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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (12.04.2015)

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NR. 15 R
Elefanten
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Manager in Not
WISSENSCHAFT
12.4.2015
Hilary Swank
Erleuchtete Angestellte
Jagd auf die
Middelhoff im
klugen Riesen Schuldensumpf
WIRTSCHAFT
D3499C
Rettet Meditation Die Oscarden Kapitalismus? Sammlerin
LEBEN
FEUILLETON
Unterschriften
voller Macht
Diese Grafiken von Joseph
Carlson zeigen Ausschnitte
aus den Signaturen einflussreicher
Politiker. Von wem sie stammen,
steht in der Politik auf Seite 8.
Enttäuscht
von Athen
Menschenjagd im Internet
Islamisten, Extremisten und Wutbürger geben ihre Gegner zum Abschuss frei – buchstäblich
VO N T H O M A S G U T S C H K E R U N D
FRANCESCO GIAMMARCO
Die Chinesen hatten zuerst ein
Wort dafür: Renrou Sousuo – die
Jagd auf Menschenfleisch. Es geht
nicht um Kannibalismus, es geht
ums Internet: wenn User Jagd machen auf Leute, die ihnen nicht passen, wenn das Internet zum Pranger wird und sich der Mob in der
digitalen Welt sammelt, um in der
echten zuzuschlagen. So wie vor
den Olympischen Spielen 2008 in
Peking. Da gerieten Demonstranten, die den Fackellauf mit dem
olympischen Feuer gestört hatten,
ins Visier regimetreuer Chinesen.
Menschenjagd im Internet – das
gibt es heute überall und immer öfter. Islamisten rufen dazu auf, wie
diese Woche, als sie auf einer Facebook-Seite Ausweise und Lebensläufe von Angehörigen französischer Soldaten veröffentlichten.
Verbunden mit einer klaren Warnung: „Französische Ungläubige,
wenn ihr eure Familien retten
wollt, haltet ihr euch besser raus
aus dem Krieg gegen den ,Islamischen Staat‘. Nur so rettet ihr eure
Haut und schützt eure Familien
vor Vergeltung.“
In Deutschland bangen Kommunalpolitiker um ihre Sicherheit. Immer öfter werden sie im Netz angefeindet und bedroht. Zum Beispiel
Lutz Trümper, Oberbürgermeister
von Magdeburg. Er schützte ein
Denkmal vor Pegida-Demonstranten, postwendend fand sich ein Eintrag auf einer Facebook-Seite der
Demonstranten: „Ein Baum, ein
Strick, Trümper.“ Ein Einzelfall?
Leider nicht.
Es sind neue Auswüchse der
Verrohung. Die „sozialen Netzwerke“ werden zu asozialen Netzwerken, in denen Unbekannte zu
Hass anstacheln und unverschämt
zu Straftaten aufrufen. Anders als
ihre Opfer sind sie nicht allein, im
Internet tobt sich ein Cybermob
aus, der die Maßstäbe von Recht
und Unrecht verdreht. Dieser
Mob wird von Extremisten für
ihre Zwecke mobilisiert – und die
sind nicht virtuell. Sie zielen auf lebende Menschen.
Islamisten etwa nutzten das Internet bisher für Propaganda, sie
verbreiteten Magazine, Märtyrerfilmchen und Hinrichtungsvideos.
Jetzt kommt eine neue Dimension
der Einschüchterung hinzu. Sie
Schüsse vor dem Kapitol
stammt von einer Hackergruppe,
die sich „Cyber Caliphate“ nennt
und als „Islamic State Hacking Division“ ausgibt. Die Gruppe veröffentlicht auf sozialen Netzwerken
und Medienplattformen persönliche Angaben von Soldaten und ihren Angehörigen.
Anfang Januar hackte sie sich in
die Twitter- und Youtube-Accounts
des für den Nahen Osten zuständigen US Central Command. Die
Hacker twitterten Listen mit den
Namen und Mobilfunknummern
amerikanischer
Kommandeure,
dazu die Botschaften: „Amerikanische Soldaten, wir kommen, gebt
acht!“ und „Wir wissen alles über
euch, eure Frauen und Kinder“.
Ende März tauchten auf dem Netzwerk JustPaste.it Steckbriefe von
100 Soldaten auf, die angeblich an
Luftangriffen gegen den IS in Syrien und im Irak beteiligt waren.
Sie enthielten Bilder, die teilweise
von Facebook-Konten der Soldaten
stammten, sowie ihre Privatadressen. Dazu der Aufruf an amerikanische Muslime: „Tötet sie in ihrem
eigenen Land, köpft sie in ihren eigenen Häusern, stecht sie ab, während sie auf der Straße gehen und
sich sicher glauben.“
Bei den Ausweisen und Lebensläufen, die auf dem Facebook-Account von TV5 Monde veröffentlicht wurden, handelt es sich um
Angehörige französischer Soldaten, die ebenfalls an Militäraktionen gegen den IS beteiligt sein sollen. In deutschen Sicherheitskreisen werden die Papiere für echt gehalten. Die Veröffentlichung von
Daten möglicher Zielpersonen für
Vergeltungsmaßnahmen habe damit eine neue Ausprägung erreicht, heißt es.
Gegen deutsche Soldaten habe
es derlei Drohungen bisher noch
nicht gegeben, teilte uns das Verteidigungsministerium mit. Insbesondere Soldaten im Auslandseinsatz werden inzwischen zur Vorsicht gemahnt. Die Bundeswehr
veröffentlicht schon seit längerem
nur noch die vollen Namen von
Kommandeuren; andere Soldaten
werden nur fotografiert, wenn sie
ihre Namensschilder entfernt haben. Die deutschen Ausbilder, die
im Nordirak Peschmerga auf Einsätze gegen den IS vorbereiten,
dürfen nur noch von hinten abgebildet werden. Man sei sich der
neuen Gefahren bewusst, könne
„Mehr Waffen als zuvor“
Amerikanische Polizei riegelt Kongressgebäude ab Nato: Russland unterstützt weiter die Separatisten
Washington. Nach Schüssen in
der Nähe des Kapitols haben Sicherheitskräfte das amerikanische
Kongressgebäude in Washington
am Samstag abgeriegelt. Nach Angaben der Polizei hat sich der
Schütze selbst getötet. Das Kongressgebäude und das Besucherzentrum seien vorsichtshalber gesperrt worden, hieß es weiter. Beamte seien außerdem dabei, ein in
der Nähe abgelegtes verdächtiges
Paket zu untersuchen. Auch wurden einige Straßen in der Umge-
bung gesperrt. Der Nachrichtensender NBC berichtete unter Berufung auf amerikanische Bundesbehörden, offenbar handle es sich
nicht um einen Terroranschlag.
Die Schüsse sind nach den Polizeiangaben in der Nähe der Stufen
an der Westseite des Kongressgebäudes abgegeben worden. Dort
gibt es keinen Eingang, Besucher
können das Kapitol nur über die
Ostseite betreten. Derzeit finden
im Kongressgebäude keine Sitzungen statt.
dpa/AFP/Reuters
T.G. Frankfurt. Nach Auffassung
der Nato verstößt Russland gegen
das
Waffenstillstandsabkommen
für die Ostukraine. „Wir sehen weiterhin russische Unterstützung für
die Separatisten – durch Ausrüstung, Truppen und Training. Russland bewegt Truppen und Ausrüstung immer noch hin und her über
die offene Grenze zur Ukraine“,
teilte die Allianz der F.A.S. mit.
Zur Ausrüstung gehörten Kampfpanzer, gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie und Luftverteidigungssyste-
me. Die Nato hob hervor, dass
auch moderne Kampfpanzer zum
Einsatz kämen; gemeint sind die
Modelle T-80 und T-90 (die Zahl
bezieht sich auf das Baujahr). Im
Widerspruch zu den Minsker Vereinbarungen vom 12. Februar verfügten die Separatisten nun über
mehr russische Waffen als zuvor.
Die Nato lehnte es ab, über die Intentionen der Separatisten zu spekulieren. Eine weitere Ausdehnung
ihres Gebiets hält sie aber für nicht
akzeptabel.
sie aber nur teilweise beherrschen,
heißt es intern.
In Ostdeutschland nutzten
Rechtsradikale das Netz, um besorgte Bürger gegen Ausländer aufzustacheln, sagen Verfassungsschützer. Die NPD habe an Bedeutung
verloren und versuche nun, mit
dem Thema Asylpolitik die Leute
zu erreichen. Es seien häufig
NPD-Leute, die zu Märschen und
sogenannten „Spaziergängen“ aufrufen. So wie im Fall Tröglitz; der
Bürgermeister trat zurück, weil er
sich um die Sicherheit seiner Familie sorgte. Nicht immer tritt die
NPD offen auf; Facebook-Gruppen heißen dann etwa „Bürger gegen das Asylbewerberheim“.
In der ganzen Republik stehen
Kommunalpolitiker unter Druck.
„In unseren Gesprächen mit den
Bürgermeistern hat fast jeder von
Bedrohungen und Beschimpfungen im Netz und in Mails berichtet“, klagt Gerd Landsberg vom
Deutschen Städte- und Gemeindebund. Seit Jahren schon radikalisiert sich der Umgangston. Unzufriedene äußern nicht bloß Kritik,
sie toben, wüten und schimpfen.
Und dann geht plötzlich jemand
vor dem Haus eines Bürgermeis-
ters demonstrativ auf und ab. Für
Landsberg ist klar: „Es findet ein
Politiker-Stalking statt.“
Die Gesetzeslage ist unklar: Diffuse Drohungen sind nicht strafbar.
Ist es verboten, das Foto eines Politikers auf Facebook zu teilen? Ist es
verboten, vor seinem Haus zu stehen? „Der Justizminister sollte mal
darüber nachdenken, Kommunalpolitiker vor solchen Szenarien zu
schützen“, meint Landsberg. Auch
manche Politiker der Regierungskoalition sehen das so, zum Beispiel
Burkhard Lischka von der SPD.
„Ich hätte nichts dagegen, das Versammlungsgesetz in den Ländern
klarzustellen“, sagt er.
Fragen stellen sich aber auch
zur Umsetzung bestehender Gesetze. Manche Staatsanwaltschaften
gehen Hinweisen auf mögliche
Straftaten im Netz engagiert nach,
andere nicht. Das hängt zum Teil
mit den Ressourcen zusammen;
nur wenige Staatsanwälte sind auf
Internetkriminalität spezialisiert.
Auch die Polizei klagt über Personalmangel. Es ist wie immer: Bis
sich die Behörden auf neue Bedrohungen einstellen, vergeht Zeit.
Zeit, die Leben zerstören kann.
Feuilleton
Winterkorn gibt nicht auf
Machtkampf im Hause Volkswagen
ank. Frankfurt. Der Vorsitzende
des Volkswagenkonzerns, Martin
Winterkorn, lässt sich von seinem
Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch nicht verjagen. Das erfuhr die F.A.S. aus dem Hause
VW. Winterkorn blicke auf eine
erfolgreiche Managerkarriere zurück. Piëch hatte sich bei „Spiegel
Online“ mit dem Satz zitieren lassen: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Dies wurde als Zeichen
der Entmachtung seines langjährigen Vertrauten verstanden. „So
schnell wirft Winterkorn den Bettel nicht hin“, ist nun zu hören.
Rechtlich brauchte es im VW-Aufsichtsrat eine Mehrheit von elf
Stimmen, um Winterkorn abzusetzen. Zwar könnte Piëch als Vorsitzender des Aufsichtsrats von seinem Doppelstimmrecht Gebrauch
machen. Doch das reicht nicht.
Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil sagte, er sei „unangenehm überrascht über Herrn
Piëch“.
Wirtschaft
Achtung, unecht!
Spaltpilz Biblis
Vorsicht, Jungs!
Ein Skandal erschüttert die
Gold-Fans in Deutschland.
Geld & Mehr
Der Atomkonsens zwischen
Bund und Hessen steht nur auf
dem Papier. Rhein-Main
Ein Arzt warnt: Jungen achten viel
zu wenig auf ihre Gesundheit.
Leben
Die Eurogruppe sieht
keinerlei Fortschritte
T.G. Frankfurt. In der Gruppe
der Eurostaaten werden die Gespräche mit Griechenland über Reformmaßnahmen als enttäuschend bewertet. Es gebe in der Frage von
Strukturreformen keinerlei Bewegung auf griechischer Seite, hieß es
aus der Eurogruppe. Athen sei
nicht bereit, über eine Kürzung von
Beamtenpensionen zu reden. Ein
Treffen der Finanzstaatssekretäre
am Mittwoch in Brüssel wurde von
Teilnehmern als „erschütternd“ beschrieben. Die Griechen hätten einen neuen Vertreter geschickt, den
Generalsekretär im Finanzministerium Nikos Theocharakis. Er habe
„wie ein Taxifahrer“ immer nur gefragt, wo das Geld bleibe, und behauptet, sein Land sei in Kürze zahlungsunfähig. Die Vertreter der
Gläubigerstaaten teilen diese Einschätzung aber nicht. Athen könne
seine internationalen Verpflichtungen noch erfüllen. Wenn es Gehälter und Renten nicht voll auszahlen
könne, sei das ein innenpolitisches
Problem. Die Vertreter der Eurogruppe gaben der Regierung Tsipras Zeit bis zum 20. April, um eine
akzeptable Liste mit Reformen vorzulegen. Nur dann könnten Kommission, EZB und IWF die Maßnahmen vor dem Treffen der EUFinanzminister am 24. April bewerten. In der Bundesregierung hieß
es, Finanzminister Schäuble müsse
bei grundsätzlichen Änderungen
am schon beschlossenen Reformprogramm vor einer Zustimmung das
Votum des Bundestags einholen.
Lotto: 2, 11, 15, 36, 46, 47 - 6*
Spiel 77: 7 4 0 5 1 9 7
Super 6: 0 2 7 8 2 2
Alle Zahlen ohne Gewähr.
*Superzahl
Abonnentenservice: 01 80 - 234 46 77*
Probe-Abonnement: 01 80 - 252 52*
*(6 Cent pro Anruf aus dem dt. Festnetz, aus
Mobilfunknetzen max. 42 Cent pro Minute)
Im Internet: www.faz.net/leserportal
Fotos Bloomberg, F1Online, Intertopics, Mauritius, Reuters
Belgien 4,10 €; Griechenland 4,60 €; Luxemburg 4,10 €;
Niederlande 4,10 €; Österreich 4,10 € ; Frankreich 4,60 €; Italien
4,60 €, Portugal (Cont.) 4,60 €; Schweiz 5,30 sfrs; Spanien,
Balearen und Kanaren 4,60 €; Ungarn 1060 Ft
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