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Die Schulleitung - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden

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ISSN 1615-5017
Die Schulleitung
Nr. 3-2014
Informationen der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg
Foto: Jens Buchholzz
Wir brauchen mehr Unterstützung und bessere
Arbeitsbedingungen – auch für Schulleitungen!
Sehr geehrte Schulleiterinnen, sehr geehrte Schulleiter,
liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
das Schuljahr hat mit positiven Nachrichten begonnen.
Das ist durchaus bemerkenswert. Die beabsichtigte Streichung von 3.600 Lehrerstellen in den Jahren 2015/16 ist
vom Tisch und für Flüchtlingskinder wurden 200 zusätzliche Lehrkräfte eingestellt. Damit sind längst nicht alle
Forderungen der GEW erfüllt. Dennoch ist das Signal der
Landesregierung, dem bestehenden Bedarf an den Schulen
Rechnung zu tragen, ermutigend.
Die GEW wird mit unverändertem Nachdruck für eine
gute Ausstattung der Schulen und für gute Arbeitsbedingungen eintreten. Letztere wurden zum Beginn des neuen
Schuljahres verschlechtert. Die Altersermäßigung wurde gekürzt. Die Regelungen zur Arbeitszeit eröffnen den
Schulleitungen die Möglichkeit, schulische Tätigkeiten
mit Schüler/innen unterschiedlich im Deputat zu berücksichtigen. Es liegt jetzt an Ihnen, den Schulleitungen, bei
der Berechnung des Deputats und der Zuweisung der
Lehraufträge die Arbeitsbelastung nicht weiter zu verschärfen. Die Akzeptanz der Ganztagsschulen hängt maßgeblich von den Arbeitsbedingungen ab.
Mit Beginn des Schuljahrs 2014/15 trat das Gesetz zur regionalen Schulentwicklung im Bereich der allgemein bildenden Schulen in Kraft. Es schafft einen klaren Rahmen und
überlässt den Schulträgern weitgehend die Entscheidung.
Andere Bundesländer haben per Gesetz einen Zeitraum
für die Veränderung der Schulstruktur vorgeschrieben.
Die Veränderungen der Schulstruktur stellen weiterhin
eine große Herausforderung dar. Die Landesregierung
muss den Lehrkräften, die an allen weiterführenden Schulen eine deutliche verändert zusammengesetzte Schülerschaft haben, wirksame Unterstützung geben.
Ich habe Verständnis dafür, dass Lehrkräfte einem integratives Schulsystem mit Binnendifferenzierung zurückhaltend bis ablehnend gegenüberstehen. Sie wissen nicht,
wie das gehen soll. Die angebotene Unterstützung reicht
nicht aus. Die hohe Arbeitsbelastung an den Gemeinschaftsschulen ist dabei kein Anreiz. Dennoch: Wer integrative Schulen ablehnt, muss eine Antwort auf die Frage
geben, welche weiterführende Schule schwache Schüler/
innen besuchen sollen und welche Schule inklusiv arbeitet. Das Festhalten an den bisherigen Strukturen löst die
entstandenen Probleme nicht. Insbesondere die Realschulen brauchen schnellstens Unterstützung, um konstruktiv
mit der entstandenen Situation umgehen zu können.
Wir brauchen Antworten auf diese pädagogischen Herausforderungen, und wir brauchen Unterstützung, Begleitung und
gute Arbeitsbedingungen, auch für Schulleitungen. Diese
Faktoren sind Voraussetzungen erfolgreicher Bildungspolitik.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Ihre
Doro Moritz
Festhalten an den bisherigen Strukturen löst die Probleme nicht
Würde die CDU für neun Schüler eine ganze Klasse
finanzieren?
Doro Moritz
GEWLandes​vorsitzende
Die Verunsicherung ist groß und
bei vielen Kolleg/innen mit dem
Wunsch verbunden, das Bewährte
zu erhalten. Das ist sehr verständlich. Viele Lehrkräfte werfen der
Landesregierung vor, Bewährtes
„ohne Not“ über Bord zu werfen.
Haben wir keine „Not“? Doch.
Inhalt
 2 Würde die CDU für neun Schüler eine ganze
Klasse finanzieren?
 2 Fachtagung Schulleitungsmitglieder 2015
 3 Offenes Ohr für Anliegen der Schulleitungen
 4 Die Ganztagsschule in Baden-Württemberg
 6 Schulentwicklung in Heilbronn
 8 G 8 oder G 9: Debatte verdeckt viele Probleme
 9 Paritätische Besetzung der Schulkonferenz schafft
Unruhe
 9 Schulleitungen besser unterstützen
10 Mehrere Lehrkräfte haben sich heute krank gemeldet!
11 Kooperationszeit muss von der GLK beschlossen
werden
12 Privilegien für die Haupt- und Werkrealschulen?
14 Wird sich die Bewerberzahl erhöhen?
14 Die kleinen Schulen trifft es besonders
15 Die Rolle der Schulkonferenz bei der Schulleiterbesetzung
16 In eigener Sache: Nachwuchs gesucht!
Impressum
Die Landesregierung hat die
Pflicht, ein tragfähiges, wohnortnahes und gerechtes Schulsystem
zu schaffen. Genau das kann die
bisherige Struktur nicht (mehr) leisten. Die Schülerzahlen sind rückläufig, Hauptschulen brechen in
rasanter Geschwindigkeit weg, die
Bundesrepublik ist die Verpflichtung zur Umsetzung der Inklusion
eingegangen. Auf diese Herausforderungen muss die Landesregierung Antworten geben. Die alte
Landesregierung hat diese Aufgaben sehenden Auges ignoriert.
Auch die CDU räumt inzwischen
ein, dass die Hauptschulen nicht zu
retten sind. Und sie will auch die
Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung nicht wieder einführen. Sie will aber nach Klasse 6 an
der Realschule eine verbindliche
Bildungswegeempfehlung einführen, mit der Kinder einem Hauptschulgang an der Realschule zugewiesen werden. Das mag auf den
ersten Blick an den von der Heterogenität am stärksten betroffenen
Realschulen als Lösung erscheinen.
Bei genauer Betrachtung der Schülerzahlen ist es keine. Das Statistische Landesamt hat im Sommer
eine neue Schülerzahlenprognose
vorgelegt. Danach werden Realschulen im Jahr 2020 noch zweibis dreizügig sein. Mehr als zehn
Prozent, das sind neun Schüler/
innen pro Jahrgang, wird auch die
CDU nicht zwangsweise in einen
Hauptschulzug umschulen. Würde
die CDU für neun Schüler/innen
eine ganze Klasse finanzieren? Vielleicht würde sie in den Kernfächern
differenzieren und in den anderen
Fächern gemeinsamen Unterricht
machen. Das ist nicht das, was sich
die Lehrkräfte an den Realschulen
wünschen. Das steigert vor allem
nicht die Akzeptanz der Realschule
bei bildungsambitionierten Eltern.
Die Konsequenz ist klar: Noch
mehr Eltern werden sich für das
Gymnasium entscheiden und dort
die Heterogenität weiter vergrößern. Das wiederum ist nicht im
Interesse der Gymnasiallehrkräfte.
Dieses Szenario macht deutlich,
dass das Festhalten an den bisherigen Strukturen die entstandenen
Probleme nicht löst. Wir brauchen
Antworten auf diese pädagogischen
Herausforderungen, und wir brauchen Unterstützung, Begleitung
und gute Arbeitsbedingungen,
auch für Schulleitungen.
Doro Moritz
Die Schulleitung
Herausgegeben von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft,
Baden-Württemberg, Silcherstraße 7, 70176 Stuttgart
Redaktion: Hans Dörr, Harald Valachovic
Zuschriften an die Redaktion bitte nur per Email an hans_doerr@gmx.de
Gestaltung: Tomasz Mikusz, SPV
Verlag: Süddeutscher Pädagogischer Verlag (SPV),
Termin blockieren: 6. März 2015
Fachtagung Schulleitungsmitglieder 2015
Silcherstraße 7a, 70176 Stuttgart
Druck: GO Druck Media, Kirchheim
Herausgeber und Redaktion übernehmen keine rechtliche Verantwortung
für die Angaben und Empfehlungen in dieser Publikation.
„Die Schulleitung“ wird über die GEW-Vertrauensleute in 2 Exemplaren
an die Schule geliefert; beide Exemplare sind für die Schulleitung bestimmt. Die Vertrauensleute erhalten per Mail ein weiteres Exemplar.
Auflage: 10.000 Exemplare
Oktober 2014
Seite 2
Die Schulleitung 3-2014
Die bewährte und stets gut besuchte Fachtagung 2015 wird am Freitag,
6. März 2015 in Stuttgart im Hospitalhof stattfinden. Als Titel ist angedacht: Arbeitsplatz Schulleitung – immer noch mehr neue Herausforderungen? Bei der Fachtagung 2015 wird uns – wie 2013 – Kultusminister Stoch als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Am Nachmittag
werden in mehreren Foren aktuelle Themen bearbeitet. Eine detaillierte
Einladung folgt.
GEW-Landespersonengruppe Schulleitung: Angeregtes Gespräch mit Kultusminister Stoch
Offenes Ohr für Anliegen der Schulleitungen
Auf großes Verständnis und hohe Sachkenntnis stießen Mitglieder der GEW-Landespersonengruppe Schulleitung beim Gespräch mit Kultusminister Stoch am 22. September im Kultusministerium. Thematisiert
wurden viele wichtige Fragen, die Schulleitungen im Land derzeit bewegen.
Doro Moritz, die GEW-Landesvorsitzende begrüßte,
dass die Landesregierung sich entschieden habe, die
Lehrerstellen im Doppelhaushalt 2015/16 nahezu
vollständig zu erhalten. Die GEW habe in den vergangenen Monaten immer wieder klar gemacht, dass
angesichts der korrigierten Schülerzahlen des Statistischen Landesamtes und der zahlreichen bildungspolitischen Reformen der Landesregierung kein Spielraum
für Stellenstreichungen bleibe. Sie bedankte sich außerdem bei Kultusminister Stoch für seine klare Haltung, G 9 nicht weiter auszubauen.
Die GEW-Landesvorsitzende hob die Bedeutung einer guten Kommunikation des Kultusministeriums
mit den Leitungspersonen hervor und erwähnte den
Beitrag, den die GEW hier leisten könne. Immerhin
organisiere die GEW mehr Leitungspersonal als alle
Schulleitervereinigungen. Neben Großveranstaltungen
sei es sehr wichtig, dass der Kultusminister näher vor
Ort mit den Schulleitungen der einzelnen Schularten
spreche.
Angela Keppel-Allgaier, Schulleiterin einer Grundund Werkrealschule machte deutlich, dass die Qualität
von Schule und die Akzeptanz von Reformen ganz wesentlich davon abhänge, wie die Schulleitungen ausgestattet seien. Zentraler Faktor sei der nach wie vor
zu geringe Umfang an Leitungszeit. Die Ausstattung
vor allem mittelgroßer und kleiner Schulen sei noch
immer völlig unzureichend. Die Mindestanrechnung
von acht Wochenstunden (für Schulen mit weniger
als sieben Klassen) genüge überhaupt nicht. Mit einer
oftmals nur stundenweise tätigen Schulsekretärin und
Teilzeit-Hausmeistern seien die Schulleiter/innen dieser Schulen permanent überfordert. Eberhard Messer,
Schulleiter einer großen Grund-, Werkreal- und Realschule, pflichtete dieser Zustandsbeschreibung bei.
Auch wenn das Volumen an Leitungszeit an größeren
Schulen deutlich umfangreicher sei, reiche es vorne
und hinten nicht aus für die vielfältigen Aufgaben auf
den Feldern der Schulorganisation, der Personalführung und der Schul- und Unterrichtsentwicklung.
Kultusminister Stoch zeigte großes Interesse für die
Entlastungsstrategie, die Manfred Haffa, Schulleiter einer beruflichen Schule ansprach. Der Schulversuch „Schulverwaltungsassistenz“ in den Schuljahren
2006/07 und 2007/08 sei angeblich erfolgreich verlaufen, aber dennoch nicht weitergeführt worden. Haffa
plädierte für eine Fortsetzung – allerdings dürfe das
Zeitvolumen der Schulverwaltungsassistenz nicht zur
Kürzung von Leitungszeit führen (wie das beim Schulversuch der Fall war), sondern müsse als zusätzliche
Kapazität zur Verfügung stehen.
Hans Dörr, Personalratsvorsitzender und ehemaliger
GHWR-Schulleiter, sprach die Defizite vor allem in
der voraus laufenden Qualifizierung von Schulleitungspersonen an. Zusammen mit anderen Faktoren
– der wenig attraktiven Besoldungsdifferenz, der zu geringen Leitungszeit und dem neuen Stellenbesetzungsverfahren – würden diese Mängel nicht dazu beitragen,
die unbefriedigende Bewerber/innenzahl zu erhöhen.
Die Kritik am neuen Stellenbesetzungsverfahren für
Schulleiter/innen wollte Kultusminister Stoch nicht
teilen. Das frühzeitige Hinzuziehen eines Mitglieds
der Schulkonferenz und des Schulträgers in der „Auswahlkommission“ könne manche spätere Vermittlungsproblematik in diesen Gremien verringern. Dieser Einschätzung konnten die GEW-Vertreter/innen
nicht folgen. Vor allem das vorhersehbare Misstrauen
in Sachen „Verschwiegenheit“ dieser Mitglieder der
Auswahlkommission könne dazu führen, dass die Bewerberlage noch mehr einbreche.
Mit dem Ausblick, den Kultusminister bei der Fachtagung am 6. März 2015 als Hauptreferenten bei der
GEW-Fachtagung für Schulleitungsmitglieder im
Stuttgarter Hospitalhof begrüßen zu können, verabschiedete sich die Delegation.
Hans Dörr ist
Mitglied des
Leitungsteams des
Landespersonengruppenausschusses
Schulleitungsmitglieder in der GEW
Baden-Württemberg.
Außerdem ist er
GEW-Kreisvorsitzender im GEW-Kreis
Esslingen-Nürtingen
und Vorsitzender
des Personalrats für
GHWRGS-Schulen
beim SSA Nürtingen
Hans Dörr
Gespräch mit KM Stoch am 22.9.14. V.l.n.r.: Eberhard Messer, Doro Moritz, Hans Dörr,
Kultusminister Andreas Stoch, Angela Keppel-Allgaier, Manfred Haffa
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Die GEW nimmt Stellung
Die Ganztagsschule in Baden-Württemberg
Am 16. Juli 2014 wurde in Baden-Württemberg erstmals die Ganztagsschule im Schulgesetz verankert. Damit gehört der Status des „Schulversuchs“ für Ganztagsschulen endlich der Vergangenheit an. Die GEW
Baden-Württemberg unterstützt die Entwicklung und den Ausbau qualitativ hochwertiger Ganztagsschulen.
Es sind vor allem pädagogische und gesellschaftspolitische Argumente, die für Ganztagsschulen sprechen.
Sie können zum Ausgleich von Bildungsungleichheiten beitragen und erfüllen die wichtige sozial- und
familienpolitische Aufgabe der Betreuung von Kindern
und Jugendlichen. Während die Ganztagsschule die
Betreuungsaufgabe relativ leicht erfüllen kann, bedarf
es anspruchsvoller pädagogischer Konzepte und deren
qualitätsvolle Umsetzung, wenn sie zur Lernförderung
und zur Herstellung von mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen soll. Bedeutsam sind vor allem in sich
stimmige Konzepte, welche die Rhythmisierung des
Ganztags konsequent verfolgen und den Einsatz von
Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften im
tragenden Kern der Ganztagsschule vorsehen. „Gebundene Ganztagsschulen ermöglichen eine individuellere Förderung und eröffnen mehr Lernchancen
für die Schüler“, heißt es in einer aktuellen Studie
von Klaus Klemm. Dies sollte auch für die Entwicklung der Ganztagsschulen in Baden-Württemberg leitend sein. Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, zunächst 70 Prozent der Grundschulen und der
Grundstufen der Förderschulen bis zum Jahr 2023 zu
Ganztagsschulen auszubauen. Damit sollen 50 Prozent
der Schüler/innen in diesen Schulen ein Ganztagsangebot erhalten. Im Schuljahr 2013/14 waren etwa 15
Prozent der 2.526 Grundschulen Ganztagsschulen: 9
Prozent der Grundschulen sind offene, knapp 4 Prozent teilgebundene und rund 2 Prozent sind gebundene Ganztagsschulen.
GEW-Stellungnahme zur Schulgesetzänderung
- Grundlegendes
Die Stundenzuweisung erfolgt auf der Grundlage von
Gruppen, die pro Gruppe mindestens 25 Kinder umfassen und sich aus verschiedenen Klassen und Klassenstufen zusammensetzen. Die Wahlform ermöglicht,
dass in einer Klasse Kinder am Ganztag teilnehmen und
andere nicht. Dies hat zur Folge, dass sich eine Schule
pädagogisch und organisatorisch zerklüftet und eine
rhythmisierte Angebotsstruktur aus Rücksicht auf die
Schüler/innen, die nicht für den Ganztag angemeldet
sind, nicht umgesetzt werden kann. Wenn die Rhythmisierung umgesetzt wird, bedeutet dies für Kinder,
die nicht im Ganztag sind, Nachmittagsunterricht. Um
dies zu vermeiden, werden die Schulen sich gezwungen
sehen, den Pflichtunterricht nach Stundentafel tendenziell in der tradierten, verdichteten Halbtagsform auszubringen und die Ganztagsangebote in die zeitlichen
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Die Schulleitung 3-2014
Randzonen, vor allem aber auf den Nachmittag zu legen. Ein anspruchsvolles pädagogisches Konzept kann
damit nicht umgesetzt werden. Es erscheint auch zweifelhaft, ob die Wahlform die einladende Attraktivität
entfalten kann, die ihr die Landesregierung zur Weiterentwicklung hin zur verbindlichen Form unterstellt.
Anstatt einer im Antragsverfahren uneinigen Schule die
„Wahlform“ als fragwürdigen Kompromiss anzubieten,
wäre es in einem solchen Fall konzeptionell konsequenter und faktisch ehrlicher, wenn sich Schule und
Schulträger zunächst mit einer „Verlässlichen Grundschule in Ganztagsform“ begnügen würden. Die GEW
plädiert dafür, die „Wahlform“ nicht zuzulassen.
Finanzierungsvorbehalt
Das Erweiterungsprogramm für Ganztagsschulen steht
unter einem Finanzierungsvorbehalt. Die Zulassung
„nach Kassenlage“ führt damit ein Kriterium ein, das
sich weder durch Transparenz noch durch Verlässlichkeit auszeichnet. Wenn die Regierung jedoch davon
ausgehen muss, dass sie eine möglicherweise unkalkulierbare Expansion der Nachfrage nicht finanzieren
kann, dann sollte sie einer hochwertigen Qualität der
entstehenden Ganztagsschulen durch eine entsprechende Versorgung und Unterstützung Vorrang geben
vor einer bloßen Verbreitung von Ganztagsschulen, die
den pädagogischen Ansprüchen nicht genügen.
Ressourcen, Monetarisierung
Die Zuweisung von Personalressourcen durch das Land
in Form von Lehrerwochenstunden stützt sich auf die
durch die Antragsteller gewählte Zeitvariante und auf
die Zahl der am Ganztag teilnehmenden Schüler/innen,
wobei hier ein von den Mindest- und Teilungsgrößen
für die Klassenbildung abweichender Gruppenteiler
von 25 eingeführt wird. Sofern die Mindestgröße zur
Bildung einer Gruppe erreicht wird, ergibt sich je nach
Zeitvariante eine Zuweisung von Lehrerwochenstunden in einer Bandbreite von 6 bis 12. Der Umfang der
sich jeweils ergebenden Zuweisung ist in keinem Fall
ausreichend, um den Zeitrahmen der Ganztagsschule
mit von Lehrkräften durchgeführten Angeboten auszulegen. An die Schule wird deshalb die Aufgabe delegiert,
aus den vom Land zugewiesenen Personalressourcen,
mit der vom Schulträger zur Verfügung gestellten personellen Unterstützung und mit den fakultativ ehrenamtlich tätigen oder gering verdienenden Mitarbeiter/
innen den Zeitrahmen auszufüllen. Um die vom Land
zugewiesenen Personalressourcen für den tatsächlichen
Bedarf zu „strecken“, wird unter anderem die „Monetarisierung“ von Lehrerwochenstunden eingeführt.
Die „Monetarisierung“ folgt der schon 2009/10 eingeführten Möglichkeit zur „Personalausgabenbudgetierung“, die - von der GEW schon immer abgelehnt
– den Schulen den Zugang zu nicht geregelten, prekären Arbeitsverhältnissen eröffnet. Schon der mit der
Bewirtschaftung des beim Schulträger eingerichteten
Budgets verbundene Aufwand müsste Schulleitungen
veranlassen, von der „Monetarisierung“ von Lehrerwochenstunden abzusehen. Außerdem befürchtet die
GEW, dass die neue Rechtsverordnung zur Lehrerarbeitszeit, die den Schulleitungen ermöglicht, die schulische Tätigkeit von Lehrkräften bei der Berechnung des
Deputats unterschiedlich zu gewichten, die Belastung
weiter erhöht. In den Ausführungsbestimmungen zum
Ganztag ist vorgesehen, dass außerschulische Partner
auf der Grundlage einer Kooperationsvereinbarung
oder auf der Grundlage einer ehrenamtlichen Beauftragung tätig werden. Die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Vereinen, Körperschaften, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Verbänden und Organisationen
als außerschulischen Partnern erfolgt auf der Basis einer
schriftlichen Kooperationsvereinbarung. Formulare erstellt das Kultusministerium. Schulen können mit Einzelpersonen nur auf der Grundlage einer schriftlichen
ehrenamtlichen Beauftragung zusammenarbeiten. Vereinbarungen mit den außerschulischen Partners und
den einzelnen Personen schließen die Schulleitungen
namens und in Vertretung des Landes.
Das „Mittagsband“
Die zur Organisation und Gestaltung des „Mittagsbandes“ getroffenen Regelungen erwecken den Eindruck eines praktisch und pädagogisch nicht zu Ende
gedachten Finanzierungskompromisses zwischen Land
und kommunalen Schulträgern. Das Mittagessen ist für
Schüler/innen kein verpflichtender Teil des Ganztags,
auch nicht beim Ganztag in der verbindlichen Form.
Daraus ergeben sich erhebliche rechtliche Probleme.
Völlig unstrittig ist, dass die Bereitstellung und Ausgabe des Essens in die Zuständigkeit des Schulträgers
gehört. Damit hat die im Gesetzentwurf mitgeplante
„Beaufsichtigung“ der essenden Kinder nichts zu tun.
Die gemeinsame Einnahme des Mittagessens ist eine
interessante und zu kultivierende Gesellungsform. Es
gibt starke Argumente dafür, die Organisation und Gestaltung der Mittagspause als eine in den Ganztag integrierte und in der Verantwortung der Schule liegende
Tagesphase zu betrachten. Wenn Lehrkräfte ihre Schüler/innen dort begleiten sollen, müssten den Schulen
dafür zusätzliche Anrechnungsstunden zur Verfügung
gestellt werden, da die im Entwurf aufgeführten Zuweisungen an Lehrerwochenstunden dafür keinesfalls
ausreichen.
Veranstaltungen der GEW zu Ganztagsschulen
Weitere Infos zum Thema gibt es bei den GEW-Veranstaltungen am:
07.11.2014 Stuttgart, 14.30 bis 17.30 Uhr
19.11.2014 Karlsruhe, 14.30 bis 17.30 Uhr
24.11.2014 Reutlingen, 14.30 bis 17.30 Uhr
01.12.2014 Biberach, 15.30 bis 18.30 Uhr
08.12.2014 Freiburg, 10 bis 16 Uhr.
Den exakten Veranstaltungsort erfahren Sie über:
https://www.gew-bw.de/Veranstaltungen.html
Empfehlungen für die Antragsteller
• Vor der Antragsstellung sollten die Schulen genau prüfen, ob
das pädagogische Konzept durch personelle und finanzielle
Ressourcen gedeckt ist und die Schularchitektur einen für alle
Beteiligte akzeptablen, lebbaren und pädagogisch attraktiven
Ganztag ermöglicht.
• Bereits bestehende Ganztagsschulen sollten detaillierte
Vergleichsberechnungen anstellen, um - durchaus mögliche
– Schlechterstellungen bei der Zuweisung von Ressourcen zu
vermeiden.
• Für die Antragstellung fordert die GEW, dass der zustimmende
Beschluss der GLK vorliegt, zumal das Kollegium auch das
Ganztagsschulprogramm erarbeiten und die
• Lehrkräfte die Durchführung maßgeblich tragen müssen.
• Alle für den Betrieb notwendigen Absprachen mit allen am
Schulleben Beteiligten sollten in das pädagogische Konzept
aufgenommen und mit dem Schulträger vor der Antragsstellung
schriftlich festgehalten werden.
• Die für die Durchführung des Ganztags erforderlichen Arbeitszeitregelungen für die Lehrkräfte sollten vom Kollegium im
Zusammenhang mit dem Programm und ggf. unter Einbeziehung des Personalrats der GEW diskutiert und beschlossen
werden.
• Notwendig sind verbindliche Absprachen mit dem Schulträger
über Betreuungsangebote vor und nach dem „Schulbetrieb“
sowie Vertretungsregelungen.
Bewertung des Schulgesetzes in Kürze
• Die GEW begrüßt die längst überfällige Verankerung der Ganztagsschule im Schulgesetz.
• Die Priorisierung auf Ganztag an Grundschulen ist richtig. Die
weiterführenden Schulen müssen aber in absehbarer Zeit folgen.
• Bei der Genehmigung von Ganztagsschulen sollte die Trag- und
Bestandsfähigkeit der antragstellenden Schulen ein Kriterium
sein. Die Einrichtung von Ganztagsschulen muss deshalb zwingend in die regionale Schulentwicklungsplanung eingebunden
werden.
• Vorrang sollten diejenigen Anträge haben, die die verbindliche
Form in der Zeitvariante 4 x 8 vorsehen.
• Die GEW empfiehlt, die Wahlform nicht zuzulassen.
• Die GEW lehnt die Monetarisierung von Lehrerwochenstunden ab.
Die Schulleitung 3-2014
Seite 5
GEW ergreift die Initiative
Schulentwicklung in Heilbronn
Michael Futterer
Stellvertretender
GEW-Vorsitzender,
Hauptpersonalratsmitglied,
Mitglied des Landesfachgruppenausschusses gewerbliche
und hauswirtschaftliche
berufliche Schulen
Johann-JakobWidmann-Schule
Am 30.6.2014 lud der GEW-Kreisverband Heilbronn alle Heilbronner Werkrealschulen zu einer Veranstaltung zum Thema „Regionale Schulentwicklung in Heilbronn“ ein. Nach einer Podiumsdiskussion – unter
Leitung von Hans Dörr (GEW) - mit Vertretern des städtischen Schul- und Kulturamtes, der Handwerkskammer, des Gesamtelternbeirates der Stadt Heilbronn, des Staatlichen Schulamtes und einer Vertreterin
einer betroffenen Schule stellte die Sprecherin des Kreisvorstandes und ÖPR-Vorsitzende Andrea Krieg –
einen konkreten Vorschlag zur regionalen Schulentwicklung in der Stadt Heilbronn vor.
Die Schulleiter/innen und Vertreter der Lehrkräfte der betroffenen
acht Werkrealschulen diskutierten
und formulierten in Arbeitsgruppen ihre Erwartungen an die Stadt
Heilbronn und an das Schulamt
und skizzierten Überlegungen zur
Weiterentwicklung ihrer Schule.
Mitgeplant und unterstützt wurde
die Veranstaltung vom Leiter des
Staatlichen Schulamtes Wolfgang
Seibold und vom Schulamtsdirektor Christoph Egerding-Krüger
(beide GEW).
Die Situation in Heilbronn:
Stillstand in der Regionalen
Schulentwicklung
Anlass für die Veranstaltung war
u.a. die Unzufriedenheit vieler
Lehrkräfte über die Schulentwicklung in Heilbronn. Die Stadt selbst
ist Bildungsregion und unterhält
ein eigenes „Büro für Kommunales
Bildungsmanagement“. Sie ist vor
zwei Jahren zwar kurz in die Diskussion über eine regionale Schulentwicklung eingestiegen, bald jedoch kehrte Stillstand ein. Dafür
gibt es mehrere Gründe:
•2012 wandelte sich die FritzUlrich-GWRS in eine Gemeinschaftsschule um. Die Entscheidung im Gemeinderat war
jedoch denkbar knapp. Die Diskussion der Gegner war eher von
den alten ideologischen Vorurteilen geprägt, als dass man sich
auf diese neue Schulart einlassen
wollte. Weitere Anträge auf eine
Gemeinschaftsschule gab es wohl
auch aus diesem Grund nicht.
• 2014 fanden in Heilbronn Oberbürgermeisterwahlen (bei der
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Die Schulleitung 3-2014
auch der bisherige Schulbürgermeister kandidierte) und Gemeinderatswahlen statt. Ganz
offenkundig hatte keine der Parteien bzw. Kandidaten ein allzu
großes Interesse daran, die Schulentwicklung zum Wahlkampfthema zu machen.
Mittlerweile hat sich die Situation
aber weiterentwickelt, ein Stillstand ist nicht mehr zu rechtfertigen. Die Schüler/innenzahlen in
der Grundschule sind in der Stadt
Heilbronn in den vergangenen Jahren erfreulicherweise relativ stabil
geblieben, im Landkreis sind sie jedoch zwischen 2000 und 2012 um
mehr als 23 Prozent zurückgegangen, was sich mittlerweile an den
weiterführenden Schulen der Stadt
bemerkbar macht. Zudem gibt es
im Landkreis Heilbronn 13 weitere Gemeinschaftsschulen, allein
in Neckarsulm zwei. Heilbronn
hatte traditionell eine sehr hohe
Übergangsquote auf die Hauptschule, die 2001 noch bei 41,7
Prozent lag (509 Schüler/innen).
Der Wegfall der Verbindlichkeit
der Grundschulempfehlung und
die damit verbundene Veränderung
des Schulwahlverhaltens treffen
die städtischen Werkrealschulen
(WRS) deshalb massiv. 2013/14
lag die Übergangsquote nur noch
bei 17,2% (190 Schüler/innen);
im laufenden Schuljahr sind es
nach vorläufigen Zahlen nur noch
ca. 150 Schüler/innen. Diese verteilen sich auf die 8 verbliebenen
WRS mit 9 Klassen – zwei WRS
wurden bereits „abgewickelt“.
Die meisten Heilbronner WRS
haben mittlerweile Probleme die
geforderte Mindestschülerzahl von
16 in der Jahrgangsstufe 5 zu erreichen. Hinzu kommt, dass das Land
zum 1.8.2014 den Gesetzentwurf
zur regionalen Schulentwicklung
verabschiedet hat. Mit dem neuen
Schuljahr sind die Anmeldezahlen
für die einzige Gemeinschaftsschule explosionsartig gewachsen. Die
Fritz-Ulrich-Schule, eigentlich für
einen zweizügigen Betrieb ausgelegt, startet mit vier Eingangsklassen, was massive Raumproblem
schafft. Dies zeigt deutlich, dass
Heilbronn eine zweite Gemeinschaftsschule braucht. Zudem ist in
den vergangenen Wochen deutlich
geworden, dass bei einer ganzen
Reihe von Schulgebäuden ein massiver Sanierungsstau besteht. Es
besteht die Gefahr, dass die regionale Schulentwicklung nicht von
pädagogisch sinnvollen Kriterien
begleitet wird, sondern angesichts
der schwierigen finanziellen Situation dem Diktat des Machbaren
unterliegt.
Lehrkräfte: „Keine Schulentwicklung für die Mülltonne!“
Der bisherige Schulbürgermeister und jetzige Oberbürgermeister Mergel hat die Schulen in
der Vergangenheit immer wieder
aufgefordert,
Entwicklungspläne für ihre Schule auszuarbeiten.
Die Lehrkräfte sind dazu durchaus bereit. Auf einer Teilpersonalversammlung, an der auch Harry
Mergel teilnahm, hat eine Kollegin allerdings das Problem auf den
Punkt gebraucht: Wir wollen keine Schulentwicklungspläne für die
Mülltonne machen. Die Lehrkräfte
GEW-Kreisvorsitzende Andrea Krieg trägt den GEW-Vorschlag zur RSE vor
erwarten deshalb von der Stadt
klare Rahmenbedingungen für die
weitere Entwicklung der Schullandschaft in Heilbronn. Das
Kernproblem ist jedoch, dass die
Stadt bislang keinen Plan hat. Die
Landesregierung agiert nach dem
Prinzip „Gute Schule wächst von
unten“. Damit kommt aber dem
kommunalen Schulträger eine zentrale Verantwortung bei der regionalen Schulentwicklung zu - und
dies kann sich nicht auf die bloße
Schulraumnutzung beschränken.
Wir steuern – ob wir das wollen
oder nicht – auf ein Zwei-SäulenModell zu, weil die WRS implodiert. Die Frage, wie diese zweite
Säule aussehen soll, ist deshalb eine
zentrale bildungspolitische Frage,
auf die heute vor allem die Stadt
eine Antwort geben muss. Darüber
hinaus muss die Stadt auch deshalb
Vorgaben machen, an welchen
Standtorten welche Entwicklungen
denkbar sind, weil die notwendigen Investitionen in die Bausubstanz und die Verkehrsanbindung
optimal getätigt werden sollen.
Genau diese klaren Rahmenbedingungen haben die Lehrkräfte und
Schuleiter/innen auf der GEWVeranstaltung vehement eingefordert. In Arbeitsgruppen kamen immer wieder dieselben Forderungen
gegenüber der Stadt:
•mehr Transparenz – ein anderer
Umgang der Stadt mit den Schulen – alle betroffenen Schulen
in die Prozesse einbeziehen,
nicht nur die geschäftsführende
Schulleitungen
•mittelfristige Planungssicherheit
für pädagogischer Schulentwicklung – die Stadt muss ihre Pläne
auf den Tisch legen
•bessere räumliche Verhältnisse
➠ Sanierungsstau beheben
•Schulausstattung
modernisieren
➠ an veränderte Unterrichts- und
Schulsituation anpassen - ein Ganztagesbetrieb braucht andere sächliche Voraussetzungen
•kein Druck bei Ganztagesgrundschule
•„ehrliche Kommunikation“ - Entscheidungen der Schulen mittragen
Aus der Stadt kommen bislang andere Signale. Mit Schulleitungen
der WRS werden Einzelgespräche
geführt, in denen keine Antworten
gegeben, sondern eher Fragen aufgeworfen und neue Unsicherheiten
bereitet werden. Schulen, die sich
Richtung
Gemeinschaftsschule
weiterentwickeln wollen, werden
eher gebremst, Standortfragen
bleiben unbeantwortet und die Sanierungskosten explodieren. Dies
hat zur Folge, dass die Bereitschaft
zu Aktivitäten in pädagogischen
Schulentwicklungsfragen derzeit
ruhen („Wir wollen nicht für den
Mülleimer arbeiten.“) Die Stadt
hat inzwischen ein externes Beratungsbüro damit beauftragt, ein
Gutachten zu erstellen! Die Schulen müssen umfangreiches Datenmaterial erheben, wissen aber weder genau wofür noch ist ihnen ein
Zeitplan bekannt.
Dies sind insgesamt problematische
Signale. Die Lehrkräfte kritisierten
auf der GEW-Veranstaltung immer
wieder die fehlende Wertschätzung
für ihre Arbeit und die mangelnde Planungssicherheit hinsichtlich
ihres Arbeitsplatzes. Mittlerweile
hat dies auch Konsequenzen für die
Lehrerversorgung: Im Bereich des
Staatlichen Schulamts Heilbronn
ist es derzeit besonders schwierig
offene Stellen zu besetzen, weil
Bewerber fehlen. Einstellungsangebote an anderen Standorten werden bevorzugt. Offenkundig ist der
Standort Heilbronn nicht attraktiv
genug. Die Schullandschaft verändert sich derzeit relativ dynamisch.
Wenn die Stadt jetzt keine klaren
Rahmenbedingungen setzt, verliert
sie jede politische Steuerungsmöglichkeit und es kommt zu einer „vegetativen Schulentwicklung“ - über
Standortschließungen entscheiden
die Schülerzahlen. Der eigentlich
innovative Bildungsstandort Heilbronn, verliert diesen Standortfaktor. Wenn Heilbronn den Bedarf
an Gemeinschaftsschulen nicht
dem Elternwunsch anpasst, bleibt
Die Schulleitung 3-2014
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diesen Kindern nur die Möglichkeit der „Stadtflucht“ auf eine der
zahlreichen Gemeinschaftsschule
im Landkreis. Die extreme Heterogenität der Schülerschaft in den
Heilbronner Realschulen wird
weiter zunehmen, ohne dass diese
Schulart die nötige Unterstützung
erhält. Die Gymnasien verzeichnen derzeit schon einen deutlichen
Schüler/innenrückgang. Wer gestalten will, muss das jetzt tun! Wer
zu spät kommt, . . . !
Wie geht es weiter?
Die GEW Heilbronn hat einen
Vorschlag zur Weiterentwicklung
der einzelnen Standorte gemacht.
Dieser hat in den Schulen sicher
zu kontroversen Diskussionen
geführt. Der GEW-Vorschlag ist
wirklich nur als solcher zu betrachten. Er ist schon heute ein Stück
weit überholt. Sinn und Zweck war
es, wachzurütteln und die Diskussion aller Beteiligten zu befördern.
Dies ist uns an den Schulen auch
gelungen. Wir werden an diesem
zentralen Thema bleiben. Die
GEW Heilbronn wird jetzt das
Gespräch mit der neu gewählten
Schulbürgermeisterin der Stadt
Heilbronn suchen. Weitere Informationen auf der Homepage der
GEW Heilbronn (Startseite):
http://gew-heilbronn.de/
Michael Futterer
G 8 oder G 9: Debatte verdeckt viele Probleme
Jürgen Stahl
Vorsitzender LFGA
Gymnasien
Die Parteien bringen sich für die Landtagswahl in Stellung. Bildungspolitik wird ein Schwerpunkt werden,
die Schulzeit am Gymnasium – insbesondere G8 oder
G9 - wird zur Gretchenfrage gemacht. Für die Gymnasien Baden-Württembergs verdeckt diese wichtige
Debatte - die nicht unabhängig von Zukunft der anderen Schularten zu lösen ist - viele Probleme, über die
öffentlich viel weniger breit diskutiert wird:
• Die Diskussion über die zeitlich stark belastende Mittelstufe mündet in der Schulzeitverlängerung. Wo
sind die Konzepte, die die Gewichte zwischen Mittelstufe und gymnasialer Oberstufe neu ausloten, um
auch das achtjährige Gymnasium schülerfreundlicher
zu machen? Abitur im eigenen Takt ist für die Oberstufe ein guter Lösungsansatz, aber auch nur dann,
wenn es attraktive Angebote über den Pflichtkanon
hinaus gibt.
•Ca. 11 Prozent der Schüler/innen am Gymnasium
haben keine Grundschulempfehlung für das Gymnasium. Was soll mit den Schüler/innen geschehen,
für die trotz Fleiß und Anstrengung der gymnasiale
Bildungsweg in Überforderung mündet? Wo sind
die Ressourcen für Förderkonzepte? Viele Kolleg/
innen fühlen sich mit diesen Kindern und ihren
Schwierigkeiten allein gelassen.
•Und wer redet in den politischen Parteien über die
Arbeitsbedingungen? Ich habe den Eindruck, dass die
Distanz zwischen dem, was die Parteien zur Schulpolitik äußern und dem , was die Kolleg/innen als
Probleme vor Ort wahrnehmen immer größer wird:
Klassengrößen, neue Tests und Prüfungsformate,
zieldifferenter Unterricht im Rahmen der Inklusion,
ständig sinkende Fortbildungsmittel, ein immer stärker auf die Schulen wirkender Effizienzgedanke der
Schulverwaltung ohne pädagogisches Maß.
Alle reden vom „Zwei-Säulen-Modell“. Stellen wir uns
zwei Säulen vor, die ein Gebäude stützen. Wenn beide Säulen nicht gleich stark sind, wird das Gebäude
irgendwann zusammenbrechen. Die eine Säule – unstrittig das Gymnasium – verliert an Stabilität, wenn
sie immer mehr ausdifferenziert wird. Die andere Säule – eine wie auch immer zu bezeichnende integrative
Schulform – besteht aus vielen Bruchstücken, die allenfalls notdürftig miteinander verkittet sind.
Dass es auch anders geht, hat Rheinland-Pfalz vorgemacht: Die Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium
auf 8 Jahre wurde mit einem verbindlichen Ganztagskonzept verbunden. Ganztagsschulen – diese Diskussion hat in Baden-Württemberg gerade die Grundschulen erreicht. Von den Gymnasien, die mit höchst
dürftiger Ausstattung offene Ganztagsschulen werden
können, redet hier keiner. Oder soll die Rückkehr zu
G9 das Halbtagsgymnasium alter Schule wieder hoffähig machen?
Das sind nur einige offene Fragen und Problemfelder
an den Gymnasien des Landes, die andere Schularten in ähnlicher Form haben. Die Antworten der Politik bleiben bis dato aus. Die GEW bleibt dennoch
am Ball und bemüht sich in all diesen Feldern um
Verbesserung.
Jürgen Stahl
Seite 8
Die Schulleitung 3-2014
Schulkonferenz
Rechnungshof mahnt:
Paritätische Besetzung
der Schulkonferenz
schafft Unruhe
Schulleitungen
besser unterstützen
Im Zusammenhang mit der aktuellen Novellierung
des Schulgesetzes soll auch die Position der Eltern
und Schüler/innen in der Schulkonferenz durch
eine paritätische Besetzung aus Lehrkräften, Eltern
und Schüler/innen gestärkt werden.
Für die Landesregierung steht die paritätische Besetzung für eine „gleichberechtigte, partnerschaftliche
Gestaltung der Schule. Eltern, Schüler und Lehrkräfte sind in gleichem Maße von den Entscheidungen
betroffen, die in der Schulkonferenz zu treffen sind.
Die gleichberechtigte Teilhabe der Betroffenen entspricht dem demokratischen Grundverständnis der
Landesregierung“(LT-DS 15/5259, S. 58). Die GEW
lässt keinen Zweifel daran, dass eine partnerschaftliche
und konstruktive Zusammenarbeit der Lehrkräfte mit
den Eltern eine für alle Beteiligten wesentliche Komponente für gedeihliche Erziehungs- und Bildungsarbeit
darstellt. Erreicht wird dies allerdings nicht dadurch,
dass die pädagogischen Profis von Eltern und Schüler/
innen überstimmt werden können. Diese Änderung
ist dazu geeignet, Konflikte in die Schulgemeinde zu
tragen und Fronten aufzubauen. Sie hilft vermutlich
dem Schulträger, seine Position durchzusetzen. Denn
wesentliche Entscheidungen, wie die Einführung des
Ganztags, können gegen den Willen der Beschäftigten
entschieden werden.
Bei der Entscheidung über die Einführung der Ganztagsgrundschule ist im Gesetzentwurf ausdrücklich
vermerkt, dass ein zustimmendes Votum der Gesamtlehrerkonferenz nicht notwendig ist. Dem Widerstand
eines Kollegiums gegen die Einführung einer Ganztagsschule, der sich an der berechtigten Kritik einer
mangelhaften personellen, materiellen und räumlichen
Ausstattung festmacht, sollten Schulträger und Schulverwaltung durch angemessene Unterstützungsangebote begegnen. Der Ausschluss der Gesamtlehrerkonferenz im Antragsverfahren ist im Blick auf die vom
Kollegium zu erstellende Ganztagskonzeption und
schließlich auf den von ihm mitzutragenden Schulentwicklungsprozess kontraproduktiv. Das gilt auch für
viele andere Beschlüsse mit weitreichender Bedeutung.
Der Rechnungshof plädiert in einer aktuellen Beratenden Äußerung an die Landesregierung und den Landtag dafür, die Schulleiterinnen und Schulleiter im Land besser zu unterstützen. „Weniger
Verwaltungsaufgaben und mehr Zeit für die pädagogische Arbeit“,
beschreibt Rechnungshofpräsident Max Munding das Ziel der Vorschläge. Zu oft seien die Schulleitungen mit Tätigkeiten belastet,
die eigentlich zu den Aufgaben der Schulträger gehörten und von
deren Personal auch kostengünstiger erledigt werden könnten. Basis der Beratenden Äußerung des Rechnungshofs ist eine Umfrage
an allen öffentlichen allgemein bildenden Schulen im Land. Von
3.300 angeschriebenen Schulleitungen haben sich 2.300 beteiligt.
Mehr als zwei Drittel der Schulleiter/innen sehen die Gefahr, dass
die Balance zwischen pädagogischer Führung und Verwaltungsmanagement verloren geht und fühlen sich oft allein gelassen. Auch
nach Auffassung des Rechnungshofs sind die schulischen Managementaufgaben seit der letzten Untersuchung 2003 umfangreicher
und komplexer geworden und lassen immer weniger Zeit für pädagogische Tätigkeiten. Um die Schulleitungen von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, schlägt der Rechnungshof eine Reihe von
Maßnahmen vor. Beispielsweise lasse sich der Arbeitsaufwand bei
statistischen Erhebungen und Auswertungen durch die zügige und
flächendeckende Einführung einer einheitlichen Schulverwaltungssoftware spürbar minimieren. Bis heute seien die Schulleitungen in
den meisten Fällen gezwungen, Daten mehrfach einzugeben und
zu versenden. Weiter rät der Rechnungshof, benachbarte Schulen zu Verwaltungsgemeinschaften zusammen zufassen und auch
Grundschulen in die regionalen Schulentwicklungsprogramme
einzubeziehen. Zudem bemängeln die Prüfer, dass bislang kein
Konzept für die landesweite Unterstützung der Schulleitungen an
großen Schulen durch Schulverwaltungsassistenten vorliege. Dabei ließen sich zahlreiche rein administrative Aufgaben von den
Schulleiter/innen auf kostengünstigere kommunale Mitarbeiter
übertragen. Insgesamt bewertet der Rechnungshof die Situation
der Schulleitungen anhand seiner Untersuchung wie bereits 2003
als verbesserungswürdig. „Die Angaben der Schulleiterinnen und
Schulleiter zeigen, dass der Kernauftrag, Leitungs- und Gestaltungsaufgaben wahrzunehmen, unter den gegebenen Bedingungen
allenfalls hinreichend erfüllt werden kann“, so der zuständige
Rechnungshofdirektor Dr. Georg Walch. Das Kultusministerium,
das die Situationsbeschreibung grundsätzlich teile, müsse nun mit
den Experten in der Schulverwaltung und den Schulen vor allem
solche Verbesserungen zügig angehen, die Personalressourcen für
die pädagogischen Schwerpunktaufgaben der Schulleitungen freigeben könnten.
Der gesamte Text der beratenden Äußerung kann unter dieser
Adresse herunter geladen werden:
Doro Moritz
http://www.rechnungshof.baden-wuerttemberg.de/de/
informationen/presse/316942.html.
Die Schulleitung 3-2014
Seite 9
Foto: imago
Gemeinsam mit der
GLK Regelungen
zur Bewältigung des
Abwesenheitsproblems entwickeln!
Alltag an vielen (größeren) Schulen
Mehrere Lehrkräfte haben sich heute krank gemeldet!
Inge Goerlich,
Vorstandsbereich
Tarif- Beamtenund Sozialploitik
Hans Dörr,
Leitungsteam Landespersonengruppe
Schulleitung
Seite 10
An vielen Schulen – insbesondere an größeren - besteht fast täglich die Notwendigkeit, den Ausfall von
Lehrkräften auszugleichen. Es ist deshalb sinnvoll und notwendig, gemeinsam mit der GLK Konzepte und
Regelungen zu entwickeln, wie man als Schule - vor allem kurzfristige und häufig auch überraschend erforderliche - Ausfälle strukturiert, pädagogisch vertretbar und solidarisch bewältigt.
Es ist dabei nicht vertretbar und auch nicht Aufgabe
der Schulleitung, die bekannte Unterversorgung im
Bereich der kurz-, mittel- und langfristigen Abwesenheitsvertretung dadurch zu lösen, dass die (unbezahlte) Inanspruchnahme der inzwischen überwiegend
teilzeitbeschäftigten Frauen zur Regel wird. Jegliche
Regelung muss neben dem Aspekt der Fürsorge für
die Schüler/innen auch die Fürsorge für die Lehrkräfte
beachten. Konkret: Sie muss für die betroffenen Lehrkräfte unter Belastungs- und Gerechtigkeitsaspekten
zumutbar sein. Zuständig hierfür ist gem. § 41 Schulgesetz die Schulleitung. Die Schulleitung muss hierbei
zwei Beteiligungsrechte beachten:
1. Konferenzrecht
Nach der Konferenzordnung (§ 2 Abs. 1 Nr. 9) berät
und beschließt die Gesamtlehrerkonferenz (GLK)
insbesondere „allgemeine Empfehlungen für die Verteilung der Lehraufträge und sonstiger dienstlicher
Aufgaben, für die Aufstellung der Stunden- und Aufsichtspläne sowie für die Anordnung von Vertretungen,
unbeschadet § 41 Abs. 1 Schulgesetz“.
2. Personalvertretungsrecht
Die „Anordnung von Mehrarbeit oder Überstunden,
Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft“ gehört zu den
Angelegenheiten der uneingeschränkten Mitbestimmung (§ 70 Abs. 2 Nr. 4 Landespersonalvertretungsgesetz – LPVG). Die Schulleitung muss den Personalrat
vor der Anordnung einer solchen Maßnahme von ihrer
Absicht informieren und um Zustimmung bitten. Diese Rechtslage ist neu und ungewohnt: Das geänderte
LPVG ist erst im letzten Schuljahr in Kraft getreten.
Da die Entscheidungen häufig sehr kurzfristig getroffen werden müssen und im Schulbereich der Personalrat (PR) nicht ständig erreichbar ist bzw. kontinuierlich tagt oder seinen Sitz in großer Entfernung hat (im
Bereich der GHWRGS-Schulen hat der LehrkräftePersonalrat seinen Sitz beim Schulamt), ist es sinnvoll,
hierzu eine Dienstvereinbarung abzuschließen.
Die Schulleitung 3-2014
Zum Verfahren
Zunächst ist die GLK zu beteiligen und danach der
Personalrat, denn eine Empfehlung der GLK liefe ins
Leere, erfolgte sie erst nach der Mitbestimmung des
Personalrats. Zudem ist das Votum der GLK eine
wichtige Informationsgrundlage für die Entscheidung
des Personalrats. Die Schulleitungen sollten deshalb
folgende Schritte einhalten:
1. Die Schulleitung entwirft- unter Umständen von
einer Arbeitsgruppe im Kollegium unterstützt – ein
Konzept, wie die Schule Ausfälle/Abwesenheiten
strukturiert, pädagogisch vertretbar und solidarisch
bewältigt und welche „Instrumente“ (z.B. „Mitversorgung“ / Stillarbeit; Verteilen von Schüler/innen, „Verlässliches Heimschicken“, Vertretung von Unterricht,
Rufbereitschaft…) angewandt werden sollen. Sie legt
den Kolleg/innen dieses Konzept rechtzeitig in Schriftform vor und setzt es auf die Tagesordnung der nächsten GLK.
2. Die GLK berät hierüber und beschließt eine Empfehlung an die Schulleitung, z.B.
• alles zu tun, damit eine Arbeitsverdichtung (also
eine über das reguläre Deputat hinausgehende Belastung der Lehrkräfte) vermieden wird,
• bei mittel- oder langfristigem Lehrerausfall stets bei
der Schulverwaltung Ersatz (Krankheitsvertretung)
anzufordern und dem „variablen Deputat“ bzw. der
Aufstockung von Teil-Lehraufträgen oder der (vorübergehenden) Neu-Festlegung der Lehraufträge und
Stundenpläne den Vorrang vor der Anordnung von
„Mehrarbeit“ zu geben,
• vor der Anordnung von Mehrarbeit alle Überbrückungsmaßnahmen auszuschöpfen (z.B. Unterrichtsverlegung, Beaufsichtigung durch eine benachbarte Lehrkraft, Ausfall des Unterrichts usw.) und
dabei keine „Umgehungsstrategien“ zulasten der
Kolleg/innen anzuwenden (z.B. keine „Aufsichtsstunden“ anzuordnen, sondern stattdessen eine
reguläre Unterrichts-Vertretung vorzusehen),
• falls dennoch Mehrarbeit angeordnet werden muss,
zuvor die „zwingende dienstliche Notwendigkeit“
genau zu prüfen, die gesetzlichen Grenzen für
Mehrarbeit sowie die Schutzvorschriften z.B. für
Schwangere, für Schwerbehinderte und „Gleichgestellte“, für Lehrkräfte in einer Rekonvaleszenz, für
Lehramtsanwärter- bzw. Referendar/innen sowie
für Lehrkräfte mit befristeten Arbeitsverträgen
strikt zu beachten, Teilzeitbeschäftigte nur anteilig
heranzuziehen (unterhälftig Teilzeitbeschäftigte und
Teilzeitbeschäftigte aus familiären Gründen nur
einvernehmlich), auf die gleichmäßige Verteilung
der Mehrbelastung auf die zur Verfügung stehenden
Lehrkräfte zu achten; auf Wunsch soll den Betroffenen ermöglicht werden, dass sie durch Überschreitung der „Bagatellgrenze“ (für Vollzeitbeschäftigte
drei Unterrichtsstunden im Kalendermonat, bei
Teilzeit anteilig weniger) einen Anspruch auf
„Freizeitausgleich“ oder auf Bezahlung erwerben,
vorzugsweise auf Lehrkräfte zurückzugreifen, die
die Klasse, in der ausfallender Unterricht vertreten
werden soll, selbst unterrichten.
3.Die Schulleitung fertigt unter Berücksichtigung der
GLK-Empfehlung einen Entwurf der Regelung, übermittelt diesen dem Personalrat und bittet um dessen
Zustimmung.
• Stimmt der PR der beabsichtigten Maßnahme zu,
so kann der Schulleiter sie in Kraft setzen (dies muss
in Schriftform geschehen).
• Stimmt der PR der beabsichtigten Maßnahme nicht
zu, so tritt sie nicht in Kraft. Es wird ein Stufenverfahren eingeleitet (Vorlage durch den Personalrat
oder die Schulleitung mit der Feststellung der
Nichteinigung beim Regierungspräsidium. Dieses
muss dann den Bezirkspersonalrat beteiligen).
Die Mitbestimmung des Personalrats kann durch eine
GLK-Empfehlung nicht ersetzt werden (selbst durch
einen einstimmigen Beschluss der GLK nicht). Ordnet
eine Schulleitung Mehrarbeit oder gar Rufbereitschaft
oder Bereitschaftsdienst ohne Zustimmung des Personalrats an, kann (muss!) der/die Betroffene hiergegen
remonstrieren, also schriftlich Bedenken anmelden und
sich gegebenenfalls an die Schulaufsicht wenden.
Auch die Personalversammlung hat das Recht, zu Arbeitszeitfragen Stellung zu nehmen. Insbesondere an
Schulen mit eigenem PR und damit auch eigener Personalversammlung (z.B. Gymnasien, berufliche Schulen)
können deren Beschlüsse den Willen des Kollegiums
ausdrücken, dem Personalrat den Rücken stärken und
die Empfehlungen der GLK unterstützen. Der Besuch
der Personalversammlung ist im Gegensatz zur verpflichtenden GLK freiwillig. Beide Gremien können
einander ergänzen; keinesfalls kann eines das andere
ersetzen.
Wahre Führungsstärke beweisen Schulleiter/innen,
wenn sie Arbeitszeitregelungen an der Schule im Konsens mit dem Kollegium treffen – dazu gehört vor
allem, dass sie rechtzeitig und umfassend informieren
und dass sie mit dem Kollegium gemeinsam nach Lösungen suchen, die einen ordentlichen Schulbetrieb ermöglichen und zugleich die Interessen der Lehrkräfte
berücksichtigen.
Inge Goerlich,
Hans Dörr
Lehrkräftearbeitszeit neu geregelt
Kooperationszeit muss
von der GLK beschlossen
werden
Am 1.8.2014 ist die neue Lehrkräfte-Arbeitszeitverordnung in Kraft getreten. Sie löst die Verwaltungsvorschrift „Arbeitszeit der Lehrkräfte an öffentlichen
Schulen“ ab. In der neuen Rechtsverordnung gibt es
u.a. keine Regelung mehr zur sog. Kooperati-onszeit.
Wenn sich Schulen dazu entschließen, auch weiterhin
ein Zeitfenster für die Kooperation ihrer Lehrkräfte
einrichten zu wollen, muss dieses Zeitfenster in der
Gesamtlehrerkonferenz beraten und beschlossen werden. Falls die GLK sich mit einem Zeitfenster für Kooperation befasst, ist es sinnvoll, sich nicht nur auf die
zeitliche Lage des Zeitfensters zu verständigen, sondern auch die alle notwendigen Modalitäten zu klären
(Einladungsfrist; Tagesordnung; Entsperrung des Termins etc.). Bei der zeitlichen Lage und dem zeitlichen
Umfang sind auch die Bedürfnisse der teilzeitbeschäftigten Kolleg/innen und der Schwerbehinderten zu
berücksichtigen.
Die neue Rechtsverordnung zieht damit einen Schlussstrich unter das Ärgernis, das an einigen Schulen unter
dem Begriff „Präsenzzeit“ für manchen schulinternen
Verdruss und nicht wenige Auseinandersetzungen zwischen Schulleitungen und Personalräten gesorgt hatte.
In einer Fehlinterpretation der VwV „Arbeitszeit der
Lehrkräfte“ hatten Schulleitungen die als Zeitfenster
gedachte Kooperationszeit zur „Präsenzzeit“ umgedeutet. Dies hatte zu erheblichen Missstimmungen
geführt, weil die Lehrkräfte gerne kooperierten, wenn
es dazu einen Anlass gab, aber keinen Sinn darin sahen, ohne Anlass und ohne Tagesordnung nur anwesend sein zu müssen. Die Mehrzahl der Schulen ging
mit dem Zeitfenster „Kooperationszeit“ so um, wie es
eigentlich gedacht war.
Hans Dörr
GEW-Info-Serie „Zeit
für Bildung“ mit
Musterrechnungen:
www.gew-bw.de/
Zeit_fuer_gute_
Bildung.html
Die Schulleitung 3-2014
Seite 11
Sachkostenbeiträge
Privilegien für die Hauptund Werkrealschulen?
Alljährlich werden im Amtsblatt die Sachkostenbeiträge für die verschiedenen Schularten veröffentlicht. Jedes Jahr meinen manche Lehrkräfte und
Schulleitungen, die Haupt- und Werkrealschulen
würden gegenüber den Realschulen und Gymnasien privilegiert und die Grundschulen habe man
vergessen.
In Baden-Württemberg werden die Kosten für das
pädagogische Personal (Lehrkräfte) der öffentlichen
Schulen vom Land getragen, die Schulträger (Stadt
oder Gemeinde, Kreis oder Land) sind für die Finanzierung der Sachkosten (einschließlich des nichtpädagogischen Personals wie Hausmeister/in, Schulsekretär/in, Putzkräfte usw.) zuständig. So schreibt es
das Schulgesetz vor (§ 48). Nun gibt es auch im Land
Baden-Württemberg ein deutliches Gefälle bei der Finanzkraft der Städte und Gemeinden. Manche Bürgermeister/in preist die eigene Gemeinde gern als „Schulstadt“, beklagt aber zugleich, dass seine/ihre Kommune
für kleinere Nachbargemeinden die Last von mehreren
weiterführenden Schulen trägt, während die Nachbargemeinden keine Realschule und kein Gymnasium unterhalten müssen.
Deshalb gibt es in Baden-Württemberg einen kommunalen Finanzausgleich. Er stellt unabhängig von der Finanzkraft des einzelnen Schulträgers in allen Teilen des
Landes eine ausreichende und gleichwertige materielle
Ausstattung der öffentlichen Schulen sicher. Die Schulträger erhalten vom Land jährlich einen festen Betrag
je Schüler/in zur Finanzierung der sächlichen Schulkosten, den so genannten Sachkostenbeitrag. Im Finanzausgleichsgesetz (FAG) des Landes ist dazu bestimmt:
„Die Höhe des Sachkostenbeitrags wird [...] so bestimmt, dass ein angemessener Ausgleich der laufenden
Schulkosten geschaffen wird. Der Sachkostenbeitrag
kann für jede Schulart, jeden Schultyp, jede Schulstufe
sowie für Schulen mit Voll- und Teilzeitunterricht verschieden hoch festgesetzt werden. Er darf den Landesdurchschnitt der laufenden Kosten für einen Schüler
nicht übersteigen.“ Diese Pro-Kopf-Beiträge werden
in der Schullastenverordnung festgesetzt. Der Sachkostenbeitrag beträgt jährlich für jede Schülerin, für jeden
Schüler der Hauptschulen, Werkrealschulen und der
Klassen 5 bis 10 der Gemeinschaftsschulen 1176 Euro,
der Realschulen 582 Euro, der Gymnasien mit Ausnahme der Progymnasien und der beruflichen Gymnasien
592 Euro, der Progymnasien 591 Euro.
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Die Schulleitung 3-2014
Foto: imago
Michael Rux
Da fragt man sich zunächst: Wo bleiben die Grundschulen? Hat man sie vergessen? Die Antwort steht im
Finanzausgleichsgesetz: „Dies gilt nicht für Schüler, die
eine Grundschule, die Klassen 1 bis 4 einer Gemeinschaftsschule oder eine Fachschule besuchen.“ Die Fachschulen (z.B. Meister- und Technikerschulen) besitzen
einen Sonderstatus, weil sie zwar zum Schulwesen gehören, aber eher der Erwachsenenbildung zuzurechnen
sind. Sie sind deshalb auch von der verfassungsrechtlich
verankerten Lernmittelfreiheit ausgenommen. Der Finanzausgleich soll aber nach Art. 14 der Landesverfassung „den Gemeinden und Gemeindeverbänden den
durch die Schulgeld- und Lernmittelfreiheit entstehenden Ausfall und Mehraufwand […] ersetzen.“
Im folgenden Satz dieser Verfassungsbestimmung
steckt auch die Antwort auf die Frage nach der Primarstufe, also den Grundschulen: „Die Schulträger
können an dem Ausfall und Mehraufwand beteiligt
werden.“ Da es überall im Land Grundschulen gibt,
erfolgt diese Kostenbeteiligung der kommunalen
Schulträger am einfachsten dadurch, dass sie für den
Primarbereich keinen Ausgleich erhalten (soweit mehrere Kommunen eine gemeinsame Grundschule unterhalten, zahlen sie in der Regel 200 Euro pro Kopf an
die Schulträger-Gemeinde).
Es bleibt die Frage, warum die Hauptschulen, Werkrealschulen und die Klassen 5 bis 10 der Gemeinschaftsschulen vom Land ziemlich genau doppelt so viel Geld
bekommen wie die anderen Schularten der Sekundarstufe I (Realschulen und Gymnasien).
Das ist zunächst einmal eine falsch gestellte Frage:
Nicht diese Schulen bekommen das Geld, sondern die
Schulträger erhalten es. Zwar ist es für den Unterhalt
dieser Schulen bestimmt, aber die Sachkostenbeiträge sind pauschale Zuwendungen an die Schulträger;
sie sind nicht unmittelbar für den Sachkosten- und
Personalbedarf der Schulen zweckgebunden. Diese
Mittel fließen dem Haushalt des Schulträgers zu, der
selbstständig in seinem Haushaltsplan über die Finanzmittel für den Sachbedarf (Lern- und Lehrmittel, Bau
und Unterhaltung, Mobiliar und Geräte) sowie für das
nicht-pädagogische Personal (z.B. Hausmeister/innen)
jeder einzelnen Schule entscheidet. Auch die Klage
mancher Kommunalvertreter/innen, das Land handle
mit der Festlegung der Sachkostenbeiträge über ihre
Köpfe hinweg, ist unbegründet: Das ist eine gemeinsame Verordnung des Kultusministeriums, des Innenministeriums und des Finanzministeriums. Die Sätze
für die einzelnen Schularten sind nicht willkürlich
gegriffen. Sie beruhen auf den realen Aufwendungen
der Schulträger in den vorhergehenden Jahren. Selbstverständlich sind die kommunalen Spitzenverbände an
der Ermittlung dieser Kosten und der Festsetzung der
Pro-Kopf-Beträge beteiligt.
Die im Vergleich zu den Realschulen und Gymnasien relativ hohen Pro-Kopf-Beträge für die Haupt- und Werkrealschulen resultieren daraus, dass der größte Teil der
sächlichen Schulkosten Fixkosten sind (Unterhaltung
der Gebäude sowie Personalkosten, z.B. Hausmeister/
in, Außenanlagen, Schulsekretär/in, Heizung und Reinigung) und diese Schulen zumeist sehr klein sind und
immer kleiner werden. Es ist nun einmal so: Auch eine
einzügige Werkrealschule braucht Toiletten für Jungen
und Mädchen, ein Sekretariat und eine PC-Ausstattung,
einen Schulhof, Fachräume und die entsprechende
Ausstattung mit Lehr- und Anschauungsmitteln sowie
Schülerarbeitsplätze usw. Die relativ wenigen Schüler/
innen dieser Schulen kosten den Schulträger pro Kopf
sehr viel mehr Geld als die gleichaltrigen Jungen und
Mädchen einer mehrzügigen Realschule.
Das ist der Preis, den unsere Gesellschaft dafür zahlen muss, dass wir fußläufige Schulen erhalten wollen,
statt sie zu schließen und den Kindern weite Fahrwege
sowie den Eltern Zusatzkosten für den Schulbus aufzubürden. Es gehört zu den Grundprinzipien unseres
Gemeinwesens, dass wir die Kosten für die Schule vor
Ort nicht jenen (allein) aufbürden, die aufgrund der
topografischen Lage ihres Ortes oder der Gemeindegröße sonst weite Fahrwege auf sich nehmen müssten.
Das ist aber auch der Preis für eine verfehlte Schulpolitik: Jahrzehntelang haben konservative Landesregierungen eine vorausschauende und im Ergebnis kostensparende Schulentwicklung verhindert. Sie haben
durch das Festhalten an der Ideologie des Dreigliedrigkeit des Schulwesens (die aus der Standesgesellschaft
des 19. Jahrhunderts stammt und tatsächlich wegen
des Ausbaus des Sonderschulwesens sogar eine Viergliedrigkeit ist) dafür gesorgt, dass nebeneinander vier
Schulsysteme mit je eigenem Personal, eigenen Gebäuden, eigenen Lehrplänen aufgebaut wurden, die sich
heute gegenseitig Konkurrenz machen.
Seit den sechziger Jahren keine
Schulentwicklung mehr
Das letzte Mal fand in Baden-Württemberg Schulentwicklung statt, als in den sechziger Jahre der relativ
progressive Bildungspolitiker Wilhelm Hahn (CDU)
Kultusminister wurde und sich den damaligen GEWLandesvorsitzenden Kurt Pöndl ins Haus holte. Mit
dem Schulentwicklungsplan gelang es Pöndl damals,
die zahlreichen Zwergschulen mit vier oder gar acht
Jahrgängen in einer Schulklasse abzuschaffen und
Nachbarschaftsschulen zu gründen. Die von der großen Koalition von CDU und SPD im Jahr 1967 durchgesetzte Abschaffung der Konfessionsschulen erlaubte
es zudem endlich, die Schüler/innen ohne Rücksicht
auf die Konfession in gemeinsamen Schulen zusammenzuführen. Diese bedeutende, von der GEW nicht
nur mitgetragene, sondern angeführte Reformpolitik
blieb damals in den Anfängen stecken. Zwar entstanden viele zentrale Grund- und Hauptschulen, es wurden die in manchen Landesteilen nahezu unbekannten
Realschulen ausgebaut und die Gymnasien entwickelten sich von einer elitären Schulart für wenige zu
einer Schule, die von fast 40 Prozent der Bevölkerung
im schulpflichtigen Alter besucht wird. Aber der entscheidende Sprung misslang: In den Zeiten der großen
Koalition wurden zwar einige Versuche mit schulart­
übergreifenden Bildungszentren bis hin zu Gesamtschulen eingeleitet (von denen heute nur noch drei als
„Schulen besonderer Art“ ein Nischendasein fristen),
aber die danach massiv einsetzende reaktionäre Bildungspolitik verwarf alle Versuche, eine Schule für alle
zu schaffen. Die CDU verteufelte Schulentwicklung
als gleichmacherische Planwirtschaft.
Dies ist der eigentliche Grund dafür, warum wir heute überall im Lande ein Hauptschulsterben beobachten – mit der Folge, dass wir die dahinsiechenden
Haupt- und Werkrealschulen mit hohen Pro-KopfBeiträgen subventionieren müssen. Die gegenwärtige
Landesregierung versucht, mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule eine Alternative zu entwickeln, eine
wohnortnahe Schule für alle. Mit der soeben vollzogenen Schulgesetzänderung hat die grün-rote Koalition auch rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen,
dass jetzt endlich das Land und die Kommunen an eine
Schulentwicklungsplanung gehen können, die diesen
Namen verdient. Es versteht sich von selbst, dass für
die jetzt entstehenden neuen Gemeinschaftsschulen
zusätzliche Mittel benötigt werden und von den kommunalen Schulträgern massive finanzielle Belastungen
getragen werden müssen. Dies ist der Grund für die
vergleichsweise hohen, aber durchaus nicht üppigen
Sachkostenbeiträge für die Gemeinschaftsschulen.
Michael Rux
Die Schulleitung 3-2014
Seite 13
Neues Schulleiterbesetzungsverfahren ab 1.8.2014
Wird sich die Bewerberzahl erhöhen?
Angela
Keppel-Allgaier,
Schulleiterin
der Mörikeschule
Sondelfingen
(GWRS),
Mitglied im
Landespersonengruppenausschuss
Schulleitungsmitglieder,
Team-Vorsitzende
GEW-Bezirk
Südwürttemberg,
Mitglied im BPR
GHWRGS beim RP
Tübingen, Mitglied
im Hauptpersonalrat
GHWRGS
Mit dem Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes ist
zum 1.August 2014 unter anderem das neue Schulleiterbesetzungsverfahren in Kraft getreten. Durch
eine stärkere und frühzeitigere Beteiligung von
Schulkonferenz und Schulträger soll die Transparenz des Verfahrens gesteigert werden.
Das Überprüfungsverfahren besteht – wie bisher schon
– neben der Dienstlichen Beurteilung (Anlassbeurteilung) aus der Unterrichtsanalyse mit Beratung, dem
Bewerbergespräch (strukturiertes Interview), der mediengestützte Präsentation eines Sachverhalts und der
Bearbeitung einer schwierigen Unterrichtssituation.
Neu ist eine vierköpfige Auswahlkommission, die vom
Regierungspräsidium gebildet und der neben zwei
Mitarbeiter/innen der Schulaufsicht ein/e Vertreter/in
der Schulkonferenz und ein/e Vertreter/in des Schulträgers angehören.
Der Auswahlkommission sollen – bei mehreren Bewerber/innen – im gesamten Verfahren dieselben Personen
angehören. Die Vertreter der Schulkonferenz und des
Schulträgers in der Auswahlkommission sind – außer
bei der Erstellung der Dienstlichen Beurteilung – bei
allen Verfahrensbestandteilen als Beobachter/innen anwesend. Nach Abschluss des Überprüfungsverfahrens
stimmen sie gemeinsam mit den Schulaufsichtsbeamt/
innen darüber ab, welche Bewerberin/welcher Bewerber zur Besetzung vorgeschlagen werden soll.
Die GEW sieht im neuen Verfahren folgende Probleme:
• Ausgangspunkt für die Besetzung von Schulleitungsstellen müsste die Frage sein: Wie gelingt es geeignete Führungskräfte für die Schulen zu finden? Die
Verfahrensänderung scheint dagegen von der Überlegung geleitet zu sein, dass genauere und intensivere
Überprüfung die Eignung besser erkennen hilft.
• Insbesondere dann, wenn es mehrere Bewerbungen
gibt – was ja wünschbar wäre – ist der zeitliche Aufwand für Kommission nicht gering. Terminliche
Koordinierungsprobleme sind absehbar.
• Je nach Bewerberlage besteht die Gefahr, dass sich
Beteiligung des Schulträgers nicht auf die Kriterien Eignung, Befähigung und fachliche Leistung
beschränkt.
• Insbesondere an kleinen Schulen – deren Schulleitung mit A 12 + Z oder A 13 besoldet ist, dürfte
die Kommission Bewerber/innen abschrecken,
weil hier ein Bruch der Verschwiegenheitspflicht
gravierendere Folgen hätte (Stichwort: öffentlich
Demontage).
• Die Verfahrenssänderung wird die Zahl der Bewerbungen möglicherweise weiter senken anstatt sie zu
erhöhen.
Die Landesregierung hat dem Druck der Kommunalen
Landesverbände auf stärkere Beteiligung nachgegeben
und (wieder einmal) eine Regelung erlassen, die nur für
einen kleinen Teil der Schulen angemessen ist, die aber
für alle umgesetzt wird.
Die kleinen Schulen trifft es besonders!
Verfolgt man in den letzten Jahren
die Besetzung von neuen Schulleitungsstellen, so kann man feststellen, dass es sehr häufig nur eine
einzige Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle gibt. Manche Stellen müssen sogar zwei – oder dreimal
ausgeschrieben werden, bevor sich
überhaupt jemand bewirbt. Dies
betrifft vor allem kleine Schulen mit
kleinem Gehalt (z.B. Grundschulen), an denen die Schulleiterin/der
Schulleiter kaum mehr verdient als
die übrigen Kolleg/innen, mitunter sogar weniger als der nach A 13
beförderte Kollege/die Kollegin an
einer Haupt- oder Werkrealschule
mit gleicher Ausbildung. Allerdings
Seite 14
Die Schulleitung 3-2014
sind auch Werkrealschulen oder
ländliche Realschulen betroffen,
da die Bezahlung von der Zahl der
Schüler/innen abhängig ist. Aber
die mangelnde Bewerberlage hängt
nicht nur mit der verhältnismäßig
schlechten Bezahlung zusammen,
sondern auch mit den sonstigen
Rahmenbedingungen: In Anbetracht der vielfältigen Aufgaben,
die Schulleitungen heute haben, ist
die Leitungszeit viel zu knapp bemessen. Auch hier sind vor allem
wieder die Grundschulen betroffen,
da sich die Leitungszeit – abgesehen
vom Mindestsockel von acht Wochenstunden - nach der Anzahl der
Klassen richtet. Das bedeutet, dass
eine Grundschulleiterin in einer
einzügigen Grundschule unter Umständen 20 Stunden in der Woche
unterrichtet und noch Klassenlehrerin ist. Schulleitung macht sie dann
nebenher. Sie muss aber genauso
wie an großen Schulen Statistiken
führen, Krisen bewältigen, Personal
managen, Qualität sichern und bildungspolitische Neuerungen wie Inklusion und individuelle Förderung
umsetzen sowie sich Gedanken über
die Einführung einer Ganztagsschule machen, für die es im Übrigen
eine Stunde Anrechnung gibt. Wen
wundert es da, dass wir so wenig Bewerber/innen haben?
Angela Keppel-Allgaier
Die Rolle der
Schulkonferenz bei der Schulleiterbesetzung
Anknüpfend an den Artikel von Doro Moritz auf
Seite 9 stelle ich die Rolle der Schulkonferenz am
Gymnasium und hier besonders bei der Schulleiterbesetzung in den Mittelpunkt.
Der § 47, 9 des Schulgesetzes wurde bekanntlich dahingehend geändert, dass vom Kollegium in Zukunft
nicht mehr sechs, sondern nur noch drei Lehrkräfte in die Schulkonferenz gewählt werden. Hat eine
Schule keinen Schülerrat (Grundschule) oder keinen
Elternbeirat (Berufliche Schule), kann durchaus von
einer paritätischen Besetzung der Schulkonferenz gesprochen werden. Sind aber alle drei Gruppen mit
einem Drittel vertreten, ist der Begriff „paritätisch“
zumindest kritisch zu hinterfragen. Denn der/die gewählte Elternbeiratsvorsitzende und der/ die gewählte Schülersprecher/in, beide so genannte „geborene“
Mitglieder der Schulkonferenz, sind gewählte Vertreter der Eltern bzw. der Schülerschaft. Dem/der ÖPRVorsitzenden als gewählte Vertretung des Kollegiums
bleibt gleiches Recht versagt. Der/die Schulleiter/in,
ebenfalls „geborenes“ Mitglied und Vorsitzende/r der
Schulkonferenz, kann nicht in gleicher Weise und
uneingeschränkt als Vertretung des Kollegiums angesehen werden.
Aufgrund dieser Situation sollte die GLK bei der Wahl
der wenigen Lehrervertreter umsichtig vorgehen.
Durch den Vorsitz ist die Schulleitung ausreichend
repräsentiert. Weitere Mitglieder des Schulleitungsteams sollten - bei allem Respekt vor deren Integrität
- bei nur drei möglichen Lehrervertretern von einer
Kandidatur Abstand nehmen. Geeignete Kandidat/
innen sind sicher Personen, die in der Schulkonferenz
die Interessen der Lehrkräfte auch offensiv vertreten
(können) und Einblick in schulinterne, schulübergreifende und bildungspolitische Zusammenhänge
haben, z. B. Personalratsmitglieder.
§ 40 SchG behandelt die Mitwirkung der Schulkonferenz bei der Besetzung einer Schulleiterstelle: „Über
die Besetzung der Schulleiterstelle wird im Rahmen
eines Überprüfungsverfahrens nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung auf der Basis eines
Besetzungsvorschlags einer Auswahlkommission entschieden.“ Neu ist die Einrichtung einer Auswahlkommission, in der die Schulkonferenz mit einer
Person vertreten ist – ausgenommen sind die Schulleitung und Schüler/innen, die noch nicht 16 Jahre
alt sind. Es heißt im § 40 SchG weiter unten: „Die
Auswahlkommission wird von der für die Besetzung
der Schulleiterstelle zuständigen Schulaufsichtsbehörde gebildet …“ Was heißt hier „gebildet“? Entscheidet die Schulkonferenz, wen sie entsendet oder sucht
die Schulaufsichtsbehörde eine Person aus? Könnten
dann also auch ein/e 16-jährige/r Schüler/in die
Schulkonferenz und damit die Schulgemeinde bei der
Erarbeitung eines Besetzungsvorschlages vertreten?
Es ist hinlänglich bekannt, welche maßgebliche Rolle
der Schulleiter/die Schulleiterin für die Zufriedenheit
der Lehrkräfte an der Schule – und damit für den
Arbeits- und Gesundheitsschutz – und für die Schulentwicklung spielt, um nur zwei wesentliche Bereiche
zu nennen. Sollte man bei einer so weitreichenden
Entscheidung nicht vorrangig das Kollegium zu Wort
kommen lassen?
Waltraud Kommerell,
ÖPR-Vorsitzende
Mitglied im BPR
Gymnasien
und im LFGA
Gymnasien
Bezirksrechtsschutzstellenleiterin
Waltraud Kommerell
Personengruppe Schulleitung: In eigener Sache
Nachwuchs gesucht!
Die Arbeit in der Landespersonengruppe Schulleitung macht nach wie vor Freude – und vom Umfang
her ist sie auch gut zu bewältigen, weil sie sich klar
gliedern und gut verteilen lässt. Wir treffen uns drei
Mal im Jahr in Stuttgart zu einer Sitzung, erstellen
drei Ausgaben der Publikation „Die Schulleitung“,
organisieren – mit Hilfe der Landesgeschäftsstelle die schon traditionelle Fachtagung jeweils im Frühjahr und sprechen zwei Mal im Jahr mit Regierungsvertretern oder Landtagsabgeordneten.
Dennoch: Einige von uns (man sieht es zwar fast
nicht) sind doch schon in die Jahre gekommen und
wollen sich im Herbst 2015 zurückziehen. Da wird
unser Gremium – wie und viele andere GEW-Gremien auch - neu gewählt. Weil wir die GEW-Arbeit
mit/für Schulleitungsmitglieder sehr wichtig finden,
wollen wir, dass sie gut weitergeführt wird. Deshalb
suchen wir schon jetzt Nachwuchs. Wenn Sie mehr
darüber erfahren wollen, was Sie denn erwarten würde, können Sie uns (Hans Dörr, Manfred Haffa und
mich) gerne kontaktieren. Unsere Kontaktdaten finden Sie im Jahrbuch 2014 auf Seite 16. Wir freuen
uns auf Ihr Interesse und Ihre Fragen.
Frank Orthen,
Konrektor an der
Merianschule
Epfenbach (GWRS),
Mitglied des
Leitungsteam der
GEW-Landespersonengruppen
Schulleitungsmitglieder
Frank Orthen
Die Schulleitung 3-2014
Seite 15
Aus der Praxis. Für die Praxis.
Das GEW-Jahrbuch 2015
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So wird bestellt
Ab November in unserem Onlineshop unter www.spv-s.de
– dort gibt es auch Hinweise zum Bestellverfahren für GEW- Vertrauensleute
und Schulleitungen.
Alle Schulen bzw. alle GEW-Vertrauensleute erhalten Ende Oktober
Bestellformulare zugeschickt, so dass auch per Fax bzw. Post bestellt werden
kann. In der Novemberausgabe von b&w gibt es ein weiteres Bestellformular
für Einzelbestellungen.
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2015 erscheint das GEW-Jahrbuch zum 34. Mal. Es enthält alle wichtigen
Gesetze und Verordnungen sowie alle Veränderungen, die während des Jahres
in Kraft getreten sind, zum Beispiel alle Neuregelungen im Bereich des Schulund Beamtenrechts.
Erscheinungstermin und Auslieferung
Das GEW-Jahrbuch erscheint am 07. Januar 2015 .
Die Auslieferung erfolgt ab 07. Januar 2015
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• Fax:
(0711)
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Preis und Versandkosten
Der Preis für das Jahrbuch bleibt 2015 stabil - 12 Euro für GEW-Mitglieder und 18 Euro für Nicht-GEWMitglieder bei Sammelbestellung über die GEW-Vertrauensleute. Der Buchhandelspreis beträgt 24 Euro.
Die Kosten für Porto und Versandmaterial sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, so dass wir die
Versandkostenpauschale der tatsächlichen Preisentwicklung anpassen müssen.
Unsere Empfehlung ist deshalb, das GEW-Jahrbuch möglichst über die GEW-Vertrauensleute per
Sammelbestellung zu kaufen. Sammelbestellungen werden auch in Zukunft versandkostenfrei
ausgeliefert. Einzelheiten entnehmen Sie bitte den Bestellunterlagen und den Informationen im
Onlineshop des Verlages (www.spv-s.de).
Dennoch bleibt das GEW-Jahrbuch hinsichtlich Aktualität, Qualität und Preis unschlagbar.
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Schriftliche Bestellungen:
Süddeutscher Pädagogischer Verlag
Silcherstraße 7a
70176 Stuttgart
Fax: 0711 21030799
bestellservice@spv-s.de
Onlineshop: www.spv-s.de
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