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Im Epizentrum der Jagdpolitik - Vorarlberger Jägerschaft

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Im Epizentrum der Jagdpolitik
Hannes Kollar
Im Epizentrum der Jagdpolitik befand sich die heurige
Internationale Jagdkonferenz
vom 3. bis 5. Juli in Münster,
wie deren Präsident, der steirische
Landesjägermeister
DI Heinz Gach, betonte. In
Nordrhein-Westfalen
wie
auch in allen anderen deutschen Bundesländern stehen
Jagdgesetznovellen in Ausarbeitung, in denen wesentliche Änderungen und Einschnitte in der gewohnten
Jagdausübung zur Debatte
stehen.
Der gastgebende Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen
erwartet von der Landesregierung (SPD, Grüne) aktuell
einen Entwurf für die Novellierung des Jagdgesetzes:
„Wir setzen darauf, dass Jagd
und Hege gestärkt und nicht
geschwächt werden!“, sagte
Präs. Ralph Müller-Schallenberg bei der 52. Internationalen Jagdkonferenz. Als „politisch indiskutabel, rechtlich
unhaltbar und auch praktisch
unbrauchbar“ bezeichnete
er die Forderungen von Tierund Naturschutzverbänden,
darunter immerhin NABU
und BUND. Aus deren Forderungskatalog: Verbot von
Lebend- und Totschlagfallen,
Verbot von Fütterungen aller
Art, Verbot des Abschusses
von wildernden Hunden und
Katzen, keine Jagdhundeausbildung an lebenden Tieren
(lebende Ente, Saugatter),
Verbot der Baujagd, kein Aussetzen von jagdbaren Tieren,
keine Jagd auf Marder, Ringeltaube und Waldschnepfe.
Völlig verkannt werde, dass
die Jagd Natur- und Tierschutz
sei, zu deren Ausübung die
Jäger im Gegensatz zu Jagdgegnern eine schwierige staatliche Prüfung abgelegt haben.
Müller-Schallenberg: „In den
Gärten wird die Zahl der Singvögel immer weniger. Tauben
20
Vorarlberger Jagd
AKTUELL
führen zu erheblichen Schäden
in landwirtschaftlichen Kulturen und verschmutzen Städte
wie Kulturdenkmäler. Rabenvögel sind eine ernsthafte Bedrohung für viele Jungtiere.
Millionen wildernde Katzen
und Hunde stellen eine massive Bedrohung für die freilebende Tierwelt dar. Um diese
Probleme kümmern sich nur
die Jäger, was freilich von den
Jagdgegnern auf ignorante
und polemische Weise zu diskreditieren versucht wird.“
Der Landesjagdverband zeigte sich, wie der Deutsche Jagdverband, dessen Präsident
Hartwig Fischer ebenfalls an
der Konferenz teilnahm, erstaunt über das Bündnis der
Naturschutzverbände NABU
und BUND mit erklärten Jagdgegnern in Nordrhein-Westfalen. Es sei ein gefährlicher
Irrweg und das falsche Signal,
mit Tierrechtsorganisationen
wie „Peta“ und „Menschen
für Tierrechte“ Allianzen für
eine Jagdreform einzugehen.
Fischer: „Fundamentalistische
Organisationen, die den Menschen das Recht absprechen,
Tiere zu nutzen, sind keine
Partner für eine geplante Jagdreform. Jagdrecht ist ein Eigentumsrecht. Vier Millionen
Menschen und ihre Familien
besitzen in Deutschland forstoder landwirtschaftliche Flächen und somit das Jagdrecht.
Jagd ist notwendig, um Wildschäden und Seuchen zu verhindern und den Artenschutz
zu fördern.“
Von den deutschen Jägern forderte DJV-Präs. Fischer eine
schnellere
Kommunikation
nach innen und nach außen,
was wiederum eine Demokratisierung des DJV und somit
der Jagd nötig macht. Voraussetzung dafür sei aber auch
eine Standortbestimmung der
deutschen Jagd, wofür gerade
ein „Zentralausschuss Jagd“
zur internen Abklärung eingerichtet wurde.
Fürstentum Liechtenstein:
Aus Liechtenstein berichtete Präs. Michael Fasel. Die
Liechtensteiner Bevölkerung
hat grundsätzlich eine positive Einstellung zu Jagd und
Jägern. Negative Meinungen, kritische Presseberichte
oder jagdfeindliche Aktivitäten sind in Liechtenstein
praktisch nicht vorhanden.
Als Präsident der Liechtensteiner Jägerschaft sieht Fasel
für die Jagd in Liechtenstein
zwei Handlungsebenen: die
politisch sachliche Ebene, wo
die Interessen der Jagd und
der Jäger auf der Basis der
gesetzlichen Bestimmungen
positioniert, verteidigt und
umgesetzt werden. Die zweite
Ebene ist für ihn die Weiterentwicklung und die Erneuerung der Jagd. „Wir Jägerinnen und Jäger können uns nur
dann nachhaltig in die Politik
einbringen, wenn wir überzeugende Argumente und
eine glaubhafte Arbeitsweise
vermitteln können. Dafür ist
eine Weiterentwicklung der
Jagd mit Selbstverständnis
und Praxis wichtig.“
Schweiz
Über das Jagdwesen in der
Schweiz berichtete Präsident
Hanspeter Egli. Die nationale Jagdpolitik wird von der
Frage beherrscht, wie mit den
rasch wachsenden Großraubtierbeständen umzugehen
ist. In mehreren Regionen haben die Luchsbestände deutlich über das tragbare Maß
hinaus zugenommen. Die
Schalenwildbestände, insbesondere Gams und Reh, sind
erheblich dezimiert, mancherorts gar nicht mehr zu
beobachten. Zurzeit wird das
Managementkonzept Luchs
überarbeitet. Der Entscheid,
die Luchspopulation auf eine
Dichte zu reduzieren, welche
dem Schalenwild wieder eine
Chance zur Erholung lässt,
wird immer wieder hinausgeschoben. Ebenso schwierig
und zeitraubend gestaltet sich
der Weg nach einem sachgerechten Managementkonzept
Wolf. War der Wolf als Einzeltier hauptsächlich ein Problem
der Nutztierhalter, werden mit
der Rudelbildung die Schalenwildarten auch zunehmend
unter Druck kommen.
Südtirol
Bezirksjägermeister Eduard
Weger berichtete aus Südtirol.
Vor welcher Realität in Sachen
Jagd steht Südtirol? Jagdliche
Selbstbestimmung, die Südtirol laut Autonomiestatut zusteht, ist ausgehöhlt und untergraben. So haben Fuchs und
Schwarzwild nur eine kurze
Jagdzeit, der Zeitraum außerhalb dieser Jagdzeit fällt somit
in den Rechtsbereich des Naturschutzes mit entsprechenden Schwierigkeiten. In Italien sind Steinmarder, Dachs
und Murmeltier nicht jagdbar.
Wenn Südtirol Abschüsse genehmigt oder Jagdzeiten festlegt, verstößt das Land gegen
den „Schutz der Umwelt und
der Ökosysteme“, die laut
Verfassung Staatsangelegenheiten sind. Also darf Südtirol
nicht Abschüsse von Wildarten freigeben, welche im Staat
nicht als jagdbar gelten. Der
früher für die Jagd zuständige Landeshauptmann Luis
Durnwalder hat dies trotzdem immer wieder gemacht
und Sonderverordnungen
unterschrieben, um Abschüsse, auch zur Schadensabwehr,
zu ermöglichen. Nun droht
dem Alt-Landeshauptmann
ein Verfahren wegen „Schädigung des Staatsvermögens“.
Wie sieht die Gesellschaft die
Jagd in Südtirol? Sie ist in
jagdlichen Themen gespaltener als je zuvor. Auf der einen
Seite erleben Südtirols Jäger
wütende Proteste aus der
Bevölkerung, wenn Marder
Kabel an Autos anknabbern,
wenn Hirsche in Sonderkulturen eindringen und Schäden
verursachen, wenn Murmel-
tiere auf Mähwiesen durch
ihre Wühltätigkeit die maschinelle Bearbeitbarkeit der
Wiesen unmöglich machen,
wenn Füchse Hühnerzüchtern
Schaden verursachen, wenn
Schafe von Bären gerissen
werden. Auf der anderen Seite fordern Tierrechtsaktivisten
eine weitere Einschränkung
des Jagdkalenders. BJM Eduard Weger: „Es bleibt für uns
Südtiroler einiges zu tun. Der
erste Schritt muss in den eigenen Reihen getan werden. Wir
müssen unseren Jägern klar
machen, dass wir unser Weidwerk nur verteidigen können,
wenn wir zusammenhalten.“
Luxemburg
Auch in Luxenburg bringen
neue politische Konstellationen Gesetzesänderungen im
Jagdwesen. So herrscht heute
schon in Luxemburg ein generelles Fütterungsverbot, die
Fallenjagd wurde komplett
verboten, Marder und Schnepfen dürfen nicht mehr bejagt
werden, aber gleichzeitig wurde der Rehwildabschuss um
generell 30% erhöht, wobei bei
Strafen drohen. Präsident Josef Bourg: „Alles zieht in Luxemburg darauf ab, dass die
Jagd den Jägern keine Freude
mehr machen darf.“
FACE
(Zusammenschluss
der Verbände für Jagd- und
Wildtiererhaltung in der EU)
FACE-Präsident Gilbert de
Turckheim nahm traditionell
an der IJK teil und berichtete über die Arbeit der FACE.
Großraubtiere und hier vor
allem der Wolf bereiten den
europäischen Jägern Probleme. Grundlagen für den Umgang mit diesen Arten ist die
FFH-Richtlinie, die grundsätzlich auch Eingriffe in die
Populationen vorsieht. Dafür
sind genaue Daten notwendig, soziale und ökonomische
Bedenken einzubeziehen und
schließlich lokale Lösungen zu
suchen. Dazu fordert Turckheim zur Zusammenarbeit
und zu grenzüberschreitenden Lösungsansätzen auf.
Österreich
Über die Situation der Jagd
in Österreich berichtete Präs.
LJM Heinz Gach. Blickt man
auf die Jagd in Österreich und
betrachtet man diese aus den
Perspektiven der Öffentlichkeit und der Politik, sind es
drei Schauplätze, auf denen
Auf europäischer Ebene ist Österreichs Jagd durch die FACE
vertreten. Die FACE dient als
„Minensucher und Themenonsbringer und Sammler von
gemeinsamen Standpunkten
der EU-Jagdverbände. Seitens
der Behörden ist die österreichische Jagd nur selten durch
entsandte Beamte vertreten.
Bei der Frühjahrsbejagung
von Auer- und Birkwild mit
Erfolg, bei der Sanierung der
verpfuschten Bejagung der
Rabenvögel mit sehr wenig
Erfolg.
Auf Bundesebene ist Österreichs Jagd durch die Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände vertreten. Die
Zentralstelle ist Übermittler
der abgestimmten gemeinsamen Standpunkte der neun
Landesjägermeister und ihrer
Experten. Als jüngste Beispiele sind die gelungene Umsetzung im Waffenrecht oder
die politische Entschärfung
des ständig drohenden Forstder
Diskussionsplattform
„Mariazeller Erklärung“ zu
nennen (siehe Seite 22).
Auf Länderebene ist Österreichs Jagd unmittelbar durch
den jeweiligen Landesjagdverband mit den ehrenamtlichen Funktionären und engagierten Experten vertreten.
Auf allen drei Ebenen richtet
SCHLUSSErKLÄrUNG DEr IJK 2014
Trends in Politik und Öffentlichkeit verbreiten sich weltweit (www) dank moderner
Kommunikationsmittel
rasend schnell. Insofern beeinEntwicklungen der Jagd und
die Gefahren für die Jagd in
den teilnehmenden Ländern.
Aus dieser Erkenntnis heraus
widmete die Internationale
Jagdkonferenz ihre diesjährige Tagung, die vom 3. bis 5.
Juli 2014 auf Einladung des
DJV und des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen
in Münster stattfand, dem
Thema „Jagd – Politik – Öffentlichkeit“ als Lagebericht
zur jagdpolitischen Situation
in Europa. Es wurde festge-
stellt, dass in allen teilnehmenden Ländern von der
Politik einschneidende Veränderungen im Jagdgesetz
diskutiert werden und teilweise bereits vollzogen sind.
Gleichwohl haben repräsentative Umfragen bei der nicht
jagenden Bevölkerung eine
deutliche Akzeptanz der Jagd
ergeben.
Diese Erkenntnis macht es erforderlich, die Kommunikation innerhalb der Jägerschaft
und in die nicht jagende Bevölkerung hinein weiterhin
zu verstärken. Nur so kann
der Gesetzgeber davon überzeugt werden, dass es tatsächlich keiner gravierenden
Änderungen mit massiven
Verschlechterungen bedarf.
weiterhin in der Mitte der
Gesellschaft und erfüllen für
diese ihre Aufgabe mit Engagement und Leidenschaft.
Durch einen Blick über die
Grenzen und eine bessere
Vernetzung zwischen den
Jagdverbänden können und
enter ausgetauscht und damit Entwicklungen schneller vorhergesehen werden.
Um diese Thematik weiter
zu vertiefen, treffen sich die
Mitglieder der Internationalen Jagdkonferenz im nächsten Jahr in Tirol.
Münster, im Juli 2014
die Gesellschaft auch Forderungen an die Jagd in Österreich. Europa fordert über das
Waffenrecht mehr Kontrolle,
mehr individuelle Einschränkung und weniger Beweglichkeit einzelner Bürger mit
Schusswaffen. Darüber hinaus
„Grundrechte“ für Heim- und
Nutztiere und neuerdings
auch für Wildtiere, wobei ein
Recht auf ein „leidensfreies“
Leben in der freien Natur gefordert wird.
In Österreich haben wir in
vier Bundesländern eine neue
Situation, wo eine politische
Koalition mit den Grünen in
den Landesregierungen Faktum ist. So gibt es in Salzburg
die Forderung eines psychologischen Gutachtens als Voraussetzung für die Jungjägerprüfung, in Oberösterreich
einen sofortigen Umstieg auf
bleifreie Munition in allen Bereichen, somit auch für den
Schrotschuss in Wald und
Feld, in Wien wird ein Verbot
der Bejagung der Rabenvögel
gefordert, wobei auch keine
Ausnahme nach Artikel 9 der
Vogelrichtlinie gemacht werden soll. In Tirol wiederum ist
eine große Jagdgesetznovelle
in Diskussion, deren Ausgang
nicht absehbar ist.
Dazu kommen Themen, die
von Jägern sozusagen hausgemacht sind. Da geht es um
die Jagd in Gattern, die als
unweidmännisch, als verwerflich, als unmoralisch und als
nicht nachhaltig angesehen
wird. Oder es ist die Diskussion um Schalldämpfer oder um
schwarze Schafe in der Jägerschaft, wofür als Grund auch
zahnlose Disziplinarrechte angesehen werden.
Die Jagd in Österreich muss
sich auf drei bewährte Säulen
besinnen. Und hier fordert
Gach Nachhaltigkeit, Weidgerechtigkeit und somit eine
Gesellschaftsakzeptanz
des
Weidwerks in Österreich.
Dieser Artikel ist in der AugustAusgabe des „Der Anblick“
erschienen und wurde freundlicherweise von der Redaktion zum
AKTUELL
September/Oktober 2014
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Seele and Geist
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