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14 | MM15, 7. APRIL 2015 | MENSCHEN
Porträt
Auf der Suche
Was lange bloss Menschen mit einem Hang zur Esoterik ansprach, ist jetzt auch für Unternehmer
und Führungskräfte in der Sinnkrise interessant: die Visionssuche in der Natur.
Text: Andrea Freiermuth
H
SG-Absolvent Patrick Tobler (40)
war ein Senkrechtstarter: Im
Schnellzugstempo durch die Uni,
mit 30 Jahren Mitglied der
Geschäftsleitung eines international tätigen
Logistikunternehmens, mit 35 selbständig
als Unternehmensberater. Trotz des beruflichen Erfolgs war er unglücklich und stellte
sich Sinnfragen: Was liegt mir wirklich am
Herzen? Wie kann ich auf dieser Welt etwas
bewirken? Was möchte ich meinen Kindern
für ein Beispiel sein? Zudem fühlte er
sich emotional und körperlich ausgebrannt.
Ein unerwartetes Auftragsloch und ein
schmerzhafter Hexenschuss führten schliesslich dazu, dass Patrick Tobler fand, er
brauche eine Auszeit. Seine Frau, die damals
gerade mit dem zweiten Kind schwanger war,
bestärkte ihn in seinem Entschluss. Der
Unternehmensberater meldete sich für eine
Visionssuche an. Im Rahmen dieses Seminar
verbrachte er zwölf Tage in der Natur, vier
davon ohne Begleitung und ohne Nahrung.
Die Visionssuche, auch unter dem englischen Begriff «Vision Quest» bekannt,
wurde in den 70er-Jahren von den US-Amerikanern Meredith Little und Steven Forster
entwickelt. Es handelt sich dabei um eine
moderne Adaption eines indianischen
Übergangsrituals. Es soll Orientierung im
Leben bieten und den Übertritt in eine
neue Lebensphase ermöglichen. Inzwischen
gibt es auch in der Schweiz diverse Anbieter
solcher Programme.
Den Zugang zur Gefühlswelt finden
«Meine Ausbildung und bisherige Karriere
hat vor allem das analytische Denken geschult
und dabei den Umgang mit Instinkten, Intuition und Emotionen total vernachlässigt»,
erklärt Patrick Tobler seine Motivation, sich
für eine Visionssuche anzumelden. Es sei
stets ein innerer Kampf gewesen, seine Ideale
mit dem beruflichen Erfolg in der Leistungsgesellschaft zu vereinbaren – ein schmaler
Grat, der ihm täglich viel abverlangte.
Für Kadermann Bernhard Brülhart (58),
der in seinem Leben schon so manche Meta-
Bilder: Anne Gabriel-Jürgens
morphose allein bewältigte – vom Feinmechaniker zum Schweizer Gardisten und
Kantonspolizisten bis zum Teamleiter bei der
Suva –, war es 2007 so weit. «Ich war damals
53 Jahre alt und fragte mich: Was machst du
noch mit deiner Zeit? Es kann doch nicht
sein, dass ich mein Leben einfach nur noch
abarbeite.» Er meldete sich zu einem Wüstentrekking. Im Ausschreibungstext stand: «Hier
finden Sie Ihre innere Ruhe. Hier können
Sie nachdenken. Über Ihr Leben, Ihren
Beruf und Ihre persönliche Entwicklung.»
Alexa Widmer (19) entschloss sich vor vier
Jahren zu einer Visionssuche. Sie war
damals 15 Jahre alt, Gymnasiastin mit guten
Noten, aber ohne Freude am Leben. Sie nahm
an einem Programm teil, das speziell auf
Jugendliche ausgerichtet war.
Die meisten der in der Schweiz buchbaren
Angebote laufen nach demselben Muster ab:
Man reist in die Berge, wo es eine mehrtägige
Aufwärmphase in der Gruppe gibt, bei der
unter anderem auch Basisinformationen zum
Überleben in der Natur vermittelt und Rituale zum Loslassen durchgeführt werden. Etwa
indem man Dinge, die für das eigene Leben
stehen, aufschreibt und die Papierschnipsel
im Feuer verbrennt. «Symbolisch nimmt man
Abschied vom alten Leben. Damit etwas Neues entstehen kann und man sich weiterentwickelt», erklärt Bernhard Brülhart. Bei Alexa
Widmer ging es in dieser Phase vor allem
darum, negative Gefühle hinter sich zu lassen:
«In der Primarschule wurde ich ausgegrenzt.
Und dann war da noch eine Enttäuschung mit
dem Ex-Freund. Ich wollte das alles nicht
mehr mit mir rumschleppen.»
In der zweiten Phase suchen sich die
Teilnehmer einen Platz, an dem sie vier Tage
und Nächte allein und ohne Essen ausharren
werden. Das Sicherheitsdispositiv: Ein Kreis
aus Steinen, den jeweils zwei Teilnehmer
zwischen ihre mehrere Kilomenter auseinanderliegenden Camps legen, wobei immer
einer abends und einer morgens einen Stein
bewegt – als Zeichen, dass alles in Ordnung ist.
Den drei Protagonisten gemeinsam ist,
dass sie schon immer eine grosse Nähe zur
Natur verspürt und Kraft aus ihr geschöpft
haben, bisher vor allem beim Sport. Auch ihre
Motivation lässt sich auf einen gemeinsamen
Nenner bringen. Die Frage: Wie weiter im Leben? Was sie dann aber während der vier Tage
in Einsamkeit erleben und was sie davon mitnehmen, ist ganz unterschiedlich.
Von der Visionssuche zur Geschäftsidee
Patrick Tobler schlug sein Lager auf einer
Sandbank an einem Wasserlauf auf. Ein idyllisches Plätzchen, das ihm gefiel, wäre da nicht
dieser grosse Tierschädel gewesen. In der
Nacht hörte er unheimliche Geräusche: «Das
Ganze war recht spooky.» Wahrscheinlich,
weil durch das Fasten auch dem Verstand
Nahrung entzogen worden sei. So hätten die
Emotionen mehr Raum erhalten – darunter
auch tiefer liegende Ängste und Verletzungen
aus der Kindheit. Am dritten Tag verbrannte
Patrick Tobler den Schädel aus einem Impuls
heraus, gemeinsam mit seinen Dämonen und
zog symbolisch in die Mitte des Platzes, die
er zuvor wegen des Kadavers gemieden hatte.
Er nahm dessen Platz ein.
Den Teilnehmern war empfohlen worden,
die vierte und letzte einsame Nacht wach
und sitzend zu verbringen. Unternehmer
Tobler befolgte den Rat, kämpfte erst mit Wut
gegen den Schlaf – «Was mache ich hier
überhaupt?» – und staunte, wie plötzlich
positive Sätze aus seinem tiefsten Innern aufstiegen: «Ich vertraue dem Universum»,
«Ich habe Geduld», «Ich geniesse das Leben»
und «Ich bin stolz auf mich». Die Urkraft
dieser laut gesprochenen Sätze hätten den
ersehnten inneren Frieden gebracht, und von
dieser Kraft zehre er noch heute.
Auch reiste Patrick Tobler mit einer neuen
Geschäftsidee nach Hause. Heute hilft er
Studenten und Unternehmen beim Finden
und Umsetzen ihrer Visionen: «Fast in jedem
Businessplan findet sich eine Vision, leider
sind das meist leere Worthülsen ohne jegliche
Wirkung. Warum? Weil es emotionsloses
Managementblabla ist, das den Menschen
nicht berührt.» Auch für sich selbst hat er
eine Vision gefunden: «Ich bin der Schöpfer
MENSCHEN | MM15, 7. APRIL 2015 | 15
Das Ritual: Unternehmensberater Patrick Tobler liess seine Dämonen in Flammen aufgehen und fand den ersehnten inneren Frieden.
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MENSCHEN | MM15, 7. APRIL 2015 | 17
alles für ihre
Gesundheit.
Erste Hilfe bei Verletzungen und Erkrankungen
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besser fühlen.
%
0
–2
Kadermann Bernhard Brülhart suchte die Nähe zur Natur und fand eine
neue Einstellung zu Leben und Tod.
einer neuen Welt», einer Wirt­
schaftswelt, in der sich echte
Sehnsüchte und Träume in bril­
lant geführte und erfolgreiche
Unternehmen verwandeln, in
denen passionierte Menschen
mit funkelnden Augen arbeiten.
Sein Ansatz kommt an, sagt er,
heute könne er sich nicht über
fehlende Arbeit beklagen.
Teamleiter Bernhard Brül­
hart, der zuvor schon in der
Wüste geschnuppert hatte, stieg
während seiner Visionssuche
im Misox GR mit einem Gewit­
ter in die Fastentage. «Ich sass
auf dem Boden unter meinem
Zeltdach und spürte förmlich,
wie die Erde bebte.» Er habe
sich der Natur sehr nahe gefühlt
und sei später vielen Tieren
begegnet, die ihn oft nicht wahr­
genommen oder keine Scheu
gezeigt hätten. Am dritten Tag
stieg Bernhard Brülhart auf eine
Alp hoch. Hörte Kuhglocken
und roch Milch, obwohl dort
keine Kühe waren. Auch meinte
er, das Wasser wolle zu ihm
sprechen. Allerdings verstand er
nicht, was es ihm sagen wollte.
Überall begegneten ihm
Zeichen des Verfalls und der
Wiedergeburt: Tierskelette und
daneben blühende Krokusse.
Daraus entnahm er die
Botschaft: «Du musst dich mit
Tod und Sterben auseinander­
setzen.»
Nach dem Seminar absolvier­
te er bei der Caritas einen
Grundkurs als Sterbebegleiter
und besucht heute als
Freiwilliger in seiner Freizeit
schwerkranke und sterbende
Menschen. «Diese Menschen
erzählen mir oft ihre Lebens­
geschichte. Das ist ein riesiges
Geschenk.» Zudem setze er sich
durch diese Begegnungen
letztlich auch bewusst mit der
eigenen Vergänglichkeit
auseinander, und dabei würden
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18 | MM15, 7. APRIL 2015 | MENSCHEN
«Hinter dem
Horizont», ein
Dok-Film zur
Visionssuche.
Trailer sehen auf
Migrosmagazin.ch
Experteninterview
«In Übergangsphasen ist
eine Neudefinition nötig»
Alexa Widmer platziert einen Stein um, als Zeichen, dass es ihr gut geht.
verblassen. In den vergangenen
zwei Jahren verstarben sowohl
Brülharts Mutter wie auch sein
Schwiegervater. Die Todesfälle in
der Familie warfen ihn nicht aus
der Bahn.
Den eigenen Weg gefunden
Gymnasiastin Alexa Widmer
langweilte sich während ihrer
Fastentage grässlich. Zudem
hatte sie Pech mit dem Wetter:
Es regnete praktisch ununter­
brochen, und einmal fielen
sogar Schneeflocken, und das im
Juli. Am zweiten Tag erwachte
sie gerädert und mutlos. Nach
langem Hin und Her beschloss
sie schliesslich, ins Basislager
zurückzukehren.
Dort sprach sie eine Weile
mit der Leiterin. Diese fragte sie
unter anderem, unter welchen
Bedingungen sich Alexa vor­
stellen könnte weiterzumachen.
Die beiden vereinbarten, dass
Alexa an ihren Visionsplatz
zurückgehen, aber am folgenden
Tag Besuch von der Seminarleite­
rin erhalten würde. «Diese Abmachung gab mir Halt und dem
kommenden Tag eine Struktur.»
Gleichzeitig sei ihr bewusst
gewesen, dass sie mit ihrer Rück­
kehr ins Camp die Regel gebro­
chen hatte. Aber das Ausscheren
aus den Erwartungen habe sich
richtig und gut angefühlt.
Zurück aus den Bergen ent­
schied sich Alexa Widmer, die
Kantonsschule abzubrechen:
«Meine Eltern haben mich nie
gedrängt, aber das Gymi war in
meinem Umfeld halt das, was
man normalerweise macht.» Die
Visionssuche habe ihr gezeigt,
dass man den Erwartungen nicht
immer entsprechen müsse,
sondern lieber seinen eigenen
Weg sucht. Nach dem Seminar
machte sie sich auf die Suche.
Die ungewisse Zukunft belastete
sie wider Erwarten nicht. Ein hal­
bes Jahr später begann sie eine
Lehre als Automatikerin, lernte
bei der Arbeit ihren Freund
kennen und fühlt sich heute aus­
geglichen und glücklich. MM
Pasqualina Perrigauslösen. Um dies zu
Chiello, Sie sind
verhindern, braucht
spezialisiert auf
es zwingend professi­
die lebenslange
onelle Unterstützung.
PersönlichkeitsSie sprechen damit
entwicklung:
die Risiken an. Was
Was halten Sie von
sind die Chancen?
Seminaren zur
In biografischen Über­
Visionssuche?
In traditionellen
Pasqualina
gangsphasen – etwa
vor dem Eintritt ins
Gesellschaften war es Perrig-Chiello
(62) ist EntwickErwachsenenalter, in
schon immer so, dass
es Rituale für biogra­
lungspsychologin die Menopause oder
fische Übergangspha­ an der Universität ins Rentenalter – ist
eine Neudefinition der
sen gab. Nicht nur bei Bern.
Identität nötig. Wenn
den Indianern, son­
man sich bewusst Zeit
dern auch im Schwei­
nimmt, um sich mit seinem
zer Brauchtum. Dazu gehörte
Leben auseinanderzusetzen,
noch bis ins 20. Jahrhundert
unterstützt das die persönliche
etwa das Vergraben der Plazen­
Entwicklung. Es gibt einem das
ta im Garten, worauf dann ein
Gefühl, dass man die Kontrolle
Baum gepflanzt wurde.
über das eigene Leben hat –
und nicht etwa im Hamsterrad
Das heisst, Sie finden Vision
läuft und gelebt wird. Das ist
Quest eine gute Sache?
Wenn es seriös gemacht wird. In aber kein Plädoyer für Vision
Quest. Man kann auch sonst
den USA werden die Seminare
Hilfe holen, beim Therapeuten,
teilweise von Koryphäen der
Psychologie geleitet. Hierzulan­ in der Stille eines Klosters oder
schlicht auf einer Bergtour.
de ist man noch nicht so weit.
Viele Anbieter haben keine
Warum suchen die Leute ihre
psychologische Ausbildung.
Visionen ausgerechnet in der
Natur?
Warum sollten die Leiter in
Wir leben in einer hoch techni­
Psychologie geschult sein?
Nahrungsentzug und Isolation
sierten Welt. Die Menschen
sind für viele ungewohnt. Ext­
suchen einen Gegenpol, aber
reme Situationen lösen oft auch auch das Ursprüngliche, die
extreme Reaktionen aus. Zudem Grenzen. Dies aber erhöht die
befinden sich Leute, die sich für
Verletzlichkeit. Wer allein
die Visionssuche interessieren,
und ohne Nahrung ausharren
ja meist in einer Übergangs­
muss, wird auf seine Existenz
phase oder gar in einer Krise.
zurückgeworfen. Dabei steht die
Das macht sie psychisch verletz­ Befriedigung der Grund­
bedürfnisse im Zentrum. Diese
lich. Im Extremfall kann die
Erfahrung kann Probleme,
Kombination von Extremsitua­
die uns in unserem normalen
tion und erhöhter Verletzlich­
Leben belasten, relativieren.
keit psychotische Reaktionen
20 | MM15, 7. APRIL 2015 | MENSCHEN
Kabarett
Ruckzuck
zackzack
reloaded
F
Das «Totemügerli»
ist das bekannteste
«bärndütsche
Gschichtli». Es steht
für die Fabulierlust
von Franz Hohler
(72), der sich immer
wieder auch kritisch
zum Umgang mit
unserem Planeten
äussert. 2008 wurde
er mit dem Salzburger
Stier für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Ursus & Nadeschkin
(Nadja Sieger, 46, und
Urs Wehrli, 45) touren
seit 1987 zwischen
Wien, Berlin, New
York, Melbourne und
der Schweiz und
gehören seit ihrem
Engagement beim
Circus Knie 2002
definitiv zu den
Grossen der Schweizer Theater- und
Comedyszene. Die
amerikanische Presse
nennt sie «The German Marx Brothers».
Wer kennt den Soldaten HD Läppli nicht?
Der Basler Kabarettist
und Schauspieler
Alfred Rasser (1907–
1977) hat die Figur
mit seinen Filmen
unsterblich gemacht.
Der Name Rasser
lebt weiter: Roland
Rasser (82) und seine
Tochter Caroline
Rasser (43) sind ebenfalls Schauspieler
und Kabarettisten.
Viktor Giacobbo
(63) ist spätestens seit
der Satiresendung
«Viktors Spätprogramm» dem breiten
TV-Publikum bekannt.
Seine Figuren wie
Harry Hasler, Fredi
Hinz oder Debbie
Mötteli sind fast so
berühmt wie der
Winterthurer Autor,
Moderator und Kabarettist selbst. Seit
2008 ist er zusammen
mit Mike Müller (51) im
satirischen Wochenrückblick «Giacobbo/
Müller» zu sehen.
ür ihren Käse, ihre Schokolade und ihre Problembanken ist die Schweiz im
Ausland bekannt. Humor
gehört nicht zu den Stärken, die
man den Eidgenossen zugesteht.
Nun gut, könnte man jetzt
sagen und nachschieben, dass
wir die deutschen Witze auch zu
hart finden und den griechischen
Humor sowieso nicht verstehen.
Aber wir sind ja neutral, und
deshalb schieben wir das nicht
nach und konzentrieren uns auf
unsere eigene Witzigkeit. Und
die ist besser als ihr Ruf. «In der
Spitze ist der Schweizer Humor
vielleicht ein bisschen weniger
hart und schwarz als in Deutschland oder England», sagt Satiriker
Christian Jott Jenny (36). Die
kleine herzige Schweiz produziere
neben Humor auch Humörchen,
und das sei auch okay so.
Sehr viele Schweizer Humörchen hat das Cabaret Rotstift
produziert. Während fast
50 Jahren hat das Ensemble aus
Schlieren ZH den helvetischen
Humor und sogar die Alltagssprache geprägt. Zum Beispiel,
wenn jemand ein «Tropevogel»
war, weil er «vo Planig kei Ahnig»
hatte. Oder wenn es mal «ruckzuck zackzack» gehen musste.
Der Erfolg von Cabaret Rotstift
hat sicher auch damit zu tun, dass
ihre Gags nie belehrend waren.
«Wie alle Rotstift-Mitglieder war
ich Lehrer», erinnert sich Jürg
Randegger (80), der 1965 ein Rotstift wurde und es bis zum
Schluss 2002 blieb. «Ich habe
mir immer gesagt, dass das mein
Beitrag an die Menschheit ist.
Aber von der Bühne aus muss ich
die Menschen nicht erziehen.»
MENSCHEN | MM15, 7. APRIL 2015 | 21
Jürg Randegger ist zurück. Und mit
der Cabaret-Rotstift-Legende
auch der Humor, der für die Schweiz
so typisch ist: selten belehrend,
zurückhaltend und doch pointiert.
Ein Streifzug durch die helvetische
Kabarettgeschichte.
Welches ist Ihr
Lieblingswitz
oder -spruch
des Schweizer
Kabaretts?
Migrosmagazin.ch
Text: Reto E. Wild, Andrej Abplanalp
Illustration: Luis Grañena Lopez
Seither hat sich der Humor ver­
ändert. Durch Fernsehen,
Internet und Social Media ist er
schneller geworden. Und viel­
leicht auch ein bisschen platter,
denn «Humoristen müssen inner­
halb einer Minute ihre Pointen
loswerden, da die TV­Programme
immer kürzer werden», sagt die
Tessiner Clown­Komödiantin
Gardi Hutter (62). Da habe es kör­
perliches und mimisches Theater
schwer, denn es sei zu langsam.
Meldet sich aus dem Ruhestand
zurück: Jürg Randegger.
Umso erstaunlicher, dass das
Cabaret Rotstift vor einem Come­
back steht. Ab Anfang April lebt
es im Musiktheater «Rotstift
Reloaded» wieder auf. Mit dabei
ist auch Jürg Randegger. Er wird
gemeinsam mit Christian Jott
Jenny und Schauspieler Andreas
Matti (55, «Der Goalie bin ig») auf
der Bühne stehen. Und wie schon
früher geht es im neuen Pro­
gramm um Alltagssituationen,
in denen sich jeder ein wenig
selbst erkennt. Nicht aggressiv,
nicht laut und nicht missiona­
risch. Beobachtend und etwas
überspitzt dargestellt. Typisch
schweizerischer Humor halt. MM
Rotstift Reloaded im Millers Studio in Zürich
ab dem 9. April, im Kurtheater Baden am 6. Mai
und im Basler Theater Fauteuil zwischen dem
20. und 23. Mai.
Der einstige Primarlehrer Peach Weber
(62) aus Wohlen AG
ist schon seit 35 Jahren
und seinem ersten
Album «So bin I halt»
als Komiker unterwegs. Für den
15. Oktober 2027,
einen Tag nach seinem
75. Geburtstag, hat er
eine Veranstaltung im
Zürcher Hallenstadion
angekündigt. Dafür
sind Tickets erhältlich:
Weltrekord für den
längsten Vorverkauf
aller Zeiten!
Den ehemaligen Pöstler Emil Steinberger
(82) kennt man auch
in Frankreich und
Deutschland. «Ruhestand geht bei mir
einfach nicht», sagte
er in einem Interview
mit dem Migros-Magazin. Und doch mottete er die Bühnenfigur «Emil» 1987 ein
und zog sechs Jahre
später nach New York.
Seit Jahren ist er
wieder in der Schweiz
und auf der Bühne
zu sehen – ab dem
8. September in Basel
mit «Emil – No einisch!»
César Keiser (1925–
2007) lernte Margrit
Läubli (87) am Caba-
ret Fédéral in Zürich
kennen und heiratete
sie. Seit 1962 trat das
Ehepaar gemeinsam
in eigenen Kabarettproduktionen auf.
Das Stück «Hallo! Do
isch Kuenz in Bünze»
ist legendär. Sohn
Lorenz Keiser (55)
gehört ebenfalls zu
den grossen Schweizer Kabarettisten.
Elsie Attenhofer
(1909 bis 1999) gilt als
«Grand Old Lady»
des Kabaretts und war
seit 1934 und während
des Zweiten Weltkriegs ein wichtiges
Mitglied des Cabarets
Cornichon, das
wegen seiner bissigen
Satire Nazi-Deutschland ärgerte.
22 | MM15, 7. APRIL 2015 | MENSCHEN
Porträt
Die Unzerstörbare
Redet man über lesbische Frauen, geht gerne die Generation vergessen, die sich in der Schweiz
der Nachkriegszeit behaupten musste. Die 82-jährige Liva Tresch ist eine von ihnen.
Text: Nathalie Bursać
A
Bild: Marvin Zilm
ls Kind wollte Liva
Glaube hatte ihr bisheriges LeTresch nie erwachsen
ben geprägt, doch in der Pfadi
werden. Und als sie
befolgte sie innig die Pfadfindererwachsen war, gab es
gesetze. Ein Pfadfinder ist rein
Momente, in denen sie nicht alt
in Gedanken, Worten und Tawerden wollte. Nicht 60, nicht 70.
ten. Ein Pfadfinder lächelt und
«Ich bringe mich vorher um»,
pfeift trotz aller Schwierigkeidachte sie dann. Es kam oft vor,
ten. Die gute Miene zum bösen
dass sie keine einzige Stunde länSpiel beherrschte Liva Tresch
noch viele Jahre lang. Sie hielt
ger in ihrem Leben ausharren
wollte. Und heute, mit 82 Jahren,
die Fassade des fröhlichen und
sagt Liva Tresch Sätze wie: «Ich
burschikosen Bauernmädchens
hätte nie gedacht, dass das Leben
aufrecht, das so laut und lustig
so schön sein würde. Schon gar
war, dass sie in der Pfadi den
Namen Radio erhielt. Gabs ein
nicht für mich.»
Problem, rief man den Radio.
Für sie, das uneheliche Kind
Der Radio baute das Zelt wieder
einer Gouvernante, das von seiauf, der Radio hatte für alles
nem ersten Lebensjahr an in einer
eine Lösung parat.
Pflegefamilie im urnerischen
Mit 22 verliebte sie sich in
Flüelen aufwuchs. Sie, die man
wegen ihrer Lese- und Schreibeine Pfadi-Kollegin. «Jemand
liebte mich. Zum ersten Mal in
schwäche dumm schimpfte und
die sich mit 22 nach ihrer ersten
meinem Leben! Ohne dass ich
Liebesnacht mit einer Frau eingeetwas dafür hatte tun müsstehen musste, dass sie lesbisch ist.
sen!» Sie nannte sie Musle. Die
Es ist nicht unseres. Diesen Satz
beiden hinterliessen einander
habe sie in den ersten zehn Jahren
kleine Botschaften im Sattelihres Lebens oft gehört. Damals
täschchen des Velos, sie trafen
nannte sie sich noch nicht Liva.
sich heimlich auf dem Friedhof,
Silvia Marietta Magdalena Tresch
damit niemand sehen konnte,
war ihr Taufname, «Silveli» rief
wie sie sich umarmten. Doch die
man sie im Dorf. Oder «die
Liva Tresch: «Wichtig ist, sich hinzustellen und zu sagen: Ich bin, wie ich bin.» Beziehung war vorbei, noch beTresch», wenn die Leute es nicht
vor sie richtig beginnen konnte.
so nett mit ihr meinten. Sie geTrotzdem war für Liva Tresch
hörte nirgends so richtig dazu. Nicht zu ihrer
hier», und zeigt auf ihr Herz. Dabei hatte sie
klar, dass Musle, die ihr das Herz gebrochen
Pflegefamilie, nicht zu ihrer leiblichen Mutauf dieses Herz lange keine Rücksicht gehatte, immer ihre grosse Liebe bleiben würde.
nommen. So etwas wie Liebe kannte sie nicht.
«Wichtig sei, sich hinzustellen», sagt Liva
ter, die später einen Bauern von Gurtnellen
Berg heiratete. «Silveli» musste sich allein
Auch nicht Liebe sich selbst gegenüber. «Ich
Tresch und schlägt ganz leicht mit der Faust
bin ein Stein, vom Leben gemeisselt. Mit
durchschlagen, oft mit den Fäusten, besonauf die Tischplatte, «und zu sagen: Ich bin,
wie ich bin.» Viele Male erlebte sie, wie
ders wenn die anderen Kinder sie wegen ihrer Schlägen, was furchtbar schmerzte. Aber so
bin ich zu dem geworden, was ich heute bin.
Arbeitskollegen hinter ihrem Rücken über
Herkunft hänselten. Sie war kräftig, ein
Eine dankbare Gestalt.»
«Ruäch», spielte am liebsten mit den Buben.
sie lästerten. Die Tresch sei doch eine Lesbe.
Als sie 15 war, schickten die Pflegeeltern
«Ich sah mich immer als Junge. Nur wenn ich
Wie die schon nur aussah, mit ihren Hosen
heimlich die Blümlein streichelte oder einen
und den kurzen Haaren. Als sie sich nach ihsie weg, weil die Leute im Dorf schlecht über
Regenwurm von der Strasse hochhob und ihn sie sprachen, ihr Männergeschichten andichrer Rückkehr in die Deutschschweiz in einem
ins Gras legte, dann war ich ich.»
Fotolabor als Hilfslaborantin bewarb, machte
teten. Sie flüchtete ins Tessin und versteckte
sich dort bis zu ihrer Volljährigkeit. Sie jobbte sie noch während des Bewerbungsgesprächs
als Dienstmädchen oder als Kurierin, in
reinen Tisch. Sie habe innerlich gezittert, so
Mit 22 Jahren die erste grosse Liebe
einem Gemüseladen, ihre Freizeit verbrachte
gross war ihre Angst. Doch die Angst, erneut
«Die Erinnerungen befinden sich nicht hier»,
sagt sie und zeigt auf ihren Kopf, «sondern
sie bei den Pfadfinderinnen. Der katholische
gemobbt zu werden, war grösser. Und so sagte
MENSCHEN | MM15, 7. APRIL 2015 | 23
sie zum Schluss: «Ich bin lesbisch. Wenn
Ihnen das nicht gefällt, sagen Sie es jetzt.»
Der Chef errötete. «Fräulein Tresch, das hat
nun wirklich nichts mit der Arbeit zu tun.
Aber es ist gut, dass Sie mir das gesagt haben.»
In Zürich angekommen, begann für sie ein
neues Leben. Sie tauchte ein in die Klubs, in
denen die Schwulen und Lesben die Nächte
verbrachten. Irgendwann einmal begann sie,
die Feste und Gesichter auf Film festzuhalten.
Heute gilt sie als Chronistin jener Szene, die
sich lange im Versteckten halten musste. «Die
Schwulen und Lesben waren meine Familie.»
Mit Katrin, mit der sie 20 Jahre lang
zusammen war, eröffnete sie Ende der 60erJahre ein Fotofachgeschäft in Zürich Hottingen. In diesem Haus lebt Liva Tresch noch
heute, doch eine Frau hat sie keine mehr an
ihrer Seite. «Ich schliesse es nicht aus, dass
ich mich noch einmal verlieben könnte, aber
ich wäre froh, wenn es nicht passieren würde.
Es ist schwierig, mit mir zusammenzuleben.»
Manchmal trifft sie sich mit ihrem alten
Freund, einem Theaterschneider. Sie setzen
Neues Buch
sich in Zürich in ein Café und schauen zu,
wie die Menschen vorbeigehen. «Ich erkenne
auf Anhieb, wenn eine Frau eine von uns ist,
eine aus unserem Stall», sie lacht, wenn
sie das so sagt. Doch eigentlich sei es gar
nicht mehr wichtig, ob lesbisch oder schwul
oder sonst etwas. Wichtig sei es, wahrhaftig, ehrlich und respektvoll zu sein.
Lesben über 70
In «Seit dieser Nacht war
ich wie verzaubert» (Ver­
lag Hier & Jetzt, 2015, bei
Ex Libris für 28 Franken)
porträtiert die Histori­
kerin und Journalistin
Corinne Rufli elf frauen­
liebende Frauen über 70.
Es gab Frauen, die
ihr Lesbischsein lange
unterdrückten, und an­
dere, die schon in der Pu­
bertät wussten, dass sie
Frauen lieben. Das Buch
zeigt erstmals, wie diese
bis anhin vergessene Ge­
neration lesbischer Frau­
en sich in einer Schweiz
nach dem Krieg und vor
der Einführung des Frau­
enstimmrechts bewegte
und wie sie heute lebt.
Segnung eines Lesbenpaars – «das Grösste!»
«Vor dem Bischof in Chur fehlt mir der
Respekt», sagt Liva Tresch. Dass Pfarrer
Bucheli in Bürgeln UR ein lesbisches Paar und
dessen Liebe gesegnet habe, sei das Grösste,
sagt sie. «Bleiben Sie doch Mensch!», würde
sie dem Bischof, der Bucheli fortgeschickt
hatte, am liebsten zurufen. Stünde er vor ihr,
würde sie ihm das auch ins Gesicht sagen.
Sie blickt hinüber zum Garten des Nachbarhauses. «Wir sind doch nicht mehr als diese
Schneeglöckchen da drüben.» Eines gleich
viel wert wie das andere. Man müsse nur
darauf achten, dass man das andere nicht im
Schatten stehen lasse. So einfach sei das. MM
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26 | MM15, 7. APRIL 2015 | MENSCHEN
Die besten
Sprüche
vom
Zukkihund!
Migrosmagazin.ch
Porträt
Der Zukkihund wird
erwachsen
Rafi Hazera ist Grafiker, Blogger und Comedian – und manchmal ein Husky:
Seit drei Jahren bringt er mit der Kunstfigur Zukkihund seine rund 56 000 Facebook-Freunde
zum Lachen. Nun wagt sich Rafi Hazera auf die Bühne – ohne Hund.
V
on der Tribüne aus beobachtet er
das Publikum und merkt: Nur die
vorderen Tische sind aufmerksam.
Comedian Rafi Hazera (36) ist
nervöser als sonst, es ist sein bisher grösster
Auftritt: 800 Leute, Swiss Web Award 2015.
Zwei Dinge hat er gelernt: «Die ersten Lacher
müssen sitzen, dann läufts von alleine.» Und:
«Man muss das Programm dem Publikum
anpassen.» Dies gelingt: Beim vierten Gag –
Bilder downloaden in den 90ern – hat er die
Leute auf seiner Seite, der nächste Witz – eine
Freudenlaudatio auf das Ende des Internet
Explorers – erntet pfeifenden Applaus. Dem
Mann auf der Bühne, Rafi Hazera im Hundekostüm, gilt nun die Aufmerksamkeit.
Angefangen hat es vor drei Jahren
mit einem imaginären Husky auf Facebook,
der keine Party, keine Droge, keine Frau
Bilder: Gian-Marco Castelberg
und generell keinen Fauxpas auslässt: der
«Zukkihund», benannt nach dem Zürcher
Club «Zukunft». Der fiktive Hund vereint
Annehmlich- und Widrigkeiten des Zürcher
Nachtlebens in sich. Oder wie ihn sein Erfinder umschreibt: «Der Zukkihund ist in ur­
banen Disco­ und Partygebieten anzutreffen.
Fortpflanzung: vermehrt sich unbewusst
unter dem Einfluss von Alkohol. Brunftzeit:
immer. Herrchen: Rafi Hazera.» Der Grafiker
versieht Huskybilder mit schweizerdeutschen
Sprechblasen, in denen Kraftausdrücke
(«Pfrässi!») und erfundene Schimpfwörter
(«Nuttepony») dominieren.
Die Idee des Comedian war nicht neu: Ihm
wurde oft gesagt, er müsse auf die Bühne.
Andere zum Lachen bringen macht er gern.
Mittlerweile unterhält der gebürtige Italiener
so 56 000 Fans – viele während deren Arbeits-
zeit. «Wirtschaftlich habe ich vermutlich
schon riesige Schäden verursacht», sagt Rafi
Hazera scherzend.
Sein Erfolg beruht auf der Kombination
von grafischem Know-how, gutem Humor und
Beobachtungen im Alltag. «Wir sind Egoisten
und wollen von uns selber lesen, einen Spiegel
sehen. Je mehr sich die Leute in Problemen
wiedererkennen, desto erfolgreicher der Beitrag.» Gerne führt der Zukkihund auch grosse
Firmen auf ihren eigenen Twitter- oder
Facebook-Seiten vor: Die SBB bei winterlichen
Zugverspätungen, oder McDonald’s wegen
Grammatikfehler. «Je grösser die Firmen,
desto cooler», sagt Rafi Hazera und lacht.
Selten um einen guten Spruch verlegen
Beim Fotoshooting scheint Rafi Hazera eher
zurückhaltend. Als sich jedoch Hundemodel
Grafiken: Rafi Hazera/Zukkihund/watson
Text: Laila Schläfli
MENSCHEN | MM15, 7. APRIL 2015 | 27
Zum Fressen gern:
Rafi Hazera posiert mit
Hundemodel Horka –
auch ein Husky wie seine
Kunstfigur Zukkihund.
28 | MM15, 7. APRIL 2015 | MENSCHEN
Horka zur Seite und ihren Kopf auf Hazeras
Bein legt, entfährt es ihm: «Jösses, isch die
herzig!» Er sei sehr sensibel, spüre die Leute
gut. Das gilt auch beim Hund: Immer wieder
schlägt Rafi Hazera während des Fotogra­
fierens vor, dem Husky eine kleine Pause zu
gönnen. Als es weitergeht, sagt er: «Mir
chamer immer en Hund uf d Schultere legge.»
Er ist selten um einen guten Spruch verlegen.
Nach dem Facebook­Erfolg fing er an zu
twittern. Dort trennte er sich vom Zukkihund:
Beide haben ihren eigenen Account. Der
Hund macht politisch neutral und unkorrekt
weiter, während sich sein Herrchen eher mal
positioniert. Unabhängig bleiben aber beide:
Werbeanfragen lehnt Rafi Hazera ab.
Im Februar 2013 brachte er den Zukkihund
auf die Bühne und gründete die «Comedy in
der Zukunft»­Reihe. Mittlerweile wirft seine
Unterhaltung auch Geld ab: Online verkauft
er Bücher und andere Zukkihund­Gadgets,
auf dem Newsportal Watson bloggt er
unterhaltsame Grafiken (siehe unten), und
für die Gratiszeitung «kult» entwirft er
monatlich eine Doppelseite mit zum Beispiel
lustigen Zettelchen für nervige ÖV­Mitfahrer.
Seine drei Berufe – Grafiker, Blogger und
Comedian – laufen am Computer zusammen:
Ständig online sein gehört dazu. Er sei ein
Medienjunkie oder ein «SMJ», Social­Media­
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MENSCHEN | MM15, 7. APRIL 2015 | 29
Coole Links
vom Zukkihund:
Junkie. Die mehrgleisige Internetpräsenz
zwingt Rafi Hazera fast, regelmässig alle
Kanäle zu checken und zu aktualisieren. Das
braucht Zeit. «Ich bin ein Tubel, wenn ich
abends um zehn noch was poste», sagt er,
«denn dann bin ich sicher noch vier Stunden
wach, um den weiteren Verlauf zu überprüfen.» Crossposting ist sein Ding: Hat er auf
Watson, «kult» oder Twitter was Neues, streut
er dies auch via Zukkihund. So erreicht er auf
einen Schlag fast 60 000 Leute.
Der Zukkihund darf weiterhin vulgär sein
Online schlagfertig sein ist eins. Comedy auf
der Bühne funktioniert anders. «Der direkte
Menschenkontakt als Comedian auf der Bühne ist viel echter, das gefällt mir», sagt Rafi
Hazera. «Ein Publikum, das lacht, ist mehr
wert als 2000 Likes.» Bilanz nach gut einem
Dutzend Auftritten: Er fühlt sich selbstsicherer, präsenter auf der Bühne.
Jetzt tourt er zum ersten Mal nicht als
Zukkihund, sondern als «Rafi Hazera» im Projekt «We see too» von SRF-Mann Reeto von
Gunten, bekannt für seine Diaabende. Rafi
Hazera ist Teil des siebenköpfigen Teams und
wird lustige Grafiken und Statistiken präsentieren. Im Juni findet die Ikea-BöllelilandParty statt, die aufgrund einer Hazera-Statistik
entstand (siehe Bild Seite 26). Und er wird
einen Abend lang ein Open-Air in Zürich
moderieren.
«Der Hund wird langsam erwachsen»,
sagt Rafi Hazera und meint vielleicht auch ein
bisschen sich selbst. Die Markentrennung
Zukkihund/Hazera war gut: Als Rafi kann er
sich auch ohne vulgäres Vokabular über grosse
Firmen und Alltagsprobleme lustig machen,
im Gegensatz zum Zukkihund, der das weiterhin tun wird. Das Comediandasein bereitet Rafi
Hazera ab und zu noch schlaflose Nächte, die
seien aber «sehr kreativ». Sichtlich erleichtert
ist er deshalb nach dem grossen Auftritt.
Umgehend postet er auf Facebook: «DAS HAT
GEROOOCKT! Was für ein geiles Publikum!
Okay, bin scho biz stolz.» MM
Tournee:
www.atelieer.ch
Hazeras Blog auf Watson:
www.watson.ch/hipsterlitheater
«kult»:
http://kult.ch/author/zukkihund/
Twitter:
twitter.com/zukkihund
twitter.com/rafihazera
Facebook:
www.facebook.com/zukkihund
www.facebook.com/rhazera
«Comedy in der Zukunft» jeden letzten Montag im Monat mit
Rafi Hazera, Guy Landolt, Severin Richiger, www.cidz.ch
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