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Maerz 2015 (Nr. 60)
Die deutschsprachige Zeitung zum Leben in Piter
Stadtnachrichten S. 3>>>
“Die letzte Adresse” Denkmal für Stalinopfer
Stadtnachrichten S. 3 >>>
Europäische Rechte an
Petersburger Kongress
Nachbarn S. 7 >>>
Zwischenfälle an polnischrussischer Grenze
www.spzeitung.ru
Kultur S. 8 >>>
Sachsen zu Gast an
12. Deutscher Woche
Wirtschaft S. 11>>>
Raiffeisenbank auf
Rückzug in Russland
“Früchte-König” Wladimir Kechman in den Schlagzeilen
Nach der skandalträchtigen Entlassung
des
Nowosibirsker
Operndirektors Boris Mesdritsch wegen
einer
TannhäuserInszenierung wurde
an seine Stelle Wladimir Kechman gesetzt.
Gegen die Entlassung
und die Einsetzung
Kechmans, der als
“Früchtekönig” und
geschäftstüchtiger Direktor des Petersburger Michailowski-Theater bekannt wurde,
gingen Kulturschaffende beider Städte auf
die Strasse.
Von Eugen von Arb
Die
verworrene
Geschichte begann bereits
Ende Februar als der Nowosibirsker
Mitropolit
Tichon eine Klage gegen
die zeitgenössische Tannhäuser-Inszenierung des
Regisseurs Timofei Kul-
Im Visier der Ermittler: der gewiefte Früchte-Importeur und Theatermanager Wladimir Kechman. Bild: www.mikhailovsky.ru
jabin wegen unzulässiger
Verwendung christlicher
Symbolik und angeblicher Verletzung religiöser
Gefühle einreichte.
Zwar wurde der Regisseur
durch einen Gerichtsentscheid von den Vorwürfen freigesprochen, doch
wurde das Kesseltreiben
gegen ihn und den Direktor des Operntheaters
Boris Mesdritsch durch
örtliche Abgeordnete der
Regierungspartei “Einiges
Russland” fortgesetzt und
die staatliche Ermittlungsbehörde (SKR) setzte ihre
Ermittlungen fort.
Ende März beschloss das
russische
Kulturministerium schliesslich die
Absetzung des Direktors,
mit der Begründung, dass
kein Projekt mit Staatsmitteln unterstützt würde,
das die Einheit des russischen Volkes gefährde.
Ausserdem wurde Mesdritsch vorgeworfen, sich
beim Publikum nicht für
die skandalträchtige Inszenierung entschuldigt
zu haben.
Auf seinen Posten wurde
umgehend der als Petersburger
“Früchtekönig”
bekannt gewordene Unternehmer (JFC) und
Theaterdirektor
Wladimir Kechman gesetzt, der
ankündigte, er werde das
Repertoire des Nowosibirsker Theaters umkrempeln und es in “Grosses
Theater Sibiriens” umbenennen. Damit zog er
sich den Zorn des “Grossen Theaters” (Bolschoi
Theater) in Moskau zu.
Kein “Engelshumor” am 1. April in Petersburg
Mit der Meldung, von
der Spitze der Peterund Paulskathedrale
sei der goldene Engel
verschwunden, sorgte die Petersburger
I nter ne t-Z eit u ng
“Fontanka.ru” am 1.
April für Verwirrung
und Schmunzeln. Die
Direktion des historischen Museums, zu
dem die Kirche gehört,
bewies hingegen überhaupt keinen Sinn für
Humor.
eva.- In einem geharnischten Brief an die Redaktion
des Internetportals verbat
man sich für die Zukunft
solche Spässe, da der En-
Kreuz ohne Engel - der diesjährige Aprilscherz geriet gewissen
Lesern in den falschen Hals. Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
gel für einen Grossteil der
Bevölkerung ein Wahrzeichen der Stadt und für
die Gläubigen ein heiliges
Symbol darstelle und sich
Scherze dieser Art ungünstig auf das Image der
Stadt auswirkten.
Eine
weitere
Spass-
Meldung
geriet
an
diesem Tag in Umlauf.
Baltische Medien meldeten, dass die beiden von
Russland in Frankreich
bestellten
“Mistral”Kriegschiffe von der EU
gekauft und in Riga stationiert würden. Bereits
seit vergangenem Herbst
wartet die russische Marine vergeblich auf die in
der Werft von St. Nazaire
bestellten Hubschrauberträger, die bisher wegen
der politischen Krise um
die Ukraine nicht ausgeliefert wurden.
Der erste Träger sollte
sofort unter dem Namen
“Juncker” in den Einsatz
gehen und nach dem
Vorsitzenden der EUKommission Jean-Claude
Juncker benannt werden.
Der zweite sollte gemäss
der
Scherz-Meldung
2016 unter dem Namen
“Mogherini”, zu Ehren
der
Außenbeauftragte
der Europäischen Union
Federica Mogherini, auslaufen.
Gegen die Vorgänge um
im Nowosibirsker Theater
fanden mehrere Protestaktionen in Petersburg und
Nowosibirsk stand, in
denen der “Schutz der
Kultur vor dem Kulturministerium”
gefordert
wurde. Gleichzeitig führte
die Polizei Hausdurchsuchungen in den Räumlichkeiten von Kechmans
Früchte-Konzern “JFC”
durch, dessen Unternehmen sich seit 2012 in einem
Konkursverfahren befinden. In diesem Zusammenhang werfen die Sberbank
und die Bank Moskwy
Kechmann Betrug in Milliardenhöhe vor. Dieser
hat den Prozess unterdessen als persönlichen
Feldzug von SberbankChef German Gref gegen
ihn bezeichnet. Dieser
weigerte sich, Stellung zu
Vorwürfen Kechmans zu
nehmen, der sich seiner
Meinung an der Grenze
“zwischen Gut und Böse”
bewege.
Daimler erwägt
Bau von Autowerk
in Petersburg
spn.- Der deutsche Automobilhersteller Daimler
verhandelt über den Bau
eines Werks zur Produktion von PKWs in Russland. Die Entscheidung
dürfte in nächster Zeit getroffen werden, sagte Juri
Spiridonow, Präsident der
russischen Investmentagentur, in St. Petersburg.
„Daimler will in Russland fünf Pkw-Modelle
der Serien S, E, ML, GL
und A bauen“. Daimler
prüfe drei Standorte – Petersburg, Kasan und die
Region
Jekaterinburg.
„Daimler will mit dem Bau
noch 2015 beginnen, damit
die Produktion etwa 2017
aufgenommen wird.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Stadtnachrichten
Petersburger Frühlingsstaubsturm
eva.- Der Schnee schmolz dieses Jahr besonders früh, doch der alljährliche Staubsturm wurde der Stadt dennoch nicht erspart. Obschon die Stadtbetriebe die Strassen und Trottoirs sauber spritzten, wurde alles mit einer
feinen, aber dichten Schicht Staub vollgepudert. Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
Kostenpflichtiges Parken ist “verfassungswidrig”
Ab 1. Mai sollte in einer
Testzone im Petersburger Zentrum das kostenpflichtige
Parken
erprobt werden. Doch
das Ganze muss vorerst
verschoben
werden,
weil Anwohner gegen
die Massnahme prozessieren und dem Ganzen
offenbar die rechtliche
Grundlage fehlt.
eva.- Schon seit Jahren wurde
das Projekt angekündigt: Ab
2015 sollte das Parken im
Petersburger Zentrum Geld
kosten, und damit sollten einerseits Verkehrsprobleme
gelöst und andererseits die
Stadtkasse gefüllt werden.
Schon im Winter wurden
dazu in der Testzone um den
Newski-Prospekt moderne
Parkuhren montiert, die am
1. Mai in Betrieb genommen
werden sollten. Doch soweit
kommt es gar nicht erst – das
wurde an einer Gerichtsverhandlung bekannt, an der
Vertreter der Stadt mit den
Anwälten
unzufriedener
Anwohner zusammentrafen,
“Vorübergehend ausser Betrieb” - die Angabe auf dem Monitor
entspricht dem Status des Projekts. Bild: Eugen von Arb
die gegen die Einführung der
Parkgebühren prozessieren.
Wie Fontanka.ru schreibt,
bezeichneten die Kläger die
Einführung der Gebühren
als verfassungswidrig – der
Hauptpunkte sind die Gewährleistung der verkehrstechnischen Zugänglichkeit
für alle Orte in der Stadt
sowie die Gleichbehandlung
der Anwohner. So ist für sie
nicht verständlich, warum
pro Haushalt lediglich ein
Fahrzeug mit einem Freiparkschein zugelassen ist, wenn in
einer Kommunalwohnung
acht Parteien wohnen. Ausserdem können Hausbewohner, die ihre Wohnung per
Sozialkredit gekauft haben,
Vergünstigungen erhalten,
während andere mit einem
kommerziellen Kredit kein
Recht darauf haben. Zudem
stellte sich während der Gerichtssitzung heraus, dass
das Parkprojekt noch nicht
über das nötige Reglement
verfügt. So ist beispielsweise
nirgends fixiert, als was die
Parkgebühren erhoben werden, als Gebühr für eine
Dienstleistung des Staates
oder für etwas anderes. Darum riet die Richterin den
Vertretern der Stadtregierung, das Parkprojekt zuerst
juristisch zu definieren, um
mit den Klägern zu verhandeln. Ihre Unzufriedenheit
mit den Parkgebühren haben
auch anonyme Personen mit
Vandalenakten ausgedrückt.
Ein Teil der fabrikneuen Parkuhren ist bereits beschädigt
worden. In der Testzone mit
rund 3000 Parkplätze soll
eine Gebühr von 60 Rubel pro
Stunde gelten. Dauerparkierer zahlen 12.000 Rubel pro
Monat oder 108.000 Rubel
pro Jahr. Anwohner können
eine Parkkarte für 1800 Rubel
pro Jahr beziehen.
Seite 2
Wegen UkraineKonflikt: Merkel
reist nicht zu Siegesfeier nach Moskau
spn.- Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel
wird der Militärparade
zum 70. Jahrestag des
Sieges im Großen Vaterländischen Krieg am 9. Mai in
Moskau fernbleiben. Wie
die deutsche Zeitung „Die
Zeit“ unter Berufung auf
regierungsnahe Quellen
berichtet, hat die Kanzlerin
diese Entscheidung vor
wenigen Tagen getroffen.
Der Grund dafür ist offensichtlich die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt.
Ein Besuch der Siegesfeierlichkeiten in Moskau wäre
ein Affront gegen die
ukrainische
Regierung
gewesen, heißt es. Laut
der „Zeit“ hat Merkel eine
Kompromisslösung gefunden. Sie will nun am 10.
Mai nach Moskau reisen
und zusammen mit Putin
das Grabmal des unbekannten Soldaten an der
Kremlmauer
besuchen.
Dort könne man “in
Würde und gemeinsam”
des Zweiten Weltkriegs
gedenken. Einen entsprechenden Vorschlag habe
sie Putin telefonisch übermittelt, heißt es. Der Präsident habe zugestimmt.
Die Bundeskanzlerin ist
nicht die Einzige, die der
Militärparade fernbleiben
wird. Die Präsidenten Polens, Litauens, Lettlands
und Estlands, Bronislaw
Komorowski, Dalia Grybauskaitt, Andris Berzins
und Toomas Hendrik
Ilves, werden ebenfalls
nicht nach Moskau kommen. Auch US-Präsident
Barack Obama wird der
Einladung nicht nachkommen. Als offizieller Grund
wurde sein überfüllter Terminplan genannt.
Ob Frankreichs Präsident
Francois Hollande und
der britische Premierminister David Cameron zu
den Feierlichkeiten reisen.
ist noch unklar. Russland
feiert den Jahrestag des
Kriegsendes und den Sieg
über
Nazi-Deutschland
traditionell mit einer Militärparade auf dem Roten
Platz.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Stadtnachrichten
Seite 3
“Die letzte Adresse” – Erinnern in einer Zeit des Vergessens
Die Aktion “Letzte
Adresse” widerspricht
dem
momentanen
Trend in Russland, die
Zeit des Stalinismus zu
glorifizieren und ihre
Opfer zu vergessen. Mit
kleinen Metalltafeln mit
biografischen Angaben
der Opfer, wollen die Organisation “Memorial”
und freiwillige Helfer
daran erinnern, wo die
Menschen lebten, bevor
sie verschleppt, abgeurteilt, eingesperrt und ermordet wurden.
eva.- “Geboren, verhaftet, gestorben, rehabilitiert” – ausser
den Namen, dem Beruf und
den Jahresdaten wiederholen
sich die Angaben auf den Metallschildern mit ausgeschnittenen Quadrat schematisch.
In den Jahren des Stalinterrors der von den Dreissigerjahren bis zum Tod des
blutrünstigen Diktators 1953
dauerte, herrschte in der Sowjetunion ein Klima der Angst
– die Angst vor den schwarzen Autos und den schwarzen
Geboren, verhaftet, gestorben, rehablilitiert: die traurige Biografie eines Stalin-Opfers. Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
Männern des NKWD, die
Angst vor Denunziation, vor
dem Klopfen an die Wohnungstür im Morgengrauen,
wenn man die Menschen
für immer abholte. Niemand
sollte es sehen, wenn die
Nachbarn
verschwanden,
und wer etwas sah, sollte es
möglichst schnell vergessen.
Gegen dieses Vergessen und
gegen eine Mystifizierung der
Sowjet- und insbesondere der
Stalin-Zeit engagiert sich eine
kleine Gruppe von Freiwilligen in Moskau und seit kurzem auch in St. Petersburg.
Am 22. März wurden in der
zweiten russischen Hauptstadt am Gebäude des Anna
Achmatowa-Museums zwei
Schilder angebracht. Das eine
erinnert an den 1888 geborenen Kunsthistoriker Nikolai
Punin, der 1949 verhaftet
wurde und 1953 in einem
Arbeitslager in der KomiRepublik starb, das zweite an
den 1920 geborenen Berufsoldaten Heinrich Kaminsky,
der 1941 verhaftet wurde und
im sibirischen Arbeitslager
ums Leben kam. Bisher hatte
es solche kleine Erinnerungstafeln, die der Aktion “Stolpersteine” in Deutschland
nachempfunden sind, nur in
Moskau gegeben. Doch vor
kurzem hatte sich auch in Petersburg eine Gruppe Freiwilliger gegründet, die aus dem
Herausgeber der Lokalzeitung
“Moi Rayon” Grigori Kunis,
dem Kunsthistoriker Nikolai
Iwanow, dem “Memorial”Mitarbeiter Ewgeni Kulakow
sowie der Journalistin der
“Nowaja Gaseta” Nataljya
Schkurjonok besteht. Die
Existenz einer solchen Freiwilligengruppe ist die Grundvoraussetzung dafür, dass in
einer Ortschaft Namenstafeln angebracht werden. In
einer ersten Tranche wurden
zwölf Tafeln an fünf Häusern
am Liteiny-Prospekt 53, an
der Fontanka 129, Puschkinskaja 19, Rubinsteina 23 und
an der Uliza Dekabristow 9
angebracht. Im April werden
neue Erinnerungstafeln folgen, schon liegen weitere 70
Anträge vor.Ihre Bearbeitung
braucht seine Zeit, weil sämtliche Daten zuerst im eigenen
Archiv und per Antrag bei
der russischen Justiz verifiziert werden müssen. Die
Anfertigung und Montage
einer Adresstafel kostet 4000
Rubel und wird vorwiegend
aus Spenden finanziert. Nicht
nur aus russischen Städten,
auch aus den ehemaligen
sowjetischen Gebieten, dem
Baltikum,
Weissrussland,
der Ukraine und Armenien
kommen Anfragen. Voraussetzung für die Umsetzung
ist auch dort die Gründung
einer Freiwilligengruppe. Sie
kümmert sich nicht nur um
die Koordination des Projekts
vor Ort, sondern steht auch
dafür, dass sich die Menschen
am betreffenden Ort an die
schreckliche Vergangenheit
erinnern wollen. Nach Angaben von “Memorial” wurden
zwischen 11 und 39 Millionen
Menschen Opfer des Sowjetsystems, von ihnen wurden
4,5 Millionen aus politischen
Gründen verurteilt. Mehr als
eine Million von ihnen wurden erschossen, die übrigen
verschickte man ins GULAG.
Die Organisation “Memorial” wurde 2014 auf die Liste
der “Ausländischen Agenten”
gesetzt.
Konferenz: Russland sucht Unterstützung von Neonazis gegen EU-Sanktionen
In Petersburg versammelten sich am “Russischen Konservativen
Forum” Rechtsextreme
aus aller Herren Länder. Hinter dem bizarren und beschämenden
Neonazi-Treff kurz vor
dem geheiligten Tag des
Sieges über den Faschismus steckt eine Strategie:
Russland versucht mit
vereinigter Hilfe aller
EU-Gegner die Sanktionsfront aufzuweichen.
eva.- Dass Russland die Faschisten (allein) besiegt hat und
sie auch weiterhin bekämpft,
wo immer sie sich regen, war
immer bekannt und wurde
in den vergangenen Monaten
von der Kremlregierung immer wieder besonders betont.
Glaubt man der Propaganda,
die tagtäglich über die russischen Fernsehschirme flimmert, befindet sich Russland
momentan auf einem Kreuz-
Gast aus der rechten Ecke in
St. Petersburg: Udo Voigt.
Bild: Marek Peters /
www.marek-peters.com
zug gegen den US-Imperialismus und gegen den Faschismus, der sich laut russischer
Medien in Westeuropa wieder
überall regt. Gleichzeitig wird
mit einem enormen Pomp
und Aufwand die 70. Jahresfeier zum Sieg der Roten Armee am 9. Mai vorbereitet.
Vor diesem Hintergrund lud
die nationalistische “RodinaPartei” am 22. März Rechtsextreme aus aller Welt ins
Petersburger Hotel “Holiday
Inn” zum “Russischen Konservativen Forum” ein. In
den Saal zog unter anderem
der frühere Chef der NPD
Udo Voigt ein, den die Organisatoren kurzerhand zum
“Antifaschisten” ernannten.
In seinem Kielwasser folgten der italienische Neofaschist Roberto Fiore, Wolen
Sidorow von der nationalistischen “Ataka”-Partei und
Mitglieder der griechischen
“Morgenröte”-Partei, sowie
Nationalisten aus Dänemark,
England und Schweden. An
der Konferenz trafen sie auf
ihre russischen Kollegen, darunter Kämpfer der selbsternannten Volksrepubliken in
der Ostukraine.
Zentrales Thema waren der
EU-Kurs im OstukraineKonflikt, sowie die Sanktionen gegenüber Russland,
die bereits im kommenden
Juni wieder um ein halbes Jahr verlängert werden
könnten. So wie die Versuche
der russischen Regierung, in
bilateralen Gesprächen mit
einzelnen EU-Staaten, wie
Ungarn oder Griechenland,
Verbündete zu finden, muss
auch diese Konferenz als Mittel gegen die Sanktionen gesehen werden.
An den letzten Wahlen ins
EU-Parlament gelang es einigen Rechtsaussenparteien,
ihre Positionen auszubauen.
Offenbar versucht Russland
nun über sie Einfluss auf die
EU-Aussenpolitik zu gewinnen. Bereits zuvor wurden
Annäherungsversuchen mit
den europäischen Rechtsextremen beobachtet, zum
Beispiel als Russland der
französischen Front National einen Millionenkredit
gewährte. Ausserdem waren
im vergangenen Jahr zum
umstrittenen Referendum
über die Unabhängigkeit der
Krim nach deren Besetzung
durch russische Truppen
sowie zu den Petersburger
Gouverneurswahlen Vertreter rechtsextremer Parteien
als Wahlbeobachter eingeladen worden. Diese hatten
dem Regime ausnahmslos
faire und freie Urnengänge
bescheinigt.
Eine Gruppe von Antifaschisten demonstrierte während
des Forums vor dem Hotel
“Holiday Inn” und verschafften ihrem Protest mit einem
Trommelkonzert Ausdruck.
Vier wurden festgenommen
und nach einer Nacht auf
dem Revier wieder auf freien
Fuss gesetzt. Allerdings droht
ihnen noch ein Verfahren mit
einer Verurteilung zu bis zu
15 Tagen Haft. Als einziger
Petersburger Politker hatte
der “Jabloko”-Stadtabgeordnete Boris Wischnewski gegen die Konferenz protestiert
und den Gouverneur Georgi
Poltawtschenko gebeten, dagegen einzuschreiten - vergeblich.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Stadtnachrichten
“Poltawa”-Schiffsdenkmal eingeweiht
eva.- Am Newaufer auf der Höhe des Tschernischewski-Prospekts ist ein Denkmal für das erste russische Linienschiff eingeweiht worden. Das Schiff wurde von Peter dem Grossen persönlich projektiert und wurde nach
der Schlacht von Poltawa (Ukraine) von 1709 benannt. Das fünf Meter lange und ebenso lange Standbild
wurde in Anwesenheit von Gouverneur Georgi Poltawtschenko, Gazprom-Chef Alexei Miller und dem stellvertretenden Oberbefehlshaber der russischen Flotte Alexander Fedotenkow eingeweiht. Laut Poltawtschenko
stellt das Kriegsschiff ein Symbol für das russische Imperium dar. Das Schiffsmodell aus Kupfer, Messing und
Bronze wurde detailgetreu vom Bildhauer Alexander Taratinow angefertigt. Der hohe Sockel soll unter anderem auch dafür sorgen, dass sich keine Vandalen daran vergreifen. Bild: www.gov.spb.ru
Russische Universitäten im Stipendienverzug
Anfang März wurden
aus rund 40 russischen
Universitäten Verzögerungen von bis zu
zwei Monaten bei der
Auszahlung von Stipendien gemeldet –
darunter auch drei
Petersburger Hochschulen. Niemand bestätigt, dass dies mit
der Wirtschaftskrise
zusammenhängt,
doch alle sagen, dass
ihnen insgesamt der
Etat vom Staat gekürzt
wurde.
eva.- Nach dem Bekanntwerden der Zahlungsschwierigkeiten
erliess
Ministerpräsident Dmitri
Medwedew sofort die
Weisung, alle Fälle zu überprüfen. Auf der Liste des
Ombudsmanns für Studentenrechte befinden sich
auch vier staatliche Petersburger Universitäten – die
Universität für Kino und
Fernsehen, die Pädagogische Herzen-Universität,
sowie die Universität für
Seite 4
Die Metro akzeptiert
Kreditkarten direkt
am Drehkreuz
mm.- Schon seit Januar akzeptiert die St. Petersburger
Metro das Bezahlen mit
Kreditkarten. Das System ist
zur Zeit nur an den breiten
Drehkreuzen fuer Koffer
und Kinderwagen möglich.
Die Technik kommt vom
Master Card “PAY PASS”
System. Wer eine Karte mit
dem Symbol für kontaktfreies Bezahlen hat, kann
diese bequeme Möglichkeit
nutzen die Schlange vor
den Schaltern zu umgehen.
Allerdings muss der Passagier über eine halbe Minute
warten, bis das System die
Buchung von 31 Rubel vorgenommen hat und den
Weg freigibt. Danach ist die
Karte 20 Minuten für weitere Buchungen gesperrt.
Metro in St. Petersburg fährt an Ostern
rund um die Uhr
mm. – Die Sankt-Petersburg Metro ist in der Osternacht vom 11. auf den
12. April rund um die Uhr
geöffnet. Den Besuchern
der Ostermessen und
weniger frommen Nachtschwärmern bietet sich so
die Möglichkeit zu jeder
Zeit mit der Metro nach
Hause zu kommen. Einzelne Ein- und Ausgänge
sind jedoch geschlossen. Es
bleiben aber alle Stationen
geöffnet.
Hier die Stationen mit teilweise geschlossenen Zugängen:
Der Zugang 1 der Station
“Prospekt der Veteranen” /
«Проспект Ветеранов»
Der Zugang 2 der Station “Leninski Prospekt” /
«Ленинский проспект»
Eine Reihe russischer Hochschulen gerieten zeitweise in Zahlungsschwierigkeiten bei den
Stipendien. Bild: Wikimedia Commons
Kultur und Kunst und die
Hochschule für Wirtschaft.
Bei Recherchen von Fontanka.ru gestanden nur die
beiden letzteren eine verzögerte Auszahlung der
Stipendien ein, die jedoch
mittlerweile durchgeführt
worden sei. Die beiden anderen gaben an, entweder
aus Versehen auf die Liste
gekommen zu sein oder
gar nicht darauf zu stehen.
Alle vier bestätigten je-
doch eine allgemeine Kürzung der staatlichen Subventionen. Diese sei aber
nicht durch Einsparungen
bei Stipendien, sondern
durch Einsparungen bei
Geschäftsreisen, Anschaffungen oder durch die
Streichung von Bauprojekten aufgefangen worden.
Auch der Vorsitzende des
russischen Studentenverbandes Viktor Worobew
beschwichtigt – solche Ver-
zögerungen seien schon
früher vorgekommen und
daher ganz normal. Dem
widerspricht der Vorsitzende des Petersburger
Rektorenrats
Wladimir
Wasilew – er meint, dass
es bei den Januar-Auszahlungen schon zu Verspätungen gekommen sei,
dass man die Studenten
aber zwei Monate warten
liess, sei keine alltägliche
Situation.
Der Zugang 2 der Station
“Leninplatz” / «Площадь
Ленина»
Der Zugang 1 der Station
“Moskowskaja”
/
«Московская»
Der Zugang
der Station
“Technologisches Institut 1″ /
«Технологический институт 1»
Der Zugang
der Station
“Alexander Newski 2″ / «Пл.
Александра Невского 2»
Der
Zugang
der
Station
“Dostojewskaja”
/
«Достоевская»
Der Zugang der Station
“Spasskaja” / «Спасская»
Maerz 2015 (Nr. 60)
Russland
Seite 5
Skandal um SS-Spielzeugsoldaten in Moskauer Spielwarengeschäft
Im kürzlich wiedereröffneten zentralen Spielwarengeschäft “Detski
Mir” (Kinderwelt) am
Moskauer
LubjankaPlatz ist ein Skandal
entbrannt, nachdem ein
Kunde Nazi-Spielfiguren in einer Vitrine für
Souvenirs
entdeckte.
Während die einen dies
als eine Verhöhnung
russischer Kriegsveteranen bezeichnen, halten
es die anderen für Aktionismus der Staatsanwaltschaft vor der 70.
Siegesfeier.
eva.- Die Anzeige wurde
von einem Kunden eingereicht, der mit seinen
Kindern Modelle von
Rotarmisten zum 70. Siegesjubiläum am kommenden 9. Mai kaufen wollte.
Figuren und Bücher mit Wehrmachts-Thematik sind in Russland überall zu finden - zum Beispiel
an diesem Kiosk, wo Modell für Sammler verkauft werden. Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
Statt der russischen Soldatenmodelle stiess er in
der Auslage des grossen
Spielzeugparadieses
im
Herzen von Moskau auf
SS-Figuren, darunter jene
von Obersturmbannführer
Otto Skorzeny. Das löste ei-
nen Sturm der Entrüstung
aus, mehrere Duma-Abgeordnete bezeichneten das
Ganze als Beleidigung der
russischen Kriegsveteranen, der Veteranenverband
forderte ein sofortiges
Verkaufsverbot für sol-
che Figuren. Die föderale
Ermittlungsbehörde(SKR)
führte eine Hausdurchsuchung in dem Geschäft
durch, wobei mehrere Figuren sichergestellt und
die Geschäftsleitung wegen “Extremismus” sowie
„Schürung von Hass und
Feindschaft“
angeklagt
wurde. In der Gesellschaft
entbrannte eine Diskussion darüber, wie angemessen die Reaktion der
Behörden auf den Zwischenfall war. Während
die einen die Anklage gutheissen, geben andere zu
bedenken, dass sich die
Figuren in einer SouvenirAbteilung befunden hätten, der nicht ausdrücklich für Kinder bestimmt
ist. Wären die Soldaten
in einem Sammler-Shop
angeboten worden, hätte
sie niemand zur Kenntnis
genommen. Reproduktionen, Modelle und Bücher
zum Thema Wehrmacht
und SS werden im übrigen
in vielen russischen Geschäften, Buchhandlungen
und Kiosken angeboten,
ohne dass jemand Anstoss
daran nimmt.
Frankreich testet zweiten Mistral-Träger ohne Russen
Frankreichs Verteidigungsminister JeanYves Le Drian teilte im
Februar mit, dass die
Übergabe des ersten
Hubschrauberträgers
Mistral an Russland
trotz des begonnenen
Waffenstillstandes im
Südosten der Ukraine
derzeit nicht erörtert
wird, schreibt die Zeitung „Kommersant“.
spn./eva.- Le Drian wurde
am in einer Sendung der
Rundfunkanstalt RMC zur
Übergabe der Mistral-Schiffe an Russland befragt. „Die
Übergabe der Hubschrauberträger steht nicht auf der
Tagesordnung“, sagte Le
Drian. „Der Waffenstillstand
ist derzeit noch instabil. Der
Prozess zum Erreichen des
Friedens wird natürlich beginnen, doch zum jetzigem
Zeitpunkt ist die Situation
eben diese“, so der französische Verteidigungsminister.
Er verwies ebenfalls auf die
Worte des französischen
Präsidenten Francois Hollande vom 12. Februar.
Demnach sollte Russland
nicht mit den Hubschrau-
Wartet in St. Nazaire auf seine Auslieferung an die russische Flotte: der Mistral-Hubschrauberträger “Wladiwostok”. Bild: Wikimedia Commons
berträgern beliefert werden,
weil der Waffenstillstand
noch nicht funktioniere
und es viele Risiken gebe,
darunter für die Sicherheit
in Europa. Le Drian äußerte
sich zu einem Zeitpunkt,
zu dem sowohl das ukrainische Militär als auch die
Aufständischen mit dem
Rückzug der schweren Waffen beginnen sollten.
Wie es aus dem Verteidigungsministerium in Paris
hieß, ist die Militärbehörde
nicht bevollmächtigt, sich
zu einer möglichen Übergabe der Mistral-Schiffe
zu äußern. Le Drian habe
in dem Interview nur die
Position der französischen
Regierung dargelegt.
Mittlerweile wurde bekannt,
dass Mitte März bereits mit
der Erprobung des zweiten Schiffs begonnen wird,
das Russland in Frankreich
besellt hatte. Zwischen
dem 16. und 20. März wird
die “Sewastopol” zum er-
sten Mal zu einer Testfahrt
auslaufen. Wie Gazeta.ru
schreibt wird daran allerdings kein russisches Schiffspersonal teilnehmen.
Das erste Mistral-Schiff
„Wladiwostok“ hätte im
November an Russland
übergeben werden sollen.
Doch wegen der Gefechte
im Südosten der Ukraine
wurde die Lieferung auf
unbestimmte Zeit verschoben. Zuvor hatte Le Drian es
sogar für möglich gehalten,
dass die Schiffe überhaupt
nicht an Russland übergeben werden.
Russlands Präsident Wladimir Putin betonte, dass
Moskau in diesem Fall mit
der Rückgabe der Vorauszahlungen in Höhe von
rund einer Milliarde Euro
rechnet. Andernfalls werde
sich Russland an ein internationales Schiedsgericht
wenden. Die für den Bau
der Mistral-Schiffe zuständige Rüstungsfirma DCNS
beklagt bereits die zusätzlichen Kosten für die Wartungsarbeiten. Französische
Experten schätzen, dass es
sich dabei um fünf Millionen
Euro pro Monat handelt.
Laut Philippe Migault vom
französischen Institut für
internationale und strategische Beziehungen wurde
Hollande von den USA und
einigen EU-Ländern unter
Druck gesetzt, die Lieferung
der Hubschrauberträger zu
verschieben. Jetzt, da sich
allmählich ein Ausweg aus
der Ukraine-Krise abzeichnet, könne man darauf hoffen, dass die Schiffe innerhalb einiger Wochen bzw.
eines Monats an Russland
geliefert werden.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Stadtnachrichten
Autonummern-Diebstahl wird in Russland strafbar
Der Diebstahl von
Nummernschildern,
der in den letzten Jahren zu einem beliebten
Geschäft von Erpressern geworden war,
kann endlich strafrechtlich verfolgt werden. Früher mussten
die Opfer entweder
ihre Schilder für teures Geld auslösen oder
eine mühsame bürokratische
Prozedur
durchlaufen.
Dabei
konnten sie nicht einmal Anzeige erstatten,
weil die Schilder als
“Staatseigentum” niemandem gehörten.
eva.- Meldungen über gestohlene Nummern tauchten in den vergangenen
Jahren immer häufiger auf
– dreiste Diebe verdienten
gut, Autofahrer ärgerten
sich schwarz und die Polizei konnte nichts tun, weil
Bald nicht mehr interessant für Langfinger: die russischen
Autonummern. Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
Gesetze fehlten. Im Herbst
2014 wurde eine erste gesetzliche
Erleichterung
eingeführt: Wem die Nummernschilder
gestohlen
wurden, der konnte innerhalb nützlicher Frist ein
Duplikat bestellen, so wie
es auch in anderen Ländern möglich ist.
Ab dem 4. August steht
der Nummernklau nun
unter Strafe – von 200.000
Rubel Geldstrafe bis zu
einem Jahr Haft für Einzeltäter oder von 300.000 Rubel Busse bis zu vier Jahren
Gefängnis für Gruppen.
Auch das Abschrauben von
Nummern “zum Spass”
oder einfach um den Nachbarn zu ärgern wird in Zukunft mit einer Geldbusse
bis zu 5000 Rubel oder mit
15 Tagen Arrest geahndet.
Das Nummernschild wird
zum Privateigentum erklärt und kann deshalb auch
als gestohlen gemeldet
werden. Laut dem Initiator
und Duma-Abgeordneten
der Partei “Automobiles
Russland” Wjatscheslaw
Lysakow, wird das Gesetz
dem lukrativen Geschäft
des Nummerndiebstahl ein
Ende setzen. Die Polizei
kann nun gezielt gegen die
Banden operieren, welche
die Nummern nicht nur
stehlen, sondern danach
auch die Wagenbesitzer
überwachen, von denen
sie das Lösegeld verlangen, und sich parallel oft
noch mit anderen krummen Dingen beschäftigen.
Besonders schwer trafen
die Diebstähle Fernfahrer,
die sich auf der Durchfahrt
befanden und besonders
erpressbar waren, weil sie
unter Zeitdruck standen.
Auch ausländische Autofahrer konnten leicht zur
Zahlung bewegt werden,
weil sie sich ihre neuen
Schilder im Ausland wieder besorgen mussten.
ITB: Immer weniger deutsche Urlauber in Russland
Seit Beginn der Ukraine-Krise haben sich
die
Besucherzahlen
von Urlaubern aus
dem deutschsprachigen Raum nahezu
halbiert, so Kseniya
Buschueva von der
Taritour – Unternehmensgruppe aus Sankt
Petersburg, bei der 49.
Internationalen Tourismus Börse (ITB) in
Berlin. Die Zahlen der
Ru s sl a nd-Url aub er
aus Deutschland, der
Schweiz und Österreich sinken infolge
der politischen Entwicklung,
meinten
russische
ITB-Teilnehmer. Aber auch die
Zahl der russischen
Aussteller auf der ITB
ist rückläufig.
spn.- Die Mehrheit der
Deutschen verbrachte laut
offiziellen Statistiken 2014
ihren Urlaub daheim. Auf
der Hitliste ihrer ausländischen Reiseziele standen
Petersburg und seine Sehenswürdigkeiten sind momentan nicht gerade hoch im Kurs bei deutschen Touristen. Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
Spanien, Italien, die Türkei
und Österreich. Bei den
Russen waren Finnland
und Italien die populärsten
Reiseziele im EU-Raum.
Probleme mit Visa, auch
längerfristige und Mehrfachvisa, gab es für sie dabei so gut wie keine.
Die russische Seite unternimmt nicht wenige
Anstrengungen, um ausländischen Touristen die
Einreise zu erleichtern,
hieß es an den russischen
ITB-Ständen. Die für die
Beantragung notwendigen
Dokumente wurden auf
ein Minimum reduziert,
die
Bearbeitungszeiten
auf maximal zwei Wochen
verkürzt. An der diesjä-
hrigen ITB nahmen mehr
als 10.000 Aussteller aus
insgesamt 180 Ländern
und Regionen teil. Bei der
weltgrößten Reisemesse,
die in 26 Hallen unter dem
Berliner Funkturm verlief,
waren unter anderem der
Irak, Afghanistan, Bangladesch, Kongo oder Nigeria
teil.
Seite 6
Die Petersburger Uni.
Bild: Wikimedia Commons
Petersburger und
Moskauer Uni vorne
auf Weltrangliste
eva.-Die Moskauer Lomonossow-Universität
(MGU) und die Staatliche
Petersburger Uni (SPBGU) wurden von der englischen Zeitschrift Times
Higher Education auf die
Liste der weltweit hundert besten Hochschulen
gesetzt. Die Moskauer
Uni schaffte es auf den
beachtlichen 25 Platz, die
ersten drei Plätze wurden
traditionsgemäss von den
drei Harvard, Cambridge
und Oxford besetzt. Die
Petersburger
Staatsuni
kam im Ranking in den
Bereich des 71. bis 80.
Platz, zusammen mit
Hochschulen in den USA,
Holland, Mexiko und
China.
Das Besondere an dem
Ranking ist, dass nicht
wie üblich die Lernenden, sondern die Lehrenden die Noten vergeben.
10.500 Dozenten aus 142
Lehrer gaben ihre Beurteilung zur Bedeutung
der Hochschulen in der
Welt der Wissenschaft
ab. Das bedeutet eine
objektive Einstufung der
Hochschulen bezüglich
Forschung, aber nicht unbedingt eine Einstufung
bezüglich Qualität des
Angebots und des Unterrichts für die Studenten.
Die beiden russischen
Universitäten haben zum
ersten Mal eine solch
gute Position in dieser
Rangliste erhalten, die seit
2011 erstellt wird – das
ist sicher ein Grund zur
Freude. Eher ernüchternd
ist die Tatsache, dass 43
der 100 ersten Plätze von
amerikanischen
Hochschulen
eingenommen
werden.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Nachbarn
Finnische Sozialbehörde nimmt Russin ihren Sohn weg
eva.- In Helsinki wurde ein neuer Fall eines
Eingriffs der finnischen
Sozialbehörde bekannt.
Der Sohn der dort lebenden Russin Lubow
Wlasowa wurde direkt
aus der Schule geholt
und in eine Pflegefamilie
gebracht. Bisher wurde
der Schritt von der Behörde nicht begründet.
Wie ihr Anwalt verlauten
liess, arbeitet Wlasowa in
einem Kindergarten der
finnischen
Hauptstadt
als Erzieherin, spricht
fliessend Finnisch und
verfügt über einen tadellosen Leumund. Sie besitzt die russische Staatsbürgerschaft und hat die
russische Botschaft um
Hilfe gebeten.
Es ist bei weitem nicht
der erste Fall, in dem die
finnischen Behörden Kinder aus russischen oder
russisch-finnischen Familien ihren Eltern wegnimmt und in fremde
Obhut gibt.
Seite 7
Aufwändige Militärmanöver in Ost und West
Auf das am 1. April
zu Ende gegangene
Manöver des US-Konvois Dragoon Ride
folgte die Nato-Übung
Noble Jump. Das sind
die ersten Manöver
der sogenannten Very
High Readiness Joint
Task Force (VJTF), die
als Antwort auf neue
Sicherheitsherausforderungen an der südlichen und östlichen
Grenze der Nato geschaffen wurde.
spn./eva.- Der erste Teil des
Manövers finde vom 1. bis
zum 10. April statt, heißt es
bei der Nato. Bei dem Training wird erstmals unmittelbar der Befehl befolgt, Militärs in Stellung zu bringen.
Wo die Übungen stattfinden
und wer daran teilnimmt,
wurde nicht mitgeteilt. Doch
bekannt ist, dass der zweite
Teil des Manövers im Juni
auf dem Gelände Sagan im
Westen Polens stattfindet.
In Polen laufen derweil drei
Nato markiert Präsenz: amerikanische Schützenpanzer auf dem “Dragoon Ride”
in Litauen. Bild: Wikimedia Commons
Wochen dauernde Übungen
unter Teilnahme von Kampfflugzeugen A-10 Thunderbolt, Transportflugzeugen
C-130 Hercules und 150
Piloten der US-Luftstreitkräfte. Die Übungen finden
entlang den Nato-Grenzen
statt. Nach den Manövern
mit der Ankunft der USPanzer im Baltikum als Teil
der Operation „Atlantic Resolve“ finden in Bulgarien
und Rumänien zwei weitere
Übungen unter Teilnahme
von 800 US-Militärs statt.
Laut
Pentagon-Sprecher
Steve Warren landete die
173. Luft-Landebrigade auf
dem rumänischen Gelände
Smardan.
Im Ferbruar und März hatte Russland im baltischen
Raum und im Nordwesten
grossangelegte
Flottenmanöver durchgeführt. Die
Luftabwehreinheiten
der
Baltischen Flotte unternahm
in der russischen OstseeExklave Kaliningrad (vor-
mals Königsberg) Übungen
mit Gefechtsschießen.
An den Übungen nahmen
über 500 Soldaten teil. Mehr
als 100 Kampfgeräte waren
im Einsatz, unter anderem
schultergestützte Kurzstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensysteme „Igla“, Flugabwehrkomplexe „Tunguska“,
Flugabwehrpanzer „Schilka“
und Flugabwehrraketensysteme „Tor“, die im Dienst
der Küstentruppen der Baltischen Flotte stehen.
Schikane und Überfälle an der polnisch-russischen Grenze
Grenzgänger aus Kaliningrad berichten von
Schikanen durch polnische Grenzer. Im Kaliningrader Gebiet kam es
zu Übergriffen auf polnische Grenzgänger. Laut
einer Umfrage nimmt
in Polen ein wachsender
Anteil der Bevölkerung
nicht nur den russischen
Staat, sondern auch seine
Bevölkerung als Bedrohung wahr.
eva.- Der Zwischenfall auf
polnischer Seite ereignete
sich am 5. März am Grenzübergang BagrationowskBesledy.
Der 39-jährige
Kaliningrader
Alexander
kehrte mit Frau und Tochter von Einkäufen aus Polen
zurück und machten sich
auf der polnischen Seite zur
Abfertigung bereit, als eine
der üblichen Roaming-SMS
auf dem Mobiltelefon eintraf.
Alexander warf nach eigenen
Angaben nur einen kurzen
Blick darauf, bevor er das Telefon zur Seite legte und dem
polnischen Grenzbeamten
die Dokumente überreichte.
Dieser gab ihm zur Antwort,
er müsse 200 Zloty als Busse
wegen verbotenem HandyGebrauchs zahlen und winkte ihn auf die Seite. Nachdem
er den Wagen abgestellt hatte,
kamen zwei weitere Grenzbeamte hinzu und begannen
ihn zu befragen, warum er
am Steuer sei und nicht seine
Frau, auf die der Wagen registriert sei. Als Alexander sie
bat, ihm auf Russisch oder
Englisch zu erklären, worum
es ging, erklärten sie ihm,
dass er sich in Polen befände
und darum Polnisch zu verstehen habe und die hiesigen
Gesetze kennen müsse. Er
rief den russischen Generalkonsul in Gdansk an, der ihm
empfahl, einfach die Busse
Der polnische Grenzposten bei Bagrationowsk-Besledy.
Bild: Wikimedia Commons
zu zahlen. Auf seine Forderung, ihm die Aufzeichnung
der Überwachungkamera zu
zeigen, antwortete ihm einer
der Grenzer “Wir sind nicht
Russland, wir sind die EU, wir
haben unsere Regeln” und
beschimpfte ihn. Ein anderer
zeigte auf den Wartestreifen
für nichtrussische Autos und
sagte zu Alexander “Das sind
Menschen!” Erst nach vier
Stunden wurden die Familie
durchgelassen. Er habe nie
an die Geschichten von Schikanen gegenüber russischen
Touristen auf polnischer Seite
geglaubt, bis er es nicht selbst
erlebt habe, meinte Alexander, der seit 1993 regelmässig
nach Polen reist. Auf russischer Seite kam es innerhalb
des vergangenen Monats
zweimal zu Übergriffen auf
polnische Besucher. In einem
Fall wurde ein Rentner an
einer Tankstelle von Russen
zusammengeschlagen, nach-
dem er sie um Ruhe gebeten
hatte. Der zweite Fall ereignete sich bei Tschernjakowsk,
wo ein Russe von einem Polen 100 Euro verlangte und
auf dessen Wagen schoss als
dieser sich weigerte. Dass sich
in Polen die Meinung über
die russischen Nachbarn seit
der Ukraine-Krise deutlich
verschlechtert hat, beweist
auch eine Umfrage durch
das polnisch-russische Dialog-Zentrum in Warschau.
Demnach ist auch jene dünne
pro-russische Mehrheit, die
sich noch vor zwei Jahren gehalten hatte, verschwunden,
und die polnische Bevölkerung spricht sich nicht nur
mehrheitlich negativ gegenüber dem russischen Staat aus,
sondern auch gegenüber dem
russischen Volk. Umgekehrt
hat sich die Meinung gegenüber den weissrussischen,
litauischen und ukrainischen
Nachbarn verbessert.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Kultur
Sachsen zu Gast an der Deutschen Woche 2015
Seite 8
Mit mehr als 100 Veranstaltungen in den
Bereichen Kultur, Wirtschaft,
Wissenschaft
und Gesellschaft geht
vom 21. bis 26. April die
12. Deutsche Woche in
St. Petersburg über die
Bühne. Zu Gast ist dieses Jahr das Bundesland
Sachsen, das in allen
Bereichen seine ganz eigenen Akzente setzen
wird.
pd.- Ziel der Deutschen
Woche Petersburg ist es, die
unmittelbare Begegnung
zwischen Deutschen und
Russen zu ermöglichen
und dabei auch in schwierigen Zeiten die Türen für
den Dialog und den lebendigen Kulturaustausch
offen zu halten. Mit dem
Partnerbundesland Sachsen haben wir 2015 dabei
einen engagierten Partner
an der Seite, der sich dem
Petersburger
Publikum
Tanzprogramm aus
Dresden
mit einem anspruchsvollen, vielseitigen Kulturangebot präsentieren wird.
Auch unsere Petersburger
Partner, Mitveranstalter
und Sponsoren haben das
Programm der Deutschen
Woche 2015 mit ihrem
Ideenreichtum und Enthusiasmus
bereichert.
Aus den gemeinsamen
Anstrengungen der großen
und kleinen Organisatoren entstand eine Vielzahl
von Veranstaltungen, von
denen wir hier nur eine
begrenzte Auswahl erwähnen können.
Weitere Veranstaltungen unter:
www.deutsche-woche.ru
Literatur, Lesungen und Autorentreffen
Im “Jahr der deutschen
Sprache und Literatur
2014/15” ist Literatur ein
besondererSchwerpunkt
der Deutschen Woche.
pd.- Im April besuchen interessante deutsche Autoren
St. Petersburg, darunter die
Kinderbuchautoren Torben
Kuhlmann und Paul Maar,
sowie der hochdotierte
deutsche Schriftsteller und
Lyriker Uwe Timm, der aus
seinem neuen Roman “Am
Beispiel meines Bruders” lesen wird. Kuhlmann feierte
letztes Jahr sein Debüt mit
dem Buch „Lindberg: die
abenteuerliche Geschichte
einer fliegenden Maus“ und
der Erzähler Paul Maar ist
als Vater des „Sams“ bekannt. Bei der „Biblionacht“
werden junge Autoren aus
Sachsen wie Andreas Altmann, Katharina Bendiksen und Diana Feuerbach,
aus ihren Werken lesen und
zum Gespräch bereit sein.
Dienstag 21. April 16:00–17:30
„Lindbergh: Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“. Lesung für Kinder.
„Café D“, Goethe-Institut St.
Petersburg, Nab. Reki Mojki 58
Veranstalter: Deutsches Generalkonsulat St. Petersburg,
Goethe-Institut St. Petersburg,
Verlag „Polyandria“ Eintritt: frei,
nach vorheriger Anmeldung unter: ku-100@stpe.diplo.de
Mittwoch 22. April 17:00–18:30
Hinter den Kulissen von „Lindbergh“. Ein Werkstattgespräch
mit Torben Kuhlmann. „Café D“,
Goethe-Institut St. Petersburg,
Nab. Reki Mojki 58. Veranstalter: Deutsches Generalkonsulat
St. Petersburg, Goethe-Institut
St. Petersburg, Verlag „Polyandria“. Eintritt: frei, nach vorheriger Anmeldung unter: ku-100@
stpe.diplo.de
Donnerstag 23. April 17:00
Der Leipziger Verlag „Poetenladen“ stellt sich vor. Lesung.
„Café D“, Goethe-Institut St.
Petersburg, Nab. Reki Mojki 58.
Veranstalter: Freistaat Sachsen, Goethe-Institut St. Petersburg. Eintritt: frei.
Freitag 24. April 15:00, 17:00
Autorengespräch mit Paul
Maar. Autorenlesung. „Café D“,
Goethe-Institut St. Petersburg,
Nab. Reki Mojki 58. 17:00 Uhr:
Puschkin-Stadtbibliothek
für
Kinder und Jugendliche, Bolschaja Morskaja Ul. 33. Veranstalter: Goethe-Institut St.
Petersburg. Eintritt: frei.
pd.- Das Gastland Sachsen bringt in diesem Jahr
ein einzigartiges Tanzprogramm aus Dresden
mit nach St. Petersburg.
Die Tänzerin und Choreographin Katja Erfurth ist
geprägt durch ihre Ausbildung an der Palucca
Schule Dresden und ihre
Beschäftigung mit den
Wurzeln des Deutschen
Ausdruckstanzes.
Für
den Solotanzabend “Tänze in Schwarzweiss”
rekonstruierte sie zwei
Tänze von Dore Hoyer
(1911–1967) und schuf
eigene Choreografien. Im
Tanztheater für Kinder
“Käthy im Wunderland”
wandelt die Heldin auf
den Spuren der kleinen
Alice von Lewis Carroll.
Auf ihrer Traumreise begegnet sie allerlei wundersamen Gestalten.
22. April 19:00
Käthy im Wunderland. Tanztheater für Kinder mit Katja
Erfurth (Tanz) und Sascha
Mock (Percussion). Neue
Bühne des Alexandrinski
Theaters, Nab. Reki Fontanki 49A. Veranstalter:
Freistaat Sachsen, Deutsches Generalkonsulat St.
Petersburg. Eintritt: ab 200
Rub. Kontakt: Neue Bühne
des Alexandrinski Theaters,
Tel.: +7 (812) 401 53 41. Altersfreigabe: 6 +
Freitag 24. April 19:00–21:00
Sächsische Autoren bei der
„Biblionacht“. Lesungen und
Diskussionen. Majakowski-Bibliothek, Nab. Reki Fontanki 46,
Weißer Saal. Veranstalter: Freistaat Sachsen, Goethe-Institut
St. Petersburg, MajakowskiBibliothek. Eintritt: frei.
Samstag 25. April 17:00–20:00
Von Goethe bis Rilke. Poesieabend. „Café D“, Goethe-Institut
St. Petersburg, Nab. Reki Mojki
58. Veranstalter: Wohltätigkeitsorganisation
„Perspektiven“.
Eintritt: frei.
Montag 27. April 18:00–20:00
Uwe Timm liest aus seinem
Roman „Am Beispiel meines
Bruders“. Autorenlesung in der
Majakowski-Bibliothek,
Nab.
Reki Fontanki 46, Weißer Saal.
Veranstalter: Goethe-Institut St.
Petersburg. Eintritt: frei.
23. April 20:00
Tänze in Schwarzweiss. Solotanzabend von Katja Erfurth (Dresden). Alexandrinski Theater, Neue Bühne,
Nab. Reki Fontanki 49A. Veranstalter: Freistaat Sachsen, Deutsches Generalkonsulat St. Petersburg. Eintritt:
ab 400 Rub. Kontakt: Neue
Bühne des Alexandrinski
Theaters, Tel.: +7 (812) 401
53 41. Altersfreigabe: 12 +
Maerz 2015 (Nr. 60)
Kultur
Das Filmprogramm der 12. Deutschen Woche
Die diesjährige Deutsche
Woche zeigt Bilder gegen
das Vergessen – Erinnerung im Dokumentarund Animationsfilm.
pd.- Welche Bilder von
den großen Umbrüchen,
die Osteuropa in den letzten Jahrzehnten geprägt
haben, werden in unserem
Gedächtnis bleiben? Da, wo
es keine Bilder gibt, droht
Geschichte zu verschwinden. DOK Leipzig, das
Internationale
Leipziger
Festival für Dokumentarund Animationsfilm, das
älteste und eines der wichtigsten seiner Art weltweit,
präsentiert vier Filme, die
subtile Gegenentwürfe liefern, indem sie Bilder durch
Erinnerungsprozesse wieder sichtbar machen. Dabei
Seite 9
24. April 20:00
BILDER GEGEN DAS VERGESSEN. Erinnerung im Dokumentar- und Animationsfilm. Teil I. Filmvorführung mit
Publikumsdiskussion.
Kino
„Awrora“, Newski Prospekt 60.
Veranstalter: Freistaat Sachsen
in Kooperation mit DOK Leipzig
und Goethe-Institut St. Petersburg. Eintritt: Vorverkauf: 150
Rub., Abendkasse: 200 Rub.
Sprache: Russisch mit deutschen Untertiteln.
wird, wie in den Streifen
„Die chthonische Stadt“
und „Micki“ das Dokumentarische mit Animationen verflochten und so die
Grenzen des Genres ausgelotet. Eine Reise in die Ukraine unternimmt Tamara
Trampe, um in „Meine
Mutter, ein Krieg und ich“
das Schicksal ihrer Mutter
nachzuvollziehen. „Striche
ziehen“ von Gerd Kroske
ist eine Geschichte über
Schuld und Vergebung, angesiedelt im Punker-Milieu
der 80er Jahre. Es ist der eigene Bruder, der verrät. Die
Filmvorführungen werden
in Zusammenarbeit mit der
Universität für Kino und
Fernsehen St. Petersburg
organisiert.
24. April 19:00
„Vaterlandsverräter“, Dokumentarfilm, 2011 Filmvorführung
und Diskussion. DeutschRussischer Austausch, Ligowski Prospekt 87, Büro 300,
Konferenzsaal.
Veranstalter:
Deutsch-Russischer Austausch
(DRA), Heinrich-Böll-Stiftung.
Eintritt: frei.
25. April 20:00
BILDER GEGEN DAS VERGESSEN. Erinnerung im Dokumentar- und Animationsfilm.
Teil II. Kino „Awrora“, Newski
Prospekt 60. Veranstalter:
Freistaat Sachsen in Kooperation mit DOK Leipzig und
Goethe-Institut St. Petersburg.
Eintritt: Vorverkauf - 150 Rub.,
Abendkasse - 200 Rub. Sprache: Deutsch mit russischen
Untertiteln.
26. April 11:00
„Das Sams“. Filmvorführung
und Quiz. „Café D“, Goethe-Institut St. Petersburg, Nab. Reki
Mojki 58. Veranstalter: GoetheInstitut St. Petersburg. Eintritt:
frei. Altersfreigabe: 6 +
Deutsche Woche 2015: Theater und Bühne
Die Theaterkunst ist dieses Jahr mit einem ausgesprochen zeitgenössischen und innovativen
Angebot vertreten.
pd.- Das Theater “Derevo”
kam in den 90er Jahren aus
St. Petersburg nach Dresden.
Seit 2003 ansässig am Festspielhaus Hellerau, beweist
es mit jeder Produktion seine
besondere und außergewöhnliche Bewegungssprache –
skurril, berührend, uneitel.
Eher klassisch geprägt sind
die Aufführungen „Der gute
Mensch von Sezuan“ in der
Music Hall sowie die musikalische One-Man-Show
„Wenn ich mir was wünschen dürfte“. Gleich drei
Veranstaltungen finden im
Loft “Skorochod” statt: “Das
Schweigen der Welt – Eine
Theaterreise mit Bildern von
René Magritte”, die “Freakshow The Best in Town“ und
das Puppentheater für Kinder und Familien “Ente, Tod
und Tulpe”. Das Stück „Entfernte Nähe“ - eine Kooperation des Goethe-Instituts,
der NGO für Rehabilitation
von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen
und ihren Familien „Krug“
und des Theaters „Zentrum
für Dramaturgie und Regie“
die kreative Zusammenarbeit
von professionellen Akteuren
und Tänzern mit mental oder
körperlich eingeschränkten
Schauspielern.
21. April 19:00
Entfernte Nähe. Kleiner Saal
des BDT, Nab. Reki Fontanki
65. Veranstalter: Goethe-Institut St. Petersburg, Großes
Towstonogow-Schauspielhaus
(BDT), Regionaler Verein für
sozial-künstlerische Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und
ihren Familien „Krug“. Eintritt:
ab 1000 Rub., Tel. der Theaterkasse: +7 (812) 244 10 71.
23. April 19:30
Das kalte Kind. Neue Bühne
des Alexandrinski Theaters,
Nab. Reki Fontanki 49A. Veranstalter: Staatliche Akademie für
Theaterkunst St. Petersburg,
Neue Bühne des Alexandrinski
Theaters. Eintritt: frei, nach vorheriger Anmeldung.
23.-26.April
Inseln. Theatervorstellung. Am
23.04. um 19:30 Uhr – OpenAir-Performance, um 20:00 Uhr
– Vorstellung, 24.04.–26.04.
um 20:00 Uhr. Ort: Museum für
zeitgenössische Kunst „Erarta“,
Wassili-Insel, 29. Linie der
Wassili-Insel 2. Veranstalter:
Freistaat Sachsen, Museum für
zeitgenössische Kunst „Erarta“.
Eintritt: ab 1500 Rub.
24. April, 25. April 11:00
Ein Schritt auf die Bühne. Deutsche Dramaturgie auf der Weltbühne im 20.–21. Jh. Wissenschaftliche Konferenz. 24.04.:
Kleine Bühne der Staatlichen
Akademie für Theaterkunst
St. Petersburg, Ul. Mochowaja
34; 25.04.: Neue Bühne des
Alexandrinski Theaters, Nab.
Reki Fontanki 49A. Veranstalter: Staatliche Akademie für
Theaterkunst St. Petersburg,
Neue Bühne des Alexandrinski
Theaters. Eintritt: 24.04.: frei,
nach vorheriger Anmeldung;
25.04.: 100 Rub.
24. April 19:00
„Der gute Mensch von Sezuan“.
Studententheater. Music Hall,
Alexandrowski Park 4. Veranstalter: Theaterbund „Philolalia“.
Eintritt: frei
25. April 18:00
Traumwächter. Zirkus-Aufführung. Zirkuszelt im Hof des
Businesszentrums
„Benois“,
Swerdlowskaja Nab. 44. Veranstalter: Gmeinnützige Organisation „Zirkus Upsala“. Eintritt:
Erwachsene – 400 Rub., Kinder
– 200 Rub.
25. April 19:00
„Wenn ich mir was wünschen
dürfte“. Musikalische OneMan-Show. Gostinka Art (Sadowaja Linie des Großen Gostiny Dwor), Newski Prospekt
35, 2. Stock. Veranstalter:
Musiktheater ArteFakt, Wohltätigkeitsfonds zur Unterstützung
schwerkranker Kinder „Linija
Zhisni“, Kunstverein „Intention“.
Eintritt: frei, Spende erbeten
25. April 20:00
Das Schweigen der Welt – Eine
Theaterreise mit Bildern von
René Magritte. Visuelles Theater. Loft „Skorochod“, Moskow-
ski Prospekt 107, Gebäude 5,
3. Stock. Veranstalter: Freistaat
Sachsen, Deutsches Generalkonsulat St. Petersburg. Eintritt:
700 Rub., Ermäßigungen für
Studenten und Rentner.
25. April 22:30
Freakshow „The Best in Town“.
Visuelles Theater. Loft „Skorochod“, Moskowski Prospekt
107, Gebäude 5, 3. Stock. Veranstalter: Freistaat Sachsen,
Deutsches Generalkonsulat St.
Petersburg, Loft „Skorochod“.
Eintritt: 250 Rub.
26. April 17:00
Ente, Tod und Tulpe. Puppentheater für Kinder und Familien.
Loft „Skorochod“, Moskowski
Prospekt 107, Gebäude 5, 3.
Stock. Veranstalter: Freistaat
Sachsen, Deutsches Generalkonsulat St. Petersburg. Eintritt:
500 Rub., Familienticket: 1000
Rub., Ermäßigungen für Studenten und Rentner.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Kultur
Seite 10
Deutsche Woche 2015: Gesellschaft/Begegnungen
Die Möglichkeit von
direkten Begegnungen
und freiem Austausch
zwischen Deutschen und
Russen ist das Hauptanliegen der Deutschen
Woche.
pd.- Zahlreiche Petersburger Organisationen fördern
den Kontakt zwischen den
beiden Nationen mit ihrem
Engagement und nehmen
traditionsgemäss mit ihren Veranstaltungen an
der Deutschen Woche
teil - so wird zum Beispiel
das “Café D” im GoetheInstitut als kultureller
Spielplatz für Lesungen,
Diskussionen und Filmvorführungen, als gemütliche Kaffeestube und
wichtigster Begegnungsort
für Gäste und Teilnehmer
wieder seine Türen öffnen.
Der
Deutsch-Russische
Austausch
organisiert
eine Diskussionsrunde, in
der Bilanz zu zehn Jahren
Schüleraustausch gezogen
wird. Wie jedes Jahr findet
im
Deutsch-Russischen
Begegnungszentrum der
Öko-Flohmarkt mit einem
unterhaltsamen Begleitprogramm statt. Der Hamburger Club wählt den
Garten als Begegnungsort
in Russland und Deutschland zum Thema einer Podiumsveranstaltung. Der
Austausch auf wirtschaftlicher Ebene wird von der
Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer mit
einer ganzen Reihe hochkarätiger Veranstaltungen
für ein breites Publikum
gefördert, wobei dieses
Jahr der Hauptakzent auf
dem Bundesland Sachsen
liegt.
21.–26. April, täglich 10:00–
21:00, am 22.04.: 16:30–21:00
„Café D“. Veranstaltungscafé. Bibliothek des Goethe-Instituts St.
Petersburg, Nab. Reki Mojki 58.
Veranstalter: Goethe-Institut St.
Petersburg. Eintritt: frei.
Dienstag 21. April 09:00
Lokalisierung
in
Russland
Deutsch-Russische Auslandshandelskammer, Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH. Eintritt:
nach vorheriger Anmeldung.
Donnerstag 23. April 15:00
Vorlesewettbewerb für Schüler.
Wettbewerb in deutscher Sprache. Gymnasium Nr. 74, Ul.
Bolotnaja 6. Veranstalter: Deutschlehrerkollegium des Gymnasium Nr. 74. Eintritt: Teilnehmer
– nach vorheriger Anmeldung,
Publikum – frei
Donnerstag 23. April 19:00
Gemeinschaftliches Gärtnern
in Hamburg und St. Petersburg:
Praktische Beispiele. Vortrag
und Diskussion. „Deutsch-Russisches Begegnungszentrum“,
Newski Prospekt 22-24, linker
Seiteneingang der Petrikirche, 2.
Stock. Veranstalter: Hamburger
Club in St. Petersburg, HanseOffice,
Russisch-deutsches
Büro für Umweltinformationen.
Eintritt: frei, nach vorheriger Anmeldung.
– Chancen für deutsche Unternehmen.
Informationstour.
Treffpunkt:
Businesszentrum
„Petrowskij Fort”, Finljandski
Prospekt 4A. Veranstalter:
Deutsch-Russische Auslandshandelskammer. Eintritt: nach
vorheriger Anmeldung.
Dienstag 21. April 18:00
10 Jahre Schüleraustausch
zwischen Deutschland und
Russland. Diskussion. Deutsch-
Russischer Austausch, Ligowski
Prospekt 87, Konferenzsaal. Veranstalter: Deutsch-Russischer
Austausch (DRA). Eintritt: nach
vorheriger Anmeldung.
Mittwoch 22. April 13:30–
17:30
Innovative Produktionstechnologien im Maschinenbau. Wirtschaftsforum. Kempinski Hotel
Mojka 22, Nab. Reki Mojki 22,
Seminarraum.
Veranstalter:
Samstag 25. April 14:00–16:00
Deutscher Öko-Flohmarkt. Unterhaltsames Spiel-, Kauf- und
Folkloreangebot. „Deutsch-Russisches Begegnungszentrum“,
Newski Prospekt 22-24, linker
Seiteneingang der Petrikirche, 2.
Stock. Veranstalter: Stiftung zur
Förderung und Entwicklung der
deutsch-russischen Beziehungen „Deutsch –Russisches Begegnungszentrum”. Eintritt: frei
Weitere Veranstaltungen unter:
www.deutsche-woche.ru
Deutsche Woche 2015: Ausstellungsprogramm
Die Ausstellungen der
“Deutsche Woche 2015”
zeigen ein grosses Spektrum an Themen: Kunst,
Geschichte, Comics und
Literatur.
pd.- Die Zwillingsschwestern Maria und Natalia
Petschatnikov aus St. Petersburg zum Beispiel leben
und arbeiten seit 2000 in
Deutschland. Ihre Arbeiten, die in der Ausstellung
“Berlin & Berlin” gezeigt
werden, basieren auf einer
subjektiven Interpretation
der Realität. An Berlin interessiert sie vor allem,
wie sich die unsichtbare
Grenze zwischen Ost- und
Westberlin in alltäglichen
Details zeigt. Dem Genre
der Zeichnung ist die Ausstellung “Linie Line Linea –
Zeichnung der Gegenwart”
des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) gewidmet. In jeder Kultur wird
gezeichnet, jede Kultur hat
Dostojewski-Museum St. Petersburg. Eintritt: 23.04.: auf
Einladung, ab 24.04.: 100 Rub.,
Ermäßigungen für Studenten
und Rentner.
ihr Vokabular der Zeichen,
ob diese mythisch, politisch, historisch, religiös
oder anders begründet
sind. Die Ausstellung bietet einen Überblick über
die zeitgenössische Zeichnung in Deutschland. In
der Panoramaausstellung
“Out of Ostrale” stellt der
Freistaat Sachsen seine Gegenwartskunst an einem
besonderen Ort vor - in der
lutherischen Annenkirche.
21.–26. April 17:00
BERLIN & BERLIN. Ausstellung. Eröffnung am 21.04. um
17:00 Uhr, ab 22.04. täglich.
Ort: „another language art project“, Ligowski Prospekt 50,
über der Strandbar „Dünen“.
Veranstalter: Marina Goiny,
„another language art project“,
Deutsches Generalkonsulat St.
Petersburg. Eintritt: frei.
22. April bis 14. Mai
OUT OF OSTRALE: Zeitgenössische sächsische Kunst.
Ausstellung. Vernissage am
22.04. um 16:00, ab 23.04.
täglich 10:00–18:00. Ort: Lutherische Annenkirche, Ul.
Kirotschnaja 8. Veranstalter:
Freistaat Sachsen, Lutherische
Annenkirche. Eintritt: frei, um
Spende wird gebeten. Kontakt:
24. April bis 24. Mai 16:00
Linie Line Linea – Zeichnung
der Gegenwart. Ausstellung
des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) Stuttgart. Eröffnung am 24.04. um 16:00 Uhr,
ab 25.04. Mi bis So 11:00-19:00
(Kasse bis 18:30), Mo und
Di - geschlossen. Ort: Wissenschaftliches Museum der
Russischen Kunstakademie,
Universitetskaja Nab. 17. Veranstalter: Goethe-Institut St. Petersburg, Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) Stuttgart,
Wissenschaftliches Museum
der Russischen Kunstakademie. Eintritt: 50-200 Rub.
Pastor Aleksandr Kudrjawzew,
radioingria@mail.ru
Altersfreigabe: 18 +
22. April, 23. April 19:00
Comicprojekt „Respekt“. Ausstellung mit Begleitprogramm.
Deutsch-Russischer Austausch, Ligowski Prospekt 87,
Büro 300, Konferenzsaal. Veranstalter: Deutsch-Russischer
Austausch (DRA), Comicprojekt „Respekt“, Goethe-Institut
Russland. Eintritt: frei.
23. April bis 15. Mai
Hermann Naumann: Zeichnungen zu Dostojewski. Ausstellung und Schenkungsakt. Eröffnung am 23.04. um 16:00, ab
24.04. Di-So: 11:00–18:00, Mi:
13:00–20:00. Ort: Dostojewski-Museum St. Petersburg,
Kusnetschny Pereulok 5/2. Veranstalter: Deutsch-Russisches
Kulturinstitut e.V., Dresden und
26. April 12:00
Deutsche Siedler um St. Petersburg: Eine historische Kulturlandschaft. Ausstellungseröffnung. Eröffnung am 26.04.
um 12:00 Uhr, täglich 10:00–
20:00. Ort: Kirchensaal der
Petrikirche, Newski Prospekt
22-24. Veranstalter: Stiftung zur
Förderung und Entwicklung der
deutsch-russischen Beziehungen „Deutsch-russisches Begegnungszentrum“, Internationale Assoziation der Forscher
der russlanddeutschen Geschichte und Kultur. Eintritt: frei.
Weitere Veranstaltungen unter:
www.deutsche-woche.ru
Maerz 2015 (Nr. 60)
Wirtschaft
Seite 11
Krise: GM-Opel steigt aus russischem Markt aus
Der US-Autogigant GM
baut seine Präsenz in
Russland drastisch ab.
Die Marke Opel zieht
sich komplett ab. Der
Konzern verweist dabei
auf rein wirtschaftliche
Gründe.
Tatsächlich
gehen seine Verkäufe
am russischen Markt
schnell zurück. Ford
möchte die Nische einnehmen, doch sind die
Erfolgsaussichten für
den
Sollers-Konzern
zweifelhaft.
spn./eva.- Ein GM-Sprecher
bestätigte der Agentur Ria
Novosti, dass das Produktionswerk im Gebiet St. Petersburg Ende Juni stillgelegt
werden soll. Im laufenden
Jahr wird auch die Produktion in Nischni Nowgorod
eingestellt. Das Produktionswerk in Kaliningrad
Der sowjetische Schiguli (rechts) hat Opel auf dem russischen
Markt überlebt. Bild: Wikimedia Commons
hatte nach eigenen Angaben
bereits im März das Fließband gestoppt. Jetzt will GM
nur noch solche Autos in
Russland verkaufen, die im
Ausland gebaut wurden. Das
Angebot wird dabei deutlich
reduziert. Lediglich teurere
Marken wie Cadillac sowie
Chevrolet Tahoe, Camaro
und Corvette bleiben erhältlich. Die preiswerteren Chevrolet- und alle Opel-Modelle verlassen den russischen
Markt. Konzernchef Dan
Ammann erläuterte: „Dass
wir unser Geschäftsmodell
in Russland ändern, ist Teil
unserer globalen Strategie.“
Im Jahr 2014 waren die
GM-Verkäufe in Russland
um 26,4 Prozent zurückgegangen. In den ersten zwei
Monaten 2015 schrumpften
sie sogar um 74,6 Prozent.
Artjom Dejew, Chefanalyst von AMarkets, sagte
im Gespräch mit der Onli-
nezeitung Gazeta.ru: „Der
GM-Abzug ist natürlich ein
Schock“. Offenbar sei dieser
Abgang nicht kurzfristig,
denn die Großkonzerne hätten keinen Glauben mehr
daran, dass sich der Automarkt mittelfristig erholen
würde, hieß es.
Oleg Dazkiw, Entwicklungsdirektor des Branchendienstes auto-dealer.ru, kommentierte für die Onlinezeitung:
„Im Vergleich zu koreanischen und europäischen
Herstellern haben US-Konzerne generell ganz wenig in
Russland investiert. Es gab
mehr Worte als reale Taten.
Die Marktpräsenz nordamerikanischer Marken wie
Cadillac war minimal. Mit
Opel hatte GM dagegen
sehr gute Marktpositionen.
Deshalb ist diese Entscheidung eine Überraschung.
Würde der Konzern die
Cadillac-Produktion völlig einstellen, wäre das logischer gewesen. Auch mit
Chevrolet kam es ziemlich
überraschend.“
Die russische Regierung
reagierte mit Bedauern
über den Rückzug des Autokonzern, gab jedoch zu
bedenken, GM könnte den
Schritt im Fall eines erneuten Aufschwungs bereuen.
Anderer Meinung war der
Auto-Spezialist und RadioModerator beim Sender
“Echo Moskwy”, Alexander
Pikulenko. Er verstehe den
Rückzug von GM in einem
Land mit einem so ungünstigen politischen Klima für
Unternehmen. Als Beispiel
wies er auf Forderungen von
Duma-Abgeordneten hin,
Autohersteller zu neuen Abgaben zu verpflichten oder
ihre Betriebe zu nationalisieren.
Raiffeisenbank: Rückzug aus dem Russland-Geschäft
Die Raiffeisenbank verlässt den Markt für Autokredite in Russland
und schließt bis zum
30. Oktober ihre Geschäftsstellen in 15 russischen Städten, sagte der
Vorstandsvorsitzende
der Raiffeisenbank International (RBI), Karl
Sevelda in Wien. Ausserdem plant die Bank den
Ausstieg aus dem russischem Rentenmarkt.
spn.- Laut Sevelda soll die
Bank ihr Netz in Russland
weiter optimieren und ihre
Geschäftstätigkeit auf 44
Städte konzentrieren und auf
weniger gewinnbringende
Filialen verzichten. Geplant
ist, insgesamt 34 Filialen zu
schließen. Die Raiffeisenbank
hatte Ende Februar 2014 die
Schließung ihrer Filialen
in der russischen FernostRegion angekündigt, wo im
vergangenen Jahr weniger als
ein Prozent der Einnahmen
erwirtschaftet wurde.
Die RBI gewährt keine Kredite für Autokäufe bzw. betreibt keine Refinanzierung
Mit der Raiffeisenbank zieht sich eine der grössten ausländischen Banken aus Russland zurück. Bild: Eugen von Arb
mehr. Die Gruppe hat im
vorigen Jahr insgesamt 493
Millionen Euro Verluste gegenüber 557 Millionen Euro
Reingewinn im Jahr 2013
verzeichnet. 2015 rechnet die
Bank mit hohen Ausgaben
(etwa 550 Millionen Euro) für
die Verringerung der Aktiva
und die Umstrukturierung
der Geschäftstätigkeit in
Mittel- und Osteuropa. Wie
der Finanzdirektor der RBI,
Martin Grüll, sagte, rechnet
die Gruppe in diesem Jahr
mit einem merklichen Rückgang der Einnahmen aus der
Geschäftstätigkeit in Russland. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Sevelda wird der
Anteil der Geschäfte in Russland im Ergebnis einer Optimierung von 11-12 Prozent
auf 10 Prozent reduziert.
Die RBI hatte schon Anfang
2015 eine Geschäftsoptimierung angekündigt. Nach
Angaben Seveldas sind die
Gewinne der in Russland
ansässigen
Geschäftsstellen wegen der Rubelentwertung um 100 Millionen Euro
zurückgegangen. Laut Sevelda will die Bank das Schwer-
gewicht ihrer Tätigkeit nun
nach Rumänien, Tschechien,
in die Slowakei und nach
Österreich verlagern.
Als letzter ausländischer Investor auf dem russischen
Rentenmarkt, will die Raiffeisenbank offenbar auch den
nichtstaatlichen RaiffeisenRentenfonds verkaufen.
„Die Verhandlungen [über
den Verkauf des Fonds] laufen“, sagte eine Quelle aus dem
Umfeld der RBI. Ihr zufolge
liebäugeln das Finanzhaus
Otkrytie und die BIN Group
mit dem Kauf des RaiffeisenRentenfonds. Die beiden
Banken erwarben in den vergangenen Jahren im großen
Stil nichtstaatliche Rentenfonds. Otkrytie kontrolliert
zwei große nichtstaatliche
Rentenfonds mit Einlagen
in Höhe von 220 Milliarden
Rubel (3,5 Milliarden Euro),
BIN von 30 Mrd. Rubel (470
Millionen Euro). Offiziell
haben Otkrytie und BIN
bislang keine Stellung zum
Übernahmeangebot genommen, doch ein Vertreter der
BIN Group schloss “den Erwerb weiterer nichtstaatlicher
Rentenfonds nicht aus“. Der
nichtstaatliche Rentenfonds
Raiffeisen ist unter den Top 15
der russischen Rentenfonds.
Nach Angaben eines Rentenberaters sollen 12 Milliarden
Rubel netto (190 Millionen
Euro) in dem Fonds angelegt sein. Der nichtstaatliche
Raiffeisen-Rentenfonds ist
der einzige Fonds mit ausländischer Beteiligung auf dem
Rentenmarkt und seit 2004
auf dem russischen Rentenmarkt tätig.
Raiffeisen kehrt dem russischen Rentenmarkt wegen
der ungewissen Zukunft
der Rentenersparnisse und
den sich ständig ändernden
Vorschriften den Rücken.
„Die Ausländer sind es nicht
gewohnt, so zu arbeiten. Die
Regierung hat schon zweimal die Ersparnisbeiträge der
Kunden der nichtstaatlichen
Rentenfonds eingefroren, in
diesem Jahr kam es in der
Regierung erneut zu Diskussionen, die private Altersvorsorge ganz abzuschaffen.
Damit wird die Möglichkeit
genommen, das Geschäft
vorauszuplanen“, sagen sie.
Maerz 2015 (Nr. 60)
Vermischtes
Typisch Russland: Ich darf doch noch etwas bleiben?
Von Eugen von Arb
Vor genau zehn Jahren
wanderte ich nach Russland aus. Wie waren die
Russen damals offen für alles von aussen! Mit welcher
Begeisterung entdeckten
sie ihre totgeschwiegene gemeinsame Geschichte mit
anderen Nationen neu: Die
Kolonisten aus Westeuropa, die im 18. und 19. Jahrhundert ins Land geholt
worden waren, die deutschen Prinzessinnen am
Zarenhof, die französische
Mode, die italienischen
Baumeister, usw.
Man war willkommen als
Fremder - überhaupt konnte alles Ausländische gar
nicht genug gelobt werden.
Es schien, als ob alles, was
den Vermerk “importiert”
trug, automatisch besser
sein müsse als das eigene
russische, auch wenn es
nicht stimmte. Ausländer wurden von wie zu
Sowjetzeiten als eine Art
VIP-Klasse behandelt, was
einem ganz schön auf den
Wecker gehen konnte.
Das Selbstwertgefühl der
Russen wuchs mit zunehmendem Wohlstand, und
an der Olympiade in Sotschi 2014 war man wieder
wer! Ein schöner Moment,
den Russen als Volk mit
Anstelle des ersten Suschi-Restaurants am Newski ist ein russischer Pub mit sibirischem Bier
getreten. Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
gesundem Selbstvertrauen
zu begegnen. Doch mit der
Krimkrise kippte alles in
Selbstüberschätzung um man war nicht mehr nur
irgendwer, sondern die Supernation!
Die Isolierung Russlands
verstärkte diesen Spleen die Russen könnten sogar
alles noch besser ohne das
Ausland - schliesslich habe
man ja die Arktis erschlossen, sei als erste Nation ins
All geflogen und habe den
Faschismus besiegt, tönte
es aus allen Rohren der
Medien und viele glaubten
es. Mit dem Super-Patriotismus kamen die Feindbilder auf und das unange-
nehme Gefühl, als Mitglied
der “Ausländer-Kaste” nun
automatisch auf der feindlichen Seite der psychologischen Front zu stehen.
Ich traute meinen Augen
nicht, als ich kürzlich am
Newski-Prospekt in einem
Lokal, wo lange ein SushiRestaurants
betrieben
wurde, einen so genannten “Russischen Pub”
entdeckte - das war noch
vor kurzem unmöglich!
Ein Pub hatte englisch bzw.
irisch zu sein - total schräg!
Nun war er eben russisch,
noch dazu nur kyrillisch
angeschrieben, quasi “nur
für Russen”. Die Zeiten ändern sich.
Neugierig betrat ich das
Lokal, das gespickt war
mit Bildschirmen, über die
endlos der Stolz der Nation
flimmerte: die Armee, die
Olympiade, Putin. Bei einer
Stange “Sibirische Krone”
dachte ich darüber nach,
dass es irgendwie nicht
mehr so toll ist, in diesem
Land Ausländer zu sein.
Vor genau hundert Jahren
hatte Russland einen ähnlichen Patriotismus-Anfall
- Weltkrieg und Oktoberrevolution löschten praktisch alles Fremdländische
aus. Das wirkt nicht gerade
anheimelnd, aber ich hoffe,
diesmal läufts anders, und
ich darf noch ein wenig
bleiben.
Der St. Petersburger Herold
mm.- Der St. Petersburger
Herold (Online) ist aus dem
Bedürfnis entstanden, ein
Internet- und Informationsportal für die deutschsprachige Gemeinde von St.
Petersburg zu betreiben.
Um nicht mit der altehrwürdigen St. Petersburgischen
Zeitung verwechselt zu werden, wurde unsere Online
Zeitung “St. Petersburger
Herold” genannt.
Die gleichnamige politische
Zeitung wurde 1871 als religiös und politisch unabhängiges Medium von St. Peters-
So sah das Original des “St. Petersburger Herold” aus.
Bild: Ausstellung “Deutsche in St. Petersburg”.
burger Bürgern deutscher
Sprache gegründet. Der St.
Petersburger Herold wurde
in Folge eine bedeutende
überregionale Zeitung und
wurde von den damaligen
Leitmedien im Westeuropäischen Raum stark beachtet
und rege zitiert. In der liberalen, kritischen und politisch
akzentuierten
Tradition
des “alten St. Petersburger
Herold” finden wir unser
Leitbild für unsere neue Zeitung. Der St. Petersburger
Herold ist auch ein „Mitmach-Portal“ – sie können
eigene Beiträge online Veröffentlichen. Wir bitten Sie,
von dieser Möglichkeit rege
Gebrauch zu machen. Empfehlen sie uns Ihren Freunden und Bekannten weiter,
damit der “Herold” zur besseren Vernetzung und Information innerhalb der der
Stadt beitragen kann.
Seite 12
Kultusministerium
verbietet den Kauf
importierter Ausrüstung
mm. – Das Russische Kultusministerium hat den
Theatern und die Bibliotheken verboten technische Austrüstungen und
sonstigen Bedarf im Ausland einzukaufen. In der
Region
Nordwestrussland hat das zur Folge,
das Budgets von insgesammt über 10 Milliareden Rubel nur teilweise
oder gar nicht realisiert
werden können. Unter
den betroffenen Kultureinrichtungen sind unter Anderem das kleine
akademische
Theater
(MDT), der St. Petersburger Zirkus an der Fontanka, das in der Renovation
befindliche Petersburger
Konservatorium,
die
Russische Nationalbibliothek, das Museum im
Schloss
Oranienbaum,
der Museumskomplex
auf den Solowjezki Inseln
im weißen Meer und das
Museum auf Kischi im
Onegasee. Das Kultusministerium zieht mit der
Direktive mit ähnlichen
Massnahmen des Verteidigungs- und dem Handelsministerium gleich.
Impressum
Der St. Petersburger Herold
erscheint einmal monatlich.
Der Inhalt besteht aus Beiträgen der gleichnamigen
Internet-Zeitung www.spzeitung.ru.
Redaktion: Eugen von Arb
(eva.), Markus Müller (mm.)
Redaktionsadresse:
redaktion@spzeitung.ru
www.spzeitung.ru
Telefon: 8-921-988-51-19
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