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Marc Albrecht 12. Oktober 2014 - Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

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RundfunkSinfonieorchester
Berlin
So | 12. Okt. 14 | 20.00
Philharmonie Berlin
Abokonzert C/2
18.45 Uhr, Südfoyer
Einführung von Steffen Georgi
2
Marc Albrecht 12. Oktober 2014
MARC ALBRECHT
Dorothea Röschmann | Sopran
György Ligeti
(1923 – 2006)
„Atmosphères“ für großes Orchester
Alban Berg
(1885 – 1935)
Sieben frühe Lieder
für hohe Stimme und Orchester
› Nacht. Sehr langsam (Text: Carl Hauptmann)
› Schilflied. Mäßig bewegt (Text: Nikolaus Lenau)
› Die Nachtigall. Zart bewegt (Text: Theodor Storm)
› Traumgekrönt. Langsam (Text: Rainer Maria Rilke)
› Im Zimmer. Leicht bewegt (Text: Johannes Schlaf)
› Liebesode. Sehr langsam (Text: Otto Erich Hartleben)
› Sommertage. Schwungvoll (Text: Paul Hohenberg)
Pause
Gustav Mahler
(1860 – 1911)
Sinfonie Nr. 1 D-Dur
›
›
›
›
Langsam. Schleppend
Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell
Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen –
Sehr einfach und schlicht wie eine Volksweise
Stürmisch bewegt
HANDY AUS?
DANKE!
Wir bitten Sie, zwischen den Sätzen der einzelnen
Werke nicht zu applaudieren.
Nichts ist furchtbarer als diese Enttäuschung des Jünglings,
der in vertrauensvoller Heiterkeit zu den Menschen ging
und dem plötzlich die Erkenntnis der Hässlichkeiten und
der Absurditäten des Daseins aufflammt. Mahler muss auf
das entsetzlichste von ihr getroffen worden sein … Er hat
es damals begreifen gelernt, dass jene Erkenntnis zu den
zerstörenden Dämonen gehört: sie macht den einen
lebensunbrauchbar und weltflüchtig, den andern höhnisch,
gierig, illusionslos; nur der ganz Reine wirft sich immer
wieder in trotzigem Stolz aller schielenden Gemeinheit
entgegen, ringt sie nieder, wird immer wieder von den Fängen
der heulenden Meute des Alltags zu Boden gerissen, reckt
sich aus hundert Wunden blutend mit eisern-starrer
Kraft wieder empor und führt endlich – sei es durch das
Beispiel seines Daseins oder seines Untergangs – doch den
Fahnenspruch der lebenstüchtigen Materialisten … ad
absurdum. Ein Überwinden, in dem, beiläufig gesagt,
Mahlers tiefste Künstlerempfindung steckt: im Aufzeigen,
dass das Außerordentliche möglich ist, dass die Vielzuvielen
unrecht haben, wenn sie die Niedrigkeit proklamieren, die
es einzig möglich mache, sich zu behaupten; und in der
völligen und wenn es sein muss todbringenden Hingabe an
die erwählte Sache.
Herbert Kilian, 1984
Konzert mit
Übertragung am 6. Dezember 2014,
20.04 Uhr
5
Steffen Georgi
Wolkenspiel
Die Uraufführung der „Atmosphères“
von György Ligeti am 22. Oktober
1961 war eine Sensation. Plötzlich
kam einer daher, der den hysterischen Systematisierungszwang der
Nachkriegsavantgarde, welcher inzwischen alle Tonparameter (Tondauer, Tonhöhe, Tonlagen, Lautstärke usw.) unter seine lückenlose
Kontrolle gebracht hatte, mit Hilfe
von scheinbarer Strukturlosigkeit
einfach vom Tisch fegte. „In Atmosphères versuchte ich, das strukturelle kompositorische Denken, das
das motivisch-thematisch ablöste, zu
überwinden und dadurch eine neue
Formvorstellung zu verwirklichen.
In dieser musikalischen Form gibt
es keine Ereignisse, sondern nur Zustände; keine Konturen und Gestalten, sondern nur den unbevölkerten,
imaginären musikalischen Raum;
und die Klangfarben, die eigentlichen
Träger der Form, werden – von den
musikalischen Gestalten gelöst – zu
Eigenwerten.“ (György Ligeti)
Eigenwert heißt hier konkret: radikale Individualisierung. Jede der siebenundachtzig Stimmen ist einzeln
geführt, „folgt einer eigenen durchaus komplexen rhythmischen Struk-
György Ligeti
6
György Ligeti
„Atmosphères“
Besetzung
4 Flöten (2. und 3. auch Piccolo, 4. auch
Altflöte), 4 Oboen (4. auch Englischhorn)
4 Klarinetten (2. auch Bassklarinette,
3. auch Kontrabassklarinette), 3 Fagotte,
Kontrafagott, 4 Hörner, 3 Trompeten,
3 Posaunen, Tuba, Streicher
Dauer
ca. 11 Minuten
Verlag
Schott Music, Mainz u. a.
Entstehung
1961
Uraufführung
22. Oktober 1961, Donaueschingen
Sinfonieorchester des Südwestfunks
Ernest Bour, Dirigent
tur und Melodie, … wobei deren
Töne dicht an dicht (chromatisch, in
Halbtonabständen nebeneinander)
liegen. Solche Tontrauben nennt
7
| Ligeti, „Atmosphères“
man ‚Cluster‘. Diese Cluster sind
bei Ligeti permanent in Bewegung,
werden umgeschichtet, geweitet
oder verengt als ob sie durch einen
Trichter durchgepresst werden würden.“ (Martin Hufner) Dies findet
seinen radikalen Ausdruck auch im
Notenbild: Die Partitur „sieht aus
wie ein miniaturisierter Wolkenkratzer: Schmal und hoch, nicht den
gewöhnlichen Papierformaten auch
nur im geringsten ähnlich. Notensysteme, bis zu 87 türmen sich übereinander, jedes System repräsentiert
eine Stimme im Orchester“ (Hufner). Jeder Stimmeneinsatz soll erfolgen, ohne dass man es merkt, die
Töne sollen also gleichsam aus dem
Nichts kommen, und „alle sollen zu
einer zarten Klangwolke verschmelzen“ (Ligeti).
Während die schriftliche Struktur
im Grunde undurchschaubar ist,
hat es das Ohr sehr viel leichter. Es
nimmt die Musik wie eine große orchestrale Plastik wahr. „‚Die Gesamtform des Stückes ist wie ein einziger,
weit gespannter Bogen zu realisieren,
die einzelnen Abschnitte schmelzen
zusammen und werden dem großen
Bogen untergeordnet,‘ schreibt Ligeti
8
György Ligeti, „Atmosphères“,
Partiturseite (Ausschnitt)
in seinen Bemerkungen zur Einstudierung. Dieser Bogen reicht von einem ganz nebulösen Anfangsklang
bis zum ‚Verschwinden im Nichts‘ in
den Klavierklängen am Ende des Stückes. Auch das spiegelt die Partitur
eigenartig ironisch wieder. Während
auf allen Seiten der Partitur diese
Systemtürme sind, ist auf der letzten ein einziges übrig, welches nicht
einmal die fünf Linien des Notensystems benutzt, sondern aus nur einer
Linie besteht, ganz dünn, der Rest
der Partiturseite ist leer. …
Selten sind die Farben eindeutig und
die Wolkenform selbst verändert sich
ständig und auch die Tempi, mit denen sich die Wolken in- oder gegeneinander bewegen. Etwa in der Mitte
des Stückes gibt es eine ganz deutliche Kontrastbildung, wenn die
Querflöten eine kleine Tonwolke
immer weiter in der Tonhöhe nach
oben schrauben oder schieben, lauter
und lauter werden und dann von
einer tiefen Tonwolke der Kontrabässe
abgelöst werden.“ (Hufner)
Stanley Kubrick hat Ligetis „Atmosphères“ in seinem Science-FictionFilm „2001 – A Space Odyssey“ verwendet. Auch wenn der Komponist
davon zunächst keine Kenntnis
hatte, freute er sich 2001 in einem
Interview: „Als ich dieses Stück
komponierte, habe ich nicht an
kosmische Dinge gedacht. ,Atmosphères‘ meint nur die Luft. Meine
Musik – in Kubricks Auswahl – passt
ideal zu diesen Weltraum- und
Geschwindigkeitsfantasien.“
Wissenschaftler und Komponist
Das Miterleben von klanglichen
Grenzregionen kann gerade auf den
mit solchen Dingen unerfahrenen
Hörer eine ungeheuer suggestive
Spannung ausüben. Das weiß
Ligeti und er spielt damit. Aber
er ist kein wilder Provokateur.
1923 in Siebenbürgen geboren,
komponierte György Ligeti schon
im Alter von 14 Jahren erste Klavier-
stücke. Nach dem Abitur 1941 wollte
er ursprünglich Physik studieren,
konnte sich sein Leben ebenso als
Wissenschaftler wie als Komponist
vorstellen. Der Numerus clausus für
jüdische Studenten verhinderte die
Physikerlauf bahn, er ging ans Konservatorium zunächst in Cluj (Klausenburg), später an die Budapester
Musikhochschule, wo er Schüler von
Veress, Járdányi und Farkas wurde.
Nach dem Diplom blieb er der Hochschule als Lehrer für Musiktheorie
bis 1956 treu. Dann verließ Ligeti
Ungarn, wandte sich zunächst nach
Wien, später nach Köln, wo er im
elektronischen Studio des WDR
arbeitete.
Sowohl persönlich als auch kompositorisch markiert diese Entscheidung
den entscheidenden Einschnitt – er
bekommt Anschluss an die Avantgarde. Als Mitarbeiter der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik ist
er bald nicht mehr wegzudenken aus
der heterogenen Szene der zeitgenössischen Komponisten in Deutschland. 1973 wird Ligeti zum Professor
für Komposition in Hamburg berufen. Am 12. Juni 2006 stirbt er nach
langer, schwerer Krankheit in Wien.
9
Überströmende Wärme
des Fühlens
Kunstvolle Poesie, literarische Lyrik
hatten ihn von jeher stark angesprochen. So verwundert es nicht, dass
Alban Berg die musikalische Bühne
mit Liedern betrat: jenen sieben
Liedern, die er auf eigenwillige Verse
verschiedener Dichter als junger
Mann zwischen 1905 und 1908 komponiert hatte.
Kaum als Schüler bei Schönberg
eingeschrieben, setzte Berg das Gelernte in die Praxis um. Doch gerade
für die Lieder schien er den Rat des
Lehrers am wenigsten zu benötigen.
Schönberg stellte fest: „Erstens, dass
Musik ihm eine Sprache war und
dass er sich in dieser Sprache tatsächlich ausdrückte, und zweitens:
überströmende Wärme des Fühlens.“
Doch Schönberg, der selbst nicht
Klavier spielen konnte, murrte auch:
„Ein außerordentliches Kompositionstalent. Aber in dem Zustande, in
dem er zu mir gekommen ist, war es
seiner Phantasie scheinbar versagt,
was anderes als Lieder zu komponieren. Ja selbst die Klavierbegleitungen
zu diesen hatten etwas vom Gesangsstil.“ Berg unterließ es darauf hin,
weitere Klavierlieder zu schreiben.
Heute jedoch ist es gerade der durch-
Alban Berg
10
Alban Berg
Sieben frühe Lieder
Besetzung
2 Flöten (2. auch Piccolo), 2 Oboen
(2. auch Englischhorn), 2 Klarinetten,
Bassklarinette, 2 Fagotte, Kontrafagott,
4 Hörner, Trompete, 2 Posaunen, Pauken,
Schlagzeug, Harfe, Celesta ad libitum,
Streicher
Dauer
ca. 17 Minuten
Verlag
Universal Edition, Wien
Entstanden
1905–08, 1928
Uraufführung
6. November 1928, Wien
Robert Heger, Dirigent
gehende Gesangsstil der Sieben frühen Lieder, der besonders fasziniert.
Dieser Stil erlaubte es dem Komponisten, noch am Rande der Tonalität
ungeahnte Quellen des Gefühls zu
11
| Berg, „Sieben frühe Lieder“
erschließen. Bergs Gefühle galten
damals Helene Nahowski, jener
Frau, die Peter Altenberg zufolge
aussah „wie eine riesige hohe schlanke aschblonde russische Studentin,
nur sehr müde von ungekämpften
Kämpfen“ und die Alban Berg am
Karfreitag 1907 kennen lernte und
1911 heiratete. Die Briefe an Helene
verraten wie zeitgleich die Lieder
etwas über die tiefe Leidenschaft von
Alban Berg.
Helene!
In der Mitte des Zyklus thront das
Lied „Traumgekrönt“ auf ein Gedicht
von Rainer Maria Rilke. „Verehrte
Helene! Was war das gestern für
ein Tag! Es war um die Mittagszeit,
ich komponierte grad [...]: da brachte
man mir Deinen Brief! ‚Endlich‘,
jubelte es in mir – ich wollte ihn öffnen, da fiel mein Blick auf das Lied,
und da kam’s wie eine Selbstzüchtigung über mich – uneröffnet legte
ich Deinen Brief weg, so unglaublich
es klingen mag – und vollendete pochenden Herzens das Lied: Das war
der Tag der weißen Chrysanthemen,
Mir bangte fast vor seiner Pracht ...“
Und für das noch tiefere Verständ-
12
Alban und Helene Berg
nis des biographischen Zusammenhanges lohnt es sich, auch folgende
Briefstelle zu kennen: „Mir bangte
fast vor der Pracht des gestrigen
Glücks – Ich habe Dich geküßt! [...]
Fassungslos, wie trunken wankte ich
nachhaus, das eine nur fühlend, wie
Deine holde Hand meine Seele streichelte – in Seligkeit wiegend – und
auf den Lippen den herrlichsten der
Küsse heimwärts tragend – Und leis
wie eine Märchenweise / Erklang
die Nacht.“
Kinder der Leidenschaft
1928, gut 20 Jahre später, kam Berg
noch einmal auf seine Sieben frühen
Lieder zurück. Er fasste sie für Orchester und Gesang und widmete
sie „Meiner Helene“. Helene Berg
wusste diese Widmung zu schätzen,
obwohl sie die Vergänglichkeit der
Leidenschaft ihres Mannes zur selben Zeit am eigenen Leib zu spüren
bekam. Berg verglühte gerade an den
Reizen der gemeinsamen Bekannten Hanna Fuchs. Weil Helene selbst
in verworrenen familiären Verhältnissen aufgewachsen war, ertrug
Bergs Ehefrau diese wechselnden
Leidenschaften ihres Mannes genauso tapfer wie seine frühe Vaterschaft (1903), die auf ein Verhältnis
des damaligen Gymnasiasten mit der
Haushälterin der Bergs zurückging.
Vor dem Hintergrund ist es zu verstehen, warum Helene Berg gerade
die Sieben frühen Lieder Zeit ihres
Lebens unter Verschluss hielt. Sie
wurden erst 1985 anlässlich des 100.
Geburtstages von Alban Berg und
neun Jahre nach Helenes Tod öffentlich zugänglich gemacht.
Klavier- und Orchesterfassung der
Sieben frühen Lieder unterscheiden
sich in der Reihenfolge, ohne die
zentrale Position von „Traumgekrönt“ anzutasten. Gerade dieses
berührende Liebeslied dringt tief in
Wagners „Tristan“-Atmosphäre ein.
Berg glänzt mit thematischer Arbeit
und kontrapunktischen Details, die
er stets dem Ausdruck unterordnet.
Ein Motiv, zu Beginn allein vom
Klavier vorgetragen, wechselt in die
Gesangsstimme und beschleunigt
sich bei den Worten „Und dann,
dann kamst du“ auf das doppelte
Metrum. Immer wieder tauschen
Klavier und Gesang die Rollen, spielen einander die Gedanken zu.
Im „Schilflied“, motivisch noch
ganz in der Nähe von Schumann,
erweist sich Berg als Meister der
Klangfarben, wenn er die 15 Instrumentalsolisten geheimnisvoll rauschen lässt wie das Schilfrohr. Die
„Nachtigall“ greift auf vielfach geteilte Streicher zurück, während „Im
Zimmer“ nur von Bläsern, Becken
und Harfe untermalt wird. Manches
erinnert an Strauss, anderes an
Brahms und Debussy, aber nicht
nur die „Nacht“ lässt bereits den
mutigen, den experimentellen Berg
ahnen.
13
| Gesungene Texte
ALBAN BERG
SIEBEN FRÜHE LIEDER
2
Schilflied
4
Traumgekrönt
6
Liebesode
1
Nacht
Auf geheimem Waldespfade
Schleich’ ich gern im Abendschein
An das öde Schilfgestade,
Mädchen, und gedenke dein!
Wenn sich dann der Busch verdüstert,
Rauscht das Rohr geheimnisvoll,
Und es klaget und es flüstert,
Daß ich weinen, weinen soll.
Und ich mein’, ich höre wehen
Leise deiner Stimme Klang,
Und im Weiher untergehen
Deinen lieblichen Gesang.
Das war der Tag der weißen
Chrysanthemen,
Mir bangte fast vor seiner Pracht …
Und dann, dann kamst du
mir die Seele nehmen
Tief in der Nacht.
Mir war so bang, und du kamst
lieb und leise,
Ich hatte grad im Traum an dich
gedacht.
Du kamst, und leis’ wie eine
Märchenweise
Erklang die Nacht.
Im Arm der Liebe schliefen wir selig ein,
Am offnen Fenster lauschte der
Sommerwind,
Und unsrer Atemzüge Frieden trug er
hinaus in die helle Mondnacht.
Und aus dem Garten tastete zagend
sich ein Rosenduft an unserer Liebe Bett
Und gab uns wundervolle Träume,
Träume des Rausches, so reich an
Sehnsucht.
3
Die Nachtigall
5
Im Zimmer
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut,
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
Herbstsonnenschein.
Der liebe Abend blickt so still herein.
Ein Feuerlein rot
Knistert im Ofenloch und loht.
So, mein Kopf auf deinen Knien,
So ist mir gut.
Wenn mein Auge so in deinem ruht,
Wie leise die Minuten ziehn.
Nun ziehen Tage über die Welt,
Gesandt aus blauer Ewigkeit,
Im Sommerwind verweht die Zeit.
Nun windet nächtens der Herr
Sternenkränze mit seliger Hand
Über Wander- und Wunderland.
O Herz, was kann in diesen Tagen
Dein hellstes Wanderlied denn sagen
Von deiner tiefen, tiefen Lust:
Im Wiesensang verstummt die Brust,
Nun schweigt das Wort, wo Bild um Bild
Zu dir zieht und dich ganz erfüllt.
Dämmern Wolken über Nacht und Tal,
Nebel schweben, Wasser rauschen sacht.
Nun entschleiert sich’s mit einemmal:
O gib Acht! Gib Acht!
Weites Wunderland ist aufgetan.
Silbern ragen Berge, traumhaft groß,
Stille Pfade silberlicht talan
Aus verborg’nem Schoß;
Und die hehre Welt so traumhaft rein.
Stummer Buchenbaum am Wege steht
Schattenschwarz, ein Hauch vom
fernen Hain
Einsam leise weht.
Und aus tiefen Grundes Düsterheit
Blinken Lichter auf in stummer Nacht.
Trinke Seele! Trinke Einsamkeit!
O gib Acht! Gib Acht!
14
7
Sommertage
15
Meine Zeit wird kommen
„Meine Symphonie wurde einesteils
mit wütender Opposition, andererseits
mit rückhaltlosester Anerkennung
aufgenommen. – Die Meinungen
platzten auf offenen Straßen und in
Salons in ergötzlicher Weise aufeinander…
Aufführung mit höchst mangelhaften
Proben äußerst schundig. – Orchester
infolge eines Fassels Bier nachträglich
von Symphonie äußerst befriedigt,
und von meiner Direktionsmanier
sympathetisch berührt …“
Mahler an Arnold Berliner,
Weimar, 5. Juni 1894
„Die I. hat überhaupt noch niemand
kapiert als diejenigen, die mit mir
gelebt …“, schrieb Mahler 1900 in einem Brief an Ludwig Schiedermair.
Jeder Aufführung seiner ersten
Sinfonie sah Mahler mit gemischten
Gefühlen entgegen. Immer wieder,
1889 in Budapest, 1893 in Hamburg,
1894 in Weimar, 1896 in Berlin, war
sie zum Gegenstand gehässiger Kritiken geworden. Das dabei gebrauchte Vokabular sollte Mahler zeit seines
Lebens begleiten, von „wirrem Zeug“
und „Kakophonie“, von „Langeweile“
und „Impotenz“ war die Rede, auch
von „jüdischem Mauscheln“. Trotz
Gustav Mahler
16
Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 1 D-Dur
Besetzung
4 Flöten (3. und 4. auch Piccolo), 4 Oboen
(4. auch Englischhorn), 4 Klarinetten
(3. auch in Es, 4. auch Bassklarinette),
3 Fagotte (3. auch Kontrafagott,) 7 Hörner,
4 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken,
Schlagzeug, Harfe, Streicher
Dauer
ca. 50 Minuten
Verlag
Universal Edition, Wien
Entstanden
1884 – 1888
Uraufführung
20. November 1889,
Budapest
heftiger seelischer Erschütterungen
wegen derartiger Injurien versuchte
Mahler immer wieder, das Verständnis für seinen sinfonischen Erstling
zu befördern. Ein ums andere Mal
17
| Mahler, Sinfonie Nr. 1
verspekulierte er sich dabei, so dass
alle erläuternden programmatischen
Hinweise heute als temporäre, mitnichten hinlängliche Annäherungsversuche angesehen werden müssen,
auch wenn sie von Mahler selbst
stammen.
Die Sinfonie wird inzwischen in
ihrer viersätzigen Form aus dem
Jahre 1896 aufgeführt, ohne Satzüberschriften, ohne „Leitfaden“.
Ursprünglich hatte Mahler eine
„Sinfonische Dichtung in zwei Teilen“ ankündigen lassen (Budapest),
wobei der erste Teil aus drei Sätzen
mit italienischen Satzüberschriften
bestand: Allegro commodo, Andante,
Scherzo. Der zweite Teil setzte sich
aus einem „Molto appassionato“ und
einem vorangehenden „A la pompes
funebres“ zusammen.
Aufschrei eines tief verwundeten
Herzens
Die revidierte Fassung von 1893 trug
den Titel „Symphonie (‚Titan‘) in 5
Sätzen (2 Abtheilungen)“. Für die
Hamburger Aufführung präzisierte Mahler: „Titan, eine Tondichtung
in Symphonieform, I. Teil ‚Aus den
Tagen der Jugend’, Blumen-, Frucht-
18
und Dornstücke. I. ‚Frühling und
kein Ende‘ (Einleitung und Allegro
Comodo). Die Einleitung stellt das
Erwachen der Natur aus langem
Winterschlafe dar. II. ‚Blumine‘ (Andante). III. ‚Mit vollen Segeln‘ (Scherzo). II. Teil ‚Commedia humana‘.
IV. ‚Gestrandet!‘ (Ein Todtenmarsch
in ‚Callots Manier‘). Zur Erklärung
dieses Satzes diene Folgendes: Die
äussere Anregung zu diesem Musikstück erhielt der Autor durch das in
Österreich allen Kindern wohlbekannte parodistische Bild ‚Des Jägers
Leichenbegängnis‘, aus einem alten
Kindermärchenbuch: Die Thiere des
Waldes geleiten den Sarg des gestorbenen Jägers zu Grabe; Hasen tragen
das Fähnlein, voran eine Kapelle von
böhmischen Musikanten, begleitet
von musizierenden Katzen, Unken,
Krähen etc., und Hirsche, Rehe,
Füchse und andere vierbeinige und
gefiederte Thiere des Waldes geleiten in possirlichen Stellungen den
Zug. An dieser Stelle ist dieses Stück
als Ausdruck einer bald ironischlustigen, bald unheimlich brütenden
Stimmung gedacht, auf welche dann
sogleich V. ‚Dall‘ Inferno’ (Allegro
Furioso) folgt, als der plötzliche Aus-
bruch der Verzweiflung eines im
tiefsten verwundeten Herzens.“
Vom Unverständnis zum
Missverständnis
Die erläuternden Satzüberschriften
entstammen einem Roman von Jean
Paul. Dessen romantischer Titelheld,
der „Titan“, ist ein mit sich selbst entzweites, einer Bewusstseinsspaltung
wegen umherirrendes Genie. Es
wäre fatal, den Roman etwa als Sujet im Hintergrund der Mahlerschen
Sinfonie zu sehen. Keine literarische
Geschichte wird vermittels der Musik erzählt, wie etwa bei Berlioz oder
Strauss. Die Jean-Paulschen Szenen
mögen höchstens einstimmen auf
Ausdruckssphären, Dimensionen
und Entwicklungsrichtungen innerhalb der Sinfonie. Aber vielleicht
nicht einmal das. Jedenfalls ließ
Mahler 1896 für die Aufführung in
Berlin alle Titel und Programme
entfernen, außerdem fiel dieser letzten Korrektur vor der Drucklegung
ein ganzer Satz zum Opfer: Mahler
tilgte das Andante, „Blumine“
geheißen, hob die generelle Zweiteilung auf und näherte das Werk
somit rein formal weiter an die tra-
ditionelle viersätzige Sinfonie an.
Dem Kritiker Max Marschalk teilte
Mahler am 20. März 1896 brieflich
die Beweggründe für sein Schwanken mit: „Seinerzeit bewogen mich
meine Freunde, um das Verständnis
der D-dur zu erleichtern, eine Art
Programm hierzu zu liefern. Ich hatte also nachträglich mir diese Titel
und Erklärungen ausgesonnen. Daß
ich sie diesmal wegließ, hat nicht
nur darin seinen Grund, daß ich sie
dadurch für durchaus nicht erschöpfend – ja nicht einmal zutreffend
charakterisiert glaube, sondern, weil
ich es erlebt habe, auf welch falsche
Wege hiedurch das Publikum geriet.“ „Nochmals betone ich, daß sie,
wie sie ohnehin erst nachträglich aus
der Nötigung durch das Unverständnis konstruiert, so aus Nötigung
durch das Mißverständnis weggelassen wurden ...“, heißt es ergänzend in
dem oben erwähnten Brief an Schiedermair.
…meine IV. wird Dir ganz fremd sein.
– Die ist wieder ganz Humor – „naiv“
etc.; weißt Du, das an meinem Wesen,
was Du noch am wenigsten aufnehmen
kannst – und was jedenfalls in alle
19
| Mahler, Sinfonie Nr. 1
Zukunft nur die Wenigsten erfassen
werden. Aber, Du, meine Alma, Dich
wird die Liebe führen und Dir bis in die
geheimsten Stellen leuchten. Sei mir,
meine Geliebte, in Sehnen und Lieben,
in Hoffen und Glauben gegrüßt.
Tausend tausendmal Dein,
Dein Gustav
Brief an Alma Schindler, Dresden,
18. Dezember 1901
Der Tau auf den Gräsern
„Wie ein Naturlaut“ soll die Einleitung des ersten Satzes klingen.
Lautmalerisch imitiert Mahler Vogelgezwitscher, Kuckucksrufe, beschwört mit einem schier endlosen
Orgelpunkt der Streicher eine merkwürdig fahle Frühlingsmorgenstimmung. Aus der Ferne ertönt eine
Weckfanfare. Das Leben erwacht zur
Vollstimmigkeit, sinkt aber rätselhaft in die Nacht zurück, um – nun
weniger keusch – noch einmal zu
entstehen. Das Gesellenlied „Ging
heut’ morgens über’s Feld“ stellt das
hauptsächliche thematische Material
für den ersten Satz zur Verfügung.
Konstituierendes Intervall ist die fallende Quarte. Allmählich wächst aus
verfremdeter Idylle ein selbständiges
20
Gebilde, in dem Natur nur mehr
schöne Kulisse für das Spiel anderer
Mächte ist.
Das Scherzo verwendet ebenfalls ein
frühes Lied Mahlers, den Ländler
„Hans und Grete“ (1880). Darüber
hinaus steht es in böhmischer und
österreichischer Volkstradition; sehr
derb, sehr ländlich, spart es nicht mit
Anmut im Trio, einer gesangvollen
Reverenz vor Anton Bruckner. Am
Ende des Scherzos ist in die Partitur
eingetragen: „Ganzes Orchester
scharf abreißen“. Danach folgt „eine
ziemliche Pause“. Bruno Walter erfuhr von Mahler, dass hier „ein katastrophenartiges Ereignis“ eingetreten sei. Ob es der Tod war, der zum
wiederholten Male in Mahlers persönlicher Umgebung gewütet hatte?
Vater, Mutter und Schwester waren
1889 kurz nacheinander gestorben.
Auch eine unglückliche Liebe Mahlers zu der Sängerin Johanne Richter
war zerbrochen.
Der Mond als Totenschädel
Der anschließende Trauermarsch
bereitet das Finale vor. Lastend,
ungeschickt steigt das erste Thema
aus der Tiefe, vorgetragen vom Solo-
kontrabass, prozessionsartig abgenommen vom Fagott und der Tuba,
begleitet vom Trauermarschrhythmus der Pauken. Es ist die MollVariante des alten Kanons „Bruder
Jakob, schläfst du noch“ (französisch:
„Frère Jacques“). Vor diesem dumpfgespenstischen Hintergrund stolpern Marionetten einher. Oder sind
es die Tiere, welche (wie auf dem
Fries von Moritz von Schwind)
den Jäger zu Grabe tragen? Ihre
schwermütigen Tanzschritte ahmen
einen linkischen Gassenhauer
nach. Wie verwandelt erscheint die
„Lindenbaum“-Melodie aus dem
vierten der „Lieder eines fahrenden
Gesellen“. Was sucht sie in solch
resignativem Kontext? Sie spendet
Trost hier wie dort – nichts als den
Tod versüßend. Gestopfte Hörner
und Trompeten, mit dem Bogenholz geschlagene Violinen und hohle Schläge von Becken und Tamtam
verbreiten eine gespenstische Atmosphäre, „als ruhte plötzlich der Mond
als Totenschädel auf dem blauen
Samt der Himmelsdecke.“ (Richard
Specht)
Blitzartig bricht das Finale mit
einem schmerzvollen Aufschrei in
das lähmende Brüten. Gleichsam
als Korrektiv des bislang mehr oder
weniger zusammenhanglosen Geschehens der ersten drei Sätze, deckt
es die musikalische und geistige
Herkunft des Vorausgegangenen
auf, durchlebt noch einmal alle
Stürme und Leidenschaften, verhält
sich sinnstiftend für die ganze
Sinfonie. Die Erste schließt anno
1889 noch in großartigem D-Dur.
Aber der Schlussakkord stolpert dem
Siegeschoral nach.
„Ich brachte vorgestern hier meine
Erste … Sonderbar geht es mir mit allen
diesen Werken, wenn ich sie dirigiere.
Es kristallisiert sich eine brennend
schmerzliche Empfindung: Was ist das
für eine Welt, welche solche Klänge und
Gestalten als Widerbild auswirft! So
was wie den Trauermarsch und der
darauf ausbrechende Sturm scheint mir
wie eine brennende Anklage an
den Schöpfer.“
Mahler an Bruno Walter, New York,
18.12.1909
21
Biografie
Dorothea Röschmann
Biografie
Marc Albrecht
Seit 2011 ist Marc Albrecht Chefdirigent
der Nederlandse Opera und des Nederlands Philharmonisch Orkest, beide
Verträge gelten derzeit bis 2018. Zu
Beginn seiner Dirigentenkarriere war
Marc Albrecht an der Staatsoper Hamburg sowie an der Semperoper Dresden
verpflichtet, außerdem als persönlicher
Assistent von Claudio Abbado beim
Gustav-Mahler-Jugendorchester. Ab
1995 war er für sechs Jahre Generalmusikdirektor des Staatstheaters
Darmstadt und von 2006 bis 2011
Chefdirigent und künstlerischer Leiter
des Orchestre Philharmonique de
Strasbourg.
Marc Albrecht hat viele wichtige
Orchester Europas geleitet, darunter
die Berliner Philharmoniker, das Royal
Concertgebouw Orchestra, die Staatskapelle Dresden, die Münchner Philharmoniker, das City of Birmingham
22
Symphony Orchestra, die Accademia
di Santa Cecilia in Rom, die Wiener
Symphoniker, das Chamber Orchestra
of Europe, das Dänische Nationalorchester, das Oslo Philharmonic, das Scottish
Symphony Orchestra und das Orchestre
National de France. In Berlin ist Marc
Albrecht regelmäßig an der Deutschen
Oper zu Gast und leitet nun zum
dritten Mal das RSB.
Zu den Höhepunkten seiner Opernlaufbahn gehören sein Debüt 2013 an
der Mailänder Scala mit Richard Strauss’
„Die Frau ohne Schatten“, Wagners
„Der fliegende Holländer“ bei den Bayreuther Festspielen (2003–2006) und
„Aus einem Totenhaus“ von Janáček in
Paris. An der Deutschen Oper Berlin
leitete er u. a. Messiaens „Saint François
d’Assise“, an der Semperoper Dresden
Bergs „Wozzeck“, Berlioz’ „La Damnation de Faust“, Strauss’ „Die Frau
ohne Schatten“ und „Elektra“, an der
Züricher Oper Wagners „Tannhäuser“,
an der Bayerischen Staatsoper Henzes
„Die Bassariden“, am Royal Opera
House Covent Garden „Der fliegende
Holländer“ und bei den Salzburger Festspielen Bergs „Lulu“. Zu den aktuellen
Aufgaben gehören Prokofjews „Der
Spieler“ und Strauss’ „Arabella“ an der
Netherlandse Opera sowie Zimmermanns „Die Soldaten“ an der Oper Zürich.
Marc Abrecht nahm CDs mit Werken
von Berg, Korngold, Strauss, Schumann, Dvořàk und Mahler auf.
Die aus Flensburg stammende Sopranistin Dorothea Röschmann erreichte
ihren internationalen Durchbruch
1995 bei den Salzburger Festspielen
mit der Partie der Susanna in Mozarts
„Le Nozze di Figaro“ unter Nikolaus
Harnoncourt. Seitdem ist sie als Gräfin,
Ilia, Donna Elvira, Servilia, Nannetta,
Pamina und Vitellia unter Claudio
Abbado, Daniel Harding, Sir Charles
Mackerras und Christoph von Dohnányi nach Salzburg zurückgekehrt.
An der Metropolitan Opera sang sie
Susanna, Pamina, Elvira und Ilia unter
James Levine, am Royal Opera House
Covent Garden Pamina und Fiordiligi
unter Sir Colin Davis sowie die Gräfin
Almaviva unter Antonio Pappano.
Weitere Gastspiele mit den großen Mozartpartien führten sie nach Mailand,
Moskau, Wien, München, Brüssel und
Paris. Dorothea Röschmann pflegt eine
regelmäßige Zusammenarbeit mit der
Staatsoper Unter den Linden in Berlin,
wo sie als Ännchen mit Zubin Mehta,
als Nannetta mit Claudio Abbado, als
Eva, Elsa, Pamina, Fiordiligi, Susanna,
Zerlina, Micäela, Donna Elvira sowie
als Gräfin mit Daniel Barenboim
aufgetreten ist. Engagements der
vergangenen Spielzeiten beinhalteten
Marschallin in Berlin mit Simon Rattle
und Gräfin in Los Angeles mit Gustavo
Dudamel. Künftige Einladungen führen sie an die Bayerische Staatsoper,
das Royal Opera House Covent Garden
und die Wiener Staatsoper.
Auf dem Konzertpodium tritt sie u. a.
mit den Berliner Philharmonikern
unter Sir Simon Rattle und Bernard
Haitink, den Wiener Philharmonikern,
dem Chicago Symphony Orchestra
unter Daniel Barenboim, den Münchner Philharmonikern unter James
Levine, dem Cleveland Orchestra unter
Franz Welser-Möst, den Rotterdamer
Philharmonikern unter Yannick NézétSéguin, dem Symphonieorchester des
Bayerischen Rundfunks unter Daniel
Harding und dem New York Philharmonic auf.
Liederabende führten die Künstlerin
nach Antwerpen, Lissabon, Madrid,
Köln, Brüssel, Oslo, New York, London,
Wien, ins Amsterdamer Concertgebouw sowie zu den Festivals von Edinburgh, München und Schwarzenberg.
Zahlreiche ihrer Paraderollen sind auf
CD dokumentiert.
23
Biografie RundfunkSinfonieorchester Berlin
Seit 2002, dem Beginn der Ära von Marek Janowski als Künstlerischem Leiter
und Chefdirigent, wird dem RundfunkSinfonieorchester Berlin eine herausragende Position zwischen den Berliner
Spitzenorchestern und deutschen
Rundfunkorchestern zuerkannt. Das
unter Marek Janowski erreichte Leistungsniveau macht das RSB attraktiv
für Dirigenten der internationalen
Spitzenklasse. Nach Andris Nelsons,
Yannick Nézet-Séguin, Vasily Petrenko,
Alain Altinoglu und Jakub Hrůša in
den vergangenen Jahren debütieren
in der Saison 2014|2015 u. a. Tomáˇs
Netopil, Ivan Repuˇsić und Dima
Slobodeniouk beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.
Das älteste deutsche rundfunkeigene
Sinfonieorchester geht auf die erste
musikalische Funkstunde im Oktober
1923 zurück. Die Chefdirigenten, u. a.
Sergiu Celibidache, Eugen Jochum,
Hermann Abendroth, Rolf Kleinert,
Heinz Rögner, Rafael Frühbeck
de Burgos, formten einen flexiblen
24
sinfonischen Klangkörper, bei dem
große Komponisten des 20. Jahrhunderts immer wieder selbst ans Pult
traten, darunter Paul Hindemith,
Richard Strauss, Arnold Schönberg.
Die Zusammenarbeit mit Deutschlandradio, dem Hauptgesellschafter
der ROC GmbH Berlin, der das RSB
angehört, trägt reiche Früchte auf
CD. Ab 2010 konzentrierten sich viele
Anstrengungen zusammen mit dem
niederländischen Label Pentatone auf
die mediale Auswertung des Wagnerzyklus. Alle zehn Live-Mitschnitte sind
mittlerweile erschienen und haben
sogleich ein weltweites Echo ausgelöst.
Die Gesamteinspielung aller Sinfonien
von Hans Werner Henze mit WERGO
ist ebenfalls abgeschlossen.
Künstlerischer Leiter
und Chefdirigent
Marek Janowski
1. Violinen
Erez Ofer, Konzertmeister
Rainer Wolters, Konzertmeister
N.N., Konzertmeister
Susanne Herzog, stellv. Konzertmeisterin
Andreas Neufeld, Dimitrii Stambulski,
Vorspieler
Philipp Beckert, Susanne Behrens, Marina
Bondas, Franziska Drechsel, Anne Feltz,
Karin Kynast, Anna Morgunowa, Maria
Pflüger, Prof. Joachim Scholz, Bettina Sitte,
Deniz Tahberer, Steffen Tast, Misa Yamada,
Michiko Feuerlein*, Isabella Bania*,
Juliane Färber*
2. Violinen
Nadine Contini, Stimmführerin
N. N., Stimmführer
Catherine Ribes, stellv. Stimmführerin
David Drop, Vorspieler
Sylvia Petzold, Vorspielerin
Rodrigo Bauza, Maciej Buczkowski,
Neela Hetzel de Fonseka, Brigitte Draganov,
Martin Eßmann, Eren Kustan, Juliane
Manyak, Enrico Palascino, Christiane
Richter, Anne-Kathrin Weiche, Nicola
Bruzzo*, Clara Plößner*, Richard Polle*
Bratschen
Prof. Wilfried Strehle, Solobratschist
N. N., Solobratschist
Gernot Adrion, stellv. Solobratschist
Prof. Ditte Leser, Vorspielerin
Christiane Silber, Vorspielerin
Claudia Beyer, Alexey Doubovikov, Jana
Drop, Ulrich Kiefer, Emilia Markowski,
Carolina Alejandra Montes, Ulrich Quandt,
Wolf Attula*, Öykü Canpolat*, Julia Lindner*
Violoncelli
Prof. Hans-Jakob Eschenburg, Solocellist
Konstanze von Gutzeit, Solocellistin
Ringela Riemke, stellv. Solocellistin
Jörg Breuninger, Vorspieler
Volkmar Weiche, Vorspieler
Peter Albrecht, Christian Bard, Georg Boge,
Andreas Kipp, Andreas Weigle, Jee Hee
Kim*, Raúl Mirás López*, Guido Scharmer*,
Kontrabässe
Hermann F. Stützer, Solokontrabassist
N.N., Solokontrabassist
Stefanie Rau, stellv. Solokontrabassistin
Eduardo Rodriguez, Vorspieler
Iris Ahrens, Axel Buschmann,
Georg Schwärsky, N. N.,
Philipp Dose*, Callum Hay
Jennings*
Flöten
Prof. Ulf-Dieter Schaaff, Soloflötist
Silke Uhlig, Soloflötistin
Franziska Dallmann, Rudolf Döbler
Markus Schreiter, Piccoloflöte
Oboen
Gabriele Bastian, Solooboistin
Prof. Clara Dent, Solooboistin
Florian Grube, Gudrun Vogler
Thomas Herzog, Englischhorn
Klarinetten
Michael Kern, Soloklarinettist
Oliver Link, Soloklarinettist
Peter Pfeifer, Es-Klarinette
N. N.
Christoph Korn, Bassklarinette
Fagotte
Pieter Nuytten, Solofagottist
Sung Kwon You, Solofagottist
Leni Mäckle, Alexander Voigt
Clemens Königstedt, Kontrafagott
Hörner
Dániel Ember, Solohornist
Martin Kühner, Solohornist
Felix Hetzel de Fonseka, Uwe Holjewilken,
Ingo Klinkhammer, Anne Mentzen,
Frank Stephan
Trompeten
Florian Dörpholz, Solotrompeter
Lars Ranch, Solotrompeter
Simone Gruppe, Jörg Niemand, N.N.
Posaunen
Hannes Hölzl, Soloposaunist
Prof. Edgar Manyak, Soloposaunist
Hartmut Grupe, József Vörös
Jörg Lehmann, Bassposaune
Tuba
Georg Schwark
Pauken/Schlagzeug
Jakob Eschenburg, Solopaukist
Arndt Wahlich, Solopaukist
Tobias Schweda, stellv. Solopaukist
Frank Tackmann
Harfe
Renate Erxleben
* Orchesterakademie
25
Nachrichten RundfunkSinfonieorchester Berlin
Gastspiele in Deutschland
und Italien
Mit drei Gastspielen auf deutschen
Musikfestivals (Rheingau/Wiesbaden, Mecklenburg-Vorpommern/
Greifswald, Musiksommer/Chorin)
eröffneten Marek Janowski und das
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
ihre Saison 2014|2015. Am 12. September war das RSB im italienischen
Rimini im Rahmen des Festivals
Sagra Musicale Malatestiana zu
erleben.
Die Wagner-Edition –
Sammelbox mit den zehn Teilen
des RSB-Wagnerzyklus
Seit dem 15. September 2014
können die zehn Teile des konzertanten RSB-Wagnerzyklus in einer
Sammel-Edition inklusive einer
Bonus-DVD (Interview mit Marek
Janowski und Auszüge aus dem
„Götterdämmerungs”-Konzert) im
deutschen CD-Handel erworben
werden. Die limitierte WagnerEdition mit 32 Einzel-CDs kann
im Onlineshop von PENTATONE
bestellt werden.
26
„Du bist die Welt für mich“ –
Operettenarien mit Jonas Kaufmann
Am 19. September 2014 erschien
die heiß erwartete Operetten-CD
von Jonas Kaufmann, die er im Winter 2014 mit dem RSB im großen
Saal des früheren DDR-Rundfunks
in der Berliner Nalepastraße aufgenommen hat. Das Rondo-Magazin
lobte noch vor dem offiziellen Start
der CD: „Der Schlüssel zum Operetten-Paradies liegt in diesem Fall in
den Arrangements und im Spiel des
Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin
unter Jochen Rieder. Hier wird endlich einmal nicht in die Breite gezogen, nicht monumentalisiert oder
mit Schmand, Speck und Scheinheiligkeit nachgeschmiert. Sondern
schlank und glimmend das elektrische Zeitalter beschworen.“
Kurse mit Steffen Georgi
Das Berlin Career College der Universität der Künste veranstaltet im
achten Jahr die Kursreihe „Musik
für Laien und Liebhaber”. Den Kurs
„Beim Jupiter!” leitet zum ersten Mal
der RSB-Dramaturg Steffen Georgi.
Er lädt die Kursteilnehmer ein, auf
Mozarts Spuren mit Hilfe eines einzigen musikalischen Motives aus der
„Jupiter”-Sinfonie binnen vier Monaten Europas Kulturen zu bereisen,
von der Gregorianik bis hin zur Musik der irischen Sängerin Enya.
Die Kurse finden vom 23. Oktober
2014 bis 12. Februar 2015 (nicht in
den Schulferien) jeweils donnerstags
von 17.00 bis 18.30 Uhr in der UdK
statt. Sie sind kostenpflichtig. Interessierte Musikliebhaber finden den
Flyer zur weiteren Information und
zur Anmeldung heute Abend am
Infostand des RSB im Foyer.
Offizieller Anmeldeschluss war
der 8. Oktober 2014. Nachzügler
bitte beeilen!
27
Nachrichten
Das war das Dvořák-Experiment!
Das RSB beteiligte sich am deutschlandweiten Aktionstag
Die vier Ensembles der RundfunkOrchester und -Chöre GmbH Berlin,
der auch das RSB angehört, haben
sich gemeinsam mit dem kulturradio
vom rbb und Deutschlandradio mit
einem breit angelegten Aktionstag
am deutschlandweiten „DvořákExperiment” der ARD-Rundfunkanstalten beteiligt. 500 Schülerinnen
und Schüler aus Berlin und Brandenburg waren eingeladen, am 19. September im rbb-Fernsehzentrum Antonín Dvořáks 9. Sinfonie „Aus der
Neuen Welt“ im Video-Livestream
mitzuverfolgen – zeitgleich mit Tausenden Schülern in ganz Deutschland. Ab 11.15 Uhr wurde das Konzert
des NDR Sinfonieorchesters unter
der Leitung seines Chefdirigenten
Thomas Hengelbrock live aus Hamburg übertragen. In einer Live-Schalte
ins rbb-Fernsehzentrum wurde nach
dem ersten Satz das größte Berliner
Panflötenorchester vorgestellt: 400
Schülerinnen und Schüler hatten
sich Panflöten gebaut und spielten
mit einem Bläserquintett des RSB
das Hauptthema aus Dvořáks 2. Satz
– ein tolles Gemeinschaftserlebnis!
28
Unsere Programme
jetzt auch im
neuen Digitalradio
Nachzuhören und zu nachzusehen
gibt es das Dvořák-Experiment u. a.
hier:
› kulturradio.de
› schulkonzert.ard.de
Rund um die Übertragung boten
das Deutsche Symphonie-Orchester
Berlin, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, der Rundfunkchor
Berlin und der RIAS Kammerchor
mit einem „Dvořák Open House“
vielfältige Aktionen und Workshops
zu Dvořáks 9. Sinfonie an, die das
breite Education-Angebot der Ensembles spiegelten.
Es ist angedacht, das Projekt „Ein
ARD Konzert macht Schule“ künftig
jährlich und in wechselnder Verantwortung von den Landesrundfunkanstalten der ARD anzubieten.
Weitere Informationen:
digitalradio.de
deutschlandradio.de
Hörerservice 0221.345-1831
29
Vorschau
Impressum
Di | 21. Okt. 14 | 20.00
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Philharmonie Berlin
Abokonzert D/1
Künstlerischer Leiter und Chefdirigent:
Marek Janowski
Orchesterdirektor: Tilman Kuttenkeuler
KAREL MARK CHICHON
Alice Sara Ott | Klavier
Ein Ensemble der Rundfunk-Orchester
und -Chöre GmbH Berlin
Antonín Dvořák
„Armida“ –
Ouvertüre zur Oper op. 115
Edvard Grieg
Konzert für Klavier und Orchester
a-Moll op. 16
Antonín Dvořák
Sinfonie Nr. 5 F-Dur op. 76
Konzert mit
So | 2. Nov. 14 | 20.00
Konzerthaus Berlin
Abokonzert B/1
IVAN REPUŠIĆ
Ole Edvard Antonsen | Trompete
Modest Petrowitsch Mussorgski
„Eine Nacht auf dem
Kahlen Berge“
Rolf Martinsson
„Bridge“ – Konzert für Trompete
und Orchester Nr. 1 op. 47
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky
Sinfonie Nr. 1 g-Moll op. 13
(„Winterträume“)
Konzert mit
30
Geschäftsführer: Thomas Kipp
Kuratoriumsvorsitzender: Rudi Sölch
Gesellschafter:
Deutschlandradio, Bundesrepublik
Deutschland, Land Berlin, Rundfunk
Berlin-Brandenburg
Text und Redaktion
Steffen Georgi
Gestaltung und Realisierung
schöne kommunikation
A. Spengler & D. Schenk GbR
Druck
H. Heenemann GmbH & Co, Berlin
Buch- und Offsetdruckerei
Redaktionsschluss: 2. Oktober 2014
Ton- und Filmaufnahmen sind nicht
gestattet. Änderungen vorbehalten!
© Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin,
Steffen Georgi
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