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Vortrag Vielfalt QueerFormat

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Sexuelle und geschlechtliche
Vielfalt im Kontext von
Inklusionspädagogik
Stephanie Nordt und Thomas Kugler
Inklusion
Inklusion = Einschluss
Ursprüngliches Inklusionsverständnis:
Einschluss der Kinder mit besonderen
Bedürfnissen (Merkmal Behinderung /
Beeinträchtigung)
Integrationspädagogik
Behindertenrechtskonvention der
Vereinten Nationen (BRK, 2008)
Inklusion
Erweitertes Inklusionsverständnis:
Einschluss aller Kinder (vielfältige
Merkmale)
„Einbeziehen pluraler Dimensionen von
Heterogenität“:
Alter/Generation, Schicht/Milieu, Gender,
Kultur/Ethnie, Disability/Ability, Sexuelle
Orientierung, Region, Religion, ....
(Annedore Prengel, 2010)
Inklusion – um was geht es?
Inklusion zielt ab auf Teilhabe aller:
Beseitigung von Teilhabe-Barrieren,
die Bildungsprozesse von Kinder behindern:
beim Zugang zu Bildungseinrichtungen
beim Nutzen der Lernangebote
Petra Wagner, Fachstelle KINDERWELTEN
Bei Inklusion geht es darum, alle Barrieren
für Spiel, Lernen und Partizipation für alle
Kinder auf ein Minimum zu reduzieren.
Index für Inklusion (2006), S. 13
Inklusionspädagogik
Wertschätzung und Anerkennung von
sozialer Vielfalt:
z. B. Geschlecht, sexuelle Identität,
Behinderung, ethnische, nationale, religiöse
und soziale Zugehörigkeit, individuelle
Fähigkeiten und Beeinträchtigungen
(vgl. Berliner Kita-Fördergesetz, § 1, Abs.3, Nr.2)
Auseinandersetzung mit
Ausgrenzung und Diskriminierung
Wo zeigen sich die
Vielfaltsdimensionen Geschlecht,
Geschlechtsidentität und sexuelle
Orientierung in der Kita?
Begriffsklärung
„Sexuelle Vielfalt“ als gesellschaftspolitischer
Begriff – um welche Themen geht es?
Der gesellschaftspolitische Begriff sexuelle Vielfalt
steht für die Vielfalt von Lebensformen, sexuellen
Orientierungen, Geschlechtsidentitäten und
Geschlechterinszenierungen,
er bezieht sich also nicht auf Sexualität oder
Sexualpraktiken, sondern auf Identität und
Lebensformen.
Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg /
Bildungsinitiative QUEERFORMAT, Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der
pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Handreichung für
Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, Berlin 2012, S. 96
Was ist Geschlecht?
Geschlecht
„Gender“
„Sex“
Welche Aspekte umfasst der Begriff
Sexuelle Idenität?
Sexuelle
Identität
Biologisches
Geschlecht
Psychisches
Geschlecht
Soziales
Geschlecht
Sexuelle
Orientierung
Heteronormativität
Es gibt (nur) zwei Geschlechter.
Die zwei Geschlechter sind eindeutig, klar
unterscheidbar und unveränderbar. Sie
stehen in einer hierarchischen Ordnung
zueinander.
Begehren ist nur zwischen den
Geschlechtern, nicht innerhalb von ihnen
vorgesehen: Heterosexualität gilt als
natürlich und normal.
Geschlechtervielfalt: Zwei Geschlechter oder viele?
Geschlecht
„Gender“
„Sex“
Sexuelle
Identität
Biologisches
Geschlecht
Psychisches
Geschlecht
Soziales
Geschlecht
IDENTITÄT
KÖRPER
Sexuelle
Orientierung
BEGEHREN
ROLLE/
PRÄSENTATION
Begriffsklärung
Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt – um
welche Kinder geht es?
Geschlechtsvariante Kinder
Intergeschlechtliche Kinder
Transidente Kinder
Kinder, die sich nicht geschlechtsrollenkonform verhalten
Kinder mit gleichgeschlechtlichen Gefühlen
Kinder, die sich lesbisch, schwul oder bisexuell
identifizieren bzw. identifizieren werden
Kinder aus Regenbogenfamilien
Intergeschlechtliche Kinder
Intergeschlechtlichkeit:
• Tabuisierung (auch bei Eltern)
• Traumatisierung durch Operationen
• Änderung im Personenstandsrecht zum 01.11.2013
§ 22 Absatz 3 Personenstandsgesetz (PersStdG)
„Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem
männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der
Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das
Geburtenregister einzutragen.”
Es gibt nun also Kinder ohne (amtliches) Geschlecht in
Deutschland.
Transidente Kinder
Transidentität kommt schon im Kindesalter vor.
Fast 20% der befragten Trans*-Jugendlichen antworten,
sie hätten es „schon immer gewusst“
Lynne Hillier et.al.: Writing Themselves In 3, Melbourne 2010
Stichprobe: 3134 LGBT-Jugendliche (davon 3% Trans*)
Kinder sprechen offen über ihre
Geschlechtsidentität und sagen zum Beispiel:
„Ich bin kein Mädchen, ich bin ein Junge. Ich heiße nicht
Sophie, ich heiße Ben. Nennt mich bei meinem richtigen
Namen.“
Transidente Kinder
Transidentität ist keine Frage der Wahl oder der
Erziehung. Niemand kann einen Menschen transident
„machen“ oder die Geschlechtsidentität bei einem Kind
ändern.
Anpassungsdruck an vorherrschende Geschlechternormen
schadet der Entwicklung transidenter Kinder.
Empfehlung: Die Kinder in ihrer Geschlechtsidentität
(psychisches Geschlecht) respektieren und unterstützen.
Stephanie Brill und Rachel Pepper: Wenn Kinder anders fühlen. Identität im anderen
Geschlecht, München/Basel 2011
Kinder, die sich nicht
geschlechtsrollenkonform verhalten
Erfahrung von Ausgrenzung, Hänselei und Spott
Platzverweise und Aufforderungen, sich den geltenden
Geschlechternormen anzupassen
Erfahrung von Ausschluss (z. B. bei Spielen oder
Gemeinschaftsaktivitäten nicht beteiligt werden)
Strukturelle Ausschlüsse (z. B. durch
geschlechtergetrennten Sportunterricht)
Gewalterfahrung
Heteronormativität und Kindeswohl
Auf die Gefahren von Heteronormativität für Kinder weist
die UNESCO in einem Bericht vom Juli 2011 hin und beklagt, dass
"oft schon auf dem Schulhof der Grundschule Jungen, die von
anderen für zu feminin und unmännlich gehalten werden, oder
junge Mädchen, die als Tomboys [‚jungenhafte‘ Mädchen] gelten,
Hänseleien aushalten müssen und manchmal aufgrund ihres
äußeren Erscheinungsbilds und Verhaltens die ersten Prügel
bekommen, weil ihre Erscheinung und ihr Verhalten als Bruch mit
der heteronormativen Geschlechtsidentität empfunden werden.“
International consultation on homophobic bullying and harassment in educational institutions,
UNESCO concept note, July 2011
zitiert in: Vereinte Nationen, Generalversammlung, Menschenrechtsrat, 19. Sitzung, Bericht der
Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte:
"Discriminatory laws and practices and acts of violence against individuals based on their sexual
orientation and gender identity", A/HRC/19/41, 17. Novemver 2011, Punkt 59
Coming-out
Um wie viele Jugendliche geht es?
ca. 10% aller Jugendlichen sind queer:
Ihre sexuelle Orientierung unterscheidet sich von der
Mehrheitsgesellschaft, d.h. sie sind lesbisch, schwul oder
bisexuell,
oder ihre Geschlechtsidentität unterscheidet sich von der
Mehrheitsgesellschaft, d.h. sie sind trans*
Lynne Hillier et.al.: Writing Themselves In 3, Melbourne 2010
Stichprobe: 3134 LGBT-Jugendliche
Coming-out
Ab wann wissen queere Jugendliche von ihrem „Anderssein“?
1. Inneres Coming-out (lesbisch/schwul/bisexuell bzw.
„same sex attracted“)
Schon immer gewusst: 10%
bis 10 Jahre: insgesamt 26%
bis 13 Jahre: insgesamt 60%
bis 15 Jahre: insgesamt 85%
2. Geschlechtsidentität (trans* bzw. „gender questioning“)
Fast 20% haben es schon immer gewusst
Lynne Hillier et.al.: Writing Themselves In 3, Melbourne 2010
Stichprobe: 3134 LGBT-Jugendliche
Regenbogenfamilien
Typischer Befund:
Fehlende Akzeptanz durch die soziale Umwelt
Defizitperspektive:
Annahme, den Kindern „fehlt irgendetwas“
Diskriminierungs- und Stigmatisierungserfahrungen
(am häufigsten: Beschimpfungen durch Gleichaltrige, aber
auch Androhung von Gewalt, Beschädigung von Eigentum,
reale Gewaltanwendung)
Rupp; Marina (Hrsg.): Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichten
Lebengemeinschaften, 2009.
Kinder aus Regenbogenfamilien leiden am stärksten
darunter, dass ihre Lebenswelt in den pädagogischen
Einrichtungen nicht vorkommt.
Uli Streib-Brzic/Christiane Quadflieg (Hrsg.) „School is Out?! –Vergleichende Studie
Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen in der Schule“, Humboldt-Universität zu
Berlin, 2011.
Vielfalt fördern – von klein auf
Positiver Umgang mit Unterschieden macht stark
für das Leben in einer von Vielfalt geprägten
Gesellschaft
Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher
Vielfalt ist vorteilhaft für alle Kinder:
Schutz für alle Kinder, die „anders“ sind
Sicherheit für alle Kinder im Umgang mit Vielfalt
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