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Lisa Batiashvili - SWR

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SWR2 Cluster 14.10.2014, Musikmarkt: CD-Tipp
Großes lyrisches Erzähltalent
BACH
Lisa Batiashvili (Violine)
François Leleux (Oboe)
Emmanuel Pahud (Flöte)
Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Radoslaw Szulc
DG 479 2479
Autorin: Anette Sidhu-Ingenhoff
Johann Sebastian Bach:
Konzert für Violine, Oboe und Streicher c-Moll BWV 1060, 3. Satz (Ausschnitt)
0‘25
In der vorigen Saison überzeugte sie als „Artist in Residence“ beim WDR Sinfonieorchester Köln
und begeisterte rund 38.000 Zuhörer in Berlin beim jährlichen Open-Air-Konzert. Lisa Batiashvili
gehört sicher zu den wenigen ganz Großen im Fach Solovioline.
Jetzt gibt es mit ihr auch Bach. Das Besondere an der CD: Es ist auf Komponisten- und
Interpretenebene eine Art „kleines Familientreffen“: Johann Sebastian Bach wird kombiniert mit
Carl Philipp Emanuel, der in diesem Jahr 300. Geburtstag hatte und von den Zeitgenossen immer
als der eigentliche Bach angesehen wurde. Und Lisa Batiashvili bringt zur Aufnahme auch ein
Familienmitglied mit: nämlich ihren Mann François Leleux. Der ist Solist für Oboe d’amore im
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und im Chamber Orchestra of Europe. Seit
vielen Jahren haben die beiden das Doppelkonzert natürlich im Repertoire, aber François sagt:
„Jede Aufführung mit meiner Frau ist ein Erlebnis, und die Interpretation ist über die Jahre
gewachsen und gereift.“ Das hört man auch: Hier der 3. Satz des Bachschen Doppelkonzerts
BWV 1060. Und selbstverständlich hört man auch die innige Vertrautheit, das musikalische Gespür
zwischen den beiden. Begleitet werden sie von den ihnen bestens bekannten Musikern des
Kammerorchesters des Bayerischen Rundfunks. Batiashvili liebt es, auf Augenhöhe mit vertrauten
Musikern zu spielen, und dabei die ganze Palette ihrer Ausdrucksmöglichkeiten zu entfalten. Ihr
großes lyrisches Erzähltalent kann man auch im Violinkonzert E-Dur BWV 1042 erleben. Und:
Besonders anrührend ist der Dialog mit ihrem Mann in der Bearbeitung der Arie „Erbarme dich,
mein Gott“ aus der „Matthäus-Passion“ für Oboe d’amore und Violine.
Johann Sebastian Bach:
Matthäus-Passion BWV 244, Erbarme dich, mein Gott (Ausschnitt)
0‘40
Die Alt-Arie übernimmt hier die Oboe, zusammen mit dem Violinsopran erscheinen die beiden
gleichsam wie zwei frei schwebende, beseelte Oberstimmen auf einem sanften Streicherbett.
Was erfahren wir hier? Es muss nicht immer Bach in historischer Aufführungspraxis sein! In der
2. Sonate für Violine solo wird das überdeutlich: Hier sucht und findet jemand starken Ausdruck,
eine hoch gespannte Emotionalität. Batiashvili spielt geradezu expressiv. Und Johann Sebastian
Bach klingt dann eigentlich modern.
Johann Sebastian Bach:
Sonate für Violine solo Nr. 2 a-Moll BWV 1003, 2. Satz (Ausschnitt)
0‘10
Warum – nach Sibelius, Brahms, Schostakowitsch – jetzt erst Bach? Batiashvili findet: Dazu muss
man reif sein. Natürlich war Bach auch Bestandteil der Tradition der russischen Schule, in der sie
groß wurde. Dann kam die Beschäftigung mit historischer Aufführungspraxis dazu. Sie sagt: „Ich
habe gelernt, dass man sehr viel mehr machen kann in dieser Musik und gleichzeitig zu sich selber
zurückfinden muss und nicht einem dogmatischen Stil folgen sollte, weil es vielleicht damals so
geklungen hat. Ich habe zwar alte Bögen ausprobiert und mich mit alten Spielpraktiken beschäftigt,
bin aber bei meiner modernen Geige geblieben.“ Wie wir hören, eine sehr bewusste Entscheidung,
die ihr die Möglichkeit gibt, ihre ganz eigene Artikulation für Bach zu entwickeln, ihre sehr
persönliche individuelle Klangvorstellung von dieser Musik und von der Carl Philipp Emanuels. Das
b-Moll Trio des Meisters der Empfindsamkeit, gemeinsam gespielt mit dem Flötisten Emmanuel
Pahud, ist eine hervorragende Ergänzung auf dieser ersten Bach-CD Batiashvilis. Man erlebt die
beliebte Solistin nicht nur als Star an der Rampe, sondern im Team mit anderen. So zeigt sie ihr
Ausdruckstalent von ganz unterschiedlichen Seiten. Zugleich bietet die CD eine sehr schöne
Kombination aus Konzerten, Kammer- und Solomusik.
Carl Philipp Emanuel Bach:
Triosonate für Flöte, Violine und Generalbass b-Moll Wq 143, 1. Satz (Ausschnitt) 1‘05
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