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Ausgabe 5/14 (pdf) - Cyty-Braunschweig

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Der Seniorenrat
Braunschweig
BRAUNSCHWEIGER
JOURNAL
30. Jahrg./Heft 5
O k t . / N o v.
2014
Offizielles Journal
des
Braunschweiger
Seniorenrates
www.thomaehof.de
Mit 40
ins Pflegeheim?
Unvorstellbar!
„Bis vor kurzem habe ich das auch gesagt.
Aber als mich meine Krankheit immer
mehr einschränkte, war das Angebot der
Jungen Wohngruppe doch sehr verlockend.“
[ Info: Frau Jasper, Tel. 0531-581140, Thomaestr. 10, 38118 Braunschweig ]
Gemeinnützige Stiftung · gegründet im 13. Jh.
1
Braunschweiger Journal
E D I TO R I A L
Aus dem Inhalt:
Editorial
1
Der Seniorenrat berichtet
2
Serviceangebote für
Senioren
3
Kennen Sie Herrn Luder? 4
Luther von Braunschweig 5
Aus dem Tagebuch über
eine Revolution
6
„1914 ... Schrecklich
kriegerische Zeiten“
7
„Panther & Löwe,
Braunschweig die
Fahrradstadt“ ...
8
Ein Wochenende nur
9
Das Paläon
10
Gutes tun mit Herz und
Hand
11
Hermann Löns
13
In the Mood - Die Glenn
Miller Story
14
Fotoseite „Herbst“
15
Frage und Antwort/
Mein Kollege, Sir Henry
16
Kennen Sie Stips?
17
Osteoporose, und was
nun?
21
125 Jahre Künstlerkolonie Worpswede
22
Weltkulturerbe Kloster
Maulbronn
23
Sonderthema:
Technik, die vor
Einbruch schützt
Liebe Leserin und
lieber Leser,
vielleicht haben Sie den Eindruck, dass die neue Ausgabe
des Braunschweiger Journals
etwas anders als gewohnt ist.
Damit haben Sie Recht.
Da sind zunächst vier Seiten
mehr Umfang, die es uns ermöglichen, in jedem Heft ein
Sonderthema anzusprechen
und dabei die Kompetenz von
Fachleuten zu nutzen.
In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit Sicherheitsmaßnahmen für Haus oder
Wohnung. Also ein Thema
von besonderer Brisanz in der
dunklen Jahreszeit mit wertvollen Informationen für
unsere Leserschaft.
Darüber hinaus dürfen Sie
natürlich weiterhin alles erwarten, was Sie an unserer
Zeitschrift schätzen:
Auch in dieser Ausgabe gibt
es spezielle Informationen für
die ältere Generation wie den
Bericht aus dem Seniorenrat
oder die Serviceangebote des
DRK. Ebenso wenig fehlt ein
Gesundheitsthema. Osteopo-
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit sein
kühler Geist um Wald und Berge hängt.
Christian Morgenstern 1871-1914
rose erfährt im Oktober weltweit besondere Aufmerksamkeit.
Die Ausstellung im Landesmuseum „1914…schrecklich
kriegerische Zeiten“ und die
„friedliche Revolution“ mit
den Montagsgebeten in Leipzig 1989 sind Erinnerung und
Mahnung zugleich. Das 500jährige Jubiläum der Reformation wirft bereits seine
Schatten voraus; lesen Sie,
was Ihnen über Luther bisher
wahrscheinlich noch nicht
bekannt war. Wenn Sie jedoch
beschließen, einen Blick in die
Frühgeschichte unserer Region zu werfen, vielleicht gemeinsam mit Ihren Enkeln,
fahren Sie ins Paläon nach
Schöningen. Dort können Sie
was erleben! Alternativ
machen die unsterblichen Geschichten von Max und Moritz
immer wieder Freude, die
Jungs sind auch in die Jahre
gekommen. Wilhelm Busch
hat sie vor 150 Jahren erschaffen.
Und zum guten Schluss meldet sich wie gewohnt Bobby
zu Wort.
Es grüßt Sie namens der Redaktion
Ihre Christel Mertens
25 – 27
Bilderseiten
Lilli Palmer – eine
preußische Diva
150 Jahre
„Max und Moritz“
28/29
30
31
Braunschweig wieder
Hansestadt?/
@ Klammeraffen @
33
Schlüsseldienst/
Erinnern Sie sich noch
an die Elle?
34
Termine für Sie
herausgesucht
35
Bericht aus dem
Hundehimmel
Ausgabe 5/2014
Sie wollen Ihre Immobilie verkaufen oder
vermieten?
Kostenfrei erledigen wir für Sie u. a.
folgende Dienstleistungen:
Werbung (Presse, Exposé, Internet)
Akquisition von Kaufinteressenten
Vorauswahl der Kaufinteressenten
Bonitätsprüfung
Finanzierungsberatung und Vermittlung
Besichtigungen
Vorbereitung der Beurkundung
Klärung grundbuchrechtlicher Fragen
Rufen Sie uns unverbindlich an:
0531 - 122 6 22 22
36
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d-s-immobilien@gmx.de
Titelbild:
Drachensteigen im
Prinzenpark
Foto: Eveline Qweitzsch
2
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Der Seniorenrat berichtet
Am 22. August tagte der Seniorenrat im AWO Wohn- und
Pflegeheim Heidberg in der
Dresdenstraße.
U.a. wurde beschlossen, dass
die Seniorenratsmitglieder
nach der Urlaubssaison alle
Seniorenkreise nach vorheriger Anmeldung besuchen, um
die Kontakte zu intensivieren.
In einem Vortrag stellte Andrea Zelesnik den Verein ProPatient e.V. vor.
Das heutige Gesundheitssystem sei derart komplex, dass
der Verein sich das Ziel gesetzt
habe unabhängige Beratungsleistung bei Problemen mit
Seniorenring Braunschweig e.V.
Die nächste Delegiertenversammlung findet am Freitag,
dem 07. November 2014, um
9.30 Uhr in der AWO-Begegnungsstätte
Frankfurter
Straße statt. Bei diesem Treffen stehen u.a. Nachwahlen
zum Seniorenrat an, und
Johannes Benedde vom
Lukas-Werk wird das Thema
Medikamentensucht
beleuchten.
Ein neuer Tagesordnungspunkt ist künftig für die Ringsitzungen geplant:
„Themenvorschläge aus der
Delegiertenversammlung”.
Was verbirgt sich dahinter?
Wir würden gern erfahren,
welche Fragen und Probleme
bei den Treffen der Senioren-
kreise angesprochen werden,
zu denen Sie gern mehr erfahren möchten und die vielleicht
auch für andere Kreise interessant sein können. Der Seniorenrat wird diese Themen
aufgreifen und bearbeiten mit
dem Ziel, die Leitung der
Seniorenkreise bei der Lösung
zu unterstützen. Bei Bedarf
würde eine Fachkraft eingeladen, um entsprechende Hintergrundinformationen zu vermitteln. Falls Ihnen spontan
eine Frage einfällt, rufen Sie
uns bitte an, damit wir schon
beim nächsten Treffen dazu
Informationen anbieten können.
Dr.-Ing.
Günter Weinhausen
Krankenkassen oder Versicherungen bei Kostenübernahmen oder Pflegestufenermittlungen usw. anzubieten. Die
Mitglieder des gemeinnützigen Vereins sind Betroffene,
Interessierte und verantwortlich Tätige im Gesundheitsund Sozialwesen. Die Beratung erfolgt entweder in den
Geschäftsräumen oder zu
Hause bei den Hilfesuchenden. Die erste Beratung ist
kostenlos, und weitere Beratungen schlägt der Verein vor,
wenn er die Erfolgsaussichten
positiv bewertet. Diese werden in Rechnung gestellt. Das
Vergütungssystem wird im
Erstgespräch erläutert. Wenn
man eine Leistungsverbesserung über lange Zeit mit den
anfallenden Beratungskosten
vergleicht, so Andrea Zelesnik, sind die berechneten
Beträge angemessen.
Kontaktmöglichkeiten:
Andrea Zelesnik - Geschäftsführung ProPatient e.V.
Königstieg 4, 38118 Braunschweig
Telefon: 0531 / 30 29 25 70
Telefax: 0531 / 30 29 25 72
Mobil: 0172 / 41 71 25 9
E-Mail:
aktiv@pro-patient.infoInternet
www.pro-patient.info
Das Seniorenbüro der
Stadt Braunschweig gibt
folgende Termine bekannt.
1. Dankeschön-Veranstaltung am 21.11., 17 Uhr in
der Stadthalle
2. Weihnachtliche Konzerte vom 8.12. bis 12.12.
Seniorenrat Braunschweig
Kleine Burg 14
(gegenüber den Stiftsherrenhäusern)
38100 Braunschweig
Telefon 470-8215
Information und Beratung
jeden Freitag von 10 bis 12 Uhr
Keine Rechtsberatung
3
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Serviceangebote für Senioren
Von Elke Brümmer
Jeder Mensch möchte sein
Leben bis ins hohe Alter aktiv
und selbstständig gestalten.
Jeder braucht jedoch irgendwann Hilfe, sei es im Alter,
aufgrund von Krankheit oder
einer Behinderung. Wohlfahrtsverbände, u. a. Caritasverband, Diakonisches Werk
oder Arbeiterwohlfahrt und
verschiedene Hilfsgemeinschaften wie das Deutsche
Rote Kreuz (DRK), kümmern
sich um die Belange von Hilfesuchenden. Carola Mette
vom Vorstand des DRK
Kreisverband
Braunschweig–Salzgitter
gab
während einer Sitzung des
Seniorenrates im Juni dieses
Jahres einen Überblick über
die vielfältigen Serviceangebote für Senioren, wie zum
Beispiel:
Begegnungsstätte Am Wasserturm, Hochstr. 13, 38102
Braunschweig,
Tel. 0531–8011070, Sprechzeiten: Mo. 14 – 16 Uhr, Mittwoch 9 – 12.30 Uhr,
Ansprechpartnerin: Regina
Wollgramm,
Internet:
www.drk-braunschweig-salzgitter.de/sozialarbeit, E-Mail:
begegnungsstaette@drk-kvbs-sz.de
Jüngere und ältere Seniorinnen und Senioren treffen sich
u. a. dort zu Sprach-, Kreativund Handykursen, zum Gedächtnistraining und zu Gymnastik. Auch die Mitglieder
des Seniorenkreises „Am
Wasserturm“ beteiligen sich
hier an verschiedenen Aktivitäten. In der Begegnungsstätte befindet sich das Büro
der DRK-Nachbarschaftshilfe mit einem umfassenden
Beratungs- und Vermittlungsangebot für Ältere, die nicht
mehr in der Lage sind,
bestimmte Verrichtungen im
Haushalt oder Einkäufe zu
erledigen. Zur Entlastung von
pflegenden Angehörigen wird
eine Einzel- bzw. Gruppenbe-
treuung angeboten. Pflegeleistungen werden nicht erbracht.
Wohnberatung (und Musterwohnung) Hallestr. 54,
38124 Braunschweig, Tel.
0531–7998811, Bürozeiten:
Di. 14 – 16 Uhr, Do. 9 – 12
Uhr. Ansprechpartnerin: Ulrike
Kallnischkies-Thiel,
E-Mail: wohnberatung-braunschweig@drk-kv-bs-sz.de.
Das Braunschweiger Journal
hat bereits mehrfach über die
kostenfreie Beratung des
alten- bzw. behindertengerechten Wohnens berichtet,
zuletzt in der Ausgabe April
2014 „Zuhause beweglich
bleiben mit dem Haus-Rollator“.
Sozialstation Am Queckenberg 1a, 38120 Braunschweig, Ansprechpartnerinnen: Annette Kern, Sozialarbeiterin, Tel. 0531–2844056,
E-Mail: a.kern@drk-kv-bssz.de, Silke Rienkens, Pflegedienstleitung,
Tel. 0531–2862250, E-Mail:
pdl-bs@drk-kv-bs-sz-pflege.de
In der Sozialstation werden
Älteren, Kranken oder Pflegebedürftigen aus den Stadtteilen Broitzem, Timmerlah,
Rüningen, Geitelde, Stiddien
und der Weststadt Hilfsangebote, ggfs. im eigenen Zuhause, gemacht, wenn sie sich
nicht mehr allein versorgen
können. Dazu gehören: häusliche Alten-, Kranken-, Behandlungs- und Verhinderungspflege, Unterstützung
bei der Beschaffung von
Hilfsmitteln
sowie
bei
Antragstellungen, Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten von Pflege und
weiterer sozialer Dienste,
Beratung über ambulante und
stationäre Hilfsangebote und
vieles mehr. Ziel der Sozialarbeit ist es, die Eigenständigkeit der Betroffenen zu erhalten und mit der ambulanten
Altenhilfe eine adäquate Versorgung zu ermöglichen.
DRK Seniorenheim Steinbrecherstraße 5, 38102
Braunschweig, Heimleiterin:
Mandy Stephan, Pflegedienstleiterin: Sarah Pescht,
Tel. 0531–3139130, E-Mail:
seniorenheim@drk-bs-szpflege.de, Internet: www.drkbs-sz-pflege.de
Das Seniorenheim bietet 68
hochaltrigen Menschen, von
denen mehr als die Hälfte
dementiell erkrankt ist, vollstationäre Langzeit-, Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in allen Pflegestufen. In
dem beschützenden Wohnbereich in einem separaten
ebenerdigen Gebäude auf
dem Grundstück leben 15
schwerst-dementiell Erkrankte in zwei Wohngruppen mit
familiärem Charakter. Die
Bewohner können sich,
soweit sie in der Lage und
bereit sind, in alle hauswirtschaftlichen Tätigkeiten einbringen. In der Pflegeoase im
Obergeschoss gibt es einen
großen Gemeinschaftsraum,
in den Bettlägerige mit ihren
Betten gefahren werden können. Dieses zusätzliche Pflegeangebot ist für immobile
Menschen mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit
vorgesehen, die Nähe und
Gemeinschaft erleben wollen.
Welfenplatz - Braunschweig
Tel.: 0531 / 262 11 70
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auf Wunsch
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Fehlkauf
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Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.
Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2014
4
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Kennen Sie Herrn Luder?
Text und Foto: Gerhard Hühne
Er wurde in Eisleben geboren.
Geburts- und Taufregister gibt
es nicht. Seine Mutter Margarete erinnerte sich hochbetagt,
dass es am 10. November gewesen sein müsse, denn die
Taufe sei einen Tag später, am
Tag des heiligen Martin von
Tours, gewesen. Das Jahr hatte
sie aber vergessen. Sohn Martin gab später 1484 an, die
Forschung, die sich auf Schriften seines ersten Biografen
Melanchthon stützt, bestätigt
aber 1483 als Geburtsjahr.
Als Bergwerksbetreiber erkannte der Vater Hans den
steigenden Bedarf an Juristen
und lenkte die Ausbildung seines Sohnes auf ein Jurastudium. Zu seinem Unverständnis
brach der Sohn jedoch nach
kurzer Zeit das Jurastudium
mit der Begründung ab, dass
er bei einem starken Gewitter
aus Todesangst der heiligen
Anna gelobt hätte, künftig
Mönch zu werden. Als Augustiner-Bettelmönch machte er
innerhalb und außerhalb des
Klosters Karriere: Vom Novizen zum Priester und Prior in
der Klosterverwaltung und
nach dem Theologiestudium
zum Doktor und Professor an
der Universität und Prediger
in der Stadtkirche in Wittenberg.
Zu kirchlichen Zeremonien,
wie z.B. Abendmahlsfeiern,
trug er Messgewänder. Wenn
er aber predigte, trug er den
schwarzen Rock der damaligen theologischen Universitätsprofessoren.
Der
schwarze Talar ist entsprechend diesem Vorbild nach der
Reformation zur Amtstracht
protestantischer Pfarrer geworden.
Marktplatz mit Rathaus und eingerüsteter Stadtkirche
Die Türen der Schlosskirche
dienten damals als Schwarzes
Brett für Vorlesungsankündigungen und Studenteninformationen. Hier beginnt die
Legende von den lauten Hammerschlägen, mit denen er am
31. Oktober 1517 95 Thesen
an die Kirchentür nagelte. Gesichert ist, dass er an diesem
Tage einen Brief an seinen
Vorgesetzten schrieb und die
Thesen als Diskussionsgrundlage beifügte. Mit diesen Thesen wurde der Reformationsprozess eingeleitet, in dessen
Verlauf Professor Doktor
Luder seinen Nachnamen in
Luther änderte und damit, entsprechend dem griechischen
Wort „eleutheros“ („Befreiter“, „frei“), zum Ausdruck
bringen wollte, dass er frei von
alten Auffassungen war.
Wittenberg bereitet sich auf
die 500ste Wiederkehr des
Thesenanschlags von 1517
vor. Der Besucher steht deshalb zur Zeit vor geschlosse-
nen und eingerüsteten Lutherstätten, wie Kirchen und
Schloss.
Man kann aber den Spuren der
Cranach-Familie nachgehen,
die durch den Druck der ersten
Bibeln und deren Illustration
reich geworden ist, oder sich
am Marktplatz und in der
Fußgängerzone mit offenen
Bachläufen und vielen Cafés
erfreuen oder sich die historische Wasserversorgung zeigen
lassen, mit der jeder Bürger in
Portionen so viel Wasser zugeteilt bekam, dass ein 10-Litereimer in 4 Minuten gefüllt
wurde. Abnehmern, die nicht
bezahlten, wurde „der Hahn
abgedreht“. Beim Rundgang
werden Erinnerungen an die
Braunschweiger Pipenbrüder
wach.
In den Medien werden wir bis
2017 noch viele Einzelheiten
und Meinungen zum Thema
Luther und Reformation lesen
und hören können.
Einen innerlich freien Menschen
und gewissenhaften Menschen
kann man zwar vernichten, aber nicht zum
Sklaven oder zum blinden Werkzeug machen.
Albert Einstein
(1879 – 1955)
5
Braunschweiger Journal
Luther von
Braunschweig
Ausgabe 5/2014
Foto: H. Wilkes
Von Helmut Wenzel
Nicht nur Eisleben, sondern
auch Braunschweig hat seinen
„Luther“! Luther von Braunschweig ist der Ältere der beiden berühmten Namensträger.
Er wurde um 1275 geboren.
Martin Luther kam erst 1483
zur Welt.
Der Brauschweiger Luther
war der Sohn Herzog Albrechts zu BraunschweigLüneburg (1236 – 1279), der
Lange genannt, und der Bruder von Albrecht II., als der
„Fette“ bezeichnet. Über die
körperlichen Maße des späteren Hochmeisters des Deutschen Ordens ist nichts nachlesbar.
Luther von Braunschweigs
Spuren beginnen 1295 in Ostpreußen. Zwischen 1308 und
1312 war er Komtur von Gollub im Kulmer Land an der
Drezwenz und bekleidete somit ein Amt innerhalb eines
geistlichen Ritterordens. Ein
Jahr später wechselte er zur
Marienburg und kurz darauf
als oberster Trappier, als
oberster Verwalter des Deutschen Ordens nach Christburg, einer Kompturei (einem
Verwaltungsbezirk) im Siedlungsgebiet der Preußen.
Diese erstreckte sich damals
von Süden entlang dem Ufer
der Weichsel bzw. der Küste
des Frischen Haffes. In diesem
Gebiet gründete Luther einige
Dörfer und teilte ältere Siedlungen neu auf.
Im Jahr 1326 entstand gemäß
Luthers Instruktion die Stadt
Gilgenburg.
Christburg,
Deutsch Eylau und Saalfeld
erhielten aufgrund seiner
Initiativen verbesserten Rückhalt. Durch den Zusammenschluss einiger Gebiete gründete Luther den Kreis Osterode in Ostpreußen im Regierungsbezirk Königsberg.
Luther von Braunschweig
wurde am 17. Februar 1331
zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt. Aufgrund Luthers Unterstützung
konnte der Königsberger
Dom, der sich auf seinem Territorium befand, 1333 vollendet werden. Auch die Marienburg wurde weiter ausgebaut.
Hier entstand die St. Annenkapelle, die Krypta „für die
sterblichen Überreste der
Hochmeister.“ Luther wurde
allerdings nicht hier, sondern
im Königsberger Dom bestattet. Sein Grab blieb bis zum
Zweiten Weltkrieg erhalten.
Luther von Braunschweig gilt
als einer der bedeutendsten
Hochmeister. Er machte sich
nicht nur um die Erschließung
und Besiedelung seines Landes verdient, sondern förderte
auch die Religion und Dichtkunst. Seine Dichtung über die
Heilige Barbara ging leider
verloren.
Das ewige Wort
wird nur in
der Stille laut.
Meister Eckehart
(um 1260 – 1327)
Das AWO Wohn- und Pflegeheim Querum feierte im
Juli seinen 60. Geburtstag in
einem Altenheim, das in
Braunschweig
mehrfach
Maßstäbe gesetzt hat. Dieses
Haus hat eine bewegte Zeit
hinter sich, aber auch vor
sich: Denn heute erfüllt es
höchste Qualitätsansprüche;
und um diesen hohen Standard zu halten und in der
Zukunft immer wieder an
neue Bedingungen optimal
anzupassen, dafür werden
sich alle Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter mit ihrer
Arbeit tagtäglich einsetzen.
Auf dem Erinnerungsfoto
sehen Sie von links nach
rechts:
Bürgermeisterin
Annegret Ihbe, Wilhelm
Schmidt (Präsidiumspräsident des AWO-Bundesverbandes), Katja-Maria Staroste (Heimleiterin), Cornelia
Seiffert (stellv. Präsidiumsvorsitzende des AWO
Bezirksverbandes Braunschweig und Ratsfrau), Rifat
Fersahoglu-Weber
(Vorstandsvorsitzender
des
AWO-Bezirksverbandes
Braunschweig), Jörg Röhmann (Staatssekretär im
Nieders. Sozialministerium), Gabriele Siebert-Paul
(Präsidiumsvorsitzende des
AWO-Bezirksverbandes
Braunschweig) und KlausPeter Bachmann (Vizepräsident des Nieders. Landtags).
Bevenroder Straße 128
38108 BS-Querum
Telefon: 0531 2141765
Öffnungszeiten
Mo–Sa
10–13 Uhr
Mo– Fr
15–18 Uhr
6
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Acht Montage in Leipzig -
Aus dem Tagebuch
über eine Revolution
Text und Foto: Dieter Seppelt
Seit September 1982 gibt es
das wöchentliche Friedensgebet in der Nikolaikirche in
Leipzig. Seit 1987 gesellte sich
zu diesem Friedensgebet auch
der von Pfarrer Christian Führer gebildete Diskussions- und
Gebetskreis „Hoffnung für
Ausreisewillige“, was natürlich den Sicherheitsbehörden der DDR nicht verborgen
blieb. Seit dem 8. Mai 1989
wurden deshalb die Zufahrtsstraßen zur Nikolaikirche
durch die Polizei kontrolliert
und blockiert. Später wurden
auch die Zufahrtsstraßen und
Autobahnabfahrten nach Leipzig großräumig unter Kontrolle gehalten bzw. für die Zeit
des Friedensgebetes gesperrt.
Die staatlichen Behörden verstärkten ihren Druck, die Friedensgebete abzusetzen oder
wenigstens von der Nikolaikirche weg an den Stadtrand zu
verlegen. Dennoch kamen
Woche für Woche immer mehr
Besucher, bis die 2000 Plätze
der Kirche nicht mehr ausreichten.
Am 4. September 1989 fand,
im Anschluss an das montägliche Friedensgebet, die erste
Montagsdemonstration mit
etwa 1200 Menschen statt.
Ausreisewillige Demonstranten skandierten: „Wir wollen
raus!“ Aber es marschierten
auch diejenigen mit, die nicht
ausreisen wollten, sondern die
in diesem Land etwas zu
ändern versuchten.
Der Termin für die erste Montagsdemo war geschickt gewählt. Auf Grund der Leipziger Frühjahrsmesse waren
viele westliche Journalisten in
der Stadt. Vor den Fernsehkameras und Fotoapparaten der
Westmedien entrollten etwa
1000 Demonstranten ihre
Transparente und hielten diese
unter dem großen Jubel der
Anwesenden hoch. Aber schon
nach fünf Minuten kam die
Stasi und riss sie ihnen aus den
Händen.
Die Demonstranten reagierten
auf diese Übergriffe der Staatssicherheit zum erstem Mal mit
„Stasi raus!“-Rufen.
11. September: Erneutes Friedensgebet in der Nikolaikirche. Die Volkspolizei sperrt
den Nicolaikirchhof ab, um
eine Demonstration zu verhindern. Zahlreiche Menschen
werden verhaftet.
18. September: Hunderte von
Demonstranten gehen in Leipzig wieder im Anschluss an
das Friedensgebet auf die
Straße. „Wir bleiben hier!“,
lauten die Sprechchöre und
nicht mehr wie in den zurückliegenden Wochen: „Wir wollen raus!“
25. September: Auf der Montagsdemonstration
fordern
5.000 bis 8.000 Demonstranten demokratische Reformen.
Die Ausreisewilligen unter den
Demonstranten sind jetzt zur
Minderheit geworden.
2. Oktober: Montagsdemonstration mit bis zu 20.000 Teilnehmern. Die Losungen lauten
unter anderem: „Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit“,
„Wir bleiben hier“, oder
„Gorbi, Gorbi“. Am Ende
greift die Volkspolizei ein. Es
gibt Verletzte und 20 „Zuführungen“. Zum ersten Mal
wurde bei dieser Demonstration „Wir sind das Volk“ gerufen, und zwar gerichtet an die
Volkspolizei.
6./7. Oktober 1989: „Ich war
entsetzt. Drei Stunden unterhielt ich mich mit ihm. Und er
fuhr fort, mich von den mächtigen Errungenschaften der
DDR überzeugen zu wollen.
Die DDR war bankrott, aber
Honecker versuchte, mich für
dumm zu verkaufen“, sagte
Dieses von Jugendlichen der Nikolaigemeinde gestaltete
und gefertigte Schild warb in und vor der Kirche für die Friedensgebete.
Michail Gorbatschow über
eine seiner Begegnungen mit
Erich Honecker. In einem
spontanen Interview an der
Ost-Berliner Neuen Wache
äußerte Michail Gorbatschow: „Gefahren warten nur
auf jene, die nicht auf das
Leben reagieren!“ Vor dem
SED-Politbüro variiert er diesen Satz: „Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben
sofort.“ Nicht Gorbatschow,
sondern sein Pressesprecher
Gerassimow, macht daraus am
Abend „Wer zu spät kommt,
den bestraft das Leben!“
9. Oktober: „Tag der Entscheidung“ in Leipzig. 70.000
Menschen
demonstrieren
friedlich für Reformen. Die
unerwartet große Zahl der
Demonstranten lässt die
Sicherheitsorgane resignieren.
Auch in Halle und in Magdeburg beteiligen sich mehrere
tausend Menschen an Demonstrationen.
16. Oktober: Mehr als
100.000 Menschen demonstrieren in Leipzig. Sie fordern
die Zulassung des Neuen
Forum, freie Wahlen sowie
Reise-, Presse- und Meinungsfreiheit. Auch parallele Demonstrationen mit rund 10.000
Teilnehmern in Dresden und
Magdeburg, 5.000 in Halle
und 3.000 in Berlin verlaufen
friedlich.
17./18. Oktober: Ein erbitterter Machtkampf im SED-Politbüro endet mit dem Sturz Erich
Honeckers, der gezwungen
wird, seinen Abgang im SEDZentralkomitee
mit
gesundheitlichen Gründen zu
erklären. Egon Krenz wird
neuer SED-Generalsekretär.
23. Oktober: 300.000 Menschen demonstrieren in Leipzig, Zehntausende in Magdeburg, Dresden, Schwerin,
Zwickau, Halle, Stralsund und
Berlin sowie bereits an den
Vortagen in Plauen und
Rostock.
9. November 1989 (Donnerstag)
09.00: Vier Offiziere des
Ministeriums des Innern und
der Staatssicherheit kommen
im Innenministerium zusammen, um im Auftrag des Politbüros eine neue Ausreiseregelung zu entwerfen.
18.00: Beginn einer vom
DDR-Fernsehen und Hörfunk
live übertragenen, internationalen Pressekonferenz von
Günter Schabowski. Er gibt
die neue Reiseregelung bekannt. Auf die Nachfrage eines
Journalisten, wann die Regelung in Kraft treten soll, antwortet Schabowski: „Ab sofort
- unverzüglich!“
20.00: Die „Tagesschau“ der
ARD meldet: „DDR öffnet
Grenze“.
7
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
„1914 ... Schrecklich
kriegerische Zeiten“
Text: Wibke Ihlenburg-Dreessen • Foto: Klaus Ihlenburg
Was erinnert uns heute noch an
den 1. Weltkrieg? Meine Großmutter musste in der Kriegszeit
unter schwierigen Bedingungen
drei kleine Kinder versorgen,
davon wurde in unserer Familie
manchmal erzählt. Mein Großvater trug seine Taschenuhr an einer
eisernen Uhrkette, die er bei der
Aktion „Gold gab ich für Eisen“
gegen eine goldene eingetauscht
hatte. Später erfuhr ich durch
Bücher, Filme und Museen mehr
über die „Urkatastrophe des 20.
Jahrhunderts“.
Aber schon als Kind habe ich
große Denkmale für die Toten
des 1. Weltkrieges kennen gelernt, denn wir wohnten Anfang
der 1950er Jahre in Kiel. Dort
imponiert am Ostufer der Kieler
Förde das „Marineehrenmal“ in
Laboe mit 72 m Höhe (Bauzeit
von 1927 bis 1936). Etwas näher
an Kiel steht in Möltenort auch
am Ostufer das „U-Boot-Denkmal“: Ein 15,5 m hoher Pfeiler,
auf dem ein 4,5 m großer Adler
seine Flügel ausbreitet (1930 eingeweiht, 1938 wegen Bauschäden erneuert und mit Hakenkreuz
versehen). Nur das „SeesoldatenDenkmal“, an dem wir auf unserem Weg zum Dampferanleger
„Bellevue“ am Westufer der
Förde immer vorbei kamen,
wurde noch vor der Nazizeit ganz
fertig (1931 in Form einer ca. 10
m hohen Stele aus Werkstein
errichtet).
In Deutschland gibt es nur in Kiel
so viele monumentale Denkmale
für den 1. Weltkrieg. Sonst stehen
in der Regel auf den Friedhöfen
oder in den Ortskernen eher kleinere Ehrenmale mit Namenstafeln der gefallenen Soldaten, die
oft im 2. Weltkrieg entsprechend
ergänzt worden sind. Das meist
wenig monumentale Erschei-
Erster-Weltkrieg-Museum auf den Schlachtfeldern von Verdun
nungsbild hängt vielleicht damit
zusammen, dass die großen
Schlachtfelder des 1. Weltkrieges
außerhalb von Deutschland zu
suchen sind. An diesen Orten findet man außer großen Soldatenfriedhöfen auch monumentale
Bauten zum Andenken an die
Toten dieses Krieges. Ein Beispiel ist Verdun, wo ein riesiges
Areal als Schutzgebiet zur Erinnerung an die Schlachten erhalten wird. Ein großes langgestrecktes Gebäude mit hohem
Turm in der Mitte hat die Gebeine der nicht identifizierten Soldaten aufgenommen. In der Nähe
davon steht ein Museum zum
Gedenken der Geschichte des
Krieges (siehe Foto). Monumentale Gedenkstätten haben auch
die Italiener in Südtirol gebaut,
wo sie im Gebirge gegen die
Österreicher kämpften. Selbst im
australischen Melbourne ist ein
großes Monument geschaffen
worden, das an die vielen Australier erinnert, die ihr Leben im
Dienst der britischen Armee im 1.
Weltkrieg verloren haben.
Solche monumentalen Bauten
stehen möglicherweise auch
damit in Verbindung, dass dieser
Krieg in Großbritannien als
„Great War“ und in Frankreich
als „Grande Guerre“, also als
„Großer Krieg“ bezeichnet wird,
während er bei uns einfach „1.
Weltkrieg“ heißt. Die Deutschen
haben wohl deshalb weniger
monumentale Ehrenmale erbaut
und den Krieg nüchterner benannt, weil sie letztlich die Verlierer waren.
8
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
„Panther & Löwe, Braunschweig die
Fahrradstadt“ …
… ist der Titel der neuen Ausstellung im Altstadtrathaus, die vom 12. Oktober 2014 bis zum 18. Januar 2015 gezeigt wird.
Text: Wibke Ihlenburg-Dreessen • Foto: Peter Bouss, gemeinfrei, nach Wikipedia
Heinrich Büssing war einer
der Ersten, die in Braunschweig 1868 mit dem Bau
von Fahrrädern begannen.
Drahtspeichenräder, Kettenantrieb, Luftbereifung und
Freilauf kamen später hinzu,
so fahren wir im Prinzip noch
heute.
Die berühmten Braunschweiger „Pantherwerke“ gab es in
der Ludwigstraße seit 1907
unter diesem Namen. Sie
waren bis zu ihrem Ende im
Jahre 1963 einer der größeren
Fahrradhersteller in Deutschland. Dazu gehörte auch der
Radfahrerverein „R. V. Panther von 1911“.
In diesem Zusammenhang
können wir berichten, dass
unser langjähriges Redakti-
onsmitglied Brigitte Klesczewski ihre Radtouren in das
Grenzgebiet zwischen Polen
und Vorpommern, von denen
sie im Braunschweiger Journal jährlich spannend erzählt,
stets mit einem „Panther“Fahrrad aus den 1930er Jahren unternimmt, das sie 1961
für fünf DM gebraucht gekauft hat. Der Panther auf dem
Schutzblech des Vorderrades
ist ihr allerdings gestohlen
worden. Diese Figur ist für
Sammler ebenso interessant
wie der Mercedes-Stern bei
Autos.
Im Jahre 1817, rund 50 Jahre
vor den Büssing-Fahrrädern,
stellte der Forstbeamte Karl
Drais eine Laufmaschine mit
zwei Rädern vor („Draisine“),
Die Zeichnung eines Fahrrades in den Aufzeichnungen von
Leonardo da Vinci (1455–1519).
die als ältestes lenkbares Fahrrad gilt.
Aber noch viel älter ist das
Fahrrad von Leonardo da
Vinci (1452 – 1519), das wir
in der Nähe von Florenz, in
Vinci, dem Geburtsort von
Leonardo, 2011 im Museum
fanden: Der Nachbau eines
Holz-Fahrrades mit Pedalen
und Kettenantrieb, angefertigt
nach einer Zeichnung in Leonardos Unterlagen (siehe Abbildung). Eine Sensation!
Schon im 16. Jahrhundert war
das Fahrrad erfunden!
Inzwischen haben wir uns
jedoch darüber informiert,
dass dieser Fahrrad-Entwurf,
der 1974 bei der Restaurie-
rung von Leonardos Codex
Atlanticus entdeckt worden
ist, bei der Mehrheit der Forscher als Fälschung gilt, weil
dieser Codex bereits in den
1960er Jahren genau untersucht wurde, ohne dass die
Zeichnung eines Fahrrades
aufgetaucht wäre.
Die Ausstellung im Altstadtrathaus informiert nicht nur
über die technischen Details
der Fahrradentwicklung, sondern auch über die gesellschaftlichen Zusammenhänge. Dazu gehören z.B. heutige Interessengruppen wie der
Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC und das
Braunschweiger Forum.
Kindermund
Unbekanntes Pflaumenmus
Auf einem Kindergartensommerfest in Leipzig ist das
Kuchenangebot riesengroß.
Ein Bäcker hatte sogar Berliner Pfannkuchen mit unterschiedlichen Füllungen spendiert.
Als Ida am Kuchenbüfett
steht, überlegt sie lange, welches Kuchenstück sie wählen
sollte. Schließlich entschließt
sie sich zu einem dicken, glänzenden Berliner, beißt hinein
und guckt entsetzt auf das
Pflaumenmus, das schon beim
ersten Biss zu sehen ist. Aufgeregt rennt sie zu einer Kindergärtnerin, zeigt den Berliner vor und sagt: „Verfaulte
Pfannkuchen kann ich nicht
essen.“
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Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Ein Wochenende nur
Text und Foto: Dirk Israel
Kleine Kinder sind sehr lebhaft und aktiv. Sie fahren Roller, spielen im Sandkasten,
schaukeln oder fahren auch
schon mal Rad - Laufrad vornehmlich. Das sind die kleinen Flitzer, die es in meiner
Kindheit noch nicht gab. Sie
haben den unbestreitbaren
Vorteil, mindestens zwei der
körperlichen
Fähigkeiten
enorm zu trainieren: das Gefühl für Fortbewegung/Geschwindigkeit, auch ohne zu
laufen, und das Gleichgewicht. Ein Wohlgefühl bereitet es den Kleinen sicher auch,
ihren Fortbewegungsdrang
auszuleben und hin und wieder, aber immer öfter den
Eltern und älteren Eltern auszubüchsen. Dieses Training
hatte mein Enkel, nennen wir
ihn Emil, schon hinter sich,
machte aber zu mehr keine
Anstalten. Weil er aber aufgeweckt und interessiert ist, bot
ich ihm geradeheraus an,
Fahrradfahren mit ihm zu
üben. Das Kinderfahrrad seines älteren Bruders hatte gerade die richtige Größe für
Emil, und das Abenteuer
begann: Hut auf (Helm), Bein
rüber (das konnte er schon
gut), auf gehts! (das nicht
ganz so gut). Ich musste ihn
ein wenig festhalten, denn das
Treten klappte noch nicht.
„Du musst die Füße auf die
Pedale setzen und feste
drücken“, gab ich Emil zu
verstehen. Leichter gesagt als
getan. Füße aufs Pedal ja, aber
dort blieben sie nicht. Sie verrutschten, rutschten ab oder
drehten die Kurbel auch mal
nach hinten, was bei einem
Rücktritt ja bekanntlich zum
Bremsen führt. Ich war neben
ihm, hielt ihn am Arm fest,
und so konnten wir nach und
nach die Feinheiten verbessern. Lange dauerte es auch
nicht, und Emil konnte die
ersten Meter alleine fahren.
Dabei kam ihm ganz offen-
sichtlich die Vorarbeit mit
dem Laufrad zugute, denn mit
dem Gleichgewicht hatte er
die wenigsten Probleme. Mit
Emils Verbesserungen beim
Radfahren kam auch die
Anstrengung für den Opa:
Mitlaufen war angesagt, denn
Emils Fahrlinie glich doch
eher einem Rechts- und
Linkskurs. Treten, bremsen,
aufsteigen, anfahren. Emil
machte gute Fortschritte, und
seine Begeisterung wuchs.
Dazu trug auch bei, dass eine
ältere Passantin Emil mit den
Worten lobte: „Das kannst du
aber gut. Du fährst schon wie
ein Großer.“ Sein Schmunzeln
und seine Freude waren unverkennbar, als er die Formulierung mir gegenüber wiederholte.
Nach einer kurzen Pause hieß
es dann auch schon wieder:
„Können wir jetzt nochmal
fahren?“ Und so reihte sich
eine Übung an die andere. Ich
weiß nicht mehr, wie oft wir
die Runde ums Viertel gefahren und gelaufen sind. Herausgekommen ist, dass Donnerstag, Freitag und das an-
schließende Wochenende eingeschlossen für Emil ausreichten, Fahrradfahren zu
lernen und eine halbwegs
sichere Fahrweise zu beherrschen. Die nötige Verkehrssicherheit muss erst noch wachsen, aber bei dem Eifer wird er
auch das Kapitel bald abhaken
und mir dann davonfahren. So
macht Opasein Spaß!
Ach ja, am Montag früh schon
hieß es: „Können wir heute
mit dem Fahrrad in den Kindergarten fahren?“ Natürlich!
Wir machten uns beide mit
dem Fahrrad auf den Weg,
und Emil war stolz wie Bolle.
Das Braunschweiger Journal
finden Sie im Internet unter:
www.braunschweiger-journal.de
Di., Mi. und Do. von
10 – 17 Uhr
und nach Vereinbarung
Braunschweiger Journal
10
Ausgabe 5/2014
Das Paläon - Teil1: Das Museum
Text: Wilbert Vogel • Foto: Dieter Seppelt
Viel ist geschrieben worden
über die Schöninger Speere;
einmal zu einer Sonderausstellung in Braunschweig und
jetzt zur Erföffnung eines
eigenen Museums, dem Paläon in Schöningen am Elm,
dem Fundort vieler Ausstellungsstücke.
Es sind eben nicht nur ein paar
dreihunderttausend Jahre alte
Holzspeere, die dort ausgestellt werden. Ein wissenschaftlich begründetes und
pädagogisch ausgefeiltes Projekt ist in einem futuristisch
anmutenden Gebäude untergebracht.
An Hand von Knochenfunden
einschließlich kompletter gut
erhaltener Schädel, von Werkzeugen aus Stein und Hinweisen auf Feuerstellen wird das
Leben und Jagen von vor dreihunderttausend Jahren exemplarisch dargestellt.
Nach einer Zeit der Betrachtung nimmt einen der dargestellte Lebensraum mit seinem
sozialen und materiellen Umfeld gefangen, und ganz lang-
sam entsteht im Kopf ein plastisches Bild von dem Leben
der damaligen Zeit.
Die Entwicklung des menschlichen Kopfes über die Jahrtausende wird an zum Teil
künstlich hergestellten Exemplaren von Schädeln dargestellt, eine Entwicklung die
durch Spiegelung des Kopfes
des Betrachters sehr plastisch
den Abschluss bildet.
Und, wenn man dann die Tiere
sieht, die durch den Menschen
damals gejagt wurden, und die
Tiere, die für den Menschen
sehr gefährlich waren, dann
wird dem Betrachter klar, wie
unwirtlich und düster das
Leben in der Schöninger Gegend war und welche Leistung
es bedeutete, damals zu überleben.
Alle Funde sind im alten
Braunkohletagewerk in Schöningen ausgegraben worden,
aber die Bemühungen um weitere Funde gehen mit wissenschaftlicher Begleitung weiter.
Alles in allem eine Ausstel-
Paläon Schöningen. Thomas Neubert, Marketing und Vertrieb, führt Wilbert Vogel durch das Besucher-Labor.
lung, die es so sonst nirgends
gibt, die alte wissenschaftliche
Hypothesen vom Leben und
dem sozialen Umfeld des
homo heidelbergensis präzisiert und zeigt, dass die Menschen damals schon gezielt
kommunizierten.
Das alles in einem klar geglie-
derten neuen Museum inmitten einer Landschaft, die langsam die Form der damaligen
Zeit annimmt. Es lohnt sich!
Einen Nachteil gibt es: leider
kann man nur mit dem eigenen
Fahrzeug hinfahren.
Liebe Leserin, lieber
Leser,
bitte berücksichtigen
Sie bei Ihren
Kaufentscheidungen
unsere Inserenten!
Braunschweiger Journal
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Ausgabe 5/2014
Gutes tun mit Herz und Hand
Text und Foto: Christel Mertens
Nun sind sie wieder gen
Süden geflogen. Das Nest auf
dem Taubenturm im Klosterhof muss bis zum nächsten
Frühjahr warten, dann kommen Storch Adebar und seine
Partnerin zurück nach Dambeck, um wieder eine Familie
zu gründen. Sie werden wie in
all den Jahren zuvor das
Leben von Mensch und Tier
im Kloster klappernd begleiten.
Die Menschen, das sind Prior
Bruder Jens und zwei weitere
evangelische Mönche der Joseph-Bruderschaft, die 1991
vom ihrem Stammkloster in
Hannover ausgesandt wurden,
um in Kloster Dambeck (bei
Salzwedel) gemäß der benediktinischen Ordensregel „bete und arbeite“ zu leben und
zu wirken.
Und Arbeit gab es genug,
denn was die Brüder vorfanden, war ein zwar kulturhistorisch bedeutsames Baudenkmal, das sich jedoch in beklagenswertem Zustand befand
und in einzelnen Bereichen
bereits dem Verfall preisgegeben war. Selbst heute, nach
mehr als 20 Jahren Erhaltungsarbeit an den Klostergebäuden, bleibt noch unendlich
viel zu tun. Eigentlich bestünde Anlass zur Sorge, dass Verzweiflung um sich greifen
könnte angesichts der vielfältigen Aufgaben, die mit nur
geringen finanziellen Mitteln
bewältigt werden müssen.
Aber, von Verzweiflung weit
entfernt, blicken die Brüder
hoffnungsfroh in die Zukunft.
Ihr Glaube und die täglichen
Gebete vor den Mahlzeiten
geben ihnen Kraft und Stärke,
ihren Auftrag weiter zu erfüllen. Außerdem sind sie dankbar für das bisher schon
Erreichte. Es ist ihnen gelungen, ohne nennenswerte
finanzielle
Unterstützung
(2011 jeweils ca 50.000 € vom
Land Sachsen-Anhalt und der
Historie von
Kloster Dambeck
Deutschen Stiftung Denkmalschutz) in Eigenleistung das
Dach der Klosterkirche neu zu
decken sowie Pilgerherberge
und Hospital herzurichten.
Dieser so genannte Ostflügel
bietet nun Platz für Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen. Zurzeit wird die 700
Jahre alte Propstei baulich
gesichert und das Dach denkmalgerecht gedeckt.
Im Gespräch macht Bruder
Jens deutlich, dass ihm zwar
die Bausubstanz des Klosters
am Herzen liege, diese aber
letztlich dienende Funktion
im Sinne christlicher Nächstenliebe habe, die allen im
Kloster
aufgenommenen
Menschen entgegen gebracht
werde. Hilfsbedürftige klopfen nicht vergebens an, sondern seien eingeladen, am Leben und Arbeiten in Kloster
Dambeck teilzunehmen.
So fanden im Laufe von 10
Jahren circa 2000 strahlengeschädigte Kinder aus Tschernobyl Aufnahme und konnten
sich für mehrere Wochen erholen. Durchgeführt und finanziert wurde das auch logistisch anspruchsvolle Unternehmen von den Brüdern
allein mit privaten Spenden.
Hilfreich für die Grundversorgung so vieler Gäste war die
klostereigene Bio-Landwirtschaft.
Und hier sind wir bei der
zweiten Gruppe, die Adebar in
jedem Jahr begleitet, die
Tiere. Die Brüder betreiben
Bio-Landwirtschaft. Dafür
konnten sie bereits vorhandene Stallungen sowie Lagerräume nutzen. Heute tummeln
sich Kühe, Schafe, Ziegen
und Schweine auf dem Klostergelände, ernähren sich von
Bio-Futter und liefern den
Menschen gesunde Nahrungsmittel. So schließt sich
der Kreis des Miteinanders
von Mensch und Tier.
Stets schaut Adebar vor dem
Abflug noch einmal vom Taubenturm auf den Bibelgarten,
den die Brüder liebevoll im
Klosterhof angelegt haben,
und klappert zufrieden in den
Abendhimmel. Welche Veränderungen wird er wohl im
nächsten Jahr vorfinden?
1283 erstmalige urkundliche Erwähnung des Klosters, das 1224 von den
Grafen von Dannenberg
erbaut wurde. Die christliche Lebensgemeinschaft
gründet sich auf der benediktinischen Ordensregel.
1541 Nach der Reformation wird das Kloster evangelisch.
1750 Kloster Dambeck
wird für die landwirtschaftliche Nutzung umgebaut.
Danach mehrfache Umnutzungen im Bereich
landwirtschaftlicher Ausbildung.
1989 Das Land SachsenAnhalt übernimmt das
Kloster, das in der Folgezeit mehr und mehr verfällt, bis sich 1991 die
Joseph-Bruderschaft um
das Baudenkmal kümmert.
Bis zum heutigen Tag ist
die Klosteranlage vollständig erhalten, wenn auch im
Bestand gefährdet.
Braunschweiger Journal
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Ausgabe 5/2014
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Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Hermann Löns
Text und Foto: Dieter Seppelt
Hermann Löns gilt als der
Heide- und Heimatdichter. Er
war ein früher Verfechter des
Naturschutzes und somit auch
Wegbereiter des heutigen Umweltschutzes. Noch heute basiert der Fremdenverkehr in
der Lüneburger Heide auch
auf dem Mythos Hermann
Löns. Jäger, Naturschützer
und Wanderfreunde verehren
ihn. Und dazu hat auch zum
überwiegenden Teil der Kinofilm aus dem Jahre 1951
„Grün ist die Heide“, Regie
Hans Deppe, beigetragen.
Löns wurde am 29. August
1866 in Culm, in Westpreußen, geboren. Er wuchs
als ältestes von zwölf Kindern
des Gymnasiallehrers Friedrich Löns und dessen Ehefrau
Clara auf.
Sein Lebenslauf liest sich
allerdings nicht so romantisch
wie seine Heimatgeschichten:
Sein Studium gab er 1890 vorzeitig auf, was vermutlich
auch auf seinen exzessiven
Alkoholkonsum zurückzuführen war. 1891 wurde er bei
einer Zeitung in Kaiserslautern eingestellt, aber bereits
ein Jahr später wegen Alkoholmissbrauch und Unpünktlichkeit entlassen.
1892 ging Löns nach Hannover, wo seine Karriere als
Journalist begann. Zunächst
arbeitete er beim Hannoverschen Anzeiger, dem Vorläufer der Hannoverschen Allge-
meinen Zeitung und entwickelte sich zum leidenschaftlichen und fähigen Journalisten, der sich vom freien
Mitarbeiter zum Chefredakteur hocharbeitete.
1893 heiratete er die Kellnerin
Elisabeth Erbeck. Nach fünf
Fehlgeburten seiner Ehefrau
ließ er sich 1901 von ihr scheiden. Zum Scheitern der Ehe
sollen auch seine Alkoholexzesse beigetragen haben. 1902
heiratete er in Hannover seine
Arbeitskollegin Lisa Hausmann. In ihr fand er eine intellektuell ebenbürtige und
selbstbewusste Partnerin, die
als Frauenrechtlerin galt.
Durch die Heirat bekam Löns
Zugang zu höheren Gesellschaftskreisen, denn der Vater
seiner Ehefrau war ein bekannter Maler in Hannover,
mit Kontakten zur Künstlerwelt.
Große Popularität als Zeitungsschreiber erlangte Löns
durch seine satirische Lokalplauderei unter dem Pseudonym Fritz von der Leine. Zu
dieser Zeit begann er, Gedichte zu schreiben. Einige dieser
Gedichte wurden vertont und
erreichten Volksliedstatus.
Das bekannteste ist wohl Auf
der Lüneburger Heide.
Kurz nach Ausbruch des
Ersten Weltkriegs 1914 meldete sich Löns als Kriegsfreiwilliger. Er wollte direkt an
die Front und lehnte den ihm
Schäfer mit Hütehund auf der Heide nahe Walsrode.
angebotenen
Dienst
als
Kriegsberichterstatter ab. Die
verlustreiche Marneschlacht
hatte gerade zwei Wochen vor
dem Eintreffen von Löns an
der Front stattgefunden. Nach
knapp einem Monat Kriegsdienst fiel Löns bei seinem
ersten Sturmangriff gegen
französische Truppen nahe der
Zuckerfabrik von Loivre, etwa
10 km nördlich von Reims.
Seine sterblichen Überreste
wurden erst im Januar 1933
von einem Bauern beim Pflügen gefunden. Nach der (angeblichen) Identifizierung der
Erkennungsmarke von Löns
wurden die Gebeine auf Anordnung Hitlers 1934 nach
Deutschland überführt. Dabei
war nicht sicher geklärt, ob
diese sterblichen Überreste
wirklich von Löns waren. Eine
gerichtsmedizinische Untersuchung wurde nicht durchgeführt. Die Bestattung des
Dichters sollte wegen seines
Bezuges zur Lüneburger
Heide in diesem Gebiet stattfinden, aber man hatte erhebliche Schwierigkeiten bei der
Suche nach einem geeigneten
Platz. Deshalb entführten SAAngehörige den Sarg 1934 in
einer Nacht- und Nebelaktion
aus der Friedhofskapelle in
Fallingbostel und beerdigten
ihn an der Straße Soltau-Hamburg an einer WacholderBaumgruppe beim Ort Barrl.
Die mit der SA rivalisierende
Reichswehr grub den Sarg ein
Jahr später wieder aus und
bestattete ihn in einer würdevollen Veranstaltung am 2.
August 1935 bei Walsrode.
Das Datum war bewusst
gewählt, denn es war der Jahrestag des Beginns des Ersten
Weltkriegs. Als Begräbnisort
fand sich ein Heidegelände bei
Walsrode. Den Grund und
Boden stellte der Landwirt
und Lönsverehrer Wilhelm
Asche zur Verfügung, denn
dort stand bereits seit 1929 ein
Löns-Denkmal.
Braunschweiger Journal
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Buchtipp
Fliegen lernen
Luisa, Hauptfigur in Sefanie Kremsers neuem Roman „Der
Tag an dem ich fliegen lernte“ hat - um es vorsichtig zu
sagen - einen etwas ungewöhnlichen Start in das Leben: Ihre
Mutter, die brasilianische Doktorandin Aza, ist nach der
Geburt der Tochter völlig überfordert, wirft die Tochter aus
dem Fenster und flieht aus dem Krankenhaus. Der Engländer Fergus rettet der neugeborenen Luisa das Leben und
zieht kurz danach in die studentische Wohngemeinschaft
von Luisas Vater Paul. Dieser ist natürlich völlig schockiert
über das Verschwinden der Mutter (wer wäre das nicht!),
und der Name Aza oder auch nur eine Erwähnung der Mutter ist fortan tabu.
Irgendwann fängt das Mädchen an, Fragen nach ihrer Herkunft und den Umständen ihrer Geburt zu stellen und so
bleibt es nicht aus, dass Paul und Luisa sich auf die Suche
nach der verschollenen Mutter machen. Dabei stoßen sie auf
Hinterdingen, ein kleines Dorf in Bayern, dessen ärmste
Bewohner im 19. Jahrhundert nach Brasilien ausgewandert
sind. So erfahren sie bei ihrer Recherche die Geschichte
einer Emigration voller Leid und Abenteuer, bedingt durch
bitterste Armut und unter schwierigsten Bedingungen.
So problematisch Vergangenheit und Gegenwart auch dargestellt werden, ist dies doch ein wunderschöner Roman,
nicht nur über Luisa und Paul, sondern auch über die
Geschichte der Auswanderung verarmter deutscher Bauern
nach Südamerika, einem Kapitel der Geschichte deutscher
Auswanderer, die man über die Emigrantenwellen nach
USA und Kanada oft vergisst.
Der Autorin ist ein Buch voller Mitgefühl für die Protagonisten gelungen, heiter, traurig, warmherzig und dabei ohne
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Ausgabe 5/2014
In the Mood - Die
Glenn Miller Story
Text und Foto: Brigitte Klesczewski
Der Sound der Glenn Miller
Big Band begeisterte die deutsche Nachkriegsjugend so,
wie es später die Beatles in
den 60er Jahren tun sollten.
Schon vor der Währungsreform fehlte der Swing „In the
Mood“ auf keinem Klassenfest und war wohl Glenn Millers bekanntestes Stück. Im
Slowfox oder Swing wiegten
sich damals die jungen Paare,
und wer ein Mädchen im
selbstgeschneiderten
New
Look führte, war „in“. Weitere sehr bekannt gewordene
Titel der Big Band in Deutschland lauteten „Moonlight
Serenade“ und „Little Brown
Jug.“
Glenn Miller wurde am 1.
März 1904 in Clarinda, Iowa,
geboren. Seit 1929 verdiente
er als Posaunist in verschiedenen Orchestern des Chicagostils und des Swings sein Brot.
Lange suchte er nach einem
Sound, der nur seiner Band
eigen sein sollte. Aus Not
ersetzte er einmal den erkrankten Trompeter durch
einen Klarinettisten, und so
entstand der spezielle Sound
seiner 1937 gegründeten Big
Band mit vier Saxophonen
und einem führenden Klarinettisten. Sein Leben wurde
verfilmt. Im Film wird erzählt,
dass er, bevor er als Big Band
Leader berühmt wurde, seine
Posaune ins Pfandhaus geben
musste. James Stewart übernahm die Rolle des Big Band
Leaders, Millers Ehefrau
wurde von June Allyson dargestellt.
Im Zweiten Weltkrieg meldete sich Glenn Miller 1941 zur
Armee und leitete hier eine
Armee Band. Seine swingenden Melodien, die vom US
S e n d e r
„American
Broadcast
Station“ in
Europa ausgestrahlt
wurden,
galten damals als ein
Inbegriff
von Freiheit
und Rassengleichheit.
Sein Jazzprogramm
war neben
Nachrichten und Kommentaren das
Herzstück der psychologischen Kriegsführung unter
General Eisenhower. Es kam
in mehreren Sprachen über
den Äther und erreichte auch
die deutschen Soldaten.
Vor 70 Jahren, am 16. Dezember 1944, als Glenn Miller von
England ins befreite Paris
unterwegs war, kam er durch
einen Flugzeugabsturz über
dem Ärmelkanal ums Leben.
Jahrzehnte nach seinem Tod
wurden Tondokumente zur
Veröffentlichung freigegeben.
„The Lost Recordings“ ist
nach Meinung der Fachwelt
eines der besten Alben, die
Glenn Miller und seine Big
Band jemals produzierten.
Unter den 36 Stücken wartet
jeder Zuhörer mit Spannung
auf die Wiedergabe von „In
the Mood“.
Braunschweiger Journal
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Ausgabe 5/2014
Braunschweiger Journal
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Ausgabe 5/2014
Frage und Antwort
Von Helmut Wenzel
Auf die beiden bekannten
Sprichwörter: „Auf dumme
Fragen gibt es nur dumme Antworten“ und: „Es gibt keine
dummen Fragen, sondern nur
dumme Antworten“ könnte
zusammengefasst die intelligente Redewendung angewandt werden: „Wer überlegt
fragt, bekommt auch eine richtige Antwort!“
Ein Beispiel für diese Vorlage
lieferte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am 6. Sept.
2013, wenige Tage nach dem
Wahlduell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Herausforderer Peer Steinbrück der WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn.
Laut ZDF hatte die Bundeskanzlerin im Duell klar überzeugt: 40 Prozent zu 33 Prozent. Die ARD kam zum
umgekehrten Ergebnis, nämlich 49 zu 44 Punkte für Steinbrück.
Jörg Schönenborn (WDR),
deutet diese Unstimmigkeit
durch die unterschiedliche
Form der Fragestellung. Infratest dimap (=politische Meinungs- und Wahlforschung)
hatte allein die Antwort „Merkel“ oder „Steinbrück“ angeboten, während beim ZDF
auch die Option „kein Unterschied“ vorlag. Aufgrund dieser dritten Antwortmöglichkeit
hatten 27 Prozent der Befragten „unentschieden“ gewählt.
Bei der ARD dürften – so eine
Vermutung - viele Fernsehzuschauer sich für Steinbrück
entschieden haben, da sie eine
Entscheidung auf den Punkt
bringen mussten und keine
Ausflucht wählen konnten.
Welche der Frageformen ist
nun neutraler und wird künftig gehandhabt? Bei einer
Wahl, so Jörg Schönenborn,
habe der Bürger auch keine
Möglichkeit, unentschieden zu
wählen. Daher sei ihm
die ARD-Variante sympathischer.
Das ZDF habe sich, so ein
Pressesprecher, für ihre bereits
in Vorjahren praktizierte Formulierung entschieden, weil
sie nur auf das Duell abzielt
und alle möglichen Dimensionen einer Bewertung mit
einschließt. Das ZDF verdeutlichte in einer Berichterstattung den Unterschied.
In dem erwähnten Artikel beschäftigt sich die FAZ auch mit
der Frage: „Macht man sich
also doch ein wenig die Welt,
wie sie einem gefällt?
Mein Kollege,
Sir Henry
Von Helmut Wenzel
Auf der Fahrt in den Urlaub:
Zusammen mit Ehefrau und
seinen zwei Kindern startete
Sir Henry frohgestimmt auf
der Autobahn Richtung Süden. Das Urlaubsziel lag noch
in weiter Ferne. Fahrtunterbrechungen waren nur für den
Notfall eingeplant, um möglichst zügig die Strecke bewältigen zu können. Aufgrund
dieses strebsamen Vorhabens
wurde der Reiseproviant
während der Fahrt verteilt.
Henry warf das lästige Einwickelpapier aus dem Fenster,
das „patsch“ auf der Windschutzscheibe des hinter ihm
fahrenden Polizeiautos landete.
Die Urlaubsfahrt wurde
barsch durch die Ordnungshüter gestoppt. Es gab kein Erbarmen. Sir Henry musste
seine Reisekasse schon vor
dem Erreichen des Urlaubsziels schmerzhaft plündern.
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Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Kennen Sie Stips?
Von Gerhard Hühne
... wahrscheinlich nur, wenn
Sie zum Hannoverschen
Raum engere Beziehungen
haben. Im Kölner Raum
spricht man vom Knollekrut,
im Rheinland von Bimbes.
Man kann auch Schäselack
lesen (abgeleitet vom franz.
chaise für Stuhl) und viele
andere mundartliche Bezeichnungen. Im Supermarkt
steht in den Regalen werbewirksam der Grafschafter
Goldsaft oder ganz einfach
Zuckerrübensirup.
Beim Lesen kommen Erinnerungen aus der Jugendzeit an
die Nachkriegszeit im dörflichen Umfeld auf, als dieser
Brotaufstrich im häuslichen
und privaten Bereich erzeugt
wurde. Zunächst mussten die
Zuckerrüben beschafft werden. Entweder hatte man Beziehungen zu einem Bauern,
dem man die Rüben abkaufte
oder von ihm die Erlaubnis
erhielt, auf dem Feld unter
Aufsicht selbst zu roden. Mit
der Erlaubnis nahmen es aber
manche nicht ganz so genau,
mussten dafür aber verbotenerweise im Dunkeln sammeln. Für uns Kinder waren
die Straßen- und Wegeränder
eine Fundgrube, denn die
Pferdewagen, die Rüben zur
Zuckerfabrik brachten, waren
pyramidenartig hoch beladen
und verloren durch das
Ruckeln der ungefederten
Speichenräder auf den Feldwegen Rüben, die in den
Straßengraben rollten.
Waren genügend Rüben vorhanden, mussten sie geputzt
werden. Das war Frauenarbeit, und, weil sich meistens
befreundete Familien zusammentaten, waren damit immer
mehrere Frauen in der Waschküche beschäftigt, mit Wurzelbürste und Wasser die
Rüben zu säubern. Vater
schärfte das Beil, sonst nur
zum Brennholzspalten genutzt, um damit die Rüben in
kleine Stücke zu zerhacken.
In einem großen eingemauerten Waschkessel mit Feuerstelle wurden diese Schnitzel
gekocht und danach ausgepresst. Es gab nur wenige
Pressen im Dorf, die ausgeliehen werden mussten und,
da viele Familien Rübensaft
kochten, gab der Ausleihtermin den häuslichen Arbeitsablauf vor: vom letzten Nutzer per Handwagen abholen,
selbst nutzen und anschließend gesäubert für den
nächsten Nutzer bereitstellen.
Die heißen Schnitzel wurden
in einen handlichen, für die
Presse passenden Beutel aus
Sackleinen gefüllt, und dann
war die Kraft der Männer an
der mit einem Rohr verlängerten Spindel gefragt, um
auch den letzten Tropfen auszupressen. Wir Kinder mussten mit unserem Körpergewicht eine Gegenkraft aufbauen, damit die Presse möglichst ortsfest blieb. Danach
kam der langweiligste und am
Schluss spannendste Arbeitsgang: das Saftkochen. Der
süße Saft musste unter ständigem Rühren zum Sirup eingedickt werden. Hin und wieder mit einer Schaumkelle
Schaum abschöpfen, Feuer
hüten, damit der Saft ständig
kochte, aber ja nicht überkochte und stundenlang
rühren, damit er sich nicht
absetzte und anbrannte. Den
abgeschöpften und erkalteten
Schaum würde man heute
vielleicht mit einem Sahnebonbon vergleichen, den
kannten wir aber zu der Zeit
nicht. Das Umrühren wurde
zum Schluss zu einem Kraftakt und die Gefahr des Anbrennens immer größer, und
irgendwann fiel der Entschluss, Feuer aus, der Saft ist
dick genug. Manchmal fiel
die Entscheidung zu früh, und
dann war der Rübensaft für
einen Brotaufstrich zu dünn,
und man musste das Brot eintauchen, einstippen, und
daher soll die Bezeichnung
Stips kommen.
Herr Andreas Berlin und seine Mitarbeiter beantworten gerne
Ihre Fragen
Rübenpresse im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig
Braunschweiger Journal
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Ausgabe 5/2014
Braunschweiger Journal
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Ausgabe 5/2014
Bestnoten bei der Pflege-Qualitätsprüfung
BETREUTES WOHNEN
– DAS ORIGINAL –
In den vergangenen Jahren ist seniorengerechtes Wohnen unter dem Schlagwort „Betreutes Wohnen”
immer populärer geworden. Viele Mitbürger erwarten von diesen Wohnanlagen eine umfassende Versorgung und bei entsprechendem Bedarf auch die Durchführung von Pflegemaßnahmen in der Wohnung. Schließlich soll ein nochmaliger Umzug in ein Pflegeheim möglichst vermieden werden.
Dazu sollten Sie wissen:
„Betreutes Wohnen” ist kein gesetzlich definierter Begriff! Jede Wohnanlage bietet daher teilweise
erhebliche Unterschiede in ihrem Leistungsangebot, die sich auf die Verbleibemöglichkeit in der
Wohnung deutlich auswirken können. Sie sollten daher genau bei dem jeweiligen Anbieter erfragen,
mit welchen Hilfen Sie rechnen können. Hier ist insbesondere die Antwort auf die Frage wichtig,
inwieweit eine umfassende hauswirtschaftliche Versorgung mit Essen, Wäschewaschen und Wohnungsreinigung sowie die Pflege auch bei Schwerstpflegebedürftigkeit gegeben sind.
Ist beispielsweise examiniertes Personal rund um die Uhr im Haus abrufbereit?
Was passiert bei einem Verlust der eigenen Kommunikationsfähigkeit, beispielsweise nach einem
Schlaganfall?
Gibt es eine Auffangmöglichkeit durch ein integriertes Pflegeheim?
Wir bieten:
s Komfortwohnungen mit Parkettfußböden und Küchenzeile,
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21
Osteoporose,
und was nun?
Von Christel Mertens
Foto: Wilfried Gärtner
Ausgabe 5/2014
Senioren-Ballett unter der Leitung
von Nelly Bozkurt (O. R., 2. von links
Braunschweiger Journal
War das eine Freude neulich
beim Klassentreffen! Ingrid
hatten wir mehrmals bei unseren jährlichen Zusammenkünften vermisst. In diesem
Jahr aber war sie gekommen.
Und es schien ihr recht gut zu
gehen, nachdem wir schon
Befürchtungen im Hinblick erzählte sie uns dann, mit welauf ihre Gesundheit gehabt chen Problemen sie in der
hatten. Im Laufe des Abends Zwischenzeit fertig werden
musste.
Angefangen hatte alles mit
einem zunächst harmlos
erscheinenden Sturz mit dem
Fahrrad, bei dem Ingrid sich
allerdings das linke Handgelenk brach. Ihr behandelnder
Arzt war misstrauisch und
veranlasste eine Knochendichtemessung, denn der
Bruch des Handgelenks bei
einer weiblichen Patientin in
Ingrids Alter deutete für den
Mediziner auf eine mögliche
Erkrankung an Osteoporose
hin. Und tatsächlich führte
diese ärztliche Maßnahme zur
Früherkennung der Krankheit.
Osteoporose? Was ist darunter
zu verstehen? Da musste sich
Ingrid zunächst informieren
und bekam folgende Erklärungen: Osteoporose ist eine Skeletterkrankung, bei der es
durch Knochenschwund zu
einer Abnahme der Knochenmasse und Veränderung der
feinen Struktur des Knochengewebes kommt. Infolgedessen werden die Knochen mit
der Zeit porös und brüchig,
was im fortgeschrittenen Stadium schon bei Alltagsbelastungen zu Knochenbrüchen
führen kann.
Betroffen sind in erster Linie
Frauen nach den Wechseljahren, wobei die hormonelle
Umstellung verbunden mit
Östrogenmangel als eine Ursache für das Auftreten der
Krankheit angesehen wird.
Allein in Deutschland sind 8
Millionen Menschen von
Osteoporose betroffen.
Aber es sind noch weitere
krankheitauslösende Faktoren
aufgespürt worden. Unstrittig
ist inzwischen, dass Calciumund Vitamin D-Mangel in vorderster Front dazugehören.
Auch Magnesium ist für starke Knochen wichtig.
Nun, durch eine ausgewogene
Ernährung mit viel Milch- und
Käseprodukten ist der Calciumhaushalt durchaus positiv
zu beeinflussen. Einen Vitamin D-Mangel zu bekämpfen,
ist schon etwas schwieriger,
zumal im Winter. Vitamin D
ist nur in wenigen Lebensmitteln enthalten, hingegen ist es
das einzige Vitamin, das unser
Körper unter Einwirkung von
Sonnenlicht selber bilden
kann. Das bedeutet: Runter
vom Sofa und raus in die
Natur. Außerdem stehen heutzutage wirksame Medikamente zur Verfügung, um die
Krankheit zum Stillstand zu
bringen.
Und dann wurde Ingrid noch
viel Bewegung angeraten. Die
wollte sie möglichst zusammen mit anderen und unter
fachkundiger Anleitung ausüben. So stieß sie auf die Abteilung Selbsthilfe und Sporttherapie im Polizeisportverein
Braunschweig. Hier passte für
sie alles zusammen:
„Osteoporose verbessern mit
Sporttherapie und Beweglichkeit. Wir bieten im Rahmen
des
Rehabilitationssports
Trocken- und Wassergymnastik, Gesprächskreise und ge-
meinsame Unternehmungen
an.“
Im Gesundheitszentrum der
AOK Braunschweig, Am Fallersleber Tore 3, hat sie sich
beraten lassen.
Jeden ersten Mittwoch im
Monat steht Elsbeth Kröckel
dort als Ansprechpartnerin zur
Verfügung. Telefonisch ist sie
unter 0531/233 96 93 zu erreichen.
Wir haben Ingrid gedankt für
ihre interessanten Informationen, die vielleicht auch für uns
einmal wichtig werden könnten, und waren froh, sie wieder
so gut gelaunt in unserer
Runde zu wissen.
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Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
125 Jahre Künstlerkolonie Worpswede
Text: Wibke Ihlenburg-Dreesen • Foto: Klaus Ihlenburg
Als 18-jähriger Kunststudent
in Düsseldorf erfuhr Fritz
Mackensen durch die Nichte
seiner Zimmerwirtin von
ihrem Heimatort Worpswede,
den sie mit Begeisterung
beschrieb: Die Heide- und
Moorlandschaft, das „Wolkentheater“ und die glühenden
Sonnenuntergänge im Teufelsmoor. Bei einem Besuch
war Mackensen offenbar so
beeindruckt von dieser Umgebung, dass er 1889, also vor
125 Jahren, beschloss, sich
zusammen mit Hans am Ende
und Otto Modersohn dauerhaft in Worpswede niederzulassen.
Die drei Maler liebten den
weiten Horizont, die außergewöhnlichen Lichtverhältnisse
und die raue Landschaft als
Motive für die Freiluftmalerei.
Diese neue, aus Frankreich
übernommene Arbeitsweise
direkt in der Natur zogen sie
der damals an den Akademien
üblichen, der Studio-Malerei,
vor.
Bald folgten ihnen Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und
Paula Becker, die 1901 Otto
Modersohn heiratete. Vogeler
erwarb den Barkenhof, der –
zu einem Gebäude des Jugendstils umgebaut – Mittelpunkt der Worpsweder Künstlerbewegung wurde. Gäste
waren hier auch Rainer Maria
Rilke und seine spätere Frau
Clara Westhoff.
Nach dem Ersten Weltkrieg
war der Barkenhof Kommune,
Arbeitsschule der Roten Hilfe
und danach Kinderheim. Ab
1932 wirkte hier ein anthroposophisch orientierter Lehrer
des biologisch-dynamischen
Landbaus. Seit den 1960er
Jahren verfiel der Hof, wurde
erst 2003 grundlegend renoviert und dient heute als Museum und Ausstellungsort.
Das Haus im Schluh, eine
1920 hierher umgesetzte ehemalige Moorkate, diente der
ersten Frau von Heinrich
Vogeler nach der Trennung
vom Barkenhof mit ihren
Töchtern und ihrem Freund
als Wohnsitz. Dazu gehören
eine Handweberei mit Museumsladen und eine kleine
Gästepension. Zu sehen sind
Gemälde, Radierungen, Möbel, Porzellan und Hausrat aus
dem Barkenhof als Hauptbestandteil der Heinrich-Vogeler-Sammlung.
Die Worpsweder Kunsthalle
geht zurück auf den Buchbindermeister Friedrich Netzel,
der den ersten Worpsweder
Künstlern Räume zu Ausstellungs- und Verkaufszwecken
zur Verfügung gestellt hatte.
Er begann auch, Werke dieser
Künstler zu sammeln. Sein
Sohn schuf 1919 einen Neubau, und der Enkel zeigte
neben der Familiensammlung
auch große Sonderausstellungen, die Worpswede überre-
gionale Bedeutung gaben.
Eine Kunststiftung führt die
Arbeit weiter.
Die Große Kunstschau und
das „Café Verrückt“ sind
Mittelpunkt des Künstlerdorfes. Der Architekt und Künst-
Inneneinrichtung von Heinrich Vogeler entworfen.
Zum 125-jährigen Jubiläum
werden in Worpswede Kunstwerke von den Malern der
ersten Stunde bis zu Künstlern
der Gegenwart präsentiert.
Der Barkenhof
ler Bernhard Hoetger baute
1925 das expressionistische
Backsteinensemble ohne klare
Bauzeichnungen und fast
ohne rechte Winkel. Daneben
steht das strenge Gebäude des
1971 errichteten ehemaligen
Roselius-Museums für Vorund Frühgeschichte, das
inzwischen zum Kunstmuseum gehört. Hoetger baute auch
die berühmte Böttcherstaße
in Bremen mit dem Paula
Modersohn-Becker Museum.
Der
Jugendstil-Bahnhof
Worpswede ist ebenfalls
sehenswert, heute ein Restaurant. Er wurde 1910 mit der
Weitere Jubiläumsausstellungen in der Nähe: Otto Modersohn ließ sich nach dem Tod
seiner Frau 1908 in Fischerhude bei Bremen nieder, wo
in seinem Haus bis zum 31.
August 2014 das Frühwerk
gezeigt wurde. In der Kunstschau von Lilienthal bei Bremen lief bis zum 28. September eine Ausstellung über die
Künstlerkolonien an der Ostsee (Hiddensee, Ahrenshoop,
Schwaan). Im OverbeckMuseum Bremen kann man
bis zum 5. Oktober die Ausstellung „Fritz Overbeck und
Otto Modersohn – Eine
Künstlerfreundschaft“ sehen.
23
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Weltkulturerbe Kloster
Maulbronn
Von Wibke Ihlenburg-Dreessen
Das Kloster Maulbronn - 30
km östlich von Karlsruhe gelegen - gilt als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen nördlich
der Alpen. Architektur und
Kulturlandschaft der Zisterzienser sind nahezu unverfälscht
sichtbar. Daher wurde das
Kloster in die Liste des
UNESCO–Weltkulturerbes
aufgenommen.
Aus Anlass des 20-jährigen
Weltkulturerbe-Jubiläums und
zum Abschluss der Sanierungsarbeiten, die viele Jahre
dauerten, wurde Anfang 2014
die neue Dauerausstellung mit
dem Titel „Besuchen - Bilden
- Schreiben. Das Kloster
Maulbronn und die Literatur“
eröffnet. Hier ist vor allem
Hermann Hesse (1877 – 1962)
zu nennen. Er wurde mit 14
Jahren Schüler im evangelischen Seminar Maulbronn, das
er aber durch eine spektakuläre Flucht wieder verließ. Ihm
war - nach eigenem Bekunden
- klar geworden, dass er weder
Pfarrer noch Landesbeamter,
sondern „ein Dichter oder gar
nichts“ werden wollte. In seinen Werken hat er aber trotz
der Flucht mehrfach auf Maulbronn Bezug genommen.
Auch Friedrich Hölderlin
(1736 – 1772) war Seminarist
in Maulbronn. Hier lernte er
mit 16 Jahren seine erste Liebe
kennen, und die an sie gerichteten Briefe haben sich erhalten. Anschließend studierte er
Theologie in Tübingen wie
auch der berühmte Mathematiker und Astronom Johannes
Kepler (1571 – 1630), nachdem er am Gymnasium in
Maulbronn einer der besten
Schüler war, die es dort je gab.
tische Herzog von Württemberg hier im 16. Jahrhundert
die evangelische Klosterschule ein, die auch die Säkularisierung zur Zeit Napoleons
überlebte.
Rund um das Kloster besteht
noch heute ein ausgeklügeltes
Wassersystem mit Gräben und
Foto: Elke Wetzig nach Wikipedia
Klosterfront mit Kirche und Vorhalle („Paradies“).
Noch heute existiert das Teichen, das vor allem der
„Evangelische Seminar Klos- Fischzucht diente. Auch die
ter Maulbronn“ als altsprachli- von den Mönchen angelegten
ches Gymnasium mit Internat. Weinberge werden weiter beDas Kloster ist an dieser Stelle wirtschaftet. Erhalten ist
1147 gegründet worden. Im außerdem der Klosterhof mit
Bauernkrieg wurde es geplün- imposanten Wirtschafts- und
dert, aber nicht zerstört. Bald Wohngebäuden, Türmen und
danach richtete der protestan- einer rund einen Kilometer
langen Wehrmauer.
Am ältesten ist die ursprüng-
Kloster Maulbronn, Fenster vom „Paradies“ vor dem Kirchenportal.
Foto: Joachim Köhler nach Wikipedia
lich romanische Klosterkirche
mit reich verziertem Chorgestühl. Besonders berühmt ist
die dazugehörige Vorhalle,
„Paradies“ genannt, die den
Übergang von der Romanik
zur Gotik und Einflüsse aus
Burgund erkennen lässt. Die
großen Fensteröffnungen und
die weiten Gewölbe sind gotisch, wohingegen die Fenster
oben mit romanischen Rundbögen abgeschlossen werden.
Spitz- und Rundbögen kommen auch gemeinsam vor.
Diese Stil-Kombination und
die Bündel verschieden hoher
Dienste unter dem Ansatz der
Bögen in den Ecken des Paradieses sind in Deutschland einzigartig. Der namentlich nicht
bekannte Baumeister wird
nach diesem Werk ParadiesBaumeister genannt. Spuren
seiner Arbeit sind auch im
Kreuzgang und in anderen
Klosterräumen zu finden.
Für die Besucher aus aller Welt
gibt es im Klosterhof mehrere
Restaurants, Museen und
Läden, und es werden regelmäßig Klosterkonzerte veranstaltet.
Braunschweiger Journal
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Ausgabe 5/2014
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Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Sonderthema Sicherheit
Technik, die vor Einbruch schützt
Von Anne-Margret Rietz und Dirk Israel
In unserem Sonderthema Sicherheit beschäftigen wir uns mit verschiedenen Möglichkeiten, Ihr Haus bzw. Ihre Wohnung
vor Einbrechern und Dieben zu schützen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, wie wichtig es ist, sich im Fachhandel beraten und die entsprechenden Maßnahmen von professionellen Handwerkern ausführen zu lassen. Nur so haben Sie die
Gewähr, dass die installierten Schutzmaßnahmen den Effekt erzielen, den Sie sich wünschen, nämlich Sicherheit.
Bitte bedenken Sie, dass auch
die Täter in den meisten Fällen
ihr „Handwerk“ verstehen und
nur gezielt „ausgebremst“ werden können.
In Braunschweig gab es nach
Auskunft der Polizei 2012 514
und 2013 441 Wohnungsein-
brüche. Auch wenn das auf die
Einwohnerzahl der Stadt
berechnet nicht sehr viel
erscheinen mag, trifft es doch
jeden Betroffenen in sehr unangenehmer Weise: man muss zur
Kenntnis nehmen, dass sich
fremde Personen unerwünscht
Die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen
bieten kostenfreie Beratungen vor Ort an. Hier können die besten
Empfehlungen gegeben werden. Die Polizei rät, auch bei nur kurzfristigem Verlassen der Wohnung die Fenster zu schließen und die Türen
komplett abzuschließen. Im privaten Bereich sind die meisten Taten
zur Tageszeit zwischen 07 und 21 Uhr zu erwarten, weil in dieser Zeit
die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewohner nicht zuhause sind, höher
ist. In der dunklen Jahreszeit ist das durch die Wohnungsbeleuchtung
noch besser erkennbar: kein Licht - keiner da und bedenken Sie, dass
auch die Täter in den meisten Fällen ihr „Handwerk“ verstehen und
nur gezielt „ausgebremst“ werden können.
Fremde in der Nacht
Von Christel Mertens
Im Allgemeinen freue ich mich
über Gäste, auch wenn sie
überraschend vor der Tür stehen und für einen Kaffeeplausch oder ein gemütliches
Abendessen improvisiert werden muss. Das alles ist normalerweise kein Problem.
Was allerdings neulich geschah, war ein Besuch ganz
anderer Art. Fremde in der
Nacht hielten sich im Garten
auf und waren offensichtlich
nicht auf einen gemütlichen
Plausch oder ein Glas Wein
aus. Hier war Gefahr im Verzuge! Aufmerksame Nachbarn, vielleicht schlaflos oder
spät nach Hause gekommen,
hatten die ungebetenen Gäste
ebenfalls bemerkt und sofort
110 gewählt. Zwar war die
Polizei nach kurzer Zeit vor
Ort, die Fremden jedoch hatte
bereits die Nacht verschlungen.
Der Vorfall war zwar beängstigend, gab allerdings auch Anlass für grundsätzliche Überlegungen im Hinblick auf Fragen
des Schutzes gegen Einbruch
und Diebstahl, besonders in
der dunkleren Jahreszeit.
Reichen die Lichtquellen aus,
um Eindringlingen von vornherein die unbemerkte Annäherung zu erschweren?
Lärm schreckt ebenfalls ab.
Alarmanlage? Hundegebell?
Sind die Schlösser wirklich
geeignet, um Widerstand zu
bieten, und wie sieht es mit den
Fenstern aus? Viele Fragen, für
deren Beantwortung man sich
Rat holen kann.
Für mich stand fest: Fremde in
der Nacht kann ich absolut
nicht gebrauchen, sie machen
mir Angst, und Angst ist ein
schlechter Ratgeber. Ich musste besseren Rat einholen und
sicherheitstechnisch aufrüsten.
in den eigenen vier Wänden aufgehalten und das Privateste gesehen, berührt oder gar mitgenommen haben. Die in der eigenen Wohnung herrschende
Wohlfühlphase ist damit wohl
erst einmal vorbei. Ängste über
Wiederholungen kommen hinzu. Leider wird nur jeder vierte
Fall aufgeklärt und ein Täter
gefasst. Da tut man sich schon
einen Gefallen, wenn man
einem solchen Treiben Hindernisse „entgegenbaut“. Bei der
Devise „schnell rein und schnell
wieder raus“ lassen sich Täter
durch widerstandsfähige Türen
und Fenster, die diesem schellen
Vorgehen Einhalt gebieten,
schon abhalten. Nach Polizeiangaben dringen die Einbrecher in
der Hälfte der Fälle durch die
Wohnungstür ein.
Bei Einfamilienhäusern sind es
allerdings eher Keller- und Terrassentüren sowie schlecht einsehbare Zugänge.
Hier kommt die Vorortberatung
der polizeilichen Beratungsstelle zum Zuge, die man unter der
Telefonnummer 0531/476-0
erreichen kann. Experten der
Polizei können Ihre tatsächliche
Situation in Haus und Wohnung
in Augenschein nehmen und
gezielt
Vorschläge
zur
Verbesserung der Sicherheit
machen.
Sergej Köhler
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38268 Lengede
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Sicherheit auf breiter Basis
Versichert ist der gesamte Hausrat.
Zum Hausrat gehören alle Gegenstände, die im Haushalt zur
Einrichtung gehören, die gebraucht werden oder die verbraucht werden. Die Palette reicht von Möbeln, über Kleidung
bis hin zu Nahrungsmitteln. Ebenso gehören auch Bargeld
und Wertgegenstände wie z. B. Schmuck oder Gemälde
zum Hausrat. Hierfür gelten besondere Entschädigungsgrenzen.
Versicherte Risiken in der
Hausratversicherung
Gegen folgende Gefahren ist Ihr Hausrat versichert:
Feuer – Leitungswasser – Sturm und Hagel
Überspannungsschäden infolge Blitz – Raub
Einbruchdiebstahl bzw. Vandalismus nach
einem Einbruch
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Braunschweiger Journal
Sonderthema Sicherheit
Ausgabe 5/2014
Sicherheitsfenster Aufhebeln und Zertrümmern
nicht möglich
Sicherheitstüren
Auf Widerstandklasse und Zertifikat achten
Durchschnittlich wird in
Deutschland etwa alle fünf
Minuten versucht, in ein Haus
oder eine Wohnung einzubrechen - in der Hälfte aller Fälle
geschieht das durch die Hausoder Wohnungstür. Dennoch
sind nach wie vor viele ältere
Häuser mit herkömmlichen
Haustüren ausgestattet, die
meistens schnell aufgehebelt
werden können oder nur
unzureichend in der Wand
verankert sind. Sie stellen ein
enormes Sicherheitsrisiko dar
- viel zu leicht können sich
Einbrecher hier Zutritt ins
Haus verschaffen und sich
dann mit allerlei Wertsachen
aus dem Staub machen.
Profis raten daher unbedingt
zum Einbau von Sicherheitstüren, die aufgrund ihrer speziellen Fertigung effektiven
Schutz vor unliebsamen Eindringlingen bieten. Bei
Sicherheitstüren sind die einzelnen Komponenten, wie
etwa Scharniere, Rahmen und
das eigentliche Türblatt, optimal aufeinander abgestimmt
und lassen Dieben keine
Chance. Wer sich für den
Kauf einer solchen Sicherheitstür entscheidet, sollte
dabei auf die sogenannte
Widerstandsklasse achten, die
gemäß der europäischen Prüfnorm „DIN V ENV 1627“
festgelegt ist. Den niedrigsten
Widerstand bieten Türen der
Widerstandsklasse 1, den
höchsten jene der Klasse 6.
Privathaushalten wird von
Fachleuten zu einer Tür der
Klasse 2 oder 3 geraten.
Zudem sollte man prüfen, ob
die Tür mit einem Zertifikat
vom Verband der Sachversicherer oder vom Deutschen
Institut für Normung (DIN)
ausgezeichnet wurde. Außerdem sollte man sie vom Fachmann einbauen lassen, um
sicherzugehen, dass Diebe
künftig außen vor bleiben.
Wer in seinem Haus oder seiner Wohnung Fenster und Terrassentüren gekippt lässt und
dann außer Haus geht, macht
es Einbrechern leicht. Doch
selbst wenn herkömmliche
Fenster und Türen geschlossen sind, stellen sie meist kein
großes Hindernis für Langfinger dar. Statistisch gesehen
verschaffen sich nämlich die
meisten Diebe genau hier
Zugang zum Haus. Dem kann
man allerdings Vorbeugen,
indem man auf modernste
Sicherheitsfenster und -türen
setzt. Sie lassen sich nicht aufhebeln und machen Einbrechern so das Leben schwer.
Aufgrund spezieller Beschichtungen können sie darüber hinaus nicht zertrümmert
werden, so dass selbst ein
Angriff mit einem Hammer
oder einem sonstigen schweren Gegenstand nicht zum
„Erfolg“ führt.
Des Weiteren setzen Hersteller mittlerweile auf spezielle
Verriegelungssysteme,
so
dass selbst ein gekipptes Fens-
ter von unliebsamen Eindringlingen nicht aufgehebelt
werden kann. Für den Einbau
solcher Fenster und Türen
muss man allerdings etwas
tiefer in die Tasche greifen:
Abhängig von der Sicherheitsstufe, für die man sich
entscheidet, können sich die
Kosten schnell auf einige
Hundert Euro pro Fenster
belaufen.
Experten verweisen jedoch
darauf, dass es in der Regel
vollkommen ausreichend ist,
Fenster und Türen von Kellern und im Erdgeschoss auszutauschen. Wer sich für diesen Schritt entscheidet, sollte
jedoch davon Abstand nehmen, die Fenster selbst einzubauen oder befreundete
Hobby-Handwerker zu engagieren, um Geld zu sparen nur wenn sie vom Profi montiert werden, ist man tatsächlich auf der sicheren Seite.
Mehr Informationen und entsprechende Beratung erhält
man von den Profis im Fachhandel vor Ort.
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27
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Sonderthema Sicherheit
Alarmanlagen Elektronik unterstützt
Modernste Technologie hat
längst in Wohnhäuser Einzug
gehalten und steuert dort
unterschiedlichste Prozesse.
Das Thema Sicherheit ist hiervon natürlich nicht ausge-
Foto: Daitem
schlossen, und folglich sind in
den letzten Jahren immer neue
Systeme auf den Markt gekommen, die zunehmend auf
zeitgemäße Kommunikations- und Informationsmedien
abgestimmt werden. So lassen
sich beispielsweise Alarmanlagen aus der Ferne mit dem
Smartphone steuern und informieren den Hausbesitzer
auf diesem Weg, ob ein Alarm
ausgelöst wurde. Bei der
Installation einer Alarmanlage gibt es allerdings einiges zu
beachten.
So raten Prüforganisationen
von selbst anzubringenden
Systemen ab. In der Regel
funktionieren diese zwar gut
und geben entsprechende Signale an den Bewohner oder
eine Zentrale weiter, allerdings sind sie vergleichsweise
leicht zu manipulieren und
können so von potentiellen
Einbrechern schnell außer
Gefecht gesetzt werden. Stattdessen raten die Experten,
dass man sich an eine entsprechende Sicherheitsfirma wendet, die das Haus zunächst
genau in Augenschein nimmt
und im Anschluss ein individuelles Angebot vorlegt, das
auf die vor Ort vorherrschenden Bedingungen eingeht.
Hierin sollte ersichtlich werden, welche Geräte der Anbieter einsetzen würde und welche Serviceleistungen der
potentielle Kunde in Anspruch nehmen kann - ist etwa
rund um die Uhr ein Mitarbeiter erreichbar und kümmert
man sich in den Folgejahren
um die Instandhaltung der
Alarman- lage? Und wie
schnell können Mitarbeiter im
Fall einer Störung vor Ort
sein? Um tatsächlich auf der
sicheren Seite zu sein, sollte
man sich zudem schriftlich
zusichern lassen, dass nur solche Geräte zum Einsatz kommen, die von einer anerkannten Prüfstelle zertifiziert wurden.
Hausnotruf vom ASB - Helfer in der Not
Der Arbeiter-Samariter-Bund bietet in allen Dienstleistungs-Bereichen einen umfassenden Service – darunter auch das bewährte Hausnotruf-System. Doch wie funktioniert der umgangssprachlich
genannte „Rote Knopf“ eigentlich?
Das Hausnotruf-System, bestehend aus einer Basisstation und
einem Handsender, wird mir Ihrem vorhandenem Telefonanschluss
und mit einer Stromquelle verbunden. Während eines persönlichen
Gesprächs vor Ort, erfolgt eine umfassende Einweisung in die Handhabung und Funktionsweise des Gerätes. Relevanten Daten, wie
Name, Anschrift, Medikamente, Krankheiten und Telefonnummern
von Bezugspersonen, nehmen wir in unsere Unterlagen auf. Lösen
Sie einen Alarm aus, wird über die Telefonleitung eine Sprechverbindung mit unserer Hausnotruf-Zentrale hergestellt und automatisch öffnen sich auf dem Bildschirm die relevanten Daten für unser
Fachpersonal. Unsere hauseigene Zentrale, die für Sie rund um die
Uhr erreichbar ist, betreiben wir seit 1995. Über das eingebaute
Mikrofon und den Lautsprecher nehmen unsere Zentralisten umgehend Sprechkontakt mit Ihnen auf und leiten notwendige oder
gewünschte Maßnahmen ein. Damit ein Zugang zur Wohnung im
Notfall möglich ist, können Sie bei uns Ihren Schlüssel hinterlegen
– sicher verwahrt und anonymisiert in einem Tresor. Alternativ kontaktieren wir Ihre Bezugspersonen. Durch eine lückenlose Rettungskette gewährleisten wir schnelle und kompetente Hilfe. Je nach
Situation, entscheiden die Rettungskräfte vor Ort, ob eine weiterführende Behandlung notwendig ist.
Wir bieten Ihnen mit unserer Erfahrung einen optimalen Service und
Datenschutz. Mit dem Hausnotruf vom Arbeiter-Samariter-Bund
entscheiden Sie sich für einen zuverlässigen Partner. Übrigens: Der
Hausnotruf ist mit unseren intelligenten Rauchmeldern kombinierbar. Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Homepage
www.asb-bs.de oder telefonisch unter 0531 – 19212.
Braunschweiger Journal
28
Rätsellösung
Diese Ratte im Käfig entdeckte unser Redaktionsmitglied Helmut
Wenzel auf der Pestalozzistraße. Welcher Künstler diese Plastik
geschaffen hat, konnte nicht ermittelt werden. Foto: Irene Wenzel
Ausgabe 5/2014
Fotorätsel
Ein überdimensionierter Marienkäfer krabbelt hier über ein Blatt.
So viel sei verraten: Es handelt sich um ein Gemälde, aber wo
befindet sich dieses?
Foto: K. Ihlenburg
Braunschweigs neue Straßenbahn
Am 18. Juli traf die erste der neuen Straßenbahnen der Braunschweiger Verkehrs AG wie geplant gegen 0:30 Uhr auf einem Schwerlasttransport am Hagenmarkt ein. Viele Schaulustige, darunter unser Redakteur Dirk Israel, waren gespannt auf die neue, moderne
Tram. Auf der Fallersleber Straße wurde das Fahrzeug über eine Rampe auf die Schienen gesetzt - unter dem Beifall der vielen
Zuschauer, die sich trotz der späten Stunde auf den Weg gemacht hatten, um die erste neue Bahn zu begrüßen.
Nach dem erfolgreichen Eingleisen wurde der Tramino Nr. 1 von einem 77er-Triebwagen über Rathaus und Leonhardstraße in Richtung Tramdepot gezogen.
Fotos: Dirk Israel
Braunschweiger Journal
29
Ausgabe 5/2014
Nicht aus Bronze, wie die Figur nebenan, sondern pure Natur: Ein
Tagpfauenauge holt sich den Nektar aus einer Blüte.
Foto: G. Hühne
Auf dem Dachcafé der Buchhandlung Graff hat es sich diese
Dame bequem gemacht.
Foto: G. Hühne
Dieses Blütenmeer entdeckte unsere Fotografin Eveline
Qweitzsch im Braunschweiger Schulgarten.
Auch diesen Gaukler der Lüfte, einen Admiral, hat unser Redaktionskollege Gerhard Hühne für unsere Leserinnen und Leser fotografisch festgehalten.
Vier Meisen auf einmal tummelten sich an einem heißen Sommertag in der „Badeanstalt“ unserer Redaktionskollegin Wibke Ihlenburg-Dreesen.
Foto: W. Ihlenburg-Dreessen
Bei den Wettkämpfen für den 10. USC-City-Beachvolleyball-Cup
vom 25. bis 27. Juni kämpften die Teams bei toller Atmosphäre und
Stimmung auf dem Kohlmarkt
Foto: G. Hühne
30
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Lilli Palmer – eine
preußische Diva
Text: Christel Mertens
Foto: Archiv Wolfgang Steinbrinck g
Unter diesem Titel erschien
die Biografie einer Frau, die
Mitte des letzten Jahrhunderts
eine glänzende Karriere als
Schauspielerin, Schriftstellerin und Malerin gemacht
hatte: Lilli Palmer. 1914 in der
damaligen preußischen Provinz Posen geboren, kam sie
bereits in jungen Jahren mit
ihrer Familie nach Berlin.
Preußen jedoch blieb ihre
lebensbegleitende Wertorientierung. So sagte sie einmal zu
einer Kollegin „Meine Haltung ist und bleibt preußisch.“
Tatsächlich
kennzeichnen
Härte und eiserne Disziplin
ihren Lebenslauf. Das begann
schon damit, dass sie als Schülerin neben der Schule nachmittags Schauspielunterricht
nahm. Beide Bildungsprojekte
schloss sie erfolgreich ab. Bereits 1933 musste die junge
Lilli den nächsten entscheidenden Schritt ins Leben tun.
Da sie als Jüdin in Deutschland nicht arbeiten konnte,
emigrierte sie zusammen mit
ihrer Schwester nach Paris.
Dort tingelten die jungen
Damen durch Nachtclubs;
denn singen konnten sie auch.
Wir erinnern uns an den Ohrwurm „Oh mein Papa“, der
aus einem ihrer ersten Filme
„Feuerwerk“ stammt. Aber bis
dahin war es noch ein weiter
Weg! Zunächst führte sie das
Schicksal nach London und in
die Arme des englischen
Schauspielers Rex Harrison,
den sie 1943 heiratete. Nach
erfolgreichen Jahren in Hollywood und am Broadway
scheiterte die Ehe, und Lilli
Palmer kehrte 1954 nach
Deutschland zurück. Hier erhielt sie Hauptrollen in zahlreichen Filmen und wurde mit
ihrer distanziert eleganten Erscheinung zu einer gefeierten
Persönlichkeit des deutschen
Nachkriegsfilms. Bedeutende
Ehrungen und Auszeichnungen begleiteten ihren Berufsweg. Lilli Palmer wurde zur
Grande Dame, zu einer Diva
ihrer Zeit.
1957 heiratete sie den argentinischen Schauspieler und
Schriftsteller Carlos Thompson. Durch seine Ermunterung
wandte auch sie sich immer
mehr der Schriftstellerei und
der Malerei zu. 1976 erschienen ihre Memoiren „Dicke
Lilli, gutes Kind“, ein Bestseller.
1986 starb Lilli Palmer im
Alter von 71 Jahren in Los
Angeles.
Arbeitnehmer und Rentner
betreuen wir von A-Z im
Rahmen einer Mitgliedschaft bei der
Einkommensteuererklärung
wenn sie Einkünfte ausschließlich aus nichtselbständiger Tätigkeit sowie Rentenbezüge haben und
die Nebeneinnamen aus Überschusseinkünften (z.B.
Vermietung) die Einnahmegrenze von insgesamt 13.000
bzw. 26.000 € nicht übersteigen.
Beratungsstelle: Christian Cziesla, Tel.: 0531/6 14 90 45
Leipziger Straße 220 • 38124 Braunschweig-Stöckheim
Termine nach tel. Vereinbarung. Bei Bedarf Hausbesuche möglich
www.vlh.de • e-mail: c.cziesla@t-online.de
31
Braunschweiger Journal
150 Jahre „Max
und Moritz“
bewenig, Anhang
inhalten gering (griech.)
Von Wibke Ihlenburg-Dreessen
Ermittlungsbüro
zusam- Lebensmenge- gemeinhörende
schaft
Teile
Bergstock im
Kanton
Schwyz
Kreuzes- Fluss in
inschrift Peru
dt.
Schriftsteller †
(Julius)
biblischer
König
Gestalt
grillen der Nibelungensage
Gletscherrest
im Meer
Ergriffenheit
afrikanische
Lilie
Tier des
Polargebiets
Softwarenutzer
(engl.)
Hindernis, Absperrung
Volk in
Südostnigeria
MaledivenInsel
Teil des
Schlüssels
Initialen
von
Sänger
Marshall
Blutarmut
Räubervolk in
der Bibel
Stadt
an der
Weißen
Elster
Männerkosename
Freise & Heidemann
Wilhelm Busch (1832 – 1908)
gehörte zur Münchener
Kunstszene und hatte schon
über hundert Beiträge für den
Münchener Bilderbogen und
die Fliegenden Blätter verfasst, als er die Arbeit an dem
Bilderbuch „Max und Moritz“
begann. Für die Publikation
gewann er den Verleger Heinrich Richter, Sohn des Malers
Ludwig Richter, und das Buch
erschien erstmalig 1864 - also
vor 150 Jahren - mit dem Titel
„Max und Moritz – Eine
Bubengeschichte in sieben
Streichen“. Aber diese erste
Ausgabe war ein Misserfolg.
Daraufhin sprach Busch den
Verleger Kaspar Braun an, der
eine neue Veröffentlichung
zusagte, den Verfasser aber
bat, Texte und Bilder noch einmal zu überarbeiten. Wilhelm
Busch willigte ein, zeichnete
die Bildergeschichte auf Holzdruckstöcke, und „Max und
Moritz“ erschien in dieser
Form im Oktober 1865 in
einer Auflage von 4000 Stück.
Daraus entwickelte sich ein
„Glücksgriff“ für den Verlag,
der die Rechte dem Autor für
einmalig 1000 Gulden abgekauft hatte.
Wilhelm Busch hat stets betont, dass er zuerst die Zeichnungen anfertigte und dann
die Verse dazu verfasste. Die
Originalschrift von Max und
Moritz ist erhalten geblieben
und gehört heute zum Bestand
kenianischer
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Ausgabe 5/2014
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des Wilhelm-Busch-Museums
in Hannover. Hier sind die
meisten Szenen mit zarten
Aquarelltönen koloriert. In der
Auflage von 1865 ist der
Schwarz-Weiß-Druck noch
vereinzelt in Anlehnung an die
ursprüngliche Handschrift farbig ausgemalt worden. Spätere Ausgaben von Max und
Moritz wurden zunehmend
bunter.
Nach Ansicht vieler BuschBiografen liegt „Max und
Moritz“ die Freundschaft zwischen Wilhelm Busch und
dem gleichaltrigen Erich
Bachmann zugrunde, die in
Kindertagen begann. Denn der
neunjährige Wilhelm Busch
wurde seinem Onkel, der Pfarrer in Ebergötzen bei Göttingen war, zur Erziehung anvertraut, und an dessen Privatunterricht durfte auch sein neuer
Freund Erich Bachmann, der
Sohn des Müllers, teilnehmen.
Anschließend konnten die beiden Jungen unbeaufsichtigt im
Dorf herumlaufen. Einige
ihrer Abenteuer, von denen
Busch später berichtete, weisen Parallelen zu Streichen
von Max und Moritz auf, und
nach Porträts von Wilhelm
Busch ähnelte er selbst
dem Moritz mit der blonden
Tolle und sein Freund dem
schwarzhaarigen Max.
Viele Reime dieser Bildergeschichte sind zu geflügelten
Worten im deutschen Sprachgebrauch geworden. Zum Beispiel: „Aber wehe,wehe, wehe! / Wenn ich auf das Ende
sehe!“ und „Dieses war der
erste Streich, doch der zweite
folgt sogleich“ oder „Gott sei
Dank! Nun ist's vorbei / Mit
der Übeltäterei“.
Bereits zu Lebzeiten von Wilhelm Busch erreichte das
Buch die 56. Auflage mit
430000 verkauften Exemplaren und war in zehn Sprachen
übersetzt worden, auch ins
Japanische. Heute gehört Max
und Moritz neben dem Struwwelpeter zu den bekanntesten
Werken der deutschen Kinderliteratur, und daraus ergaben
sich richtungsweisende Impulse für die Entwicklung des
modernen Comics.
Braunschweiger Journal
32
Ausgabe 5/2014
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33
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Braunschweig wieder
Hansestadt?
Von Brigitte Klesczewski
Braunschweig sollte, so der
Wunsch des früheren Oberbürgermeisters Dr. Gert Hoffmann, wieder die Bezeichnung „Hansestadt“ anstreben
und dem neugegründeten
Hanseverein beitreten, da seit
Öffnung der Grenzen und der
Erweiterung der Europäischen
Union die alte Hansetradition
eine neue Belebung erfahren
hätte. Nach Professor Gilbert
Gornig, Philipps-Universität
Marburg, handelt es sich bei
der im Hochmittelalter entstandenen Hanse, die auf
ihrem Höhepunkt eine bedeutende Wirtschaftsmacht in
Europa war, um einen Zusammenschluss deutscher Kaufleute im Ausland. Sie mündete schließlich in einen Städtebund. Die Entdeckung der
neuen Welt leitete jedoch
ihren Niedergang ein. Wer
Braunschweigs Geschichte
kennt, weiß, dass die Stadt für
die sächsischen Städte sogar
einmal ein Vorort der Hanse
gewesen ist.
Vor 30 bis 40 Jahren wurde
mehr als heute die Entwicklung Braunschweigs im Sachunterricht von den sagenumwobenen Anfängen bis zur
heutigen Zeit in der Schule
durchgenommen. Bei Heinrich dem Löwen steuerten die
Schüler sogar eigene Beiträge
bei. Sie kannten oft die von
ihm gegründete Stadt Lübeck
und natürlich auch ihr Autokennzeichen HL, das den Ort
als ehemalige Hansestadt auswies.
Mit Begeisterung lasen die
Viertklässler damals das
Büchlein von Robert Jordan
„Wie die Stadt Braunschweig
entstand“ und fanden im Kapitel „Die Hansestadt“ den
Spruch
O Brunswik, wärst du Waters
rike, du hättest nimmer dinesglike.“
Diesen Spruch verstanden sie
sofort, denn ihr Heimatflüsschen Oker konnte sich wahrlich nicht mit Rhein und Elbe
messen.
Die jungen Braunschweiger
lernten, dass die Hanse ein
Schutz- und Trutzbündnis gewesen war, Beiträge verlangte, dafür aber seine Städte
schützte. Im Rat der Stadt
Braunschweig könnten heute
einige dieser Schüler aus den
siebziger Jahren sitzen und
vielleicht, wie Dr. Gert Hoffmann, in der Hanse einen
frühen Vorläufer und ein
Modell des globalisierenden
europäischen Binnenmarktes
sehen. Schwierigkeiten könnten sich allerdings ergeben,
das „H“ für Hansestadt im
Autokennzeichen unterzubringen.
Leserbrief
Unser Leser Jürgen Diem hat zu dem Artikel „Iller, Lech,
Isar, Inn ...“, Heft 1, 2014, folgende Ergänzung gemacht:
„Merkwürdigerweise kennt hier jeder den Merkspruch für
die Nebenflüsse der Donau, aber nicht den für die Aller.
Dabei liegen die uns doch viel näher:
Ise, Lachte, Örtze, Böhme
sind die kleinen Heideströme.
Oker, Fuhse, Wietze, Leine
fließen links dareine.“
Danke, Herr Diem.
@ Klammeraffen @
Von Helmut Wenzel
„Spider monkeys“, auch
Klammeraffen genannt, leben
in Mittel- und Südamerika. Als
Baumbewohner können sie
sich mit ihrem gelenkigen
Körperbau und einem bis zu
90 cm langen Greifschwanz
geschickt fortbewegen. Ihr
Fell ist meist schwarz, das Gesicht haarlos. Die Gattung umfasst sieben Arten, wobei
kaum eine unter ihrem zugeordneten Namen bekannt sein
dürfte.
In täglich unzähligen Anwendungen dagegen erlangte der
Klammeraffe in fester Verbindung mit E-Mail-Adressen gewaltige Bedeutung. Das AtZeichen „@“, abgeleitet vom
englischen „at“ = „bei“, wird
umgangssprachlich u. a. als
Klammeraffe bezeichnet.
Der Ursprung des Symbols
könnte aus mittelalterlichen
Handschriften hervorgegangen sein, in denen die beiden
Buchstaben „a“ und „d“ des
lateinischen Wortes „ad“
(deutsch: bei, zu) miteinander
verschmelzen oder sie könnten
Abkürzungszeichen in Briefen
eines römischen Kaufmanns
nachempfunden sein. Aus dem
Jahr 1555 ist das @-Zeichen
von der iberischen Halbinsel
bekannt. Hier nutzten es spanische, portugiesische und französische Kaufleute als Maß
beim Handel mit Stieren und
Wein. Das Maß für Festes und
Flüssiges, genannt „Arroba“
oder Arobas, wurde mit dem
At-Zeichen ausgewiesen.
Das @-Zeichen lässt sich in
Akten des Reichskammergerichts (damals in Wetzlar) aus
dem 18. Jahrhundert aufstöbern. Es bedeutete so viel wie
„contra“ (gegen), beispielsweise „Lehmann @ Krause“.
Raymond Samuel Tomlinson
(geb. 1941), Erfinder der EMail, entschied sich 1972 für
ein kaum bekanntes Zeichen
im Schriftsatz amerikanischer
Fernschreiber, das er zwischen
den Benutzer- und Rechnernamen setzte. Die spezielle Verknüpfung mit dem Internet in
Deutschland und anderen,
nicht-englischsprachigen Ländern ergab sich dadurch, dass
das Zeichen hier wenig bekannt war und im englischen
Sprachraum dagegen über
einen längeren Zeitraum
schlummerte.
Das Zeichen @ wird in
Deutschland als Klammeraffe,
in andern Ländern auch als
Affenschwanz, Affenschaukel,
Affen- oder Elefantenohr
bezeichnet. Die Dänen sagen
Kanelbulle (eine schwedische
Backwarenspezialität), die
Finnen Katzenschwanz, die
Griechen Entchen, die Italiener Schnecke, die Russen
Hund, und die Tschechen bezeichnen die E-Mail-Abgrenzung als Rollmops.
34
Braunschweiger Journal
Ausgabe 5/2014
Schlüsseldienst
Von Helmut Wenzel
Wie ich 1951 an den Aluminiumschlüssel kam und wo er
geblieben ist, weiß ich heute
nicht mehr. Er war mir eine
universelle Hilfe, um die
unterschiedlichsten
Türschlösser entriegeln zu können. Die vielen Haustüren der
Siedlung, in der ich damals in
Berlin wohnte, wurden um 20
Uhr von einem Verwalter abgeschlossen. Eine Klingelvorrichtung, um danach ins Haus
zu gelangen, gab es nicht. Entweder man besaß den passenden Schlüssel oder musste
sich durch Ruf- oder Klopfzeichen bei den in der unteren
Etage Wohnenden Einlass
verschaffen. Obwohl für jedes
Haustürschloss ein anderer
Schlüssel bestimmt war, entdeckte ich, dass mein Aluminiumschlüssel übergeordnet
war. Ich konnte nämlich den
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Mein „Generalschlüssel“ verhalf mir in der Schule zu weiterem Ruhm. Der Hausmeister schaffte es morgens wiederholt nur, den Haupteingang zu öffnen. Die Klassenräume blieben verschlossen,
da der Pedell längst wieder in
seinem Bett verschwunden
war. Mein primitiver Schlüssel öffnete nicht nur unsere
Klassentür, sondern ermöglichte auch den Zugang zu den
Nebenräumen.
Unter den Lehrern wurden
meine Schlüsseldienste bekannt, und so verborgte ich
meinen Wunderöffner, um
auch Unterricht in den Physik,
Chemie- und Musikräumen
gewährleisten zu können.
Meine Berühmtheit verschwand dann leider parallel
mit dem Ausscheiden des
Hausmeisters.
Erinnern Sie sich noch an
die Elle?
Das Längenmaß Elle war früher in jedem Haushalt zu finden, wo Frauen spannen und webten oder ihre Kleidung
selbst herstellten, ganz abgesehen von Schneiderwerkstätten und Tuchläden, wo sie zum Grundinventar gehörten. Eine Elle, benannt nach dem menschlichen Unterarmknochen, war ein etwa 70 Zentimeter langer verzierter Vierkantstab mit einem halben Zoll Kantenbreite aus
Hartholz, seltener aus Metall, mit einem Griff und einer
Skalierung in unterschiedlichen Zollwerten. Ellen waren
geeicht, d.h. behördlich genehmigt, Betrug wurde
bestraft. Sie dienten zum Abmessen von Stoffbahnen und
zur Ausmessung beim Zuschneiden. Da sie je nach Region abweichende Längen (zwischen 53 und 69 Zentimetern) hatten, war ihr Wirkungskreis eingeschränkt und
erforderte beschwerliche Umrechnungen. Ab dem 20.
Jahrhundert wurden sie durch metrische Bandmaße abgelöst.
Die Braunschweiger Elle war 57,07 cm lang, ein Metallexemplar ist in einen Pfeiler des Altstadtrathauses eingelassen.
Braunschweiger Journal
35
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Ausgabe 5/2014
Braunschweiger
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Impressum
Redaktion:
Redaktion BS 94
Hohetorwall 10
38118 Braunschweig
Tel.: 0531/4737147
Fax: 0531/4737146
BSJournal@web.de
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Christel Mertens
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Lektorat:
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Die Redaktion behält sich
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Namentlich gezeichnete
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Redaktion wieder.
Zitate werden nur bei
Nennung der
Quelle übernommen.
Nachdruck nur mit
Quellenangabe und
Übersendung
eines Belegexemplares.
Nächste Ausgabe:
Dezember 2014
Redaktionsschluss:
21. Oktober 2014
Anzeigenakquise und
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Braunschweiger Journal
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Herausgeber:
Der Seniorenrat
Braunschweig
36
Ausgabe 5/2014
Bericht aus dem Hundehimmel
Russland hat bis heute noch
nicht postalisch seiner berühmten Hündin Laika gedacht. Mit Sondermarken ehrten Rumänien, die Mongolei,
Bosnien-Herzegowina, Ungarn und Polen meine Himmelsnachbarin, die 1957 so
qualvoll im Weltall ums Leben
kam.
Laika, ihr Name heißt übersetzt „Kläffer“, wurde 1954 in
Moskau geboren. Als ältere
„Dame“ darf sie in diesem
Jahr im Hundehimmel ein
kleines Jubiläum feiern. Mal
schauen, vielleicht besuche
ich sie, um etwas Genaueres
über die Schwerelosigkeit im
Weltall erfahren zu können.
Angeregt zu diesem Thema
wurde ich durch einen Zeitungsbericht, über den mein
Herrchen sich so prächtig
amüsierte. Er hätte, sofern ich
noch auf Erden leben würde,
mit mir Tests unter dem
Motto: „Zicke, zacke, Hundekacke“ durchgeführt.
Auch Laika dürfte erfahren
haben, dass nach einigen Städten in den USA neuerdings
auch in Neapel Hundebesitzer
ihre Vierbeiner zwecks DNARegistrierung zur Blutentnahme vorführen sollen. Anhand
ihrer verbotenen Hinterlassenschaft können die Cani (ital.
Hunde) dann ermittelt und
ihre Besitzer zur Kasse gebeten werden.
Die Schwerelosigkeit steht ja
irgendwie - so mein Laienwissen - mit Magnetismus in Verbindung. Laika dürfte das
Ergebnis eines deutsch-tschechischen Forscherteams interessieren, das 70 Hunde insgesamt 1893mal beim Stuhlgang
und 5582mal beim Urinieren
„vermessen“ hat! Dieser Bericht stand am 3. Januar 2014
in der Süddeutschen Zeitung.
Nach der Beobachtung der
Forscher orientieren sich die
Hunde beim Gassigehen am
Magnetfeld der Erde und koten mit signifikanter Wahr-
scheinlichkeit in die NordSüd-Richtung. Das Signifikante, also das Wichtigste
dabei ist, das Magnetfeld verhält sich genauso ruhig, wie
der geduldige menschliche
Begleiter. Nun weiß man aufgrund dieser Studie auch, dass
neben Kühen, Hirschen und
Füchsen auch Hunde Sinn für
das Magnetische besitzen.
Bisher kitzelte mich Magnetismus weder auf Erden noch
hier oben im Hundehimmel
am Bauch oder unter dem
Schwanz. Ein Abführmittel
musste mir – sofern ich mich
auf die waagerechte Himmelsrichtung spezialisiert hätte –
nie verabreicht werden. Ich
konnte immer, egal in welche
Himmelsrichtung und dabei
sogar noch Dampf ablassen.
Auch Laika dürfte sich wundern, wofür Forschungsgelder
ausgegeben werden. Spaßeshalber werde ich mit ihr diskutieren, ob einem Hund, der
unter Durchfall leidet, mit
einem magnetintensiven Präparat, programmiert auf die
Ost-West-Richtung, geholfen
werden kann. Im Gegensatz
zur Nord-Süd-Achse müsste
diese magnetische Programmierung doch kot- und pippihemmend sein. Wie denkt ihr
darüber - fragt
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