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hier: Lingen, September 2014 - RWE AG

EinbettenHerunterladen
NR. 3/2014 KRAFTWERK LINGEN
DAS NACHBARSCHAFTSMAGAZIN
VON RWE POWER
GEWINNSPIEL:
RÄTSEL LÖSEN
UND EINE
ACTIONCAM GOPRO
GEWINNEN!
SEITE 22
Seite 6
JOBS MIT POTENZIAL
Viele Schulabgänger haben im September eine Ausbildung begonnen. Ein Blick
in die Ausbildungslandschaft zeigt: Junge Menschen wählen eher kaufmännische
als technische Berufe. Dabei sind gerade dort die Zukunftsperspektiven besonders
gut, denn schon heute herrscht in einigen Technik-Berufen Fachkräftemangel.
+++
Rückbau planen
www.rwe.com/nachbarschaft
+++
Die letzte Auszubildende
+++
Gewinnspiel
+++
ANSICHT
INHALT
IN DIESEM HEFT
STROMFEUERWEHR
IST NÖTIG
05
12
20
23
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die finanzielle Situation bei RWE Power bleibt äußerst angespannt.
Wie unsere Wettbewerber müssen wir weitere Kraftwerke stilllegen,
die wegen rückläufiger Einsatzzeiten und niedriger Börsenstrompreise rote Zahlen schreiben. Ihre Einnahmen decken nicht einmal
mehr die Kosten des laufenden Betriebs. So kann das nicht weitergehen, denn unser Land braucht konventionelle Kraftwerke für die Versorgungssicherheit – auch in Zeiten der Energiewende. Die Vertreter
der großen Energieversorger und der Stadtwerke haben daher ein
Modell für eine Art Stromfeuerwehr entwickelt: Es würde Sicherheit
schaffen, indem es die Einsatzbereitschaft von Kraftwerken honoriert (Seite 19).
Sicherlich: RWE bleibt einer der größten Arbeitgeber in der
Region. Auch in diesem Jahr bilden wir weit über den eigenen Bedarf
aus. Wie viel Freude technische Berufe machen, lesen Sie in unserer
Titelgeschichte (Seite 6).
2
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos (inklusive Titel): Helmut Kramer, Thorsten Schweers,Mathias Botor, fotolia
Diesen Anblick bot der Kraftwerksstandort Lingen während der Sommermonate nicht: Lediglich aus einem Kühlturm kam in diesen Wochen
Wasserdampf – aus dem des Kernkraftwerks im Vordergrund des Bildes. Die Kühltürme des Gas- und Dampfkraftwerks sowie der Erdgaskraftwerke standen still, weil der Betreiber RWE die Kraftwerke vorübergehend vom Netzbetrieb abgemeldet hatte. Das moderne Gasund Dampfkraftwerk kehrt nun rundum ertüchtigt aus der Revision zurück, und auch die beiden älteren Blöcke B und C sind bald wieder
betriebsbereit. In sonnen- und windarmen Wintermonaten kann RWE sie besonders flexibel hochfahren, wenn wenig Strom von erneuerbaren Energiequellen ins Netz fließt. Auch das Kernkraftwerk Emsland kann bei Bedarf schnell seine Leistung senken oder steigern.
In diesem Sommer war dies durch die starken Wetterschwankungen häufig nötig.
Lesen Sie mehr auf Seite 19
ARBEITSWELT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 06
Ausbildung in Technik-Berufen birgt viel Potenzial
HERBST
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .12
Leckere Pilze mit der Expertin sammeln
BLICK INS KRAFTWERK
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14
Neuigkeiten vom Lingener Standort
TECHNIK
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16
Adleraugen kann man trainieren: das neue Übungstool
MENSCHEN VON HIER: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Steinzeit und Dreißigjähriger Krieg: Die Archäologische Gruppe
Lingen sammelt Funde
GEWINNSPIEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kreuzworträtsel lösen und tolle Preise gewinnen
22
AUSBLICK
23
.....................................
Ran an die Nadel: Häkeln ist wieder in
Dr. Heinz-Jürgen Wüllenweber,
Leiter des Gaskraftwerks Emsland
KONTAKT
IMRESSUM
Informationszentrum
„hier:“-Redaktion
Am Hilgenberg 3, 49811 Lingen
Telefon: 0591/806-1611
E-Mail: info.emsland@kkw.rwe.com
E-Mail: hier-lingen@rwe.com
Herausgeber: RWE Power AG
Anschrift: Unternehmenskommunikation,
Ansprechpartner:
Olaf Wollny, Bodo Schlünzen
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag
8 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 14 Uhr
Ausgabe 3|2014
04
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18
Nachrichten aus dem Unternehmen
Jürgen Haag,
Leiter des Kernkraftwerks Emsland
KRAFTWERKSSTANDORT LINGEN
................................
Meldungen und Termine aus der Region
POWER-MIX
Ihre
ALLES IN BETRIEB
HIER: BEI UNS
Die „hier:“ und weitere Nachbarschaftsinformationen finden Sie im Internet
unter www.rwe.com/nachbarschaft
Huyssenallee 2, 45128 Essen
V.i.S.d.P.: Stephanie Schunck, RWE Power AG
Redaktion und Gestaltung:
RWE Power AG | ergo Unternehmenskommunikation
GmbH & Co. KG, Köln
3
HIER: BEI UNS
HIER: BEI UNS
TERMINE
TRADITIONSREICHER HERBST
Status Quo live im Emsland
Brauchtum: Ob klassischer Sankt-Martins-Umzug, ein Besuch auf
dem Volksfest, die Freude über eine gelungene Ernte oder das Süßigkeitensammeln an Halloween: Die Menschen im Emsland feiern gerne
im Herbst. Die „hier:“ stellt Ihnen einige Herbstbräuche vor.
Lingen. Mehr als 30 Alben, 112 Millionen
verkaufte Platten, über 5.500 Konzerte vor
mehr als 25 Millionen Zuschauern – die
Zahlen, die die Band Status Quo beschreiben, zeugen von Superlativen. Und auch
bei ihrem Tournee-Stopp am 29. November (Samstag) um 20 Uhr in der
EmslandArena in Lingen geben sich
die fünf Musiker nicht mit dem
Gewöhnlichen zufrieden: Als
„Special Guest“ haben sie Lou
Gramm „The Voice of Foreigner“ für das Vorprogramm
Stichwort „Status“ oder
„Roger“ bis
eingeladen, der an Welthits
zum 15. Oktober 2014 an
wie „Cold As Ice“ oder
hier-lingen@rwe.com
„Urgent“ kompositorisch mitwirkte. Ein perfekter Abend vol-ler Klassiker ist garantiert.
Halloween
Halloween hat seinen Ursprung im „All Hallows Eve“ (Allerheiligenabend) und wurde
zunächst vorwiegend in den USA gefeiert.
Kinder verkleiden sich als Hexen oder Vampire, gehen von Haus zu Haus und verlangen
dabei „Süßes“ unter Androhung von „Saurem“. In den vergangenen Jahren hat der
Brauch sich auch in Deutschland verbreitet
und gilt mittlerweile als stark kommerzialisiertes Fest der modernen Welt.
TICKETS
GEWINNEN
 www.emslandarena.com
Kirmes
4
Die „hier:“ verlost 3 mal 2 Karten für
das Konzert. Einfach bis zum 15. Oktober 2014 eine E-Mail mit dem Stichwort
„Status“ an hier-lingen@rwe.com schicken. Viel Glück!
Sankt Martin
Umtrunk zum Erntedank
Dieser Brauch entwickelte sich im 20. Jahrhundert in Kirchen- und Dorfgemeinschaften. Als das Korn noch von Hand mit der
Sense gemäht wurde, stand die letzte
Garbe auf dem Acker und das letzte Fuder
Getreide, das auf den Hof gefahren wurde,
im Mittelpunkt des Erntebrauchtums. Der
Landwirt bedankte sich oft mit barer
Münze, einem Umtrunk oder einer Dankeschön-Mahlzeit bei seinen Arbeitern und
Helfern. Auch heute wird in Anlehnung an
diesen Brauch noch vielerorts die Tradition
fortgeführt, zum Beispiel am 5. Oktober in
Groß Hesepe-Moormitte.
Der Martinstag war einst das Datum, zu dem
die Bauern die Pachten und Abgaben an ihre
Grundherrn zahlen mussten. Meist gaben sie
Naturalien wie Getreide oder Vieh. Auf diese
Weise entstand der Begriff der „Martinsgans“. Die Kinder zogen am Nachmittag singend von Haus zu Haus und erhielten dafür
Äpfel, Nüsse, Gebäck und Süßigkeiten.
Heute organisieren Kirchengemeinden,
Schulen und Vereine die Martinsumzüge, zu
denen Kinder Laternen und Fackeln mitbringen.
Weitere Termine für den Herbst:
 www.tourismus-lingen.de
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Führung im Kerzenschein
Bentlage. Was passierte mit dem Fischer
der Kreuzherrn in Bentlage? Welche Rolle
Fotos: Mathias Bothor, Christie Goodwin, Alexander Heimann, fotolia, Thinkstock
Die Kirmes hat ihren Ursprung in der „Kirchmesse“, dem christlichen Fest der Kirchweihe.
Der Kirchweihgottesdienst war früher immer
gut besucht und die nach dem Hochamt
geöffneten Karussells und Verkaufsbuden ein
großer Anziehungspunkt für große und kleine
Gäste. Oftmals lieferte der Gedenktag des
Kirchenpatrons das entsprechende Datum
der Kirmes. Kirmessen in der Region: Werlte
(26. bis 29. September), Emsbüren (27. bis
28. September), Lingener Herbstkirmes mit
verkaufsoffenem Sonntag und Pöttemarkt
(2. bis 7. Oktober), Spelle (4. bis
6. Oktober), Salzbergen
(11. bis 13. Oktober).
TOUR-FINALE IN LINGEN
spielte die Ziffer 7 bei einem der Mönche?
Und wehe dem, der einen Grenzstein versetzte! Viele spannende Geschichten aus
grauer Vorzeit weiß Gästeführerin Monika
Niesert zu berichten. Und sie ist stilecht in
historischem Kostüm gekleidet bei der Kerzenscheinführung durch den Bentlager
Wald. Los geht es am 25. Oktober (Samstag) um 19 Uhr am Torhaus des Klosters
Bentlage. Gebühr 4 Euro, keine Anmeldung
erforderlich.
Ausgabe 3|2014
Lingen. Jazz, Swing, Soul, Pop und Funk: Roger Cicero kann einfach alles.
Sein Markenzeichen ist satter Big-Band-Sound kombiniert mit starken
deutschen Texten. Seit dem Sommer tourt der Musiker mit seinem neuen
Album „Was immer auch kommt“ durch die Lande und kommt zum Finale
am 30. Oktober (Donnerstag) um 20 Uhr in die EmslandArena. Charmant,
virtuos und leidenschaftlich präsentiert er seine Songs auf der Bühne und
zeigt dabei Humor und außergewöhnliche Entertainer-Qualitäten.
 www.emslandarena.com
Die „hier:“ verlost 3 mal 2 Karten für das Konzert. Einfach bis zum 15. Oktober
2014 eine E-Mail mit dem Stichwort „Roger“ an hier-lingen@rwe.com schicken.
Viel Glück!
ENERGIESPARTIPPS FÜR DIE HEIZKOSTEN
Die Blätter fallen, die Tage werden kürzer, die kalte Jahreszeit steht bevor.
„Heizung an“, bedeutet das in unseren Breiten – und leider oft auch „Kosten
rauf“. Dabei besteht gerade bei den Heizkosten ein großes Einsparpotenzial.
Wer nur ein Grad Celsius mit seiner Raumtemperatur runtergeht, kann bis zu
sechs Prozent der Heizkosten sparen.
Fenster abdichten: Undichte Fenster und Türen lassen sich kostengünstig nachrüsten: die
Ritzen mit speziellen Klebestreifen abdichten, die jeder Baumarkt anbietet.
Entlüften: Zu Beginn und während der Heizperiode sollten die Heizkörper regelmäßig entlüftet werden. Dies geschieht über das Ventil an der Oberseite der Heizung. Ohne Luft in
den Rohren fließt das Wasser besser und erhitzt die Radiatoren gleichmäßig.
Freier Heizkörper: Achten Sie darauf, dass Möbel oder Gardinen die Heizkörper nicht verdecken. Nur so strahlt die Wärme optimal und energiesparsam in den Raum.
Technik, die hilft: Programmierbare Thermostate regulieren die Heiztemperatur automatisch. Sie reduzieren die Wärme, wenn der Bewohner sein Haus verlässt. Sie lassen sich
auch in Mietwohnungen anbringen.
Stoßlüften: Statt Fenster länger zu kippen, besser drei Mal am Tag für zehn Minuten diese
weit aufsperren – bei gleichzeitig gedrosselter Heizung, versteht sich.
Dämmung von innen: Ratsam ist das Anbringen einer dünnen Dämmfolie mit Aluminiumkaschierung zwischen Heizung und Zimmerwand. So bleibt die Wärme im Raum.
5
HIER: BEI UNS
ARBEITSWELT
ARBEITSWELT
FEUER UND FLAMME
FÜR TECHNIK
Beruf: Der Ausdruck „Fachkräftemangel“ ist in aller Munde. Vor allem in technisch ausgerichteten Berufen fehlt der deutschen Wirtschaft qualifizierter Nachwuchs. Inzwischen gibt
es viele Projekte, die junge Menschen für diese Berufe begeistern sollen.
6
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos: Helmut Kramer
Fotos: Michael Danner, Lutz Kampert, Agentur, Rüdiger Schestag, Thinkstock
H
anna Brand aus Lingen hat ihre
berufliche Perspektive schon
gefunden. Nach ihrem Realschulabschluss und einem einjährigen Berufsfachschuljahr für Elektrotechnik begann die 18-Jährige im Sommer
2013 eine Ausbildung zur Elektronikerin
für Betriebstechnik am RWE-Kraftwerksstandort in Lingen. Den Ausschlag gab
letztlich eine Feststellung ihrer Mutter:
„Du bist immer Feuer und Flamme, wenn
du von deinem Tag an der Werkbank
berichtest.“ Hanna hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige Praktika in verschiedenen Unternehmen hinter sich. Bis heute
freut sie sich über jedes Kabel, das sie verlegen darf und jede neue Technik, die sie
kennenlernt.
Was will ich werden? Diese Frage stellt
sich jeder irgendwann auf der Suche nach
seiner beruflichen Zukunft. Mehr als die
Hälfte eines Jahrgangs in Deutschland
entscheidet sich für einen bei der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer anerkannten Ausbildungsberuf. Im vergangenen Jahr zählte die Bundesagentur für Arbeit mehr als eine halbe
Million neu geschlossener Ausbildungsverträge. An Beratungsangeboten, welcher Berufszweig der richtige sein könnte,
mangelt es nicht: Das Arbeitsamt stellt
Datenbanken voller Informationen zur Ver-
fügung, Unternehmen bieten Praktika, zwischen einer Vielzahl an Berufsbildern
Schulen organisieren Berufsorientierungs- wählen und hat vergleichsweise gute
wochen und die eigene Familie hilft meist Zukunftsaussichten.
Auch Kai Janning will auf
mit massenhaft guten Ratjeden Fall einen technischlägen aus. Die Krux liegt
„Du bist immer
schen Beruf anstreben. Weloft darin, eine realistische
Feuer und
chen genau, weiß er noch
Schnittmenge zwischen perFlamme, wenn du nicht. In der engeren Aussönlichen Vorlieben, den
eigenen Fähigkeiten und
von deinem Tag an wahl des 19-jährigen Abiturienten stehen die Studienden vorhandenen Angeboder Werkbank
gänge Maschinenbau und
ten des Arbeitsmarkts zu finberichtest.“
Computational Engineering
den. Wer sich für eine AusHannas Mutter
Science – ein Bachelorstubildung in den sogenannten
diengang, dessen SchwerMINT-Fächern entscheidet –
das sind Berufe, die ihren Ursprung in den punkt auf Softwareentwicklung liegt. Im
Bereichen Mathematik, Informatik, Natur- Herbst will Janning nach Aachen ziehen und
wissenschaften und Technik haben, kann dort eine der beiden Fachrichtungen
  FAIBLE FÜR TECHNIK: Hanna Brand (l.),
Aus zubildende am RWE-Kraftwerksstandort
Lingen, und Abiturient Kai Janning (r.).
Ausgabe 3|2014
7
HIER: BEI UNS
ARBEITSWELT
ARBEITSWELT
lebt eine M
 RWE POWER
unterhält am Kraf
twerksstandor t
eigene Werk statt
Lingen eine
für die Ausbildun
g des technischen
wuchses.
Nach -
8
INT- Karriere
.
an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) studieren. Das
Interesse für Technik wurde Janning quasi
in die Wiege gelegt. Seine Eltern üben
beide technische Berufe aus: Sein Vater ist
Maschinenbauingenieur, seine Mutter Bauzeichnerin. Derzeit sammelt der Abiturient
berufliche Erfahrungen im Lingener RWEGaskraftwerk. „Technik war immer schon
mein Ding“, sagt Janning. „Praktika haben
mich letztlich darin bestätigt, dass mein
späterer Beruf eine technische Ausrichtung
haben sollte.“
Hanna Brand und Kai Janning gehören
zu den Schulabgängern, die sich für eine
Tätigkeit aus den sogenannten MINTFächern entschieden haben. Gerade in diesen Professionen werden fachübergrei
fachübergreifende Qualifikationen immer wichtiger.
Denn Innovationen erfordern Know-how in
unterschiedlichsten Disziplinen.
Dass die vielfältigen Anforderungen in
den MINT-Fachrichtungen auch vielseitige
Perspektiven und Abwechslungsreichtum
mit sich bringen, zeigt die Vita von Norbert
Bültel. Er hat eine MINT-Karriere gelebt,
lange bevor es den Begriff überhaupt gab.
Nach seinem Schulabschluss absolvierte
der Norddeutsche zunächst eine Lehre als
Betriebsschlosser im RWE-Kraftwerk Lingen, wo er – abgesehen von einer kurzen
dreiZeit bei der Bundeswehr – nach einer drei
jährigen Weiterbildung einige Jahre als
Kraftwerker
arbeitete.
„Anschließend
belegte ich ein Fernstudium am DAG Technikum in Osnabrück und Essen“, erzählt Bültel von seinem Werdegang. Dort machte er
seinen Abschluss als staatlich geprüfter
Techniker im Maschinenbau mit dem
Schwerpunkt Betriebstechnik. „Doch das
war für mich noch nicht genug“, blickt er
zurück. So bildete er sich nach zehn Jahren
Schichterfahrung ein Jahr in Vollzeit als
Schichtleiter an der Kraftwerksschule in
Essen fort und war danach zehn Jahre als
Schichtleiter tätig. „Anschließend übernahm ich einen Posten als Anlagenreferent
für Gasturbinen und Dampferzeugung.“
Später führte ihn der Weg wieder zu seinen
beruflichen Wurzeln ins Kraftwerk zurück.
Heute arbeitet er dort als Ausbildungsleiter
und hilft der jüngeren Generation bei ihrem
Karriereweg. „Ich habe mich in all den Jahren nie gelangweilt und immer wieder neue
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos: Helmut Kramer, thinkstock; Quelle der Zahlen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September 2013

LTEL
NORBERT BÜ
Herausforderungen gesucht – und gefunden“, resümiert der Emsbürener.
Vielseitigkeit und interdisziplinäres
Denken gehören definitiv zu den Vorteilen
DIE TOP TEN DER AUSBILDUNGSBERUFE
der MINT-Berufe. Leider gibt es noch zu
wenige Jugendliche, die diese Vorteile für
Anteil weibliche
Deutschland
sich erkennen oder sich für eine entspreAuszubildende
NAA*
chende Fachrichtung interessieren – und
1 Kaufmann/-frau im Einzelhandel
54,2 %
27.006
der demografische Wandel trägt auch sei2 Verkäufer/-in
59,7 %
25.872
nen Teil zum Nachwuchsmangel bei. Laut
3 Kraftfahrzeugmechatroniker/-in
3,6 %
19.290
der vom Verband deutscher Ingenieurinnen
4 Bürokaufmann/-frau
72,7 %
19.056
und Ingenieure (VDI) herausgegebenen
5 Industriekaufmann/-frau
60,1 %
18.951
Studie „Nachwuchsbarometer Technikwis6 Kaufmann/-frau im Groß- und
41,4 %
14.967
senschaften“ ziehen nur elf Prozent der
Außenhandel
Schülerinnen und Schüler das Berufsbild
7 Medizinische/-r Fachangestellte/-r 13.875
98,7 %
8 Industriemechaniker/-in
des Ingenieurs für sich überhaupt in Erwä6,1 %
13.563
9 Bankkaufmann/-frau
gung. Selbst von den an Naturwissenschaf53,1 %
13.263
10 Zahnmedizinische/-r
ten und Technik interessierten Jugendlichen
99,2 %
12.099
kann sich nur die Hälfte vorstellen, später
Fachangestellte/-r
auch in diesen Bereichen tätig zu sein. Es
gibt immerhin einen Lichtblick: Das BunAnzahl Azubis in den Top-Ten-Berufen
53,8 %
177.942
desministerium für Bildung und Forschung
Anzahl Azubis insgesamt im Jahrgang 2013
40,5 %
530.714
hat in seinem Wegweiser „Perspektive
MINT“ dargelegt, dass die Anzahl der Stu- *NAA: Azubis mit neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen
dierenden in diesen Fächern in den vergan NUR ZWEI TECHNISCHE BERUFE schaffen es in die Top-Ten-Liste der am häufigsten gewählgenen Jahren leicht gestiegen ist. Doch
ten Ausbildungsberufe. Mädchen sind dort in der absoluten Minderzahl.
reicht das nicht, um den Bedarf zu decken.
Hier sind noch weitere Anstrengungen
gefragt, um die Zukunft des Standorts beginnt die Förderung schon früh“, sagt er.
Deutschland zu sichern – und der berufli- Und sie erstreckt sich über mehrere Jahre:
chen Perspektiven der jungen Menschen in Das Projekt ist auf vier Schuljahre ausgelegt.
der Bundesrepublik.
Die Mädchen starten in der 7. Klasse und
Junge Frauen wie Hanna Brand sind in erlernen zunächst in Wahlpflichtkursen handwerkliche Grundkenntnisse.
den klassischen MINTZusätzlich
werden
an
Berufen immer noch unterberufsbildenden
Schulen
repräsentiert. Das soll sich
Was will ich werden?
ändern. Deshalb haben
Diese Frage stellt sich Praxisprojekte organisiert –
beispielsweise Löt- und
einige Schulen, darunter
jeder irgendwann auf Schweißlehrgänge. Darüber
die Friedensschule Lingen,
der Suche nach seiner hinaus gibt es die Möglichdie Gesamtschule Emsland
beruflichen Zukunft.
sowie das Schulzentrum
keit, in Betriebe reinzuLohne, 2011 die Initiative
schnuppern und operative
„MinT“ ins Leben gerufen,
Aufgaben zu übernehmen.
die Mädchen für technische Berufe begeis- Die eine oder andere Schülerin hat bei dieser
tern soll. MinT steht hierbei für „Mädchen in Gelegenheit auch schon einmal einen GabelTechnik“ – und nicht wie sonst üblich für eine stapler gefahren oder einen Lkw-Kran
naturwissenschaftliche Ausrichtung. Ziel der bedient. Neben den AusbildungskooperaInitiative ist es, Schülerinnen in technischen tionen planen die an der Initiative teilnehBereichen zukunftssichere Berufsperspekti- menden Schulen auch eine Zusammenarven und bessere Verdienstmöglichkeiten beit mit der Hochschule Osnabrück. „Die
aufzuzeigen, als dies in den klassischen Frau- Mädchen können sich ganz ohne Zwang mit
enberufen in der Regel der Fall ist.
technischen Berufen beschäftigen und selLehrer Ulrich Wiethaup verantwortet an ber erleben, wie viel Freude Technik macht
der Friedensschule das Projekt. „Bei uns und welche vielfältigen Möglichkeiten
Ausgabe 3|2014
9
ARBEITSWELT
ARBEITSWELT
AUSBILDUNG IN ZAHLEN:
Die wichtigsten Ergebnisse des azubi.report 2014 des Onlineportals
Ausbildung.de für Gesamtdeutschland.
RWE AM KRAFTWERKSSTANDORT LINGEN:
68
  . . . urteilen Auszubildende über ihre Lehrzeit. Allerdings ziehen sie das praktische
Arbeitsleben der Berufsschule vor.
HAMMERSTARK: In der Lingener Friedensschule ist der MinT-Hammer gut sichtbar im Treppenhaus platziert. Vor allem Mädchen erhalten an dieser Schule Förderung in Technik. Praktische
Erfahrungen sammeln sie in Projekten an den benachbarten berufsbildenden Schulen (rechts).
447
MINT-PROJEKTE BUNDESWEIT
 www.komm-mach-mint.de
 www.znl-mintatlas3-10.de
 www.mintzukunftschaffen.de
 www.bmbf.de
 www.meisterbafoeg.info
 www.girls-day.de
 www.rwe.com/ausbildung
 www.fraunhofer.de/de/jobs-karriere/nachwuchsfoerderung.html
 w ww.facebook.de/
rwepowerausbildung
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
21
. . . Mitarbeiter waren Ende Juli am
Kraftwerksstandort beschäftigt.
410 von ihnen, also 92 %, sind in
technischen Bereichen tätig.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt eine Vielzahl von Projekten und Initiativen, um Menschen vom Kindergarten bis zur Hochschule für MINT-Fächer
zu begeistern. Hier ein kleiner Überblick:
 www.sdw.org/schuelerakademie/mintoring (Stiftung der deutschen Wirtschaft)
10
grundsätzlich
zufrieden
. . . junge Menschen wurden in den
vergangenen zehn Jahren am Kraftwerksstandort Lingen ausgebildet.
Bewerbungen . . .
schreibt ein Schüler in Deutschland durchschnittlich, um einen
Ausbildungsplatz zu
Fotos: Ulrich Wiethaup, fotolia; Quelle der statistischen Angaben: www.ausbildung.de/azubi-report
es gibt, sich in diesen Berufen weiterzuentwickeln“, sagt Wiethaup.
Projekte dieser Art sind angesichts der
Herausforderungen, die auf dem deutschen Fachkräftemarkt drohen, bitter nötig.
Noch zählt Deutschland trotz immer stärker
werdender Konkurrenz in Wissenschaft,
Forschung und Technologie weltweit zu
den führenden Standorten. Damit sich der
Wirtschaftsstandort Deutschland auch
künftig im globalen Wettbewerb erfolgreich behaupten kann, braucht das Land
qualifizierte Fachkräfte – sowohl im akademischen Bereich als auch bei der beruflichen Bildung, wie aktuelle Ergebnisse des
MINT-Frühjahrsreports des Instituts der
Deutschen Wirtschaft zeigen. Gerade junge
Menschen sind gefragt: Wer sich für Technik
interessiert oder wer sich noch nicht für
einen konkreten Berufsweg entschieden
hat, sollte auf jeden Fall über eine Karriere
in einem der MINT-Berufe nachdenken.
Denn hier ist der Bedarf an Nachwuchskräften groß – und die Zukunftsperspektiven
sind entsprechend gut!
86,5 %
erhalten.
75 %
€€
fühlen sich
unterfordert . . .
€ 574
erhalten Azubis in Deutschland
durchschnittlich als
Ausgabe 3|2014
. . . während ihrer Ausbildungszeit.
Bruttogehalt.
11
HERBST
HERBST
EIN KAISERLING
WÄRE DIE KRÖNUNG
Pilze: Monika Mattern-Allerbeck ist Fachberaterin für Mykologie, also die Wissenschaft der Pilze. Seit
Jahren ist sie eine gefragte Expertin auf ihrem Gebiet, auf deren Rat sogar Ärzte hören.
PILZFÜHRUNGEN
der Pilzsachverständigen
Monika Mattern-Allerbeck
und Eugen Pawlowski:
Î 12. Oktober, 14.30 bis 18 Uhr:
Exkursionsgebiet Meppen, Neustadt, in Richtung Vogelpohlstraße
Î 25. Oktober, 14.30 bis 18 Uhr:
Exkursionsgebiet Meppen, Vormeppen, Raddefeld
Î 2. November, 14.30 bis 18 Uhr:
Exkursionsgebiet Meppen, Neustadt,
in Richtung Hasenkamp
Monika Mattern-Allerbeck
05931/5819 oder 0172/5459395
Eugen Pawlowski
05931/20330 oder 0591/3456 (BögenApotheke)
Empfehlenswerte Gebiete zum Pilzsammeln:
•
Esterfelder Forst bei Meppen
•
Laubwald Meppen-Bokeloh
•
Waldgebiete rund um Salzbergen
bei Rheine
12
P
ilze begleiten Monika Mattern-Allerbeck schon ihr ganzes Leben. Aber
nie hätte sie gedacht, dass sie einmal so tief ins Thema einsteigen würde –
und aus ihr eine gefragte Pilzexpertin mit
entsprechendem Universitätsabschluss
wird. Das Interesse an ihr geht sogar so
weit, dass sie im Herbst regelmäßig Pilzführungen leitet und so Neulinge in ihr
Lieblingsthema einweist.
Monika Mattern-Allerbeck war gerade mal
vier Jahre alt, als ihre Großmutter sie in
den Wald mitnahm, um mit ihr gemeinsam
Pilze zu suchen. „Damals konnte man
seine Funde noch bei einer Sammelstelle
abgeben und erhielt Geld dafür“, erinnert
sich die heute 59-Jährige. So lernte sie
Klassiker wie Pfifferlinge und Braunkappen kennen – und kam auf den Geschmack.
Jahre später, als junge Frau, zog sie selbst
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos: Helmut Kramer, Klaus Görgen, iStock
Anmeldungen für die Pilzführungen
werden unter den folgenden Telefonnummern entgegengenommen:
los, um leckere Objekte für die Pfanne zu
finden.
Ihr Hobby wurde zum Beruf: Sie absolvierte eine Ausbildung zur pharmazeutischtechnischen Assistentin und fing in der
Bögen-Apotheke in Lingen an. Die Apotheke bot ihren Kunden seit jeher eine professionelle Pilzberatung. Schon bald sollte
Monika Mattern-Allerbeck diesen Service
übernehmen, fühlte sich aber fehl am Platz.
„Ich mit meinen sieben Sorten – wie hätte
ich das denn schaffen sollen?“ Aber dann
packte sie der Ehrgeiz: „Ich wollte nicht die
Wald-und-Wiesen-Pilztante sein, sondern
jemand, der wirklich Ahnung hat.“
So begann die Meppenerin Anfang der
90er-Jahre, erste Kurse im Schwarzwald zu
besuchen. Nach einem guten Jahr legte sie
die Prüfung zur Pilzsachverständigen ab und
fasste den Entschluss, an die Uni zu gehen,
um Fachberaterin für Mykologie zu werden.
Dabei musste sie so einige Hürden nehmen
und durch ganz Deutschland reisen, um alle
pilzkundlichen Themen abzuhandeln. Sie
besuchte Universitäten in München, Aachen,
Frankfurt und Greifswald. Sie lernte Pilzwurzeln zu bestimmen und essbare Pilze zu identifizieren. Auch Haut-Pilze und Hefepilze
gehörten zum Lehrplan. Unter dem Mikroskop zerlegte sie Pilze in ihre Einzelteile, um
ihre giftigen Spuren zu erforschen.
Noch bleiben für sie manche Wünsche
offen: Einen Kaiserling zu finden, wäre für sie
die Krönung. „Das ist so ein toller Speisepilz.
Leider ist er hauptsächlich in der Toskana zu
finden.“ Zu ihren absoluten Favoriten zählen
zudem Schleierlinge, eine Gattung, von der
es rund 500 Arten gibt. Sie gelten als besonders form- und farbenreich. „An denen kann
ich mich nicht sattsehen.“
Wegen ihrer Expertise ist Mattern-Allerbeck eine gefragte Ansprechpartnerin für
Ärzte. Weiß ein Arzt einem Patienten mit
Pilzvergiftung mal nicht zu helfen, kommt es
vor, dass er bei Monika Mattern-Allerbeck
anklopft. Sie untersucht dann die Reste des
Pilzes und gibt Hinweise auf die Schwere der
Vergiftung, damit der Arzt die Therapie festlegen kann.
„Als Kind hätte ich nicht gedacht, dass
ich mich mal so für Pilze interessieren würde“,
schmunzelt sie. Ihre Pilzsucher-Oma wäre
heute bestimmt sehr stolz auf sie.
Ausgabe 3|2014
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6. 1–2 K
rücken, die
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P IL Z
DIE 7 PILZGEBOTE
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Sammle Pilze in einem luftdurchläs
luftdurchlässigen Gefäß (Korb, keine Tüten).
Sammle nur so viele Pilze, wie du an
einem Tag verzehren kannst.
Meide als Anfänger alle Pilzarten
mit weißlichen bis cremefarbigen
Lamellen.
Bevorzuge als Anfänger Röhrlinge,
da es hierunter keine tödlich giftigen Arten gibt (jedoch Vorsicht bei
Arten mit rötlicher Röhrenschicht).
Wasche, brate oder koche Pilze stets
gründlich.
Iss nur Pilzarten, die du ganz sicher
kennst!
Schließe dich einem geprüften Pilzberater oder einem Pilzverein an.
Nimm an öffentlichen Pilzführungen
teil und lerne neue Arten kennen.

Schön, aber giftig:
der Fliegenpilz
13
BLICK INS KRAFTWERK
BLICK INS KRAFTWERK
EXPERTEN FÜR DIE SICHERHEIT
„REGEN“ FÜR DEN RASEN
Frische grüne Grasflächen statt ausgetrockneter Halme – so sieht es in diesem Sommer
auf den Rasenplätzen des Sportvereins
SuS Darme aus. Denn seit Ende Mai
besprengt eine mobile Berieselungsanlage
das Areal der Fußballer. „Da macht das
Spielen noch mehr Freude“, sagt Projektleiter und Vorstandsmitglied des SuS Darme,
Thorsten Knoop. Die Anschlüsse und Leitungen für die Anlage haben er und weitere
Helfer in Eigenregie im Boden verlegt.
Zudem entwarf und baute das Team einen
Wagen, auf dem die Platzwarte den
Schlauch an die jeweilige Anschlussstelle
transportieren können. Finanzmittel für die
ehrenamtliche Aktion erhielt der Sportverein von „RWE Aktiv vor Ort“. Mit diesem
Projekt unterstützt RWE das ehrenamtliche
Engagement seiner Mitarbeiter. Thorsten
Knoop als Schichtleitervertreter des RWEKraftwerksstandorts Lingen hatte das Geld
beantragt. „Unsere Arbeit hat sich auf
jeden Fall gelohnt“, sagt Knoop. „Bei unserer Sportwoche haben sich alle über den frischen grünen Rasen gefreut.“
des Kraftwerksstandorts
steht wochentags
für alle Besucher
offen.
W
ASSER MARSCH: Jetzt gibt es immer grünen Rasen, freuen sich die Platzwarte Klaus Schröer
und Klaus Hahn sowie die RWE-Mitarbeiter Michael Lübbers, Sigi Hemeltjen, Thorsten Knoop
(Projektleiter und Vorstandsmitglied SuS Darme) und Olaf Weyer (v. l.).
KINDER BLICKEN HINTER DIE KULISSE
Aha, so funktioniert also ein Kraftwerk! Mit
dieser Erkenntnis gingen 40 Schülerinnen
und Schüler wieder nach Hause, die im Rahmen der Ferienpass-Aktion das Kern- oder
Gaskraftwerk in Lingen besichtigt haben.
Besonders spannend war es, mal ganz nah an
den riesigen Kühlturm heranzukommen, den
Leitern auf der Schaltwarte über die Schulter
zu schauen und durch den unterirdischen
Tunnel bis zum Wasser-Entnahmeturm im
Speicherbecken Geeste zu gehen.

ENTDECKER auf Tour. „So groß ist der“,
staunten die jungen Besucher, als sie vor dem
riesigen Kühlturm im Kraftwerk standen.
14
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
phie deutscher Kernkraftwerksbetreiber durch Lükens
Arbeit in die BetreiberIE KERNKRAFTWERKSSPARTE von RWE wird geprüft.
praxis der geprüften Kraft- D
werke ein. In seinem Team
det am Wochenende die Seine-Metropole.
ist er zuständig für die Instandhaltung
Lüken: „Paris ist sehr schön – aber auch sehr
von Instrumenten und Anlagenteilen in
teuer. Es macht einen Riesenunterschied,
den Kernkraftwerken. Inspektionstage
ob Sie hier leben oder als Tourist kurz vorsind eng durchgetaktet mit Anlagenbebeischauen.“
gutachtung und Prüfberichten. Zurück im
Büro in Paris bereitet er dann die SicherPrüfung auch bei RWE
heitsprüfungen nach und die nächsten
Missionen vor.
Übrigens: Selbstverständlich stehen auch
Abends dann steht erst einmal Kochen
die Kernkraftwerke von RWE Power ständig
in der kleinen Zweizimmerwohnung im
unter Beobachtung. Unlängst stand das Corvierten Stock im 16. Stadtbezirk, unweit
porate Peer Review der WANO in der EsseVom Emsland in die französische des Triumphbogens, an. Als Ausgleich für ner Zentrale an, das das SicherheitsmanageMetropole
den anspruchsvollen Job treibt Lüken
ment der Kernkraftwerkssparte sowie der
Sport
im
benachbarten
Park
mit ihr verknüpften Organisationseinheiten
Wie war der Wechsel von Lingen nach
Bois de Bologne, bereitet
wie Controlling oder Kommunikation unter
Paris? „Paris ist Großstadt und bietet
sich
auf
seinen
ersten
die Lupe nahm. „Unsere Ziele sowie die der
fantastische Möglichkeiten. Hier
DIE WANO
erkunTriathlon
vor
und
erkun
WANO sind identisch: die kontinuierliche
ist 24 Stunden Tag – und das
WURDE GEGRÜNDET,
Verbesserung der Sicherheit“,
Leben viel schneller als in der
UM DIE SICHERHEIT
stellte Ressortvorstand Ulrich
beschaulichen Heimat“, sagt der
NUKLEARER ANLAGEN
Hartmann klar. Auf gutem Weg
gebürtige Emsländer. „Ich habe
ZU ERHALTEN UND
sei die Sparte durch das Proaber nicht eine Sekunde gezöZU ERHÖHEN.
gramm „Sicherheit 2015“. Seine
gert, als die Anfrage kam.“ Denn
Umsetzung soll höchste Standie Arbeit verspricht Spannung,
dards bei Betrieb, Nachbetrieb
wenn es auf Inspektionsreisen
und Rückbau der Anlagen sowie
zu Kernkraftwerken in Europa,
in Sachen Effizienz und WirtSüdamerika und auch in einige
schaftlichkeit gewährleisten und
Teile Chinas geht. An die 100
somit einen Spitzenplatz in der
Tage im Jahr ist Lüken unterinternationalen Riege der Reakwegs in Sachen Sicherheitsstantorbetreiber belegen.
dards. Denn die WANO schreibt
Ein wichtiges Fazit der
vor, dass jedes Kernkraftwerk
WANO: Das Bekenntnis zur nukleder Welt alle vier Jahre im Detail
aren Sicherheit als oberstes Prinauf Sicherheit hin untersucht
zip wird nicht nur bestens komwird. Bei diesen Untersuchunmuniziert, sondern ist von der
gen fließt die international anerBelegschaft verinnerlicht.
kannt hohe Sicherheitsphiloso- MARTIN LÜKEN prüft die Sicherheit der Kernkraftwerke weltweit.
Vor sechs Monaten hat sich Martin Lüken
noch als Ingenieur im Kernkraftwerk Emsland für die Arbeitssicherheit engagiert.
Heute sitzt der 31-jährige RWE-Sicherheitsspezialist in einem Großraumbüro des
Weltverbands der Kernkraftwerksbetreiber
(WANO) in der Pariser Rue Blaise Pascal
und hat bei der Arbeit Blick auf die Seine
sowie die Brücke Pont de Neuilly. Lüken ist
einer von inzwischen drei RWE-Ingenieuren, die von Paris aus im Auftrag der WANO
die Sicherheit von Kernkraftwerken weltweit prüfen. „Wir bringen unser hohes
deutsches Sicherheitsverständnis in die
Arbeit der WANO ein.“
Fotos: Thorsten Knoop, RWE, Helmut Kramer, privat
DAS INFOZENTRUM
WANO: Das Sicherheitsniveau deutscher Kernkraftwerke gilt weltweit als vorbildlich. Gern gesehen sind
daher deutsche Experten wie der Emsländer Martin
Lüken im Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber
(WANO). Und: Jeder kommt dran beim Sicherheitscheck. So besuchte die WANO unlängst die Kernkraftwerkssparte von RWE Power in Essen.
Ausgabe 3|2014
15
TECHNIK
TECHNIK
S
TEFAN HUMBERT UND ANDREAS STÄHLE
BLINDSCHALTBILDER zeigen an, wie und ob die Systeme aktuell funktionieren.
haben die Trainingsstrecke entworfen.
vergangenen Wochen gemeinsam mit ihren
Gundremminger Kollegen ein einheitliches
Schulungsprogramm entwickelt, das einen
intensiven Erfahrungsaustausch und eine
konsequente Weiterentwicklung der Schulungsinhalte auch in der Zukunft sichert.
Demnach wird eine Übungsgruppe aus
je acht Mitgliedern bestehen, die in zwei
Gruppen eingeteilt werden und eineinhalb
Tage lang verschiedene Aufgaben lösen
müssen. In einem ersten wichtigen Schritt
geht es darum, die Mitarbeiter für ihre
Umgebung zu sensibilisieren: „Sie sollen lernen, einen Raum mit geschärftem Blick zu
B
EREITEN DAS TRAINING für die Kollegen vor: Produktionsleiter Norman Hoffmann,
Trainer Tobias Krämer und Ansgar Schlump (v. l.).
BEGEHRTES ÜBUNGSMODUL AUS LINGEN
W
enn Norman Hoffmann einen
Anlagenraum im Kernkraftwerk
Emsland betritt, hält er kurz inne
und scannt den Raum. Der Produktionsleiter
fahndet nach Kleinigkeiten, die nicht den
Vorschriften entsprechen, die aber im
Arbeitsalltag kaum auffallen. Sein Blick wandert beispielsweise zum Feuerlöscher: Steht
dieser am richtigen Ort? Wurde er korrekt
gewartet? „Viel Routine in der Praxis kann zu
Betriebsblindheit führen.“ Um dagegen
anzugehen, wurde gemeinsam mit den
anderen RWE-Kernkraftwerken und der Zentrale entschieden, systematisch die Anwendung der sogenannten Werkzeuge des professionellen Handelns (Human Performance
Tools) durch alle Mitarbeiter zu fördern.
Dazu gehörte auch, dass die Lingener Ausbildungsabteilung mithilfe der Azubis Trai-
16
ningsmodule gebaut hat, die nun in zwei
Übungsräumen in einem Gebäude auf dem
Kraftwerksgelände untergebracht sind.
An diesen Modulen, die sowohl auf die
Besonderheiten der nuklearen wie auch der
konventionellen Kraftwerksbereiche eingehen, kann neben der Arbeitsdurchführung
auch die Arbeitsvorbereitung geübt werden. „Der Schwerpunkt dieser Trainings
liegt nicht in der technischen Ausführung,
sondern in der Anwendung von speziellen
Verhaltensweisen und Techniken zum Beispiel zur Fehlervermeidung“, sagt Hoffmann. Ab September absolvieren die ersten
Kraftwerksmitarbeiter an den Modulen ihr
Trainingsprogramm. Fünf Kollegen haben
sich bereits zu speziellen Trainern ausbilden
lassen, die dann ihrerseits die Mitarbeiter
schulen. Die Lingener Trainer haben in den
JEDES DETAIL ist bedeutsam.
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos: Helmut Kramer
Training: Am Kraftwerksstandort Lingen haben die Fachleute ein Übungsmodul erstellt, an dem die Mitarbeiter das Verhalten im beruflichen Alltag trainieren. Das Konzept, das im Rahmen des Programms „Sicherheit 2015“ der Sparte Kernkraftwerke entwickelt wurde, kam so gut an, dass die Lingener parallel auch eines
für das RWE-Kernkraftwerk im bayerischen Gundremmingen bauten.
betreten“, erklärt Ansgar Schlump, der als
Instandhaltungsleiter verantwortlich für die
handwerklichen Tätigkeiten im Kraftwerk
ist. Jedes Detail zähle: „Funktioniert zum
Beispiel das Telefon vor Ort? Ist die Armatur
betriebsbereit? Gibt es andere Auffälligkeiten?“ Im zweiten Durchgang bekommen die
Teilnehmer typische Arbeitsaufträge aus
dem beruflichen Alltag, bei dem auch ein
Rollentausch geplant ist: Der Handwerker
agiert als Führungskraft und plant die Herangehensweise. Der Chef greift zum Schraubenschlüssel und wechselt womöglich einen
Filter. „Auf diese Weise lernt die Gruppe,
Routinehandlungen zu hinterfragen und
erkennt, welche Folgen selbst kleine Fehler
für den Gesamtablauf haben können.“ Die
schwierigste Aufgabe wartet dann, wenn es
heißt, unvorhergesehene Situationen zu
meistern. „Dazu zählt natürlich auch, wie
sich jeder Mitarbeiter vor Ort bei einem
Feueralarm verhalten muss.“
250 Mitarbeiter schulen
Natürlich haben die Lingener das Rad nicht
neu erfunden. Eine vergleichbare Übungsanlage für konventionelle Maschinenräume
gibt es zum Beispiel im Simulatorzentrum in
Essen, in dem das verantwortliche Schichtpersonal – wie atomrechtlich vorgeschrieben – weiterhin regelmäßig die Steuerung
des Kernkraftwerks trainiert. Auch dort wird
eine Schulung zur Optimierung der sogenannten Human Performance angeboten.
„Aber nun können wir alles ortsnah an kompakten Modulen trainieren“, sagt Tobias
Krämer, der vor Kurzem die Ausbildung zum
Trainer absolviert hat. Schließlich sollen
250 der rund 300 Mitarbeiter in relativ kurzer Zeit das Programm durchlaufen. Lediglich ein halbes Jahr hat man in Lingen von
der Idee bis zur Fertigstellung benötigt.
Und weil das Konzept überzeugt hat, wurde
gleichzeitig ein entsprechendes Modul
auch für das RWE-Kernkraftwerk im bayerischen Gundremmingen gebaut. Krämer:
„Wir haben schon geliefert.“
VERSCHIEDENE MODULE stehen im Trainingsraum zur Verfügung.

Ausgabe 3|2014
17
POWER-MIX
POWER-MIX
KRAFTWERKE ALS STROMFEUERWEHR
INTERVIEW
Sonne und Wind versorgen die deutschen
Verbraucher zunehmend mit Strom: 27 Prozent des Stroms kamen im ersten Quartal aus
diesen Quellen – so viel wie noch nie. Doch
was passiert, wenn Wind und Sonne bei
Flaute oder nachts als Produzenten ausfallen? Dann müssen konventionelle Kraftwerke
einspringen, die ansonsten nur selten oder
gar nicht laufen. Genau wie die Feuerwehr
müssen sie für den Fall der Fälle bereitstehen.
Der Bundesverband der Deutschen Energieund Wasserwirtschaft und der Verband kommunaler Unternehmen haben ein Modell entwickelt, das die permanente Einsatzbereitschaft der konventionellen Kraftwerke
honoriert: den dezentralen Leistungsmarkt.
Wie dieser funktioniert, erklärt auf einfache
„VIELE KRAFTWERKE
SIND NICHT MEHR
WIRTSCHAFTLICH“
Was heißt „nicht mehr wirtschaftlich“?
Sind die Gewinne nicht mehr hoch genug?
Das Geld, das wir einnehmen, deckt nicht
einmal mehr die Kosten des Betriebs, von
Gewinnen ganz zu schweigen. Wir können
Anlagen, die nach heutiger Einschätzung
absehbar tief in die roten Zahlen rutschen,
nicht langfristig weiter betreiben. Das ist
bitter, denn unsere Mitarbeiter haben alles
unternommen, um die Wettbewerbsfähig-
18
Die Kraftwerke verbrauchen einen
kleinen Teil des dort erzeugten Stroms
selbst. Jetzt überlegen Politiker, sie
dafür zu der Umlage heranzuziehen,
mit der der Ausbau der Erneuerbaren
finanziert wird. Welche Folgen hätte
das?
Uns drohen neue Belastungen in Millionenhöhe. Von der Sache her wäre es so,
als wenn ein Hobbygärtner auf die selbst
angebauten Kartoffeln, die er auch selber
verbraucht, die Mehrwertsteuer zahlen
müsste. Es widerspräche dem gesunden
Menschenverstand.
Nun können Wind und Sonne naturgemäß nicht ständig Strom liefern. Sie
schalten immer mehr Kraftwerke ab.
Wo soll das in Zukunft hinführen?
Konventionelle Kraftwerke werden zwar
seltener gebraucht als früher, aber ohne
geht es auch nicht. Wir müssen aufpassen, dass es nicht bald schon in einigen
Netzbereichen, wie in Süddeutschland,
eng wird. Wir brauchen daher so etwas
wie die Feuerwehr für den Strommarkt,
die hilft, wenn Strom aus Sonne oder
Wind nicht zur Verfügung steht. Gasund Kohlekraftwerke können dann Versorgungssicherheit garantieren. Doch
diese Sicherheit muss honoriert werden.
So wie auch die Feuerwehr nicht nach
Kubikmetern Löschwasser, sondern für
ihre Einsatzbereitschaft bezahlt wird.
Die Arbeitsteilung zwischen erneuerbaren und konventionellen Energien muss
besser organisiert werden. Das bringt
dann auch die Energiewende voran.
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos: RWE, Helmut Kramer
HARTUNG: Die Einnahmen aller konventionellen Kraftwerke sinken kontinuierlich –
bei etwa gleichbleibenden Fixkosten. Viele
sind nicht mehr wirtschaftlich.
keit dieser Kraftwerke zu retten – auch im
Interesse der Arbeitsplätze. Unser Augenmerk liegt nun darauf, den notwendigen
Stellenabbau im Gespräch mit den Betriebsräten sozialverträglich zu gestalten.
 http://bit.ly/1lzz2gU

ALLZEIT BEREIT: Konventionelle
Kraftwerke versorgen Haushalte,
wenn Wind und Sonne wenig
Energie liefern.
FLEXIBEL IM SOMMER

MATTHIAS HARTUNG,
Vorstandsvorsitzender
der RWE Power
hier: Herr Hartung, RWE hat Mitte
August über einen weiteren Gewinneinbruch in der Stromerzeugungssparte
berichtet. Sie haben in den vergangenen Monaten bereits mehrere Kraftwerke vom Netz genommen. Jetzt kommen noch mal 1.000 Megawatt aus drei
Anlagen dazu. Was ist der Grund?
Weise ein Animationsfilm. Den
Film kann sich jeder ansehen und
ihn weiterempfehlen.
Schnelle Wetterumschwünge gab es in diesem Sommer häufig: Wo eben noch die
Sonne vom Himmel strahlte, ging im nächsten Moment ein Blitz herunter und Sturmwind fegte über das Land. Was den Menschen schon ein ausgeprägtes Improvisationsvermögen abverlangt, stellt die
Flexibilität der deutschen Stromversorgung
vor besondere Aufgaben.
Gerade schnelle Änderungen der Wetterlage führen zu starken Schwankungen bei
der Einspeisung von Strom aus Wind und
Sonne. Diese müssen durch Laständerungen in den konventionellen Kraftwerken ausgeglichen werden. Schließlich hat der regenerative Strom im Netz Vorfahrt. Für das
Kernkraftwerk Emsland und die Mannschaft
kein Problem: „Wir kennen diese Situation
und sind gut vorbereitet“, sagt Norman
Hoffmann, Produktionsleiter im Kernkraftwerk Emsland. Beispiel 22. Juni: Der Netzbetreiber forderte eine schnelle Leistungsabsenkung um 145 Megawatt. Diese dauerte nur 40 Minuten, dann fuhr das Kraftwerk
wieder volle Leistung.
Die bisher größte Leistungsreduktion war
vom 15. auf den 16. Februar erforderlich.
Kräftiger Wind drückte rund 21.500 Megawatt regenerativen Strom ins Netz. In der
Nacht war die Stromnachfrage gering, sodass
das Kernkraftwerk seine Leistung um 850
Megawatt herunterfuhr. Wenige Tage zuvor
war es umgekehrt: Am 10. Februar lieferten
die Windräder nur rund 2.800 Megawatt –
und der Einsatz des Kernkraftwerks war dringend erforderlich.
Kleinere Netzschwankungen unter 100
Megawatt können vom Kernkraftwerk automatisch ausgeglichen werden. In der Fachsprache heißt dies Primärregelreserve. Dieser Mechanismus griff allein von Juni bis
August gut ein Dutzend Mal. „Wichtig ist
eine gute und schnelle Regelfähigkeit des
Kraftwerks“, erläutert Hoffmann. „Hier
zeigt das Kernkraftwerk seine Qualität als
Partner der Regenerativen und als Stabilisator im Netz.“

PASST SICH AN: Das Kernkraftwerk kann
flexibel seine Leistung drosseln oder steigern,
damit immer ausreichend Strom im Netz ist.
Ausgabe 3|2014
19
MENSCHEN VON HIER:
MENSCHEN VON HIER:
VON FRÜHEREN
JÄGERN wurden diese
Pfeilspitzen genutzt.
60.000 Jahre alte Funde
Altsteinzeitliche Funde zählen stolze 50.000
bis 60.000 Jahre, beschränken sich allerdings meist auf Steinwerkzeuge. Neuzeitliche Entdeckungen weisen eine größere Vielfalt auf. Sie lassen sich auch in den Eschböden finden. Diese Ackerflächen rund um
die Dörfer haben die Menschen des Mittelalters mit Tierdung aus den Ställen angereichert, um den Ernteertrag zu steigern. Über
IHREN
I
HREN 30. GEBURTSTAG feiert die Archäologische Gruppe Lingen in diesem Jahr. Aus diesem Anlass hat sie
eine Ausstellung im Emslandmuseum vorbereitet, in der sie Funde aus der Römerzeit präsentiert.
GESCHICHTE AUS DEM ACKER
ER
Hobby: Manche Menschen sammeln Briefmarken, andere züchten Kaninchen, wieder
andere verbringen ihre Freizeit mit Sport. Die Mitglieder der Archäologischen Gruppe
Lingen streifen lieber über frisch gepflügte Felder und suchen Gegenstände, die unsere
Vorfahren einst nutzten.
RELIKTE aus der Römerzeit im Emsland.
20
derte, die Witterung und vor allem auch der
Dünger im Acker gehen an den historischen
Beweisstücken eben nicht spurlos vorbei.
„Aber wir retten, was zu retten ist“, versichert Oosthuys.
Gibt es gerade kein neues Flurstück
„durchzulesen“, greifen die Hobby-Archäologen zum Gartenwerkzeug. Um Lingen herum
gibt es noch einige Kulturdenkmäler, die sie
von Nesseln und Unkraut befreien, damit die
ehemaligen Ruhestätten für Geschichtsinteressierte besser zugänglich sind.
DIE ARCHÄOLOGISCHE GRUPPE LINGEN
•
•
•
•
Gegründet 1984
20 Mitglieder zwischen 30 und 80 Jahren
Treffen: jeden 2. Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im Kolpinghaus Lingen
Die Gruppe genießt die Unterstützung des örtlichen Heimatvereins, der unteren Denkmalbehörde der Stadt Lingen sowie des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege in
Hannover
• Aktuelle Ausstellung: „Römische Funde an der Ems“, 28. September bis 2. November 2014,
Emslandmuseum Lingen
 www.heimatverein-lingen.de/archaeologie/archaeologischegruppe/index.htm
MUSKETENKUGELN, Gürtelschnallen
und mehr lagen seit dem
Dreißigjährigen Krieg
ieg in der Erde.
GRABUNG in Hesselte im Jahr 2007.
Wird in der Region ein neues Baugebiet aus
ausgeschrieben, sind Hartmut Oosthuys und
die Freunde der Altertümerkunde zur Stelle.
Wie beispielsweise vergangenes Jahr in
Geeste. In der Nachbarschaft des neuen
Wohngebiets Kottbree waren schon Jahre
zuvor Grundrisse eines Hauses aus der römischen Kaiserzeit entdeckt worden. Die Wahrscheinlichkeit, hier erneut etwas zu finden,
war hoch. Und so zogen die Hobby-Archäologen los. Übrigens: Als Werkzeug nutzen
sie vor allem ihre scharfen Augen, nicht
Schaufel oder Spitzhacke. „Für uns geht es
nicht um Ausgrabungen, sondern um ‚Lesefunde‘“, erklärt der Kenner. „Also um das,
was der Landwirt mit seinem Gerät durch
Zufall aus dem Erdreich zutage fördert.“ Die
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos: Archäologische Gruppe Lingen, Thorsten Schweers
S
cherben bringen ihm Glück. Je mehr
es sind, desto besser. Schließlich ist
Hartmut Oosthuys seit mehr als
50 Jahren Hobby-Archäologe. Frische Ackerfurchen ziehen ihn magisch an. Denn der
Pflug fördert so manches alte Schätzchen
zutage. Oosthuys' erstes Flintwerkzeug – ein
Utensil aus messerscharfem Feuerstein aus
der Jungsteinzeit – entdeckte er als Schüler
in Mehringen. Ein Volksschullehrer war's, der
ihm das Faible für diese Leidenschaft vermittelte: „Auf den Äckern liegen oft die Hinterlassenschaften der Menschheit. Und wo
Steingräber sind, gab es auch Siedlungen!“
Mittlerweile leitet der pensionierte Maschinenbauer seit zwölf Jahren die Geschicke der
Archäologischen Gruppe Lingen (AGL).
die Jahrhunderte schichtete sich so bis zu
zwei Meter weiches Material übereinander,
in dem die Forscher heute viele Artefakte
entdecken. In Schepsdorf förderten sie beispielsweise Relikte aus dem Dreißigjährigen
Krieg zutage – Pfeifenköpfe aus Ton, Knöpfe,
Schuh-, Hut- und Gürtelschnallen, sogar
Musketenkugeln.
Alle Fundstücke verlangen natürlich eine
säuberliche Reinigung in destilliertem Wasser und die anschließende Behandlung mit
einer Konservierungstinktur. Die Jahrhun-

Forscher tragen immer wieder so einiges
zusammen – und sie stehen bei ihren Aktionen in direktem Kontakt mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege
in Hannover. „Wir sind mehr oder weniger
deren freie Mitarbeiter, halten uns aber stets
an das Denkmalschutzgesetz.“
Auf die Frage nach seinem bedeutendsten Fund muss Hartmut Oosthuys schmunzeln. „Die Werte sind hier eher individueller
Natur.“ Egal wie groß oder klein ein Fundstück sei: „Im Vordergrund steht die Einordnung in ein größeres Ganzes, das uns die
Geschichte besser verständlich macht“, sagt
er. „Mit Belegen aus der Zeit der Römerfeldzüge gelingt es, deren Streckenverläufe
detaillierter nachzuverfolgen.“
Museumsbesuche, Literatur und nochmals Literatur seien deshalb die wichtigsten
Schlüssel zu dieser Leidenschaft, um vergleichen und einordnen zu können, damit „wir
eine Dachpfanne von einer 3.000 Jahre alten
Keramikscherbe unterscheiden können“.
Ausgabe 3|2014
21
GEWINNSPIEL
AUSBLICK
TOLLE PREISE GEWINNEN
Senden Sie das Lösungswort sowie Ihren Namen und Ihre Anschrift an: hier-lingen@rwe.com oder per Post an die RWE Power AG, PCK-I,
Huyssenallee 2, 45128 Essen. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2014. Viel Glück!
1. Preis: ActionCam GoPro Hero 3
2. Preis: Full-HD Camcorder Canon Legria HF R 506
MIT DER RICHTIGEN MASCHE
DURCH ALLE JAHRESZEITEN
3. Preis: Digitalkamera Lumix DMC FT 20
Schal und Mütze sind die Klassiker unter den Häkelartikeln – aber mit
der beliebten Handarbeit kann man viel mehr herstellen, beispielsweise Körbe, Taschen, Etuis und Kuscheltiere. Ein paar bunte Fakten
rund um das kreative Hobby hat die „hier:“ zusammengetragen:
DER URSPRUNG:
Das Wort „häkeln“ taucht in der Literatur erstmalig gegen Ende des
17. Jahrhunderts auf. Damals bedeutete es noch ganz allgemein
„mit Haken fassen“, wohingegen es sich heute nur noch auf die
Arbeit mit der Häkelnadel bezieht.
Bergkette
der
Sahara
HauptHandels- stadt
von
gut
Lettland
Spezialist
e. interdisziplinären
Fachgebiets
Audioanteil
an einer
TV-, Filmproduktion
Abk.: Int.
Automobil-Ausstellung
Abk.:
Riesentorlauf
4
männl.
Vorname
Mittel
gegen
Körpergeruch (Kw.)
16
Haarwuchs
im Gesicht
10
12
1
Abk.:
Kosinus
weibl.
Haustier
Kfz-Z.
Libanon
Kindheitsabschnitt
3
Abk.:
SeeDeutsche mannsSängerruf
schaft
engl.:
Liebling
Abk.:
Imperium
13
2
3
4
6
7
8
9
10
11
14
12
svd1712-11_
13
oder unter professioneller Anleitung bei der Volkshochschule Lingen seine Fähigkeiten verbessern.
Im Winterhalbjahr werden dort unter dem Titel
„Stricken ist wieder IN“ Kurse angeboten, in
denen man auch häkeln lernen kann (Telefon
0591/91202-0; www.vhs-lingen.de).
®
14
15
16
„Beerenfrüchte“ lautete die Lösung des Preisrätsels der letzten „hier:“ (Ausgabe 2/2014). Gewonnen haben Silvia Temann aus Wietmarschen-Lohne (1. Preis, Ergometer), Edith Reichl aus Lingen
(2. Preis, Basketball-Leiter Set) und Gerda Tranel aus Salzbergen (3. Preis, Schwimmender Sitzsack).
Teilnahmeberechtigt an den Gewinnspielen in diesem Heft sind alle Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, die keine Mitarbeiter von ergo Kommunikation, nicht mit der Organisation
der Gewinnspiele betraut oder mit solchen Personen verwandt sind. Die Namen der Gewinner werden in der nächsten Ausgabe dieses Magazins veröffentlicht. Zur Abwicklung der Preise erhält
ergo die Kontaktdaten der Gewinner. Die Gewinne können von den Abbildungen abweichen. Der ordentliche Rechtsweg wird ausgeschlossen. Die Teilnahme über Teilnahme- oder Gewinnspielanmeldungsdienste ist ausgeschlossen.
22
 www.anleitung-handarbeit.de/was-ist-haekeln
 www.nadelspiel.com/haekeln/haekeln-lernen/
6
ital.
Provinz
5
WER SELBER ZUR NADEL GREIFEN MÖCHTE, kann sich im Internet
Tipps suchen:
Abk.:
Rechtsanwälte
Schlange
in „Das
Dschungelbuch“
5
Straßenbausteinchen
1
HÄKELN IST IM TREND:
Rund 1,35 Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen
Jahr für Häkel-, Strick- und Nähutensilien ausgegeben. Der Umsatz der Branche ist in den letzten fünf Jahren um insgesamt
40 Prozent gestiegen – ein Ende ist derzeit nicht in Sicht.
2
Wintersportgerät
unverschlossen
engl.:
Gott
engl.
Schulstadt
Ausruf des
Erstaunens
waidm.:
Maul
des Rotwildes
Klebstoff
Vorname
des Komikers
Laurel †
Weltmeer
Fahrstuhl
Grönlandraubfisch
Verbandmull
Münze
in
vielen
Ländern
besitzanzeig.
Fürwort
InternetAbk.:
Good
Luck
HÄKEL-WM:
Seit 2013 gibt es auch beim Häkeln eine Weltmeisterschaft. Nach
einem Vorentscheid treten Teilnehmer aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz zum Finale im fränkischen Zirndorf an. Ziel ist es,
aus 50 Gramm Wolle so schnell wie möglich eine Mütze zu häkeln.
2014 siegte wie schon im Vorjahr die aus Vietnam stammende
Leipzigerin Hai Nguyen mit einer Rekordzeit von knapp sieben
Minuten.
8
engl.
Längenmaß
Gesteinsart
Abk.:
Oktanzahl
DIE RICHTIGE KOMBI MACHT‘S:
Beim Häkeln werden vier Grundmaschen unterschieden – Luftmasche,
feste Masche, Stäbchen und halbes Stäbchen. Durch die Kombination
dieser Grundmaschen lassen sich unterschiedlichste Muster häkeln.
frz.
Artikel
9
Tiergeschichte
Kf.: Boxsportclub
histor.
südarab.
Landschaft
15
Mitteleuropäer,
Magyar
Zugangsbefehl,
Passwort
(PC)
Ausdrucksform
Fenstervorhang
liebevoll für
einen Lkw
Spezialist
in
seinem
Beruf
11
verfügbare
Zahlungsmittel
russ.
Windhund
Zeichen
für Aluminium
7
betriebsam, agil
ungebraucht Harmonie
Lösungswort:
ausgelernter
Handwerker
hier: DAS MAGAZIN FÜR UNSERE NACHBARN
Fotos: GoPro, Canon, Panasonic, fotolia
Gemeinschaftswährung
Abk.:
Madame
Ausgabe 3|2014
23
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Mit einem Gutschein Ihrer VHS.
STADT
STADT
Mit einem Gutschein Ihrer VHS.
Mit
LINGEN (EMS) / GEMEINDE EMSBÜREN / SAMTGEMEINDE FREREN / SAMTGEMEINDE LENGERICH / GEMEINDE SALZBERGEN / SAMTGEMEINDE SPELLE
LINGEN (EMS) / GEMEINDE EMSBÜREN / SAMTGEMEINDE FREREN / SAMTGEMEINDE
STADT
LENGERICH
LINGEN (EMS)
/ GEMEINDE
/ GEMEINDE
SALZBERGEN
EMSBÜREN
/ SAMTGEMEINDE
/ SAMTGEMEINDE
SPELLE
FREREN
Programm 2. Halbjahr 2014
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Seele and Geist
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