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INHALT | EDITORIAL 1/2010 INHALTSVERZEICHNIS - azubee

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INHALT | EDITORIAL 1/2010
1
Liebe Leserin, lieber Leser,
Der Begriff „Prophylaxe“ ist heute in
allen medizinischen Bereichen ein
wichtiges Thema.
Eine Ihrer Aufgaben im täglichen
Praxisalltag ist die Aufklärung der Patientinnen und Patienten über die
Wichtigkeit der regelmäßigen Mundhygiene und Prophylaxe. Denn nur so
können Langzeitfolgen in der Zahnmedizin vermieden werden. In unserem Praxisfall erfahren Sie alles über
die zahnmedizinische Prophylaxe.
In der Fachkunde beschäftigen wir
uns mit der Neurologie. Das Ausschalten des Schmerzempfindens vor
einer zahnärztlichen Behandlung
setzt eine gute Anästhesie voraus.
Wegen der komplizierten Nervenverzweigungen im Gesichtsbereich ist
diese sehr schwer auszuführen. Welche Nerven vor allem von Bedeutung
sind und was vor einer ärztlichen Behandlung zu beachten ist, beschreiben wir Ihnen ausführlich.
Sie haben Angst vor der Prüfung? In
unserer Rubrik „Ausbildung und Beruf“ finden Sie Tipps zum besseren
Lernen.
Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches
Jahr 2010.
Ihre
Barbara Switon
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
1
DER PRAXISFALL
Die Prophylaxe
2
FACHKUNDE
„Mein Zahn nervt!“ – Kleine Neurologie für ZFA
10
AUSBILDUNG UND BERUF
Eine alltägliche Behandlungssituation
Tipps zum besseren Lernen
16
23
WISSENSTRAINING
Übungen zum Thema Paradontosis
29
KURZ GEMELDET
Fluoride – Die Nummer 1 im Kampf gegen Karies
Genuss ohne Reue
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
32
32
2
DER PRAXISFALL
Die Prophylaxe
Sicher haben unsere Stammleser in den letzten Ausgaben wieder
die verschiedenen Praxisfälle mitverfolgt. Bei jedem dieser Patienten hat die Auszubildende Myriam eine Menge an Erfahrung dazu
gewonnen und sich einiges an Basiswissen angeeignet.
Von Ute Springer, Oberstudienrätin; Stuttgart
Die Situation
Nur ganz wenige erwachsene
Patienten können strahlend 32 karies- und parodontitisfreie Zähne vorweisen. Diese, aber vor allem alle anderen Patienten, die nicht mit einem
naturgesunden Gebiss ausgestattet
sind, sollten das individuelle Prophylaxeprogramm in Anspruch nehmen.
Die Weiterentwicklung der Medizin
hat es mit sich gebracht, dass heute
– 2010 – mehr Leistungen zur Verfügung stehen. So manchem Patienten
fällt es dabei schwer zu entscheiden,
welche dieser Leistungen unbedingt
nötig, welche sinnvoll und welche
wünschenswert sind.
1 Prophylaxe = Verhütung, Vorbeugung
Ganz eindeutig gehört die zahnärztliche Prophylaxe zu den unabdingbaren Leistungen. Viele Patienten fragen sich nun, ob sie als Kassenpatienten eine Zahnzusatzversicherung
abschließen sollten. Zu dieser Frage
kann der Zahnarzt natürlich keine
Beratung anbieten, aber er kann auf
nützliche Informationen zu diesem
Thema im Internet hinweisen.
In jedem Fall ist es wichtig, sich richtig beraten zu lassen, verschiedene
Angebote einzuholen und darauf zu
achten, dass Versicherer in der Regel
nur zahlen, wenn der Schaden nicht
bereits vor Versicherungsabschluss
vorlag. So hatte eine Patientin bei
Vertragsabschluss wahrheitsgemäß
geantwortet, dass ihr ein Zahn fehle.
Die später angefertigte Brücke wurde von der Versicherungsleistung daher ausgeschlossen.
Wichtig in allen
Bereichen der Medizin:
Prophylaxe1
Die Verhütung von spezifischen Infektionskrankheiten, wie Kinderlähmung, ist durch eine sichere Schutzimpfung gewährleistet.
Die Beachtung wichtiger Verhaltensregeln, z.B. Verwendung von Kondomen, Mundschutz, Handschuhen,
vor allem aber vorsichtiger Umgang
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
3
mit Blut und mit Sekreten verunreinigten Gegenständen, wie z.B. benutzte Spritzen, schützen vor einer
HIV-Infektion.
Die zahnärztliche Prophylaxe zur Verhütung von Karies und marginaler
Parodontitis umfasst im Unterschied
zu diesen beiden oben genannten
Beispielen viele Bereiche.
Die Prophylaxe als Oberbegriff umfasst:
Gesundheitsförderung
Beispiele: Patienten werden in einem
individuellen Gespräch auf einen gesunden Lebensstil (Ernährung, Hygiene) hingewiesen. Kinder lernen im
Kindergarten oder in der Schule, wie
man sich durch gesunde Ernährung
und Mundhygiene ein gesundes GeAbb. 1 bis 3).
biss erhält (
Prävention
(von lat. praevenire = zuvorkommen)
Beispiel: Erkennen und verhindern
von Risiken, die z.B. zu Karies und Parodontitis führen können.
Vorsorge
Beispiel: Frühstadien von Erkrankungen, z.B. Initialkaries3 bei der regelmäßig erforderlichen eingehenden
Untersuchung erkennen und frühzeitig behandeln, um das Fortschreiten
Abbildung 1
Schulkinder lernen gesunde und kariogene2 Kost
zu unterscheiden
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
dieser Krankheit, z.B. Karies, zu verhindern.
Abbildung 3
Rehabilitation (Wiederherstellung)
Beispiel: Kariestherapie und Behandlung der Parodontitis marginalis.
Nachsorge (Maßnahmen zur Erhaltung der Therapieergebnisse)
Beispiel: Nachsorge nach Implantatversorgung.
Stuhlkreis beim Kindergarten-Prophylaxeprogramm
Prophylaxe in der
Zahnmedizin
Myriam weiß nun schon aus Erfahrung, welche wichtige Bedeutung
die regelmäßige professionelle
Zahnreinigung, die Kontrolle der
häuslichen Mundhygiene, die Beratung zur Zahnpflege und Ernährung
und vor allem auch die Motivation
der Patienten hat. In ihrer Praxis
werden die Patienten im Rahmen
des Recall-Systems (Wiederbestellsystem für Patienten innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts) je
nach Gebiss-Situation regelmäßig
zur Kontrolle einbestellt. Der Zeitabstand kann bei einer guten Mundhygiene 4 bis 5 Monate betragen,
bei Patienten, die Schwierigkeiten
mit der häuslichen Mundpflege haben, 6 bis 8 Wochen.
Abbildung 2
Projekttag in der Schule zum Thema Mundhygiene
2 kariogen = Karies hervorrufend, Karies
erzeugend
3 Initialkaries = Anfangskaries
4
DER PRAXISFALL
Fragen und Antworten
Info
IP = Abk. für: Individualprophylaxe
Das Programm zur Verhütung von Karies und Parodontalerkrankungen. Alle Maßnahmen
der IP für die Altersgruppe der 6- bis 17-Jährigen sind auf eine Einzelperson (ein Individuum)
bezogen. Gesetzliche Grundlage für den Anspruch der GKV-Versicherten4 auf Teilnahme an
der IP ist das Sozialgesetzbuch.
• IP1 (eine BEMA-Nr.)
Die Leistung für die IP1 umfasst die Beurteilung der Mundhygiene und des Gingivazustandes im Rahmen der Individualprophylaxe anhand eines geeigneten Indexes, z.B. Blutungsindex (PBI = Papillen-Blutungs-Index oder SBI = Sulcus-Blutungs-Index), Plaqueindex (OHI = Oralhygiene-Index oder API = Approximalraum-Plaque-Index) oder
Plaque- Index nach Quingley-Hein, ein Test, der den Umfang der Ausbreitung von Zahnbelägen an den Zahnflächen dokumentiert.
• IP2 (eine BEMA-Nr.)
Die Leistung für die IP2 umfasst im Rahmen der Individualprophylaxe die Mundgesundheitsaufklärung bei Kindern und Jugendlichen bis zum 17. Lebensjahr. Sie umfasst ferner
die Aufklärung über Ursachen von Karies und Gingivitis sowie deren Vermeiden. Hinzu
kommen Ernährungshinweise und Mundhygieneberatung mit praktischen Übungen.
• IP4 (eine BEMA-Nr.)
Die Leistung für eine IP4 umfasst die lokale (örtliche) Fluoridierung der Zähne im Rahmen
der Individualprophylaxe.
• IP5 (eine BEMA-Nr.)
Die Leistung umfasst die Versiegelung von kariesfreien Fissuren der bleibenden Molaren
(Zähne 6 und 7) mit aushärtenden Kunststoffen im Rahmen der Individualprophylaxe.
Bei PKV-Versicherten5 erfolgt die Abrechnung der prophylaktischen Leistungen nach GOZ.
• Die GOZ 100 entspricht dem Inhalt der IP1.
• Die GOZ 101 entspricht dem Inhalt der IP2.
• Die GOZ 102 entspricht dem Inhalt der IP4.
• Die GOZ 200 entspricht dem Inhalt der IP5.
Durch diese regelmäßige Überwachung können Schäden verhindert
oder zumindest frühzeitig erkannt
und behoben werden. Daher nimmt
die Mundhygiene-Behandlung auch
einen großen Teil der täglichen Arbeitszeit in Anspruch.
Ganz besonders wichtig ist die Teilnahme der Kinder am IP-Programm.
4 GKV = gesetzliche Krankenversicherung
5 PKV = Private Krankenversicherung
Myriam hat zu diesem wichtigen
Thema „Prophylaxe“ Fragen und
Antworten zusammengestellt. Sie
weiß, dass dieser Bereich nicht nur
im Alltag der Praxis, sondern auch
bei den Prüfungen von großer Bedeutung ist.
Was versteht man unter dem Begriff
„Anamnese“?
Die Vorgeschichte einer Krankheit
nach Angaben des Patienten.
Nennen Sie wichtige Beispiele aus
der Zahnmedizin.
• Dauerhafter Gebrauch der Saugerflasche bei Kleinkindern ergibt ein
besonders hohes Kariesrisiko.
• Essstörungen (z.B. Ess-Brechsucht):
Gefährdung der Zähne durch den
sauren Mageninhalt.
• Krankheitssituationen, die das Kariesrisiko erhöhen.
Beispiel: Bei Krebserkrankungen
kann nach Strahlentherapie eine so
genannte Strahlenkaries auftreten.
Bei neurologischen Erkrankungen,
z.B. Parkinson-Erkrankung, Apoplexie (Schlaganfall) oder Multipler
Sklerose (MS), kann die Fähigkeit
zur Zahn- und Mundpflege beeinträchtigt sein. Und es können
Schluckstörungen auftreten.
Erklären Sie den Begriff „Ätiologie“
und nennen Sie Beispiele aus der
Zahnmedizin.
Ätiologie ist die einer Krankheit zugrunde liegende Ursache bzw. die
Theorie über die Faktoren und Ursachen, die Krankheiten hervorrufen.
Die häufigsten Erkrankungen der
Mundhöhle (Karies mit ihren Folgeerkrankungen Pulpitis und Parodontitis apicalis so wie Gingivitis und
marginale Parodontitis) werden
durch Mikroorganismen hervorgerufen.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
5
Unterscheiden Sie die Begriffe
1. Biofilm
2. Pellikel
3. Plaque
1. Biofilm nennt man die Erstbesiedelung der Zahnoberflächen durch
einen kleinen Teil der oralen Mikroflora. Je dicker der Biofilm wird,
desto schlechter wird die Sauerstoffversorgung in den tieferen
Schichten. Dadurch entstehen in
der Tiefe anaerobe Bedingungen,
in denen sich vor allem Fäulniserreger aufhalten. Im Biofilm finden
sich durch die unterschiedlichen
Bedingungen verschiedene Arten
von Mikroorganismen.
2. Pellikel nennt man den Niederschlag auf der gereinigten Zahnoberfläche, bestehend aus verschiedenen Makromolekülen und Antikörpern. Die Pellikel verändern je
nach Zusammensetzung des Speichels ihre elektrische Ladung und
die freie Energie der Oberflächen.
3. Plaque ist die Besiedelung der
Mundhöhle mit Mikroorganismen.
Im Gegensatz zur Besiedelung von
Weichgeweben, wie z.B. der
Schleimhaut, ist die Kolonienbildung auf den Zahnhartsubstanzen
für die Mikroorganismen erleichtert, weil sich die Zahnoberfläche
nicht abschilfert.
Beschreiben Sie die Plaqueentstehung!
Die Besiedelung der Zahnoberflächen mit Mikroorganismen verläuft
in verschiedenen Phasen:
• Bildung der Pellikel unmittelbar
nach der mechanischen Reinigung
der Zahnflächen.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
• Adhäsion von Bakterien, vor allem
Streptokokken (Streptococcus sanguis, Streptokokkus mitis und Streptokokkus oralis). Der Biofilm entsteht.
• Aus den Zuckerstoffen der Nahrung werden Polysaccharide gebildet, die ein dreidimensionales Netz
bilden, in dem sich weitere (gramnegative) Kokken und Stäbchenbakterien anlagern können. Die
Bakterienmasse nimmt dadurch
rasch zu.
• Variationen in der Plaquebildung
kommen vor, z.B. wenn der Patient
eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) hat. Dies führt zu einer schnelleren und intensiveren Plaquebildung.
Was sind Mikroorganismen?
Kleinstlebewesen sind z.B. Bakterien,
Pilze, Protozoen und Viren. Man unterscheidet:
• pathogene (krankmachende) Mikroorganismen, z.B. Mutans-Streptokokken, die als Auslöser der Karies gelten, und
• apathogene (nicht krank machende) Mikroorganismen, z.B. Milchsäurebakterien.
Geben Sie Beispiele für pathogene
Keime aus der Zahnmedizin.
Beispiele für Mikroorganismen, die
für Krankheiten in der Zahnmedizin
verantwortlich sind:
• Actinobacillus actinomycetem comitans (Aa), ein kleines, unbewegliches Bakterienstäbchen, das vermutlich verantwortlich ist für eine
früh einsetzende, lokale, aggressive Parodontitisform.
6
DER PRAXISFALL
• Porphyromonas gingivalis (Pg), ein
anaerobes, kurzes Bakterium, das
bei Rauchern doppelt so häufig
auftritt wie bei Nichtrauchern. Das
Gleiche gilt für
• Tannerella forsythensis (Tf), ein Paradontitis auslösendes Bakterium.
Sie kommen in höherer Zahl an
Stellen mit Gingivitis vor.
Worauf achtet der Zahnarzt bei der
zahnärztlichen Untersuchung besonders?
Bei der zahnärztlichen Untersuchung
(klinische Untersuchung), achtet der
Zahnarzt auf lokale (örtliche) Retentionsstellen wie Fissuren und Grübchen, Füllungs- und Kronenränder, an
denen sich vermehrt Plaque absetzt
und die dadurch besonders anfällig
für Karies sind (Kariesprädilektionsstellen). Bei kleinen Kindern weist
vermehrte Plaquebildung an den Labialflächen der Oberkieferschneidezähne auf ein erhöhtes Kariesrisiko
hin. Auffallende Essensreste an oder
zwischen den Zähnen, Mundgeruch
(Foetor ex ore), vermehrte Plaquebildung und Gingivitis sind Hinweise auf
mangelnde Mundhygiene.
Geben Sie die Bedeutung des Begriffs an.
Durch Ermittlung des dmf-t bzw.
DMF-T sind Rückschlüsse auf das Kariesrisiko möglich.
Wofür steht der Buchstabe „S“?
s/S = engl. Surface (Fläche; auch:
Glattfläche). Flächenbezogene Ermittlung des Kariesrisikos. Berücksichtigt werden fünf Flächen der Molaren und Prämolaren und vier Flächen der Schneide- und Eckzähne.
Wie wird das Kariesrisiko nach der
Definition des Deutschen Arbeitskreises für Jugendzahnheilkunde
(DJA) eingeteilt?
Alter in Jahren dmf-t/DMF-T
bis 3
bis 4
bis 5
6 bis 7
8 bis 9
10 bis 12
>0
>2
>4
>5
>7
Approximalkaries
an einem bleibenden Molaren
Erklären Sie die Abkürzungen dmf-t
Erklären Sie den Kariesbegriff.
Abkürzung von: decayed (kariös),
missing (fehlend) filled (gefüllt) und
tooth (Zahn).
Wozu unterscheidet man bei der Abkürzung die Groß- und Kleinschreibung?
dmf-t (klein) bei Milchzähnen;
DMF-T (groß) bei bleibenden Zähnen.
Karies ist eine multifaktoriell (durch
verschiedene Faktoren verursachte)
Erkrankung mit Zerstörung der Zahnhartsubstanzen und möglichen Folgeerkrankungen wie z.B. Pulpitis.
Bei der Kariesentstehung sind neben
der Örtlichkeit Mundhöhle, die die
Eintrittspforte für Mikroorganismen
in den Körper ist, angeborene (genetische), erworbene (z.B. krankheitsbedingte) und verhaltensbedingte
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
7
Faktoren (z.B. Ernährung, Mundhygienemaßnahmen) beteiligt. Karies ist
neben der Parodontitis die häufigste
Erkrankung der Mundhöhle.
Was versteht man unter Plaquekontrolle?
Plaquekontrolle ist die
• mechanische Zahnreinigung mit
Hilfe von Zahnbürsten und andere
mechanische Hilfsmittel
und die
• chemische Anwendung von Substanzen und Präparaten, die vorhandene Plaque reduzieren oder
ihre Neubildung und Reifung verhindern bzw. hemmen sollen; Beispiel: Chlorhexidin
Geben Sie kurz an, was eine Prophylaxehelferin zum Thema Ernährungsverhalten wissen muss.
Ziel ist eine ausreichende und vollwertige Ernährung und ein bewusster und kontrollierter Umgang mit
Kohlenhydraten, vor allem mit Lebensmitteln, die versteckten Zucker
enthalten. Beispiel: Zucker, der auch
in nicht süß schmeckenden Nahrungsmitteln in oft hoher Konzentration enthalten ist, z.B. in Cola, Dosenfisch, Tomatenketchup oder Senf.
Merke: Zucker ist kariogen, d.h. er
fördert die Kariesentstehung.
Welche Gruppen von Kohlenhydraten (Saccharide) unterscheidet
man?
Unterscheiden Sie
a) erhöhte Kariesaktivität,
b) Karieserfahrung und
c) Karieszuwachs.
a) Von einer erhöhten Kariesaktivität
spricht man, wenn beispielsweise
– bei einem sehr jungen Patienten
der Zeitraum zwischen der Untersuchung und der Entstehung
von Karies sehr kurz ist,
– wenn während der Wechselgebissphase Karies an erst kurz durchgebrochenen Zähnen auftritt.
b) Karieserfahrung nennt man das
vergangene Kariesrisiko, das mit
der Zahl der fehlenden Zähne sowie der Anzahl der Zähne mit Karies und Füllungen (DMF-T, dmf-t)
umschrieben wird.
c) Von Karieszuwachs spricht man,
wenn innerhalb eines bestimmten
Zeitraums Karies neu entsteht.
Dies ist ein Hinweis auf erhöhtes
Kariesrisiko.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
• Einfachzucker (Monosaccharide),
z.B. Glucose und Fructose;
• Doppelzucker (Disaccharide), z.B.
Saccharose (Haushaltszucker) und
Lactose (Milchzucker) sowie
• Vielfachzucker (Polysaccharide),
z.B. Stärke.
Welche Bedeutung haben Fluoride?
Wirkstoffe zur Kariesprävention und
Remineralisation der Zahnhartsubstanzen. Fluoride können aufgenommen werden über:
• Trinkwasser und Nahrung.
In Deutschland ist 90% des Trinkwassers nicht als Fluoridquelle geeignet, da der Fluoridgehalt zu gering ist (unter 0,3 ppm). Als Fluoridquellen kommen bestimmte
Mineralwässer, Teesorten und
Fischprodukte, z.B. Ölsardinen und
fluoridiertes Salz, in Frage.
• Fluoridtabletten,
• fluoridhaltige Zahnpasta (wichtigste Quelle) und
• Gelzubereitungen, die einmal pro
Woche nach dem Zähneputzen für
ca. 3 Minuten aufgetragen werden.
• Lacke, mit denen die Zahnoberflächen beschichtet werden und die
das Fluorid verzögert freigeben.
Die Anwendung der Lacke erfolgt
regelmäßig beim Zahnarzt.
Erklären Sie die Bedeutung der Fissurenversiegelung.
Welche Bedeutung haben die Kohlenhydrate?
Kohlenhydrate sind Hauptbestandteil vieler Lebensmittel und für eine
gesunde Ernährung erforderlich.
Auch Plaquebakterien benötigen
Kohlenhydrate zur Energiegewinnung. Bei deren Stoffwechsel entstehen Säuren, die die Kariesbildung
fördern.
Merke: Ohne Kohlenhydrate keine
Kariesentstehung.
Maßnahmen, durch die Fissuren
und Grübchen, in denen sich langkettige Kohlenhydrate festsetzen
und das Risiko einer Kariesentstehung erhöhen können, abgedeckt
werden.
Was ist Chlorhexidin?
Welche Bedeutung hat diese Substanz in der Zahnmedizin?
Chlorhexidin ist eine antibakteriell
wirksame Substanz. Sie verhindert
die Adhäsion der Bakterien auf der
Zahnoberfläche und wirkt bakterio-
8
DER PRAXISFALL
statisch6 gegen die meisten oralen
Mikroorganismen. In hoher Konzentration wirkt es bakterizid7, d.h. es
zerstört und tötet Bakterien.
oralen und vestibulären Flächen
anpassen, sofern sie im richtigen
Winkel zur Zahnoberfläche angewendet werden.
Nebenwirkungen durch längerfristige Anwendung von Chlorhexidin
sind u.a. Verfärbung von Zähnen und
Füllungsmaterialien, Geschmacksirritationen, brennendes Gefühl im
Mund und eine schwarze Verfärbung
der Zunge.
• Elektrische Zahnbürsten. Man unterscheidet
1. oszillierende (schwingend-rotierende) Bürsten mit einem kleinen runden Bürstenkopf, der
auch schwer zugängliche Bereiche reinigen kann und
2. Ultraschallzahnbürsten,
mit
meist relativ großem Bürstenkopf. Ultraschallzahnbürsten arbeiten mit Schwingungen von
bis zu 5000 pro Minute.
Die Verfärbungen an Zähnen und
Kronen müssen durch professionelle
Zahnreinigung beseitigt werden. An
Zunge und Mundschleimhaut verblassen sie von alleine.
Was ist eine Einbüschelbürste?
Erklären Sie dem Patienten, was
man unter optimaler Zahnputzmethode versteht.
Die Zähne sollen möglichst nach jedem Essen, mindestens aber nach
dem Frühstück und nach dem
Abendessen, gereinigt werden. Um
keine Zahnfläche zu vergessen,
muss systematisch vorgegangen
werden.
Welche Funktion haben Zahnbürsten?
Zahnbürsten sind Hilfsmittel für die
mechanische Reinigung der oralen, vestibulären und okklusalen Zahnflächen.
Die Einbüschelbürste hat einen Bürstenkopf mit sehr kleinem Borstenfeld,
das sich zur Reinigung von Nischen,
z.B. bei Zahn-Engstand, eignet.
Die Einbüschelbürste ist nicht für den
Interdentalraum geeignet.
Begründen Sie die Verwendung von
Hilfsmitteln zur Reinigung des Interdentalraums.
Da die Zahnbürste den Interdentalraum nicht erreichen kann, müssen
die Approximalflächen durch spezielle Hilfsmittel gereinigt werden.
Nennen Sie verschiedene Hilfsmittel
zur Interdentalraumreinigung
Nennen Sie verschiedene Arten von
Zahnbürsten!
6 bakteriostatisch = das Wachstum und die
Vermehrung von Bakterien hemmend
7 bakterizid = Bakterien tötend
• Handzahnbürsten, z.B. Kurzkopfzahnbürsten mit planem (ebenem)
Borstenfeld und dichtem Besatz
parallel angeordneter, mittelharter
Nylonborsten, die sich optimal den
• Interdentalraumbürsten sind wendelförmig angeordnete Kunststoffborsten verschiedener Durchmesser und Formen (zylindrisch,
konisch oder mit dreieckigem
Querschnitt). Mit einer Interdentalraumbürste lassen sich auch
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
9
freiliegende Wurzelgebiete reinigen. Die ideale Bürstengröße muss
mit leichtem Widerstand einführbar sein. Eine zylindrische Bürste
ist besser geeignet als eine konische. Für Patienten mit Nickelallergie oder Implantaten können Interdentalraumbürsten empfohlen
werden, bei denen der Drahtkern
mit Kunststoff beschichtet ist.
• Zahnseiden sind faden- oder bandförmige Hilfsmittel, die in der Regel über den Approximalkontakt in
den Interdentalraum eingebracht
werden. Sie bestehen aus Nylonfasern mit oder ohne Beschichtung.
Die Reinigungswirkung der Zahnseide hängt von der angewendeten Technik ab. Sie muss, nachdem
sie in den Approximalraum eingeführt wurde, systematisch auf beiden Approximalflächen auf- und
abgeführt werden (wie ein Handtuch, mit dem man sich nach dem
Duschen den Rücken abtrocknet).
Ein Zahnseidenhalter kann Erleichterung für die Anwendung bringen,
da das Fixieren der Zahnseide mit
den Fingern entfällt. Praktische
Schulung und wiederholte Kontrolle bei den Prophylaxesitzungen
sind erforderlich.
Was ist ein Speicheltest?
Test, bei dem die Speichelqualität
(dünnfließend-serös oder zähfließendmukös) und die Speichelmenge (Speichelfließrate hoch oder gering) geprüft wird.
Vorsicht: Einnahme von Antibiotika
oder Anwendung von Mundspüllösungen kann das Testergebnis verfälschen.
Auch die so genannten MutansStreptokokken-Speicheltests können
nur Hinweise geben auf ein vermutlich erhöhtes Kariesrisiko.
Was versteht man unter einem
Zahnbürsttrauma?
Unter Zahnbürsttrauma versteht
man akute oder chronische Schäden
an Zähnen, z.B. keilförmige Defekte
am Zahnhals durch fehlerhafte
Mundhygiene mit hoher Bürstkraft
und fehlerhafter Bürsttechnik.
Was versteht man unter Parodontitis (Mehrzahl: Parodontitiden)?
Eine Entzündung des Zahnhalteapparates.
Mit welchen Worten empfehlen Sie
die Verwendung einer Munddusche?
Die Munddusche kann die von Zahnbürste und Zahnseide gelöste Plaque
abspülen, ist aber für die gezielte Reinigung der Zahnzwischenräume
nicht geeignet. Die Munddusche
kann also Zahnreinigung mit Zahnbürste und Zahnseide nicht ersetzen.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
10
FACHKUNDE
„Mein Zahn nervt!“
Kleine Neurologie für ZFA
Wie alle Gewebe und Organe des menschlichen Körpers werden
natürlich auch die Organe der Mundhöhle sowie Haut und Muskulatur des Gesichts durch Nerven versorgt. Jede ZFA weiß das, denn
schließlich gehört z.B. die Ausschaltung von Schmerzempfindungen durch geeignete Medikamente zu den häufigsten ärztlichen
Leistungen in einer Zahnarztpraxis!
Von Dr. Astrid Schumacher; Reinbek
Die Situation
In der Zahnmedizin sind vor allem
zwei Gehirnnerven von Bedeutung:
• der 5. Gehirnnerv (Drillingsnerv
oder Nervus trigeminus),
• der 7. Gehirnnerv (Gesichtsnerv
oder Nervus facialis).
Der Drillingsnerv
(Nervus trigeminus)
Abbildung 1
Augenast
Oberkieferast
Unterkieferast
Der Nervus trigeminus
Der 5. Gehirnnerv teilt sich noch innerhalb der knöchernen Schädelkapsel in drei Äste (daher der Name
„Drillingsnerv“):
• oberer (l.) Ast = Augennerv
(Nervus ophthalmicus),
• mittlerer (2.) Ast = Oberkiefernerv
(Nervus maxillaris) und
• unterer (3.) Ast = Unterkiefernerv
(Nervus mandibularis).
Die drei Äste bzw. ihre Verzweigungen treten durch verschiedene Löcher (= Foramina) im Knochen aus
der Schädelkapsel aus und ziehen zu
den Regionen des Gesichts, die sie
versorgen. Der Drillingsnerv ist ein
gemischter Nerv:
• Der Augennerv führt nur sensorische Bahnen für die Empfindungsfähigkeit von Haut und Schleimhaut. Er versorgt die Augenhöhle
(z.B. Bindehaut, Augenhornhaut,
Regenbogenhaut, Augenlider), die
Stirn und Teile der Nasenhöhle.
• Der Oberkiefernerv ist ebenfalls
ein rein sensorischer Nerv. Er tritt
durch das runde Loch (= Foramen
rotundum) an der Schädelbasis
durch das Keilbein aus, zieht in den
Oberkieferknochen und spaltet
sich anschließend in zahlreiche
Zweige auf, welche die Haut und
Schleimhäute der Oberkieferregion
(Gesichtshaut, Schleimhautbedeckung der hinteren Nasenhöhle,
des Gaumens, der Kieferhöhle,
Zahnfleisch) sowie die Oberkieferzähne versorgen.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
11
• Der Unterkiefernerv ist ein gemischter Nerv. Er tritt durch das
ovale Loch (= Foramen ovale) an
der Schädelbasis aus und verzweigt
sich anschließend. Seine sensorischen Zweige versorgen die Haut
und Schleimhaut der Unterkieferregion, Zahnfleisch und Unterkieferzähne, die Zunge sowie einen
Teil der Schläfe. Ein motorischer
Zweig versorgt die Kaumuskeln
und einige Muskeln des Mundhöhlenbodens.
Der Zweig des Unterkiefernerven, der
die Unterkieferzähne versorgt, tritt
am Unterkieferloch (= Foramen mandibulae) in den Unterkiefer ein. Am
Kinnloch (= Foramen mentale) treten
einige der Nervenfasern wieder aus
und ziehen in Kinn und Lippe.
Anästhesie im Oberkieferund Unterkieferbereich
Sensorische Nerven sollen dem Menschen Empfindungen vermitteln.
Wenn die Empfindungen aber in
Schmerzen bestehen, so möchte
man auf diese Art der Sensibilität
gern verzichten!
Die Schmerzausschaltung stellt eine
wichtige Voraussetzung vieler zahnärztlicher Behandlungen dar. Wegen
der komplizierten Nervenverzweigungen im Gesichtsbereich ist die
Anästhesie, d.h. die Schmerzausschaltung in der zahnärztlichen Praxis, nicht leicht!
In der Zahnarztpraxis kommen vor
allem zwei Arten der Schmerzausschaltung häufig vor:
• die Oberflächen- und die Infiltrationsanästhesie sowie
• die Leitungsanästhesie.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
Info
Das Nervensystem ist das wichtigste Steuerungssystem des Menschen. In Zusammenarbeit
mit dem Hormonsystem sorgt das Nervensystem für eine Koordination der Organtätigkeiten
und ermöglicht sinnvolle Reaktionen auf Umweltreize. Zugleich bildet das Nervensystem
die Grundlage für das Bewusstsein und für die seelischen und geistigen Fähigkeiten eines
Menschen.
Das Nervensystem lässt sich gliedern, und zwar
• nach den Gesichtspunkten Lage und Aufgaben: in verarbeitendes und steuerndes Zentralnervensystem und in Leitungsbahnen;
• nach dem Gesichtspunkt der Willkürlichkeit: in willkürliches und unwillkürliches Nervensystem.
Das Zentralnervensystem besteht aus Gehirn und Rückenmark. Hier werden alle Informationen, die von den Organen des Körpers oder von der Außenwelt eintreffen, „registriert“,
„verarbeitet“, und von hier werden die „Befehle“ an den Körper gesendet.
Die Leitungsbahnen nennt man in ihrer Gesamtheit peripheres Nervensystem und unterscheidet sensorische (sensible) und motorische Bahnen. Die sensorischen Bahnen („Empfindungsbahnen“) leiten Informationen, welche mit Hilfe der Sinnesorgane aufgenommen
wurden, sowie Informationen aus den inneren Organen des Menschen dem Zentralnervensystem zu. Die motorischen Bahnen („Bewegungsbahnen“) leiten Befehle des Gehirns an die
Skelettmuskulatur bzw. an die glatte Muskulatur der inneren Organe.
Leitung der
Information an das
Gehirn über
sensorische
Nervenbahnen
Aufnahme von Reizen
aus der Umwelt und aus
dem eigenen Körper
• Empfang und Interpretation der Informationen
• Befehl zu einer Reaktion
Leitung der
Befehle an den
Organismus über
motorische
Nervenbahnen
Reaktion des Organismus
12
FACHKUNDE
Oberflächenanästhesie,
Infiltrationsanästhesie
Info
Das periphere Nervensystem besteht aus 31 bis 32 paarigen Rückenmarksnerven und den 12
paarigen Gehirnnerven sowie den zahlreichen Verzweigungen dieser Nerven. Die Rückenmarksnerven sind sog. gemischte Nerven, d.h. sie enthalten motorische und sensorische
Bahnen.
Ein „Empfindungsnerv“
enthält nur sensorische
Nervenbahnen, die Reize dem
Gehirn zuleiten.
Ein „Bewegungsnerv“ enthält
nur motorische Nervenbahnen, die Befehle des Gehirns
ableiten zu den Organen
des Körpers.
Ein gemischter Nerv enthält
sensorische und motorische
Nervenbahnen.
Die 12 Paar Gehirnnerven verlassen den Schädel durch besondere Öffnungen in den Schädelknochen. Sie versorgen überwiegend die Muskulatur von Kopf und Hals sowie die Sinnesorgane des Kopfes. Einige Gehirnnerven sind rein sensorische Nerven, z.B. der Riechnerv und
der Sehnerv, andere führen nur motorische Leitungsbahnen, z.B. der Nerv, welcher die Zungenmuskulatur versorgt. Gemischte Nerven sind z.B. der Gesichtsnerv und der Drillingsnerv;
sie führen sowohl motorische als auch sensorische Leitungsbahnen. Der 10. Gehirnnerv besteht aus Bahnen des vegetativen Nervensystems (s.u.).
Willkürlich nennen wir den Teil unseres Nervensystems, der für die Verarbeitung und Weiterleitung bewusster und mit dem Willen steuerbarer Informationen zuständig ist: Reize,
die unsere Sinnesorgane aufnehmen, werden uns „bewusst“; Bewegungen unserer Skelettmuskulatur können wir mit unserem „Willen“ kontrollieren. Das unwillkürliche Nervensystem nennt man vegetatives Nervensystem. Es arbeitet unabhängig vom Bewusstsein, versorgt unsere inneren Organe (z.B. Magen, Darm) und regelt ihre Tätigkeit, auf die wir keinen
willkürlichen Einfluss ausüben können.
Oberflächenanästhetika werden auf
das betroffene Gebiet aufgetragen
(gesprüht, eingerieben). Das Medikament sickert durch die Haut bzw.
Schleimhaut und hemmt die Reizbarkeit der oberflächlich liegenden
Nervenendigungen („betäubt“ sie).
Infiltrationsanästhetika werden in
das betroffene Gebiet gespritzt.
Auch sie sickern durch das Gewebe,
erreichen die Nervenendigungen
und hemmen deren Reizbarkeit („betäuben“ sie). Die Wirkung kann beschleunigt werden durch Massage
(massierende Bewegungen mit dem
Finger unter leichtem Druck) des zu
betäubenden Gebiets.
Sowohl Oberflächen- als auch Infiltrationsanästhetika gelangen nur an
die Nervenendigungen, nicht an die
gesamte Nervenfaser. Vorraussetzung für die Wirkung einer Oberflächen- bzw. Infiltrationsanästhesie
ist, dass das Medikament die zu betäubenden Nerven- bzw. Nervenendigungen erreicht. Im Fall einer
Zahnextraktion muss es also bis an
die Nervenfasern vordringen, die
den Zahn in seiner Alveole versorgen. Wird das Medikament in das
Zahnfleisch gespritzt, muss es durch
das Zahnfleisch und durch den Kieferknochen sickern, um die Zahnnerven zu erreichen. Das ist nur möglich, wenn die Knochenschicht über
dem Zahn nicht zu dick ist.
Im Oberkiefer kann in der Regel durch
Infiltrationsanästhesie eine ausreichende Schmerzausschaltung erreicht
werden, da hier die feste Knochenschicht, die sog. „Compacta“, nicht so
dick ist. Im Unterkiefer, insbesondere
im Seitenzahnbereich, ist aber die
Knochenschicht über den Alveolen zu
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
13
stark. Ein Medikament, das in das
Zahnfleisch gespritzt wird, kann hier
kaum bis zu den Zahnnerven vordringen. Eine Infiltrationsanästhesie würde also – insbesondere im Seitenzahnbereich – im Unterkiefer nicht für eine
Zahnextraktion ausreichen.
kieferseite zur völligen Schmerzausschaltung aber nicht aus, da
Nervenfasern von der gegenüberliegenden Unterkieferseite mit ihren langen Ausläufern bis weit auf
die andere Unterkieferhälfte übergreifen. Hier wird eine zusätzliche
Infiltrationsanästhesie notwendig.
Leitungsanästhesie
Wird das Leitungsvermögen einer
Nervenbahn ausgeschaltet („betäubt“), so nennt man diese Form
der Schmerzbeseitigung Leitungsanästhesie. Das gesamte, von der betäubten Nervenbahn versorgte Gebiet wird unempfindlich, da die betäubte Nervenfaser den Schmerzimpuls nicht mehr weiterleiten kann.
Bei einer Leitungsanästhesie wird das
Medikament in die unmittelbare
Nähe eines größeren Nerven gespritzt. Eine relativ kleine Menge an
Medikament reicht aus, um das gesamte, von diesem Nerven versorgte
Gebiet zu betäuben. Voraussetzung
für eine Leitungsanästhesie ist, dass
das Medikament wirklich in unmittelbare Nähe eines Nerven gespritzt
werden kann. Das ist im Mund- und
Kieferbereich in der engeren Umgebung einiger Kieferlöcher möglich,
durch die Nerven ein- bzw. austreten:
• In der Nähe der Austrittsstelle des
Oberkiefernervs am runden Loch
(vor seinem Eintritt in den Oberkieferknochen!) kann durch eine Injektion der gesamte Oberkiefer betäubt werden (Leitungsanästhesie
im Oberkiefer, auch Tuberanästhesie genannt).
• Am Unterkieferloch ist die Leitungsanästhesie im Unterkiefer
möglich. Im Bereich der Frontzähne und Prämolaren reicht die Leitungsanästhesie auf einer UnterDie Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
Der Gesichtsnerv
(Nervus facialis)
Der 7. Gehirnnerv, der Gesichtsnerv
(= Nervus facialis) ist – wie der Drillingsnerv – ein gemischter Nerv.
Doch im Gegensatz zum Nervus trigeminus, der überwiegend sensorische Bahnen enthält, besitzt der
Nervus facialis überwiegend motorische Bahnen.
Der Gesichtsnerv tritt durch ein
Loch im Schläfenbein (= Foramen
stylomastoideum) unterhalb der
Gehörgangsöffnung aus dem Schädel aus und zieht in die Ohrspeicheldrüse. Innerhalb der Ohrspeicheldrüse spaltet sich der Gesichtsnerv
in mehrere Äste auf. Die motorischen Verzweigungen dieser Äste
ziehen zum Gesicht und versorgen
die gesamte mimische Gesichtsmuskulatur. Die sensorischen Bahnen des Gesichtsnervs versorgen
u.a. einen Teil der Zunge.
Neben den willkürlichen motorischen und sensorischen Bahnen enthält der Gesichtsnerv auch Bahnen
des vegetativen Nervensystems, die
sog. sekretorischen Bahnen. Diese
Bahnen versorgen u.a. die Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüsen,
die kleinen Speicheldrüsen in der
Gaumenschleimhaut, die Tränendrüsen und die Drüsen der Nasenhöhle,
wo sie für die Abgabe von flüssigen
Sekreten sorgen.
Info
Oberflächenanästhesie, Infiltrationsanästhesie und Leitungsanästhesie nennt man
zusammenfassend auch Lokalanästhesie,
da nur ein umgrenztes Gebiet empfindungslos wird.
Die Lokalanästhesie beseitigt nicht nur das
Schmerzempfinden, sondern auch andere
Empfindungsmöglichkeiten (z.B. Druckund Geschmacksempfindungen); das betäubte Gebiet ist nicht nur schmerzfrei,
sondern fühlt sich „taub“ an; im Unterkiefer
kann es darüber hinaus auch zu Bewegungsbehinderungen (z.B. beim Sprechen, beim
Spucken) kommen, da geringe Mengen des
Betäubungsmittels auch den motorischen
Zweig des Unterkiefernerven erreichen
können.
Info
Der Nervus facialis ist vor allem für die Gesichtsmimik zuständig.
14
FACHKUNDE
Erkrankungen/Störungen
(Auswahl der in der Zahnmedizin besonders wichtigen
Erkrankungen)
Bei den Erkrankungen bzw. Störungen des peripheren Nervensystems
kann man grundsätzlich unterscheiden zwischen Reiz- und Ausfallerscheinungen der Nerven (vgl.
Tabelle).
• Wird ein sensorischer Nerv anhaltend gereizt, z.B. durch eine Verletzung oder eine Entzündung, kann
es zu – manchmal sehr heftigen! –
Schmerzen kommen; man spricht
von Neuralgie.
• Andauernde Reizungen der motorischen Nerven bewirken Krämpfe
der von ihnen versorgten Muskulatur.
• Ausfallerscheinungen von sensorischen Nerven führen zur Empfindungslosigkeit des von den betroffenen Nerven versorgten Gebiets (Anästhesie).
• Ausfallerscheinungen von motorischen Nerven führen zu schlaffen
Lähmungen der versorgten Muskulatur.
Tabelle
Nerv
Störung
Auswirkung
Sensorischer Nerv
Motorischer Nerv
Sensorischer Nerv
Motorischer Nerv
Reizung
Reizung
Ausfall
Ausfall
Schmerz (Neuralgie)
Krampf
Empfindungslosigkeit (Anästhesie)
Schlaffe Lähmung
Trigeminusneuralgie
Eine außerordentlich schmerzhafte
Erkrankung ist die Trigeminusneuralgie, die durch heftige, blitzartig
einschießende Schmerzanfälle gekennzeichnet ist. Die einzelnen
Schmerzanfälle dauern Sekunden
bis Minuten, viele Schmerzanfälle
können aufeinander folgen, und
zwar so häufig, dass die Patienten
weder sprechen noch essen können.
In der Regel treten die Schmerzen
nur einseitig auf; am häufigsten
betroffen sind die Ausbreitungsgebiete des Oberkiefer- und des
Unterkiefernerven. Eine Erhitzung
und Rötung der betroffenen Gesichtsgebiete, verstärkte Schweißabsonderung und Tränenfluss können zu den Schmerzsymptomen
hinzutreten. Selten kommt es auch
zu Zuckungen der Gesichts- und
Kaumuskulatur.
Die Ursachen der Trigeminusneuralgie sind noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Die Trigeminusneuralgie kann im Gefolge von Verletzungen, Entzündungen, Tumoren,
Fehlbildungen im Kopfbereich,
Stoffwechselerkrankungen, Infektionskrankheiten, Vergiftungen und
Durchblutungsstörungen auftreten.
Oft aber ist keine direkte Ursache
zu finden. Ein Zusammenhang mit
Zahnschädigungen besteht nur sehr
selten.
Auslöser für die Schmerzattacken
können Kauen, Niesen, Sprechen,
Kältereize oder Berührungen der
Haut über den Nervenaustrittspunkten, übermäßiger Alkoholgenuss oder psychische Belastungen
sein.
Symptome bei Erkrankungen/Störungen der peripheren Nerven (Übersicht, vereinfacht)
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
15
Facialisparese
Tetanus
Ein Ausfall der motorischen Bahnen
des Gesichtsnervs führt zur Erschlaffung der mimischen Gesichtsmuskulatur. Die Lähmung tritt einseitig auf
(Halbseitengesichtslähmung!). Die
betroffene Gesichtsseite hängt
schlaff herab und ist ausdruckslos,
die Lidspalte kann nicht geschlossen,
der Mund nicht gespitzt werden. Die
Muskeln der nicht betroffenen Gesichtsseite sind meist stark zusammengezogen, da die ausgleichenden
Kontraktionen der gegenüberliegenden Muskeln fehlen. Das Gesicht des
Patienten sieht so aus, als würde er
mit aller Kraft das eine Auge zusammenziehen.
Der Wundstarrkrampf (= Tetanus) ist
eine über die ganze Welt verbreitete
schwere Infektionskrankheit, die
durch die Tetanusbakterien bzw. das
von ihnen produzierte Toxin hervorgerufen wird. Sporen der Tetanuserreger stellen die gegenüber Umweltbedingungen sehr widerstandsfähigen Dauerformen dieser Erreger dar.
Sie befinden sich überall im Erdreich,
an Pflanzenteilen, in Tierkot und
auch auf Gegenständen (Praxismobiliar!) und haben eine praktisch unbegrenzte Lebensdauer.
Der Ausfall des einen Gesichtsnerven
ist zwar nicht schmerzhaft, trotzdem
aber für den Patienten sehr belastend. Er sieht nicht nur „eigenartig“
aus, er kann auch nicht mehr richtig
sprechen (alle Lautbildungen, bei denen die Mundringmuskulatur wichtig ist, sind behindert!), das Auge auf
der betroffenen Gesichtsseite ist gerötet und tränt eventuell, da auch
der Lidschlag ausfällt. Sind auch die
sensorischen und sekretorischen
Bahnen mit betroffen, kommt es u.a.
zu Ausfällen der Geschmacksempfindung und der Tränen- und Speichelsekretion.
Die möglichen Ursachen der Facialisparese sind vielfältig. Alle Faktoren,
welche den Gesichtsnerv schädigen
(z.B. Entzündungen, Durchblutungsstörungen, Kälteeinwirkung, operative Entfernung der Ohrspeicheldrüse,
Gesichtsverletzungen), können eine
Halbseitenlähmung des Nervus facialis auslösen.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
Durch oft nur winzige Verletzungen
der Haut oder Schleimhaut gelangen
die Sporen in den menschlichen Organismus, wo die Tetanuserreger aus
den Sporen „ausschlüpfen“ und unter Luftabschluss die Tetanustoxine
bilden. Diese Toxine wandern in den
Nervensträngen des peripheren Nervensystems in das zentrale Nervensystem. Sie „vergiften“ dort die motorischen Zentren und lösen ca. 7 bis
14 Tage nach der Infektion Krämpfe
der Skelettmuskulatur aus, und zwar
in der Regel zunächst in der Kaumuskulatur (= Trismus). Der Patient, der
die unbedeutende Verletzung meist
längst vergessen hat, leidet zunächst
nur unter unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerz und Mattigkeit und sucht den Zahnarzt erst
später wegen einer Kieferklemme
auf!
Auch die mimische Gesichtsmuskulatur, die durch den Gesichtsnerv versorgt wird, kann mit betroffen sein;
der Patient muss unwillkürlich grinsen. Dieses „Grinsen“ nennt man Risus sardonicus (etwa: „teuflisches
Lachen“). Die Muskelkrämpfe greifen
dann nach und nach auf die übrige
Skelettmuskulatur (die Extremitäten
bleiben meist unbetroffen) über. Der
Patient erleidet während der Krampfanfälle heftige Schmerzen, sein Bewusstsein bleibt bis zum Ende voll
erhalten. Auch bei Behandlung sterben heute noch immer nahezu 50%
der Tetanuskranken. Der einzig wirksame Schutz vor einer Erkrankung an
Wundstarrkrampf besteht in der vorbeugenden Impfung!
Info
Empfehlung der STIKO zur Tetanusprophylaxe
1. Impfung:
ab Beginn des 3. Lebensmonats
2. Impfung:
ab Beginn des 4. Lebensmonats
3. Impfung:
ab Beginn des 5. Lebensmonats
4. Impfung: 12. bis 15. Lebensmonat
1. Auffrischungsimpfung:
5. bis 6. Lebensjahr
2. Auffrischungsimpfung:
11. bis 18. Lebensjahr
Ab dann alle 10 Jahre.
16
AUSBILDUNG UND BERUF
Eine alltägliche
Behandlungssituation
Mit der Einführung der Lernfelder im Berufschulunterricht soll u.a.
das Verständnis für die Zusammenhänge zwischen den einzelnen
Tätigkeiten und den unterschiedlichen Bereichen der Praxis gefördert werden. Ob dieses Ziel damit erreicht wird, wird kontrovers
beurteilt – sinnvoll bleibt es aber allemal. Auch dieser Beitrag gibt
Anregungen, über die eigentliche Tätigkeit hinaus weitere Aspekte
des Gesamtkomplexes Patientenbetreuung und Praxisführung zu
berücksichtigen. Die aufgeworfenen Fragen können auch als Wegweiser bei der Prüfungsvorbereitung dienen.
Von Dr. med. dent. Wolfgang Schellhaaß; Altleiningen
Im Mittelpunkt dieses Beitrages steht eine ganz normale alltägliche Behandlungssituation. Der Fall
selbst ist nicht kompliziert. Das lässt
Ihnen Raum und Zeit, um einmal zu
reflektieren, welche Überlegungen
und konkreten Tätigkeiten im Praxisalltag auftauchen, an was man
alles denken muss, damit die einzelnen Bereiche der Praxis möglichst
reibungsarm ineinandergreifen können. Gleichzeitig soll Ihnen der Beitrag Anregungen und Denkanstöße
geben, mit welchen Gebieten und
Fragen Sie bei Prüfungen rechnen
müssen. Vom zeitlichen und inhaltlichen Rahmen (es werden besonders die Bereiche der Lernfelder 1 bis
4 angesprochen) passt der Beitrag
gut als Vorbereitung für die Zwischenprüfung. Die angesprochenen
Bereiche sind aber von einer so
grundsätzlichen Bedeutung, dass
sie auch für die schriftliche oder
praktische Abschlussprüfung Relevanz besitzen.
Es ist nicht der Sinn dieses Beitrages,
die angesprochenen Fragen und
Überlegungen wie in einem Lehrbuch zu beantworten. Er soll vielmehr zeigen, welche gedanklichen
Querverbindungen möglich – und
notwendig – sind, um die Bereiche
Patientenbetreuung, Behandlung,
Hygiene, Materialkunde, Abrechnung, Verwaltung und Praxisorganisation zu einem optimal funktionierenden Gesamtgebilde zusammenzuführen. Im Praxisalltag tauchen
natürlich nicht immer alle angesprochenen Aspekte auf. Phosphatzement für die Unterfüllung z.B.
kann man auch korrekt anmischen,
wenn man die Zusammensetzung
nicht genau kennt. Eine engagierte
Zahnmedizinische Fachangestellte
ist aber bestrebt, mehr als nur das
unbedingt Nötige zu wissen. Sie versucht, über den engen Tellerrand der
gerade ausgeübten Tätigkeit hinauszuschauen und möchte erkennen,
welcher weit gespannte Bogen den
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
17
Praxisalltag bestimmt und zusammenhält.
Wie gesagt, wir schärfen unseren
Blick für die Zusammenhänge an einer ganz alltäglichen Behandlungssituation:
Info
1. Herr Jägermann hat einen Termin
um 9.45 Uhr
2. Die Behandlung beginnt mit einer
eingehenden Untersuchung
3. Es schließt sich eine eingehende
Beratung (12 Min.) an
4. Nach einer Infiltrationsanästhesie
5. wird eine mopal-Füllung bei Zahn 26
gelegt
Keine große Sache – Praxisalltag
eben. Wir arbeiten uns Schritt für
Schritt vor.
1. Herr Jägermann hat einen
Termin um 9.45 Uhr
Der Empfang eines Patienten wird
hauptsächlich im Lernfeld 2 behandelt, doch ein Teil der möglichen Fragen und Überlegungen gehört auch
zum Gebiet von Lernfeld 1. Wir können zwei grundsätzlich unterschiedliche Situationen betrachten:
a) Herr Jägermann ist bereits
Patient in unserer Praxis
Er ist bereits in unserer EDV erfasst
und es ist – außer in der papierlosen
Praxis – eine Karteikarte vorhanden.
Wenn schon einige Jahre seit seinem
letzten Besuch vergangen sein sollten, ist es ratsam, die Patientendaten
mit den Angaben auf der Versichertenkarte zu überprüfen. Welche Angaben sind eigentlich auf der KranDie Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
kenversichertenkarte sichtbar aufgedruckt und welche zusätzlich auf
dem Chip gespeichert?
höchstens verdienen, damit sich an
ihrem Versichertenstatus nichts ändert?
Bei Männern ändert sich zwar in der
Regel nichts am Namen, aber Herr
Jägermann kann die Krankenkasse
gewechselt haben oder er ist umgezogen. Und sein Versichertenstatus
kann sich geändert haben. Welche
gibt es überhaupt und wo finde ich
den Status auf der Versichertenkarte
Abb. 1)?
(siehe
Was versteht man unter der Beitragsbemessungsgrenze und wie unterscheidet sich inhaltlich davon die
Versicherungspflichtgrenze? Können
Sie auch die ungefähre Höhe der jeweiligen Beträge angeben?
Auf dem Gebiet der GKV – was heißt
das doch genau? – hat sich in den
letzten Jahren viel verändert. Durch
den Zusammenschluss ehemals eigenständiger Kassen hat sich die
Zahl der Krankenkassen insgesamt
stark verringert, und gerade jetzt
zum Jahresanfang ist durch eine Fusion die momentan größte Krankenkasse entstanden. Wissen Sie, welche zwei Krankenkassen sich zusammengeschlossen haben? Damit ist
auch eine der früher drei Gruppen –
Primärkassen, Ersatzkassen und AEV
– verschwunden, denn keines der
früheren Mitglieder dieser Gruppe
ist noch als selbständige Krankenkasse am Markt übrig geblieben.
Können Sie mit den Begriffen Pflichtmitglied, freiwilliges Mitglied und
Familienmitglied etwas anfangen?
Für wen besteht überhaupt Versicherungspflicht in der Krankenversicherung? Welche Bedingungen muss ein
Arbeitnehmer erfüllen, um in die private Krankenversicherung wechseln
zu können? Wann endet die beitragsfreie Mitgliedschaft von Angehörigen? Frau Jägermann ist zusammen
mit ihrem Mann versichert. Bei ihrem letzten Besuch hat sie Ihnen erzählt, dass sie demnächst eine stundenweise Aushilfstätigkeit in einer
Drogerie beginnen wird. Was darf sie
Alle diese Fragen gehören zu dem
Bereich „Grundlagen der Sozialversicherung“, der im Lernfeld 1 behandelt
wird.
Abbildung 1
Kasse
Versichertennummer
Krankenversichertenkarte
(Quelle: IKK Hamburg)
Status
gültig bis
18
AUSBILDUNG UND BERUF
Eventuell ist es sinnvoll, bei längerer
Praxisabstinenz den Anamnesebogen aktualisieren zu lassen. Welche
Fragen sind dabei besonders wichtig
und könnten Sie dem Patienten sachkundige Hilfe zu den einzelnen Punkten geben? So haben z.B. manche
Patienten Schwierigkeiten, den Begriff „örtliche Betäubung“ richtig
einzuordnen, und nicht jeder weiß,
was z.B. ein Glaukom ist.
Für die Angelegenheiten von Kassenpatienten und von Privatpatienten sind unterschiedliche zahnärztliche Berufsorganisationen zuständig. Kennen Sie außer den gängigen
Abkürzungen auch die vollständigen
korrekten Bezeichnungen dieser Organisationen? Und vielleicht können
Sie jeweils drei Aufgabengebiete
dieser Organisationen aufzählen.
Für den Verwaltungsbereich ist es
auch wichtig zu wissen, wo sich diese Organisationen befinden, welche
Damen oder Herren für welchen
Fachbereich zuständig sind und welche Informationen (Rundschreiben,
Newsletter usw.) uns und auf welchem Wege (Post, Fax, Email) zugeschickt werden.
Möglich ist aber auch diese Variante:
b) Herr Jägermann kommt
zum erstenmal in unsere
Praxis
Überlegen Sie, welche Maßnahmen
im Verwaltungsbereich bei der Aufnahme eines Neupatienten erforderlich werden. Damit Sie mehr Zeit
zum Überlegen haben, schieben Sie
Herrn Jägermann schnell den Anamnesebogen zu. Natürlich wissen Sie,
welche Angaben auf dem Anamnesebogen verlangt werden und sind
in der Lage, Herrn Jägermann Auskunft bei Fragen zu geben.
Haben Sie eigentlich schon einmal
den Empfangs- und Wartebereich
der Praxis mit den Augen eines Neupatienten betrachtet? Welche Punkte sind wichtig, damit ein Patient
wirklich das Gefühl hat, „empfangen“ zu werden, und nicht nur merkt,
dass man sein Kommen zur Kenntnis
genommen hat? Stühle und einen
Tisch mit Zeitschriften hat wohl jedes Wartezimmer. Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, bedarf es aber einiger Maßnahmen
mehr. Was für Ideen haben Sie, um
aus einem Wartezimmer einen Wohlfühlbereich zu machen?
Sie haben jetzt schon einige Sätze
mit Herrn Jägermann gesprochen,
was auch als Kommunikation bezeichnet wird. Es gibt auch eine Form
der Kommunikation, bei der nicht
gesprochen wird. Wie nennt sich diese Kommunikation und können Sie
zwei, drei Beispiele geben?
Die Patientendaten von Herrn Jägermann sind mittlerweile im Computer erfasst und ein Aufkleber für die
Karteikarte gedruckt worden. Als
Beitrag zur Kosteneinsparung hat
eine Kollegin bei der letzten Teambesprechung den Vorschlag gemacht,
die Karteikarten von Patienten, die
nur einmal im Notfalldienst da waren, weiter zu benutzen. Die wenigen
Eintragungen könnte man z.B. mit
Tipp-ex entfernen und dann die Karte wieder verwenden. Was halten Sie
von diesem Vorschlag? Gibt es irgendwelche gesetzlichen Bestimmungen für die Aufbewahrung?
Manche Praxen verwenden überhaupt keine Karteikarten mehr.
Welche Vor- und Nachteile hat eine
„papierlose“ Behandlungsdokumentation?
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
19
2. Die Behandlung beginnt mit
einer eingehenden Untersuchung
Sie haben das Behandlungszimmer
vorbereitet und alle notwendigen Instrumente für die eingehende Untersuchung gerichtet. Wahrscheinlich
haben Sie dabei ein Tray benutzt.
Welche Vor- und Nachteile von Instrumenten-Trays kennen Sie? Ihr
Chef verlangt in manchen Fällen eine
ganz spezielle Sonde für die Untersuchung. Welche unterschiedlichen Arten von Sonden gibt es und wofür
werden sie benutzt?
Die Zähne werden heute meist nach
dem internationalen FDI-System bezeichnet. Welchen Kieferbereich umfasst dabei ein Quadrant? Doch es
gibt auch noch andere Zahnbezeichnungssysteme. Könnten Sie z.B. die
Zähne 25 und 84 im Winkel-System
angeben?
Bestimmte Eintragungen sind bei der
eingehenden Untersuchung vorgeschrieben. Die Abkürzungen dafür
kennen Sie natürlich, aber wissen Sie
auch, ob die Praxis noch weitere Befunde notieren kann? Und kennen
Sie sich in den unterschiedlichen Berechnungsregeln der BEMA 01 im
Vergleich mit der GOZ-Nr. 001 aus?
Gut, dann haben Sie auch keine
Schwierigkeiten, zu erklären, warum
ein halbes Jahr meist nicht identisch
mit dem Begriff Kalenderhalbjahr
ist.
In aller Regel wurde stillschweigend
längst ein Behandlungsvertrag geschlossen. Wer sind die beiden Vertragsparteien oder sind es vielleicht
sogar drei Beteiligte? Welche Rechte
und Pflichten ergeben sich daraus für
die Vertragspartner? Muss ein Zahnarzt eigentlich jeden Patienten behandeln? Kann der Patient den BeDie Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
handlungsvertrag quasi „aufkündigen“, indem er z.B. einfach nicht mehr
zur Weiterbehandlung kommt?
3. eingehenden Beratung (12 Min.)
Nach der gründlichen Untersuchung,
bei der auch Vitalitätsprüfungen an
verschiedenen Zähnen vorgenommen wurden, ist der Zahnarzt bei
einer Beratung gefordert. Herr Jägermann benötigt eine größere Füllung
an Zahn 26. Eine schon langjährig vorhandene mo-Amalgamfüllung muss
erneuert und bis auf die Palatinalseite
erweitert werden. Die Beratung
dreht sich besonders um das Material und die Art der Füllung. Herr Jägermann möchte eigentlich kein Amalgam mehr, obwohl er bisher keinerlei
Probleme damit hatte. „Aber man
hört und liest ja so viel Schlechtes
über Amalgam, gibt es denn da
nichts Besseres?“ Ob die Alternativen wirklich „besser“ sind, wollen wir
einmal offen lassen. Aber ästhetisch
ansprechender sind sie allemal. Allerdings übersteigen die modernen
Kompositrestaurationen im SäureÄtz-Verfahren die Grenzen der vertragszahnärztlichen Versorgung und
müssen auf privater Basis berechnet
werden. Bis alle Vor- und Nachteile
der unterschiedlichen Füllungsmaterialien erklärt sind, vergeht einige
Zeit. Auch die Kostenfrage und die
Notwendigkeit, darüber vor der
Durchführung – nur so ist es juristisch korrekt – eine private Behandlungsvereinbarung abzuschließen,
sollte umfassend mit dem Patienten
besprochen werden. Das gibt uns
Gelegenheit, um uns mit den folgenden Fragen und Überlegungen zu
beschäftigen: Welche Anforderungen stellt die Dokumentationspflicht? Reicht es aus, nur die letztendlich gewählte Versorgung zu no-
tieren? Was kann für diese zeitaufwändige
Beratung
berechnet
werden? Ist das Ergebnis eventuell
davon abhängig, ob am Ende eine
vertragliche oder außervertragliche
Behandlung durchgeführt wird? Bei
manchen Positionen findet sich der
Ausdruck „als alleinige Leistung“,
während bei anderen steht: „als einzige Leistung“. Gibt es Unterschiede
zwischen diesen Formulierungen?
Bei der Berechnung einer eingehenden Beratung verlangt die GOZ einen
besonderen Zusatz auf der Rechnung.
Welcher ist das und wo genau soll er
auf der Liquidation erscheinen?
Bei der Berechnung von GOZ-Leistungen gibt es kein vorgeschriebenes
Honorar. Nach den Bestimmungen
von Paragraph 5, Absatz 2 GOZ, sollen drei Kriterien die Höhe des Steigerungssatzes – und damit das Honorar – bestimmen. Wissen Sie, welche Bemessungskriterien das sind
und wie sich generell ein Honorar
nach GOZ errechnet? In diesem Zusammenhang tauchen auch die Begriffe Gebührensatz, Faktor und Gebührenrahmen auf. Wenn das alles
kein Problem darstellt, dann sind Sie
auch mit den unterschiedlichen Rundungsregeln in GOZ und GOÄ vertraut. Und Sie können auch spielend
erklären, warum eine GOÄ-Leistung
mit z.B. 100 Bewertungspunkten etwas mehr Honorar erbringt als eine
gleich hoch bewertete GOZ-Leistung.
Natürlich nehmen wir für den Vergleich bei beiden Leistungen denselben Steigerungssatz.
20
AUSBILDUNG UND BERUF
4. Infiltrationsanästhesie
Nach der eingehenden Beratung
folgt eine Infiltrationsanästhesie.
Während Sie den Behandlungsplatz
vorbereiten, konzentrieren Sie sich
auf die benötigten Instrumente und
Materialien. „Nur nichts vergessen“,
geht es Ihnen durch den Kopf, während Sie das Matrizenband einspannen. Gehört die Ausbuchtung nun in
Richtung cervikal oder doch eher
nach okklusal? Zur Not können Sie
diese Frage zurückstellen, denn als
erstes wird die Spritze für die Infiltrationsanästhesie benötigt. Während
Sie das Glasröhrchen mit der Anästhesielösung in die Spritzenhülse
einschieben, wollen wir wissen, wie
man eben dieses Glasröhrchen korrekt bezeichnet. Ist es eine Carpule,
eine Kanüle, eine Kapillare oder eine
Zylinderampulle?
Und was ist der Unterschied zwischen einer Infiltrations- und einer
Leitungsanästhesie? Kann man beide Arten sowohl im Ober- wie im
Unterkiefer durchführen? Und wie
sind doch mal wieder die lateinischen Bezeichnungen für die unterschiedlichen Nerven, die Ober- und
Unterkiefer versorgen? Kaum haben
Sie sich das erarbeitet, da werden Sie
schon mit der Frage nach der anatomischen Bezeichnung für die Stelle,
an die das Anästhesiedepot bei einer
Leitung im Unterkiefer gesetzt wird,
konfrontiert. Und welche anderen
Foramina für die Nervenein- und
-austrittsstellen können Sie benennen und genau lokalisieren?
Moderne Anästhesielösungen sind in
aller Regel sehr verträglich. Trotzdem
kann es immer mal wieder zu Komplikationen (Zwischenfällen) kommen. Meist ist dafür ein Zusatzstoff
in der Anästhesielösung verantwortlich. Welcher Zusatzstoff ist das und
warum verwendet man ihn bei der
Anästhesie? Welche Zwischenfälle
können bei einer Anästhesie eintreten und was kann man vorbeugend
tun?
Probleme kann es aber nicht nur bei
der Anästhesie geben, sondern auch
später, wenn Sie die Instrumente abräumen und weiter versorgen oder
auch entsorgen sollen. Die Nadel einfach so in den Abfalleimer oder -sack
zu werfen ist sicherlich nicht angebracht. Welche Schutzvorschriften
gibt es besonders bei der Entsorgung
der Kanüle?
Zum Glück kennen Sie sich aber bei
den Berechnungsregeln für die Anästhesien sowohl in BEMA wie auch in
der GOZ gut aus. So stellt Sie die Frage nach den möglichen Kombinationen von Infiltrations- und Leitungsanästhesien vor keine großen Probleme. Und auch bei einer Oberflächenanästhesie beim Kassenpatienten
wüssten Sie, wie die Berechnung korrekt vorzunehmen ist. Aber wissen
Sie auch, ob man die Materialkosten
des Anästhetikums zusätzlich berechnen kann?
Bevor Sie sich mit der Eintragung der
Leistung und den möglichen Abrechnungsfragen beschäftigen konnten,
haben Sie sicherlich dem Patienten
Hinweise für das Verhalten nach einer Anästhesie gegeben.
Auch wenn die heutigen Anästhetika
in der Regel recht schnell wirken,
sollten wir allein schon aus psychologischen Gründen mit der weiteren
Behandlung etwas abwarten. So haben Sie Zeit, sich Gedanken über die
Kariesentstehung und den -verlauf
zu machen. Welche Möglichkeiten
kennen Sie für die Kariesdiagnostik
und welche unterschiedlichen Materialien und Methoden gibt es bei der
Füllungstherapie? Während Ihr Blick
prüfend über den Behandlungsplatz
gleitet – sind alle notwendigen Instrumente und Materialien vorbereitet? – denken Sie an den Zweck und
die Materialien für eine Unterfüllung.
Der Begriff „Überkappung“ taucht
vor Ihrem geistigen Auge auf und Sie
freuen sich, dass Sie keine Schwierigkeit haben, die direkte von der indirekten Überkappung zu unterscheiden.
5. Füllung mop bei Zahn 26
Während Ihr Chef sorgfältig die Kavität präpariert, überlegen Sie sich, warum es sich die Zahnärzte eigentlich
so schwer machen. Würde der Zahnarzt ohne den heftig spritzenden
Spray arbeiten, könnte er doch viel
besser auf das Arbeitsfeld schauen.
Der Patient hätte viel weniger Schwierigkeiten mit dem Verschlucken und
auch Sie würden davon profitieren:
Sie müssten nicht so konzentriert absaugen. Warum nur bestehen die
Zahnärzte auf der Kühlung?
Ihr Chef arbeitet gern mit Spanngummi, auch Kofferdam genannt.
Das Anlegen muss fleißig geübt werden, damit der Zeitbedarf nicht unwirtschaftlich wird. Zudem schreckt
zumindest bei der traditionellen
Technik ein für den Neuling schwer
zu durchschauendes Klammersystem. Trotz dieser Nachteile wird aber
– von manchen immer, von anderen
wenigstens in der Endodontie und
bei hochwertigen Restaurationen –
der Einsatz von Spanngummi gefordert. Was ist der Vorteil von Kofferdam und wie nennt man diese Art
der Trockenlegung im Vergleich zu
der einfachen mit Watterollen?
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
21
Da Sie sich gut mit den unterschiedlichen Füllungsmaterialien auskennen,
können Sie mit Leichtigkeit über die
Zusammensetzung von Amalgam,
Zementen, Komposites und Kompomeren referieren. Auch die unterschiedlichen Matrizensysteme beherrschen Sie in Theorie und Praxis.
Und natürlich wissen Sie, dass die
Verwendung einer Matrize keine
bMF-Maßnahme darstellt, auch nicht,
wenn sie zusätzlich mit Interdentalkeilen in Form gebracht wird. Aber
was konkret sind die besonderen
Maßnahmen beim Füllen und Präparieren, die als bMF berechnet werden
können? Kann man sie je Zahn berechnen und welche Unterschiede
gibt es zwischen BEMA und GOZ?
Während das Füllungsmaterial Schicht
für Schicht eingebracht und lichtgehärtet wird, haben Sie Zeit, um über
den Sinn der Füllungspolitur nachzudenken. Warum kann man eine Amalgamfüllung nicht auch gleich polieren, dann müsste doch der Patient
nicht extra noch einmal kommen?
Beim Eintragen der Füllungsflächen
mop denken Sie an den letzten Berufschultag. Sie haben mit Ihrer Nachbarin Silke gestritten, wie die richtigen Abkürzungen für die unterschiedlichen Zahnflächen lauten. In den verschiedenen Praxen sind ganz
unterschiedliche Schreibweisen gebräuchlich. Was im Klartext die Bezeichnung mesial–okklusal–palatinal
trägt, erscheint mal als mop, mal als
mopal, mal als mes–occ–pal oder
auch als mes–okk–pal. Ein Richtig
oder Falsch gibt es dabei nicht, allerdings sollten alle in der Praxis dieselbe Schreibweise benutzen. Da Sie im
Unterricht noch das Ausfüllen des Erfassungsscheines geübt haben, wissen Sie auch, mit welchen Angaben
(Ziffern) die Füllungslagen bei der Abrechnung bezeichnet werden.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
Herr Jägermann hatte sich für eine
außervertragliche Füllung entschieden. Für deren Berechnung gibt es
unterschiedliche Möglichkeiten, aber
Sie rekapitulieren im Geiste noch einmal die Punkte, die bei außervertraglichen Leistungen bereits im Vorfeld
erfolgen sollten:
– Aufklärung,
– schriftliche Vereinbarung,
– Dokumentation von Aufklärung
und gewünschter Behandlung.
Für die Berechnung der außervertraglichen Füllung gibt es unterschiedliche Wege, aber immer wird zunächst
eine „normale“ Füllung als Kassenleistung über Schein/Diskette abgerechnet. Der Betrag für diese Kassenfüllung muss dann von der nach GOZ ermittelten Gebühr für die Privatfüllung
abgezogen werden. Die Differenz ergibt den Anteil für den Patienten. Da
die Berechnung der Füllung nach GOZ
erfolgt, müssen auch die formalen
Anforderungen an die Liquidation
(besonders Paragraf 10 GOZ) beachtet
werden. Wenn der Patient anstandslos bezahlt, spielen formale Fehler
keine Rolle, aber das wissen wir vorher ja nie. Unter diesem Aspekt sollte
man auch die weit verbreitete Methode kritisch hinterfragen, den Zuzahlungsbetrag einfach als Eurobetrag ohne nähere Angaben zu GOZZiffern, Faktor usw. auf der Rechnung
erscheinen zu lassen.
Die Behandlung ist beendet, aber
Ihre Arbeit natürlich noch nicht. Zunächst geleiten Sie Herrn Jägermann
zurück zur Rezeption und teilen Ihrer
Kollegin mit, was bei dem nächsten
Termin vorgesehen ist. Manche Praxen verwenden dazu schriftliche Notizen, was den Vorteil hat, dass sich
so die gesamte Behandlung schon
durchplanen lässt. Auf dem Rückweg
22
AUSBILDUNG UND BERUF
ins Behandlungszimmer können Sie
sich etwas in die Rolle Ihrer Kollegin
an der Rezeption versetzen. Was
muss sie jetzt alles beachten, um
eine optimale Terminvergabe vornehmen zu können? Welche Informationen sollte sie von dem Patienten notieren, um z.B. bei einer notwendigen Terminverschiebung professionell agieren zu können? Welche
Punkte spielen z.B. bei einer prothetischen Versorgung zusätzlich eine
wichtige Rolle? Und warum nur haben ausgerechnet die Rentner nie
Zeit? Doch darauf finden Sie keine
Antwort mehr, denn inzwischen sind
Sie wieder im Behandlungszimmer.
sondern auch das Personal und die
Behandler selbst bedrohten. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer
sorgfältigen und lückenlosen Hygiene hat sich seitdem weit entwickelt.
Einige meinen inzwischen zu weit,
aber niemand sollte deshalb die gesetzlichen Vorgaben auf die leichte
Schulter nehmen. Unfair den Praxisbetreibern gegenüber ist es allerdings, dass die stark erhöhten Kosten
eines – auch juristisch einwandfreien
– Hygieneverhaltens allein ihnen aufgebürdet werden. Von einer auch nur
teilweisen Kompensation ist bei den
Honorarverhandlungen nichts zu
spüren.
Die Instrumente und Behandlungsutensilien einfach so zur Seite räumen
– das geht natürlich nicht! Wir haben
ja schon angesprochen, dass z.B. bei
der Entsorgung der Injektionsnadel
besondere Sorgfalt angebracht ist.
Doch auch bei anderen Instrumenten sollte man sowohl die Belange
der Hygiene, als auch die Anforderungen einer schonenden Wartung
und Pflege beachten. Werden die
Hand- und Winkelstücke vorher oder
nachher geölt und durchgesprüht?
Und warum eigentlich in dieser Reihenfolge? Ein Thermodesinfektor ist
eine feine Sache, aber was kann ich
alles hineingeben? Und warum werden z.B. die chirurgischen Instrumente erst nach dem Durchgang im
Thermodesinfektor eingeschweißt?
Über eine solche Frage können Sie
hoffentlich nur den Kopf schütteln.
Gut, dieser letzte Punkt wird Sie momentan weniger beschäftigen, aber
auch das soll einmal angesprochen
werden. Sie dürfen sich in die Kaffeepause begeben und dabei überlegen,
wie Sie Ihrer Kollegin Tanja beibringen können, dass diese mit Ihnen die
Schicht am Wochenende tauscht.
Statt am Sonntag, wie schon lange
festgelegt, möchten Sie jetzt lieber
am Samstag beim Notfalldienst eingesetzt werden. Ihr Freund hat Ihnen
überraschend einen verlockenden
Ausflug für Sonntag vorgeschlagen.
Hoffentlich haben Sie Erfolg bei dem
Versuch und es bestätigt sich wieder
einmal, dass in Ihrer Praxis wirklich
ein echter Teamgeist vorhanden ist.
Früher war es in vielen Praxen üblich,
der jüngsten Azubi nach kurzer Einweisung die ungeliebte Tätigkeit der
Instrumentenreinigung zuzuschustern. Das war nicht nur unkollegial,
sondern barg auch die große Gefahr
von Fehlerquellen in der Hygienekette. Fehler, die nicht nur die Patienten,
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
AUSBILDUNG UND BERUF
Tipps zum besseren Lernen
Viele Menschen empfinden vor einer schweren Aufgabe oder
entscheidenden Prüfung Angstgefühle. Das ist grundsätzlich
normal und hat auch durchaus positive Aspekte. Die Angst vor
dem Versagen bringt uns dazu, dass wir uns mehr anstrengen.
Doch in manchen Fällen kann die Angst auch lähmend wirken. Der
Beitrag will Ihnen Tipps und Anregungen für eine effiziente
Vorbereitung geben. Lampenfieber darf sein, aber keine Angst!
Von Dr. med. dent. Wolfgang Schellhaaß; Altleiningen
Eine Prüfung kommt immer zu
früh, egal ob sie im Januar oder erst
im Dezember stattfindet. Und für
dieses Gefühl spielt es auch keine
Rolle, ob Sie den – zumindest ungefähren – Termin schon monate- oder
gar jahrelang vorher wussten. Sie
sind zum jetzigen Zeitpunkt unzureichend vorbereitet und haben deswegen Angst vor der Prüfung. Was würden Sie geben, wenn man nur die
Prüfung weiter nach hinten schieben
könnte. Aber es würde Ihnen nur eine
kurzfristige Erleichterung verschaffen, denn – wie gesagt – Prüfungen
kommen immer zu früh.
Was wäre besser?
„Na, da kann ich mir ja denken, welche Kritik jetzt kommt: Man hätte
halt früher anfangen und intensiver
lernen müssen.“ Sachlich trifft das
zwar zu, aber es ist nicht meine Absicht, Ihnen hier ein schlechtes Gewissen einzureden. Kritik ändert an
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
der jetzigen Situation überhaupt
nichts. Und vor allem: Kritik motiviert Sie nicht!
Sie haben Ihre Gründe gehabt, warum Sie nicht früher angefangen und/
oder konzentrierter gelernt haben.
Andere Dinge waren für Sie wichtiger – und vor allem angenehmer –
und damit stehen Sie nicht allein.
Viele Menschen verdrängen die Gedanken an bevorstehende unangenehme Aufgaben (Prüfung, Belastung, Konfliktgespräch usw.) und
schieben die dafür notwendige Vorbereitung immer weiter vor sich her.
Natürlich finden wir jede Menge Entschuldigungen – ehrlicher wäre hier:
Ausreden – für unser Verhalten, womit wir versuchen, unser schlechtes
Gewissen zu beruhigen. Doch dieses
„Sich-selbst-Belügen“ funktioniert
nicht so richtig und das ungute Gefühl – bei einigen sogar die Angst –
vor der Prüfung steigert sich von Tag
zu Tag mehr. Es muss sich also etwas
ändern.
23
24
AUSBILDUNG UND BERUF
Merke
Ziel:
Aus dem tatsächlichen (Zeit-)Aufwand
wollen wir das Maximale herausholen.
„Man müsste mit einem Minimum
an Aufwand (Zeit) ein Maximum an
Erfolg herausholen können!“, so geht
es Ihnen jetzt vielleicht durch den
Kopf. Ja, das wäre schön, aber diese
verlockende Idee wird wohl Utopie
bleiben. Aber ein Teilerfolg wäre
doch auch schon ein schöner Fortschritt. Und so wollen wir diese Maximalformulierung etwas realistischer abändern. Wir setzen uns zum
Ziel, aus dem tatsächlichen (Zeit-)
Aufwand das Maximale herauszuhoMerke).
len (siehe
An dem Zeitrahmen bis zur Prüfung
können wir gar nichts ändern. Der
Termin steht genau so fest wie das
heutige Datum. Was Ihnen bleibt, ist
die Spanne und die gilt es optimal zu
nutzen! Wenn Sie allerdings in Gedanken jetzt überlegen, ob Sie am
nächsten Wochenende oder besser
in 14 Tagen anfangen sollten, dann
führen Sie den alten Fehler nur fort.
Fangen Sie heute an! Schon schießen
Ihnen mindestens drei, vier Argumente in den Sinn, warum es gerade
heute nicht geht. Tut mir leid, aber
das sind keine Argumente, das sind
Ausreden! Ihr Berufsalltag ist anstrengend und abends sind Sie zu
müde, um sich den Kopf noch mit
Prüfungsstoff voll zu packen. Ein voller Tag in der Berufsschule mit acht
oder neun Stunden Unterricht motiviert Sie nicht, anschließend zuhause
auch noch in die Fachbücher zu
schauen. Und schließlich gibt es ja
auch noch andere Dinge im Leben als
nur Arbeit und Lernen! Richtig, und
genau diesen anderen (schönen)
Dingen haben Sie in den letzten Monaten so viel Zeit gewidmet, dass Sie
sich heute unter starkem Zeitdruck
in dieser unangenehmen Vorprüfungssituation befinden. Schönreden
hilft nicht weiter, jetzt müssen Sie
konsequent sein und andere Prioritä-
ten setzen. Erfolg werden Sie nur haben, wenn es Ihnen gelingt, Ihre innere Trägheit zu überwinden.
Wie kann ich das
erreichen?
Sie müssen mehr Zeit für das Lernen
reservieren!
Das ist nicht angenehm, macht keinen Spaß und vielleicht ecken Sie damit sogar noch bei Ihrem Partner
und/oder Ihren Freunden an. Nicht
jeder in Ihrem Umfeld wird das notwendige Verständnis aufbringen
oder Sie sogar noch in Ihrem Lerneifer unterstützen. Das ist meistens
kein bewusst überlegtes Verhalten,
sondern einfach Gedankenlosigkeit
und renkt sich nach der Prüfung
schnell wieder ein, sofern Sie dann
überhaupt noch Wert auf solche
„Freunde“ legen.
Denken Sie bei der Zeitplanung auch
daran, dass Unvorhergesehenes Ihren Plan durcheinanderbringen kann.
Sie können krank werden oder sich
auch nur unwohl fühlen. Ihr Auto
geht kaputt und Sie sind für den Arbeitsweg auf Bus oder Bahn angewiesen, was Sie jeden Tag eine Stunde mehr Arbeitsweg kostet. Jede
Stunde, die Sie einplanen und auch
tatsächlich zum Lernen verwenden,
bringt Sie Ihrem Ziel – die Prüfung zu
bestehen – ein Stück näher. Und auch
das ist eine alte Weisheit: Zum Ende
hin etwas von den straffen Vorgaben abzurücken, wenn Sie tatsächlich merken sollten, dass Sie zu viel
Zeit eingeplant haben, fällt wirklich
nicht schwer. Aber die Anforderungen höher zu schrauben, weil sich
der gewünschte Erfolg nur mit mehr
Einsatz erreichen lässt, das kann nur
mit sehr viel Disziplin und WillensDie Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
25
kraft gelingen. Und damit doch noch
ein wenig Zeit für Partner, Familie
und Freunde bleibt, gleich den nächsten Tipp.
Nutzen Sie die Zeit
effektiver
Wenn Sie am Beginn der Lernstunde
immer erst einmal eine Viertelstunde damit beschäftigt sind, Ihre Bücher und Unterlagen zu suchen, dann
ist das jedes Mal verlorene Zeit. Ihre
Arbeitsunterlagen müssen griffbereit liegen, auch wenn dadurch Ihr
Zimmer für ein paar Wochen weniger aufgeräumt aussehen mag. Und
überlegen Sie zu Beginn, was Sie alles an Unterlagen benötigen. Jede
Unterbrechung des Lernprozesses,
weil Sie ein Buch, eine Arbeitsmappe
oder ein Fachlexikon suchen müssen,
wirft Sie mehr als die vielleicht nur
drei oder fünf Minuten reine Suchzeit zurück. Sie müssen sich danach
wieder auf Ihr momentan gerade aktuelles Thema konzentrieren. Auch
das Getränk für die Lernzeit kann
schon bereit stehen, wenn es nicht
gerade eine frisch gebrühte Tasse
Kaffee sein muss.
Konzentrieren Sie sich auf das wesentliche Ziel: Sie wollen die Prüfung
bestehen! Dazu müssen Sie Ihr Fachwissen ausweiten und vertiefen!
Jede Ablenkung erfüllt ihren Zweck –
sie lenkt Sie von Ihrem eigentlichen
Ziel ab! MP3-Player, Fernsehen, Handy und die vielen interessanten Internetforen und Chatrooms sind
wunderbare Mittel zum Zeitvertreib.
Dabei können Sie herrlich entspannen und fühlen sich richtig wohl.
„Und hinterher kann ich dann viel
besser lernen“. „Und ich kann überhaupt nur bei Musik richtig lernen!“
Diese Meinung ist weit verbreitet,
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
aber es stimmt nicht. Sie können sich
zur gleichen Zeit nur einer Sache
richtig konzentriert widmen, dazu
gibt es genügend Studien. Das heißt
nicht, dass man nicht zwei Dinge
gleichzeitig tun könnte. Tun schon,
aber keinesfalls optimal! Und mit
Musik meinen Sie ja nicht eine dezente Hintergrundmusik, sondern
das Repertoire der aktuellen Charts.
Und die kann man – wie alle jungen
Menschen wissen – nur mit aufgedrehten Lautsprechern richtig hören.
Ich habe bewusst den deutschen Begriff Lautsprecher gewählt, weil dadurch optisch viel klarer als mit dem
Begriff Boxen ausgedrückt wird, was
aus ihnen herauskommt: Lautstärke.
Wenn Sie schon nicht auf Musikbegleitung verzichten können, dann
seien Sie sich aber bewusst, dass Ihre
Konzentrationsfähigkeit dadurch geschmälert wird.
Bei dem nächsten Punkt werde ich
sicherlich mehr Zustimmung bekommen.
Planen Sie Pausen ein
Spätestens nach anderthalb Stunden
(90 Minuten = 2 x 45 Minuten – denken Sie an den Unterricht in der Schule!) lässt die Konzentration nach. Willensstarke mögen den Ablauf etwas
hinauszögern können, aber die Aufnahmefähigkeit sinkt unweigerlich
ab. Ideal ist es, wenn Sie für die Pause
an die frische Luft gehen und sich etwas bewegen. Saugen Sie die Lungen
voll mit frischem Sauerstoff und bringen Sie den Blutkreislauf in Schwung.
Dummerweise ist Sauerstoff nicht
gerade der Hauptbestandteil von Zigaretten. Es ist natürlich völlig illusorisch zu glauben, dass Sie sich ausgerechnet jetzt in dieser stressigen Vorbereitungszeit das Rauchen abge-
Merke
Denken Sie an das Motto: Aus dem tatsächlichen (Zeit-)Aufwand das Maximale
herausholen. Jede Ablenkung führt dazu,
dass diese Zeit weniger effizient genutzt
wird. Sie brauchen länger, um dieselbe
Menge Stoff zu bewältigen, und das Gelernte prägt sich weniger tief ein.)
26
AUSBILDUNG UND BERUF
se das gerade Gelernte zu wiederholen. Sie bringen sich damit um einen
Teil der positiven Wirkung der Pause
und machen sich mehr verrückt, als
dass es etwas nützt. Jetzt dürfen Sie
auch richtig laut Musik hören – dank
MP3-Player und Kopf-/Ohrhörer geht
das ja auch draußen.
Prioritäten setzen
Eines ist klar: Wie sehr Sie sich jetzt
auch noch anstrengen möchten, die
maximal zum Lernen verfügbare Zeit
ist begrenzt. Und die Stoffmenge,
die Sie unbedingt noch lernen müssten, türmt sich wie ein Wolkenkratzer vor Ihnen auf. Also hilft nur eines:
Mut zur Lücke! Konzentrieren Sie sich
auf das Wesentliche.
wöhnen könnten, was Sie seit Jahren
auch in guten Zeiten nicht geschafft
haben. Aber lassen Sie das Rauchen
wenigstens in dem Zimmer sein, in
dem Sie lernen. Wenn schon, dann
machen Sie es draußen während der
Pausen und lüften Sie derweil das
Zimmer. Nach anderthalb Stunden
konzentrierten Lernens dürfte die
Luft verbraucht sein.
Auch bei der sinnvollen Länge der
Pause können Sie sich an der Schule
orientieren: 15 bis 20 Minuten sind
der richtige Zeitrahmen. Kürzer
bringt nichts und länger heißt, dass
Sie danach wieder mehr Zeit und Anstrengung brauchen, um sich erneut
in das Stoffgebiet einzuarbeiten. In
der Pause können Sie nicht nur, sondern sollen sogar abschalten und
sich ablenken. Machen Sie nicht den
Fehler und versuchen z.B. in der Pau-
„Ja, wenn das so einfach wäre! Wie
soll ich denn wissen, was drankommt?“. Ja, was würden Sie geben,
wenn Sie Mäuschen in der Prüfungskommission spielen könnten. Doch
so ganz ahnungslos sollten Sie eigentlich nicht sein, denn die Fragen
und Prüfungsaufgaben werden in aller Regel von den Lehrkräften erstellt,
die auch unterrichten. Und erfahrungsgemäß legen die auch schon
im Unterricht besonderen Wert auf
die Dinge, die ihnen wichtig erscheinen. Und das kommt dann auch bei
der Prüfung dran. Natürlich finden
sich auch noch andere Dinge auf den
Prüfungsbogen, aber wenn Sie die
Fragen zu den wichtigen Bereichen
beantworten können, dann haben
Sie schon ein solides Fundament.
Meistens sind die wichtigen Fragen
und Aufgaben auch mit einer höheren Punktzahl angesetzt, sodass es
sich doppelt lohnt, diese Bereiche
besonders intensiv zu bearbeiten.
Schauen Sie in Ihre Unterlagen aus
dem Unterricht und ganz besonders
auf die Fragen in den Tests und Klassenarbeiten. Was die Prüfer für wichtig halten, das haben sie auch vorher
schon in einer Arbeit abgefragt.
Schlecht ist es allerdings, wenn Sie
die Arbeiten aus Zorn über die mäßigen Noten zerrissen haben. Da wollen wir mal hoffen, dass Ihre Banknachbarin in der Schule ein weniger
aufwallendes Temperament hat.
Aber bitte nicht vergessen, ihr später
zum Dank für die Überlassung der
Unterlagen ein Eis (CD, Kinobesuch
o.Ä.) zu spendieren!
Zeitdiebe erkennen und
ausschalten
Ja, was soll denn das sein? Der Begriff Zeitdiebe beschreibt Tätigkeiten, die anstatt der eigentlich wichtigen Aufgabe erledigt werden. Sozusagen ersatzweise, damit ich mir vor
mir selbst nicht einzugestehen brauche, dass ich nichts tue. Dann hätte
ich ein schlechtes Gewissen, denn
natürlich weiß ich, dass ich jetzt lernen müsste. Also mache ich Dinge,
die zwar auch gemacht werden müssen – manchmal schon sehr lange
aufgeschoben sind – und die mir als
Alibi dienen, warum ich gerade jetzt
nicht lernen kann. Plötzlich fällt Ihnen ein, dass Ihr Kleiderschrank
schon seit dem letzten Winter hätte
entrümpelt werden müssen. Sie
müssen ganz dringend die CD suchen, die Ihnen Ihre Freundin bei der
Party vor drei Monaten geliehen hatte. Und wenn alles nichts hilft, dann
melden Sie sich sogar freiwillig zum
Geschirrspülen, obwohl Sie diese Tätigkeit eigentlich hassen. Alles dient
nur dazu, den Beginn des Lernens hinauszuschieben, aber ohne dass Sie
– zumindest in diesem Moment – ein
schlechtes Gewissen bekommen.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
27
4 Arten von Lerntypen
Erkennen Sie, was für ein Lerntyp Sie
sind. Das Ziel des Lernens ist es, die
aufgenommenen Informationen so
abzuspeichern, dass sie bei Bedarf
zur Verfügung stehen. Ihr „Bedarf“
ist im Moment der Prüfungstag.
Man unterscheidet vier Lernmethoden und entsprechende Lerntypen:
Wichtig
1. Informationsaufnahme durch Hören
2. Informationsaufnahme durch Sehen
3. Informationsaufnahme durch Schreiben
4. Informationsaufnahme durch Üben
Die meisten Menschen verarbeiten
neue Informationen nicht ausschließlich nach nur einer Lernmethode. Sie
sind Mischtypen, haben aber eine
Vorliebe für eine der vorgestellten
Arten der Informationsaufnahme.
Vielleicht haben Sie bei sich selbst
schon bemerkt, dass Sie sich manche
Informationen besser einprägen können. Als „Hör-Typ“ sollten Sie die
wichtigsten Abschnitte des Stoffgebietes laut vorlesen. Je nach Schwierigkeit und Konzentration müssen
Sie den Text vielleicht auch zweioder dreimal laut lesen. Das braucht
Zeit, Ihre Lesegeschwindigkeit wird
verringert, aber dafür werden die Informationen tiefer und fester verankert.
Lesen versuchen, selbst ein Schema,
eine Skizze oder ein Ablaufdiagramm
zu erstellen. So eignet sich z.B. der
Blutkreislauf ideal für eine Skizze.
Wenn Ihnen das zutreffend gelingt,
dann haben Sie den Kreislauf des
Blutes wirklich verstanden und werden sich auch am Prüfungstag daran
erinnern.
Ein „Schreib-Typ“ macht sich viele
Notizen. Verwechseln Sie aber bitte
nicht Notizen mit einem Aufsatz.
Hier geht es nicht um ausgefeilte
Satzkonstruktionen, sondern um
Stichworte. Schwierig ist für manche
Schreiber, ihre Notizzettel in einer
geordneten Ablage aufzubewahren
und – vor allem – wiederzufinden.
Doch das ist Voraussetzung, um mit
ihrer Hilfe ein schnelles Wiederholen
auch noch kurz vor der Prüfung vornehmen zu können.
Der „Üben-Typ“ ist natürlich bei
handwerklichen Tätigkeiten in seinem Element. Doch auch in unserem Bereich lassen sich diese Fähigkeiten gut einsetzen. Ich denke da
vornehmlich an die Abrechnung,
denn bei den Prüfungen werden die
Abrechnungsunterlagen (HKP, evtl.
Erfassungsschein) meist noch manuell ausgefüllt. Und dafür kann ich
wirklich nur den Rat geben: „Üben,
üben, üben“.
Einsatz von Hilfsmitteln
Als „Seh-Typ“ profitieren Sie am
meisten von Texten mit anschaulichen Abbildungen. Doch auch bei
nur geschriebenem Text gelingt es
Ihnen leichter als anderen, sich „ein
Bild zu machen“ von dem, was Sie
gerade lesen. Nicht umsonst gibt es
das Sprichwort: „Ein Bild sagt mehr
als tausend Worte“. Noch mehr
bringt es Ihnen, wenn Sie nach dem
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
Natürlich haben Sie ein Fachbuch
aus dem Unterricht und Ihre eigenen Aufzeichnungen. Oft haben die
Lehrkräfte eigene Arbeitsblätter erstellt und ausgeteilt. Auch dabei
können Sie davon ausgehen, dass
diese Blätter Gebiete betreffen, die
dem Lehrer wichtig sind. In Ihrer
Praxis gibt es vielleicht eine Kolle-
gin, die vor zwei, drei Jahren die
Prüfung ebenfalls bei diesen Prüfern abgelegt hat. Auch ihre – hoffentlich noch vorhandenen – Unterlagen und ihre persönlichen Eindrücke von den jeweiligen Vorlieben der Lehrkräfte können hilfreich
sein. Und dann sollten Sie natürlich
intensiv die Fachzeitschriften nutzen – eine halten Sie im Moment
gerade in Händen. Gerade die
„Zahnmedizinische Fachangestellte“ aus dem Friedrich Kiehl Verlag
beschäftigt sich intensiv mit den
vielfältigen Bereichen der Ausbildungszeit.
Auch spezielle Prüfungsbücher werden angeboten, die neben den Fragen und Aufgaben auch die Lösungen bereit stellen. Aber bitte nicht
im Lösungsteil spicken! Nur wenn Sie
die Aufgaben selbständig bearbeiten, kann das Sie weiterbringen, auch
wenn die Lösung falsch sein sollte.
Denn dann wissen Sie genau, was Sie
noch besser lernen und intensiver
üben müssen. Selbstverständlich gehört zu einer sinnvollen Vorbereitung
auch die Verwendung eines Fachwort-Lexikons.
Ein modernes Hilfsmittel kann der
Computer sein. Manche können viel
schneller und effektiver „googlen“
als blättern. Doch die Gefahr dabei
ist, dass man sich leicht verzetteln
kann. Hier noch ein Link und da noch
einer und die Zeit rinnt davon. Und
natürlich ist beim Computereinsatz
auch die Chance zur Ablenkung nur
einen Klick entfernt.
28
AUSBILDUNG UND BERUF
Beim Thema bleiben
Wenn Sie endlich in der intensiven
Lernphase sind, merken Sie mit jeder
Stunde mehr, was Sie alles noch nicht
wissen. Eigentlich wollten Sie sich
den Blutkreislauf einprägen, aber die
Bestandteile des Blutes kennen Sie
auch noch nicht präzise. Und wie
funktioniert das mit der Blutgerinnung? Welche Ausnahmeregelung
gibt es bei der Berechnung der Nbl 1
zusammen mit dem chirurgischen
Eingriff? Und wie war doch gleich die
anatomische Bezeichnung für die
Hauptarterie im Unterkiefer? Die Gedanken springen wild in Ihrem Kopf
hin und her, jeder Punkt führt zu
zwei, drei neuen Fragen.
So ist ein effektives Lernen nicht
möglich. Das bedeutet nicht, dass Sie
an einem Tag nicht zwei oder drei
unterschiedliche Fachbereiche bearbeiten könnten. Aber bitte nacheinander, nicht gleichzeitig und nicht
durcheinander. Sicherlich haben Sie
sich als Kind mit Puzzlespielen beschäftigt. Manche sahen so aus, dass
links unten zwanzig Teile und rechts
oben vielleicht 50 Teile richtig zusammengesetzt waren. Dazwischen
waren große Lücken und hier und da
fanden sich immer mal wieder versprengte Inseln mit drei bis fünf Teilen. Irgendwann kann auch so ein
Puzzle komplett fertig sein, aber erfolgreicher ist die Technik, die kontinuierlich weiter baut.
Abwechslung sollten Sie allerdings in
den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben
bringen. Das Einstreuen von ein paar
einfacheren Fragen oder Übungen
zwischendurch bringt Ihnen schnelle
Erfolgserlebnisse. Das steigert Ihre
Motivation und stärkt Ihre Sicherheit.
Aber bitte nicht übertreiben und sich
nur noch das Leichte vornehmen!
Zunächst sollten bei jedem Lerngebiet schon die wichtigsten Punkte
Ihre Aufmerksamkeit bekommen.
Mit den Fragen und Aufgaben der
Klassenarbeiten und dem Inhalt der
ausgeteilten Arbeitsblätter haben
Sie einen guten Überblick. Wenn Sie
das Wichtigste aus einem Stoffgebiet erkannt und gelernt haben, haben Sie damit schon einen schönen
Teilerfolg erreicht. Eigentlich kann
jetzt in der Prüfung nichts Schlimmes mehr passieren, denn die wichtigsten Teile machen die Mehrzahl
der Punkte aus. Das sollte Ihnen Sicherheit geben. Und auf dieser Sicherheit können Sie aufbauen und
sich den Dingen mehr an der Peripherie zuwenden. Und Sie werden
merken, dass es Ihnen plötzlich leichter fällt, sich auch diese Dinge einzuprägen. Die Sicherheit gibt Ihnen
mehr Ruhe und damit Konzentration
und Aufnahmefähigkeit. Die Lernerfolge verstärken in einem sehr effektiven Kreislauf Ihre Sicherheit und
umgekehrt.
Denken Sie immer an das Motto:
Aus dem tatsächlichen (Zeit-)Aufwand das Maximale herauszuholen.
Mit den beschriebenen Methoden
sind Sie zumindest auf einem guten
Weg. Bleiben Sie diszipliniert dran,
die mühsame Zeit des Lernens – zumindest für diese Prüfung – wird
vorübergehen. Und vergessen Sie
auch nicht, sich zwischendurch immer mal wieder selbst zu belohnen.
Auch die Seele – und manchmal nur
der Gaumen oder Magen – braucht
in dieser Zeit ihre Streicheleinheiten.
Viel Erfolg!
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
WISSENSTRAINING
29
Übungen zum Thema
Parodontosis
Mit den folgenden Aufgaben können Sie Ihr Wissen zum Thema
Parodontitis prüfen und vertiefen. Am Ende finden Sie die Musterlösung zum Vergleich mit Ihren Lösungen.
Von Dr. Astrid Schumacher; Reinbek
Aufgaben
1. Aufgabe
3. Aufgabe
6. Aufgabe
Unter Parodontosis versteht man
eine Erkrankung des marginalen
Zahnhalteapparats, die (zu Anfang!)
ohne Entzündungszeichen abläuft.
Ursachen der Parodontosis sind Fehlbelastungen einzelner Zähne oder
ganzer Gebissabschnitte.
Nennen Sie bitte Beispiele für
schlechte Angewohnheiten, die zu
Fehlbelastungen führen können!
In der Werbung für Zahnpasta wird
oft von „Parodontose“ gesprochen.
Der Zahnarzt sagt aber korrekter
„Parodontosis“, weil in der Regel zum
Abbauprozess des Zahnhalteapparats eine Entzündung hinzukommt.
4. Aufgabe
Wie lautet der Fachausdruck für solche Fehlbelastungen?
Fehlbelastungen haben Auswirkungen auf die Sharpeyfasern, die Zahnfleischmanschette um den Zahnhals
und den Alveolarknochen.
Warum ist der sich abbauende Zahnhalteapparat besonders gefährdet
gegenüber Entzündungen?
2. Aufgabe
Beschreiben und erklären Sie bitte
diese Auswirkungen!
7. Aufgabe
Ursachen der Fehlbelastungen sind
• Okklusions- und Artikulationsstörungen und
• schlechte Angewohnheiten.
Wodurch können Okklusions- und
Artikulationsstörungen hervorgerufen werden?
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
Bei einer fortgeschrittenen Parodontosis liegen oft die Zahnhälse frei.
5. Aufgabe
Parodontosis führt – unbehandelt –
am Ende zum Verlust von Zähnen.
An welchen Symptomen kann der
Patient schon vor dem endgültigen
Zahnverlust erkennen, dass er an einer Rückbildung seines Zahnhalteapparats leidet?
Überlegen Sie bitte, welche Folgekrankheiten bei freiliegenden Zahnhälsen auftreten können!
8. Aufgabe
Was versteht man unter McCallGirlanden?
30
WISSENSTRAINING
Lösungen
Abbildung 1
1. Aufgabe
Parafunktionen
2. Aufgabe
Zweiter und dritter Molar sind in die
Lücke des fehlenden ersten Molars
gekippt. Ihre schräge Stellung macht
normale Gleitbewegungen der
Zahnreihen aufeinander unmöglich.
Fehlbisse führen zu Fehlbelastungen
der Zähne
Okklusions- und Artikulationsstörungen können durch Zahnstellungsanomalien, schlecht sitzenden Zahnersatz, schlecht passende Füllungen
oder fehlende Zähne verursacht werAbb. 1)
den. (siehe
Abbildung 2
3. Aufgabe
a: normale Verankerung des Zahns im Parodontium;
b: durch starke Kippbewegungen reißen die Sharpeyfasern, der Alveolarknochen beginnt
sich in den Druckzonen zurückzubilden;
c: erweiterter Parodontalspalt
Zu den „schlechten“ Angewohnheiten, die zu Fehlbelastungen der Zähne führen können, gehören z.B.
• gewohnheitsmäßige einseitige Belastung eines Gebissabschnitts,
• dauerndes Kauen auf Bleistiften,
• Knirschen und Zähnepressen,
• Tragen von Gegenständen mit den
Zähnen,
• häufiges Durchbeißen von Gegenständen,
• Öffnen von Flaschen mit den Zähnen.
4. Aufgabe
Ein Zahn ist normalerweise in seiner
Alveole fest verankert. Die Sharpeyfasern in der Wurzelhaut verbinden
den Zahn mit dem Alveolarknochen
elastisch, d.h. sie sind in der Lage,
leichten Kippbewegungen des Zahnes zu folgen.
Fehlbelastungen der Zähne führen
zu übermäßigen Zug- und Druckbelastungen. Die Sharpeyfasern reißen
durch den starken Zug; in den DruckDie Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
31
zonen bildet sich der Alveolarknochen zurück. In der Zahnfleischmanschette kommt es durch den Druck
des Zahnes zum Abquetschen der
Blutgefäße. Das schlecht durchblutete Zahnfleisch sieht hell aus und bildet sich zurück.
Infolge des dauernden Drucks des
Zahnes auf den Alveolarknochen
und der dadurch ausgelösten Rückbildung sowie durch den Abriss der
Sharpeyfasern ist der Zahn nur noch
locker im Alvolarknochen verankert.
Belastungen des Zahnes führen
jetzt zu noch stärkeren Zahnbewegungen; der Krankheitsprozess
schreitet noch schneller voran – bis
zum Verlust des Zahns (siehe
Abb. 2).
5. Aufgabe
Viele Patienten haben das Gefühl,
dass ihre Zähne „länger“ werden. In
Wirklichkeit zieht sich das Zahnfleisch zurück, sodass die Ränder
der Zahnhälse freiliegen. Im Unterkiefer-Frontzahnbereich kommt es
außerdem oft zu einer „Auffächerung“ der Zähne, vor allem, wenn
der Patient gewohnheitsmäßig mit
der Zunge gegen diese Zähne
drückt. Die Zähne stehen leicht vor,
der Abstand der Kronen voneinander wird größer. Fangen einzelne
Zähne an zu wackeln, ist der Krankheitsprozess schon weit fortgeschritten.
6. Aufgabe
Das infolge des dauernden Drucks
schlecht durchblutete Zahnfleisch
bietet einen guten Nährboden für
Bakterien, die Entzündungen verursachen können. Die Bakterien leben
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
in den Plaques und Konkrementen,
die sich an den freiliegenden Zahnhälsen besonders leicht ablagern. Da
die Zahnfleischmanschette den
Zahnhals nicht mehr fest umschließt,
können Bakterien entlang der Zahnwurzel eindringen und in den Zahnfleischtaschen Entzündungen verursachen.
Durch falsches Zähneputzen – horizontale Putztechnik! – werden oft
die freiliegenden Zahnhälse „weggeputzt“, d.h. es kommt zu richtigen
Dellen oder Rinnen in dem Wurzelmaterial, in denen sich noch mehr
Plaques ablagern können.
7. Aufgabe
Zahnwurzeln sind von Wurzelzement überzogen, ein Material, das
nicht so hart und widerstandsfähig
wie Zahnschmelz ist. Da sich an den
freiliegenden Zahnhälsen besonders
„gern“ Plaques und Konkremente
ablagern, kann es leicht zu kariösen
Defekten an den Zahnwurzeln kommen.
8. Aufgabe
Unter McCall-Girlanden versteht
man bindegewebige, nicht entzündliche Zahnfleischwülste, welche den
Zahnhals ringförmig umgeben (siehe
Abb. 3).
Abbildung 3
McCall-Girlanden
32
KURZ GEMELDET
Fluoride – die Nummer 1
im Kampf gegen Karies
(IME/Frankfurt/M.) Ob als Zahnpastazusatz, Tablette oder Gel –
Fluoride sind das Mittel der Wahl
bei der Kariesbekämpfung. Karies
ist eine multifaktorielle Erkrankung.
Versuche, Karies mit anderen Maßnahmen zu begegnen, wie zum Beispiel durch Änderung des Ernährungsverhaltens, sind längst nicht
so erfolgreich wie die Kariesprävention mit Fluoriden. Zu diesem Ergebnis kam Prof. Dominique Declerck von der belgischen Universität
Leuven. Der Grund liegt darin, dass
Fluoride den Zahnschmelz stärken
und die Zähne widerstandsfähiger
gegenüber den Kariesbakterien machen. Wird nach dem Putzen auf
das Ausspülen der aufgeschäumten
Zahnpasta verzichtet, wird der Fluoridierungseffekt sogar noch gesteigert. Bis zum 6. Lebensjahr sollten Kinder eine Zahnpasta mit niedrigerem Fluoridgehalt (500 ppm)
verwenden. Eine erbsengroße Menge reicht in aller Regel aus. Danach
ist der Umstieg auf eine Zahnpasta
mit einem Fluoridgehalt von 1.000
bis 1.500 ppm problemlos möglich.
Ob man nun Himbeergeschmack
oder Menthol bevorzugt, ist bei der
Wahl der Zahnpasta reine Geschmacksache.
Durch gründliches und regelmäßiges
Zähneputzen – nach Möglichkeit
dreimal täglich nach den Hauptmahlzeiten, mindestens aber einmal morgens nach dem Frühstück und
abends vor dem Schlafengehen –
kann das Kariesrisiko gering gehalten
werden. Sowohl die bakteriellen
Zahnbeläge als auch die an und zwischen den Zähnen haftenden Nahrungsreste werden entfernt. Ergänzt
werden kann die Mundhygiene durch
die regelmäßige Verwendung von
Zahnseide. Ein sauberer und gut gepflegter Zahn wird nicht krank. Wer
Zahnbeläge regelmäßig entfernt,
schützt nicht nur seine Zähne, sondern auch seine allgemeine Gesundheit. Denn kranke oder gar fehlende
Zähne stören nicht nur die Ästhetik,
sondern können auch zu Krankheiten außerhalb der Mundhöhle führen, wie Migräne, Augenleiden oder
Gefäßerkrankungen.
Mehr Informationen dazu gibt es in
der aktuellen Broschüre „Gut Lachen
mit gesunden Zähnen“ des IME. Sie
kann kostenfrei bestellt oder unter
www.imeonline.de heruntergeladen
werden.
Genuss ohne Reue
(IME/Frankfurt/M.) Eine wichtige
Nachricht für die Zahngesundheit
kommt aus Großbritannien: Zwischen der verzehrten Zuckermenge
und dem Auftreten von Karies besteht kein Zusammenhang. Das ist
die zentrale Aussage eines aktuellen
Übersichtsbeitrages in der internationalen Fachzeitschrift Obesity Reviews, in dem Forscher der Universität Leeds die gesamte englischsprachige Fachliteratur der letzten 150
Jahre auswerteten. Das Ergebnis: Kariesprophylaxe und süßer Genuss
sind kein Widerspruch.
Die Kariesentstehung wird durch
viele Faktoren beeinflusst. Präventive Maßnahmen wie regelmäßige
Zahnpflege, die Verwendung von
Fluoriden und der regelmäßige
Gang zum Zahnarzt spielen die entscheidende Rolle bei der Vorbeugung gegen Karies. Wie die Literaturauswertung weiter zeigt, hat
insbesondere Einfluss auf die Ent-
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wicklung von Karies, wie häufig so
genannte fermentierbare Kohlenhydrate gegessen werden. Dies sind
nicht nur zuckerhaltige Produkte
wie Süßwaren oder Obst, sondern
auch stärkehaltige Produkte wie
Brot oder Nudeln.
Die Zahnmedizinische Fachangestellte 01/2010
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Seele and Geist
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