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Forensische Toxikologie - Institut für Rechtsmedizin

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Was ist Toxikologie ?
Toxikologie:
Lehre von Giften und Vergiftungen (Erforschung der Wirkungsweise von
Giften zur Diagnostik und Therapie).
Institut fü
für
Rechtsmedizin
Forensische Toxikologie und
Drogenkunde
Forensische Toxikologie:
Vergiftungslehre in Beziehung zur Rechtsprechung (Straf-, Zivil-,
Dr. Cornelius Heß
Funktionsbereich forensische
Toxikologie
Institut für Rechtsmedizin
Verwaltungs- o. Versicherungsrecht).
Fachgebiet zwischen Chemie und Medizin, unterstützt mithilfe toxikologischer
und chemischer Verfahren die Untersuchung von unnatürlichen Todesfällen,
Vergiftungen und Drogen- sowie Medikamentenmissbrauch.
28.10.2014
Seite 2
Rechtliche Grundlagen - Handel
Was sind Gifte ?
Gifte sind Stoffe, die unter bestimmten Bedingungen
§ 29 BtMG
durch chemische o. chemisch-physikalische Wirkung
Mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe mit bestraft, wer
1.
gesundheitsschädlich sind.
neben klassischen Giften auch „Krankheitsgifte“ wie Pocken,
Syphilis sowie Ansteckungsstoffe (HIV-Viren)
Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie ohne
Handel zu treiben einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt,
erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft…
(5) Das Gericht kann von einer Bestrafung absehen, wenn der Täter die
Betäubungsmittel lediglich zum Eigenverbrauch in geringer Menge anbaut, herstellt,
einführt, durchführt, erwirbt, sich in sonstiger Weise beschafft oder besitzt.
Mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr wird bestraft,
zerbrochenes Glas, heißes Wasser, Radioaktivität etc. sind
2. Mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unerlaubt Handel treibt, sie in nicht
geringer Menge herstelllt oder abgibt oder sie besitzt, ohne sie aufgrund einer
Erlaubnis nach § 3 Abs. 1 erlangt zu haben.
andere gesundheitsschädliche Stoffe (wirken mechanisch
bzw. thermisch)
28.10.2014
Grenzwerte für die nicht
geringe Menge in der
Rechtssprechung
Seite 3
Btm
Grenzwert der nicht geringen
Menge
Amphetamin-Base
10 g*
Cannabis
7,5 g (THC)*
Ecstasy
(MDE, MDMA, MDA)
30 g MDE-Base
35 g MDE-Hydrochlorid*
diese Grenzwerte sollen
einheitlich für alle Derivate
gelten
28.10.2014
Seite 4
Beispiel Berechnung
127 g Haschisch + 25 g Speed gefunden
Methamphetamin
5 g Methamphetamin;
6,2 g Methamphetamin-HCl
Heroin
1,5 g Heroin-HCl*
Cocain
5 g Cocain-HCl*
LSD
6 mg*
oder 300 LSD-Trips
Levomethadon,
Methadon
3 g Methadon-HCl (bei
Racemat Verdoppelung)
Methaqualon
190-500 (1000) g
Menge (7,5 g) + 32% der nicht-geringen Menge an Amphetamin (10 g) =
Methylaminorex (ICE)
10 g Methylaminorex-Base
116,7% (Untergrenze erreicht)
Morphin
4,5 g Morphin-HCl*
Rohopium
5-6 g Morphin-HCl
Codein
15 g Codeinphosphat
DOB
300 mg (Base)
DOM
600 mg (Base)
Fenetyllin
40 g (Base)
Analyse: 8,6 % THC + 12,8 % Amphetamin,
d.h. 10,92 g THC + 3,2 g Amphetamin
Klaus Weber (2005): Betäubungsmittelgesetz. Urteil vom 3.12.2008
des 2. Strafsenats des BGH
28.10.2014
(nicht-geringe Menge schon bei THC überschritten)
Seite 5
bei THC-Gehalt von 5%, d.h. 6,35 g: 6,35 g = 84,7% der nicht-geringen
28.10.2014
Seite 6
1
Toxikologie in der
Rechtsmedizin: Woher ?
Toxikologie in der
Rechtsmedizin: Was ?
Klinische Toxikologie:
Die Auftraggeber toxikologischer Untersuchungen
¾
sind:
Ermittlungsbehörden (Gerichte, Staatsanwaltschaften, Polizei)
Straßenverkehrsämter
¾
Effizienzkontrolle klinischer Entgiftungsverfahren
Kliniken und Ärzte
¾
Therapiekontrolle bei Langzeitmedikation
private Aufträge
¾
Differentialdiagnostische Beratungen bei Vergiftungsfällen
¾
Hirntoddiagnostik
28.10.2014
Seite 7
Toxikologie in der
Rechtsmedizin: Was ?
¾
bei der Teilnahme am Straßenverkehr in fahrunsicherem Zustand
¾
bei der Ausführung von anderen Straftaten im Zustand möglicherweise
¾ Ziel: waren Fremdstoffe direkt oder indirekt ursächlich für den Tod
oder für die Einschränkung des Bewusstseins
¾ kaum charakteristische Leichenschaubefunde für Intoxikation
Beibringung von Giften ggf. mit Anschlussstraftat (k.o.-Mittel)
zur Eignungsüberprüfung (Straßenverkehrsamt, Zivildienststelle)
¾
am Arbeitsplatz (Workplace-Drug-Testing)
¾
Selbstbeschädigung
¾
gewerbliche und ökonomische Vergiftungen
28.10.2014
¾ wichtig für Verdachtsdiagnose einer Vergiftung sind auch
Berücksichtigung anamnestischer Daten sowie der Umstände des
Todeseintrittes
Seite 9
Tödliche Intoxikation in
Betracht zu ziehen bei
28.10.2014
Seite 10
Leichenschaubefunde bei
Vergifteten
¾Kindern ohne Vorerkrankung o. jungen, gesunden Personen
¾Gleichzeitiger Erkrankung mehrerer Personen o. gleichzeitigem
Todesfall eines Haustieres
¾psychiatrischer Vorerkrankung
¾Drogenabhängigkeit
¾Personen, an deren Ableben Interesse bestehen könnte (Erblasser,
Mitwisser, Nebenbuhler, zur Last fallende Angehörige, Feinde etc.)
¾Personen mit Zugang zu Giften (Chemiker, Biologen, Ärzte, Apotheker,
Fotografen, Goldschmiede etc.)
28.10.2014
Seite 8
Forensische Toxikologie bei Toten:
intoxikationsbedingt eingeschränkten Steuerungsfähigkeit
¾
28.10.2014
Toxikologie in der
Rechtsmedizin: Was ?
Forensische Toxikologie bei Lebenden:
¾
Chemisch-toxikologische Analysen bei Notfällen mit
Intoxikationsverdacht bzw. Verdacht des Einflusses
schädlicher Umweltstoffe (Diagnosesicherung)
Seite 11
¾Auffindesituation
¾Antragungen am Mund (blau =
E605; gelb-orange =
Metasystox; weissliche
Klumpen = Tablettenschlamm)
¾Injektionsstellen (i.v.:
Betäubungsmittel; s.c.: Insulin)
¾Geruch (aromatisch bei
Alkohol; Bittermandel bei
Cyanid; lauchartig bei
Insektiziden)
¾Verätzungen
¾Dunkler Saum am Zahnfleisch
(Blei, Quecksilber)
¾Schaumpilz (Opiate)
¾Exsikkose (Arsen,
Knollenblätterpilz)
28.10.2014
¾Totenflecke (hellrot bei CO;
graurot bei Cyanid; bräunlich
bei Seifen)
¾Haarausfall (Thallium,
Quecksilber)
¾Mees‘sche Nagelbänder
(Arsen, Thallium)
¾prallvolle Harnblase
(Anzeichen für mehrstündige
Agonie)
¾hämorrhagisches Lungenödem
(Hinweis auf zentrales
Atemversagen Æ Opiate)
¾Hirnödem (bei protrahiertem
Todeseintritt Symptome des
Hirndruckes mit
Einklemmungszeichen)
Seite 12
2
Sektionsbefunde
Leichenöffnung
Mees`sche
Nagelbänder
§ 91 StPO:
» (1) Liegt der Verdacht einer Vergiftung vor, so ist die Untersuchung der
in der Leiche oder sonst gefundenen verdächtigen Stoffe durch einen
Chemiker oder durch eine für solche Untersuchungen bestehende
Fachbehörde vorzunehmen.
» (2) Es kann angeordnet werden, dass diese Untersuchung unter
Mitwirkung oder Leitung eines Arztes stattzufinden hat.
RiStBV Abschnitt I Nr. 35: Entnahme von Leichenteilen
Kirschrote Färbung
bei CO-Intoxikation
Zerebraler
Infarkt nach
Cocain
Intrazerebrale
Blutung
nach Cocain
Drogenbedingte
Virushepatitis
28.10.2014
Seite 13
Nachweisdauer: Matrizes im
Lebenden
Der Staatsanwalt hat darauf hinzuwirken, dass bei der
Leichenöffnung Blut- und Harnproben, Mageninhalt oder
Leichenteile entnommen werden, falls es möglich ist, dass der
Sachverhalt durch eingehende Untersuchung weiter aufgeklärt
werden kann. Manchmal, z.B. bei mutmaßlichem Vergiftungstod,
wird es sich empfehlen, einen besonderen Sachverständigen
zuzuziehen, der diese Bestandteile bezeichnet.
28.10.2014
Seite 14
Toxikologie in der Rechtsmedizin:
Proben
1. Urinproben:
- Information über das Spektrum aufgenommener Substanzen
über längere Zeiträume als bei Blutproben
- erlauben keine Aussage über akute Beeinträchtigung
- enthalten in der Regel Metabolite der Wirksubstanzen, weniger
Wirkstoffe selbst
- Interpretation bezüglich Konsumverhalten möglich
Asservate: Screeninguntersuchungen
28.10.2014
Seite 15
Toxikologie in der Rechtsmedizin:
Proben
28.10.2014
Seite 16
Toxikologie in der Rechtsmedizin:
Proben
3. Haarproben:
2. Blutproben:
- Information über das Spektrum aufgenommener Substanzen
über längere Zeiträume (Wachstum etwa 1 cm pro Monat)
- Information über aktuelle Wirkstoffkonzentration
- über Rückrechnung (Pharmakokinetik) Rückschlüsse auf
zurückliegende Wirkstoffkonzentration
- enthalten häufig Wirkstoffe, weniger Metabolite
- Interpretation bezüglich Konsumverhalten möglich
4. weitere Proben:
- Interpretation bezüglich Langzeitkonsumverhalten möglich
Asservate
- Mageninhalt: Verdacht auf orale Aufnahme
- Leber: Körperbestand, Verteilung, postmortale Effekte
Herzblut:
Screeninguntersuchung:
(quantitativer Wert durch
Redistribution möglicherweise
beeinflusst)
28.10.2014
Femoralblut:
Quantitative Bestimmung:
(spiegeln am ehesten Verhältnisse zum Zeitpunkt des
Todes wieder)
Seite 17
- Niere: Körperbestand, Verteilung, Screening, wenn kein Urin
- Gehirn / Finger- und Zehennägel / Fettgewebe / Lunge /
Injektionsbereiche / Knochen/Glaskörperflüssigkeit
28.10.2014
Seite 18
3
Untersuchungsmethoden
Begutachtung (Leichentoxikologie)
¾
z.T. drastische Konzentrationsänderungen im Zeitintervall zwischen Todeseintritt und
Leichenöffnung: Redistribution = Rückverteilung lipophiler Substanzen ins Blut durch
pH-Wert-Änderungen, Autolyse, Hämokonzentrationen, Hämolyse
Systematische Toxikologische
Analyse (STA)
Cave: Für Vielzahl von Stoffen besteht Abhängigkeit der postmortal ermittelten
Konzentration vom Entnahmeort („site-dependence“), was bei Interpretation zu
berücksichtigen ist.
¾
des weiteren mikrobielle Besiedelung und biochemische Prozesse in der Supravitalphase
bis zur Erschöpfung des Substratdepots
¾
Vergleich ermittelter Konzentrationen mit Datensammlungen; Berücksichtigung
pharmakokinetischer/-dynamischer Daten (t1/2, Vd, Proteinbindung, pka-Wert)
Der Nachweis einer Intoxikation als Todesursache erfolgt in der Regel über den
quantitativen Nachweis einer Substanzbeeinträchtigung im entsprechenden
Konzentrationsbereich und den Ausschluss konkurrierender Todesursachen unter
Berücksichtigung der Umstände des Todeseintrittes.
28.10.2014
Seite 19
Gruppenvorteste
Spezialanalysen
• Immunassays
• Farbreaktionen
• Cyanid
• CO-Hb
Alkohol,
Lösungsmittel
Metalle
• Headspace-GC • AAS
• Voltammetrie
• HeadspaceSPME-GC/MS • ICP-UVEmmision
• ICP-MS
Organische
Gifte
•
•
•
•
GC/MS
LC/MS
SPME-GC/MS
HPLC-DAD
28.10.2014
Seite 20
Vorgehensweise
Immunchemische Nachweisreaktionen
1. Vorteste:
Antikörper-Antigenreaktion zwischen dem Wirkstoffmolekül
(Antigen) und einem spezifischen Antikörper, Konkurrenz
zwischen markiertem und nicht markiertem Antikörper
anschließende Farbreaktion und photometrische Bestimmung,
bzw. Auszählung radioaktiv markierter Antikörper
automatisierte immunchemische oder
flüssigchromatographische Verfahren mit Substanzbibliotheken (Screening-Untersuchungen)
2. Bestätigungsanalysen:
Trennung von gebundenem und freiem Antigen:
heterogener Assay, ansonsten homogener Assay
weitergehende Identifikation und Quantifizierung der
Vortestergebnisse (GC/MS, HPLC)
semiquantitative Aussagen möglich
3. Screeninguntersuchungen:
nicht gerichtsverwertbar: Vortest!
bei unklaren Zusammensetzungen (GC/MS, HPLC)
28.10.2014
Seite 21
Drogen – Rechtliche
Konsequenzen
28.10.2014
Seite 22
Drogen: § 24 a StVG
§ 24a StVG Absatz 2
im Gegensatz zu Alkohol existieren für Drogen im
Straßenverkehr keine Grenzwerte
Ordnungswidrig handelt, wer unter der Wirkung eines in der
Nachweis von Drogen im Blut und keine Auffälligkeiten
Anlage zu dieser in der Vorschrift genannten berauschenden
Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG Absatz 2
Mittels im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt. Eine solche
Forderungen der gesetzlichen Unfallversicherung, der
Wirkung liegt vor, wenn eine in dieser Anlage genannte
Haftpflichtversicherung oder der Kaskoversicherung
Substanz im Blut nachgewiesen wird. Satz 1 gilt nicht, wenn
die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines
Nachweis von Drogen im Blut und Auffälligkeiten
für
relative Fahruntüchtigkeit nach den §§ 315c und 316 StGB
28.10.2014
Seite 23
einen
konkreten
Krankheitsfall
verschriebenen
Arzneimittels herrührt.
28.10.2014
Seite 24
4
Drogen: „Positivliste“
berauschendes Mittel
im Blut nachzuweisende Substanz
Cannabis
Tetrahydrocannabinol (THC)
(Wirksubstanz, kein Metabolit)
Heroin
Morphin
Morphin
Morphin
Cocain
Cocain / Metabolit Benzoylecgonin
Amphetamin /Methamph.
Amphetamin/Methamphetamin
Designer-Amphetamin
Methylendioxymethamphetamin (MDMA)
Designer-Amphetamin
Methylendioxyethylamphetamin (MDE)
28.10.2014
Seite 25
Straftatbestand
Seite 26
Rechtliche Grundlagen
§ 20 StGB „Schuldunfähigkeit“
§ 316 StGB Trunkenheit im Verkehr
(1) Wer im Verkehr... ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses
alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist,
das Fahrzeug sicher zu führen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr
oder mit Geldstrafe bestraft....
§ 315c StGB Gefährdung des Straßenverkehrs
(1) Wer im Straßenverkehr
1. ein Fahrzeug führt, obwohl er
(a) infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender
Mittel oder
(b) infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug
sicher zu führen;... und dadurch Leib oder Leben eines anderen oder fremde
Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft....
28.10.2014
28.10.2014
Seite 27
Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften
seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewußtseinsstörung oder wegen
Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist,
das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.
§ 21 StGB „Verminderte Schuldfähigkeit“
Ist die Fähigkeit des Täters, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser
Einsicht zu handeln, aus einem der in § 20 bezeichneten Gründe bei Begehung der
Tat erheblich vermindert, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.
§ 323 StGB „Vollrausch“
Wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch alkoholische Getränke oder andere
berauschende Mittel in einen Rausch versetzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5
Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn er in diesem Zustand eine rechtwidrige
Tat begeht und ihretwegen nicht bestraft werden kann, weil er infolge des
Rausches schuldunfähig war oder weil dies nicht auszuschließen ist ...
28.10.2014
Seite 28
Cannabis (Haschisch,
Marihuana)
» Tetrahydrocannabinol (THC) als Inhaltsstoff von Cannnabis sativa
» bräunliches, süßlich riechendes Harz der Blütenstände, meist zu Platten gepresst
(Haschisch) bzw. tabakartig aufbereitete Blätter der weiblichen Spitzentriebe
(Marihuana)
» THC entsteht in geringeren Mengen beim Trocknen, besonders aber erst bei
Erhitzen aus Precursor Tetrahydrocannabinolsäure (THCA)
» Rauschwirkung ab ca. 10 mg (10 % „THC“-Gehalt Æ entspricht ca. 100-200 mg im
“Joint”)
» Rauscheintritt nach Rauchen innerhalb weniger min; max.
Peakplasmakonzentration nach 15-20 min; max. Rausch nach 20-30 min;
Rauschdauer 3-4 h
» Nachweisbarkeit von THC im Blut ca. 4 h; nicht aktiver Metabolit THC-COOH 12-24
h; im Urin nach einmaliger Aufnahme Tage, bei starkem Konsum sogar bis zu 2-3
Monaten
28.10.2014
Seite 29
28.10.2014
Seite 30
5
Cannabinoide - Strukturen
CH3
Orale / Passive Einnahme
COOH
CH2OH
OH
CH3
CH3
CH3
CH3
O
C5H11
THC
Tetrahydrocannabinol
Hauptwirkstoff
des Cannabis
»Nach oraler Einnahme Wirkeintritt erst nach 2-3 Stunden
OH
OH
CH3
O
C5H11
CH3
O
C5H11
»Nur 5-20 % des aufgenommenen THC wird resorbiert
»Wirkung ca. 3 mal schwächer als bei inhalativer Aufnahme
11-OH-THC
THC-COOH
aktiver Metabolit
inaktiver Metabolit
(Ausscheidung
vornehmlich als
Glucuronid)
»Passivkonsum lässt sich mit relevanten THCKonzentrationen im Plasma > 1 ng/ml nicht erklären. Es
treten lediglich messbare THC-COOH-Konzentrationen auf
THC-Carbonsäure charakt. Substanz bei Eignungsuntersuchungen
28.10.2014
Seite 31
28.10.2014
Seite 32
Cannabis - Rauschphasen
»Akute Phase (1-2 h): zentral dämpfende Wirkungsweise
mit Störungen der Motorik/Aussprache
(Gangunsicherheiten, Sprache); gerötete glasige Augen;
weite, lichtstarre Pupillen; Verlangsamung;
Begriffsstutzigkeit
»Subakute Phase (4-6 h): Trägheit vorbei, jetzt eher
ausgelassen, unbekümmert und euphorisch;
herabgesetzte Kritikfähigkeit; Selbstüberschätzung
Hysterese: Plasmakonzentrations-Wirkungsbeziehung
bei Selbsteinschätzung des „High“-Gefühls von 6
Konsumenten nach Rauchen einer Marihuanazigarette
mit einem THC-Gehalt von 2,5%.
»Postakute Phase (ca. 12-24 h): verminderter Antrieb;
Passivität; nicht völlig „klar im Kopf“
28.10.2014
Seite 33
CIF
28.10.2014
Seite 34
CIF
Cannabis-Influence-Factor (CIF)
(THC + 11-OH-THC)
THC-COOH x 0.01
Häufigkeit des Schlangenlinienfahrens in Abhängigkeit von der
ermittelten THC- Konzentration (links) und vom CIF (rechts)
28.10.2014
Seite 35
28.10.2014
Seite 36
6
Cannabis - Pharmakokinetik
Nach inhalativer Aufnahme höchste Plasmakonz. nach 3-10 min,
nach oraler Aufnahme gewöhnlich nach 1-2 h (Bioverfügbarkeit
durch First-Pass-Effekt dtl. reduziert)
Hohes Verteilungsvolumen im steady-state von ca. 10 L/kg
Nach Marihuana-Zigaretten (16 bzw. 34 mg THC) max. THC-Konz.
im Mittel von 84,3 bzw. 162,2 ng/ml mit Abfall auf 1-4 ng/ml
innerhalb von 3-4 h
Pseudo-Gleichgewichtseinstellung zwischen Plasma und Geweben
nach ca. 6 h mit Plasmakonz. unterhalb von 2 ng/ml
t½β für THC bei 25-36 h, für THC-COOH bei 25-55 h; THC-COOH in
weiteren Studien mit t½β von 6 d
28.10.2014
Seite 37
THC-Carbonsäure im Blut
160
THC 3.55%
140
Plasmakonzentrationen [µg/l]
Cannabis - Pharmakokinetik
THC 1.75%
THC rauchen
0 - 4 Std.
120
THC-COOH 3.55%
THC-COOH 1.75%
100
11-Hydroxy-THC 3.55%
11-Hydroxy-THC 1.75%
80
60
40
20
0
0
1
2
Zeit [Std.]
3
28.10.2014
4
Seite 38
Cannabinoide im Haar
CH3
Befund
Beurteilung
Maßnahme
THC-COOH < 5 ng/ml
THC = 0
Einmaliger o. Verdacht auf geleg.
Konsum
keine
THC-COOH < 5 ng/ml
THC > 0
Zumindest geleg. Konsum
MPU, da Kontrollverlust
THC-COOH 5-74,9 ng/ml
THC = 0
Geleg. Konsum mit Verdacht auf
regelm. Konsum
Pers. Gespräch mit
Nachuntersuchung
THC-COOH 5-74,9 ng/ml
THC > 0
Geleg. Konsum mit Verdacht auf
regelm. Konsum
MPU, da Kontrollverlust
THC-COOH > 75 ng/ml
Regelm. Konsum
Versagung bzw. Entziehung
der FE
OH
O
Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC)
CH3
OH
O
Cannabinol (CBN)
OH
CH2
HO
CH3
Cannabidiol (CBD)
Problematik:
Niedrige Konzentrationen schon im Blut
THC auch im Rauch
THC-COOH mit geringer Inkorporationsrate, kann aber
28.10.2014
Seite 39
aktiven von passivem Konsum unterscheiden
28.10.2014
Seite 40
Synthetische Cannabinoide - Spice
Cannabinoide - Haar
Kauert &
Wöchentlicher bis Täglicher bzw.
Röhrich (1996) täglicher Konsum starker Konsum
THC [ng/mg] 0,1-1
>1
Nachweis
weiterer
Cannabinoide
(CNB,
CBD)
als
Plausibilitätskontrolle, beweist aber auch nicht zwingend eine
Körperpassage
Bei gegenteiliger Einlassung eines Betroffenen sollte bei einem
positiven THC-Befund zusätzlich THC-COOH bestimmt werden
Bestimmungsgrenzen:
THC bis zu 0,1, besser 0,01 ng/mg
THC-COOH bis zu 0,005 pg/mg)
28.10.2014
Seite 41
28.10.2014
Seite 42
7
Cannabinoide - Wirkmechanismus
Endocannbinoid-System
Psychopharmacology. Figure 3.14.
28.10.2014
Seite 43
28.10.2014
Seite 44
Aus: Auwärter et al.: CME-Beitrag 2011 Zeitschrift Rechtsmedizin
Substanz
CB1-Rezeptoraffinität Ki [nM]
CB2-Rezeptoraffinität Ki [nM]
40,70
36,40
n.b.
n.b.
AM-679
13,50
49,50
AM-694
0,08
1,44
AM-1220
3,88
73,40
AM-2232
0,28
1,48
AM-2233
2,80
n.b.
APICA
9,00
2,94
CP-47,497
4,70
n.b.
CP-55,940
0,58
0,69
THC
5F-AKB48
EAM-2201
n.b.
n.b.
HU-331
n.b.
n.b.
JWH-007
9,50
2,90
JWH-011
48,00
4,02
JWH-015
383,00
13,80
JWH-016
22,00
JWH-018
9,00
2,94
JWH-081
1,20
12,40
n.b.
n.b.
n.b.
n.b.
RCS-4
n.b.
n.b.
RCS-8
n.b.
n.b.
MAM-2201
MAM-2201
(4-fluorpentyl)-isomer
N-
STS-135
28.10.2014
UR-144
Spice - Strukturen
4,29
n.b.
n.b.
150,00
1,80
Aus: Auwärter et al.: CME-Beitrag 2011 Zeitschrift Rechtsmedizin
Seite 45
Spice - Problem
28.10.2014
Seite 46
Spice - Intoxikationen
Aus: Auwärter et al.: CME-Beitrag 2011 Zeitschrift Rechtsmedizin
28.10.2014
Seite 47
28.10.2014
Seite 48
8
Betäubungsmittelgesetz
Betäubungsmittelgesetz
§1 BtMG
§ 1 BtMG
(1) Betäubungsmittel im Sinne dieses Gesetzes sind die in Anlagen I bis III
aufgeführten Stoffe und Zubereitungen
„Enumerationsprinzip“
Die Bundesregierung wird ermächtigt, nach Anhörung von Sachverständigen
durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die Anlagen I und III
zu ändern oder zu ergänzen, wenn dies
Anlage I
Nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel; z.B. MDMA
1. Nach wissenschaftlicher Erkenntnis vor allem auf das
Hervorrufen von Abhängigkeit […]
Anlage II
Verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel
z.B. Benzylpiperazin, Metamphetamin, JWH-018, Oxymorphon
2. Zur Sicherheit oder zur Kontrolle des Verkehrs mit Betäubungsmitteln […]
Wegen des Ausmaßes der missbräuchlichen Anwendung und wegen der
Unmittelbaren oder mittelbaren Gefährdung der Gesundheit
erforderlich ist […].
Anlage III
Verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel
z.B. Cathinon, LSD, MDMA
28.10.2014
Æ SEHR ZEITAUFWENDIG
Seite 49
28.10.2014
Seite 50
28.10.2014
Seite 52
Betäubungsmittelgesetz
§1 BtMG - Eilverordnung
(3) Die Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, in dringenden
Fällen zur Sicherheit oder Kontrolle des Betäubungsmittelverkehrs durch
Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates Stoffe und Zubereitungen
[…] in die Anlage I bis III aufzunehmen […]. Eine auf der Grundlage dieser
Vorschrift erlassene Verordnung tritt nach Ablauf eines Jahres außer Kraft.
Æ MÖGLICHKEIT DER SCHNELLEN REAKTION, ABER BEFRISTET
28.10.2014
Seite 51
Gutachten zur Regelung einer
Stoffgruppenregelung (Rössner/Voit)
Arzneimittelbegriff
Vorteile:
„Präventive Unterstellung von Strukturvarianten
Hase-Igel-Spiel würde umgekehrt
Probleme:
1. Bestimmtheitsgebot (Art. 103 Abs. 2 GG):
Strafbarkeit muss erkennbar sein
Definition von Stoffgruppen müsste eindeutig sein
2. Verhältnismäßigkeit
Möglicherweise auch pharmakologisch unwirksame Substanzen betroffen
Möglicherweise auch Forschungssubstanzen betroffen
Forschungshindernis insbesondere für Pharmaindustrie
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9
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Seite 55
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Heroin (Opiate)
¾Diacetylmorphin halbsynthetisch durch Acetylierung von Morphin
(gewonnen aus Papaver somniferum)
¾bräunliches Pulver, das geraucht oder injiziert wird; von 5-10%igem
Straßenheroin werden 50-250 mg für einen „Schuß“ verwendet, aber
auch Rauchen (Rauchopium) oder Inhalieren (Erhitzen)
» Rauscheintritt innerhalb kürzester Zeit („flash“); Wirkdauer 1-4 h, dann
unmittelbarer Übergang in Entzug,
¾HWZ 2-9 min, HWZ 6-Monoacetylmorphin (6-MAM) 38 min, daher
Nachweis über Hauptabbauprodukt und eigentliche Wirksubstanz
Morphin im Blut ca. 8-24 h, im Urin 2-3 d (Hydrolyse, da
Glucuronidierung)
¾auch Codein und Dihydrocodein von Bedeutung, auch opioidhaltige
Schmerzmittel (Fentanyl, Methadon, Buprenorphin, Tramadol, Tildin etc.)
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Seite 57
Opiate: Strukturen
AcO
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Opiate: Rausch
HO
O
Zwei typische Rauschphasen:
1. Phase: Akute Phase:
O
N
N
H
zentral dämpfende Wirkung steht im Vordergrund
H
AcO
AcO
Heroin
Auffälligkeiten: Gang schleppend und unsicher; undeutliche Sprache; insgesamt
verlangsamt; begriffsstutzig; Pupillen auch bei schlechten Lichtverhältnissen sehr stark
6-M onoacetylm orphin
HO
HO
O
weitere Verstoffwechselung zu:
Morphin-3-Glucoronid
O
NH
N
H
H
HO
Morphin-6-Glucuronid
HO
Norm orphin
M orphin
M eO
M eO
O
verengt, Sedierung, reduzierte geistige Aktivität, Gleichgültigkeit gegenüber äußeren
Reizen, verlängerte Reaktionszeit, Stimmungsveränderungen mit Steigerung
des Selbstbewußtseins, Euphorie, später auch Dysphorie sowie Angstgefühle,
Hemmung des Hustenzentrums, Atemdepression, Miosis
2. Phase: nachlassende Wirkung:
Morphin-3,6-Glucuronid
erste Entzugserscheinungen treten auf
weitere Verstoffwechselung zu:
Auffälligkeiten: Nervosität; Unruhe; Zittern, Konzentrationsschwäche; Pupillen nicht mehr
eng, sondern eher weit gestellt
Codein-6-Glucuronid
O
NH
N
H
HO
Seite 58
H
HO
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Norcodein
Codein
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Seite 60
10
Opiate Wirkmechanismen
Mohnkuchenproblematik
Psychopharmacology. Figure 3.14
.
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Seite 61
Heroinprojekt - Vergleich
zweier Chromatogramme
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Seite 62
Mohnkuchen-, Heroinkonsument
Chromatogramme
1.16e4
1.10e4
Heroinkonsument
1.19e6
1.10e6
1.00e4
M6G
1.00e6
Mohnkuchenkonsument
M3G
9000.00
Mohnkuchenesser
ÆMorphin-, Codein
und deren Glucuronide
8000.00
9.00e5
Heroinkonsument
Æ nur Heroinmetabolite!
8.00e5
7.00e5
6.00e5
5.00e5
4.00e5
M3G
M6G
6000.00
5000.00
C6G
MOR
4000.00
3000.00
MOR
3.00e5
7000.00
2.00e5
COD
2000.00
MAM
1000.00
1.00e5
0.00
0.00
1
1.6e6
2
3
4
5
6
7
8
Time [min]
9
10
11
12
1.4e6
14
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
Straßenheroinkonsument
1.5e6
NOS
1.4e6
1.3e6
14
15
NOS
1.3e6
1.2e6
Straßenheroinkonsument
Æ auch Begleitstoffe!
1.1e6
1.0e6
9.0e5
8.0e5
7.0e5
M6G
6.0e5
M3G
5.0e5
MAM
C6G
MOR
4.0e5
3.0e5
1.2e6
1.0e6
9.0e5
8.0e5
7.0e5
M6G
6.0e5
M3G
5.0e5
MAM
C6G
MOR
4.0e5
PAP
COD AC
2.0e5
1.0e5
Straßenheroinkonsument
Æ Begleitstoffe und
acetylierte Opiate
1.1e6
3.0e5
PAP
COD AC
2.0e5
0.0
1
15
1.6e6
Straßenheroinkonsument
1.5e6
13
1.0e5
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
0.0
15
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1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
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Opiatbefunde in Haaren
Blut/Plasma
Haare
Interpretationshilfen zur Einschätzung von
Konsumgewohnheiten
Heroin
6-MAM
•
Nachweis von 6-MAM und ggf.
Morphin gefordert
•
Konzentrationsverhältnis 6MAM/Morphin > 1,3
•
Nachweisgrenze 0,2 ng/mg
Kauert & Röhrich
(1996)
Höchstens
wöchentlicher
Konsum
Wöchentlicher bis
täglicher Konsum
Täglicher bzw.
starker Konsum
6-MAM [ng/mg]
<1
1-10
> 10
Pepin & Gaillard
(1997)
Unauffällig /
negativ
Geringer Konsum
Regelmäßiger
Konsum
Starker Konsum
6-MAM [ng/mg]
< 0,5
<2
2-10
> 10
CAVE:
Strenge Abhängigkeit bei Opiatbefunden von
Art der Probenaufarbeitung:
Morphin
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1.
Extraktionseffizienz und Wiederfindung
2.
Ausmaß der Hydrolyse
Seite 65
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Seite 66
11
Cocain
¾Alkaloid aus Cocablättern; weißes, bitter schmeckendes Pulver, das
geschnupft, als Lsg. injiziert o. geraucht wird
¾Einzeldosis 10-100 mg, bei Gewöhnung z.T. Tagesdosen
von mehreren g
¾Wirkungseintritt innerhalb von Sekunden (i.v.) bzw. 1-2 Minuten
(nasal); Rauschdauer 10-45 min
¾Cocain selbst selten nachweisbar, in der Regel Benzoylecgonin:
Blut 12-24 h, Urin 2-3 d
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Seite 67
Cocain
Strukturen Cocain
N
COOCH3
Wirkstoff:
Cocain
Einzeldosis bei ca. 10 mg reinem Cocain-HCl i.V., 2050 mg i.n., max. 100 mg
Halbwertzeit 42-90 min
Nachweisbarkeitsdauer im Blut 4-6 h (instabil!), im
Urin 6-8 h
Metaboliten:
Benzoylecgonin
Halbwertzeit 4,5 – 7 h
Nachweisbarkeitsdauer wenige Tage
(dosisabhängig), im Urin 3-5 Tage
O
O
Cocain
N
COOH
COOCH3 HN
N
O
OH
O
Benzoylecgonin
N
Ecgoninmethylester
COOH
COOCH3
N
COOCH2CH3
O
O
O
Norcocain
O
Cocaethylene
HN
COOCH3
OH
Anhydroecgoninmethylester
Ecgoninmethylester
Halbwertzeit 3,1 – 5 h
Nachweisbarkeitsdauer wenige Tage
(dosisabhängig), im Urin 3-5 Tage
COOCH2CH3
O
OH
Ecgonin
N
O
Norcocaethylene
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Cocain – Plasmakonzentrations-Zeit-Verlauf
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Seite 70
Cocain - Rauschstadien
¾Euphorisches Stadium: Euphorie, Enthemmung, Antriebssteigerung, Kontaktfreudigkeit,
Selbstüberschätzung, Einschränkung der Kritikfähigkeit
¾Rauschstadium: oft negative und angsterfüllte Verkennung der Umwelt (paranoidhalluzinatorisch mit Verfolgungswahn)
¾Depressive Phase: Antriebsverlust; Müdigkeit; Erschöpfung; Reizbarkeit; Depression
Nach außen hin feststellbare Wirkungsweisen:
¾Pupillenerweiterung
¾Redseligkeit
¾Ideenflucht
¾Rastlosigkeit, Bewegungsdrang
¾Euphorie (auffälliges selbstüberzeugtes und selbstsicheres Verhalten z.T. mit Aggressivität)
Cocain und Benzoylecgonin nach intranasaler (i.n.)
Applikation von 106 mg Cocain-HCl
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¾Risikobereitschaft, Doping-Wirkung
¾Schmerzunempfindlichkeit
Seite 71
12
Cocain - Wirkungsweisen
Blut/Plasma
Haare
BE
¾Steigerung der motorischen Fähigkeiten bei Überschätzung der körperlichen
Leistungsfähigkeit und verminderter Selbstkritik
¾Fehleinschätzung der gegebenen Situation
Cocain
¾Realitätsverlust / Verwirrtheit
¾nachlassende Konzentration bei Ideenflucht
¾verminderte Aufmerksamkeit
¾Reizbarkeit und Aggressivität
¾durch weite Pupillen Lichtüberflutung bei Helligkeit durch fehlende Adaptation
¾dramatischer Leistungsabfall und dadurch Fahruntüchtigkeit in der Entzugsphase
EME
CE
AEME
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Seite 74
Strukturen Amphetamine
Cocain - Haaranalytik
CH3
CH3
Kauert & Röhrich
(1996)
Höchstens
wöchentlicher
Konsum
Wöchentlicher bis
täglicher Konsum
Täglicher bzw.
starker Konsum
Cocain [ng/mg]
<1
1-10
> 10
Pepin & Gaillard
(1997)
Unauffällig /
negativ
Geringer Konsum
Regelmäßiger
Konsum
NH2
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<1
<4
Methamphetamin
Amphetamin
Starker Konsum
CH3
O
Cocain [ng/mg]
NH
CH3
4-20
Nachweisgrenzen:
Cocain
0,5 ng/mg
Metabolite
bis zu 0,1 ng/mg
BE/Cocain > 0,05
> 20
O
Seite 75
Amphetamin und Designer-Amphetamine
R
• R = NH2
MDA = 3,4-Methylendioxyamphetamin
• R = NH(CH3)
MDMA = 3,4-Methylendioxymethamphetamin
• R = NH(CH2CH3)
MDEA = MDE =
3,4-Methylendioxyethylamphetamin
28.10.2014
Seite 76
Wirkmechanismus von
(Methylendioxy)amphetaminen
ÆBeeinflussung des serotonergen Systems, weniger des dopaminergen und
noradrenergen Systems
Æ Euphorie, Wohlbefinden, Empathie, Offenheit
Rauschdosen ca. 10-50 mg Amphetamin bzw.
Methamphetamin und ca. 10 – 100 mg
MDMA/MDEA/MDA
Halbwertzeit 4-12 (34) h für Amphetamin, ca. 9 h für
Methamphetamin und ca. 7 – 25 h für
MDMA/MDA/MDEA
Nachweisbarkeitsdauer im Blut jeweils 6 – 24 h, im
Urin 1-3 Tage; Alkalisierung des Urins
führt zur Rückresorption
Psychopharmacology. Figure 3.14.
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Seite 77
28.10.2014
Seite 78
13
Amphetamine und DesignerAmphetamine: Rausch
Cave
Zwei Phasen
1. Phase:
¾Es existiert eine Reihe von z.T. frei verkäuflichen Medikamente, die
als Vorläufer von Methamphetamin bzw. Amphetamin fungieren
können (z.B. Selegilin)
Dauer: 1-3 Stunden
Auffälligkeiten: Enthemmung; Steigerung des Selbstwertgefühls;
Abbau von Kommunikationsbarrieren; Euphorie; Rauschzustand
mit gesteigerter Sinneswahrnehmung; erweiterte Pupillen,
Blendempfindlichkeit; Unruhe; Nervosität; gewisse Reizbarkeit
¾Retrospektive Betrachtungen bei Ecstasy-Problematik nur
eingeschränkt möglich, da Verschleppungen über Schweiß
2. Phase:
bis 6-8 Stunden nach Einnahme
Auffälligkeiten: starke Erschöpfung, Erschöpfungszustände bis
zu 2 Tagen
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Seite 79
Badesalzdrogen / Legal Highs
28.10.2014
Besonders relevante Wirkstoffklassen legal
Highs/Neue Psychoaktive Substanzen
z
z
z
z
z
Viele weitere
z
z
Cathinon-Derivate
z
z
z
z
Cathinon-Derivate („Badesalze“)
Piperazin-Derivate
Tryptamin-Derivate
Pyrrolidionphenone
Phencyclidine
Phenethylamine (2C`s)
Ketamin-Analoga
z
28.10.2014
Seite 80
Seite 81
Cathinonderivate
Cathinon: psychoaktiver Hauptwirkstoff
von Khat (β-keto-Amphetamin)
Wirkung ähnlich dem Kokain und
Amphetamin
sympathimometisch:
kreislaufanregend,
Körpertemperaturerhöhung
psychisch stimulierend bzw.
euphorisierend
z
High von kurzer Dauer
z
meist geschluckt
28.10.2014
Seite 84
14
Wirkmechanismus Cathinone
Psychopharmacology. Figure 3.14
28.10.2014
Cathinonderivate
.
Seite 85
Piperazinderivate
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Seite 86
Wirkmechanismus Piperazine
Psychopharmacology. Figure 3.14.
28.10.2014
Seite 87
28.10.2014
Seite 88
Produktauswahl
www.land-der-traeume.de
www.eve-rave.ch
www.drugs-forum.com
www.legal-highs.info
www.drogen-forum.info
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Seite 89
15
Fazit Legal Highs
¾
Substanzen gelten oft fälschlicherweise als harmlos
¾
unkalkulierbare gesundheitliche Schäden
¾
Fälle mit teilweise schweren Intoxikationen bekannt
¾
Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen
¾
Probleme der fehlenden Deklarierung
¾
¾
¾
Veränderung der Wirkstoffzusammensetzung im Laufe der Zeit
Legal Highs dafür gedacht, missbraucht zu werde
Verkäufer sichern sich ab mit:
16
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Gesundheitswesen
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