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DISKUSSION - Deutsches Ärzteblatt

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MEDIZIN
DISKUSSION
zu dem Beitrag
Qualität der Behandlung des akuten
Schlaganfalls – Auswertung evidenzbasierter
Indikatoren von 260 000 Patientendaten
von Dr. rer. nat. Silke Wiedmann, Prof. Dr. med. Peter U. Heuschmann,
Steff Hillmann, et al. in Heft 45/2014
Geschlechterunterschiede untersuchen
Die Autoren zeigen, dass in der Schlaganfallversorgung nicht alle festgelegten Qualitätskriterien erfüllt
werden, und dass es regionale Unterschiede gibt (1).
Aus österreichischer Sicht ist die tatsächlich erfolgte
Dokumentation der vorgegebenen Qualitätsindikatoren hervorzuheben. Nach dem Evaluationsbericht wies
die Dokumentation im Reformpoolprojekt „Integrierte
Schlaganfallversorgung in der Steiermark“ (März
2007 bis Dezember 2008) erhebliche Mängel auf. Ziel
des Projektes war es, Patientinnen und Patienten nach
einem Schlaganfall eine bessere Versorgung zu gewährleisten. Die dabei ermittelte erhöhte Sterblichkeit
der betroffenen Patientinnen wurde mit dem höheren
Alter erklärt. Eine Alters- und/oder Geschlechterdiskriminierung wurde explizit nicht festgestellt (2). Auf
Initiative des Fachbeirates für Frauengesundheit der
Gesundheitsplattform Steiermark (www.gesundheits
fonds-steiermark.at/Seiten/Frauengesundheit-1.aspx)
wurden die Daten dann aber doch bezüglich geschlechterspezifischer Versorgungsunterschiede analysiert. Diese Auswertung zeigte, dass Patientinnen
seltener als Patienten in einer Stroke Unit aufgenommen wurden, seltener eine Magnetresonanztomographie erhielten, weniger oft lysiert wurden, einen
schlechteren Gesundheitszustand hatten und auch öfter in diesem entlassen wurden. Patientinnen profitierten hingegen mehr von gleich lange dauernden stationären Aufenthalten als Patienten (3).
Zu Schlaganfall und Geschlechterdifferenzen gibt es
noch wenige systematische Reviews (4). Die Ergebnisse weisen allerdings in die gleiche Richtung. Es bestehen Unterschiede in der Versorgung zuungunsten von
Patientinnen. Es wäre daher von großem Interesse, die
Daten von Wiedmann et al. differenziert auf Geschlechterunterschiede hin zu analysieren. Möglicherweise findet sich ein genereller Hinweis auf eine schlechtere
Versorgung von Patientinnen nach einem Schlaganfall
über Kliniken hinweg, unabhängig vom jeweiligen Erreichen der Qualitätskriterien. Für Sex und Gender als
Qualitätsindikatoren spricht die Evidenz in der Forschung und in der Praxis.
DOI: 10.3238/arztebl.2015.0288a
LITERATUR
1. Wiedmann S, Heuschmann PU, Hillmann S, et al.: The quality
of acute stroke care—an analysis of evidence-based indicators in
260 000 patients. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 759–65.
288
2. Joanneum Research: Integrierte Schlaganfallversorgung in der Steiermark. Evaluation eines Reformpoolprojektes. Joanneum Research,
Graz 2011.
3. Rásky É, Sladek U, Groth S: Ungleich versorgt. ÖKZ 2012; 53: 31–4.
4. Oertelt-Prigione S, Wiedmann S, Endres M, et al.: Stroke and myocardial infarction: a comparative systematic evaluation of genderspecific analysis, funding and authorship patterns in cardiovascular
research. Cerebrovasc Dis 2011; 31: 373–81.
Prof. Dr. med. Éva Rásky
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
Medizinische Universität Graz, Österreich
eva.rasky@medunigraz.at
Mag. Sylvia Groth
Frauengesundheitszentrum, Graz, Österreich
frauen.gesundheit@fgz.co.at
Schlusswort
Professorin Rásky und Frau Groth weisen in ihrem Leserbrief auf das Problem nichtdokumentierter Fälle hin.
Wir stimmen zu, dass eine unvollständige Dokumentation von Patienten im Rahmen von Qualitätssicherungsverfahren möglicherweise die Aussage der Ergebnisse
einschränkt. In Deutschland ist in einigen regionalen
Schlaganfallregistern, die in der Arbeitsgemeinschaft
Deutscher Schlaganfall Register (ADSR) zusammenarbeiten, die Dokumentation der Qualitätsindikatoren von
> 95 % der Patienten im Bereich der akuten Schlaganfallversorgung verpflichtend. Ebenso ist eine Dokumentationsrate von > 90 % ein überprüftes Kriterium im Zertifizierungsprozess. Über Qualitätssicherungsfilter finden in den jeweiligen Kliniken Abgleiche der Dokumentationsraten statt. Insgesamt wurde in unserer Analyse
kein großer Unterschied in der Qualität der Versorgung
zwischen den Registern mit verpflichtender Dokumentation und den freiwillig dokumentierenden Registern gefunden. Wir stimmen den Kolleginnen Professorin Rásky und Frau Groth bezüglich der geschlechterspezifischen Analyse von Behandlungsdaten aus der klinischen
Routine zu und danken für die Anregung zukünftiger
Analysen des Datensatzes. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0288b
LITERATUR
1. Wiedmann S, Heuschmann PU, Hillmann S, et al.: The quality
of acute stroke care—an analysis of evidence-based indicators in
260 000 patients. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 759–65.
Dr. rer. nat. Silke Wiedmann
Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, Universität Würzburg
silke.wiedmann@uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. med. Peter U. Heuschmann
Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, Universität Würzburg
peter.heuschmann@uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. med. Peter Hermanek
Bayerische Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der stationären
Versorgung (BAQ)
hermanek@baq-bayern.de
Interessenkonflikt
Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Deutsches Ärzteblatt | Jg. 112 | Heft 16 | 17. April 2015
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