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2005_DBB_02_2012_w_AK2
01.02.2012
16:15 Uhr
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Kommune im Gespräch
Thundorf in Unterfranken
Reich an Geschichte und Kultur!
D
ie Dörfer Thundorf (610 Einwohner), Rothhausen (464),
und Theinfeld (233), an der östlichen Grenze des Landkreises Bad Kissingen und westlich der Ausläufer der
Haßberge gelegen, bilden seit dem 1.
Mai 1978 die Gemeinde Thundorf i.UFr.
Diese ist mit den Gemeinden Maßbach
und Rannungen zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammen geschlossen
und über die A 71 – Ausfahrt Maßbach/Thundorf – sehr gut erreichbar.
Die geographisch sehr reizvolle Lage
der Orte (abseits der Hauptverkehrsstrassen) mag vielleicht in wirtschaftlicher Hinsicht ein Nachteil sein. Aber
nur dieser Abgeschiedenheit der Orte
und der Achtung ihrer Bewohner vor
der Geschichte ist es zu verdanken, dass
in der Gemeinde Thundorf so manches
Stück aus der bedeutenden Vergangenheit überlebt hat.
Die drei Ortschaften waren in früheren
Jahren reine Bauerndörfer. Bis heute
haben sich neben einigen kleinen land-
wirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben nur wenige Vollerwerbsbetriebe erhalten. Der Großteil der arbeitenden Bevölkerung ist in den umliegenden
Klein- und Mittelzentren – vor allem in
Schweinfurt – beschäftigt. Die gut erreichbaren Städte Schweinfurt und
Würzburg bieten den Bürgerinnen und
Bürgern sichere Arbeitsplätze und gute
Einkaufsmöglichkeiten.
Wie in vielen vergleichbaren Dörfern ist
die Infrastruktur ungenügend. Kindergarten und Grundschule, zahlreiche Gewerbe- und Handwerksbetriebe, aber
vor allem auch „unschlagbare“ Baulandpreise von nur 7 € je m2 bewirken
so manchen Zuzug und Neubau von
Wohneigentum. Mit einer Pro-Kopf Verschuldung von 390 € je Einwohner liegt
die Gemeinde deutlich unter dem
Durchschnitt vergleichbarer Kommunen in Bayern. Der Gemeinderat ist
auch offen für einen Beitrag zur „Energiewende“. In Thundorf ist seit ca. zwei
Jahren eine ca. 6 ha große Freiflächen-
Thundorf ist schöner
geworden
In den drei Gemeindeteilen wurde im
vergangenen Jahrzehnt sehr viel Wert
gelegt auf die Verschönerung des Ortsbildes. Zudem wurde das Radwegenetz
ausgebaut. Zahlreiche Fachwerkhäuser
und historische Baudenkmäler vermitteln so zusammen mit viel Grün im
Ortsbereich dem Besucher schnell einen
sehr positiven Eindruck.
Das Wahrzeichen von Thundorf ist das
Wasserschloss, das mit seinen mächtigen Zwiebeltürmen heute die traditionsreiche Geschichte mit praktischer
Nutzung verbindet. Seit dem Jahre 1816
befindet sich im Wasserschloss die katholische Pfarrkirche „St. Laurentius“.
Ein Um- und Erweiterungsbau schloss
erst 1977 das Viereck und beherbergt
seitdem eine Taufkapelle mit sehr interessanter und einzigartiger Wandmale-
Thundorfs Wahrzeichen – das Wasserschloss
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Fotovoltaik Anlage in Betrieb. Gegenwärtig beschäftigt sich das Gremium
den Planungen für Windparks in Theinfeld und Rothhausen. Die Gemeinde
Thundorf liegt am östlichen Rand des
Landkreises Bad Kissingen und grenzt
an die Landkreise Rhön-Grabfeld (Gemeinde Sulzfeld) und Landkreis
Schweinfurt (Markt Stadtlauringen) an.
Aktuell hat deshalb Thundorf die Aufnahme in die kommunale Allianz
„Schweinfurter Oberland“ beantragt.
Von diesem Bündnis erhofft man sich
viele Synergieeffekte, nicht nur im Tourismusbereich.
Kirchlich gehören die katholischen Kirchengemeinden von Rothhausen und
Theinfeld zur katholischen Pfarrei
Thundorf. Die evangelischen Christen
von Rothhausen und Thundorf werden
seit der Auflösung der Pfarrstelle in
Thundorf (1974) von der evangelischen
Pfarrei Maßbach betreut.
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rei. Weitere Bauzeugen aus dieser Zeit
sind auch die Zehntscheune (heute Kindergarten), das Brau- und Kelterhaus
und das alte Forsthaus. Die heute evangelische Kirche wurde 1727 auf einer
Anhöhe in der Ortsmitte errichtet. Der
Turm ist wesentlich älter. Die beiden
Linden hinter dem Friedhof, dort stand
früher auch eine Bergkirche, sollen
700 Jahre alt sein. In der Lindenstraße
findet man zwei schöne Fachwerkhäuser, am Haus Nr. 11 sehr gut erhaltene
Holzschiebefensterläden. Phantasievolle Skulpturen sind im Garten des inzwischen verstorbenen Künstlers Anton
Weisensee in der Weichtunger Str. 3 zu
bewundern. Zu einem Geheimtipp sind
inzwischen die Ferienwohnungen in
der „Rothhäuser Mühle“ im idyllischen
Lauertal geworden.
Aktive Vereine
sorgen für
kulturelle Vielfalt
In der Gemeinde prägen und bereichern
zahlreiche aktive Vereine das Ortsgeschehen. In den drei Gemeindeteilen
wird das öffentliche und kirchliche Leben von guten Blaskapellen mitgestaltet, wobei sich vor allem die Trachtenkapelle Theinfeld weit über die Ortsgrenzen hinaus einen guten Ruf
verschafft hat. Herausragende Veranstaltung im Jahresablauf ist das Pfarrfest in Thundorf, das Anfang August
mit seiner Schloss- und Parkbeleuchtung jährlich Tausende Gäste aus nah
und fern anlockt. Die in ein Lichtermeer
getauchten Park- und Schlossanlagen
sind ein unvergleichlicher Anziehungspunkt geworden. Das Hausbrauerfest
mit dem unverwechselbaren Thundorfer Hausbrauerbier, das Backofenfest der Thundorfer Blaskapelle und
auch das Brückenfest der Lauertalkapelle Rothhausen locken ebenfalls stets
viele Besucher in die Gemeinde. Mit
ihren jährlichen Theateraufführungen
und den Thundorfer Theatertagen hat
sich die Laienspielgruppe Thundorf in
der gesamten Region einen hervorragenden Namen gemacht. Ohne Beispiel
im gesamten Landkreis und weit darüber hinaus ist der Blumenteppich zur
Fronleichnamsprozession. Bereits frühmorgens um 4 Uhr ist das halbe Dorf
Theinfeld – Ortsmitte
auf den Beinen um den rd. 2 km langen
Prozessionsweg mit einem farbenprächtigen Blumenteppich auszulegen. Zu
einem „Alleinstellungsmerkmal“ für
Thundorf hat sich in den letzten Jahren
auch die „Thundorfer Dorfweihnacht“
entwickelt, die am Wochenende vor
dem 1. Advent Gäste aus nah und fern
anlockt. Die besondere Atmosphäre des
weihnachtlich dekorierten „Ritterkellers“ sowie der historische Ortskern
Thundorfs machen den Besuch dieser
Veranstaltung zu einem besonderen Erlebnis für Jung und Alt.
Reiche Geschichte
Die gemeinsame Geschichte beginnt
wohl in der Karolinger Zeit. Aber schon
viel früher gab es hier eine Ansiedlung.
Reste einer Befestigungsanlage oberhalb des Dorfes, Funde (ca. 2.500 v. Chr.)
und Hügelgräber beweisen es. In einer
Urkunde Kaiser Arnulfs von Kärnten
wird Thundorf am 1.12.889 erstmals genannt, Theinfeld im Jahre 1194, Rothhausen erst im 13. Jahrhundert. Rupert
von Thundorf war von 1104–1106
Bischof von Würzburg. Bis zum Ende
des 13. Jahrhunderts waren die „Herren
von Thundorf“, auch die Ortsherren
von Rothhausen. Theinfeld war überwiegend hennebergisch, teilweise aber
auch im Besitz der Herren von Thun-
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dorf. In ihrer Herrschaftszeit soll Mitte
des 12. Jahrhunderts das Bergschloss
von Thundorf errichtet worden sein.
Auf dem Burgberg oberhalb des Ortes
nahe dem Friedhof, finden sich noch
heute Überreste der Wallanlagen dieser
ehemaligen Burg. Nach dem Aussterben der Herren von Thundorf fiel das
Erbe an das Haus Henneberg, später an
das Geschlecht derer von Maßbach und
schon teilweise im 14. Jahrhundert an
die Herren von Schaumberg. Schon zu
Zeiten des Wilhelm von Maßbach (1370)
war die Herrschaft von Thundorf beträchtlich angewachsen. Unter den Herren von Schaumberg (1378 bis 1676)
wurde der Machtbereich noch erweitert. In ihre Zeit fällt die Errichtung
des Wasserschlosses. Die Reformation
vollzog sich im Thundorfer Herrschaftsbereich durch Sylvester von
Schaumberg, der ein erklärter Freund
Luthers war, sehr früh. Schon in den
20er-Jahren des 16. Jahrhunderts soll die
„neue Lehre“ gepredigt worden sein.
Durch Stiftung des Münnerstädter Amt„Thundorf – Zentrale
Lage zu den Klein- und
Mittelzentren, aber
abseits von Hektik und
Lärmbelastung“
Bürgermeister Anton Bauernschubert
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manns Sylvester von Schaumberg wurde 1520 in der Vogtei als kleines Gegenstück zum Wiener Theresianum eine
Ritterschule eingerichtet, die bis zum
30-jährigen Krieg bestand. 1676 brachten Plünderungen im 30-jährigen Krieg
die Herren von Schaumburg in solche
Finanznöte, dass sie ihren Besitz für
57.000 rheinische Taler dem Geschlecht
derer zu Rosenbach verkauften. Dazu
gehörten nicht nur Schloss, Untertanen
und Rechte, sondern die ganze Markung Thundorf und die Dörfer Rothhausen und Theinfeld. Die wohlhabende Familie von Rosenbach lebte in
Würzburg und ließ ihren „Landsitz“,
das Schloss und ihre Güter von einem
„Amtsverweser“ verwalten. Als 1806
das Rosenbach’sche Geschlecht ausstarb, erklärt der Großherzog von
Würzburg das Burggrafentum Thundorf, das inzwischen Würzburger Lehen war, als vermannt. 700 Morgen
Land wurden unter den Bauern aufgeteilt, 750 ha Wald fielen an das Fürstbistum. Das Schlossgut wurde verkauft.
Da die letzten Dorfherren katholisch
waren, wurde Thundorf größtenteils
wieder katholisch und Sitz der Pfarrei.
Die evangelische Kirche
in Rothhausen
Die Kirche steht unterhalb des Dorfplatzes auf einer leichten Anhöhe und bil-
det, in dem sie alle umliegenden Gebäude mit Abstand überragt, das Zentrum
des Ortes. Über die Zeit ihrer Entstehung in ihrer ersten Anlage gibt es nur
Vermutungen. Das Untergeschoss des
Turmes besteht wohl aus dem frühen
14. Jahrhundert. Anders als Thundorf
hatte Rothhausen (und auch Theinfeld)
keine wehrhafte Burg. So musste in jenen Zeiten bei kurzfristigen Überfällen
verfeindeter Ritter oder umherziehender Horden die Kirche den Bauern als
Schutz dienen. Sie war in ihrer ursprünglichen Form wahrscheinlich eine
Wehrkirche mit einem wuchtigen Chorturm und einem eher kleinen Kirchenschiff. Unter Fürstbischof Julius Echter
wurde im Jahre 1608 als ein Zeichen der
Gegenreformation in Rothhausen das
Obergeschoss des Turmes erhöht und
auf diesem ein für die Echter-Bauten
typischer, langer Spitzhelm aufgesetzt.
An diese bauliche Veränderung erinnert
eine Sandsteintafel am Obergeschoss
des Turmes mit Jahreszahl, Steinmetzzeichen und einer Reihe von Buchstaben, vermutlich Initialen der Namen
der für den Bau verantwortlichen Leute.
Der Anbau der Sakristei erfolgte vermutlich im Jahre 1735. Auch hier erinnert eine über dem Eingang der Sakristei befindliche Inschrift mit Jahreszahl (1735) und mehrerer Initialen an
die Erweiterung der Kirche. Eine letzte
Vergrößerung erfuhr das Gebäude im
Jahre 1770.
Gemeindeteil Rothausen
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Die katholische Kirche
in Rothhausen
Die dem heiligen Ägidius geweihte Kirche steht am Ortsrand des Dorfes an der
Straße nach Stadtlauringen. Sie wurde
um 1924 errichtet. Die katholische Kirchengemeinde, die schon 1908 einen
Kirchenbauverein gegründet hatte, finanzierte das Vorhaben. Die Bautätigkeit musste bereits 1923 begonnen haben, denn noch heute wird erzählt, dass
die Handwerker damals auf die tägliche
Auszahlung ihres Lohnes („Milliarden
und Billionen“) bestanden hatten.
Die katholische Kirche
in Theinfeld
Die Kirche, die dem heiligen Matthias
geweiht ist, bildet mit ihrem Spitzhelm
das Zentrum der kleinen Ortschaft. Der
Turm ist in den beiden Untergeschossen
romanisch, das Langhaus und Turmobergeschoss wohl von 1747. Im Jahre
1852 wurde die Sakristei an die Ostseite
des Turms angefügt und noch zweimal
(1862, 1885) erweitert. Mit der zweiten
Erweiterung der Sakristei erreichte die
Kirche den Grundriss, den sie bis 1971
behielt. Jenes Jahr brachte die wohl
größte Veränderung. Das Gebäude, das
von 1687 bis 1969 beiden Konfessionen
als Gotteshaus diente und seither nur
noch die Kirche der Katholiken ist, wurde fast vollständig erneuert und beträchtlich vergrößert. Im Mai 1971 wurde die Kirche bis auf den Turm abgebrochen. Aus dieser Zeit berichtet man,
dass der freistehende Turm beim Läuten so bedrohlich zu zittern begann,
dass das Läuten für die Zeit der Bautätigkeit untersagt werden musste. Durch
den Neubau des Kirchenschiffes, der
Sakristei, sowie einer Verstärkung des
Fundaments an der Ostseite des Turmes, wurde diese Labilität wieder beseitigt. Seither ist der Turm aus dem Ende
des 16. Jahrhunderts der älteste Bestandteil der Kirche. Das älteste Ausstattungsstück der Kirche – die gotische
Madonna, soll wie der Altar aus dem
Kloster Bildhausen stammen.
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Seele and Geist
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