close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Beschwerde-Linderung per Leitbahn - bei der DÄGfA

EinbettenHerunterladen
SCHMERZ
der niedergelassene arzt 7/2014
Akupunktur in der Schmerztherapie
Beschwerde-Linderung per Leitbahn
Bei chronischen Schmerzen kann die
Akupunktur ein wertvoller Bestandteil
eines multimodalen Therapiekonzeptes
sein – rund 30.000 Kolleginnen und Kollegen in Deutschland wenden sie
zumindest gelegentlich an.1 Ärztliche
Kompetenz und eine fundierte Ausbildung sind Voraussetzungen für den
erfolgreichen Einsatz.
A
kute und chronische Schmerzen,
Erkrankungen des Bewegungssystems,
psycho-vegetative Beschwerden, funktionelle Störungen der inneren Organe, neurologische Leiden, Allergien, Übelkeit und
Erbrechen – vor allem bei diesen Indikationen hat sich die Akupunktur bewährt.
Auch in der westlichen Medizin etabliert
Info 1
Fotos: DÄGfA
2
Abb. 1: Ohr-Akupunktur
Konzept und Entwicklung der Akupunktur
Akupunktur ist eine Heilmethode mit über 2.000-jähriger Tradition. Der chinesische Begriff
„zhen jiu“ bedeutet „brennen und stechen“. Anatomisch definierte Akupunkturpunkte werden mithilfe von Nadeln stimuliert. Unterstützend wirken Moxibustion – die Erwärmung
der Haut durch das Verbrennen von Moxa (Beifußkraut) – und Akupressur, die Massage der
Akupunkturpunkte.
Neuere, westlich orientierte Ansätze sind Mikrosystem- (z.B. Ohr, Schädel, Mund), Laser- und
Elektrostimulationsakupunktur (ESA). Beschwerden des Bewegungssystems lassen sich
durch die Nadelung myofaszialer Triggerpunkte (Dry Needling) eindämmen. Diese stimmen
in weiten Teilen mit den klassischen Akupunkturpunkten überein.4
Eingebettet ist die klassische Chinesische Körperakupunktur in das komplexe Diagnose- und
Behandlungssystem der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Es umfasst außerdem
die Chinesische Arzneimitteltherapie (CAT), physikalische Maßnahmen (Tuina), Bewegungs(Qigong) und Ernährungslehre. Die zugrundeliegende Krankheitslehre basiert auf der Vorstellung von Ungleichgewicht und Ausgleich (Homöostase).
Das chinesische Verständnis der Akupunkturwirkung verzahnt verschiedene Konzepte.
Grundlegend sind Yin und Yang – zwei einander entgegengesetzte und gleichzeitig aufeinander bezogene Prinzipien – und das Qi als materielle und auch immaterielle Lebenskraft.
Die rund 360 klassischen Akupunkturpunkte liegen perlschnurartig auf der Körperoberfläche. Sie sind zusammengefasst zu funktionellen Gruppen, den Leitbahnen oder Meridianen,
in denen das Qi zirkuliert. Den inneren Organen (Zang Fu) liegt die 5-Elemente-Lehre mit
den Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugrunde.
Das zentrale Kennzeichen der Akupunkturtheorie ist, dass die Subjektivität der Symptome
im Vordergrund steht – ein klarer Gegensatz zur modernen naturwissenschaftlichen Medizin, welche die Objektivierung der Beschwerden anstrebt.5 Deshalb sollte nur nach angemessener medizinischer Abklärung akupunktiert werden.
* Irnich D. Leitfaden Triggerpunkte. Urban & Fischer Verlag/Elsevier, 2008;
Gleditsch JM. MAPS - MikroAkuPunktSysteme. MVS Medizinverlage Stuttgart, 2002.
Akupunktur sich immer stärker innerhalb
einer differenzierten Symptom-orientierten Behandlung.
Grundsätzlich gilt: Akupunktur kann
heilen, was gestört ist, aber nicht reparieren, was zerstört ist: Eine Arthrose kann sie
nicht verringern, wohl aber die damit einhergehenden Schmerzen. Echte Kontra­
indikationen gibt es nicht, in manchen
Situationen ist jedoch besondere Umsicht
und Erfahrung gefragt (z. B. bei Blutgerinnungsstörungen, Schwangerschaft, bei
akuten Psychosen, ausgeprägter Kollapsneigung). Nebenwirkungen wie leichte
Blutergüsse an der Einstichstelle oder
Kreislaufreaktionen sind selten und normalisieren sich schnell.
Wie oft genadelt wird, bestimmen Art
und bisherige Dauer der Erkrankung. Üblicherweise berichten Chroniker zwischen
der dritten und sechsten Sitzung über positive Veränderungen: Schmerzen lassen
nach, der Schlaf wird ruhiger, Allgemeinbefinden und Stimmung verbessern sich. Bei
chronischem Knie- beziehungsweise
Rückenschmerz übernimmt die gesetzliche
Krankenversicherung die Kosten der Akupunkturbehandlung.
SCHMERZ
der niedergelassene arzt 7/2014
• Kopfschmerz
– Spannungskopfschmerz6
– Migräne7
• Postoperativer Schmerz14
• Funktionelle Begleitsymptomatik
– Übelkeit und Erbrechen15
– Reizdarmsyndrom16
sich Frequenz und Intensität einschießender neuropathischer Schmerzen vornehmlich durch Elektrostimulationsakupunktur
reduzieren.
• Beschwerden des Bewegungssystems
– HWS-Syndrom8
– Lenden-Becken-Hüft-Schmerz9
– Gonarthrose10
– Schulterschmerz11
– Epikondylitis12
– Rücken/Nacken-, Schulterschmerzen,
chronischer Schmerz und Arthrose13
Klinische Forschung und
Wirkmechanismus
Tab. 1: Wissenschaftliche Evidenz zur Effektivität der Akupunktur
Basisprinzipien moderner
Schmerzakupunktur
Akupunktur in der Schmerztherapie setzt
die Kenntnis von traditionellen und modernen Konzepten wie Triggerpunkt- und
Mikrosystem-Akupunktur voraus (siehe
Infokasten 1*). Bei chronischen Beschwerden muss Akupunktur in ein multimodales
Gesamtkonzept eigebettet sein.
Bei Migräne, Spannungs- und MedikaTherapietechnik
menten-induziertem Kopfschmerz dämpft
ein pragmatischer Akupunkturansatz mit
Fernpunkten an Händen und Füßen,
Symptom-­orientierten und lokalen Punkten dessen Intensität und Frequenz. Die
Behandlung myofaszialer Triggerpunkte im
M. temporalis, M. trapezius, in der paraver-
3
tebralen Halsmuskulatur und/oder der subokzipitalen Muskulatur kann den perikranialen Muskeltonus mindern. Akute
Anfälle verlangen in der Regel starke Nadelstimulation; die Intensität in der Intervallbehandlung richtet sich nach der Konstitution des Patienten.
Beschwerden der Wirbelsäule erfordern – neben der Auswahl von Fernpunkten auf der den Schmerz durchlaufenden
Leitbahn – häufig ein lokales Vorgehen.
Stichtechnik
Hilfreich ist das Nadeln von Mikrosystem-
Zur Wirksamkeit der Akupunktur existieren mehrere hundert randomisierte kontrollierte Studien – vorwiegend bei Schmerzen, ferner zu Sucht, Allergie, inneren
Erkrankungen etc.
Die Evidenz bei Schmerzindikationen
zeigt Tabelle 1. Chronischen Schmerz beispielsweise lindert Akupunktur signifikant
besser (in rund 50 % der Fälle) als ShamAkupunktur (42,5 %). Diese Überlegenheit bei Rücken/Nacken-, Schulter-, chronischem Schmerz und Arthrose wurde in
einer internationalen Meta-Analyse mit
rund 20.000 Schmerzpatienten belegt. Das
Besondere: Bei 29 Primärstudien konnte
die Forschergruppe um Andrew J. Vickers,
Grundlagen
Triggerpunkttherapie
Peripher17
• Ausschüttung zahlreicher neuronaler
und humoraler Botenstoffe, z. B. lokale
Ausschüttung von Adenosin18, nach
dem Einstechen der Akupunkturnadel
• Hemmung sensibilisierender Faktoren
und Entzündungsmediatoren
• Fibroblastenaktivierung ➔ lokale
­Umstrukturierung der zellulären Matrix
➔ Mechanostransduktion über weite
Strecken19
Spinal20
• Aktivierung hemmender Interneurone
• Ausschüttung von Endorphinen
• Aktivierung der DNIC („noxious inhibitory controls“)
Zentral
• Ausschüttung von analgetisch wirksamen Neurotransmittern
• Aktivität im Limbischen System21
• Neuroplastizität22
Tab. 2: Wirkmechanismen der Akupunktur
Abb. 2: Stichtechnik – immer abgestützt
nadeln!
Abb. 3: Triggerpunkt-Akupunktur.
Skriptseite-28
Immer abgestützt nadeln!
punkten, wesentlich die TriggerpunktAkupunktur (z. B. im M. erector spinae, im
M. quadratus lumborum oder im M. pirirformis). Je nach Krankheitsmuster sind
zudem Moxibustion und Schröpfen angebracht. Bei Schulter-Arm-Schmerzen
(Periarthropatien, myofasziale Überlastungen der Schultergürtelmuskulatur, Epicondylopathie) genügt meist ein pragmatischer
Ansatz.
Die Indikation Schmerzen bei Kniegelenksarthrose ist wissenschaftlich besonders gut untersucht. Schmerzlindernde
Effekte sind nachgewiesen, vor allem bei
lokaler Nadelung. Muskuläre Dysbalance
sollte mitbehandelt werden (M. quadriceps
rectus femoris, M. vastus lateralis und
M. vastus medialis). Für die Therapie neuropathischer Schmerzen ist die Studienlage
noch dünn. Meiner Erfahrung nach lassen
New York (Acupuncture Trialists´ Collaboration, ATC), auf die Einzel-Original­
daten der Probanden zugreifen (Individual Patient Data Meta-Analysis) – ein
Durchbruch in der Akupunkturforschung
hinsichtlich Resultat und Vorgehensweise.2 Die Wirksamkeit nach EBM-Kriterien
(Evidenz-basierte Medizin), Evidenzlevel
1A, ist auch für postoperativen Zahnschmerz, Übelkeit und Erbrechen nachgewiesen.3
Skriptseite-23
Die zentralen Ergebnisse:
1. Stets erreichte die Verum-Akupunktur
klinisch relevante Responderraten um
50 Prozent.
2. Bei Rücken/Nacken-, Schulter-, chronischem Schmerz und Arthrose ist die
Akupunktur an klassischen Punkten
SCHMERZ
4
der niedergelassene arzt 7/2014
einer oberflächlichen Nadelung an
nicht-klassischen Punkten (MinimalAkupunktur) signifikant überlegen.
3. Bei LWS-Schmerzen und Gonarthrose
war die Akupunktur der Standardtherapie überlegen, bei Spannungskopfschmerz und Migräne gleichwertig.
4. Die Akupunktur ist ein sicheres Verfahren mit hoher Patientenakzeptanz.
Unbestritten ist heutzutage, dass die
Akupunktur einen wissenschaftlich
begründeten Stellenwert in der Schmerztherapie besitzt und bei chronischen
Schmerzerkrankungen mit bio-psychosozialen Komponenten Teil eines multimodalen Therapiekonzeptes sein kann. Die
physiologischen Mechanismen selbst bleiben Gegenstand intensiver Forschung.
Zwar sind zahlreiche Teileffekte belegt (siehe Tabelle 2), es existiert jedoch keine überzeugende Gesamttheorie. Dies mag zum
einen an den Unzulänglichkeiten der
Studien­methodik liegen, andererseits an
komplexen unspezifischen und spezifischen Wirkeffekten. Darüber hinaus
Therapietechnik
Moxibustion
Info 2
Akupunktur
Qualität und Ausbildung
Die „Zusatzbezeichnung Akupunktur“ schließt nach 200 Stunden (120 h Theorie, 60 h
Fallseminar und 20 h Supervision eigener Behandlungsfälle) in mindestens zwei Jahren
mit einer Prüfung vor der Ärztekammer ab. In Deutschland gibt es etwa 40 Ausbildungsinstitute. Größter Anbieter und älteste ärztliche Fachgesellschaft seit 1951 ist die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e. V. (DÄGfA) mit rund 9000 Mitgliedern. Weitere
etablierte Ausbilder: www.tcm.edu, www.dgfan.de.
2011 implementierte die DÄGfA zwei weiterführende Qualifikationen: den „Meister der
Akupunktur DÄGfA“ und den darauf aufbauenden „Meister der Ost-Asiatischen Medizin
DÄGfA“. Bereits seit 2012 sind beide Meister-Ausbildungen als Marken beim Deutschen
Patent- und Markenamt eingetragen und gesetzlich geschützt.
• Grundausbildung Akupunktur/Zusatzbezeichnung: Sommerkompaktkurse in Berlin,
Düsseldorf, München sowie Wochenendkurse in zehn deutschen Städten
• Meister-Ausbildungen in sieben Städten, nächster Beginn am 18.10.2014 in München
• Unterschiedlichste Spezialkurse für versierte Akupunkteure
• 2. Symposium „Muskel und Faszie“, 11.10.2014, München
• Kurs Triggerpunkt-Akupunktur, 31.10.2014, Baden-Baden (Medizinische Woche)
• Symposium „Psychiatrie und Psychosomatik“, 15.11.2014, München
• Fachbezogener Kurs „Akupunktur in der Allgemeinmedizin/Innere“, 15./16.11.2014,
Berlin
Viele weitere Kurse, ausführliche Informationen sowie Adressen erfahrener Akupunkturärzte mit DÄGfA-Diplom, zertifiziert und von Ärztekammern geprüft, unter
www.daegfa.de.
kommt bei der Akupunktur ein psychophysiologisches Phänomen zum Tragen,
das für unseren Berufsstand so wichtig ist:
die vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung.
Therapietechnik
Moxibustion
Moxa stärkt Qi und Yang
Skriptseite-44
herapietechnik
Schröpfen
Moxa stärkt Qi und Yang
Abb. 4: Moxibustion und Schröpfen zur Verstärkung der Akupunkturwirkung.
1 Stör W, Irnich D. [Acupuncture. Basics, practice, and
evidence]. Anaesthesist 2009; 58: 311-323.
2 Vickers AJ, Linde K. Acupuncture for Chronic
Pain. JAMA 2014; 311(9): 955-6. doi: 10.1001/
jama.2013.285478.
3 Stör W, Irnich D. [Acupuncture. Basics, practice, and
evidence]. Anaesthesist 2009; 58: 311-323; Cummings M.
Modellvorhaben Akupunktur - a summary of the ART,
ARC and GERAC trials. Acupunct Med 2009; 27: 26-30;
Fleckenstein J, Lill C, Ludtke R, Gleditsch J, Rasp G, Irnich
D. A single point acupuncture treatment at large intestine
meridian: a randomized controlled trial in acute tonsillitis
and pharyngitis. Clin J Pain 2009; 25: 624-631; Irnich D,
Salih N, Offenbächer M, Fleckenstein J. Is Sham Laser a
Valid Control for Acupuncture Trials? Evidence-Based
Complementary and Alternative Medicine 2010; 2011: 8.
4 Dorsher PT, Fleckenstein J. Trigger points and classical
acupuncture points Part 1: Qualitative and quantitative
anatomic correspondences. Dt Ztschr f Akup 2008; 51:
15-24; Dorsher PT. Myofascial referred-pain data provide
Skriptseite-44
physiologic evidence of acupuncture meridians. J Pain
2009; 10: 723-731.
5 Gleditsch J. Reflexzonen und Somatotopien. 9 ed. München: Urban und Fischer-Verlag; 2005.
6 Linde K, Allais G, Brinkhaus B, Manheimer E, Vickers
A, White AR. Acupuncture for tension-type headache.
Cochrane Database Syst Rev 2009: CD007587.
7 Linde K, Allais G, Brinkhaus B, Manheimer E, Vickers
A, White AR. Acupuncture for migraine prophylaxis.
Cochrane Database Syst Rev 2009: CD001218.
8 Fu LM, Li JT, Wu WS. Randomized controlled trials of
acupuncture for neck pain: systematic review and metaanalysis. J Altern Complement Med 2009; 15: 133-145;
Irnich D, Behrens N, Molzen H, Konig A, Gleditsch J,
Schröpfen als Bestandteil vieler traditioneller Heilsysteme
Skriptseite-46
Krauss M, et al. Randomised trial of acupuncture compared with conventional massage and „sham“ laser acupuncture for treatment of chronic neck pain. Bmj 2001;
322: 1574-1578.
9 Brinkhaus B, Witt CM, Jena S, Linde K, Streng A, Wagenpfeil S, et al. Acupuncture in patients with chronic low
back pain: a randomized controlled trial. Arch Intern Med
2006; 166: 450-7; Furlan AD, van Tulder M, Cherkin D,
Tsukayama H, Lao L, Koes B, et al. Acupuncture and dryneedling for low back pain: an updated systematic review
within the framework of the cochrane collaboration.
Spine 2005; 30: 944-63; Haake M, Muller HH, SchadeBrittinger C, Basler HD, Schafer H, Maier C, et al. German
Acupuncture Trials (GERAC) for chronic low back pain:
randomized, multicenter, blinded, parallel-group trial
with 3 groups. Arch Intern Med 2007; 167: 1892-1898.
10 Manheimer E, Cheng K, Linde K, Lao L, Yoo J, Wieland
S, et al. Acupuncture for peripheral joint osteoarthritis.
Cochrane Database Syst Rev 2010: CD001977.
11 Green S, Buchbinder R, Hetrick S. Acupuncture
for shoulder pain. Cochrane Database Syst Rev 2005:
CD005319.
12 Trinh KV, Phillips SD, Ho E, Damsma K. Acupuncture
for the alleviation of lateral epicondyle pain: a systematic
review. Rheumatology (Oxford) 2004; 43: 1085-1090.
13 Vickers AJ et al. Acupuncture for Chronic Pain.
Individual Patient Data Meta-analysis. Arch Intern
Med 2012; 172(19): 1444-53. doi: 10.1001/archinternmed.2012.3654; Vickers AJ, Linde K. Acupuncture for
Chronic Pain. JAMA 2014; 311(9): 955-6. doi: 10.1001/
jama.2013.285478.
14 Sun Y, Gan TJ, Dubose JW, Habib AS. Acupuncture and
related techniques for postoperative pain: a systematic
review of randomized controlled trials. Br J Anaesth 2008;
101: 151-60; Usichenko TI, Lehmann C, Ernst E. Auricular acupuncture for postoperative pain control: a systematic review of randomised clinical trials. Anaesthesia 2008;
63: 1343-1348.
15 Ezzo JM, Richardson MA, Vickers A, Allen C, Dibble
SL, Issell BF, et al. Acupuncture-point stimulation for
chemotherapy-induced nausea or vomiting. Cochrane
Database Syst Rev 2006: CD002285; Lee A, Fan LT. Sti-
SCHMERZ
der niedergelassene arzt 7/2014
Strahlentherapie bei Tennisellenbogen & Co.
Würde und existentielles Leid
am Ende des Lebens
Eine Bestrahlung kann dauerhaft Schmerzen lindern oder beseitigen, beispielsweise bei
Arthrose, Fersensporn und Tennisellenbogen. Bei den genannten Indikationen werden
die Patienten üblicherweise an sechs Terminen über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen kurz bestrahlt. Pro Sitzung erhielten sie bislang 0,5 bis 1,0 Gray (Gy) in ein bis zwei
Behandlungsserien. Je nachdem, wie der Patient auf die Bestrahlung ansprach, wurde die
Dosis angepasst. Die Gesamtdosis betrug daher in der Regel 3 bis 12 Gy.
* Ott OJ, Hertel S, Gaipl US, Frey B, Schmidt M, Fietkau R. The Erlangen Dose Optimization trial for low-dose
radiotherapy of benign painful elbow syndrome. Long-term results. Strahlenther Onkol. 2014;190:293-297.
Quelle: 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO)
mulation of the wrist acupuncture point P6 for preventing
postoperative nausea and vomiting. Cochrane Database
Syst Rev 2009: CD003281; Sagar SM. Acupuncture as an
evidence-based option for symptom control in cancer patients. Curr Treat Options Oncol 2008; 9: 117-126.
16 Schneider A, Streitberger K, Joos S. Acupuncture
treatment in gastrointestinal diseases: a systematic review.
World J Gastroenterol 2007; 13: 3417-3424.
17 Zur Übersicht: Irnich D, Beyer A. [Neurobiologische
Grundlagen der Akupunkturanalgesie] Neurobiological
mechanisms of acupuncture analgesia. Schmerz 2002; 16:
93-102; Zhao ZQ. Neural mechanism underlying acupuncture analgesia. Prog Neurobiol 2008; 85: 355-75.
18 Goldman N, Chen M, Fujita T, Xu Q, Peng W, Liu W, et
al. Adenosine A1 receptors mediate local anti-nociceptive
effects of acupuncture. Nat Neurosci 2010; 13: 883-888.
19 Langevin HM, Bouffard NA, Badger GJ, Churchill
DL, Howe AK. Subcutaneous tissue fibroblast cytoskeletal remodeling induced by acupuncture: evidence for a
mechanotransduction-based mechanism. J Cell Physiol
2006; 207: 767-774.
20 Lao L, Zhang RX, Zhang G, Wang X, Berman BM, Ren
K. A parametric study of electroacupuncture on persistent
hyperalgesia and Fos protein expression in rats. Brain Res
2004; 1020: 18-29; Pomeranz B, Paley D. Electroacupuncture hypalgesia is mediated by afferent nerve impulses:
an electrophysiological study in mice. Exp Neurol 1979;
66: 398-402; Zhao ZQ. Neural mechanism underlying
acupuncture analgesia. Prog Neurobiol 2008; 85: 355-375;
Li A, Wang Y, Xin J, Lao L, Ren K, Berman BM, et al. Electroacupuncture suppresses hyperalgesia and spinal Fos
expression by activating the descending inhibitory system.
Brain Res 2007; 1186: 171-179; Zhu B, Xu WD, Rong PJ,
Ben H, Gao XY. A C-fiber reflex inhibition induced by
electroacupuncture with different intensities applied at
homotopic and heterotopic acupoints in rats selectively
destructive effects on myelinated and unmyelinated afferent fibers. Brain Res 2004; 1011: 228-237.
21 Hui KK, Liu J, Marina O, Napadow V, Haselgrove C,
Kwong KK, et al. The integrated response of the human
cerebro-cerebellar and limbic systems to acupuncture
stimulation at ST 36 as evidenced by fMRI. Neuroimage
2005; 27: 479-96; Zhao ZQ. Neural mechanism underlying
acupuncture analgesia. Prog Neurobiol 2008; 85: 355-375.
22 Napadow V, Liu J, Li M, Kettner N, Ryan A, Kwong KK,
et al. Somatosensory cortical plasticity in carpal tunnel
syndrome treated by acupuncture. Hum Brain Mapp
2007; 28: 159-171; Zhu B, Xu WD, Rong PJ, Ben H, Gao
XY. A C-fiber reflex inhibition induced by electroacupuncture with different intensities applied at homotopic
and heterotopic acupoints in rats selectively destructive
effects on myelinated and unmyelinated afferent fibers.
Brain Res 2004; 1011: 228-237.
Privatdozent Dr. med.
Dominik Irnich
Oberarzt an der Klinik für
Anaesthesiologie und Leiter der Interdisziplinären
Schmerzambulanz am
Klinikum der LudwigMaximilians-Universität
München (LMU), Campus
Innenstadt
2. Vorsitzender der DÄGfA, Deutsche
Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. in
München, und Leiter des DÄGfA-Fortbildungszentrums
dominik.irnich@med.uni-muenchen.de
oder: fz@daegfa.de
© Stuart Corlett / Fotolia
Neuere Forschungsergebnisse ließen die Vermutung aufkommen, dass man einen gleich
guten, schmerzlindernden Effekt auch mit einer niedrigeren Strahlendosis erreichen
könnte. Daher wurde an der Universitätsklinik Erlangen eine randomisierte Dosisoptimierungsstudie durchgeführt.* Zwischen 2006 und 2010 wurden insgesamt 1080 Patienten
per Zufallsverteilung entweder mit Einzeldosen von 0,5 oder 1,0 Gy behandelt. 312 von
ihnen litten an einem Schultersyndrom, 199 an einem Ellenbogensyndrom und 569 an
einem schmerzhaften unteren oder oberen Fersensporn. 90 Prozent der Patienten erhielten sechs bis acht Wochen danach eine zweite Bestrahlungsserie, da sie berichteten,
noch keine zufriedenstellende Besserung zu verspüren. Die Ergebnisse direkt nach der
letzten Bestrahlung waren beeindruckend: 84 Prozent der Behandelten gaben an, dass
sich ihre Schmerzen komplett oder teilweise gebessert haben. Nach 32 M
­ onaten wurden die Patienten erneut befragt, zu diesem Zeitpunkt waren es sogar 92 Prozent. Bei 43
Prozent der Patienten war der Schmerz komplett und anhaltend verschwunden und 49
Prozent gaben eine spürbare und nachhaltige Schmerzabnahme an. Nur bei acht Prozent
aller Behandelten gab es keine Besserung. Studienleiter PD Dr. Ott, Erlangen: „Zwischen
den beiden Gruppen mit 0,5 und 1,0 Gy fanden sich keine Unterschiede. Die niedrigere
Strahlendosis reichte also aus. Nebenwirkungen traten zudem nicht auf.“
Fachtagung vom 3. - 4. November
2014 in Mainz, Erbacher Hof, Grebenstr. 24 – 26, 55116 Mainz
Depression, Angst, Hoffnungslosigkeit, ein Gefühl der Sinnentleerung,
Bedeutungslosigkeit und Demoralisation können die letzte Lebenszeit
unheilbar kranker Patienten prägen
und Wünsche nach vorzeitiger
Lebensbeendigung auslösen. Würdeorientierte Inter­ventionen wie
die von Prof. Harvey M. Chochinov,
Klinik für Psychiatrie Universität Manitoba, Kanada, entwickelte „Dignity
Therapy“ setzen hier mit dem Ziel
an, bei den Patienten das Gefühl für
die eigene unverlierbare Würde auch
in dieser Lebensphase zu stärken.
Im Mittelpunkt dieser international
besetzten Tagung stehen somit die
Faktoren, die für das Würdeempfinden unheilbar kranker Menschen von
Bedeutung sind, und die daraus entwickelten, wissenschaftlich etablierten Maßnahmen zum Umgang mit
existentiellem Leid am Lebensende.
Chochinov wird persönlich an dieser
Tagung teilnehmen und erstmals
in Deutschland über die Ergebnisse
seiner langjährigen Forschungsarbeit
berichten. Wissenschaftler anderer
Nationalitäten werden über ihre Erfahrungen zur Implementierung der
DT in ihren Kulturkreisen diskutieren.
An die Tagung schließt sich ein zwei­
tägiger Workshop an, bei dem die
Teilnehmer in die praktische Umsetzung der DT eingeführt werden.
Quelle: Interdisziplinäre Abteilung für
­Palliativmedizin, III. Med. Klinik der Universitätsmedizin Mainz in Kooperation mit dem
Institut für Palliativpsychologie Frankfurt
a. M.
5
Document
Kategorie
Gesundheitswesen
Seitenansichten
3
Dateigröße
1 257 KB
Tags
1/--Seiten
melden