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Berliner Morgenpost (30.10.2014) - Die Onleihe

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**
Morgenpost
T
DONNERSTAG, 30.
OKTOBER 2014
Der vorletzte
Mauertote
KEYSTO
NE
DPA/PA/
Mittwoch, 1.2.1989
Eine Umfrage ergibt: 87%
der
West-Jugendlichen fühlen
sich nicht mehr vom Osten
bedroht. Wie auch? DDRVerteidigungsminister
Heinz
Keßler plaudert inzwischen
sogar für die ARD: Er
diskutierte im „Brennpunkt“.
Bezirksverordnete
tagen in Kreuzberg
unter Polizeischutz
Hotel in zartem Pastell
Sonntag, 12.2.1989
Der österreichische Literatur-Grantler Thomas
Bernhard stirbt an Herzversagen. Er hinterlässt
ein
großes Werk, bestehend
aus
scharfzüngigen Romanen
und Theaterstücken
wie
„Heldenplatz“.
Dienstag, 14.2.1989
Gegen Salman
Rushdie, dem britischen Autor der
„Satanischen Verse“
wird im Iran die Fatwa
ausgerufen – praktisch ein Todesurteil.
Rushdie taucht unter.
wurde gewählt,
nun wird sondiert. Einen
ganzen Monat
verhandelt
Walter Momper
mit allen Seiten.
Wie geht es weiter?
Prestigeverlust
für die DDR – der Chef
Porzellanmanufaktur der Meißner
setzt sich ab
Westsektoren Die Briten
haben einen eigenen
Sicherheitsdienst. Es gibt auch
eine „Alliierte Beschwerdestelle
“
Februar 1989
Ende Januar
Sonntag, 19.2.1989
Diese überkandidelte
Küche! Dem berühmten
französischen Sternekoch
Paul Bocuse reißt der
Geduldsfaden: „Die Nouvelle Cuisine ist Quatsch!“
Eine Küche für Snobs.
Er
setzt wieder auf traditionelle Rezepte.
Freitag, 24.2.1989
Neun Passagiere werden
aus dem
Flugzeug gesaugt, als
plötzlich auf
7300 Meter Höhe ein
Loch im
Rumpf der Boeing von
United
Airline entsteht. Die anderen
327
Passagiere überleben
und verlassen geschockt das
Flugzeug
nach der Landung in
Honolulu.
DFB-POKAL
Bayern siegt gegen Hamburg
Im Topspiel des gestrigen Abends besiegte der FC Bayern München den
Hamburger SV mit einem klaren 3:1.
Begünstigt von krassen Fehlern der
Hanseaten zog die Mannschaft von
Trainer Pep Guardiola erwartungsgemäß
ins Achtelfinale ein. Die Ergebnisse aller
anderen Partien finden Sie im Sport.
BERLIN – Die Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg fand am Mittwochabend
unter Polizeischutz statt. Grund waren
massive Störungen früherer Sitzungen.
Rund 170 Beamte waren vor und im Bezirksparlamentssitz in der Yorckstraße
im Einsatz, teilte ein Polizeisprecher mit.
Zunächst verlief die Sitzung ruhig,
Flüchtlinge seien am Mittwoch nicht unter den Besuchern, sagte Bezirkssprecher
Sascha Langenbach. Die Kommunalpolitiker berieten am Abend unter anderem
auch über die Zukunft der GerhartHauptmann-Schule. Sie ist noch immer
von rund 45 geduldeten Flüchtlingen bewohnt. Das Bezirksamt möchte die ehemalige Schule jetzt jedoch nach knapp
zwei Jahren Besetzung endgültig räumen.
Die Flüchtlinge sollen das Gebäude am
Freitag verlassen. Anderenfalls werde
man in letzter Konsequenz räumen lassen, hieß es.
Seite 11
BERLIN – Die Länder Berlin und Brandenburg richten ein gemeinsames klinisches Krebsregister ein. Es soll 2016 starten. Im April 2013 ist ein Gesetz in Kraft
getreten, das alle Länder zu der Einrichtung verpflichtet. „Mit dem klinischen
Krebsregister schaffen wir ein wichtiges
Instrument zur Verbesserung der Qualität von Krebsbehandlungen“, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU).
Das klinische Krebsregister soll individuelle Patientendaten wie die Diagnose, Behandlungsschritte und den Verlauf der
Krankheit sammeln. Bislang gibt es für
die Bundesländer nur eine gesetzliche
Pflicht zur Einrichtung eines epidemiologischen Registers, das vor allem Häufigkeit und Verteilung auf Geschlecht und
Alter erfasst. Finanziert wird das Krebsregister zu einem großen Teil von den gesetzlichen Krankenkassen, den Rest übernehmen die Länder. Die Gesamtkosten
für die Errichtung belaufen sich für Berlin
auf voraussichtlich 663.000 Euro. Seite 12
Russische Bomber
über Nordeuropa
lösen Nato-Alarm aus
BRÜSSEL – Mehrere Flüge russischer
Bomber über der Nord- und Ostsee haben bei der Nato Alarm ausgelöst. Das
Verteidigungsbündnis erklärte am Mittwoch, innerhalb von 24 Stunden hätten
Nato-Jets vier Gruppen mit russischen
Maschinen abgefangen. Diese hätten bei
den Manövern „ungewöhnlicher Ausmaße“ zudem zum Teil weder Flugpläne
übermittelt noch Funkkontakt mit der zivilen Flugsicherung gehalten. Dieses Verhalten stelle ein potenzielles Risiko für
die zivile Luftfahrt dar. Ein Sprecher betonte jedoch, dass der Nato-Luftraum
nicht verletzt worden sei. Eine derart hohe Zahl von Einsätzen habe es in den vergangenen Jahren aber nur selten gegeben.
Das Verhältnis zwischen dem Bündnis
und Russland ist derzeit angespannt. Der
Westen wirft der Regierung in Moskau
vor, die prorussischen Separatisten im
Osten der Ukraine mit Soldaten zu unterstützen. Russland weist dies zurück. BM
Hamburger SV –
FC Bayern München
Helfende
Hand
Weitere Berichte auf den Seiten 25 und 26
Kurdische Peschmerga-Kämpfer
kommen den Verteidigern der
Stadt Kobane zu
Hilfe.
Seite 4
AP PHOTO/BRAM JANSSEN
morgenpost.de
Berlin bremst beim Ausbau
der Elektromobilität
Schaufenster-Projekt startet verspätet. Nur ein Bruchteil des Fördergeldes ist abgerufen
T VON JENS ANKER
BERLIN – Die Förderung der Elektro-
mobilität in Berlin ist in Verzug. Bei
der Umsetzung des von der Bundesregierung
initiierten
Programms
„Schaufenster Elektromobilität“ wurde erst ein Bruchteil der zur Verfügung
stehenden Gelder verbraucht. Die bei
der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgesehenen Mittel von
drei Millionen Euro sind erst zu fünf
Prozent abgerufen worden (150.000
Euro). Bei der Wirtschaftsverwaltung
sieht es etwas besser aus: Hier sind
850.000 Euro bereits verbraucht. In
diesem Jahr stehen jedoch noch eine
Million Euro zur Verfügung.
Berlin wurde 2012 von der Bundesregierung zu einer von vier Schaufensterregionen für Elektromobilität ernannt. Dafür stehen Fördermittel in
de dieses Jahres erfolgen werde.
„Elektromobilität ist kein Spurt, sondern ein Marathon“, so Hammer.
Die Agentur betreut derzeit rund 80
Projekte, 50 weitere sind in Vorbereitung. Darunter sind Vorhaben für einen strombetriebenen öffentlichen
Nahverkehr, Sonderregeln für Elektroautos und ein Konzept für die flächendeckende Versorgung der E-Autos mit Strom. Inzwischen ist der Senat von einigen der ursprünglich ehrgeizigen Ziele abgerückt: So sollen
nicht mehr 700 neue Ladestationen
für Elektrofahrzeuge entstehen, sondern nur noch 350. Die Einrichtung einer elektrischen Buslinie verzögert
sich ebenfalls. Zunächst war geplant,
die Strecke, auf der die Busse an den
Endhaltestellen aufgeladen werden,
am Stadtrand einzurichten. Um die
Schaufensterwirkung zu erhöhen, soll
Höhe von 36 Millionen Euro vom
Bund, 20 Millionen Euro vom Land
und 34 Millionen Euro von Unternehmen zur Verfügung. Als Schaufenster
der Elektromobilität soll die Hauptstadtregion zu einem Vorbild für die
Entwicklung, Erprobung und Anwendung neuer Technologien werden.
Die Berliner Agentur für Elektromobilität bestätigt die zögerliche Mittelabfrage, macht dafür aber den Bund
verantwortlich. „Wir sind neun bis
zwölf Monate ins Hintertreffen geraten, weil der Bund das Schaufensterprojekt verspätet gestartet hat“, sagte
Conrad Hammer, Projektleiter der
Agentur. Außerdem habe sich die Verkehrsverwaltung dafür entschieden,
die Ausschreibung für den Bau neuer
Stromladesäulen in einem komplizierten Verfahren durchzuführen, so dass
der Zuschlag voraussichtlich erst En-
sie nun in der Innenstadt entstehen.
Geplant ist, dass ab Mitte 2015 die Linie 204 zwischen Südkreuz und Zoologischer Garten elektrisch fährt.
Die Grünen kritisierten das Vorgehen des Senates. „Ich merke davon
nicht viel im Straßenbild“, sagte die
Wirtschaftsexpertin der Fraktion, Nicole Ludwig. Aus ihrer Sicht geht der
Senat das Projekt falsch an. So könne
sich etwa ein bestimmtes Berliner Unternehmen nicht für das Aufstellen
von Ladestationen bewerben, obwohl
es ein einfaches Konzept verfolge: Die
Firma hat eine Methode entwickelt,
wie E-Fahrzeuge an jeder Straßenlaterne aufgeladen werden können.
Doch das ist bei der Ausschreibung
nicht vorgesehen. „Man sollte die Ausschreibung so formulieren, dass technische Neuerungen nicht ausgeschlossen werden“, kritisierte Ludwig.
Nachrichten rund um die Uhr
ERMITTLUNGEN
Aufsichtsrat beruft Chef
des Olympiastadions ab
Der Chef der Olympiastadion Berlin
GmbH, Joachim Thomas, ist abberufen
worden. Er werde mit sofortiger Wirkung
von seinen Pflichten freigestellt, beschloss der Aufsichtsrat des Stadions in
seiner Sitzung am Mittwoch. Das teilte
anschließend der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Innen- und Sportsenator
Frank Henkel (CDU), mit. Als Grund
nannte er jedoch nur „pflichtwidrige
Handlungen“. Alle weiteren Details unterlägen der Vertraulichkeit, hieß es. Laut
Gutachten von Wirtschaftsprüfern wurde Thomas nach Medienberichten vorgeworfen, Fahrten mit dem Dienstwagen,
Tankbelege und Hotelquittungen nicht
richtig abgerechnet zu haben. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen
Verdachts der Untreue ein.
Seite 14
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SUPER FRISCH.
SUPER PREIS.
Kunst gegen Rot-Rot-Grün
In Thüringen protestiert ein Berliner gegen die künftige Regierung
ERFURT – Künstlerprotest gegen eine
mögliche rot-rot-grüne Landesregierung in Thüringen: Der Berliner Bildhauer Herbert Fell hat eine Skulptur
aus dem Park „Deutsche Einheit“ am
ehemaligen bayerisch-thüringischen
Grenzübergang Eußenhausen/Henneberg bei Meiningen auf die Westseite
verlegt. „Mir geht es ums Prinzip. Ich
bin dagegen, dass mit Bodo Ramelow
ein linker Ministerpräsident an die
Macht kommt“, sagte Fell am Mittwoch. Derzeit arbeitet er an einer
Kunstaktion an einem noch erhaltenen Stück der Berliner Mauer neben
dem Martin-Gropius-Bau.
Fell betonte, er habe mit einem
Traktor das Kunstwerk „Wir sind das
Volk“ um 30 Meter nach Westen auf
bayerisches Terrain versetzt. Danach
Seite 8
9
11–18
19
22–23
TV-Programm
Sport
Leserbriefe
Rätsel/Horoskop
Leute
24
25–26
27
27
28
habe er die Reihenfolge der Teile zur
Textzeile „Sind wir das Volk“ vertauscht. Die Stahlskulptur besteht aus
zwei Metall- und zwei Glasteilen und
soll an jene erinnern, die auf der
Flucht aus der DDR erschossen wur-
Kunstwerk Bildhauer Fell hat „Wir sind
das Volk“ aus Protest umgestellt
den. Auf die Frage, ob die Linke mittlerweile nicht eine sozialdemokratische Partei sei, der es in erster Linie
um ein flächendeckendes Kita-Angebot oder mehr staatliche Hilfen für
Langzeitarbeitslose gehe, meinte Fell:
„Das sind doch alles Spielereien.“
Den Skulpturenpark „Deutsche
Einheit“ legte Fell 1996 an und entwickelte ihn schrittweise. Für Aufsehen
sorgte er, als er am 9. November 1999
einen aus Altholz bestehenden Bundesadler mit einer Flügelspannweite
von zehn Metern verbrannte. Der Park
gilt inzwischen als Nationaldenkmal.
2009 hatte der ehemalige Bundesminister Rudolf Seiters die Skulptur „Wir
sind das Volk“ eingeweiht. Schirmherrin war damals Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Michael Backfisch
BERLIN – Die Chancen für ein Verbot
der für den 15. November angekündigten Demonstration von Hooligans
und Rechtsextremen vor dem Brandenburger Tor steigen. Die Deutsche
Polizeigewerkschaft geht nach den gewalttätigen Krawallen in Köln davon
aus, dass in Zukunft Verbote solcher
Aufmärsche eher vor Gericht Bestand
haben. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der Berliner Morgenpost, eine Demonstration könne
dann verboten werden, „wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung unmittelbar in Gefahr sind und die Polizei einen friedlichen Ausgang nicht
mehr gewährleisten kann“. Es gebe
aus seiner Sicht „mehr Gründe für als
gegen ein Verbot“.
Seite 2
FRISCHE-
DONNERSTAG
– SAMSTAG
FRISCHEANGEBOTE
IM INNENTEIL
GLÜCKSZAHLEN AM MITTWOCH
4
9
Superzahl:
Widerstand gegen
Hooligan-Aufmarsch
in Berlin wächst
NUR
T YPISCH ALDI!
Lotto:
INHALT
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Berlin
Brandenburg
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Neues Krebsregister
für Berlin
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1,90 / TÜRKEI TL 4,60 / UNGARN FT 570
Einer liebt die
Mauer weiterhin
Wieder Montag,,
Worüber? Über den
wieder 21.40 Uhr im
antifaschistischen
DDR-Fernsehen – in
Schutzwall. Ihm komder Nacht zuvor
men die Reps gerade
wurde Chris Gueffroy
recht. „Der antifaerschossen. Schnitzschistische Schutzwall
lers Thema heute am
wird so wohl durch die
6.2.1989: Die Republistaatlich geschützten,
kaner in West-Berlin.
publizistisch geförBei den aktuellen
derten, sozialpolitiWahlen in West-Berlin
schen verursachten
erreichten die Repuneonazistischen
blikaner satte 7,5 %, ein
Umtriebe einmal mehr
Schock für alle. Nur
gerechtfertigt.“ ZiemSchnitzler freut sich.
lich zynisch.
Ein Frauenhotel mitten
in West-Berlin – so
etwas ist ganz
neu in Deutschland.
Nur
schon. Berlin im Zeitgeist. in London und USA gibt es das
in zarten PastelltöDenn Frauen reisen immer
ger allein. „Der Anteil
häufinen streichen. Und
liegt bei uns inzwischen
damals Asiye Henschel
bei 40%“, sagt
Tini Gräfin Rothkirch,
vom „Schweizerhof“.
Fast die Hälfte
der Besucher. Frauen
damals die junge Pressecheverändern
fin des „Interconti“,
wird umdekoriert: SchminkspiegeHotelzimmer für immer. Es „Jede
verkündet:
allein reisende Frau
l, Fön und Nähzeug
bekommt in unserem
ren nun zum Standard.
gehö- Rose ins Zimmer
Und
gestellt.“ Nur das Grandhotel Hotel eine
die Abendrobe. Im „Hotel besonders große Schränke – für hat
„Esplanade“
damals den Trend nicht
Berlin“ will man die
erkannt.
Zimmer jetzt sind
bei uns noch die Minderheit.“ „Allein reisende Frauen
Chauvis!
PA/DPA/FOTOREPORT-DB
Februar
DPA/JAN WOITAS
Ein Rückblick auf die Ereignisse im Jahr 1989 – und die Originalseiten der Berliner Morgenpost zum Herausnehmen. Seiten 5–6
Die Alliierten
CR: AD:
Es ist Berlinale – und
Witt , diesem KufenDustin Hoffman ist in
star aus Ost-Berlin,
der Stadt. Die Fans
heißt es, sie tauche
flippen aus. Hoffman
bald in der Fernsehsespielt den Autisten
rie „Dallas“ auf. Als
Raymond in dem Film
DDR-Agentin soll sie
„Rain Man“ genauso
den fiesen J.R. wähüberzeugend wie Tom
rend einer EisenbahnCruise den kalten
fahrt nach Moskau
Bruder – der Film
umgarnen. „An den
gewinnt den goldenen
Gerüchten ist was
Bären. Und sonst? Von
dran“, behauptet ein
der schönen Katarina
TV-Mitarbeiter.
Morgenpost intern
Eine Jobanzeige der
britischen Militärpolizei.
tag in West-Berlin,
Alldieser halbsouveräne
n
Direkt an der Mauer
patrouillieren die Jeeps Stadt.
liierten. Eine Umfrage
der AlEnde der 80er unter
Berlinern ergibt: 87%
Westfühlen sich von der
Anwesenheit der Alliierten nicht
gestört, sie gehören
Stadtbild. „Pittoreske
zum
Eigenart der Stadt“,
schreibt
Wilfried Rott.
12 500 alliierte Soldaten
sind in West-Berlin
tioniert – und anders
staals die West-Berliner
gelangen
sie problemlos in den
Osten der Stadt. Busunternehmen haben sich auf
Fahrten nach „drüben“
spezialisiert. Am Checkpoint
werden diese Busse
nicht kontrolliert, man passiert
ungehindert. „Schallplatten,
Porzellan, Fotoapparate,
Camping-Ausrüstungen,
Uhren und Spielzeuge
aus ,DDR’ -Produktion
die amerikanischen
kaufen
, britischen und französischen
Soldaten am liebsten“,
schreibt die Berliner
Morgenpost. Die Alliierten
leben
haben eigene Supermärkte,ein abgeschottetes Leben,
Schulen, Sportstätten.
IMAGO/UNITED ARCHIVES
Zeitgeist
Autismus
Nach der
Berlinale
gewinnt „Rain
Man“ wenig
später vier
Oscars
Einer will raus
Die Flucht klappt nicht
wie geplant. Es
ist Sonntagnacht am
5.
Chris Gueffroy zusammenFebruar, als
Freund versucht, in Treptow mit einem
überwinden. Sie kommen die Mauer zu
kriechend aus einer Datschenkolonie,
auf der anderen Seite
des Teltowkanals liegt
Neukölln. Dort wollen
hin. Ein selbstgebastelte
sie
r Wurfanker reißt, also
berleiter. Dann fallen
Räudie Schüsse. Der 20-Jährige
Chris Gueffroy wird
der vorletzte Mauertote
sein. Ein
Brustschuss hat seinen
Herzmuskel zerrissen.
Zwei Tage später findet
der Titelseite der Berlinersich die erste Meldung auf
Morgenpost: „Fluchtversuch an der Mauer gescheitert“.
Noch weiß man nicht
viel – zehn Schüsse
kurz vor Mitternacht.
Wer geflohen und was passiert
ist, bleibt unklar. Aber
ahnt, diese Flucht ging
man
nicht gut aus. Möglicherweise
sei der Flüchtige getötet
worden, meint der Sprecher
des Innensenators. Mehr
könne er aber nicht sagen.
Erst am 22. Februar
kann die Berliner Morgenpost
einen Namen liefern:
Chris Gueffroy. Warum?
„Berliner Zeitung“, die
In
in Ost-Berlin erscheint, der
eine Todesanzeige.
steht
Ein „tragischer Unglücksfall“ heißt es
dort. So wird sein
Tod publik. Wer war
Chris Gueffroy? Ein
junger Mann, der am
Flughafen-Restaurant in Schönefeld
kellnerte und Sehnsucht nach der weiten Welt hatte. Der
raus wollte aus der
viel zu engen DDR.
Der Lust auf Leben
hatte – wie so viele
Lust auf Leben Chris
Jugendliche drüben.
Gueffroy starb jung an der
Mauer
Beerdigt
wird
Gueffroy auf dem
Friedhof Baumschulenw
eg
120 Trauergäste kommen im Urnengrab 552. Rund
zum Abschied, die Stasi
obachtet genau. Ein
be„beliebter Bursche“
sei Chris gewesen, ungestüm, alles
oder
Der Tod Chris Gueffroys nichts war sein Motto.
löst internationale Empörung aus. Und Erich
Honecker? Bleibt ungerührt.
„Wenn man einmal
einen als richtig erkannten
eingeschlagen hat, dann
Weg
muß
sagt Honecker kurz danach man ihn weitergehen“,
in einem Interview.
PA/DPA
+
Neue große Serie: Der Weg zum Mauerfall
Häufig heißt es, Chris
Gueffroy sei der letzte
Mauertote gewesen. Aber der
20-Jährige war der
vorletzte.
Nach ihm kam noch
der Ingenieur Winfried
Freudenberg auf der Flucht ums
Leben (morgige Folge).
ge Monate nach Gueffroys
WeniTod, im Sommer 1989,
sich zeigen, wie viele
Jugendliche in der DDR wird
dachten. Mehr als die
ähnlich
Hälfte der Ungarn-Flücht
waren unter 25 Jahren,
linge
70 Prozent unter 30.
Für uns
war es ganz klar, dass
wir für
Mauerfall-Serie die erste die Februar-Folge unserer
Erwähnung von Chris
froys Ermordung in
der Berliner Morgenpost GuefDamals, am 7. Februar
wählen.
1989, war sein Name
der Redaktion allerdings noch
nicht bekannt. Man
konnte nur
ahnen, was geschehen
war. Hier die Hintergründe.
Morgen folgt der März-Teil:
In
West-Berlin
endlich ein neuer Senat
kommt
zustande – jetzt regiert
die AL.
6
Am 24. Februar 1989 titelte
die Berliner Morgenpost auf Seite 11: „Wurde
die Flucht der OstBerliner verraten?“ Gemeint
sind Chris Gueffroy
und sein Freund. Autor
des Artikels
Hoeren, damals Bonn-Korrespon ist Dirk
dent der
Berliner Morgenpost. Eines
weiß er heute noch
sicher: „Zum damaligen
Zeitpunkt hat niemand
damit gerechnet, dass
die DDR
Bach runtergeht.“ Angefangen so schnell den
bei der Berliner Morgenpost. hat Hoeren 1985
Aufgewachsen in
Koblenz, zog es ihn an die
Spree, dann wechselte er zurück an den Rhein
ins Parlamentsbüro.
„Berlin, die Kollegen und
der Job waren toll.
Aber ich hatte einen Mauer-Koller.“
Aus der
politischen Herzkammer
der Bonner Republik
den Fall der Mauer zu begleiten,
nennt er einen
„beruflichen Glücksfall“.
Heute
Hoeren bei der Bild-Zeitung. arbeitet Dirk
ULLSTEIN BILD
Preis 1,10 Euro
DPA/PA/IMAGNO
D O N N E R S TA G , 3 0 . O K T O B E R 2 0 1 4
Redaktionsschluss: 0.05 Uhr | H | Nr. 296 / 44. W.
Es war ein Alleinstellungs
merkmal –
meist belächelt, aber
von
scher Bedeutung. Vom großer politi1.
bis zum 2. August 1989 August 1963
schrieben alle
Zeitungen und Zeitschriften
des Axel
Springer Verlags, damit
auch die Berliner Morgenpost, die
DDR nur mit Anführungszeichen. Der
Springer wollte damit Verleger Axel
die
Nichtanerkennung eines angeblich
schen Staates bekunden. zweiten deutUnd berief sich
dabei auf ein Zitat Willy
Brandts, wonach die
DDR weder deutsch
noch
ne Republik sei. Gestrichen demokratisch noch eiwurden die „Tüttelchen“
am 2. August 1989.
Geschuldet der Umbruchstimmung in der DDR und
dem Wunsch, eigene
Korrespondenten auch offiziell
in den Ost-Teil zu schicken.
Gleichzeitig wurde das
Impressum aller Blätter
ein Zitat Axel Springers
um
Vaterlandes in Freiheit erweitert: „Die Einheit des
– das ist unser Auftrag.“
Mauerfall-Serie, Teil
2: Der Februar 1989
Chris Gueffroy wird an
der Mauer erschossen.
Der Protest
ist groß. Nur Honecker
und Schnitzler bleiben
hart
Die neue Serie
**
SERIE
Die Tüttelchen
SAKUMA
BERLINER MORGENPOS
PA/AP/IMAGES/DPA/PAUL
/BM-HP1
14/1/Pol5 CCI
Berliner
21
26
39
43
4
Spiel 77:
1
4
8
4
4
5
Super 6:
9
7
3
5
0
2
1
Alle Angaben ohne Gewähr
Kasupke sagt...
...wie es ist
Handy am Steua, det wird teua! Von
wejen – erstens wird det kaum kontrolliert und zweetens hat jetzt een Jericht jeurteilt: wenn der Wagen mit
ausjeschaltetem Motor anne Ampel
steht, darf jequatscht wern. Macht sowieso jeda, ooch wenn der Motor läuft.
Jestern musst ick ooch wieda hinta so na
dicken Karre herschleichen, Blondie am
Steua mit Handy am Ohr, inna andern
Hand ne Zijarette und uffm Beifahrasitz
n’ Typ, ebenfalls mit Handy am Ohr.
Uffn Vakehr konnte von den beeden
jarantiert keena mehr achten.
Kasupke@morgenpost.de
WETTER Bewölkt bei 12 Grad
BÖRSE Dax und Euro
KONTAKT
IM INTERNET
Heute ist es den ganzen Tag
stark bewölkt, die Luft ist
nebelig und trüb. Die Temperaturen kommen über 12 Grad nicht
hinaus. Vereinzelt kann es regnen. Seite 28
Der Dax notiert bei 9082,81 Punkten –
ein Plus von 0,16 Prozent.
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