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Informationsdienst des
Bayerischen Bauindustrieverbandes e.V.
Oktober 2014 · 59. Jahrgang
Auf einen Blick
Impuls
Skandal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  1
Informationsdienst
des Bayerischen
Bauindustrieverbandes e.V.
Oktober 2014 · 59. Jahrgang
Bauwirtschaft und Konjunktur
Gute Baukonjunktur in Bayern . . . . . . 2
Neuregelung im
Umsatzsteuer­gesetz schafft
Klarheit für Bauunternehmer . . . . . . . 5
Bauen und Politik
Kaputte Bahnbrücken –
wie Sanierung und Neubau
finanziert werden können . . . . . . . . . . 6
Energiewende aus der Sackgasse­
führen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Grüne Aussichten für
Krankenhäuser . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Öffentlich-Private-Partnerschaften
Wie finde ich den richtigen
PPP-Berater? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Best Practice Bau
Ein Meilenstein für den Bau von
Bahnbrücken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Bildung und
Nachwuchsgewinnung
Hol dir Hammer & Nagel . . . . . . . . . . 24
Was lernt ein Bauingenieur
… in Coburg? Interview mit
Prof. Michael Pötzl . . . . . . . . . . . . . . . 26
300 Schüler auf Großbaustelle
in Kempten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Impressum
Herausgeber:
Bayerischer Bauindustrieverband e.V.
München
Verantwortlich für den Inhalt:
Thomas Schmid
Redaktion: Alexandra Luchtai, M. A.
Dr. Josef Wallner
Konzept & Gestaltung:
Kontor für Gestaltung
Franz Leander Neubauer
82547 Beuerberg
Satz & Litho:
LaySa Mediendienstleister, Langweid
Druck: Vogl.Druck, Meitingen
Öffentlichkeitsarbeit und
Kommunikation
Bayerische Bauindustrie goes
Social Media: Youtube & Facebook 29
Karl-Günter Krauß über den
Pilotfilm „Bau-Azubi im Porträt“ . . . 30
Persönliches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Zahlen zur Bauwirtschaft in
Bayern 2014 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Impuls
Auf den ersten Blick geht es Deutschland derzeit gut.
Wenn man die aktuellen Wirtschaftszahlen, insbesondere
die Exportentwicklung aber auch den Arbeitsmarkt betrach­
tet, kann man den Eindruck gewinnen: alles bestens. Zweifel
kommen allerdings auf, wenn man sich offenen Auges
durch das Land bewegt. Unübersehbar ist ein wesentlicher
Teil der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland marode.
Viele Autobahnbrücken sind baufällig, viele Autobahnen
und Bundesstraßen sind – gelinde ausgedrückt – in die
Jahre gekommen. Nicht besser steht es um das Schienen­
netz oder um die Bahnbrücken: Bundesweit sind mehr als
11 % in einem so schlechten Zustand, dass sie abgerissen
und neu gebaut werden müssten. Warum ist das
so? Im letzten Jahr war sich die Politik einig,
dass mehr Mittel für die Verkehrs­infrastruktur
nötig wären: 15 Jahre lang jährlich 7,2 Mrd. €
alleine für die Sanierung und den Erhalt – so der parteiüber­
greifende Konsens.
Skandal
Von Thomas Schmid
Hauptgeschäftsführer
des Bayerischen
Bauindustrieverbandes e.V.
Was aber hat die Politik daraus gemacht, als es um die tat­
sächliche Mittelverteilung ging? Fast nichts, so die traurige
Erkenntnis. Nach harten Koalitionsverhandlungen blieben
gerade einmal 5 Mrd. € für die gesamte Legislaturperiode
übrig. In der Realität sind das gerade einmal 3 Mrd. € mehr
als 2013 ausgegeben wurde. Davon ist der Großteil auch nur
ein Versprechen. Im laufenden Haushalt 2014, wo es um
echtes Geld geht, stehen dagegen weniger Mittel als 2013.
Aus „Zusätzlich 5 Mrd. €“ wurden 2014 150 Mio. € weniger!
Für Bundesstraßen sind es sogar 334 Mio. € weniger, auch
für 2015 sind weniger als 2013 versprochen.
Weniger statt mehr – das ist ein Skandal. Der wirkliche
Skandal aber ist, dass wir es nicht schaffen, ausreichende
Mittel für die Infrastruktur bereitzustellen. Denn das Geld
wäre da: Die Steuereinnahmen sind rekordhoch – und sie
steigen weiter. Im Bund nehmen sie nach den neuesten
Prognosen von 260 Mrd. € im Jahr 2013 bis 2018 um gut
50 Mrd. € auf 312 Mrd. € zu. Im Durchschnitt sind das
jährlich 10 Mrd. € mehr. Und bei einer Investitionsquote
von 8 % im Bundeshaushalt besteht ein hohes Umschich­
tungspotential.
Investitionen entscheiden über die Zukunft. Nur Investitio­
nen erhalten Arbeitsplätze und schaffen neue. Nur mit mehr
Investitionen sichern wir uns für morgen ab. Diese „kosten“
zwar jetzt, sie sind es aber wert, sie sind sogar weit mehr
wert: Sie bringen Ertrag, Wachstum und Wohlstand.
Eine langfristig orientierte, nachhaltig erfolgreiche Politik
muss daher auf Investitionen ausgerichtet sein. Eine hohe
Investitionsquote in den öffentlichen Haushalten – min­
destens 15 % – und gute Rahmenbedingungen für private
Investitionen sind ihre Markenzeichen und zugleich ihre
Erfolgskennzahlen, an denen sie gemessen wird.
BBIV i.d. Oktober 2014
­1
Bauwirtschaft und Konjunktur
Markgraf GmbH & Co. KG
Gute Baukonjunktur
in Bayern
Die Baukonjunktur in Bayern ist derzeit gut. Bei den
Neuaufträgen verzeichnete Bayern von Januar bis
Juli 2014 den drittgrößten Auftragszuwachs aller
Flächenländer. Die Umsätze legten ebenfalls kräftig
zu. Auch der Frühindikator Baugenehmigungen weist
in Bayern nach oben. Die Beschäftigung am Bau hat
allerdings leicht abgenommen.
Mehr Baugenehmigungen im Wirtschaftsbau erteilt
Die Baugenehmigungen nahmen von Januar bis Juli 2014
insgesamt um 1,7 % zu. Allerdings sind sie nur im Wirt­
schaftsbau angestiegen (+ 5 %). Im Wohnungsbau wurden
um 1,8 % weniger Genehmigungen erteilt. Im öffentlichen
Hochbau nahmen sie zweistellig ab (– 17,9 %).
Aufträge in Bayern um 7,4 % gestiegen
Die Neuaufträge stiegen von Jan. bis Juli 2014 in Bayern
insgesamt um 7,4 % an. Den höchsten Zuwachs erzielte der
Wirtschaftsbau (+ 14,6 %). Auch im Wohnungsbau nahmen
sie kräftig zu (+ 8,3 %). Der Öffentliche Bau verzeichnete
den geringsten Auftragszuwachs (+ 2,5 %). Nur im öffentli­
chen Hochbau stiegen sie allerdings an (+ 14,9 %). Im Stra­
ßenbau nahmen sie um 1,0 % ab, im Sonstigen Tiefbau um
1,2 %.
Bayern hat den drittgrößten Auftragszuwachs
aller Flächenländer
Auftragseingang im Bauhauptgewerbe, Veränderung Jan. – Juli 2014/13 in Prozent
Rheinland-Pfalz 12,9
Sachsen
10,4
Bayern
7,4
Saarland
7,1
Sachsen-Anhalt
6,9
Schleswig-Holstein
5,8
Berlin
1,8
Brandenburg
1,6
Niedersachsen
1,2
Baden-Württemberg
1,0
Mecklenburg-Vorpommern
– 1,4
Nordrhein-Westfalen
– 1,4
Hessen
– 4,6
Hamburg– 4,9
Thüringen– 12,6
Bremen
– 51,2
1,6
West-Deutschland
2,4
Ost-Deutschland
1,7
Deutschland
Quelle: Statistische Landesämter, Statistisches Bundesamt
­2
BBIV i.d. Oktober 2014
Bauwirtschaft und Konjunktur
Kräftiger Auftragszuwachs am Bau in Bayern
06
07
08
09
10
11
12
13
14
95
96
97
98
99
38,5
05
38,4
04
38,8
03
00
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
Deutschland
34,2
33,6
32,2
30,1
28,0
27,2
29,9
28,7
26,5
25,8
27,5
Bayern 2014/1995: – 0,05 Mrd. EUR; – 0,65 %
2014/2013: + 0,5 Mrd. EUR; + 7,4 %
24,4
35,2
33,3
31,2
6,9
6,4
5,8
5,8
5,2
5,8
5,3
6,8
7,4
7,7
45,9
02
7,1
6,9
7,2
7,4
01
42,1
00
6,1
99
6,1
98
5,8
97
7,8
96
6,4
95
6,5
Auftragseingänge jeweils Jan.– Juli in Mrd. Euro
2014/1995: – 11,6 Mrd. EUR; – 25,4 %
2014/2013: + 0,6 Mrd. EUR; + 1,7 %
Baubeschäftigung im Juli gefallen
jeweils Juli
Bayern 2014/1995: – 94.839; – 40,4 %
2014/2013: – 4.954; – 3,4 %
Deutschland
98
99
00
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
743.168
97
139.811
144.765
133.486
131.483
128.915
129.482
130.906
133.267
134.682
132.462
140.743
148.515
170.031
157.481
179.961
190.146
151.951
96
774.274
95
756.786
14
748.223
13
729.133
12
716.299
11
716.115
10
731.819
09
723.346
08
785.719
07
734.007
06
833.936
05
968.140
04
893.809
03
1.065.086
02
1.133.204
01
1.251.688
00
1.177.134
99
1.425.786
98
1.340.329
97
198.416
234.650
96
215.718
95
2013/1995: – 682.618; – 47,8 %
2013/2012: – 31.106; – 4 %
Quelle: Bayerisches Statistisches Landesamt, Statistisches Bundesamt
Umsätze der Bauunternehmen deutlich gestiegen
Die Umsätze der bayerischen Bauunternehmen legten von
Jan. bis Juli 2014 kräftig zu (+ 8,2 %). Am stärksten haben
sie im Wohnungsbau zugenommen (+ 11,6 %). Deutlich
gestiegen sind sie auch im Wirtschaftsbau (+ 10,2 %).
Nur wenig nahmen sie im Öffentlichen Bau zu (+ 0,6 %).
Die höchste Zunahme verzeichnete der Sonstige Tiefbau
(+ 3,8 %), gefolgt vom Straßenbau (+ 0,5 %). Dagegen waren
sie im öffentlichen Hochbau rückläufig (– 3,5 %).
Geschäftserwartungen werden pessimistisch beurteilt
Das Geschäftsklima im bayerischen Bauhauptgewerbe wird
im September 2014 schlechter als im Vorjahr beurteilt.
 Die aktuelle Geschäftslage wird mit einem Saldo von 3 %
schlechter als im Vorjahr (September 2013: 19 %) einge­
schätzt. Als gut beurteilen sie 19 % der Unternehmen
BBIV i.d. Oktober 2014
(September 2013: 29 %). Von einer weiter verschlechterten
Geschäftslage berichten 16 % (September 2013: 10 %).
 Von einer günstigen Entwicklung ihrer Bautätigkeit im
Vergleich zum Vormonat berichten 11 % der Unternehmen
(September 2013: 11 %), 13 % von einer Verschlechterung
(September 2013: 22 %).
 Die nähere Zukunft wird negativ betrachtet. Nur 1 % der
befragten Firmen erwartet innerhalb der nächsten sechs
Monate, also bis März 2015, eine Besserung ihrer derzei­
tigen Lage (September 2013: 4 %). Eine weitere Verschlech­
terung befürchten 29 % der Unternehmen (September
2013: 27 %). Insgesamt wird die Geschäftslage innerhalb
des kommenden Halbjahres mit einem Saldo von – 28 %
schlechter als im Vorjahr (September 2013: – 23 %)
be­urteilt.
­3
Bauwirtschaft und Konjunktur
Nicht nur über die marode Infrastruktur jammern –
jetzt muss gehandelt werden
Über die Mängel unserer Verkehrsinfrastruktur wurde in
den letzten Monaten umfassend in den Medien berichtet,
auch die Politik hat das Thema aufgegriffen – bislang aber
noch nicht entsprechend gehandelt. Ihre Bekenntnisse zur
Verkehrsinfrastruktur sowie die Erkenntnisse der von der
Verkehrsministerkonferenz 2010 eingesetzten, von Ex-­
Minister Karl-Heinz Daehre geleitetet Kommission „Zukunft
der Verkehrsinfrastrukturfinanzierung“ sowie der von ihr
2012 eingesetzten, von Ex-Bundesverkehrsminister Kurt
Bodewig geleiteten Kommission „Nachhaltige Verkehrs­
infrastrukturfinanzierung“ wurden jedenfalls nicht in ent­
sprechende Haushaltszahlen (jährlich + 7,2 Mrd. € deutsch­
landweit; davon + 4 Mrd. € im Bund) umgesetzt.
Mindestinvestitionsquote von 15 %
Damit Investitionen vorrangig werden, sollte in allen öffent­
lichen Haushalten eine verpflichtende Mindestinvestitions­
quote von 15 Prozent festgeschrieben werden. Sie würde
die Bedeutung der Investitionen und des Bauens endlich
zumindest gleichrangig den anderen Ansprüchen an die
öffentlichen Mittel stellen.
Bauetats daher dauerhaft auf höherem Niveau halten
Als wichtige Erkenntnis aus der Finanzkrise müssen künftig
die öffentlichen Bauetats dauerhaft höher ausgestattet
werden. Durch Bauinvestitionen wird der Wirtschaftsstand­
ort gestärkt und zukunftsfest gemacht. Eine hohe öffent­
liche und private Baunachfrage stabilisiert zudem die
Konjunktur. Sie schafft reale Werte mit Erträgen heute und
in Zukunft.
Umsatzanstieg in fast allen Flächenländern
13,4
Brandenburg
11,9
11,7
Sachsen-Anhalt
11,7
Mecklenburg-Vorpommern
11,1
Schleswig-Holstein
8,6
Baden-Württemberg
8,2
Bayern
7,4
Niedersachsen
6,3
Rheinland-Pfalz
4,7
Hessen
0%
-10%
Sept. 14;
–13%
-20%
-30%
-40%
schlecht/ungünstiger
Jan 01 Jan 02 Jan 03 Jan 04 Jan 05 Jan 06 Jan 07 Jan 08 Jan 09 Jan 10 Jan 11 Jan 12 Jan 13 Jan 14
– 2,4
Quelle: ifo-Institut München
– 3,4
Saarland
Bremen
10% gut/günstiger
-70%
Hamburg – 0,2
Berlin
ifo-Geschäftsklima
Bauhauptgewerbe Bayern
(Unternehmereinschätzung Geschäftslage und Erwartungen für 6 Monate)
-60%
3,9
Nordrhein-Westfalen
Mobilität ermöglicht Fortschritt
Die Aufgabe der Bauindustrie, ihr Beitrag zur Zukunfts­­vor­sorge, zur Nachhaltigkeit ist es, die Verkehrsinfrastruk­
tur, das Fundament unseres Wohlstandes, zu bauen.
Nur wer mobil ist, hat überhaupt die Chance, in der
globalisierten Wirtschaft seinen Wohlstand auszubauen.
Nur dank der Mobilität der Menschen und der Güter –
aber auch in den Köpfen – ist Fortschritt erreichbar.
Wenn unterschiedliche Wirtschaftsräume, ob nah oder
fern, dank ausgebauter Verkehrsinfrastrukturen gut zusam­
menarbeiten können, entstehen Synergien. Nur so können
Metropolen und die ländlichen Räume gut zusammen­
wirken und ihre jeweiligen Stärken einbringen und
verstärken.
-50%
6,2
Sachsen
ÖPP leistet aber weit mehr als privates Kapitel an die Stelle
öffentlicher Schulden zu setzen: neue, kreative Lösungen
finden, das Erschließen der Effizienzvorteile durch die
Zusammenbetrachtung der Bau- und Betriebsphase
(Lebenszyklusansatz). Aus der Finanzkrise zu lernen heißt
eben: reale Werte bauen, auch mit ÖPP.
Geschäftsklima in Bayern im September schlechter beurteilt
Umsätze im Bauhauptgewerbe, Veränderung Jan. – Juli 2014/13 in Prozent
Thüringen
Zudem verstärkt ÖPP nutzen
Ergänzend zur Etatfinanzierung öffentlicher Bauvorhaben
wird ÖPP künftig eine noch bedeutendere Rolle spielen.
ÖPP – Öffentlich Private Partnerschaft – kann einen gewich­
tigen Beitrag leisten bei der nach Überwindung der Finanz­
krise anstehenden Aufgabe, die öffentliche Verschuldung
wieder zurückzuführen.
– 5,1
West-Deutschland
6,4
8,2
Ost-Deutschland
Deutschland
6,8
Quelle: Statistische Landesämter, Statistisches Bundesamt
­4
BBIV i.d. Oktober 2014
Bauwirtschaft und Konjunktur
Neuregelung im Umsatzsteuergesetz schafft
Klarheit für Bauunternehmer
Bauunternehmer können
künftig wieder sicher
feststellen, in welchen
Fällen sie oder ihre Auf­
traggeber die Umsatz­
steuer für Bauleistungen
an das Finanzamt abfüh­
ren müssen. Bundestag
und Bundesrat haben
im Umsatzsteuergesetz
klargestellt, dass der
Leistungs­empfänger die
Umsatzsteuer abführt,
wenn er selbst nach­
haltig Bauleistungen
erbringt.
???
19%
D
ie Neuregelung war notwen­
dig geworden, nachdem der
Bundesfinanzhof vergange­
nes Jahr die langjährige
Praxis der Finanzverwaltung verwor­
fen hatte, wonach der Auftraggeber
einer Bauleistung die Umsatzsteuer
schuldet, wenn er selbst Bauleistun­
gen erbringt. Stattdessen sollte der
Auftraggeber nur dann für eine Bau­
leistung Umsatzsteuer zahlen, wenn
er sie selbst für eine eigene Bauleis­
tung verwendet. Bauunternehmen
konnten diese Frage, wie ihr Auftrag­
geber die an ihn erbrachte Bauleis­
tung verwendet, kaum beurteilen.
Die Folge war eine erhebliche Unsi­
cherheit, ob eine Rechnung zuzüglich
oder ohne Umsatzsteuer auszustellen
war.
Erfreulicherweise ist diese Rechts­
unsicherheit jetzt beendet. In der Neu­
regelung zur „Steuerschuldnerschaft
des Leistungsempfängers bei Bauleis­
tungen“ ist klargestellt, dass es nicht
darauf ankommt, wie der Leistungs­
empfänger die an ihn erbrachte
Leistung verwendet. Zudem hilft den
Bauunternehmen eine neue Beschei­
nigung, die die Finanzämter dem
Auftraggeber erteilen. Damit können
die Baufirmen klar erkennen, wie die
Rechnung auszustellen ist.
BBIV i.d. Oktober 2014
???
Der Hauptverband der Deutschen
Bauindustrie und die Landesverbände
haben den Gesetzgebungsprozess zur
Änderung des Umsatzsteuergesetzes
von Anfang an begleitet. Das gemein­
same Ziel war, eine rechtssichere und
praxisgerechte Regelung zu erreichen.
Im Sommer diesen Jahres ist es
schließlich gelungen, dass die Vor­
schriften geändert werden und die
bewährte frühere Rechtslage im
Wesentlichen wiederhergestellt wird.
Die Neuregelung löst darüber hinaus
auch Altfälle, in denen Auftraggeber
die von ihnen bereits abgeführte Um­
satzsteuer nachträglich vom Finanz­­
amt zurückverlangen und daher die
Bauunternehmen mit der Umsatz­
steuer nachbelastet werden können.
Statt den Bauunternehmern auf­
zuerlegen, die Umsatzsteuerbeträge
nachträglich vom Auftraggeber ein­
zufordern, ist eine Abtretung der
Ansprüche ans Finanzamt vorgese­
hen. Diese Regelung stellt niemanden
besser oder schlechter. Sie vermeidet
allerdings, dass Bauunternehmen
einseitig das Risiko tragen, wenn die
Auftraggeber die Beträge nicht
auszahlen.
­5
Bauen und Politik
Kaputte Bahnbrücken – wie Sanierung und
Neubau finanziert werden können
BBIV-Präsident Josef
Geiger erläutert Journalisten die Schäden an der
maroden Bahnbrücke
Pocci-/Lindwurmstraße in
München.
Viele Bahnbrücken in Deutschland sind marode und
nicht mehr sanierbar. In Bayern fallen 175 in diese
Kategorie, Sie neu zu bauen kostet rund 5 Mrd. €,
bundesweit 30 Mrd. €. Wie diese Summe schnellst­
möglich bereitgestellt werden kann, dazu hat die
Bayerische Bauindustrie drei Finanzierungswege
ausgearbeitet.
Erst eine Kleine Anfrage schafft Transparenz
über die Malaise der Bahnbrücken
Eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis90/Die Grünen an
die Bundesregierung hat die Erkenntnis geliefert, dass von
insgesamt 4.618 Eisenbahnbrücken in Bayern 175 in die
schlechteste Kategorie 4 fallen. Sie müssen abgerissen und
neu gebaut werden, eine wirtschaftliche Sanierung ist nicht
mehr möglich. Knapp 4 % der bayerischen Bahnbrücken
fallen somit in Kategorie 4. Damit gehört Bayern aber noch
zur besseren Hälfte der Bundesländer.
In 7 Bundesländern ist der Kategorie 4-Anteil niedriger als
in Bayern. Am besten schneiden Sachsen-Anhalt mit 1,8 %
und Schleswig-Holstein mit 2 % ab. Andererseits ist in
8 Bundesländern der Kategorie 4-Anteil höher als in
Bayern. Einsam an der Spitze liegt Nordrhein-Westfalen mit
44 %, deutlich dahinter Berlin als nächstschlechtestes Bun­
desland mit 10,10 %.
­6
Bahn ist Eigentümer der Bahnbrücken und
verantwortlich für ihren Zustand
Durch die Bahnreform ist die Bahn einerseits zu einem
Unternehmen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft
geworden. Ihr gehören auch die Schienen und die (noch
nicht verkauften) Bahnhöfe. Andererseits ist sie weiterhin
Empfänger öffentlicher Mittel, vor allem Bundesmittel, in
hohem Ausmaß. Jährlich fließen rund 8 Mrd. € vom Bund
an die Bahn. Dafür ist die Bahn rechenschaftspflichtig.
Insbesondere muss sie jährlich nachweisen, in welchem
Zustand sich die Schieneninfrastruktur befindet und wie
sie die öffentlichen Mittel eingesetzt hat. Dieser Verpflich­
tung kommt sie allerdings nicht ausreichend nach.
BBIV-Präsident Josef
Geiger und BBIV-Hauptgeschäftsführer Thomas
Schmid an einer von zehn
baufälligen Bahnbrücken in
München.
BBIV i.d. Oktober 2014
Bauen und Politik
So konnte die Bundesregierung die Frage, wie sich der
Zustand der Bahnbrücken in den letzten Jahren verändert
hat, nicht beantworteten, weil die Bahn diese Angaben
nicht bereitgestellt hatte.
Erhaltungsdefizit bei Verkehrswegen seit 1950 vervierfacht
Erhaltungsdefizit Verkehrswege
(Brutto- minus Netto-Anlagevermögen, in Mrd. €)
1950
Kaputte Bahnbrücken – ein weiteres Beispiel für die
Vernachlässigung unserer Verkehrsinfrastruktur allgemein
Unsere Verkehrsinfrastruktur ist seit Jahrzehnten unter­
finanziert. Ihr Verfall ist unübersehbar – und dokumentiert:
Das Erhaltungsdefizit steigt seit Jahrzehnten laufend an
und hat mit zuletzt 235 Mrd. € einen neuen Tiefststand er­
reicht. Es errechnet sich aus den Neubauwerten abzüglich
der Abschreibungen und zuzüglich der getätigten Investiti­
onen. Ein negativer Wert zeigt somit an, dass die laufenden
Investitionen nicht ausreichen, um den normalen Wertver­
fall auszugleichen. Die Schieneninfrastruktur – Schienen­
wege, Bahnhöfe etc. – hat zum gesamten Erhaltungsdefizit
44 Mrd. € beigetragen.
Ausgehend von einem Wert des deutschen Schienennetzes
von 300 Mrd. €, wie es die Daehre-Kommission ermittelt
hat, bedeutet das:
 Der Wert des deutschen Schienennetzes nimmt jährlich
um 1,5 Mrd. € ab.
 Täglich verliert es 4,1 Mio. €.
Übertragen auf bayerische Verhält­nis­se:
Bei einem Gesamtwert des bayerischen Schienennetzes
von rund 50 Mrd. €:
 Verfällt dessen Wert jährlich um 250 Mio. €
 Täglich wird es um 685.000 € weniger wert.
Wir investieren zu wenig – das Geld wäre da!
Im europäischen Vergleich gehört Deutschland bei den
Ausgaben für die Schieneninfrastruktur zu den drei Ab­
stiegskandidaten.
Pro Kopf investieren in die Schieneninfrastruktur: die
Schweiz 366 €, Österreich 199 €, Deutschland nur 54 € –
weniger als ein Siebtel der Schweiz. Schlechter als
Deutschland sind nur Frankreich mit 47 € und Spanien mit
27 €. In den Jahren zuvor war Deutschland immer das
Schlusslicht.
Das Geld ist da
Die Steuereinnahmen sind rekordhoch – und sie steigen
weiter. Im Bund nehmen sie gemäß der Steuerschätzung
vom Mai 2014 von 260 Mrd. € (2013) um gut 50 Mrd. € auf
312 Mrd. € 2018 zu.
Der Verkehr zahlt weit mehr in den Staatshaushalt als an
Investitionen zurückfließt. Damit werden andere Bereiche
quersubventioniert.
 Der Straßenverkehr erbringt an Steuern und Lkw-Maut
rund 63 Mrd. €.
 Andererseits werden in Deutschland für den Straßenbau
knapp 11 Mrd. € ausgegeben.
 Die Differenz von gut 50 Mrd. € verschwindet in den Un­
tiefen der öffentlichen Haushalte.
BBIV i.d. Oktober 2014
1960
-50
1970
1980
1990
2000
2011
-61
-83
-126
-178
-205
-235
Quelle: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung, Verkehr in Zahlen 2012/13
Die Schweiz investiert fast das 7-fache des deutschen
Wertes
Investitionen in die Schieneninfrastruktur je Einwohner (Werte für 2013)
366 €
199 €
160 €
139 €
120 €
81 €
iz
we
Sch
ich
erre
Öst
den
we
Sch
de
lan
der
Nie
n
nie
itan
ßbr
Gro
ien
Ital
54 €
nd
hla
tsc
Deu
47 €
h
eic
nkr
Fra
27 €
n
nie
Spa
Quelle: Allianz pro Schiene
Investitionen in Bundesfernstraßen
2014, 2015 und 2018 „weniger“ statt mehr in Mrd. €
6,1
5,6
5,5
5,2
5,3
5,4
5,1
10
11
12
13
14
5,3
5,2
15
16
17
18
Investitionslinie Verkehr im Bundeshaushalt; Ist-Werte
Soll 2014
Planung 2015 - 2018
Quelle: Bundesministerium der Finanzen
Umso unverständlicher ist es, dass wir es nicht schaffen,
ausreichende Mittel bereitzustellen, um unsere Verkehrs­
infrastruktur zu sanieren, sie zu erhalten und bedarfsgerecht
auszubauen.
Vollkommen unverständlich ist, dass die Politik immer wie­
der zu Tricks greift nach dem Motto: Oben drauf und unten
raus. Dazu zwei Beispiele: die Einführung der Lkw-Maut
2004. Das Mautgesetz besagt eindeutig, das Mautaufkom­
men wird „zusätzlich dem Verkehrshaushalt zugeführt“.
­7
Bauen und Politik
Formal ist es zwar so geschehen, aber der Verkehrshaus­
halt wurde rechtzeitig zuvor soweit abgesenkt, dass
„zusätzlich“ im Verkehrsetat 2005 weniger bedeutete.
Dasselbe wieder derzeit: im Koalitionsvertrag ist festgelegt:
5 Mrd. € mehr für die Verkehrsinfrastruktur. In der Realität
bedeutet das aber im Haushalt 2014 weniger Mittel als die
Verkehrsausgaben 2013. Im Bundesfernstraßenetat sind
auch 2015 weniger Mittel vorgesehen als 2013.
„Zusätzlich 5 Mrd. €“ sind in Wahrheit nur 3,1 Mrd. € mehr,
wenn man vom Ist-Haushalt 2013 ausgeht. Es kommt
hinzu, dass der Großteil davon bislang nur Finanz­
planungs-Versprechun­gen sind, die so zu Haushaltsansät­
zen werden können – aber eben nicht müssen!
Drei Finanzierungswege für Sanierung bzw.
Neubau kaputter Bahnbrücken
Es muss jetzt schnell etwas geschehen, der Verfall der
Bahnbrücken schreitet fort. Es wird so immer teurer. Wir
brauchen ein wirklich zusätzliches Sonderprogramm für
Bahnbrücken! Die Bayerische Bauindustrie schlägt dazu
drei Finanzierungswege vor, die auch kombiniert werden
können:
 Nachhaltige Erhöhung der öffentlichen Mittel für die
Bahnbrücken um jährlich 2 Mrd. Euro auf 15 Jahre
 Neubau maroder Bahnbrücken als ÖPP-Modell, wie dies
erfolgreich bei den vier Staatsstraßen-Mainbrücken in Un­
terfranken praktiziert wurde
 Ausgabe einer Anleihe der Bahn, um den Sanierungsbzw. Neubaubedarf durch die DB AG vorzufinanzieren
Finanzierungsweg Bundeshaushalt
Das Geld ist da: Den Bundesverkehrshaushalt um rund 2
Mrd. € zu erhöhen, ist angesichts der weiter steigenden
Steuereinnahmen (+ 50 Mrd. € für den Bund von 2013 bis
2018) problemlos möglich. Zudem besteht aufgrund der re­
kordniedrigen Investitionsquote im Bundeshaushalt von
zuletzt 8,1 % ein großes Potential für die Umschichtung in
den investiven Teil.
Finanzierungsweg ÖPP
ÖPP bedeutet Nutzen des gesamtheitlichen Ansatzes: Pla­
nung, Bau und bauliche Erhaltung, ggf. auch Finanzierung,
aus einer Hand. ÖPP ist zumindest für einzelne größere
Bahnbrücken gut geeignet. ÖPP ermöglicht bereits wäh­
rend der Bauphase die Übertragung weitreichender Koor­
dinationsaufgaben auf die ausführende Baufirma – wie bei
den Staatsstraßen-Mainbrücken. Dadurch ergibt sich einer
Verringerung des Aufwands für Bauleitung und Bauüber­
wachung des Auftraggebers. Bei der Erneuerung der Main­
brücke Bergrheinfeld ermöglichte dies eine Senkung des
Aufwands des Auftraggebers in der Bauüberwachung für
stichprobenartige Qualitätskontrollen, vierteljährliche Lei­
stungsfeststellungen und Abrechnung um 50 % im Ver­
gleich zum konventionellen Bauvertrag.
­8
Finanzierungsweg Ausgabe einer Anleihe der Bahn
Sowohl die DB AG wie die DB Netz AG verfügen über die
höchste Bonität und könnten daher durch die Ausgabe ei­
gener Anleihen die Mittel für die Beseitigung des Sanie­
rungsstaus bei Bahnbrücken vorfinanzieren. Das wären ge­
suchte Anleihen. International sind Infrastrukturanleihen
längst üblich und ein begehrtes Anlagemedium: Sie bieten
eine stabile langfristige Rendite, hinter der ein realer Wert
steht. Aufgrund ihrer geringen Korrelation mit Anleihen
und Aktien bieten sie zudem einen Diversifizierungsvorteil.
Sie dienen daher auch der Risikostreuung. Diese langfri­
stigen Infrastrukturanleihen wären hervorragend geeignet,
damit für die Rente anzusparen, sowohl individuell als
auch für ein noch zu schaffendes kapitalbasiertes Renten­
system. Die Bayerische Bauindustrie hat dafür den Slogan
geprägt: „Mit Infrastruktur die Rente finanzieren.“
Bundesland
Bahnbrücken
dav. Kat. 4
Anteil
Sachsen-Anhalt
905
16
1,80%
Schleswig-Holstein
396
8
2%
Sachsen
1.984
51
2,60%
Thüringen
1.204
32
2,70%
Bremen
157
5
3,20%
Baden-Württemberg
3.008
101
3,40%
Niedersachsen
2.109
74
3,50%
Bayern
4.618
175
3,80%
Hamburg
373
14
3,80%
Hessen
1.971
84
4,30%
Mecklenburg-Vorpommern
271
15
5,50%
Saarland
300
21
7%
Rheinland-Pfalz
1.773
132
7,40%
Brandenburg
801
65
8,10%
Berlin
895
90
10,10%
Nordrhein-Westfalen
4.369
1923
44%
Quelle: Bundestag Drs. 18/1840; Kategorie 4 bedeutet: Gravierende Schäden, wirtschaftliche
Instandsetzung nicht mehr möglich.
BBIV i.d. Oktober 2014
Bauen und Politik
Energiewende
D
V.Schlichting Fotolia
amit die Energiewende ge­
lingt, muss die Politik für
In­vestoren, die Technologien
und Projekte finanzieren,
Planungssicherheit garantieren und
zwar langfristig. Sicher muss vor allem
aber die Versorgung mit Strom und
Wärme sein. Dafür braucht es bezahl­
bare Lösungen, die die Kosten und
Belas­tun­gen des EEG offen auf den
Tisch legen. Diese Ziele müssen als
höchste Prioritäten erkannt und auch
so behandelt werden – eigentlich eine
Selbstverständlichkeit. Denn erst sie
bilden den Nährboden, auf dem das
technische Innova­tions­­potenzial der
Energie­wende „Made in Germany“
gedeihen kann.
Energiewende aus der
Sackgasse­ führen
Nach der Vision kommt die Wirklichkeit und mit ihr die unbequeme
Wahrheit, dass die Energiewende viel Geld kostet. Anlagenbauer und
ausführende Unternehmen der Bauindustrie, müssen ihre Kapazitäten
erweitern und dafür hohe ­Ausgaben tätigen. Ohne verlässliche Zu­
sagen vom Staat geht das nicht. Die Bayerische Bauindustrie ist fest
entschlossen, ihren Beitrag zur Umsetzung der Energiewende zu
leisten und betrachtet drei Stellgrößen als wesentlich: Planungs­
sicherheit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit.
Monitoring der Energiewende
Besonders bei der sicheren Versorgung
sind Zweifel angesagt. Geht das Kern­
kraftwerk im unter­fränkischen Grafen­
rheinfeld wie ge­plant 2015 vom Netz,
wird die derzeit gesicherte Leis­tung in
Bayern nicht mehr ausreichen. Immer
dann, wenn der Bedarf am höchsten
ist, wird der Freistaat importieren
müssen. Für Entspannung sorgen
könn­te der Neubau oder eine längere
Betriebsdauer von Kraftwerken.
Beide Varianten sind zu diskutieren und
offenbaren sogleich, wie über­hastet
die Politik Zielvorgaben für die Energie­
wende formuliert hat.
Um kurzfristige Schwankungen bei
der Stromversorgung auszugleichen,
bieten sich moderne Gaskraftwerke an.
Sie lassen sich innerhalb von Minuten
hochfahren und sind hocheffizient.
Wirtschaftlich sind jedoch derzeit
weder der Neubau, noch der Betrieb
bestehender Kraftwerke. Solange die
erneuerbaren Energien die Börsen­
preise drücken, bleibt die jährliche
Laufzeit eines Gaskraftwerks zu gering,
um für Investoren eine Geschäfts­
grundlage zu bieten.
Strommarkt braucht einen fairen
Ausgleich zwischen erneuerbarer und
­herkömmlicher Energie
Generell mangelt es an einem Markt
für Kraftwerkskapazitäten. Denn im
Umgang mit bestehenden Kraftwerken
und Reserveanlagen wird ebensowenig
BBIV i.d. Oktober 2014
­9
Bauen und Politik
in die Zukunft gedacht. Die Subventio­
nierung von Erneuerbaren hat an der
Börse einen Preisverfall für Strom
ausgelöst. Konventionelle Kraftwerke
sind nicht mehr rentabel. Aus diesem
Grund wollen die Versorger 48 von
rund 330 Kraftwerksblöcken in
Deutschland abschalten. Tendenz
steigend. Allein, sie dürfen es nicht.
Gemäß der „Reservekraftwerksverord­
nung“ müssen systemrelevante Kraft­
werke im Betrieb bleiben und erhalten
dafür bis zu 75 Prozent ihrer Kosten
erstattet. In den nächsten zehn Jahren
könnte sich diese Kostenerstattung
auf bis zu 50 Milliarden Euro aufsum­
mieren, sagen Experten. Netzbetreiber
legen diese Kosten auf die Verbrau­
cher um, so dass weitere Strompreis­
steigerungen anstehen.
Die Bayerische Bauindustrie fordert
einen fairen Ausgleich zwischen er­
neuer­barer und konventioneller
Energieerzeugung. Damit würde ein
stabiles Strommarktdesign geschaffen
und die dringend benötigten Investiti­
onen für die Versorgung könnten sich
auf einen vertrauenswürdigen Rechts­
rahmen stützen.
Energiewende ist mehr als eine
­Stromwende
Lässt man die öffentliche Diskussion
zur Energiewende Revue passieren,
wird deutlich, dass sie sich hauptsäch­
lich um Strom dreht. Die Wärme bleibt
außen vor, obwohl sie am Gesamt­
energieverbrauch der Haushalte den
Großteil ausmacht: Etwa 60 Prozent
entfallen auf Wärme für Heizung und
Warmwasser. 30 Prozent werden für
den PKW aufgewendet, lediglich
10 Prozent für Strom. Der alleinige
Fokus auf Strom reicht somit zur Er­
füllung ökologischer Ziele nicht aus.
Einsparungen beim Verbrauch und
Zugewinne an Effizienz müssen bei
der Wärme realisiert werden.
Das Potenzial dafür ist enorm, stam­
men doch die meisten Gebäude in
Deutschland noch aus Zeiten vor der
ersten Wärmeschutzverordnung, die
1977 als Vorgängerin der Energieein­
sparverordnung (EnEV) in Kraft trat.
Beim Bau unterlagen die Häuser kei­
nen energetischen Anforderungen
­10
Energiewende
Zur Umsetzung der Energiewende plädiert die Bayerische Bauindustrie für die
Festlegung von drei Schwerpunkten:
1
Planungssicherheit:
Planungssicherheit ist die Voraussetzung für langfristige Investitionen.
Die Energiewende erfordert hohe Investitionen in Kraftwerke, Speicher und Netze.
Die ausführenden Unternehmen, Anlagenbauer und die Bauindustrie, sind ent­
scheidende Akteure für die Umsetzung. Sie müssen ihre Kapazitäten ausweiten und
hohe Ausgaben tätigen.
Ziel muss es sein, langfristige und vertrauenswürdige Rahmenbedingungen für die
Energiewende in Deutschland herzustellen und damit Planungssicherheit für dringend benötigte Investitionen zu schaffen.
2 Versorgungssicherheit:
Die Versorgungssicherheit, eine zuverlässige und stabile Stromversorgung, wird
noch lange Zeit Aufgabe der herkömmlichen Kraftwerke bleiben. In Deutschland
existiert gegenwärtig aber kein tragfähiges Geschäftsmodell für konventionelle
Kraftwerke. EEG-Stromerzeuger haben eine gesetzliche Abnahmegarantie. Konven­
tionelle Kraftwerke kommen nur dann zum Einsatz, wenn EEG-Erzeuger mangels
Wind und Sonne nicht erzeugen können oder der Strombedarf besonders hoch ist.
Ziel muss es sein, ein neues stabiles Gesamtsystem und ein neues Strom­markt­
design hervorzubringen, das einen fairen Ausgleich zwischen erneuer­barer und
konventioneller Erzeugung glaubhaft und langfristig verspricht.
3 Bezahlbarkeit:
Der Strompreis ist für ein hochentwickeltes Industrieland ein gewichtiger Standort­
faktor. Die EEG-Belastungen haben ihn aber stark steigen lassen. Deswegen müs­
sen wir uns auch darüber bewusst sein, welche hohe Bedeutung die Energie- und
Stromkosten für unsere Wirtschaft haben. Wir erkennen ein gewichtiges Problem in
den langfristigen Verpflichtungen aus dem EEG, in dem wir uns verpflichtet haben,
20 Jahre lang die EEG-Umlage von rund 20 Mrd. € jährlich zu erheben und umzu­
verteilen.
Ziel muss es sein, die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland sicher­
zustellen. Deutschland darf nicht als Land wahrgenommen werden, dessen Stromkosten einen Standortnachteil darstellen. Der Staat muss selbst aus der Rolle des
Schädigers der Wirtschaft und der privaten Stromkunden herauskommen wollen
und gegensteuern. Hauptpreistreiber ist zweifelsfrei die EEG-Umlage. Gute Ansatzpunkte zum Gegensteuern bieten die Umsatz- und die Stromsteuer.
und sind heute dringend sanierungs­
bedürftig. Bei einer jährlichen Sanie­
rungsquote von drei Prozent könnten
innerhalb von zehn Jahren 184 Tera­
wattstunden Energie eingespart
werden, was dem Wärmebedarf von
zehn Millionen Haushalten entspricht.
Umgerechnet würden damit etwa
46 Millionen Tonnen CO2 eingespart.
Zum Vergleich: So viel emittieren drei
Kohlekraftwerke pro Jahr. Gleichzeitig
würde Deutschland damit auch unab­
hängiger von Öl- und Gasimporten.
Die Pläne der Bundesregierung sehen
bis 2050 einen nahezu klimaneutralen
Gebäudebestand vor. Auch der
Wärme­markt soll dafür ins Visier ge­
nommen werden. Konkrete Verbesse­
rungen der Investitionskulisse sind für
die energetische Gebäudesanierung
allerdings nicht geplant. So fehlt es
weiterhin an attraktiven steuerlichen
Anreizen, um die Sanierungsquote bei
Gebäuden von aktuell lediglich einem
Prozent zu heben.
Windkraft für die Energiewende
in Bayern unersetzlich
Nach der zum 1. August 2014 in Kraft
getretenen Länderöffnungsklausel
dürfen die Bundesländer in Zukunft
die Abstände eines Windrads zum
nächsten Wohnhaus selbst bestim­
men. In Bayern soll der Abstand das
Zehnfache der Anlagenhöhe betragen.
Für viele Windenergie-Projekte bedeu­
tet dies im dicht besiedelten Bayern
BBIV i.d. Oktober 2014
Bauen und Politik
0,9
Moderne und innovative WasserkraftTechnologien verbinden Energieerzeu­
gung und Ökologie. Diese Technolo­
gien und die Lösungskompetenz der
Wasserbau-Ingenieure bieten Verbes­
serungen hinsichtlich Sichtbarkeit,
Hörbarkeit und Durchgängigkeit von
Fließgewässern und werten die Was­
serkraft generell auf. Damit bestehen
schon heute Möglichkeiten Energie aus
Wasserkraft ökologisch zu erzeugen
und die Wasserkraft in Bayern weiter
auszubauen.
Seit 2012 ist die Wasserkraft in Bayern
jedoch kaum mehr ausgebaut worden.
Grund dafür sind zum einen die nied­
rigen Strompreise an der Börse, die
den Aus- und Neubau von Wasserkraft
in Bayern unwirtschaftlich machen.
Zum anderen reichen die aktuellen
Vergütungen im EEG nicht aus, um die
Forderungen der ökologischen Durch­
gängigkeit für Fische umzusetzen. Öko­
logische Durchgängigkeit in Fließge­
wässern ist wichtig, muss aber auch
bezahlt werden. Eine Anpassung der
EEG-Vergütung an die Anforderungen
des Naturschutzes ist zwingend erfor­
derlich, sowohl für Modernisierung
bzw. Erweiterungen wie für den Neu­
bau.
3,8
41,5
24,9
28,9
Wasserkraft (Lauf- und Speicherwasser, einschließlich
Pumpspeicher mit natürlichem Zulauf)
Photovoltaik
Biomasse
Windenergie
Sonstige
* vorläufiges Ergebnis
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Daten­
verarbeitung, Berechnungen des Bayerischen Landesamtes
für Umwelt
Deutschland hat bereits einen Standortnachteil im internationalen Vergleich
Strompreise 2012 im Vergleich, €ct/kWh
BBIV i.d. Oktober 2014
30.0
9.7
10.4
9.2
9.5
13.9
14.2
15.0
EU27
13.2
18.6
21.5
25.9
14.0
Wasserkraft zukunftsweisend fördern
Wasserkraft ist in Bayern in hohem
Maße vorhanden. Sie ist grundlast­
fähig und umweltfreundlich und muss
deshalb zur Stromerzeugung herange­
Haushalte
zogen werden. Im Energiekonzept der
Bayerischen Staatsregierung von 2011
werden durchschnittlich 17 Prozent
Strom aus Wasserkraft bis 2021 gefor­
+39%
dert. Mit Modernisierungen und Erwei­
terungen bestehender Anlagen ist die­
ses Ziel nicht erreichbar. Unbedingt
notwendig ist der Neubau von Wasser­
Deutschland
kraftwerken an noch nicht genutzten
Standorten. Bislang wird allerdings der Quelle: Eurostat; IEA.
15.9
Industrie
8.7
Darüber hinaus hängt der Vertrauens­
schutz für Windenergie-Projekte in
­Bayern in der Schwebe. Die neue Ab­
standsregelung hat große Verunsiche­
rung ausgelöst. Mehrere Hundert in
Planung befindliche Projekte sind
davon betroffen. In der Regel dauern
Planungen für Windkraftanlagen drei
bis fünf Jahre. Erst dann liegen alle
­erforderlichen Gutachten und Geneh­
migungen vor. Werden die Ausgangs­
bedingungen wie bei der Abstands­
regelung kurzfristig verändert, zweifeln
Investoren zu Recht, ob der Planungs­
horizont langfristig sicher ist. Die Poli­
tik muss hier einen Rechtsrahmen
schaffen, der Investitionen absichert
und den Planungszeiten Rechnung
trägt.
Anteil erneuerbarer Energien an der
Bruttostrom­erzeugung in Bayern
2012*
Neubau von Wasserkraftanlagen im
EEG nicht gefördert. Dies muss sich
ändern.
11.7
das Aus. Nach Berechnun­gen des Bun­
desverbandes WindEnergie e.V. wären
damit nur noch 0,05 Prozent, also nicht
einmal ein Prozent, der bayerischen
Staatsfläche für neue Windstandorte
beplanbar. Knapp 12.000 Arbeitsplätze
sowie unzählige Investitionsvorhaben
der bayerischen Windbranche sind ge­
fährdet. Das kann nicht im Interesse
des Freistaates sein, zumal die Baye­
rische Staatsregierung ihr Ziel, bis zum
Jahr 2021 50 Prozent des Stroms aus
Erneuerbaren zu beziehen, ohne die
Windkraft ad acta legen kann.
Die Ausweitung des Mindestabstands
zur Wohnbebauung muss deshalb in
angemessenem Rahmen – bis zu 5 H –
vonstatten gehen. Eine Erhöhung auf
10 H sowie ein Vetorecht der Nachbar­
gemeinden hält die Bayerische Bau­
industrie für höchst bedenklich.
Energiewende
Türkei
Frankreich
Polen
Tschechien
Italien
Dänemark
­11
Firmengruppe Max Bögl
Bauen und Politik
Energiewende
Paragraphen-News
EEG-Novelle seit 1. August 2014 in Kraft
Die EEG-Novelle formuliert klare Ziele: Bis 2025 soll
der Anteil der erneuer­baren Energien auf 40-45 Pro­
zent und bis 2035 auf 55-60 Prozent steigen.
Aufgeschlüsselt nach Sparten soll die Energieausbeute
jedes Jahr zunehmen:
 Solarenergie um 2.500 Megawatt
 Windenergie an Land um 2.500 Megawatt
 Windenergie auf See um 6.500 Megawatt bis 2020
und um 15.000 Megawatt bis 2030
 Biomasse um 100 Megawatt
Spätestens ab 2017 soll die Förder­höhe erneuerbarer
Energien über Ausschreibungen ermittelt werden.
Eine weitere Neuerung ist, dass alle Neu-Erzeuger
regenerativer Energien, die die Leistung von 500 kW
überschreiten, verpflichtet sind, ihren Strom selbst zu
vermarkten. Ab 2016 wird die Leis­tungsgrenze auf
100 kW reduziert.
EEG-Umlage für Eigenstromerzeuger
Erzeugungsanlagen bis zu 10 kW bleiben von der EEGUmlage ausgenommen. Dies gilt für max. 10 MWh an
selbstverbrauchtem Strom im Jahr. Anlagen mit einer
größeren Leistung zahlen bis Ende 2015 30 Prozent,
bis Ende 2016 35 Prozent und ab 2017 40 Prozent der
EEG-Umlage für jede erzeugte Kilowattstunde an
Strom. Neue Gas- oder Kohlekraftwerke werden mit
der vollen EEG-Umlage belastet. Bestandsanlagen
sollen bis auf weiteres von der EEG-Umlage befreit
werden. 2017 soll die Befreiung vom Gesetzgeber
überprüft werden. Aus Sicht der Bayerischen Bau­
industrie ist dieser Prüfvorbehalt inakzeptabel, verhin­
dert er doch mangels einer Planungssicherheit, dass
Unternehmen Investitionen tätigen.
Trendwatch Energie
BBIV und TU München gründen Projektplattform
Energie
Die Projektplattform Energie ist ein Kooperationspro­
jekt des Bayerischen Bauindustrieverbandes e.V. und
der Technischen Universität München. Ihr Kernauftrag
liegt im Know-how-Transfer und der Vernetzung bei­
der Partner. Die Projektplattform Energie verbindet
das praxisorientierte Erfahrungswissen und die Be­
dürfnisse der Bauindustrie mit innovativen Lösungen
der wissenschaftlichen Forschungsarbeit. Sie steht
exklusiv für Mitglieder des Bayerischen Bauindustrie­
verbandes e.V. offen und bietet in ihrer Form ein bis­
her einzigartiges Wissens-, Beratungs- und Vermitt­
lungsangebot. Seit Anfang des Jahres ist die Projekt­
plattform Energie aktiv.
Weitere Informationen: www.ppe.tum.de.
­12
BBIV i.d. Oktober 2014
Grüne Krankenhäuser
Architekturbüro SPS
Bauen und Politik
Grüne
Aussichten für
Krankenhäuser
Krankenhäuser brauchen sehr viel Strom, aber auch
Wärme und Kälte. Pro Jahr verbraucht eine Klinik
doppelt so viel Energie wie ein Ein­familienhaus –
und zwar pro Bett. Ein 600-Betten-Haus gibt jährlich
eine Million Euro für Energie aus. Bringt man Technik
und Gebäude auf den neuesten Stand und optimiert
die Betriebsabläufe, lässt sich fast ein Drittel der
Energie­kosten einsparen – eine Riesenchance für
Kranken­häuser, die oft in den roten Zahlen stehen,
und ein Zukunftsmarkt für den Bau.
BBIV i.d. Oktober 2014
Lösungen für die Energiewende – eine Ingenieursleistung
„Eine flächendeckende Krankenhausversorgung ist ange­
sichts der demographischen Entwicklung unverzichtbar“,
betonte BBIV-Vorstandsmitglied Prof. Dipl.-Ing. Reinhold
Krämmel bei der Eröffnung der Fachtagung Grüne Kran­
kenhäuser Mitte Juli in Stockdorf. Wichtig sei es, ganzheit­
lich zu denken. Der Effizienzgedanke müsse bei der
Energieerzeugung, der Gebäudehülle und dem Betrieb im
Krankenhaus angewandt werden. Für die Bauindustrie
seien die Bereiche Neubau und Bestand gleich wichtig,
denn „die Bauunternehmen sind immer dabei“, so
Krämmel. Prädestiniert sei in Krankenhäusern der Einsatz
der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), da Wärme und Strom
permanent gebraucht werden. Auch die Nutzung von
Abwärme und die Wärmerückgewinnung seien erprobte
und geeignete Maßnahmen. Viele quick wins steckten in
der Optimierung von Betriebsabläufen.
Prof. Dipl.-Ing. Reinhold
Krämmel bei der Eröffnung der Fachtagung
Grüne Krankenhäuser.
­13
Bauen und Politik
Entgegen dem Vorurteil vieler Inves­toren und Betreiber fie­
len die Amor­tisationszeiten bauenergetischer Maßnahmen,
so Krämmel weiter, häufig sehr kurz aus. Als Beispiel nann­
te er die Modernisierung von Heizungssystemen, die sich
schon nach drei Jahren rentiere. Das Entscheidende aber,
um vom Green Hospital-Trend zu profitieren, sei echter
Mut zur Innovation.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbs­vorteil
Diese Auffassung teilte auch Peter Lechner vom Bayeri­
schen Gesundheitsministerium. Bayerische Kliniken sollen
zukunftsfähig aufgestellt sein, neue bautechnische Stan­
dards erfüllen und die Dynamik baulicher Veränderungs­
prozesse nutzen, skizzierte der Ministerialrat die Ziele für
rund 400 Krankenhäuser im Freistaat. Mit der Initiative
Green Hospital Bayern setze sich das Ministerium seit 2012
für eine nachhaltige Krankenhauslandschaft ein und unter­
stütze die Verbindung ökonomischer und ökologischer As­
pekte im Krankenhausbau. „Alle bayerischen Krankenhaus­
träger sind sich der Vorteile umweltgerechter Bauvorhaben
bewusst“, zeigte sich Lechner überzeugt. Bis 2018 seien
133 Krankenhausbauvorhaben mit einem Gesamtvolumen
von 2 Milliarden Euro zur Finanzierung vorgesehen. Diese
Investitionen belegen den hohen Stellenwert, den der Frei­
staat einer hochwertigen Krankenhausversorgung beimes­
se. Für die medizintechnische Industrie, aber auch für die
Bauwirtschaft leisten die staatlichen Fördergelder einen
wichtigen Auftragsschub. Den Schwerpunkt sieht Lechner
in der Sanierung. Bayerische Kliniken, meist in kommu­
naler Hand, sollen künftig stärker motiviert werden, sich
beim Thema Nachhaltigkeit zu verbessern. Dafür setzt das
Gesundheitsministerium auf die Wirkung des Wettbe­
werbs: Ökologisch vorbildliche Krankenhäuser werden als
Green Hospital Bayern ausgezeichnet.
Leuchtturmprojekt Lichtenfels
Ein solches Green Hospital ist das Helmut-G.-Walther-Klini­
kum in Lichtenfels. Die 1973 erbaute und in die Jahre ge­
kommene Einrichtung stand 2009 vor der Frage: Sanierung
oder Neubau? Baufällig waren sowohl die Baukonstruktion,
als auch die TGA und die Organisation des Betriebs. „Nach
Abschluss der Prüfungen lagen die Kosten für eine Gene­
ralsanierung mit 90,4 Millionen Euro in einer Grö­ßen­ord­
nung vergleichbar mit einem kompletten Neubau für
97,7 Millionen Euro“, erklärte Michael Jung, Ge­schäfts­
führer des Klinikums Lichtenfels. Mit der energetischen
Betrachtung, die eine Kostenersparnis von mindestens
500.000 Euro pro Jahr anpeilt, amortisieren sich die
7,3 Millionen Euro Mehrkosten für einen Neu­bau nach
ca. 10 Jahren. Angesichts der kürzeren Bauzeit, der Wah­
rung des Betriebs und weil staatliche Fördergelder keinen
Unterschied zwischen Sanierung und Neubau machen, lag
die Entscheidung schnell auf der Hand: „Ein Ersatzneubau
muss her.“
­14
Grüne Krankenhäuser
Bayerische Kliniken
könnenGesamt
beim 3.400
Energieverbrauch
kräftig
sparen
Euro Energiekosten
pro Bett
im Jahr
rund 1 Mio. t CO2
rund 105 Mio. Euro Betriebskosten
rund 260.000 Euro pro Klinik im Jahr
rund1.400 Euro pro Bett im Jahr
Quelle: MR Peter Lechner, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und
Pflege, Fachtagung Grüne Krankenhäuser
Wieviel Energie
verbraucht ein Krankenhausbett im Jahr?
7.800 kWh Strom
25.000 kWh Wärme
Gesamt: 3.400 Euro Energiekosten pro Bett im Jahr
Quelle: Klinenergie-Magazin, Juli 2013
Thomas Schmid: „Es freut mich sehr, dass
wir nach Grüne Fabriken, der ersten gemeinsamen Veranstaltung mit der Bayerischen
Ingenieurekammer Bau, mit Grüne Krankenhäuser ein weiteres vielversprechendes
Thema im Bereich Bauen & Energie besetzen
und anschieben konnten“, sagte der BBIVHauptgeschäftsführer rückblickend.
Die „grüne“ Erneuerung habe den Gesundheitsbereich erreicht und zeigt: Jedes Krankenhaus kann seinen Energieverbrauch
senken. Dies eröffne branchenübergreifend
Marktchancen. Sie zu nutzen, ist gut für die
Umwelt, gut für die Patienten, gut für die
Betreiber und gut für die Bauunternehmen,
die den Wandel realisieren. „Dass wir diesem
Megatrend, der momentan noch in den Kinderschuhen steckt, in unserem Zentrum in
Stockdorf eine Plattform für Information,
Austausch und neue Projektideen bieten
konnten, sehen wir als wichtigen Beitrag, um
neue Geschäftsmodelle auszuloten und das
Verbandsnetzwerk strategisch zu erweitern.“
BBIV i.d. Oktober 2014
Bauen und Politik
Grüne Krankenhäuser
Über eine Sonderförderung des Freistaats flossen 8 Millio­
nen Euro zu­sätzlich ins Budget, genauer: in die Planung
bauenergetischer Maßnahmen. Einige davon haben Pilot­
charakter. So soll etwa die Gebäudehülle durch eine Drei­
fachverglasung besser gedämmt und der Betonkern zur
Wärmerückgewinnung aktiviert werden. Regenerative
Energien kommen mit Solarthermie auf dem Dach, Photo­
voltaik an der Fassade und Geothermie zum Einsatz.
Der Verbrauch soll aber von vornherein abnehmen. Dafür
werden eine tageslichtab­hängige Lichtsteuerung mit LED
und OLED installiert. Für den Komfort des Patienten spielt
Licht eine zentrale Rolle. Die gewählten Techniken wurden
daher im Lichtlabor getestet.
Alle neuen technischen Standards sollen nach dem Einbau
in Lichtenfels streng evaluiert werden. Das ist wichtig,
denn das oberfränkische Krankenhaus hat sich viel vorge­
nommen: „Wir möchten eine Umwelt­bilanz der Produkte
-23%
vorlegen, eine DGNB-Zertifizierung durchzuführen und ein
Energiegutachten ausstellen lassen“, kündigte Jung an.
Die Funktionstüchtigkeit des neuen Betriebs soll genaues­
tens kontrolliert werden, um weitere Verbesserungen auf­
zuzeigen. Der Rolle als Benchmark ist man sich in Lichten­
fels bewusst. Die Ergebnisse des Monitorings werden ver­
öffentlicht. 2017/2018 soll das Green Hospital Lichtenfels
bezugsfertig sein.
Nicht zurück zur Natur, sondern vorwärts in die
Umwelttechnologie
Eine Holzkesselanlage wie in Lichtenfels ist nur ein Beispiel
dafür, wie ein Krankenhaus mit erneuerbarer Energie ver­
sorgt werden kann. Auch Regenwasser und Windenergie
sind nach Einschätzung von Andreas Brossmann von
Canzler Ingenieure für Kliniken geeignet. Weitaus wichtiger
sei aber die technische Ausstattung. Diese beeinflusse in
hohem Maße den Energiebedarf eines Krankenhauses.
-66%
Sparmeister beim CO2:
Als Green Hospital wird Lichtenfels nur ein Viertel so viel
Schadstoffe ausstoßen, wie der Bestandsbau.
Bei einem Neubau ohne bauenergetische Besonderheiten
wäre der Sprung in der Klimabilanz nicht so groß.
Quelle: Michael Jung, Geschäftsführer des Klinikums Lichtenfels,
Fachtagung Grüne Krankenhäuser
BBIV i.d. Oktober 2014
­15
Bauen und Politik
Grüne Krankenhäuser
Sehr energieintensiv seien z. B. die Wäscherei, Sterilgut­
versorgung, Hygiene, Digitalisierung und der Küchen­
betrieb, um nur einige Beispiele zu nennen. Um den Ver­
brauch zu minimieren, müsse man an mehreren Stellen
gleichzeitig ansetzen. Etwa am Energiebewusstsein der
Nutzer: „Die Mitarbeiter müssen sensibilisiert werden,
dass übermäßiges Heizen oder auch Leerläufe von An­
lagen vergeudete Energie sind und deshalb vermieden
werden müssen“, appellierte Brossmann. Mit KWK und
der Rückgewinnung von Wärme und Kälte ließe sich die
Energieausbeute steigern. Darüber hinaus würden kleiner
dimensionierte Wärme- und Kälte­versorgungsanlagen und
verbesserte Wirkungsgrade bei der Erzeugung, Nutzung
und Umwandlung von Energie den Verbrauch senken.
Energieeinsparung möglich? Ja!
Ein Krankenhaus tickt wie ein Herz
Auch aus Sicht von Torsten Grätz von Vamed setzt sich ein
Green Hospital aus einer Vielzahl an Faktoren zusammen
und funktioniert „wie ein Herz“. Neben ökologischen Bau­
stoffen gehe es auch um die architektonische Gestaltung
und Effizienz der Fläche und Gebäudeleittechnik. Moderne
Heizungsanlagen, die mit niedrigeren Temperaturen arbei­
ten, sinnvolle Isolierungen an Rohren, Fenstern und Wän­
den und die Energieversorgung über ein angeschlossenes
Blockheizkraftwerk (BHKW) böten eine ganze Menge an
Möglichkeiten, so Grätz. Wichtig sei es, ein Krankenhaus
von der Bauplanung bis zur Kalkulation der Betriebskosten
aus der Lebenszyklus-Perspektive heraus zu betrachten.
Für die Realisierung von Green Hospital-Bauvorhaben
plädierte Grätz für öffentlich-private Partnerschaftsmodelle
(ÖPP). Diese seien oftmals sinnvoll, lösten die Frage nach
der Finanzierung und hätten sich bereits bewährt. Das pro­
minenteste Beispiel sei die Charité in Berlin, eine der
größten Kliniken Deutschlands.
Quelle: Horst Träger, Fachvereinigung Krankenhaustechnik, Fachtagung Grüne
Jeder kann zum Klimaschutz beitragen
„Es gibt viele technische Möglichkeiten, um in Kliniken
Energie zu sparen“, schloss sich Horst Träger seinen Vor­
rednern bei der Fachtagung Grüne Krankenhäuser an.
Je nach Alter und Größe eines Krankenhauses ließen sich
Einsparpotenziale von bis zu 30 Prozent bei Strom und
Wärme erzielen – und das völlig ohne Komfortverlust.
Als Schwerpunktthema identifizierte Träger das Energie­
management. Dazu gehöre nicht nur die Optimierung der
Anlagen, sondern eine gezielte und transparente Ver­
brauchskontrolle. „Jeder Mitarbeiter kann täglich zum
Klimaschutz beitragen“, so Träger. Allein der bewusste
Umgang mit den Geräten, mit Heizung und Beleuchtung
könne die Energiebilanz deutlich verbessern. Stichwort:
Heizung. Die Heizung sei bekanntlich ein wahrer Strom­
fresser und verursache bis zu 10 Prozent des jährlichen
Stromverbrauchs. Das ist mehr als Waschmaschine und
Kühlschrank zusammen. Tausche man die Heizungspum­
pen aus und setze Präsenzmelder ein, würde der Sprung in
Sachen Energieeffizienz schnell spürbar.
­16
70% Beleuchtung
50% Druckluft
30% Pumpen
30% Kälteanlagen
30% Wärme
25% Lüftungsanlagen
Eindrucksvolle Zahlen zum Einsparpotenzial von
Green Hospitals.
Krankenhäuser
Herzkreislauf eines Krankenhauses:
Die Betriebsprozesse und -techniken einer Klinik hängen
eng zusammen. Damit die Energiebilanz stimmt, müssen
neben der medizinischen Versorgung und Pflege alle ener­
gierelevanten Bereiche aufeinander abgestimmt und
optimiert werden.
Quelle: Torsten Grätz, Vamed, Fachtagung Grüne Krankenhäuser
BBIV i.d. Oktober 2014
Bauen und Politik
Das reine Preisdenken überwinden
Ein weiteres konkretes Beispiel stellte Matthias Mühle von
Dräger Medical GmbH vor. Das BBIV-Mitgliedsunterneh­
men ist Spezialist für energieeffiziente Anlagen, projektiert
und baut Druckluftanlagen zur medizinischen Gasversor­
gung ein. Im Klinikum Nürnberg Nord ersetzte Dräger die
bestehende Anlage durch eine energieeffiziente neue
Druckluftanlage, die jährlich Energiekosten spart und bei
den Investitionskosten sogar günstiger ist als der Stan­
dard. Im Bundeswehrkrankenhaus Ulm erzielte die Moder­
nisierung der Gasversorgung, die als 4-fach Druckluftanla­
ge inklusive einer Wärmerückgewinnung realisiert wurde,
eine jährliche Einsparung in Höhe von 7.212 Euro bei
0,15€/kWh bzw. 9.715 Euro bei 0,20€/kWh. Doch so ein­
drucksvoll diese Zahlen auch seien, eine Ausschreibung
sollte nicht allein nach dem Preis gehen, sondern nach
dem energetischsten Angebot, mahnte Mühle an. Zeit für
einen Bewusstseinswandel beim Auftraggeber.
Grüne Krankenhäuser
Green Hospital als Wachstumsmotor
Die Krankenhauswelt stecke bereits in einem tiefen Wan­
del, bestätigte Jens Schneider von Siemens Health Care.
Die nachweisbaren energetischen Einsparungen würden
den Trend zu Green Hospital beflügeln. Zusammen mit der
stärkeren Orientierung auf Qualität und das Wohlbefinden
der Patienten entpuppe sich Green Hospital immer mehr
als Wachstumsmotor. Aus Siemens-Sicht vernetze eine
nachhaltige Infrastruktur im Gesundheitswesen die drei
Erfolgsfaktoren Umwelt, Effizienz und Qualität. Bei der
Umwelt betreffe dies etwa die Heizung, die Erzeugung von
Heißdampf, Wasser und Beleuchtung. Die Auswertung
nach dem Siemens-spezifischen Green+ Check mache es
möglich, so Schneider, bauliche Handlungsfelder zu
priorisieren. Von der Strategie über die detaillierte Pla­
nung, Ausschreibung, Vergabe, Bauausführung bis zum
Betrieb unterstütze der Ansatz vor allem den Entwicklungs­
prozess bei Neubauprojekten. Bislang wurden in Deutsch­
land 20 Green+ Checks durchgeführt.
Der Siemens Green+ Check deckt alle Bereiche im Kranken­
haus ab und liefert eine Datenbasis zur Priorisierung bau­
technischer und bauenergetischer Handlungsfelder.
Quelle: Jens Schneider, Siemens Health Care, Fachtagung Grüne Krankenhäuser
BBIV i.d. Oktober 2014
­17
Öffentlich-Private-Partnerschaften
PPP-Leitfaden Teil 5
Zooey Braun
Wie finde ich den richtigen
PPP-Berater?
Das Gymnasium Buchloe wurde 2013 als PPP-Projekt verwirklicht.
Die vom bayerischen PPP-Arbeitskreis heraus­ge­
gebenen Leitfäden gelten als eine Art PPP-Lexikon.
Im neu erschienen Teil 5 „PPP – Beratungsleistun­
gen“ erhalten insbesondere Kommunen und
PPP-Praktiker fundierte Hilfestellung bei der Suche
nach Beratern für ein PPP-Projekt.
PPP in Bayern immer beliebter
Public Private Partnership, kurz PPP, ist in Bayern seit Jah­
ren erfolgreich. Zahlreiche Projekte im staatlichen und
kommunalen Bauen zeugen davon, dass PPP heute wie
selbstverständlich angewandt wird, um öffentliche Bau­
maßnahmen zu realisieren. Zu dieser Entwicklung hat der
bayerische PPP-Arbeitskreis, der vor allem interessierte
Kommunen berät, maßgeblich beigetragen.
Als Datenbank und eine Art PPP-Lexikon dienen die vom
Arbeitskreis herausgegebenen PPP-Leitfäden. Bislang sind
vier Teile und zwei ergänzende Faltblätter erschienen. Im
aktuellen und neuesten Teil 5 „PPP – Beratungsleistungen“
erhalten Kommunen und PPP-Anwender umfassende und
detaillierte Hilfestellung bei der Auswahl von Beratern.
­18
BBIV i.d. Oktober 2014
Öffentlich-Private-Partnerschaften
Drum prüfe, wer sich lange bindet
Bei PPP-Verfahren vertreten Berater die Interessen des Auf­
traggebers. Anders als bei herkömmlichen Projekten gibt es
jedoch kaum standardisierte Vertragsmuster für PPP. Die
Projektanforderungen werden individuell gestaltet. Dieser
Gestaltungsspielraum birgt ebenso Chancen wie Risiken und
misst der Rolle eines Beraters eine große Verantwortung zu.
Umso sorgfältiger muss ein Berater als Gestalter des PPPProjekts ausgewählt werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil
es sich in der Regel um langfristige Verträge handelt, da sich
PPP am Lebenszyklus eines Bauprojektes orientiert.
PPP – die langfristige Zusammenarbeit zwischen
einem öffentlichen Auftrag­geber und einem privaten
Partner über den gesamten Lebens­zyklus eines Bau­
werks hinweg – besser, schneller, günstiger:
Ideenwettbewerb und Qualität in Planung, Bau und
Nutzungsphase
ualitätssicherung über die gesamte Vertragslauf­Q
zeit hinweg
Kostenvorteile durch Lebens­zyklusansatz
Der PPP-Leitfaden Teil 5 nimmt die Sicht des öffentlichen
Auftraggebers ein und führt chronologisch gegliedert in
8 Phasen durch ein PPP-Projekt. Die Beratungsleistung wird
in technische, wirtschaftliche und rechtliche Beratung unter­
teilt.
Verbesserte Planungs- und Kostensicherheit
ostenvorteile durch ergebnis­­orientierte Leistungs­
K
beschreibung
estmögliche Wirtschaftlichkeit durch ausgewoge­B
ne Risikoaufteilung
PPP_Teil5_Umschlag.indd 1
Public Private Partnership zur Realisierung öffentlicher Baumaßnahmen in Bayern
Phase 1:
Bedarfsfeststellung und Zieldefinition
Was brauche ich? Wann brauche ich es?
Was darf es kosten?
Phase 2:
Projekteignung prüfen und feststellen
Ist mein Projekt für eine Realisierung als PPP geeignet?
Phase 3:
Projektorganisation und Beraterauswahl
Wie organisiere ich mein Projekt? Wer kann die
benötigte Beratungsleistung am besten erbringen?
Wie komme ich zu vergleich­baren Angeboten?
Phase 4:
Vorläufige Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
Ist mein PPP-Projekt wirtschaftlich?
Phase 5:
Vorbereitung des Vergabeverfahrens
Was brauche ich für das Vergabeverfahren des
PPP-Projekts?
Phase 6:
Durchführung des Vergabeverfahrens
Wer ist der beste Bieter?
Phase 7:
Vertragsdurchführung und -controlling –
Planungs- und Bauphase
Was ist für die Bauphase zu beachten?
Phase 8:
Vertragsdurchführung und -controlling –
Betriebsphase und Vertragsende
Was ist für die Betriebsphase zu beachten?
Teil 5 Beratungsleistungen
Der neue PPP-Leitfaden bietet eine in dieser Form erstmals
aufbereitete Arbeitshilfe für jeden PPP-Anwender. Erfah­
rungen aus dem Bayerischen Kooperationsmodell PPP sowie
aus der Begleitung und Durchführung vieler kommunaler
PPP-Projekte sind in den Leitfaden eingeflossen.
PPP
Public Private
Partnership
zur Realisierung
öffentlicher
Baumaßnahmen
in Bayern
Teil 5
Beratungsleistungen
PPP-Leitfaden Teil 5
24.06.14 12:34
Als Bezugsfall wurde ein Standardprojekt mittlerer Größe gewählt
(Neubau einer Schule, Baukosten 10-25 Mio. Euro, privater Partner erbringt
Planungs-, Bau-, Betriebs- und Bauunterhaltsleistungen).
BBIV i.d. Oktober 2014
­19
Best Practice Bau
Ein Meilenstein
für den Bau
von Bahnbrücken
Preisgekrönte ICE-Brücke im Thüringer Scherkondetal
­20
Wie wird eine Eisenbahnbrücke
zum Prototyp einer neuen Genera­
tion? Kurz gesagt: Die Mischung
macht‘s. Wirtschaftlichkeit,
Ästhetik und eine innovative
­Bauweise sind die Zu­taten.
Die Scherkondetalbrücke verbin­
det alle drei. Als erste semi-inte­
gral gebaute Bahnbrücke setzt
sie neue Maßstäbe. Die Besonder­
heit: Die Brücke kommt nahezu
ohne Fugen und Lager aus. Das
minimiert die Bau- und Wartungs­
kosten, erlaubt einen filigranen
Bau und schont die Umwelt. Von
der bayerischen Baugesellschaft
Adam Hörnig errichtet, gewann
die Scherkondetalbrücke 2012 den
Deutschen Brücken­baupreis.
BBIV i.d. Oktober 2014
DB AG / Frank Kniestedt
Best Practice Bau
Hamburg /Rostock
VDE 8 Neubaustrecke
VDE 8 Ausbaustrecke
Berlin
Lutherstadt
Wittenberg
Magdeburg
Bitterfeld
Halle (Saale)
Leipzig
Gröbers
Frankfurt
am Main
Dresden
Scherkondetalbrücke
Erfurt
Coburg
Ebensfeld
Bamberg
Forchheim
Fürth
Nürnberg
München /Verona
In vier Stunden von München
nach Berlin
Die Scherkondetalbrücke ist eine 576
Meter lange Eisenbahnbrücke auf der
Neubaustrecke Erfurt – Leipzig/Halle.
Sie ist Teil des Verkehrsprojekts Deut­
sche Einheit (VDE), das darauf abzielt,
Fahrten zwischen München und Berlin auf unter vier Stunden zu bringen.
Die aktuelle Reisezeit würde sich damit
halbieren. Die Aufgabe an die Ingeni­
eure lautete, das Scherkondetal mit
einer Brücke zu queren, über die Züge
mit bis zu 300 km/h sausen können. Ein
ganz schönes Tempo, das ­offenbar
auch den Baufortschritt beflügelt hat.
Sportliche drei Jahre betrug die Bau­
zeit der neuen Bahnbrücke – ein Beleg
dafür, dass das Bauvorhaben glatt und
störungsfrei vonstatten ging. „Die Zu­
sammenarbeit mit Bauherr und Pla­
nern stand von Anfang an im Mittel­
punkt und hat bestens geklappt, bis hin
zur Abwicklung auf der Baustelle“, be­
stätigt Dipl.-Ing. Wolfgang Hörnig von
der bauausführenden Baugesellschaft
BBIV i.d. Oktober 2014
Adam Hörnig, „so konnten wir die Bau­
zeit und auch die Kosten perfekt einhal­
ten“. Von der Öffentlichkeit blieb das
erfolgreiche Bauprojekt weitgehend un­
bemerkt. Lediglich die Fachpresse wür­
digte das mit dem „Oscar“ für Brücken­
bau ausgezeichnete Bauwerk. Im De­
zember 2015 soll die neue ICE-Brücke
in Betrieb gehen.
Deutsche Bahn geht neue Wege
Beim Bau der Thüringer Bahnbrücke
beschritt die Deutsche Bahn (DB) neue
Wege. Die gewählte semi-integrale
Bauweise ist für Brücken dieser Grö­
ßenordnung eine Neuheit. In der Ver­
gangenheit legte die DB großen Wert
darauf, Überbauten wie die Fahrbahn­
platte jederzeit auswechseln zu können,
was bei integralen bzw. semi-integra­
len Brücken nicht möglich ist. Wie die
Erfahrung zeigt, wird jedoch meist die
ganze Brücke erneuert, da die Pfeiler
und Widerlager, der sogenannte Unter­
bau, zeitgleich verschleißen. Damit er­
wies sich die frühere Bedingung der
Verkehrsprojekt Deutsche
Einheit (VDE) Nr. 8
Aus-/Neubaustrecke Nürnberg – Erfurt – Leipzig/Halle –
Berlin
Quelle: DB AG
DB als obsolet. Den Ausschlag für den
semi-integralen Ansatz aber gab der
Baugrund im Scherkondetal. Dieser be­
steht aus hochgradig tragfähigem
Tonstein. Aus, um nicht zu sagen, auf
diesem Grund wagte sich die DB erst­
mals auf das Gebiet der integralen
bzw. semi-integralen Bauweise vor.
Fugenlos glücklich
Integrale Brücken zeichnen dich da­
durch aus, dass die oberen Brückenele­
mente monolithisch mit den Pfeilern
und teilweise mit den Widerlagern ver­
bunden sind. Durch die Konstruktion
wie „aus einem Guss“ und damit ohne
Fugen und Lager kann die Brücke
schlanker gebaut werden. Auch wer­
den deutlich weniger Gründungspfeiler
benötigt. Das spart nicht nur Kosten,
sondern schont vor allem die Umwelt.
Semi-integrale Brücken wiederum ver­
fügen teilweise über Lagerkonstrukti­
onen im Unterbau. Dabei a
­ rbeiten
Lager wie Gelenke und nehmen verti­
kale Lasten auf.
­21
Best Practice Bau
Gründung
Bauwerk
und semi-integrales
Bauwerk
Quelle: Marx, S.; Krontal,
L.; Bätz,konventionelles
S.; Vehlow, A.: Die
Scherkondetalbrücke,
die erste semi-integrale
Talbrücke der DB AG auf der
ofVDE
conventional
andund
semi-integral
bridge
Neubaustrecke ErfurtFoundation
– Leipzig/Halle
8.2. In: BetonStahlbetonbau
3/2010, S. 139
Vorbild für nachhaltiges Bauen
Die Vorteile einer semi-integralen Bau­
weise wurden bei der Scherkondetal­
brücke schnell sichtbar. Anstelle von
vier Metern reichten eineinhalb Meter
dicke Pfeiler aus. Damit wirkt die ICEBrücke viel leichter und eleganter als
die älteren Bahnbrücken. Auch fügt sie
sich harmonisch in die Landschaft des
Scherkondetals ein, das von Obstwie­
sen, Wald- und Ackerflächen geprägt
ist. Der Neubau einer Bahnstrecke be­
deutet immer einen Eingriff in die
Natur. Bereits bei der Planung werden
daher Ausgleichsmaßnahmen entwor­
fen und erfolgen teilweise noch vor
dem Trassenbau. Bereits 2007 ent­
stand so im Scherkondetal ein etwa 17
Hektar großes Habitat für Weißstörche.
Beim Überbau der Scherkondetalbrücke
wurden so genannte Vollquerschnitte
aus Spannbeton eingesetzt. Die Bau­
teile sind vollständig ausbetoniert und
machen die Brücke besonders robust.
­22
Dadurch steigt ihre Lebenserwartung,
während die Inspektions- und Instand­
haltungskosten sinken. Ein weiteres
Plus: Die Vollquerschnitte konnten
rasch bewehrt und in einem Zug beto­
niert werden. Die Herstellung des Über­
baus erfolgte mit Hilfe einer Vorschub­
rüstung, die eigens konzipiert wurde.
Auf Konsolen gelagert, benötigte sie
keine Stützkonstruktionen im Feld.
Das beschleunigte den Fertigungs­
rhythmus und damit auch den Bauab­
schluss. Pro Bauabschnitt fiel eine Re­
kordbauzeit von nur zwei Wochen an.
Auf den richtigen Festpunkt
kommt es an
Eine weitere Spezialität der Scherkonde­
talbrücke ist die Ausbildung des Fest­
punkts. Über den Festpunkt werden die
Anfahr- und Bremskräfte in den Boden
abgetragen. Das funktioniert über Wi­
derlager, die die Kräfte des Verkehrs
auffangen und Bewegungen ausglei­
chen. Auf Vorschlag des ausführenden
Bauunternehmens wurde bei der ICEBrücke ein temporärer Festpunkt fest­
gelegt, der später verändert wurde. Die
Brückenpfeiler wurden zunächst schräg
in die Erde eingebracht und auf die öst­
liche Uferseite ausgerichtet. Erst bei
der Montage der oberen Brückenteile,
wurden die Pfeiler wieder gerade gezo­
gen und auf den endgültigen Festpunkt
und das zentrale Widerlager der west­
lichen Uferseite hin fixiert. Die Idee
hatte den Vorteil, dass die so genannten
Zwangskräfte, die auf jedes Bauwerk
aus Spannbeton wirken, bereits in der
Bauphase reduziert werden konnten.
BBIV i.d. Oktober 2014
Best Practice Bau
Die Kräfte der Natur zähmen
Neben den Anfahr- und Bremskräften
muss eine Brücke nämlich Temperatur­
schwankungen aushalten und sich
gegen das „Kriechen und Schwinden“
von Beton wappnen, wenn der frisch
gegossene Baustoff schrumpft oder
sich unter Last bewegt. Wie stark die
Kräfte wirken, hängt davon ab, wie fest
die Pfeiler mit dem Überbau verbun­
den sind. Die bauliche Lösung im
Scherkondetal bestand darin, das Fun­
dament der Pfeiler nachgiebiger zu ge­
stalten, indem ein elastischerer Beton
zum Einsatz kam. Die höhere Flexibili­
tät minderte die mechanischen Kräfte
und behielt sie so unter Kontrolle.
Zwangskräfte zu beherrschen, ist für
jedes Bauwerk aus Spannbeton das
oberste Gebot. Nur so kann die Statik
funktionieren. Nach Ansicht der Jury
des Deutschen Brückenbaupreises war
dieses Vorgehen bei der neuen ICEBrücke von entscheidender Be­deutung
für die qualitätsgerechte Ausführung.
„Oscar“ für die Königsdisziplin
des Ingenieurbaus
Die Scherkondetalbrücke ist Gewin­ne­
rin des Deutschen Brückenbauprei­ses
2012 in der Kategorie „Straßen- und
Eisenbahnbrücken“. Die Auszeichnung
wird von der Bundesingenieurkammer
und dem Verband Beratender
Inge­nieure alle zwei Jahre verliehen.
Prämiert werden kreative Ingenieurs­
leis­tungen in der Königsdisziplin des
Ingenieurbaus: dem Brückenbau.
Nach Auffas­sung der Jury ist die
Scher­kon­de­tal­brücke auch im interna­
tionalen Maßstab ein Aushängeschild
für die deutsche Ingenieurbaukunst.
„Nur durch das partnerschaftliche
Zusammenspiel der beteiligten Ingeni­
eure, des Bauunternehmens, der
Gutachter und Genehmigungsbehör­
den ist es gelungen, dieses technisch
hochgradig anspruchsvolle Bauwerk zu
errichten“, bilanziert Frank Kniestedt
von der Deutschen Bahn den Erfolgs­
faktor des Bauprojekts im Scherkonde­
tal.
Scherkondetalbrücke Südseite Mai 2012
Quelle: DB AG / Frank Kniestedt
Überbauherstellung Mai 2009
Ansicht Nord mit Speicher Großbrembach
Quelle: DB AG / Frank Kniestedt
Daten & Fakten
Strecke:
Bahnstrecke für Hochgeschwindigkeitsverkehr Erfurt – Leipzig/Halle
Gesamtlänge: 576,5 Meter
Breite: 13,9 Meter
Längste Stützweite: 44 Meter
Höhe: 34 Meter
Bauzeit: 2008 bis 2011
Verkehrsfreigabe: voraussichtlich Dezember 2015
Bauherr: DB Netz AG (Großprojekte Nord)
Bauausführung: ARGE Scherkondetalbrücke
Adam Hörnig Baugesellschaft mbH & Co. KG
BBIV i.d. Oktober 2014
­23
Bildung und Nachwuchsgewinnung
Initiative „Baumeister gesucht!“
begeistert Kinder und Erzieherinnen fürs Bauen
Hol dir Hammer & Nagel
Mit der neuen Bildungsinitiative „Baumeister ge­
sucht!“ bringt die Bayerische Bauwirtschaft seit Juli
das Bauhandwerk in bayerische Kitas. Ausgerüstet
mit Werkbank und Werkzeug erleben die Kinder
unter Anleitung von Baumeister Harry Hammer &
Nicki Nagel, wie viel Spaß es macht, eigenständig
etwas zu bauen. Zehn Städte im Miniaturformat sind
bislang von Kinderhand entstanden – und der Bau­
boom hält an. Schirmherrin der Aktion ist Bayerns
Familienministerin Emilia Müller.
Harry Hammer und Nicki Nagel auf Tour
Harry Hammer & Nicki Nagel sind die Hauptfiguren von
„Baumeister gesucht!“. Seit Juli touren die beiden quer
durch Bayern und begeistern Jungen und Mädchen, Eltern
und Erzieherinnen für das Bauhandwerk. Im Gepäck haben
sie 50 Baumeister-­Pakete, prall gefüllt mit Werkbank, Werk­
zeug und einem Handbuch mit allem Wissenswerten zum
Bauhandwerken mit Kindern von 5 bis 7 Jahren.
Der Baumeister und seine Gesellin sind zugleich Spiel­
päda­gogen und schulen die Erzieher und Erzieherinnen
darin, Kindern das Bauen fach- und altersgerecht zu ver­
mitteln. Fragen wie „Was kann ich mit den Kindern bauen,
ohne sie zu überfordern?“ oder „Welches Material ist ge­
eignet?“ werden eingehend und kompetent beantwortet.
Dazu gibt es Tipps und Tricks für den geschicktesten
Einsatz von Hammer, Säge und Maurerkelle – Praxis­test
inklusive.
Den Baumeistern von morgen auf der Spur
Mitmachen sollen bei der Aktion aber vor allem die Kinder,
mit denen Harry & Nicki einen ganzen Vormittag verbrin­
gen. Spielerisch und erzählerisch werden die Baumeister in
spe an den Umgang mit Werkzeug und Werkbank herange­
führt. Im Mittelpunkt stehen das bauhandwerkliche Erleb­
nis und das Erstellen kleiner Werkstücke. Damit soll das
Thema Bauen spielerisch in die Familien getragen werden
und Sympathie für baugewerbliche Berufe erzeugen.
­24
BBIV i.d. Oktober 2014
Bildung und Nachwuchsgewinnung
Um den praxisorientierten Ansatz langfristig zu verankern,
begleiten die Unternehmen der bayerischen Bauwirtschaft
die Aktion als Paten. Eltern und Freunde engagieren sich
als Baumeister-Helfer. Am Ende eines Baumeister-Tages
erhalten die Kinder ihre eigene Bauausrüstung und die
offizielle Urkunde „Ich bin ein Baumeister!“.
10 Städte für Bayern – von Kinderhand gebaut
Innerhalb kürzester Zeit hat „Bau­meister gesucht!“ eine
Welle der Begeisterung ausgelöst und erste sichtbare Spu­
ren hinterlassen. Dazu zählen nicht nur liebevoll gemalte
Bilder für Harry & Nicki, sondern vor allem zehn Städte, die
inzwischen von Kinderhand entstanden sind. Die bislang
größte Stadt stammt von der Ost­bayernschau in Strau­
bing, wo 500 Kinder mit großem Elan Mauern hochgezo­
gen, Bauzäune zugesägt und Häuser gebaut haben.
Nachfrage übertrifft Erwartungen
Kindergarten, Eltern, Freunde, jeder, der Harry Hammer &
Nicki Nagel einmal in Aktion gesehen hat, ist vom Baumei­
ster-Programm und der gestifteten Werkausrüstung be­
geistert. Auch nach Tourbeginn bleibt die Nachfrage nach
einem Baumeister-Tag ungebrochen. Für 2015 planen die
Initiatoren-Verbände daher eine weitere Ausschreibung
von „Baumeister gesucht!“.
M. Schlüter
Davon zeigten sich auch politische Spitzenvertreter beein­
druckt: Straubinger Bürgermeisterin Maria Stelzl, Bogener
Bürgermeister Franz Schedlbauer, Landrat Josef Laumer
und die Landtags­abgeord­ne­ten Hans Ritt und Josef
Zellmeier lobten bei ihrem Besuch auf der Ostbayernschau
das Engagement der Verbände der Bayerischen Bauwirt­
schaft für den Nachwuchs. Auch die bayerische Familien­
ministerin Emilia Müller, die die Schirmherrschaft für die
Initiative übernommen hat, ist überzeugt, dass „Baumei­
ster gesucht!“ einen wertvollen Beitrag zur Bildungsarbeit
in bayerischen Kitas leisten wird.
Hoher Besuch auf der Ost­bayernschau: Hubert Blaim, BBIV-Vorstandsmitglied; MdL Hans Ritt; Max Dietl, Ausbildungsbeauftragter STRABAG;
Landrat Josef Laumer; Bogener Bürgermeister und Bezirkstagsvizepräsident
Franz Schedlbauer; Straubinger 2. Bürgermeisterin Maria Stelzl;
MdL Josef Zellmeier und Harry Hammer & Nicki Nagel (v.r.)
Geschafft: Stolze Baumeister mit ihren Urkunden.
Prall gefüllt: Das alles steckt
in einem Baumeister-Tag für
bayerische Kitas.
Die bislang größte Baumeister-Stadt, gebaut von kleinen Baumeistern auf
der Ostbayernschau in Straubing.
BBIV i.d. Oktober 2014
Wann und wo Harry & Nicki mit Kindern bauhandwerken,
zeigt der Kalender auf www.baumeister-gesucht.de.
­25
Bildung und Nachwuchsgewinnung
Was lernt ein ­Bauingenieur
… in Coburg?
Am Campus studieren Bauingenieure, Architekten, Innenarchitekten und Produktdesigner gemeinsam.
Der Blick über den Tellerrand wird den Coburger Bauingenieuren
in die Wiege gelegt. Angehende Bauingenieure und Architekten
­arbeiten hier bereits im Studium zusammen. Über die Vorteile und
Besonderheiten des fachübergreifend ausgerichteten Studiengangs,
der bundes­weit als einziger den Schwerpunkt „Energie­effizientes
Gebäudedesign“ anbietet, sprach Prof. Dr.-Ing. Michael Pötzl,
­Präsident der Hochschule Coburg, im Interview.
Prof. Dr.-Ing. Michael Pötzl,
Präsident der Hochschule Coburg
­26
Professor Pötzl, Sie sind selber Bau­
ingenieur. Welche Erfahrungen haben
Sie geprägt?
Stimmt es, dass Bauingenieure
und Architekten in Coburg gemeinsam
studieren?
Während meiner Promotion an der
Uni­versität Stuttgart habe ich in For­
schungsprojekten mit ganz unter­
schiedlichen Disziplinen gearbeitet –
Architekten, Designer, Philosophen
und Juristen. Da ist die Gewissheit ge­
reift, dass man sich auf diese inter­
disziplinäre Zusammenarbeit schon im
Studium vorbereiten muss.
Wir versuchen in beiden Studiengän­
gen das abzubilden, was später auf un­
sere Absolventen zukommt. Wenn es
zum Beispiel darum geht, Konstrukti­
onsdetails zu verstehen und zu entwer­
fen, dann passiert das auch im Rahmen
gemeinsamer Vorlesungen. Und zwar
bereits zu Beginn des Studiums im
Fach Baukonstruktion. Später gibt es
interdisziplinäre Projektarbeiten, z. B.
die städtebauliche Entwicklung einer
Flusslandschaft mit Fußgängerbrücken.
BBIV i.d. Oktober 2014
Bildung und Nachwuchsgewinnung
Ja, aber nicht nur das. In Coburg ha­
ben wir seit 2005 die Fakultät Design,
in die beide Studiengänge integriert
sind. Dieser Zuschnitt zusammen mit
Produktdesignern, Innenarchitekten
und Denkmalpflegern ist bundesweit
einzigartig. Und wir haben noch ein
weiteres verbindendes Element. Das
ist der Studien-Schwerpunkt „Ener­
gieeffizientes Gebäudedesign“. Die
­energetische Auslegung von Gebäu­
den bis hin zur Fassadengestaltung –
das sind Mammutaufgaben der Zu­
kunft. Genau an dieser Stelle geht es
ohne die kongeniale Zusammenarbeit
von Bauingenieuren und Architekten
nicht mehr!
Wie kommt das Konzept bei den
­Studierenden an?
Ich höre von Professoren und Studie­
renden viel Positives. Sie schätzen es,
dass man nicht nur fachlich, sondern
auch persönlich zusammenkommt.
Diese Kontakte, der Umgang mit ande­
ren Denk- und Arbeitsweisen bis hin
zur Sprache sind wichtig für den Ein­
stieg in das Berufsleben. Mit unserer
Fakultät Design schaffen wir das ent­
sprechende Milieu. Der Coburger Bau­
ingenieur unterscheidet sich mit dieser
„Biografie“ signifikant von anderen.
Die Studierenden gehören nicht nur
einer gemeinsamen Fakultät an, sie
sind seit eineinhalb Jahren auch auf
dem gleichen Campus untergebracht.
Wie hat sich das auf die Zusammen­
arbeit ausgewirkt?
Sehr! Allein die Tatsache, dass man
zusammen in der Mensa sitzt, auch
abends mal zusammenkommt, sich
einfach begegnet. Das bringt auch
überraschende Anknüpfungspunkte
bei Studierenden und Professoren. Der
Campus der Design-Fakultät in dieser
Konstellation war dafür ein richtiger
Schub.
BBIV i.d. Oktober 2014
khunaspix Fotolia
Dieses Merkmal grenzt die Hochschule
auch von anderen ab?
Wie können die Unternehmen dabei
profitieren?
Die Absolventen starten mit einem ge­
weiteten Blick in den Beruf und sind
sehr viel besser in der Lage, sich auf
andere Disziplinen einzulassen. Fach­
wissen ist sehr wichtig, aber eben nur
ein Teil des Ganzen! Wir brauchen
junge Leute, die teamfähig sind, kom­
munizieren können, die sich auf andere
Problemstellungen einlassen und sie
auch verstehen können und natürlich
eigenständig arbeiten. Uns geht es
darum, den Absolventen nicht nur ein
fachliches Grundgerüst, sondern auch
die Leidenschaft für diesen fantasti­
schen Beruf mitzugeben. Übrigens set­
zen wir genau das auch im Rahmen un­
seres Projekts „Der Coburger Weg“ um.
Über 700 Studierende aus sieben ver­
schiedenen Studiengängen arbeiten
hier seit 2012 vom ersten Semester an
interdisziplinär zusammen. Mit diesem
vom Bundesbildungsministe­rium ge­
förderten Projekt betritt die Hochschule
Coburg in vielerlei Hinsicht Neuland.
Wie wird sich das Coburger
­Bau­ingenieurwesen in Zukunft
­entwickeln?
Bauingenieurwesen an
der Hochschule Coburg
Regelstudienzeit: 7 Semester,
inkl. 1 Praxissemester
Gemeinsame Vorlesungen mit
dem Studiengang Architektur:
LGrundlagen des nachhaltigen
­Bauens (1. Semester)
LTragkonstruktion/Grundlagen
der Tragwerke
(1. und 2. Semester)
LGebäudeenergiedesign
(3. Semester)
LBaukonstruktion
(3. und 4. Semester)
LGemeinsame Projektarbeit im
6. Semester
Interdisziplinäre Projekte
(Auswahl):
LCoburger Brückenschlag –
Entwurf einer Fußgängerbrücke
über die Bundesstraße und das
Bahngelände
LBusbahnhof in Eisleben
LHörsaal- und Laborgebäude der
Hochschule Coburg
In der Lehre wollen wir diese Zusam­
menarbeit noch weiter intensivieren.
Wir werden den Schwerpunkt „Ener­
gie“ ausbauen und demnächst einen
Master zum Thema „Ressourcenscho­
nendes Planen und Bauen“ auf den
Weg bringen. Beides sind ja Schlüssel­
themen der Zukunft und eine der gro­
ßen Aufgaben für Bauingenieure.
­27
Bildung und Nachwuchsgewinnung
300 Schüler auf Großbaustelle
in Kempten
„Wir wollen junge Menschen für den Bau begeistern und
zeigen, wie vielfältig die gewerblichen, technischen und
wissenschaftlichen Berufsbilder rund um den Bau sein
können“, erläuterte Thomas Schmid, Hauptgeschäfts­führer
des Bayerischen Bauindustrieverbandes, die Motivation,
sich an der Aktion zu beteiligen. „Bau macht Schule“
bringt die Schüler ins Ge­spräch mit jungen Planern,
Ingenieu­ren und Bauspezialisten, die von ihrer täglichen
Arbeit berichten. „Diesen Dialog wollen wir unterstützen",
so Schmid.
Berufsbilder von Mensch zu Mensch
Insgesamt 300 Jugendliche aus Kemptener Gymnasien,
Real- und Mittelschulen sowie Fachoberschulen lernten bei
den Aktionstagen das Aufgabenspektrum eines langfris­
tigen und interdisziplinären Bauprojekts wie der „Nord­
spange“ kennen.
Am Bauprojekt der Kemptener Nordspange erfuhren die Schüler,
was Straßen- und Brückenbauer, aber auch Landschaftsplaner und Wasserbauspezialisten bei ihrer täglichen Arbeit tun.
Eva Bartussek
Bau bedeutet vor allem Vielfalt
Die Straßenbaumaßnahme „Nordspange“ ist das derzeit
wichtigste Infrastrukturprojekt in Kempten und soll bis zur
Fertigstellung im November 2015 die nördlichen Gewerbe­
standorte Stiftsbleiche und Ursularied über die Iller verbin­
den. Gemeinsam mit der Vereinigung der Straßenbau- und
Verkehrsingenieure in Bayern, der Bayerischen Ingenieure­
kammer-Bau und dem Bayerischen Bauindustrieverband
hatte die Stadt Kempten hier die beiden Praxistage für die
Schulen organisiert.
Eva Bartussek
Beim Pilotprojekt „Bau macht Schule“ besuchten
am 16. und 17. Juli rund 300 Schülerinnen und
Schüler mit ihren Lehrkräften die Großbaustelle
„Nordspange“ in Kempten. Im Dialog mit jungen
Praktikern lernten die Jugend­lichen die viel­fältigen
Berufsbilder am Bau und die Menschen dahinter
kennen. Der Bayerische Bauindustrieverband ist
Mitinitiator der Aktion, die weitere bayerische
Regionen inspirieren soll.
Mit eigenen Augen sehen und lernen: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele
Menschen mithelfen, damit so etwas Großes entsteht wie hier die Brücke
für die Nordspange“, schildert eine Schülerin ihre Eindrücke.
An vier Infostationen wurden die Themenbereiche „Land­
schaft“, „Straße“, „Wasser“ und „Brücke“ mit den zuge­
hörigen Arbeitsfeldern präsentiert. Stellvertretend für die
Stadt Kempten als Bauherrin, für die beteiligten Baufirmen
sowie für die Planungs- und Ingenieurbüros waren junge
Mitarbeiter auf der Baustelle, die ihren Beruf, ihren
persön­lichen Werdegang und auch die Anforderungen an
die jeweilige Ausbildung vorstellten.
Die erfolgreiche Veranstaltung ist ein Pilotprojekt und soll
andere bayerische Regionen anspornen, ihrerseits einen
Austausch zwischen Schülern und jungen Praktikern zu
ermöglichen.
­28
BBIV i.d. Oktober 2014
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Bayerische Bauindustrie goes Social Media:
Youtube & Facebook
Weltumspannende Netzwerke
Kürzlich feierte Facebook sein erstes
Jubiläum: Gerade mal zehn Jahre alt
ist die Nummer eins unter den sozialen
Netzwerken, Youtube sogar ein Jahr
jünger. Aus dem Kosmos des digitalen
Medienzeitalters sind beide Portale je­
doch schon heute nicht mehr wegzu­
denken. Allein der Blick auf die Nutzer­
zahlen ist überwältigend: Rund 28 Mil­
lionen Deutsche posten und chatten
täglich bei Facebook. Beim Video­portal
Youtube tummeln sich sogar 40 Millio­
nen am Tag. Und damit nicht genug.
Weltweit knackt die Statis­tik die Milliar­
den-Marke. Angesichts eines solchen
weltumspannenden Siegeszuges klingt
der Ausdruck „Tendenz steigend“ wie
eine
Untertreibung.
Themen ein Gesicht geben
„Man kann nicht nicht kommunizie­
ren“, lautet das berühmte Zitat des
Kommunikationswissenschaftlers Paul
Watzlawick. Man muss es allerdings
richtig machen, um mit seinen Bot­
schaften beim Adressaten anzukom­
men. ­Gerade technische, komplexe
und erklärungsbedürftige Themen
brauchen eine kluge Inszenierung, um
wahrgenommen zu werden. Das For­
mat gibt dafür den Rahmen vor. Bei
Facebook heißt das, Informationen
Rawpixel Fotolia
Wer wahrgenommen werden will, kämpft um ein knappes Gut: Aufmerksamkeit.
Um den Kampf für sich zu entscheiden, müssen harte Fakten und trockene Informationen in
­ansprechende Geschichten verwandelt und breit gestreut werden. Die größte Reichweite
erzielen heute Online-Kanäle, allen voran Youtube und Facebook. Millionen von
Deutschen und weltweit mehr als eine Milliarde Menschen nutzen die Plattformen.
Zeit, auch für die bayerische Bauindustrie Gesicht zu zeigen.
kurz und knapp auf den Punkt bringen,
mit Bildern, Videos und Links attrak­tiv
verpacken und einen Hinweis geben,
wo weitere Details zum Thema abge­
rufen werden können.
Der Bayerische Bauindustrieverband
setzt vor allem bei der Jugendkam­
pagne „Deine Baustelle“ auf das sozi­
ale Netzwerk. Spektakuläre Baupro­
jekte aus allen Bausparten, Ausbil­
dungs- und Bewerbungstipps, Bauge­
schichten aus der Nachbarschaft und
Porträts derer, die bereits zum Bau
­gefunden haben, sind nur einige der
Themen, die auf www.facebook.com/
BauindustrieBayern kurzweilig auf­
bereitet und mehrmals die Woche
­verbreitet werden. Die Plattform ist
mittlerweile ein festes Kommunikati­
onsinstrument und hat eine kompakte
Fangemeinde aufgebaut.
Immer up to date: www.facebook.com/BauindustrieBayern
Bayerische Bauindustrie im Filmfieber:
www.youtube.com/user/BauindustrieBayern
BBIV i.d. Oktober 2014
Ein Bild sagt mehr als Tausend
Worte – ein Film noch mehr
Menschen denken in Bildern. Daher
üben Bilder bei der Informationsver­
mittlung die stärkste Anziehungskraft
aus. Vor allem bewegte Bilder, sprich
Filme sind heute Kern­bestandteil er­
folgreicher Öffentlichkeitsarbeit. Filme
lassen das Gesagte und Gezeigte leben­
dig werden. Sie sind eine moderne
Form des Geschichtenerzählens. Und
Geschichten machen nicht nur neugie­
rig, sondern bleiben auch im Gedächt­
nis. Aus diesem Grund möchte der Ver­
band seine Themen in Zukunft verstärkt
in Form von Filmen und Videos darstel­
len und verbreiten.
Mitte Januar ging der neue YoutubeKanal www.youtube.com/user/Bau­
industrieBayern online. Darin werden
aktuelle Themen wie „Energie­wende“
und „Ausbildung und Karriere am Bau“
und Filme der Reihe „Faszination Bau“
präsentiert. Die Videos geben Einblick
in die Technologien und Perspektiven
der bayerischen Bauwirtschaft und sind
für jeden Internet-Nutzer weltweit frei
zugänglich.
­29
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Pilotfilm „Bau-Azubi im Porträt“
Und … Action!
Dipl.-Ing. (FH) Karl-Günter Krauß,
Vorsitzender des BBIV-Bezirksverbands
­Oberfranken
Um Karrierechancen einer Ausbildung am Bau glaubwürdig und
anschaulich zu vermitteln, hat der Bayerische Bauindustrieverband im
Rahmen der Jugendkampagne „Deine Baustelle“ eine Filminitiative
gestartet. In kurzen Porträts werden Bau-Azubis bei der täglichen
Arbeit begleitet und interviewt. Protagonist des Pilotfilms ist Felix,
angehender Beton- & Stahlbetonbauer bei MARKGRAF. Über das
Making-Of in Marktredwitz und die Bedeutung von Filmen für die Nach­
wuchswerbung sprachen wir mit Dipl.-Betriebswirtin (FH) Susanna
Merkl, Leiterin Unter­nehmenskommunikation, und dem Geschäftsführer
Tiefbau bei MARKGRAF Dipl.-Ing. (FH) Karl-Günter Krauß.
Herr Krauß, welche Bedeutung haben
heute Filme und Videos für das Bewer­
ben von Ausbildungsberufen am Bau?
Was kann ein Film besser als ein Flyer, Wo fand der Dreh des Azubi-Films
eine Werbeanzeige oder der A
­ rtikel auf mit Felix statt?
der Homepage?
Der Dreh wurde bei einem laufenden
Bewegte und belebte Bilder wecken
Für uns sind alle genannten Medien­
Bauprojekt in Oberfranken, einer un­
Emotionen und geben einen realis­
werkzeuge wichtig. Die Kombination
serer Kernregionen organisiert.
tischen Einblick in die Aufgaben einzel­ der Instrumente ermöglicht eine breite Das Bauvorhaben umfasst einen Indu­
ner Berufsbilder. Auch bei unseren in­
Ansprache. Bei einem Film über unse­
strieerweiterungsbau in unmittelbarer
ternen Maßnahmen setzen wir darauf, re Bauprojekte oder auch über unser
Nach­barschaft zu unserer Niederlas­
dass junge Menschen die Begeisterung Berufsspektrum können Botschaften
sung Marktredwitz. Uns war wichtig,
für technische Berufe vor Ort erleben
noch überzeugender und glaubwür­
dass die Dreharbeiten direkt vor Ort
und laden daher Schulklassen ein, ver­ diger vermittelt werden, als es ein Arti­ stattfinden, damit das gesamte Bau­
anstalten Ausbildungstage und bieten
kel kann. Filmaufnahmen gewähren
stellenteam eingebunden wird. Und
verschiedene Praktika. Die Jugend­
einen realistischen und detaillierten
auch für unseren Auszubildenden bot
lichen sollen verstehen, hier entsteht
Einblick. Daher freuen wir uns sehr
es ein Stück weit Sicherheit, in seinem
ein tolles Bauprojekt und Mitgestalten
über die Initiative des BBIV und die
gewohnten Umfeld und mit vertrauten
macht Spaß. Wir spüren, dass es für
Möglichkeit, dass wir am Pilotfilm mit­ Tätigkeiten die Faszination für seinen
uns als gesamte Branche immer wich­ wirken konnten.
Beruf transportieren zu können.
tiger wird, mit qualitativ guten und
­bewegten Bilder unsere Auftraggeber,
die Gesellschaft und vor allem mög­
liche Bewerber über unsere komplexen
Berufe zu informieren und für diese zu
werben.
­30
BBIV i.d. Oktober 2014
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Frau Merkl, welche Maßnahmen
waren zur Vorbereitung im Vorfeld
notwendig? Wer war daran beteiligt?
manchmal sogar suboptimal. Für eine
„echte“ Baustellenatmosphäre ist das
Wetter auch nicht ausschlaggebend,
denn wir am Bau wissen mit verschie­
Insbesondere in der Konzeptionsphase
densten Witterungsbedingungen um­
wurden viele Schlüsselpersonen einge­
zugehen und sind es gewohnt, zu im­
bunden, um den Film möglichst reali­
provisieren. Das war allerdings nicht
tätsnah umzusetzen. Allen voran natür­
notwendig, denn wir hatten am Dreh­
lich unser Azubi Felix, der verantwort­
tag optimale Bedingungen. Perfektes
liche Bauleiter und Polier beim be­
Wetter, große Maschinen in Bewe­
suchten Bauvorhaben, der Ausbildungs­
gung und unser Azubi Felix in vollem
verantwortliche Hochbau, unser firmen­
Einsatz – so macht Bauen Spaß.
interner Sicherheitsingenieur, das Team
unseres Fertigteilwerkes sowie ein
Wie fand es Felix, plötzlich im Mittel­
Werk­student aus der Unternehmens­
punkt und vor der Kamera zu stehen?
kommunikation. Von der ersten Begeg­
nung mit dem Filmteam bis zum fer­
Aus unserer Sicht ist es sehr wichtig,
tigen Film lief das Projekt „Hand in
den Auszubildenden von Anfang an
Hand“. Alle Ideen wurden offen disku­ bei der Konzeption einzubinden, damit
tiert und flossen in die kreative Ent­
er sich wiederfindet und seine Gedan­
wicklung des Szenarios ein. Im Kern
ken mit einbringen kann. Nach Aus­
ging es natürlich darum, ausbildungs­
sage von Felix war es für ihn eine un­
relevante Tätigkeiten eines Beton- und gewohnte und spannende Erfahrung,
Stahlbetonbauers darzustellen.
einen Tag lang vor der Kamera zu ste­
hen. Im Nachhinein hat er sich über
Und das alles in ansprechenden
die Gelegenheit sehr gefreut. Wenn
­Bildern. Da muss natürlich auch das
ich ihn frei zitieren darf: „Natürlich
Wetter mitspielen …
macht es mich stolz, dass der Tag so
gut gelaufen ist und ich es gut hinbe­
Die Frage nach dem Wetter haben wir
komme habe.“ Der fertige Film unter­
uns beim Drehtermin im Spätherbst
streicht dieses Gefühl und darauf kann
auch gestellt, dann aber gelernt, dass
Felix, wie wir finden, wirklich stolz
strahlender Sonnenschein nicht ent­
sein.
scheidend ist. Im Gegenteil, direktes
Sonnenlicht ist für Filmaufnahmen
Wie war die Resonanz im Team
der Bauunternehmung MARKGRAF?
Was sagen die anderen Azubis?
Nachdem der Film online ging, hat sich
relativ schnell eine große Fangemein­
de bei Facebook gebildet und der You­
tube-Link wurde eifrig weitergeschickt.
Unsere Ausbildungsverantwortlichen
sind begeistert und verwenden den
Film bereits bei Veranstaltungen in
Schulen und bei Ausbildungsmessen.
Firmenweit kommt der Film natürlich
auch auf unserer Homepage zum Ein­
satz.
Herr Krauß, was hat Ihnen persönlich
an dem Film gefallen?
Felix war sehr natürlich und authen­
tisch. Er hat mit seinen eigenen Wor­
ten erzählt, was ihm an seinem Beruf
besonders gefällt. Der Film zeigt auch
seine Zukunftspläne. Dieser Aspekt
ist für uns als Unternehmen besonders
wichtig, denn unsere Mitarbeiter sind
unser Erfolgsfaktor. Gute Übernahme­
chancen und vielfältige Weiter­bil­dungs­
möglichkeiten zeigen die hervorragen­
den Perspektiven in einem hochtech­
nologischen und komplexen Berufs­
umfeld auf. Jeden Tag treibt uns daher
die Maxime „Bauen mit Leidenschaft“
an.
Wie bewerten Sie die Filminitiative
des Verbandes mit Blick nach vorne?
Wir begrüßen die neue Filmreihe sehr
und unterstützen das Engagement des
BBIV bei diesem so wichtigen Feld der
Nachwuchswerbung. Auch persönlich
freue ich mich auf eine Fortsetzung der
Serie und weitere Filme über die Azu­
bis und ihre Berufe am Bau.
Frau Merkl, Herr Krauß, wir danken
Ihnen für das Gespräch.
BBIV i.d. Oktober 2014
­31
Persönliches
Wir über­mitteln den J
­ ubilaren
unsere ­herzlichsten Glückwünsche
90 Jahre
75 Jahre
Josef Geiger
Wilhelm Geiger GmbH & Co.
KG, Oberstdorf
Dipl.-Ing. Albert Friedmann
Regensburg
90. Geburtstag am 15. März 2014
Dipl.-Ing. Albert Friedmann
steuerte von 1999 bis 2003
den Bezirksverband Ostbayern
als Vorsitzender. Von 1993 bis
2003 war er Vorsitzender der
Fachabteilung Straßenbau, ab
1989 bayerischer Delegierter,
ab 1995 Vorstandsmitglied und
von 1999 bis 2003 stellvertre­
tender Vorsitzender der Bun­
desfachabteilung Straßenbau
im Hauptverband der Deut­
schen Bauindustrie.
Josef Geiger war von 1989
bis 1992 Beiratsmitglied des
Bezirksverbandes Schwaben.
Rechtsanwalt Senator E.h.
Gerhart Klamert
München
90. Geburtstag am 21. Juli 2014
Gerhart Klamert war von 1972
bis 1991 Hauptgeschäftsführer
und Geschäftsführendes Vor­
standsmitglied des BBIV.
80 Jahre
75. Geburtstag am 5. Juni 2014 Dr.-Ing. Hans-Joachim Wolff
München
75. Geburtstag am 12. Juni 2014
Dipl.-Ing. Fritz Knape
Kirchheim
80. Geburtstag am 15. Mai 2014
Dipl.-Ing. Fritz Knape war von
1991 bis 1999 Vorsitzender der
Fachabteilung Eisenbahnober­
bau und Mitglied im Gesamt­
beirat des Verbandes. Als baye­
rischer Delegierter vertrat er die
Anliegen des BBIV in der Bun­
desfachabteilung Eisenbahno­
berbau beim Hauptverband der
Deutschen Bauindustrie.
Dr.-Ing. Hans-Joachim Wolff
engagierte sich von 1997 bis
2002 als Vizepräsident des BBIV.
Als stellvertretender Vorsitzen­
der des Wirtschaftspolitischen
Hauptausschusses und Mitglied
im Außenwirtschaftsausschuss
Bauindustrie vertrat er die wirt­
schaftspolitischen Anliegen des
Verbandes auf Bundesebene.
Dr. Ingolf Wittmann
Mörfelden-Walldorf
75. Geburtstag am 7. Sept. 2014
Dr. Wittmann war langjähriges
Mitglied und Vorsitzender
des Betriebswirtschaftlichen
Arbeitskreises sowie Mitglied
des Arbeitsausschusses Recht
und Steuern und des Sozialpoli­
tischen Ausschusses.
­32
70 Jahre
60 Jahre
Dipl.-Ing. Klaus Donhauser
Geschäftsführer Gebr. Donhau­
ser Hoch- & Tiefbau-Unterneh­
mung GmbH & Co Betriebs-KG,
Schwandorf
Dipl.-Ing. Klaus Rubenbauer
Geschäftsführer Karl Krumpholz
Rohrbau GmbH, Kronach
Oberpfalz in der Öffentlichkeit
und im Vorstand des BBIV.
Donhauser ist Beiratsmitglied
des Verban­des.
60. Geburtstag am 8. März 2014
60. Geburtstag am 1. März 2014 Dipl.-Ing. Klaus Rubenbauer ist
70. Geburtstag am 26. Feb. 2014 seit 1999 Beiratsmitglied und
Seit über 30 Jahren engagiert
seit 2011 Stellvertretender Vor­
sich Dipl.-Ing. Klaus Donhauser
sitzender des Bezirksverbandes
im Beirat des Bezirksverbandes
Oberfranken.
Ostbayern. Von 2007 bis 2011
Dipl.-Ing. Walter Haus
war er dessen Vorsitzender und
Bauer Spezialtiefbau GmbH,
vertrat die Mitgliedsunterneh­
Schrobenhausen
men aus Niederbayern und der
65 Jahre
Dipl.-Ing. Walter Haus gehört
seit 2005 dem Vorstand des
EMB-Wertemanagement Bau
an. Von 2003 bis 2007 war er im
Beirat des Verbandes tätig.
Ernst Weinmann
Geschäftsführer Baugesell­
schaft Moll GmbH, Rothenburg
65. Geburtstag am 14. Jan. 2014
Dipl.-Ing. (FH) Ludwig Biller
vormals Technischer Leiter
Strabag AG, Gruppe Ingenieur­
bau Roding
65. Geburtstag am 11. März 2014
Dieter Dick
Geschäftsführender Gesell­
schafter AS-Bau Hof GmbH, Hof
65. Geburtstag am 12. Mai 2014 Dieter Dick ist seit 2007 Beirats­
mitglied des Bezirksverbandes
Oberfranken.
BBIV i.d. Oktober 2014
Zahlen zur Bauwirtschaft in Bayern 2014
Bauleistung
Baunachfrage
Geleistete Arbeitsstunden1)
Auftragseingang1/2) Inland
in Mio. EUR
Juli
ggü. Vj.
Jan. – Juli
in Mio. EUR
Bauhauptgewerbe insg.
16.990
– 6,2 %
+ 1,8 %
Bauhauptgewerbe insg.
Wohnungsbau
7.657
– 7,1 %
+ 2,6 %
Wohnungsbau
Wirtschaftsbau
4.558
– 3,4 %
+ 2,5 %
Wirtschaftsbau
401,9
+ 17,1 %
+ 11,6 %
Öffentlicher Bau insg.
4.775
– 7,4 %
– 0,3 %
Öffentlicher Bau insg.
393,2
+ 5,0 %
+ 2,5 %
davon Hochbau
davon Hochbau
Juli
ggü. Vj.
1.084,0
+ 2,8 %
Jan. – Juli
+ 7,4 %
250,3
– 17,8 %
+ 8,3 %
1.023
– 8,3 %
– 3,6 %
112,0
+ 52,9 %
+ 14,9 %
Straßenbau
2.029
– 5,0 %
+ 3,2 %
Straßenbau
168,4
– 11,9 %
– 1,0 %
sonst. Tiefbau
1.723
– 9,7 %
– 1,6 %
sonst. Tiefbau
112,8
+ 2,6 %
– 1,2 %
Produktionsindex1) (arbeitstäglich)
2005 = 100
Baugenehmigungen für Hochbauten
Juli
ggü. Vj.
Jan. – Juli
in 1000 m3 Rauminhalt
Bauhauptgewerbe insg.
136,3
– 5,6 %
+ 3,5 %
Wohngebäude
2.817
– 15,4 %
– 1,8 %
Hochbau
137,2
– 6,1 %
+ 3,8 %
Wirtschaftsgebäude
3.598
– 33,7 %
+ 5,0 %
Tiefbau
135,8
– 5,2 %
+ 3,4 %
Öffentliche Gebäude
373
– 30,7 %
– 17,9 %
Juli
ggü. Vj.
Jan. – Juli
Auftragsbestände Bauhauptgewerbe
Umsatz1)
ggü. Vj.
Jan. – Juli
Reichweite in Monaten
Monatsdurchschnitte
2.008,2
– 4,8 %
+ 8,2 %
Bauhauptgewerbe insg.
2,8
2,8
3,0
Wohnungsbau
809,4
– 6,1 %
+ 11,6 %
Wohnungsbau
3,0
2,7
3,2
Wirtschaftsbau
646,6
+ 2,0 %
+ 10,2 %
Wirtschaftsbau
2,8
3,1
2,9
Öffentlicher Bau insg.
552,3
– 10,2 %
+ 0,6 %
Öffentlicher Bau insg.
2,5
2,5
2,7
davon Hochbau
126,5
– 8,0 %
– 3,5 %
davon Hochbau
2,6
2,5
2,7
ohne MwSt., in Mio. EUR
Bauhauptgewerbe insg.
Juli
September Sept. 2014
Sept. 2013
Straßenbau
239,8
– 13,0 %
+ 0,5 %
Straßenbau
2,1
2,2
2,5
sonst. Tiefbau
185,9
– 7,8 %
+ 3,8 %
sonst. Tiefbau
2,8
2,8
2,9
Lohn- und Gehaltskosten
Arbeitsmarkt
Bauhauptgewerbe1)
Beschäftigte Bauhauptgewerbe1)
Juli
Lohn- und Gehaltssumme
je Beschäftigten in EUR
2.653
ggü. Vj.
+ 2,0 %
Jan. – Juli
+ 5,7 %
Monatsdurchschnitt
Juli
ggü. Vj.
Jan. – Juli
Insgesamt
140.819
– 1,6 %
+ 4,6 %
Arbeitsmarkt Bauhauptgewerbe
1) Neue, engere statistische Abgrenzung 451 + 452 NACE WZ 93;
Werte 1994 dieser Abgrenzung angepasst
2) Nur Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten
Quellen:
Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung,
ifo-Institut für Wirtschaftsforschung,
Bundesagentur für Arbeit
August insgesamt
Offene
Stellen
Arbeitslose
dar.: Bauingenieure
Offene
Stellen
Arbeitslose
2014
4.275
4.686
236
2013
4.683
4.329
225
169
2012
4.768
4.179
182
154
2011
4.419
4.178
137
166
174
Informationsdienst
des Bayerischen
Bauindustrieverbandes e.V.
Oktober 2014 · 59. Jahrgang
80331 München
Oberanger 32
Telefon +49 89 235003-0
Telefax +49 89 235003-70
Postanschrift:
Postfach 10 03 61
80077 München
www.bauindustrie-bayern.de
info@bauindustrie-bayern.de
90403 Nürnberg
Katharinengasse 24
Telefon +49 911 992070
Telefax +49 911 9920730
info@bauindustrie-bayern.de
93047 Regensburg
Hemauerstraße 6/IV
Telefon +49 941 54890
Telefax +49 941 53196
info@bauindustrie-bayern.de
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