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digitaler wandel - LN

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DIE WIRTSCHAFT
Lübeck und Schleswig-Holstein
DONNERSTAG, 9. APRIL 2015
EINZELVERKAUF: 1,90 ß
AUSGABE 01/15
A UMBRUCH
In der Digitalen Wirtschaft verkauft man Nutzungsrechte statt
Produkte. Der Fachmann vor Ortwird verdrängt durch den IT-Fachmann hinter den entsprechenden
Internetportalen. Fluide Organisationen mit freien Mitarbeitern bei
Projekten ersetzen feste Belegschaften in den Betrieben. CloudComputing und Data-Mining treten an die Stelle von klassischen
Branchen wie Maschinenbau,
Bergbau oder AutomobilindusSeite 3
trie.
A E–COMMERCE
A RELOCATION
A VERZÖGERUNG
Durch E-Commerce lassen sich
Handels- und Verkaufsprozesse erheblich rationalisieren –
und damit lässt sich viel Geld
sparen. Wer das
Internet nicht
zum Einkauf
oder zum
Vertrieb
nutzt, verschläft die
Zukunft,
mahnen ExperSeite 9
ten.
Relocation-Manager sorgen dafür,
dass Mitarbeiter und deren Angehörige, die aus dem Ausland kommen, sich schnell einleben und
von Anfang an auf ihren neuen
Job konzentrieren können. Mit einer ersten Kontaktaufnahme –
nicht selten am Flughafen –
beginnt der Job der Relocation Manager. Über die Wohnungssuche,
die Orientierung am neuen Lebensmittelpunkt bis zur Einbindung in
das gesellschaftliche Geschehen
Seite 20
reicht der Service.
Bereits 2022 soll der Eisenbahnund Auto-Tunnel zwischen dem
dänischen Lolland und dem deutschen Fehmarn eröffnet werden.
Doch mittlerweile rudern Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und sein dänischer Amtskollege Magnus Heunicke vorsichtig
zurück: Der Zeitplan ist nicht
mehr zu halten. Nicht nur die zeitliche Komponente erschüttert das
verkehrspolitische Großprojekt.
Auch der finanzielle Rahmen
Seite 23
bleibt ungeklärt.
Unweigerlich digital
Der technische Wandel verändert die Wirtschaft rasant. Unternehmen stehen vor neuen Chancen – und Herausforderungen.
ne gängige Arbeitsform geworden.
Und tatsächlich hat es viele Vorteile, sein Büro zum Zuhause zu machen. Der Nachteil ist aber, dass dabei sehr viel mehr Selbstdisziplin
erforderlich wird.
Eine strikte Unterscheidung
zwischen Arbeit und Freizeit
werde es künftig nicht
mehr geben, sagt Professor Rolf Granow von der
FH Lübeck vor dem
Hintergrund des Digitalen
Wandels.
Gleichzeitig prognostiziert er eine
neue Dimension der
Wissensaneignung:
„Online-Lernen wird
zur Lebensaufgabe.“
Aber sind die Voraussetzungen für all diese Entwicklungen gegeben?
Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein, betont, die Standortqualität der Region werde in
den kommenden Jahren eng
Nichts hat die Wirtschaft
in den vergangenen
Jahrzehnten mehr verändert
als der Digitale Wandel. Von
Geschäftsprozessen über
neue Geschäftsfelder bis
hin zu Datensicherheit wirft
die Entwicklung Fragen auf.
Viele Unternehmer haben
bereits Antworten gefunden.
Aber auch die Politik ist
gefordert, die
entsprechenden
Voraussetzungen zu
schaffen.
Von Oliver Schulz
Und ein weiterer
großer Schritt steht bereits bevor: Die vierte industrielle Revolution –
die Vernetzung von
Maschinen in einem „Internet
der Dinge“ –
soll den Standort Deutschland sichern.
Wer
bei
dieser rasanten Entwicklung nicht mitmacht, bleibt auf der Strecke.
Und obwohl viele Unternehmen
die Chancen, die der Digitale Wandel mit sich bringt, durchaus zu nutzen wissen, ist die Herausforde-
„Die Digitalisierung wird die
Arbeitswelt verändern –
auch im Handwerk. Die
Bandbreite ist groß und
Digitalisierung beginnt im
Kleinen. Sie reicht von der
Optimierung der
Bürokommunikation über
die Nutzung der eigenen
Internetseite oder den
sozialen Netzwerken bis hin
zum Erschließen neuer
Märkte.“
Günther Stapelfeldt
Präsident der Handwerkskammer Lübeck
Global vernetzt,
regional aufgestellt:
Die Wirtschaft der Region
wird durch die Digitalisierung vor
neue Aufgaben gestellt.
419850 3701909
rung erheblich. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Beratungen und
Schulungen. So vermitteln zahlreiche Anbieter in
der Region das Einmaleins
der Digitalen Wirtschaft: in Bootcamps, Seminaren, Beratertagen
oder persönliche Schulungen.
Zumal der Digitale Wandel die
Strukturen vieler Wirtschaftszweige revolutioniert. Wertschöpfungsketten, die man vorher als sehr klar
definiert gesehen hat, verschwinden. Selbst die Grenzen zwischen
einzelnen Branchen werden verwischt.
Auch Datenschutz ist ein Thema, das für viele Unternehmen immer wichtiger wird. Hackerangriffe nehmen zu. Besonders Fragen
zum
Datenschutzmanagement
und zum Schutz von Arbeitnehmerdaten sind für viele Betriebe
relevant.
Doch für viele eröffnen sich auch
neue Geschäftsfelder. So stellen Betriebe aus unserer Region Software
für mobile Endgeräte her oder trei-
40015
iNNOVATiV2015
▲
Die Entwicklung hat längst alle Bereiche der Wirtschaft erfasst. Der
Digitale Wandel stellt interne Geschäftsprozesse und Handel, aber
auch die einzelnen Branchen auf
dem Kopf. Und damit vertraute Geschäftsmodelle. Von der gesamten Arbeitswelt ganz zu schweigen.
Dies zeige sich im Handwerk besonders deutlich, sagt Günther Stapelfeldt, Präsident der Handwerkskammer Lübeck: „Computer, EMail, Smartphone oder Scanner gehören mittlerweile zum Handwerkszeug fast eines jeden Handwerksbetriebes.“ Schließlich stiegen auch die Ansprüche der Kunden: „Immer mehr Häuser und
Wohnungen werden vernetzt und
für Handwerker ist Smarthome
kein Fremdwort mehr.“
Der Digitale Wandel ist eine umfassende Entwicklung. Fast schleichend sind in den vergangenen
Jahrzehnten viele Geschäftsprozesse elektronisiert worden – vom Einkauf über die Verarbeitung bis
zum Vertrieb. Von der Lieferung
bis zur Rechnungsstellung. Selbst
das Mahnwesen läuft heute automatisiert ab. Gleichzeitig hat sich
E-Commerce, der elektronische
Handel, seit der Jahrtausendwende rasant ausgebreitet. Ob B2B
oder B2C – kaum eine Branche ist
davon noch unberührt.
Diese Automatisierung wurde
befeuert durch immer neue Software, die auf den Markt geworfen
wird, durch immer schnellere Datenleitungen und immer effizientere Endgeräte.
So ließ der nächste Entwicklungsschritt nicht lange auf sich
warten: Cloud Computing, Big Data, Social Media und Webhosting
gehören seit einigen Jahren zu den
Standards in geschäftlichen Prozessen und Marketingstrategien.
von der fortschreitenden Digitalisierung abhängen: „Wir werden
die Herausforderungen neuer Datenströme nur bewältigen, wenn es
uns gelingt, flächendeckend die
Voraussetzungen in der Infrastruktur zu schaffen.“
Schöning fordert deshalb insbesondere eine leistungsfähige Breitbandversorgung: „In SchleswigHolstein gibt es jedoch noch viele
weiße Flecken auf der Landkarte,
auch in den Gewerbegebieten. Einer Umfrage der IHK Schleswig-Holstein von 2013 zufolge sind
81 Prozent der Unternehmen im Bezirk der IHK zu Lübeck mit der Internetverbindungssituation unzufrieden.“
Wie wichtig der Ausbau des
schnellen Internets ist, betont auch
Handwerkskammer-Präsident
Günther Stapelfeldt: „Rund 60 Prozent der Betriebe begreifen laut einer aktuellen Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks die Digitalisierung als Chance für Innovation. Doch dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Ein wichtiger Baustein ist das
schnelle Internet; darüber verfügen lediglich 29 Prozent der befragten Betriebe. Hier ist die Politik gefordert. Insbesondere in den ländlichen Räumen herrscht HandlungsA
bedarf.“
ben die digitale Vernetzung in der
klinischen Forschung voran.
Immerhin 7,3 Prozent der bei
den IHKen des Landes gemeldeten
Unternehmen gehören dem jungen Industriezweig der Digitalen
Wirtschaft an.
Auch die Anwendungsmöglichkeiten der neuen, digitalen Technologien sind weitgefächert: CNCMaschinen werden im Handwerk
eingesetzt, Software für die Medizintechnik benötigt. 3-D-Drucker
stellen wie von Geisterhand perfekte Maschinenteile oder Zahnkronen her.
Ein anderer Effekt, den der Digitale Wandel hat, ist die Individualisierung: Das Home Office ist erst
durch schnelle Datenleitungen
und erschwingliche Endgeräte ei-
Die Bürofachmesse im Norden
Aufbruch in eine vernetzte Arbeitskultur
Fachvortrag von Birgit Gebhardt, Trendexpertin
Internet der Dinge ∙ Augmented Reality
branchenspeziische Software-Lösungen
Datensicherheit ∙ Dokumentenmanagement
Druck- und Kopiersysteme ∙ Großformat
Präsentation ∙ Bürobedarf ∙ mobile
Kommunikation ∙ Ergonomie ∙ Akustik
Einrichtungs-Design ∙ ∙ ∙
29. April in Lübeck
Vorführungen ∙ Fachvorträge ∙ Workshops
Arbeiten in einer
digitalen Welt
buerokompetenz.de
Heinr. Hünicke GmbH & Co. KG · Hinter d. Kirschkaten 21
23560 Lübeck · t. 0451 589 00-00 · luebeck@buerokompetenz.de
Ausführliche Infos und Anmeldung unter: www.innovativ2015.de
DIE WIRTSCHAFT – Das neue Informationsblatt für Entscheider und Mitdenker in Unternehmen der Region Lübeck und Schleswig-Holstein.
2
Donnerstag, 9. April 2015
DIGITALER WANDEL
STANDPUNKT
Elektronische Geschäftsprozesse
werden zum Wettbewerbsfaktor
Von Dr. Franz Büllingen
Leiter Begleitforschung
Mittelstand-Digital
Ein hoher Digitalisierungsgrad verschafft kleineren Unternehmen Vorteile, sagt Dr. Franz Büllingen.
A IMPRESSUM
DIE WIRTSCHAFT
ist die Zeitung für Entscheider und
Mitdenker in Unternehmen der Region
Lübeck und Schleswig-Holstein.
Verlag und Druck:
Lübecker Nachrichten GmbH
Herrenholz 10-12
23556 Lübeck
Tel. 0451/144-0
E-Mail: info@die-wirtschaft.info
Redaktion:
Tessa Maiborg (v.i.S.d.P.)
Tel. 0451/144-1790
Christian Risch, Oliver Schulz
Layout: Anne Fidelak
Autoren und Fotografen:
Majka Gerke, Nicole Hollatz, Fabian
Joeres, Nathalie Klüver, Olaf Malzahn,
Wolfgang Maxwitat, Carola Pieper,
Jessica Ponnath, Heiko Pump, Lutz
Roeßler
E-Mail: redaktion@die-wirtschaft.info
Anzeigen:
Rüdiger Kruppa (v.i.S.d.P.)
Christian Rogge
Tel. 0451/144-1201
E-Mail: media@die-wirtschaft.info
Foto: Büllingen
ren Kontrolle über ihre Daten verbunden ist. Auch fehlen vielen Unternehmen technische, rechtliche
oder organisatorische Informationen zur Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Häufig in diesem
Zusammenhang gestellte Fragen
etwa lauten: Wie gestalte ich meine eigene Homepage rechtssicher?
Welche Schritte muss ich unternehmen, um meine Kundendaten und
Produktinformationen sicher vor
den Zugriffen Dritter zu schützen?
Wie organisiere ich ein optimales
Wissensmanagement in meinem
Betrieb?Wie nutze ich die Möglichkeiten von Social Media etwa für
meine Kundenpflege und wie betreibe ich ein optimales regionales
Internetmarketing?
Sowohl die Industrie- und Handwerkskammern als auch die von
der Bundesregierung seit 2012 geförderten eBusiness-Lotsen haben
im Rahmen der Förderinitiative
„Mittelstand-Digital“ auf fast alle
diese Fragen rund um das Thema
eBusiness in den letzten Jahren einen gewaltigen und ständig aktualisierten Wissensfundus aufgebaut. Dieser Fundus enthält Dutzende von Broschüren, Leitfäden
und Checklisten, die sich nutzerorientiert und gut verständlich mit
den unterschiedlichsten Facetten
der betrieblichen Digitalisierung
befassen (abrufbar unter: www.mittelstand-digital.de).
Die entsprechenden Unterlagen
sind sowohl elektronisch als auch
in gedruckter Form erhältlich. Daneben wurden von den eBusiness-Lotsen zahlreiche so genannte „Praxisbeispiele“ entwickelt,
um ratsuchenden KMU am konkreten Fallbeispielhaft Wege und Lösungen bei der Umgestaltung ihrer
Prozesse aufzuzeigen. So wird bis
zum Ende der Förderlaufzeit Mitte
2015 der eBusiness-LotseSchleswig-Holstein (www.ebusiness-lotse.sh/) allen KMU mit Rat und Tat
A
zur Seite stehen.
NORDLICHTER
24 Femarnbelt II
Einer Umfrage unter 60 Unternehmen zufolge erwarten viele
positive Impulse von einer festen Beltquerung.
INHALT
SCHWERPUNKT
DIGITALER WANDEL
Seiten 1 bis 8
3 Technologischer Umbruch
Wie elektronische Geschäftsprozesse und neue Technologien
die Wirtschaft verändern.
4 Datenschutz
Wie wichtig es ist, interne Informationen zu sichern, ist den
meisten Betrieben bewusst.
Wie das funktioniert aber oft
nicht.
7 Zunkunftsbranche
Die Digitale Wirtschaft als eigenständige Branche ist in
Schleswig-Holstein auf dem
Vormarsch.
Seiten 15 bis 22
15 Auf Reede
Vor Cuxhaven unterhalb der
Elbmündung liegen gewaltige
Pötte aus internationalen Häfen. Auf Reede warten die Besatzungen auf den nächsten Einsatz.
8 Das Interview
zum Schwerpunkt
Eine strikte Unterscheidung
zwischen Arbeit und Freizeit
wird es künftig nicht mehr geben, sagt Professor Rolf Granow
von der FH Lübeck.
18 und 19 Home Office
Sein Zuhause zum Büro zu machen, hat viele Vorteile. Aber
auch gewisse Nachteile: Es
wird schwer, Berufsleben und
Freizeitzu trennen. Neue Methoden sind in der modernen Arbeitswelt gefragt.
FINANZEN &
MARKETING
5 Breitbandversorgung
Der Ausbau der Breitbandversorgung schreitet voran. Auch
auf dem Lande. Dennoch gibt
es in der Region immer noch erhebliche Lücken.
Seiten 9 bis 14
6 High-Tech handfest
Neue Technologien bringen
Bewegung in die Wirtschaft.
Wir zeigen drei handfeste Anwendungsbeispiele.
10 Handwerk digital
Handwerker sind besonders
flexibel und schnell, wenn es darum geht, moderne Technologien einzusetzen.
9 E-Commerce
Vom Einkauf über die Verarbeitung bis zum Vertrieb wird der
Handel digital.
Vertrieb:
Rüdiger Kruppa (v.i.S.d.P.)
13 Wohin mit dem Ersparten?
Ruhe bewahren lautet die Devise:
Tipps für Geldanlagen 2015.
11 Expertenwissen
Schulungen und Beratungen:
Welche Möglichkeiten gibt es,
sich über die digitale Dimension der Wirtschaft zu informieren?
13 Wohin mit dem Ersparten?
Niedrige Zinzsätze, volatile
Edelmetalle, starke Währungsschwankungen, der Dax bei
über 11000 Punkten. Wo machen Investitionen in diesem
Jahr noch Sinn?
Die Verteilung erfolgt direkt und
personalisiert an 10 000 ausgewählte
Adressen von Unternehmen und
Führungskräften der Region Lübeck
und Schleswig-Holstein.
20 und 21 Relocation
Dienst am neuen Mitarbeiter:
Relocation-Manager sorgen dafür, dass Beschäftigte aus dem
Ausland gut ankommen. Zur
Rundumbetreuung gehören
auch „Setting-in-Services“ wie
zum Beispiel eine auf den Kunden ausgerichtete Orientierungstour.
25 Keine Panik
Die Milchquote sollte vor Überproduktion und Sturzflugpreisen schützen. Seit 1. April gibt
es sie nicht mehr. Aber die Bauernverbände sehen keine
Grund zur Sorge.
27 Mehr Wir-Gefühl
Wie aus einem Haufen bunt zusammengewürfelter Mitarbeiter eine schlagkräftige Abteilung machen? Eine Teambuilding-Aktion muss her. Das Angebot reicht vom Seifenkisten-Rennen bis zum SurvivalCamp.
28 Es brodelt in der Branche
Craft-Biere erobern den Markt,
Alternative Brauereien schießen wie Pilze aus dem Boden.
Eine traditionelle Industrie ist
plötzlich in Bewegung.
22 Erfolg durch Vielfalt
Der demografische Wandel und
der Fachkräftemangel bereiten
vielen Unternehmern Kopfzerbrechen. Diversity Management ist eine Lösung.
PANORAMA
Seiten 23 bis 28
Tel. 0451/144-1620
E-Mail: info@die-wirtschaft.info
Erscheinungsweise:
4 x jährlich
Nächster Erscheinungstermin:
Juni 2015
Unternehmen sind heutzutage immer stärker gefordert, ihre Abläufe
häufiger und schneller an die sich
verändernden Kundenwünsche anzupassen. Statt uniformer Lösungen von der Stange folgen fast alle
Käufermärkte zunehmend dem
Trend hin zur Individualisierung
und steigender Produktvielfalt. Viele Unternehmen sehen sich daher
den Herausforderungen einer immer kurzatmigeren (zum Beispiel
24 Stunden Lieferservice) und flexibleren Realisierung von Kundenwünschen sowie komplexeren
Dienstleistungen gegenüber. Ohne den Einsatz passender Werkzeuge ist dieser Trend vor allem für
kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) künftig schwer beherrschbar.
Der konsequente Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien auf allen Stufen der
betrieblichen Wertschöpfung bietet einen Lösungsweg, der steigenden Wettbewerbsintensität und
den Herausforderungen erfolgreich zu begegnen: Ob beim Preisvergleich oder beim Materialeinkauf, bei der Akquisition und der
Kommunikation und Kooperation
mit Geschäftspartnern, bei der Angebotserstellung und Auftragsabwicklung, beim Reklamationsmanagement oder der Kundenbetreuung, immer und überall können
durch die Digitalisierung von Prozessen entscheidende Vorteile der
Flexibilitätserhöhung, größere Kundennähe und schlankere Unternehmensprozesse erzielt werden.
Erst kürzlich ergab eine Befragung durch TNS Infratest, dass von
600 Unternehmen (mit bis zu 50
Mitarbeiter) 68 Prozent davon überzeugt waren, dass die Digitalisierung einen positiven Beitrag zum
Unternehmenswachstum leistet.
Es zeigt sich ferner, dass kleine Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad deutlich höhere Wachstumsraten (44 Prozent) im Markt
realisieren können als digitale
Nachzügler (10 Prozent). Dabei
geht es den befragten KMU nicht
primär um die Einsparung von Kosten. Vielmehr stehen eine gute Außendarstellung durch einen attraktiven Webauftritt („Schaufenstereffekt“) bei 75 Prozent, eine bessere
Kundenbetreuung bei 69 Prozent
und eine optimalere Kommunikation mit Partnern und Lieferanten
bei 66 Prozent im Mittelpunkt der
Netzaktivitäten.
Zudem erlaubt der konsequente Einsatz mobiler Endgeräte nicht
nur ein effizientes Routenmanagement, eine multimediale Präsentation von tagesaktuellen Angeboten oder die direkte elektronische
Auftragserfassung
unmittelbar
vor Ort. Vielmehr können logistische Abläufe jederzeit nachverfolgt und dem Kunden ein optimaler After Sales-Service angeboten
werden. Durch die Mobilisierung
von Prozess kann der Vertrieb
über mehrere Kanäle gleichzeitig
organisiert werden („Multichannel-Marketing“) und Studien zeigen, dass die verbesserte Auslastung der Außendienstmitarbeiter
mit einer deutlich erhöhten Arbeitszufriedenheit einhergeht. Dabei kann die Mobilisierung elektronischer
Geschäftsprozessegleichsam als Nebeneffekt – Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent bewirken.
Natürlich gibt es die Digitalisierung nicht umsonst und es müssen
zahlreiche Hürden überwunden
werden. So befürchten viele KMU,
dass eine digitale Umstellung ihrer
(meist stabil laufenden) Prozesse
zu unvorhersehbaren Brüchen in
den Abläufen führen kann oder
dass die Nutzung von Cloud Computing-Diensten mit einer geringe-
4 Datenschutz Die Gefahr wächst: Immer öfter sind auch kleine und mittelständische Unternehmen im Fokus von Hackern.
14 Umstrittene Anbieter
Das Vertrauen in die Banken
hat gelitten. Alternativen überschwemmen den Markt. Aber
die neuen Anbieter und Möglichkeiten sind umstritten.
23 Fehmarnbelt I
Nicht nur die zeitliche Komponente erschüttert das Großprojekt Belttunnel. Auch der finanzielle Rahmen bleibt ungeklärt.
28 Handgebraut
Bier wird zum echten Genießergetränk, immer mehr kleine Brauereien
erobern den Markt.
DIE WIRTSCHAFT – Das neue Informationsblatt für Entscheider und Mitdenker in Unternehmen der Region Lübeck und Schleswig-Holstein.
Donnerstag, 9. April 2015
3
DIGITALER WANDEL
TECHNOLOGISCHER UMBRUCH
Die Branchen verschwimmen
Wie elektronische Geschäftsprozesse und neue Technologien die Wirtschaft verändern.
Der Digitale Wandel
bedeutet viele
Vereinfachungen für die
Unternehmen – aber auch
viele neue
Herausforderungen. Die
Abgrenzung zwischen
Wirtschaftszweigen wird
dabei immer schwieriger.
Von Nicole Hollatz
„Früher haben Sie ein Buch verkauft, der Kunde hat es ins Regal
gestellt. Heute verkaufen Sie das
Recht, ein E-Book für einen gewissen Zeitraum zu nutzen. Aber nicht
das physische Buch.“ Mit einfachen Worten erklärt Prof. Dr. Sebastian Späth das, was unter dem sehr
weiten Begriff „Digitaler Wandel“
verstanden werden kann.
Was seit Ende des 20. Jahrhunderts mit der immer rasanter verlaufenden Entwicklung des Computers und der Verbreitung des Internets begann, hat längst Einfluss auf
alle Bereiche des Lebens. „Für die
Wirtschaft ist es eine große Sache,
dazu etwas, was die ganze Gesellschaft bewegt und verändern
wird“, so Späth. Er ist Inhaber des
Lehrstuhls für Management und Digitale Märkte an der Universität
Hamburg, Fakultät für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften.
Das „product as a service“ geht
über den digitalen Ladentisch. Statt
das gedruckte Buch zu verkaufen,
das Produkt, mit dem man dann machen kann, was man will – inklusive
vielleicht auch der Nutzung als Stütze für den wackelnden Tisch –, verkauft man den „Service“ des Nutzungsrechts am elektronischen
Buch. Und was ist, wenn das Nutzungsrecht nach einem Umzug
oder einer Reise ins Ausland einfach erlischt? Im Idealfall kauft der
Kunde ein zweites Mal, das Unternehmen hat mit einer unveränderten Leistung einen zweiten Absatz.
Im Ernstfall ist der Kunde sauer. Die
national sehr unterschiedlichen Gesetze etwa in Bezug auf den Urheberrechtsschutz sind ein großes Problem der digitalen Wirtschaft.
Ein anderes ist, dass Branchen
und Marktgrenzen verschwimmen. „Früher wusste man, wer seine Mitbewerber sind“, so Sebastian Späth. „Heute baut Google Autos und Microsoft Handys. Durch
den digitalen Wandel verschwinden Wertschöpfungsketten und
Branchen, die man vorher als sehr
klar definiert gesehen hat. Das
macht es unheimlich schwer, den
Überblick am Markt zu behalten.“
Auch der Kunde verändert sich.
Er shoppt rund um die Uhr in den digitalen Welten, bestellt direkt in
China, surft tagelang im Internet,
um den billigsten Urlaubsflug zu ergattern. Checkt dann aus tausenden Hotels das mit der – vermeintlich – besten Bewertung zum
Schnäppchenpreis. „Meist sieht
man die Digitalisierung als Arbeitserleichterung, aber auf der anderen Seite übernehmen wir immer
mehr Aufgaben, die sonst immer
Experten gemacht haben“, so Sebastian Späth. Beratung und Buchen im Reisebüro? Wie retro!
Der Fachmann im Reisebüro
wird verdrängt durch den IT-Fachmann hinter den entsprechenden
Internetportalen. Späths Prognose
ist dennoch positiv: „Der Digitale
Wandel wird viele Stellen obsolet
machen, aber er wird Arbeitsplätze
mit ganz anderen Anforderungen
schaffen als noch vor dreißig
Jahren.“ Gute Bildung,
gute Englischkenntnisse, viel Wissen im Umgang mit den digitalen
„Fluide Organisationen“, Cloud-Computing und Data-Mining sind die Trends der Wirtschaft von morgen.
Medien. „Eine Herausforderung an
unser Bildungssystem, die schwer
zu stemmen sein wird“, so der Professor. Bei der internationalen
ICILS-Studie über den Umgang der
Achtklässler zum Umgang mit digitalen Medien landeten die deutschen Steppkes nur im Mittelfeld.
Nicht schlecht, aber nicht wirklich
zukunftsweisend. Und eigentlich
so, dass wir Bauchschmerzen bekommen müssten als große Industrienation.
„Wir müssen stärker auf den
Nachwuchs setzen und diesen intensiv fördern“, so Prof. Dr. Doris
Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule
Kiel und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DiWiSH, des
Vereins
„Digitale
Wirtschaft
Schleswig-Holstein“. Angefangen
mit mehr studierten Informatiklehrern an den Schulen, die begeistern
können für das Fach und damit die
Zukunft. Dazu eine bessere Ausstattung in den Schulen. Dazu –
endlich, irgendwann, schnell – flächendeckendes und schnelles Internet als eines der größten Probleme.
Seit Sommer 2014 steht das Thema
als „digitale Agenda“ und Bundestagsbeschluss ganz weit oben auf
der Prioritätenliste.
Aber: „Wir verharren stellenweise in einer Schockstarre“, so die
Fachfrau. Die digitale (Wirtschafts-) Welt drehe sich schneller
und schneller. Und die Deutschen
drohten den Anschluss zu verpassen. Doris We-
ßels: „Wir sind zwar technikbegeistert, haben sogar den Begriff „Industrie 4.0“ maßgeblich geprägt –
sind aber zugleich sehr zögerlich in
der Umsetzung der Möglichkeiten,
die das „Internet der Dinge“ bietet.
Das zeigt sich sehr deutlich im Vergleich zu amerikanischen Unternehmen und den dortigen Risikokapitalgebern.
Zwar agieren einer Studie zufolge nur sieben Prozent der IHK-gemeldeten Unternehmen im Land
im Bereich der digitalen Wirtschaft.
Tim Schlotfeldt, DiWiSH-Projektleiter, betont aber: „Die hohe wirtschaftspolitische Relevanz der Branche für Schleswig-Holstein ist unbestreitbar. Dies wird nicht zuletzt
auch durch eine Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung bestätigt, die bis
2020 für Schleswig-Holstein eine
weiter wachsende Bedeutung für
die IT-Unternehmen prognostiziert.“
Die deutschen Unternehmen
müssen, so Doris Weßels, „den Turbo einschalten angesichts der Dynamik, die wir erleben.“ Immer kürzere Innovationszyklen erwarten
immer schnellere Reaktionen.
„Fluide Organisationen“ mit freien
Mitarbeitern bei Projekten statt der
festen Belegschaft als Zukunftsszenario. Cloud-Computing und Data-Mining – die wissenschaftliche
Datenanalyse – statt klassischem
Maschinenbau, Bergbau und der
Automobilindustrie. Die Daten der Kunden sind, richtig
ausgewertet, das neue „Öl“.
Das Problem deutschlandweit ist: Die klein- und mittelständischen Unterneh-
men haben noch nicht alle die angezogene „analoge Wachstumsbremse“ gelöst, um ihre Potentiale auszuschöpfen. Diese sieht Prof. Dr.
Doris Weßels insbesondere in der
Kooperation des gestandenen Mittelstands mit den „Start-up-Unternehmen“: „Start-Ups und mittelständische Unternehmen könnten
voneinander lernen und den digitalen Wandel miteinander gestalten.
Das sollte gerade in Schleswig-Holstein viel stärker ins Bewusstsein
gerückt werden. Wenn Youngsters
mit innovativen Produkten, aber
wenig Geld, auf den etablierten
Mittelstand treffen, hat das große
Potenziale.“
Das „Kieler Bildungscluster
Open Campus“ ist ein solcher Versuch „der arrangierten Ehe“ zwischen Studenten/ Absolventen und
dem Mittelstand. An der Wismarer
Hochschule ist das der „Akademische Service für Karrierefragen“.
Doris Weßels über die Arbeit in
Kiel: „Es ist uns gelungen, die Gründerszene zu beflügeln. Wenn wir
die stärker heranrücken an die
Etablierten im Land, haben wir viel
gewonnen.“
Das wird Sebastian Späth, der
Hamburger Professor, gerne lesen.
„Wir brauchen eine höhere Risikobereitschaft der Unternehmensgründer, aber auch eine höhere
Wertschätzung von Gründungen.
Ich sehe das bei den Studierenden
bei uns, dass die lieber einen sicheren Arbeitsplatz bei Siemens haben anstatt zu sagen, wir wollen unser eigener Chef werden.“ Späth
warnt aber auch vor einem „Hype“, einer globalen „DotComBubble“. „Wenn Un-
Foto: verythingpossible / Fotolia, af
ternehmen sich Gedanken machen über einen Kühlschrank, der
E-Mails verschickt oder einen
Kochtopf, der per Bluetooth mit
dem Handy verbunden ist und meldet, wie heiß es im Topf ist, muss
man sich fragen, ob das das ist, was
die Menschen wollen und brau-
chen“, so der Professor. „Ist das
wirklich
Fortschritt oder versucht man einfach nur irgendwie dabei zu
A
sein?“
Unternehmen mit
Cloud Computing 2014
Anteil in Prozent an den
Unternehmen mit Internetzugang
Von links nach rechts: Insgesamt / Unternehmen mit 10
bis 49 / 50 bis 249 / 250 und
mehr Beschäftigten.
Quelle: Statistisches Bundesamt
/ Grafik: af
DIE WIRTSCHAFT – Immer schneller werfen Technologiekonzerne neue Entwicklungen auf den Markt. Drohen die Deutschen den Anschluss zu verlieren?
4
Donnerstag, 9. April 2015
DIGITALER WANDEL
Spamfilter, Firewall und Antivirenprogramme sind heute Standards in den Unternehmen. Aber sie reichen bei Weitem nicht, um zuverlässig vor externem Zugriff zu schützen.
Foto: pn_photo / Fotolia
DATENSCHUTZ
Angriff auf die Schaltzentrale
Wie wichtig es ist, interne Informationen zu sichern, ist den meisten Betrieben bewusst. Wie es funktioniert aber oft nicht.
Datensicherheit ist – nicht
zuletzt durch die
NSA-Affäre – ein großes
Thema. Besonders in
Unternehmen. Dennoch
wird es bis heute oft
stiefmütterlich behandelt.
Von Majka Gerke
Die meisten Betriebe haben Spamfilter, Virenschutzprogramme oder
Firewalls installiert und wiegen
sich so in Sicherheit. Dennoch verüben Hacker jeden Tag gezielte Cyberangriffe und greifen damit Millionen an sensiblen Daten ab. Für
Firmen bedeutet dies mehr als nur
ein Prestigeverlust.
Dass bei einem allzu laxen Umgang mit der Datensicherheit viel
schief gehen kann, erleben IT-Experten jeden Tag. Gehackte Firmenserver und geknackte Bankkonten, gestohlene Kundendaten
oder im schlimmsten Falle sogar
Wirtschaftsspionage sind die Folgen. So griffen Hacker alleine 2013
mehr als 552 Millionen Identitäten
ab und erbeuteten damit Passwörter, Adressen, Geburts- und Zugangsdaten. Hackerangriffe wie
auf das Filmstudio Sony Pictures
Ende letzten Jahres, bei dem unter
anderem pikante interne E-Mails
öffentlich gemacht wurden, bedeuten neben finanziellen Schäden oft
auch einen empfindlichen Imageverlust. So stiegen laut dem Sicherheitsbericht des Softwareherstellers Symantec 2013 im Vergleich
zum Vorjahr Datenabgriffe um 62
Prozent.
Im Fokus der Hacker sind dabei
immer öfter Klein- und Mittelständische Unternehmen.
Auch Thilo Weichert, oberster
Datenschützer
Schleswig-Holsteins, kennt solche Fälle. Mit seinen Mitarbeitern vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) steht er Unternehmen auch beratend zur Seite. „Fragen, welche Daten für Werbezwecke nutzbar sind, wie man ein Da-
tenschutzmanagement
aufstellt
oder wie man Arbeitnehmerdaten
schützen kann, kommen oft“, sagt
er. Massiv zugenommen haben die
Anfragen, wie man sich vor Wirtschaftsspionage schützen kann, berichtet er. „Snowden und die
NSA-Affäre haben viele aufgeschreckt“, sagt Weichert.
Dabei ist der datenschutzgerechte Umgang mit personenbezogenen Daten gut geregelt. Informationen wie zum Beispiel Namen und
Anschriften der Mitarbeiter, Geburtsdaten oder auch Lohn- und
Gehaltsdaten gehören dabei unter
Verschluss wie Daten über die Kunden und Lieferanten. Festgelegt
wird dies unter anderem im Bundesdatenschutzgesetz
(BDSG),
doch auch die Landesdatenschutzgesetze oder das Telekommunikationsgesetz (TKG) bilden die rechtlichen Grundlagen.
Dass viele Unternehmer nach
der Vogel-Strauß-Methode handeln, merkt auch Stefan Stengel,
Leiter des Arbeitskreises ITK und
neue Medien der IHK zu Lübeck,
sehr oft. „Viele stecken beim The-
v. links: Firmenkundenbetreuerin Heike Leonhardt mit den
n Firmenkundenbetreuern Marcus Lange und Stefan Grüneberg.
Firmenkunden vertrauen uns!
Besser beraten bei der Kreissparkasse!
ma Datenschutz den Kopf in den
Sand. Immer frei nach dem Motto
,was ich nicht weiß, macht mich
nicht heiß'“, erzählt er. Dabei werden die Hackerangriffe von außen
mehr, je größer und wichtiger das
Unternehmen ist. „Meist kriegen
sie es gar nicht mit, dass sie gehackt wurden.“ Bei ihm und seinen
Kollegen vom Arbeitskreis suchen
Unternehmer und Existenzgründer oft Rat. „Oft geht es darum, was
alles passieren kann. Aber auch
über Virenschutz und welche Programme wichtig sind. Oder wie
man eine Firewall einrichtet“, sagt
Stefan Stengel.
Dabei kommt es in der Hilfestellung immer darauf an, wie in dem
Betrieb gearbeitet wird. „Es ist eine ganz individuelle Betrachtungsweise“, sagt er. Die im Betrieb eingesetzten Medien wie Tablets oder
Laptops, Netzwerke oder auch Verschlüsselungen spielen dabei eine
Rolle. Daneben geben sie auch
Tipps bei Datensicherungsmaßnahmen. „Dabei guckt man zum Beispiel, ob USB-Ports frei sind. Oder
wie offen das ganze System ist und
ob Hackern so der Zugang erleichtert wird“, erklärt Stefan Stengel.
Ein betrieblich eingesetzter Datenschutzbeauftragter hat solche
Problembereiche meist im Blick. Firmen, wo mehr als neun Mitarbeiter
Zugriff auf personenbezogene Daten haben, sind verpflichtet, so einen Beauftragten zu bestellen. Dieser muss die nötige Fachkunde
nachweisen können. Tut man dies
nicht, riskieren Unternehmen Ärger
mit den Behörden und eine Geldstrafe. Ob man dabei intern auf einen
Mitarbeiter zugreift oder sich externe Hilfe sucht, bleibt jedem Unternehmer selbst überlassen.
Ilona Jarabek, Geschäftsführerin der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) setzt dabei auf externe Fachkenntnisse. Sie hat nicht
nur die gesamte IT-Dienstleistung
ausgelagert, auch der Datenschutzbeauftragter ist von außerhalb.
„Wir haben einen Rechtsanwalt,
der dies als Fachgebiet hat, beauftragt und damit sehr gute Erfahrung gemacht“, sagt sie.
Bei einer Bestandsaufnahme,
die der Fachmann zu Anfang machte, fanden sich dann auch nur Kleinigkeiten, die nachgebessert wurden, sagt Jarabek. „Wir setzen uns
regelmäßig zusammen und besprechen, was an Änderungen auf uns
zukommt und klären alle Fragen“,
sagt sie.
Schon vorher war das System
der MuK gut geschützt. Sie haben
regelmäßig in neue Software investiert und seien so auf dem neusten
Stand, sagt Jarabek. Zudem werden regelmäßig die Passwörter gewechselt und auch die Zugänge zu
den Daten sind gesichert. „Die Abteilungen haben ihre Daten auf unterschiedlichen Laufwerken, die
passwortgeschützt sind.“
.de
atzeburg
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k
s
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w
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Infos: w
Kreissparkasse
Herzogtum Lauenburg
FirmenkundenManagement
DIE WIRTSCHAFT – Immer öfter sind mittlerweile auch kleine und mittelständische Unternehmen im Fokus von Hackern.
Ein großes Problem sehen die Experten in Viren, die über E-Mails in
die Firmen-Systeme kommen. „Ich
empfehle unseren Kunden immer,
keine Anhänge von unbekannten
Absendern zu öffnen. Generell sollte man solche nur öffnen, die vorher angekündigt wurden“, sagt Daniel Pache, IT-Spezialist der Lübecker Firma Computer Centrum Polygon. Auch den verstärkten Anstieg von Ransome-Ware beobachtet er. Dabei verschlüsselt ein Virus, das unbemerkt im Hintergrund läuft, sämtliche Daten der
Festplatte und sperrt dann den
Computer. Oft geben Hacker den
Schlüssel erst nach Zahlung eines
Lösegeldes frei.
Doch neben allen technischen
Möglichkeiten der Datensicherheit
ist auch die Sensibilisierung der
Mitarbeiter ein großes Thema. Da
werden unbedarft die Passwörter
der Computeranlage per Telefon
an vermeintliche Mitarbeiter des
externen EDV-Dienstleisters weitergegeben, obwohl man den Anrufer gar nicht kennt. „Social Engineering“ nennen die Fachleute
das. Auch der Umgang mit Datenmüll ist oftmals allzu sorglos. Alte
Belege werden ordnerweise ungeschreddert einfach in den Papiercontainer geworfen.
Zu großen Problemen kann auch
die private Nutzung der EDV
durch die Mitarbeiter führen. Da
wird schnell mal während der Arbeit der Facebook-Account gecheckt, getwittert oder private
E-Mails gelesen. Schnell kann
man sich so beim Öffnen von privaten Mails einen Virus auf dem Rechner laden. „Eine betriebliche Nutzungsvereinbarung über die EDV,
in der genau geregelt ist, was erlaubt ist und was nicht, hilft da
sehr“, empfiehlt Pache. A
Donnerstag, 9. April 2015
DIGITALER WANDEL
5
BREITBAND
Versorgung mit
Lücken und Gefälle
Die Breitbandversorgung kommt zwischen Hamburg
und der Ostsee sehr unterschiedlich voran.
Der Ausbau der
Breitbandversorgung
schreitet immer weiter
voran – auch in den
ländlichen Gebieten. In
unserer Region gibt es
aber noch erhebliche
Lücken.
Von Oliver Schulz
Laut TÜV Rheinland hat die Verfügbarkeit von Hochleistungsanschlüssen mit Bandbreiten von
mehr als 50 Mbit/s die Schwelle
von 60 Prozent deutlich überschritten. Mitte 2014 lag sie demnach bei
64,1 Prozent. Der Ausbau umfasse
mittlerweile auch immer mehr ländlich geprägte Gebiete.
Für Schleswig-Holstein trifft das
nur bedingt zu. In unserem Bundesland ist die Versorgung entlang der
Autobahn 7, im Umkreis der Hansestadt Hamburg sowie in Kiel und
Lübeck gut. In den ländlichen Gebieten, insbesondere an der Nordund Ostseeküste ist sie weiterhin
sehr dünn.
Schleswig-Holstein
benötige
nicht nur eine bessere Verkehrsinfrastruktur und ausgebaute Energienetze, sondern ebenso dringend Hochgeschwindigkeitsnetze
für das Internet, betonte vor diesem
Hintergrund Reinhard Meyer
(SPD), Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie.
Im südöstlichen Teil des Landes
sind besonders der Großraum Lübeck, viele Gebiete an der Autobahn 1 und Südstormarn gut mit
Breitband versorgt. In vielen ländliche Gebieten in unserer Region ist
die Versorgung noch dünn.
Laut dem Finanzierungsschlüssel der Breitband-Offensive für Ostholstein gelten in dem Landkreis
Bad Schwartau, Eutin, Timmendorfer Strand aber auch Neustadt als
bereits gut versorgt.
Die Anbindung Eutins an das
überregionale
Glasfaserkabelnetz (Backbone-Netz) ist zu zwei
Dritteln abgeschlossen. Bereits seit
2011 ist Kabel Deutschland großflächig mit schnellem Netz in Bad
Schwartau vertreten. In Timmendorfer Strand soll das schnelle Telekom-Netz noch im Frühjahr in allen
Dorfschaften verfügbar sein. Dass
Eutin nicht Teil der Breitband-Offensive ist, sorgte für Verwunderung.
In vielen anderen Regionen ist in
diesem Jahr Bewegung in den Ausbau gekommen. So wird das Netz
im stormarnschen Elmenhorst weiter ausgebaut. In Todesfelde im
Kreis Segeberg ist die schnelle
Breitbandversorgung unterdessen
mit dem „Gestattungsvertrag“ zwischen Gemeinde und dem Breitband-Anbieter „Unser Ortsnetz/
Deutsche Glasfaser“ in greifbare
A
Nähe gerückt.
Schlechter Zugang auf dem Land: Breitbandversorgung in ganz SchleswigHolstein Mitte 2014 nach Gemeindeprägung.
Die Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen in unserer Region Mitte des vergangenen Jahres: Vor allem im Nordosten
gibt es noch große Lücken.
Quelle: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, BMVI. Copyright TÜV Rheinland / BMVI 2014
DIE WIRTSCHAFT – In Schleswig-Holstein ist die Versorgung entlang der Autobahn 7, im Umkreis der Hansestadt Hamburg sowie in Kiel und Lübeck gut.
6
Donnerstag, 9. April 2015
DIGITALER WANDEL
ANWENDUNGSBEISPIELE
High-Tech
handfest
Neue Technologien bringen
Bewegung in die regionale Wirtschaft.
Von Majka Gerke
Ob in der Medizintechnik,
beim Treppenbau oder
beim Drucken: High-Tech
hat in den vergangenen
Jahren unterschiedlichste
Branchen erreicht. Für die
Unternehmen eröffnen sich
neue Geschäftsfelder. Drei
Beispiele aus unserer
Region.
Wie von Geisterhand arbeiten
CNC-Maschinen in der großen Produktionshalle im stormarnschen
Reinfeld, eine vollautomatische Lackierstraße sorgt für die richtige
Oberfläche. In der Medizintechnik
liegt der Anteil der Software heute
bei etwa 70 Prozent. Der DreiD-Drucker schmilzt mittels Laser
Metallpulver und trägt dann
Schicht für Schicht zum Bauteil auf
– vom Maschinenteil aus Aluminium für die Luftfahrttechnik bis zur
Zahnkrone.
A
BEISPIEL I
Digitale Präzision im Handwerk: Bei Treppenbau Voss in Reinfeld setzt man auf CNC-gesteuerte Maschinen.
BEISPIEL II
Medizintechnik im
Vorwärtsgang
Keine Branche hat sich im Laufe
der vergangenen Jahrzehnte so verändert wie das Gesundheitswesen.
Immer neue Maschinen erleichtern
es heutzutage den Medizinern, richtige Diagnose zu stellen und so die
beste Therapien und Behandlungsmethoden für die Patienten zu finden. Darüber hinaus haben sich
Krankenhäuser immer mehr zu
technologiegestützten Dienstleistungsunternehmen
gewandelt.
„Ohne EDV würde keine Klinik
mehr funktionieren.“ Das ist für Ulrich Wenkebach ganz klar. Der Diplom-Ingenieur und Mediziner ist
Professor an der Fachhochschule
Lübeck (FH) und Studiengangleiter für Biomedizintechnik. Nicht
nur im administrativen Bereich
läuft heute in den Krankenhäusern
alles über EDV – egal, ob in der Aufnahme von Patientendaten oder in
der Abrechnung mit den Krankenkassen. Auch in die Operationssäle
ist die Technik eingezogen.
Im Studiengang von Professor
Wenkebach werden die angehenden Diplom-Ingenieure genau auf
die Schnittstelle zwischen Medizin
und Technik vorbereitet. „Wir kombinieren beide Bereiche“, sagt
Wenkebach. Rund 70 Studenten
beginnen pro Jahr das Bachelorstudium, 420 sind es insgesamt an der
FH. Seit 27 Jahren gibt es den Studiengang an der FH schon, der anfangs noch Technisches Gesundheitswesen hieß.
Fotos: Majka Gerke
Im Studium lernen die angehenden Biomedizintechniker unter anderem Aufbau und Technik der medizinischen Geräte wie Anästhesie-Einheit, Inkubator, Beatmungsgerät und Co. genau kennen. Dabei entwickeln sie unter anderem
Wege, wie man die Software für diese Geräte noch weiter modifizieren
kann. Hatten Anästhesiegeräte früher noch Drehregler und liefen Beatmungsgeräte bis in die 1990er
Jahre noch ohne Stromanschluss,
funktioniert mittlerweile alles digital.
Bei 70 Prozent liegt der Softwareanteil in den Geräten heute. „Man
kann mit diesen Geräten alle möglichen Daten festhalten“, so Wenkebach. So zeichnet die Anästhesie-Einheit während der OP nicht
nur den Zustand des Patienten auf.
Es werden auch Verbrauchsdaten
und Medikamentengaben festgehalten. Mit einer Schnittstelle zur
Krankenhausapotheke wäre es
möglich, die verbrauchten Produkte gleich nachzuordern. Das funktioniert aber noch nicht überall. „In
neuen Krankenhäusern wird meist
gleich ein Krankenhaus-Informations-System (KIS) installiert, worüber alle Daten laufen“, erklärt Wenkebach. Das findet der Mediziner
sehr sinnvoll. Dennoch weiß er,
dass es bei bestehenden Krankenhäusern sehr schwierig ist, die vorhandenen Systeme zu synchronisieren.
Der fast automatische
Treppenbau in Reinfeld
Effizienz ist für Reiner Voß wichtig.
Der Tischlermeister aus Reinfeld ist
Chef von einer der größten Treppenbaufirmen im Norden. Als
Ein-Mann-Betrieb gestartet, beschäftigt er heute 65 Mitarbeiter an
sieben Standorten. Als Voß sich
1990 selbstständig machte, hantierte er noch mit Zollstock, Block und
Bleistift. „Wir hatten damals allerdings schon ein Treppenbauprogramm für den PC im Einsatz, das
lief noch unter MS DOS“, erinnert
er sich.
Schnell investierte der Tischlermeister in neues Equipment. So
schaffte er schon 1998 die erste
CNC-Maschine an. Rund 400 000
Mark kostete diese damals. „Das
war immer mein Traum. Wir haben
schnell gemerkt, dass das ein
Schritt in die richtige Richtung
war“, sagt Voß. Für ihn ein Sprungbrett zu weiteren Investitionen in einen leistungsfähigen Maschinenpark und in Richtung Automatisierung.
Heute stehen drei CNC-Maschinen in der Produktionshalle und arbeiten wie von Geisterhand die
Treppenteile aus. Rund 3000 Treppen produziert man hier im Jahr,
die Fertigungszeit liegt bei unter
zehn Stunden. Nebenan steht eine
vollautomatische
Lackierstraße
und gibt den Stufen und Wangen
die passende Oberfläche. Das alles
sei Vorbereitung auf eine große Produktionsstraße, meint Voß. „Das ist
Tischler Ronny Kenner konstruiert in der Arbeitsvorbereitung eine Treppe per Computer.
die Endvariante, aber soweit sind
wir noch nicht.“
Auch in der Arbeitsvorbereitung
läuft heute vieles digital. Seit einem Jahr gehen die Mitarbeiter
mit Laser und Laptop zwecks Aufmaß nehmen zum Kunden. Die Fehlerquote sei dadurch bei Null, hat
Voß festgestellt. In der Fertigung
werden die Daten dann mit einer
speziellen Treppenbausoftware
verarbeitet. Über zwei Millionen
Euro hat der Treppenbauer in den
vergangenen Jahren in neueste
Fertigungsanlagen und Softwaresysteme investiert.
Auch im Auftritt nach außen gibt
man sich modern. Neben dem Internetauftritt hat das Unternehmen eine eigene Facebook-Seite, wo
schon mal die neuesten Treppen
gezeigt werden, die gerade entstanden sind. Auch im beruflichen Internetnetzwerk Xing ist Reiner Voß registriert. Nur bei Twitter findet
man die Firma nicht. „Das haben
wir aufgegeben. Da sucht keiner
nach Treppenbaufirmen“, hat Marketingchefin Jennifer Timmermann festgestellt.
BEISPIEL III
Eine neue Welt aus dem 3D-Drucker
Eine neue digitale Dimension hat
auch das Lübecker Unternehmen
SLM Solutions AG geschaffen. Die
Firma – seit vergangenem Jahr börsennotiert – ist einer der Vorreiter
in der Herstellung von 3D-Druckern in Deutschland. Damit lassen sich dreidimensionale Bauteile
und Formen – vom Maschinenteil
aus Aluminium für die Luft- und
Raumfahrttechnik oder den Autobau bis zur Zahnkrone aus einer Kobalt-Chrom-Legierung herstellen.
Dabei wird mittels Laser Metallpulver geschmolzen und dann Schicht
für Schicht zum Bauteil aufgebaut.
So entstehen Teile, die bisher nur
gefräst oder gegossen werden
konnten. „Man bekommt eine dreidimensionale Flexibilität durch diese Technik“, sagt Stefan Ritt, Marketingmanager bei SLM Solutions.
1994 entstanden die ersten
3D-Drucker, die Metallteile drucken konnten. „Die Kunststoff-
3D-Drucker gab es schon seit Mitte
der 1980er Jahre“, erklärt Ritt. Beide Techniken entwickeln sich fortlaufend weiter. Auf einer Messe
machte die Firma, die vorher lange
Jahre im Anlagenbau, unter anderem im Bereich Vakuum- und Metallgießen agiert hat, Bekanntschaft mit der neuen hochmodernen 3D-Drucktechnik und gliederte einen entsprechenden Geschäftsbereich aus. 2011 war die
Geburtsstunde der SLM Solutions
und bald entwickelte man eigene
Anlagen, deren Nachfrage schnell
anstieg. Verkaufte der Maschinenbauer 2011 elf der komplexen Anlagen, waren es 2014 schon 49 Stück.
Für die innovative Technik greifen
die Kunden dann auch tief in die Tasche: je nach Modell und Ausstattung kosten sie zwischen 500 000
und 1,5 Millionen Euro.
Von Anfang an operierte man
bei SLM Solutions weltweit. Nie-
derlassungen in den USA und
Asien und zukünftig auch in Russland und Indien bedienen die unterschiedlichen Märkte. „Es ist ein interessanter
Wachstumsmarkt“,
meint Stefan Ritt. Der Marketingmanager reißt einige Tausend Flugkilometer im Jahr ab, um auf Fachmessen und Veranstaltungen neue
Kontakte zu knüpfen. Kontakt mit
der Firma hält Ritt dann per
Smartphone und Tablet. Das findet
er nicht nur positiv. Denn durch die
neuen Kommunikationswege sei alles viel anonymer geworden, meint
Ritt. Zwar ist die Kommunikation
schneller, aber weniger spontan.
„Heute telefoniert man viel weniger, sondern schickt einfach
E-Mails.“ Dies ändert auch das Geschäftsgebaren, sagt Ritt. Dabei ist
ihm und seinen Chefs der persönliche Kontakt sehr wichtig. „Solche
Anlagen verkauft man nicht per Telefon.“
Stefan Ritt, Marketingleiter der SLM Solution AG, vor einem der modernen 3D-Drucker.
DIE WIRTSCHAFT – Software steuert heute bereits medizinische Geräte, baut Treppen und „druckt“ vollautomatisch verschiedenste Bauteile in 3D.
Donnerstag, 9. April 2015
7
DIGITALER WANDEL
ZUKUNFTSBRANCHEN I
Ein Schwergewicht
kommt in Bewegung
Die Digitale Wirtschaft als eigene Branche ist in Schleswig-Holstein auf dem Vormarsch.
Ein Schwerpunkt findet sich in den Lübecker Media Docks.
Den drei
Handelskammern
des Landes
Schleswig-Holstein
zufolge sind derzeit rund
184 000 Unternehmen
IHK-Mitglieder. Immerhin
13 573 davon – das
entspricht 7,3 Prozent –
gehören dem jungen
Industriezweig der
Digitalen Wirtschaft an.
In seinem jüngst veröffentlichten
Branchenüberblick bezeichnet
der DiWiSH, der Unternehmensverband der Digitalen Wirtschaft
in Schleswig-Holstein, die aufstrebende und innovative Unternehmensfamilie daher als neuen
„Schwerpunkt der regionalen
Wirtschaft“, und schreibt ihr „eine hohe wirtschaftspolitische Relevanz“ zu. Darüber hinaus
schlüsselt der Verband in der Veröffentlichung auf, aus welchen
Unternehmen sich dieser moderne Wirtschaftszweig – aus seiner
Sicht – überhaupt zusammensetzt und wie er sich regional unterschiedlich gestaltet. Dass Ers-
teres jedoch nicht ganz einfach
ist, findet auch Tim Schlotfeldt,
Verbandssprecher des DiWiSH:
„So ist es beispielsweise schwierig, die IT-Branche als ,Mutter
der Digitalen Wirtschaft’ von der
– sagen wir mal – konventionellen Wirtschaft zu trennen.“
Umgekehrt gelte das genauso:
„Etwa beim E-Commerce. Hier
geht es in erster Linie um den Warenhandel. Da der bei E-Commerce – wie der Name schon sagt –
größtenteils über das Internet abläuft, zählt dieser Bereich laut DiWiSH und auch seitens der IHK
zur Digitalen Wirtschaft“, sagt
Schlotfeldt.
Laut Branchenüberblick zählen deshalb neben Firmen, bei denen es keine Probleme bei der Zugehörigkeit gibt wie etwa der Informationstechnologie oder der
Telekommunikation, auch Unternehmen aus den „mediennahen
Bereichen“, wie Druckgewerbe,
Verlagswesen, Werbung und
Marketing sowie dem Kommunikationsdesign zu dem Wirtschaftszweig.
Wie auch immer sie genau eingegrenzt wird – ein gutes Beispiel für die Bedeutung dieser innovativen Branche ist das 1898
von der Kaufmannschaft zu Lübeck als Kornspeicher erbaute
Rotklinkergebäude auf der Wallhalbinsel im Lübecker Hafen. In
dem Media Docks, wo früher Getreidesäcke mit Muskelkraft und
Seilwinden ein- und ausgelagert
und von einen Ort zum anderen
transportiert wurden, sind heute
nahezu ausschließlich Unternehmen mit einem technischen beziehungsweise digitalen Background untergebracht – abgesehen von einigen Anwälten des Familien- und Steuerrechts. Und einem Bauunternehmen für Holzhäuser.
Seit dem Umbau im Jahr 2001
sind in den alten Mauern 44 Unternehmen mit insgesamt 460 Arbeitsplätzen untergebracht. Darunter die Commocial GmbH –
ein Internetvollblut. Ende vergangenen Jahres hat das Unternehmen den eIDEE-Preis 2014 der
Bundesdruckerei gewonnen. Ein
Preis, der in fünf Kategorien an
Unternehmen und Institutionen,
Start-ups, Privatpersonen, Designstudenten und Schüler verliehen wird, die innovative Ideen haben, um die digitale Identität bestmöglich zu schützen.
Commocial hat ein Programm
entwickelt, um mobile Endgeräte in digitale Ausweise umzuwandeln. Nutzer müssen sich dem Unternehmen zufolge künftig keine
Benutzernamen oder Passwörter
mehr merken. Lediglich der Griff
zum Mobiltelefon soll reichen,
um Transaktionen und Ein-
log-Prozesse einfacher, sicherer
und schneller machen. Diese
Neuerung war auch der Jury des
Innovationspreis-IT Mittelstand
2014 Anlass genug, die Firma
zum
Landessieger
Schleswig-Holstein zu küren. Ihr Urteil:
„Eine innovative, mittelstandsgeeignete IT-Lösung mit hohem
Nutzwert“.
Ein anderes Beispiel aus den
Media Docks ist die die Amedon
GmbH. Eine Dienstleitungsfirma, deren letzte Silbe im Namen
verrät, dass die Produkte des Unternehmens offline keinen Nutzen haben – so beschreibt es die
Firma zumindest selbst. Vom
Image her ist Amedon vielleicht
ein bisschen weniger hip als Commocial – dafür aber offenbar sehr
aktiv und wichtig für die medizinische Entwicklung. So treibt
Amedon die digitale Vernetzung
in der klinischen Forschung, der
Notfall- sowie der Telemedizin
voran, versteht sich als Dienstleister in der Prozessoptimierung der
Branche und sieht ihre Aufgabe
in der Verbesserung der Qualität
von Online-Kommunikationssoftware im medizinischen Bereich.
So extrem der Kontrast von
Stahl und Glas zum ursprünglichen Charakter der Media Docks
ist, so extrem ist auch der Unterschied zwischen der früheren zur
heutigen Nutzung des alten Ge-
bäudes.
Früher
hätte
man den
Klinkerbau leicht
als Synonym für die
Tatkraft der
Kaufmannschaft und der
Kornträger in Lübeck heranziehen
können.
Heute hingegen ist es ein symbolträchtiger Treffpunkt und Standort
für alle Bereiche der Digitalen
Branche, dem offenbar neuen
Schwerpunkt der regionalen
Wirtschaft in Schleswig-Holstein. Wie auch immer diese Branche definiert werden will – sie hat
schon heute eine beachtliche GröA
ße erreicht.
Gstudio Group / Fotolia
ZUKUNFTSBRANCHEN II
Schleswig-Holstein: Schwieriges
Terrain für Neugründungen?
Schleswig-Holstein
wird bis zum Jahr
2020 einen beachtlichen
Unternehmenszuwachs im
Bereich der Digitalen Wirtschaft haben. Zu dieser
Prognose kommt
eine unabhängige Studie, die
das Fraunhofer
ISI jüngst im
Auftrag des
Karlsruher Software-Clusters aufgestellt hat. Der DiWiSh, der Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein e.V., sowie das Clustermanagement der Branche in
Schleswig-Holstein, haben das
Ergebnis dieser Studie nun veröffentlicht. Doch nicht alle Branchenkenner teilen die optimistische Einschätzung des Verbandes, viele hingegen sehen dringenden Handlungsbedarf in einigen, für die Branche überlebenswichtigen Bereichen. Ansonsten
könnte das Wachstum auf der
Strecke bleiben.
Der Unternehmensverband ist
sich jedoch sicher: „SchleswigHolstein ist schon heute ein attraktiver Standort für Firmen der
Digitalen Wirtschaft,“ sagt Tim
Schlotfeldt, Projektleiter des
DiWiSH. „Zumindest was
bereits ansässige und etablierte Firmen anbelangt. Allerdings sehe auch ich an einigen Stellen Verbesserungsmöglichkeiten, um das prognostizierte Wachstum zu erreichen. Zum
Beispiel im Bereich der Neugründungen und deren Förderung.“
Schlotfeldt spricht damit einen
Punkt an, der auch anderen Mitgliedern des Verbands unter den
Nägeln brennt. Etwa dem Programmierer Joerg Pechau. Dieser geht allerdings einen Schritt
weiter als Verbandssprecher
Schlotfeldt und formuliert die Situation deutlich schärfer. „Es
würde mich schon sehr wundern, wenn Schleswig-Holstein
mit seinen paar Neugründungen
im Bereich der Digitalen Wirtschaft überhaupt auf der Landkarte erscheint,“ sagt der Geschäftsführer von ICNH, einem
Unternehmen aus Kiel, das Anwendungen für das mobile Internet produziert. „Zumindest ist
das meine Wahrnehmung,“ so
Pechau.
Schon bei der Gründung seines
Unternehmens hätten ihm und seinem Partner Stefan Matthias Aust
eine Start-up-Kultur in Kiel oder
Lübeck gefehlt, in der sich die beiden mit anderen Gründern hätten
austauschen können. Für Inspirationen und „diese gewisse Aufbruchstimmung,“ so Pechau,
wandten sie sich daher verstärkt
nach Hamburg, fanden wonach
sie suchten im dortigen Beta-House. Dabei habe die Region großes
Potenzial. „Gerade Kiel mit seiner
Lebensqualität und seinem hohen
Freizeitwert, im Vergleich zu
Hamburg niedrigen Mieten für
Wohn- und Geschäftsräume, wäre geradezu prädestiniert, um als
neue deutsche Hochburg der Softwareszene gelten zu dürfen.“
Der Aufbau eines Gründungsnetzwerkes mit Business Angels,
Venture Capital Gesellschaften
oder einem gut geführten Beta-House, wo sich die Gründerszene treffen könnte, sind auch nach
Schlotfeldt, der mit seinen zwei
Mitarbeitern jährlich vier bis
sechs Start-ups in der Gründungsphase begleitet, Erfolgsfaktoren
für den weiteren Ausbau des
Gründungsgeschehens in Schleswig-Holstein. Bisherige Versuche in dieser Richtung seien bislang aber leider missglückt.
Einige kleinere Unternehmungen sind jedoch wieder in der
Pipeline, weiß Schlotfeldt. Er dürfe allerdings noch nicht darüber
reden: „Das ist alles noch im Bereich der zu schützenden Ideenrealisierung. Doch wenn die
Marktreife erreicht ist, wird man
die Bedeutung für Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein erkennen,“ so
Schlotfeldt.
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DIE WIRTSCHAFT – Zur Digitalen Wirtschaft im engeren Sinne werden rund 7 Prozent der bei den Handelskammern gemelden Unternehmen gerechnet.
8
Donnerstag, 9. April 2015
DIGITALER WANDEL
Er ist seit vielen Jahren ein renommierter Experte auf dem Gebiet des E-Learning: Professor Dr. Rolf Granow, hier auf dem Gelände der Fachhochschule in Lübeck.
Foto: Olaf Malzahn
DAS INTERVIEW ZUM SCHWERPUNKT–THEMA
„Online-Lernen wird zur Lebensaufgabe“
Eine strikte Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit wird es künftig nicht mehr geben, sagt Professor Rolf Granow von der FH Lübeck.
Also mehr Online-Lernen?
Der Digitale Wandel wird
die Wirtschaft grundlegend
verändern. Firmen müssen
in die Fortbildung ihrer
Mitarbeiter investieren,
um Fachkräfte zu halten.
Herr Professor Granow, Sie
sind Experte für neue Methoden des Lernens. Sind die
Hochschulen den Unternehmen da weit voraus?
Wir beschäftigen uns an der Fachhochschule Lübeck und in ihrer ELearning-Tochter oncampus seit
über 15 Jahren intensiv mit innovativen Methoden für berufsbegleitendes Online-Lernen und haben
uns einen gehörigen Know-HowVorsprung erarbeitet. Darauf ruhen wir uns aber nicht aus, sondern
möchten ihn noch weiter entwickeln, indem wir uns die neuen
Möglichkeiten des Lernens in offenen Kursen als eine der ersten deutschen Hochschulen systematisch
erschließen. In dieser Tiefe und
Breite der praktischen Nutzung
von Online-Lernen und der explorativen Weiterentwicklung seiner
Möglichkeiten sind wir, wie ich
glaube, vielen Unternehmen, aber
auch vielen Hochschulen deutlich
voraus.
Wird die neue Art des Lernens
auch die Betriebe verändern?
Ja, die zunehmende Innovationsgeschwindigkeit erhöht auch in den
Unternehmen den Druck, Wissen
und Fähigkeiten ihrer Beschäftigten kontinuierlich zu entwickeln
und anzupassen. Lebenslanges Lernen entwickelt sich damit vom
Schlagwort in Sonntagsreden hin
zu einer notwendigen Bedingung
für wirtschaftlichen Erfolg.
Ja, hierfür ist das Online-Lernen in
vielen Fällen die sinnvollste Alternative – schon allein deshalb, weil
Menschen in Zukunft ja auch sonst
fast alles online machen. Es wird so
sein, dass Menschen in ihrem Beruf
ständig lernen und dass sie deshalb
ihre Arbeit nicht aufgeben, um zu
lernen. Damit wird Online-Lernen
zur Normalität. Bildung wird zu einem kontinuierlichen, lebensbegleitenden Prozess.
Die Konkurrenz um Fachkräfte wird sich verschärfen. Ist
die Fortbildung der vorhandenen Mitarbeiter eine Lösung?
Um gut qualifizierte, motivierte
Fachkräfte zu binden, liegt einer
der entscheidenden Faktoren darin, ihnen Entwicklungsperspektiven zu bieten. Durch berufsbegleitendes Lernen entfällt dabei die
Notwendigkeit, dass sie das Unternehmen zum Beispiel für ein weiterführendes Studium zumindest zeitweise verlassen zu müssen.
nen solchen, der nicht nur kostengünstig ist, sondern von anderen
Autos auch als zuverlässig bewertet wurde). Es werden also Arbeiten, die bislang von Menschen
übernommen wurden, von technischen Systemen eigenständig ausgeführt. Der Unterschied zur bisherigen Automatisierung liegt jetzt
darin, dass technische Systeme
den Zugang zum gesamten im Internet verfügbaren Informationsbestand der Menschheit haben, diese
Informationen gezielt auswerten
können und beliebig mit allen anderen Internetnutzern, Maschinen
und Menschen, kommunizieren
können.
Was kommt auf Unternehmen
zu, was auf Handwerker?
Das ist in der Allgemeinheit schwierig zu beantworten. Die Entwicklung birgt Chancen und Risiken,
wie immer. Wichtig ist es, die Chancen zu nutzen. Ich schätze sie hoch
ein. Wir haben eigentlich alle Voraussetzungen.
Was sind die größten Risiken?
E-Mails und Internet-Nutzung
sind für Betriebe unverzichtbar. Wie geht es da weiter?
Es geht in Zukunft entscheidend
um die industrielle Nutzung des sogenannten „Internet der Dinge“.
Während bislang vorrangig Menschen das Internet nutzen, wird in
Zukunft beinahe alles Zugang zum
Internet haben: Autos, Maschinen,
Anlagen, Produkte.
Haben Sie konkrete Beispiele?
Ein schönes Beispiel ist das Google-Car: ein fahrerloses Fahrzeug,
welches seine Route aus dem Internet holt, das aber auch in der Lage
ist, sich die nächste Tankstelle zu
suchen, Benzinpreise zu vergleichen, sich einen Servicebetrieb eigenständig zu suchen (und zwar ei-
Das größte Risiko liegt darin, dass
internetbasierte Innovationen bislang eher nicht zu den Kernkompetenzen der deutschen Industrie zählen. Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kernindustrien im Automobilbau, Maschinen- und Anlagenbau
wird aber in Zukunft entscheidend
davon abhängen, diese Produkte
nahtlos mit dem Internet zu verzahnen. Dazu braucht es Menschen,
die diese Innovationen auch gestalten können: es reicht nicht aus, das
Internet nur geschickt zu nutzen.
Das stellt besondere Anforderungen an die Mitarbeiter...
Hier stellt sich schon die Frage, ob
unser Bildungssystem dazu geeignet aufgestellt ist, um Menschen
für solche Aufgabenstellungen op-
timal zu befähigen. Diese Aufgabe
müssen wir aber dringlich lösen,
wenn wir unsere strategische Wettbewerbsfähigkeit erhalten wollen.
Die Frage nach dem Bildungssystem stellt sich auch deshalb, weil es
dafür sorgen muss, dass möglichst
alle befähigt werden, an diesem
Entwicklungsprozess zu partizipieren und nicht nur diejenigen, die es
auch ohne schaffen.
Welche Auswirkungen wird
das auf die Arbeitswelt, auf Arbeitszeiten haben? Wird mehr
Heimarbeit eine Folge sein?
Ich glaube, die Frage stellt sich radikaler. Die für uns gewohnte sorgfältige Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit, Beruf und Lernen
wird es so zukünftig vielfach nicht
mehr geben. Durch die ständige
Online-Verbindung fließt alles ineinander über. Die Herausforderung
wird darin liegen, diesen Prozess
so zu gestalten, dass Menschen in
der Lage sind, ihn für sich stressfrei
zu organisieren. Das setzt aber einen bewussten, reflektierten Umgang mit dem Internet voraus, für
den wir bislang noch keine Kultur
entwickelt haben. Mit diesem Thema setzt sich unter anderem unser
offener Kurs „Mein digitales Ich“
auseinander, den wir in Kürze auf
unserer Plattform mooin.oncampus.de starten: kostenfrei und offen
für alle. Heimarbeit am Computer
wird sicherlich zunehmen; auch
die selbstfahrenden Autos der Zukunft sind geeignete mobile Arbeitsplätze.
Anders gefragt: Wer wird profitieren, wer verlieren?
Profitieren werden die, die diese
Entwicklung verstanden haben
und zu gestalten wissen. Die Verlierer sind diejenigen, die glauben,
das geht an ihnen vorbei und sie
werden es auch schon so überleben. Und diejenigen, die allein
nicht in der Lage sind, diese Entwicklung von sich aus zu begreifen
und ihre Chancen zu nutzen. Hier
liegt aber gerade die gesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung,
Menschen auf diesen Wandel vorzubereiten und sie zu befähigen,
damit umzugehen.
Firmen in ländlichen Regionen haben Nachteile, weil sie
kein schnelles Internet nutzen können. Wie wichtig ist
der Ausbau der Netze?
Schnelle Netze sind eine Grundvoraussetzung für zukünftige Wirtschaftsentwicklung. Es ist als
Standortfaktor mindestens so wichtig wie Verkehrsinfrastruktur. Ich
bin aber überzeugt, dass wir diese
Aufgabe meistern werden. Allerdings könnte die flächendeckende
breitbandige Netzversorgung deutlich schneller erfolgen: Für eine führende Industrienation ist es nicht
ausreichend, in der Netzversorgung nur in der zweiten Reihe zu
stehen.
Wie gut sind mittelständischen Firmen gegen Datenklau gesichert?
Wohl eher schlecht, weil sich dieses Problem durch die offenen Netze noch einmal dramatisch verschärft. Hier muss in vielen Bereichen überhaupt erst einmal das Bewusstsein für die Risiken geschaffen werden.
Investieren mittelständische
Firmen zu wenig in ihre Datensicherheit?
Das glaube ich eigentlich nicht; sie
können sich keine höheren Investitionen leisten. Deshalb werden zunehmend Cloud-Lösungen erforderlich sein, deren Anbieter über
die Größe verfügen, um umfassende Datensicherheit zu ermöglichen.
Der Verlust vertraulicher Daten kann existenzbedrohend
sein. Laut Bundeskriminalamt
steigt der Datenklau durch Organisierte Kriminalität erschreckend. Wie hoch schätzen Sie den Schaden ein?
Er dürfte immens hoch sein. Es ist
ja klar, dass die ungeheuren Daten- und Transaktionsmengen
auch kriminelle Energien in hohem
Maße wecken. Das ist die eigentliche Piraterie unserer Tage. Deshalb müssen auch genauso große
Anstrengungen unternommen werden, um diese Kriminalität zu bekämpfen. Das lässt sich nicht aussitzen und vertagen.
Was muss konkret getan werden, um die Sicherheit der mittelständischen Firmen zu verbessern?
Hier lässt sich in Lübeck die Analogie zur Hanse ziehen: Kaufleute haben früher auch Transportgemeinschaften und Infrastrukturen gebildet, um ihre Waren gemeinsam zu
sichern. Deshalb sind für kleinere
Firmen unternehmensübergreifende Ansätze sinnvoll.
Was könnte da der erste
Schritt sein?
Wichtig ist es, sich eine Strategie
zu erarbeiten. Absolute Datensicherheit gibt es nicht. Ein zu hohes
Abschotten von offenen Netzen ist
auch nicht erfolgversprechend.
Deshalb müssen wir neu darüber
nachdenken, welche Daten wirklich vertraulich sind und geschützt
werden müssen. Für diese Grenze
kann es keine Standardlösung geben, wir müssen uns aber an den
Gedanken gewöhnen, dass wir viel
mehr Daten öffentlich stellen als
bisher, um effiziente Geschäftsprozesse gestalten zu können.
Interview: Christian Risch
DIE WIRTSCHAFT – Die Innovationsgeschwindigkeit erhöht den Druck auf Unternehmen, Fähigkeiten der Mitarbeiter kontinuierlich weiterzuentwickeln.
FINANZEN & MARKETING
9
E-COMMERCE
„Wer das Netz nicht nutzt,
hat die Zukunft verpennt“
Durch E-Commerce lassen sich Handels- und Verkaufsprozesse erheblich rationalisieren – und damit lässt sich viel Geld sparen.
Vom Einkauf über die
Verarbeitung bis zum
Vertrieb und von der
Wertschöpfungskette bis
darüber hinaus: Der
Handel wird digital.
Von Nicole Hollatz
Die Zeiten, in denen der Kunde
ganz analog den Werbekatalog des
Modeversandhauses durchgeblättert hat, sind für die meisten Händler vorbei. Jetzt wird geklickt. Einkauf mit wenigen Klicks, selbst Lebensmittel sind so online bestellbar, die Verfügbarkeit von gefühlt
Millionen von Waren kann dank
der Vernetzung in Echtzeit online
nachverfolgt werden.
Bezahlen? Ein Klick! Wenige Momente später läuft die automatisch
generierte Mail des Verkäufers
ein, das Produkt ist in den Versand
gegangen, im Zweifelsfalle kommt
das Paket direkt vom Produzenten,
ohne jemals im Lager des Verkäufers gewesen zu sein. Und wenn
der Verbraucher mit der Qualität
der Ware nicht zufrieden ist, bewertet er, vergibt digitale Sterne über
Service und Produkt oder lässt sich
im eigenen Blog drüber aus. Oder
verkauft es online gleich weiter.
Willkommen im Handel des 21.
Jahrhunderts, willkommen im Zeitalter des E-Commerce! Hinter dem
„denglischen“ Fachbegriff verbirgt sich allerdings viel mehr als
nur der Handel über das Internet.
Prof. Dr. Michel Clement – er unterrichtet Marketing und Medienmanagement an der Universität Hamburg – sagt: „E-Commerce ist die digitale Anbandlung, Ausgestaltung
und Durchführung von Geschäften. Wenn ich mein Verkaufsprospekt online stelle, ist das schon
E-Commerce, auch wenn die Wertschöpfung noch nicht digitalisiert
ist.“
E-Commerce ist der Prozess der
ganzen Wertschöpfungskette und
darüber hinaus – angefangen vom
Einkauf über die Verarbeitung bis
zum Vertrieb. Lieferung, Rechnungsstellung, selbst das Mahnwesen laufen elektronisch und damit
sehr automatisiert ab. Wie intensiv,
ist von Branche und Produkt abhängig. „Ich war gerade in einer Whiskydestillerie, natürlich ist dort die
Produktion nicht elektronisch gesteuert, aber das Produkt wird über
das Internet vertrieben“, so Professor Clement.
„Für die Unternehmen bringt
diese Digitalisierung und Automatisierung ganz viel Einsparpotential“, so Prof. Dr. Erhard Alde von der
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Wismarer Hochschule. Er erklärt: „Es werden einzelne
Schritte durch die Software automatisiert, anstatt ein Angebot per Fax
oder Post zu schicken und dann
den Auftrag, wie es klassisch mal
der Fall war. Die Wirtschaft kann
sich damit Effizienzpotentiale erschließen, eine Rationalisierung
der Handels- und Verkaufsprozesse. Man kann schneller reagieren.“
Und im Ergebnis wird, so der
Fachmann, trotz der höheren Investition in Technik und Wissen – gut
bezahlte Fachkräfte – Geld ge-
spart. Er zieht den Vergleich zwischen den beiden bekannten Marken „Otto“ und „Quelle“: „Die waren mal in etwa gleichwertig in ihrer Marktposition, aber Otto hat
sehr schnell erkannt, dass man mit
dem verstaubten Katalog nicht
mehr viel erreichen kann, das Unternehmen hat in E-Commerce investiert, während Quelle zurückhaltend war und abwartete.“ Quelle wurde 2009 aufgelöst, die Marke
gehört mittlerweile zur weltweit
agierenden „Otto Group“ mit Sitz
in Hamburg und mehr als 54 000
Angestellten.
Die Zeichen der Zeit zu erkennen, ist daher entscheidend. Björn
Ipsen, Federführer Handel und
Stadtentwicklung der IHK Schleswig-Holstein betont: „Man kann
das Internet als Händler nicht ignorieren. Wir versuchen als IHK, die
Händler, die nur stationär agieren,
für das Thema zu sensibilisieren.
Nicht jeder Händler muss gleich einen großen Onlinehandel haben.
Aber er muss eine Strategie für die
heutige Zeit haben.“ Der Kunde
von heute guckt weniger ins Telefonbuch, sondern im Internet.
„Wer da nicht gefunden wird, ist
raus“, so Ipsen. Seine Erfahrungen: „Diese Erkenntnis ist bei den
Händlern vor Ort vorhanden, aber
in der Umsetzung steckt noch viel
Potential.“
Professor Clement ist da deutlicher: „Wer das Internet nicht nutzt
zum Einkauf oder Vertrieb, hat die
Zukunft verpennt.“ Das gelte für
Einzelhändler genauso wie für Zulieferbetriebe und alle anderen
Wirtschaftszweige.
Die Entwicklung geht längst weiter. Die Zahl der Unternehmen in
Schleswig-Holstein, die sich auf
den elektronischen Handel spezialisiert haben, ist dabei überschau bar. 2095 Unternehmen sind
das laut „Branchenportrait der Digitalen Wirtschaft in Schleswig-Holstein“, herausgegeben von der Industrie- und Handelskammer des
Landes und vom Clustermanagement Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSh). Zum größten Teil – 94 Prozent – sind dies Einzelunternehmer oder Kleingewerbetreibende in Schleswig-Holstein. Darunter gibt es aber auch
Branchengrößen wie ein großer Onlineversand für Kontaktlinsen mit
Sitz in Kiel. Björn Ipsen: „E-Commerce ist nichts, was man komplett
verteufeln sollte.“ Auch ein Onlinehändler zahlt Steuern, er ist nur
nicht lokal mit seinem Unternehmen an eine bestimmte, als Gründungsvoraussetzung zu schaffende Infrastruktur gebunden.
Die Zuwachsraten im elektronischen Handel sind immens. „Die Si-
tuation ist in Schleswig-Holstein
nicht viel anders als in anderen Regionen. Die Wachstumsraten gehen bundesweit weiter nach
oben“, so Ipsen. „In Bereichen wie
Unterhaltungselektronik liegen
wir bei 30 Prozent. So viel am Umsatz wird nicht mehr im stationären
Bereich getätigt, sondern über das
Internet.“
Michel Clement sieht gerade für
das ländliche Schleswig-Holstein
große Chancen für Unternehmer.
„Beim Handel im Internet ist der
Ort als solches nicht mehr so wichtig, so können auch infrastrukturell
schwächere Regionen mit einem
dynamischen Berlin oder Hamburg mithalten.“ Und: Unternehmensgründungen mit dem Internet
als „Kanal“ seien einfacher, als
sich ein physisches Geschäft irgendwo aufzubauen.
Professor Alde sieht die Zukunft
des lokalen Handels im Service
und Beratung, im „Shoppingerleb-
Handel im Netz: Die Konsumenten haben sich schon lange daran gewöhnt.
Fotos: sorapop, Komarov Andrey / Fotolia
DIE WIRTSCHAFT – Schnelligkeit, Rationalisierung und Automatisierung – das zeichnet den Handel im 21. Jahrhundert aus.
nis“. „Ich bekomme auch beim besten Onlinehändler keinen frischen
Kaffee. Das sollte aber die Reaktion
des Einzelhandels sein, der nun
sagt, Einkauf muss ein Erlebnis
werden. Wenn ich mich gut beraten und aufgehoben fühle, wenn
der Einkauf ein Erlebnis ist, überlege ich, ob ich wirklich ganz alleine
vor dem Bildschirm sitzen muss, ohne die emotionale gute Beratung.“
Die dann auch mal sagt, dass die
Farbe der neuen Hose gar nicht
passt. Das setze aber auch ein bewusstes Kaufverhalten voraus, um
eben auch den Einzelhändlern ihre
Chance des Überlebens gegenüber der Marktmacht von Amazon,
Zalando und Co. zu ermöglichen.
Denn die Kehrseite des elektronischen Handels sind schlecht bezahlte Jobs und leere Innenstädte.
Björn Ipsen sagt: „Wie verändern sich unsere Innenstädte,
wenn ein Drittel der Umsätze nicht
mehr im Laden vor Ort, sondern in
der digitalen Welt getätigt werden? Werden sich die Verkaufsflächen verkleinern? Wir haben noch
keine Antwort, aber die Gefahr von
Flächen-Überkapazitäten ist groß.
Vermutlich werden die B-und CLagen in den Städten nicht mehr
die Umsätze machen wie bisher.“
Er geht in den nächsten Jahren und
Jahrzehnten von einem Rückbau
ehemaliger Handelsflächen aus.
Aber es gibt auch andere Signale.„Es gibt Anzeichen dafür, dass
die Online-Pure-Player ins stationäre Geschäft wollen“, erzählt Björn
Ipsen von den Outletläden des Modeonline Branchenprimus „Zalando“. Ein reiner Onlinehändler, der
auf einmal Läden – ganz lokal, aber
natürlich digital vernetzt – eröffnet.
Dieser „Multichannel-Vertrieb“ –
sei, so Ipsen, die Zukunft. Im Internet verkaufen und gleichzeitig vor
Ort agieren. „Die Verbindungswege des Händlers zum Kunden sind
mehrdimensional, die mobilen Endgeräte werden eine große Rolle
spielen“, wagt er den Blick in die
Zukunft. „Wer weiter mitspielen
will, muss auch diese Schnittstellen
bedienen.“
A
10
Donnerstag, 9. April 2015
FINANZEN & MARKETING
Mit dem Laptop auf der Baustelle: Besonders für Handwerker bieten die neuen Technologien sehr viele Chancen .
Fotos: Majka Gekre, pointstudio, iuhrlqe, NilsZ, Thomas Francoi / Fotolia, Montage: Anne Fidelak
HANDWERK IM WANDEL
Neue Denkstrukturen
Die Digitalisierung von Geschäftsprozessen hat das Handwerk lange erreicht. Von der Bürokommunikation
über den Einsatz von Social Media bis hin zu intelligenter Haustechnik.
Das Handwerk gilt als
bodenständig. Doch
tatsächlich sind gerade
Handwerker besonders
flexibel und schnell, wenn
es darum geht, moderne
Technologien einzusetzen.
Und das zahlt sich aus.
Von Majka Gerke
Das nostalgische Bild eines Handwerksmeisters, der morgens in seine Werkstatt geht und dort weiterarbeitet, wo er am Vortag den Hammer hat fallen lassen, ist lange vergangen. Heute geht der Handwerker als erstes ins Büro, fährt den
Computer hoch und checkt seine
E-Mails, ob neue Auftragsanfragen reingekommen sind. So mancher loggt sich bei Facebook ein
und lädt die Bilder des letzten Möbelstücks hoch, das am Vortag ausgeliefert wurde. Oder bezahlt per
Onlinebanking die letzten Lieferantenrechnungen.
Dass das mittlerweile normal ist,
zeigt eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks
(ZDH) über die Digitalisierung der
Geschäftsprozesse im Handwerk
aus dem Jahr 2014 Demnach kommunizieren über 83 Prozent aller
Handwerksbetrieb in Deutschland
per E-Mail mit Kunden oder Lieferanten, 71 Prozent wickeln ihre
Bankgeschäfte online ab.
Edward Fellner steht vor einer
Heizung und checkt die Anlage.
In einer App in seinem Smartphone notiert der Heizungsbauer die
Werte, die ihm die intelligente
Pumpe der Anlage anzeigt. „In
die modernen Anlagen kann man
sich mittlerweile einwählen und
dann genau gucken, wo das Problem liegt“, sagt Fellner (45).
Doch auch so ist das Smartphone
sein ständiger Begleiter. Nicht
nur wegen der Apps, die ihm die
Arbeit erleichtern. „Da kann man
schnell mal Fotos machen und die
per E-Mail an Lieferanten oder
Versicherungen weiterverschicken.“ Terminabsprachen per
Whatsapp sind bei ihm selbstverständlich. „Ich hab für einige Kunden, wo man Termine mit mehre-
Gerrit Jänitsch und Edward Fellner überprüfen eine intelligente Heizpumpe.
ren Personen absprechen muss,
Gruppen eingerichtet. Das ist
schon praktisch“, sagt er.
Als Edward Fellner 1987 mit der
Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur begann, lief vieles
noch anders. Auch in seiner zweiten Lehre als Zentralheizungsund Lüftungsbauer war das so.
Heute sind beide Berufe zum Anlagenmechaniker
zusammengefasst. „Damals gab es noch nicht
so viel Automatisierung, wir haben eher analog gearbeitet. Da waren die Heizungen noch vergleichsweise simpel. Heute möchten die Kunden Anlagen haben,
die man per Handy regulieren
kann“, sagt Fellner.
Smart Home heißt das Schlagwort – die Vernetzung von Haustechnik und Haushaltsgeräte. Da
kann die Heizung zu Hause vom
Büro aus angestellt, Lampen gedimmt oder Jalousien geschlossen
werden.
Für den Handwerker bedeutet
es, sich ständig weiterzubilden.
„Wir machen viele Fortbildungen,
um immer am Ball zu bleiben“,
sagt er. Doch auch online läuft viel
bei Fellner und seinem Bruder
John auf, die die kleine Firma mit
vier Angestellten gemeinsam mit
ihrem Vater führen. Etliche
Newsletter der verschiedenen Herstellerfirmen haben die Fellners
abonniert. „Da geht so mancher
Abend drauf, die kann man gar
nicht alle lesen“, sagt Edward Fellner. Das sei ein Nachteil der digitalen Welt, findet er. Die Kunden finden ihn heutzutage überwiegend
über das Internet. „In die
„Gelben Seiten“ guckt
kein Mensch mehr rein,
wenn er einen Handwerker sucht. Heute braucht
man eine Homepage, um
gefunden zu werden“, sagt
Fellner.
Das findet auch Gerd Böckenhauer, Innungsobermeister der Lübecker Tischler. „Das
ist ein wichtiger Faktor. Was früher Visitenkarten waren, ist heute
der Internetauftritt“, sagt Böcken-
hauer. Die Kunden können so
schnell sehen, ob die abgebildeten
Tätigkeitsbereiche passen oder
nicht. „Dabei sind bunte Bilder
manchmal nur Schall und Rauch
und bieten nur einen ersten Eindruck. Ob der Handwerker gut arbeitet, sieht man erst, wenn die Sachen fertig sind“, meint er. Auch in
anderen Bereichen hat sich einiges
verändert. „Ich habe gerade alle
Kataloge weggeschmissen. Wenn
man heute Werkzeuge oder Material braucht, sucht man alles online“,
sagt Gerd Böckenhauer. Doch
auch die Schattenseiten der digitalen Welt sind für ihn klar, „Fluch
und Segen“ hängen für ihn hier
dicht beisammen. „Heute muss
man viel mehr dokumentieren.
Man muss alles Mögliche nachweisen, bestätigen und viel mehr Richtlinien einhalten“, findet Böckenhauer.
Laut der Umfrage der ZDH haben fast die Hälfte aller Handwerksbetriebe – 48,1 Prozent – eine
eigene Homepage. Marcell Weinberg gehört nicht dazu. Der Friseurmeister aus Lübeck hat eine Facebook-Seite für seinen Laden und
spart sich dafür den Internetauf-
tritt. Sogar die Terminvergabe
funktioniert bei ihm online über Facebook-Messenger. So wie er nutzen laut der ZDH-Umfrage über 15
Prozent aller Handwerksbetriebe
die sozialen Netzwerke. „Über Facebook erreiche ich sofort die Leute, die ich erreichen will“, sagt er.
Dabei postet er weder Trends noch
Empfehlungen. „Ich mache da keine Werbung für irgendwelche
Schnitte oder Sachen. Ich nutze es,
um meine Kunden anzusprechen,
die uns und den Laden betreffen“,
sagt Weinberg. Und seine Kunden
finden ihn dort gut, denn schon
über 420 Kunden haben seine Seite
„geliked“.
Einer, der sich genau mit den gestiegenen Anforderungen an das
Handwerk auskennt, ist Wolfram
Kroker, Projektleiter der E-Business-Lotsen bei der Handwerkskammer Lübeck. Kroker ist Anlaufstelle für alle, die den Sprung in das
digitale Zeitalter machen wollen.
Er möchte sensibilisieren, wie Digitalisierung funktioniere, sagt er.
Dazu gibt er nicht nur Infoabende
zu bestimmten Themen, sondern
kommt auch direkt in den Betrieb –
kostenlos. Um die beste Hilfestel-
lung geben zu können, haben die
E-Business-Lotsen diverse Leitfäden entwickelt, die die Handwerker kostenlos herunterladen können. „Wir geben Infos und Tipps
und helfen, vorhandene Bausteine
miteinander zu verknüpfen“, sagt
er.
Arbeiten Firmen schon mit EDV,
Scanner und nutzen das Internet
und E-Mail, ist es für Wolfram Kroker schon die halbe Miete. „Bei
manchen muss man nur noch Hilfestellung geben, was alles geht. Bei
anderen muss man helfen, Denkstrukturen aufzubrechen“, sagt
Kroker.
Fragen, die dabei immer wieder
auftreten, beträfen Datensicherheit und Social Media, hat der Experte festgestellt. Kann man Daten
einfach schicken? Was ist eine
Cloud? Braucht man wirklich eine
Facebook-Seite? Meine Kunden
finden mich doch auch so. „Das fragen mich Handwerker oft“, zählt er
auf. „Bis zu 100 Einzelbesuche
macht er im Jahr. „Es ist spannend
und es bringt viel Spaß, Potential
zu wecken und zu sehen, wie es
dann umgesetzt wird“, meint KroA
ker.
Zu welchem Zweck nutzen handwerkliche Betriebe das Internet?
DIE WIRTSCHAFT – Handwerk online: Die E-Mail hat schon lange den Brief ersetzt, die Homepage und der Auftritt bei Facebook die Visitenkarte.
Grafik: ZDH
Donnerstag, 9. April 2015
11
FINANZEN & MARKETING
Ob allein oder in einer persönlichen Sitzung – sich über die Möglichkeiten zu informieren, die der Digitale Wandel mit sich bringt, ist für Unternehmen aller Größen essenziell.
Foto: kasto / Fotolia
BERATUNG UND SCHULUNGEN
Von Experten lernen
Es gibt viele Möglichkeiten, sich über die digitalen Dimensionen der Wirtschaft zu informieren.
Cloud Computing, Big
Data, E-Commerce oder
Webhosting: die sich
rasant entwickelnde Welt
der Digitalen Wirtschaft
stellt viele Anforderungen
an Unternehmen und
Organisationen. Vielen
Entscheidern in den
Chefetagen fällt es schwer,
den Überblick zu
bewahren.
Von Majka Gerke
Die vierte industrielle Revolution,
die Vernetzung von Maschinen in
einem „Internet der Dinge“, soll
den Standort Deutschland sichern.
Doch dafür müssen die Firmen erst
einmal das große Einmaleins der Digitalen Wirtschaft lernen. Für Firmenchefs ist das oft eine große Herausforderung, denn die Digitalisierung bietet Unternehmen neue
Möglichkeiten in vielen Bereichen.
Nicht nur wird möglicherweise eine neue Käuferschicht angesprochen. Auch für die Mitarbeiter
kann sich einiges ändern. Geschäftsmodelle kommen genauso
auf den Prüfstand wie die betrieblichen Prozesse. Die Digitalisierung
krempelt alles um.
Stefan Stengel von der Firma Glocal Consult aus Lübeck kennt sich
in der analogen und der digitalen
Welt gleichermaßen aus. Der selbstständige Internetberater und
Coach organisiert nicht nur Web
2.0 Bootcamps, sondern weiht seine Kunden auch in die Geheimnisse der Social Media-Plattformen
ein. Dabei ist es egal, ob es sich um
Start-ups oder gestandene Unternehmen handelt. Auf seiner Kundenliste findet man große Unternehmen wie unter anderem den
Schuhhersteller Ecco, Hapag Lloyd
oder auch die IHK zu Lübeck.
„Industrie 4.0“ ist eines der großen Themen seiner Klientel. Die
Möglichkeiten, wie man Prozesse
digitalisieren kann, stehe bei vielen Entscheidern auf der Agenda,
sagt Stengel.
Eine andere Frage, die viele beschäftigt, sei die Flexibilisierung
der Arbeit. „Das Thema Homeoffice wird immer wieder angesprochen. Viele Firmenchefs tun sich
damit schwer“, meint Stengel.
Nicht nur die Wahrung der Datensicherheit sorgt bei ihnen für Unsicherheit. Auch die Führung auf Distanz ist für viele Chefs ein Problem.
Gleichzeitig generierten jetzt
schon viele Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler ihre
Wertschöpfung ausschließlich im
Netz, betont er. „Wir bieten auch einen E-Walk an. Dabei gehen wir
mit Unternehmern in andere Firmen und zeigen, wie dort Digitale
Wirtschaft umgesetzt wird“, sagt
Stefan Stengel.
Bei der IHK sitzt Stefan Stengel
im Arbeitskreis Informationstechnologie, Kommunikation (ITK) und
Neue Medien. Aufgesplittet in die
Teilbereiche Online-Marketing, Informationssicherheit und Recht
und
Software-Anwendungen,
sieht sich der Arbeitskreis als Interessenverband der Branche in der
Region. „Wir sind der erste Anlaufpunkt“, sagt IHK-Mitarbeiter Andreas Topp, der ebenfalls in dem
Zusammenschluss arbeitet: „Es
sind viele Kompetenzen, die hier
zusammenkommen.“
Seit gut einem Jahr gibt es für alle Unternehmer, die eine individuelle Beratungssituation vorziehen,
die Beratertage. An jedem zweiten
Mittwoch im Monat haben Entscheider und Existenzgründer
dann die Möglichkeit, sich Tipps
zu holen. 45 Minuten dauert so ein
kostenloses Gespräch üblicherweise. Oft gehe es um Fragen rund um
Informationssicherheit,
OnlineMarketing oder auch Software-Anwendungen. Als Unternehmer
komme man an der Digitalen Wirtschaft nicht mehr vorbei, meint Andreas Topp. „Man muss sich einfach damit auseinandersetzen.“
Aber man will nicht nur Ansprechpartner bei Fragen sein, sondern bietet auch Veranstaltungen
an. So organisiert der Arbeitskreis
ITK und neue Medien die IT-forBusiness Kongressmessen.
Wer bei Norbert Grodtke Hilfe
sucht, hat – anders als bei der IHK –
meist bereits relativ genaue Vorstellungen, wie diese aussehen
soll. Der Diplom-Ingenieur ist Inhaber der Firma Cubus42 in den Media Docks. Sein Unternehmen bietet Seminare für neue Technologien an. Neben eher gewöhnlichen
Anwenderschulungen in MS-Office Programmen wie Word, Excel
oder Powerpoint hat er auch noch
Schulungen an hochspezialisierten
3D-Konstruktionsprogrammen im
Programm. Diese CAD-Softwares
findet man in Architekturbüros wie
auch in Tischlereien oder Produktionsbetrieben.
Zusätzlich schulen Grodtke und
sein Team auch in der Erstellung
von digitalen Modellen, die mit Hilfe von 3D-CAD-Systemen abgebildet werden. In diesem Bereich des
Produktdatenmanagement (PDM)
werden alle Daten und Entwicklungsprozesse gesammelt und stehen allen am Prozess beteiligten
Personen zur Verfügung. „Das ist
ein großes Thema bei unseren
Kunden“, hat Grodtke festgestellt.
Während die Anwenderschulungen für Berufstätige als Tageskurs
mit 90 Euro pro Teilnehmer zu Buche schlagen, müssen Unternehmen
für CAD-Schulungen tiefer in die Tasche greifen. „Die Preise für solche
Schulungen hängen davon ab, was
gefordert wird. Mit Kosten ab 1000
Euro muss man für einzelne Sachen
schon rechnen“, sagt Grodtke.
Jeder Schulung geht ein Vorgespräch voraus. Dabei wird definiert, welche Ziele erreicht werden
und wo es hingehen soll. Geschult
wird meist in den Räumen von Cubus42 in den Media Docks. Sieben
Schulungsräume stehen in dem
450 Quadratmeter großen Schulungszentrum zur Verfügung. „Wir
bieten aber auch Schulungen direkt bei den Unternehmen an“,
sagt Grodtke. Die Gruppen bleiben
dabei meistens klein, oft sind nur
fünf bis sechs Teilnehmer in einem
Kurs. „Das ist nachhaltig und effektiv“, hat Grodtke festgestellt. Die
Schulungen sind dabei so aufgebaut, dass die Teilnehmer die erlernten Kenntnisse in der Firma soA
fort anwenden können.
Herausforderung
oder Chance?
Der Umgang
mit digitalen
Techniken
lässt sich immer leichter
lernen.
Foto: Stefan
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FKC sorgt für eine wirksame Entlastung im Arbeitsschutz
in Ihrem Unternehmen
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UNTERNEHMEN
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Robert Kosche, Sandra Langner und Guido Mies von der af+media agentur sind die Experten, wenn es darum geht, Firmen und ihre Produkte kinogerecht in Szene zu setzen.
Foto: cp
af+media agentur
Kinowerbung.de – so wird Kino unvergesslich
Wer heute ins Kino geht und seine
Eintrittskarte erwirbt, der hält auch
ein Stück af+media agentur in den
Händen. Das Unternehmen aus Stockelsdorf nutzt das kleine Blatt Papier als Medium gut platzierter
Werbung. Seit mehr als zwei Jahrzehnten macht die Stockelsdorfer
Agentur damit Furore. Diese Art zu
werben hat mittlerweile einen sehr
hohen Bekanntheitsgrad. Werbung auf Kinokarten aus Norddeutschland ist wegen ihrer großen
Resonanz und Beliebtheit beim Publikum nicht mehr vom Markt wegzudenken.
Doch die Spezialisten für Kinowerbung wollen noch mehr: Weil
ein Kinobesuch ein Erlebnis ist, das
die Besucher vom Eintritt ins Kino
bis zu dessen Verlassen beschäftigt, gehen die Spezialisten der
af+media agentur auf die freudige
Erwartungshaltung der Kinobesucher ein, um ihnen weitere Informationen und Botschaften über Produkte oder Firmen zukommen zulassen. „Kinowerbung ist enorm effizient“, sagt Geschäftsführer und
Unternehmensgründer
Andres
Sanchez. „Jede einzelne Zielgruppe kann treffsicher angesprochen
werden.“
Vor mehr als 20 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der Stockelsdorfer
Agentur mit Kinokartenwerbung. Die Idee dazu hatte Andres Sanchez.
Nicht zu überhören
Insbesondere Menschen zwischen
14 und 40 seien gut zu erreichen.
Sie machen immerhin den größten
Anteil aller Kinobesucher aus. Weil
die Werbung auf Menschen trifft,
die sehr offen gegenüber Botschaften und Nachrichten sind, bleibt eine gut gemachte Kinowerbung lange Zeit im Gedächtnis haften. Die
Vorteile einer intelligenten Kinowerbung liegen also auf der Hand.
„Kinowerbung ist nicht zu überhören, zu übersehen, zu überblättern
und nicht wegzuzappen“, sagt
man in Stockelsdorf. „Je nach Auswahl der Filme und der individuellen Kombination einzelner Werbemaßnahmen kann der regionale
und der überregionale Bekanntheitsgrad eines Produktes oder eines Unternehmens enorm gesteigert werden.“
Dass Werbende jeder Zeit die volle Kontrolle über Budget und Laufzeit einer PR-Aktion haben, ist ein
weiteres Plus von Werbung im Kino. „Wir sind in der Lage, sowohl Inhalte als auch Werbung passend zu
den Interessen des einzelnen Nutzers auszusteuern, und ermögli-
chen so Werbetreibenden eine präzise und wirkungsvolle Zielgruppenansprache.“ Längst hat sich
das Portfolio der af+media agentur
erweitert. Promotionsaktionen im
Kinofoyer sind genauso möglich
wie Kassensamplings, bei denen direkt beim Kartenkauf Produktinformationen weitergegeben werden
können, zum Beispiel in Form von
Flyern oder Produktproben.
Verschiedenste Werbeformen
Sehr beliebt ist das Branding von
Popcorntüten. „Das ist eine oft gebuchte und sympathische Werbeform, denn Popcorn gehört einfach
zum Kinobesuch dazu und ist fast
bis zum Ende des Films präsent“,
so Sanchez. Was im Foyer und dem
Kinosaal gelingt, gilt auch für den
Sanitärbereich. Auch hier werde
Werbung wahrgenommen. Die
af+media agentur mit ihrer eigenen Grafikabteilung gestaltet dafür öffentlichkeitswirksame Sanitärplakate und Spiegelaufkleber.
Intensiviert wird der Kontakt
zum Kinobesucher durch auffallende DigiLight-Stehlen: Sie bieten
dem Kunden die Möglichkeit, seine Werbung auf hochmodernen digitalen 64,5 Zoll Display (163,8 Zentimeter Diagonale) zu präsentieren. Die Werbung ist so groß wie
ein Plakat und bewegt wie im Fernsehen. Damit wird eine Werbebotschaft zum Signal.
„Diese und viele weitere Möglichkeiten der Ambient Medien lassen sich hervorragend mit der klassischen Kinowerbung, den professionell gefertigten Kinowerbespots,
kombinieren“ so Sanchez. „Wir finden für jedes Budget das passende
Konzept für einen erfolgreichen Kinowerbespot, gleichgültig ob sich
ein Kleinunternehmer aus der Region oder ein weltweit agierender
Global-Player für eine solche Werbemaßnahme entscheidet. Durch
unser einmaliges Netzwerk von
Partnern bieten wir einen Full-Service von der Produktion über die
Mediaplanung bis zur Einschaltung des Kinospots bundesweit in allen buchbaren Filmtheatern.“
Unter dem Portal http://www.kinowerbung.de können diverse Einzelmaßnahmen unkompliziert gebucht werden. Dort sind nicht nur
die vielfältigen Alternativen abgebildet, User können auch einfach
online eine Wahl treffen. Kunden
haben die Möglichkeit, einzelne Ki-
nosäle oder ganze Kinocenter auszuwählen, je nachdem welche Region und welche Zielgruppe angesprochen werden sollen. Zudem
können die Zeiträume oder einzelne Kinowochen sowie die Schaltung den gesamten Tag über oder
erst ab 18Uhr festgelegt werden.
„Welcher Spielfilm zum jeweiligen Produkt am besten passt und
welche Besucher auf welche Weise
dabei angesprochen werden können, erarbeiten wir mit unseren
Kunden gemeinsam“, so Robert Kosche, der das Projekt Kinowerbung.de ins Leben rief und gemeinsam mit Guido Mies als Senior-Mediaplaner betreut. „Mit Kinowerbung.de geben wir dem Kunden,
Deutschlands größte Online Plattform für seine Werbebedürfnisse
im Kino an die Hand. Zusätzlich stehen wir gerne beratend zur Seite.“
Zukunft mit digitaler Technik
Apps ergänzen die traditionellen
Filmposter mit zusätzlichen digitalen Inhalten für die interaktive Nutzung auf einem Smartphone oder
Tablet.
„Augmented-Reality“
nennt sich diese innovative Technik, Kinobesucher, Kinobetreiber
und Filmverleiher in ein gemeinsames Boot zu holen und miteinander
zu vernetzen. Filmtrailer, O-Töne,
Interviews, Kommentare, 3D-Objekte und sofortige geokodierte
Kartenkäufe sollen somit für den Kinobesucher in der Zukunft auf seinen Smartphone möglich sein. Und
dies alles lediglich durch das Scannen eines Filmplakats.
And the winner is
Ende letzten Jahres erhielt die
af+media agentur aus Stockelsdorf
den zehnten Marketing-Award
des Marketing-Clubs Lübeck. Und
zwar implizit für sein Portal
http://www.kinowerbung.de. Man
zeichnete damit die Innovationen
aus, die insbesondere durch die
Nutzung neuer digitaler Technik
Anwendung finden, sowie die individuelle Kundenbetreuung des Stockelsdorfer Unternehmens rund
um die Uhr.
Flexibilität gegenüber den Kunden wünschen sowie eine Offenheit gegenüber neuen technischen Möglichkeiten zeichnet die
Mitarbeiter rund um Andres Sanchez aus: Die Erfolgsgeschichte
des Stockelsdorfer Unternehmen,
das 1994 als erstes mit einer zunächst auf Lübecker Kinos bezogenen Kinokartenwerbung begonnen hatte, kann sich längst auf
dem nationalen Kinomarkt behaupten.
Mit seinen 17 Mitarbeitern konnte sich das Stockelsdorfer Unternehmen aufgrund seiner Flexibilität deutschlandweit sehr gut positionieren und ist in allen werbetechnisch verfügbaren Kinocentern
Deutschlands vertreten.
A af+media agentur GmbH
Bahndamm 6a
23617 Stockelsdorf
Telefon: 0451 / 8 72 92 - 0
http://www.kinowerbung.de
E-Mail: info@kinowerbung.de
Robert Kosche sieht in der digitalen Technik, der interaktiven Vernetzung
von Filmverleihern, Kinobetrebern und Internetnutzern die Zukunft.
DIE WIRTSCHAFT – Die af+media agentur aus Stockelsdorf bietet effektive Lösungen für Unternehmen jeder Art und Größe.
Donnerstag, 9. April 2015
13
FINANZEN & MARKETING
INVESTITIONEN
Wohin mit dem Ersparten?
Experten mahnen in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu
bedachten Investitionen. Auch, wenn es um den Dax geht.
Niedrige Zinssätze, volatile
Edelmetalle, starke
Währungsschwankungen,
der Dax befindet sich im
Höhenflug. Wo machen
Investitionen in diesem
Jahr noch Sinn?
Von Fabian Joeres
Erspartes in Niedrigzinsphasen gewinnbringend oder wenigstens
wertstabil anzulegen ist keine leichte Übung. Tagesgeldkonten mit
Zinsen jenseits der 0,5 Prozent bieten kaum noch nennenswerte Renditen und lassen das Geld in Anbetracht inflationärer Tendenzen
eher schwinden.
Gold und Silber hingegen sind
extrem volatil, bieten daher neben
großen Chancen ebenso hohe Risiken. International angelegte Rentenfonds unterliegen den starken
Währungsschwankungen
und
auch Euro-Rentenfonds sind nicht
mehr erste Wahl, da ihnen nach einigen guten Jahren die Anlagemöglichkeiten ausgehen, die eine
einerseits hohe Rendite bei einer
gleichzeitig starken Bonität aufweisen, auf die zu achten sie gezwun-
gen sind. Und der Dax? Auch wenn
noch nicht richtig heißgelaufen: Billig sind Blue-Chips nicht mehr. Also, was tun?
„Für einen Einstieg ist es in der
Tat etwas spät. Anleger, die in den
Index investieren wollen, sollten
überlegen, gestaffelt in den Markt
einzusteigen. Zum Beispiel durch
einen Einmalkauf in Verbindung
mit einem monatlichen Sparplan,“
sagt Markus Pukall, Leiter des
Portfoliomanagement der Sparkasse Holstein.
Er und sein Management setzen
momentan auf eine etwas höhere
Liquidität als die sonst üblichen
fünfzehn Prozent, um in günstigen
Momenten verbilligen zu können.
Dass der momentane Anstieg des
Index aber nachhaltig ist, davon ist
Pukall überzeugt. „Die Unternehmensdaten sind gesund. Natürlich
ist der Dax auch aufgrund der Geldschwemme der EZB getrieben,
aber die Wirtschaft floriert – das
lässt sich nicht von der Hand weisen.“ Dennoch solle man auf Rücksetzer warten, um dann erst einzusteigen. Und ob es dann Dax-ETFs
sein sollten, oder Einzelwerte, sei
dabei eher zweitrangig.
Dem Fachmann zufolge könnten
zu einem noch späteren Zeitpunkt,
wenn das wirtschaftliche Wachstum fundamental wird, Investments bei Industriemetallen oder
auch Öl überlegt werden. Dafür
müssten aber erst einmal Störfeuer
und Unsicherheitsfaktoren wie
Griechenland oder der Ukraine
vom Marktgeschehen verschwinden.
Bis es allerdings soweit ist, konzentrieren sich Anleger auf amerikanische Aktienmärkte. Nicht nur,
da viele Unternehmen in den USA
inzwischen offenbar gesundet
sind, auch die Dollar-Stärke trägt
zur Performance bei amerikanischen Titeln bei. „Ein Zeichen für
die Nachhaltigkeit des Wachstums
könnte auch ein erster Zinsschritt
sein, den die Fed für dieses Jahr angedeutet hat“, so Pukall.
In Europa hat die Geldschwemme der EZB für ausreichend Geld
gesorgt. Das Ergebnis: kaum noch
Zinsen, kaum noch Rendite. Denn
kein Unternehmen ist mehr gezwungen, sich über teure Kredite
zu finanzieren. Aus diesem Grund
sehen sich viele institutionelle Anleger genötigt, sich mit zweitrangigen, also zinsstarken, aber – so die
Hoffnung – immer noch sicheren
Wertpapieren einzudecken. Anders Rendite zu erwirtschaften,
und das vor allem sicher, sei derzeit
fast unmöglich. Pukall zufolge seien für eine solche Strategie EuroAnleihen deutscher Unternehmen
und Banken der zweiten Emissions-Generation, die so genannten
Nachranganleihen, sinnvoll. Diese
haben einen höheren Renditeaufschlag als Anleihen der ersten Generation, seien aber von denselben
Unternehmen emittiert und daher
ebenso sicher. Ein Investment für
längerfristige Anlagen, weiß der
Experte. Aber auch wenn das Laufzeitende, was bei den Papieren häufig bei zehn Jahren liegt, nicht ausgereizt werden soll: Diese Anleihen lassen sich handeln und erzielen somit neben einer gesunden
Rendite eventuell auch noch höhere Marktpreise. Was bei einer wohl
länger anhaltenden Zinsflaute in
der Euro-Zone nicht das Schlechteste sei.
Das Problem bei der Sache: Die
meisten Tranchen dieser Anleihen
sind für institutionelle Anleger reserviert, Privatpersonen kämen seltener auf ihre Kosten. Nicht zuletzt
aus diesem Grund rät Markus Pukall dazu, sich fachmännische Hilfe zu suchen, wenn es um mehr
geht, als ein Tagesgeldkonto zu eröffnen – oder sein Geld gering verzinst, aber dafür sicher als Festgeld
anzulegen.
Denn einfach sei eine renditeorientierte Anlage derzeit tatsächlich
nicht. Und wer es dennoch allein
tut – der solle immer auf eine gute
Kapitalstreuung bei der Anlage
achten, erklärt der PortfoliomanaA
ger.
Foto: Coloures-Pic / Fotolia
UNTERNEHMEN
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Partnerschaft Walsleben * Fischer * Fock
Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsprüfern
aus Ratzeburg und Shanghai
Die Firma Bode Belting GmbH aus
Lauenburg ist ein wachsendes, international ausgerichtetes Unternehmen, das sich auf die Produktion und Konfektionierung von
Zahnriemen und Kunststofftransportbändern spezialisiert hat. Das
Unternehmen wird von den Brüdern Uwe und Rainer Schwenke
geführt, die auch zugleich Mitgesellschafter des Unternehmens
sind. Ein enger Geschäftspartner
des Familienunternehmens ist seit
einigen Jahren der chinesische
Konzern AA Industrial Belting Co.
Ltd. mit Sitz in Shanghai. Diese
geht nun in China an die Börse
und mit ihr auch Bode Belting als
ein bedeutender Teil des Konzerngeschäfts.
Aufgrund der strengen Börsenvorschriften in China musste eine
eingehende Prüfung der Bode Belting GmbH durch Spezialisten von
chinesischen Wirtschaftsprüfungsund Investmentgesellschaften erfolgen. Eine Woche lang haben die
chinesischen Prüfer vor Ort in Lauenburg das gesamte Zahlen- und
Vertragswerk, den Produktionsstandort, die Lagervorräte und das
Anlagevermögen unter die Lupe
genommen. Auch gemeinsame
Kundenbesuche standen auf dem
Programm. Intern koordiniert wurde dies durch die Mitarbeiter Dr. D.
P. Schaffstaedter, Frau Zhen
Wang-Schaffstaedter sowie Timo
Schwenke, Sohn des Geschäftsführers Rainer Schwenke.
Bei der Aufstellung des deutschen Zwischenabschlusses wurde
die Gesellschaft durch ihren Steuerberater Thomas Maurer aus Lauenburg unterstützt. Für die Prüfung
des Zwischenabschlusses nach
deutschem Recht wurde der Wirtschaftsprüfer Dirk Fock von der
Partnerschaft Walsleben Fischer
Fock aus Ratzeburg beauftragt.
Diplom-Kaufmann Dirk Fock ist
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sowie Fachberater für Sanierung und Insolvenzverwaltung
(DStV e.V.). Fock ist als Partner der
Walsleben Fischer Fock Partner-
schaft Wirtschaftsprüfungs- und
Steuerberatungsgesellschaft mit
Sitz in Ratzeburg tätig. Zudem ist
er Geschäftsführer der Fischer
Fock Grothkopp Klahn GmbH Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in
Geesthacht.
Neben der Aufstellung des deutschen Zwischenabschlusses der Bode Belting GmbH war Dirk Fock
auch zuständig für die Kommunikation mit den chinesischen Prüferkollegen. Im Vorwege wurde bereits
eine Vielzahl von Daten ausgetauscht. „Zusammen mit der chinesischen Kollegin Elena Wu von der
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Moore Stephens aus Shanghai ha-
ben wir den deutschen Zwischenabschluss auf einen Abschluss
nach chinesischem Recht übergeleitet und ergänzende Informationen für Zwecke des Börsengangs
aufbereitet“, berichtet Fock. Dies
haben sich die Prüfer dann nochmal vor Ort in Lauenburg angeschaut und erklären lassen.
Die Kommunikation mit Elena
Wu erfolgte in englischer Sprache,
die dann für ihre Kollegen ins chinesische übersetzte. Es handelte sich
um eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die
auch für zukünftige Projekte fortgesetzt werden soll.
Die Bode Belting GmbH will wei-
Zwei Unternehmen –
eine Dachmarke:
Gemeinsam bilden wir
ein Kompetenzzentrum:
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Partner· Hafke & Partner mbB
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ter expandieren. Dabei ist Deutschland und Europa ein wichtiger
Markt für das Geschäft der Gesellschaft. Zu diesem Zweck wurde in
den letzten Jahren viel im Personalbereich und im Maschinenpark investiert.
Die Gesellschaft beschäftigt derzeitig mehr als 40 Mitarbeiter, Tendenz steigend.
A Partnerschaft
Walsleben * Fischer * Fock
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23569 Lübeck
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Foto: Walsleben
DIE WIRTSCHAFT – Ob Dax-ETFs oder Einzelwerte, Industriemetalle oder auch Öl – Anleger sollten zunächst die Entwicklung abwarten.
14
Donnerstag, 9. April 2015
FINANZEN & MARKETING
BANKENMARKT
Umstrittene Alternativen
Online-Finanzdienstleister und Social Trading: Der Bankenmarkt ist im Wandel.
Zinstricksereien,
Geldwäsche, Fehlberatung
oder das Verschweigen zu
hoher Risiken: Das
Vertrauen einiger
Bankkunden in ihr
Geldinstitut hat gelitten.
In der Folge suchen sie
sich nun Anlage-Tipps und
Inspirationen für
Investments im Internet
und in Sozialen
Netzwerken. Doch die
Alternativen
bergen Risiken.
Von Fabian Joeres
Plattformen, die den Bankenmarkt
mit Transparenz und Einfachheit
revolutionieren wollen, sprießen
derzeit aus dem Boden. Wie beispielsweise Vaamo, ein simpler,
und im sympathischen Ikea-DuStil gehaltener Online-Finanzdienstleister, dessen Rhetorik zum
Mitmachen einlädt. Die Macher haben sich vorgenommen, mit einer
gemeinsam mit der Frankfurter
Goethe-Universität entwickelten
Anlage-Strategie eine gesunde
Rendite von vier bis sechs Prozent
zu erwirtschaften, je nach Risikobereitschaft des Kunden.
Lediglich ein paar Klicks sind nötig um anzugeben, welcher Betrag
am Ende der Laufzeit auf dem Kontoauszug stehen soll. Und wie risi-
kofreudig man das Ziel angehen
will. Danach ermittelt die Software,
welche Produkte aus dem Dachfonds der Frankfurter Macher für
die Strategie am sinnvollsten sind.
Hierbei greift das Programm auf Exchange-traded funds, kurz ETF,
oder zu deutsch börsengehandelte
Indexfonds zurück. Diese sind kostengünstig und bieten attraktive
Renditen – bei relativ geringem Risiko, da es sich bei der dieser Klasse um ein Passiv-Invest handelt,
das lediglich Marktpreisrisiken unterliegt.
Das Management investiert das
Fondsvermögen bei dieser AssetKlasse nicht auf der Basis eigener Meinungen und Bauchgefühle, sondern versucht, die Wertentwicklung einerim Vorfeld definierten
Benchmark in
Form eines Indizes abzubilden.
Das Problem bei
der Sache: fünf ETFs
im Dachfonds von Vaamo
sind arbeitsintensiv, und so
sind Fondsgebühren von 1,2
Prozent nicht zu verachten.
Gerade bei geringeren Sparzielen. Dennoch: Das Konzept der Frankfurter ist durchsichtig und unkompliziert.
Dem etwas versierteren Anleger
bietet Wikifolio seit 2012 die Möglichkeit zum so genannten Social
Trading. Interessierten bietet die
Plattform die Möglichkeit, aktiven
Tradern bei ihren virtuellen Deals
über die Schulter zu schauen, um
gegebenenfalls mit „echtem Geld“
an deren Erfolgsgeschichte zu partizipieren. „Echtes Geld“
deshalb, weil die Trader dieses meist
nicht setzen.
Sie arbei-
ten häufig nur mit Musterdepots, also ohne selbst zu investieren. Bei einer glänzenden Performance, mit
teilweise fragwürdigen Strategien,
würden Anleger hingegen auf den
bisherigen Erfolg des Depots vertrauen und in der Folge echtes
Geld investieren. Bei guter Entwicklung wäre die Freude groß,
beim Gegenteil gäbe es seitens der
Trader nur müdes Schulterzucken.
Aus diesem und anderen Gründen sind Plattformen wie
Wikifolio unlängst in
die Kritik gera-
ten, da zwar einerseits mit herausragenden Performances geglänzt
wird, auf der anderen Seite aber
keinerlei Haftung und auch keine
Beratungssicherheit geboten wird.
Also Risikobewertung auf eigene
Kappe und ohne doppelten Boden. Die Kritik fasst Patrick
Hahn, seines Zeichens Aktien- und Derivatehändler und schon
länger ausgesprochener
Gegner
von
Herausragende Performances aber keinerlei Haftung und Beratungssicherheit: Social-Trading ist umstritGrafik: apops / Fotolia, af
ten.
Social Trading zusammen: „Meiner Meinung
nach ist es grob fahrlässig, wie auf sogenannten
Social-Trading-Plattformen Anlegern suggeriert
wird, wie einfach es wäre, viel Geld zu verdienen, nur indem man einem Trade der SocialTrading-Plattform folgt,
beziehungsweise sein
Geld in dessen (Demo-)
Konto investiert.“
Auf der anderen Seite
haben auch institutionelle Anbieter wie der Sparkassen-Broker das Potenzial dieser Plattformen
für sich entdeckt und zeigen über ihre Accounts,
mit welchen Sparplänen
sie zum Erfolg kommen
wollen. Als Quelle der Inspiration können diese
Plattformen also sicherlich dienlich sein. Aber
blindes Vertrauen sollte
es auch hier nicht geben.
Denn ob Bankberater
oder Social Trading: Vorsicht ist die Mutter der
Porzellankiste.
A
IMMOBILIENINVESTMENT
Investieren in Immobilien ist beliebt – was sagt der Fiskus dazu?
Seit Jahren stehen Immobilien zunehmend im Zentrum des Interesses von privaten Investoren, gelten
sie doch als sichere und werthaltige Anlage. Das sind sie im Prinzip
auch, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Wer also vor
einer Kaufentscheidung steht, sollte neben den regional unterschiedlichen steuerlichen Gegebenheiten, wie etwa der Grunderwerbsteuer, auch die sonstigen steuerrelevanten Aspekte im Auge behalten. So unterliegt etwa eine betriebliche Nutzung der Immobilie anderen Steuerregeln als eine private
und eine vermietete wird anders behandelt als eine eigengenutzte Immobilie.
Vermietung oder
Eigennutzung
Bei einer vermieteten Immobilie
können normalerweise, im Gegen-
satz zur eigengenutzten Immobilie,
die damit verbundenen Kosten steuermindernd geltend gemacht werden. Das liegt unter anderem daran, dass steuerrelevante Ausgaben grundsätzlich mit der Erzielung von Einkünften einhergehen
müssen, was bei selbstgenutzten
Immobilien nicht der Fall ist. So darf
der Eigentümer die laufenden Kosten bei vermieteten Objekten komplett als Werbungskosten von den
Einkünften aus Vermietung und
Verpachtung abziehen. Dazu gehören etwa Finanzierungskosten und
Schuldzinsen,
Abschreibungen,
Grundsteuer und Betriebskosten.
Der vollständige Abzug ist ausschließlich bei komplett vermieteten Immobilien möglich. Bei gemischt genutzten Gebäuden ist
Vorsicht geboten, denn in einem
solchen Fall müssen detaillierte
Kostentrennungen und entspre-
chende Zuordnungen vorgenommen werden.
Nachträgliche Kreditzinsen
leichter absetzbar
Dass nicht immer alle Rechnungen
ohne weiteres aufgehen, zeigt das
folgende, hier verkürzt dargestellte Fallbeispiel: Im Rahmen einer
Gesellschaft bürgerlichen Rechts
(GbR) hatte ein Ehepaar die 1996
erbaute und vermietete Immobilie
2007, nach Ablauf der steuerbaren
Veräußerungspflicht, wieder verkauft. Dabei reichte der Erlös nicht
aus, um die seinerzeit in Anspruch
genommene Finanzierung völlig
zu tilgen. Zur Begleichung des verbleibenden Restdarlehens musste
ein neues, sogenanntes Umschuldungsdarlehen aufgenommen werden, dessen Kosten im Rahmen der
Einkommensteuererklärungen
2009 und 2010 steuermindernd als
(nachträgliche) Werbungskosten
geltend gemacht wurden. Dem
wollte das Finanzamt nicht folgen,
so dass es zu einer gerichtlichen
Auseinandersetzung kam. Schließlich entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in Anlehnung an ein früher bereits bei steuerbaren Veräußerungseinnahmen ergangenes Urteil, dass auch bei Veräußerungen,
die außerhalb der 10-jährigen Steuerfrist liegen und folglich nicht
(mehr) zu den steuerbaren Einnahmen gehören, nachträglich ein
Schuldzinsenabzug möglich sein
kann (Az.: IX R 45/13). Voraussetzung ist einerseits, dass der Immobilienerlös der zuvor vermieteten
und dann veräußerten Immobilien
komplett zur Tilgung des Ausgangsdarlehens genutzt wurde.
Außerdem darf die Valuta des Umschuldungsdarlehens nicht über
den abzulösenden Restdarlehens-
betrag hinausgehen und die Konditionen der Umschuldung müssen
sich im Rahmen einer marktüblichen Finanzierung bewegen. So
kann der Steuerzahler zwar prinzipiell von einer großzügigeren Regelung profitieren, aber die Voraussetzungen müssen stimmen.
Besondere Vorsicht
bei Nutzungswechsel
Wenn jemand seine selbst genutzte Immobilie verlassen möchte mit
dem Ziel, sie zu vermieten, kann
man sich vorstellen, dass die
„Braut“ besonders schön gemacht
wird, um eine möglichst lukrative
Vermietung sicher zu stellen. Aber
Achtung, genau hier lauert die steuerliche Gefahr, wie ein Urteil des
BFH aus dem Jahre 2009 belegt
(AZ.: IX R 51/08). Demnach gehören zu den steuermindernd anerkennungsfähigen Werbungskos-
ten insbesondere solche zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung
der Einnahmen aus Vermietung
und Verpachtung. Fallen solche
Aufwendungen hingegen schon
an, bevor mit dem Aufwand Einnahmen erzielt werden, können sie
nur berücksichtigt werden, wenn
ein ausreichender wirtschaftlicher
Zusammenhang zwischen beiden
Tatbeständen erkennbar ist. Dies
wurde im vorliegenden Fall unter
anderem verneint, weil die fraglichen Maßnahmen (in diesem Fall
die Erneuerung einer Heizungsanlage) bereits im August des Jahres
durchgeführt wurde, das der Vermietung Mitte des folgenden Jahres vorausging und während dieser
Zeit eine Eigennutzung vorlag.
Folglich sollte bei Investitionen im
Zusammenhang mit einem Nutzungswechsel immer auch das richtige Timing beachtet werden.
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NORDLICHTER
Große Pötte, ganz weit draußen: Schiffe auf Reede in der Elbmündung.
15
Fotos: Fabian Joeres, Ralf Gosch, jules / Fotolia
REEDEN
Parkplatz für Ozeanriesen
Schnell einsatzbereit und von Land ebenso zu erreichen. Zentral vor Cuxhaven liegen Stahlkolosse auf Abruf.
Weit draußen vor der
Elbmündung liegen sie:
gewaltige Pötte aus
internationalen Häfen. Auf
Reede warten die
Besatzungen auf den
nächsten Einsatz.
Von Fabian Joeres
Knapp zweieinhalb Stunden nach
der Abfahrt in Hamburg legt der
Hochgeschwindigkeitskatamaran
„Halunder Jet“ an der Alten Liebe
in Cuxhaven ab und fährt mit Vollgas Richtung Nord-West. Nächster
Stopp: Helgoland. Kurz danach gerät Backbords das alte Wahrzeichen der Hafenstadt, die 30 Meter
hohe, hölzerne Kugelbake außer
Sicht und verschwindet am Horizont. Der größte und schnellste Katamaran der Deutschen Bucht verlässt mit Höchstgeschwindigkeit
den Flusslauf und dringt in das
raue Wasser der offenen Nordsee
vor. Plötzlich tauchen sie vor dem
Bug auf, zeichnen sich vor dem grellen Himmel scharfkantig ab wie
Schattenschnitte. Sie sind riesig.
Und sie kommen schnell näher.
Seite an Seite liegen sie hier –
Stückgutfrachter, Tanker, Containerschiffe – mitten im Fahrwasser
ankern sie, liegen auf Reede, wie
es fachlich korrekt heißt. Es sind sieben gewaltige Pötte, die sich hier in
unterschiedlichen Größen und Farben vor das Auge des Betrachters
auf der Fähre schieben, jedes einzelne von riesigem Ausmaß. Teilweise bis zu 60 Meter hoch. Sie
kommen aus Oran, Rotterdam,
Southhampton, New York. Woanders in der Elbmündung den Anker
herunter zu lassen, verbietet ihnen
Paragraf 32, fünfter Abschnitt der
Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung.
Ohnehin wäre es keine gute
Idee, die Fahrrinne in Anbetracht des Tiefgangs dieser
Riesen zu verlassen – schon
gar nicht bei Ebbe. Viel zu wenig Wasser zwischen Kiel und
Meeresgrund!
Also harren sie hier aus, warten
auf die einsetzende Flut, um mit ihr
die Elbe hinauf zu schippern. Währenddessen geht der Betrieb an
Bord seinen gewohnten Gang. Keiner geht von Bord, es gibt keinen
Abstecher an Land. Für die Besatzungen ist dieser Zwischenstopp etwas ganz Normales.
Die Rastplätze in der Elbmündung vor Cuxhaven heißen Medem-Reede, Neuwerk-Reede, Neufelder Reede oder Außenelbe-Reede. Sie werden von Schiffen aus aller Welt mit einer Länge von bis zu
480 Metern angelaufen.
Es sind lediglich winzige Markierungen auf den Seekarten, die die
Existenz jener Rastplätze in der Elbmündung verraten. Vor Ort weist
nichts auf sie hin, keine Boje, kein
Leuchtfeuer – und trotzdem sind
diese extrem wichtigen Parkplätze
für Ozeanriesen nicht zu übersehen. Viel zu eindrucksvoll, viel zu
grotesk wirkt dieser Verbund
scheinbar stillgelegter Stahlkolosse in der Elbmündung nach.
Der Handel im Hamburger Hafen boomt – auch in diesem Jahr
soll die Umschlagsmarke von zehn
Millionen Containern wieder nur
knapp verfehlt werden. Und damit
es in Anbetracht dieser Warenmengen und Schiffsflotten im Hafen
nicht zu eng wird, werden Ozeanriesen und Arbeiten, die nicht zwingend eine Kaimauer benötigen, vor
die Elbmündung verlegt.
Zentral vor Cuxhaven sind die
Stahlkolosse auf Abruf schnell einsatzbereit und von Land ebenso
schnell erreicht – wichtig für die Ersatzteil- und Kraftstoffversorgung.
Und es fallen keine horrenden Hafengebühren an.
Doch es geht um mehr, als Parkgebühren zu umschiffen, oft sind
die Reeden eine Art Zuflucht in
dem Gezeitengewässer. „Gerade
bei Ebbe füllen sich die Reeden
recht schnell, weil die Elbe für viele
Containerschiffe dann nicht mehr
tief genug ist“, sagt Thomas Richter, Leiter vom Sachbereich 3 / Verkehrswesen und Liegenschaften
des Wasser- und Schifffahrtsamts
Cuxhaven. „Würden die Schiffe
dann in die Elbe einfahren, liefen
sie unweigerlich auf Grund. Da sie
aber natürlich auch nicht abdrehen
können, müssen sie sich auf die
Reeden retten. Dann ist ganz schön
was los in der Elbmündung.“
Bei der nächsten Flut müssen
die meisten Schiffe ihre Ankerplätze aber wieder verlassen, da
sonst ein Verkehrschaos drohen
würde. Auch das ist in der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung festgelegt. Lediglich defekte Schiffe
dürften bleiben, um notdürftige
Reparaturen durchzuführen, so steht es in
den Bekanntmachungen der Generaldirektion
Wasserstraßen
und Außenstellen Nord.
Dass es bei diesem Verkehrsaufkommen auch mal zu Unfällen
kommt, ist nicht verwunderlich.
Wie am 12. Februar 2012, bei dem
ein angetrunkener Frachtschiffkapitän sein Schiff gegen einen anderen, auf Reede liegenden Frachter
steuerte. Der Unfall ereignete sich
auf der Außenelbe-Reede, 20 Kilometer südöstlich von Helgoland.
„Aber solche Zwischenfälle sind extrem selten, unter anderem dank
modernster technischer Überwachung“, sagt Richter.
Für die Überwachung und
Steuerung des Schiffsaufkommens ruft die Verkehrszentrale
Cuxhaven notwendige Informationen über AIS - ein automatisches
Identifikationssystem – ab. „Durch
den Austausch von Navigationsund anderen Schiffsdaten verbessert AIS in Verbindung mit Radar
die Sicherheit und die Lenkung
des Schiffsverkehrs, gerade an
den engeren Stellen, wie den Reeden oder Kurven in den Flüssen“,
so Richter.
Online und für jedermann zugänglich bildet das System unter
dem Namen MarineTraffic jederzeit relevante Daten der Schiffe ab:
Klassifizierung, Zielhafen, Geschwindigkeit, Größe. Mitunter
sind auch Fotos von den Schiffen
über das System verfügbar, manchmal gar vor der Kulisse einer untergehenden Sonne.
Seit 2000 ist das AIS von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation, kurz IMO, als verbindlicher
Standard angenommen. Seit 2004
sind alle Berufsschiffe über 300
Bruttoraumzahl auf internationaler
Fahrt dazu verpflichtet, ein AIS zu
betreiben.
Auch der Halunderjet hat als Passagierschiff ein solches System an
Bord, und ist als gelber Pfeil, der
ihn als High Speed Craft identifiziert, auf dem Bildschirm zu sehen.
Mit seiner enormen
Geschwindigkeit nähert er sich inzwischen der Hochseeinsel Helgoland. Hier
werden die Passagie-
re ausströmen, zollfrei Tabak und
Whisky-Raritäten erstehen, um
nachmittags die Rückreise nach
Cuxhaven oder Hamburg anzutreten.
Bei der Rückfahrt werden noch
immer Schiffe auf den Reeden in
der Elbmündung liegen, zwischen
Cuxhaven und Friedrichskoog, mitten im Nirgendwo. Doch diesmal
sind es andere. Diejenigen, die zuvor hier lagen, haben zwischenzeitlich die Flut genutzt, um ihre Fahrt
die Elbe hinauf fortzusetzen. Wenn
sie ihre Ladung gelöscht haben,
geht ihre Reise weiter. Zurück nach
Wladiwostok,Schanghai, AmsterA
dam.
DIE WIRTSCHAFT – Reeden sind wichtig für die Ersatzteil- und Kraftstoffversorgung der Frachtschiffe. Und es fallen keine Hafengebühren an.
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CMSSE
Wenn Geräte miteinander sprechen
Es klingt ein wenig nach Star
Trek, wenn die Informatiker der
Lübecker Uni aus dem CMSSE
Center for Medical Software- und
Systems Engineering ihr Arbeitsfeld beschreiben. Die offene und sichere Vernetzung von Geräten
wird zunehmend zu einem wichtigen Thema für Industrie 4.0, insbesondere auch im Bereich der Medizintechnik. Heutzutage stellt sich
die Situation so dar, dass Geräte
gar nicht miteinander vernetzt
sind und somit wichtige Zusatzinformationen, die sich aus einer Zusammenschau von Daten ableiten
ließen, nicht zur Verfügung stehen. Oder es gibt nur sogenannte
proprietäre Vernetzungen von einem Hersteller, die geschlossen
sind für andere Anbieter und die
einen Wechsel erschweren.
Die CMSSE-Lösung besteht in einer offen standardisierten Schnittstellentechnologie, die die Integration aller möglichen Arten von Geräten von unterschiedlichsten Herstellern gestattet. Das Pilotprojekt
von CMSSE besteht in der Vernetzung von Medizingeräten in einem
Operationssaal.
Wer einmal einen Chirurgen bei
der Arbeit gesehen hat, weiß, wie
unübersichtlich es im modernen
Operationssaal aussieht. Da gibt es
blinkende Gerätetürme für allerlei
Funktionen, von der anästhetischen Überwachung bis zur VideoNavigation. Der Operateur und
sein Team müssen viele einzelne Informationen wahrnehmen und verarbeiten, um die für den Patienten
bestmögliche Operationsentscheidung zu treffen. Und dann fehlt
manchmal im entscheidenden Moment doch das richtige CT-Bild,
weil das Video-System es nicht aus
der Patientenakte einspielen kann:
Die wird nämlich in einer anderen
Software gepflegt.
So etwas kann und wird in Zukunft seltener passieren, denn der
medizintechnische
Gerätepark
lernt so langsam eine gemeinsame
Sprache. Wenn die Geräte dann
miteinander kommunizieren können, ist es für den Operateur oder einen Techniker am zentralen Steuerpult im OP ein Leichtes, die gewünschten Daten, Fakten und Bilder auf Knopfdruck zur Verfügung
zu stellen - oder womöglich auch
per Sprach- und/oder Gestensteuerung.
Auf dem Lübecker Wissenschaftscampus arbeiten Informatiker der Uni-Institute für Telematik,
Software-Technik und Medizininformatik daran, den Geräten die gemeinsame Sprache beizubringen und dabei die hohen Zuverlässigkeits- und Sicherheitsanforderungen im hoch sensiblen medizinischen Bereich zu erreichen. (Hier
könnte ein „Missverständnis“ zwischen den Geräten ja Menschenleben kosten). Das Zauberwort dabei
heißt "Web-Services": Auf der unkomplizierten Basis von IP-Adressen, html und xml können Geräte
auf einfache Weise Daten austauschen, wie das heute jeder vom Internet oder Büronetzwerken her
kennt. Jedes Gerät wird mit einer
standardisierten Schnittstelle ausgestattet, worüber es anderen Geräten seine Funktionalität zugänglich macht. Geschieht dies mit semantisch formalisierten Daten, ist
auf lange Sicht sogar eine komplett
automatische Verschaltung der Geräte möglich.
A www.cmsse.de
Das MFC (Multifunktionsgebäude) im Technikzentrum Lübeck.
Technikzentrum Lübeck
Prototypen „selber machen“ – im FabLab-Lübeck
„Wir sind in Schleswig-Holstein
die ersten, die ein FabLab realisiert
haben“, freut sich Diplom-Ingenieur Alexander Mildner, Leiter
des FabLab, über ein neues Alleinstellungsmerkmal des Technikzentrums Lübeck (TZL). Das „FabLabLübeck“ ist ein Angebot des TZL in
Zusammenarbeit mit dem GründerCube, dem BioMedTec-Wissenschaftscampus und dem Wissenschaftsmanagement der Stadt.Die
Geräteausstattung wurde von der
Possehl-Stiftung gefördert.
Als „FabLab“ wird in der internationalen
Technologie-Szene
ein „Fabrikationslabor“ (englisch: FabricationLaboratory),eine
offene High-Tech-Werkstatt bezeichnet, in der modernste, computergesteuerte Bearbeitungsgeräte zur Anfertigung von Funktionsmustern und Prototypen zur
Verfügung stehen.
„Das Angebot richtet sich an innovative Firmen, an Studierende
und Doktoranden, aber auch an
technisch ambitionierte Erfinder,
Gründer oder Dienstleister“, erläutert Mildner. „Wir bieten industrienahe Produktionstechnik an,
mit der zu Lern- und Erprobungs-
zwecken exakte Einzelstücke aus
selbst entworfenen Modell-Datengefertigt werden können.“
Vor allem das schnelle selber gemachte Prototyping bietet Chancen. Der übliche, mehrfach durchlaufene Weg, sich mit seinen Konstruktionsdaten an einen externen
Dienstleister für die Fertigung von
Prototypen zu wenden und mehr
oder weniger lange auf Ergebnisse
zu warten, die dann oft nicht den Erwartungen entsprechen, kann im
FabLab deutlich verkürzt werden.
Das Selbermachen ermöglicht, die
eigene Lern- und Erfahrungskurve
schneller zu durchlaufen.
Die Reihe der High-End-Geräte
im Lübecker FabLab im TZL in der
Seelandstraße reicht von3D-Druck
über Laser-Cutting bis zum
CNC-Fräsen und -Drehen. Eine
Vielzahl unterschiedlicher Materialien können bearbeitetwerden. „Es
geht in dieser Werkstatt um die relativ unkomplizierte Anfertigung
von hoch individualisierten Modellen, nicht aber um die eigentliche
Fabrikation oder gar Serienproduktion“, betont Mildner. Der einfache
Zugang zu aktuellen Produktionstechnologien und entsprechendem
Produktions- und Innovationswissen steht im Mittelpunkt.
Der für die Idee zentrale Praxisbezug des FabLabs wird vertieft
durch regelmäßige multidisziplinäre Workshop-Angebote auf dem
BioMedTec-Campus. „Wir weisen
die FabLab-Nutzer in den Umgang
mit den Geräten ein und unterstützen den Prozess von der Idee zum
Produkt, weniger aber die eigentliche,konstruktive Entwicklung“, erklärt Mildner. Die Entwickler sollen selbstverantwortlich mit der eigenen Idee und ihrer technischen
Realisierung umgehen. Dies kann
entweder zum Selbstkostenpreis
geschehen oder nach dem Prinzip
der Gegenleistung: „Wer sich an
der Weiterentwicklung des FabLab-Projektes insgesamt beteiligt,
zum Beispiel durch fachliche Beiträge in Workshops oder durch aktive
Mitwirkung in der FabLab- Community, wird den kleinen Maschinenpark sicher auch mal besonders günstig oder umsonst nutzen
können.“
Von Anfang an dabei sind zwei
Uni-Studenten. „Unsere Aufgabe
ist es, junge Menschen bei der
Realisierung ihrer Prototypen zu
unterstützen“, erklärt Markus
Voigt. Der 26-Jährige studiert Medizinische
Ingenieurwissenschaft. Auch Dominik Thiele (25),
Student der Mathematik in Medizin und Lebenswissenschaften,
ist von der Idee begeistert: „Ich
finde es faszinierend, wie jedermann durch das FabLab Zugang
zu High-Tech- Geräten bekommen und so seiner Erfinder-Kreativität freien Lauf lassen kann.“
Und Voigt ergänzt: „Das passt
gut zu Lübeck, wo wir immer interdisziplinär an der Schnittstelle
Mensch-Technik arbeiten.“
Die 100-Quadratmeter-Werkstatt des FabLab in der Seelandstraße 3 ist an jedem Donnerstag – dem
FabLab-Day – ab 15 bis etwa 19
Uhr für alle Interessenten geöffnet.
Darüberhinaus wird die Nutzung
der Geräte und Maschinen individuell vereinbart.Auf dem Hochschulcampus finden auch Workshops und Seminare zum FabLab
insbesondere betreffend CAD-Einführungen mit kostenlosen Softwareprogrammen statt.
A www.fablab-luebeck.de
Facebook: „FabLab Lübeck“
Eine offene High-Tech-Werkstatt: Alexander Mildner im FabLab Lübeck,
TZL-Seelandstraße.
DIE WIRTSCHAFT – FabLab und CMSSE sind nur zwei Beispiele für das einzigartige Angebot, das das TZL in der Region geschaffen hat.
Donnerstag, 9. April 2015
17
VERBÄNDE
BVMW
Die Stimme des Mittelstands
Deutschlands größter freiwillig organisierter Mittelstandsverband feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen.
Der BVMW bündelt
branchenübergreifend
und parteipolitisch
unabhängig die
Interessen kleiner und
mittlerer Unternehmen.
Seit 1975 macht sich der Bundesverband mittelständische Wirtschaft e. V. (BVMW) für die kleinen und mittleren Unternehmen
stark – in Deutschland, in Europa
und weltweit. An der Spitze des
BVMW steht seit 1998 der Unternehmer Mario Ohoven. Er ist zugleich Präsident des europäischen
Mittelstandsdachverbandes European Entrepreneurs (CEA- PME)
in Brüssel.
Der BVMW vertritt im Rahmen
der Mittelstandsallianz rund
270 000 Unternehmen, die über
neun Millionen Mitarbeiter beschäftigen. Mit seinen 300 Repräsentanten vor Ort steht der
BVMW täglich im direkten Dialog
mit dem Mittelstand. Daraus resultieren über 700 000 Kontakte, die
die Geschäftsstellen mit mittelständischen Unternehmerinnen
und Unternehmern pro Jahr haben. Mit seinen rund 2000 regionalen und überregionalen Veranstaltungen bildet und bietet der
BVMW ein einzigartiges Unternehmensnetzwerk.
Branchenübergreifend und parteipolitisch unabhängig bündelt
der BVMW die Interessen kleiner
und mittlerer Unternehmen. Erfolgreich bringt er ihre Anliegen
in Politik und Verwaltung ein: für
eine mittelstandsfreundliche Gesetzgebung.
Für seine Mitglieder ist der
BVMW auf allen wichtigen Wachstumsmärkten weltweit mit Auslandbüros präsent. Die Geschäftsstellen
bieten vor Ort vielfältige Serviceleistungen an und sind Ansprechpartner für mittelständische Unternehmen. Die Fäden laufen in der Bundesgeschäftsstelle, im politischen
Zentrum Berlins, zusammen.
Als mittelständische Interessenvertretung entwickelt der BVMW
politische Positionen, Konzepte
und konkrete Lösungsvorschläge
gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen. In den Kommissionen des Verbandes bringen engagierte Unternehmer und Unternehmerinnen regelmäßig ihre Expertise ein. Das ermöglicht dem BVMW, zielgerichtet, kompetent und erfolgreich die
Interessen der kleinen und mittleren Betriebe in der Politik zu vertreten. So hat sich der BVMW auch
2014 bei zahlreichen politischen
Diskussionen eingebracht und konkrete Lösungen für Mittelständler
vorangetrieben.
Kommission Arbeit
und Soziales
Die Kommission Arbeit und Soziales beschäftigte sich besonders
mit den Themen Mindestlohn, Flexi-Rente und Tarifeinheit. In den
Sitzungen wurden neue Konzepte
zur Fachkräftesicherung im Mittelstand mit hochkarätigen Referenten wie Annette Kramme, Parlamentarische Staatssekretärin
im Bundesministerium für Arbeit
und Soziales, diskutiert. Auch
2015 wird der BVMW auf diesem
Gebiet die Initiative ergreifen.
Kommission Bildung
Zum Jahresende 2014 hat der
BVMW die Gründung einer Bildungskommission
beschlossen.
Sie wird sich dem Thema Fachkräftesicherung widmen und zugleich
analysieren, wie Bildungspotenziale noch besser ausgeschöpft werden können. Mit Nachdruck wird
sich die Bildungskommission für
die duale Ausbildung einsetzen.
Kommission Energie
„So dezentral wie möglich, so zentral wie nötig“, unter diesem Leitsatz erarbeitet der BVMW seit 2011
Lösungen für die Energiewende.
Kommission Internet
und Digitales
Seit Frühjahr 2014 besteht die Kommission für Internet und Digitales.
Damit bringt sich der BVMW in die
Repräsentanten der Mittelstandsallianz zu Gast bei Staatssekretärin Brigitte Zypries.
Diskussion um die Gestaltung des
digitalen
Wirtschaftsstandorts
Deutschlands ein. 2014 galt es zunächst, dem IT-anwendenden Mittelstand Stimme in der Politik zu verschaffen.
Kommission Recht
Unter Leitung von Professor Dr.
Stefan Nägele hat der BVMW 2014
die Kommission Recht gründet.
Foto: Christian Kruppa / BVMV
„...wir drucken ja alles im Internet!“
Internet war gestern!
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DIE WIRTSCHAFT – Der BVMW entwickelt politische Positionen, Konzepte und konkrete Lösungsvorschläge gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen.
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Donnerstag, 9. April 2015
Donnerstag, 9. April 2015
DIGITALE ARBEITSWELT
UNTERNEHMEN
HEIMARBEIT
Wer von zuhause aus arbeitet, sollte einiges beachten – von der Büroeinrichtung bis zur täglichen Arbeitsorganisation.
Von Nathalie Klüver
Statt im morgendlichen Stau zu stehen, einfach nur die Tür zum heimischen Büro öffnen, den Milchkaffee aus der Küche mitnehmen und
den Computer anstellen: Das hört
sich verlockend an. Kein Chef, der
einem über die Schulter starrt, keine lauwarme Plörre aus der Vierliterkanne und auf die nervige Kolle-
Anzeige
SELBSTMOTIVATION
Die Tücken des Home Office
Sein Zuhause zum
Büro zu machen, hat viele
Vorteile. Der Nachteil ist,
dass Job und Freizeit
schwieriger zu trennen
sind. Neue Techniken sind
in der modernen
Arbeitswelt gefragt.
19
gin mit ihren Tratschgeschichten
kann man auch gut verzichten.
Aber ein Home Office ist mehr
als ein Raum in den eigenen vier
Wänden, in dem Platz für den Computer und vielleicht noch einen Drucker ist. Und wer sich vorstellt, dass
so ein Büro zuhause ja auch einfach
nur ein Laptop auf dem Wohnzimmersofa sein könnte, der hat zu einfach gedacht. Denn bei der Einrichtung eines Home Office ist einiges
zu beachten.
Wer den Platz zur Verfügung
hat, der sollte nicht darauf verzichten: ein eigenes Arbeitszimmer.
Mit einer Tür, die man zum Arbeiten schließt. Um den Familienmitgliedern – und auch sich selbst–
deutlich zu zeigen: „Ich arbeite. Bitte nicht stören.“ Am besten noch
mit einer eigenen Kaffeemaschine
oder einem Wasserkocher, so dass
man nicht für jede Tasse durch sein
trautes Heim tapern muss.
Denn wer den Arbeitsalltag mit
ständigem Blick auf den nicht eingeräumten Geschirrspüler, die einladend ausgebreiteten Zeitschriften auf dem Couchtisch oder den
krümeligen Esszimmerboden verbringt, dem fehlt die volle Konzentration auf seine Aufgaben. Home
Office bedeutet nämlich nicht „ein
wenig nebenher zuhause arbeiten“. Noch besser wäre es, wenn
das Büro nicht gerade die fensterlose Besenkammer ist, sondern ein
richtiges Fenster hat: Denn wer
acht oder mehr Stunden am
Schreibtisch verbringt, dem tut ein
bisschen Tageslicht gut.
Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, sich zuhause einen eigenen
Raum nur für die Arbeit einzurichten. In diesem Fall sollte man zumindest eine ruhige Ecke finden
mit einem separaten Schreibtisch
wie einem platzsparenden Sekretär, zum Beispiel durch ein Regal
abgetrennt vom Wohnbereich.
Denn das signalisiert dem Unterbewusstsein: Hier ist der Arbeitbereich.
Je nachdem, welcher Tätigkeit
man in seinem Home Office nachgeht, sollte die Einrichtung gestaltet werden. Ohne Computer oder
Notebook geht bei den meisten gar
nichts. Das muss nicht der teuerste
und stärkste PC sein, der gerade
auf dem Markt ist, schließlich sollen damit keine Videospiele gespielt werden. Wichtiger sind vielmehr eine entsprechend große Festplatte und die gängigen Programme zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Internet, Fotobearbeitungsprogramme oder Buchhaltungssoftware.
Ein Drucker darf bei den meisten
auch nicht fehlen – und je nachdem, wie viel gedruckt wird, sollte
darüber nachgedacht werden, ob
sich die Anschaffung eines Laserdruckers rentiert. Praktisch sind Geräte, die gleichzeitig drucken, scannen, kopieren und auch faxen können. A propos Faxgerät: Auch in
Zeiten von E-Mail und Co. verschicken viele Firmen immer noch ger-
ne Faxe, zum Beispiel, wenn etwas
unkompliziert mit einer Unterschrift bestätigt werden soll.
Immer mehr Haushalte verzichten inzwischen auf eine Festnetznummer, doch wer von zuhause arbeitet, sollte einen Festnetzanschluss in Betracht ziehen. Nicht
nur für eine (optimalerweise separate) Faxnummer, sondern auch, weil
es auf Kunden einfach seriöser
wirkt, wenn als Kontakt eine Festnetznummer angegeben wird. Wer
bei seiner Arbeit vom Internet abhängig ist (und wer ist das in Zeiten
von E-Mailkorrespondenz eigentlich nicht?), sollte auch für den Fall,
dass das Internet einmal ausfällt,
vorbereitet sein. Prepaid-Surfsticks kosten nicht die Welt und helfen im Notfall, einige Tage zu überbrücken. Genauso sollte man an regelmäßige Backups seiner Daten
denken – entweder online oder auf
eine externe Festplatte.
Doch im Büro gibt es mehr als
nur technische Geräte. Was bringt
das beste Equipment, wenn man
auf einem harten Küchenstuhl vor
einem Schreibtisch aus der Jugendzeit herumrutscht? Ein ausreichend
großer Schreibtisch und ein bequemer, einstellbarer Stuhl sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Genauso Regale für Aktenordner, Handarchive oder die
nötigen Fachbücher. Dabei sollte
an ausreichend Platz gedacht werden – denn die Ordner bekommen
rasch Zuwachs. Steuerunterlagen
etwa müssen zehn Jahre aufbewahrt werden. Da kommt mit der
Zeit einiges zusammen. Wer mit diskreten Unterlagen arbeitet, sollte
den Aktenvernichter nicht vergessen.
Eine schöne Pinnwand, ein paar
Familienfotos und eine schöne
Grünpflanze schaffen eine angenehme Atmosphäre – im Home Office soll man sich ja schließlich
wohlfühlen. Aber zu viel Privates
kann auch ablenken: Das Büro sollte nicht nebenbei noch Abstellkammer sein. Wer vom Schreibtisch aus
auf die Campingausrüstung oder alte Umzugskartons schaut, schränkt
sich selbst in seiner Produktivität
ein. Ein kleiner Tipp für die Gestaltung von Einrichtungsexperten:
nicht mit dem Rücken zur Tür
sitzen. Sonst fühlt man sich
unbewusst bedroht.
Wer von zuhause aus arbeitet, läuft nicht nur Gefahr, sich durchs Private
ablenken zu lassen und
doch noch schnell zwischen zwei Punkten auf
der To-Do-Liste in der
neuen Zeitschrift zu blättern oder die Wäsche aufzuhängen. Genauso besteht nämlich die umgekehrte Gefahr: Dass man während des Feierabends noch
schnell die E-Mails checkt oder
eine Präsentation zu Ende bastelt.
Eine räumliche Trennung erleichtert das Abschalten – und damit die
Regeneration – ungemein. Wenn
Feierabend ist, wird die Bürotür geschlossen und der Computer heruntergefahren. Erst mit dem Betreten
des Büros am nächsten Morgen ist
man wieder bei der Arbeit.
Doch auch gedanklich muss diese Trennung gelingen. Helfen können dabei Rituale, die den Feierabend einläuten. Was bei anderen
der Weg von der Arbeit nach Hause ist, kann bei Heimarbeitern das
Abhaken der täglichen To-Do-Liste sein, das Aufräumen des Schreibtischs oder das Aufstellen der Liste
für den kommenden Tag. Eine Tätigkeit, die man abschließen kann –
und die einen Übergang zum Feierabend darstellt.
Genauso kann es der Abgrenzung dienen, sich morgens vor Arbeitsbeginn büromäßig zu kleiden – und erst nach Feierabend
in den schlabbrigen Jogginganzug zu schlüpfen. Und
wer besonders schnell gearbeitet hat, darf sich auch
ohne schlechtes Gewissen mit einem frühen Feierabend belohnen! A
223 Berufstätige ab 16 Jahren, die zumindest zeitweise im Home Office arbeiten und elektronische Geräte für die Arbeit verwenden.Angaben in Prozent. Grafik: BITKOM
Foto: Natalia Merzlyakova / Fotolia
Den Verlockungen mit
Disziplin widerstehen
Klar merkt es keiner, wenn man
die Mittagspause einfach etwas
länger macht. Und natürlich sollte man sich auch mal die Freiheit
nehmen, bei schönem Wetter
den PC früher runterzufahren und sich in den Garten
zu setzen. Das ist schließlich einer der Vorteile,
wenn man zuhause arbeitet!
Aber auf der anderen Seite muss natürlich auch die Arbeit
geschafft werden –
und
Produktivität
und Effizienz müssen
dabei stimmen. Ohne
Selbstdisziplin geht
deshalb gar nichts. Und
mit der ist es nicht immer
ganz so einfach. Zur Motivation
für die Heimarbeit helfen Tricks
wie etwa die „3x3-Listen“: Am
Abend vor dem nächste Arbeitstag erstellt man dazu drei
To-Do-Listen mit jeweils drei
Punkten.
Liste Nummer 1:
All die Dinge, die man am kommenden Tag unbedingt erledigen muss.
Liste Nummer 2:
Projekte, die man gerne umsetzen möchte, obwohl sie keine zeitliche Priorität haben.
Liste Nummer 3:
Tätigkeiten, die bald umgesetzt
werden müssen.
Jeden Tag sollte man drei wichtige Aufgaben, drei weniger wichtige und drei Bonus-Aufgaben erledigen, mit denen man sich
selbst motiviert. Das müssen keine großen Projekte sein. Auch Telefonate, E-Mails oder die Ablage
zählen zu solchen Aufgaben. Eine klare Strukturierung des Tages hilft außerdem: Was wird vormittags erledigt, was nach dem
Mittagessen, was am Nachmittag?
Wer nicht aufpasst, mutiert im
Home Office auch schnell zum
Einsiedler. Deshalb sollten gerade Heimarbeiter besonderen
Wert aufs Netzwerken legen. Telefonate mit Kollegen oder Kunden – und genauso auch echte
Treffen oder Fortbildungen.
STATISTIK
Die Zahl der Heimarbeiter
hat abgenommen
Laut Statistischem Bundesamt arbeiten ganze 7,7 Prozent aller
Deutschen ausschließlich im
Home Office, das ist international gesehen ein vergleichsweise geringer Wert. Und das allen technischen Möglichkeiten zum Trotz, die das Arbeiten zuhause erleichtern.
Gründe dafür seien
die Präsenzkultur in
deutschen Unternehmen,
die
durch die Industriali-
sierung entstanden sei. Laut Bitkom arbeiten aber immerhin 32
Prozent der Angestellten ab und
zu von zuhause aus.
Eine weitere Umfrage von Bitkom hat ergeben, dass 20 Prozent der Befragten gerne täglich
von zuhause aus arbeiten würden, nur ein Drittel gab an, gerne täglich ins Büro zu gehen.
Selbständige und Freiberufler arbeiten laut der Umfrage zu 53
Prozent vom heimischen Schreibtisch aus, die restlichen 47 Prozent hin und wieder.
Eine dritte Bitkom-Befragung
unter Chefs und Personalern ergab gute Prognosen für die Heimarbeit: Jedes dritte Unternehmen
erwartet demnach, dass das
Home Office wichtiger werden wird. Ein Grund dafür
sei die Digitalisierung
der Arbeitswelt, auch
die
Möglichkeit
von Videokonfe-
renzen, die zurzeit nur von sieben
Prozent der Firmen genutzt wird.
Nach Einschätzung der Wirtschaft führe die Digitalisierung
der Arbeitswelt zu mehr Wachstum und Innovation in Deutschland.
Deutlicher Rückgang
innerhalb von fünf Jahren
Dabei ist der Anteil von 7,7
Prozent Heimarbeitern nicht nur
im internationalen Vergleich gering. Tatsächlich ist er in den vergangenen fünf Jahren Medienberichten zufolge rückläufig.
Die Arbeit im Home Office ist in
Deutschland weit weniger verbreitet als noch vor fünf Jahren.
Es gebe trotz wachsender technischer Möglichkeiten und flexiblerer Arbeitszeiten keinen Trend
zu mehr Heimarbeit. Das hat das
Statistische Bundesamt im Auftrag der Welt am Sonntag ermittelt. Im Gegenteil: Der Anteil der
Arbeitnehmer, die zumindest gelegentlich zu Hause arbeiten, ist
dem Bericht aus dem Jahr 2014 zufolge auf den niedrigsten Stand
seit Mitte der neunziger Jahre gefallen.
So habe der Wert der Menschen, die im Home Office arbeiten, im Jahr 1996, als die Werte
erstmals ermittelt worden sind,
noch bei 8,8 Prozent gelegen.
Den bisherigen Höchststand erreichte den Angaben zufolge das
Arbeiten von zu Hause im Jahr
2008 mit 9,7 Prozent der Arbeitnehmer. Seither verzeichne die
Statistik einen markanten Rückgang der Heimarbeit. Die Zahlen
des Statistischen Bundesamts basieren auf dem Mikrozensus, einer jährlich durchgeführten, repräsentativen Großbefragung, an
der rund 380 000 Haushalte teilnk / os
nehmen.
Schipplick + Winkler Printmedien
Partner für den Full-Service
„Unsere Kunden sind unsere Partner und Geschäftsfreunde. Ihre Zufriedenheit ist unser höchstes Ziel“,
sagt Andreas Schipplick, Geschäftsführer der Druckerei Schipplick +
Winkler Printmedien. Mit seinen 30
Mitarbeitern lebt Andreas Schipplick eine besondere Philosophie – intern wie auch in Bezug auf seine
Kunden. In der Druckerei geht es
nicht nur um die Abwicklung der
Aufträge. „Wir wollen die Produkte
unserer Kunden verstehen, hinterfragen den Inhalt und die Botschaft,
die mit dem Printobjekt transportiert werden soll“, so Schipplick.
Deshalb pflegt das Unternehmen einen engen Kontakt zu seinen Auftraggebern, berät mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung und begleitet die Produktion von der Entwicklung bis zur termingerechten Auslieferung – ein Full-Service von der
Konzeption und Gestaltung bis hin
zu Versand und Konfektionierung.
„Wir haben eine Ansprache an den
Kunden, und wir haben einen Anspruch.“ Dabei kann die Druckerei
schnell und flexibel reagieren –
selbst auf Korrekturen in buchstäblich letzter Sekunde.
Die Firma ist technisch auf dem
neuesten Stand, arbeitet mit modernsten
Fünf-Farb-Maschinen,
Stanz- und Sortieranlagen. Die Produktpalette reicht von Geschäftsdrucksachen und Firmenbroschüren über Flyer und Prospekte bis hin
zu veredelten Kalendern und Mappen, egal ob Kleinstmenge oder Millionen-Auflage.
Bei allen technischen Innovationen steht immer noch der Mensch
im Mittelpunkt.Die Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Ideen und Visionen der Kunden zu Papier gebracht
werden. In der Grafikabteilung wird
mit Kreativität, Design, Gestaltung
und der Hilfe moderner Satz- und
Layoutprogramme die Grundlage
für die spätere drucktechnische Um-
Andreas Schipplick und Roland Schmidtmann überprüfen noch einmal die QuaFoto: pp
lität des Druckerzeugnisses.
setzung und das bestmögliche
Druckerzeugnis gelegt.
Schipplick + Winkler Printmedien
berät bei der Wahl der passenden Papiersorte, erläutert die Vorteile verschiedener Druckverfahren und
Preisstaffelungen bei den Auflagenhöhen. Außerdem erfahren die Kunden, wie sich ihre Drucksachen am
besten veredeln und weiterverarbeiten lassen. Auch beim Erstellen der
Druckvorlagen stehen die Mitarbeiter des Medienhauses mit Rat und
Tat zur Seite. Im Blickpunkt bleibt
dabei immer das richtige Preis-Leistungsverhältnis. Und auch der Umweltaspekt findet in dem Unternehmen seine Berücksichtigung. Die
Druckerzeugnisse werden umwelt-
schonend und auf Wunsch klimaneutral und mit entsprechendem
Zertifikat versehen hergestellt.
„Wir sind authentisch, haben uns
zum Ziel gesetzt, Norddeutschlands
innovativste und partnerschaftlichste Druckerei zu werden, und wir
sind erst zufrieden, wenn unsere
Kunden begeistert sind“, sagt Andreas Schipplick.
A Schipplick + Winkler Printmedien
Drechslerstraße 4
23556 Lübeck
Gewerbegebiet Roggenhorst
A1 Abfahrt Lübeck Moisling
Tel.: 0451 / 87 21 50
www.suw-printmedien.de
UNTERNEHMEN
Anzeige
Colibri
Brillen sind Signale
Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern kommt manchmal der einer
Nadel im Heuhaufen gleich. Doch
manche Bewerber hinterlassen
beim ersten persönlichen Gespräch
einen stärkeren Eindruck als andere. Wieso ist das eigentlich so? Was
überzeugt, wenn die fachlichen Fähigkeiten vergleichbar sind? Teilt
sich die Persönlichkeit eines Bewerbers auch über Äußeres mit?
Das, was am ersten auffällt, ist
das Gesicht. Aus der Sicht der Wahrnehmungspsychologie setzen sich
Gesichter aus lokalen Merkmalen,
wie Augen, Nase und Mund, sowie
konfiguralen Merkmalen, nämlich
deren räumlicher Anordnung zusammen. Zur Erscheinung eines Gesichtes gehören aber auch flexible
Merkmale wie Bart, Frisur und Brille. „Brillen beeinflussen die Erscheinung von Gesichtern entscheidend“, so Walter Hermann vom Lübecker OptikerColibri. Forscher
der Universität Wien haben vor einiger Zeit diesen Zusammenhang wissenschaftlich untersucht und dabei
festgestellt, dass Brillen die Aufmerksamkeit der betrachtenden
Personen stärker auf die Augenregion des Brillenträgers lenken und
ihn dort länger verweilen lassen, als
bei Menschen, die keine Brille tragen. Außerdem machten Brillen das
Gesicht des Trägers markanter und
eigenständiger und somit weniger
verwechselbar, als das von Nichtbrillenträgern.
Doch Brille ist nicht gleich Brille.
Wie kaum ein anders Accessoire
fällt sie auf, positiv oder negativ.
„Die Brille ist ein Statement auf Augenhöhe“, so Hermann. „Sie zieht
die Blicke an und je nachdem,welche Farbe und Form sie hat, werden
andere Facetten an einem selber betont.“ Brillen beeinflussen also das
Gegenüber auf subtile Art und ge-
ben Hinweise auf die Persönlichkeit
des Gesprächspartners. „Das Gegenüber ist ja nicht nur die Summe
seiner Talente und Fähigkeiten, sondern in erster Linie ein Mensch mit
Charakter“, so Walter Hermann.
„Er präsentiert sich in seinem eigenen Stil und drückt über sein Äußeres eine Haltung aus. Seine Brille ist
ein Mittel zur Kommunikation: So
möchte ich gesehen werden.“
Natürlich gibt es bei der Auswahl
des Accessoires Brille einige Klischees, die bedient werden könnten.Dunkel gerahmte Brillen zum
Beispiel. Hinter ihnen vermutete
man lange einen sogenannten
Nerd. Doch will der Bewerber wirklich, dass man ihn als jemanden
wahrnimmt, der wissen will, wie Systeme funktionieren, der sie versteht
undbeherrscht? Und hat die Trägerin einer originellen Brille in Schmetterlingsform tatsächlich so viel Kreativität wie sie vorgibt oder ist die Brille bloß ein modischer Gag, um aufzufallen?“ Im Gespräch kann man ja
auch nachfragen, warum gerade dieses Brillengestell gewählt wurde“,
so Hermann. „Die Antwort kann
dann sehr aufschlussreich sein und
dem Personaler Hinweise über die
Authentizität des Bewerbers gebee
A Colibri Contactlinse und Brille
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0451 / 776 55
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Seriös, kreativ, sportlich, durchsetzungsfähig: Freddy San Antonio vom LübeFoto: cp
cker Optiker Colibri zeigt, wie eine Brille wirken kann.
DIE WIRTSCHAFT – Die Verlockungen für die Arbeit im Home Office sind groß. Ebenso das Maß an Selbstdisziplin, das gefordert ist. Doch obwohl die technischen Möglichkeiten für eine Arbeit jenseits von Büro und Kollegen stetig wachsen – nimmt die Zahl der Heimarbeiter in Deutschland ab.
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Donnerstag, 9. April 2015
NORDLICHTER
PERSONALSERVICE INTERNATIONAL
Von der Wohnungssuche
Relocation-Manager sorgen dafür, dass Mitarbeiter
Ausland kommen, sich schnell einleben und von Anfang
Mit einer ersten
Kontaktaufnahme – nicht
selten erst am Flughafen –
beginnt der Job der
Relocation Manager. Über
die Wohnungssuche, Hilfe
bei der Orientierung am
neuen Lebensmittelpunkt
bis hin zur Einbindung in
das gesellschaftliche
Geschehen vor Ort reicht
der Service.
Von Heiko Pump
ASSMANN SCHMIDT INGENIEURE
Sachverständigenbüro für vorbeugenden Brandschutz
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Fon: 0451 - 790 70 98 - 1
Fax: 0451 - 790 70 98 - 3
info@assmann-schmidt.de
www.assmann-schmidt.de
Katja Sievers ist eigentlich ständig
auf der Suche – nach geeigneten
Wohnungen oder Häusern, nach
freien Plätzen in Kindergärten oder
Sprachkursen, nach Kontaktmöglichkeiten in den verschiedenen
Stadtteilen. Dafür ist sie gut vernetzt, denn die 45-Jährige sucht
nicht für sich. Ihre Klientel sind sogenannte Expatriates, kurz „Expats“. Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen,
um hier für eine Firma oder ein Unternehmen langfristig oder für einen begrenzten Zeitraum zu arbeiten – vom Praktikanten bis zum
Top-Manager.
Katja Sievers ist eine Mitarbeiterin der Dienstleistungsagentur „KaleidosGlobe Relocation Services
Training & Consulting“ mit Hauptsitz Hamburg und für den Bereich
Lübeck verantwortlich. Neben einem guten Netzwerk und lokaler
wie auch interkultureller Expertise
verfügt die Lübeckerin über persönliche Erfahrung aus einem zweijährigen USA-Aufenthalt mit ihrer
Familie. Sie kennt die Hürden und
Herausforderungen, die ein Umzug in ein anderes Land mit sich
bringen, und sie kennt Lübeck,
weiß, wie die Stadt tickt – ein Riesenvorteil für ihren Job. Die meisten „Expats“ die „KaleidosGlobe“
seit 2007 in Lübeck betreut, sind
für das Unternehmen Dräger Medical, ein international agierendes Familienunternehmen aus der Medizin- und Sicherheitstechnik, tätig.
„Die Mitarbeiter, die hierher
kommen, sollen sich so schnell wie
möglich um ihre beruflichen Aufgaben kümmern können und sich
nicht mit Wohnungssuche oder Behördengängen aufhalten müssen“,
sagt Sievers. Wichtig seien eine gute Vorbereitung und klare Strukturen.
Energiekompetenz für die Region
Schleswig-Holstein Netz ist Ihr Strom- und Gasnetzbetreiber. Als Gemeinschaftsunternehmen von über
200 Kommunen und der HanseWerk AG betreiben wir rund 53.000 Kilometer Stromnetze und über 15.000
Kilometer Gasnetze im Norden. Unsere speziell ausgebildeten Kollegen leben dort, wo die Netze liegen:
in der Region. Mehr dazu unter www.sh-netz.com. Service- und Störungsnummer: 0 41 06 - 6 48 90 90.
Netzcenter Ahrensburg
Kurt-Fischer-Straße 52 • 22926 Ahrensburg
T 0 41 02 - 4 94 21 11
Netze für neue Energie
Wer heute für den Job nach Deutschland kommt, ist nicht lange allein.
„Ich komme mit vielen
interessanten Menschen
aus aller Welt in direkten
Kontakt und kann mit meiner
langjährigen Erfahrung
sowohl die
Personalabteilungen als
auch deren Mitarbeiter
entlasten und unterstützen.“
Katja Sievers
Die erste Kontaktaufnahme zum
aus dem Ausland entsendeten Mitarbeiter erfolgt, wenn sich der Kunde noch in seiner Heimat befinde.
Neben dem Kennenlernen werden
seine persönlichen Wünsche erörtert. Dabei spielen Aufenthaltsdauer und Familiensituation eine wesentliche Rolle. Bleibt er nur wenige Monate oder hat er einen unbefristeten Arbeitsvertrag? Das ist ausschlaggebend für die Wohnsituation. Singles reichen oft möblierte Unterkünfte. Kommen Ehefrau und
Kinder mit, wird meist eine größere
Wohnung oder ein Haus bevorzugt.
„Alleinstehende junge Menschen zieht es eher in die Großstadt.
Sie nehmen dafür auch die Fahrt
von Hamburg nach Lübeck in
Kauf“, erzählt Katja Sievers. Familien würden dagegen gerade Lübeck
mit seinen grünen Randbezirken
und den kurzen Entfernungen bevorzugen. Ihre Aufgabe ist es, bereits im Vorfeld geeignete Objekte
zu finden und diese mit den Kunden zu erörtern und Besichtigungstermine zu vereinbaren. Wird ein
Platz in einer Kindertagesstätte
oder in einer Schule benötigt? Ist
ein Sprachkurs erforderlich? Müssen Führerscheine getauscht, Haustiere eingeführt und aufenthaltsrechtliche Belange geklärt werden?
Alle diese Wünsche müssen schon
vor der Ankunft ausgelotet werden.
Ein Relocation-Manager sorgt
dafür, dass alle Dokumente und
Zeugnisse vollständig sind und vereinbart Termine bei den Behörden
und auch Botschaften. Dafür sind
Kommunikation ist alles: Mitarbeiter von KaleidosGlobe bei der Arbeit.
mehrere Wochen Vorlauf erforderlich. Und er benötigt eine Vollmacht des „Relocatees“, um tätig
zu werden. Bereits im Vorfeld können so Wohnungen angemietet
und erste Behördengänge erledigt
werden. Später werden dann Bankkonten eingerichtet eingerichtet,
Versicherungsfragen
geklärt,
Rundfunk und Fernsehen angemeldet oder ein Auto gemietet.
Das erste persönliche Treffen findet mitunter erst am Flughafen
statt. Im Idealfall geht es dann zur
vorher angemieteten Unterkunft.
In den kommenden Wochen wird
der Relocation Consult zur Vertrauensperson vor Ort. „Dieser Prozess
dauert in der Regel mehrere Wochen, da ist viel Einfühlungsvermögen den unterschiedlichen Kunden gegenüber, aber auch professionelles Know-how im Umgang
mit Behörden erforderlich,“ sagt
Katja Sievers. Zur Rundumbetreuung gehören auch „Setting-in Services“, wie zum Beispiel eine auf
den Kunden ausgerichtete Orientierungstour. Wo ist der nächste Supermarkt, wo gibt es ein Kino, wie
funktioniert der öffentliche Nahverkehr, wo ist die Volkshochschule,
wo sitzen die Ärzte und welches
sind die schönsten Plätze am Ort
der neuen Arbeitsstätte?
„Nach den administrativen Tätigkeiten ist es wichtig, möglichst
schnell für eine soziale Integration
der Menschen zu sorgen“, so Katja
Sievers. Zufriedenheit erhöht die
Leistung im Arbeitsprozess und
sorgt so auf beiden Seiten für bessere Ergebnisse.
Große Firmen wie Dräger seien
darauf in der Regel gut vorbereitet. In kleineren Unternehmen sei die Notwendigkeit
zur Integration auch im
außerbetrieblichen
Rahmen anfänglich
meist gar nicht bewusst.
A
DIE WIRTSCHAFT – Zur Rundumbetreuung gehören auch „Setting-in Services“, wie zum Beispiel eine auf den Kunden ausgerichtete Orientierungstour.
Donnerstag, 9. April 2015
21
NORDLICHTER
UNTERNEHMEN
bis zur sozialen Integration
Pluss
Neues Logo zum
Firmenjubiläum in Lübeck
und deren Angehörige, die aus dem
an auf ihren neuen Job konzentrieren können.
Der Relocation-Service nimmt die für einen Job Entsendeten oft direkt nach der Ankunft in Empfang.
Fotos: Fotolia (4) / pp
DIE RELOCATION-BRANCHE
Nachhaltige Entlastung für
die Personalabteilungen
Der Relocation-Service hat in Europa als ein internationaler Sektor in
der Dienstleistungsbranche vor 25
Jahren begonnen. Er hat seinen Ursprung in den USA und leitet sich
von dem englischen Verb „to relocate“, übersetzt „umziehen“ ab. In
den USA hatten Mobilität und Serviceleistungen bis vor kurzem
noch einen deutlich höheren Stellenwert als zum Beispiel in
Deutschland. Aber der Bedarf an einen in der Regel outgesourctem
Personal-Service ist mittleiweile
auch hier erkannt. Die Menschen,
die für eine gewisse Zeit
im Ausland tätig
sind und von
Relocati-
on-Mitarbeitern betreut werden,
heißen Expatriats, beziehungsweise Impatriates – je nach Status der
Entsendung aus dem Ausland oder
ins Ausland.
Durch die Globalisierung nimmt
die Zahl der aus dem Ausland oder
Übersee nach Deutschland oder
Europa wechselnden Mitarbeiter
deutlich zu. Daraus resultiert ein
starkes Wachstum dieser Dienstleistungsbranche. Waren es früher
ausschließlich die großen interna-
tional tätigen Unternehmen, die
den Relocation-Service in Anspruch genommen haben, so sind
es inzwischen auch verstärkt mittelständische Firmen oder kleinere
Betriebe, die Mitarbeiter aus dem
Ausland beschäftigen. Diese verfügen meist aber nicht über die entsprechenden Kapazitäten, um die
Eingliederung der neuen Fachkräfte abseits des Arbeitsprozesses zu
unterstützen.
Die Vorteile von externen Relocation-Mitarbeitern gegenüber einer Betreuung seitens der
unternehmenseigenen Personalab-
Anzeige
Seit dem 1. April 1990 ist die Lübecker Niederlassung der Pluss Personal Leasing und System Service
GmbH für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer im Osten Schleswig-Holsteins und darüber hinaus aktiv.
Als Teil der mit mehr als 25 Niederlassungen in Deutschland vertretenen Pluss-Gruppe kann der Personaldienstleister damit eine 25- jährige Erfolgsgeschichte vorweisen.
Die Idee, gleichermaßen kundenwie mitarbeiterorientiert zu agieren, hat sich als weitsichtig erwiesen.
Rechtzeitig zum Jubiläum hat
sich das Unternehmen für eine
neue Firmendarstellung mit anderem Logo entschieden. „Strukturen, Denk- und Arbeitsweisen sind
im Fluss und werden kontinuierlich optimiert. Es ist jetzt an der
Zeit, einem modernen Dienstleistungsangebot und dem Streben
nach Erfüllung in der Arbeitswelt
ein adäquates Gesicht zu geben“,
so Geschäftsführer Jörg-Peter Otto. Nach über dreißig Jahren mit einem nahezu unveränderten Marktauftritt präsentiert sich die gesamte
Pluss-Gruppe in neuem Gewand
und im Laufe des Jahres 2015 auch
mit neuer Firmierung.
Punktgenaue Personallösungen
für Unternehmen und attraktive
Perspektiven für Arbeitnehmer
spiegeln sich in einem neuen Logo
wider, das die künftige Firmierung
„pluss Personalmanagement Lübeck GmbH“ beinhaltet und ergänzt um den Claim „Menschen
mit Antrieb“ Unternehmenseigenschaften wie Innovationskraft, Dynamik und Eigenmotivation in zeitgemäßer Gestaltung unterstreicht.
Seine Firma und die gebotenen
Dienstleistungen sollten bereits bei
Nennung des Namens positiv wahrgenommen werden. Mit dieser Zielsetzung lag Unternehmensgründer Karlheinz Förster goldrichtig,
als er 1984 mit „PLUSS“ an den
Start ging. Die fünf Buchstaben,
die für „Personal Leasing und System Service“ stehen, wurden zum
Begriff für engagierte und zuverlässige Personallösungen.
Sich verändernden Marktgegebenheiten und Herausforderungen hat sich das Unternehmen
stets gestellt, hat sich verändert,
entwickelt und ist gewachsen.
Heute gilt Pluss als Spezialist, der
mit allen Instrumenten moderner
Personaldienstleistung, breitem
Branchenwissen und kompetenten Fachleuten seinen Kunden Unterstützung und nachhaltige Entlastung bietet. Fast dreißig Niederlassungen im Bundesgebiet, ein
Jahresumsatz von etwa 60 Millionen Euro und stetige Expansionsbestrebungen zeichnen heute ein
klares Zukunftsszenario.
Mit den Personaldienstleistungen Zeitarbeit, Personalvermittlung, On-Site-Management und
Outsourcing breit aufgestellt, erschienen Firmierung und Firmenlogo den Entscheidungsträgern nicht
mehr zeitgemäß und wenig aussagekräftig. Zukünftig sollen die vielfältigen Leistungen unter dem Firmennamen „pluss Personalmanagement GmbH“ verdichtet und mit
einem zeitgemäßen Logo ergänzt
um den neuen Claim „Menschen
mit Antrieb“ auch bildlich auf den
Punkt gebracht werden.
„Das Vertrauen unserer Kunden, das uns heute entgegengebracht wird, verdanken wir der
Ausrichtung auf unsere strategischen Geschäftsfelder, spezialisierten Fachabteilungen, umfangreichem Know-how, Erfahrung, hohem persönlichen Engagement
und der hieraus resultierenden
Qualität unserer Dienstleistungen“, so Geschäftsführer Jörg-Peter Otto. „Ob Office, Industrie,
Handwerk oder Medizin und Pflege - die Firmen wissen, dass sie sich
auf uns verlassen können und wir
alles unternehmen, um ihnen für
ihr Personalmanagement optimale
Lösungen zu bieten.“
A pluss Personalmanagement
Lübeck GmbH
Kreuzweg 7
23558 Lübeck
Tel.: 0451 / 70 22 20
www.pluss.de
teilung liegen auf der Hand. Es
sind in erster Linie eine nachhaltige Entlastung der Personalabteilungen, die integrative Unterstützung der neuen Mitarbeiter am
neuen Wohn- und Arbeitsort, kalkulierbare Kosten und eine hohe
Professionalität spezifisch geschulter Mitarbeiter.
Die Betreuung der Expatriats,
bei denen es sich in der Regel um
mittlere Führungskräfte oder
Top-Manager, aber zunehmend
auch um Trainees und Fachkräfte
aus dem Ausland handelt, reicht
von der Beratung bei der ersten
Kontaktaufnahme noch vor dem
Wechsel über die Suche nach einem geeigneten Wohnraum, Schulen und Kindergärten bis zur Unterstützung beim Aufbau des sozialen Umfeldes. Allein eine
Rechtsberatung ist seitens
des Gesetzgebers in
Deutschland verboten.
DIE WIRTSCHAFT – Relocation-Services haben sich zuerst vor 25 Jahren in den USA etabliert. Heute sind sie auch in Deutschland Standard.
22
Donnerstag, 9. April 2015
NORDLICHTER
DIVERSITY MANAGEMENT
Erfolg durch Vielfalt
Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel bereiten Kopfzerbrechen.
Diversity Management ist eine Lösung.
Händeringend wird in
vielen Branchen nach
Mitarbeitern und
Nachwuchs gesucht.
Manche Lösungen sind
ganz einfach – und auch
sehr bunt.
Von Majka Gerke
Die Geschäftswelt kann so vielfältig sein. Der Verkaufsleiter stammt
aus Marokko, der neue Azubi ist autistisch, die Marketingchefin lebt
in einer lesbischen Beziehung und
der Geschäftsführer ist eine Frau.
Doch solche Umstände sind nicht
überall selbstverständlich. Noch
nicht.
Dabei sind neue Ressourcen gefragt. Der Fachkräftemangel ist
überall zu merken, vom demografischen Wandel gar nicht zu reden.
Sinkende Geburtenraten und eine
höhere Lebenserwartung fallen
mit ins Gewicht. So wird es in
Schleswig-Holstein in 2025 laut einer Einschätzung des Innenministeriums rund 55 000 weniger Beschäftigte geben als heute. Arbeitgeber,
die sich mit dem Thema Vielfalt in
allen Facetten beschäftigen, haben
einen Trend erkannt. Chefs, die ungenutzte Potenziale fördern, bringen Unternehmen heute mit nach
vorne. Denn nicht nur die Belegschaften werden vielfältiger, sondern auch die Kunden legen immer
mehr Wert darauf.
Maroua Zerafi (28) sitzt an ihrem
Arbeitsplatz in einem Callcenter,
das zur Aye-Gruppe in Lübeck gehört. Sie trägt ein Headset über ihrem Kopftuch und beantwortet
freundlich und souverän ankommende Gespräche. Die gebürtige
Lübeckerin tunesischer Abstammung arbeitet seit sechs Jahren in
dem Unternehmen. „Hier gehen alle familiär miteinander um“, hat sie
festgestellt. Die Vielfalt in der AyeGruppe, größter Callcenter-Betreiber in Schleswig-Holstein, wird
groß geschrieben. „Bei uns sind einige Nationen der Welt in der Gruppe vertreten“, sagt Christian Ludwig, zuständig für die Unternehmenskommunikation. An den sieben Standorten in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen arbeiten derzeit rund 1200 Mitarbeiter, alleine 500 davon in Lübeck.
„Es ist egal, woher man kommt.
Uns ist es wichtig, wer man ist“,
sagt Ludwig.
Wie wichtig dem Unternehmen
die Wertschätzung der Belegschaft
ist, zeigt auch die Unterzeichnung
der „Charta der Vielfalt“. Seit 2013
ist die Firma Unterstützer der Unternehmensinitiative, die 2006 durch
große Unternehmen wie Daimler,
der Deutschen Bank oder der Deutschen Telekom ins Leben gerufen
wurde. Als Schirmherrin konnte
Bundeskanzlerin Angela Merkel
gewonnen werden. Die Idee hinter
Maroua Zerafi (Mitte), Mitarbeiterin im Callcenter der Aye Gruppe, ist gebürtige Tunesierin.
der Charta ist, Anerkennung, Wertschätzung und Vielfalt in der Unternehmenskultur voranzubringen –
unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung
und Identität. Mehr als 2000 Unternehmen, Vereine und Organisationen deutschlandweit haben die
Charta bereits unterzeichnet. Außerdem auch zwölf der 16 Bundesländer.
Durch Zufall wurde man bei der
Aye-Gruppe auf die Charta aufmerksam. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir das ja schon immer
so leben“, sagt Ludwig. Um ihre Unterstützung zu zeigen, nimmt die
Firma seit zwei Jahren am offiziellen Diversity Tag teil, den der Verein der Charta ins Leben gerufen
hat. „Im vergangenen Jahr haben
wir einen Tag der offenen Tür veranstaltet, an dem unsere Mitarbeiter für alle Kunden, Kollegen und
Interessierte ein Buffet der Nationen gekocht haben“, erzählt Ludwig.
Am Thema Fachkräftemangel
kommt man auch bei der Aye Gruppe nicht vorbei. „Es gibt wenige
Fachkräfte auf diesem Gebiet. Callcenter haben einfach einen schlechten Ruf“, weiß Ludwig. Daher ist
der Pool der Bewerber ohne Qualifikation bei ihnen größer. „Hier arbeitet alles, von Koch bis Arzthelferinnen“, sagt er. Interne Fortbildungen bringen alle auf den gleichen
Stand. Diese Gleichheit zeigt sich
auch an der Bezahlung. „Bei uns
verdienen alle gleich. Egal, ob
Mann oder Frau.“
Auch Claudia Wache hat die
Charta der Vielfalt unterschrieben.
Sie ist Geschäftsführerin der Firma
Wache GmbH aus Lübeck. Das Unternehmen ist zum einen im Be-
„Wir haben schnell gemerkt,
dass wir das ja schon immer
so leben.“
Christian Ludwig
Unternehmenskommunikation
Aye-Gruppe
reich Feinmechanik und Zerspanung tätig und stellt zum anderen
Räder, Rollen und Transportgeräte
her. Rund 80 Mitarbeiter hat der Betrieb, den Claudia Wache gemeinsam mit ihrem Ehemann Thies und
Schwägerin Bettina Wache-Möhle
führt. Mit einer niedrigen Frauenquote in der Geschäftsführung, wie
in anderen Betrieben im technischen Bereich durchaus üblich, haben die Waches kein Problem. „Bei
uns ist es eher umgekehrt. Mein
Mann ist der Quotenmann“, sagt
sie und lacht.
Für Claudia Wache ist die Vielfalt in der Belegschaft normal. „Ich
denke, als aufgeschlossenes Unternehmen gibt es keinen anderen
Weg“, ist sie sich sicher. „Die Welt
ist bunt, das bildet sich auch bei
uns ab.“ Gesetzt wird auch auf die
Kompetenzen der Mitarbeiter. Deshalb bildet der Betrieb selber aus
und ist auch hier offen für Besonderheiten. So hat im vergangenen
Herbst ein junger Mann mit Behinderung seine Ausbildung als Feinmechaniker begonnen. „Da sind
wir alle gefordert, aber es wird gelingen.“, sagt sie. Für Wache ist die
beidseitige Bereicherung wichtig.
Auch die Nationalität eines Mitarbeiters ist bei ihnen nicht ausschlaggebend. „Wichtiger ist
Foto: Aye
es mir, ob er die Fachkenntnisse
hat, die wir brauchen, ob er die Maschinen bedienen kann und sich in
das Team einfügt. Dafür ist Toleranz von allen Seiten erforderlich.“
Das Cloudsters in der Lübecker
Innenstadt lebt die Vielfalt in ganz
anderer Weise. Das Großraumbüro
im ehemaligen Posthof ist eine sogenannte Coworking-Einrichtung.
Hier mieten sich Freiberufler und
Selbstständige, aber auch Projektgruppen oder gemeinnützige Vereinigungen einen Arbeitsplatz auf
Zeit.
Vertriebler,
Designer,
Coaches oder auch IT-Spezialisten
arbeiten nebeneinander. So entsteht ein kreatives Miteinander,
wo auch mal gemeinsame Projekte
entstehen.
„Bei uns arbeiten junge StartupUnternehmer neben alten Hasen.
Das ist auch eine Art von Vielfalt“,
sagt Gudrun Neuper. Sie hat hier
nicht nur einen Arbeitsplatz, die
selbstständige Unternehmensberaterin engagiert sich auch im Organisationsteam des aus einem Elternverein hervorgegangenen Arbeitsnetzwerkes.
Schon mehrmals hat das Cloudsters am Diversity-Tag teilgenommen, nun wolle man auch offiziell
die Charta der Vielfalt unterzeichnen. „Das ist längst fällig“, meint
Neuper. Im Cloudsters betrachte
man Diversity hier eher in seiner
Gesamtheit, hat sie festgestellt.
„Dass sich hier Vielfalt finden
kann, ist uns wichtig. Wir haben da
keine Fokussierung auf irgendeiA
nen Teilaspekt.“
DIE WIRTSCHAFT – Fachkräftemangel, demografischer Wandel: In Schleswig-Holstein dürfte es in zehn Jahren 55 000 Beschäftigte weniger geben.
PANORAMA
23
FEHMARNBELTTUNNEL I
Die Entdeckung
der Langsamkeit
Dänemark prescht am Belt voran, Deutschland zögert.
Papier ist geduldig. Das
gilt für Staatsverträge
offenbar ebenso wie für
Architekturpläne:
Zu mehr als zu
Absichtserklärungen auf
Papier sind die
deutschen Planer bei der
Hinterlandanbindung nicht
gekommen.
Von Jessica Ponnath
Bereits 2022 sollte der 17,6 Kilometer lange Eisenbahn- und Auto-Tunnel zwischen dem dänischen Lolland und dem deutschen
Fehmarn eröffnet werden. Doch
mittlerweile rudern Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt
und sein dänischer Amtskollege
Magnus Heunicke vorsichtig zurück: Der Zeitplan ist nicht mehr zu
halten. Die Vorteile des neuen Verkehrsweges durch die Ostsee liegen auf der Hand: die Schaffung einer neuen Wirtschaftsader, ein verbindendes Element der Kulturen,
das Entstehen eines neuen Lebensraumes. Doch warum gerät der Bau
dieses Jahrhundertbauwerks immer wieder ins Stocken?
Während in Dänemark gesellschaftlicher und politischer Konsens darüber herrscht, dass am Fehmarnbelttunnel kein Weg vorbei
führt, ist Deutschland ungleich zögerlicher. Zwei Länder, zwei Mentalitäten. Oder anders gesagt: dänisches Baugesetz contra deutsches
Planfeststellungsverfahren. Entscheidungen über ein Großprojekt
wie die Fehmarnbeltquerung werden in Dänemark effektiv per Gesetzgebungsverfahren getragen.
Anders in Deutschland. Bei uns
gibt es dafür das komplizierte System des Planfeststellungsverfahrens. Step 1: Bauherren legen einen Plan vor. Nächster Schritt: Betroffene wie etwa Anwohner oder
Umweltschützer nennen ihre Einwände. Schritt 3: Diese werden behördlich abgewogen und können
im Schritt 4 von den Betroffenen
vor Gericht angefochten werden.
Erst im Anschluss kann gegebenenfalls eine Baugenehmigung erteilt
werden. Ein komplexes System,
das ungleich mehr Zeit kostet und
sich bis 2020 hinziehen könnte.
Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer setzt auf ein
Maximum an Bürgerbeteiligung,
um „am Ende ein längeres, aber dafür rechtssicheres und bürgerfreundliches Verfahren zu haben,
das für mehr Akzeptanz sorgen
Blick gen Belt: Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer auf der Fehmarnsundbrücke.
Foto: O. Malzahn
So könnte der Tunnelausgang zukünftig aussehen.
Ein Tunnel-Standardelement, wie Femern A/S es plant.
soll.“ Nachvollziehbar: Nach Stuttgart 21, dem Flughafen Berlin Brandenburg oder der Elbphilharmonie
in Hamburg möchte wohl kein Politiker den nächsten Bauskandal im
eigenen Bundesland haben.
Doch es liegt nicht nur an deutscher Zögerlichkeit und dänischem Tatendrang, dass dem bilateralen Vertrag zum Bau des Fehmarnbelttunnels eine unterschiedliche Wertigkeit beigemessen wird.
Nicolaus Lange, Chairman des Fehmarnbelt
Business
Councils
(FBBC): „Deutschland ist von der
Mitte und vom Süden her dominiert. Dort wiegt die Notwendigkeit eines Bauwerks im bevölkerungsschwachen Norden natürlich
nicht sonderlich schwer. Anders in
Dänemark: Die Region Seeland ist
beherrscht von der Hauptstadt Kopenhagen und so von großer ökonomischer Bedeutung.“
Der deutsch-dänische Staatsvertrag von 2008 sieht eine alleinige
Verantwortlichkeit des Königreichs für die Planung, den Bau und
den Betrieb des Tunnels vor. Im Gegenzug übernimmt Deutschland
den Ausbau der Straßen- und Schieneninfrastruktur auf deutschem Gebiet, die sogenannte Hinterlandanbindung. Konkret: Deutschland
hat sich verpflichtet, die Verbindung Fehmarn–Hamburg zu verbessern. Die Bundesstraße E47 zwischen Heiligenhafen und Puttgar-
Visualisierung der zukünftigen Baustelle auf Fehmarn.
Foto: Femern A/S
den soll von zwei auf vier Spuren erweitert werden. Auch die eingleisige Schienenstrecke zwischen Lübeck und Puttgarden wird ausgebaut. Nach Stand der Dinge wird
daraus innerhalb des ehrgeizigen
Zeitplans nichts. Denn ursprünglich wurde nur geplant, dass die Güterzüge zwar künftig aus einer modernen Tunnelröhre auftauchen,
aber in Deutschland zunächst weiter über die alte, nicht elektrifizierte Trasse durch die Ostsee-Badeorte rumpeln.
Auch bei der Hinterlandanbindung ist Dänemark den Deutschen
voraus: Die Autobahn zwischen Kopenhagen und Rødby wurde bereits
2007 fertiggestellt. Was noch folgt,
ist die Elektrifizierung der Bahnstecke zwischen Ringsted und Rødby
sowie ein zweigleisiger Ausbau zwischen Vordingborg und Rødby.
Nicht nur die Zeitkomponente erschüttert das Großprojekt. Auch
der finanzielle Rahmen ist nach
wie vor ungeklärt. Laut Schätzungen erhöhen sich die Kosten – sowohl für den von Dänemark zu bezahlenden Tunnel wie auch für die
deutsche Hinterlandanbindung.
Die Gründe: hohe Preisvorstellungen der Baukonsortien sowie die
Notwendigkeit neuer Bahnstreckenführungen. Allein für den dänischen Tunnelbau fallen jetzt statt
5,5 Milliarden Euro knapp 7,4 Milliarden Euro an, Rückstellungen bereits eingerechnet. Dänemark
hofft, die Kosten der Baukonsortien
herunterhandeln zu können. Die
Gleise in Deutschland schlagen
statt mit 850 Millionen Euro mit
zwei Milliarden Euro zu Buche –
samt Kosten zur Modernisierung
der Sundbrücke. Der Rechnungsprüfungsausschuss fordert mittlerweile die Prüfung einer Neuverhandlung des Staatsvertrags. Bundesverkehrsminister Dobrindt soll
bis Ende September einen neuen
Bericht vorlegen.
Immerhin: Vor wenigen Tagen
haben beide Länder einen gemeinsamen Antrag auf EU-Fördermittel
bei der Europäischen Kommission
A
eingereicht.
DIE WIRTSCHAFT – Nicht nur die zeitliche Komponente erschüttert das verkehrspolitische Großprojekt. Auch der finanzielle Rahmen bleibt ungeklärt.
24
Donnerstag, 9. April 2015
PANORAMA
NEUER CHEF
FEHMARNBELTTUNNEL II
Die Arbeitsagentur
Lübeck hat einen
neuen Leiter
Rückenwind von der Wirtschaft
Wissenschaftliche Befragung von Unternehmern in Norddeutschland, Dänemark und Südschweden.
ben, so der Tenor der Wirtschaftsvertreter.
Die Reisezeit über den Fehmarnbelt verkürze sich auf sieben Minuten mit dem Zug und auf zehn Minuten mit dem Lkw. Eine Zugreise
von Hamburg nach Kopenhagen
wird statt vier Stunden und 33 Minuten nur noch etwa zwei Stunden
und 40 Minuten dauern. Die Befragten rechnen aufgrund der kürzeren
Fahrzeit mit Kosteneinsparungen
auf den Transportwegen und einer
Erhöhung der Produktivität und
Wettbewerbsfähigkeit.
Im erweiterten Einzugsgebiet,
das in den gewohnten Beförderungszeiten erreichbar ist, können
hier wie dort neue Kunden und Lieferanten gewonnen oder Logistikund Produktionsprozesse optimiert
werden. Eine besondere Bedeutung haben die neugeschaffenen
Möglichkeiten für Unternehmen
mit Produktionsstandorten auf beiden Seiten des Fehmarnbelts. Die
Ansiedlung etwa von Lagern, Distributionszentren und den angeschlossenen Servicedienstleistern
würde bereits heute einkalkuliert.
Das dänische
Staatsunternehmen
Femern A/S hat die erste
qualitative Befragung von
über 60 zentralen
Wirtschaftsvertretern in
Auftrag gegeben. Fazit: Die
Unternehmer erwarten vom
Belttunnel entscheidende
Impulse für das Wachstum
Nordeuropas.
Von Jessica Ponnath
Bereits jetzt laufen in der Wirtschaft erste Vorbereitungen. Die einen planen schon eine direkte Beteiligung am Fehmarnbelttunnel,
andere stellen sich langsam auf zu
erwartende Effekte der Querung
ein. Zu diesem Ergebnis kam die
erste qualitative Befragung von Unternehmern im Auftrag von Femern A/S zu den wirtschaftlichen
Effekten des Fehmarnbelttunnels.
Die über 60 befragten Wirtschaftsvertreter aus Norddeutschland, Dänemark und Südschweden erwarten entscheidende Impulse für das Wachstum der gesamten
Region. Zu den interviewten Unternehmen zählen unter anderem die
Hamburger Hafen und Logistik AA
(HHLA), die H. & J. Brüggen KG
aus Lübeck, NetværketSYD ApS
aus Køge in Dänemark oder ScandFibre Logistcs AB aus Örebro in
Schweden. Die Vorstände, Geschäftsführer und Manager der Logistik- und Tourismusbranche sowie des produzierenden Gewerbes
sind davon überzeugt, dass der geplante Tunnelbau konkrete und
spürbare Auswirkungen für ihre
Unternehmen schaffen wird.
Deutschland ist bereits heute
der größte Außenhandelspartner
Dänemarks und Schwedens. Verkürzte Reisezeiten, gleichermaßen verlässliche wie flexible Transportwege und mehr Gütertransport auf der Schiene würden die
Vernetzung der deutschen, dänischen und schwedischen Volkswirtschaft entscheidend vorantrei-
Fotolia, Jennifer Binder, Peter
Mantik, Wolfgang Maxwitat (2)
Auch einem Ausbau des
„Just-in-Time“ Konzepts, einer zeitlich exakt terminierten
Lieferung, würde die neue Verbindung den Weg ebnen. Darauf ist insbesondere die Lebensmittelbranche aufgrund
vieler schnell verderblicher
Produkte angewiesen.
Die Anbindung der Region
an die internationalen Flugund Seehäfen Hamburg und
Kopenhagen würde optimiert
– neue intermodale Verkehrsknotenpunkte könnten entstehen.
Auch im Bereich der Tourismuswirtschaft kalkulieren die
Unternehmer klare Vorteile
und Führungskräfte zu gewinnen.
Auch hier erwarten die Befragten
Erleichterungen.
Einige Unternehmen sehen aber
auch entstehende Nachteile: Die
Betreibergesellschaft des Lübecker Hafens geht zum Beispiel davon aus, zunächst einen Teil ihres
Marktes zu verlieren. Befürchtungen hegt auch die Hotelerie, da kürzere Fahrzeiten mehr Tagestourismus und weniger Übernachtungen
bedeuten könnten. Doch insgesamt offenbart die Umfrage, dass
die Wirtschaft diesseits und jenseits des Fehmarnbelts neue Chancen sieht und diese aktiv ergreifen
A
möchte.
WIEDERGEWÄHLT
Reinhard Sager
geht in die
dritte Amtszeit
Reinhard Sager (56, CDU) bleibt
Landrat des Kreises Ostholstein.
Der Kreistag wählte ihn mit 40 Stimmen für eine dritte, achtjährige
Amtszeit. Der einzige Gegenkandidat, Volkmar Bauer (57, parteilos),
erhielt 18 Stimmen. So endete die
Wahl im ersten Wahlgang mit der
Wiederwahl Sagers.
VERKAUFT
Uthoff hat
seine Augenklinik
abgegeben
„Ich bin ein großer Fan
des Tunnels. Wenn wir die
Chancen wahrnehmen,
profitieren wir alle davon.“
„Die Feste Fehmarnbeltquerung stellt keine
Bedrohung dar.“
„Der Fehmarnbelttunnel
ist ein Geschenk
Dänemarks an
Norddeutschland.“
„Kürzere Wege heißt, dass
wir auch Angebote von
Werbeagenturen in Kopenhagen einholen können.“
David Depenau
Geschäftsführer
Weissenhäuser Strand
Heinrich Beckmann
ehem. Geschäftsführer
Lübecker HafenGesellschaft
Andreas Leicht
Geschäftsführer
Hansa-Park
Johannes Brüggen
Geschäftsführer H. & J.
Brüggen
UNTERNEHMEN
Anzeige
LN Media Agentur
„Wir machen Firmen fit
für den digitalen Wandel“
Die Lübecker Nachrichten Media
Agentur macht Unternehmen fit
für das Internet. „Wir unterstützen
unsere Kunden dabei, ihr Geschäft
zu digitalisieren, sorgen für Sichtbarkeit im Internet und einen sinnvollen Einsatz der wichtigsten Online-Kanäle für Marketing und Vertrieb. Wir machen Firmen fit für
den digitalen Wandel“, antwortet
Torsten Hecker, Geschäftsführer
der Ostsee Information & Medien
GmbH auf die Frage nach dem Leistungskatalog der neuen LN Media
Agentur. „Der Internet-Auftritt einer Firma spielt eine zentrale Rolle,
weil er wie eine digitale Visitenkarte, das Aushängeschild eines Unternehmens im Internet ist. An diesem
Kontaktpunkt trifft digitale Nachfrage auf das Unternehmens-Angebot, weshalb der erste Eindruck einer Website entscheidend ist! Unser Ziel ist es, Verbraucher zielgerichtet durch die Kunden-Websites
zu führen und möglichst viele Besuche in Kundenbeziehungen und
Verkäufe für unseren Klienten umzuwandeln. Neben einer überzeugenden Website-Optik, gehört eine durchdachte Struktur und gute
Nutzerführung dazu.“ Dabei sollte
eine Website nicht nur für die Nutzer ansprechend gestaltet sein.
ein. Lolland-Falster, Südseeland
und Ostholstein, so meinen die Befragten, erfahren mit der neuen
Verbindung unterhalb des Fehmarnbelts eine Steigerung des
Marktpotenzials um mehrere Millionen Besucher pro Jahr. Die großen Freizeitparks in der Region sehen mit der Eröffnung des 18 Kilometer langen Absenktunnels steigenden Besucherzahlen entgegen.
Die feste Querung würde auch
den Einzugsbereich für Pendler erhöhen, so die einhellige Meinung.
Grenzüberschreitende Arbeitnehmer profitieren auf dänischer und
auf deutscher Seite. Für Firmen sei
es heute abseits der Ballungsräume häufig schwer, Akademiker
Im Beisein zahlreicher Gäste aus
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
hat Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der
Bundesagentur für Arbeit, am 26.
März Markus Dusch offiziell die
Leitung der Arbeitsagentur Lübeck übertragen. Er tritt die Nachfolge von Wolfgang Werner an, der
gleichzeitig von ihr in den Ruhestand verabschiedet wurde. Margit
Haupt-Koopmann betonte in ihrer
einleitenden Rede: „Seit Januar
2007 war Wolfgang Werner als
Chef der Arbeitsagentur ein verlässlicher Partner für die Arbeitsmarktakteure in Lübeck und Ostholstein.“
Ebenso wichtig ist die Optimierung hinsichtlich Suchmaschinen.
Das Ziel von Suchmaschinen, wie
beispielsweise Google, ist es, dem
Nutzer relevante Informationen zur
Verfügung zu stellen. Suchmaschinen-Optimierung (SEO) sorgt dafür, dass die eigene UnternehmensWebsite in der Suchergebnisliste
von Google möglichst auf einem der
ersten Plätze angezeigt wird. „Die
LN Media Agentur sorgt für eine gute Informationsstruktur mit passgenauem, für Google optimiertem Inhalt sowie relevanten Link-Empfehlungen. Dies ist das Grundgerüst für
eine optimale Auffindbarkeit im Internet“, erklärt Torsten Hecker das
SEO-Prinzip.
Das Agentur-Team aus Spezialisten im Bereich Webentwicklung,
Usability und SEO gestaltet und optimiert Firmen-Websites, liefert Design, Inhalt, Programmierung und
SEO aus einer Hand. Das Agentur-Portfolio umfasst neben einfachen Online-Visitenkarten auch informative Websites bis hin zu extravaganten Online-Auftritten und
-Shops.
„Selbstverständlich steuern wir
für unsere Kunden auch Anzeigen
über Google, genannt Google AdWords oder SEA. Wenn Nutzer
nach bestimmten Begrifflichkeiten
suchen, werden diese Anzeigen
ganz oben in den Google Suchergebnissen ausgespielt. Durch die
Targeting-Optionen, beispielsweise auf Basis von Orten oder Postleitzahlen, dieses Kanals erzielt der
Kunde eine hohe Treffergenauigkeit und vermeidet Streuverluste,
was die Effizienz seiner Werbemaßnahmen erhöht. Deshalb ist insbesondere das gezielte Targeting, mittels Regionalisierung bei AdWords-Kampagnen wichtig“, ergänzt Torsten Hecker.„Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden
auch Online-Marketing auf Facebook, Xing, Google+ und YouTube. Angefangen bei der Kampagnen-Erstellung bis hin zur Optimierung sind wir ein versierter Partner.“
Torsten Hecker betont: „Wir betreuen kleine und mittelständische
Unternehmen in allen Belangen
der Online-Kommunikation und
des Online-Marketing. Persönliche Beratung und eine klare Zielsetzung sind der Garant für eine erfolgreiche Online-Strategie.“
A LN Media Agentur
www.LN-Media.net
Telefon.: 0451/144 -23 51
Der insolvente Kieler Augenarzt
Prof. Detlef Uthoff hat seine Kieler
Augenklinik Bellevue an eine Investorengruppe um Operateure
der Klinik verkauft. Nach eigenen
Angaben wird die Klinik mit allen
160 Mitarbeitern fortgeführt, sagte
Uthoff. Der Kaufpreis ist unbekannt. Der Gläubigerausschuss
stimmte dem Verkauf bereits einstimmig zu. Mit der neuen Gesellschaft werde eine Kontinuität für
den Klinikbetrieb möglich, sagte
Sachwalter Klaus Pannen. Er bezeichnete den Vorgang als „Ideallösung“ im Sinne von Patienten und
Beschäftigten der Klinik. Der Augenarzt Uthoff streitet sich seit Jahren mit der Stadt Kiel um Steuerforderungen in Millionenhöhe.
GUTER START
Der BesucherBoom im Norden
hält an
Firmen jeder Größe
können mit dem
Team von Torsten Hecker ins digitale ZeitalSchleswig-Holsteins Tourismuster durchstarten.
Foto: LN branche ist mit guten Zahlen in dieses Jahr gestartet. Im Januar kamen 229 000 Übernachtungsgäste
in die größeren Beherbergungsstätten mit mindestens zehn Betten
und damit 5,2 Prozent mehr als im
gleichen Vorjahresmonat, berichtet das Statistikamt. Die Zahl der
Übernachtungen stieg um 7,8 Prozent auf 795 000.
REUIGE SÜNDER
Weiterhin hohe
Zahl von
Selbstanzeigen
In Schleswig-Holstein ist die Zahl
der Selbstanzeigen von Steuerbetrügern weiter hoch. Nach Angaben des Finanzministeriums gingen bereits in den ersten beiden
Monaten des Jahres 120 Anzeigen
ein. 2014 hatte es in Schleswig-Holstein 571 Selbstanzeigen gegeben.
Die damit eingenommenen Mehrsteuern summierten sich 2014 auf
fast 33,6 Millionen Euro.
DIE WIRTSCHAFT – Qualitative Umfrage unter 60 Unternehmern ergibt: Von einer festen Beltquerung erwarten viele positive Impulse.
Donnerstag, 9. April 2015
25
PANORAMA
LN-AKADEMIE
MESSEKALENDER
13. bis 17. April
Hannover
HANNOVER MESSE
Das weltweit wichtigste Technologieereignis
Messegelände Hannover
Hermesallee
30521 Hannover
13. bis 17. April
Hannover
DIGITAL FACTORY
Die internationale Leitmesse für
integrierte Prozesse und IT-Lösungen
Messegelände Hannover
Hermesallee
30521 Hannover
13. bis 17. April
Hannover
ENERGY
Die internationale Leitmesse der
erneuerbaren und konventionellen Energieerzeugung, Energieversorgung, -übertragung und –verteilung
Messegelände Hannover
Hermesallee
30521 Hannover
13. bis 17. April
Hannover
INDUSTRIAL AUTOMATION
Internationale Leitmesse für Prozessautomation, Fertigungsautomation und vernetzte Systeme der
Gebäude- und Produktionsautomatisierung
Messegelände Hannover
Hermesallee
30521 Hannover
14. April
Hamburg
B2B NORD 2015
Deutschlands größte regionale
Wirtschaftsmesse
Messe Halle Hamburg-Schnelsen
Modering 1a, 22457 Hamburg
30. April
Kiel
INNO IT Kiel
Fachmesse für
Informationstechnologie und
Kommunikationssyteme
Sparkassen-Arena
Europaplatz 1,24103 Kiel
6. bis 7. Mai
Hamburg
PERSONAL NORD
Fachmesse für
Personalmanagement
Hamburg Messe und Congress
Messeplatz 1
20357 Hamburg
11. bis 15. Mai
Hannover
HANDWERKSMESSE
HANNOVER
Fachmesse für das
holzverarbeitende Handwerk
Messegelände Hannover
Hermesallee
30521 Hannover
29. bis 31 Mai
Hamburg
TRANSTECH
Fachmesse für Kfz- und
Motorrad-Werkstätte
Hamburg Messe und Congress
Messeplatz 1
20357 Hamburg
3. bis 4. Juni
Neumünster
NORDJOB
Fachmesse für Ausbildung und
Studium
Holstenhalle Neumünster
Justus-von-Liebig-Straße 2-4
24534 Neumünster
16. bis 17. Juni
Lübeck
NORDJOB
Fachmesse für Ausbildung und
Studium
Musik- und
Kongresshalle Lübeck
Willy-Brandt-Allee 10
23554 Lübeck
Veranstaltungen
rund um
den Beruf
3. bis 6. September
Rendsburg
NORLA
(Regionalmesse)
Norddeutsche
Landwirtschafts- und
Verbrauchermesse
Exerzierplatz
24768 Rendsburg
5. bis 6. September
Hamburg
FOOD MARKET
Messe für regionale Produkte aus
der Region
Großmarkt Hamburg
Banksstraße 28
20097 Hamburg
9. bis 13. September
Neumünster
NORDBAU 2015
Die Baumesse im Norden.
Holstenhalle Neumünster
Justus-von-Liebig-Straße 2-4
24534 Neumünster
12. bis 13. September
Hamburg
RAUMTEX NORD
Fachmesse für Raumausstatter,
Heimtex und Wohntrends
Messe Halle Hamburg-Schnelsen
Modering 1a, 22457 Hamburg
19. September
Lübeck
GRÜNES GELD
Messe und Vortragsprogramm
zu ethischen und nachhaltigen
Geldanlage
Musik- und Kongresshalle
Willy-Brandt-Allee 10
23554 Lübeck
4. bis 5. November
Kiel
GEBÄUDE & ENERGIE
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Fachmesse für Energieeffizienz
Cruise Terminal Ostseekai
Düsternbrooker Weg
24105 Kiel
Ob Nordbau in Neumünster oder Nordjob in Lübeck: In der Region stehen
wieder viele Messen und Veranstaltungen auf dem Programm. Foto: Nordbau
VERANSTALTUNGEN
20. April 2015
Lübeck
ENERGIEEFFIZIENTE
LED-BELEUCHTUNG
IHK zu Lübeck
Fackenburger Allee 2
23554 Lübeck
29. April 2015
Ahrensburg
ENERGIEMANAGEMENT–
SYSTEME UND –AUDITS
IHK zu Lübeck, Geschäftsstelle
Ahrensburg, Beimoorkamp 6,
22926 Ahrensburg
22. April
Neumünster
DIGITALES HANDWERK
Erste IT-Messe speziell für das
Handwerk, veranstaltet vom eBusiness-Lotsen Lübeck
Festhalle Neumünster
6. Mai
Lübeck
FORSCHUNG ERFORSCHEN –
BILDER ZUM BEGREIFEN
Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
27. April
Lübeck
E-MOBILITÄTSTAG UND
LÜBECKER KLIMAPREIS
Musik- und Kongresshalle,
Willy-Brandt-Allee 10
23554 Lübeck
21. Mai
Lübeck
HANDWERK DIGITAL
Handwerkskammer Lübeck
Gewerbesaal
Breite Straße 10/12
23552 Lübeck
Die Lübecker Nachrichten Akademie bietet in den kommenden Wochen wieder zahlreiche berufsbezogene Veranstaltungen an.
„Typgerechtes Zeit- und Selbstmanagement“ steht am 25. April
auf dem Programm. In diesem
Workshop analysieren die Teilnehmer ihren bisherigen Arbeitsstil sowie ihren Umgang mit der Zeit. Sie
entwickeln neue, typgerechte Strategien für ihr individuelles Zeitund Selbstmanagement. Sie entdecken ihre persönlichen „Zeitdiebe“ wie auch die Mechanismen ihrer Motivation.
„Das 1 x 1 der Persönlichkeit
(DISG-Modell)“ ist der Titel eines
Seminars am 5. Mai. Die Teilnehmer lernen, durch differenziertes
Führungsverhalten bessere Ergebnisse zu erzielen. Sie erfahren anhand des DISG-Persönlichkeitsmodells ihre Stärken in ihrer Rolle als
Führungskraft und lernen, die Bedürfnisse und die Verhaltensstile
ihrer Mitarbeiter zu erkennen.
Die heutigen Anforderungen an
effektive Führung ändern sich laufend. Die Gestaltung eines wertschöpfenden Miteinanders am Arbeitsplatz, die Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit und die effiziente Lösung von Konflikten gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Funktionierendes,
zwischenmenschliches Miteinander im
Team und mit Kollegen ist unersetzlich. Vor diesem Hintergrund können können Seminarteilnehmer
am 6. und 7. Mai „Effektiv führen
mit dem Leader Effectivenes Training (LET) nach Thomas Gordon“
lernen.
Alle Veranstaltungen finden im
Verlagsgebäude der Lübecker
Nachrichten statt. Weitere Informationen unter www.ln-akademie.de.
Hoffnung auf 2016
Negatives Betriebsergebnis
Entscheidung erst im Sommer
Die Eröffnungsträume für den
Fischerei Erlebnishof in Hemmelsdorf sind geplatzt.
Das Jahr der vollständigen Eröffnung lief für
das Weissenhaus-Resort nicht so gut wie erhofft.
Die Hochschulen hoffen weiter
auf 30 Millionen Euro extra.
Die Eröffnungsträume für den Fischerei Erlebnishof in Hemmelsdorf sind geplatzt: Angesichts des
am See geplanten Restaurantbetriebs mit Terrasse und Außensitzplätzen erfordert das private Bauvorhaben eines Anwohners einen
besonderen Lärmschutz. Dessen
Umsetzung aber konnte noch nicht
abschließend geklärt werden. Bereits im vergangenen Herbst hatten Fragen zum Lärmschutz und
zum Grenzabstand bei den Verhandlungen mit einer anderen Eigentümergemeinschaft zu Verzögerungen geführt.
Zuletzt wurde für die Eröffnung
der auf dem Gelände der ehemaligen Fischräucherei Schierbaum
entstehende Anlage am und auf
dem Hemmelsdorfer See der Mai
angepeilt. Nun bleibt für das
2,7-Millionen-Euro-Projekt
nur
noch die Hoffnung auf 2016.
600 000 Euro Verlust – das ist das
Ergebnis für 2014 im WeissenhausResort. Das Jahr der Volleröffnung
(Juli 2014) lief für die Luxus-Einrichtung damit nicht so gut wie erhofft: Statt der erwarteten knapp
sechs Millionen Euro Umsatz waren es nur 4,1 Millionen.
Dennoch zeigt sich Geschäftsführer Gerald Henningsen zufrieden.
„Anlaufverluste sind ganz normal“, sagt er. Für 2015 rechne er
mit ersten Gewinnen. Die Auslastung des „Grand Village Resort &
Spa am Meer“ lag 2014 laut Henningsen bei durchschnittlich 40 Prozent. „Das ist schon einmal nicht
schlecht.“
Heftig zurückgeworfen habe das
Resort vor allem ein Wasserschaden im August: Der gesamte SpaBereich sei daraufhin aufgrund der
beschädigten Elektronik über Wochen nicht nutzbar gewesen.
Im Streit um zusätzliche Millionen
für die klammen Hochschulen im
Land haben sich deren Präsidenten
mit dem Kieler Wissenschaftsministerium jetzt immerhin schon einmal auf einen Zeitplan geeinigt.
Bis 30. Juni werde entschieden,
wie das Budget der Hochschulen
dauerhaft um 30 Millionen Euro angehoben werden kann, sicherte
SPD-Wissenschaftsstaatssekretär
Rolf Fischer bei einer Tagung der
MILCHQUOTE
Kein Unterschied?
Die Quote ist weg – die Bauernverbände sehen keinen Grund zur Sorge.
Die Milchquote sollte vor
Überproduktion und
Sturzflugpreisen schützen.
Jetzt ist sie weg.
Von Oliver Schulz
Bundeslandwirtschaftsminister
Christian Schmidt (CSU) bewertete den Wegfall der Milchquoten bereits im Vorwege „sehr optimistisch“. „Die Aussichten sind für die
Milcherzeuger, insbesondere auch
für die deutschen, sehr gut“, sagte
Schmidt im März in Brüssel.
Die Milchmengen in Europa waren seit mehr als 30 Jahren gedeckelt, um Überproduktion zu verhindern. Diese Begrenzung ist Anfang des Monats ausgelaufen. Vor
allem kleine Landwirte fürchten
aber zum Teil fallende Preise.
Die gibt es aber im Norden weniger. Die Milchviehbetriebe in der
Region sind im Schnitt deutlich größer und arbeiten kostengünstiger
als kleinere Betriebe im Süden. In
Schleswig-Holstein liegt die durchschnittliche Bestandgröße bei etwa
85 Milchkühen je Betrieb.
Doch ob der Norden weniger betroffen sei als der Süden, hänge
vom Blickwinkel ab, sagt Peter
Koll, Geschäftsführer der Kreisbauernverbände Herzogtum Lauenburg und Stormarn. Die Molkereien in der Region hätten sich als Vermarktungsunternehmen
darauf
eingestellt, mehr Milch zu verarbeiten und zu vermarkten: „Dazu sind
in Arabien, Asien und Russland sogar eigene Vertriebsstellen oder
Büros eingerichtet worden.“ Im Süden sei dagegen der Handel mit anderen EU- Staaten von Bedeutung.
„Sollte nun die Milcherzeugung in
Italien stark steigen, wäre sicher
Süddeutschland negativ davon betroffen. Dass kann ich aber nicht
vorhersehen.“
Koll erwartet generell für die
Milchpreise in der Zukunft zunehmende Schwankungen: „Ähnlich
wie bei Schweinefleisch könnte erwartet werden, dass die Preise sich
in Zyklen je nach Angebot und
Nachfrage entwickeln.“ Der Milchpreis sei dabei von vielen Faktoren
abhängig, der Weltmarkt spiele eine große Rolle: „Der internationale
Handel hat in den vergangenen
Jahren an Bedeutung gewonnen.
Der Handel mit Russland, aber
auch mit anderen Drittländern, etwa dem Mittelmeerraum aber auch
China, hat stark zugenommen.“
Daher sei eine europäische oder nationale Mengenbegrenzung auch
nicht mehr zeitgemäß.
Auch Peter Lüschow, Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, weist auf die internationalen Märkte hin: „Wir sind
doch seit Jahren am Weltmarkt beteiligt – und der ist offen. Wie sich
die Preise entwickeln, hängt von
der globalen Wirtschaftsentwicklung ab. Wenn sich die Lage in den
Krisenregionen der Welt stabilisiert, bin ich zuversichtlich, dass unsere Bauern weiter gut wirtschaften können.“
In Zeiten der Globalisierung sei
es deshalb, so Lüschow, aber auch
Unfug, über den Einzelhandel zu
A
schimpfen.
Wir sind im Marketing
Club, weil wir hier Erfolg
versprechende Ideen aus
erster Hand bekommen.
Britta Herbst und Sven Olaf Maack,
Marketing, Dräger
Über 260 Profis
in einem Netzwerk in der Region
Lust auf lebendigen Austausch, tolle Locations, Wissenstransfer, inspirierende Vorträge und spannende
Veranstaltungen? Neugierig? www.mc-hl.de
DIE WIRTSCHAFT – Im Überblick: Die wichtigsten Messen und Termine in den kommenden Monaten in unserer Region.
Hochschul-Kommission zu. Dass es
zu einer dauerhaften Erhöhung unabhängig von der Fortschreibung
des Hochschulpakts kommen müsse, stehe außer Frage.
Unklar sei zwischen SPD-Wissenschaftsministerin Kristin Alheit
und Grünen-Finanzministerin Monika Heinold noch, ob bereits im
Nachtragshaushalt 2015 oder erst
ab 2016 mehr Geld bereitgestellt
wird.
26
Donnerstag, 9. April 2015
RUND UMS FIRMENGEBÄUDE
UNTERNEHMEN
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PHOTOVOLTAIK
Solaranlagen
häufiger prüfen
Haack & May
Dauerhafte Lösungen für die Einfriedung
Zaunsysteme von Haack & May
sind nicht nur optische Hingucker,
sie sind auch extrem Widerstandsfähig und schaffen ein hohes Maß
an Sicherheit. „Unsere Tore und
Einfriedungen aus verzinktem
Stahl oder Edelstahl mit einer hochwertigen Pulverbeschichtung bestechen durch eine lange Lebensdauer und erfordern wenig Pflegeaufwand“, sagt Marc Matthiessen,
Geschäftsführer des Lübecker Traditionsunternehmens Haack &
May.
Dabei können die Kunden aus einer Vielzahl von Möglichkeiten
wählen. Damit der Zaun auch perfekt zum Gebäude oder Haus
passt, bietet Haack & May eine umfassende Beratung vor Ort an. Am
Ende sollte immer ein harmonischer Gesamteindruck stehen, so
Matthiessen. Das gilt auch für die
Einfriedung von Geschäftsobjekten und Produktionsstätten.
Der Sicherheitsaspekt sollte bei
der Wahl einer Einfriedung nicht
zu kurz kommen. Qualitätszäune
mit einer verborgenen Sicherheitstechnik lassen Eigenheimbesitzer
und Firmeninhaber gleichermaßen
beruhigt schlafen. Einfriedungen
und Toranlagen bieten Schutz, signalisieren die Grenzen des Betriebsgeländes oder Privatgrundstückes und verhindern unerwünschten Zugang.
In dem traditionsreichen Familienbetrieb Haack & May werden
Tore, Türen, Zaunfelder und Geländer mit höchster Präzision
durch
eine
hochmoderne
CAD-Technik gefertigt – vom einfachen Maschendrahtzaun über
Exaktes Arbeiten und punktgenaues Schweißen machen die Zäune und Gitter von Haack & May zu langlebigen, schönen und funktionstüchtigen Elementen.
Foto: pp
ion
Von der ViPsrojekt.
zum
2800
Referenzen
im Industrie- und Gewerbebau
Doppelstabgitter bis hin zum exklusiven schmiedeeisernen Einzelstück. Verarbeitet werden überwiegend Edelstahl und Aluminium. Schiebetore und Drehflügelanlagen werden mit dem passenden Elektromotorenantrieb geliefert und verbaut. Die Elektroanschlüsse werden von einem Torelektroniker hergestellt, der die
Kunden auch in die Bedienung
einweist. Neben moderner Technik spielt aber bewährte Handarbeit in der firmeneigenen Schlosserei eine wichtige Rolle. Bestausgebildete Schweißfachleute mit
großer Erfahrung stehen für Produkte von hoher Qualität.
Jetzt ist aber auch die beste Zeit,
um sich von seinem unansehnlichen Jägerzaun zu trennen. Wer
hat schon Lust und Zeit, sich unter
der Frühjahrssonne mit Lasuren,
Farbe und zerbröselnden Holpfählen herumzuquälen. Die Alternative ist ein pflegeleichter und korrosionsbeständiger Stahlzaun der Firma Haack & May.
„Alles aus einer Hand“, lautet
das Motto des Meisterbetriebes.
Dazu gehören der Abbau und die
Entsorgung alter Zaunanlagen
oder Hecken, der Freischnitt der
Zauntrasse und die erforderlichen
Boden- und Pflasterarbeiten. Und
wer dann doch nicht auf seinen
Holzzaun verzichten möchte, ist
bei Haack & May ebenfalls an der
richtigen Adresse. Denn die Metallexperten können auch in Holz.
Der Bundesverband gibt wichtige Tipps für Betreiber.
Photovoltaikanlagen
können die Bilanz deutlich
entlasten. Die Anlage
muss aber einwandfrei
funktionieren, um viel aus
den Sonnenstrahlen
herauszuholen.
Besitzer sollten regelmäßig die Module auf dem Dach überprüfen, rät
der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) in Berlin. Das
geht in vier Schritten:
1. Stimmt der Ertrag?
Der Besitzer einer Anlage sollte immer mal wieder auf den Stromzähler schauen. Er verrät, wie viel Energie die Photovoltaik-Anlage er-
zeugt. Auch der Wechselrichter
zeigt die aktuelle Anlagenleistung
an, an einigen Modellen oder mit
Hilfe spezieller Zusatzgeräte geht
das auch über einen längeren Zeitraum. Liegt die Leistung der Anlage deutlich unter dem Erwartbaren
oder produziert die Anlage gar keinen Strom mehr, sollte ein Experte
gerufen werden. Das ist oft der Betrieb, der die Anlage installiert hat.
Es muss aber nichts kaputt sein,
auch Schmutz auf den Modulen
kann den Ertrag senken.
lar rät: Die Module vom Boden aus
fotografieren und die Bilder am
Computer vergrößert anschauen.
Stehen Module vor, sind sie verrutscht oder gebrochen, sollte der
Fachinstallateur gerufen werden.
2. Sind die Module kaputt?
Der Herbst und Winter hat seine
Spuren hinterlassen: Schnee lag auf
der Anlage, Wind hat an ihr gezogen, Äste und Laub sind darauf gelandet. Daher sollten die Besitzer
die Anlage auf Schäden überprüfen. Selbst auf das Dach zu steigen,
ist aber zu gefährlich. Der BSW-So-
4. Wird alles herausgeholt?
Bei der Inbetriebnahme misst der
Installateur die volle Funktionstüchtigkeit einer Photovoltaikanlage. Spätestens alle vier Jahren
sollte das wiederholt werden.
Denn so können nicht sichtbare
Mängel gefunden werden, etwa
Kabelschäden.
3. Liegt Schmutz auf der Anlage?
In der Regel schwemmt Regenwasser den meisten Schmutz von den
Modulen. Aber Vogelkot und Blütenpollen können hartnäckig haften. In so einem Fall sollte der Besitzer Profis zu Hilfe rufen.
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Donnerstag, 9. April 2015
27
PANORAMA
TEAMBUILDING
Für mehr Wir-Gefühl
Teambuilding-Aktionen im Überblick.
ßend beim Rennen gleich mal testen.
Das Richtige für: Frisch zusammengestellte Teams, die sich beim
gemeinsamen Schaffen kennenlernen können.
Wie aus einem Haufen
bunt zusammengewürfelter
Mitarbeiter eine
schlagkräftige Abteilung
machen? Eine
Teambuilding-Aktion muss
her. Das Angebot reicht
vom Seifenkisten-Rennen
bis zum Survival-Camp.
Ein Floß bauen
Die Idee: Seifenkisten sind etwas
für Kinder? Es geht auch eine Nummer größer: Mitarbeiter bekommen Schwimmkörper, Balken und
Seile und müssen daraus ein Floß
zimmern, erklärt Johannes Herrmann von der Agentur Show World
Event. Danach geht es aufs Wasser
zum Praxistest: Schwimmt das Floß
auch wirklich? Die Teams liefern
sich dann ein Rennen, am Ende
wird die Flagge der Sieger gehisst.
Das bringt es: Damit ein tragfähiges Floß herauskommmt, sind Zusammenhalt und Kreativität im
Team gefragt, erklärt Herrmann.
Jede Person kann sich einbringen.
Einige übernehmen etwa das
Handwerkliche, andere die Planung: Wie groß muss das Floß sein,
damit alle darauf passen?
Das Richtige für: Outdoorfans.
Wasserscheu darf man natürlich
auch nicht sein.
Von Tobias Schormann
Stimmt die Chemie im Team, läuft
es auch mit der Arbeit rund. Doch
wie schaffen Arbeitgeber es, einer
Abteilung mehr Wir-Gefühl zu vermitteln? Hierfür gibt es inzwischen
ein breites Angebot an Aktionen.
Einige Ideen im Überblick:
Survival-Training
Die Idee: Wie mache ich ein Feuer?
Wie baue ich aus einer Plane ein
Zelt? Wie behalte ich im Wald die
Orientierung? Solche Dinge lernen
Berufstätige bei einem Outdoortraining. Zurück zur Natur ist hier das
Motto. Würmer essen gehört aber
nicht dazu. „Das ist kein Dschungelcamp“, erklärt die Eventmanagerin Janina Bartz.
Das bringt es: Zum einen kann
der Wechsel vom Schreibtisch ins
Grüne für frischen Wind sorgen.
Schreibtischtäter müssen sich einmal in ungewohnter Umgebung beweisen. Damit es dabei gemütlich
wird, müssen alle mit anpacken.
„Das funktioniert nur als Team“,
sagt Bartz. Wenn die Gruppe nicht
frieren will, darf sich zum Beispiel
keiner zu schade sein, Holz zu sammeln. Das zeigt: Für den gemeinsamen Erfolg ist jeder auf den anderen angewiesen.
Das Richtige für: Alle, die früher
gern bei den Pfadfindern waren
oder gewesen wären. Auf den häuslichen Komfort zu verzichten, gefällt aber nicht jedem und führt an
Grenzen.
GPS-Schnitzeljagd
Die Idee: Die Mitarbeiter teilen
sich in Teams auf und gehen mit
Hilfe von GPS-Daten auf Schatzsuche. Bei den angegebenen Geodaten gilt es, den nächsten Hinweis zu finden und Rätsel zu knacken, um weiterzukommen. Wer
als Erster den Schatz findet, hat
gewonnen.
Das bringt es: So ein Wettbewerb weckt den Ehrgeiz der Mitarbeiter, erklärt Bartz. Dabei können sich neue Strukturen bilden:
Auch der Azubi kann sich einbringen, wenn er eine gute Idee für
die Lösung eines Rätsels hat. Das
macht Mut, auch später Initiative
zu zeigen.
Das Richtige für: So eine Aktion ist nicht nur etwas für Nerds
Beim House Running spazieren Mitarbeiter – mit Spezialgurten gesichert – die Fassade eines Hochhauses herunter.
und Technikfreaks, sagt Bartz.
Der Erfolg ist aber wetterabhängig: Bei Regen macht es nur halb
so viel Spaß, draußen stundenlang auf Schatzsuche unterwegs
zu sein.
Klettern im Hochseilgarten
Die Idee: Im Hochseilgarten müssen Mitarbeiter in luftiger Höhe
Hängebrücken und andere Hürden überwinden. Angst braucht
keiner zu haben: Teilnehmer sind
an Seilen gesichert. Ans Ziel
kommt die Gruppe nur mit Körperbeherrschung und effektivem
Krafteinsatz,
erklärt
Jochen
Schweizer von der gleichnamigen
Eventfirma. Dabei ist eine Mischung aus Konzentration, Mut
und Geschicklichkeit nötig.
Das bringt es: Die Teams lernen,
Widerstände abzubauen und ihre
eigenen Ängste zu kontrollieren,
erklärt Schweizer. Das stärkt Teilnehmer für den Arbeitsalltag.
Das Richtige für: Für alle, die
hoch hinaus wollen.
Das Richtige für: Auch Unmusikalische können hier heimliche Talente entdecken. Ist ebenfalls für
größere Gruppen geeignet.
Eine Band gründen
Die Idee: Einmal zum Rockstar werden? Davon träumen viele. Bei dieser Aktion der Erlebniswelten Gruppe können sich Mitarbeiter einen
Tag lang als Musiker versuchen. Sie
gründen eine Band und bekommen
von Coaches die wichtigsten Griffe
an ihren Instrumenten gezeigt. Am
Ende gibt es ein Konzert – und bestenfalls jubeln die ersten Fans.
Das bringt es: Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente sollen Mitarbeiter ein besseres Verständnis für die Aufgabenund Rollenverteilung bekommen.
Und durch den Spaß an der Sache
wächst die Gruppe den Angaben
nach enger zusammen.
Kochen
Die Idee: Teamgeist geht durch den
Magen – das ist die Idee beim gemeinsamen Kochen. Dabei bereiten
Mitarbeiter ein mehrgängiges Menü zu und teilen sich Aufgaben auf.
Anschließend wird gegessen, was
alle zusammen zubereitet haben.
Das bringt es: Der eine schneidet das Gemüse, während der
Kollege den Kochlöffel schwingt
– beim Kochen erfüllt jedes Teammitglied eine Aufgabe und trägt
auf diese Weise dazu bei, dass
am Ende ein Menu entsteht, erläutert Jochen Schweizer. Das fördere nicht nur den Teamgeist,
sondern auch die Kommunikation untereinander.
Foto: jochen-schweizer.de/dpa
Das Richtige für: eine Tagung
oder auch die Weihnachtsfeier.
Seifenkistenrennen
Die Idee: Zuerst wird gehämmert
und geschraubt. Aus Holz und anderen Materialien müssen die Mitarbeiter Seifenkisten bauen.
Dann startet das Rennen, bei einigen Anbietern sogar inklusive
Stopp in einer Boxengasse mit
Fahrer- und Reifenwechsel. Nicht
nur Fahrkönnen zählt dabei – bei
einer Eventagentur messen sich
auch Konstruktions- und Designteams.
Das bringt es: Der Arbeitsalltag
vieler Berufstätiger ist von der digitalen Welt geprägt, erklärt Jochen
Schweizer. Da ist es eine willkommene Abwechslung, mal etwas
mit den eigenen Händen zu erschaffen. Wie gut das Zusammenspiel dabei lief, kann man anschlie-
Am Abgrund
Die Idee: Beim House Running
spazieren Mitarbeiter - an Spezialgurten gesichert – Schritt für
Schritt an der Fassade eines Hochhauses entlang in Richtung Erde.
Noch krasser: Base Flying. Hier
fliegen Teilnehmer, angeseilt an
eine Spezialkonstruktion, vom
Dach eines Hauses und werden
erst in letzter Sekunde automatisch abgebremst.
Das bringt es: Teams lernen laut
Jochen Schweizer, die eigenen
Grenzen zu überwinden und Willensstärke zu beweisen. Das stählt
auch für den Büroalltag.
Das Richtige für: Gut als Rahmenprogramm bei Tagungen
Schwindelfreie gehen die Sache
A
wahrscheinlich lockerer an.
Im Hochseilgarten werden in luftiger
Höhe Hindernisse überwunden.
Außergewöhnlich. Wirkungsvoll. Spektakulär.
“Alle Mann an Bord!”
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28
Donnerstag, 9. April 2015
PANORAMA
GETRÄNKEINDUSTRIE
Es brodelt in der Branche
Craft-Biere erobern den Markt, alternative Brauereien schießen wie Pilze aus dem Boden. Eine traditionelle Industrie ist plötzlich in Bewegung.
Schon lange machen
Kleinbrauereien den
großen Anbietern
Konkurrenz. Doch nun
erobern alternative Biere
breite Kundenschichten.
Die Branchenriesen sind
aufgeschreckt – und
versuchen Marktanteile zu
sichern.
Von Oliver Schulz
Das Ausmaß des Booms hat selbst
den Insider überrascht: „Ich war
auf der Internorga“, berichtet Marcus Gutzeit. „Da waren gleich dreißig Brauereien, die sich organisiert
hatten, um Craft-Biere zu vermarkten.“ Das wäre vor wenigen Jahren
noch undenkbar gewesen, meint
der Inhaber des Brauhauses in Eutin.
Gutzeit weiß, wovon er spricht.
Vor 15 Jahren hat er die Brauerei
samt Gastronomie am Eutiner
Markt übernommen. Seither produziert er dort mit einem Mitarbeiter
vor allem drei Sorten – ein Pils, ein
Rotbier und ein Tafelbier. Außerdem saisonbedingt Weizen, Maibock und Winterbock. 650 Hektoliter fließen im Jahr durch die Schläuche des Hauses. Hopfen und Malz
bekommt er aus Bamberg. „Und
selbstverständlich brauen wir nach
dem Reinheitsgebot.“
In Schleswig-Holstein gibt es etwa zehn Gasthof-Brauerein wie die
in Eutin. So wirbt etwa das „Brauberger“ damit, Lübecks Jahrhunderte alte Brautradition zu pflegen.
Außerdem stellen im Land zahlreiche Privat- und Hobbybrauer ihre
eigenen Getränke her.
In Deutschlands Großstädten dagegen ist in den vergangenen Jahren eine alternative Bierbrauerszene entstanden. Aus den USA ist der
Trend der Craft-Biere herübergeschwappt – der handwerklich erzeugten Gourmetgetränke. Sie
werden in kleinen Brauereien nach
eigenen Rezepten produziert.
Wie viele kleine Brauereien es in
Deutschland gibt, ist unbekannt.
Der Berliner Bierexperte Peter Eichhorn und Autor des Fachblatts „Mixology“ schätzt ihre Zahl im „Spiegel“ auf mehr als hundert Marken
– Tendenz rapide steigend.
Hamburg ist neben Berlin. So
führte die 2012 wiederbelebte Hamburger Marke Ratsherrn den Begriff
„Craft Beer“ erstmals als Marketingkonzept in Deutschland ein. Im
Schanzenviertel setzt Ratsherrn auf
die Craft Beer Days und eröffnete
vor zwei Jahren das Brauereigasthaus „Altes Mädchen“.
Diplom-Ingenieur für Brauwesen, Biersommelier und Brauereiberater: Oliver Wesseloh ist einer der Trendsetter der Branche. Kleine Brauerein in den USA haben ihn inspiriert. Fotos: Kreativbrauerei (2) / os
Dort präsentiert Bier-Sommelière Sophia Wenzel die Welt der alternativen Biere. Über 60 Biere werden angeboten – alles Craft-Biere.
Zusätzlich gibt es wechselnde „Biere der Woche“, saisonale Biere und
Bierstiele.
„Der deutsche Biermark ist wie
wir alle wissen rückläufig“, sagt
Wenzel. „ Allerdings nur bei den sogenannten ,TV-Bieren’. Die großen Brauereien hätten zu lange auf
Masse statt Klasse gesetzt. Unter
dem Aufkauf kleiner Brauerein
durch – teilweise – internationale
Konzerne habe die Qualität gelitten: „Einheitliche Rezepturen und
Inhaltsstoffe von niedriger Qualität
und Zusatzstoffe wurden verwendet. Die sind zwar nach dem Reinheitsgebot nicht verboten, allerdings weit weg von einem naturbelassenen Frischeprodukt. Ziele
hier ganz klar: höhere Gewinne.“
Ähnlich argumentiert Oliver
Wesseloh, der in Hamburg die
Kehrwieder Kreativbrauerei be-
treibt. Hinter dem Trend zum
„Craft“-Bier stecke schlicht ein
Mangel an Auswahl, sagt er: „Ich
kenne viele Leute, die dem Bier im
Laufe der Jahre den Rücken gekehrt haben und die lieber Wein getrunken haben, weil ihnen Bier zu
langweilig wurde“, so der Diplom-Ingenieur für Brauwesen,
Biersommelier und Brauereiberater. „Ihnen fehlte die Vielfalt, Bier
ist im Laufe der Jahre zu einem relativ geschmacksneutralen Einerlei
verkommen.“
Wesselloh bietet an der Elbe derzeit ein Style Lager, ein Single Hop
India Pale Ale und ein Jahrgangsbier an. „Wir deutschen Brauer entdecken gerade wieder, was wir alles können“, sagt er. „Die neu aufkommende Kreativität und die Wiederbelebung der Biervielfalt ist einfach großartig. Nun bekommt Bier
endlich wieder die Wertigkeit, die
es verdient.“ Viele in der Bierbranche müssten jetzt neu lernen, wie
echte Bierkultur gelebt werden
Marcus Gutzeit produziert in Eutin vor allem drei Biersorten: Pils, Rotbier und Tafelbier – derzeit 650 Hektoliter jährlich.
kann. „Dafür müssten Bierlieferverträge eingestellt werden, das Verramschen mit Rabattaktionen muss
aufhören.“
Das Reinheitsgebot ist für Wesselloh dabei ähnlich wie für Sophia Wenzel eher Makulatur:
„Das Reinheitsgebot, wie es in der
Werbung gerne dargestellt wird,
existiert so nicht“, sagt der Hamburger Bierenthusiast, den die Arbeit mit kleinen Brauern in den
USA zur Gründung des eigenen
Unternehmens inspiriert hat: „Wir
Brauer müssen uns in Deutschland
an das vorläufige Biersteuergesetz
von 1993 halten. Und mit Reinheit
hat das nicht mehr viel zu tun.“
Denn laut dem Gesetz sei vieles erlaubt – bis auf den Einsatz von
Früchten oder Kräutern und Gewürzen in ihrer natürlichen Form.
„Daher fände ich es an der Zeit,
das sogenannte Reinheitsgebot
hin zu einem Natürlichkeitsgebot
zu überarbeiten.“
Der Trend zum handwerklich
produzierten Bier für Genießer
werde sich jedenfalls fortsetzen,
glaubt Wesseloh. Wenn er auch
nur einen gewissen Marktanteil erreichen könne: „Das KreativbierSegment wird kontinuierlich wachsen und es wird in naher Zukunft sicher eine vielfältige und kreative
Bierszene in Deutschland geben.
Aber es wird immer eine Nische
bleiben.“
Was ihn fasziniere sei, dass es eine „konsumentengetriebene Bewegung“ sei: „Ich habe privat und
als Brauer und Biersommelier
schon viele Leute getroffen, die
zum ersten Mal charaktervolle Biere getrunken haben, bei denen der
Funke sofort übergesprungen ist
und die ihre Gastronomen und Einzelhändler dazu motiviert haben,
ein breiteres Bierangebot anzubieten. Wenn die Entwicklung so weitergeht, bin ich mir sicher, dass
das Segment mittelfristig fünf Prozent des deutschen Biermarktes
einnehmen wird.“
Von solchen Dimensionen ist
durchaus auszugehen. Denn tatsächlich haben auch die Großen
der Branche, die sich zuletzt immer
mehr auf wenige Anbieter konzentriert hat, lange reagiert. Die Radeberger Gruppe etwa bietet
Craft-Biere unter dem Label Braufactum in Supermärkten an, Bitburger ist mit der Marke Craftwerk
Brewing am Markt. Maisel setzt
auf Maisel & Friends, um den
Trend auszuschöpfen.
Wie auch immer sich die Branche entwickeln wird, der alteingesessene Eutiner Brauer Marcus
Gutzeit begrüßt die derzeitige Dynamik auf dem Biermarkt. „Das ist
eine Aufwertung.“ Bier aus kleineren Brauereien schmeckten nicht
nur besser. „Wir machen unser Produkt auch nicht haltbar“, sagt er.
„Der Unterschied zwischen seinem Bier und dem der großen
Brauerein sie wie der zwischen
H-Milch und Vollmilch: „Unseres
ist viel gesünder.“
A
In der Kreativbrauerei in Hamburg werden derzeit ein Style Lager, ein Pale Ale und ein Jahrgangsbier gebraut.
DIE WIRTSCHAFT – Internationale Konzerne haben in den vergangenen Jahrzehnten kleine Brauereien aufgekauft. Jetzt schlagen alternative Brauer zurück.
– Anzeigen Sonderveröffentlichung –
Wirtschaftsstandort
OSTHOLSTEIN
SÜD
Kiel
Malente
Eutin
Scharbeutz
Ahrensbök
nsbök
Bad Schwartau
Lübeck
Lüb
üb k
Firmen-Outfit
als Visitenkarte
Wirtschaftsförderung
für die Region
Eutin auf
Zukunftskurs
Die Heinzmann workfashion hat sich auf
professionelle Berufskleidung spezialisiert.
Ein Webshop bietet Betrieben individuelle
Serviceleistungen. . . . . . . . . . . . . . Seite 10
Die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein
EGOH arbeitet als regionale Wirtschaftsförderung und bietet Ansprechpartner für
alle betrieblichen Fragen. . . . . .Seiten 2–4 und 9
Die Landesgartenschau ist erst der Anfang.
Dahinter steht das Integrierte Stadtkonzept,
das Eutin künftig stärker als Oberzentrum
markiert. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seiten 6–7
2
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WIRTSCHAFTSSTANDORT OSTHOLSTEIN
Donnerstag, 9. April 2015
Wirtschaftsförderung mit der EGOH
Seit fast 40 Jahren ist die EGOH der erste Ansprechpartner für die Ansiedlung
und Entwicklung junger oder bereits etablierter Unternehmen im Kreis Ostholstein.
Die Förderung der Wirtschaft
und damit einhergehend die
Schaffung und Sicherung von
Arbeitsplätzen hat im Kreis
Ostholstein einen hohen Stellenwert. Um auf diesem Gebiet flexibel und unbürokratisch agieren zu können, entschlossen sich der Kreis Ostholstein, die ehemalige Landesbank Schleswig-Holstein
und die ehemalige Kreissparkasse Ostholstein bereits im
Jahr 1975 hierfür eine spezielle Wirtschaftsförderungsgesellschaft zu gründen, die seither unter dem Namen Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH (kurz: EGOH) firmiert. Um die EGOH noch
wirtschaftsnäher zu positionieren, wurde der Gesellschafterkreis auf Wunsch des Kreises
Ostholstein 1996/97 deutlich
erweitert (siehe Infoblock
rechts).
Gewerbegebiete
Ursprüngliche Aufgabe der
EGOH war es zunächst, gemeinsam mit den Städten und
Gemeinden des Kreises Ostholstein bedarfsgerechte Gewerbe- und Industriegebiete
zu entwickeln und zu vermarkten. In der Regie der
EGOH sind seither kreisweit
17Gewerbe- und Industriegebiete in unterschiedlicher Größenordnung entstanden, die
alle erfolgreich vermarktet
werden konnten. Gelungene
Beispiele sind die Gewerbeparks Neustädter Bucht und
Holsteinische Schweiz sowie
das geplante Gewerbegebiet
Oldenburg-Gremersdorf.
One-Stop-Agency
Bei Unternehmensansiedlungen und -erweiterungen
übernimmt die EGOH die
Funktion einer sogenannten
One-Stop-Agency, indem sie
nicht nur die benötigten Gewerbegrundstücke
bereitstellt, sondern den Unternehmen bei Bedarf als neutrale
Vermittlerin bei der Beschaffung aller erforderlichen behördlichen Genehmigungen
zur Verfügung steht.
Parallel hierzu hat die
EGOH einen Unternehmensservice etabliert, der – im Netzwerk mit den Förderinstituten
des Landes Schleswig-Holstein sowie den Sparkassen
und Banken – heute eine anerkannte Anlaufstelle für alle
Unternehmen ist, wenn es umFragen der Unternehmensfinanzierung, der Unternehmensnachfolge, der Krisenbewältigung oder ähnliche Fragestellungen geht.
EGOH-Gesellschafter
Seit 1997 besteht der Gesellschafterkreis der EGOH aus
D Kreis Ostholstein
D Sparkasse Holstein
D Kreisansässigen Volks- undRaiffeisenbanken
D Investitionsbank SchleswigHolstein
D Kreishandwerkerschaft
D Unternehmensverband Ostholstein Plön
D Deutscher Gewerkschaftsbund
Unternehmensservice
Die Berater der EGOH unterstützen Unternehmen in allen Fragen der beruflichen
Selbstständigkeit. Konkret
leisten sie zum Beispiel Unterstützung bei der Erstellung eines
Gründungskonzeptes
und bei der Vorbereitung auf
Bankgespräche. Sie geben Informationen über Fördermöglichkeiten und stellen Kontakte zu Fördermittelgeber her.
Darüberhinaus kann die
EGOH konkret freie Gewerbeflächen und Gewerberäumlichkeiten nachweisen.
Gründerförderung
Von der Wirtschaftsförderung verstärkt aufgegriffen
wurde ab den1980er-Jahren
die
Existenzgründerförderung. Mit Hilfe des Landes
Schleswig-Holstein und des
Kreises Ostholstein entstanden dann in der Trägerschaft
der EGOH im Jahre 1989 das
Gewerbezentrum Eutin und
im Jahre 2001 das Gewerbezentrum Oldenburg in Holstein mit jeweils rund 2400
Quadratmetern vermietbarer
Fläche für Existenzgründer
und junge Unternehmen. Mit
den angebotenen Serviceund Beratungsleistungen der
Claus-Peter Matthiensen ist der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein
mbH. In ihm und seinem Team der EGOH finden Unternehmer kompetente Ansprechpartner
Foto: Thomas Klatt
für ihre Belange.
EGOH konnten hier bisher eine Vielzahl junger Unternehmen fit für die Zukunft gemacht werden.
Tourismusförderung
Aufgrund der hohen Bedeutung der Tourismuswirtschaft
für den Kreis Ostholstein ist
auch die Tourismusförderung
ein wichtiges Aufgabenfeld
der EGOH. Neben der touristischen Interessenvertretung
des Kreises in den Gremien
der verschiedenen Tourismusorganisationen hat die Gesellschaft ein kreisweites Radwegenetz mit einheitlicher Wegweisung konzipiert und dieses im Zusammenwirken mit
den kreisangehörigen Städten, Gemeinden und lokalen
Netzwerken für die Region: Mit Bürgermeister Klaus-Dieter
Schulz und Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt entwickelte die EGOH (links Claus-Peter Matthiensen, rechts Martin
Foto: Ulrike Benthien
Klehs) Flyer für Eutin.
Tourismusorganisationen umgesetzt. Die qualitative Verbesserung des touristischen
Angebotes ist ein weiterer
Schwerpunkt der EGOH. So
werden die Campingplätze,
Sportboothäfen oder private
Beherbergungsbetriebe bei
der Klassifizierung oder bei
Einrichtung von Reisemobilstellplätzen unterstützt. Für
die touristischen Unternehmen des Kreises ist die Gesellschaft auch Ansprechpartner
in besonderen Problemlagen.
EU-Fördermittel
Für die Kommunen, Unternehmen, Verbände und Vereine im Kreis hält die EGOH
eine Förderberatungsstelle
zur Unterstützung bei derAkquise von Fördermitteln der
Europäischen Union vor. Eine
wichtige neue Herausforderung für die Gesellschaft ist
die Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen für
die Verbesserung der Breitbandversorgung im Kreis Ostholstein durch Gründung einer kreisweit tätigen Breitbandinfrastrukturorganisation.
Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH
EGOH
Röntgenstraße 1
23701 Eutin
Tel.: 04521/ 808 10
www.egoh.de
info@egoh.de
A IMPRESSUM
WIRTSCHAFTSSTANDORT
LÜBECK
ist ein Verlagsprodukt der
Lübecker Nachrichten GmbH
Verlag und Druck:
Lübecker Nachrichten GmbH
Herrenholz 10-12, 23556 Lübeck
E-Mail: info@die-wirtschaft.info
Redaktion:
Tessa Maiborg (v.i.S.d.P.)
Tel. 0451/144-1790
E-Mail:
redaktion@die-wirtschaft.info
Kooperation:
Wirtschaftsförderung Lübeck
GmbH,
Falkenstraße 11, 23564 Lübeck
www.luebeck.org
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Christian Rogge
Tel. 0451/144-1201
E-Mail:
media@die-wirtschaft.info
Vertrieb:
Rüdiger Kruppa (v.i.S.d.P.)
Tel. 0451/144-1620
E-Mail: info@die-wirtschaft.info
Donnerstag, 9. April 2015
WIRTSCHAFTSSTANDORT OSTHOLSTEIN
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3
Gewerbeflächen in Ostholstein
Hier können Unternehmen sofort Grundstücke erwerben und bauen.
Die Entwicklungsgesellschaft
Ostholstein (EGOH) bietet im
Auftrag der Kommunen den
Großteil der Gewerbegrundstücke im Kreis Ostholstein
an. Darüberhinaus bieten die
Städte Fehmarn und Bad
Schwartau in eigenem Vertrieb ebenso Flächen an.
Hochspezialisiert auf den Bau
der Festen Fehmarnbelt Querung forciert das Unternehmen Baltic FS eigene Gewerbeflächen auf der Insel Fehmarn.
In allen Gewerbegebieten
liegt ein rechtskräftiger Bebauungsplan vor. Die einzelnen Flächengrößen können
im Rahmen der Verfügbarkeit
frei an die Wünsche und Vorgaben der Käufer angepasst
werden. Gewerbetreibende
können also sofort starten. Die
Gewerbeflächen sind mit Zuschüssen der EU und des Lan-
des Schleswig-Holstein kofinanziert und bieten Unternehmern somit die Möglichkeit,
in Ostholstein einen preiswerten Standort zu erwerben.
Weitere Planungen sehen
Gewerbeflächen in der Gemeinde Gremersdorf sowie in
Oldenburg (BAB Abfahrt
Jahnshof) und am Gewerbegebiet Voßberg vor.
Eine Besonderheit unter
den Gewerbeflächen ist der
Autohof in Gremersdorf – direkt an der BAB 1 zwischen
Heiligenhafen und Oldenburg. Dort ist im Blick auf den
Bau der Festen Fehmarnbeltquerung autobahnaffines Gewerbe vorgesehen. Unternehmer können frühzeitig ihren
Standort an der Achse Hamburg – Kopenhagen sichern.
Allgemeine Gewerbeflächen
der Entwicklungsgesellschaft
Ostholstein. Vorabinformationen bietet die Internetseite
www.egoh.de / Menüpunkt
Gewerbegebiete.
Ahrensbök in kurzer Entfernung zur A1 gelegen.
Im Gewerbegebiet „Barghorst“ stehen noch ca. 28 200
qm zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,6
Gebäudehöhe 10 m über dem
Bezugspunkt
Gewerbesteuer 340%
Grundsteuer B 320%
www.egoh.de /Menüpunkt Gewerbegebiete
Gewerbebiet Oldenburg
i.H., SebenterWeg
An der A1 am Ortseingang
von der Stadt Oldenburg gelegen.
Im Gewerbegebiet „Sebenter
Weg“ stehen noch ca. 26 600
qm zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,6
Gebäudehöhe 10m über dem
Bezugspunkt
Gewerbesteuer 360%
Grundsteuer B 380%
Gewerbebiet Grube
An der B 501 am Ortseingang
von Grube gelegen.
Im Gewerbegebiet „Konzerberg“stehen noch ca. 6600
qm zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,5
Gebäudehöhe 8 m über dem
Bezugspunkt
Gewerbesteuer 360%
Grundsteuer B 360%
Gewerbebiet Schönwalde a.B.
An der L 216 am nordöstlichen Ortsrand von Schönwalde a.B. gelegen.
ImGewerbegebiet Schönwalde stehen noch ca. 2.400 qm
zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,6
Gebäudehöhe 10,5 m über
dem Bezugspunkt
Gewerbesteuer 380%
Grundsteuer B 360%
Gewerbebiet Grömitz
Scannen Sie den QR-Code
links mit einem Smartphone.
Mit dem QR-Code sind Sie
sofort auf der
Informations-Homepage
der EGOH. www.egoh.de
Zwischen der B 501 und der K
46 amOrtsrand des Ostseebades Grömitz gelegen.
Im Gewerbegebiet Grömitz
„Körnickerfeld“ stehen noch
ca. 5600 qm zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,6
Gebäudehöhe 10,5 m über
dem Bezugspunkt
Gewerbesteuer 350%
Grundsteuer B 370%
Gewerbebiet Eutin/Süsel
An der L 57 und der B 76 am
Ortsrand der Kreisstadt Eutin
in kurzer Entfernung zur A1
gelegen.
Im Gewerbegebiet „Unternehmenspark Holsteinische
Schweiz“ stehen noch ca.
112 600 qm zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,5
Gebäudehöhe 10,0 m und
11,5 m über dem Bezugspunkt
Gewerbesteuer 360%
Grundsteuer B 380%
Gewerbebiet Neustadt
i.H./Sierksdorf
Direkt an der A1 am Ortsrand
der Stadt Neustadt gelegen.
ImGewerbegebiet„Gewerbepark Neustädter Bucht“ stehen noch ca. 29 600 qm zur
Verfügung.
Grundflächenzahl 0,6
Gebäudehöhe 9 m und 11 m
über dem Bezugspunkt
Gewerbesteuer 370%
Grundsteuer B 390%
Gewerbebiet
Gleschendorf
An der B 432 amOrtsrand von
Gleschendorf gelegen.
ImGewerbegebiet„Gleschendorf“ stehen noch ca. 12 900
qm zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,6
Gebäudehöhe 8 m über dem
Bezugspunkt
Gewerbesteuer 360%
Grundsteuer B 350%
Gewerbebiet Ahrensbök
An der B 432 amOrtsrand von
Gewerbebiet Ratekau
Am Ortsrand von Ratekau in
kurzer Entfernung zur A1 gelegen.
Im Gewerbegebiet „Ratekau“ stehen noch ca. 8000 qm
zur Verfügung.
Grundflächenzahl 0,5
Gebäudehöhe 11 m über dem
Bezugspunkt
Gewerbesteuer 330%
Grundsteuer B 310%
Entwicklungsgesellschaft Ostholstein
Röntgenstraße 1
23701 Eutin
Tel.: 04521/ 808 10
Fax 04521 / 808 11
www.egoh.de
info@egoh.de
Öffnungszeiten
des Sekretariates:
Mo. bis Do., 9 bis 12.30 Uhr und
13 bis 16 Uhr
Freitag, 9 bis 13 Uhr
Ansprechpartner:
Dieter Lanken
Tel.: 04521 / 808 802
lanken@egoh.de
Dirk Bremken
Tel.: 04521 / 808 830
bremken@egoh.de
4
WIRTSCHAFTSSTANDORT OSTHOLSTEIN
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Seit 1989 ist das Gebäude Gewerbezentrum Eutin I Standort für erfolgreiche Unternehmen.
Donnerstag, 9. April 2015
Das Gewerbezentrum II aus dem Jahr 2000 ist Zeugnis der besonderen Flexibilität
Fotos: hfr
der EGOH.
Gewerbezentrum Eutin
Flexible Raumkonzepte für Start-ups und etablierte Unternehmen.
Die Eröffnung des Gewerbezentrums Eutin II im Mai des
Jahres 2000 ist eines der besten Beispiele für den außergewöhnlichen Einsatz der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (EGOH) für die hiesige
Wirtschaft,
das
Landrat
Horst-Dieter Fischer seinerzeit als „einmaligen Vorfall in
ganz Deutschland mit Modellcharakter“ lobte.
Aber von Anfang an: Das
Gewerbezentrum Eutin ist
seit 1989 Standort junger, erfolgreicher Unternehmen. Die
in der Röntgenstraße angesiedelten Firmen entwickelten
sich bestens, so dass für ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen bald eigene Betriebsstätten notwendig wurden.
Statt – wie sonst üblich – aus
den angemieteten Räumlichkeiten im Gewerbezentrum
auszuziehen und auf der „grünen Wiese“ neu zu bauen,
machten die damaligen
EGOH-Geschäftsführer dem
Jungunternehmer ein außergewöhnliches Angebot: Der
Betrieb sollte seine optimal
auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Räumlichkeiten
kaufen, mit dem Geld wollte
die EGOH neue Gewerberäume bauen. So entstand inner-
Gewerbezentrum Eutin I
In Stichworten (Aufteilung siehe oben)
D 15 Büroeinheiten
D 3 Produktionseinheiten
D Rund 1.200 qm vermietbare Fläche
D Raumhöhe bis 5 m
D Stromanschlüsse 220 und 360 V
D Großer Konferenz- und Schulungsraum
D Kleiner Besprechungsraum
D Ausreichend Parkplätze
Entwicklungsgesellschaft
Ostholstein mbH
EGOH
Röntgenstraße 1, 23701 Eutin
www.egoh.de
Gewerbezentrum Eutin II
In Stichworten (Aufteilung siehe unten)
D 8 bis 10 Büroeinheiten
D 5 Produktionshallen
D Rund 1.400 qm vermietbare Fläche
D Raumhöhe bis 5 m
D Produktionshallen mit Sektionaltoren
D Stromanschlüsse 220 und 360 V
D Pantry und WC in jeder Einheit
D Patchfeld-Ausrüstung
D Behindertengerechte Grundkonzeption
D Fahrstuhl
D Regenwasserrückgewinnung
D Ausreichend Parkplätze
D Beste An- und Ablieferungsmöglichkeiten
auch für Schwerlastverkehr
halb eines Jahres der Neubau
Gewerbezentrum Eutin II als
Ausgleichsneubau für die verkauften Gewerbeeinheiten.
Auch wenn mittlerweile
Reinhard Sager Landrat von
Ostholstein und damit auch
Vorsitzender des Aufsichtsrates der Egoh ist und Claus-Peter Matthiensen die Geschäfte der Entwicklungsgesellschaft alleine führt – die Flexibilität der EGOH wird bis heute gelebt. Davon werden sich
Unternehmer
überzeugen
können, die Räume für ihren
Betrieb benötigen. Die EGOH
unterhält Gewerbezentren in
Oldenburg und in Eutin.
Modern und repräsentativ
laden die beiden Komplexe
Gewerbezentrum I und II in
Eutin junge und etablierte Unternehmen ein. Das Gewerbezentrum Eutin verteilt sich auf
zwei Gebäude in der Röntgenstraße und bietet eine Vielzahl von Service- und Unterstützungsleistungen.
Die Raummieten betragen
4,60 Euro pro Quadratmeter
für Produktionshallen einfachster Ausstattung bis 6,50
Euro für Büroflächen. Räume
können in der Größeneinheit
von rund 20 bis 250 qm angemietet werden.
TM
Produktion, Lager oder Büro –
im Gewerbezentrum Eutin sind
vielfältige Nutzungsmöglichkeiten in breiter Größenordnung
möglich.
Donnerstag, 9. April 2015
WIRTSCHAFTSSTANDORT OSTHOLSTEIN
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Küchen die
begeistern!
Sicherheit und Vertrauen sind
uns wichtig. Planung, Beratung
und Hausbesuch sind bei uns
kostenlos und unverbindlich.
Entscheidend für uns:
Ihre Zufriedenheit – ganz
besonders nach dem Kauf.
Von der Qualität der Arbeit überzeugt sich die Chefin gerne selbst. Kein Teil verlässt die Werkstatt, ohne von Rantje Jans geprüft worFotos: Astrid Jabs
den zu sein.
40
über
Vertrauen in Qualität
„Lacktechnik 2000“ erhielt zum 6. Mal in Folge die
Auszeichnung „Werkstatt des Vertrauens“.
Zum 6. Mal in Folge kann der
Eutiner Fachbetrieb „Lacktechnik 2000“ als „Werkstatt
des Vertrauens“ glänzen. Der
Titel, der ausschließlich über
eine Kundenbefragung zu erringen ist, steht für die Kontinuität, mit der Rantje Jans
und Werner Lorenzen als Geschäftsführung höchste Standards gewährleisten.
Werkstatt des Vertrauens
ist eine bundesweite Aktion,
die von teilnehmenden inhabergeführten Freien KfzWerkstätten
durchgeführt
wird. Für die Aktion entscheidet der Autofahrer, ob die Umsetzung des Auftrags durch
die Pkw-Werkstatt zur Zufriedenheit geführt hat. Es erhalten nur die Kfz-Werkstätten
das Siegel Werkstatt des Vertrauens, wenn diese von mindestens 50 Kunden eine
Stimmkarte erhalten haben.
Seit mehr als 20 Jahren ist
Lacktechnik 2000 verlässlicher Partner für Privat- und
Geschäftskunden. Altmeister
Werner Lorenzen, Geschäftsführerin Rantje Jans und Malte Bergmann, ein angehender
Meister, lösen diesen Anspruch gemeinsam mit den
Mitarbeitern jeden Tag neu
ein. Lackiert werden neben
Lacktechnik 2000
Seit November 1993 ist die Lackiererei Lacktechnik 2000 für ihre Kunden da. Sie wurde gegründet von Werner Lorenzen, der
heute auf über 50 Jahre Erfahrung im Lackierhandwerk zurückblicken kann. Die Förderung des
Nachwuchses sowie stete Innovation und die Verwendung modernster Techniken und Materialien waren und sind die Anliegen
des Seniorchefs sowie der Geschäftsführerin Rantje Jans.
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Seit 2010 wird Lacktechnik 2000 regelmäßig als Werkstatt des
Vertrauens ausgezeichnet.
Pkw auch Großraumfahrzeuge, Möbel und andere Einzelteile. Dazu kommt die Aufbereitung von Leasing-Fahrzeugen: Viele Firmen lassen ihre
Leasing-Flotte von den Profis
bei „Lacktechnik 2000“ wieder in einen Top-Zustand bringen.
In Sachen Werterhalt setzt
man beim Eutiner Spezialisten auf qualifizierte Instandsetzung:
Eingedrückte
Schweller und Seitenteile beispielsweise werden ausgebeult und wieder hergerichtet. Und wenn Ersatz notwen-
dig wird, werden nur Originalteile der jeweiligen Hersteller
verbaut.
Zum Service gehört neben
einer persönlichen Beratung
auch die kostenfreie Bereitstellung eines Leihwagens,
wenn das Auto des Kunden in
der Werkstatt verbleiben
muss.
Lacktechnik 2000
Lübecker Landstraße 36
23701 Eutin
Tel.: 04521 / 2010
www.lacktechnik2000.de
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WIRTSCHAFTSSTANDORT OSTHOLSTEIN
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Donnerstag, 9. April 2015
Eutin nimmt Kurs auf die Zukunft
Die Landesgartenschau ist der offizielle Auslöser. Doch das neue Stadtkonzept hat Auswirkungen auf alle
Menschen der Region. In der Kreisstadt will man sich nicht länger hinter den Ostseebädern verstecken müssen.
Von Astrid Jabs
Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (rechts) und Bauamtsleiter
Bernd Rubelt fördern und begleiten die Stadtentwicklung.
„Stadtentwicklung im Zeitraffer“
Bernd Rubelt, Bauamtsleiter der
Stadt Eutin, im Interview mit
„DIE WIRTSCHAFT“.
Frage: Läuft alles nach Plan,
wird das 2012 beschlossene Integrierte Stadtkonzept ISEK umgesetzt?
Bernd Rubelt: (...) Selten kann
ein Stadtsanierungsprogramm
so umfänglich und unmittelbar
umgesetzt werden wie in Eutin.
Für Eutin hat sich vor dem Hintergrund der Landesgartenschau ein Entwicklungsprozess
im Zeitraffer ergeben: In nur
dreieinhalb Jahren vom Konzept über die Planung zur Ausführung! Die Baumaßnahmen
zur Landesgartenschau liegen
voll im Zeitplan.
Frage: Warum braucht Eutin
ein Stadtsanierungskonzept?
Bernd Rubelt: Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung
der Städte sind einem großem
Wandel unterzogen. Die Verhältnisse in den Bereichen Wohnen, Tourismus, Kultur und Einzelhandel haben sich in den vergangenen 20 Jahren so gravie-
rend verändert, so dass wir eine
tragfähige und weitreichende
Entwicklungsstrategie brauchen, um die richtigen Entscheidungen für die Zukunft der
Stadt treffen zu können. (...) Darauf aufbauend und mit einem
klaren Kurs haben wir in den
letzten 3 Jahren die Planungen
für Innenstadt und Landesgartenschau konzipiert.
Frage: Wie wird sich der Charakter der Stadt aus städtebaulicher Sicht verändern und wer
profitiert davon?
Bernd Rubelt: Der städtebauliche Charakter der Stadt wird
nicht verändert sondern eher gestärkt, sorgfältiger und klarer
herausgearbeitet. Eutin hat einen städtebaulich gesunden
und wertvollen historischen
Stadtkern, der wieder mit deutlich mehr Leben gefüllt und
auch gestalterisch erlebbarer
werden soll. Von dieser Investition in die Zukunft Eutins profitieren alle: Anwohner, Eigentümer, Angestellte, Kunden, Geschäftsleute und Touristen.
55Das sagt: Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz
„Die Stadtsanierung ist eine einmalige Chance für Eutin. Die
Stadt braucht diese umfassende
Modernisierung, um ihre Strahlkraft als Mittelzentrum in der Region langfristig zu erhalten. Wir
erwarten von der Stadtsanierung
in Kombination mit dem Großereignis LGS nachhaltige positive
Effekte auf die Wirtschaft in der
Stadt und darüber hinaus in der
Region. Die Sicherung vorhandener und Schaffung neuer Arbeitsplätze wird damit verbunden
sein; der Freizeitwert der Stadt
wird sich für die Eutiner sowie
für die Gäste unserer Stadt erheblich verbessern."
Die Kreisstadt Ostholsteins ist
in Bewegung: Mit dem ersten
großen Etappenziel Landesgartenschau 2016 (LGS) vor
Augen baut die Stadt Eutin an
ihrer zukünftigen Ausrichtung. Auf der Grundlage eines
2012 beschlossenen Integrierten Stadtkonzeptes (ISEK)
läuft derzeit ein Sanierungsprozess mit Signalwirkung.
Zukunftsfähigkeit ist das
Stichwort, unter dem diese umfassenden Vorhaben zu bündeln sind. Es gilt, „die Bedeutung Eutins in der Region zu
stärken, den Strukturwandel –
insbesondere im Einzelhandel
– zu bewältigen, sich den Herausforderungen des demographischen Wandels zu stellen,
nachhaltige Strukturen in Kultur und Freizeit zu entwickeln
sowie Klimaschutz und Klimaanpassung als Chance zu
nutzen“, heißt es im ISEK.
Mit einem Wohnungsmarkt- und einem Einzelhandelskonzept sind parallel zum
ISEK Instrumentarien entwickelt worden, die die dafür notwendig werdenden konkreten
Schritte gleichermaßen ermöglichen und regulieren.
LGS als erstes
Etappenziel
Bis zur LGS, zu der mit
600 000 Besuchern gerechnet
wird, soll die Stadtbucht am
Großen Eutiner See neu gestaltet, der Süduferpark als Freizeitgebiet erschlossen und das
Areal des historischen Bauhofes samt den darauf befindlichen Torhäusern saniert werden. Und auch das Entree der
Stadt wird neu definiert: Bis
Frühjahr 2016 werden Bahnhofsvorplatz und westliche Peterstraße modernisiert.
Konkrete Maßnahmen
Etwa 20 Millionen Euro Gesamtsumme sind für die Stadtsanierung veranschlagt worden, wobei Eutins Bauamtsleiter Bernd Rubelt mit einer
60-prozentigen Förderung aus
Landes-, Bundes- und EU-Mitteln rechnet. Gut die Hälfte davon wird in die nun beginnenden Arbeiten fließen.
Der Bahnhof
Der Bahnhofsvorplatz wird
eine großzügige einheitliche
Optik erhalten und barrierefrei gestaltet. Vom Bahnhof
aus wird der Weg in die Innenstadt farblich abgesetzt und so
deutlich erkennbar. Daneben
entstehen am Bahnhofsgebäude 200 neue Fahrradstellplätze, darunter auch eine abschließbare Fahrradbox. Am
nördlichen Rand des Bahnhofvorplatzes soll eine „Kiss- and
Ridezone“ mit Taxistellplätzen und Platz für vier Kurzzeitparker liegen.
Möbliert wird der Platz mit
Sitzgelegenheiten aus Stahl
und Holz, Mastleuchten und
Bepflanzung runden das Bild
ab. Bis 2016 soll dieser Bereich
bis zur Fußgängerquerung
komplett fertiggestellt sein,
wobei die vorhandenen Bushaltestellen vor dem Eingang
des Bahnhofgebäudes zunächst erhalten bleiben.
Die Peterstraße
Als Verbindungsachse zwischen Bahnhof und Innenstadt
bekommt die westliche Peterstraße für 1,5 Millionen Euro
ein neues Gesicht. Die leerstehende Ladenzeile wird abgerissen, an ihre Stelle treten Sitzmöbel und Grün. Der bestehende Tunnel wird weiter genutzt
werden. Der Boden wird mit
Naturgroßsteinpflaster
und
Klinker belegt.
Eutin – Stadt am Wasser
Mit den Neugestaltungen
soll Eutins Nähe zum Wasser
hervorgehoben werden. In der
Stadtbucht am Großen Eutiner
See soll ein weitläufiges Holzdeck entstehen. Die Promenade verbindet Stadt und See optisch. Großformatige Gehplatten und Basaltpflaster führen
von der Bucht in den Seepark.
Das sagt . . .
Per Köster, Leiter Eutin GmbH und Tourist-Info
„Kleine Städte haben es in Zeiten des Interneteinkaufs schwerer als größere, die noch eine
für ein halbtägiges Shopping-Erlebnis ausreichende
Menge und Auswahl an Geschäften bieten können. Kleine
Städte können nur mit einer
ganz besonderen Atmosphäre
und einem interessanten Veranstaltungsangebot bei Besuchern punkten, um mit der Kombination von Ausflug, Kultur
und Einkauf attraktiv zu sein.
Mit seiner Bausubstanz – allen
voran das Schloss und die Altstadt –, den Park- und Gartenanlagen, der naturnahen Lage direkt an See und Wald, seinem
Kulturangebot und dem reichen
geschichtlichen und kulturellen
Hintergrund hat Eutin hier sehr
gute Voraussetzungen (...)
Wenn die historischen Fassaden, die Pflasterung, die ,Möblierung’ mit Bänken, Laternen,
Kunst- und Spielobjekten und
so weiter, das Grün in der Stadt,
die Uferpromenaden und die
Parks spannend, gepflegt und
geschmackvoll vom Zustand
her und auch mal mit ungewöhnlichen und begeisternden
Elementen gestaltet sind, kann
das Potenzial seine volle Wirkung entfalten. Genau das wird
nun die Eutiner Stadtentwicklung erreichen und es den neuen Seebrücken und Promenaden der Ostseeorte nachmachen. Freizeit und Urlaub in
und rund um das historische
Kleinod am See – Geheimtipp
mitten in Schleswig-Holsteins
größtem Naturpark, Eutin wird
zukünftig noch attraktiver!"
Per Köster, Leiter Eutin GmbH
und Tourist-Info.
Andreas Booke, Geschäftsführer LMK-Einkaufswelt
Die Kreisstadt Eutin betreibt grundlegende Kosmetik. Ein neues Image soll die Attraktivität der Rosenstadt langfristig deutlich steigern.
Fotos: Astrid Jabs, Susanne Peyronnet, Volker Graap.
Die Landesgartenschau 2016 soll dabei erst der Anfang sein.
Der Hauptweg vom Rosengarten wird erneuert – hier wird
auch ein Ausgang der LGS liegen – und führt wie auch die
Wasserstraße direkt ins Zentrum. Für das Rundfahrtschiff
„Freischütz“ wird ein zeitgemäßer Steg gebaut. Beleuchtet
wird die Stadtbucht mit schlichten Lichtsäulen, über eine
neue großzügige Treppe gelangt man zum Schloss und
zum Marstall. Der Seepark
wird in einen Freizeitpark umgewandelt. Sicht- und Wegeachsen schaffen die Verbindung zum See. Ein Waldgartenband mit Boulefläche, Fitnessgeräten, Tischtennis und
Picknickplätzen soll angelegt
werden. Dazu hat man sich für
einen Kleinkinder- und einen
Abenteuer- Spielbereich entschieden. Sitzmöbel markieren Ruhezonen. Ein neuer Erholungsbereich soll auch aus
dem Süduferpark werden. Das
6,6 ha große Gelände wird
über neue Wege, Spielbereiche und Zugänge zum See erlebbar gemacht werden.
Bildung und Kultur
Die historischen Torhäuser
werden im Laufe des Jahres
denkmalgerecht saniert. Während der LGS sollen hier Blumenschauen stattfinden, im
Anschluss ist eine Nutzung als
Veranstaltungsorte vorgesehen. Das in unmittelbarer Nähe zu diesem Areal befindliche
Vogthaus als Haus der Stiftungen soll während der LGS als
außerschulischer Lernort fungieren. Langfristig soll das Ensemble aus Opernscheune,
Torhäusern, Vogthaus und Jugendherberge auf dem historischen Bauhofareal als Bildunsg- und Kulturstandort etabliert werden.
In Stadtbucht, Seepark und
Süduferpark werden 7,3 Millionen Euro investiert, für den historischen Bauhof mit Torhäusern und Vogthaus sind 2 Millionen Euro veranschlagt.
Nach der Landesgartenschau
wird das Gelände komplett an
die Stadt übergeben.
Geschärftes Profil
Von einer generellen mittelfristigen Attraktivitätssteigerung für den Standort durch
die Sanierungsmaßnahmen,
ist auch Eberhard Rupprecht
überzeugt. Der erfahrene Immobilienfachmann und Geschäftsführer von „Im Norden
Immobilien“ erwartet eine
Schärfung des Eutiner Profils
auch im Vergleich zu anderen
Städten der Region: „Wir stehen da in einem Wettbewerb.
Eutin ist jetzt schon gefragt
und die Stadtsanierung ist ein
hervorragendes Instrument,
noch mehr interessante Menschen für uns zu gewinnen.“
Das werde sich auch auf die
Grundstückspreise
niederschlagen. „Mit dem Sanierungsprogramm werden auch
private Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen förderfähig
werden", so Rupprecht.
„Das Stadtsanierungskonzept
ist das richtige Instrument, um
in Angriff zu nehmen, was rückblickend auf die letzten zehn
Jahre möglicherweise versäumt
wurde. In diesen Prozess sind
wir als Unternehmen auch über
die Wirtschaftsvereinigung Eutin miteingebunden. Dabei laufen die Aktivitäten in zwei Richtungen: Wir werden informiert,
bringen uns aber auch in Eigeninitiative auf direktem Wege
ein. Natürlich sehen wir der
Landesgartenschau mit einer
gewissen Erwartung entgegen
– 600 000 Gäste sind eine einmalige Chance, sich zu präsentieren. Auch wenn nicht alle Besucher als Kaufinteressenten anzusehen sind, wollen wir partizipieren. Parallel dazu setzen wir
auf den Nachhaltigkeitsfaktor –
was da in Angriff genommen
wird, wird bleiben und wer die
LGS positiv erlebt hat, den können wir wieder erwarten. Damit
sammeln wir Pluspunkte im
Wettbewerb mit anderen Städten. Für unser Haus sind für
2015 einige Modernisierungsmaßnahmen geplant: Lichttechnik und Fahrtreppen werden erneuert, die Klimaanlage modernisiert und für das nächste Jahr
werden einige Flächen neu arrangiert werden. Kurz gesagt:
Wir spielen mit!“
Andreas Booke, Geschäftsführer LMK-Einkaufswelt.
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Donnerstag, 9. April 2015
Jürgen Gosch – ein Phänomen
Wie wurde aus dem Bauchladen ein Unternehmen mit geschätzten 68 Millionen Umsatz?
Die Geschichte mutet an wie
der American Dream: Als
Maurergeselle kam Jürgen
Gosch in den 60er Jahren
nach Sylt und begann am Feierabend Räucheraale aus
dem Bauchladen zu verkaufen. Heute ist er Millionär,
sein Unternehmen Gosch Sylt
eine erfolgreiche Marke mit
zwölf Restaurants auf Sylt,
vier auf Kreuzfahrtschiffen
und 26 Franchisefilialen im übrigen Deutschland.
Seit 2009 gibt es auch im Lübecker Citti-Markt eine
Gosch-Franchise-Filiale, seit
2011 in Scharbeutz und seit
2012 in Timmendorfer Strand.
Immer in den besten Lagen –
wie es dem Firmeninhaber
wichtig ist. Auch im Badeort
Travemünde wollte Gosch eine Filiale an der Travepromenade eröffnen. Doch eine Woche vor dem Notartermin ließ
Gosch den Vertrag platzen:
Man habe die Planungssicherheit vermisst und wolle sich
auf konkretere Projekte konzentrieren. Diese ihm eigene
Konsequenz ist typisch für
den launigen Firmenchef.
Aber wie wurde aus dem
Bauchladen ein Unternehmen mit geschätzten 68 Millionen Euro Jahresumsatz? Fischbuden und -restaurants gibt
es schließlich an Norddeutschlands Küsten unzählige.
Gosch ist weder besonders
günstig noch besonders teuer.
Das Fischbrötchen kostet
kaum mehr als anderswo, im
Restaurant kann man sich
schon für fünf Euro sattessen
und der billigste Hauswein
kostet weniger als fünf Euro
Die Restaurants Gosch Sylt gelten als angesagter Treffpunkt. Wie hier in den Dünen von ScharFoto: Birte Friedlaender
beutz hat Gosch stets ein Gespür für die besten Lagen.
„In Deutschland sind wir auch.“
Mit 50 Aalen fing es an. Die packte der Maurer Jürgen Gosch aus dem nordfriesischen Tönning in seinen Bauchladen und war am ersten Abend alle los.
Das Geschäft lief gut, besonders am berühmt-berüchtigten FKK-Strand Buhne 16 rissen ihm die Badegäste die Aale aus der Hand. Das Geschäft lief
so gut, dass sich Jürgen Gosch nur wenige Zeit später entschloss, seinen Hauptjob als Maurer aufzugeben um sich ganz dem Fischverkauf zu widmen.
das Glas. Allerdings gibt es
auch den Champagner für 95
Euro die Flasche, soviel Syltklischee muss sein.
Selbstbedienung am Tresen und maritime Dekoration
sind auch Standard. Und dennoch wurde „Aal-Jürgen“
1972 war er das Leben als fliegender Händler leid
und begann den Verkauf aus einer Fischbude im
Lister Hafen. Die „nördlichste Fischbude Deutschlands“ war geboren. Das Sortiment erweiterte sich
stetig: Fisch im Brötchen kam dazu, Matjes, Krabben, später dann Fisch und Scampi vom Grill – heute noch ein Dauerbrenner in den Gosch-Restaurants. Seit Ende der 80er Jahre sind die Lokale
auch auf dem Festland anzutreffen.
zum „Fischkönig“. Weil er
schneller war als andere. Weil
er in den Anfangsjahren, als
die Fischer keine Fischbrötchen verkauften, die Marktlücke erkannte. Er erweiterte
sein Angebot Stück für Stück,
war flexibel, ging auf Kunden-
wünsche ein. Zur rechten Zeit
am rechten Ort, im boomenden Sylt mit seinen Promis
wie Gunther Sachs. Wichtig
sei, dranzubleiben, betont Jürgen Gosch. Geld verdienen,
investieren, dabei aber auch
nicht zögern, so der Selfmade-
Unser Strom:
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Wir sind für Sie da. Immer.
man, der ständig neue Ideen
umsetzte. Der aber auch vor
Übermut warnt: „Man darf es
nicht so machen wie manch'
Selbständiger, der nach einem Jahr einen dicken Wagen fährt.“ Er fuhr jahrelang
in einem klapprigen VW Golf
über die Insel. Auf den „Riecher für den besten Standort“
verweist der Fischkönig auch
gerne im Interview, genauso
darauf, dass die Kunden seine
Marke mit Urlaub gleichsetzen. Kauft man sich ein
Gosch-Matjesbrötchen am
Frankfurter Hauptbahnhof,
kauft man sich quasi auch ein
Stück Erinnerung an den letzten Sylturlaub.
Aber vor allem ist das Erfolgsgeheimnis wohl in der
Person Jürgen Gosch zu erklären: eine echte norddeutsche
Type, die mit über 70 immer
noch in seinem Restaurant in
Wenningstedt Abend für
Abend den Entertainer gibt,
mit Gästen schnackt, Anekdoten erzählt und auch schon
mal zum Mikro greift, um ein
Lied zu trällern (er war sich sogar nicht zu schade, eine CD
mit Seemannsliedern aufzunehmen!). Falsche Bescheidenheit ist dem Firmenchef
fremd, er ist das, was man neudeutsch als „Rampensau“ beschreibt.
Für viele Touristen sei ein
Besuch der „nördlichsten
Fischbude“ in List ein Muss,
genauso wie es sie nach Wenningstedt ziehe, um einen
Blick auf den Firmenchef
selbst zu erhaschen, weiß
auch Sylts Tourismuschef Moritz Luft. Auf der Nordseeinsel
ist der Fischpapst längst eine
Art Wahrzeichen geworden.
Der übrigens keinerlei Angst
vor Konkurrenz hat. Wettbewerb ist für ihn ein Wettkampf, ein Ansporn und Jürgen Gosch ist überzeugt: Er
ziehe Gäste an, von denen
auch andere Gastronomen
profitierten. Ans Aufhören
denkt der umtriebige Firmenchef übrigens noch längst
nicht, immer noch ist er Tag
für Tag im „Gosch am Kliff“ in
Wenningstedt an den Tischen
der Gäste unterwegs und
räumt auch schon mal mit ab,
wenn es pressiert. Die Nachfolge ist dennoch geregelt:
Tochter Anja steht in den Startlöchern. Nathalie Klüver
Die Lübecker Autorin hat sich
ausgiebig mit dem Fischkönig beschäftigt und 2014 das
Buch „Gosch – Der Fischkönig von Sylt“ im Wachholtz
Verlag herausgebracht.
(160 Seiten, 18 Euro,
ISBN 9783529075025)
Donnerstag, 9. April 2015
WIRTSCHAFTSSTANDORT OSTHOLSTEIN
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9
Urlaubsland an der Ostseeküste
Der Kreis Ostholstein gehört zu den touristischen Hochburgen Deutschlands. Urlauber
mögen es komfortabel und schätzen Unterkünfte mit Vier- und Fünf-Sterne-Auszeichnung.
Wer mit dem Kennzeichen
„OH“ am Auto in den Urlaub
fährt, wird oft genug verwundert gefragt, warum man
denn woanders Ferien macht,
obwohl die herrliche Ostseeküste direkt vor der Tür liege.
Die Ostholsteiner wohnen genau dort, wo es andere Bundesbürger regelmäßig für die
schönste Zeit des Jahres hinzieht. Timmendorfer Strand,
Scharbeutz, Grömitz, Sierksdorf – das sind Synonyme für
Strand und Meer, für Urlaubsfeeling pur.
Die touristischen Schwergewichte im Kreis Ostholstein liegen laut dem Statistikamt
Nord eindeutig im südlichen
Kreisgebiet. Allen voran steht
Timmendorfer Strand mit etwa 1,5 Millionen Übernachtungen in Hotels, Pensionen,
auf Campingplätzen und in
Privathäusern. In den Beherbungsstätten mit zehn und
mehr Betten checkten in dem
exklusiven Urlaubsort über
226 000 Gästen ein, die im
Schnitt jeweils 4,2 Tage blieben. An zweiter Stelle steht
die Sonneninsel Fehmarn mit
knapp 200 000 Gästen in den
größeren Beherbungsbetrieben, gefolgt von Grömitz
(134 000),
Scharbeutz
(102 000)
und
Malente
(62 000). Relativ lange blieben die Gäste in den Orten
Bad Schwartau, dort nämlich
im Durchschnitt 8,3 Tage,
aber auch in Großenbrode
(9,3 Tage), Kellenhusen (8)
oder Dahme (7,4) halten sich
die Urlauber gerne länger auf.
Insgesamt zählte Ostholstein im vergangenen Jahr
1 224 000 Gäste mit knapp
sechs Millionen Übernachtungen. Die durchschnittliche
Verweildauer betrug etwa
fünf Tage.
Zählt man die etwa 250 000
Campingurlauber jährlich hinzu, ergibt sich noch ein viel
deutlicheres Bild vom Kreis
Ostholstein als Ferienmagnet.
Die 42 Kur- und Erholungsorte bieten mit 25 Yachthäfen
und 85 Campingplätzen die
höchste Dichte in Europa. Reisemobilisten sind dabei auf allen Campingplätzen willkommen oder können auf einem
der zahlreichen separaten Reisemobilhäfen den direkten
Blick auf die Ostsee genießen.
Yachthäfen und Campingplätze im Kreis Ostholstein
zeichnen sich nicht nur durch
eine hohe Quantität, sondern
auch durch eine sehr hohe
Qualität aus. ZahlreicheCampingplätze sind vom Deutschen
Tourismusverband
In Timmendorfer Strand wurde im vergangenen Jahr die neue Seebrücke mit dem Teehaus an der Spitze eingeweiht. Die außergeFoto: Patrick Roepstorff
wöhnliche und elegante Architektur erregte bundesweit Aufsehen.
Übernachtungen 2014
(Zahlen in den Beherbergungsbetrieben mit 10 und mehr Betten)
Fehmarn
1 066 137
Timmendorfer Strand
952 674
Grömitz
798 089
Scharbeutz
395 048
Malente
368 470
Kellenhusen
256 740
Dahme
237 614
Neustadt
166 722
Großenbrode
161 646
Bad Schwartau
115 313
Heiligenhafen
105 559
Sierksdorf
101 083
Ratekau
75 511
Schashagen
46 222
Bosau
43 220
Eutin
33 431
(DTV) oder vom ADAC mit
vier oder sogar fünf Sternen
bewertet worden. Die Yachthäfen und Marinas sind analog nach den Blauen Sternen
klassifiziert.
Ebenfalls von großer Bedeutung sind die Übernachtungen in Privatquartieren mit
weniger als zehn Betten.
Schätzungen gehen davon
aus, dass in diesem Bereich zusätzlich zur amtlichen Statistik noch einmal fast eine Million Urlauber gezählt werden
können.
Mit ingesamt etwa 3,6 Millionen Gästen und 17 Millionen Übernachtungen ist der
Kreis Ostholstein damit einer
der
tourismusintensivsten
Kreise Deutschlands.
Doch um auf dem touristischen Weltmarkt mithalten zu
können, müssen die Kommunen viel in ihre Attraktivität investieren. Die Städte und Gemeinden des Kreises Ostholstein haben in den Jahren
2007 bis 2013 gut 50 Millionen
Euro in die öffentliche touristische Infrastruktur investiert.
Aufgrund der sehr guten Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung konnte eine
Förderung dieser Investitionen mit rund 30 Millionen
Euro aus Landes-, Bundesund EU-Mitteln realisiert werden. Mit diesen Mitteln wurden insbesondere Promenaden modernisiert, Kurparks
umgestaltet und neue Seebrücken als Anziehungspunkte
errichtet.
Erst im vergangenen Jahr
wurde die neue Teehaus-Seebrücke in Timmendorfer
Strand eingeweiht. In den Jahren zuvor hatten Küstenschutzmaßnahmen in Form
von Dünenlandschaften mit
Aussichtspunkten, Spiel- und
Sportzonen im Bereich Scharbeutz und Haffkrug schon zu
einer deutlichen Aufwertung
des Ortsbildes geführt.
Auch die private Tourismuswirtschaft hat erhebliche finanzielle Mittel in den Neubau und die Modernisierung
ihrer Anlagen investiert. So
werden sich die Übernachtungskapazitäten im Kreis Ostholstein durch den Neubau
von Hotels und Ferienanlagen in den nächsten Jahren
um bis zu 3000 Betten erhöhen. Die Investitionen erfolgen vor allem im Segment des
Vier- und Fünf-Sterne Bereiches. Ostholstein hat sich als
ein attraktiver Investitionsstandort für Investoren aus
der Tourismusbranche etabliert. Und obwohl bereits in
den vergangenen Jahren viele neue Betten entstanden
sind, ist ein Ende des Trends
nicht abzusehen. Die Ferienorte Ostholsteins sind Mittelpunkt und Antrieb des Tourismusbooms an der Ostsee.
Als perfekte Ergänzung
zeichnet sich der Kreis mit 15
Krankenhäusern und 21 Kliniken und Einrichtungen für gesundheitliche Rehabilitation
zudem als ein bedeutender
Standort der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitstourismus aus. 77 Prozent der
sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten arbeiten in dem
durch Tourismus und Gesundheitswirtschaft
geprägtenTM
Dienstleistungssektor.
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Donnerstag, 9. April 2015
Firmen-Outfit als Visitenkarte
Heinzmann workfashion hat sich auf professionelle Berufs- und Arbeitskleidung spezialisiert.
Mit einer neuen Halle kann das Unternehmen jetzt noch flexibler reagieren.
An die Kleidung im Beruf werden hohe Anforderungen gestellt. Sie soll jederzeit ihre
Funktion erfüllen, perfekt sitzen, leicht zu pflegen sein und
möglichst lange halten. Für nahezu alle Einsatzbereiche
führt das Unternehmen Heinzmann workfashion in Sierksdorf das passende Outfit.
Heinzmann stattet seit 1987
Berufstätige in allen Branchen
aus. Die Aspekte der Corporate Identity sowie ein makelloses Erscheinungsbild in Form
einer modernen und qualitativen Arbeitskleidung werden
immer wichtiger. Zudem sind
einheitliche Outfits ein wichtiges Erkennungs und Idenfitikationsmerkmal für Kunden
und Mitarbeiter.
Das Unternehmen, das seit
2007 im Gewerbepark Neustädter Bucht ansässig ist,
zeigt bei allen Kollektionen,
dass Arbeitskleidung richtig
schick sein kann und manches
Teil auch in der Freizeit eine
gute Figur macht. „Wir verstehen uns als Servicecenter für
moderne Berufs- und Freizeit-
Heinzmann workfashion führt am Firmensitz im Gewerbepark Neustädter Bucht wie auch im online-Shop schicke und funktionale Berufsbekleidung für fast alle Branchen.
Foto: hfr
bekleidung in allen Segmenten und Preislagen“, erklärt
Prokuristin Ines Heinzmann.
Im Heinzmann-Webshop können sich Firmen eigene Shopbereiche führen, so dass es Mitarbeitern möglich ist, sich innerhalb eines festgelegten
Budgets ihre persönliche Arbeitskleidung zusammenzustellen und zu bestellen.
Schwerpunktmäßig
ver-
treibt Heinzmann workfashion Uniformen der Luft- und
Schifffahrt, für Kranken- und
Rehazentren sowie Pflegedienste, Bekleidung für Beschäftigte in Hotels und Restaurants, Corporate wear auch
für Vereine und Mannschaften sowie Workwear für jedermann. Die Styles können sowohl direkt im Firmensitz im
Wagrienring 4 wie auch über
den Online-Shop ausgesucht
werden. „Im Bereich der Arbeitsbekleidung setzen wir
auf bewährte Marken wie BP,
Dickies, Eiko, Engel, FHB und
Dassy“, zählt die Prokuristin
auf. „Der Medizin- und Pflegebereich präsentiert sich ebenfalls mit einem breiten Sortiment von BP, Leiber, Hiza und
Abeba. Im gastronomischen
Bereich bieten wir ein umfang-
reiches Sortiment an Kochund Bäckerbekleidung sowie
Servicebekleidung in vielen
Variationen, Farben und Modellen.“
Neu aufgefrischt wurde der
Bereich Teamwear mit einem
noch breiteren Angebot hochwertiger Printtextilien und
vielfältigen Veredelungsmöglichkeiten für Logos aller Art.
„Wir legen unseren Anspruch
auf höchste Qualität unserer
Produkte sowie die individuelle und persönliche Beratung
und Betreuung unserer Kunden“, sagt Ines Heinzmann.
Mit dem neuen 750 Quadratmeter großen Logistikzentrum
kann Heinzmann workfashion jetzt noch schneller und
flexibler auf die Kundenwünsche reagieren.
Heinzmann workfashion
Gewerbepark
Neustädter Bucht
Wagrienring 4
23730 Sierksdorf/ i.H.
Tel.: 045 61/ 52 53 88-0
www.heinzmann-workfashion.de
Nachhaltige positive Veränderung
führt zu wachsender Qualität
Claudia Gertz berät und begleitet Unternehmen seit mehr als 10 Jahren in den Bereichen
Qualitätsmanagement, Mystery Check, Training und Coaching.
Kundenzufriedenheit
wird
vor allem in der Dienstleistungsbranche häufig genannt, wenn es darum geht,
Zielsetzungen und Standards
für die Arbeit von Unternehmen zu formulieren. Ein gutes
Beispiel ist die Tourismusstrategie 2025. Danach wird für
Schleswig Holstein ein Platz
unter den TOP 3 angestrebt,
was die Gästezufriedenheit
angeht. „Das bedeutet die
Notwendigkeit einer aktiven
Beschäftigung mit der Qualität am Gast. Das Stichwort lautet Kundenorientierung“, beschreibt Claudia Gertz diese
Wechselwirkung. Denn wer
zufrieden war, kommt wieder
und daraus generiert sich letztlich unternehmerischer Erfolg.
„In der Betriebsamkeit des
täglichen Geschäftes geht der
Blick für die Qualität am Kunden häufig verloren“, ist ihre
Erfahrung. Daher bietet ihr
Unternehmen professionell
konzipierte und durchgeführte Maßnahmen an, die Stolper-
steine in betriebsinternen Abläufen sichtbar machen und
entwickelt im Austausch mit
ihren Auftraggebern praktikable Instrumentarien, um diese
Probleme dauerhaft abzustellen. Für einen ersten thematischen Einstieg eignen sich ihre verschiedenen Kurzreferate, speziell für das HotellerieSegment ist ein kostenfreier
Vortrag buchbar. „Mein Motor ist die Freude an positiver
Veränderung“, erklärt Claudia Gertz. Über einen Mystery
Check oder, wie es für den
Gastronomie- und Hotelbereich heißt, ein Mystery Guesting, erfolgt zunächst eine
fundierte Bestandsaufnahme.
In einem solchen Mystery
Guesting erleben anonyme
Tester die Mitarbeiter unvorbereitet in ihrer authentischen Arbeitssituation und dokumentieren das Beobachtete. Schwerpunkte setzen dabei zuvor im Gespräch mit
den jeweiligen Firmen festgelegte Kriterien und Erwartungen.
„Damit stoßen wir Veränderungsprozesse innerhalb der
Unternehmen an. Entsprechend qualifiziert müssen also die Rückmeldungen unserer Tester sein. Unsere Tester
besitzen die fachliche Qualifikation und werden zusätzlich
entsprechend geschult und
ausgebildet“, betont Claudia
Gertz, die auch von der Deutschen Hotelklassifizierung akkreditiert und gelistet ist.
Diese
Aufmerksamkeit
empfiehlt sie Führungskräften, die einen Mystery Check
oder ein Mystery Guesting planen, generell: „Testen Sie die
Tester!“ Eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Mystery
Checks ist durchaus verständlich, da vor allem Mitarbeiter
die Ergebnisse fürchten. Gerade die profitieren jedoch
durch konkrete Handlungstipps, da eine hohe Gästezufriedenheit und eine positive
Außenwirkung zu stabileren
Umsätzen und somit auch zu
einer Arbeitsplatzsicherung
führen.
Fachkraft, auf deren Kompetenz unter anderem die Wirtschaftsakademie SchleswigHolstein, die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH
und auch die LN-Akademie
vertrauen. So wurde im letzten Jahr die WunscherfüllerKampagne der Lübeck und
Travemünde
Marketing
GmbH für den Bereich Mystery Check durch Claudia Gertz
begleitet.
„Mein Motor ist die Freude
an positiver Veränderung.“
Claudia Gertz
Sie selbst ist für Auftraggeber und Mitarbeiter während
des gesamten Beratungsprozesses präsent und ansprechbar: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, alle Projekte
zu kennen und zu begleiten“,
sagt sie. Dieses Engagement
macht sie zu einer gefragten
Claudia Gertz
Quality Management
Königsberger Straße 6a
23701 Eutin
Tel.: 04521 / 7979667
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„Der Mandant ist König“
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Steuerkanzlei Schindler bietet Steuerberatung mit Unternehmensstrategie
„Ob Steuer, Immobilien oder Finanz- und Wirtschaftsfragen - uns
kennzeichnet eine hohe Efizienz und
kurze Wege. Außerdem verstehen
wir uns als Partner unserer Mandanten, deren Erfolg unser Ziel ist“, erklärt Steuerkanzlei-Inhaber Siegfried
Schindler. Der Steuerberater und
staatlich geprüfte Betriebswirt aus
Neustadt und sein aus 12 Mitarbeitern bestehendes Team kennen sich
in den Bereichen Steuern, Vermögensberatung, Steuerrecht sowie betriebswirtschaftlichen Fragen bestens
aus und bieten sowohl Unternehmen
als auch Privatpersonen eine agierende Beratung an. „Wir sitzen mit
unseren Mandanten in einem Boot
und werden aktiv, bevor Probleme
auftauchen“, so Schindler. Für jeden
Fachbereich gibt es Spezialisten in
der Kanzlei, ob in Fragen der Liquiditätsplanung und Steuerung, Sanierung von Unternehmen, inanzwirtschaftlichen Fragen und natürlich
auch in rein steuerlichen Fragen.
Außerdem verfügt das Steuerbüro
über ein umfangreiches Netzwerk aus
Das kompetente und engagierte Team der Steuerkanzlei Schindler.
speziellen Unternehmensberatern,
Finanzexperten, Banken und Anwälten, die ein schnelles, interdisziplinäres Handeln ermöglichen. „Das spart
Kosten und Zeit und führt am Ende
zu rundum befriedigenden Ergebnissen“, weiß der Steuerfachmann.
Die renommierte Steuerkanzlei berät Firmeninhaber, Privatpersonen,
Freiberuler,
Selbstständige
und
Existenzgründer. Die kompetente
und respektvolle Beratung ist immer abgestimmt auf die individuellen
Bedürfnisse der Mandanten. „Wir
helfen aktiv, ob bei einer Gewerbeanmeldung, Bankgesprächen, Notarverträgen oder der Beschaffung von
Konzessionen und Fördergeldern.
Das Ganze reicht bis zum persönlichen Coaching“, berichtet Siegfried
Schindler. Zu den Kunden der Kanzlei gehören viele erfolgreiche Unternehmen, die nicht nur ihre Steuerlast
verringern möchten, sondern sich
auch hinsichtlich Investitionen, Nachfolgeregelung, Kapitalbildung oder
Altersabsicherung beraten lassen. Zu
einem der wichtigsten Tätigkeitsfelder gehört die Beratung in Immobilienfragen, denn „Gelder sollen möglichst gut angelegt werden und wir
helfen gern dabei“, betont Schindler.
Bei aller Komplexität der angebotenen Leistungen erstellt die Steuerkanzlei Schindler natürlich auch
Inhaber Siegfried Schindler:
„Bei uns ist der Mandant der
König!“
Steuererklärungen für große und
kleine Mandanten, je nach gewünschtem Umfang und Budget.
Diese Leistungen reichen von der
Buchhaltung mit Kontierung über die
Lohn- und Gehaltsabrechnung bis zur
Mitwirkung bei Betriebsprüfungen.
Weitere Fragen beantwortet die Steuerberatung Siegfried Schindler, Königsstraße 10 in Neustadt unter Tel.
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Donnerstag, 9. April 2015
Tolle Events, komfortable Ferienunterkünfte und ein im Vergleich zu Dänemark günstiges
Preis-Leistungsverhältnis machen die deutsche Ostseeküste für die Skandinavier sehr attraktiv.
Die Reise nach Deutschland ist für Mads Keller und seine Tochter Megan mit einer Schifffahrt nach Puttgarden verbunden.
Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Bernd Gerwanski, Lena Schüch, Katrin Gerke
Gutes Essen ist auch für unsere nördlichen Nachbarn ein Anziehungspunkt.
Karen (v.l.), Vibeke, Marianne und Lene aus Dänemark freuen
sich auf ihren Ausflug nach Deutschland und reisen als Gruppe
ausnahmsweise mit dem Bus an.
Grenzenlos reiselustig
Bei unseren nördlichen Nachbarn sind Kurztripps nach Deutschland sehr beliebt.
Was macht für dänische Urlauber den touristischen Reiz am Nachbarland aus?
Der Tourismus ist in allen Teilen der Fehmarnbeltregion
ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die am meisten besuchen Ziele der Dänen sind die
Metropolregion Hamburg, gefolgt von den Küsten Schleswig-Holsteins. Doch was genau reizt unsere Nachbarn daran, ihre Ferien im „Echten
Norden“ zu verbringen?
„Dänemark ist einer der
A-Märkte, den wir im Rahmen unseres Auslandskonzeptes ,Lübeck International’ in
den Fokus rücken und noch
stärker für uns begeistern wollen“, sagt Christian Martin Lukas, Geschäftsführer der Lübeck und Travemünde Marketing (LTM). Auch die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein in Kiel (TA.SH) und die
Deutsche Zentrale für Tourismus in Frankfurt/Main (DZT)
versprechen sich vom Quellmarkt Dänemark großes Potenzial für die Tourismuswirtschaft. Bereits heute nehmen
Dänen mit 38 Prozent der touristischen Übernachtungen
Rang eins der ausländischen
Besucher in Schleswig-Holstein ein. Eine aktuelle Studie
der DZT zeigt, dass immerhin
22,8 Prozent der rund 585 000
dänischen Deutschlandurlauber Schleswig-Holstein als
Ziel angaben.
Doch was genau lockt die
Dänen zu uns? Zahlreiche Faktoren haben Einfluss auf den
Zustrom: Deutschland hat in
Dänemark ein positives
Image, nicht zuletzt wegen
des vielfältigen Shoppingangebots. Dank der starken dänischen Wirtschaft stimmt hier
das Preis-Leistungs-Verhältnis: ein attraktives Argument
für einen Besuch. Die einkaufslustigen Nachbarn aus
dem Norden geben hier nach
Schätzungen etwas mehr als
zwei Milliarden Euro aus. Vereinzelte Abgaben- und Steuersenkungen in Dänemark, die
diesem Grenzverkehr Einhalt
gebieten sollten, waren bisher
wenig erfolgreich.
Doch es ist nicht nur das
Thema Shopping, das die Dä-
nen an Schleswig-Holstein
reizt. Auch die Möglichkeiten
zu Städtetouren, Golfreisen,
Wellness- und Eventtrips sowie
Besuche
von
UNESCO-Stätten begeistern
unsere Nachbarn. Derzeit besonders gefragt sind Reisen
auf den Spuren der dänischen
Landsleute.
Dementsprechend hat die DZT in 2014 eine passende Werbekampagne entwickelt, die 2015 fortgesetzt wird. Lübeck beteiligt
sich von Februar bis Ende Juni mit einem eigenen TVSpot. Er wird 201 Mal im dänischen Fernsehen ausgestrahlt
und verweist auf historische
dänische Exponate in der Hansestadt sowie ein hiesiges Café im dänischen Stil.
Dänen sind keine Freunde
von Gruppenreisen. Man legt
großen Wert auf hohe persönliche Individualität. Im Gegensatz zu anderen europäischen
Nationen mögen Dänen auch
keine Rundreisen. Lieber unternehmen sie gezielt Städtetouren. Dazu steigen 70 Pro-
zent ins eigene Auto oder in
ein Mietfahrzeug. „Das zeigt
uns, wie bedeutend eine gute
Verkehrsanbindung für die
Entwicklung des Tourismus
ist. Am Bau des Fehmarnbelttunnels führt absolut kein
Weg vorbei“, betont Nicolaus
Lange, Chairman des Fehmarnbelt Business Councils
(FBBC).
Doch die Seebäder an der
Ostsee fürchten Beeinträchtigungen für Anwohnern, Natur und Tourismus, solange
die Trassenführung der Hinterlandanbindung einer festen Fehmarnbeltquerung ungeklärt ist. Bislang sind 3100
Einwendungen gegen den
Bau des Fehmarnbelttunnels
eingereicht worden.
Die durchschnittlich vier
Nächte, die dänische Gäste in
Schleswig-Holstein verbringen, übernachten sie bevorzugt in First-Class-Hotels (26
Prozent) oder Mittelklassehäusern (22 Prozent). Auch das Ferienhaus beziehungsweise
die Ferienwohnung gehört
mit 15 Prozent zu den beliebten Unterkünften. Campingmodelle bringen es auf sieben
Prozent, Luxus- und Budgethotels verzeichnen je nur einen Anteil von sechs Prozent.
Gefragt nach den Punkten
„Hotelqualität“, „Gastronomie“ und „idealer Austragungsort für Sportereignisse“
senken unsere Nachbarn den
Daumen. Hier zeigt sich, dass
das Deutschland-Image noch
Potenzial bietet.
Die wirtschaftlichen Bedingungen in Dänemark sind besser als in vielen anderen Ländern, und die Arbeitslosenquote pendelt um sechs bis sieben Prozent. Eine innovative
Produktpalette im Kurzreisesegment und das für Dänen
günstige Preisniveau in
Deutschland dürften auch
künftig zum Ansteigen der
Übernachtungszahlen von Dänen in Schleswig-Holstein beitragen. Für das Jahr 2020 rechnet die DZT mit bis zu drei Millionen Übernachtungsgästen
JNP
aus Dänemark.
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