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Kasachstan Aktuell 3-2014 - AHK Zentralasien

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Ausgabe 3-2014 . Oktober 2014 . www.owc.de
OST WEST
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Das Wirtschaftsmagazin für Ost-West-Kooperation
In Kooperation mit:
BRÜSSEL, 10. Oktober. Mitte September
wurden in Astana die Verhandlungen
für ein erweitertes Partnerschafts- und
Kooperationsabkommen (PCA) zwischen
der Europäischen Union und Kasachstan
abgeschlossen. Zur Unterzeichnung des
Abkommens ist Kasachstans Staatspräsident Nursultan Nasarbajew Anfang
Oktober nach Brüssel gereist und wurde
dort von EU-Kommissionspräsident José
Manuel Barroso empfangen. „Das Abkommen wird den Ausbau der politischen,
wirtschaftlichen und strategischen
Beziehungen sowie Handel, Investitionen
und Dienstleistungen wesentlich erleichtern“, sagte Barroso. Außerdem soll das
Partnerschaftsabkommen zu politischen,
rechtsstaatlichen und wirtschaftlichen
Reformen in Kasachstan sowie zur
Modernisierung und zum Wohlstand des
Landes beitragen.
Das erweiterte Partnerschafts- und
Kooperationsabkommen regelt auf mehr
als 280 Seiten die Zusammenarbeit unter
anderem in den Bereichen Außen- und
Sicherheitspolitik, Handel und Wirt-
schaft, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, Gesetzgebung und Rechtsstaatlichkeit sowie Finanzen, Wissenschaft und Technik.
Im Außenhandel soll das Abkommen
bessere regulatorische Rahmenbedingungen gewährleisten, beispielsweise im
Dienstleistungssektor, bei der Gründung
und beim Betrieb von Unternehmen,
beim Kapitalverkehr oder beim öffentlichen Beschaffungswesen.
Die EU will mithilfe des PCA auch die
Energiezusammenarbeit mit Kasachstan
ausbauen. Kasachstan sei schon jetzt ein
wichtiger und verlässlicher Energielieferant für die EU, sagte Barroso. Derzeit
deckt die zentralasiatische Republik rund
fünf bis sechs Prozent des europäischen
Ölbedarfs.
Barroso betonte beim Treffen in
Brüssel außerdem, das PCA zeige, dass
internationale Beziehungen kein Nullsummenspiel seien. „Europa ist offen für
enge und solide Beziehungen mit den
Staaten der Zollunion. Deswegen denke
(Lesen Sie weiter auf Seite 3)
++kurz notiert ++ kurz notiert ++ kurz notiert ++ kurz notiert ++ kurz
Inhalt
Wirtschaft3
Firmen und Kooperationen
Engere Bande zwischen
EU und Kasachstan
4
Nachfrage nach Medizintechnik steigt 6
Branchenmeldungen7
Interview: Die neue Seidenstraße nach
Europa8
Kasachstan produziert
mehr Gold
ALMATY, 16. Oktober. Kasachstan stockt die
Goldproduktion auf: Von Januar bis September 2014 wurden mehr als 34 Tonnen
Gold produziert, neun Prozent mehr als im
Vorjahreszeitraum, wie das kasachische
Wirtschaftsministerium Mitte Oktober mitteilte. Die Silberproduktion in Kasachstan
sank im besagten Zeitraum um 5,1 Prozent
auf knapp 696 Tonnen. Bei der Kupferproduktion gab es einen Rückgang um 24,8
Prozent auf 208.000 Tonnen.
Kirgisistan: Beitritt zur
Wirtschaftsunion 2014
MINSK, 10. Oktober. Kirgisistan will der
Eurasischen Wirtschaftsunion bis Ende des
Jahres beitreten. Das gab der kirgisische
Präsident Almazbek Atambajew Mitte
Oktober bei der Sitzung des Obersten Eurasischen Wirtschaftsrates in Minsk bekannt.
Mit der Eurasischen Wirtschaftsunion soll
eine Wirtschaftsgemeinschaft nach dem
Vorbild der Europäischen Union entstehen.
Bisher gibt es mit Russland, Belarus und
Kasachstan nur drei Mitglieder.
Regierung neu organisiert
ASTANA, 28. August. Anfang August hat
Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew die Regierung reorganisiert. Die Zahl der
Ministerien wurde von 17 auf zwölf reduziert, die Zahl der Komitees und Ausschüsse
wurde von bisher mehr als 50 auf etwa 30
beschränkt. Dies solle die Effizienz und Verantwortlichkeit der Minister verbessern und
unnötige Bürokratie verhindern.
1 USD
181,52 KZT
1 EUR
229,48 KZT
1 RUB
4,43 KZT
Nationale Bank der Republik
Kasachstan: www.nationalbank.kz
KASACHSTAN aktuell
(Fortsetzung von Seite 3)
ich, dass das nun verhandelte Abkommen
auch symbolischen Charakter hat“, so der
EU-Kommissionspräsident. Er lobte dabei
die ausgewogene Position von Präsident
Nasarbajew im Ukraine-Konflikt.
Kasachstan ist das erste zentralasiatische Land, das ein erweitertes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen
mit der EU geschlossen hat. Es erneuert
das bestehende Abkommen, das 1999 in
Kraft getreten ist. In insgesamt acht Verhandlungsrunden wurde bereits seit 2011
an dem erweiterten PCA gearbeitet. Die
kasachische Regierung geht davon aus,
dass das PCA auch den WTO-Beitritt des
Landes beschleunigen wird.
In den vergangenen Jahrzehnten
hat sich die EU zum wichtigsten Handelspartner und Investor Kasachstans
entwickelt. Gut die Hälfte der ausländischen Direktinvestitionen in Kasachstan stammt aus der EU. Der bilaterale
Warenaustausch beläuft sich auf mehr
als 31 Milliarden Euro, wobei 24 Milliarden Euro den kasachischen Exporten
(größtenteils Öllieferungen) in die EU
zuzurechnen ist. Die europäischen Ausfuhren nach Kasachstan machen gut 7,5
Milliarden Euro aus, vor allem verarbeitete Produkte, Maschinen- und Anlagen
werden nach Kasachstan geliefert. GH
Kasachstan exportiert
weniger Weizen
ASTANA, 7. Oktober. Für Kasachstan zeichnet
sich im laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15
eine deutliche Abnahme der Weizenexporte
im Vergleich zum Vorjahr ab, berichtet der
Branchendienst Agra Europe. Laut Angaben
des russisch-ukrainischen landwirtschaftlichen Analysen- und Informationsdienstes
wirtschaft
Die zehn größten Banken Kasachstans*
Eigenkapital (Mio. USD)
Kazkommertsbank
15.263
2.217
Halykbank
14.849
1.258
BTA
8.294
697
Sberbank
7.427
528
Tsesna Bank
6.637
479
Bank Centercredit
6.086
528
Kaspi Bank
5.138
387
ATF Bank
Alliance Bank
Aktiva (Mio. USD)
2.092
5.073
-223
Eurasian Bank
4.517
327
3.749
Kasachstans Bankensektor steht vor einer weiteren Konsolidierung. Oligarchen investieren
in bekannte Bankenadressen und wegen wachsender Eigenkapitalanforderungen stehen die
Eigentümer kleiner Banken vor der Frage: Wachstum oder Ausstieg?
Auch viele ausländische Banken sind in der Vergangenheit nach Kasachstan gekommen. In der
ersten Liga spielen heute die Tochter der russischen Sberbank und die Bank Centercredit mit der
südkoreanischen Kookmin Bank als Hauptaktionär. Beide sehen weiter gute Wachstumschancen in Kasachstan. Aber viele bei ausländischen Investoren populäre internationale Banken
sind derzeit auf dem Rückzug.
Mehr über die aktuellen Entwicklungen im kasachischen Bankensektor erfahren Sie im Beitrag
„Mehr Eigenkapital und weniger Banken“, der in Ost-West-Contact 10/2014 erschienen ist
(Link: ow.my/35202).
*(per 30.06.2014) 1 USD = 183,51 KZT
Quelle: Commerzbank AG
APK-Inform führte Kasachstan im Juli und
August insgesamt rund 290.000 Tonnen
Weizen aus; das waren rund 40 Prozent
weniger als in den beiden entsprechenden
Vorjahresmonaten.
Der Rückgang sei in erster Linie auf eine
starke Drosselung der Bezüge durch Aser-
baidschan zurückzuführen, berichtete
APK. Die Lieferungen dorthin seien von
gut 122.000 Tonnen auf nur 6.000 Tonnen
im Berichtszeitraum gesunken. Auch die
kasachischen Weizenausfuhren in den Iran
hätten sich spürbar verringert, und zwar von
mehr als 92.000 Tonnen auf 57.000 Tonnen.
dls_Anz_owc_175x85mm_4c_201213_Layout 1 22.05.14 09:53 Seite 1
KASACHSTAN aktuell
3-2014
3
wirtschaft, firmen und kooperationen
AHK-Geschäftsreise:
Modernisierung der kasachischen Industrie
Die Renewables Academy (RENAC) AG organisiert vom 10. bis zum 14. November 2014 in
Kooperation mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien eine Geschäftsreise zum Thema „Energieeffizienz in der Industrie und Kommunalbauten“ nach Almaty.
Auf einer Fachkonferenz am 11. November in Almaty haben deutsche Unternehmen die
Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen einem breiten kasachischen Fachpublikum zu präsentieren. Zu der Fachkonferenz werden Vertreter aus Regierungsbehörden
und staatlichen Einrichtungen, Industrieverbänden, Industrieunternehmen sowie Unternehmen aus dem Bausektor und Zulieferer eingeladen. Ferner vermittelt die Delegation
der Deutschen Wirtschaft individuelle Gesprächstermine mit potenziellen kasachischen
Partnern.
KONTAKT:
Renewables Academy (RENAC) AG
Laura Scharlach
scharlach@renac.de
Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien
Jörg Hetsch
l@ahk-za.com
Deutsche Energie-Agentur
(dena)
Betonhersteller startet
Energieeffizienzprogramm
AKTOBE, 1. Oktober. Der kasachische Porenbetonhersteller Ekoton Bates realisiert
gegenwärtig ein Programm zur Steigerung
der Energieeffizienz. Ziel des Unternehmens
ist es, den jährlichen Energieverbrauch
um 20 Prozent zu reduzieren und damit
Energiekosten zu sparen. Die Maßnahmen
gehen zurück auf eine Analyse des Energieeinsatzes, ein sogenanntes Energieaudit,
die das Energieberatungszentrum Kasachenergoexpertisa und die Deutsche Energie-Agentur (dena) im Frühjahr gemeinsam
erstellt haben.
Mit dem im Energieaudit empfohlenen Maßnahmenpaket kann Ekoton Batys jährlich
Energiekosten von rund einer halben Million
US-Dollar sparen. Dafür sind Investitionen
in Höhe von rund 1,2 Millionen US-Dollar
nötig. Die Investitionen amortisieren sich in
den meisten Fällen nach zwei bis drei Jahren.
Die größten wirtschaftlichen Energiesparpotenziale liegen laut Energieaudit in der
Dampf- und Wärmeversorgung und den
elektrisch betriebenen Anlagen. Die vorrangig geplanten Maßnahmen zielen darauf ab,
Wärme aus der Dampfversorgung zurückzugewinnen, die Drehzahl der elektrischen
Anlagen zu optimieren und ein Blockheizkraftwerk zur effizienten Erzeugung von
Wärme und Strom einzurichten. Untersucht wurden alle Stufen des Produktionsprozesses, vom Mischen und Gießen über
Schneiden und Dampfhärten bis zum Separieren und Verpacken. Die Produktionsanlagen befinden sich in der Stadt Aktobe im
Nordwesten Kasachstans, nahe der Grenze
zu Russland.
Ekoton Batys erfüllt mit seinem Energieeffizienzprogramm die Vorgaben des kasachischen Energieeffizienzgesetzes. Dieses
verlangt die Durchführung von Energieaudits, die Einhaltung branchenspezifischer
Verbrauchsnormen und die Einführung
4
eines Energiemanagementsystems. Die
dena unterstützt die Umsetzung der staatlichen Energieeffizienzpolitik in Kasachstan,
indem sie gemeinsam mit Kasachenergoexpertisa Standards für die Qualitätssicherung und -prüfung bei Energieaudits in der
Industrie erarbeitet. Außerdem wird die
dena bei der Umsetzung von Energieeffizienzprogrammen in einzelnen Branchen und
der Entwicklung von technischen Normen
für Energieeffizienz mitwirken.
Air Astana
Gewinn legt im zweiten
Quartal zu
ALMATY, 1. September. Air Astana, die nationale Fluggesellschaft Kasachstans, hat im
zweiten Quartal 2014 einen Betriebsgewinn
in Höhe von 26,3 Millionen US-Dollar und
– nach internationalen Finanzstandards
– einen Nettogewinn von 16,5 Millionen
Dollar erzielt, der damit um sieben Prozent
über dem Resultat des Vorjahreszeitraums
liegt.
Die Airline beförderte 939.000 Passagiere,
ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr,
und erreichte ein Umsatzvolumen von 230
Millionen Dollar, vier Prozent weniger als
2013. Die Zahlen spiegeln eine Verbesserung der Ertragslage wider, nachdem das
erste Quartal stark von der 19-prozentigen
Abwertung der kasachischen Währung, des
Tenge, im Monat Februar beeinflusst war.
Marriott Hotels
Hotelkette Marriott
expandiert im GUS-Raum
WASHINGTON, D.C., 19. August. Die Hotelkette Marriott Hotels hat Anfang August ihr
erstes Haus in Astana eröffnet. Direkt neben
dem Wahrzeichen der kasachischen Hauptstadt, dem Bajterek-Turm, empfängt das
Fünf-Sterne-Hotel Gäste mit 271 Zimmern.
Das Astana Marriott Hotel ist das fünfte
Hotel von Marriott International in Kasachstan und wird von einer Tochtergesellschaft
KASACHSTAN aktuell
der in den USA ansässigen Firma Interstate
Hotels & Resorts geführt. Eine Übernachtung inklusive Frühstück ist ab 202 Euro pro
Person buchbar. Für Meetings und Veranstaltungen stehen drei Tagungsräume sowie
ein großer, in drei Abschnitte unterteilbarer
Ballsaal zur Verfügung. Bis zu 230 Personen
finden darin insgesamt Platz.
Die US-amerikanische Hotelkette expandiert derzeit stark im GUS-Raum: Erst vor
wenigen Wochen wurde ein Hotel in der
belarussischen Hauptstadt Minsk und eines
in der westsibirischen Metropole Nowosibirsk eröffnet. Das 175 Zimmer umfassende
Novosibirsk Marriott Hotel ist russlandweit
bereits das 15. Haus der Kette.
Mit der Eröffnung des Renaissance Minsk
Hotels, das über 267 Zimmer verfügt, feierte Marriott International Premiere in
Belarus. Bereits im Frühjahr 2015 soll ein
zweites Lxushotel folgen: Das Marriott
Minsk Hotel wird 220 Zimmer haben und
soll von der österreichischen Vienna International Hotelmanagement AG betrieben
werden.
Isoplus Fernwärmetechnik
Ges.m.b.H.
Werk in Kasachstan
eröffnet
KARAGANDA, 9. September. Das Thüringer
Unternehmen Isoplus Fernwärmetechnik
Ges.m.b.H. hat im August dieses Jahres ein
Werk in Kasachstan eröffnet. Die deutsche
Isoplus-Unternehmensgruppe ist ein Hersteller von vorgedämmten Rohrsystemen
für die Nah- und Fernwärmeversorgung
und bereits seit mehreren Jahren mit ihren
Produkten auf dem kasachischen Markt
präsent. Isoplus investierte rund zwölf Millionen Euro in den Aufbau des neuen Produktionsstandorts in Kasachstan, der in knapp
zwei Jahren fertiggestellt wurde. Derzeit
arbeiten rund 40 Mitarbeiter in Karaganda,
in Kürze soll die Belegschaft auf 60 Mitarbeiter aufgestockt werden.
Astana Solar
PV-Anlage in Russland
geht in Betrieb
ASTRACHAN, 6. Oktober. Im russischen
Gebiet Astrachan ist die erste mit Photovoltaik-Modulen (PV) des kasachischen
Herstellers Astana Solar ausgestattete
Photovoltaik-Anlage in Betrieb gegangen,
berichtet der Wirtschaftsinformationsdienst nov-ost.info Anfang Oktober. Die
Solarstromanlage Narimanowskaja hat
nach Angaben des Herstellers eine installierte Leistung von 250 Kilowatt. Der Solarstrom wird zum Antrieb der Pumpen einer
Solarthermie-Anlage verwendet, die das
Städtchen Narimanow mit rund 13.000
Einwohnern mit Warmwasser versorgt. Die
PV-Anlage hat eine Fläche von 5.000 Quadratmetern und besteht aus 1.060 PhotoKASACHSTAN aktuell
3-2014
KASACHSTAN aktuell
voltaik-Modulen mit einer Nennleistung
von je 240 Kilowatt.
Bauherr der Anlage ist die russische GK Energia Solntsa (Solar Energy Holding), die mit
Unterstützung von Bright Capital Management ein Netz von Photovoltaik-Anlagen im
Gebiet Astrachan aufbauen will.
Energia Solntsa verfügt über Genehmigungen zum Bau von 435 Megawatt
Photovoltaik-Leistung und 105 Megawatt Windkraftleistung. Allein im Gebiet
Astrachan sollen laut einem im August mit
Bright Capital Management unterzeichneten Vertrag bis Ende 2015 Photovoltaik-Anlagen mit 90 Megawatt aufgebaut
werden. Weitere regionale Schwerpunkte
neben Astrachan sind die Gebiete Orenburg,
Uljanowsk, die Republik Kalmückien und die
Region Stawropol.
Astana Solar ist Teil des Staatskonzerns
KazAtomProm. Das Werk wurde Ende 2012
eröffnet und ist Teil eines Projekts zum
Aufbau einer vertikal integrierten Wertschöpfungskette von der Herstellung von
Solar-Silizium über die Produktion von
Solarzellen bis hin zur Modulfertigung. Im
ersten Quartal fertigte das Unternehmen
rund 9.000 Module mit einer Gesamtkapazität von 2,1 Megawatt.
branchen
personal
Neuer kasachischer
Botschafter
Am 2. September
wurde Bolat Turarowich Nussupow von
Präsident Nursultan
Nasarbajew
zum
neuen
Botschafter der Republik
Kasachstan in der
Bundesrepublik Deutschland ernannt.
Nussupow ist seit einigen Jahren im
diplomatischen Dienst tätig und war in
den vergangenen Jahren Gesandter in der
kasachischen Botschaft in Berlin.
Neue Generalkonsulin in
Almaty
Am 19. September 2014 hat die neue
Generalkonsulin der Bundesrepublik
Deutschland in Almaty, Dr. Renate Schimkoreit, ihr Amt angetreten. Die gebürtige
Rheinland-Pfälzerin folgt damit Michael
Grau, der das Amt von August 2012 bis
Juli 2014 innehatte.
Schimkoreit war zuletzt zwei Jahre lang
Botschafterin in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Zuvor hatte sie verschiedene
Positionen als deutsche Diplomatin inne,
unter anderem als Generalkonsulin in
Jekaterinburg oder als Leiterin der Wirtschaftsabteilung in der Deutschen Botschaft in Ankara.
Wechsel bei der
Commerzbank in Almaty
Dr. Bodo Thöns, der
Leiter der Commerzbank-Repräsentanz
in Almaty, verlässt
Kasachstan
nach
sieben Jahren und
übernimmt
zum
Jahresende die Leitung der Commerzbank-Repräsentanz
Taschkent im Nachbarland Usbekistan.
Seine Nachfolge in Almaty tritt Dr. Marco
Graff an, der bisher die Commerzbank-Vertretung in Georgien leitete.
Drees & Sommer
Zertifizierung des
MEGA-Shoppingcenters
ASTANA, 6. Oktober. Drees & Sommer, ein
deutsches Beratungsunternehmen für den
Bau- und Immobiliensektor, hat die Zertifizierung eines Shoppingcenters in der
kasachischen Hauptstadt Astana begleitet.
Das „MEGA Center Astana“ befindet sich
in einem neuen, ausgebauten Stadtteil der
Hauptstadt. Der Gebäudekomplex mit einer
Gesamtfläche von 34.500 Quadratmetern
umfasst neben vielen Boutiquen auch einen
Hypermarket (Kombination aus Supermarkt und Warenhaus), einen Food Court,
einen Erlebnispark, ein Multiplex-Kino, eine
Kletterwand und ein Parkhaus. Bereits seit
Anfang dieses Jahres arbeiten die Engineering-Experten von Drees & Sommer am
MEGA-Projekt in Astana. Im August 2014
wurde das Einkaufscenter als „BREEAM
In-Use International“ zertifiziert. Mit einer
Bewertung von 61 Prozent hat das Gebäude
die Stufe „Very Good“ erreicht. Mit BREEAM
In-Use International werden bestehende
Gewerbeimmobilien außerhalb Deutschlands bewertet.
MEGA ist ein Netz der größten Einkaufsund Vergnügungszentren in Kasachstan.
Die MEGA-Center befinden sich in den
vier größten Städten Kasachstans: in der
Hauptstadt Astana, im Finanzzentrum
Almaty, in Shymkent – der größten Stadt
im Süden – und in Aktobe, im Westen. Die
Einkaufshäuser entsprechen den modernen
internationalen Standards, den regionalen
Anforderungen sowie den Green-Building-Richtlinien.
KASACHSTAN aktuell
3-2014
5
branchen
KASACHSTAN aktuell
Nachfrage nach Medizintechnik steigt
Die Nachfrage nach Medizintechnik in Kasachstan steigt. Die größten Impulse gehen von
staatlichen Investitionen aus. Der Spielraum des Staates für Gesundheitsausgaben hat sich
in den vergangenen Jahren stark erweitert. Negativ auf die Geschäfte wirkt sich derzeit
jedoch die Währungsabwertung von Februar 2014 aus. Bei Medizintechnik ist Kasachstan
so gut wie vollkommen auf Importe angewiesen. Mit einem Marktanteil von fast einem Viertel war Deutschland 2013 wichtigstes Lieferland.
Mit einem Volumen von knapp 611 Millionen US-Dollar ist der kasachische Markt
für Medizintechnik zwar überschaubar,
bietet jedoch dank des großen Nachholbedarfs, der wachsenden Bevölkerung
und positiver Wirtschaftsaussichten
großes Potenzial. Dabei ist das Land fast
vollkommen auf Importe angewiesen.
Verbunden mit dem wirtschaftlichen
Aufschwung der vergangenen Jahre
hat sich der finanzielle Spielraum des
Staates und der privaten Haushalte für
Gesundheitsausgaben stark erweitert.
Im Zeitraum von 2004 bis 2013 sind die
staatlichen Aufwendungen für das Ressort von knapp einer Milliarde auf rund
5,4 Milliarden US-Dollar gestiegen. Der
Umfang der kostenlosen Gesundheitsleistungen wurde ausgebaut und die
Ausstattung vieler Kliniken erneuert. Die
Verbesserungen spiegeln sich auch in
der gestiegenen Lebenserwartung wider
(1987: 69,3 Jahre; 1996: 64,1; 2012: 69,6;
2013: 70,5).
Gesundheitsausgaben
nicht ausreichend
Dennoch sind die Gesundheitsausgaben
in Kasachstan noch lange nicht ausreichend. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) summierten
sie sich 2012 auf 521 US-Dollar pro Kopf
(Staat: 301 US-Dollar; Privathaushalte:
220 US-Dollar) beziehungsweise 4,2
Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt
(BIP). Nachholbedarf besteht auch bei der technischen
Ausstattung. Laut Angaben der WHO
gab es im Land 2013 pro eine Millione
Einwohner, 1,09 Magnetresonanz-, 1,46
Tomographie- und 1,34 Strahlentherapiegeräte.
Negativ auf die Geschäfte mit Medizintechnik wirkt sich die Mitte Februar
2014 erfolgte Abwertung der Landeswährung Tenge um rund 18 Prozent
gegenüber dem US-Dollar aus. Weil die
staatlichen Budgets für das Gesundheitsressorts auf Tenge-Basis festgelegt
sind, mussten die im Land gut etablierten deutschen Medizintechnikhersteller
laut Unternehmensvertretern erhebliche
Preisnachlässe gewähren, um ihre Marktposition nicht zu gefährden.
Hauptabnehmer: staatliche
Krankenhäuser
Hauptabnehmer von Medizintechnik in
Kasachstan sind die staatlichen Krankenhäuser und Polikliniken. Laut Einschätzung von Fachleuten entfielen 2011 rund
90 Prozent der Nachfrage auf die staatlichen Einrichtungen. Aber auch der private Sektor wächst. So ist die Zahnmedizin nahezu vollkommen in privater Hand.
Die größten Impulse auf dem Medizintechnikmarkt gehen vom Staat aus.
Für das von 2011 bis 2015 laufende Programm „Salamatty Kasachstan“ stellt die
Regierung rund 2,5 Milliarden US-Dollar
bereit. Ziele sind die Steigerung der Effizienz des Gesundheitswesens, eine stärkere Förderung präventiver Maßnahmen
sowie eine bessere Ausstattung mit Medizintechnik in bislang unterversorgten
Regionen. Weitere Schwerpunkte sind die
Modernisierung der Akutversorgung, der
Aufbau von Rehabilitationszentren, die
Verbesserung der Diagnostik und Versorgung von Patienten mit Herz-Kreislauf-,
onkologischen und endokrinen Erkrankungen sowie eine stärkere Ausrichtung
auf ambulante Behandlungen.
Aktuell liegt der Fokus der Gesundheitspolitik auf der Verbesserung der Diagnose und Behandlung von Krebsleiden.
Im Rahmen eines Onkologieprogrammes
der Regierung sollen in den Jahren 2014
bis 2016 alle Regionen des Landes mit
Geräten zur Diagnose von Speiseröhren-,
Magen-, Leber- und Prostatakrebs ausgestattet werden. Insgesamt stellt der
Staat 2014 bis 2016 dafür rund 640 Millionen US-Dollar bereit.
Ausbau des
Gesundheitswesens
> Möchten Sie Informationen über Ihr
Unternehmen, dessen Kooperationen
mit Kasachstan sowie Personalveränderungen mitteilen, senden Sie uns eine
E-Mail: bb@owc.de
6
Daneben laufen die Programme „Bau
von 100 Schulen und 100 Krankenhäusern“ und „Bau von 350 Ambulanzen,
ländlichen Gesundheitszentren und
Polikliniken“. Beim ersten Projekt sollen von 2014 bis 2016 noch 25 Kliniken
fertiggestellt werden, davon sechs mit-
hilfe öffentlich-privater Partnerschaften (PPP). Im Rahmen des zweiten Programms steht bis Ende 2016 der Bau von
213 Gesundheitszentren an, darunter 17
Polikliniken mit PPP-Finanzierung. Die
Anzahl der Krankenhausbetten insgesamt soll aber nicht steigen. Bestehende
Gesundheitseinrichtungen auf dem Land
bedürfen einer Erneuerung. Doch dürften
hier eher technisch weniger anspruchsvolle Geräte zum Einsatz kommen.
Moderne Medizintechnik
gefragt
Generell wird in Kasachstan aber
moderne Medizintechnik nachgefragt.
Das gilt insbesondere für eine Reihe
neuer Krankenhäuser und Forschungsinstitute, die in den vergangenen Jahren in
der Hauptstadt Astana entstanden sind.
Die sechs Einrichtungen sind in der 2008
gegründeten Nationalen Medizinischen
Holding (http://www.nmh.kz) zusammengefasst und sollen zu einem Modell
für die Modernisierung des Gesundheitssystems werden. Private Kliniken kaufen
auch gebrauchte Geräte.
Die staatlichen Gesundheitsausgaben
speisen sich aus dem Staatsbudget sowie
aus Aufwendungen der lokalen und regionalen Verwaltungen. Die Bevölkerung
hat Anspruch auf eine kostenlose Grundversorgung. Daneben gibt es Gebühren
für weitergehende Behandlungen. Hinzu
kommen informelle Zahlungen, deren
Höhe sich nur schwer beziffern lässt. Ein
Grund hierfür sind die niedrigen Löhne
im Gesundheitssektor. Die Einführung
einer öffentlichen Krankenversicherung
ist geplant. Der Markt für private Krankenversicherungen wächst.
Branchenstruktur
Die Medizintechnikbranche in Kasachstan
ist wenig entwickelt. Das Sortiment der
meisten lokalen Hersteller umfasst Produkte wie Gebrauchsartikel, medizinische
Möbel und Kleidung. Eine Ausnahme
stellt die Firma Aktjubrentgen dar, die
Röntgenapparate fertigt. Regierungsangaben zufolge deckte sie zuletzt 20
Prozent des einheimischen Bedarfs. Bei
höherwertigen Geräten liege der Anteil
bei 13 Prozent. Im Sommer 2013 hat mit
Kasmedpribor ein weiteres Unternehmen
die
Produktion elektromedizinischer
Diagnoseapparate aufgenommen.
KASACHSTAN aktuell
3-2014
KASACHSTAN aktuell
Außenhandel
Laut Angaben von UN Comtrade führte
Kasachstan 2013 medizintechnische
Waren im Wert von 604,6 Millionen
US-Dollar ein. Das waren 21,5 Prozent
mehr als 2012. Mit einem Anteil von 24,2
Prozent war Deutschland 2013 wichtigstes Lieferland, gefolgt von den USA
(19,1 Prozent), der VR China (10,1 Prozent), Russland (8,3 Prozent) und Japan
(5,8 Prozent). In den ersten fünf Monaten 2014 legten die Importe weiter zu.
Angaben des kasachischen Zollkomitees
zufolge stiegen die Einfuhren von außerhalb des Gebiets der Zollunion um 4,8
Prozent auf 177,5 Millionen US-Dollar.
Zeitgleich nahmen Eurostat zufolge die
Bezüge aus Deutschland um 44,3 Prozent
auf 34,1 Millionen Euro zu.
Fabian Nemitz,
Germany Trade & Invest, Almaty
veranstaltungstipp
Konferenz: Tierproduktion in
Osteuropa und Zentralasien
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e. V.) veranstaltet am 12.
November 2014 im Rahmen der Fachmesse
EuroTier 2014 in Hannover eine Konferenz
zum Thema „Milcherzeugung in Russland,
Kasachstan und Usbekistan: Produktion
ausbauen, Qualität sichern“.
Nach wie vor hat die Milchproduktion in
Russland, Kasachstan und Usbekistan ein
enormes Entwicklungspotenzial. Dieses
Potenzial eröffnet breite Möglichkeiten
für Partnerschaften auf den politischen,
geschäftlichen und betrieblichen Ebenen.
Auf der Veranstaltung bekommen Sie einen
Einblick in die Milchbranche der genannten
Länder aus der Sicht der Politik, der Praxis
und der Industrie. Sie erhalten Informationen
aus erster Hand über die Förderprogramme
auf nationaler und regionaler Ebene, die
aktuellen Trends der Milchmärkte, Handelsströme und -bilanzen, erfahren mehr
über die spezifischen Herausforderungen
entlang der Wertschöpfungskette Milch
und die Ansätze zu deren Bewältigung.
KONTAKT:
DLG e. V., Frankfurt am Main
Olga Hunger
Tel.: +49 69 24788-271
o.hunger@DLG.org
www.eurotier.com
KASACHSTAN aktuell
3-2014
7
interview
KASACHSTAN aktuell
Die neue Seidenstraße nach Europa
Interview mit Kanat Alpysbayev, Vize-Präsident der Nationalen
Eisenbahngesellschaft Kazakhstan Temir Zholy
Die kasachische Regierung hat Ende 2013 ein neues Programm zur Entwicklung der
Transportinfrastruktur bis 2020 verabschiedet. Geplant sind umfangreiche Investitionen in
die Modernisierung und den Ausbau von Straßen, Eisenbahnstrecken, Flughäfen, Bahnhöfen und Logistikzentren. KASACHSTAN aktuell sprach mit Kanat Alpysbayev, Vize-Präsident der Nationalen Eisenbahngesellschaft Kazakhstan Temir Zholy (KTZ), über die
laufenden Ausbauprojekte und über Kasachstans Rolle beim Transit von China nach
Europa.
KA: Herr Alpysbayev,
Präsident Nursultan
Nasarbajew hat
im
Dezember
2012 die Strategie „Kasachstan
2050“
verkündet, die
die weitere Entwicklung
des
Landes vorgibt.
Welchen Stellenwert hat der
Transportsektor in dieser Strategie?
Alpysbayev: Das Hauptziel des Präsidenten und der Strategie ist es, Kasachstan wettbewerbsfähig zu machen und
global zu integrieren. Dafür gibt es einige
zentrale Punkte, die bis 2050 erreicht
werden sollen. Ein Ziel ist es, Kasachstan
unter die Top-30 der am meisten entwickelten Länder zu bringen. Dabei spielen
verschiedene Faktoren eine Rolle: die
BIP-Entwicklung, die Industrialisierung
und natürlich der Transport- und Logistiksektor.
Ungefähr vor einem Jahr verkündete
der Präsident aus diesem Grund ein weiteres Staatsprogramm namens „Neue
Seidenstraße“, das in der Gesellschaft
und in der Business Community die Botschaft verankern soll, dass wir Kasachstans Position als Transithub zwischen Ost
und West wiederherstellen beziehungsweise ausbauen müssen. Um dieses Ziel
zu erreichen, hat die Regierung die kasachische Eisenbahn mit der Umsetzung
des Programms beauftragt.
KA: Welche Bedeutung hat die Eisenbahn
für Kasachstan?
Alpysbayev: Wenn Sie sich einmal
die geografische Position des Landes
anschauen, stellen Sie fest: Es ist flächenmäßig das neuntgrößte Land der
Erde. Gleichzeitig ist die Bevölkerung nur
sehr klein, es gibt rund 17 Millionen Einwohner in Kasachstan. Ausgehend davon
ist die Eisenbahn wirklich das Rückgrat
der kasachischen Wirtschaft. Wenn man
die Pipelines, also die Öl-Transporte ausnimmt, steht die KTZ für 60 Prozent der
gesamten Warenströme in Kasachstan,
8
also Import, Export, Transit etc. Und in
naher Zukunft wird es auch kaum Alternativen dazu geben. Das zeigt die Bedeutung der Eisenbahn für Kasachstan als
exportorientiertes Land.
Um die gegebenen Ziele zu erreichen,
muss nun die Infrastruktur modernisiert
und weiterentwickelt werden. Der Staat
unternimmt bereits einige Anstrengungen in diese Richtung: In den letzten
20 Jahren seit der Unabhängigkeit des
Landes wurden rund 2.000 Kilometer
neue Bahnstrecken gebaut. Außerdem
wurde viel in den Straßenausbau und die
Flughafeninfrastruktur investiert.
KA: Welche Projekte sind konkret
geplant? Was muss getan werden, um
die Transportinfrastruktur in Kasachstan
zu verbessern?
Alpysbayev: Nun, bis 2020 wollen wir
insgesamt 45 Milliarden US-Dollar in die
Transportinfrastruktur investieren. Dabei
gibt es verschiedene Projekte: Zum einen
sollen neue Bahnstrecken gebaut und
bestehende erweitert werden, Distanzen
sollen verkürzt und die Logistik verbessert werden, Zentralkasachstan soll mit
dem Westen verbunden werden, genauso
wie Ostkasachstan mit dem Westen des
Landes.
Das Transitgeschäft wird für uns
immer wichtiger, deswegen bauen wir
unsere Grenzpunkte aus. Derzeit bestehen zwei Grenzverbindungen zu China,
die rund 50 Millionen Tonnen pro Jahr
umschlagen könnten: Dostyk, eine Station, die in den neunziger Jahren gebaut
wurde, und Chorgos, die vor zwei Jahren
erbaut worden ist. Im letzten Jahr haben
wir 19,5 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen. Wir sind aber nach wie vor
dabei, die Transitpunkte weiter zu verbessern, um eben den grenzüberschreitenden Verkehr weiter zu erhöhen.
Wir haben begonnen, die Freihandelszone „East Gate“ (FEZ) in Chorgos aufzubauen. Sie soll aus drei Sektoren bestehen: einem Trockenhafen (Güterverkehrszentrum), einer Logistik-Zone und
einer Industriezone. KTZ als Betreiber
der Freihandelszone hat in diesem Jahr
mit den Bauarbeiten für den Trockenhafen begonnen. Wir investieren über 200
Millionen US-Dollar, um ihn zu errichten
und die benötigte Logistik aufzubauen.
KA: Welche Intention steckt hinter der
Freihandelszone? Für wen könnte der
Standort Chorgos interessant sein?
Alpysbayev: Was wir erreichen wollen
ist, dass die großen Player Chorgos und
dessen Grenznähe nutzen und sich dort
ansiedeln, um den asiatischen Markt zu
bedienen. Einer der Vorteile für unsere
potenziellen Kunden ist die Zollunion,
die Kasachstan, Belarus und Russland
gegründet haben. Zwischen diesen Ländern gibt es keine Zollschranken. In der
Industriezone der FEZ Chorgos können
dann beispielsweise aus China importierte Vorprodukte zu Waren für die
eurasische Zollunion und weitere zentralasiatische Länder verarbeitet werden.
Wir vernehmen schon jetzt ein reges
Interesse für unser Vorhaben, zum Beispiel von IT- und Technologie-Produzenten wie HP oder von Pkw-Herstellern
wie zum Beispiel Toyota.
KA: Wie haben sich die Ost-West-Verkehre von China nach Europa und umgekehrt entwickelt?
Alpysbayev: Es gibt mittlerweile
mehrere Routen von China nach Europa
und umgekehrt: Chongqing-Duisburg,
Chengdu-Lódź; neu hinzugekommen ist
zuletzt die Strecke Zhengzhou-Hamburg.
In diesem Jahr haben wir die Zahl der
Züge im Vergleich zu 2013 verdoppelt.
Bis zum Ende des Jahres werden auf der
Ost-West-Route 150 Züge gefahren sein.
Wie gesagt, wir arbeiten daran, den
Transit durch Kasachstan zu erhöhen und
weitere Blockzüge zwischen China und
Europa zu etablieren, die regelmäßig zu
festen Zeiten fahren, ähnlich einem Passagierzug. Nehmen Sie zum Beispiel die
Verbindung zwischen Chongqing und
Duisburg. Auf dieser Strecke sind die
Waren kaum mehr als 16 Tage unterwegs
– im Vergleich zur Seefracht, die von Europa nach China 45 bis 60 Tage benötigt.
Das ist ein großer Vorteil, den wir nutzen
wollen.
Außerdem beginnen wir demnächst
damit, temperaturkontrollierte Container
(Lesen Sie weiter auf Seite 10)
KASACHSTAN aktuell
3-2014
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interview
KASACHTAN aktuell
(Fortsetzung von Seite 8)
auf dieser Strecke einzusetzen. In diesem
Jahr wollen wir 200 solcher Container
kaufen, die dann bei YuXinOu zum Einsatz kommen, einem Joint Venture zwischen Kasachstan, China, Russland und
der Deutschen Bahn (DB), das die Strecke
Westchina-Westeuropa bedient. Diese
Container können ganzjährig eingesetzt
werden für temperaturempfindliche Produkte wie beispielsweise Computer, die
bisher in strengen Wintern oder heißen
Sommermonaten nicht über den zentralasiatischen Korridor nach Europa versandt werden konnten. Die Container sind
mit dieselelektrischen Motoren bestückt.
Das ermöglicht es uns, die Temperaturen
im Inneren zu kontrollieren und aus der
Ferne zu steuern. Das wird auch interessant sein für die Pharmabranche oder die
lebensmittelverarbeitende Industrie. Bis
zum Ende des kommenden Jahres wollen
wir 1.000 temperaturkontrollierte Container kaufen.
KA: Sie konzentrieren sich aber nicht
allein auf die Weiterentwicklung der
kasachischen
Transportinfrastruktur,
sondern sind auch im Ausland aktiv.
Alpysbayev: Ja, genau. Das ist ja auch
eines der Hauptziele der Initiative von
Präsident Nasarbajew: Kasachstan international zu integrieren und die kasachische Logistikinfrastruktur in die globalen Warenströme zu integrieren. Dieses
Ziel steckt hinter all unseren Projekten.
Ein wichtiger Aspekt unserer weiteren
Entwicklung ist dabei der Aufbau von
logistischen Knotenpunkten. Ein solches
Transport- und Logistikzentrum (TLC)
eröffnen wir noch in diesem Jahr im chinesischen Seehafen Lianyungang. Unser
Ziel ist es, pro Jahr 150.000 Container
über dieses Terminal umzuschlagen. Von
dort aus wollen wir die Container weiterverschicken über Kasachstan nach
Europa.
Weitere eigene Terminals errichten wir
am Persischen Golf im Iran, erste Verhandlungen mit den iranischen Behörden
laufen bereits. Konkret planen wir ein
Terminal im Hafen von Bandar Abbas.
Außerdem sind wir auch daran interessiert, ein solches TLC in Europa zu
errichten. Wichtig ist dabei, einen Punkt
zu finden, an dem sich die europäische
Normalspur und die in der GUS verbreitete Breitspur treffen. Da kommen
ja ganz verschiedene Möglichkeiten in
Betracht. Es gibt die Slowakei und Bestrebungen, die Breitspur bis nach Wien zu
verlegen, es gibt die von der EU geplante
Eisenbahnverbindung Rail Baltica, die
die baltischen Länder für solch ein Terminal interessant macht. Eine andere
von der EU forcierte Route ist TRACECA,
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ein Verkehrskorridor durch Aserbaidschan und Georgien in die Türkei, der die
west-östlichen Wege der historischen
Seidenstraße wiederbeleben soll. Wir
beobachten diese positive Entwicklung
sehr gespannt. Im letzten Jahr eröffnete
die Türkei beispielsweise den Tunnel unter
dem Marmarameer, der ist jetzt auch
bereit für den Cargobetrieb. Aserbaidschan und Georgien modernisieren derweil ihre Schienenverkehrssysteme, was
uns erlauben wird, den Containerumschlag zu erhöhen. Und Georgien und
die Türkei sind dabei, die Bauarbeiten für
die Bahnstrecke Kars-Achalkalaki-Tbilissi-Baku zu beenden.
KA: Für die west-östliche Route Richtung
Türkei muss auch die Hafeninfrastruktur
ausgebaut werden. Wie ist der aktuelle
Stand?
Alpysbayev: Bis zum Ende des ersten
Quartals 2015 wollen wir die Modernisierung des westkasachischen Seehafens
Aktau am Kaspischen Meer abschließen.
Das wird die Kapazität des Hafens auf 2,5
Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen.
Im nächsten Jahr beginnen wir mit
dem Bau eines neuen Terminals in der
Stadt Kuryk, rund 60 Kilometer südlich
von Aktau gelegen, das speziell auf Fährverkehr ausgelegt sein wird, auf Eisenbahn- und RoRo-Fähren. Damit möchten wir die Bahn-See-Verbindungen
beschleunigen und per Fähre zirka vier
Millionen Tonnen Fracht pro Jahr bewegen.
KA: Wie können sich deutsche bzw. europäische Unternehmen an der Modernisierung der Bahninfrastruktur in Kasachstan beteiligen? An welchen Projekten
arbeiten Sie bereits gemeinsam?
Alpysbayev: Die Kooperation mit
Europa ist sehr vielfältig, da gibt es verschiedene Aspekte. Zum Beispiel bei der
Herstellung von Schienenfahrzeugen
arbeiten wir mit Alstom zusammen, die
Elektro-Lokomotiven in Kasachstan produzieren. Mit Siemens haben wir unter
anderem Projekte zur Elektrifizierung
von Bahnstrecken, mit Bombardier arbeiten wir im Bereich Signaltechnik zusammen.
Außerdem arbeiten wir mit dem
Zürich Airport zusammen, da geht es
um das Management der Flughafen-Infrastruktur. Über ein Joint Venture wird
die Flughafen Zürich AG uns bei bis zu
elf Flughäfen in Kasachstan beraten. Der
größte Flughafen ist Astana, den wollen
wir für die Expo 2017 entwickeln. Aus
diesem Grund haben wir uns die Schweizer Kollegen geholt, um diese Weiterentwicklung zu managen. Außerdem
arbeiten wir an einem Vertrag mit dem
Flughafendienstleister Swissport für die
Bodenabfertigung in Astana.
KA: Sehen Sie Potenzial für künftige Projekte mit deutschen Unternehmen bei der
Modernisierung des Transport- und Logistiksektors?
Alpysbayev: Ja, natürlich. Unser Ziel
ist es, die beste Technik und die besten
Lösungen zu bekommen.
Wir werden weiter auf die Zusammenarbeit mit den Unternehmen setzen, die
schon im Land sind, und suchen auch
nach weiteren internationalen Spediteuren und Bahnbetreibern, die mit uns
kooperieren und die Transitkapazität auf
der transkontinentalen Route von Ost
nach West und umgekehrt ausbauen und
verbessern wollen.
Das Gespräch führte Grit Horn
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