiser Maximilian Klagenfurt den Landständen. Diese bauten die Stadt im Verlauf des 16. Jahrhunderts zu ihrer Residenz und Haup tfestung
aus. Alle ständischen Behörden und Einrichtungen wurden hier angesiedelt. Dadurch
erlangte Klagenfurt allmählich den Status einer Landeshauptstadt und überflügelte
St. Veit, wo seit dem 14. Jahrhundert die landesfürstlichen Behörden ihren Sitz gehabt hatten.
Im Zeitalter des Absolutismus versuchte der Landesfürst im 18. Jahrhundert, die
Macht der Stände zurückzudrängen. Er entzog ihnen ihre weitreichenden Kompetenzen im Bereich des Münzwesens und der Steuereinhebung. Es kam zur Errichtung
eines staatlichen Behördenapparates auf Landes- und Bezirksebene.
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Wadl © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Staatliche Landesverwaltung zur Zeit Maria Theresias
Kaiser
Landeshauptmannschaft
Klagenfurt
Kreisamt
Villach
Kreisamt
Klagenfurt
Kreisamt
Völkermarkt
Unter Kaiser Joseph II. (1780–1790) wurden die landesfürstlichen Behö rden in Kärnten beseitigt und das Land einer größeren Verwaltungseinheit (Gubernium) unterstellt, deren Behörden in Graz angesiedelt waren.
Nach der Niederlage im Befreiungskrieg von 1809 wurde Oberkärnten (Villacher
Kreis) ein Teil der französischen Illyrischen Provinzen und blieb auch nach dem Ende
der französischen Herrschaft ein Teil des Laibacher Guberniums. Ab 1825 war ganz
Kärnten diesem unterstellt. In Kärnten selbst gab es nur noch die beiden Kreisämter
(= Bezirksverwaltungsbehörden) in Villach und Klagenfurt.
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Wadl © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Staatliche Landesverwaltung 1782–1849; Grundherrschaft
Kaiser
Gubernium
1782-1809 Graz
1809-1824: Oberkärnten bei Laibach
1825-1849: ganz Kärnten zu Laibach
Kreisamt Villach
Kreisamt Klagenfurt
Von ganz wenigen Ausnahmen („Freisassen“) abgesehen waren alle
Bauern Kärntens bis zum Jahr 1848 Untertanen einer Grundherrschaft.
Sie waren zwar persönlich frei und besaßen seit der Zeit Maria Theresias auch schon ein Erbrecht („Kaufrecht“) an ihren Höfen, doch mußten sie dem Grundherrn als Eigentümer jährliche Abgaben in Geld und
Naturalien leisten. Dazu kamen kostenlose Arbeitsleistungen („Robot“), die in Kärnten allerdings nur vereinzelt eine schwere Belastung
darstellten. Auch bei jedem Besitzwechsel und von jeder Erbschaft
mußte der Untertan dem Grundherrn Abgaben entrichten („Ehrung“ und
„Abfahrt“). In allen Angelegenheiten des Zivilrechts (Grundbuch, Verlassenschaften, Nachbarschaftsstreitigkeiten usw.) war der Grundherr
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Wadl © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
die zuständige Instanz für seine Untertanen. Auch die Strafjustizpflege
befand sich - zumindest in Unterkärnten - großteils noch in der Hand
der Grundherren, die auch zahlreiche andere öffentliche Verwaltungsaufgaben (Steuereinhebung, Rekrutierung, Ortspolizei, Straßenwesen usw.) in staatlichem Auftrag wahrnahmen.
Nur ganz vereinzelt erstreckten sich Grundherrschaften in Kärnten über
geschlossene Gebiete. Meist waren die Bauern eines Dorfes Untertanen verschiedener Grundherren. Daneben hatten sie alle auch einen
Zehentherren (meist, aber nicht immer eine kirchliche Institution). Oft
waren Grundherrschaft und Gerichtsherrschaft getrennt, so daß die
bäuerlichen Untertanen unterschiedlichsten Autoritäten ausgeliefert waren.
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Wadl © 2008
Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Die Bedeutung der Revolution des Jahres 1848
Alle demokratischen Grundrechte und Freiheiten, die in unserem Alltag
heute selbstverständlich scheinen, sind im Jahr 1848 erkämpft worden. Alle
maßgeblichen demokratischen Bewegungen und alle Grundzüge der Verfassung wurzeln in den Ideen von 1848. Auf allen politischen Ebenen kam
es damals erstmals zu Wahlen. Der „Kindergarten“ der österreichischen
Demokratie war zwar mit typischen Kinderkrankheiten behaftet, aber er war
trotzdem ein unverzichtbares Entwicklungsstadium.
Durch die Grundentlastung und Bauernbefreiung wurden aus Untertanen
gleichberechtigte Staatsbürger. Damit endete für mehr als 80% der
Kärntner das Mittelalter mit seinen feudalen Abhängigkeiten und Bindungen eigentlich erst im Jahr 1848. Die Bauern waren fortan nicht nur unbeschränkte Eigentümer, sondern übernahmen im Rahmen der neu geschaffenen Gemeindeverwaltung auch die politische Herrschaft auf lokaler Ebene.
Der staatliche Absolutismus des 18. Jahrhunderts hatte für kleine Länder verheerende Auswirkungen. Jahrzehntelang war Kärnten auf der
Ebene der staatlichen Verwaltung nicht existent und wurde von Graz
bzw. Laibach aus verwaltet. Nach Jahrzehnten zentralistischer Bevormundung erhielt Kärnten im Revolutionsjahr wieder den Status eines
selbständigen Kronlandes im Verband der Habsburgermonarchie. Damit ist das Jahr 1848 auch ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte
des österreichischen Bundesstaates. Die Tendenz zur Zentralisierung
wurde gestoppt und die Identität der historisch gewachsenen Länder
blieb bis in die Gegenwart gewahrt.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
1848 – Beginn moderner Verwaltung
Grundherrschaft
Bezirkshauptmannschaft
Bezirksgericht
Finanzamt
Gemeinden
Gendarmerie
Am 24. Juli 1848 stellte der junge schlesische Abgeordnete Hans Kudlich
im Reichstag den Antrag, „das Untertänigkeits-Verhältnis samt allen daraus
entsprungenen Rechten und Pflichten“ aufzuheben. Wochenlang wurde
über diesen Antrag debattiert und hunderte Zusatzanträge gestellt. Die entscheidende Frage war, ob die Aufhebung mit einer Entschädigung für die
Grundherren verbunden sein solle oder nicht. Die demokratische Linke, der
wie Kudlich auch der Metnitztaler Bauer Kajetan Nagele angehörte, befürwortete eine entschädigungslose Aufhebung. Für die Mehrheit des
Reichstages (und der Kärntner Abgeordneten) war dies jedoch nicht vorstellbar. Der im Patent vom 7. September 1848 festgeschriebene Kompromiss belastete die Bauern nicht allzu sehr. Ein Drittel der Grundlaste nablöse übernahm der Staat. Auf ein weiteres Drittel mussten die Grundherren verzichten, weil sie in Hinkunft auch keine öffentlichen Verwaltungsaufgaben mehr übernehmen mussten. Das verbliebene bäuerliche Drittel an
Grundlastenablöse entsprach nur noch dem Gegenwert von ungefähr 7 früheren Jahresabgaben und konnte als Hypothek in kleinen Raten beglichen
werden. Wichtig für die Zukunft vieler bäuerlicher Betriebe war, dass Servitutsrechte entschädigt werden mussten.
Das Durchführungsgesetz zur Grundentlastung wurde zusammen mit
der oktroyierten Reichsverfassung im März 1849 ohne Mitwirkung des
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Reichstages proklamiert. Im September desselben Jahres erschien die
umfangreiche Kärnten betreffende Durchführungsverordnung. Die
Durchführung selbst nahm mehrere Jahre in Anspruch, denn es mussten zehntausende Rechtsbeziehungen zwischen jedem einzelnen Untertan und seinem Grund- bzw. Zehentherrn bis ins letzte Detail ermittelt we rden. Am Ende des umständlichen Verfahrens erhielt jeder Liegenschaftseigentümer eine Entlastungsurkunde.
Das Ende der Grundherrschaft führte zwangsläufig zu einer völligen
Neugestaltung der Verwaltung. Im örtlichen Bereich verwalteten sich
die früheren Untertanen im Rahmen der neugeschaffenen Gemeinden
nunmehr selbst. Staatliche Behörden (Bezirkshauptmannschaften, Bezirksgerichte, Steuerämter, Gendarmerie usw.) übernahmen bisher von
der Grundherrschaft wahrgenommene Aufgaben.
Die Durchführung der Grundentlastung
Ermittlungsverfahren
Geldzinse
Naturalabgaben
Zehente usw.
Umrechnung in Geld
( Durchschnittspreise)
= Grundlast
Kapitalisierung
Grundlast X 20 (= 5%)
= Entlastungskapital
GRUNDHERR
STAAT
1/3
1/3
BAUER
1/3
Verzicht
Übernahme
Zahlung
(ganz oder in Raten)
Stadtverwaltung vor 1848
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Während die Bauern fast ausnahmslos Untertanen einer Grundherrschaft
waren, haben sich die Bürger der Städte und Märkte im Verlauf des Spätmittelalters Selbstverwaltungsrechte erkämpft. Die Bürgergemeinde verwaltete
sich selbst und wählte im Idealfall ihre Funktionäre (Stadtrichter, ab dem 16.
Jh. in größeren Orten auch Bürgermeister; Rat) ohne Einflussnahme durch
den Stadtherren. Neben landesfürstlichen Städten und Märkten gab es noch
am Ende des Mittelalters auch zahlreiche Orte im Besitz geistlicher Fürsten
(siehe die Karte).
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
„Die Grundfeste des freien Staates ist die freie Gemeinde“
Vor 1848 gab es in Kärnten nur in den Städten und Märkten eine kommunale Selbstverwaltung. An die Stelle der Grundherrschaft traten nun auch am
Land Gemeinden, die 1849/50 eingerichtet wurden. Zahlreiche Kärntner
Gemeinden können somit auf ein Bestandsalter von 150 Jahren zurückblicken. Die um 1787 geschaffenen Steuergemeinden („Katastralgemeinden“)
bildeten die Grundlage für die Bildung der politischen Ortsgemeinden. Diese waren jedoch meist zu klein, um über ein genügend hohes Steueraufkommen zur Finanzierung der Gemeindeverwaltung zu verfügen. Daher
wurden in der Regel mehrere Katastralgemeinden zu einer Ortsgemeinde
zusammengefasst. Dabei ging man höchst unterschiedlich vor, so dass
Großgemeinden mit mehreren tausend Einwohnern ebenso entstanden wie
Zwerggemeinden. Erstere blieben meist nur kurzzeitig bestehen. Insbesondere die Vereinigung von Städten bzw. Märkten mit ländlichen Bereichen
hatte im 19. Jahrhundert meist keinen langen Bestand.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Das Gemeindewahlrecht wurde an die Erbringung einer Steuerleistung
gebunden, wobei Personen mit hohem Steueraufkommen deutlich bevorzugt wurden (Kurien- und Zensuswahlrecht). Daher lag die Führung
der Gemeinden durchwegs in der Hand vermögenderer Gemeindebürger. Teilweise übernahmen ehemalige Grundherren 1850 das Amt des
Bürgermeisters, zu ungefähr einem Drittel lag dieses in der Hand von
größeren Bauern. Besonders bemerkenswert ist die führende Rolle von
Gastwirten unter den ersten Bürgermeistern. Da es nirgends Gemeindeämter gab, bot sich eben das Dorfwirtshaus als Gemeindezentrum
förmlich an.
Die Demokratisierung des Wahlrechts auf Gemeindeebene erfolgte in Kärnten erst
im Jahre 1920.
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Staatliche Landesverwaltung 1849–1918
Durch die Revolution des Jahres 1848 erhielt Kärnten wieder den Status eines vollwertigen Kronlandes im Verband der Habsburgermonarchie. An der Spitze der staatlichen Landesverwaltung stand als oberster
Vertreter des Kaisers der Statthalter (ab 1854: Landespräsident), der
die Amtsgeschäfte der Statthalterei (ab 1854: Landesregierung) leitete.
Auf der Bezirksverwaltungsebene ersetzten 7 Bezirkshauptmannschaften und der autonome Magistrat Klagenfurt die bisherigen Kreisämter
Villach und Klagenfurt. Die Bezirkshauptmannschaften wurden allerdings schon 1851 wieder
Kaiser
Landespräsident
Landesregierung
Bezirkshauptmannschaften:
Spittal, Hermagor, Villach,
Klagenfurt, St. Veit,
Völkermarkt, Wolfsberg
Autonomer Magistrat Klagenfurt
aufgelöst und die politische Bezirksverwaltung mit dem Gerichtswesen
vereinigt („Gemischte Bezirksämter“). Erst am Beginn der liberalen Ära
(1868) setzte sich das Prinzip der Trennung von politischer Verwaltung
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
und Justiz wieder durch, und die Bezirkshauptmannschaften wurden
neu konstituiert.
Autonome Landesverwaltung 1861–1918
Mit dem sogenannten Februarpatent des Jahres 1861 wurden die
Kompetenzen zwischen staatlicher Verwaltung und Landesverwaltung
neu geregelt. Mit dem danach konstituierten Landtag beginnt noch
heute die Zählung der Legislaturperioden. Bis 1918 gab es allerdings
auf Landesebene noch ein sehr restriktives Kurien- und Zensuswahlrecht (Verteilung der Wähler auf verschiedene Gruppen; Mindestste uerleistung als Voraussetzung für die Erlangung des Wahlrechts). der
vom Kaiser aus dem Kreis der Landtagsabgeordneten (in der Regel aus
der Kurie der Großgrundbesitzer) bestellte Landeshauptmann war
zugleich Vorsitze nder im Landtag und im Landesausschuss, dem Regierungsorgan der autonomen Landesverwaltung. Der Begriff „Landesausschuss“ bezeichnet aber zugleich den Behördenapparat, der von
der staatlichen Landesverwaltung („Landesregierung“) bis 1918 streng
getrennt war.
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LANDESAUSSCHUSS
Regierungsorgan der autonomen Landesverwaltung
zugleich Bezeichnung für dessen Behörde
Landeshauptmann
Vorsitz im Landesausschuß
Vorsitz im Landtag
vom Kaiser bestellt
LANDTAG
Wahlrecht nur für Besitz und Bildung
Steuerzensus
Gliederung nach Kurien
Großgrundbesitz
Städte und Märkte
Handelskammer
Landgemeinden
Bischof von Gurk
(Virilstimme)
Verfassungsformen 1918-1925
Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie vollzog Kärnten am 11.
November 1918 den Beitritt zum österreichischen Bundesstaat. Es kam zur faktischen Zusammenführung der beiden Landesverwaltungen. Dr. Arthur Lemisch,
der die Funktionen des Landeshauptmannes und des Landespräsidenten in einer
Person vereinigte, führte den Titel „Landesverweser“, um den provisorischen Charakter seiner Amtsstellung zu charakterisieren.
Die beiden Behördenkörper („Landesregierung im selbständigen Wirkungskreis“
im Landhaus und „Landesregierung mittelbare Bundesverwaltung“ im Amtsgebäude Arnulfplatz) wurden noch bis 1925 getrennt und wurden erst danach im „Amt
der Kärntner Landesregierung“ zusammengeführt und neu gegliedert.
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LANDESAUSSCHUSS
(autonome Landesverwaltung)
LANDESHAUPTMANN
LANDESREGIERUNG
(staatliche Landesverwaltung)
LANDESPRÄSIDENT
ab November 1918:
LANDESVERWESER (ab 1921: LANDESHAUPTMANN)
LANDESRÄTE
LANDESREGIERUNG IM
LANDESREGIERUNG
SELBSTÄNDIGEN
MITTELBARE
WIRKUNGSKREIS
BUNDESVERWALTUNG
ab 1925:
AMT DER KÄRNTNER LANDESREGIERUNG
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
III. Kulturgeschichtliche Aspekte der Kärntner
Landesgeschichte
Vorbemerkung
Wenn wir als Kultur die Ausdrucksformen der menschlichen Lebensgestaltung über die unmittelbar lebensnotwendigen Vorgänge hinaus
definieren, so hatte dabei die Kunst bis in unser Jahrhundert die Aufgabe einer Sichtbarmachung des Gotteslobes (Sakralkunst) oder bestimmter Formen herrschaftlicher Repräsentation (profane Kunst).
Heute können wir uns in einer „multikulturellen“ Gesellschaft selbst je
nach materiellem Rückhalt und geistigem Horizont unseren eigenen
Kulturraum formen; und sowohl die aktive Ausübung der Kunst wie
ihre Rezeption (wie wir sie aufnehmen) sind Mittel zur Selbstverwirklichung innerhalb eines großen individuellen Freiraumes geworden.
Folgende Faktoren bestimmen Charakter, Bandbreite und Qualität des
Kultur- und Kunstschaffens in Kärnten: die Lage des Landes im Schnittpunkt der germanischen, romanischen und slawischen Kulturen, das
bereits weit mehr ein Jahrtausend anhaltende Neben- und Miteinander
der slowenisch- und deutschsprachigen Volksgruppe und die Vermischung ihrer Mentalitäten; Kärntens Lage als Transitland zwischen
Nord und Süd; die wirtschaftlichen Ressourcen (z. B. früher Bergbau,
heute Fremdenverkehr), vor allem aber die politische Struktur in ihrem
steten Wechsel zwischen Individualität und Unterordnung, gemessen
am Stellenwert der Nachbarregionen. Zeiten großer Aufbruc hstimmung
(12. Jh: Hochromanik, 16. Jh.: Renaissance) stehen längerdauernde
Epochen der Provinzialisierung gegenüber (Spätgotik 15. Jh.; Spätbarock, Vormärz und Gründerzeit: 18.-19. Jh.).
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Wo die Hochkunst provinziell ist, hat die Volkskultur breitere Entfa ltungsmöglichkeiten: Kärnten war und ist ein Land der Volksdichtung,
des Volksschauspiels und der Volksmusik.
Im folgenden können – gegliedert nach den gängigen Epochen der
Geistes- und Kulturgeschichte – allerdings nur die Grundlinien des
Kultur- und Kunstschaffens Kärntens angedeutet und anhand ausgewählter Beispiele illustriert werden.
1. Spätantike und Frühmittelalter: bis zum 8. Jh. n. Chr.
Schon zur Bronzezeit (1.500-900 v. Chr.) örtlicher Handel mit kunstvoll
bearbeitetem Gerät (Waffen, Keramik); in der Hallstattzeit (750-250 v.
Chr.) Herstellung figürlicher Kultgegenstände (Bleifiguren von Frög).
Ca. 200 v. Chr. Entstehung eines keltischen Königreiches Norikum,
damals älteste Schriftdenkmäler (Würmlach/Plöckenpaß); ab der ersten Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. eine erste Stadt der Noriker am Magdalensberg mit intensiven Handelsbeziehungen zu Rom (Eisen), Tempel
mit lokalen Gottheiten, erste Wandmalereien.
15 v. Chr. Okkupation und 45 n. Chr. Eingliederung Norikums als römische Provinz unter einem Statthalter; Virunum als neue Stadt und Verwaltungssitz im Zollfeld nach römischen Baugepflogenheiten (Forum,
Theater); Gutshöfe, Straßennetz, Poststationen, Gräberstraßen und –
bezirke (zahlreiche Grabreliefs zeigen Romanisierung der keltischnorischen Bevölkerung, Regionalismen der Tracht bleiben ), röm. Tempel und Heiligtümer, Mithräen.
Mit der römischen „Globalisierung“ auch Christianisierung: 343 bestanden Bischofssitze in Virunum und Teurnia (St. Peter in Holz, Kirchen ergraben).
Seit dem 2 Jh. zunehmende Bedrohung durch germanische Stämme,
Fluchtorte auf Bergen: Hemmaberg als überregional bedeutendes Kirchen- und Pilgerzentrum des 4.-5. Jh.; Arianer und orthodoxe Christen
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
errichten teilweise nebeneinander Gotteshäuser, sonst zunehmende
Provinzialisierung.
Niederlassung von Alpenslawen seit dem späten 6. Jh. und Zerstörung der provinzialrömischen Kultur (keine politisch-kirchliche Kontinuität ins Mittelalter im Gegensatz zu Tirol), Hauptquellen Grabfunde
und Ortsnamen, seit der Mitte des 8. Jhs. Missionierung von Salzburg
aus (zweite Christianisierung); Maria Saal als kirchliches Zentrum.
2. Hochmittelalter (von den Karolingern bis zum Ende der
Spanheimer): spätes 8. Jh. – 1269
Schrittweise Eingliederung ins bayrische Stammesherzogtum, später
ins Karolingerreich, erstes Missionskloster Molzbichl (sp. 8. Jh., ergraben). Chorschranken mit Flechtwerk als typische Kirchenausstattung
(viele Fragmente erhalten).
Karl der Große bestimmt 811 die Drau als Grenze zwischen den Kirchenprovinzen Salzburg und Aquileja (bis ins 18. Jh.), Missionstätigkeit auch durch die Bistümer Freising (Maria Wörth) und Brixen; Chorbistum in Maria Saal; königliche Pfalzkirche in Karnburg.
Ungarnsturm beendet im frühen 10. Jh. spätkarolingische Kultur; Ne uordnung unter den Ottonen (Herzogtum des Heiligen Römischen Reiches ab 976).
Klöster tragen Schriftlichkeit (Millstatt ab ca. 1070, St. Paul ab 1091,
Viktring ab 1142), Gurk und Lavant als streng abhä ngige Eigenbistümer des Salzburger Erzbischofs; Bistum Bamberg erhält große Besitzungen in Kärnten (Lavanttal, Kanaltal, Villach, Griffen, Feldkirchen bis
1759), geistliche Besitzungen schwächen Macht der Herzöge bis zum
Beginn der Neuzeit. Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser (10751122) unterbricht kulturellen Aufschwung.
Friesach als Nebenresidenz des Salzburger Erzbischofs mit repräsentativen Kirchen, Petersberg als Burg und Palast; St. Veit an der Glan
als Hauptsitz der Spanheimer mit umgebenden Burgenkranz; erste
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Markt- und Städtegründungen noch unter strenger Aufsicht des Stadtherrn (Spanheimer: St. Veit, Klagenfurt, Völkermarkt; Salzburg: Friesach; Bamberg: Villach)
Romanische Kunst (11.-13. Jh.): Stiftskirchen von St. Paul i. L.,
Viktring, Kreuzgang von Millstatt, Dom zu Gurk (alles 12. Jh.); dichtes
Pfarrnetz (Chorturmkirchen, Karner); Millstatt besitzt eigene Schreibschule (Skriptorium): Millstätter Genesis um 1200 mit frühmittelhochdeutschen Texten (Bibel, aber auch Gebete, Segensformeln und moralisierende Abhandlungen). Kruzifixe und Marienstatuen als Ausstattungsstücke der Kirchen, erste Blüte der Wandmalereien mit byzantinischem Einfluss (Maria Wörth, St. Helena a. Wieserberg).
Der Minnesänger Walther von der Vogelweide zeitweilig am Spanheimer Hof; die Carmina Burana, eine Sammlung weltlicher Lieder, könnte in der 1. H. 13. Jh. in Maria Saal (Kollegiatstift) entstanden sein.
Latein als Gelehrten- und Urkundensprache, die urkundliche Überlieferung völlig in den Händen der Geistlichkeit, besonders der Klöster und
Domstifte.
Das Interregnum (1246/50-1278) mit dem nahezu parallelen Erlöschen
mehrerer Herrscher- bzw. Fürstendynastien unte rbricht die kulturelle
Aufbruchsstimmung für Jahrzehnte.
3. Spätmittelalter (Gotik): 1269 – ca. 1500
Die Grafen von Görz-Tirol (1286-1335) und die Habsburger (seit 1335)
als Landesfürsten stabilisieren zunächst politische Verhältnisse; Kärnten wird Randgebiet der Politik (Provinzialisierung); Klöster dominieren
weiterhin in Kunst, Kultur und als Träger der Überlieferung, die aktiveren Bettelorden in den Städten übertrumpfen die alten kontemplativen
Landorden an Attraktivität; Schriftlichkeit nun auch in den Städten besser entwickelt (Urkundensprache deutsch, zunehmend Berufsschrei-
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
ber), Städte erlangen von den Stadtherren stärkere Selbstverwaltung;
Stiftungstätigkeit (Kirchen, Klöster, Spitäler).
Pest und Kampf gegen Irrlehren bremsen kulturellen Aufschwung im
14. Jh.; ritterliches Fehdewesen, Türkeneinfälle und Naturkatastrophen
treffen das 15. Jh.; Aufblühen des Wallfahrtswesens.
Zwei bedeutende Geschichtsschreiber: Abt Johannes von Viktring
(1312-1345, gebildeter Universalhistoriker: Buch verbürgter Geschichten, Vertrauter der habsburgischen Landesfürsten), der Maria Saaler
Chorherr Jakob Unrest (+ 1500) berichtet volksnäher und als Mitleidender über Fehden und Türkeneinfälle.
1469 kaiserliche Gründung des St. Georgs Ritterordens mit Sitz in
Millstatt (Anachronismus und politisch wirkungslos, aber als Kunstmäzen bedeutend).
Die Gotik als neuer Kunststil aus Frankreich dominiert in Kärnten vom
späten 13. bis frühen 16. Jh.; verbreitet u. a. durch die Bettelorden
(Franziskaner, Dominikaner: z.B. Friesach, Klarissen: St. Veit), Friesach als Kunst- und Kulturzentrum unter Propst, später Bischof Gerold
1. Dr. 14. Jh.; Wallfahrtskirchen (Maria Saal, Maria Waitschach, Kötschach), zünftische Bauhütten (Maria Saaler Steinmetzbruderschaft
1464).
Neuer Reichtum der Kirchenausstattung: größte Blüte der Wandmalereien, zuerst wandernde (italienische) Werkstätten, seit dem 15. Jh.
lokale Persönlichkeiten fassbar: die Meister Friedrich und vor allem
Thomas Artula von Villach (Gerlamoos, Thörl).
Der gotische Flügelaltar als Altarrückwand setzt sich durch (größter
Bestand in Kärnten erhalten): Heiligenblut, Maria Elend, Maria Saal;
blühendes Kunsthandwerk.
Höhepunkt der spätgotischen Kultur (sowohl an Bauten als auch an
Ausstattung) durch Wiederherstellungen nach den Türkeneinfällen
1473-83 ; Bartlmä Virtaler mit originellen Steinmetzformen in Kötschach
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
und Laas; Burg Frauenstein bei St. Veit als Musterbeispiel einer spätmittelalterlichen Burganlage.
Paolo Santonino berichtet als Begleiter des Aquilejer Weihbischofs
1485-87 über Kärntner Lebensverhältnisse, die Gastlichkeit und besonders über festliche Eßgewohnheiten.
Spätgotische Kirchenkultur kommt durch Reformation bis ca. 1530 weitgehend zum Erliegen; Wehrkirchen (besonders auf der Saualpe, z. B.
Diex) als Symbole bäuerlicher Selbsthilfe gegen die Türkenbedrohung
(sp. 15. – frühes 16. Jh.).
4. Frühe Neuzeit (Humanismus, Renaissance, Reformation): 16. Jh. – ca. 1629)
Die Landesfürsten residieren weitab in Wien bzw. Graz, die Landstände
(grundbesitzender Adel und hohe Geistlichkeit) neue politische Kraft im
Lande und Träger der Kultur.
Gabbrief Kaiser Maximilians 1518 als Ausgangspunkt des baupolitischen Konzepts einer „ständischen Residenz und Hauptstadt“ Klagenfurt, verwirklicht ca. 1534-1591 nicht zuletzt als Ersatz für die fehlende
fürstliche Residenz: Stadterweiterung um das ca. Siebenfache, moderne Stadtbefestigung nach oberitalienischer Mode, geradlinige Straßen
und regelmäßige Plätze, Repräsentativbauten Landhaus (ab 1574),
Bürgerspital mit Ständekirche (heute Dom, ab 1578/80) und „Collegium
sapientiae et pietatis“ (evangelische Hochschule, heute Burg, ab 1586).
Letzte Blüte des Edelmetallbergbaues, dadurch wirtschaftlich bedeutende soziale Schicht der Gewerken (z.B. Putz von Kirchheimeck,
Paul).
Der Adel fast zur Gänze protestantisch, erreicht in den 70er Jahren la ndesfürstliche Duldung; Prälaten stark verweltlicht, Tiefpunkt der klösterlichen Disziplin besonders bei den Bettelorden; Gurker Bischöfe als
hochgebildete Humanisten, doch großteils Hilflosigkeit gegenüber der
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Reformation; in Klagenfurt schon vor 1552 adelige Landschaftssschule,
bald auf universitärem Niveau.
Neues Landesbewusstsein: Paracelsus widmet 1538 seine historische
Schriften den Landständen, darunter eine allerdings sehr fabulöse
Chronik von Kärnten.
Michael Gothard Christalnick verfaßt 1579-92 eine Geschichte Kärntens im Auftrag der Stände, sie wird nach dessen Tod von Hieronymus
Megiser in seinem Namen gedruckt herausgegeben (Annales Carinthiae 1611/12); gleichzeitig „Landshandfeste“ als erste gedruckte
Privilegiensammlung des Landes.
Urban Paumgartner, Lehrer am „Collegium“, verfasst ein lateinisches
Lobgedicht auf die Landeshauptstadt (Aristeion), das erst nach seinem
Exil 1605 erscheint
Die Khevenhüller sind politisch und wirtschaftlich erfolgreich sowie als
Bauherren aktiv (Hochosterwitz, Wernberg, Landskron, Annabichl),
geben eine Familienchronik in Auftrag (die Anfänge der Familie „ve redelt“, um höheres Ansehen zu genießen), ein Exemplar um 1620
prachtvoll mit ihren Porträts und Besitzungen im Hintergrund (heute im
MAK Wien).
Klagenfurt erhält eine gereimte Stadtgeschichte des 16. Jh. („Reimchronik“).
Ab ca. 1530 Siegeszug der Renaissancekunst durch italienische Bauleute; die Sonderformen des oberitalienischen Festungsbau führen in
Kärnten zu einer bis weit ins 17. Jh. verwurzelten Vorliebe für den sog.
Manierismus (Spielart der Renaissance).
Adelige verlassen ihre Burgen und errichten neue Schlösser und Edelsitze oder bauen die alten um: Spittal an der Drau (Gabriel von Salamanca ab 1533); Hochosterwitz (ab 1570; programmatischer Bau,
soll Opferbereitschaft der Bauherren für die Türkenabwehr dokumentieren, obwohl wehrtechnisch veraltet), Landskron, Wernberg (Khe-
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
venhüller); Hallegg, Welzenegg (Welzer); zahlreiche Stadtpalais in
Klagenfurt und Villach (Arkadenhöfe nach italienischem Vorbild).
Altartafeln, Votivbilder und Fresken zeigen protestantisches Bildgut,
figürliche Grabdenkmäler (Epitaphien) als dominante künstlerische
Aufgabe des selbstbewussten protestantischen Adels; reiches Kunsthandwerk im Lande hergestellt oder importiert (Friesacher Brunnen,
Prunkgarnitur der Kärntner Stände im Landesmuseum)
Anton Blumenthal als vorzüglicher Maler für repräsentative Aufgaben
(Landhaus, Gurker Dom, Klagenfurter Ständekirche): allegorische oder historische Programmen; auch kostbare importierte Gobelins
(Khevenhüller).
5. Gegenreformation und Absolutismus (Barock und
Rokoko): 17. – 3. V. 18. Jh.
Ab 1600 Ausweisung der Prädikanten (evangelische Priester) und
nicht zur Rekatholisierung bereiter Bürger, Schließung der protestantischen Bethäuser durch Reformationskommissionen.
1604 übernehmen Jesuiten das Klagenfurter Bürgerspital und die
Ständekirche (heute Dom) als Kollegium, sie werden Träger der Bildung und höheren Ausbildung in Kärnten bis zu ihrer Aufhebung 1773
(Jesuite ntheater, Seminarium = Internat).
Das protestantische „Collegium“ wird geschlossen, die Lehrer ausgewiesen, in das Gebäude zieht der ständische Burggraf ein (daher Burg
genannt).
Aus den selbstbewussten Landständen des 16. Jhs. werden hofabhängige Beamte und Funktionäre, die zunehmend zu Vollzugsorganen
des landesfürstlichen Absolutismus in Wien werden. Ihre Schlösser
und Edelsitze (Grafenstein, Maria Loretto) noch lange in Formen der
Renaissance und des Manierismus (gleichsam ein Festhalten an der
großen Zeit).
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Die landesfürstlichen Erbhuldigungen für Leopold I. (1660) und Karl
VI. (1728) werden zu glänzenden Höhepunkten der barocken Festkultur. Mit den Refo rmen Maria Theresias ab 1748 wird die Macht auf die
Hofstellen konzentriert, Kärnten wird zur nachgeordneten Provinz.
Barockdichtung auf lokalem Niveau in den Klöstern (besonders Ossiach), die Stände betreiben in Klagenfurt ein eigenes Theater. Geheimprotestantismus in Teilen Kärntens seit dem 18. Jhs. wieder stärker verfolgt, ab der Jahrhundertmitte unter Maria Theresia Errichtung
von Missionsstationen (Zedlitzdorf).
Die Baukultur des 17. Jhs. wird zunächst von den Orden getragen:
großartige Neubauprojekte im Stift St. Paul im Lavanttal, Jesuitenresidenz Eberndorf, Domstift Gurk. Zunächst strenge Formen des oberitalienischen Spätmanierismus. Mit dem Gurker Hochaltar (1625-32) beginnt sich barockes römisches Formengut in den Kirchenausstattungen durchzusetzen.
Der Schloss- und Edelsitzbau übernimmt Barockformen erst mit dem
glänzenden Aufstieg Wiens nach der erfolgreichen Türkenabwehr
(1683).
Um 1730 Höhepunkt der Barockkultur in Kärnten (Klagenfurter Stadtbrand 1723): Innenneugestaltung des Landhauses, Palais Goëss,
Viktringer Hof; Schloss Ebenthal als kleine Adelsresidenz, Trabuschgen in Obervellach, Klosterneubauten von Viktring und Ossiach, Peraukirche Villach. Der Maler Josef Ferdinand Fromiller (1693-1760)
genießt in Kärnten ein fast uneingeschränktes Monopol für die Ausstattung von Schlössern wie Kirchen
Mitte des 18. Jhs. noch eine letzte barocke Baublüte sowohl im Kirchen- wie im Schlossbau (Schlösser Ehrental und Rosegg, Wallfahrtskirche Heiligengrab).
Fast alle Kirchen erhalten in mehreren Modernisierungsschüben Barockaltäre, die Kanzel wird zu einer neuen wichtigen Bauaufgabe
(Verkündigung des wahren Glaubens) der Gegenreformation (Gurk,
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Grundzüge der Kärntner Landesgeschichte
Maria Saal). Insgesamt bleibt die Barockkultur des 17. und 18. Jh. in
Kärnten auffa llend provinziell.
6. Aufklärung, Romantik und Biedermeier:
4. V. 18. Jh. – 1848
Reformen Maria Theresias und ihres Sohnes Josef II. zentralisieren
die Bürokratie (Regierung zeitweilig in Graz, nach den Napoleonischen Kriegen sogar in Laibach, starke Provinzialisierung), unterordnen die Kirche stärker staatlichen Interessen und schränken die Stiftungstätigkeit ein, entlasten aber bäuerliche Bevölkerung.
Um Erzherzogin Marianna (ab 1769 Palaisbau in Klagenfurt bei den
Elisabethinen vom Hofarchitekten Pacassi, 1781 bis zu ihrem Tod
1889 ansässig) entsteht gebildeter Zirkel, darunter auch Abt Anselm v.
Edling von St. Paul (aufgeklärter Literat).
Fürstbischof Josef II. von Gurk, Franz Anton Graf Auersperg lässt
1778-82 zu Zwischenwässern eine neue Residenz errichten, einer der
bedeutendsten frühklassizistischen Schlossbauten Österreichs mit fast
völlig erhaltener Einrichtung (z. T. noch spätbarocke Illusionsmalerei).
Josephinisches Staatskirchentum und Reformen: 1773 Aufhebung des
Jesuitenordens, 1783-87 Klosteraufhebungen unter Josef II. (z. B. Arnoldstein, Viktring, Griffen): beide Maßnahmen führen zu großen Verlusten an Kulturgütern.
Pfarr- und Diözesanregulierungen verbessern gleichzeitig die Seelsorge, doch schaffen begleitende staatskirchliche Maßnahmen (z. B. Einschränkung des Wallfahr tswesens) großen Unmut in der Bevölkerung.
1781 führt das Toleranzpatent zur Gründung zahlreicher evangelischer Toleranzgemeinden (14.000 Personen); Bau protestantischer
Bethäuser (Fresach heute Museum).
Franzosenkriege (1797-1814) bescheren Kärnten zwar hohe materielle Opfer (z.B. Sprengung der Klagenfurter Stadtbefestigung), führen
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aber auch zu Reformen im geistig-kulturellen Bereich, stärken gegenüber dem Feudalsystem kritische Gesinnung (Jakobiner) und schaffen
einen neuen Staatspatriotismus:
1811 Gründung der literarisch-bildenden Zeitschrift Carinthia (als wiss.
Zeitschrift noch heute bestehend), darin z. B. 1817 „Des Kärntners
Vaterland“ (heutige Landeshymne); erstes Erwachen des slowenischen Volksbewusstseins (Urban Jarnik 1774-1844).
Vormärz (kulturell: Biedermeier, Zeit vom Wiener Kongress bis zur
Revolution 1848) in Kärnten wegen eines gering verankerten Bildungsbürgertums wenig ausgeprägt (Markus Pernhart 1824-71 als
bedeutsamer Landschaftsmaler, auffallender Spätling); Ausnahmen:
Herbertkreis (philosophische Schule um den schöngeistig veranlagten
Unternehmerspross Franz de Paula Herbert, Kreis um die Familie
Söllner (Besitzer von Schloss Wiesenau im Lavanttal); um die als Mäzene verdienten Viktringer Tuchgewerken Moro entsteht eine locker
zusammenhängende Malerschule.
1809 Wiederbesiedlung des Stiftes St. Paul durch oberrheinische
Mönche, die sich zum Betrieb eines Gymnasiums verpflichten und aus
ihrer Heimat kostbare Kulturgüter mitnehmen (heute Prunkstücke der
Stiftssammlungen, z. B. Adelheidkreuz).
Normierung der bäuerlichen Baukultur (Stöckltyp, Pfeilerstadl etc.).
Bürgerliche Theaterkultur vor allem in Klagenfurt (Ständetheater).
1828 Gründung des Musikvereins für Kärnten, 1844 des Geschichtsvereines und 1848 des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten
(Vorlä ufer des Landesmuseums).
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7. Neoabsolutismus, Liberalismus und Gründerzeit
(vom Revolutionsjahr 1848 bis zum Ersten Weltkrieg): 1848 – 1918
Revolution 1848 schafft neue politische Ordnung (Gemeinden, Gerichtswesen und Verwaltung) und bewirkt Ende der feudalen Gesellschaft. Kurze reaktionäre Phase (Neoabsolutismus) mit Rücknahme
bzw. Einschränkung von Grundrechten bis 1861, danach Liberalisierung; Ausbildung der politischen Lager (Deutschnationale bzw. –
liberale, Christlichsoziale regional schwach ausgeprägt, Sozialdemokratie), ethnische Polarisierung (Slowenen tendenziell klerikalkonservativ); Vereinsgesetz 1867: Vereine widerspiegeln politische
Lager und zunehmende Mobilisierung der Volksgruppen (z. B. Deutscher Schulverein „Südmark“ oder Tamburi zzavereine).
Reichsvolksschulgesetz 1869 (utraquistische Schulen in Kärnten). Das
Bistum Gurk deckt sich erst seit 1859 mit den Landesgrenzen (Bischof
Slomšek verlegt Bistum Lavant von St. Andrä nach Marburg).
Träger der materiellen und geistigen Kultur wird das Bürgertum (in
Kärnten ist das Bildungsbürgertum aufgrund der politischen Randlage
nur schwach ausgebildet); Rückgang des Montanwesens, Industrie
wenig ausgeprägt; Fremdenverkehr wird im Wörtherseegebiet seit den
80er Jahren zu wichtigem Wirtschafts- und Kulturfaktor.
Diese „Gründerzeit“ (bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges) führt
im Bauwesen zu einer Fülle neuer kommunaler, institutionaler, aber
auch individueller Bauaufgaben (Denkmäler für den Bürgerfleiß):
Schulen, Spitäler und Wohlfahrtseinrichtungen, Hotels, Sparkassen,
Geschäftshäuser, Industrie- und Gewerbebetriebe, Villa löst den
Schlossbau ab (Klagenfurt: Tarviser Straße und Kreuzbergl), Miethä user, erste Arbeiterwohnhäuser.
Renommierobjekte des Bildungsbürgertums: Landesmuseum „Rudolfinum“ 1884, Konzerthaus 1900 (Musikverein für Kärnten 1874 neuge-
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gründet), Klagenfurter Jubiläums-Stadttheater 1910, Künstlerhaus
1914 (Kunstvereines für Kärnten); Sponsorentätigkeit der Sparkassen.
Die Baukunst dominiert gegenüber der Ausstattung, Anlehnung an
historische Stile je nach Funktion des Gebäudes (Historismus, „Ringstraße narchitektur“ nach dem Wiener Vorbild provinziell vereinfacht):
Romanik und Gotik für Kirchenneubauten, Tudorgotik für Schlösser,
Renaissance für Museen und Villen. Franz Baumgartner (1876-1946)
prägt seit der Jahrhundertwende in Klagenfurt und den Wörtherseegemeinden eine romantisch-heimatbezogene Bauweise („Wörtherseearchitektur“); seit ca. 1905 lokale Auseinandersetzung mit dem Jugendstil.
Adolf von Tschabuschnigg (1809-1877) als Politiker, Reformer und
Literat neuer Typ des Adeligen; Vinzenz Rizzi (1816-1856) als liberaler
Denker, Literat und Publizist.
8. Erste Republik (1918 - 1938)
Erster Weltkrieg und Zusammenbruch des Kaiserreichs zerstören alte
habsburgische Ordnung (Gott – Kaiser – Vaterland“); Belastung des
dynastisch-habsburgischen „Österreich“-Begriffes, Beseitigung letzter
Standesprivilegien; moderne Sozialgesetzgebung; schärfere Abgrenzung der politischen Lager.
Jugoslawische Gebietsansprüche und Besetzung großer Teile Kärntens (Wurzeln der sog. der „Urangst“) aktivieren 1918-20 besonderen
Landespatriotismus („geistiger Abwehrkampf“), intensive Propagandatätigkeit des Kärntner Heimatdienstes. Bei der Volksabstimmung am
10. Oktober 1920 stimmt eine große Zahl Slowenischsprachiger für
einen Verbleib des Gebietes beim politisch instabilen und wirtschaftlich zerrütteten Österreich. In unmittelbarer Folge starker Rückgang
des Bekenntnisses zur slowenischen Umgangssprache. Verhandlungen über eine Kulturautonomie der Kärntner Slowenen (1925-30).
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Volksabstimmung und Zusammenleben der beiden Volksgruppen
prägt und bindet Form und Inhalte eines wesentlichen Teil des lokalen
Kunstschaffens im Lande (Josef Friedrich Perkonig; Switbert Lobisser).
Vertreter nicht bodenständig gebundener Literatur: Guido Zernatto,
Alexander Lernet-Holenia.
Sozialer Wohnbau aufgrund der wirtschaftlichen Struktur nur in bescheidenen Maßen (St. Ruprecht als Arbeiterstadt; Knappenberg). Im
Wohn- und Repräsentationsbau Dominanz sog. „Heimatschutzarchitektur“ (traditionelle bodenständige, teilweise deutschtümelnde Formen), Franz Baumgartner prägt im Wörtherseegebiet weiterhin den
Geschmack (Hotels, Villen); nur vereinzelte „Ableger“ der Wiener
Hochkunst durch Ville nbesitzer.
1933 Eröffnung der Landesgalerie.
Switbert Lobisser als Vertreter einer konservativ-bodenständigen Gesellschaftskunst (Volksabstimmungsfresko im Klagenfurter Landhaus
1928).
Anton Kolig als Vertreter einer klassischen Moderne (gegenständlich,
expressivere Farbgebung): Fresken mit Szenen aus dem Kärntner
Volksleben in einem kleinen Raum des Landhauses (1930) entfachen
Skandal, der partei- und gesellschaftspolitisch entzweit.
„Nötscher Kreis“ als exponierte Künstlerkolonie (Kolig, Wiegele, Isepp,
Mahringer).
Herbert Böckl als radikalerer Expressionist (Errettung des Petrus mit
Zügen Lenins im Maria Saaler Dom 1928).
Im Theaterwesen nennenswerte Experimente der Verbindung von
Volksschauspiel und Hochkunst (z. B. „Totentanz“ der Kärntner
Landsmannschaft).
Insgesamt kulturelle Aufbruchstimmung mit erheblichen Leistungen
allerdings großteils auf lokalem Niveau im Zeichen zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung.
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9. Nationalsozialismus (1938-1945)
Ideologisierung und Polarisierung der Volkstumsfrage („Blut und Boden“); Gleichschaltung der Medien; Ende jeglicher künstlerischer Freiheit („entartete Kunst“).
Freskenzyklus im Sitzungssaal des Landhaus (Auftrag des Reichsinnenministers an Switbert Lobisser 1938) verherrlicht Anschluss (2000
abgenommen).
Sozialpolitisch großangelegte Bauprojekte als Folge von Umsiedlungsaktionen (Optanten): Kanaltaler und Südtiroler Siedlungen.
„Arisierungen“ auch von Kulturgut (in Kärnten aufgrund des zahle nmäßig geringen jüdischen Bevölkerungsanteils nicht so spektakulär
wie etwa in Wien); Umsiedlung von Slowenen belastet Zusammenleben der Volksgruppen nachhaltig.
Kriegsschäden vor allem in Klagenfurt, Villach, aber z.B. auch in
Nötsch (Kolig stirbt an Spätfolgen).
Umsiedleraktionen beeinflussen Kultur - und Vereinsleben bis zur Gegenwart (Gottscheer, Sudetendeutsche: Gedenkstätte für Heimatvertriebene in Gurk).
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10. Zweite Republik (seit 1945)
Wiederherstellung der Demokratie und neues Österreich-Bewusstsein
(Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus fördern eigenstaatliches
Denken); Besatzungszeit als Basis einer intensiven kulturellen Westorientierung, zunehmender Pluralismus und Individualismus im Kulturleben (Auswahl: 1959 Eröffnung von Minimundus, 1969 Eröffnung des
Carinthischen Sommers in Ossiach, 1970 Hochschule für Bildungswissenschaften in Klagenfurt, wird 1975 zur Universität, 1988 „Hemma von
Gurk“ als erste – inoffizielle - Landesausstellung, 1996 Neubau des
Kärntner Landesarchivs), anstelle der traditionellen politischen Lager
Polarisierung in „fortschrittlich“ und „konservativ“ z. B. am Heimatbegriff.
Volksgruppenfrage: die politische Vertretung der Slowenen zweigeteilt,
1957 Bundesgymnasium für Slowenen, 1972 Ortstafelsturm, Zusammenbruch des kommunistischen Jugoslawien verlangt Neuorientierung.
Kunstschaffen:
Architektur bis in die späten 50er Jahre durch Wiederaufbau geprägt
(nüchterne zweckbedingte Formen eher traditionalistisch in Nachfolge
der Heimatschutzarchitektur), erst seit den 60er Jahren stärkerer Anschluss an internationale Entwicklungen; die bekanntesten Kärntner
Architekten auswärts erfolgreich (G. Domenig, V. Giencke).
Bildende Künste: das Gegenständliche bleibt dominant, stärkere Konfrontationsbereitschaft (Giselbert Hokes Bahnhoffresken 1949-56 entfachen Skandal).
Bedeutende bildende Künstler: Werner Berg, Herbert Böckl, Maria
Lassnig, Otto Eder (Bildhauer).
Literatur vielseitig und dicht, mit außerordentlichen Glanzlichtern: Ingeborg Bachmann (1926-1973), Peter Handke (geb. 1942); starke und
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demonstrative Tendenz zum Exil; lebendige Theaterkultur (Klagenfurter Stadttheater, Studiobühne Villach).
In vielen Bereichen Kärntner außerhalb des Landes erfolgreich.
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