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Causa - Tagesspiegel

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SONNTAG
Nicht suchen, finden!
Ein Besuch im Fundbüro
– Berlin, Seite 9
Wissen Sie’s?
Das biografische
Osterrätsel – Seite 29
Beliebt nicht nur zu Ostern:
Häschen, Lamm und Huhn
– Wirtschaft, Seite 22
BERLIN, SONNTAG, 5. APRIL 2015 / 71. JAHRGANG / NR. 22 363
WWW.TAGESSPIEGEL.DE
BERLIN / BRANDENBURG 2,00 €, AUSWÄRTS 2,70 €, AUSLAND 2,80 €
Was Ostern uns sagt
Schimmer
der Hoffnung
WIE IDEEN IN DIE WELT KOMMEN
CAUSA
Von Claudia Keller
B
DAS NEUE TREND-MAGAZIN IM TAGESSPIEGEL
Seiten 33 bis 36
Nach NPD-Hetze: Flüchtlingsheim in Tröglitz brennt
Feuer vorsätzlich gelegt / Asylbewerber sollten im Mai einziehen / Ex-Bürgermeister zieht Vergleich zu Mölln und Hoyerswerda
Berlin - Hass und Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland erreichen einen
neuen Höhepunkt. Ausgerechnet im sachsen-anhaltischen Tröglitz, wo der Ortsbürgermeister Markus Nierth vor einem
Monat nach NPD-Hetze zurückgetreten
war, wurde in der Nacht zum Samstag
vorsätzlich Feuer in einem Asylbewerberheim gelegt. Wie Staatsanwaltschaft und
Polizei am Samstagmittag mitteilten,
drangen offensichtlich eine oder mehrere
Personen in das Haus ein und lösten den
Brand aus, höchstwahrscheinlich mit
Hilfe von Brandbeschleunigern. Das Ge-
W
ie wird es an den Feiertagen
den Eltern von Andreas Lubitz gehen, dem Kopiloten?
Ich finde, von allen, die beim Absturz
der Germanwings-Maschine Angehörige verloren haben, tragen sie die
schwerste Last. Ihr Kind haben sie vermutlich genauso geliebt wie andere Eltern ihre Kinder lieben. Sie tragen vermutlich keine Schuld an dem, was ihr
Sohn getan hat. Ob Lubitz überhaupt zurechnungsfähig war, oder halb zurechnungsfähig, oder heillos verwirrt, wird
man wahrscheinlich nie erfahren.
Nun hat man nicht nur den Sohn verloren, sondern auch das, was nach dem
Tod übrigbleibt, die Erinnerung. Vor jedes Foto, vor jedes Bild aus der Kindheit
des Sohnes, das im Kopf aufleuchtet,
wird sich der Schatten dieses Endes
schieben. Und der Schatten der Tat, deren Details man nicht kennt, liegt jetzt
auch auf ihnen. Sie können nichts dagegen tun. Wer tröstet sie? Mit wem können sie über ihren Verlust sprechen?
Welcher Bundespräsident nimmt sie in
den Arm?
In einer der Geschichten über Montabaur, die Heimatstadt des Kopiloten, ist
vom „sozialen Tod“ die Rede, die dessen Familie gerade erleidet. Sogar
Leute, die nur zufällig den gleichen Namen tragen, werden maßlos be-
bäude, in dem ab Mai 40 Asylbewerber
untergebracht werden sollten, wurde so
unbewohnbar. Ein deutsches Paar, das in
dem ansonsten noch leerstehenden Haus
wohnte, wurde von Nachbarn rechtzeitig
gewarnt und konnte unverletzt seine
Wohnung verlassen. Der Polizeiliche
Staatsschutz ermittelt, ein politisches Motiv liegt nahe.
Der parteilose ehemalige Ortsbürgermeister sagte dem Tagesspiegel: „Eine
bleibende Schande für Tröglitz, die uns
nun mit Mölln und Hoyerswerda in eine
Reihe bringt.“ Politiker aller Parteien
zeigten sich entsetzt und schockiert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière
Eltern haben
ein Recht
auf Trauer
Von Harald Martenstein
schimpft. Auf der anderen Seite haben
Fliegerkameraden einen Trauermarsch
für den Kopiloten veranstaltet. Wird
man zum Komplizen, wenn man um jemanden trauert, der so etwas getan hat?
Nein. Auch ein Verbrecher ist ein
Mensch. Ein Kranker ist es erst recht.
Denn wir wissen ja nicht einmal, ob der
Mann überhaupt ein Verbrecher war
C
HINWEIS
D
Liebe Leserin, lieber Leser,
wegen der Osterfeiertage erscheint
die nächste Ausgabe des Tagesspiegels
am Dienstag, dem 7. April
(CDU) sprach von einer „abscheulichen
Tat, die unverzüglich aufgeklärt werden
muss“. Er sagte weiter: „Menschen, die
Schutz in Deutschland suchen, müssen
hier friedlich und sicher leben können.“
Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel verurteilte den Brandanschlag. „Es ist diemonatelange Stimmungsmache gegen Flücht-
oder einer, der nicht begreifen konnte,
was er tut. Das Recht auf Trauer haben
vor allem die Eltern. Sicher, das Band
zwischen Eltern und Kindern ist nicht
unzerreißbar. Manchmal geschieht etwas, das eine Seite der anderen nicht
verzeihen kann. Aber die Entscheidung
darüber treffen ganz allein die Beteiligten. Die anderen geht das nichts an.
Schuld ist immer etwas Individuelles.
Schuld entsteht durch die Tat einer Person, manchmal auch dadurch, dass eine
Person etwas unterlässt, eine Hilfeleistung zum Beispiel. Schuld ist immer das
Ergebnis einer bewussten Entscheidung
– deshalb werden Menschen nicht bestraft, die zu einer bewussten Entscheidung nicht in der Lage sind. Völker,
Menschengruppen oder Familien können niemals als Ganzes schuldig sein.
Wer Muslim ist, trägt keine Schuld an
den Verbrechen anderer Muslime.
Selbstverständlich gibt es auch Mitverantwortung – der Vater, der sein Kind
prügelt, trägt eine Verantwortung für
dessen Verrohung, der Hassprediger
trägt Verantwortung für das, was aus seinen Worten entsteht. Aber auch diese
Mitschuld ist individuell, sie betrifft immer nur diese Person.
Kürzlich hörte ich den Satz: „Wenn
Gauck wirklich Mut hat, dann besucht
er die Eltern des Kopiloten.“
linge, die den Hass säte, der in Tröglitz
nun in Flammen gemündet ist“, erklärte
der Vizekanzler in Berlin. Gabriel unterstrich, Flüchtlinge gehörten zu Deutschland. Die Bundesrepublik sei ein wohlhabendes Land. Wer Schutz vor Verfolgung
suche, habe Anspruch auf Hilfe.
Ein Friedensgebet der Bürgerinitiative
Tröglitz mit 250 Teilnehmern am Abend
wurde von vier in der Region bekannten
Rechten durch Zwischenrufe gestört.
Auch in anderen Städten kam es zu
neuen fremdenfeindlichen Angriffen. In
Wismar wurden in der Nacht zum Samstag zwei ägyptische Asylbewerber von
acht bislang unbekannten Männern atta-
C
INDEX
ckiert. Die beiden Ägypter im Alter von
21 und 26 Jahren wurden geschlagen und
mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt. Bereits am frühen Freitagmorgen
war in Rostock ein 26-jähriger Kameruner
von drei Männern auf offener Straße geschlagen worden, wie der NDR meldete.
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau
(Linke) sagte mit Blick auf die Vorfälle
der vergangenen Tage: „Bei so viel Unmenschlichkeit helfen nur noch ein Aufstand der Anständigen vor Ort und
mehr Weitsicht der Zuständigen im
Land.“
mit dpa/toh
— Seiten 2 und 12
D
Gabriel will
Familienförderung
reformieren
BUNDESLIGA
Werder Bremen – FSV Mainz 05 . . 0 : 0
Bay. Leverkusen – Hamburger SV 4 : 0
Eintr. Frankfurt – Hannover 96 . . . . 2 :2
VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart . . . . . 3 : 1
SC Freiburg – 1. FC Köln . . . . . . . . . . . . . 1 : 0
Hoffenheim – Mönchengladbach . . 1 : 4
Bor. Dortmund – Bay. München . . . . 0 : 1
WETTER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Nach einer leicht frostigen Nacht
beginnt der Ostersonntag
in Berlin mit Sonnenschein.
Später ziehen Wolken auf,
9 /-2
es bleibt aber trocken.
Abends lockert es wieder auf.
SPORT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 – 21
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TEL. TICKETS . . . . . . . . . . . . . (030) 29021 - 521
ISSN 1865-2263
70014
Fotos: Fotolia; Illustration: Michael Hahn
Von Matthias Meisner
Berlin - SPD-Chef Sigmar Gabriel hat
sich für eine grundlegende Reform der
Familienförderung
ausgesprochen.
Dazu will er das bisherige System mit
Kindergeld und Kinderfreibetrag abschaffen. „Kinder sollten dem Staat
gleich viel wert sein“, sagte Gabriel der
„Rheinischen Post“. „Das heutige Steuerrecht führt dazu, dass dem Staat Kinder
von wohlhabenden Eltern mehr wert
sind als von Normalverdienern oder ärmeren Eltern.“ Er sei auch bereit, dafür
eventuell das Grundgesetz zu ändern.
Zudem verteidigte Gabriel den SPD-Vorstoß für eine finanzielle Besserstellung
von Alleinerziehenden, gegen die sich
die Union bisher stellt. Die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus unterstützte
Gabriels Vorstoß für eine Kindergeldreform. Laut Paus ist das bisherige System nicht haltbar. Sie plädierte für „einen gleichen Auszahlbetrag für alle“,
der das Existenzminimum abdecke. Tsp
4 190662 202709
— Seite 2
äume verlieren im Herbst ihre Blätter, sehen aus wie tot. Im Frühjahr
treiben die Zweige neue Knospen,
werden wieder grün. Doch der Mensch
soll endgültig tot sein, wenn sein Herz
nicht mehr schlägt? Das konnten sich die
Ägypter vor 5000 Jahren nicht vorstellen. Sie bauten ihren Pharaonen riesige
Pyramiden und gaben ihnen Gold mit ins
Grab, damit es ihnen an nichts mangelt,
wenn sie aufwachen.
Auch Juden, Christen und Muslime
glauben daran, dass es nach dem Tod weitergeht. Christen glauben, dass die Römer Jesus nicht nur deshalb ans Kreuz genagelt haben, weil er Revolutionäres predigte und die Menschen aufwiegelte. Sie
sehen dahinter einen göttlichen Plan: Jesus sei für die Menschen am Kreuz gestorben, schreibt Apostel Paulus. Er habe dadurch alles Menschliche und auch die
Sünden auf sich genommen.
Doch hat der Tod einen Sinn? Sicher
nicht der Tod der vielen Menschen, die
mit der Germanwings-Maschine abgestürzt sind. Schwer vorstellbar, dass ein
barmherziger Gott möchte, dass Jugendliche sterben, weil sich ein Pilot das Leben
nehmen will. Ist der Tod sinnvoller,
wenn ein 83-Jähriger im Krankenhaus
stirbt? Seine Kinder, Enkel und Freunde
stehen vielleicht nicht so fassungslos am
Grab wie die Angehörigen vor dem Gedenkstein im französischen Bergdorf Le
Vernet. Doch der Tod fühlt sich immer
sinnlos an, wenn er nah herankommt.
Der gekreuzigte Jesus ist am dritten
Tag auferstanden. So steht es in der Bibel. Viele Künstler des Mittelalters zeigen einen triumphierenden Jesus, der in
den Himmel aufsteigt. Einen, dem man
die Qualen am Kreuz nicht ansieht. Im
klassischen Ostersonntagsgottesdienst
predigen Pfarrer, dass durch die Auferstehung auch die Menschen von ihren Sünden und Leiden erlöst sind. Doch wer gerade die Frau, das Kind oder den Freund
verloren hat, dem hilft das nicht viel weiter. Ostersonntag muss deshalb nicht ausfallen. Doch Priester, Pfarrerinnen und Bischöfe sollten es sich schwer machen mit
der Osterpredigt, sollten allzu schnelle
Gewissheiten und die üblichen Formeln
und Zirkelschlüsse beiseite lassen. Vielleicht geht es eine Spur leiser und suchender als sonst, sozusagen mit mehr Karsamstag. Am Tag nach der Kreuzigung
waren Maria Magdalena und die Jünger
traurig, verunsichert. Ihr Meister war tot,
die erhoffte Revolution ausgeblieben; am
leeren Grab blieben die meisten ratlos.
Ratlosigkeit, Verunsicherung, Zweifel
und auch Verzweifeln gehören zum Glauben. Manchmal gelingt es den Kirchen,
das zuzugeben. Vor zehn Tagen hat die
evangelische Kirche die Präsentation eines neuen Grundlagentextes zur Kreuzes- und Auferstehungstheologie abgesagt – „aus aktuellem Anlass“. Es war Tag
zwei nach dem Flugzeugunglück.
Auch der Pfarrer, der weiß, dass seine
Frau nur noch drei Wochen zu leben hat,
erfährt den Tod noch einmal anders. Im
Amt hat er so viel über das Sterben nachgedacht und gesprochen. Nun Krebs im
Endstadium. Jetzt, da es ihn selbst betreffe, seien alle Gewissheiten erschüttert, sagt er. Alles, was bleibe, sei eine
kleine, zarte Hoffnung. Es ist die Hoffnung, an die sich Menschen seit Jahrtausenden klammern, gegen alle Vernunft
und Erfahrung: dass der Tod nicht das
Ende ist. Dass es den Toten gut geht,
dort, wo sie jetzt sind. Vielleicht ist es
auch nur der Schimmer einer Hoffnung.
Aber diesen Schimmer gibt es. Nicht
mehr, aber auch nicht weniger.
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2
NACHRICHTEN
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Die schweigende Gemeinde
Gabriel
fordert Union
heraus
In Tröglitz wird im geplanten Flüchtlingsheim Feuer gelegt
Der Ex-Bürgermeister ist erschüttert – auch über das Verhalten seiner Mitbürger
Parteichef will SPD über
Sozialpolitik profilieren
Von Torsten Hampel, Tröglitz,
und Matthias Meisner, Berlin
Am späten Samstagnachmittag zum Friedensgebet der Bürgerinitiative kommen
auch sie nach Tröglitz: Vier in der Region
bekannte Rechtsextreme, drei Männer und
eine Frau, stehen am Rande des Friedensplatzes und halten ein Plakat in die Höhe
mit der Aufschrift: „Das System ist das Problem“. Und als Susanna Nierth, die Frau
des zurückgetretenen Ortsbürgermeisters
Markus Nierth, vor 250 Teilnehmern die
Ereignisse der Nacht als schlimm bezeichnet, ruft einer der vier: „Falsch, es wird
noch viel schlimmer.“
In der Nacht hat es in der geplanten Asylbewerberunterkunft von Tröglitz gebrannt.
Im Mai sollten die ersten von 40 Flüchtlingen einziehen, die in dem Ort im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis untergebracht werden sollen. Nierth
„Es ist ein ganz widerliches Verbrechen, sagt,
eine
Katastrophe“, die „braune
sagt
Sachsens-Anhalts Ministerpräsi- Saat“ sei
dent Reiner Haseloff aufgegangen
(CDU) vor dem Friedensgebet sichtlich
betroffen. Und auch Susanna Nierth ist erschüttert: „Davon wird sich Tröglitz wohl
nie mehr erholen.“
Der 2700-Einwohner-Ort Tröglitz ist in
den Schlagzeilen, seit vor einem Monat
Markus Nierth sein Amt zurückgab – von
der NPD angeführte Proteste gegen Flüchtlinge hatten direkt vor seinem Wohnhaus
stattfinden sollen, die Behörden hatten zu
spät darauf reagiert. Und jetzt das: Um
zwei Uhr nachts bricht ein Feuer aus in
dem für Flüchtlinge vorgesehenen Haus,
der Dachstuhl brennt völlig aus. Der Staatsschutz ermittelt, eine politisch motivierte
Brandstiftung sei nicht auszuschließen, erklärt ein Polizeisprecher. Das Feuer im
Dachgeschoss ist den Ermittlungen zufolge
an mehreren Stellen gelegt worden. Offenbar kamen Brandbeschleuniger zum Einsatz. „Die Täter müssen in den Büschen gelegen und gewartet haben“, sagt Ministerpräsident Reiner Haseloff, „das Haus wird
ziemlich intensiv bestreift.“ Circa einmal
pro Stunde fährt ein Polizeifahrzeug vorbei. Zwei Einwohner – ein deutsches Ehepaar – können sich retten.
Der ehemalige Ortsbürgermeister Nierth
ist erschüttert: „Ich gehe von Brandstiftung
aus, die sogar den Tod des dort noch lebenden Ehepaares in Kauf genommen hat“, sagt
er dem Tagesspiegel. Der ehemalige parteilose Kommunalpolitiker erklärt weiter: „Ich
bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe
finden sollten.“ Selbst Familien aus Kriegsgebieten werde „von kranken, bösen Gehirnen“ kein freistehender Wohnraum gegönnt. „Eine bleibende Schande für Tröglitz, die uns nun mit Mölln und Hoyerswerdain eineReihe bringt undnoch vieleunabsehbare Folgen haben wird.“
Die Politik reagiert – anders als bei den
Drohungen gegen Nierth – diesmal schnell.
Das Unfassbare sei geschehen, sagt der
Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich(CDU). MinisterpräsidentReiner Haseloff und Innenminister Holger Stahlknecht
Foto: Reuters
KENIA
Festnahmen nach Massaker
Nairobi - Die kenianischen Behörden haben nach dem Massaker an einer Universität fünf Verdächtige festgenommen.
Dies bestätigte ein Regierungssprecher am Samstag. Drei
von ihnen wurden auf der Flucht in Richtung Somalia gefasst. Bei dem Anschlag der somalischen Al-Schabaab-Miliz
an der Universität in Garissa am Donnerstag waren nach neuesten Angaben 148 Menschen ums Leben gekommen.
Am Samstag wurde noch eine Überlebende gefunden, die
sich zwei Tage lang in einem Schrank versteckt hatte. Al
Schabaab drohte mit weiteren Anschlägen in Kenia. dpa/AFP
Foto: dpa
DANIELA SCHADT WARNT
„No-Go-Areas“ für Juden?
Osnabrück - Die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, Daniela Schadt, befürchtet, dass in Deutschland „No-Go-Areas“ für Juden entstehen könnten. „Dagegen
müssen wir alle Stellung beziehen“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Sie sei in großer Sorge, weil viele Juden in Berlin und anderswo es nicht mehr wagten, öffentlich die Kippa zu tragen. Bis heute könne sie sich nicht daran gewöhnen, dass Polizisten jüdische Einrichtungen bewachen müssten. „Es ist furchtbar und sehr traurig, dass es in
Deutschland inzwischen neben einem traditionellen Antisemitismus auch noch eine neue Form des Antisemitismus
gibt, einen islamistisch motivierten etwa auch bei einem
Teil von jüngeren Muslimen.“ Dadurch habe sich das Problem noch verschärft.
epd
GEDENKEN IM BUNDESTAG
Winkler soll am 8. Mai reden
München - Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird einem Bericht zufolge ein Historiker im Bundestag die Rede zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg halten. Der Geschichtswissenschaftler Heinrich August Winkler solle am 8. Mai während einer kurzen Gedenkfeier des
Bundestages reden, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“
am Samstag. 70 Jahre nach Kriegsende würden damit weder der Bundespräsident noch die Kanzlerin das Wort ergreifen. Seit 1964 habe stets entweder ein Bundespräsident
oder ein Bundeskanzler zu den Gedenktagen des Zweiten
Weltkriegs gesprochen, schrieb das Blatt.
AFP
Berlin - Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel versucht, seine Partei innerhalb der
Koalition immer stärker über sozialpolitische Forderungen zu profilieren. Nachdem
er sich im Streit zwischen Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) um die
Förderung von Alleinerziehenden schon
ganz unzweideutig hinter seine Parteifreundin gestellt hat, legte der Vizekanzler am
Osterwochenende nach. Die Kinderförderung in Deutschland müsse „vom Kopf auf
die Füße“ gestellt werden, sagte er der
„Rheinischen Post“.
Gabriel möchte dafür das bisherige System mit Kindergeld und Kinderfreibetrag
abschaffen. „Kinder sollten dem Staat
gleich viel wert sein“, sagte er. Das heutige
Steuerrecht führe dazu, dass dem Staat Kinder von wohlhabenden Eltern mehr wert
seien als die von Normalverdienern oder
ärmeren Eltern. „Je mehr man verdient,
desto mehr Steuern schenkt einem der
Staat für die eigenen Kinder.“ Kinder würden so „nach oben veredelt und nach unten
verelenden“, fügte der Vizekanzler hinzu.
Er sei auch bereit, für eine Reform das
Grundgesetz zu ändern. Das Bundesverfassungsgericht hat die unterschiedlichen Förderformen grundsätzlich anerkannt.
Die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus
unterstützt den Vorstoß Gabriels zur Kinderförderung grundsätzlich. In ihrer Partei
gebe es derzeit ebenfalls Überlegungen,
das derzeitige System grundlegend zu ändern. Man wolle in einem Gespräch mit Verfassungsrechtlern klären, welches Vorgehen am besten sei. Eine Möglichkeit wäre,
den Freibetrag in einen Auszahlungsbetrag umzugestalten. Auch Grüne
Paus zufolge ist das
bisherige „Dreiklas- für Reform
sensystem“ bei der der
Kinderförderung
nicht haltbar. Neben Förderung
dem Kinderfreibetrag von Kindern
für Besserverdiener
und dem Kindergeld
für mittlere und untere Einkommensgruppen gibt es noch die Regelsatzförderung
für Bezieher von Arbeitslosengeld II oder
Sozialhilfe. „Warum das verfassungsgemäß sein soll, ist doch die Frage“, sagte
Paus dem Tagesspiegel. Persönlich sei sie
für „einen gleichen Auszahlbetrag für
alle“, der das Existenzminimum abdecke.
Gabriel ist zuversichtlich, dass die Sozialdemokraten sich im Streit um eine bessere
steuerliche Förderung von Alleinerziehenden gegen die Union durchsetzen werden.
Schäuble lehnt es bislang vehement ab, den
Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu
erhöhen. Er macht zur Bedingung, dass
Schwesig, die auf eine Besserstellung
dringt, die nötigen Mittel in ihrem Etat freimacht. Gabriel sagte: „Die Entlastung für
Alleinerziehende, die Manuela Schwesig
und die SPD wollen, wird kommen.“ Gabriel ist sicher, dass die Union mitmachen
werde, wenn eine „vernünftige Finanzierung“ gelinge. Im Koalitionsvertrag ist
eine Erhöhung des Entlastungsbetrags vereinbart, Schäuble argumentiert jedoch,
sie gehöre nicht zu den vorrangigen Maßnahmen.
Albert Funk
Feuer unterm Dach. Was zunächst nur ein Verdacht war, wird im Laufe des Samstags zur trauFoto: Hendrik Schmidt/dpa
rigen Gewissheit: Der Brand in Tröglitz ist vorsätzlich gelegt worden.
(beide CDU) geben eine gemeinsame Pressekonferenz mit der Staatsanwaltschaft in
Halle. Haseloff wirkt richtig sauer. Er erklärt: „Hier geht es um unsere Demokratie.
Wir weichen keinen Schritt zurück.“
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD)
sagt, der schlimme Verdacht nach dem
Brand in Tröglitz mache fassungslos. „Wir
müssen weiter deutlich machen: Flüchtlinge sind bei uns willkommen!“ Der Oppositionsführer im Landtag von Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert (Linke), sagt, es sei „mit
krimineller Energie und unter Inkaufnahme von Toten ein Brandanschlag“ verübt worden, „eiskalter und krimineller Rassismus“. Es möge nun niemand mehr als
Ursache für Hass auf Flüchtlinge mangelnde Aufklärung vor Ort benennen. Jetzt
sei die Frage, in welche Richtung sich die
Gemeinde bewegen wird, ob sie klar demonstriert, dass sie zur Aufnahme von
Flüchtlingen bereit ist.
Klar ist das bisher nicht geworden. Zwar
stellte Ex-Ortsbürgermeister Nierth nach
seinem Rücktritt fest, dass ein Ruck durch
Tröglitz gegangen sei. Und seine Ehefrau
erzählt von Plänen, ein Begegnungscafé im
Ort zu eröffnen, um den Einwohnern die
Möglichkeit zu geben, die Flüchtlinge „kennen- und schätzen zu lernen“.
Doch hatte nicht die Einwohnerversammlungam Dienstaggezeigt, wie groß die Skepsis ist? Der Korrespondent desDeutschlandfunks twitterte davon: „Asylbewerber sind
nicht willkommen. Neid, Missgunst, Skepsis. Kein warmes Wort des Willkommens.“
Bei „Spiegel Online“ hieß es: „Die Rechten
pöbeln, die Masse schweigt.“ Sebastian
Striegel, Grünen-Innenpolitiker im Landtag, verweist darauf, dass Bürger in einer
„Tröglitzer Erklärung“ ein Bekenntnis zur
„Menschenfreundlichkeit als oberstes Gebot“ abgegeben hätten. Andererseits seien
in dem Ort die Solidaritätsaktionen für
Flüchtlinge hauptsächlich im Kirchenraum
organisiert worden. „Die Straße aber darf
nicht denen überlassen werden, die gegen
Flüchtlinge hetzen.“ Zu schaffen machen
Striegel nicht in erster Linie die vielleicht
100 oder 150 Tröglitzer, die mit Geflüchteten nichts zu tun haben wollen. „Das größte
Problem sind die 2500, die nichts sagen.“
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Es ist immer gut, eine Alternative zu haben.
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Berlin und die Ostsee
Deutschland
AUSSICHTEN
05. 04. 2015
Göhren
6/3
Waren/Müritz
9/-2
Prenzlau
9/0
Schwedt
9/0
Wittenberge
9/-1
Berlin
Rathenow
9/-1
Berlin
8/-2
Frankfurt/Oder
9/-1
Brandenburg
9/-1
Luckenwalde
9/-2
Lübben
9/-1
Finsterwalde
8/-2
Cottbus
9/-1
HEUTE IN BERLIN
Nach einer leicht frostigen Nacht
beginnt der Ostersonntag in Berlin und Umgebung mit Sonnenschein und nur sehr wenigen Wolken. Im Tagesverlauf nimmt die
Bewölkung zwar etwas zu, aber
die Wahrscheinlichkeit für einen
Regenschauer bleibt trotzdem
nur sehr gering. Gegen Abend
hin lockert es dann wieder vermehrt auf. Die Höchsttemperatur liegt um 9 Grad.
Di
Mi
Do
Rostock
8/1
Hamburg
9/-2
Bremen
10/2
Hannover
9/-2
Magdeburg
9/-2
Dortmund
9/2
Wind: Es weht anfänglich nur
schwacher Wind aus nordwestlicher Richtung, der in weiterer
Folge etwas zunimmt.
Biowetter: Der Einfluss von Erlenpollen ist kaum mehr spürbar, allerdings haben betroffene
Allergiker leicht unter ersten Birkenpollen zu leiden. Die Wettereinflüsse auf den Organismus
sind positiv, nur die Neigung zu
Kopfschmerzen ist erhöht.
10/1
12/3
13/1
Köln
9/2
GESTERN IN BERLIN
Schwefeldioxid
2
µg/m3
(maximal 350)
Tegel
Tempelhof
Dahlem
Schönefeld
Potsdam
-2.5
0.1
-1.9
-3.3
-1.8
9.3
8.2
7.8
8.1
9.5
0
0
0
0
0
3.8
4.2
3.9
3.7
3.1
Berlin
9/-2
Leipzig
9/-3
Eberswalde
9/-1
Potsdam
9/-1
9/-2
Mo
Sonnenstunden
vorgestern
Neuruppin
9/-2
Niederschlag
bis 12 Uhr (mm)
Pritzwalk
9/-1
Temperatur
um 14 Uhr
Schwerin
9/-1
Heringsdorf
6/3
Rostock
8/1
Am Montag dominieren dichtere
Wolken und bei 10 Grad kann es
leicht regnen. Der Dienstag verläuft bei 12 Grad unterschiedlich
bewölkt, aber großteils trocken.
Während es am Mittwoch leicht
regnet, dominiert am Donnerstag wieder die Sonne. Es werden
jeweils 12 Grad erreicht.
Kiel
8/1
Frankfurt
9/0
Erfurt
8/-2
Dresden
8/-1
Nürnberg
8/-2
Stuttgart
10/0
Saarbrücken
9/-1
München
7/-2
Freiburg
9/0
435 cm
149 cm
40 cm
40 cm
keine Meldung
SONNE & MOND
06:30
19:47
04.05.
12.04.
20:58
18.04.
26.04.
06:58
Namenstage: Vinzenz, Crescentia, Eva
HEUTE IN DEUTSCHLAND
Am Ostersonntag zeigt sich neben einigen Wolken in vielen Regionen die Sonne über längere
Zeit. Weit verbreitet bleibt es trocken. Nur südlich der Donau sowie im Bereich des Erzgebirges
kommt es noch zu einigen Regen- oder auch Schneeschau-
ern. Gegen Abend hin lässt auch
dort die Schauertätigkeit nach,
und die Sonne zeigt sich öfter.
Der Wind kommt aus nördlicher
Richtung und weht schwach, nur
im Südwesten auch mäßig. Die
Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 6 und 12 Grad.
T
Reykjavik
6
H
Oslo
6
Dublin
11
OSTRA
London
12
Paris
9
T
Moskau
5
Berlin
Warschau
9
6
Brüssel
Kiew
10
9 OSKAR
Zürich Wien
8
8
Budapest
Venedig
10 Bukarest
13
Cannes
13
Dubrovnik
14 Rom
Sofia Istanbul
13
13 PETER
10
10
T
Bordeaux
13
Malaga
21
Las Palmas
19
Riga
5
NIKLAS
Wilna
4
Kopenhagen
6
H
Lissabon Madrid
20
22
Stockholm Helsinki St. Petersburg
6
4
7
Palma
17
Algier
18
T
Athen
15
Tunis
18
Antalya
17
T Tiefdruckzentrum
AUSSICHTEN
SCHNEEHÖHEN
Zugspitze
Brocken
Feldberg
Fichtelberg
Oberhof
Die Tiefs Niklas und Oskar, die
zuletzt in Zentraleuropa das Wetter bestimmt haben, befinden
sich im Bereich des Baltikums
sowie im Westen Russlands. Sie
sorgen in Osteuropa für dichte
Wolken und für Regen- und
Schneefälle. Diese fallen aber
nicht allzu heftig aus, da sich die
Tiefs abgeschwächt haben. Auf
dem Balkan und in Italien verursacht Tief Peter, mit Zentrum
über Sardinien, ebenfalls regnerische und kühle Verhältnisse.
Wetterbegünstigt
präsentiert
sich der Westen des Kontinents.
Über Irland liegt Hoch Ostra und
somit dominiert Sonnenschein
von den Britischen Inseln über
weite Teile Frankreichs bis hin
zur Iberischen Halbinsel.
Reisewetter
T
WETTERLAGE
Tiefstwert
bis 8 Uhr
Kühlungsborn
6/3
Europa
Bedingt durch Tief Peter verlaufen die nächsten Tage am Balkan und im östlichen Mittelmeerraum mit Wolken und Regenfällen, die sich in Richtung Schwarzes Meer verlagern. Der Einfluss
von Hoch Ostra weitet sich in
Richtung Osten aus. Daher gibt
es von den Alpen bis Dänemark
viel Sonne, und es bleibt meist
trocken. Unbeständig bleibt es
im Rest von Skandinavien.
H Hochdruckzentrum
Warmfront
Kaltfront
Mischfront
Schauerlinie
WASSERTEMPERATUREN
Nordsee
Ostsee
Biskaya
Adria
Ägäis
Schwarzes Meer
6˚
4˚
12˚
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17˚
9˚
Westliches Mittelmeer
Östliches Mittelmeer
Algarve
Kanarische Inseln
Karibik
Thailand
Auf unserer Internetseite: Das neue
Berlin-Wetter – mit der Wetterlage und den Aussichten
für jeden einzelnen Berliner Bezirk. Zu finden unter:
www.tagesspiegel.de/wetter
15˚
18˚
17˚
19˚
27˚
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DEUTSCHLAND
Aachen
Bonn
Brocken
Düsseldorf
Feldberg/Schw.
Fichtelberg
Garmisch-P.
Hof
Karlsruhe
Konstanz
Passau
Schwerin
Sylt
Trier
Weimar
Würzburg
Zugspitze
heiter
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wolkig
9˚
heiter
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heiter
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leichte Schneeschauer 2˚
wolkig
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stark bewölkt
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heiter
8˚
wolkig
7˚
leichte Schneeschauer -8˚
EUROPA UND DIE WELT
Amsterdam
Barcelona
Bern
Djerba
Eilat
Genf
Hongkong
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Jerusalem
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Larnaca
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Zermatt
wolkig
leichte Regenschauer
leichte Schneeschauer
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stark bewölkt
Regenschauer
sonnig
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starke Regenschauer
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leichte Regenschauer
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sonnig
leichte Schneeschauer
leichte Regenschauer
Regenschauer
leichte Schneeschauer
wolkig
sonnig
leichter Regen
leichte Schneeschauer
Quelle: mowis GmbH / www.mowis.com
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INTERVIEW
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
3
Im BLICK
Eine Nachlese zur
Woche Bismarcks
Albert Funk wundert sich
über verständnisvolle Würdigungen
D
Foto: Rudolf Gigler/Imago
„Berlin
ist nicht
das Zentrum
der EU“
Der Schriftsteller Robert Menasse
über Merkels Rolle in Europa,
Griechen-Bashing in deutschen Medien
und den Linksverkehr in Großbritannien
Herr Menasse, Sie schreiben gerade an einem Roman, der in Brüssel spielt – die
Hauptfigur ist ein Beamter der EU-Kommission. Haben Sie ein konkretes Vorbild?
Ich habe im Lauf von über zwei Jahren
sehr viele Gespräche mit Beamten geführt, sie studiert, weil ich zunächst einmal wissen wollte: Sind die überhaupt literaturtauglich? Kann man sie typisieren?
Was machen die den ganzen Tag? Taugt
das für einen Plot? Es wurde spannender,
als ich mir erhofft hatte. Aber ich
schreibe sicher keinen Schlüsselroman.
Welchen Zugang hatten Sie bei Ihren Recherchen in der EU-Kommission?
Ich war verblüfft, wie offen und zugänglich die meisten Kommissionsbeamten
„Ein Austritt
Großbritanniens
wäre ein Glücksfall“
sind. Ich hatte den Eindruck, sie arbeiten
enorm viel und sehr engagiert, leiden unter ihrem schlechten Image und sind
schon deshalb sehr hilfsbereit, wenn jemand sich interessiert, was sie wirklich
machen.
Stehen Sie deshalb den viel geschmähten
„Eurokraten“ grundsätzlich eher mit Sympathie gegenüber?
Nein. Erstens wird ja mit dem Begriff „Eurokraten“ alles in einen Topf geworfen,
die wirklichen Europäer in der Kommission, die Karrieristen, die heute in diesem und morgen in einem anderen System bereit sind, Karriere zu machen,
oder die Nationalisten im Rat, die für
mich verwerflich sind, die Dümmsten
überhaupt. „Eurokrat“ ist ein Begriff wie
„der Deutsche“ – gemessen an der Realität eine Fiktion. Größte Sympathie habe
ich für die europäische Idee und für jene,
die sie zu retten versuchen. Leider ist die
Idee im öffentlichen und allgemeinen Bewusstsein weitgehend in Vergessenheit
geraten. Wir müssen sie in der öffentlichen Debatte erst wieder mühsam rekonstruieren.
Europa ist ein Friedensprojekt und eine
Wirtschaftsgemeinschaft. Genügt Ihnen
das nicht?
Friedensprojekt ist die halbe Wahrheit.
Die ganze ist: Frieden durch Überwindung des Nationalismus. Denn der Nationalismus ist der Aggressor, er hat in der
Moderne zu den brutalsten Kriegen und
größten Menschheitsverbrechen geführt.
Die Gründergeneration des europäischen Projekts ist von dieser Erfahrung
ausgegangen. Bei „Friedensprojekt“ allein denkt man ja, das könnte man auch
anders haben – durch Friedensverträge
oder Bündnisse. Das hat aber bekanntlich
nichts genützt. Und „Wirtschaftsgemeinschaft“ ist auch nur die halbe Wahrheit,
die ganze ist: Was benötigt wird, ist eine
wirtschaftliche Verflechtung zur Verhinderung nationaler Sonderwege. Die Ökonomie ist bekanntlich die Basis. Keine
Idee, kein politisches Projekt hat eine
Chance, wenn sie nicht in der Basis
verankert ist. Allerdings determiniert
die europäische Idee nicht die Art des
Wirtschaftens. Entscheidend ist die Verflechtung, aber das bedeutet nicht Verflechtung des Raubtierkapitalismus.
Und drittens: Deutschland sollte nie wieder den Anspruch auf Führungsmacht in
Europa stellen können. So, da haben Sie
die Grundidee.
Verkörpert der EU-Kommissionschef
Jean-Claude Juncker in Ihren Augen diese
Idee?
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Barroso, der Wachs in der Raute von Frau
Merkel war, ist Juncker noch ein wirklicher Europäer, ein Dinosaurier der europäischen Idee. Man muss politisch nicht
mit ihm immer einer Meinung sein – aber
es gibt diese Grundlage. Er weiß, worum
es beim europäischen Projekt geht. Man
muss nicht Spielberg heißen, um froh zu
sein, dass in Europa Dinosaurier überlebt
haben.
In Europa sind heute eher Euro-Pragmatiker wie Angela Merkel oder François Hollande am Werk. Trauern Sie der Generation von Helmut Kohl nach?
Ich bekomme Hautausschläge, wenn ich
das höre: Pragmatiker wie Angela Merkel ... Es waren diese Pragmatiker, die die
Krise produziert haben. Und jetzt erwartet man, dass dieselben Pragmatiker die
Krise lösen? Das ist verrückt. Wo die Rettung versprochen wird, wächst die Gefahr. Das Problem ist: Die jetzige Generation der angeblich so pragmatischen politischen Eliten hat keine Ahnung mehr,
was Europa bedeutet. Hollande könnte
nie Mitterrands Satz „Le nationalisme,
c’est la guerre“ frei heraus sagen, und Angela Merkel, ein Zwerg auf dem politischen Grabstein vom Europäer Helmut
Kohl, könnte den Satz „Das Ziel ist die
Überwindung der Nationen“ nicht einmal buchstabieren. Der Satz stammt von
Walter Hallstein, dem ersten Präsidenten
der Europäischen Kommission. Und so
lange eine deutsche Kanzlerin oder ein
deutscher Kanzler nicht sagen kann, was
dem Deutschen Walter Hallstein klar
war, so lange haben wir die Krise.
Apropos Krise: Bleibt Griechenland
Euro-Mitglied?
Ganz sicher! Die Frage ist, wie lange sich
deutsche Medien, die gegen „die Griechen“ hetzen, noch als aufgeklärte Medien bezeichnen können. Alleine die
Wortwahl „die Griechen“ ist Ausdruck
der nationalistischen, ja rassistischen
Geisteshaltung, gegen die die EU gegründet wurde.
Sie teilen als Österreicher also nicht die
deutsche Sicht auf die GriechenlandKrise?
Es gibt keine „österreichische“ und keine
„deutsche Sicht“, es gibt sehr viele verschiedene Sehweisen. Die nationale ist
auf jeden Fall die dümmste.
Aus deutscher Sicht kommt es einem Horrorszenario gleich, falls Griechenland die
seit 2010 gewährten Kredite nicht zurückzahlen sollte. Verstehen Sie das?
Was bitte ist „deutsche Sicht“? Die Sicht
der Deutschen Bank? Oder die Sicht eines Arbeitslosen in Thüringen, der von
bayrischem Steuergeld alimentiert wird?
Im Jahr 1922 hatte Österreich eine Finanzkrise, die mit der heutigen in Griechenland vergleichbar ist. Die Bedingungen, unter denen damals vom Völkerbund Finanzhilfe gewährt wurde, hatten
Auswirkungen, die uns heute bekannt
sein sollten. Menschen wurden in solches Elend gestoßen, dass sie dann völlig
verblödet „Heil!“ riefen, als der Mörder
kam. Aber ich kann die deutsche Regierung beruhigen: Österreich hat den Kredit von 1922 in den 70er Jahren unter einem sozialdemokratischen Kanzler zurückbezahlt. Dazwischen gab es aber
Rauch und Trümmer, Mord und Vernich- vereinbar. Ein Austritt wäre also die Betung. Wer heute glaubt, er muss es so ma- seitigung eines Hindernisses der wünchen, mit diesen Bedingungen, sollte so- schenswerten europäischen Entwicklung. Allerdings müsste man dann sofort
fort in Den Haag vor Gericht!
Ist Brüssel heute das, was Wien im Habs- Schottland in die EU einladen. Schottburgerreich war? Oder liegt das Zentrum land ist mehrheitlich pro-europäisch, die
Nationalisten sitzen in London. Ein Ausder EU in Wahrheit in Berlin?
tritt des Euro- und Schengen-Lands GrieDas multiethnische und vielsprachige
chenland, also eines wirklichen MitHabsburgerreich wurde von Nationalisglieds, aber hätte dramatische Konseten in die Luft gesprengt.
quenzen.
Keine der Nationen, die daIhr persönliches Europa,
raufhin gebildet wurden, hat
ZUR PERSON
etwa im Austausch mit
danach nur einen einzigen
Schriftstellerkollegen, ist das
Tag in größerer Freiheit
SCHRIFTSTELLER
ein ganz anderes als das,
oder größerem Wohlstand
was uns tagtäglich in den
verbracht. Sie erlebten Der Autor und Essayist
Fernsehnachrichten vorgeKriege und totalitäre Sys- Robert Menasse gilt
führt wird?
teme. Erst mit ihrem jeweili- als glänzender Erzähler.
gen Beitritt in die EU ging es Bekannt wurde er 1995 Wenn man von Enzensberihnen wieder besser. Ich bin mit dem Roman
ger absieht, der sich auf die
wirklich kein Nostalgiker „Schubumkehr“.
alten Tage noch zum Natioder Habsburgermonarchie,
naldichter, also zum Zitateaber dieses historische FakLieferant
für
deutsche
tum sollte uns zu denken geStammtische, promovieren
ÖSTERREICHER
ben. Und Berlin – das ist siwill, sind die Schriftstellercher nicht das Zentrum der Der gebürtige Wiener
kollegen in der Regel aus eihat sich immer wieder
EU. Berlin ist die Kommannem einfachen Grund weitdozentrale der Verteidigung kritisch auch mit seiner
sichtiger: Da kein Dichter,
nationaler Interessen. Jean eigenen Heimat
der bei Sinnen ist, den Anbeschäftigt –
Monnet, der Wegbereiter
spruch hat, Nationalliterader heutigen EU, schrieb, etwa im Essay-Band
tur zu schreiben, sieht er die
„Das war Österreich“.
dass „nationale Interessen
Welt natürlich anders, als es
nichts anderes sind als die
die nationalen Medien tun.
kurzsichtigen
ökonomiWenn Sie Europa in ein Bild
schen Interessen nationaler
fassen müssten, womit würEliten, deren Befriedigung
BRÜSSEL-FAN
den Sie es eher vergleichen:
die eigene Bevölkerung und
In den letzten Jahren ist mit einer unglücklichen Famidie Bevölkerungen anderer
lie, mit einer Champions-LeaNationen in der Buchhal- der Zustand der EU für
gue-Runde mit Siegern und
den 60-Jährigen immer
tung dieser Ökonomie zu Abmehr zum Thema gewor- Besiegten oder noch etwas
schreibposten, im konkreganz anderes?
ten Leben zu Opfern den. In dem 2012 erschienenen Essay „Der
Es gibt Labore, in denen
macht“. Ich fände es gut,
nach Methoden zur Optimiewenn das einmal in einer Europäische Landbote“
rung des Individuums gedeutschen Zeitung zu lesen verortet er die Ursache
für die EU-Krise in
forscht wird, gegen die Zellwäre.
den Nationalstaaten.
alterung, gegen Krebs und
In Großbritannien könnte die
so weiter. Europa ist das LaEU-feindliche Ukip-Partei
bor, in dem an der Verwirklibei den Wahlen im Mai zum
Königsmacher werden. Was halten Sie chung einer kühnen sozialen Idee experivom Szenario eines „Brexit“, also eines mentiert und gearbeitet wird: Alle freien
Menschen können Brüder und SchwesAustritts Großbritanniens aus der EU?
Ein Austritt Großbritanniens wäre ein tern sein. Unabhängig von Sprache, KulGlücksfall. Das Vereinigte Königreich tur, Mentalität, Religion, Geschlecht
macht bei Schengen nicht mit, macht oder Ethnie, ohne ihre jeweiligen Vorbeim Euro nicht mit, fährt auf der fal- züge zu verlieren. Mein Bild von Europa:
schen Straßenseite und hat bis heute ein Labor, das erforscht, wie das Versprenicht das Dezimalsystem verstanden. chen der Aufklärung endlich eingelöst
Aber im Rat blockiert Großbritannien un- werden kann.
ausgesetzt die europäische Politik. „Rule
Britannia!“ ist mit der Idee der EU nicht
— Die Fragen stellte Albrecht Meier.
C
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ie Bismarck-Woche ist vorbei.
Viele werden sie gar nicht mitbekommen haben. Oder erst demnächst merken, dass der einstmals vergötterte Reichskanzler am 1. April vor 200
Jahren geboren wurde, wenn sie die aktuelle Sonderbriefmarke sehen. Zum Geburtstag gab es einen Festakt, mit Reden
des Bundespräsidenten und des Bundesfinanzministers. Zum Einstieg in die Jubiläumswoche verkündete ein später Nachfolger im „Spiegel“ seine Bismarck-Deutung. Gerhard Schröder, Joachim Gauck
und Wolfgang Schäuble versuchten, jeder für sich, so etwas wie eine Ehrenrettung des „Eisernen Kanzlers“. „Beispielhaft“ nannte ihn Gauck, der betonte, man
könne von Bismarck lernen, wie man sich
mit Tatkraft und Optimismus den Herausforderungen stellt. Bismarck habe die Nation geschaffen, meinte Schäuble, sein Leben habe eine Konstante gehabt: das Ringen um beständige
Ordnungen.
Und
Schröder? Er sieht in Der Preuße
Bismarck eine „vorbildliche Figur“. In war
der
politischen keine
Klasse, so scheint
es, hat der preußi- vorbildliche
sche Staatsmann der- Figur
zeit ein relativ gutes
Standing. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat
ihn dieser Tage sehr milde und freundlich beurteilt.
Freilich ist der Innenpolitiker Bismarck, was durchaus anklang, kaum zu
rechtfertigen angesichts seiner manipulativen, spalterischen Methoden gegen alle
„Reichsfeinde“, Katholiken, Sozialisten,
Liberale, Polen. Das demokratische Männerwahlrecht und die Sozialversicherung
hält man ihm zugute, aber auch sie waren
für Bismarck nur taktische Mittel – er war
weder Demokrat noch Arbeiterfreund.
Und auch der Außenpolitiker Bismarck
taugt nicht zum Vorbild (allenfalls für einen Manipulator wie Wladimir Putin).
Bismarck hat erst Deutschland in Unordnung versetzt und dann ganz Europa –
stets mit nur einem Ziel vor Augen: der
weitere Aufstieg Preußens als Großmacht, wie er unter Friedrich II. begonnen hatte. Mit derselben Rücksichtslosigkeit, zu der die stete Kriegsbereitschaft
gehörte. Dafür musste Österreich aus
dem Deutschen Bund „gewichen“ werden, wie Bismarck es formulierte, und dafür musste das Dritte Deutschland (also
die Mittel- und Kleinstaaten) unter die
Berliner Knute kommen. Dafür zerstörte
Bismarck, im Verein mit den preußischen Militärs und unter dem Jubel der
kleindeutschen Nationalisten, auch die
europäische Staatenordnung jener Zeit,
die auf dem Gleichgewicht der Kräfte beruhte. Und zwar zweifach: dem Gleichgewicht innerhalb des Deutschen Bundes
und dem Gleichgewicht im europäischen
Mächtekonzert.
Bismarcks Außenpolitik nach 1871 war
keine bewundernswerte Friedenspolitik,
sondern der Versuch, die Ruhe nach dem
selbst entfachten Sturm zu organisieren.
Bismarck musste kitten, was er in drei
Kriegen zwischen 1864 und 1870 zerbrochen hatte. Seine Bündnispolitik scheiterte jedoch – ebenweilsie keineGleichgewichtspolitik war. Seine Nachfolger setzten wieder auf Krieg. Und so führt durchaus ein Weg von Bismarck zu Hitler – deren Ahnherr Friedrich II. war, mit seiner
Politik der hemmungslosen Machterweiterung. DerGeist des preußischenMilitärstaats gehörte zum deutschen Nationalstaat von 1871 bis 1945. Erst danach kam
Deutschland wieder zu sich.
4
Die SONNTAGS frage
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Ein Loch in der See. 1995 geriet der Trawler Amandine im Pentland Firth in einen
Sturm. Dem Mechaniker Ricky Banks gelangen von einer Klippe aus seltene Aufnahmen von der Gewalt der Strömung.
25 Stunden blieb die Cemfjord (großes
Bild) unentdeckt.
Fotos: Ricky Banks (3), stv
Anfang Januar sank ein Frachter
der deutschen Brise-Reederei vor Schottland.
Es war eines der schwersten Schiffsunglücke der vergangenen Jahre.
Die Besatzung verschwand ohne ein letztes Zeichen.
Was hat sie überrumpelt? Versuch einer Rekonstruktion
Von Kai Müller
Was geschah
mit der
Cemfjord
M
an glaubt es nicht.
Das Schiff unter einem neigt sich, man
denkt, das steckt das
weg. Richtet sich
schon wieder auf. Es
neigt sich weiter.
Man denkt: Komm schon! Aber das Schiff
wird zur Seite gezogen von einer Kraft,
die stärker ist als alles, was man kennt.
Stärker als alles, was man sich vorgestellt
hat. Es kann nicht …, denkt man, und die
Möglichkeit, dass es vielleicht doch …, erlaubt man sich nicht zu Ende zu denken.
Man glaubt es einfach nicht. Aber es
kippt.
Die Kaffeetasse, falls es sie gibt, verliert
ihren Halt, poltert ins Leere. Man klammert sich an den Steuerstand, an irgendetwas Festes. Kollegen rufen Dinge. Es
kracht. Scheppert. Stahl vibriert. Da ist es
zu spät für einen Notruf. An das Funkgerät kommt man nicht mehr heran. Oder
man erstarrt einfach, weil sich das eigene
vertraute Leben in diesem Augenblick wie
von Geisterhand umstülpt.
Am Nachmittag des 3. Januar wird die
schottische Fähre Hrossey auf dem Weg
von den Orkney-Inseln nach Aberdeen
eine schauerliche Entdeckung machen. In
der Nordsee sichtet sie einen Schiffsrumpf, auf der Seite liegend, halb versunken, treibend. Wie ein verendetes Tier.
Die Hrossey hatte ihre Abfahrt in Kirkwall
um mehrere Stunden
verschoben wegen
„voraussichtlich unWie
günstiger WetterbeEisplatten
dingungen“, wie es
in einer Mitteilung
stoßen die
hieß. Nun, kaum
Strömungen zwei Stunden unteraufeinander wegs, umkreist sie
den
mysteriösen
Schiffsrumpf.
Am
Bug ist der Name geschrieben, deutlich
lesbar. Cemfjord. Der Frachter wird von
der deutschen Brise-Reederei betrieben.
Nach einer Weile treffen Rettungsboote
und eine Fregatte sowie Hubschrauber
ein, um die Suche nach Überlebenden auszudehnen. Doch sie finden niemanden.
Der Bug ragt noch Stunden senkrecht in
die Luft. In der Nacht sackt der Schiffskörper weg, verschwindet im Meer.
An Bord der Cemfjord befanden sich außer dem Kapitän Pawel Chruscinski sechs
weitere polnische Seeleute sowie ein Ingenieur von den Philippinen. Für sie war der
Trip von Aalborg im Norden Dänemarks
nach Runcorn bei Liverpool Routine. Das
Schiff hatte die Strecke seit September
2005 bereits 49 mal zurückgelegt. Nun
wird seine Mannschaft vermisst.
„Was auch immer geschehen ist“, sagt
ein Seenotretter nach der erfolglosen Suche, „es muss sehr schnell gegangen sein.
Es ist verrückt.“
Die britischen Behörden haben mit der
Untersuchung des Wracks begonnen. Es
liegt in 70 Meter Tiefe. Sonaraufzeichnungen zeigen es kopfüber auf dem Meeresboden. Man müsse sich in Geduld üben,
heißt es.
Das ist normal für das Meer. Alles auf
See geschieht langsam. Stürme brauchen
Stunden, um ihre Kraft zu entfalten. Noch
Tage später schwingt die Dünung nach.
Und Schiffe bewegen sich mit dem Tempo
von Fahrradfahrern vorwärts. Umso rätselhafter ist das Schicksal der Cemfjord.
Was kann sie überrumpelt haben?
Die Frau des Schiffsingenieurs hat am
Mittag des 2. Januar noch mit ihrem Mann
telefoniert. Er sei auf der Brücke gewesen,
berichtete sie dem polnischen „Fakt“-Magazin. „Alles ist weiß um mich“, habe er gesagt, „so etwas habe ich noch nie gesehen.“
Dann brach der Kontakt ab. Die Ehefrau
habe es mehrmals versucht, aber es kam
keine Verbindung mehr zustande. Ihr
Mann war Ausbilder für Rettungskräfte
auf See, bevor er bei Brise anheuerte.
Wenn einer wisse, wie man überlebt,
meint seine Frau, dann Jaroslaw O., 54
Jahre alt.
Der Cemfjord-Untergang ist einer der
schwersten Schiffsunfälle der vergangenen Jahre. Dass Schiffe ohne ein letztes
Zeichen akuter Gefahr untergehen,
kommt äußerst selten vor. Handelsschiffe
sind neben Funkgeräten mit Seenotbarken ausgerüstet, die sich im Katastrophenfall automatisch aktivieren. Bei der
Cemfjord ist das nicht passiert.
„Niemand hier im Hafen hat ein Unglück dieser Art je erlebt“, sagt William
Monroe mit schleppender Ruhe. Er hat
bei der Suchaktion eines der Rettungsboote kommandiert, ist Mechaniker im
Hafen von Scrabster, und aus Gründen,
die ihm unerfindlich sind, wird er von seinen Leuten „Wing“ genannt. Die meisten
Seenotretter arbeiten im Hafen oder in
dessen Nähe. In sieben Minuten müssen
sie ihr Boot startklar haben.
Wing muss lange zurückdenken, um einen mit der Cemfjord vergleichbaren Fall
in der Gegend zu erinnern. Einmal sei ein
Trawler spurlos verschwunden, da war er
selbst noch ein Kind. Man erzählte es sich
an der Küste. Die Erwachsenen steckten
die Köpfe zusammen. Aber dass keiner
überlebte? Nocan’trrremamba.
Trotzdem sagt Wing, „hier muss man
stets auf der Hut sein, man kann nie wissen“. Selbst dass sich die Retter in den Gewässern besonders gut auskennen,
schütze sie nicht, fügt er hinzu. So kam
die siebenköpfige Besatzung des Longhope-Rettungsbootes 1969 ums leben, als
sie einem in Schwierigkeiten geratenen sibirischen Handelsschiff zur Hilfe eilte.
Das Boot verschwand ohne ein Zeichen.
Man fand es später umgeworfen und zertrümmert im Strom. Jede Familie des Ortes, aus dem die Retter stammten, verlor
einen Mann. „Es ist egal, wie viel du
weißt, du musst sehr vorsichtig sein“, sagt
Wing.
B
evor die Cemfjord am 30. Dezember in Aalborg aufbricht, hat sie
2000 Tonnen Zement übernommen. 1984 gebaut, hieß sie in einem früheren Leben Margareta. Ende der 90er Jahre
wurde sie zu einem Zementfrachter umgebaut. Die Brise-Reederei ist unter anderem spezialisiert auf solche Transporte.
Sie betreibt neun entsprechende Fahrzeuge, von denen die Cemfjord das
kleinste ist. In einem Werbevideo preist
Brise das Verfahren, in dem Zementpulver über ein geschlossenes System von
Rohren in den Frachtraum geleitet wird,
als „wetterunabhängig“ und „umweltfreundlich“ an. Über Einfüllstutzen wird
das Pulver in den Innenraum geblasen. So
kann sich kein Wasser mit der Ware vermischen und sie verklumpen.
Mit ihren 30 Jahren ist die Cemfjord
schon reichlich betagt. Doch das ist nicht
ungewöhnlich für im Zementbusiness eingesetzte Frachter. Durch die moderne Verladetechnik geht weniger kaputt. In letzter Zeit häufen sich trotzdem die Beanstandungen. Seit Januar 2013 wurde die
Cemfjord von Hafeninspekteuren viermal
untersucht. Dabei wurden nach einer entsprechenden Liste der Paris MoU etwa 50
kleinere Mängel vermerkt. Einmal wird
sie in Runcorn vier Tage festgehalten,
weil das Geschirr zum Herablassen des
Beibootes, Davids genannt, nicht optimal
funktionierte.
Die Cemfjord sei voll seetüchtig gewesen, sagt die Reederei. Erst wenige Wochen vor ihrer letzten Reise wurde die reguläre Klasse-Inspektion durchgeführt.
Davor hatte das Schiff vom 26. November
bis 14. Dezember im Trockendock gelegen, war gründlich überholt worden,
sticht nun allerdings mit einer Ausnahmegenehmigung der für das in Zypern registrierte Gefährt zuständigen Behörden in
See. Bis zum 15. Januar hätte Brise Zeit,
die Mängel zu beheben. So lange darf sich
die Cemfjord nicht weiter als 150 Meilen
von Land entfernen, was sie auf ihren
Trips nach Aalborg, Danzig, Goole und
Runcorn auch nicht tut, doch auf „offener“ See ist sie ständig.
Sieben Tage soll die Überfahrt diesmal
dauern. Die Route führt über die Nordsee,
nördlich um Schottland herum, durch die
Inselwelt der Äußeren Hybriden und den
Fluss Mersey hinauf. Auf halber Strecke
liegt der Pentland Firth.
Von jeher fürchten die Küstenbewohner, was der Heimatdichter und Schulleiter David Grant 1880 als „the dreaded
Pentland’s rough and rapid flow“ bezeichnete: Bei Flut drückt das Wasser des Atlantiks durch die Meerenge zwischen Orkney-Inseln und schotKapitän
tischem Festland in
Chruscinski die Nordsee, bei
schrieb eine Ebbe schwappt es
wieder zurück. Jedes
letzte E-Mail. Mal bilden sich
starke GezeitenströUnbesorgt
mungen. Die Wassermassen prallen wie
Eisplatten aufeinander, bilden chaotische
Verwerfungen, Strudel. Wellenwände
richten sich auf. An Stellen, die Einheimische als „Rooster“ bezeichnen, meint man
das Wasser regelrecht „kochen“ zu sehen,
so heftig brodelt es.
Die Einheimischen haben den gefährlichsten Stellen Namen gegeben. Alte Namen. Swelkie, Bore of Duncansby oder
Merry Men of Mey. Da Fischer an der
Küste die Wege durch dieses Labyrinth am
besten kannten, verdingten sie sich in den
Zeiten der Segelschiffe als Lotsen. Nicht
selten wurden sie „fortgetragen“ von den
Großseglern, die nach derPassage keine sichereKüstemehr fanden, um siewieder abzusetzen. Diese Männer wurden später
nach den Häfen benannt, in denen sie landeten. Quebec war mit nicht viel mehr als
seinen Slippern an Bord geklettert.
Aber derlei liegt lange zurück. Heute
gibt es keine Lotsen mehr. Nicht einmal
die Leuchttürme sind bemannt. Bei
schlechtem Wetter ist die Passage zumindest Tankern untersagt. Die Coastguard
überwacht das Gebiet.
?
Die Vorhersage für den Atlantik auf der
anderen Seite ist abschreckend. Ein Weststurm bis neun Beaufort, der Seegang
„sehr rau und außerordentlich hoch“ mit
Schauerböen. Die Seenotretter werden
später sagen, die Verhältnisse seien „very
bad indeed“ gewesen.
Als Pawel Chruscinski seine E-Mail um
12.45 Uhr abschickt, kann der Kapitän
den Sog spüren, den die Westströmung
auf das Schiff ausübt. Die Cemfjord hat
auf elf Knoten beschleunigt, statt der üblichen fünf, mit denen sie über die Nordsee
getuckert war. Sie wird von den „rasenden
Wassern“ mitgerissen, die Ebbe und Flut
hier wie durch ein Nadelöhr pressen. Sie
fährt jetzt wie auf einem Fluss talwärts.
Und von seinem Fenster aus kann Hamish Mowatt sie erkennen. Mowatt ist früher Fischer gewesen, jetzt betreibt er an
der äußersten Südspitze der Orkneys ein
Restaurant, Skerries Bistro, es liegt erhöht
am Rand der Klippen. Er steht am Fenster,
erblickt die Cemfjord, die eine Meile von
ihm entfernt um die Landspitze gondelt.
Mowatts Frau drängelt, will aufbrechen.
„Was machst du?“, fragt sie.
„Ich sehe mir das Schiff an“, sagt er.
„Nicht sehr groß. Ich fürchte, das bekommt gleich furchtbar auf die Mütze.“
Von seinem Fenster aus überblickt Mowatt den Teil des Pentland Firth, der an
diesem Tag im Windschatten liegt. Die
Wellen sind niedrig, kaum Schaumkronen. Aber er weiß, dass sich das nur wenige Meilen weiter westlich ändern wird.
Deshalb macht er den Computer an. Er
will das Signal des automatischen Identifikationssystems (AIS) verfolgen, mit dem
die Berufsschifffahrt standardmäßig ausgerüstet ist. Es übermittelt Basisdaten jedes Fahrzeugs in Zehn-Minuten-Intervallen an einen Satelliten. Auf Internetseiten
wie Marine-Traffic oder ShipAIS werden
die Schiffsbewegungen anhand der AISDaten ständig aktualisiert. Die Katastrophe geschieht also nicht im Verborgenen.
Registriert wird sie von niemandem.
Denn Mowatts Frau wird immer ungeduldiger. Er solle sich nicht Sorgen um ein
Schiff machen, sagt sie. Um 13.05 gibt er
es auf, und folgt ihr hinaus.
Längst fließt der Strom schneller, als
die Cemfjord unter Maschine fahren
würde. Eine Umkehr ist unmöglich. Die
Entscheidung hätte vorher fallen müssen.
Nun muss Chruscinski die Lücke zwischen den Inseln Stroma und Swona erwischen. Sie liegt vor ihm. Aber er kennt das
ja. Macht das nicht zum ersten Mal.
Chruscinski arbeitet seit 1996 bei
Brise. Er stößt als einfacher Seemann zu
der Reederei und arbeitet sich in den folgenden Jahren hoch, erwirbt das Kapitänspatent, und die Firma nennt ihn einen
Schiffsführer „mit großer Erfahrung“.
Schnappschüsse in einem Reederei-Journal zeigen einen blonden Mann mit breiten Schultern und offenem Gemüt, der
seine Arme stolz auf die Schultern seiner
Besatzungsmitglieder legt. 2008 übernimmt er sein erstes Kommando, die
Cemfjord wird sein erstes Schiff. Vielleicht wächst es ihm deshalb ans Herz. Obwohl er auch auf anderen Frachtern der
Brise-Flotte eingesetzt wird, mag er die
Cemfjord, deren Stammkapitän er wird,
besonders.
legen. „Warum ändern die nicht den
Kurs?“, denkt Bracha.
Aber es ist ein Gedanke, wie man ihn
nebenbei fasst, während man selbst viel
zu beschäftigt ist, sein Gefährt auf Kurs zu
halten. Zum Funkgerät greift Bracha
nicht. Weiter als
zwei Meilen kann er
wegen des Regens
Sie heißen
nicht sehen. UnterFreak Waves, dessen steuert Chruscinski auf etwas zu,
weil es sie
das Bracha „Wassernicht geben wand“ nennt. Als
wenn Wellen über eikann
nem Riff zusammenschlagen. Und diese
Brandungslinie, so viel kann Bracha bei
dem schlechten Wetter erkennen, liegt
viel weiter im inneren Sund als gewöhnlich. Die Cemfjord hat sie fast erreicht, da
wird Bracha die Sicht auf das Folgende
durch eine Insel versperrt. Es ist 13.15
Uhr, als ein letztes Zeichen von der
Cemfjord aufgefangen wird. Danach erlischt das AIS-Signal.
Seit die Royal National Lifeboat Institution (RNLI) 1830 ihren Rettungsdienst
an der schottischen Nordküste aufgenommen hat, führt sie Buch über ihre Einsätze. Die Chronik dieser 185 Jahre kennt
etwa hundert Schiffe, die an den Klippen
des Pentland Firth zerschellten und verloren gingen. Über manche wussten die
Zeitgenossen nicht mehr, als dass niemand davongekommen sein konnte. Anderen wie dem Segelschiff Thomas Dryden, das Ölfässer und Kohle geladen hatte
und 1843 im Pentland Firth in einen
Die Route der Cemfjord
W
as auf die achtköpfige Mannschaft der Cemfjord wartet,
nachdem sie der Pentalina begegnete, ist auf Seekarten mit Wellenlinien
markiert, dem Symbol für „tidal races“.
Diese Stromschnellen entstehen hinter
der Insel Stroma, sehr zuverlässig für die
Dauer von acht bis neun Stunden. Vor Ort
erkennt man sie als weißes Schaumband,
das sich zunächst am südlichen FirthRand bildet und mit zunehmender Tide
über die gesamte Breite der Meerenge ausdehnt. Schon bei ruhigem Wetter sollen
die Merry Men of Mey gefährlich sein.
An Stärke gewinnen die Wellen, wenn
der Wind in Gegenrichtung weht. In einem britischen Handbuch von 1875, das
Seefahrern bis heute als Navigationshilfe
dient, ist über den Einfluss des Westwindes zu lesen: „Es richten sich Wellen auf,
die sich nicht vorstellen kann, wer sie niemals erlebt hat.“
Kapitän Chruscinski dürfte die Hinweise kennen. Traut er seinem Schiff
mehr zu, als es leisten kann?
Mainland
am 2. Januar 2015
1. 04.20 Uhr · 4,8 Knoten
Die Cemfjord kommt
aus Aalborg, Dänemark
Burray
Flotta
Hoy
3. 13.15 Uhr · 6,6 Knoten
Die letzte bekannte Position
Gezeitenströmung
South
Ronaldsay
Swona
Wind: 8 Bft*
Pentland Firth
3
Stroma
Dunnet
Head
Atlantik
Wo das Meer beschleunigt. Der Meeresforscher Juvenal Dufaur hat die Strömungsverhältnisse im Pentland Firth erstmals exakt berechnet. Die Cemfjord muss im Strömungsbogen
(Bildmitte) gekentert sein. Die Fließgeschwindigkeit betrug 5,2 Knoten.
Abb.: Dufaur/ERI
Thurso
SCHOTTLAND
2
1
Gills
Duncansby
Head
D
ass eine einzelne Welle ein tausende Tonnen großes Schiff zerstören könne, galt lange als die Art
von Übertreibung, zu der Seeleuten neigen. Erstmals wollte der Entdeckungsreisende Jules Dumont d’Urville 1826 eine
Welle von 30 Metern am Kap der Guten
Hoffnung gesehen haben. Selbst wenn es
so
etwas
geben
Wenn
könnte, hieß es dader Mond
mals, sei es doch
recht unwahrscheinsich mit
lich. Was den Schriftdem Wind
gelehrten Jules Michelet 1860 erbost
verbündet
schreiben ließ, man
könne nicht als Landmensch „die Wahrhaftigkeit so vieler unerschrockener, abgehärteter, gefasster
Männer leichthin in Zweifel ziehen, welche zu oft dem Tod ins Auge gesehen, um
noch die kindliche Eitelkeit zu verspüren,
ihre Gefahren übertreiben zu wollen“.
Den überzeugendsten Beleg für die Natur von Riesenwellen lieferte schließlich
2006 ein amerikanisches Kamerateam,
als es an Bord eines Königskrabbenfängers in der Beringsee Augenzeuge des Phänomens wurde. Der Kapitän stand am
Steuer und beklagte sich gerade über die
Meeresströmung, die irgendwie doch stärker als erwartet sei, da traf eine Wasserfront sein Schiff mit explosiver Wucht.
Erst im letzten Moment gerieten die stürzenden Wasser in den Lichtkegel der Bordscheinwerfer, aus 20 Metern ergossen sie
sich auf den Trawler. Der neigte sich unter dem Aufprall zur Seite, ein Fenster der
Brücke wurde zertrümmert. Durch den
Abfall des Öldrucks stand die Maschine
still. Die Mannschaft brüllte durcheinander. Shitfuckwhathappened. Sie fassten es
nicht. Weit holte der Trawler über, verharrte so. Niemand griff zum Funkgerät.
Unter physikalischen Gesichtspunkten
hätte es diese „Freak Wave“ nicht geben
dürfen. Denn der Sturm hatte nicht die Zeit
und nicht den Raum gehabt, um einen Koloss dieser Größe zu formen. Aber er war
nun mal da. Ebenso überraschend wie die
Wellen, dieim vergangenen Jahran derspanischen und portugiesischen Küste Menschen ins Meer und in den Tod rissen.
ManhatsolcheAnomalien mitder Überlagerung verschiedener Wellensysteme zu
erklären versucht. In der Interferenz addiere sich die Energie zu einem Berg von
kurzer Lebensdauer. Aber dagegen
sprach, dass Beobachter solche Wellen zuweilen lange vorher aufsich zukommen sahen. Man hat versucht, ihre Existenz mit
der Quantenmechanik plausibel zu machen, als einen spontanen Energieübertrag. Aber all das blieb unbefriedigend.
Während es der Crew des Krabbenfängers nach quälend langen Minuten gelang, den Schiffsdiesel wieder flott zu kriegen, und sich der Trawler von alleine von
seiner Schieflage erholte, war die
Cemfjord für einen solchen Schlag womöglich weniger gut ausgestattet. In ihrem Bauch transportierte sie tausende
Tonnen Zement.
Massengut wird in loser Schüttung
transportiert. Wie in einer Schubkarre,
sagt ein Verlade-Experte. Beim Einblasen
des Materials können sich Haufen bilden,
kleine Berge, die bei ruhender Fahrt unbedenklich sind. Sobald das Schiff sich zu
neigen beginnt, rutscht die Masse unweigerlich mit und verstärkt die Schieflage.
Bei einem Wassereinbruch verwandeln
sich die oberen Schichten des Zementpulvers in gallertartigen Schlamm, werden
„schlubberig“, wie es der Verlade-Experte
ausdrückt. „Versuchen Sie mal“, fährt er
fort, „eine mit Wasser gefüllte Schubkarre
durch einen umgegrabenen Garten zu bugsieren. Das schaffen Sie nicht.“
Die Brise-Reederei weist darauf hin,
dass besondere Filter beim Einblasen der
Fracht für eine gleichmäßige Verteilung
des Zements sorgen.
W
Orkney
Inseln
2. 12.42 Uhr · 10,9 Knoten
Die Strömung zieht das Schiff
in die Meerenge
A
m Mittag des 2. Januar meldet sich
Kapitän Chruscinski bei der Reederei. Er schickt eine E-Mail, als die
Cemfjord die Meerenge erreicht hat. Es
ist eine Routinemeldung. Den Wortlaut
hält die Reederei unter Verschluss, da er
Teil der laufenden Ermittlungen sei. Alles
scheine jedenfalls in Ordnung gewesen zu
sein, heißt es. Der Kapitän hat es so eingerichtet, dass er noch vier Stunden mit der
Tide durch die Meerenge fahren kann. Danach schließt sich dieses Tor für 14 Stunden. Falls ihr Kapitän Sorgen gehabt habe,
glaubt Brise Schifffahrt, Sitz in Hamburg,
hätte er sie mit ihr geteilt.
Ü
ber die Liebe der Seeleute zu ihren
Schiffen hat Joseph Conrad einmal
geschrieben, dass sie „grundverschieden von ihrer Liebe zu allen anderen
Werken ihrer Hände“ sei: frei vom Stolz
des Besitzens. Der gebürtige Pole Conrad
war ebenfalls zur See gefahren, bevor er
sich mit 36 Jahren in England als Schriftsteller niederließ. Als er später in „Spiegel der See“ über seine Faszination für das
Meer nachdachte, meinte er, kein Seemann habe jemals ein Schiff „nur um des
Nutzens willen geliebt, den es ihm einbrachte“. Es sei eine andere Art der Zuneigung, die sie verbinde, weil „beide einander gegen die unversöhnliche, wenn auch
oft versteckte Feindseligkeit der Gewässer beistehen“.
Der Seemann sucht sich dafür das
Schiff, das zu ihm passt. „Wenn man dieses Schiff einmal kennt“, sagte Chruscinski über die Cemfjord, „dann spürt man,
dass es eine Seele hat.“
Draußen auf dem Firth wird Kapitän Miroslaw Bracha der Letzte sein, der die
Cemfjord sieht. Er steuert an diesem Tag
die Katamaranfähre Pentalina, die quer
über die Meerenge braust. Sie hatte ihren
Pendelverkehr wegen des Wetters in den
Vormittagsstunden ausgesetzt. Bracha,
51 Jahre alt, ist ebenfalls Pole. Er trägt einen Walrossbart, ein Mann, der viel lacht,
wenn er spricht. Mehr als 6000 Mal habe
er den Pentland Firth wohl schon überquert, schätzt er. Als er den kleinen Frachter vor sich im Sturm entdeckt, wundert
er sich, warum der ausgerechnet zur
schlimmsten Zeit aufkreuzt. Außerdem
habe die Cemfjord sehr tief im Wasser ge-
Sturm geriet, wurden poetische Zeilen gewidmet: „Then she began to duck in the
trough ofthe seas /Which wasfearful to behold / And her crossyards dipped in the big
billows / As from side to side she rolled.“
Ein Schiff, das in Wellentäler stürzte
und so heftig auf die Seiten rollte, dass
seine Rahen in die Brandungswellen
tauchten. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?
„Bei schlechtem Wetter sollte man
nicht im Pentland Firth sein“, sagt Andrew Tait. Der 53-Jährige ist Fischer, seit
er mit 16 seinem alten Herrn zur Hand
ging. In der Nacht zum 3. Januar steht er
am Steuer seines eigenen Kahns, der Taits
FR 227, eines Hochseetrawlers von zuverlässiger Größe. Die Wetterstationen in
Thurso und Kirkwall verzeichneten tagsüber Windgeschwindigkeiten von 60
Stundenkilometern mit Böen bis zehn
Beaufort. Das sind stürmische Bedingungen, aber nicht außergewöhnlich für die
Region zu dieser Jahreszeit.
Keine schöne Nacht sei das gewesen,
erinnert sich Tait. Das Wetter müsse allerdings schon ausgesprochen scheußlich
sein, damit er den Pentland Firth meide.
Der Umweg zum Fisch wäre zu groß.
Obwohl der Pentland Firth als viel befahrene Wasserstraße gilt, herrscht am 2.
und 3. Januar wenig Verkehr. Drei Stunden nach dem letzten Positionssignal der
Cemfjord rauscht die Honduras Star, ein
10 000-Tonnen-Schiff aus Amerika kommend, als Erste an der möglichen Unglücksstelle vorüber. Sie hat 18 Knoten
drauf. Der Kapitän erinnert sich nur an
Wellenhöhen von sieben bis acht Metern.
Danach durchfährt lange niemand die
Enge. Erst weit nach Mitternacht, so geben es AIS-Daten preis, nehmen die Taits
FR 227 sowie eine Reihe weiterer britischer Trawler den Weg, den auch die
Cemfjord genommen hat. Wieder ist die
Tide gekippt und fließt nach Westen.
Die Taits FR 227 macht gute Fahrt. Breit
und hoch wölbt sich ihr Bug. Auf dem
Weg zum Fisch ist sie leicht, nimmt nur
wenig überkommendes Wasser, doch
Gischt prasselt unablässig gegen die Brückenfenster. So erzählt es Skipper Andrew Tait am Telefon. Er hat gerade das
Haus betreten, ein niedriges, grau verputztes Einfamilienhaus, ist von der Beisetzung seines Nachbarn zurückgekehrt.
Morgen früh muss er wieder auf Fangfahrt. „Man kann da langfahren“, sagt der
Fischer, „und alles ist fein, aber plötzlich
tut sich vor dir ein Loch auf, in das du
hineinstürzt, und der folgende Brecher
fegt dir das halbe Deck weg.“ Viele Trawler seiner Kollegen seien auf diese Weise
schwer beschädigt worden. Zerbrochene
Fenster, zerschlagene Seilwinden und verbeulte Aufbauten. „Das passiert wirklich
schnell“, sagt Tait.
Sehr viel mehr sagt er nicht. Seine Familie trudelt langsam von der Beerdigung
ein, der Sinn steht Tait nicht danach, das,
was der Cemfjord zugestoßen sein
könnte, außergewöhnlich zu finden. Nur
eins noch. Dass manche Schiffe eben für
diesen Sund nicht konstruiert seien, die
sollten dann da auch nicht durch.
In der letzten Viertelstunde verlangsamt die Cemfjord ihre Fahrt. War sie um
13 Uhr noch mit zehn Knoten unterwegs,
sind es um 13.15 Uhr nur 5,2 Knoten,
was dem Strömungsfluss entspricht.
Sollte der Cemfjord in diesem Augenblick die Maschine ausgefallen sein? Der
Kapitän hätte genügend Zeit, ein Notsignal auszulösen. Stattdessen ist es vielleicht so: Trotz der Passagen durch den
Pentland Firth, die Chruscinski bereits absolviert hat, ist es womöglich die erste,
die den Büchern recht gibt. „Große Wellen werden sich sehr plötzlich bilden und
aus unterschiedlichen Richtungen heranrollen, was es schwer macht, sie vorherzusehen.“ Fahrzeuge würden nach Belieben
hin und hergeworfen, unfähig, den Kurs
beizubehalten. „Der Wechsel von glattem
Wasser zu einer aufgewühlten, brechenden See erfolgt so schnell, dass keine Zeit
mehr für Vorkehrungen bleibt.“
Nordsee
Castletown
5 km
* Beaufort im Durchschnitt
Tsp/Bartel
ie groß eine Welle sein müsste,
um der Cemfjord gefährlich zu
werden?
FürdenZeitraum, indemKapitänChruscinski seine Pentland-Firth-Passage beabsichtigte, sind hier Wellenhöhen von 2,50
Meter angesagt. Doch schon fünf Seemeilen weiter westlich sollen sie 5,50 Meter
betragen, nach zehn Seemeilen 7,50. Und
20 Seemeilen nordwestlich der Unglücksstelle werden 8,50 Meter vorhergesagt.
Bei diesem Energieschema transportieren die Wellenzüge mehr Kraft, als der
Wind vor Ort einspeist. Weshalb ein Experte mit Blick auf diese Daten des Europäischen Wetterzentrums von einer „ausgesprochen ruppigen“ Situation spricht.
Es dürften „exorbitant hohe Wellen“ auf-
getreten sein, weit über der in den Seegangsprognosen angegebenen signifikanten Wellenhöhe, die nur einen statistischen Mittelwert darstelle.
Und dann ist da noch etwas anderes.
„Eine der schlimmsten Geißeln der See
ist entfesselt“, schrieb die berühmte
amerikanische Schriftstellerin und Umweltaktivistin Rachel Carson 1951in einem Essay, „wenn Gezeitenströmungen
den Weg von Wellen kreuzen.“ Wenn
sich also der Mond, wenn Ebbe und Flut
sich mit dem Wind gegen den Menschen verbünden. Auf ihrer Suche nach
einer Küste, an der das zu beobachten
wäre, folgte Carson dem Hinweis eines
britischen Seehandbuchs. Darin hieß
es: „Der Seegang ist weniger heftig in
den gewaltigen,kurz andauernden Stürmen, als wenn ein gewöhnlicher Sturm
über mehrere Tage auf ihn einwirkt; die
ganze Kraftdes Atlantikschlägt dann gegen die Küste der Orkneys.“
An eben dieser Küste ist die
Cemfjord am Mittag des 2. Januar unterwegs. Und an eben dieser Küste
schiebt sich zur selben Zeit die Ebbe
wie eine scharf geworfene Frisbeescheibe unter die Wellenzüge, die als
Boten eines üblichen Wintersturms
von Westen heranrollen. Die Wellen
werden abgebremst. Ihre Energie muss
irgendwo hin und entlädt sich in steilen, vornüberkippenden „Brechern“.
Tatsächlich gibt es für den Tag Daten
einer Messboje, die von Wissenschaftlern des schottischen Environmental
Research Institute (ERI) im Sund ausgelegt worden ist. Sie verzeichnet Wellen
von sechs Metern Höhe. Die Boje ist
Teil eines Forschungsprojekts, das sich
mit der Energienutzung im Pentland
Firth beschäftigt. Denn Schottland
träumt von einem Gezeitenkraftwerk,
das seinen Elektrizitätsbedarf zur
Hälfte decken könnte. Doch ERI-Forscher wie Juvenal Dufaur melden Zweifel an solchen technologischen Träumen an. Die Strömung bilde zu große
Turbulenzen für am Meeresboden verankerte Turbinen, glaubt er und hat deshalb Strömungsmodelle ausgearbeitet,
die exakter sind als alles, was man über
den Pentland Firth bislang wusste.
Nach einer solchen Strömungskarte
von Dufaur gerät die Cemfjord nach
13.15 Uhr in den Einfluss eines von
der Insel Stroma abgelenkten Strömungsbogens, der mit zehn Stundenkilometern westwärts fließt. Vielleicht
verlangsamt Kapitän Chruscinski die
Fahrt instinktiv, um die Wucht des Aufpralls auf die sich in dieser Zone aufrichtenden Wellen zu verringern. Trotzdem kommt er der Gefahr schnell näher. Der Strom schiebt ihn hinein.
Damit ein Schiff gesteuert werden
kann, bedarf es einer Anströmung des
Ruderblatts. Doch die könnte Chruscinski womöglich immer weiter aufgeben, je
langsamer er wird. Er sieht sich mit hohem Tempo auf eine Brandung zusteuern,
und er macht, was jeder Mensch, der einigermaßen bei Verstand ist, täte. Er zögert
den Punkt des Unweigerlichen hinaus. In
dem Wunsch, die Gefahr zu mindern, erhöht er sie dadurch womöglich.
Voll beladen, wie der 83-Meter-Frachter ist, liegt er tief im Wasser, eine Welle
müsste nur vier bis sechs Meter hoch werden, um sich über die Frachtluken zu ergießen. Mit acht Metern, die der Kapitän
der Honduras Star beobachtet hat, würde
die Cemfjord an ihrer empfindlichsten
Stelle getroffen, dem Brückenhaus.
Für ein seegehendes Schiff sind die Aufbauten der Cemfjord relativ flach. Zudem
befinden sich auf der Frachtluke ein paar
Aufbauten in Form von Containern. Darin
sind Arbeitsgerät, ein Kontrollraum sowie ein Generator untergebracht. Einer
Welle, die seitlich gegen die Cemfjord
prallte, wären diese Räume schutzlos ausgesetzt. Sollte eine überkommende See
die Fenster des Steuerstandes zerschlagen, wäre Chruscinski augenblicklich
nicht mehr Herr der Lage. Der Strom
würde sein Schiff manövrierunfähig ins
Wildwasser schieben, es würde querschlagen und überrollt werden.
Die Crew der Cemfjord dürfte sich wegen des Wetters in ihre Kabinen zurückgezogen haben. Vielleicht sitzt sie auch in
der Messe zu Tisch, 25 Stunden
es ist Mittagszeit. Die
schweren
Außen- will niemand
schotts müssten ver- das Schiff
riegelt sein, so dass
die Männer bei der entdeckt
Kenterung im Inne- haben
ren des Schiffes eingeschlossen würden.
Wenn die Cemfjord diesen Bedingungen nicht gewachsen war, warum war sie
dort? Welchen Einfluss hatte die BriseReederei auf den Kurs des Schiffes?
Brisesagt:keinen.Chruscinski seieinguter, zuverlässiger Kapitän gewesen, der
die Route gekannt und selbst gewählt
habe. Unter Druck stand er nicht. „Eine
Verspätung hätte keine Konsequenzen
gehabt“,sagt Reederei-Sprecher TonyRedding. „Die Behörden haben die Cemfjord
für tauglich gehalten, den üblichen Gefahren des Meeres standzuhalten.“
Ein Meteorologe sagt ungefragt, dass
viele Reedereien zu geizig seien, um sichere Routen berechnen zu lassen. Wetterdienste bieten diesen Service an. Brise
nimmt dergleichen nach eigener Auskunft in Anspruch „bei Reisen, die von
den regulären Routen abweichen“. Das
war nicht der Fall.
Der Kapitän eines norwegischen Zementfrachters von der Größe der
5
Cemfjord, der vier Stunden vor dem Unglück dieselbe Stelle passierte, betont,
sich an die Empfehlungen des Wetterroutings gehalten zu haben. Er durchfuhr den
Pentland Firth bei wenig Strömung.
Schließlich aber ist da noch das Rätsel,
warum die Britische Coastguard das Verschwinden der Cemfjord nicht bemerkte.
In zwanzig Minuten hätten Retter vor Ort
seinkönnen. Stattdessentrieb dasStahlhindernis 25 Stunden lang unentdeckt durch
die Meerenge undwurde zurGefahrfür andere. Für Hamish Mowatt, den Restaurantbesitzer, ist das ein Skandal. „Niemand interessiert sich für diesen Unfall.“
Mowatt kann nicht glauben, dass das gekenterte Schiff unentdeckt geblieben sein
soll. Die Hafenbehörde der Orkneys verfügt über ein Radarsystem, mit dem sie die
Zugänge zum Pentland Firth überwacht.
Und auch jedes andere Schiff, das in der
fraglichen Zeit durch den Sund fuhr, habe
den Stahlklotz auf seinem Radarschirm sehenmüssen.Ein Schiffvon annähernd hundert Metern Länge, das ohne Beleuchtung
antriebslos im Meer schwamm. In dieser
Gegend. Aber niemand zog die richtigen
Schlüsse.Sie saßen vor ihren Geräten,tranken Tee und taten nichts, sagt Mowatt gehässig. Als am 5. Januar eine Seenotinsel
der Cemfjord 67 Meilen östlich des
Wracks gefunden wurde, hatte in dieser
Gegend zuvor niemand nach Überlebenden gesucht.
Die Coastguard sagt auf Anfrage, dass
sie Schiffsbewegungen in der Gegend nur
über AIS-Signale verfolgt. Die Zahl der
Schiffe sei so groß, „dass wir nicht jederzeit jedes Gefährt beobachten, das in unseren Gewässern unterwegs ist“. Dass die
Wetterbedingungen eine besondere Aufmerksamkeit geboten hätten, findet die
Coastguard nicht. Wer keinen Hilferuf absetzt, darf auch keine Hilfe erwarten, bedeutet das. Nicht in Großbritannien, das
seine Küste mit Seenotrettungsstationen
gepflastert hat. Aber wäre die Cemfjord
nicht zufällig entdeckt worden, keiner
hätte je von ihrem Verbleib erfahren. Die
Untersuchungsbehörde will zur laufenden Ermittlung keine Stellung nehmen.
Am Sonntag, den 18. Januar, findet eine
Gedenkfeier in Wick statt. Sie ist auch für
die Hinterbliebenen der Cemfjord-Besatzung gedacht. Doch Schneefall legt weite
Teile Schottlands lahm, was eine Anreise
erschwert. Trotzdem ist die Kirche der
Hafenstadt voll besetzt. Mehr als hundert
Menschen drängen hinein. Die Katastrophe hat große Bestürzung in der Region
ausgelöst. Die Namen der Toten werden
verlesen. Für jeden der acht Seeleute wird
eine Kerze angezündet. 56 Jahre der Älteste und 24 die beiden Jüngsten.
6
MEINUNG
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
DER TAGESSPIEGEL
RERUM
CAUSAS
COGNOSCERE
ZEITUNG FÜR BERLIN UND DEUTSCHLAND
Pflichtblatt der Börse Berlin
INS BILD GESETZT
Foto: Neil Hall/Reuters
Ostern ist relativ
Ostern wandert bekanntlich durch
den Kalender. Daher fällt das
Osterwochenende jedes Jahr mit
anderen Festen an anderen Orten
der Welt zusammen. In diesem Jahr
waren das unter anderem der
Internationale Tag der
Kissenschlacht, eher ein heidnischer
Brauch, hier begangen von
Hedonisten in London. In China
feierten die Menschen am Samstag
Qingming, bei dem Papierfiguren im
Andenken an die Verstorbenen
verbrannt werden. Wir hätten hier
auch ein Foto zeigen können vom
rituellen Anbaden der Naturisten
am Mpenjati-Strand in der Nähe von
Durban. Aber wenn Sie das
interessiert, können Sie’s ja googeln.
Verleger:
Dieter von Holtzbrinck
Herausgeber:
Giovanni di Lorenzo, Sebastian Turner
Chefredakteure:
Stephan-Andreas Casdorff, Lorenz Maroldt
Stellvertretender Chefredakteur:
Arno Makowsky
Berater der Chefredaktion:
Gerd Appenzeller
Geschäftsführender Redakteur:
Dr. Christoph von Marschall
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Die Redaktionen von „Der Tagesspiegel“, Berlin,
und „Handelsblatt“, Düsseldorf, kooperieren.
Am Band des Bundes
Ein Zwischenruf zum …
… Kopftuchurteil
Barbara John erklärt, warum der öffentliche Raum
allen Religionen gleichermaßen gehört
D
as jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum
Kopftuch hat viel Kritik aufgewirbelt. Aus kirchlichen
Kreisen heißt es, das Kreuz, Kernsymbol des christlichen Glaubens, sei 1995 aus deutschen Klassenzimmern verbannt worden, während zwanzig Jahre später das muslimische Kopftuch mit dem „Segen“ eben dieses Gerichts Einzug
in die Schule hält. Ein Skandal! Aber das ist längst nicht alles
an empörter Urteilsschelte. Da sind noch die kemalistisch
orientierten Akademikerinnen mit türkischen Wurzeln, die
Karlsruhe beschuldigen, die Integration junger muslimischer Frauen ohne
Kopftuch zu erschweren. Und schließlich beklagen sich auch die Atheisten,
denen die negative Religionsfreiheit –
Religion in jeder Form muss raus aus
den Schulen – als das höchste Gut erscheint, das es zu wahren gilt.
Auf den ersten Blick lauter Gegensätze: Die einen wollen einen Staat
ohne das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Für andere soll diese Freiheit nur
bestimmten Religionen vorbehalten bleiben. Ganz schön verfassungsuntreu. Denn die Kritiker wollen genau das nicht,
was wir in Deutschland in Artikel 4 des Grundgesetzes haben, nämlich die Pflicht des Staates zur inhaltlichen Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen. Das
bedeutet, der Staat muss allen Religionsgemeinschaften und
ihren Mitgliedern in gleicher Weise religiöse Freiheit ermöglichen. Starker Tobak für viele. Und das ist sogar verständlich, wenn man der Meinung ist, nur die „guten“ Religionen
dürfen sich im staatlich verantworteten öffentlichen Raum
tummeln. So wird es beispielsweise in der Türkei oder in
Saudi-Arabien praktiziert. Oder wenn man glaubt, alles Religiöse ist für den säkularen Staat wie eine Brennnessel, die
mit Stumpf und Stiel auszureißen ist (aggressiver Laizismus
in Frankreich). Beide Auffassungen erzeugen Ungleichbehandlung und Widerstand gerade in Einwanderungsländern
mit ihrer Vielfalt an Bekenntnissen. Ein Freibrief für religiöse Propaganda ist das aber keineswegs. Wozu sich die
Lehrerin mit Kopftuch religiös privat bekennt, geht bei uns
den Staat nichts an, doch was sie in der Schule lehrt, darf
Gesetzen und Werten nicht widersprechen. Das gilt ohne
Einschränkung auch für alle anderen.
Berlin muss sich in der Stadtentwicklungspolitik endlich emanzipieren
Von Bernhard Schulz
N
ein, ein „Bestbieter“ ist das
LandBerlin nicht. Der Bestbieter ist derjenige, der die
Höchstsumme offeriert in einem Verfahren, wiees die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima)
für Liegenschaften des Bundes durchführt.
Kommt es mit dem Bestbieter nicht zur Einigung, gibt die Bima dem nächstbesten
Teilnehmer „die Möglichkeit“, sein Angebot „zu überdenken“. Sprich: in die Stapfen
des Bestbieters zu treten.
Es ist offenkundig, dass Berlin in einen
solchen Wettstreit weder eintreten kann
noch soll, und es versteht sich von selbst,
dass das Verfahren als solches das politische Anliegen Berlins – wie im Übrigen
aller Kommunen – konterkariert, Wohnungen und vor allem Bauland zu günstigen
Konditionen zu erwerben, um „bezahlbaren“ Wohnraum zur Verfügung zu stellen
oder zu schaffen. Was „bezahlbarer“
Wohnraum ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. Aber dass die Mietpreise
in Deutschland ein Niveau erreicht haben,
bei dem es für Familien, für Alleinerziehende, für Geringerverdienende nahezu
unmöglich geworden ist, in der Stadt zu
wohnen, darf als politischer Konsens quer
über die Parteienlandschaft gelten. Nur:
Wie dem abhelfen?
Längst hat die Konferenz der Länderbauminister die Bundesregierung aufgefordert, nicht benötigte Flächen an die Kommunen zu veräußern, zum Verkehrswert
und nicht zu einem in Bieterverfahren erzielbaren Höchstpreis. Ein offenes Ohr hat
die Ministerrunde offenkundig nicht gefunden. Vor wenigen Tagen erst wurde ein
enormes, knapp fünf Hektar großes Areal
in Kreuzberg, das der sogenannten Dragonerkaserne, höchstbietend veräußert. Bezahlbares Wohnen? Das wird an der gesuchten Adresse Mehringdamm, unweit
des neuen Parks am Gleisdreieck, gewiss
nicht entstehen. Nicht entstehen können,
wenn der Investor den Kauf refinanzieren
will, von seinem Unternehmensziel ganz
abgesehen, „ein Portfolio von erstklassigen Immobilien in Bestlagen zu schaffen“.
So macht der Bund Baupolitik, auch und
gerade in Berlin. Das Problem der für Wohnungsbau geeigneten Grundstücke ist dabei nur ein Aspekt. Der Bund ist ein Hauptakteur des Berliner Baugeschehens, seit
der Hauptstadtentscheidung vom Juni
1991. Mit diesem Datum wurden alle Liegenschaften und Immobilien, die dem
Bund längst gehörten oder im Zuge der
deutschen Einheit zugeordnet worden waren, zu Rohmaterial beim Ausbau Berlins
zur Bundeshauptstadt. Und Berlin, dieses
schuldenbeladene Bundesland, war froh,
dass der Bund plante, baute und bezahlte.
Der Bund bestimmte. Wo die Ministerien hinkommen, die Behörden, wo ein
Riesenbau entstehen konnte wie die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes auf
einer Fläche, auf der mehrere Hundert
Wohnungen Platz gefunden hätten. Eine
Hauptstadt besteht nun einmal nicht nur
und nicht einmal zuallererst aus Wohnungen, sondern aus vielen öffentlichen Institutionen, auch aus dem Kulturbereich.
Der Bund nahm sich vieler solcher Einrichtungen an oder finanzierte sie mit, von der
Museumsinsel über das Humboldt-Forum
bis zur Staatsoper. Und Berlin war froh.
Berlin, von einer nur zum Teil selbstverursachten Schuldenlast gedrückt, hat sich
jahrelang auf einen rigiden Sparkurs begeben und darüber die Stadtpolitik mehr und
mehr vergessen. Die Wohnungsnot des
Jahres 2015 ist nicht über Nacht entstanden. Es ist noch nicht einmal klar, was daran tatsächliche Wohnungsnot ist und was
das Bestreben, in der preiswertesten
Hauptstadt Europas auch weiterhin kostengünstig und von jedwedem Veränderungsdruck frei leben zu können. Was in
der pluralistischen Demokratie ein legitimes Ziel ist; aber sicher nicht das einzige,
an der sich eine strategisch ausgerichtete
Stadtpolitik orientieren kann.
Mit dem politischen Debakel ums Tempelhofer Feld, wo es dem Land auch nicht
ansatzweise gelang, für den Wohnungsbau
eine Mehrheit zu finden, hat Berlin eine
weit darüber hinauswirkende Schlappe erlitten. Bundesbehörden wie die Bima betrachten Berlin offenbar als quantité négligeable, nicht nur beim Wohnungsbau. Dass
die Errichtung eines Museums der Kunst
des 20. Jahrhunderts am Kulturforum vom
Haushaltsausschuss des Bundestages mit
einem
200-Millionen-Blankoscheck angestoßen worden ist,
Die Stadt
nachdem sich Berlin
dem Bund zu ein halbes Jahrhundert
überlassen, langnicht auf eineVorstellungfürdieseskostwar bequem barste Geländehatverständigen
können,
und billig
sagt genug. Schon das
Humboldt-Forum mit
derumstrittenenFassade desBarockschlosses war eine Entscheidung des Bundestages. Sollen sich die Abgeordneten nun auch
noch für den Wohnungsbau Berlins verantwortlich fühlen, für Lückenschließungen
und Nachverdichtung ?
Was nottut, ist Landespolitik. Es
braucht einen Senat, der strategische Ziele
formuliert. Dass erst jüngst die Bezirke aufgefordert wurden, Bauflächen zu identifizieren, belegt das Versäumnis. Die Warnsignale waren und sind doch überall abzulesen, zuletzt beim Olympia-Aus zweiter
Klasse. Nicht einmal diese Blamage hat
den Senat ernstlich aufgeschreckt. Solange Berlin keine vorausschauende Stadtentwicklungspolitik zustande bringt, werden Bund und Bima ihre Bieterverfahren
fortsetzen. Und nicht dort liegt der
Schwarze Peter, sondern beim Land Berlin, dessen Politiker dem Anspruch nicht
gerecht werden, den die Hauptstadtexistenz Berlins ihnen stellt.
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MEINUNG
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
Jenseits der Ofenbank
7
EIN WORT zum Sonntag
Die Deutschen werden immer älter, ohne alt zu sein. Das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit
von über 70-Jährigen steigen rasant. Langsam wandeln sich auch die Bilder vom Altern. Und neue Zwänge entstehen
D
ie alte Dame sitzt auf der Ofenbank,
sie lehnt gegen die grünen Kacheln. Es
ist ein kühler Sommertag, dunkle Wolkenfetzen wirbeln um die Gipfel des
Karwendelgebirges bei Wallgau, doch
von ihrem Platz reicht der Blick nur bis auf die
Straße. In der Stube des Gasthofs „Zur Post“ ist es
warm, es läuft ein Schlager. „Du warst so verliebt
in das Leben ...“ Die alte Dame wippt ganz leicht
im Takt dazu. Es ist schwer zu sagen, wie alt sie ist.
85 vielleicht, 95? Ihr Haar ist braun und makellos
frisiert. Sie trägt ein blau und grün kariertes Kostüm, bayerische Eleganz, ein guter Stoff. Sicher ist
sie kein Gast, eher die Hausdame. „Und dein Herz
schlug immer ganz frei.“ Es ist die stille Stunde
zwischen dem Mittagessen und dem Nachmittagskaffee. Die Gaststube ist leer bis auf die Dame und
uns, eine junge Familie in regennasser Kleidung.
„Bitt’ schön.“ Ein Mann in den 60ern, vielleicht
der Sohn, bringt einen Teller aus der Küche, Braten, Rotkraut, Kloß. Die Dame schneidet das
Fleisch mit Bedacht. „Für den Augenblick und die
Zärtlichkeit“, singt es aus dem Radio. Dann legt
sie die Serviette zur Seite, schließt die Augen und
nickt ein.
Die alte Dame auf der Ofenbank ist mir aus dem
letzten Sommerurlaub in Erinnerung geblieben,
weil sie mir als ein so friedliches und zugleich seltenes Bild vom Altern erschien. Das Altern erhält
zurzeit immer mehr die Aufmerksamkeit, die es
verdient: Die Zahl der Bücher und Studien zur
„langlebigen Gesellschaft“ nimmt zu. Seit dieser
Woche zeigt das Museum für Kommunikation in
Berlin eine Ausstellung mit dem Titel „Dialog mit
der Zeit“. In den Leitbildern, die nun gezeichnet
werden, spielt die Ofenbank keine Rolle mehr.
Dass wir immer älter werden, ist bekannt. Der
demografische Wandel ist der Ohrwurm der Sozialpolitik, untrennbar verknüpft mit der Warnung
vor einem Kollaps der Renten- und Sozialsysteme.
Innerhalb von 100 Jahren ist die durchschnittliche
Lebenserwartung in Deutschland von rund 40 auf
rund 80 Jahre gestiegen. 1956 waren 100 Menschen in Deutschland über 100 Jahre alt, heute
sind es bereits 14 200. 2030 wird ein Drittel der
Deutschen älter als 65 sein.
terns und ihr Zusammenspiel mit der Umwelt bekannt. Rudi Westendorp vergleicht es mit einem
alten Glas, das schneller zerspringt als ein neues.
Selbst, wenn es von außen noch intakt aussieht: In
die Materialstruktur hat sich eine Vielzahl Fehler
eingeschlichen. Ein Ereignis wie ein Sturz kann
dann eine Kettenreaktion auslösen.
Folgt man Westendorp, ist dieser zunächst versteckte und dann plötzlich offensichtliche Prozess
des Alterns aus medizinischer Sicht nicht „normal“, sondern wie eine Krankheit, die man bekämpfen kann. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte
hat sich die Sichtweise auf viele vermeintlich „normale“ Alterungserscheinungen geändert. Osteoporose zum Beispiel galt einmal als „Materialverschleiß“. Heute ist Knochenschwund eine Krankheit, die man möglichst früh aufspüren und behandeln sollte.
Das Kranksein ist gerade im Alter relativ. Tatsächlich sind nämlich die heutigen Alten, obwohl
sie sich deutlich wohler fühlen, nicht weniger
„krank“. Im Gegenteil. Chronische Krankheiten
nehmen zu, ebenso die „Multimorbidität“, das Zusammenfallen mehrerer Krankheiten. Medizin
und Technik aber steigern dennoch das Befinden.
Wer sein eigenes Knie nicht mehr beugen kann,
bekommt eben ein neues.
Von Anna Sauerbrey
Neue Imperative entstehen.
Der Ruhestand
ist politisch nicht mehr erwünscht
Die alte Dame
wippt ganz leicht im Takt
der Schlagermusik
Was gerade erst ins kollektive Bewusstsein sickert: Wir werden zwar immer älter, aber wir sind
immer länger nicht richtig alt.
Verdammt gut sah Udo Jürgens aus, als er im
vergangenen Jahr mit 80 gegangen ist. „Mitten im
Leben“ hieß sein letztes Album. Damit ging er
noch im Sommer vor seinem Tod auf Tournee. In
dieser Woche starb der portugiesische Regisseur
Manuel de Oliveira. Er wurde 106 Jahre alt. Seinen letzten Film drehte er mit 105. Unser Finanzminister ist 72, der Bundespräsident 75. Würde
Hillary Clinton amerikanische Präsidentin, wäre
sie bei Amtsantritt 69 Jahre. 80 ist das neue 60,
heißt es, 60 das neue 40.
Zahlreiche Studien belegen, dass es sich dabei
keineswegs um prominente Einzelfälle handelt.
Eben haben Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung eine weitere Bestätigung dafür in den Daten des „Socio Economic Panels“ gefunden. Sie verglichen „statistische Zwillinge“ aus den beiden Berliner Altersstudien von
1990–1993 und 2013–2014 und kommen zu dem
Schluss: Über 70-Jährige fühlen sich heute signifikant wohler als die über 70-Jährigen vor 20 Jahren
und sind zu deutlich höheren geistigen Leistungen
fähig. Der niederländische Mediziner und Altersforscher Rudi Westendorp schreibt in seinem
jüngsten Buch, das im Februar auf Deutsch erschienen ist: Biologisches und kalendarisches Alter werden zunehmend entkoppelt („Alt werden,
ohne alt zu sein – Was heute möglich ist“, C. H. Beck,
286 Seiten, 19,95 Euro, Kindle-Ausgabe 15,99 Euro).
„Na, wie sehen wir aus?“, fragt Horst Morawietz
mit einem verschmitzten Lächeln. Ich habe ihn
nicht kommen hören. Zu vertieft war ich in die
Gesichter der alten Männer und Frauen, die im
Eingangsbereich der Ausstellung „Dialog mit der
Zeit“ im Museum für Kommunikation zu sehen
sind. Es sind die 33 „senior guides“, die das Museum rekrutiert hat. Nur in ihrer Begleitung kann
man die Ausstellung besuchen. Sie sind alle über
70. Ihre Gesichter haben etwas Ruhendes und
doch Beherztes, das mich, die ich mitten in der
„Rushhour“ stecke, sehnsüchtig macht.
Horst Morawietz, 77 Jahre alt, würde es nicht
einfallen, auch nur eine Minute auf der Ofenbank
zu sitzen. Es ist 10 Uhr 15 am Karfreitag, die Stadt
ist noch still, aber Morawietz ist hellwach. Er führt
die kleine Besuchergruppe in ein stilisiertes Wohnzimmer und lässt uns um einen Tisch Platz nehmen. Dann fasst er sein Leben auf die Länge einer
Tagesschau-Meldung zusammen: Kriegskind, der
Vater früh gestorben, eine Kindheit in den Ruinen
von Berlin, Mittlere Reife. Den Traum vom Theaterstudium kann er sich als Halbwaise „in die
Haare schmieren“. Er wird Versicherungskaufmann, nicht aus Neigung, dennoch macht er seine
Sache gut und „ein bisschen Karriere“. 25. Dienstjubiläum vor braun-orange gemusterten Gardinen, Sektgläser und üppige Bouquets in Zelophan.
Morawietz hört früher auf, um seine Frau zu pflegen, bis zu ihrem Tod 2008.
Bei der Versicherung war am 21. Oktober 2000
Schluss. Am 1. November 2000 sitzt Morawietz in
der ersten Literaturvorlesung. Er studiert außerdem Kunstgeschichte, Philosophie, Judaistik und
Religionswissenschaft. Zuletzt hat er mal ein Semester pausiert – weil er zwei Monate durch Neuseelandgereist ist. Dass das Museum für Kommuni-
Karikatur: Klaus Stuttmann
kation Führer für die Ausstellung sucht, hat Morawietz aus einer Anzeige im Tagesspiegel erfahren.
„Da stand: Wir suchen Menschen über 70. Da hab’
ich genauer hingeguckt. Das liest man ja sonst nie.“
Altersforscher werden nicht müde zu betonen,
dass wir die Alten noch immer zu oft geistig auf
die Ofenbank setzen. „Unsere emotionale und soziale Anpassung an diese Revolution hinkt stark
hinterher“, schreibt der Gerontologe Westendorp.
Seine amerikanische Kollegin Laura Carstensen,
die das Stanford Center for Longevity leitet,
kämpft gegen eine ganze Reihe von Altersmythen
an: Weder seien Ältere weniger produktiv, noch
einsamer, noch depressiver, noch weniger kreativ.
Nachdem er in Rente gegangen war,
studierte er Kunst und Literatur –
unter anderem
Auch die Politik will die Altersbilder ändern. In
dieser Woche hat Joachim Gauck („Ich bin ein lebendes Exponat“) die Ausstellung in Berlin eröffnet. In seiner Rede sagte er, es brauche „neue Muster für lange Lebensläufe, neue Verflechtungen
von Lernen, Arbeit und Privatem“, eine neue „Lebenslaufpolitik“.
Ich denke wieder an die alte Dame. Stimmt das
Bild vom zufriedenen Leben auf der Ofenbank?
Ich rufe in Wallgau an. Ihre Schwiegertochter Annette Neuner geht ans Telefon. Bis heute ist das
Hotel-Restaurant „Zur Post“ ein Familienbetrieb.
Die alte Dame, erfahre ich, ist 98 Jahre alt und
heißt Elli Neuner. Gemeinsam mit ihrem Mann
Hans hat sie den Gasthof zu dem gemacht, was er
heute ist. Sie war aktiv bis in die 1980er Jahre, also
bis in ihre späten 60er. Dann zog sie sich aus dem
Tagesgeschäft zurück, blieb aber natürlich, wie
alle in der Familie, einfach da. „Ihr Leben war und
ist dieses Haus“, sagt Annette Neuner.
Ob ich sie einmal sprechen kann, frage ich? Das
sei schwierig, sagt die Schwiegertochter. Seit dem
letzten Sommer sei es doch „rapide abwärtsgegangen“. Elli Neuner ist gestürzt, Oberschenkelhalsbruch. Seitdem hat die Verwirrung zugenommen,
sie braucht jetzt Pflege. Jeden Morgen kommt eine
Hilfe zum Anziehen und Duschen. Den Rest erledigt die Familie. Ob sie zufrieden ist? Annette Neuner überlegt. „Alt werden ist ja nicht immer
schön“, sagt sie. „Man muss viel Abschied nehmen, da fließt schon mal eine Träne. Aber, doch,
ich würde schon sagen, dass sie zufrieden ist.“
Die Phase der Gebrechlichkeit vor dem Tod
bleibt von den Verbesserungen im Leben der Älteren abgeschnitten, sagen viele Altersforscher. Wir
verschieben sie lediglich immer weiter nach hinten. Selbst für Ärzte, die sich auf das Altern spezialisiert haben, ist von außen oft lang nicht erkennbar, wie „gebrechlich“ jemand schon ist. Noch ist
auch viel zu wenig über die Mikrobiologie des Al-
Im „Erlebnisraum“ der Ausstellung im Museum
für Kommunikation schnallen wir uns schwere Gewichte an die Füße und steigen eine Treppe, um
nachzuempfinden, wie Altsein sich anfühlen
kann. Muskelschwund, steht auf einer Erklärtafel,
begleitet fast immer das Älterwerden. Bewegung
kostet mehr Mühe – oder mehr Training. Man soll
sich deshalb viel bewegen, steht dort.
Man ist so alt, wie man sich fühlt, das trifft immer stärker zu, und es ist einerseits ein Fortschritt. Die Subjektivierung des Alterns nimmt
ihm das Stigma. Andererseits droht die Gefahr, die
medizinisch-technische Machbarkeit als grenzenlos anzusehen und die Verantwortung für Gebrechen auf den Einzelnen zu übertragen. Die Grenze
zwischen Nicht-Können und Nicht-Wollen verschwimmt scheinbar. Nicht mehr der Alte an sich
wird stigmatisiert, aber der, der sich weigert
durch lebenslanges Lernen, durch Gehirnjogging,
mit Pillen, Ersatzteilen alterslos zu bleiben. Das
Wort vom „Ruhestand“ habe ausgedient, sagte Joachim Gauck. Das ist emanzipatorisch gemeint.
Und es ist die zentrale Handlungsanleitung der
Alterswissenschaftler. Doch wenn der Unruhestand zum Imperativ wird, verlieren wir die Freiheit, einfach auf der Ofenbank zu sitzen und die
Zeit vorbeiziehen zu lassen. Wir verlieren das
Recht auf eine Existenz ohne Ziel und Zweck.
Die „neuen Altersbilder“, die auch Gauck gefordert hat, müssen daher vor allem eines sein: vielfältig. Denn das ist noch so ein Alten-Klischee, das die
Wissenschaft derzeit widerlegt. Ältere werden
nicht gleicher, im Gegenteil. Jule Specht, eine Juniorprofessorin an der Freien Universität, konnte
zeigen, dass auch über 70-Jährige noch einmal
stark ihre Persönlichkeit verändern können. Das
hohe Alter sei deutlich weniger homogen, als man
bisher dachte. Das Bild vom braun-beige gekleideten, leicht verschrobenen Einheitssenior stimmt
nicht. Zu diesem Schluss kam auch der sechste Altenbericht der Bundesregierung, der 2010 veröffentlich wurde. Der Individualität des Alterns
würde die Politik bislang nicht gerecht, so die Wissenschaftler. „Einseitig ausgerichtete Altersbilder“
erschwerten „die gesellschaftliche und individuelle Nutzung von Potenzialen im Alter und eine
selbstverantwortliche und mitverantwortliche Lebensführung älterer Menschen“, heißt es. Sie stündeneinem angemessenenUmgang„mit der Verletzlichkeit des Alters“ entgegen.
Die gesellschaftliche und politische Antwort
auf das Phänomen des alterslosen Alterns kann
nur eine möglichst große Freiheit sein, die Förderung möglichst vieler unterschiedlicher Lebensmodelle: vom Heim über die Alters-WG bis zur
Pflege in der Familie. Von der Frühverrentung bis
zum Arbeiten bis zur letzten Minute.
Horst Morawietz lässt seine Gruppe einen Stapel Schwarz-Weiß-Bilder anschauen, die Ältere
Menschen in Alltagssituationen zeigen. Eine ältere Besucherin wählt eine Großmutter beim Backen mit der Enkelin. Eine junge Frau sucht sich
einen drahtigen Typen aus, der angeseilt eine
steile Bergwand hinaufklettert. Ein Herr im Anzug
in den 50ern wählt einen Mann, der im wuchernden Gras unter einem sommerlichen Obstbaum
liegt, „weil er die Stadt verlassen hat und Zeitung
liest, was auch meine Lieblingsbeschäftigung ist“.
„Gut“, sagt Morawietz. „Aber kann das wirklich
alles sein?“ „Zum Altern gehört ja auch fit bleiben
und ein bisschen Bewegung“, beeilt sich die ältere
Dame zu sagen. „Oooch“, sagt der Herr im Anzug,
„kann für mich gern auch ein Dauerzustand sein.“
Die Autorin ist
Redakteurin in
der Meinungsredaktion
des Tagesspiegels.
Sie wurde 1979 geboren.
Meist ist sie zu
beschäftigt, um darüber
nachzudenken, wie sie
altern möchte.
Leider.
Und glücklicherweise.
Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Uli Deck/dapd
„Wer jede Unvernunft
ausmerzen will,
handelt unvernünftig.
Es liegt Weisheit darin,
Inseln des rational nicht
Zugänglichen zu
respektieren: Religionen,
Gefühle,
Alltagserfahrungen (...).“
Udo Di Fabio, ehemaliger
Bundesverfassungsrichter,
im Interview mit dem „Spiegel“.
Ein SPRUCH
Perverses
Strafen
Jost Müller-Neuhof über die nötige
Rehabilitierung verurteilter Schwuler
Die Russen schießen ihren Sputnik-Satelliten in die Umlaufbahn, die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft wird gegründet, und Deutschland wählt wieder Adenauer, als das Bundesverfassungsgericht
1957 Wegweisendes zu Mann und Frau
verkündet: Er will Sex, sie Kinder; er ist
verantwortungslos, sie nicht; männliche
Homosexuelle verführen die Jugend,
weibliche lassen das, und: „Gleichgeschlechtliche Betätigung verstößt eindeutig gegen das Sittengesetz.“
Mit dem Urteil rechtfertigen die höchsten Richter den Fortbestand von Paragraf
175 im Strafgesetzbuch. Die unter den
Nazis verschärfte Schwulen-Kriminalisierung galt weiter. Aus heutiger Sicht war
das Unrecht. Nicht der Schwule ist pervers, sondern der
Staat, der ihn deswegen bestraft.
Förmlich allerdings ist das Urteil Recht. Bis
heute. Niemand
hat es aufgehoben. Bis 1969
wurden Schwule
in der Bundesrepublik verfolgt, 50 000
Urteile soll es seit dem Krieg gegeben haben; Männer, die Männer lieben, hatten
es im Unrechtsstaat DDR vielfach besser.
Das Bundesjustizministerium prüft,
wie es die alten Urteile aufheben kann.
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags sieht dagegen jetzt „beachtliche
verfassungsrechtliche Bedenken“. Zum
einen, weil mit einem Aufhebungsgesetz
die
Gewaltenteilung
durchbrochen
würde. Für die NS-Zeit waren die Urteile
zwar pauschal kassiert worden. Aber können auch Urteile eines Rechtsstaats kassiert werden? Zum anderen ist von einem
„Präzedenzfall“ die Rede, der die „Verlässlichkeit richterlicher Entscheidungen
ins Wanken bringen würde.“
Ein Dilemma. Denn weigert man sich,
aus diesen Gründen die Urteile aufzuheben, bleibt das Unrecht bestehen. Ein
Rechtsstaat kann sich das nicht leisten.
Der Regensburger Juraprofessor Martin
Löhning hat deshalb vorgeschlagen, einen neuen Wiederaufnahmegrund für
Strafverfahren zu schaffen, wenn ein Urteil wegen eines Tatbestands gesprochen
wurde, der „offensichtlich grund- und
menschenrechtswidrig“ ist. Damit bliebe
es Sache der Justiz, früheres Unrecht aus
der Welt zu schaffen.
Die Lösung hätte den Charme, durch
Strafvorschriften erlittenes Unrecht
schneller und flexibler wiedergutmachen
zu können, als es Politik vermag. Zu
denken wäre an Ehebruch, der auch bis
1969 strafbar war. Oder an eine Sittenvorschrift, von der das Bundesverfassungsgericht meint, sie fuße auf einer
„kulturhistorisch begründeten, nach wie
vor wirkkräftigen gesellschaftlichen
Überzeugung“.
Gemeint ist der Geschwisterinzest.
Das Urteil, mit dem seine Strafbarkeit
bestätigt wird, stammt aus der Zeit, als
erstmals ein Schwarzer ins US-Präsidentenamt gelangte, die Piratenpartei erstarkte und eine Nasa-Sonde den Merkur
erkundete. Es war 2008. Unrecht muss
nicht von gestern sein.
8
DIE REPORTAGE
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Von Barbara Junge, Washington
N
och ist es nur ein altes klotziges Lagerhaus in Washington, doch bald schon soll von
hier ein Signal für Amerika
ausgehen. Steve Green blickt
erwartungsvoll an der rot-braunen Rückfront des Gebäudes hinauf. „Es wird geschehen“, sagt der Mann aus Oklahoma,
Pathos liegt in seiner Stimme. Green
trägt einen weißen Bauhelm über dem
blonden Stoppelhaar. Arbeiter eilen über
die Baustelle, ein Generator dröhnt.
Green steht ganz ruhig mitten im Gewusel, wie der biblische Fels in der Brandung. Das kantige Kinn ist entschlossen
nach vorn gereckt. „Hierhin werden wir
die Welt einladen“, sagt er.
Aus einer Wand im sechsten Stock
schiebt sich die gelbe Spitze einer Baumaschine. Das, was gerade noch Wand war,
stürzt krachend in die Tiefe. Staub legt
sich auf Greens feinen schwarzen Mantel
und die rote Krawatte. Doch Green
schenkt dem Schmutzkeine Aufmerksamkeit. Hier geht es um Größeres.
Der Multi-Milliardär ist aus dem Westen angereist. Er will dabei sein, wenn die
Umbauarbeiten beginnen, die aus seiner
Vision Wirklichkeit machen sollen. Hier,
im Herzen der amerikanischen Hauptstadt, nur drei Blöcke vom Kapitol entfernt, soll ein Museum der Bibel entstehen, wie es weltweit wohl kaum ein vergleichbares gibt. Ein 800 Millionen-Dollar-Projekt, riesengroß und von internationaler Strahlkraft.
Mit diesem Museum will Steve Green
Amerika retten. Green, evangelikaler
Christ, setzt auf die Heilkraft der Bibel. Er
ist überzeugt davon, dass die Bibel wahr
ist, Buchstabe für Buchstabe, Wort für
Wort. „Eine absolute Autorität“, wie er es
nennt. In Washington, im Zentrum der
säkularen Kräfte, soll das Wort Gottes
wieder gehört werden. Denn „diese Nation ist in Gefahr“, sagt Green, „weil sie
ignoriert, was Gott uns gelehrt hat.“
Green und viele andere fundamentalistische Christen in Amerika sind überzeugt,
dass ihr Land vor einer entscheidenden
Weichenstellung steht. Vor allem seitdem
der selbst ernannte Islamische Staat (IS)
dem christlichen Abendland den Krieg erklärt hat. Es geht, das findet nicht nur der
evangelikale Präsidentschaftskandidat
Santorum, „um
Früher haben Rick
einen Feind, der den
Protestanten Westenseit1000Jahattackiert“.
die Richtung renUnd
mit Barack
bestimmt.
Obama regiert ein
Präsident, bei dem
Das kippt
viele konservative
langsam
Amerikaner zweifeln, ob dieser tatsächlich Christ oder
vielleicht doch Muslim ist. „Ich weiß es
nicht“, sagte Santorums Mitbewerber
Scott Walker kürzlich. Nach dieser Wahrnehmung steht der Feind des Christentums schon längst im eigenen Land. Er
zeigt sich in der Homo-Ehe, im Recht auf
Abtreibung, der These vom menschengemachten Klimawandel, dem Glauben an
die Evolution und in der verhassten Gesundheitsreform.
Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl
haben Rick Santorum und andere ultrakonservative Kandidaten einen Kulturkampf ausgerufen. Höchste Zeit für einen
wie Green, die Auseinandersetzung mitten in die Hauptstadt zu holen.
Um die Baustelle zwischen Virginia
Avenue, 4. Street und D-Street führt ein
hellbrauner Holzbauzaun. Daran: bunte
Bilder mit – für diese Gegend – ungewöhnlichen Illustrationen. Maria mit
dem Jesuskind, Bibelszenen, verzierte Bibelverse, aber auch Simulationen eines
modernisierten Altbaukomplexes mit
Glasdach – Greens zukünftiges Museum.
Das massive Gebäude liegt inmitten nüchterner, sandfarbener Regierungsbunker.
Nur zwei Blöcke nördlich befindet sich
die National Mall mit ihren vielen, international bekannten Museen, dem Air and
Space Museum, dem Hirshhorn Museum
und National Museum of American History. Auch das Weiße Haus ist nur zwei
Meilen entfernt.
Im Jahr 2017 will Green sein Bibelmuseum eröffnen. In Sichtweite zur Politik
zu sein, „war bei der Standortwahl für
uns nicht ausschlaggebend“, sagt Green
Im Zentrum der Macht. Dass Steve Green sein Museum in nächster Nähe zum Kongress und zum Amtssitz des Präsidenten errichtet, ist sicher kein Zufall.
Foto: Mandel Ngan (AFP)
Sein Wortreich
Der Multi-Milliardär Steve Green will Amerika vor den Feinden des Christentums retten.
Für 800 Millionen Dollar baut er in Washington ein Bibelmuseum. Manche halten ihn für gefährlich
ausweichend. Dass das Museum in nächster Nähe zum Kongress und zum Amtssitz des Präsidenten errichtet wird, ist jedoch sicherlich kein Zufall. Auf seinem
Weg (manche sagen „Kreuzzug“), seiner
Mission zur Rückbesinnung auf Gottes
Wort, ist Steve Green im Zentrum der
Macht angekommen.
Dabei muss niemand in Amerika fürchten, Glaube und Kirche seien im Niedergang. Kirchen sind im öffentlichen Leben
so präsent, wie es in Deutschland kaum
vorstellbar wäre. Der Glaube ist fester Bestandteil der gesellschaftlichen Norm.
Nach einer Studie des „Pew Research
Center“ sind 84 Prozent der Bevölkerung
einem Glauben verbunden. Die überwältigende Mehrheit, etwa drei Viertel der
Amerikaner, ist christlich. Aber das Land
verändert sich. Einwanderer verschieben
nicht nur die ethnischen, sondern auch
die religiösen Größenverhältnisse.
In der Geschichte der Vereinigten Staaten waren es die Protestanten, die bestimmten, wie sich ihr Land entwickelte.
Doch ihr Anteil wird immer geringer,
liegt aktuell bei 51 Prozent der Bevölkerung. Die Evangelikalen zählen unter ihnen als größte Gruppe. Fast ein Drittel
der Amerikaner folgt einer protestantisch-konservativ bis fundamentalistischen Auslegung der Bibel. Aber das
„Pew Research Center“ prognostiziert:
„Die Vereinigten Staaten stehen kurz davor, ein Land der protestantischen Minderheit zu werden.“ Solche Zahlen und
die säkulare Lebenswelt sind es wohl, die
Ängste bei jemandem wie Steve Green
schüren. Bei ihm und vielen anderen
Menschen aus – so nennt es der
Tea-Party-Kandidat Ted Cruz – dem wahren Amerika. Also allem außerhalb Washingtons.
Da ist zum Beispiel Leesburg. Die
kleine Stadt liegt ganz im Norden Virginias, die bunten Häuser, die Post, das Gericht, alles sieht dort noch so aus wie vor
100 Jahren. So, wie man es sich aus alten
Serien wie „Unsere kleine Farm“ vorstellt. Allein am Ostrand der Stadt haben
sie ein modernes Outlet-Center gebaut,
wo die Markenshops untergekommen
sind. Dort steht auch ein nüchterner
Flachbau: „Hobby Lobby“, der Multi für
Handarbeits- und Handwerksartikel. Es
ist der Laden, der die Familie Green zu
Milliardären gemacht hat,
Unterm Neonlicht des Warenhauses
gibt es fast alles, was man zum Basteln
und Werken benötigt – und das meiste
auch in Form eines Kreuzes. In den Regalen liegen Gipsgussvorlagen als Kreuz,
Ausmalformen für Kinder, es gibt das
Kreuz als Stempel, als Sticker, in Leder,
in Holz, als Metallaufsteller für den Garten, als Türschild, als Schmuck und als
Kuchenbackform.
Der Missionierungseifer der Familie
Green ist spätestens an der Kasse nicht
zu übersehen.„Faith in America“ heißt eines der Bücher von Steve Green, die hier
ausgestellt sind. „Bible in America“ ein
anderes. Aus den Lautsprechern klingen
sanft religiöse Lieder: „Praise to the Lord
the Almighty“ oder „Amazing Grace“. An
der Tür des Ladens ist ein blaues Schild
angebracht. „Sonntags geschlossen, um
unseren Angestellten Zeit für Familie
und Gottesdienst zu geben.“ Das ist die
Welt, in der Steve Green zu Hause ist.
Erlebnispark.
Auf acht Etagen soll sich ab
2017 alles um
die Bibel drehen – mit virtuellen Spaziergängen, tausenden Artefakten
und Theater.
Foto: promo
Von seinem Vater David hat Green
nicht nur die Firma mit ihren 680 Filialen
und ihren mehr als 20 000 Angestellten
übernommen. Auf 6,8 Milliarden Dollar
beziffert „Forbes“ das Familienvermögen
im Moment. Auch das missionarische
Christentum ist in quasi natürlicher Erbfolge an den Sohn übergegangen. „Das ist
nicht unsere Firma. Das ist Gottes
Firma“, sagt Steve Green. Nach Angaben
von „Forbes“ hat David Green so viel für
die evangelikale Sache gespendet, „wie
kein anderer lebender Mensch“. Aber
während der Vater zu Hause blieb, um
sich in der heilen Welt Oklahomas um
das Seelenheil der Menschen zu kümmern, genügt dies dem Sohn nicht mehr.
Der Terror im Namen Allahs, Barack
Obama, die Homo-Ehe und der vermeintliche Niedergang des Protestantismus haben aus Steve Green einen Christen mit
politischer Mission gemacht. Im November hat er vor dem Obersten Gericht einen Sieg über Obama errungen. Erfolgreich setzte sich der Chef von „Hobby
Lobby“ vor dem Supreme Court dagegen
zur Wehr, im Rahmen von Obamacare seinen Angestellten die „Pille danach“ finanzieren zu müssen – gegen seine religiöse
Überzeugung. Green sieht in dem Medikament eine Form der Abtreibung. Ein
Kantersieg für die konservativen Christen Amerikas, der einer Absolution für
Greens Ringen mit der säkularen Gesellschaft durch die höchstmögliche weltliche Instanz gleichkam.
Mit einem anderen Projekt ist er allerdings gescheitert.
Der exquisite „Union League Club“ residiertan derEcke 37th Street und Park Avenue in New York City. Mitglieder treffen
sich dort in privaten Salons, das Haus bietet aber auchRaum für festliche Versammlungen. Vor senfbraunen Vorhängen und
flankiert von einer Amerikaflagge präsentierte Steve Green am 15. April 2013
seineMissionder „National Bible Association“ – die Rede ist aufgezeichnet. Green
sprachnicht nur vom Konzept für sein Museum, das er unter anderem mit Spenden
finanzieren will, sein Plan geht längst darüber hinaus. „Vor ein paar Monaten hatte
ich das Gefühl, dass wir parallel zum Museum einen Lehrplan entwickeln müssen“, sagte Green.
Weil die Nation in Gefahr sei, wolle er
Bibelkunde in die staatlichen Schulen tragen. Je mehr Menschen die Bibel nahegebracht werden könne, desto besser. So
früh wie möglich. Man müsse bereits in
den ersten Klassen
beginnen. Am besmit einem verPropaganda? ten
pflichtenden UnterBauherr
richt,
zumindest
langfristig.
ZuSteve Green kunft könneDiesonst
weist das
„beängstigend“ werden. „Es geht dabei
empört
nicht um Religion“,
zurück
versichert der Redner, „es geht nicht
um Glauben.“ Man
wolle den Schülern die Bibel in einer
„konfessionsungebundenen“ Art nahebringen. Beinahe klingt es liberal.
Sein vorgelegtes Curriculum spricht
nachAnsicht von Kritikernjedoch eine andere Sprache. „Viele Fehler und ausgiebige Voreingenommenheit“, attestierte
Mark Chancey dem Lehrplanentwurf.
Chancey ist Professor für Religion an der
„Southern Methodist University“ in DallasundVorstandsmitglieddes„TexasFreedom Network“. Die American Union für
die Trennung von Kirche und Staat urteilte:„Green istgefährlich.“Green seiausgezogen, staatlicheSchulen durch ein Curriculum zu indoktrinieren, kommentierte
die Vereinigung den Lehrplan. Das Projekt ist inzwischen zurückgezogen.
Nicht jedoch das Museum der Bibel.
Und damit dies Millionen Menschen erreichen kann, muss es mit den großen
Häusern an der National Mall mithalten
können. Steve Green hat aus der Niederlage seine Schlüsse gezogen und um sich
ein großes Experten-Team versammelt,
das ihm bei der Realisierung seines
Traums helfen soll.
Auf die Frage, ob der „Kreationismus“
(Gott hat die Menschheit erschaffen) im
Museum eine Rolle spielen wird, weicht
Green aus. Aber er versichert: „Es ist
nicht die Aufgabe des Museums, die
Frage zu beantworten, ob die Bibel göttlich inspiriert ist.“ Energisch weist er den
Vorwurf zurück, das Museum diene evangelikaler Propaganda. Jeder solle sich umschauen und dann selbst entscheiden,
was und woran er glaube. „Und dann lassen wir die Beweise für sich selbst stehen. Jeder kann daraus das Seine folgern.“ Viel Spielraum sieht Green bei diesen Folgerungen allerdings dann doch
nicht: „Der Beweis ist überwältigend.“
Auf insgesamt acht Stockwerken sollen
die Geschichte der Bibel, ihre historische
Wirkung und die biblischen Erzählungen
ausgebreitet und erläutert werden. Im Süden der Mall ist eine Mischung aus Seminarsälen, Museum und Erlebnispark geplant. Es soll für die Besucher virtuelle
Spaziergänge durch Bibelszenen und
über mehrere Kontinente geben, ein großer Theatersaal gehört ebenfalls zum
Konzept. Ein Stück über den Abend im
Jahr 1517, bevor Martin Luther seine Thesen an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, ist bereits in Planung.
Ein Konzept der „eindringlichen Erfahrung“, nennt Museumspräsident Cary
Summers die Pläne. Dafür hat Green bereits auf der ganzen Welt rund 40 000 Artefakte gesammelt: Papyrus-Fragmente
des Neuen Testaments, Torah-Rollen, sogar Schrifttafeln. Der Gesamtwert der
Ausstellungsstücke wird auf hunderte
Millionen Dollar geschätzt.
Auch Adam und Eva im Paradies werden im Haus der Bibel zu finden sein. Und
die Evolutionsgeschichte? Cary Summers
formuliert esso: „Wirversuchen, soakademisch zu sein, wie wir können, so wenig
voreingenommen, wie wir können.“
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Auferstehung des Widerständigen: Auf den Spuren von Dietrich Bonhoeffer – Seite 10
BERLIN
WWW.TAGESSPIEGEL.DE/BERLIN
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
SEITE 9
Von Woche zu Woche
Finder
im Frühling
Himmel blau, Sonne wieder
da: Ostern ist gerettet nach den
stürmischen und kühlen Tagen.
Beste Laune herrschte deshalb
nicht nur beim Fußball-Osterturnier des Kreuzberger Sportvereins BSC Eintracht-Südring
(links). Überall in der Stadt genießen Berliner und Touristen
die Rückkehr des Frühlings. In
Parks, Cafés – oder beim Grillen auf dem Tempelhofer Feld.
Und das Schönste kommt
noch: Am Ostersonntag und
am Montag soll’s noch wärmer
werden. Weitere Fotos unter
www.tagesspiegel.de/berlin.
Kartoffelkunst
Nina Kluth, 40, Künstlerin aus
Prenzlauer Berg, plant ihre neue Woche
B
eide Beine gebrochen. Und das
nicht etwa beim Skifahren, sondern
beim Arzt! Diese Form der, nun ja,
Heilbehandlung wurde meinem Patenkind kurz vor Ostern zuteil. Ich fand
diese Vorstellung so grauenhaft, dass ich
die Feiertage zusammen mit meiner Familie an Oskars Krankenbett in Göttingen
verbracht habe.
Morgen komme ich zurück nach Berlin
und fahre dann direkt in meinen Garten in
Französisch Buchholz. Schließlich müssen die Kartoffeln in den Boden und die
Kinder an die Luft. Das Gärtnern ist neben
der Malerei meine zweite große Leidenschaft. Einen Sommer lang habe ich sogar
mein Atelier in Wedding gegen den Garten getauscht. Jeden Tag bin ich hingefahren, um zu malen. Das war allerdings doch
nicht optimal. Es ist eine Herausforderung, weil das Licht so changiert.
Ab Mittwoch bringe ich meine Kinder
dann wieder in die Kita und den Hort.
Bevor ich selbst zur Arbeit fahre, gehe
ich noch mit einer Freundin in meinem
Kiez in Prenzlauer Berg einen Kaffee trinken. Ich will auch noch mit Freunden kochen, vielleicht am Freitagabend. Ein
Freund von mir hat sich gewünscht, dass
ich ihm Kochen beibringe. Zunächst wollen wir mit einem süßen Linsengericht
und einem Gurken-Ingwer-Koriander-Salat einsteigen. Danach gehen wir noch
auf einen Drink in die ‚Yes-Bar am Wasserturm in Prenzlauer Berg.
Was ich diese Woche noch vorhabe?
Am Donnerstag gehe ich in den Hamburger Bahnhof in Tiergarten, um mir die
Ausstellung „Two by Two“ von David
Reed und Mary Heilmann anzuschauen.
Ich finde, dass das sensationell gute Malerei ist. Da kann man sich glatt noch etwas
abgucken. Zum Beispiel, wie man ein
dichtes und interessantes Bild schafft, auf
dem nur ganz wenig drauf ist.
Ich bin viel in der Stadt unterwegs. So
plane ich am nächsten Wochenende, an
einer kulinarischen Stadtführung durch
Kreuzberg teilzunehmen. Die Tour führt
in verschiedene Cafés und Restaurants,
in denen kleine Kostproben aus der Küche serviert werden. Dabei kann ich das
Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, denn neben der Malerei arbeite ich
noch als Stadtführerin. Bald werde ich
die Tour rund um den Bergmannkiez
selbst führen.
— In unserer neuen Rubrik „Von Woche zu
Woche“ erzählen Leserinnen und Leser des
Tagesspiegels von ihren kleinen und großen Plänen und von ihrem Leben in Berlin.
Wollen Sie denn auch mitmachen? Einfach
Mail an berlin@tagesspiegel.de schicken.
Protokoll: Susanne Grautmann
Die Früchte ihrer Arbeit. Nina Kluth arbeitet als Künstlerin. In ihrer Freizeit malt und
gärtnert sie gern.
Foto: privat
TAGESSPIEGEL.DE
OSTERN ONLINE
Auf unserer Online-Sonderseite können
Sie nicht nur nach Überraschungen suchen, sondern sogar Preise im Wert
von bis zu 5000 Euro gewinnen. Machen Sie mit beim Osterrätsel, informieren Sie sich über die Bräuche zum
Fest und erfahren Sie mehr über die Feiertage in Berlin und Brandenburg. Hier
finden Sie auch Ausflugstipps, Hinweise auf Gottesdienste und Osterfeuer – und ein paar Anregungen für die
Osterdekoration in letzter Minute.
Unsere Osterseite finden Sie unter:
ostern.tagesspiegel.de
Fotos: Kitty Kleist-Heinrich
Weg? Da!
Hier wird nicht nur
zu Ostern gesucht:
Mehr als 30 000 Dinge
landen das Jahr über
im zentralen Fundbüro.
Ein Besuch ähnelt einer
Zeitreise. Dabei geht es
drinnen sehr modern zu
– und krisensicher
Von Stefan Jacobs
O
stern mit dem beidseitig verlängerten Wochenende ist die Zeit
des Suchens – ob nun menschliche Nähe oder das Weite oder
bemalte Eier mit Schoko-Beilage. Bestenfalls findet man auch was, und sei es nur
sich selbst. Dabei gibt es einen Ort in Berlin, an dem es das ganze Jahr ums Finden
geht: das zentrale Fundbüro.
Auch das Fundbüro findet nur, wer es
sucht: Man muss geradewegs auf den
Flughafen Tempelhof zu, den im Wachkoma liegenden Platz vor der Haupthalle
passieren und dann rechts zwischen den
Säulen durch. „Liebe Suchende“, ist ein
Zettel überschrieben, der auf die Möglichkeit der Online-Suche hinweist. Wer zu
den Öffnungszeiten kommt, betritt eine
Art Nachkriegsmuseum: blau geflieste
Wände, drei Schalter, Milchglasscheiben, an Metallketten hängende Schilder:
Einzelabfertigung. Ein Aushang informiert über die im Januar abgegebenen Sachen: 298 Börsen, 279 Schlüssel, 160
Handys, 90 Fahrräder, 70 mal Geld, 51
„Tüten mit Inhalt“, 22 Schirme, sieben
Waffen, ein Kinderwagen. Insgesamt
1510 Dinge. Neben den Wartestühlen
steht ein gut gefüllter Schirmständer,
über den noch zu reden sein wird. An
Schalter zwei fragt eine weißhaarige Frau
nach einem Täschchen, in dem sich ihr
„sehr hochwertiges Hörgerät“ befunden
habe. Sonst herrscht Ruhe.
Manfred Schneider erscheint an Schalter drei und bittet ins Milchglasreich. Seit
13 Jahren leitet Schneider das Fundbüro,
das eine Laune der Bürokratie dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg zugeteilt hat. Sie sind 14 Mitarbeiter hier,
zwei mehr als früher. Eine Berliner Behörde, die wächst? Ursprünglich sollte
auch er Personal abbauen, sagt Schneider. „Aber das macht bei uns keinen Sinn;
dann könnten wir es gleich lassen.“ Die
meisten Leute versuchen ihre verlorenen
Sachen entweder sofort abzuholen oder
gar nicht. Und sie verbummeln mehr
denn je: Die Zahl der eingegangenen Objekte sei in den vergangenen Jahren von
etwa 25 000 auf mehr als 30 000 im Jahr
gestiegen, sagt Schneider.
Jetzt ist der Moment, ihm die Osterfrage zu stellen: Wird nach dem Fest
mehr abgegeben, weil beispielsweise die
Osterhasen in Parks ein paar MP3-Player
versteckt und die Kinder nicht ordentlich
gesucht haben? Nein, ein postösterlicher
Peak ist nicht bekannt. Die Fallzahlen steigen trotzdem in diesen Tagen: Das wärmere Wetter lockt mehr Menschen nach
draußen und mehr Touristen in die Stadt.
Deshalb haben Schneider und seine
Kollegen an Montagen nach Sommerwochenenden besonders viel zu tun. Jedes
Fundstück wird im Computer erfasst, wobei die Regel gilt: Zahlen zählen mehr als
Äußerlichkeiten. Über Zahlen können
Schlüssel eindeutig zugeordnet und Fahrräder zweifelsfrei identifiziert werden.
Noch wichtiger ist das bei Handys, damit
kein Hallodri herkommt, der heimlich
Schlüsselfrage. Benedikte Manthey steht in ihren Büroräumen in Tempelhof. An der Wand
neben ihr hängen nur konventionelle Schlüssel. Autoschlüssel mit Fernbedienung werden
separat aufbewahrt – und bei Nichtabholung der Polizei überlassen.
Fotos: Thilo Rückeis
FUNDBÜROS
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Suchen kann man
auch zu Hause
ZENTRALES FUNDBÜRO
Das Fundbüro des Landes hat Mo., Di.,
und Fr. 9 bis 14 Uhr geöffnet, Do. 13
bis 18 Uhr. Hier werden Gegenstände
sechs Monate aufbewahrt. Gesucht werden können sie online, wobei die Suche
auch Fundsachen aus der BVG umfasst:
www.berlin.de/zentrales-fundbuero.
Gesuchter Ort. Seit 1955 ist das Fundbüro
im Flughafengebäude Tempelhof untergebracht. Früher gehörte es zur Polizei.
VERKEHRSMITTEL
Die BVG bewahrt Fundsachen maximal
sechs Wochen auf (Potsdamer Straße
180/182): www.bvg.de/fundbuero.
Die S-Bahn sowie Deutsche Bahn sammeln Fundstücke aus Berlin bis zu zwei
Wochen lang im Bahnhof Zoo. Danach
werden sie zur Zentrale nach Wuppertal
geschickt. Infos finden sich unter
www.s-bahn-berlin.de und
www.bahn.de (jeweils „Fundbüro“ ins
Suchfenster eingeben).
Auf den Seiten der Fundbüros finden
sich auch Infos zu den regelmäßigen Terminen, an denen nicht abgeholte Gegenstände versteigert werden.
obs
auf ein günstiges iPhone hofft: Ohne Gerätenummer läuft nichts. Umgekehrt helfen die Zahlen den Fundbürolern beim
Helfen: Über die Nummer der SIM-Karte
wird beispielsweise der Mobilfunkanbieter informiert, der sich dann bei seinem
Kunden melden kann. Geklaute und später vom Ordnungsamt oder Anwohnern
aufgelesene Fahrräder finden über Abgleich mit polizeilichen Diebstahlanzeigen zu ihren Eigentümern zurück, Ausweise ebenso. Auch stecken gelassene Autoschlüssel sind so gut wie gerettet, wenn
der Passant beim Abziehen die Autonummer notiert hat. Ähnlich hoffnungsvoll ist
die Lage bei Schlüsselbunden, an denen
auch eine Hundesteuermarke hängt. (Ein
schönes Argument für Menschen mit bisher unerfülltem Hundewunsch.)
Die meisten Fundsachen gelangen
über den täglichen Aktenverkehr aus Polizei und Bezirksämtern nach Tempelhof.
Von den Büros mit riesiger Schlüsselwand und Wertsachenschränken führt
eine Tür ins Depot für Sperriges. Schneiders Stellvertreterin Benedikte Manthey
führt zwischen Regalen voller Koffer und
Taschen entlang. In
einem Schuhkarton
stehen die BagatellDer Chef
funde eines Monats,
verbringt viel also Dinge mit weniger als zehn Euro
Zeit damit,
Wert:
HaarklamDaten von
mern, Mädchengeschmeide, PlüschHandys
tierchen. Dahinter
zu löschen
drängen sich hunderte
Fahrräder.
„Wir gucken alle Taschen noch mal durch, damit kein Essen
oder nasse Sachen darin vergammeln“, erzählt Manthey. Wobei die geruchstechnisch besonders gefährlichen Turnbeutelvergesser eher die BVG betreffen. Deren
Fundbüro in der Potsdamer Straße ist gemessen an der Fallzahl – 60 500 im vergangenen Jahr – noch größer, aber dort
dominieren kleinere Objekte wie Mützen
und Handschuhe. Wirklich Originelles –
die BVG zeigte bei Presseterminen gern
einen Rollstuhl samt Beinprothese – gebe
es bei ihm praktisch nie, sagt Schneider.
Auch bei der Abholquote liegt die BVG
mit 35 Prozent vorn. In Tempelhof stieg
die Quote von etwa 15 auf 20 Prozent, als
vor zehn Jahren die Online-Recherche
eingeführt wurde. Seitdem stagniert sie.
Nachdem Schneider von unglaublichen
60 Prozent in Bern gelesen hatte, rief er
die Schweizer Kollegen an. „Aber die machen eigentlich nicht viel anders als wir.“
So oder so sei die Arbeit im Fundbüro
„schon eine dankbare Tätigkeit im Vergleich zu anderen Verwaltungen“. Allerdings „haben auch die Leute eine hohe
Erwartungshaltung“. Manche meckerten, dass der Staat ihre Sachen nur gegen
Gebühr herausrückt. Aber viele seien einfach froh – teilweise so sehr, dass sie Blumen bringen. „Wir müssen diese Leute
vor den Kopf stoßen“, sagt Schneider: Geschenke dürften nie angenommen werden, und seien sie noch so klein. Alles
streng geregelt – so wie übrigens auch die
Existenz des Fundbüros und die Finderlohnregeln: Fast 40 Paragrafen widmet
das Bürgerliche Gesetzbuch dem Thema.
Während seine Kollegen Fundstücke
archivieren und zurückgeben, verbringt
Schneider viel Arbeitszeit mit dem Löschen von Handyspeichern. Erst dann
können die Geräte zu den Auktionen gegeben werden, über die das Fundbüro
jährlich rund 70 000 Euro einnimmt.
Hinzu kommen etwa 45 000 Euro Gebühren. Beides zusammen decke Miete und
Betriebskosten, sagt Schneider.
Und warum stehen an diesem sonnigen Tag so viele Schirme im Warteraum?
Die brächten bei den Auktionen selbst im
Zehnerpack fast nichts ein, sagt der Chef.
Also liegen sie für die Kunden aus – als
Service des Hauses für Regentage.
Wir
wollten
die Spiele
„Berlin für Olympia“:
Die Plakate werben weiter
Die aufsehenerregendsten Plakate, die
man in der Stadt sehen kann, stehen traditionell in Fahrtrichtung stadtauswärts an
der Avus in Zehlendorf. „Einer ist abgelenkt, vier sterben“, ist so ein Spruch,
und auf dem Großplakat sieht man vier
fröhliche junge Leute im Auto – symbolisch vor einem schlimmen Unfall. Doch
derzeit erregen nicht allein die Poster für
mehr Verkehrssicherheit einiges Interesse. Man kommt etwa bei der Fahrt
über die Avus in die Stadt hinein ins Staunen. Da steht rechterhand dieses weißrote, viel diskutierte Plakat in seinem an
die 80er Jahre erinnernden Stil: „Wir wollen die Spiele. Berlin für Olympia“.
Be Berlin, denkt sich da manch Autofahrer: Sei schnell, sei trendy, sei an der
Spitze der Bewegung. Bei der Olympia-Bewerbung ist die Stadt das nun wirklich nicht. Erst kamen die Vermarkter der
Hauptstadt-Bewerbung für Berlin um die
Spiele 2024 so spät in die Gänge, dass die
Bürger erst auf den letzten Metern vor
dem Stichtag im März werbemäßig in
den Bann der olympischen und paralympischen Bewerbung gezogen wurden.
Und dann stand fest: Berlin wird nicht Bewerberstadt, denn die Hamburger waren
mehr Feuer und Flamme für die Spiele.
Doch so schnell scheint sich die Bewerberstadt in spe an der Spree nicht von der
Olympia-Idee trennen zu können. Denn
man sieht noch mehr veraltete Kampagnenplakate am Straßenrand, etwa, wenn
man von Waltersdorf aus Richtung Adlergestell nach Berlin hineinfährt.
Nun gibt es ja Möglichkeiten des Updates. Man könnte erneut Werber beauftragen und zwar damit, die 2024er-Kampagne nachhaltig zu recyclen und beispielsweise die Zahl 2040 draufsprühen
lassen, unken Autofahrer im Vorbeirollen. Warum nicht ein dritter Anlauf!
Oder die Marketingtruppe um die Senatskanzlei könnte den unteren Spruch überkleben lassen, schon Air Berlin gab da
mit seinem Spieleflieger ein kreatives Bei-
The games must go on. An einigen Stellen
wird mit Plakaten und Logos noch für die
verlorene Bewerbung geworben. Foto: M.Wolff
spiel ab: „Wir wollen die Spiele. Im Namen der Hauptstadt“, stand dann da. Das
ist allgemein und zeitlos schön. Wie berichtet, durfte die Metropolen-Fluggesellschaft als Wirtschaftsunternehmen nicht
mit dem markenrechtlich geschützten Begriff „Olympia“ werben, obwohl der Senat es nach Air-Berlin-Angaben darum gebeten hatte. Immerhin wird man jetzt
beim Googlen von „Wir wollen die
Spiele“ nunmehr auf Seiten der Sportmetropole Berlin und des Landessportbundes verwiesen. Und der Slogan im Absender von Mitarbeitern öffentlicher Behörden im Mail-Eingangsspeicher hat Kultund Museumscharakter. Der Bärchen-Smiley-Werbeteller von 2000 hält
schließlich auch noch. Annette Kögel
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BERLIN
DER TAGESSPIEGEL
Im
Zaun
gehalten
Strenge Regeln für Feiern
am Brandenburger Tor
Wer vor der historisch bedeutenden Kulisse eines Wahrzeichens wie dem Brandenburger Tor eine Demo organisiert
oder eine Feier veranstaltet, kann sich eines sicher sein: Bilder mit dem Sightseeing-Symbol werden von den Medienmachern und Internetbloggern dieser Welt
gern publikumswirksamverbreitet.In Zeiten einer allgemein gestiegenen Terrorgefahr angesichts von Anschlägen wie beim
Marathon in der amerikanischen Metropole Boston 2013 müssen solche Plätze
aber wesentlich besser geschützt werden
– was für die Veranstalter immer neue Herausforderungen mit sich bringt. Die
jüngsten Beispiele in Berlin dafür sind die
Vermeile doch! Eine Fanparty soll es jetzt
auch zum Champions-League-Finale geben.
Doch das wird kompliziert. Foto: Nietfeld/dpa
zuletzt abgehaltene Silvesterfeier auf der
Straße des 17. Juni, das anstehende traditionelle Internationale Kinderfest „23 Nisan“ vom 24. bis 26. April auf der Feiermeile am Brandenburger Tor sowie vieldiskutierte Pläne zu einem Uefa-Fanfest
um den 6. Juni herum zum Champions-League-Finale im Olympiastadion.
„Das ist ein ständiges Abwägen zwischen Sicherheit und Freiheit“, sagt etwa
Mittes Bezirksbürgermeister Christian
Hanke (SPD). Mitunter ginge dieser Abgleich zuletzt aber „auf Kosten der Zivilgesellschaft“ aus. Viele Vereine mit Ehrenamtlichen könnten sich die gestiegenen Kosten für mehr Sicherheit anders
als Sponsorenfirmen nicht leisten.
Derzeit gibt es Diskussionen um ein
Fansportfest des Europäischen Fußballverbandes rings ums Tor. Dabei sollte
ähnlich wie bei der Fußball-WM 2006
auf der Reichstagswiese ein kleines Stadion auf dem Pariser Platz aufgebaut werden – doch Mitte äußert gegenüber dem
Senat Bedenken. So gebe es wegen der
Französischen und der US-Botschaft besondere Auflagen; der Pariser Platz
könne bei Panik wirken wie ein Flaschenhals. Auch seit der Love-Parade-Massenpanik in der Enge in Duisburg 2010 ist
laut Hanke mehr Vorsicht zu wahren. Darauf würden auch die Behördenmitarbeiter achten, die im Falle eines Falles zur
Rechenschaft gezogen werden würden.
Höhere Kosten durch überkletterungssichere Zäune im Tiergarten und mehr Sicherheitspersonal an den Einlässen konnten die Veranstalter von „Silvester in Berlin“ stemmen, sagt Sprecherin Anja
Marx. Die Veranstalter des Nisan-Kinderfestes würde dies aber in Probleme bringen, weiß Bezirksbürgermeister Hanke.
Indes erinnern sich auch viele Berliner
mit ungutem Gefühl an das Fifa-Fanfest
zur Fußball-WM 2014 in Brasilien an der
Copacabana. Da verweigerten viele Europäer, sich durch einen engen Zaungang
aufs Gelände zu drängen – und jubelten
lieber von außen mit. Annette Kögel
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Die Auferstehung des Widerständigen
Tempelhof:
Bitte nicht
aussteigen!
Dietrich Bonhoeffer wurde vor 70 Jahren von den Nazis umgebracht.
Heute kann man in Berlin auf den Spuren des Theologen und Freiheitskämpfers wandeln
Von Claudia Keller
D
ietrich Bonhoeffer lernte früh,
mutig zu sein. Seine Mutter
machte es ihm vor, bisweilen auf
unkonventionelle Art. Als Dietrich und seine Geschwister schwimmen
lernten und ein Kind zögerte, ins Wasser
zu springen, sprang sie kurzerhand voran
– in voller Bekleidung und ohne dass sie
selbst schwimmen konnte.
Ralf Herold erzählt die Anekdote. Er ist
Theologe und bietet Stadtrundgänge auf
den Spuren des evangelischen Theologen
und Widerstandskämpfers an. In diesen
Wochen hat er viel zu tun, nicht nur wegen
Ostern. Am 9. April jährt sich Bonhoeffers
Todestag zum 70. Mal. Die Nazis haben
ihn kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Flossenbürg gehängt.
An diesem Tag kurz vor Ostern sitzen
zwei DutzendJugendliche ausdem schwäbischen Heubach vor Herold in den Kirchenbänken in St. Matthäus am Kulturforum. Sie haben im Konfirmandenunterricht und in der Schule von Bonhoeffers
Mut gehört. In Berlin wollen sie ihm näher
kommen. „Mich fasziniert, dass Bonhoeffer die Chance hatte, sein Leben zu retten.
Aber er hat sie nicht genutzt, sondern sich
dafür entschieden, solidarisch mit den anderen zu sein“, sagt Laura Hettler, 15. Sie
hat über Bonhoeffer ein Referat geschrieben, weil er sie so beeindruckt hat.
Ralf Herold zeigt das Foto einer Villa in
Dahlem, Wangenheimstraße 14. Die Bonhoeffers zogen 1915 mit ihren acht Kindern in das weitläufige Haus mit den hohen Giebeln. Vater Karl Bonhoeffer leitete
die Nervenklinik der Charité. Nachbarn
im noblen Grunewald waren Max Planck
und Theodor Heuss, der spätere Bundespräsident. „Im April 1918 brach das Unglück über die Familie herein“, sagt Herold. Dietrichs zweitältester Bruder starb
ander Front. Die Mutter verfiel in eine Depression. Dietrich Bonhoeffer war 12
Jahre alt und grübelte darüber, wo der Bruder jetzt wohl sei und was das „ewige Leben“ bedeute, von dem der Pfarrer erzählte. Er entschied, nach dem Abitur
Theologie zu studieren. „Dass der so früh
wusste, was er wollte – krass“, sagt ein
Junge. „Würde ich
mir
auch
wünschen.“
Armen
Der Vater und die
Brüder versuchten, Kindern
ihm das Theologie- in Prenzlauer
studium
auszureden. Sie gaben nicht Berg lehrte
viel auf die Kirche. er Schach
Dietrich setzte sich
durch. Mit 24 Jahren und Englisch
war er ausgebildeter
Pfarrer und Professor. 1931 wurde er in der Matthäuskirche
ordiniert. Eine Tafel mit Bonhoeffers Kopf
erinnert daran. „Sieht aus wie Ulrich Tukur“, sagt ein Mädchen.
Es stürmt. Die Jugendlichen ziehen die
Reißverschlüsse ihrer Jacken höher. Herold geht in Richtung Sony Center voran.
Unterwegs erzählt er, dass Bonhoeffer ein
Studienjahr in New York verbrachte. Er
war viel in Harlem und freundete sich mit
einem schwarzen Theologen an. Er
konnte sich mit ihm aber auf keine Parkbank setzen. Rassentrennung. Bonhoeffer
war schockiert. Die Erfahrung prägte ihn.
Schon im April 1933 verurteilte er die Judenverfolgung der Nazis deutlich, als erster und fast einziger deutscher Theologe.
Seine Eltern und Lehrer erwarteten,
dass Bonhoeffer an der Uni Karriere machen würde. Doch er kümmerte sich lieber um 40 Konfirmanden in der Zionskir-
Fußabdrücke der Freiheit. Der Theologe
Ralf Herold bietet Stadtführungen auf den
Spuren von Dietrich Bonhoeffer an. Dabei
zeigt er Schülern auch die kürzlich erschienene Sonderbeilage des Tagesspiegels zum
Bombenkrieg auf Berlin. Bonhoeffer wurde
kurz vor Kriegsende vor 70 Jahren im Konzentrationslager Flossenbürg umgebracht.
Fotos: Kai-Uwe Heinrich
che in Prenzlauer Berg, mit denen sonst
keiner klar kam. DieZustände im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg waren katastrophal, ein Drittel der Schulabgänger
konnte aus gesundheitlichen Gründen
nicht arbeiten. Viele der Konfirmanden
hatten nicht mal Schuhe an den Füßen.
„Bonhoeffer hat die Jungen gleich in der
ersten Stunde für sich eingenommen“,
sagt Ralf Herold. Er erzählte ihnen nicht
von der Dreieinigkeit Gottes, sondern von
den Kindern in Harlem. Er fragte sie nach
ihrerMeinung. Das habedie Kinder beeindruckt. Es hatte sich noch nie jemand für
sie interessiert. Bonhoeffer nahm sich ein
Zimmer in der Oderberger Straße 61.
„Die Jungs konnten ihn besuchen, wann
sie wollten“, sagt Herold. Er brachte ihnen
Schach bei und Englisch, lud sie zum Essen ein, spielte mit ihnen Fußball. Frömmigkeit war für ihn kein Selbstzweck, die
Kirche sollte für andere da sein. Für die
Konfirmation kaufte er ihnen Stoff, damit
sie sich Anzüge schneidern lassen konnten. An der Zionskirche erinnet eine Bronzeplastik an Bonhoeffer. Von vorne sieht
sie aus wie ein Kreuz, von der Seite wie
eine zum Gebet knieende Person.
Die Jugendlichen aus Heubach gruppieren sich um Ralf Herold herum. „Bonhoeffer war es egal, was die anderen von ihm
denken“, sagt Nina Zent, 16. Sie fällt auf
unter den Mädchen, die alle lange Haare
haben. Nina Zent hat sich eine Mütze tief
ins Gesicht gezogen. Bis auf eine Locke
verschwinden die Haare drunter. Dass
Bonhoeffer sich so wenig angepasst hat,
„sein Ding durchgezogen hat“, gefällt ihr.
Für Herold ist Bonhoeffer ein Vorbild,
„weil er Christsein mit politischem Handeln verbunden hat“. Was für evangelische Theologen heute selbstverständlich
ist, traute sich vor 1933 kaum einer. Martin Luther hatte von den zwei „Regimentern“ gesprochen, von der weltlichen Obrigkeit und dem Reich Gottes, die es zu
trennen gelte. Bonhoeffer verstand das so,
dass die Kirche auf der Seite der Opfer stehen und den Staat
nach seiner Verantwortung
fragen
Einer
müsse. Wenn alles
Schülerin
nichts helfe, dürfe
nicht nur die Opgefällt, dass sie
fer unter dem Rad
„er sein Ding verbinden, sondern
„dem Rad
durchgezogen müsse
selbst in die Speihat“
chen fallen“. „Er hat
sehr mit sich gerungen, ob er als Christ
Hitlers Ermordung rechtfertigen kann“,
sagt Laura Hettler. Das sei ja eine schwierige Frage. Man dürfe niemanden töten.
1939 kehrte Bonhoeffer von einer zweiten Reise in die USA nach Berlin zurück,
obwohl er dort hätte bleiben können. Er
lehnte den Nationalsozialismus und die
„Deutschen Christen“ ab, die Hitler die
Treue schworen. Aktiv unterstützte er
nach seiner Rückehr den Widerstand.
Ralf Herold erzählt, dass am Rand des
heutigen Sony Centers früher zeitweise
der Volksgerichtshof untergebracht war.
Hier unterschrieb der gefürchtete
NS-Richter Roland Freisler Todesurteile –
auch das für Bonhoeffers Bruder Klaus.
Herold geht mit den Jugendlichen weiter zur „Topographie des Terrors“ in der
Niederkirchnerstraße. 1943 wurde Bonhoeffer verhaftet und in Tegel inhaftiert.
Vorwurf: Wehrkraftzersetzung. Dass er
mit den Verschwörern des 20. Juli zu tun
hatte, merkten die Nazis erst nach dem Attentatsversuch 1944, als sie in Dokumenten zufällig auf seinen Namen stießen. Sie
verlegten ihn ins Gestapo-Gefängnis.
Hier, wo heute graues Geröll die Zellen
markiert, schrieb Bonhoeffer zum Jahreswechsel 1944/45 sein Gedicht „Von guten
Mächten wunderbar geborgen“.
Einige Jungen albern herum. Die Konzentration lässt nach. Herold liest Bonhoeffers Gedicht vor. Es wird still. So viel
Hoffnung spricht aus den Zeilen – obwohl
Bonhoeffer ahnte, dass es nicht gut für ihn
ausgehen würde, sagt Herold. Ob sie etwas mit dem Begriff „Widerstand“ anfangen können?, fragt Herold die Jugendlichen. „Widerstand ist ein großes Wort“,
sagt Nina Zent, aber sie versuche, für
Schwächere einzutreten. „Ichbin oft diejenige, die zu anderen sagt: Hey, das ist nicht
okay, wie ihr miteinander umgeht.“
— Am 9. April um 17.30 Uhr weiht Altbischof Wolfgang Huber eine Gedenktafel in
der Oderberger Str. 61 ein. Um 19 Uhr hält
er einen Vortrag über Bonhoeffer in der Zionskirche, Zionskirchplatz, Prenzlauer
Berg. Von 18 bis 23 Uhr lädt die Matthäuskirche am Kulturforum zur Bonhoeffer-Lesenacht mit Christoph Hein, Sibylle Lewitscharoff und Peter Raue. Empfehlenswert
ist auch die Bonhoeffer-Gedenkstätte in
der Marienburger Allee 43 in Westend.
Hier lebte die Familie ab 1935.
Senat hatte bei Messe
Sonderkündigungsrecht
Der streng geheime Vertrag zwischen
dem Land Berlin, dem Bund und dem Veranstalter der Modemesse „Bread and Butter“ enthielt eine Ausstiegsklausel – aber
die nutzte das Land nicht. Ein entsprechendes „Sonderkündigungsrecht“ war
nach Tagesspiegel-Recherchen in dem
Mietvertrag verankert. Dies bestätigte
die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf Anfrage. Sie hatte im Auftrag des
Bundes, der damals Miteigentümer des
Areals war, den Vertrag mitgestaltet.
Die Ausstiegsklausel hätte „mit Wirkung zum 31. März 2014“ genutzt werden müssen, wobei diese Möglichkeit sowohl dem Vermieter (also dem Land Berlin) als auch dem Mieter (dem „Bread and
Butter“-Veranstalter) zustand. Dabei
knüpft der Vertrag diese Möglichkeit an
die Bedingung, dass „der/die Eigentümer
beabsichtigen, den Gebäudekomplex des
Flughafens Tempelhof an einen Dritten
veräußern“. Eine weitere Ausstiegsklausel betraf die „Flächen des Hangars 7 und
die dahinter auf der Ebene des Rollfelds
gelegenen Nebenflächen“. Würde das
Land dieses Recht allerdings ausüben,
müsste es dafür teuer bezahlen: Denn
dann sei eine Mietminderung „für jede
Mietzeit um EUR 22 pro fortfallendem
Quadratmeter“ vereinbart – das liegt deutlich über dem rechnerischen Quadratmeterpreis (13,50 Euro), den der Mieter an
das Land bezahlt.
Seit der Pleite der „Bread and Butter“
verfügt der Insolvenzverwalter über die
Rechte am großzügig gestrickten Mietvertrag über weite Teile des Airport-Areals,
Die Veranstalter der „Bread and Butter“
hatten früher erklärt, auf die eine oder
andere Weise weiter in der Branche aktiv
Das Prickeln fehlt. Bei der „Bread and Butter“-Messe wurde die Mode gefeiert. Ihre Zukunft ist ungewiss.
Foto: Ole Spata/dpa
sein zu wollen. Demnach wäre sogar der
Abschluss eines Untermietvertrages mit
dem Insolvenzverwalter für eine weitere
Modemesse denkbar. Der nun weiter gültige Mietvertrag blockiert für mehr als
ein Jahrzehnt die freie Verfügung über
das Baudenkmal, weil er es dem Mieter
ermöglicht, zwei Mal jährlich einen Monat lang die Flächen zu nutzen.
Ramona Pop, die Grünen-Fraktionsvorsitzende, erklärte auf Anfrage des Tagesspiegels: „Durch das Versäumnis des Senats, das Sonderkündigungsrecht zu ziehen, gibt es jetzt keine Möglichkeit, das
Gebäude in Tempelhof langfristig zu entwickeln. Es rächt sich nun, dass der Senat
damals keine Idee für Tempelhof hatte
und mit diesem alten Vertrag die Zukunft
blockiert.“ Weder von der Finanzsenatsverwaltung noch vom landeseigenen Berliner Immobilienmanagement (BIM), das
den Vertrag auch abgeschlossen hat, war
eine Stellungnahme dazu zu erhalten.
Ralf Schönball/Frank Bachner
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STADTLEBEN
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
11
So kann’s gehen
Berlin in Schwarz-Weiß
Kombinieren Sie
alt und neu
Beim Go-Turnier in Tiergarten spielt Europas Spitze.
Auch der Kreuzberger Johannes Obenaus ist dabei
Immer wieder sonntags
fragen Sie
Elisabeth Binder
In diesem Frühjahr wird unser Enkel
konfirmiert. Eigentlich hat er alles,
was ein Kind braucht. Nun wünscht er
sich von uns Geld als Beitrag für einen
neuen Computer. Zu einem solchen
Fest wollen wir ihm aber gern etwas
von bleibendem Wert schenken, etwas, an das er sich auch als Erwachsener noch erinnern kann. Haben Sie
eine Idee?
— Sybilla, freigiebig
D
ass sich Kinder Geld für
neue Technik wünschen,
kommt immer häufiger vor.
Ursache dafür ist die rasend
schnelle Entwicklung. Um auf dem
aktuellen Stand zu bleiben, muss
man Computer und Handys eben
öfter mal wechseln. Gerade deshalb
ist Ihr Wunsch verständlich, dem
Kind zu einem solchen erinnerungswürdigen Fest etwas anderes schenken zu wollen als einen Beitrag zu
einem Gerät, das in spätestens drei
Jahren schon wieder als hoffnungslos überholt gilt. Dem Gedanken,
das Kind aktuell zu fördern mit einem Computer, der seine Intelligenz fordert, seine Kompetenz steigert und allgemein hilft mithalten
zu können, steht der verständliche
Wunsch gegenüber, eine zeitlose Erinnerung zu schaffen.
Es gibt Gaben, die diesem
Wunsch gerecht werden. Eine Taschenuhr etwa hält, wie man früher
so schön sagte „das ganze Leben“,
nimmt nicht viel Platz weg und
kommt zwischen all den gerade aktuellen Armbanduhren sicher auch
immer mal wieder zum Einsatz.
Das wäre eine Alternative ebenso
wie ein edler Stift, vielleicht sogar
mit Gravur. Auch ein kunsthandwerklich gestaltetes Objekt mit einem Sinnspruch oder Motto Ihrer
Wahl wäre eine gute Wahl. Da gibt
es gerade in Berlin viele kreative
Angebote, die sie auf einschlägigen
Märkten finden.
Vielleicht bietet sich aber auch
eine Kombination an. Ein Fotoalbum mit schönen Aufnahmen von
gemeinsamen
Unternehmungen
wäre sicher eine Überraschung für
einen Konfirmanden aus der Generation „Digitaler Bilderrahmen“.
Wenn Sie in dem Album noch einen Umschlag mit ihrem Beitrag
zum Computer verstecken, dann
hat der Beschenkte das Beste aus
beiden Welten: den digitalen Neustart und Bilder, die nicht einfach
vom Speichermedium verschwinden. Die werden auch in 50 Jahren
noch eine ganz besondere Ausstrahlung haben.
— Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit
der Post an folgende Adresse: Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“,
10876 Berlin. Oder mailen Sie Ihre
Frage einfach an:
meinefrage@tagesspiegel.de
Gut zu Vögeln. Malte Jensen hat ein Vogelhaus in Berghain-Form gebaut. Nun will er es verkaufen.
Foto: promo
Hier fliegt keiner raus
Malte Jensen wollte ein bisschen Spießigkeit für seinen Neuköllner Balkon:
Heraus kam das „Birdhain“, ein Vogelhaus in Form von Berlins berühmtem Club
Von Robert Klages
Was war nun zuerst da, die Idee oder der
Name? Malte Jensen lacht. Um seine
Wohnung im Schillerkiez in Neukölln
wimmelt es nur so von Spatzen und Meisen. „Da hatte ich Lust, mir ein Vogelhaus
zu bauen“, sagt Malte Jensen. Da der
26-Jährige aber nun mal Designer ist,
durfte es nicht irgendeines sein. Warum
also nicht das Berghain, einen der bekanntesten Clubs der Welt, in Form eines Vogelhauses bauen? Die Vögel sollen ja
schließlich auch mal was erleben.
Was Malte Jensen besonders gefiel an
seiner spontanen Eingebung, war der Gegensatz: „Der unspießigste Ort der Welt“,
wie er das Berghain nennt, dargestellt als
der Inbegriff der Spießigkeit: ein Vogelhäuschen am Balkon. „Dann kam mir der
Name und mir war klar, dass ich es wohl
bauen muss.“ Und das tat er auch: das
„Birdhain“ hängt seit einiger Zeit an Jensens Balkon. Der Kommunikationsdesigner war zwei Jahre lang selbstständig und
arbeitet jetzt als Junior Art Director in einer Werbeagentur. Im weltbekannten
Berliner Nachtclub war er natürlich auch
schon oft: „Das Berghain ist ein besonderer Ort, indem ich besondere Erlebnisse
und Begegnungen hatte“, sagt er. „Eine
Welt für sich, abgeschottet vom Alltag.
So ein Ort inspiriert und bewegt.“
Möbel designt Malte Jensen sonst
nicht. Trotzdem ging er mit viel Ehrgeiz
an die Arbeit, das private Projekt wurde
zu einem langen Lernprozess. Jensen fertigte unter anderem eine Bauzeichnung
aus 16 aneinandergeklebten A3-Blättern
an. Es dauerte drei Monate, bis das „Bird-
Strahlend. Das „Birdhain“ leuchtet zwar
nachts wie das Berghain, Bars und Unisex-Toiletten gibt es aber nicht. Fotos: promo
hain“ fertig war. Immer an den Wochenenden arbeitete Jensen, Stück für Stück
wuchs das Vogelhaus. Am Ende verfügt
sein Werk sogar über eine nächtliche Beleuchtung in Blau und Lila, die ebenfalls
dem Original nachempfunden ist. Mit
den Nachbarn hat er nie Probleme bekommen. „Aber geschaut haben die schon,
was da an meinem Balkon hängt.“
Rein äußerlich hatder 26-Jährige das industrielleDesign des Clubs bestens getroffen. Das ehemalige Heizkraftwerk auf
dem Gelände des alten Ostbahnhofs Am
Wriezener Bahnhof in Friedrichshain
wurde zwischen 1953 und 1954 im Stil
des Sozialistischen Neoklassizismus gebaut und steht als Bestandteil des GebäudeensemblesKarl-Marx-Alleeunter Denkmalschutz. 2004 wurde das Haus entkernt und zum Club umgebaut.
Das „Birdhain“ besteht hauptsächlich
aus Holz: Kiefer, MDF-Platte, Sperrholz.
Es ist mehrfach lackiert – mit Lack auf
Wasserbasis. Mehrere Bars, einen Darkroom und Unisex-Toiletten, wie im Original, bietet das „Birdhain“ nicht. Die Vogelstelle verfügt über eine Kammer hinter
dem „Eingang“, einem Spalt zum Reinfliegen. Platz für ein Nest wäre durchaus,
aber bisher hat dieses Angebot noch kein
Vogel genutzt.
Ein Vogelhaus ohne Vögel? Dass hat
Malte Jensen so sehr genervt, dass er sein
Werk nun auf Ebay versteigert. Am Sonnabend lag das höchste von 51 Geboten
bei 462 Euro. Die Internet-Auktion läuft
noch bis Ostermontag, 21 Uhr.
Mit dem Gewinn will Jensen weitere
Projekte finanzieren. Vielleichtein Watergate für Enten oder den BER-Flughafen
für Ameisen? „Nein, so was nicht“, sagt
Jensen. Den Vögeln an seinem Balkon
möchte er jedenfalls eine Alternative bieten, um die Enttäuschung zu mildern:
Abergegendas„Birdhain“ sehen alle anderen Vogelhäuser leider ziemlich alt aus.
Stein um Stein setzt Johannes Obenaus
auf das Holzbrett vor ihm. „Bedächtig
spielen und geduldig auf eine Chance warten.“ So beschreibt Obenaus seinen Spielstil beim Go, einem vor allem in Japan,
Korea und China beliebten Brettspiel.
Seit elf Jahren spielt der Kreuzberger
schon Go. Inzwischen ist der 23-Jährige
Berliner Meister und belegte 2012 den
zweiten Platz bei der Deutschen Meisterschaft. An diesem Wochenende aber geht
es um viel mehr. Der Mathematikstudent
tritt beim „China Cup“ im Chinesischen
Kulturzentrum in Tiergarten gegen mehr
als 100 Spieler aus verschiedenen Ländern an. Es geht um bis zu 1000 Euro
Preisgeld. „Da spielen einige sehr starke
Koreaner mit“, sagt Obenaus. „Die werden den Sieg wahrscheinlich unter sich
ausmachen.“ Er wäre zufrieden, wenn er
bei der Siegerehrung am Montag einen
Platz unter den zehn Besten erreicht
hätte.
Go kann man nur zu zweit spielen. 19
vertikale und 19 horizontale Linien ergeben 371 Schnittpunkte auf dem Spielbrett. Beide Spieler setzen abwechselnd
einen weißen beziehungsweise schwarzen etwa münzgroßen Stein auf einen der
Schnittpunkte. Dabei kommt es darauf
an, die eigenen Steine so zu platzieren,
dass sie mehr Gebiet auf dem Spielbrett
einschließen als die des Gegners. Wichtig sei eine Mischung aus Aggressivität
und Warten auf den richtigen Moment,
sagt Obenaus, „Man darf keine Angst vor
Kämpfen haben. Aber wer zu aggressiv
spielt, kann schnell alles verlieren.“ Dieses Verständnis des Spiels hat Obenaus
bei seinen zwei Reisen nach Japan gelernt
– und von seinem früheren Lehrer,
Hans-Karl Balduin.
Balduin kümmert sich um die Jugendarbeit im Go-Verband Berlin, der den
„China Cup“ veranstaltet. Im Go gehe es
um ein „sich entwickelndes Gleichgewicht der Kräfte und nicht einen schnellen Alles-oder-Nichts-Sieg“, sagt der
50-Jährige. Vor elf Jahren kam sein heute
bester Schüler Obenaus zum ersten Mal
zu Balduins Unterricht in die Kreuzberger Martha-Gemeinde. Montag, Mittwoch und Freitag lernen dort Kinder,
aber auch Erwachsene das Brettspiel. Ab
und zu unterrichtet hier auch Johannes
Obenaus. Er spielt inzwischen viel besser
als sein Lehrer, aber die beiden arbeiten
nach wie vor zusammen – etwa bei der
Organisation der vielen Spieleabende.
„In Berlin kann man fast jeden Abend irgendwo Go spielen“, sagt Balduin und ist
ziemlich stolz darauf.
Neben Obenaus und Balduin sitzen ein
paar ältere Herren am Tisch und sehen
sich die Übertragung einer Turnierpartie
im Internet an. Gerade messen sich acht
der besten europäischen Amateure mit
vier in China zu Profis ausgebildeten europäischen Go-Spielern im Grand-SlamTurnier, das von der European Go Federation parallel zum „China Cup“ im chinesischen Kulturzentrum ausgerichtet wird.
Churchill habe wie ein Go-Spieler gedacht, sagt einer der Senioren. Die vier
reden über charakterliche Bildung durch
Go und unterschätzte Spielzüge.
Einer von ihnen ist Günter Cießow,
„ein Stück Berliner Go-Historie“ nennt
Balduin ihn. Cießow ist 81 Jahre alt
und hat noch bei Felix Dueball gelernt.
Der Schachspieler
Auf die
gründete in den
Mischung
1920er Jahren die
erste Go-Gruppe in
aus Angriff
Berlin. „Anfangs waund
ren es nur 30 Mitglieder“,
erzählt
Abwarten
Cießow, „aber die
kommt es an Go-Gemeinde
wuchs schnell, auch
weil sie von den Nazis unterstützt wurde. Die wollten die
Kultur ihrer japanischen Bündnispartner
fördern.“ Cießow wurde einer der erfolgreichsten Berliner Go-Spieler, gewann
1960 die Europameisterschaft und ist bis
heute Mitglied im Go-Verband Berlin.
Der Verein hat heute 270 Mitglieder und
vertritt damit mehr als zehn Prozent der
etwa 2200 deutschen Go-Spieler.
Obenaus denkt derweil schon an seine
nächste Partie. „Bei Turnieren stehe ich
schon unter Druck“, sagt er, und an diesem Wochenende geht es für Obenaus
um besonders viel. Er will im Sommer
drei Monate in einer Go-Schule in Peking
lernen. Aber für eine Chance auf ein Stipendium der European Go Federation
muss er gute Turniere spielen. Die erste
Partie gegen Robert Jasiek hat er am Sonnabend zwar verloren. Aber im „China
Cup“ werden bis Montag noch sechs Runden gespielt.
Philip Barnstorf
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Go, Berlin! Johannes Obenaus ist Berliner Meister in dem asiatischen Brettspiel. Mit den
Foto: Sven Darmer/Davids
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BERLIN
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Ankunft im Chaos
Herein
zum
1. Mai!
Um sich anzumelden, müssen Flüchtlinge in Berlin viele Stunden oder gar Tage warten – manchmal in Müll, Schlamm und Rauch
Von Sandra Dassler
Karim L. (Name geändert) ist müde.
Schon am Montag hatte der 30-jährige
Flüchtling aus Syrien acht Stunden in der
Zentralen Aufnahmeeinrichtung des Landes Berlin (ZAA) in der Moabiter Turmstraße gewartet. Dann hieß es, er müsse
am nächsten Tag wiederkommen. Nach
noch einmal sechs Stunden hat er gegen
15 Uhr endlich einen Bescheid, wonach
er sich ins Flüchtlingslager nach Eisenhüttenstadt begeben soll. Die Mitarbeiter
des ZAA, das zum Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) gehört, haben
ihm auch die Bahnverbindungen ausgedruckt, spätestens 21.30 Uhr soll er in
Eisenhüttenstadt sein.
Karim hat keine Ahnung, dass Eisenhüttenstadt gar nicht in Berlin liegt, aber
nach mehreren Wochen Flucht über die
Türkei, Griechenland und Mazedonien,
wo man ihn überfallen hat, ist ihm das
auch egal. Er will nur noch irgendwo ankommen und schlafen. „In der Türkei ist
man freundlicher zu den Flüchtlingen“,
sagt er. „Dass Frauen und Kinder in einem solchen Zelt
wie hier campieren
müssen, habe ich
Kinder
dort nicht erlebt.“
spielen am
Das Zelt steht auf
Brunnen, bis dem Gelände des Lageso. Es wurde ersie verjagt
richtet, als im vergangenen Jahr imwerden
mer mehr Flüchtlinge kamen und die
beiden im Haus eingerichteten Warteräume nicht mehr ausreichten.
An diesem Dienstag vor Ostern sind
etwa 30 Leute im Zelt. Es ist weder dicht,
noch hat es einen Boden. Nicht einmal
ein paar Bretter wurden ausgelegt. Pfützen überall, der gelbe Schlauch, mit dem
offenbar warme Luft in das Zelt geblasen
werden soll, ist zerfetzt, funktionslos. Warum sollte man auch heizen, wenn der
Wind durch die losen Planen pfeift?
Auf einer schmalen Bierbank – andere
Sitzgelegenheiten gibt es hier nicht – hat
sich eine junge Frau mit ihrem etwa einjährigen Kind niedergelassen. Der kleine
Junge ist sichtlich übermüdet, schreit ununterbrochen, vergebens versucht die
junge Frau, ihn in den Schlaf zu wiegen.
Sie kommt aus dem Kosovo, ihr zweitjüngster Sohn spielt in den Regenpausen
mit anderen Kindern an einem Brunnen
vor dem Zelt. Die Vier- und Fünfjährigen, deren Eltern entnervt in der
Schlange stehen, haben sich Papierschiffchen gebastelt und lassen sie schwimmen, bis ein Mann, wahrscheinlich der
Hausmeister, sie verjagt. Die Kinder rennen ins Zelt zurück, wo gerade ein Security-Mann schweigend ein Schild mit
Nummern hochhält. Mehrere Familien
folgen ihm ins Haus.
Die beiden Warteräume dort sind bis
auf den letzten Platz gefüllt. Die Stim-
Radikale Linke will ein
eigenes Haus „erkämpfen“
Angekommen. Ein Flüchtlingsitztin der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in der Turmstraße. Viele mussten im
Zelt vor dem Haus warten.
Foto: Davids
BESCHEIDE FÜR ASYLSUCHENDE
D
Die GEZ verlangt Rundfunkgebühren von Flüchtlingen in der Turnhalle
Irritation und Kopfschütteln
nicht nur bei Flüchtlingen lösten in den vergangenen Wochen Zahlungsaufforderungen
aus, die von der Einzugszentrale für Rundfunkgebühren,
der früheren GEZ, an Asylsuchende verschickt wurden –
auch, wenn sie in Turnhallen
untergebracht sind.
Die Rundfunkgebührenzentrale
weist die Kritik zurück. Alle Neu-
ankömmlinge in der Bundesrepublik erhielten die Aufforderung, sobald sie mit einer
Wohnadresse bei den Behörden gemeldet seien. „Für den
Beitragsservice, der im Auftrag
der Rundfunkanstalten den
Rundfunkbeitrag erhebt, ist es
allein von den Meldedaten her
nicht möglich zu erkennen, wo
die gemeldete Person lebt“,
heißt es in einer Mitteilung des
mung ist gereizt. Ein Mann zeigt sein Attest, auf dem ihm ein Arzt eine schwere
Lungenkrankheit bescheinigt hat. Er sei
schon seit morgens um acht hier, erzählt
er. Andere waren wie Karim L. sogar am
Vortag schon da. „Uns Männern macht es
ja nichts aus“, sagt einer. „Aber die
schwangeren Frauen und Kinder könnten
sie doch anders behandeln.“ Schwangere
dürften immer als Erste in die Räume, entgegnet ein Sicherheitsmann, der eigentlich nichts sagen darf. „Aber was sollen
wir machen? Es sind einfach zu viele.“
Beitragsservice, wie die GEZ
seit der Umstellung der Gebühr
auf eine Haushaltsabgabe offiziell heißt. Grundsätzlich seien
aber Asylbewerber von der Abgabe ausgenommen. Man
habe deshalb die Städte und
Kommunen schon vor längerer
Zeit gebeten, mitzuteilen, bei
welchen Adressen es sich um
Asylbewerberunterkünfte handele. Diese würden dann nicht
Das sagt auch ein Sprecher des Lageso.
„Was nutzt es, wenn man die Zahl der
Bearbeiter verdoppelt, sich aber die Zahl
der Asylbewerber vervierfacht?“ Im September vergangenen Jahres zog Sozialsenator Mario Czaja (CDU) die Notbremse
und schloss die ZAA für einige Tage. In
diesem Monat kamen 1334 Menschen,
im Dezember 2015 sogar 2234. Im Januar dieses Jahres waren es 1540, im Februar 1948 und bis 29. März bereits wieder 1543. Die meisten kamen aus Mazedonien, dem Kosovo und aus Syrien.
mehr angeschrieben. Für Berlin
bedeutet dies, dass das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) der Rundfunkgebührenzentrale eine entsprechende Meldung zukommen
lassen müsste. In der zuständigen Sozialverwaltung sei das
Problem bekannt, sagte Sprecherin Tabea Wilke: „Wir arbeiten derzeit an einer raschen Lösung.“
das
Die Mitarbeiter würden seit Monaten
Überstunden schieben, sagt der Sprecher. Wichtig sei, dass alle Antragsteller
am Abend eine Unterkunft hätten – auch
wenn sie manchmal am nächsten Tag wieder kommen müssten. Aber selbst der
Bürgermeister des Bezirks Mitte, Christian Hanke (SPD), mag sich mit dem Verweis auf steigende Flüchtlingszahlen
nicht mehr zufrieden geben. „Das sind
chaotische Zustände“, sagte er dem Tagesspiegel. „Ich weiß, dass die Mitarbeiter viel leisten, aber manche Überlastun-
gen könnten durch bessere Organisation
vermieden werden. Würde man beispielsweise wie in anderen Bundesländern
eine Versicherten-Chipkarte einführen,
müssten sich die Flüchtlinge nicht wegen
jedes einzelnen Krankenscheins wieder
in die Schlangen vorm Lageso einreihen.“
Der Berliner Flüchtlingsrat hat die Zustände mehrfach als menschenunwürdig
kritisiert. In der vergangenen Woche
schrieb die Koordinations- und Beratungsstelle gegen Menschenhandel Ban
Ying e. V. einen offenen Brief an Lageso-Chef Franz Allert und Sozialsenator
Mario Czaja. Darin werden die Zustände
in der ZAA und besonders im Zelt angeprangert. „Es gibt dort kein Rauchverbotsschild und es wird auch nur äußerst nachlässig kontrolliert, ob dort geraucht
wird“, heißt es darin. „So stehen Schwangere, Kranke und Eltern mit Kindern im
Müll, Schlamm und Rauch und das nicht
für ein oder zwei Stunden, sondern bis zu
mehreren Tagen ... Dies sind unhaltbare
Zustände und nur möglich, weil es sich
um Geflüchtete handelt, die häufig nicht
über ihre rechtlichen Möglichkeiten informiert wurden.“
Beim Lageso und auch in der Berliner
Sozialverwaltung weist man diesen Vorwurf zurück. Man tue alles, um bessere
Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen,
heißt es. Das Zelt sei im Übrigen schon
am Dienstagabend abgebaut worden – angeblich wegen des Sturms. „Es wird ein
neues, besseres Zelt geben“, sagt die Sprecherin Tabea Wilke. „Es soll einen Boden
haben und doppelte Wände.“
Karim L. bewohnt inzwischen mit drei
anderen Syrern ein Zimmer in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber des
Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt. Viele hier wollten unbedingt weiter nach Berlin, erzählt er. „Die haben
keine Ahnung, was sie dort erwartet.“
Hausbesetzung statt Steinhagel? Die linksextremistische Szene plant offenbar einen
Kurswechsel.
Der
1.
Mai
2015 könnte mit der Besetzung eines
leer stehenden Hauses seinen Höhepunkt finden. „Die Erkämpfung eines sozialen Zentrums“ steht in diesem Jahr im
Mittelpunkt der Demo-Mobilisierung. In
einem im Internet veröffentlichten Aufruf heißt es, dass zum „Aufbau von Gegenmacht“ ein selbstverwalteter Ort benötigt wird. „Es gibt genügend Häuser,
die nur zur Spekulation leerstehen. Die
revolutionäre 1.Mai-Demonstration ist
für uns der passende Anlass, um . . . unsere Forderungen in die Tat umzusetzen“, heißt es in einem Pamphlet der „Radikalen Linken“.
Die zentrale „18-Uhr-Demo“ soll in
diesem Jahr am Spreewaldplatz beginnen
und „durch Kreuzberg und Neukölln“ führen, Details werden noch nicht genannt.
Am Vorabend will die linke Szene die
Walpurgisnacht wieder mit einer Demo
im Wedding feiern, Start soll am Leopoldplatz sein. Bislang fehlt eine Mobilisierung zu der traditionell nicht bei der Polizei angemeldeten „17-Uhr-Demo“ am
Mariannenplatz.
Das Landeskriminalamt (LKA) bestätigte einen Bericht auf einer linken Internetseite, dass gegen mindestens vier Teilnehmer der letzten 17-Uhr-Demo wegen
Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt wird. Die Ermittlungen
seien überwiegend bereits an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Verblüfft zeigt
sich die linke Szene, dass „keiner der betroffenen Personen am 1. Mai kontrolliert oder festgenommen worden“ sei.
Die Polizei bestätigte, dass man die Tatverdächtigen durch die Auswertung von
Polizeivideos und „allgemein zugänglichen“ Filmen (zum Beispiel bei Youtube)
ermittelt habe. Letzteres dürfte die szeneinterne Diskussion über das „Abfilmen“ von Demos befeuern.
Seit den massiven Krawallen 2009 ist
der 1. Mai in Berlin weitgehend befriedet
worden, derzeit gibt es keine Hinweise
darauf, dass sich dies 2015 ändern
könnte. Zustände wie in Frankfurt am
Main zur Eröffnung der EZB-Zentrale
vor zwei Wochen sind nicht zu erwarten.
SPD-Innenexperte
Tom
Schreiber,
warnte jedoch davor, die Szene zu unterschätzen. Neben den beiden Themen
Gentrifizierung und Flüchtlinge gebe es
mit dem G-7-Gipfel im Juni in Bayern genug Potential um Stimmung zu erzeugen,
sagte Schreiber.
Jörn Hasselmann
E NACHRICHTEN F
1500 Menschen demonstrieren
beim Ostermarsch für den Frieden
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Foto: © Yuri Arcurs / rsplus.net
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Die Polizei hat in der Nacht zu Sonnabend auf den Autobahnen 28 Raser gestoppt. Ein 36-Jähriger überschritt das Limit von 80 km/h auf der A113 nicht nur
um 56 km/h, sondern beförderte seine
vier Kinder ohne jede Sicherung. Kurz darauf befuhr ein 24-Jähriger die A100 mit
Tempo 170 – erlaubt sind 80. Das kostet
ihn 1360 Euro, zwei Punkte in Flensburg
und drei Monate Fahrverbot.
Ha
Am 3. Todestag von Burak Bektas findet
am Ostersonntag um 14 Uhr eine Kundgebung am damaligen Tatort, der Rudower
Straße in Neukölln statt. Sie steht unter
dem Motto „Die Angst bleibt. Findet den
Mörder.“ Am 5. April 2012 war der damals 22-Jährige nachts von einem Unbekannten erschossen worden. Seither wurden von Ausländerinitiativen „gzielte Ermittlungen in Richtung eines rassistischen Mordanschlags“ gefordert.
Ha
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Mahnwache zum Gedenken an den
ermordeten Burak Bektas
Demnächst mit KreißsaalHotel!
Jens Greil, Leiter Kinder- und
Jugendgesundheitsdienst,
Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
„Die Waffen nieder!“ Mit diesem Slogan
der ersten Friedensnobelpreisträgerin
Bertha von Suttner sind am Sonnabend
beim Ostermarsch in Berlin rund 1500
Menschen auf die Straße gegangen. Die
Friedensdemonstranten liefen durch
Mitte und protestierten „gegen Krieg und
Atomwaffen“, Rüstungsexporte sowie
den Gewaltausbruch in der Ost-Ukraine.
Zum Abschluss forderten Redner vor allem einen friedlichen Dialog mit Russland in der Ukraine-Krise. Die neue Magazin-Beilage im heutigen Tagesspiegel
„CAUSA“ beschäftigt sich ausführlich mit
der Idee der Ostermärsche.
CS
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F
BRANDENBURG
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
13
Drei Kinder an Krebs erkrankt
Ist es ein Zufall oder ein Umweltskandal? Bei Viertklässlern in Forst wurden Tumore festgestellt. Der Standort ihrer Grundschule gilt als schadstoffbelastet.
Die Brandenburger Behörden haben nun Untersuchungen zu einer alten DDR-Fabrik veranlasst. Sie sehen aber vorerst keinen Grund, den Unterricht zu verlagern
Von Sandra Dassler
Forst - „Mindestens elf Kinder werden
nach den Ferien nicht in die Schule zurückkehren“, sagt Bernd Schneider. „Ihre
Eltern haben genau wie ich große Angst,
dass die Schule kontaminiert ist.“ Bernd
Schneiders Tochter besucht die erste
Klasse der Grundschule Nordstadt in der
Grenzstadt Forst im Spree-Neiße-Kreis.
Sie ist eine von rund 300 Schülern: Drei
von ihnen, alle aus der Klassenstufe 4,
sind in den vergangenen Monaten an
Krebs erkrankt.
„Wir finden es unverantwortlich, dass
der Unterricht weitergehen soll, bevor
nicht geklärt ist, ob die Krankheiten in Zusammenhang mit der Verseuchungdes Bodens am Standort der Schule steht“, meint
Schneider. „Wir handeln nicht unverantwortlich“ sagte der stellvertretende Forster Bürgermeister Sven Zuber (CDU) am
Samstag dem Tagesspiegel. „Wir haben
Ende Februar von den drei Krebsfällen erfahren und sofort die zuständigen Behörden informiert. In Abstimmung mit
Schul- und Gesundheitsamt des Landkreises wurden Raumluftuntersuchungen an-
geordnet, zudem wurden die Schadstoffbelastungen überprüft.“
Denn der Standort, das weiß man in
Forst, ist tatsächlich seit vielen Jahren belastet. Die DDR-Firma „Lausitzer Textilreinigung Forst“ hatte Schadstoffe hinterlassen, die schon 2003 zur Sperrung mehrerer Spielplätze in der Neißestadt führten. Damals hatten sich unterirdische Bodengifte ausgebreitet, wahrscheinlich
durch leicht flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) hervorgerufen, die
von der Reinigungsfirma jahrzehntelang
als Lösungsmittel genutzt wurden.
den, die Schule vorerst nicht zu schließen. „Wir gehen davon aus, dass es sich
um eine unglückliche Häufung der Krankheitsfälle handelt.“ Dass alle Kinder am
gleichen Krebs erkrankt sind, wollte Zuber nicht bestätigen.
Für Bernd Schneider ist das kein Argument – im Gegenteil. Er habe selbst von
2005 bis 2009 an der Schule als Hausmeister gearbeitet, sagt er. Weil er bei
den zuständigen Behörden immer wieder
großflächigen Schimmelbefall angemahnt habe, sei eine Be- und Entlüftungsanlage gebaut worden, vielleicht habe die
Der Landkreis habe sich damals um die
Beseitigung der Umweltschäden gekümmert, soweit das möglich war, sagt
Vize-Bürgermeister Zuber: „Außerdem
gibt es seither ein ständiges Monitoring,
und wir haben gemeinsam mit dem Umweltamt sofort geprüft, ob Grenzwerte
überschritten wurden. Das war nicht der
Fall.“ Im Übrigen sei die Schule erst vor
zehn Jahren grundlegend saniert worden.
Dennoch hätten sich in der Woche vor
den Osterferien alle zuständigen Behörden und Experten an einen Tisch gesetzt
und nach eingehender Beratung entschie-
das Gift quasi in die Schule gesaugt, befüchtet er.
Für den stellvertretenden Bürgermeister sind das alles reine Spekulationen. „Es
gibt bislang keinerlei Hinweise auf irgendwelche Schadstoffe in der Schule“, sagt
er. „Wenn die Messungen etwas anderes
ergeben, würden wir natürlich sofort handeln“. Darüber seien alle Eltern am 26.
März in einem Brief informiert worden.
Sobald die Ergebnisse der Luftuntersuchung vorliegen, werde es eine Informationsveranstaltung mit verschiedenen Experten geben, kündigt er an.
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Unser Haus trauert um
Wir trauern um
Walter Skarupke
* 19. März 1928
Wir haben unseren lieben Freund
Er war für uns von prägender Bedeutung, einmalig in seiner
Art, bescheiden, anständig, großzügig, humorvoll und
mit einem großen Herz für Kinder. Ihm verdanken wir
eine wunderbare Hausgemeinschaft, gute Nachbarschaft in
familienfreundlicher Umgebung, viele schöne gemeinsame
Erlebnisse und wertvolle Erinnerungen.
Seiner lieben Frau und allen Angehörigen
gilt unser tiefes Mitgefühl.
Achim Kunick
verloren
* 25. 3. 1956
Renate Tetzlaff
† 22. März 2015
† 13. 3. 2015
Ihre unvergleichliche Art,
Kinder für Basketball zu
begeistern und Ihr
grenzenloses Engagement
für Sport und Verein bleiben
uns unvergesslich.
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waren Ihr Leben.
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mit Jonas, Norbert Höster und Karin Buchholz, Lieselotte Hoops, Evelyn
Einholz und Prof. Dr. Sibylle Einholz, Doreen und Richard Elfers,
Sandra Jahncke und Christian Seydel mit Jonah und Lino, Cirstin und
Benno Kraehahn mit Levi und Matti, Ingrid und Uwe Lang mit Hanna
und Isabella, Sabine Puchstein mit Jan, Andrea und Wilfred van der
Bel mit Anna, Andrea und Frank von Glahn mit Laurenz und Helena
Ruth & Thomas Anders, Daniela & Thomas Britze mit Alexandra und Leo,
Klaus Britze, Martin Britze, Ulrich Britze, Phillipp Fischer, Peter Gärtner, Burkhard
Gehloff, Winfried Gerstel, Sebastian Grajek, Gerwin Hanel, Michael Hess,
Kathrin & Ralf Himmelmann, Ernst Hüttner, Annemarie & Dieter Lust, Andreas
Kahl, Johannes Kahl, Ingo Kern, Brigitte & Jochen Leisegang, Christel & Uli
Leisegang, Waldemar Lüdtke, Eckart Magnus, Gerd Nieß, Helmut Quack, Hanna &
Hans Schüller, Helmut Sperl, Dieter Stoffer, Manfred Terhedebrügge, Helga & Jörg
Thiedmann, Jürgen Thron, Thomas Weinke, Thomas Wichmann, Peter Zäpernick.
Wir vermissen Dich.
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Zehlendorf
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Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Mittwoch,
den 8. April 2015, um 11.00 Uhr auf dem Friedhof Zehlendorf,
Onkel-Tom-Straße 30, 14169 Berlin, statt.
Es ist was es ist, sagt die Liebe ...
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geb. Thomae
Christa und Peter,
Marcus, Verena und Julia,
Oliver, Clarissa, Paula und Nikolas Bartelt
Johanna Berger
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Du fehlst – nun 10 Jahre
* 9.4.1944
† 4.4.2005
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Deine Familie, Deine Freunde
* 10. 10. 43
† 12. 3. 15
Renate Tetzlaff
geb. Krziza
* 25. 8. 1940
† 28. 3. 2015
Sie hat ihren Frieden gefunden.
Die feierliche Urnenbeisetzung findet am Donnerstag, den
23. April 2015, um 14.00 Uhr auf dem Ev. Südwestkirchhof
Stahnsdorf Bahnhofstraße 2, 14532 Stahnsdorf, statt.
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Mit dem Tod eines geschätzten Menschen verliert man vieles,
niemals aber die gemeinsam verbrachte Zeit.
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Ein großer Kreis
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Die Trauerfeier findet am 10. April 2015 um 11.30 Uhr
in der Kapelle des Waldfriedhofs Dahlem,
Hüttenweg 47 in 14195 Berlin, statt.
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Wie uns ihr Kampf bewegte, so berührt uns jetzt ihr früher Tod.
Für das Kuratorium und den Vorstand
der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt
Jutta Schneider und Frank Steger
Eckard Tetzlaff
COGNOSCERE
Marc und Astrid Hanebutt
mit Katharina
Emmelys großes Kämpferherz und ihre Beharrlichkeit haben die
Rechtsprechung in diesem Land für die abhängig Beschäftigten
verändert. Das wird auf immer ihr Verdienst bleiben.
Die feierliche Urnenbeisetzung findet am Mittwoch, dem
8. April 2015, um 14.00 Uhr auf dem St.-Annen-Kirchhof,
Dahlem, Königin-Luise-Straße 55, statt.
In stillem Gedenken
Boris und Stefanie Tetzlaff
mit Erik, Alia und Marla
RERUM
Margot Hanebutt, geb. Daut
Barbara Emme, genannt Emmely, war Kassiererin in einem
Supermarkt. Sie trat für die Interessen ihrer Kolleginnen und
Kollegen ein und führte im Streik die Liste ihrer Gewerkschaft.
Der Arbeitgeber kündigte ihr wegen eines Bagatellverdachts.
Mit Energie und Standhaftigkeit kämpfte sie für ihre Rechte. Sie
bewies Solidarität und wurde von einer breiten Öffentlichkeit
solidarisch unterstützt. 2010 erreichte sie ein Grundsatzurteil
des Bundesarbeitsgerichts und kehrte an ihren Arbeitsplatz
zurück. Die Beschäftigten wählten sie in den Betriebsrat.
geb. Jänicke
Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig
Erzählt lieber von mir und traut euch zu lachen.
Lasst mir einen Platz in eurer Mitte,
so wie ich ihn im Leben hatte.
von Verwandten und Bekannten
innerhalb und außerhalb Berlins
nimmt Anteil an Familienereignissen, wenn er durch eine Anzeige
im Tagesspiegel informiert wird.
21. 3. 2015
4. Mai 1958 – 16. März 2015
Elisabeth Kaiser, geb. Jänicke
Dr. Martin Jänicke
Friedrich Jänicke
Maria Jänicke
ist von uns gegangen.
Wir werden Dich nie vergessen!
nehmen wir in aller Stille am
13. April 2015 um
10.00 Uhr Abschied auf dem
neuen Teil des städtischen
Friedhofs Baumschulenweg,
Kiefholzstraße 221 – 228,
12437 Berlin-Treptow.
14. 10. 1930
Barbara Emme
29.2.1944 – 22. 3. 2015
† März 2015
Dipl.-Ing. Architekt
Daniel und Jane Hanebutt
mit Mila und Thea
Wir trauern um unsere Schwester
* Mai 1950
Karl-Heinz Hanebutt
Wir trauern um das Mitglied unseres Kuratoriums
Unsere geliebte Schwester
Schwägerin, Tante und Großtante
Ernst-Otto
Winkelmann
Er wäre so gern geblieben, doch seine
Kraft ging zu Ende.
In tiefer Trauer und Dankbarkeit
verabschieden wir uns von
Wir trauern um
Frau
Marion Schallwig
* 16. Februar 1954
23. März 2015
Tief betroffen haben wir vom Tod unserer langjährigen Kollegin
erfahren. Marion Schallwig war seit 2007 als Bausachbearbeiterin
in der Bauabteilung der Technischen Universität Berlin tätig.
Ihre hohe menschliche und fachliche Kompetenz, ihr überdurchschnittliches Pflichtbewusstsein in allen Belangen sowie ihr
ausgeglichenes und freundliches Wesen waren beispielhaft.
In Hochachtung und Dankbarkeit sehen wir ihren viel zu frühen
Tod als unbeschreiblichen Verlust.
Es bleiben dankbare Erinnerungen an eine geschätzte,
liebenswerte Kollegin, die durch ihre Persönlichkeit und
Ihr Engagement äußerst beliebt und geachtet war.
Ihrer Familie gilt unser aufrichtiges Mitgefühl.
Die Technische Universität Berlin wird ihr stets
ein ehrendes Andenken bewahren.
Technische Universität Berlin
Der Präsident
Prof. Dr. Christian Thomsen
Die Kanzlerin
Prof. Dr. Ulrike Gutheil
Der Personalrat
Kfz-Sachverständiger
* 25. 5. 1946
† 28. 3. 2015
Den Kampf gegen den Krebs hat er verloren, aber in unseren
Herzen lebt er weiter.
Wir sind unendlich traurig
Renate Etterer
Daniela
Andreas
Die Trauerfeier mit späterer Überführung ins Krematorium findet statt
am Dienstag, dem 7. April 2015, um 13.00 Uhr auf dem Parkfriedhof
Lichterfelde, Thuner Platz 2 – 4 in 12205 Berlin.
Anstelle von zugedachten Blumen bitten wir um eine Spende für den
Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V.
IBAN: DE43 3702 0500 0008 3400 00, BIC: BFSWDE33XXX, Verwendung:
Spende Hans Etterer. Eine Spendenbox steht auch bei der Trauerfeier bereit.
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Gerne besuchen wir Sie auch zu Hause.
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Eine Berliner Pflanze ist erlöst worden.
Susanne Matthess
geb. Simon
*28.10.1923 +30.3.2015
Sie ist friedlich in ihrem Zuhause eingeschlafen.
In stiller Trauer
Andrea
Isabelle und Oliver
Klaus und Familie
Jutta und Familie
Vielen herzlichen Dank an ihre langjährigen Begleiter: Herrn Martin,
Herrn Vollperg, Frau Sobota, Anna und das Pflegeteam Freund.
Die Beisetzung findet am Donnerstag, dem 9. April 2015, um 11.00 Uhr
auf dem Waldfriedhof Zehlendorf, Potsdamer Chaussee 75 / Eingang
Wasgensteig 30, 14129 Berlin, statt.
Nach langer schwerer Krankheit hat der Herr meinen
geliebten Ehemann, unseren Vater, Schwiegervater,
Opa und Bruder erlöst.
Er ertrug sein Leid mit großer Geduld und Stärke.
Dr. Reinhard Schubart
* 21. 6. 1940
† 1. 3. 2015
In tiefer Trauer und im Namen aller Angehörigen:
Hanni Schubart, geb. Johansen
Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt.
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Mitglieder der Bestatter-Innung
14
TAGESTIPPS
DER TAGESSPIEGEL
Foto: Frank Sorge
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Foto: Promo
Foto: Promo
Foto: Promo
SAISONERÖFFNUNG
FAMILIENAUSFLUG
MITTELALTERFEST
GOTH-OPER
25 Jahre Deutsch-Deutscher Renntag
Hoppegarten erinnert an den ersten gemeinsamen Wettkampf von
Jockeys aus Ost und West nach dem Mauerfall. Heute erfreut sich
die denkmalgeschützte Anlage eines breiten Publikums. Kleine Fans
können sich auf die Ostereiersuche im riesigen Strohhaufen freuen.
Ostereierausstellung und Ostermarkt
Fans filigran gestalteter Ostereier haben im Museumsdorf Düppel die
Möglichkeit diese auch zu erwerben, während der Nachwuchs selbst
zum Pinsel greifen darf. Die Skuddenlämmer und Weideschweine haben nichts zu lachen. In Würstchenform landen sie auf dem Grill.
Oster-Ritter-Spectaculum mit historischem Markt
Serien wie „Game of Thrones“ haben das Interesse am Mittelalter
neu entflammt. Ritterturniere und Fechtkämpfe kann man nebst
Gauklern und Artisten aber auch live erleben. Junge Knappen und
Hofdamen dürfen sich im Bogen- und Armbrustschießen üben.
Miscontinuum
Vier Jahre hat Jan St. Werner an seinem Werk „Miscontinuum“ gearbeitet. Eine Bühneninszenierung, der er selbst den Genrebegriff
„Goth-Oper“ gegeben hat – eher als ein Orientierungspunkt für eine
fast schon körperlose, elektronisch vibrierende Musik.
5.4., 14 Uhr, 10 Euro, Rennbahn Hoppegarten Goetheallee 1
5./6.4. 10-17 Uhr, 5/2,50 €, Museumsdorf Düppel Clauertstr. 11
5./6.4., 10-20 Uhr, 11/9/5 Euro, Zitadelle Am Juliusturm 64
5.4., 20 Uhr, 22/18 Euro, Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte
TERMINE
D
THEATER
Berliner Ensemble, Mitte, Bertolt-BrechtPl. 1, 콯 284 08-155, Warten auf Godot,
von Samuel Beckett, Regie: George Tabori,
Probebühne, 19.30 Uhr
Berliner Kriminal Theater, Friedrichshain,
Palisadenstr. 48, 콯 47 99 74 88, Arsen und
Spitzenhäubchen, von Joseph Kesselring,
Regie: Wolfgang Rumpf, 16, 20 Uhr
Deutsches Theater, Mitte, Schumannstr. 13a, 콯 28 44 12 25, Herbstsonate,
nach Ingmar Bergman, Regie: Jan Bosse,
19.30 Uhr
Deutsches Theater Kammerspiele, Mitte,
Schumannstr. 13a, 콯 28 44 12 25,
Tschick, von Wolfgang Herrndorf, Regie:
Alexander Riemenschneider, 15 Uhr
Neue Stücke: Autorentheater Werkstatt,
„Als das Meer einer Einladung nachzukommen durchaus imstande war“ von Stefan
Wipplinger / „Synchronitäten“ von Fanny
Sorgo, Box, 19 Uhr
Eden, Pankow, Breite Str. 43,
콯35 12 03 12, Lust auf Neues 3: Geschichten, von Maria Husmann, Ltg.: Scott Curry
(Piano), SängerInnen der Masterclass für
Neue Musik, Regie: Maria Husmann, Musiktheater, 19.30 Uhr
Grips Hansaplatz, Tiergarten, Altonaer Str.
22, 콯 39 74 74 77, Linie 1, von Volker Ludwig, Regie: Wolfgang Kolneder, 19.30 Uhr
Kleines Theater, Friedenau, Südwestkorso 64, 콯 821 20 21, Alte Liebe, nach
Elke Heidenreich und Bernd Schröder,
Regie: Karin Bares, 18 Uhr
Komödie am Ku’damm, Charlottenburg,
Kurfürstendamm 206, 콯 88 59 11 88,
Der Kredit, von Jordi Galceran, Regie: Martin
Woelffer, 18 Uhr
Maxim Gorki Theater, Mitte, Am Festungsgraben 2, 콯 20 22 11 15, Es schneit im
April - Eine Passion und ein Osterfest: Passion und Auferstehung, Lecture Performance,
16 Uhr / Die Kinder vom Musa Dagh Lecture Performance, 18 Uhr / Na Mi Naz
Ouni - Konzert, Studio, 22 Uhr
Es schneit im April - Eine Passion und ein
Osterfest: Auction of souls, Performance,
19 Uhr (Lesung, Gespräch u. a., ab 16 Uhr)
Naturpark Schöneberger Südgelände, Friedenau, Prellerweg 47-49, 콯 12 09 17 85,
Fräulein Brehms Tierleben: Canis lupus - Der
Wolf, von Barbara Geiger, Lokhalle, 15 Uhr
Fräulein Brehms Tierleben: Hymenoptera Die wilden Bienen, Regie: Barbara Geiger,
Lokhalle, 17 Uhr
Prime Time Theater, Wedding, Müllerstr.
163, 콯 49 90 79 58, Gutes Wedding,
schlechtes Wedding, von Constanze Behrends, Sitcom - Folge 97: Sex and the
Wedding, 20.15 Uhr
Schaubühne, Wilmersdorf, Kurfürstendamm
153, 콯 89 00 23, Der geteilte Himmel, von
Christa Wolf, Regie: Armin Petras, Saal B,
20 Uhr
Schlosspark Theater, Steglitz, Schlossstr. 48, 콯 789 56 67-100, Geliebter Lügner,
von Jerome Kilty , Regie: Philip Tiedemann,
20 Uhr
D
SHOW
Admiralspalast, Mitte, Friedrichstr. 101-102,
콯47 99 74 99, Caveman - Du sammeln,
ich jagen!, von Rob Becker, Regie: Esther
Schweins, Comedy, Studio, 19 Uhr
Bar jeder Vernunft, Wilmersdorf, Schaperstr. 24, 콯 883 15 82, Zwei auf einer Bank,
Katharina Thalbach, Andreja Schneider,
Regie: Wenka von Mikulicz, Musical-Comedy,
19 Uhr
Bluemax Theater, Tiergarten, MarleneDietrich-Pl. 4, 콯 01805/44 44, Blue Man
Group - The Show, Regie: Caryl Glaab,
18, 21 Uhr
Chamäleon, Mitte, Rosenthaler Str. 40-41,
콯400 05 90, Dummy lab, Regie: Eike von
Stuckenbrok, Markus Pabst, 18 Uhr
Comedy Club Kookaburra, Mitte,
Schönhauser Allee 184, 콯 48 62 31 86,
Humor Erectus - Open Stage, 19 Uhr
Distel, Mitte, Friedrichstr. 101,
콯204 47 04, Mensch Merkel!, 20 Uhr
Friedrichstadt-Palast, Mitte, Friedrichstr. 107, 콯 23 26 23 26, The Wyld,
19.30 Uhr
Kabarett Charly M., Friedrichshain,
Karl-Marx-Allee 133, 콯 42 02 04 34,
In der Nacht lacht der Mensch nicht gern
alleine..., 19 Uhr
Neuköllner Oper, Neukölln, Karl-MarxStr. 131-133, 콯 68 89 07 77, Grimm,
von Thomas Zaufke, Peter Lund, Ltg.:
Hans-Peter Kirchberg / Tobias Bartholmeß,
Regie: Peter Lund, Musical, 18 Uhr
Quatsch Comedy Club, Mitte, Friedrichstr. 107, 콯 01806/999 000 969,
Die Live Show, mit Abdelkarim, Martin
Sierp, Anne Kraft, Fred Timm, Mod.: Ole
Lehmann, 19 Uhr
Renaissance-Theater, Charlottenburg,
Hardenbergstr. 6, 콯 312 42 02, Hello, I’m
Johnny Cash, von Volker Kühn, Ltg.: Harry
Ermer, 18 Uhr
Scheinbar, Schöneberg, Monumentenstr. 9,
콯784 55 39, The Big Happy Oster-Show!,
Cloozy (Mod.), 20 Uhr
Theater am Potsdamer Platz, Tiergarten,
Marlene-Dietrich-Pl. 1, 콯01805/44 44,
Hinterm Horizont, von Thomas Brussig,
Regie: Ulrich Waller, 14.30, 19 Uhr
Theater des Westens, Charlottenburg,
Kantstr. 12, 콯 01805/44 44, Ich war noch
niemals in New York, 14.30, 19.30 Uhr
Wintergarten, Tiergarten, Potsdamer Str. 96,
콯588 433, Breakin’ Mozart, von Christoph
Hagel, DDC Company & Base Berlin, 18 Uhr
Wühlmäuse, Charlottenburg, Pommernallee 2-4, 콯 30 67 30 11, Schinkenrasselbumm, Robert Louis Griesbach, 20 Uhr
Zebrano-Theater, Friedrichshain, Sonntagstr. 8, 콯 29 04 94 11, Club Genie und
Wahnsinn, Sebastian Krämer & Gäste,
Mixed Show, 19.30 Uhr
Zimmertheater Steglitz, Steglitz, Bornstr. 17, 콯 25 05 80 78, Kleinkunst-Cocktail,
Günter Rüdiger, Max Biundo, 19 Uhr
KLASSIK
D
Berliner Dom, Mitte, Am Lustgarten,
콯834 18 76, Osterkonzert: Collegium
Vocale, Berlin Sinfonietta, Ltg. Stefan Rauh;
Stephanie Petitlaurent, Katharina Woesner,
Franziska Markowitsch, Stephan Hinssen,
Jonathan de la Paz Zaens, W.A. Mozart:
Krönungsmesse; G.F. Händel: Dixit Dominus,
20 Uhr
Blackmore’s Musikfabrik, Schmargendorf,
Warmbrunner Str. 52, 콯 201 69 60 06,
Arthur Rusanovsky (Violine), Dina Bolshakova
(Cello), Ksenia Fedoruk (Klavier), Franck:
Violin Sonata; Brahms: Scherzo, Piano Trio
Nr.1 H-Dur, 17 Uhr
Ostersonntag, den 5. April 2015
Carillon, Tiergarten, John-Foster-DullesAllee 10, Jeffrey Bossin (Carillon), Osterchoräle, Frühlingslieder von Duke, Ferrao,
Grieg, Jurmann, Mendelssohn, Mozart,
Schubert, Musik von Mascagni; anschl.
Turmführung möglich, 15 Uhr
Clärchens Ballhaus, Mitte, Auguststr. 24,
콯282 92 95, Stephan Picard und Freunde,
19 Uhr
Deutsche Oper, Charlottenburg, Bismarckstr. 34-37, 콯 343 84 343, Turandot, von
Giacomo Puccini, Regie: Lorenzo Fioroni,
18 Uhr
Französische Friedrichstadtkirche, Mitte,
Gendarmenmarkt 5, 콯 20 64 99 22,
Konzert am Ostermorgen: Der Berliner
Vokalkreis, Ltg. Johannes Raudszus; Kilian
Nauhaus (Orgel), Credo-Vertonungen und
Ostermusik von Vivaldi, Schumann, Kodály
u. a., 6 Uhr
Große Orangerie, Charlottenburg, Spandauer
Damm 20-24, 콯 25 81 03 50, Kammermusik im Schloss: Quartette des Berliner
Residenz Orchesters, Werke von Mozart,
Schubert, Beethoven und Mendelssohn
Bartholdy, 11 Uhr
Osterkonzert - Frühlingserwachen: Berliner
Residenz Orchester, Ltg. Vladi Corda, Werke
von Bach, Vivaldi und Corelli, mit Menü,
20 Uhr
Heilig-Kreuz-Kirche Kreuzberg, Kreuzberg,
Zossener Str. 65, 콯 69 40 12 41,
OrgelKlänge: Matthias Schmelmer,
Orgelmusik zu Ostern mit Werken von
Bach, M. Brosig, E. L.Diemer und
Messian, 16 Uhr
콯 69 59 36 24, Nachtklänge: Auferstanden
- Musik mit der Kraft aus der Wurzel am
Ostersonntag: Collage - forum für frühe
musik berlin, Kompositionen aus dem
Mittelalter aus dem Glogauer Liederbuch,
Codex Las Huelgas, Cantigas de Santa
Maria und der Ars Antiqua, 21 Uhr
Kammermusiksaal, Tiergarten, Herbert-vonKarajan-Str. 1, 콯 254 88-132, Berliner
Camerata; Yorck Kronenberg (Klavier),
J. S. Bach: Konzert für Klavier, zwei Flöten,
Streicher und Basso continuo und Orchester
F-Dur; Konzert für Klavier, Streicher und
Basso continuo E-Dur; Konzert für Klavier,
Streicher und Basso continuo A-Dur; Konzert
für Klavier, Streicher und Basso continuo
d-Moll, 20 Uhr
Kirche Alt-Tegel, Tegel, Alt-Tegel,
콯433 60 14, The Bloomsbury Ensemble
(Holzbläserquartett), Werke von Malcolm
Arnold, Stephen Frost, Händel, Ibert,
Strawinsky u. a. - Die pure Lust an guter
Musik - britisch serviert, 17 Uhr
Komische Oper, Mitte, Behrenstr. 55-57,
콯47 99 74 00, Gianni Schicchi | Herzog
Blaubarts Burg, von Giacomo Puccini | Béla
Bartók, Regie: Calixto Bieito, 19.30 Uhr,
Philharmonie, Tiergarten, Herbert-von-Karajan-Str. 1, 콯 254 88-132/-301, Carmen,
Tango und die spanischen Zarzuelas:
das sinfonie orchester berlin, Ltg. Igor
Budinstein; Katarzyna Dondalska (Sopran),
Anna Alàs i Jové (Mezzosopran), Raúl
Alonso (Tenor), Enrique Ambrosio (Tenor),
Elena Küssner (Violine), Cantango Berlin,
16 Uhr
Schloss Friedrichsfelde - Tierpark Berlin,
Friedrichsfelde, Am Tierpark 125,
콯51 53 14 07, Dem Frühling ein Konzert Was eine Frau im Frühling träum...!: Duo
„con emozione“, Musikalischer Streifzug
durch die Welt der Operette und Filmmelodien, Festsaal, 15 Uhr
Schloss Glienicke, Wannsee, Königstr. 36,
콯80 58 67 50, Alexander Malter (Klavier);
Werke von Bach in der Bearbeitung von
Busoni, von Schubert, Tschaikowsky,
Skrjabin und Rachmaninow, 16 Uhr
Schloss Köpenick, Köpenick, Alt-Köpenick 1,
콯266 42 42 42, Berliner Frühlingsklassik Romantisches Klavierquintett: Haydnquartett Berlin; Maria-Magdalena Pitu-Jokisch
(Klavier, Louis Ferdinand von Preußen: Klavierquintett c-Moll op. 1; Brahms: Klavierquintett d-Moll op. 34, Aurorasaal, 16 Uhr
St. Hedwigs-Kathedrale, Mitte, Hinter der
Kath. Kirche 3, 콯 30 87 79 80, Orgelabend:
Prof. Dr. Ludger Lohmann, Werke von Bach,
Reger und Widor, 19.30 Uhr
St. Marienkirche Berlin, Mitte, Karl-Liebknecht-Str. 8, 콯 242 44 67, Orgelmusik zur
Sterbestunde: Martina Kürschner, 15 Uhr
Staatsoper im Schiller Theater, Charlottenburg, Bismarckstr. 110, 콯 20 35 45 55,
Festtage: Tannhäuser, von Richard Wagner,
Regie: Sasha Waltz, 17 Uhr, letzte Vorstellung in dieser Spielzeit
Theaterforum Kreuzberg, Kreuzberg, Eisenbahnstr. 21, 콯 70 07 17 10, Carmen - ein
modernes SingSpiel, nach Mérimée und
Bizet, Marie Giroux, Matthias Unger u. a.,
Regie: Sylke Hannasky, 20 Uhr
ROCK - POP - JAZZ
D
Arcanoa, Kreuzberg, Am Tempelhofer Berg 8,
콯691 25 64, Kosmo Super (Indie, Pop,
Rap, Jazz, Funk, Rock), 21.30 Uhr
A Trane, Charlottenburg, Bleibtreustr. 1,
콯313 25 50, Julia Hülsmann Quartet feat.
Theo Bleckmann (Modern Jazz), 21 Uhr
Aufsturz, Mitte, Oranienburger Str. 67,
콯28 04 74 07, Jazzkeller 69: Monk’s
Casino - Das Gesamtwerk des Thelonious
Monk (Langfassung aufgeteilt auf drei
Abende), 21 Uhr
Badehaus - Szimpla Musiksalon, Friedrichshain, Revaler Str. 99, 콯 95 59 27 76,
Eric Vaughn’s Naked Jazz Bath, 20 Uhr
Barkett Bar, Schöneberg, Czeminskistr. 10,
More the Honey (Blues), 20 Uhr
b-flat, Mitte, Rosenthaler Str. 13,
콯283 31 23, Shalosh Trio (Modern Piano
Trio Jazz), 21 Uhr
BKA, Kreuzberg, Mehringdamm 34,
콯202 20 07, Paradiesvogel: Edson
Cordeiro (Countertenor), 20 Uhr
Café Voland, Prenzlauer Berg, Wichertstr. 63, 콯 444 04 22, Trio Lakkasax
(Zeitlose Kammerweltmusik), 20 Uhr
Dodo, Kreuzberg, Großbeerenstr. 32,
콯53 09 40 72, Siggi „Doc Blue“ & Freddy
Gruber (Blues, Jazz, Tango, Weltmusik),
19.30 Uhr
Eierschale Dahlem, Dahlem, Podbielskiallee 50, 콯83 22 83 87, Oster-Brunch:
Omega Jazzband (Happy Dixieland),
11-15 Uhr
K 17, Friedrichshain, Pettenkoferstr. 17a,
콯42 08 93 00, Negura Bunget / Northern
Plague / Grimegod / Krysantemia, Skywalker
/ Bearing Loss / Feeding The Titans /
Endeavour / Rivals In Friends, 19 Uhr
Ökowerk Berlin, Grunewald, Teufelsseechaussee 22-24, 콯 30 00 05-12, Punto de
la vista - Klangarchitekturen (Akkordeon,
Mundharmonika, Stimme), Gewölbe des
Reinwasserbehälters, 14.30, 16.30 Uhr
Madame Claude, Kreuzberg, Lübbener
Str. 19, 콯 84 11 08 59, Open Mic L. J.
Fox, 21.30 Uhr
Privatclub, Kreuzberg, Skalitzer Str. 85-86,
콯61 67 59 62, Lilabungalow (Indie Pop),
20 Uhr
Rickenbacker’s, Wilmersdorf, Bundesallee 194b, 콯 81 89 82 90, Rubber Soul
(Beatles, Beat & Rock & Roll), 20 Uhr
Schloss Britz, Britz, Alt-Britz 73,
콯60 97 92 3-0, Akkordeonmusik mal
anders: Duo Accordéon Mélancolique,
12 Uhr
Schlot, Mitte, Invalidenstr. 117,
콯448 21 60, Hommage to Wes Montgomery and Jimmy Smith: Giorgio Crobu/
Christian v.d.Goltz/Andrea Marcelli Trio
(Mainstream Jazz and Blues), 21 Uhr
Schokoladen Mitte, Ackerstr. 169-170,
콯282 65 27, Open Stage - play your songs
unplugged!, 20 Uhr
Volksbühne, Mitte, Rosa-Luxemburg-Platz,
콯240 65-777, 50 Jahre Joke Lanz: Sudden
Infant, Shelley Hirsch, Roger Rotor, Petra
Flurr, Parabelles, Marc Weiser (mit DJs Andrew Fearn, Steve Underwood, Bill Kouligas
(PAN) und Rashad Becker), Palais im Roten
Salon, 20 Uhr
Hören: Miscontinuum - Elektronische
Goth-Oper: Jan St. Werner mit Dylan Carlson
(Sprecher), Kathy Alberici und Taigen Kawabe
(Performance), 20 Uhr
White Trash Fast Food, Treptow, Am Flutgraben 2, 콯 50 34 86 68, Sunday Ballroom:
Savoy Sattelites (Swing), mit DJane Manu
Tanzratte (Swing, Jive, Stroll), 20 Uhr
Yorckschlösschen, Kreuzberg, Yorckstr. 15,
콯215 80 70, Jazz Brunch: Desney Bailey
Trio, 11 Uhr
D
PARTY
Astro-Bar, Friedrichshain, Simon-DachStr. 40, Sir G (60s), 22 Uhr
Avenue im Café Moskau, Mitte, Karl-MarxAllee 34, GMF-Ostersonntag: Stella DeStroy,
Alfie Levi, Pimperzombie, Divinity, Maringo,
23 Uhr
Bassy Cowboy Club, Prenzlauer Berg,
Schönhauser Allee 176a, In The Air Tonight:
Ragnar, Palme, Rockatiki-Alex (Disco),
23 Uhr
Berghain, Friedrichshain, Rüdersdorfer
Str. 70, Klubnacht: The Black Madonna, Jus
Ed, Baikal, The Drifter, Oskar & Edward, Kiki,
Ben Klock, Oliver Deutschmann, Joel Mull,
Len Faki, Marcel Fengler, 23.59 Uhr
Brunnen70, Wedding, Brunnenstr. 70,
Decadence: Goes To Berlin, 21 Uhr
Comet Club, Kreuzberg, Falckensteinstr. 47,
콯44 00 81 40, Decadence: Goes To Berlin:
Valentine, Ian P. Christ, It-Sicko u. a. (alle
80s Minimal, Darkwave, Italo u. a.), live:
Tobias Bernstrup, The Frozen Autumn, Qual,
Ben Bloodygrave, Totenwald, 21 Uhr
Duncker, Prenzlauer Berg, Dunckerstr. 64,
콯445 95 09, Spirit of the 80s: Terrorwave
(New Romantic, Wave Classics, NDW),
22 Uhr
E4 Berlin Nightclub, Tiergarten, Eichhornstr. 4, 콯 25 92 43 40, Oster Party: Havoc &
Friends (House, R&B, HipHop), 23 Uhr
Eastwood Berlin-Mitte, Mitte, Rosmarinstr. 8, 콯 20 67 90 54, Privileg Berlin - Oster
Special, 23 Uhr
House of Weekend, Mitte, Alexanderstr. 7,
Catch the Bunny mit Stereo Express &
Friends, 23.59 Uhr
K 17, Friedrichshain, Pettenkoferstr. 17a,
콯42 08 93 00, Ostermassaker: Sheena
(Rock, All Time Favourites u. a.), 21 Uhr
Kaffee Burger, Mitte, Torstr. 60,
콯28 04 64 95, All Dance Faves, 22 Uhr
Magnet Club, Kreuzberg, Falckensteinstr. 48, 콯 44 00 81 40, Ei Karamba!: Herr
Lhmnn, Rojosson (Indie, Electro, Pop), Gold
Lions (Indie, Pop), Klassenfahrt, Fryzeit
(Groove u. a.), 22 Uhr
Matrix, Friedrichshain, Warschauer Pl. 18,
콯29 36 99-90, Spring Fresh: Size, Soel,
JNS, Em-tee, MC Caramel, Meo, Neiko,
Zissa, V-Kut, Sir ’n’ DJ (House, R&B, Dance,
Charts, HipHop u. a.), Spring Party, 22 Uhr
RAW Club, Friedrichshain, Revaler Str. 99,
콯292 46 95, Tech my House: Andree
Wischnewski, Fuhrmann & Keath, Johnny
Allwess u. a. (Techno, House), 23 Uhr
Ritter Butzke, Kreuzberg, Ritterstr. 24
E_mergency: Turmspringer, Empro, Fraenzen
Texas, Deka, Leon Licht, Dimo, Stan Starry,
Coco Berlin, 23.59 Uhr
Rosi’s, Friedrichshain, Revaler Str. 29,
Schwerelos: Toni Casanove, Bacalao &
Sonne, Jen & Berry's, Teleselektor, Ripcage,
Ben Bear, Gabriel Savigné B2B Sommersonnenwende, Cat'N'Sonus, 23 Uhr
Suicide Circus, Friedrichshain, Revaler
Str. 99, Therapierbar: Martin Eyerer, Tanja
Spielvogel, Daniel Schumann u. a., 23 Uhr
VORTRÄGE
D
Archenhold-Sternwarte, Treptow, Alt-Treptow 1, 콯 536 06 37 19, Das längste Fernrohr der Erde in Bewegung: Das Treptower
Riesenfernrohr (ab 12 Jahre), 15 Uhr
frannz, Prenzlauer Berg, Schönhauser
Allee 36, 콯 726 27 93 33, HörTheater,
20 Uhr
FÜHRUNGEN
D
Bode-Museum, Mitte, Am Kupfergraben 1,
콯266 42 42 42, Ein Gott. Abrahams Erben
am Nil, Treff: gr. Kuppel, 11 Uhr
Botanischer Garten Berlin, Dahlem,
Königin-Luise-Pl. 6-8, 콯 83 85 01 00,
DichterBlüten: Vom Eise befreit sind Strom
und Bäche, Treff: Eingang Königin-LuisePlatz, 12 Uhr
Clärchens Ballhaus, Mitte, Auguststr. 24,
콯0177-395 77 61, Zu Gast bei Clärchen Kulturgeschichtlicher Streifzug durch
100 Jahre Clärchens Ballhaus (mit Lesung Anm. erb.), 14 Uhr
filmstadt-berlin.de, 콯 0177/321 77 77,
Stummfilm Berlin - Filmstadt-Tour durch die
Wilden 20er-Jahre, 11 Uhr
Rummelsburger Bucht, Friedrichsfelde, Türrschmidtstr., 17. Osterspaziergang rund um
den Rummelsburger See zu Land und zu
Wasser bis zur Stralauer Spree, Treff: Medaillonpl., Alice-und-Hella-Hirsch-Ring, 15 Uhr
Tierpark Berlin, Friedrichsfelde, Am Tierpark 125, 콯 51 53 10, Osterspaziergang
durch den Tierpark, Treff: Eingang am U-Bhf.
Tierpark, 10 Uhr
KINDER
D
Brotfabrik, Weißensee, Caligaripl. 1,
콯471 40 01/02, Hosen, Hasen, freche
Mäuse ... (ab 3 Jahre), Theater Rafael
Zwischenraum, 16 Uhr
Charlottchen, Charlottenburg, Droysenstr. 1,
콯324 47 17, Schweinchen Henry und
seine Freunde (ab 2 Jahre), Kabaré Púpala,
11.30, 15.30 Uhr
Galli Theater, Mitte, Oranienburger Str. 32,
콯27 59 69 71, Der Wolf & die 7 Geißlein
(ab 4 Jahre), 16 Uhr
Grips Klosterstraße, Mitte, Klosterstr. 68,
콯39 74 74 77, Flimmer-Billy (ab 5 Jahre),
von Jens Vilela Neumann, Regie: Thomas
Ahrens, 16 Uhr
Kulturhaus Insel Berlin, Treptow, Alt-Treptow 6, 콯 80 96 18 50, Eröffnung der Insel
Saison 2015: Ostersonntag auf der Insel,
mit Ostereier-Suche und Puppentheater,
10 Uhr
MACHmit! Museum für Kinder, Prenzlauer
Berg, Senefelderstr. 5, 콯74 77 82 00,
Schattentheater, Murhaf Amayry, 16.30 Uhr
Puppentheater Felicio, Prenzlauer Berg,
Schivelbeiner Str. 45, 콯 44 67 35 30,
Dornröschen (ab 4 Jahre), 16 Uhr
Theater Lichterfelde, Lichterfelde, Drake-.
str. 49, 콯 84 31 46 46, Ostern beim Knolltroll (ab 3 Jahre), Die kleine Märchentüte,
11 Uhr, Anm. erb.
Varia Vineta, Pankow, Berliner Str. 53,
콯43 72 32 44, Schneewittchen
(ab 4 Jahre), 11, 16 Uhr
Zimmertheater Steglitz, Steglitz, Bornstr. 17, 콯 25 05 80 78, Ostern mit
Knoll-Troll (ab 3 Jahre), Die kleine Märchentüte, 16 Uhr
KUNST
Alte Nationalgalerie, Mitte, Bodestr. 1-3,
콯266 42 42 42, Turmbewohner. Entwurfszeichnungen von Chodowiecki und Rode für
den Gendarmenmarkt, Christian Bernhard
Rode, Daniel Nikolaus Chodowiecki, Zeichnungen, 10-18 Uhr
Bode-Museum, Mitte, Am Kupfergraben 1,
콯266 42 42 42, Museum für Byzantinische
Kunst, 10-18 Uhr
Bröhan-Museum, Charlottenburg, Schlossstr. 1a, 콯 32 69 06 00, Hans Christiansen.
Die Wiederentdeckung eines JugendstilKünstlers, 10-18 Uhr
C/O Berlin, Charlottenburg, Hardenbergstr. 22-24, Blow Up. Antonionis Filmklassiker
und die Fotografie, David Bailey, Richard
Hamilton, John Hilliard, Hiroshi Sugimoto,
Cecil Beaton u. a., Fotografie, Film und
Videoinstallationen, 11-20 Uhr
Deutsche Kinemathek - Museum für Film
und Fernsehen, Tiergarten, Potsdamer
Str. 2, 콯 300 90 30, Bigger Than Life.
Ken Adam’s Film Design, Ken Adam,
Filmausstattung, 10-18 Uhr
Deutsches Technikmuseum, Kreuzberg,
Trebbiner Str. 9, 콯 90 25 40, Der erste
Computer, Konrad Zuse und der Beginn des
Computerzeitalters, 10-18 Uhr
Ephraim-Palais, Mitte, Poststr. 16,
콯2 40 02-162, West:Berlin. Eine Insel auf
der Suche nach Festland, 10-18 Uhr
Ethnologisches Museum, Dahlem, Lans
str. 8, 콯 266 42 42 42, Südsee, Sammlung
Melanesien und Australien / Sammlung
Polynesien und Mikronesien und die Galerie
zeitgenössischer Kunst, 11-18 Uhr
Gemäldegalerie Kulturforum, Tiergarten,
Matthäikirchpl., 콯 266 42 42 42,
Meisterwerke der europäischen Malerei vom
13.-18. Jahrhundert, 11-18 Uhr
Willy-Brandt-Haus, Kreuzberg, Wilhelmstr.
140, 콯 25 99 37 85, Schwestern zur Sonne
zur Gleichheit, Prof. Dr. Daniela Münkel,
Marianne Pitzen, Maria Giménez, Angelika
von Stocki, Tina Schwichtenberg, Geschichte
der SPD-Frauenpolitik, 12-18 Uhr, Ausweis
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DE
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D
TAGESTIPPS
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
Foto: Esra Rotthoff
D
Foto: Grün Berlin GmbH
DER TAGESSPIEGEL
Foto: Linn Marx
15
Foto: Botanisches Museum Berlin
ERZÄHLFEST
SAISONERÖFFNUNG SÜDGELÄNDE
KLEINKUNST
BOTANISCHE FÜHRUNG
Es schneit im April – ein Osterfest
Hunderttausende Armenier starben ab 1915 bei Massakern und Todesmärschen. Noch immer fällt die Aufarbeitung schwer. Im Gorki findet ein Erzählfest statt, das eine Vielzahl von künstlerischen Stimmen
versammelt, die von der Geschichte der Armenier erzählen.
Raus aus der Bude – rein in die Natur
Bei einem Spaziergang durch die wiedererwachende Natur lässt sich
viel entdecken. Beim Baumschlau e.V. können kleine Forscher die Natur untersuchen. Fräulein Brehm stellt den Wolf vor, der sich aber nicht
am Osterlamm vergreifen darf, das hier auch gerade unterwegs ist.
Der Blaue Montag
Zum 179. Mal versammelt der zauselige Kabarettist Arnulf Rating
(Foto) Comedians, Sänger, Satiriker, Akrobaten und Poetry-Slammer,
die einen Querschnitt großstädtischer Kleinkunst vorführen. Mit dabei: Satiriker Volker Surmann und das Casanova Society Orchestra.
Wo hat er sich versteckt – der Frühling
Mit Mühe kehrt der Frühling zurück und mit ihm die bunte Blumenwelt.
Besonders farbenfroh leuchtet der Botanische Garten. Unter fachkundiger Leitung kann man beim Osterspaziergang geheime Ecken erkunden. Und in den Gewächshäusern blüht ein Meer von Kamelien.
5./6.4., www.gorki.de, Maxim Gorki Theater Am Festungsgraben 2
6.4., 12-17 Uhr, 1 Euro, Natur-Park Schöneberger Südgelände
6.4., 20 Uhr, 21,50-26,50 Euro, Wühlmäuse Pommernallee 2-4
6.4., 10 Uhr, 6/3 Euro, Botanischer Garten Königin-Luise-Platz 6-8
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BERLINS REGIERENDER BÜRGERMEISTER
MICHAEL MÜLLER
HEUTE 14–16 UHR
ZU GAST BEI BETTINA RUST
Ostermontag, den 6. April 2015
TERMINE
D
THEATER
Epiphanienkirche, Charlottenburg, Knobelsdorffstr. 72, 콯 30 11 69-0, Vitaliy Shal und
Shterion Urumov (Gitarre), Werke von Albeniz, Bach, Gismonti, Assad, Urumov, Alexandrov, 18 Uhr
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Charlottenburg, Breitscheidpl., 콯 218 50 23,
Orgelvesper: Helmut Hoeft (Orgel), Uwe
Steinmetz (Saxophon), Bach und Improvisationen zu Osterlierdern, 18 Uhr
Über den Glauben in der Musik - Gesprächskonzert: Ensemble Trialogue Musical, Werke
von Bach, Grieg, Rachmaninow, 20 Uhr
Komische Oper, Mitte, Behrenstr. 55-57,
콯47 99 74 00, Ball im Savoy, von Paul
Abraham, Regie: Barrie Kosky, Jazz-Operette,
19 Uhr
Konzerthaus Berlin, Mitte, Gendarmenmarkt,
콯203 09 21 01, Orgel-Matinée: Hansjörg
Albrecht, Wagner: Vorspiel zur Oper „Die
Meistersinger von Nürnberg“; Berlioz: „Symphonie fatastique“ op. 14; Langlais: „Incantation pour un jour saint“ über das „Lumen
Christi“ der Osternacht op. 64, Gr. Saal,
11 Uhr
Landesjugendorchester Berlin, Ltg. Lancelot
Fuhry; Charlotte Petrides (Horn), G. Ustwolskaja: Sinfonisches Poem Nr. 2; A. Glasunow:
„Der Herbst“ aus „Die Jahreszeiten“ op. 67;
F. Strauss: Konzert für Horn und Orchester
Nr. 1 c-Moll op. 8; P. Tschaikowsky: Sinfonie
Nr. 2 c-Moll op. 17 „Kleinrussische“, Gr.
Saal, 20 Uhr
Lutherkirche Spandau, Spandau, Lutherpl. 3, 콯 335 90 24, Orgelkonzert zur
Einweihung unserer neuen Orgel: Prof.
Wolfgang Seifen, Improvisationen, 16 Uhr
Neuköllner Oper, Neukölln, Karl-MarxStr. 131-133, 콯 68 89 07 77, Macbeth,
von nach Verdi, Ltg.: Nadezda Tseluykina,
Regie: Julia Lwowski, Studio, 20 Uhr
Philipp-Melanchthon-Kirche, Neukölln,
Kranoldstr. 16, Die pure Lust an guter Musik
- britisch serviert: Bloomsbury-Ensemble,
Werke von Malcolm Arnold, Stephen Frost,
Händel, Ibert, Stravinsky, Bozza, Sammartini
und Français, 18 Uhr
Schloss Britz, Britz, Alt-Britz 73,
콯60 97 92 3-0, Franz Schubert - Das
Wiener Wunderkind: Duo Orpheo, Festsaal,
12 Uhr
Schloss Glienicke, Wannsee, Königstr. 36,
콯80 58 67 50, Alexander Malter (Klavier);
Werke von Bach in der Bearbeitung von
Busoni, von Schubert, Tschaikowsky,
Skrjabin und Rachmaninow, 16 Uhr
Schloss Köpenick, Köpenick, Alt-Köpenick 1,
콯266 42 42 42, Berliner Frühlingsklassik:
Beethoven Violinsonaten: Theresia May (Violine), Maria-Magdalena Pitu-Jokisch (Klavier),
Beethoven: Violinsonate A-Dur op. 47 „Kreutzer-Sonate“; Dietrich/Brahms/Schumann:
F-A-E Sonate, Aurorasaal, 16 Uhr
St. Matthäus-Kirche, Tiergarten, Matthäikirchpl. 1, 콯 262 12 02, hOra musica: Irene
Kurka (Sopran solo), Lothar Knappe (Orgel),
Musik für Stimme solo von Hildegard von
Bingen, James Weeks und Giacinto Scelsi;
Orgelmusik von Arvo Pärt, 18 Uhr
Staatsoper im Schiller Theater, Charlottenburg, Bismarckstr. 110, 콯 20 35 45 55,
Festtage: Parsifal, von Richard Wagner,
Regie: Dmitri Tcherniakov, 16 Uhr
Berliner Ensemble, Mitte, Bertolt-BrechtPl. 1, 콯 284 08-155, Zwei Herren aus
Verona, von William Shakespeare,
Regie: Veit Schubert, Pavillon, 19.30 Uhr
Berliner Kriminal Theater, Friedrichshain,
Palisadenstr. 48, 콯 47 99 74 88,
Die Mausefalle, von Agatha Christie,
Regie: Wolfgang Rumpf, 18 Uhr
Deutsches Theater, Mitte, Schumannstr. 13a, 콯 28 44 12 25, Herbstsonate,
nach Ingmar Bergman, Regie: Jan Bosse,
18 Uhr
Deutsches Theater Kammerspiele, Mitte,
Schumannstr. 13a, 콯 28 44 12 25, Die
Schönheit von Ost-Berlin, Regie: Bastian
Kraft, Ronald-M.-Schernikau-Collage, 20 Uhr
Grips Hansaplatz, Tiergarten, Altonaer Str.
22, 콯 39 74 74 77, Linie 1, von Volker Ludwig, Regie: Wolfgang Kolneder, 19.30 Uhr
Maxim Gorki Theater, Mitte, Am Festungsgraben 2, 콯 20 22 11 15, Es schneit im
April - Eine Passion und ein Osterfest:
Bolis / My Grandfather’s Music, Film /
Lecture Performance / Die Armenier von
Diyarbakur - Konzert / und weitere Veranstaltungen, ab 18 Uhr
Naturpark Schöneberger Südgelände, Friedenau, Prellerweg 47-49, 콯 70 09 06 70,
Raus aus der Bude!: Fräulein Brehms
Tierleben: Ausschnitte aus dem Repertoire,
12-17 Uhr
Prime Time Theater, Wedding, Müllerstr. 163, 콯 49 90 79 58, Gutes Wedding,
schlechtes Wedding, von Constanze
Behrends, Sitcom - Folge 97: Sex and the
Wedding, 20.15 Uhr
Schaubühne, Wilmersdorf, Kurfürstendamm 153, 콯 89 00 23, Der geteilte
Himmel, von Christa Wolf, Regie: Armin
Petras, Saal B, 18 Uhr
Richard III., von William Shakespeare, Regie:
Thomas Ostermeier, Saal C, 19.30 Uhr
Schlosspark Theater, Steglitz, Schlossstr. 48, 콯 789 56 67-100, Das Lächeln des
Barrakuda, von Esther Vilar, Regie: Thomas
Schendel, 20 Uhr
D
SHOW
BKA, Kreuzberg, Mehringdamm 34,
콯202 20 07, Theatersport Berlin: Das
Match, 20 Uhr
Volksbühne, Mitte, Rosa-Luxemburg-Platz,
콯240 65-777, Kling und Känguru,
Marc-Uwe Kling, Eine Art Best-of, 20 Uhr
wilde Oscar, Charlottenburg, Niebuhrstr. 59-60, 콯 47 99 74 47, Carusello
italiano, Gianni Meurer, Volker Hagen,
Katja Nottke u. a., queere musikalische
Komödie, 19 Uhr
Wühlmäuse, Charlottenburg, Pommernallee 2-4, 콯 30 67 30 11, Der Blaue
Montag, Arnulf Rating & Gäste, 20 Uhr
Zimmer 16, Pankow, Florastr. 16,
콯48 09 68 00, Offene Bühne, 20 Uhr
KLASSIK
D
Carillon, Tiergarten, John-Foster-DullesAllee 10, Jeffrey Bossin (Carillon), Osterchoräle, Frühlingslieder von Duke, Ferrao,
Grieg, Jurmann, Mendelssohn, Mozart,
Schubert, Musik von Mascagni; anschl.
Turmführung möglich, 15 Uhr
Deutsche Oper, Charlottenburg, Bismarckstr. 34-37, 콯 343 84 343, Dornröschen,
von Peter I. Tschaikowsky, Staatsballett
Berlin, Regie: Nacho Duato, Choreogr.:
Nacho Duato, 18 Uhr
Dorfkirche Rahnsdorf, Rahnsdorf, Dorfstr.,
콯648 91 28, Orgelmatinee zum Ostermontag: Matthias Suschke, Orgelmusik von
Praetorius, Bach, Karg-Elert u. a., 11.30 Uhr
DisneyRehkitz
Hauptstadt
der
Türkei
Schmiedeeisen
IN DER HÖRBAR RUST
D
ROCK - POP - JAZZ
Arcanoa, Kreuzberg, Am Tempelhofer Berg 8,
콯691 25 64, LiedermacherSession - open
Stage, 21.30 Uhr
A Trane, Charlottenburg, Bleibtreustr. 1,
콯313 25 50, Andreas Schmidt (p) &
Friends, 21 Uhr
Badehaus - Szimpla Musiksalon, Friedrichshain, Revaler Str. 99, 콯 95 59 27 76,
TuneUp Session, 22 Uhr
kleiner
südam.
Raubfisch
Vorname feuerfestes
der
Mineral
Farrow
hebräischer
Buchstabe
sahnige
Tortenfüllung
schnell
beweglich
Abitur
der
Schweiz
Kfz-Z.
Neubrandenburg
Fahrtstrecke
tiefe
Ohnmacht
Klostervorsteher
nordisches
Göttergeschlecht
poetisch:
flaches
Wiesengelände
Tonsilbe
alter
Tonträger
(Abk.)
ein
Körperteil
latein.:
Kunst
DEIKE-PRESS-1207-88
PARTY
LITERATUR
D
KingKongKlub, Mitte, Brunnenstr. 173,
콯28 59 85 38, The Craic Den Open Mic
Show, Mod.: Stephen Hannah, 21 Uhr
Literaturhaus Berlin, Charlottenburg, Fasanenstr. 23, 콯 88 72 86-0, Wortservierungen: Marlene - Bild einer berühmten
Zeitgenossin, von Alfred Polgar, Richard
Burger, Wintergarten, 21 Uhr
Periplaneta Kreativzentrum, Prenzlauer
Berg, Bornholmer Str. 81a, 콯 44 67 34 33,
Strichmenschendiskrimminierung: Lesebühne Vision und Wahn, Robert Rescue,
Thomas Manegold, Marion Alexa Müller,
Juston Buße, 20 Uhr
Renaissance-Theater, Charlottenburg,
Hardenbergstr. 6, 콯 312 42 02,
Meine Sorgen möcht ich haben, von Kurt
Tucholsky, Hans-Jürgen Schatz, BrucknerFoyer, 16 Uhr
VORTRÄGE
T
E
S T S K R I P T U M
A S S I S I
P
E
N T E R T A I N E R
A R A
A S B
I O
C E
O N E
U H L
R E
D
Alte Kantine, Prenzlauer Berg, Knaackstr. 97, 콯 44 31 50, Hungry Monday,
22 Uhr
Astro-Bar, Friedrichshain, Simon-DachStr. 40, NoNoYesNoNo (Beat, French u. a.),
22 Uhr
Cake Club, Kreuzberg, Oranienstr. 31,
Diego (HipHop, Funk, Soul, Latino), 0 Uhr
Crack Bellmer Bar, Friedrichshain, Revaler
Str. 99, Montag auf Cräck: Multiple, Niklaaas
(house, tech), 20 Uhr
Duncker, Prenzlauer Berg, Dunckerstr. 64,
콯445 95 09, Dark Monday: Orlög (Gothic,
Post Punk, Death Rock, New Wave, Neo
Folk), 22 Uhr
Fire Bar, Mitte, Krausnickstr. 5,
Manic Monday: Die Jane (Fire Tunes), 19 Uhr
Kaffee Burger, Mitte, Torstr. 60,
콯28 04 64 95, ClashBoxxx: Lehmann &
Guests, 22 Uhr
Lauschangriff, Friedrichshain, Rigaer
Str. 103, 콯 42 21 96 26, Fiyah Down
Below: Upliftment Sound, White Lion, Rebel
Yute u. a. (Roots Reggae, Conscious Dancehall, RubADub, Dub, Steppas), 21 Uhr
Schokoladen Mitte, Ackerstr. 169-170,
콯282 65 27, PartyNight, 21 Uhr
Tresor Club, Mitte, Köpenicker Str. 70,
House of Waxx invites John Collins: John
Collins (Special Guest), Carlos Valdes,
Norman Methner, Globus, 23.59 Uhr
flüssiges
Fett
M
P O
D
E
R
N
E
Kopf
b-flat, Mitte, Rosenthaler Str. 13,
콯283 31 23, Bob Folk Quintet (Modern
Jazz), 21 Uhr
Café Olé, Tempelhof, Viktoriastr. 10-18,
콯755 03 120, cool monday: Michael
Gechter’s Vocal-Jazz-Project (Jazz Session),
Jazz-MusikerInnen willkommen, 21 Uhr
Eierschale Dahlem, Dahlem, Podbielskiallee 50, 콯83 22 83 87, Oster-Brunch:
Andrej Hermlin & his Swing Dance Band,
11-15 Uhr
Happy Music Musikschule, Schöneberg,
Geisbergstr. 9, 콯 78 89 22 57, Jazz in der
Post: Ofer Golany (voc, g) feat. Laury Büning
(American Jazzstandards, Jerusalemer Jazz
u. a.), 17 Uhr
Haus der Sinne, Prenzlauer Berg, Ystader
Str. 10, 콯 44 04 91 55, jazz/poetry/song:
NojakîN, 20.30 Uhr
Monarch, Kreuzberg, Skalitzer Str. 134,
The Monochrome Set (New Wave), 20 Uhr
Philharmonie, Tiergarten, Herbert-vonKarajan-Str. 1, 콯 254 88-132/-301,
African Angels: Cape Town Opera Chorus
(Oper, Gospel & African Traditionals), 19 Uhr
Rickenbacker’s, Wilmersdorf, Bundesallee 194b, 콯 81 89 82 90, Monday Night
Pro Jam Session mit Jürgen Bailey, 21 Uhr
Schlot, Mitte, Invalidenstr. 117,
콯448 21 60, European Jazz and Classic
meets creative jazz: Ekkehard Wölk/Joern
Henrich/Andrea Marcelli Trio (Music by Eisler, Mendelssohn, Bach, Monteverdi, Händel,
Brahms, Mozart and originals), 21.30 Uhr
Tommy-Weisbecker-Haus, Kreuzberg,
Wilhelmstr. 9, 콯 251 85 39, Oi Polloi
(Anarcho-Punk) / Battery Humans (HC-Punk)
/ Reisegruppe Morgentau (Punk), 20 Uhr
White Trash Fast Food, Treptow, Am Flutgraben 2, 콯 50 34 86 68, Monday Jelly Roll
Session (Blues, Soul, Funk), mit DJane Blues
Cat, 20 Uhr
SO36, Kreuzberg, Oranienstr. 190,
콯61 40 13 06, Science Slam, Nachwuchswissenschaftler präsentieren ihre
Forschungsergebnisse bühnenreif in
10 Minuten, 19 Uhr
D
FÜHRUNGEN
D
Alter-Fritz-Erlebnis-Tour,
콯0175/950 74 36, Erlebnistour mit Friedrich dem Großen, Treff: Touristen-Info am
Brandenburger Tor, Anm. erf., mit und ohne
Reichstagsbesuch, 14 Uhr
Ansichtssachen, 콯 99 54 80 53,
Ehemalige Stalinallee: Rundgang mit
Dachbegehung, Treff: U-Bhf. Weberwiese,
Ausgang Straße der Pariser Kommune,
Anmeldung erforderlich, 12 Uhr
Reichstag & Regierungsviertel: Mit Plenarsaal, Dachterraße & Kuppel, Treff: Brandenburger Tor, vor der Touristeninformation,
Anmeldung erforderlich, 12 Uhr
Botanischer Garten Berlin, Dahlem, KöniginLuise-Pl. 6-8, 콯 83 85 01 00, OsterSpaziergang zu den schönsten Stellen im
Botanischen Garten, Treff: Eingang, 10 Uhr
Haus der Kulturen der Welt, Tiergarten,
John-Foster-Dulles-Allee 10, 콯 39 78 70,
Eine Einstellung zur Arbeit, Ausstellungsführung, 15 Uhr
Tierpark Berlin, Friedrichsfelde, Am Tierpark
125, 콯 51 53 10, „Gefleckt, gestreift oder
gepunktet“ - Das Reich der Katzen!,
Treff: Eingang am U-Bhf. Tierpark, 10 Uhr
KINDER
D
Atze Musiktheater, Wedding, Luxemburger
Str. 20, 콯 817 99 188, Oh wie schön ist
Panama (ab 5 Jahre), Regie: Jens Neumann,
Studio, 15 Uhr
Brotfabrik, Weißensee, Caligaripl. 1,
콯471 40 01/02, Hosen, Hasen, freche
Mäuse ... (ab 3 Jahre), Theater Rafael
Zwischenraum, 11, 16 Uhr
Charlottchen, Charlottenburg, Droysenstr. 1,
콯324 47 17, Die Glückssucher und der
Osterhase (ab 3 Jahre), Kinder Theater
Mobil, 15.30 Uhr
Figurentheater Grashüpfer, Treptow,
Puschkinallee 16a, 콯 53 69 51 50/52,
Der Hase Hopsi Topsi (ab 4 Jahre),
Kobalt Figurentheater, 17 Uhr
Puppentheater Felicio, Prenzlauer Berg,
Schivelbeiner Str. 45, 콯 44 67 35 30,
Dornröschen (ab 4 Jahre), 11, 16 Uhr
Theater Adlershof, Adlershof, MoritzSeeler-Str. 1, 콯 0179/465 73 32,
Familien-Osterfest (ab 3 Jahre),
Fräulein Hatschi und Ella, die Elfe ,
Mitmach-Programm, 15 Uhr
Theater Mirakulum, Mitte, Brunnenstr. 35,
콯449 08 20, Hase und Igel & Der
Sonnengockel - zwei Tiergeschichten
(4-10 Jahre), 16 Uhr
Union Filmtheater, Friedrichshagen,
Bölschestr. 69, 콯 65 01 31 41,
Die Glückssucher (ab 3 Jahre), nach
Janosch, Kinder Theater Mobil,
10.30 Uhr
KUNST
D
Bauhaus-Archiv - Museum für Gestaltung,
Tiergarten, Klingelhöferstr. 14,
콯25 40 02-0, Neuerwerbungen des
Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung,
Achtzig Neuerwerbungen aus den letzten
zehn Jahren, 10-17 Uhr
Brücke-Museum, Dahlem, Bussardsteig 9,
콯831 20 29, Kabinettausstellung Karl
Schmidt-Rottluff, Stillleben 1920-1960,
11-17 Uhr
C/O Berlin, Charlottenburg, Hardenbergstr. 22-24, Thinking about Photography:
Beyond the Visible Surface, Niina Vatanen,
Fotografie, 11-20 Uhr
Dalí Berlin, Mitte, Leipziger Pl. 7,
콯83 22 35 20, Dalí - Die Ausstellung am
Potsdamer Platz, Über 450 Zeichnungen,
Grafiken, Skulpturen und illustrierte Bücher
des spanischen Künstlers (1904-1989),
10-20 Uhr
Galerie Neurotitan, Mitte, Rosenthaler
Str. 39, 콯 30 87 25 73, Baggage, Amir
Tomashov, Assi Mashullam, Dede, Itamar
Inbar, Lena Revenko, Noa Yekutieli u. a.,
junge zeitgenössische Kunst aus Israel,
12- 20 Uhr
Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt,
Mitte, Jägerstr. 51, 콯 81 70 47 26, Die
Mendelssohns in der Jägerstraße, 12-18 Uhr
Staatliche Münze Berlin, Reinickendorf,
Ollenhauerstr. 97, 2 Euro-Gedenkmünzen-Ausstellung, 10-16 Uhr
Staatsbibliothek Kulturforum, Tiergarten,
Potsdamer Str. 33, 콯 266-0, Die Familie um
Felix, 9-21 Uhr, Mendelssohn-Ausstellungsraum
Villa Donnersmarck, Zehlendorf, Schädestr. 9-13, 콯 847 18 70, „Perspektiven“,
Roland-Tim Heienbrok, Fotografie, 10-16 Uhr,
Ausstellungsort ist barrierefrei
CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF
B
Astor Film Lounge, Tel. 883 85 51: Best Exotic Marigold
Hotel II 14.45, 17.30, 20.15; Bundesplatz-Kino, Tel. 85 40
60 85: Werkschau Helga Reidemeister: Robert Paris - Lichter
aus dem Hintergrund 11; Pünktchen und Anton (1953)
13.30; Selma 15.30; 3 Herzen 18; Eine neue Freundin
20.30; Cinema Paris, Tel. 881 31 19: Verstehen Sie die Beliers? - La famille Belier (OmU) 11; Verstehen Sie die Beliers?
13.20, 18.20; Das ewige Leben 15.40, 20.45; Delphi, Tel.
312 10 26: Best Exotic Marigold Hotel II 12.15, 15, 17.45,
20.30; Eva-Lichtspiele, Tel. 92 25 53 05: Das Mädchen Hirut
11; Shaun das Schaf 13; Best Exotic Marigold Hotel II 15,
17.30, 20.15; Filmkunst 66, Tel. 882 17 53: FK 66 Kino 1
Heute bin ich Samba 17.45; A Most Violent Year 20; FK 66
Kino 1/2 Eine neue Freundin 18; Das blaue Zimmer 20.30;
Kant Kino, Tel. 319 98 66: K 1 Im Labyrinth des Schweigens
11.30; Shaun das Schaf 14, 16, 18.15; 3D: Every Thing Will
Be Fine 18, 20.45; K 2 National Gallery (OmU) 11; Gespensterjäger 14, 16.10; Zu Ende ist alles erst am Schluss 16,
20.15; K 3 Von Menschen und Pferden 11.45; Frau Müller
muss weg 16.30; Als wir träumten 18.30; Inherent Vice Natürliche Mängel 21; K 4 Citizenfour (OmU) 11.45; Still Alice
13.45, 16.45, 19, 21.15; K 5 Der große Trip - Wild 11.15;
Leviathan 13.45, 20.30; 3 Herzen 14.15, 18.15; Zoo Palast, Tel. 018 05/22 29 66: Z 1 Shaun das Schaf 12.15,
14.30; Fast & Furious VII 16.45, 20, 23.20; Z 2 Der Nanny
12, 15, 17.45; Fast & Furious VII - Furious 7 (OV) 23.15; Z 3
Cinderella 11.45, 14.30, 17.15; Kingsman 20, 23; Z 4 3D:
Afrika - Das magische Königreich 12; Fast & Furious VII 14;
Honig im Kopf 17.10; American Sniper 20.15; Tod den Hippies - Es lebe der Punk! 23.15; Z 5 Home 11.45; 3D: Home
14.15; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 16.40; 3D: Every
Thing Will Be Fine 19.30; Fifty Shades of Grey 22.15; Z A Into
the Woods 12.30; Honig im Kopf 15.20; Shaun das Schaf
18.30; Still Alice 20.45; Focus 23.10; Z B Heute bin ich
Samba 12.30; Traumfrauen 15.10; Focus 17.45; Tod den
Hippies - Es lebe der Punk! 20.15; American Sniper 22.45;
FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG
B
b-ware! ladenkino, Tel. 63 41 31 15: Die Reise zum sichersten Ort der Erde 11; Das Salz der Erde (2014) 11.15; Selma
(OmU) 11.15; Quatsch und die Nasenbärenbande 12.45; 3D:
Baymax: Riesiges Robowabohu 13.15; Der kleine Drache Kokosnuss 13.30; Shaun das Schaf 14.15, 16.30; Von Menschen und Pferden - Hross i oss (OmU) 15; 3D: Die Pinguine
aus Madagascar 15.15; Jesus - Der Film 15.45; Pepe Mujica Der Präsident (OmU) 17; 3 Herzen - Trois coeurs (OmU)
17.45; Still Alice (OmU) 18; Birdman oder die unverhoffte
Macht der Ahnungslosigkeit - Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance (OmU) 18.30; Eine neue Freundin - Une nouvelle amie (OmU) 19.30; Leviathan (OmU) 19.45; Das ewige
Leben 20.30; Als wir träumten (DFmenglU) 21.15; Inherent
Vice - Natürliche Mängel (OmU) 22.15; Whiplash (OmU)
22.30; Ruined Heart: Another Lovestory Between A Criminal
& A Whore - Pusong Wazak: Isa Na Namang Kwento Ng
Pag-ibig Sa Pagitan Ng Puta At Kriminal (OmU) 23.15; Babylon Kreuzberg, Tel. 61 60 96 93: A Tod den Hippies - Es lebe
der Punk! 15.30, 17.45, 20, 22.15; B Heute bin ich Samba
(OmU) 14.15; Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit - Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance (OmU) 16.45, 19.15; Inherent Vice - Natürliche Mängel
(OmU) 21.45; fsk am Oranienplatz, Tel. 614 24 64: f 1 Pepe
Mujica - Der Präsident (OmU) 14; Straub 16; Bande de filles
(OmU) 18.15; Leviathan (OmU) 20.30; f 2 Leviathan (OmU)
13; Eine neue Freundin - Une nouvelle amie (OmU) 15.45, 20;
Sacro GRA - Das andere Rom (OmU) 18; Still Alice (OmU)
22.15; Intimes, Tel. 29 77 76 40: Asterix im Land der Götter
15.30; Von jetzt an kein zurück 17.45; Verstehen Sie die
Beliers? 20; A Most Violent Year 22.15; Moviemento, Tel.
692 47 85: M 1 Eine neue Freundin 11; Pettersson und Findus: Kleiner Quälgeist, große Freundschaft 13.15; Doktor
Proktors Pupspulver 15.15; Das ewige Leben 17.15, 20,
22.45; M 2 Tinkerbell und die Piratenfee 10.15, 16.15; Ella
und der Superstar 12; Zu Ende ist alles erst am Schluss 14,
20.30; Als wir träumten 18; Something Must Break - Nanting
maste ga sönder (OmU) 22.45; M 3 My Stuff - Was brauchst
Du wirklich? (OmU) 10.30; Quatsch und die Nasenbärenbande 12.30; Something Must Break - Nanting maste ga sönder (OmU) 14.30; Von jetzt an kein zurück 16.30; Eine neue
Freundin 19; Eine neue Freundin - Une nouvelle amie (OmU)
21.15; Mommy (OmU) 23.30; Regenbogen Kino, Tel. 69 57
95 17: Das erste Evangelium: Matthäus 20; Sputnik (höfe
am südstern), Tel. 694 11 47: S 1 Shaun das Schaf 14.30;
Still Alice (OmU) 16; Heute bin ich Samba 18.15; Das ewige
Leben 20.30; Whiplash 22.45; S 2 Der kleine Rabe Socke
14; Als wir träumten 15.30; Leviathan 17.30; Eine neue
Freundin 20; Inherent Vice - Natürliche Mängel 21.45; Kinobar im Sputnik Searching for Sugar Man (OmU) 21; Tilsiter-Lichtspiele, Tel. 426 81 29: T 1 Shaun das Schaf 14, 16;
Citizenfour (OmU) 17.45; Als wir träumten 20; Birdman oder
die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit - Birdman or the
Unexpected Virtue of Ignorance (OmU) 22.15; T 2 Ella und
das große Rennen 15; Tristia: Eine Schwarzmeer-Odyssee Tristia: A Black Sea Odyssey (OmU) 17; Something Must
Break - Nanting maste ga sönder (OmU) 19; Mommy (OmU)
20.45; Die Wahrheit über die Stasi 23.15; UCI Kinowelt
Friedrichshain, Tel. 42 20 42 20: K 1 Der Medicus 15; Sneak
Preview 20.30; K 2 Der Nanny 14.15, 17.15, 20.15; K 3
Cinderella 14.15; Shaun das Schaf 17; Kingsman 19.45; K 4
Fast & Furious VII 14, 20; 3D: Home 17.30; K 5 Gespensterjäger 14.30, 17.15; Honig im Kopf 20; K 6 Fünf Freunde IV
14.30; Kingsman 17; Traumfrauen 20.15; K 7 Mara und der
Feuerbringer 14.30, 17.30; 3D: Die Bestimmung - Insurgent
20.15; K 8 Shaun das Schaf 13.45; American Sniper 19.45;
Yorck, Tel. 78 91 32 40: Yorck Shaun das Schaf 13.45,
15.45; Best Exotic Marigold Hotel II 14, 17.45, 20.30; New
Yorck Das ewige Leben 16.30, 19, 21.30; Zukunft, Tel. 426
81 29: Zukunft 3 Wem gehört die Stadt? - Bürger in Bewegung 18; Das Mädchen Hirut - Difret (OmU) 19.45; Von jetzt
an kein zurück 21.45; Zukunft 4 Heute gehe ich allein nach
Hause - Hoje eu quero voltar sozinho: The Way He Looks
(OmU) 18.15; Verfehlung 20.15; Eine Taube sitzt auf einem
Zweig und denkt über das Leben nach - En duva satt pa en
gren och funderade pa tillvaron (OmU) 22.15;
LICHTENBERG
B
CineMotion Hohenschönhausen, Tel. 471 13 70: C 1 3D:
Home 12, 14.10, 16.20; Gespensterjäger 18.30; Traumfrauen 20.30; C 2 3D: SpongeBob Schwammkopf 12; Gespensterjäger 14, 16.10; 3D: Seventh Son 18.15; The Boy
Next Door 20.30; C 3 Asterix im Land der Götter 12; Fast &
Furious VII 14, 17, 20; C 4 Gespensterjäger 12.45; Der
Nanny 15, 17.30; Kingsman 20; C 5 Mara und der Feuerbringer 12.30, 14.50, 17.10; 3D: Die Bestimmung - Insurgent
19.30; C 6 Shaun das Schaf 12.10, 14.10, 16.15, 18.15;
Fifty Shades of Grey 20.15; C 7 Home 12.40, 15, 17.15;
Honig im Kopf 19.30; C 8 Baymax: Riesiges Robowabohu
12.15; SpongeBob Schwammkopf 14.45; Die Bestimmung Insurgent 17; Sneak Preview 20; C 9 Cinderella 12.10,
14.40, 17.15; Der Nanny 19.50;
MARZAHN-HELLERSDORF
B
CineStar Hellersdorf, Tel. 04 51/703 02 00: C 1 Fast &
Furious VII 11, 14, 16.30, 20; Shaun das Schaf 11.10, 15,
16.40; Die Bestimmung - Insurgent 11.10; Gespensterjäger
11.20, 13.50, 17; 3D: Asterix im Land der Götter 11.30; 3D:
SpongeBob Schwammkopf 11.40; Cinderella 12, 13.30; Der
Nanny 14, 17.10, 20.10; Mara und der Feuerbringer 14.20,
16.50; Home 14.30; Honig im Kopf 16.40; 3D: Home 17.20;
Kingsman 19.20; Fifty Shades of Grey 19.30; American Sniper 19.40; Traumfrauen 19.50; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 19.50; Kino Kiste, Tel. 998 74 81: Doktor Proktors Pupspulver 14; Frau Müller muss weg 15.45; Als wir träumten 18;
Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit
20.10; UCI Kinowelt am Eastgate, Tel. 93 03 02 60: U 1 3D:
Asterix im Land der Götter 14; Fast & Furious VII 16, 19.30; U
2 Fast & Furious VII 14, 17.15, 20.30; U 3 Home 12.15; Der
Medicus 15; Die Bestimmung - Divergent 20; U 4 Der Nanny
12, 14.45, 17.30, 20.15; U 5 Shaun das Schaf 12.15,
14.45, 17; Honig im Kopf 19.45; U 6 Mara und der Feuerbringer 12.15, 14.45, 17.15; American Sniper 19.45; U 7 Ge-
D
KINOPROGRAMM
spensterjäger 12, 14.30, 17; Kingsman 19.45; U 8 Fünf
Freunde IV 12; Cinderella 14.30; Home 17.15; Fifty Shades
of Grey 20;
MITTE
B
Acud, Tel. 44 35 94 98: A 1 Der kleine Drache Kokosnuss
17; Heute bin ich Samba 19; Leviathan 21.15; A 2 Viel Gutes
erwartet uns - Sa meget godt i vente (OmU) 18; Von Menschen und Pferden 20; Birdman oder die unverhoffte Macht
der Ahnungslosigkeit - Birdman or the Unexpected Virtue of
Ignorance (OmU) 22; Arsenal, Tel. 26 95 51 00: A 1 Magical
History Tour: Made in U.S.A (OmU) 19; Magical History Tour:
Europa (1990) (OV) 21; A 2 Magical History Tour: Das weite
Feld / Kurische Nehrung 20; Babylon Mitte, Tel. 242 59 69:
B 1 Bibi & Tina: Voll Verhext! 16; Afrika - Das magische Königreich 16.15; Ella und der Superstar 16.30; Stopping - Wie
man die Welt anhält 18; Pepe Mujica - Der Präsident (OmU)
18.15; Die Räuber 18.30; Cine en espanol: El camino de los
ingleses - Summer Rain (OV) 20; BAIZ bleibt - woanders 20;
Von Menschen und Pferden - Hross i oss (OmU) 20.15; Central, Tel. 28 59 99 73: C 1 Pettersson und Findus: Kleiner
Quälgeist, große Freundschaft 10.30; Streif - One Hell of a
Ride 12.15; Das ewige Leben (DFmenglU) 14.45, 17.15, 20,
22.45; C 2 Quatsch und die Nasenbärenbande 11; Ella und
der Superstar 12.45; My Stuff - Was brauchst Du wirklich? My Stuff (OmU) 14.30; Doktor Proktors Pupspulver 16.15;
Whiplash (OmU) 18.15, 20.45, 23.15; CinemaxX Potsdamer Platz, Tel. 040/80 80 69 69: C 1-19 Still Alice 10.40,
17, 19.30; Die Bestimmung - Insurgent 10.50, 13.45; Baymax: Riesiges Robowabohu 10.50; Das ewige Leben 11; Der
Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere 11; Honig im Kopf 11,
14, 17; Best Exotic Marigold Hotel II 11.15, 14.15, 17.15,
19.30, 22.30; Selma 11.15; Mara und der Feuerbringer
11.30, 14, 16.30, 18.20; Afrika 11.30; Cinderella 11.30,
14.15, 16.45, 19.30; Fünf Freunde IV 11.30, 14.30; Bibi &
Tina: Voll Verhext! 11.30; Der Nanny 11.45, 14.30, 17.15,
20, 23; Gespensterjäger 12, 14.30, 17; 3 Herzen 12; Home
12.15, 14.45; Shaun das Schaf 12.15, 14.40, 17.30; Fast &
Furious VII 12.30, 14, 16, 17, 19.30, 20.30, 22.30, 23;
Asterix im Land der Götter 13.10; Eine neue Freundin 13.30;
Focus 14, 16.30, 20.15, 23; SpongeBob Schwammkopf 14;
Zu Ende ist alles erst am Schluss 14.10; Traumfrauen 14.15,
17, 20; Verstehen Sie die Beliers? 14.30; American Sniper
15.30, 19.45, 22.45; Into the Woods 16.15; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 16.45, 19.45, 22.45; Kingsman 17, 19.30,
22.45; 3D: Every Thing Will Be Fine 17, 19.30, 23.15; 3D:
Home 17.15; Fifty Shades of Grey 17.15, 20, 22.45; Das
blaue Zimmer 19; Frau Müller muss weg 19; The Boy Next
Door 20, 23; Heute bin ich Samba 20; Sneak Preview 20; Tod
den Hippies 20.45; Birdman oder die unverhoffte Macht der
Ahnungslosigkeit 21.10, 23.10; Chappie 21.15; The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben 22; Jupiter Ascending
22.30; John Wick 23; Ouija 23.20; Cineplex Alhambra, Tel.
01 80/505 03 11: A 1-7 Shaun das Schaf 11.30, 13.25,
15.30; Home 11.40; 3D: Home 11.45, 13.55, 17.35; Cinderella 11.45, 14.15, 16.55; Mara und der Feuerbringer 12,
13.40, 16; Der Nanny 12, 14.40, 17.15, 19.50, 22.30; Gespensterjäger 12, 14.30, 17; Fast & Furious VII 14.10,
16.15, 19.30, 20, 22.45; Kocan Kadar Konus (TürkmdtU)
17.15, 20, 23; Güvecin Ucuverdi (TürkmdtU) 18.20, 19.45,
22.15; Sneak Preview 20; The Boy Next Door 20.40, 23.05;
3D: Die Bestimmung - Insurgent 22.30; Kingsman 22.40;
CineStar CUBIX Filmpalast Alexanderplatz, Tel. 04 51/703
02 00: C 1 SpongeBob Schwammkopf 11; Cinderella 11,
13.45, 19.30; Der Nanny 11.10, 14.40, 17.20, 20.15,
23.15; Shaun das Schaf 11.20, 13.40, 17.15; The Imitation
Game - Ein streng geheimes Leben 11.20; Gespensterjäger
11.40, 14.15, 16.30; 3D: Die Bestimmung - Insurgent
11.45, 19.45; Home 12; Mara und der Feuerbringer 12.10,
14.45, 17.30; 3D: Asterix im Land der Götter 13.20; Fast &
Furious VII 14, 16, 17, 19.30, 20.30, 22.30, 23; Honig im
Kopf 14; 3D: Home 14.30, 16.45; Still Alice 15.35; Best
Exotic Marigold Hotel II 17.10, 20.10; The Boy Next Door
18.10, 23.20; Kingsman 19.15, 22.50; Fifty Shades of Grey
20; Traumfrauen 20.40; American Sniper 22.40; Chappie
23.10; Tod den Hippies - Es lebe der Punk! 23.30; CineStar
im Sony Center, Tel. 04 51/703 02 00: C 1 Best Exotic
Marigold Hotel II (OV) 13.30, 16.30, 19.30; Die Bestimmung Insurgent (OV) 13.40; Selma (OV) 13.50; Fast & Furious VII
(OV) 14, 16.30, 20; Shaun das Schaf - Shaun the Sheep: The
Movie (OV) 14.15; Home (OV) 14.30, 17; Into the Woods (OV)
14.30; Cinderella (OV) 14.40, 17, 19.50; Birdman oder die
unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit - Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance (OV) 16.30; 3D: Every Thing Will Be
Fine (OV) 16.50, 19.45; 3D: Die Bestimmung - Insurgent (OV)
17.20, 20.30; 3D: Home (OV) 17.30; American Sniper (OV)
19.40; Kingsman (OV) 20.15; The Imitation Game - Ein streng
geheimes Leben (OV) 20.25; CineStar IMAX, Tel. 04 51/703
02 00: 3D: Galapagos: Wunderland der Natur 11; 3D: Wildes
Madagaskar: Die Insel der Lemuren 12.10; Fast & Furious VII
13.15, 16.30, 20; City Kino Wedding, Tel. 01 77/270 19
76: Von jetzt an kein zurück 16; AfricAvenier: 100 % Dakar 19;
Filmrauschpalast, Tel. 394 43 44: Mars Attacks! (OV) 15.30;
Altman (OmU) 18; Das blaue Zimmer (OmU) 20; Guardians of
the Galaxy (OV) 22; Hackesche Höfe Kino, Tel. 283 46 03: H
1 Viel Gutes erwartet uns (OmU) 15.30; N: Der Wahn der
Vernunft (FranzmdtU) 17.45; A Most Violent Year (OmU) 20,
22.30; H 2 Die Reise zum sichersten Ort der Erde (OmU) 15;
Eine neue Freundin (OmU) 17.30, 20; Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit (OmU) 22.15; H 3 Tristia
(OmU) 15.30; Still Alice (OmU) 17.45, 20; The Visitor (OmU)
22.15; H 4 Das Mädchen Hirut (OmU) 15; Zu Ende ist alles
erst am Schluss (OmU) 17.30, 19.30, 21.30; H 5 Pepe Mujica (OmU) 16; Sacro GRA (OmU) 18; Tod den Hippies - Es lebe
der Punk! (DFmenglU) 20, 22; International, Tel. 24 75 60
11: International Das Salz der Erde (2014) 11.30; Best Exotic Marigold Hotel II 14, 16.45, 19.30; Siegessäule und
Teddy präs. MonGay: Weekend (2011 GB) (OmU) 22;
NEUKÖLLN
B
Cineplex Neukölln Arcaden, Tel. 01 80/505 06 44: K 1-9
Shaun das Schaf 12, 15, 17.15; Home 12, 14.30; Der Nanny
12, 14.30, 17.05, 19.45; Mara und der Feuerbringer 12,
14.15, 17.10; Gespensterjäger 12, 14.30, 17; SpongeBob
Schwammkopf 12.30, 14.45; Cinderella 12.30, 15; 3D:
Home 12.30, 17.45; Fast & Furious VII 14.20, 16.45, 19.30;
Güvecin Ucuverdi (TürkmdtU) 17, 20.15; Kocan Kadar Konus
(TürkmdtU) 17.30, 20; 3D: Die Bestimmung - Insurgent
19.30; Bizim Hikaya (TürkmdtU) 20; Sneak Preview 20; The
Boy Next Door 20.10; Neues Off, Tel. 62 70 95 50: Das Salz
der Erde (2014) - The Salt of the Earth (OmenglU) 14.40; A
Most Violent Year (OmU) 17, 19.45, 22.30; Passage, Tel. 68
23 70 18: P 1 Shaun das Schaf 14, 16; Das ewige Leben 18,
20.45; P 2 Gespensterjäger 14.10, 16.20; Still Alice 18.30;
Als wir träumten 20.45; P 3 Verstehen Sie die Beliers? 15,
17.15, 19.30; Tod den Hippies - Es lebe der Punk! 21.45; P 4
Heute bin ich Samba 14.15, 19; Zu Ende ist alles erst am
Schluss 16.45; A Most Violent Year 21.30; Rollberg, Tel. 62
70 46 45: R 1 Best Exotic Marigold Hotel II (OmU) 14.50,
17.30, 20.15; R 2 Boyhood (OmU) 14; Inherent Vice - Natürliche Mängel (OmU) 17.15, 20.30; R 3 Der große Trip - Wild
(OmU) 14; Kingsman (OV) 16.30, 21.15; Still Alice (OmU) 19;
R 4 Pepe Mujica - Der Präsident (OmU) 14, 18; Finding Vivian
Maier (OmU) 16; Selma (OmU) 20; R 5 Shaun das Schaf Shaun the Sheep: The Movie (OV) 15, 17; Whiplash (OmU)
19.20, 21.40; UCI Kinowelt Gropius Passagen, Tel. 66 68
12 34: G 1 Mara und der Feuerbringer 12, 15, 17.30; Fünf
Freunde IV 12.10; Der Nanny 12.15, 17.20, 20.15; Gespensterjäger 12.20, 14.50, 17.15; Shaun das Schaf 13.45; Fast
& Furious VII 14, 16, 19.30; Cinderella 14.30; Der Medicus
15; 3D: Home 17.20; American Sniper 19.40; Honig im Kopf
20; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 20.10; Kingsman 20.10;
PANKOW
B
Blauer Stern Pankow, Tel. 47 61 18 98: B 1-2 Gespensterjäger 14, 16; Shaun das Schaf 14, 16, 18; Best Exotic Marigold
Hotel II 18, 20.15; Zu Ende ist alles erst am Schluss 20.15;
BrotfabrikKino, Tel. 471 40 01: N: Der Wahn der Vernunft - N:
The Madness of Reason (OmU) 18; Wild Tales: Jeder dreht
mal durch - Relatos salvajes (OmU) 20; Downstairs-Kino im
Filmcafé, Tel. 81 01 90 50: My Stuff - Was brauchst Du wirklich? (OmU) 19.30; FT am Friedrichshain, Tel. 42 84 51 88: F
1 Paddington 11; Still Alice 13; Every Thing Will Be Fine 15,
20.15; 3D: Every Thing Will Be Fine 17.30; Sneak Preview 23;
F 2 Shaun das Schaf 11, 14, 16, 18; Leviathan 20.30; F 3
Von Menschen und Pferden 12; Als wir träumten 14, 19;
Heute bin ich Samba 16.30, 21.30; F 4 Leviathan (OmU) 12;
Verstehen Sie die Beliers? 15, 19.30; Zu Ende ist alles erst
am Schluss 17.15; Tod den Hippies - Es lebe der Punk!
21.45; F 5 Wir sind jung. Wir sind stark. 11; Gespensterjäger
13.30, 15.40; Das ewige Leben 17.45, 20; Kino in der Kulturbrauerei, Tel. 04 51/703 02 00: K 1-8 Home 12, 14.15; Fünf
Freunde IV 12; Grand Budapest Hotel 12; Kuddelmuddel bei
Pettersson und Findus 12; Cinderella 12.10, 14.40; Gespensterjäger 12.15, 14.45, 17.15; Doktor Proktors Pupspulver 12.15; Shaun das Schaf 12.30, 15, 17.30; Bibi & Tina:
Voll Verhext! 14; Best Exotic Marigold Hotel II 14.10; Still
Alice 14.30; Mara und der Feuerbringer 15.20, 17.40; 3D:
Home 16.30; 3D: Every Thing Will Be Fine (OmU) 16.50,
19.45, 22.45; Best Exotic Marigold Hotel II (OmU) 17, 20;
Cinderella (OmU) 17.15; Verstehen Sie die Beliers? - La famille Belier (OmU) 17.30; Das blaue Zimmer 18.45; Still Alice
- Still Alice (OmU) 19.45; Das ewige Leben 19.50, 22.45;
Heute bin ich Samba (OmU) 20; Tod den Hippies - Es lebe der
Punk! 20.10, 22.45; Birdman oder die unverhoffte Macht der
Ahnungslosigkeit - Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance (OmU) 20.15; Zu Ende ist alles erst am Schluss 20.45,
23; Inherent Vice - Natürliche Mängel - Inherent Vice (OmU)
22.20; Eine neue Freundin 23; A Most Violent Year (OmU) 23;
Als wir träumten 23; Krokodil, Tel. 44 04 92 98: Titos Brille
17.15; Leviathan (OmU) 19; Citizenfour (OmU) 21.30; Lichtblick-Kino, Tel. 44 05 81 79: Werkschau Andreas Dresen: Als
wir träumten 16.30; Sacro GRA - Das andere Rom (OmU)
18.30; Werkschau Andreas Dresen: Sommer vorm Balkon
20.15; Pepe Mujica - Der Präsident (OmU) 22; Toni & Tonino,
Tel. 92 79 12 00: Toni Shaun das Schaf 15, 17; Leviathan
19.30; Tonino Home 14, 16; Still Alice 18; Verstehen Sie die
Beliers? 20; UCI Kinowelt Colosseum, Tel. 44 01 92 00: C 1
Fast & Furious VII 14.15, 16.15, 17, 19.30, 20.15, 23; Cinderella 14.15; Fünf Freunde IV 14.15; Der Nanny 14.30, 17.30,
20.15, 22.45; Die Bestimmung - Insurgent 14.50; Shaun das
Schaf 14.50, 17.15; Asterix im Land der Götter 15; Mara und
der Feuerbringer 15.15, 17.45; Home 15.15; Gespensterjäger 15.20, 17.45; Honig im Kopf 16.45; Best Exotic Marigold
Hotel II 17, 20; 3D: Every Thing Will Be Fine 17.30, 20.15,
23.05; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 17.30, 23; Birdman
oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit - Birdman or
the Unexpected Virtue of Ignorance (OV) 20; Verstehen Sie
die Beliers? 20; Tod den Hippies - Es lebe der Punk! 20.15;
Fifty Shades of Grey 20.15; Interstellar 22.30; A Most Violent
Year 23; Kingsman 23; Focus 23; American Sniper 23;
REINICKENDORF
B
CineStar Tegel, Tel. 04 51/703 02 00: C 1 Mara und der
Feuerbringer 11, 13.25, 18.20; Home 11; Cinderella 11,
13.45, 16.35; 3D: Baymax: Riesiges Robowabohu 11.15;
SpongeBob Schwammkopf 11.15; Asterix im Land der Götter
11.15; Fünf Freunde IV 11.30; Gespensterjäger 11.45,
14.30, 15.50; Shaun das Schaf 12.10, 14.30, 17.15; 3D:
Home 13.30; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 13.45, 19.30;
Der Nanny 14, 17.05, 19.35; Fast & Furious VII 14, 16, 17,
19.30, 20.30; Zu Ende ist alles erst am Schluss 14.30;
Traumfrauen 16.45; Honig im Kopf 16.55; Best Exotic Marigold Hotel II 17, 20.05; American Sniper 19.30; Fifty Shades
of Grey 19.50; Kingsman 20.10; The Boy Next Door 20.45;
SPANDAU
B
Cineplex Spandau, Tel. 01 80/505 02 11: K 1-5 Baymax:
Riesiges Robowabohu 10; Home 10; Gespensterjäger 10,
12.30, 14.45, 17.20; Shaun das Schaf 10, 12, 14.25; Cinderella 10, 12.20, 17.30; 3D: Home 12, 14.05; SpongeBob
Schwammkopf 12.15; Fast & Furious VII 14.05, 16.20,
19.30, 20, 22.40; Der Nanny 14.50, 16.40, 20.15, 23; Best
Exotic Marigold Hotel II 17.10, 19.15, 22.15; Sneak Preview
20.15; Kingsman 22.55; American Sniper 22.55; Kino im
Kulturhaus Spandau, Tel. 333 60 81: Afrika - Das magische
Königreich 12; Das Salz der Erde (2014) 13.45; Verstehen
Sie die Beliers? 16; Heute bin ich Samba 18; Birdman oder
die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit 20.15;
STEGLITZ-ZEHLENDORF
B
Adria, Tel. 01 80/505 07 11: Best Exotic Marigold Hotel II
12.45, 15.30, 18.10, 20.50; Bali, Tel. 811 46 78: Land der
Wunder 16; Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit 18; The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
20.30; Capitol, Tel. 831 64 17: Verstehen Sie die Beliers?
15.45, 20.30; Still Alice 18.10; Cineplex Titania Palast, Tel.
01 80/505 05 20: T 1-7 SpongeBob Schwammkopf 10;
Home 10, 12.10, 17.40; Mara und der Feuerbringer 10,
12.25, 15, 17.15; Gespensterjäger 10, 12.15, 14.40,
17.40; Der Nanny 10, 12.20, 14.40, 17, 20, 22.45; Shaun
das Schaf 10, 11.50, 14.30, 17.05; Cinderella 10, 12.05,
15, 17.30; Asterix im Land der Götter 12; Fast & Furious VII
13.55, 16.45, 19.30, 19.45, 22.45; 3D: Home 14.20; Kingsman 19.45, 22.55; 3D: Every Thing Will Be Fine 20, 23; Fifty
Shades of Grey 20; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 20.10;
American Sniper 22.45; Focus 23; Sneak Preview 23; Thalia
Movie Magic, Tel. 774 34 40: T 1 Shaun das Schaf 11.30,
13.45, 16; Gespensterjäger 11.30, 13.45, 15.45, 18.15;
Cinderella 11.30; 3D: Home 11.30; Mara und der Feuerbringer 13.45; Home 13.45; Fast & Furious VII 15.45, 17.45,
20.30; Der Nanny 15.45, 18.15, 20.30; Selma 16; Kingsman 20.30; 3D: Die Bestimmung - Insurgent 20.30;
TEMPELHOF-SCHÖNEBERG
B
Cinema am Walther-Schreiber-Platz, Tel. 852 30 04: Paddington 15; Whiplash 17.30; Verstehen Sie die Beliers? 20;
Cosima, Tel. 85 07 58 02: Frau Müller muss weg 18; Birdman
oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit 20.15;
Odeon, Tel. 78 70 40 19: Best Exotic Marigold Hotel II - The
Best Exotic Marigold Hotel 2 (OmU) 14.45, 17.30, 20.15;
Xenon, Tel. 78 00 15 30: The Imitation Game - Ein streng
geheimes Leben (OmU) 16; Something Must Break - Nanting
maste ga sönder (OmU) 18.30; Eine neue Freundin - Une
nouvelle amie (OmU) 20.30;
TREPTOW-KÖPENICK
B
Astra Filmpalast, Tel. 636 16 50: A 1-5 Gespensterjäger 10,
12, 16; Mara und der Feuerbringer 10, 12, 14, 18; Cinderella
10, 12.30, 15, 17.30; Shaun das Schaf 10, 12, 14, 16;
Home 10, 14; 3D: Home 12, 18; Fast & Furious VII 14, 17,
20, 22.30; Der Nanny 15.45, 18, 20.15, 22.30; Kingsman
20, 22.30; Fifty Shades of Grey 20; 3D: Die Bestimmung Insurgent 20, 22.30; Casablanca, Tel. 677 57 52: Asterix im
Land der Götter 14; Still Alice 15.45; Als wir träumten 18;
Verstehen Sie die Beliers? 20.30; CineStar - Der Filmpalast
Treptower Park, Tel. 04 51/703 02 00: C 1 Mara und der
Feuerbringer 11.15; Home 13.30; Fast & Furious VII 16,
19.30; C 2 Gespensterjäger 11.40, 14.10, 16.50; Der Nanny
19.45; C 3 3D: Baymax: Riesiges Robowabohu 11.20; Die
Bestimmung - Insurgent 13.45; Honig im Kopf 16.35; 3D: Die
Bestimmung - Insurgent 20; C 4 Traumfrauen 12; Mara und
der Feuerbringer 14.55, 17.30; The Boy Next Door 20.20; C 5
Kocan Kadar Konus (OmU) 11.15; Fast & Furious VII 14,
17.15, 20.30; C 6 Shaun das Schaf 12.10, 14.35, 17.05;
American Sniper 19.40; C 7 Fünf Freunde IV 11.55; 3D: SpongeBob Schwammkopf 14.50; Der Nanny 17.20; Chappie 20;
C 8 Cinderella 11.30, 14.15; 3D: Home 17; The Imitation
Game - Ein streng geheimes Leben 19.50; C 9 3D: Home
11.50; Der Nanny 14.25; Fifty Shades of Grey 17.10; Kingsman 20.15; Kino Spreehöfe, Tel. 538 95 90: K 1 Shaun das
Schaf 10.15, 12.15, 14.15, 16.15; Cinderella 10.15, 15,
17.30; Mara und der Feuerbringer 10.30, 12.45, 18.15; Gespensterjäger 10.45, 13, 18; Home 10.45, 13; Der Nanny
12.45, 15, 17.30, 20.30; Fast & Furious VII 15.15, 17.15,
20; 3D: Home 15.15; Verstehen Sie die Beliers? 20; Still
Alice 20.15; Frau Müller muss weg 20.15; Union Filmtheater, Tel. 65 01 31 41: Ella und der Superstar 13.30; Zu Ende
ist alles erst am Schluss 15.30; Still Alice 18; American Sniper 20.30;
Alle Angaben ohne Gewähr
16
LESERMEINUNG
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Den Judas dreschen?
D
Nur die Note zählt
„Wehe, einer fällt durch“ vom 22. März
Ich lehre an verschiedenen Hochschulen,
war Lesepatin und habe zwei Kinder, die
in drei Ländern an fünf verschiedenen
Schulen waren. Eines meiner Kinder ist
lernschwach. Aus dieser Erfahrung weiß
ich, dass es in Deutschland eine Obsession mit Leistung und dem Aufzeigen von
Schwächen gibt, die einmalig ist und das
Verhältnis von Lehrenden und Schülern
und Studierenden vergiftet. In Großbritannien und den USA liegt der Fokus auf
dem Lernprozess. In Großbritannien gibt
es für kleinere Kinder keine Noten und
keine Versetzung. Vielmehr wird am Jahresanfang und Jahresende der Wissensstand abgefragt und nur der Fortschritt
als Erfolgskriterium für die Schule gemessen. In Deutschland möchte der Lehrer
den Wissensstand und die Intelligenz des
Kindes abfragen. Wie es dorthin kommt
und wie es sich verbessert, steht an zweiter Stelle. Wenn das Kind das Lernziel
nicht erreicht, muss es aussortiert und
ihm die mangelnde Reife attestiert werden. Dann kann und soll es sich auf einem niedrigeren Schultyp wiederfinden.
Ob das Kind vielleicht langsamer lernt,
deutsch als Fremdsprache hat oder andere Probleme, ist dabei völlig unerheblich. Erheblich ist nur der Unterschied
zum Klassenziel und dem Klassendurchschnitt. Daher ist auch der Notenspiegel
so wichtig.
Als Lesepatin habe ich in Kreuzberg
mitangesehen, wie die deutsche Lehrerin
einer Klasse mit ausschließlich türkischen und arabischen Kindern gegenüberstand und ein Kind nach dem anderen an dieser Art des Unterrichts gescheitert ist. Ich habe als Lesepatin dann irgendwann auch das Handtuch geworfen,
weil ich es nicht mehr ertragen konnte.
Die amerikanische Englischlehrerin
meiner rechtschreibschwachen Tochter
sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen, denn es gäbe auch Präsidenten,
die nicht buchstabieren können. Neben
Diktaten, bei denen es auf Rechtschreibung ankommt, gibt es Aufsätze, bei denen es auf den Inhalt ankommt und bei
denen sie von der Rechtschreibung absieht. Ihre Deutschlehrerin hätte dafür
kein Verständnis. Hier geht es nur um
Rechtschreibung und Grammatik.
Deutschland hat in der OECD noch immer die niedrigste Rate der Studienabschlüsse. Das kann man angesichts des
dualen Ausbildungssystems verteidigen.
Aber man sollte diejenigen, die an die
Unis kommen, zu eigenständig Handelnden ausbilden und Problemlösungskompetenzen trainieren.
Wir haben immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund und anderen Faktoren, die ihnen das Lernen erschweren.
Wir als Lehrende müssen unsere Haltung zum Lernen verändern. Auf den
Fortschritt kommt es an, nicht auf das
Dokumentieren von Wissenslücken.
Und schon gar nicht auf eine abstrakte
Fixierung auf Leistung.
— Anke Hassel, Berlin
C
ADRESSE
D
VERLAG DER TAGESSPIEGEL
Leserbriefe
10876 Berlin
FAX ...........................(030) 29021-14091
TEL ...........................(030) 29021-14444
Per E-Mail erreichen Sie uns unter:
leserbriefe @ tagesspiegel.de
Bitte vermerken Sie auch bei E-Mails
Ihre vollständige Anschrift. Die Redaktion behält sich Kürzungen der eingesandten Briefe vor.
Weitere Lesermeinungen finden Sie
unter www.tagesspiegel.de unter den
jeweiligen Artikeln.
kannten eine Puppe: Alte Kleider werden mit
Stofffetzen, Stroh, Schaumstoff oder Gips gefüllt.
Mit einem Strick wird die Puppe dann noch in
der Nacht an der nächstbesten Laterne, einem
Baum oder Mauervorsprung aufgeknüpft.
Der heikle Part ist, dass das Volk gar kein Interesse mehr am wirklichen Judas hat, der sich ja
selbst ums Leben brachte, sondern es wählt sich
seine Verräter selbst. Der „Verräter“, das kann
jeder sein, den man nicht mag. Ein schlecht
gelittener Nachbar, ein Krimineller, das brasilianische Staatsoberhaupt. Der Name der Person wird
mit einem Schild für alle sichtbar an die Puppe
geheftet.
Nun kommt man zusammen und drischt mit
Stöcken so lange auf die Puppe ein, bis sie abfällt
oder aufreißt. Doch damit nicht genug, am Boden wird weiter auf sie eingetreten und zu guter
Letzt Feuer an sie gelegt. Es kommt auch vor,
dass der „Judas“ mit Feuerwerkskörpern gesprengt wird. In der Gemeinde Itu im Bundesstaat São Paulo ist es Brauch geworden, ihn mit
Sprengstoff auf dem Dorfplatz in die Luft zu jagen – unter Aufsicht der Behörden und den Blicken tausender Schaulustiger.
Das Ganze ist also eine Art Lynchmord, der
recht zweifelhafte Züge annehmen kann. Eine Bekannte berichtet von Kindern, die einen unbeliebten Klassenkameraden zum Judas machten. Eine
andere erzählt von der Angst am Samstag vor die
Schweigen ist Pflicht
Zum Flugzeugabsturz
Fundierte Informationen sind wichtig,
ebenso wie Kommentare der verschiedensten Betroffenen und Experten, aber
wenn es nur noch darum geht, dass auch
alle diejenigen, die auch sonst in jeder
Fernsehdiskussionsrunde sitzen, ihre Betroffenheit zeigen und ihre Spekulation
dazu abgeben dürfen, dann geht das
über das berechtigte Informationbedürfnis der Bevölkerung hinaus und ist – in
meinen Augen – überflüssig und kontraproduktiv. Im Übrigen bin ich auch der
Ansicht, dass weder die Veröffentlichung des vollen Namens noch eines Fotos des mutmaßlichen Selbst(Mörders)
notwendig ist. Das mag für die Angehörigen der Opfer wichtig sein, um das Geschehene zu begreifen und zu verarbeiten, aber nicht für die unbeteiligte Öffentlichkeit. Wie sollen die Eltern des
Andreas L., die ja letztendlich auch einen Sohn verloren haben, und außerdem
noch damit fertig werden müssen, dass
dieser offenbar zum Mörder an 149 Passagieren geworden ist, unter diesen Um-
ständen jemals wieder ein „normales“
Leben führen können?
— Eva Maria Buddee,
Berlin-Charlottenburg
***
„Lubitz schon vor Jahren suizidgefährdet“ – diese Überschrift ist für mich unerträglich. Über die Schweigepflicht von
Ärzten und Therapeuten wird diskutiert.
Wenn die aufgehoben werden sollte,
wird sich doch kaum ein junger Mensch
mehr wagen psychotherapeutische Hilfe
zu suchen, vor allem dann nicht, wenn
er oder sie zugibt, Schwierigkeiten mit
dem Leben auf dieser Welt zu haben und
vielleicht keinen Sinn mehr darin für
sich zu sehen. So ein Mensch kommt zur
Psychotherapie im Vertrauen darauf,
Hilfe zu bekommen, und das ist sehr gut
und verdient Anerkennung! Wir wissen,
dass sich in unserer heutigen Zeit viele
junge Menschen das Leben nehmen,
weil sie mit dieser Welt nicht mehr zurechtkommen, in der sich fast alles nur
um Geld dreht, um „besser, schneller, höher, mehr …“, und sie darin keinen Sinn
mehr sehen. Tatsache ist auch, dass viel
zu viel geflogen wird, dass wir damit
nicht nur unser Klima schädigen, sondern auch kräftig dazu beitragen, unsere
Lebensgrundlage zu zerstören.
Dieses Unglück ist ausgesprochen tragisch, schlimm, mit nichts zu rechtfertigen oder zu beschönigen – aber mit solchen Überschriften wird wieder auf sogenannte psychisch Kranke mit dem Finger gezeigt und dass man Angst vor ihnen haben sollte. Das sind meist besonders sensible Menschen, die in eine
Krise geraten sind, mit einer Diagnose
versehen werden und Medikamente
schlucken müssen – sie zu verstehen
wird viel zu wenig versucht. Ich habe
Angst vor vielen sogenannten Gesunden. Menschen werden niemals berechenbar sein wie Maschinen – hoffentlich. Ohne Vertrauen geht gar nichts.
— Monika Wiedemann-Borné,
Kleinmachnow
— Roswita Mätzig-Wurm, Teltow
Inzwischen bin ich 60 Jahre und habe
aufgrund gesunder Ernährung noch immer eine sehr vorzeigbare Figur.
Ich trage bevorzugt Skinnyjeans, Ankleboots und pfiffige Tops. Letztere
kaufe ich bei Zara, Mango und auch
H&M, schlichtweg, weil ich mir teurere
und gediegenere Mode (was ist das überhaupt?) nicht leisten könnte. Mein blusher kommt von Rossmann.
Ich arbeite als Gymnasiallehrerin und
habe festgestellt, dass viele Schülerinnen und Schüler eine in ihren Augen
„cool“ gekleidete Lehrerin bevorzugen.
Als Angestellte mit halber Stelle bei der
Kirche werde ich erst mit 65 Jahren und
neun Monaten in Rente gehen können.
Gern würde ich meinen Platz für die
GANZ EIGENEN WEG
„Hermann Hesse an der Decke“ v. 28. März
Hesse war mitnichten ein „starrer Pietist“, ganz im Gegenteil! Er ist mit 15 aus
seinem schwäbisch-pietistischen Pfarrelternhaus und vor seinem prügelnden
Vater ausgerissen, desgleichen aus dem
Internat Maulbronn, und ist seinen ganz
eigenen sehr humanen Weg gegangen.
Lesen Sie dazu „Unterm Rad“.
Donc la prochaine un peu plus de recherche et un peu plus de connaissance
de la littérature allemande, chère Madame. Avec mes amitiés,
— Dr. Erich Engler, Berlin
***
GRÜNE REVOLUTION
„Auf dem Highway in die Zukunft“
vom 29. März
Welch’ Freude, dass Sie mit vielen Beiträgen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer und Fußgänger darauf hinweisen, dass es in Berlin im Vergleich zu anderen Städten noch viel zu
tun gibt. Kopenhagener Freunde haben
KURZ & BÜNDIG
Zum Kopftuch-Urteil
Was sagen die Verfassungsrichter? Ein
Verbot des Kopftuchs in der Schule sei
eine Benachteiligung anderer Religionen.
Warum so kleinmütig? In Frankreich, das
seit über 100 Jahren eine strikte Trennung von Staat und Kirche praktiziert, finden sich in staatlichen Schulen keinerlei
religiöse Symbole, Kopftücher, weder bei
Lehrerinnen noch Schülerinnen, keine
Kippas oder andere religiös motivierten
Kleidungsstücke und natürlich keine
Kreuze. Auch wir brauchen eine weltanschaulich neutrale Schule! Wie sollen
muslimische Mädchen, die kein Kopftuch
tragen möchten, sich noch gegen Beschimpfungen wehren können, wenn
auch die Lehrerin eines trägt? Davon wissen die Verfassungsrichter oder Befürworter des Urteils offenbar nichts. Für diese
Kinder und ihre nicht verschleierten Mütter wird die Freiheit der Weltanschauung
geradezu unmöglich. Für das Tragen der
Kippa in der Öffentlichkeit gibt es im Judentum keine Vorschrift. Das Kreuz, genau betrachtet, ist Symbol eines grausa-
men Foltermordes. Ärgerlich am Schleier
ist, dass er Symbol einer Religion ist, die
Frauen als Menschen zweiter Klasse betrachtet, auch wenn es ihren Trägerinnen
nicht (mehr) bewusst ist. Auch in der Öffentlichkeit möchte ich Menschen als
Menschen begegnen und nicht als Angehörige von Religionen. Das schließt eine
Ganzkörperverschleierung, unter der der
Mensch nicht mehr erkennbar ist, aus.
Auch wenn ein Burkaverbot für den öffentlichen Raum, wie es in Frankreich
und Belgien Gesetz ist, hier von der konservativen Rechten ins Spiel gebracht
wird, ist es darum nicht falsch. Ein liberaler Islam kommt ohne Schleier aus. Wir
sollten muslimische Frauen und Mädchen
ermutigen, ihn abzulegen und nicht die
Repression gegen Muslima, die ihn nicht
tragen, weiter verschärfen! Alle Menschen, die hier leben und unsere Verfassung achten, gleich welcher Religion und
Weltanschauung, gehören zu Deutschland!
— G. Willms, Berlin
Kreatives Programmieren
Vielleicht einfach weiterarbeiten,
nicht ganz so frustrierte Artikel schreiben, eine große oder kleine Karriere machen und sicher sein: Auch Wilmersdorfer Witwen sterben aus. Dann stehen
schöne innerstädtische Altbauwohnungen zur Verfügung! Mit freundlichen
Grüßen von einer „alten Henne“.
E
— Philipp Lichterbeck ist
freier Journalist und Autor.
Er lebt seit 2012 in
Rio de Janeiro und berichtet
für den Tagesspiegel
über Brasilien
und Lateinamerika.
Ein liberaler Islam kommt ohne Schleier aus
Coole Gruftis
„Auf ewig in Röhrenjeans und Lederjacke“
vom 20. März
Nun muss ich nicht mehr zum Arzt oder
Friseur gehen, um über Orangenhaut
oder andere wesentliche Neuigkeiten
von Promis informiert zu werden, nein,
dankenswerterweise erfahre ich dies
nun auch durch meine Tageszeitung.
Nachdem ich (60+) mich heute morgen
in meine Röhrenjeans gezwängt hatte
und in Ermangelung einer Leder- in eine
Jeansjacke, fragte ich mich, welche Kleiderordnung Sie, Frau Bemmer, wohl für
so einen Grufti wie mich vorsehen.
Beige farbene Hosen mit eingenähter Bügelfalte in gewagter Kombination mit einer ebenso beigen Windjacke mit Kapuze?
Die Zielrichtung des Artikels von Frau
Bemmer wird nicht klar: Ach herrje, auf
den „Chefsesseln ... und in den innerstädtischen Altbauwohnungen“ sitzen Menschen, aber nicht Ihrer Altersklasse?
Wie wollen Sie nun mit diesen verfahren? Oder gar mit den Menschen meines
Alters, noch mal zehn bis 15 Jahre älter
als die Baby-Boomer? Was bietet sich
denn Ihrer Meinung nach an: Zwangsentmietung, fristlose Entlassung ... ?
Tür zu treten und eine Puppe mit dem eigenen
Namen baumeln zu sehen.
In diesem Jahr, so viel ist aber jetzt schon klar,
wird Präsidentin Dilma Rousseff häufiges Ziel
des Volkszorns sein. Rousseff hat katastrophale
Beliebtheitswerte, die Wirtschaft stagniert, ein
Korruptionsskandal erschüttert das Land, die Medien feuern ununterbrochen, sie scheint für jedes
Übel verantwortlich zu sein.
Zur Herkunft des Judasdreschens gibt es heute
verschiedene Theorien. Manche Historiker wollen darin Reste der mittelalterlichen Judenverfolgung wiedererkennen. Andere gehen in vorchristliche Zeiten zurück: Es gehe um das Vertreiben
böser Geister zu Beginn der Aussaat.
Am Sonntag wenden sich die Brasilianer dann
übrigens wieder Jesus zu, wenn sie in oft überfüllten Kirchen singend und tief bewegt die Auferstehung feiern.
Foto: privat
***
ieses Jahr wird es wohl die unglückliche
Präsidentin treffen, wenn am Ostersamstag der Judas gedroschen wird. Es ist ein
archaisches, teils grausames Ritual, das mit den
spanischen und portugiesischen Einwanderern
über den Atlantik gekommen ist und die Jahrhunderte in Brasilien überdauert hat. Brasilien, das
Land mit der größten katholischen Bevölkerung
der Welt, in dem sich 140 Millionen Menschen,
rund 70 Prozent, zu Rom bekennen.
Auch wenn viele dies nur noch formell tun,
so spielt Ostern weiterhin eine Schlüsselrolle.
Und so wie in allen Einwandergesellschaften
Lateinamerikas haben auch in Brasilien uralte
Bräuche überlebt, die uns Europäern heute
fremd erscheinen.
Dabei beginnt Ostern ganz harmlos am Gründonnerstag, wenn die Priester den Gläubigen die
Füße waschen, so wie einst Jesus seinen Jüngern
vor dem Abendmahl. Am Karfreitag, den man
hier „Tag der Leidens“ nennt, wird bei streng
Gläubigen gefastet und geruht, nicht mal das
Haus darf gekehrt werden. Erst am Abend isst
man Fisch, niemals Fleisch. Es folgen Messen
und Prozessionen, um die Kreuzigung des Heilands zu betrauern, und in manchen Dörfern endet der Tag mit der Verbrennung eines Holzkreuzes. Das mag man gruselig finden, Stichwort Ku
Klux Klan, doch soll so die Schuld von den Gläubigen genommen werden.
Am „Halleluja-Samstag“ gibt es dann eine
Gaudi, die leicht makabre Züge annehmen kann
und von der sich immer mehr Brasilianer abwenden, insbesondere gebildetere und wohlhabendere. In vielen urbanen Gegenden ist sie ausgestorben, doch in den Favelas, in Kleinstädten
und auf dem Land besteht der Brauch weiterhin
fort.
Der Judas wird gedroschen („malhar o Judas“),
mancherorts sagt man auch: „Judas aufhängen“
oder „Judas verbrennen“. Doch ganz gleich, es
geht um dasselbe. Judas Ischariot, der Verräter
des Jesus, wird symbolisch seiner Strafe zugeführt, und der Scharfrichter ist das Volk.
Wie das funktioniert? Jeder, der sich berufen
fühlt, bastelt mit Freunden, Nachbarn und Be-
pa/dpa
Es ist Ostern, und wie schon zu Weihnachten fragen
wir uns: Wie wird in anderen Ländern gefeiert?
Werden dort auch Eier bemalt und Osterhasen
aus Schololade gesucht, gehen die Menschen
in die Kirche, essen sie am Karfreitag Fisch,
steht am Ostersonntag der Lammbraten
für die Familie auf dem Tisch?
Voriges Jahr haben wir Ihnen die Bräuche Bulgariens
nahegebracht. Dieses Mal haben wir unseren
Kollegen in Brasilien gefragt. Und er berichtet:
Im größten katholischen Land der Welt hat
ein archaischer Osterbrauch überlebt.
nächste Generation früher räumen,
aber als Akademikerin komme ich nie
auf 45 Beitragsjahre, die mir den vorzeitigen abschlagsfreien Rentenbeginn mit
63 Jahren ermöglichen würden. Diese
Spielregeln haben andere vorgegeben.
Supergern besuche ich Rockkonzerte,
wird auf ihnen doch die Musik meiner
Generation gespielt. Die „Stones“ waren
da nur der Anfang. Meine Tochter hingegen, Mitte 20, ist eher in der Technoszene unterwegs.
Zu „Mädelsabenden“ wird von meiner Altersgruppe eingeladen, Jüngere
verabreden sich häufig zu „girls nights“.
Und wenn schon: Das Wort „Mädel“
wird hier für „W wie weiblich“ gebraucht.
Übrigens: Mein Sohn, ein 22-jähriger
Medizinstudent (keine feste Freundin),
berichtet mir regelmäßig, dass ich bei
seinen wechselnden Bekanntschaften
sehr gut ankomme. Eine Begleiterin verriet mir sogar, dass sie gern „so eine
Mutter“ würde haben wollen: „Wer jung
bleiben will, signalisiert Frische, Energie und ist auf der Höhe der Zeit“.
— Jens Brix, Berlin-Charlottenburg
Schülerinnen und Schülern, wie einfach
und kreativ Programmieren sein kann.
Zahlreiche Unternehmen bieten Workshops für Schüler und Lehrer zum souveränen Umgang mit Internet und Computer an. Die Studie offenbart auch die digitale Spaltung der Gesellschaft: Kinder
aus sozial schwachen Verhältnissen
schneiden besonders schlecht ab. Digitaler Wohlstand für alle braucht Chancengleichheit! Der digitale Bildungspakt
muss nicht nur in der großen Koalition,
sondern quer durch die Gesellschaft geschlossen werden – mit Schulen, Lehrern und Eltern, in der beruflichen Bildung, im Vereinswesen. Es braucht die
Einsicht der Länder, dass digitale Bildung nicht zum Opfer von Standortwettbewerb werden darf. So kann zukunftssichernde Vermittlung von Medienkompetenz in dem Dreieck Schule, Institutionen und private Erziehung wachsen.
— Inger Paus, Leiterin Gesellschaftliches
Engagement, Microsoft Berlin
— Katharina Ruppert, Berlin-Nikolassee
Ammenmärchen
F
sich sehr gewundert, wie gefährlich es ist,
in Charlottenburg Fahrrad zu fahren. Erst
via Windscheidstraße über Kopfsteinpflaster in teils dritter Spur, dann durch
einen dunklen Tunnel weiter in südlicher
Richtung bis zum Kurfürstendamm. Auf
dem Boulevard anschließend auf der Busspur (geduldet und abgedrängt von BVG
und Taxi) Richtung Gedächtniskirche.
Die Kopenhagener sind dann doch lieber
ohne Fahrrad weitergezogen.
Unsere Kinder gehen am S-Bahnhof
Charlottenburg zur Schule. Rund um die
Paula-Fürst-Schule existieren so gut wie
keine Fahrradwege! Sämtliche Kreuzungen sind für unsere Kinder eine Gefahrenstelle. „Rund-um-grün-Ampeln“ würden
das Überqueren sicherer machen, da es
keine abbiegenden Fahrzeuge mehr gäbe.
Der politische Wille ist gefragt: KantStraße zu einer Green Lane umwandeln,
zwei Spuren, eine für Autos, eine für
Fahrradfahrer mit grüner Phase vom
Messegelände bis zum Zoo! Das wäre
eine Revolution.
„IT schon für Grundschüler“ vom 25. März
Der Artikel thematisiert den „Pakt der
digitalen Bildung", durch den die große
Koalition den Umgang deutscher Schüler mit Computern verbessern will.
Höchste Zeit – denn Themen wie Sicherheit und Datenschutz im Netz betreffen
nicht nur die Zukunft unserer Kinder,
sondern prägen massiv ihren Alltag. Deswegen tragen wir Verantwortung für
ihre digitale Kompetenz – als Schlüssel
für Bildung, berufliche Zukunft und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dass
die Vermittlung von Medienkompetenz
eine zu geringe Rolle an Schulen spielt,
zeigen nicht nur die ernüchternden Ergebnisse der „International Computer
and Information Literacy Study“. Die
Forderung der großen Koalition treibt
jetzt hoffentlich in der schulischen Praxis mehr Früchte. An Unterstützung von
Seiten Wirtschaft und Institutionen mangelt es nicht. So hat die bundesweite Initiative „Code your Life“ bereits auf die
Ergebnisse der Studie reagiert und zeigt
MACHT NICHTS - 50 JAHRE SPÄTER
Zu den neuen Rahmenlehrplänen
für Berliner Schulen
Als ich 1966 in Hessen mit den Fächern
Deutsch und Geschichte in den Schuldienst kam, hatte der Kultusminister
Ludwig von Friedeburg (SPD) das Fach
Geschichte in der gymnasialen Oberstufe durch das Fach Gemeinschaftskunde ersetzt. Dafür war ich aber nur
sehr eingeschränkt kompetent, denn
Erdkunde und Politikwissenschaft hatte
ich nicht studiert.
Bis heute werden in Deutschland Lehrer „nur“ in zwei Fächern ausgebildet.
Macht nichts, sagt die Schulsenatorin
Sandra Scheeres (SPD) in Berlin 50
Jahre später. Sozialdemokraten haben
einen langen Atem, wenn es darum geht,
ihre bildungspolitischen Ziele durchzusetzen. Das gilt auch für ihr Ziel, das
Gymnasium durch die Gesamtschule,
Gemeinschaftsschule oder Einheitsschule zu ersetzen.
— Prof. Dr. Horst Gies,
Berlin-Wilmersdorf
„Ran an den Speck“ vom 24. März
Das Thema Fettleber ist bezüglich Ursachenentstehung und Therapie komplex.
Die Autorin behauptet „Die Fettleber ist
tatsächlich oft die Ursache für Übergewicht, nicht umgekehrt.“ Eine gewagte
Behauptung , die so nicht stehen gelassen
werden kann. Nehmen wir z.B. die insulinpflichtigen Diabetiker. Diese sind in
der Regel – insbesondere beim Typ – 1 –
Diabetes – schlank oder normalgewichtig, haben aber oft bei schlechter Einstellung eine Fettleber. Besteht ein grobes
Missverhältnis zwischen Energiezufuhr
und -verbrauch, wird die überschüssige
Energie in Fett umgebaut und in der Leber gespeichert mit dem Resultat einer
Fettleber. Alkohol ist für die Leber toxisch und führt auch zur Fettleber, der
Vorstufe der Fettzirrhose, dem dritten
und letzten Stadium der Fettleber. Der
zu viel Alkohol trinkende Mensch entwickelt eine Fettleber, unabhängig von seinem Gewicht. Alkohol plus Übergewicht
beschleunigt diese Entwicklung. Menschen vom Obstverzehr abzuhalten oder
davor zu warnen, ist krass. Obst schadet
nicht, auch größere Mengen schaden
nicht. Polysaccharide wie Fruktose sind
ungefährlich, in Riesenmengen Monosaccharide wie Glukose zu futtern schon.
Die Fettleber, nicht dagegen die Fettzirrhose, kann sich zurückbilden, ist also reversibel. Kalorien- und Alkoholreduktion sind hierfür die wichtigsten Voraussetzungen. Kommt Bewegung bzw. Sport
dazu, ist die Leber so gut wie gerettet.
Spezielle Diäten sind zur Heilung nicht
notwendig, Mariendistel oder Artischockenpräparate sind umstritten, vielleicht
unterstützen sie den Heilungsprozess.
Wird ein insulinpflichtiger Diabetiker optimal eingestellt, verschwindet das Fett
aus der Leber. Es ist ein Ammenmärchen,
dass die Fettleber, nicht einmal die Fettzirrhose, Schmerzen verursacht. Nur bei
akuter Volumenzunahme der Leber (z. B.
akute Hepatitis), kann ein diffuser Kapseldehnungsschmerz auftreten. Der Grund:
Nur die Kapsel, das Lebergewebe selbst,
hat keine Schmerzrezeptoren.Der Hinweis, dass die Fettleber Schmerzen auslöst, ist deswegen irreführend, weil so
mancher dann glaubt, solange er keine
Schmerzen verspürt, sei seine Leber o. k.
Pustekuchen!
— Dr. Jörn Pankow, Flensburg
Wo galoppieren sie denn? In Hoppegarten, beim Saisonauftakt – Seite 21
SPORT
WWW.TAGESSPIEGEL.DE/SPORT
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
SEITE 17
Wie die WOCHE wird
Nichts ist süß
ohne ping!
Wie jeden Sonntag an dieser Stelle:
Unser Blick auf die nächsten sieben Tage
Alles ist möglich
Kennen Sie das, wenn es „ping!“ macht?
Tausendfach ping, und das Leben ändert
sich in einem Augenblick? Als Sportfan
braucht man hierzu immer auch Glück –
und mitunter viiiiieeeeel Ausdauer. Gemeint ist gar nicht unbedingt der Moment, in dem Sie vielleicht mal das
Schweißband von Roger Federer fangen
oderIhnen per Videowürfel ein Heiratsantrag gemacht wird. Manchmal reicht
schon der Anschlusstreffer zum 1:4, ping,
2:4, ping, 3:4, ping, ping. Es sind ja vor allem diese unvorhersehbaren Wendungen,
Launen, Sensationen, die uns narren, die
uns süchtig machen, die uns so manches
0:0 in der Zwischenzeit ertragen lassen.
An bitteren Pleiten zergehen – an süßen
Siegen auferstehen. Ping! Alles ist möglich. Vielleicht schon kommende Woche.
Nacht von Landsberg am Lech
Viertelfinale im DFB-Pokal, Bayer Leverkusen empfängt am Mittwoch den
FC Bayern (Beginn 20.15 Uhr, live in der
ARD). 2:2 nach 90 Minuten, keine Tore
in der Verlängerung. Elfmeterschießen,
Foto: Georg Moritz
Des einen Freud, des anderen Neid
Silvia Neid hat sich viel vorgenommen.
Das Blitzlichtgewitter übersteht die
Frauen-Bundestrainerin, die bald nicht
mehr Frauen-Bundestrainerin sein will,
ohne jeden Schaden. Doch dann entgleitet ihr am Mittwoch bald das Gesicht. Im
Länderspiel gegen Brasilien (Beginn
18 Uhr, live in der ARD) fällt in der 11.
Minute das 0:1, zwischen der 23. und 29.
Minute kombinieren sich die Südamerikanerinnen durch eine deutsche Abwehr,
die anscheinend bald keine deutsche Abwehr mehr sein will, und erhöhen sensationell auf 5:0. Auf den Tribünen weit
und breit Schock. Frauen beißen sich in
die Fäuste, Männer beten zu Gott, Kinder
weinen. Am selben Abend ein gewisser
Neymar über das 7:1 bei Twitter: „A vingança é doce!“ Rache ist süß.
Sie wollen doch nur spieIen
Fußball ist populär wie
nie. In Berlin müssen
Vereine immer öfter
Kinder abweisen, weil
Trainer fehlen
Von Sebastian Stier
Nicht schon wieder. Bis Mittwoch hat
Uli Hoeneß noch Zeit zum Üben. Foto: Imago
22 Spieler, 22 Treffer. Roger Schmidt
oben rechts, Pep Guardiola unten links.
Rudi Völler trifft, Matthias Sammer trifft,
Brian the lion trifft, Berni trifft, irgendwann liegt Leverkusen vorn und München sind die Schützen ausgegangen. Es
hilft ja alles nichts: Liveschaltung auf den
Bolzplatz der JVA. Und Uli Hoeneß
drischt den Ball in den Nachthimmel von
Landsberg am Lech.
Obradi Obrada
Am Donnerstag, nach bereits 23 Spielen
im laufenden Wettbewerb, kann Alba Berlin als erste deutsche Basketballmannschaftins Viertelfinale derEuroleagueeinziehen. Und das entscheidende Spiel gegen Maccabi Tel Aviv (Beginn 20 Uhr,
Arena am Ostbahnhof und live bei
Sport 1) könnte knapper nicht ausgehen.
Albas heißblütiger Trainer Sasa Obradovic gegen Spielende schon längst aus der
Halle verbannt, sein Team Sekunden vor
Schluss mit zwei Punkten im Rückstand.
Mit der Schlusssirene dann, weit aus der
eigenen Hälfte, ein verzweifelter Wurf,
hoch und höher, fliegt auf den Korb der Israelis zu, offeneMünder,alles still,verkantet am Ring, kreist und kreist und kreist
und kreist...
Nullnummer
Freitagabendspiel in der Fußball-Bundesliga: Hertha BSC gegen Hannover 96 (Beginn 20.30 Uhr, live bei Sky). In der Halbzeitpause des öden Abstiegskicks noch
nicht einmal ein Heiratsantrag.
Eisbrecher
Das geschichtsträchtige Boat Race zwischen den beiden englischen Universitäten Oxford und Cambridge findet am kommenden Sonnabend bereits zum 161. Mal
statt. Und es hat ja schon alles gegeben bei
diesem Ruderduell: das eine Boot gesunken, das andere, der Zielrichter eingeschlafen, ein Flitzer im Wasser. Was soll
daalsonochkommen?Vielleicht malBlitzeisauf der Themse – ping,und plötzlich alles vorbei.
Benjamin Apitius
I
st schon ein bisschen spät an diesem Nachmittag. Der Verkehr, und
dann hat er auch noch eine Spielerin abgeholt. René Milczynski
(Foto oben) muss sich jetzt beeilen.
Er greift seine Tasche, verschwindet in
der Umkleidekabine und tauscht die locker sitzende Jeans, den blauen Kapuzenpullover und die Turnschuhe gegen einen
schwarz-roten
Trainingsanzug
und
schwarze Fußballschuhe. Modell Tausendfüßler, die für Kunstrasen. Keine
fünf Minuten später kommt er als Erster
aus der Kabine, gefolgt von seinen Kindern, alle zwischen neun und dreizehn
Jahren alt.
René Milczynski, 28, ist Trainer und
Jugendleiter von Askania Coepenick, einem Amateurverein im Berliner Südosten mit 253 Mitgliedern. Er betreut die
U13 und die U11. D- und E-Jugend also.
Auf dem Platz an der Wuhlheide wimmeln 16 Kinder umher an diesem Nachmittag im April, der sich so nach April
anfühlt. Schnee, Sonne, Regen, Wind.
Vier Jahreszeiten in einer Stunde. Das
Vereinsgelände ist ein kleines Idyll. Kräftige Kiefern umranden den Hauptplatz,
weiter hinten liegt ein Kunstrasenfeld.
Die Kinder, die hier Fußball spielen, können sich glücklich schätzen. Nicht wegen
der Kiefern, nicht wegen des Idylls, sondern weil sie von Milczynski nicht abgelehnt wurden. „Zuletzt musste ich Eltern
immer häufiger sagen, dass wir für ihre
Kinder keinen Platz bei uns haben“, erzählt der Jugendleiter und wird auf einmal ernster. Das kommt nicht oft vor.
René Milczynski, der Mann mit dem
rundlichen Gesicht, der kleinen, gedrungenen Statur und den rotbraunen Haaren, lacht sonst gern und viel. Nur jetzt
nicht, jede Abweisung tut ihm weh. „Ich
will keinem Kind die Möglichkeit nehmen, bei uns Fußball zu spielen.“
Aber es geht nicht mehr anders. Das
Problem ist: Milczynski fehlen die Trainer. Längst sind es nicht mehr genug, um
den vielen Anfragen von Eltern gerecht
zu werden. „Um alle Kinder bei uns aufnehmen zu können, bräuchten wir mindestens vier zusätzliche Trainer“, sagt
Milczynski. Achtzehn Übungsleiter kümmern sich bei Askania Coepenick um die
rund 180 Kinder und Jugendlichen. „Das
geht vom Verhältnis gerade noch so“,
sagt Milczynski. Vor allem bei den Kleinfeld-Mannschaften unterhalb der C-Jugend sind die Kapazitäten begrenzt. Mehr
als 16 Kinder pro Mannschaft macht
kaum Sinn. Schließlich wollen alleam Wochenende auch spielen.
Zu wenige Trainer, zu viele Kinder. Dieses Problem kennen fast alle Berliner Vereine unterhalb von Hertha BSC oder dem
1. FC Union. In den Altersklassen zwischen sechs und zwölf Jahren ist der Ansturm besonders groß.
Die Bereitschaft, sich im Ehrenamt zu
engagieren, sinkt, glaubt Milczynski, der
sich über jeden Freiwilligen freuen
würde. Nur es meldet sich niemand. Job,
Familie, Freunde – nicht jeder ist bereit, so
bedingungslos seine Freizeit zu opfern
wie er. Über 30 Stunden pro Woche sind
eher Regel als Seltenheit. Ehrenamtlich.
Abends, wenn er nach Hause kommt,
schreibt er zusätzlich noch an einem Jugendkonzept. Morgens, kurz nach vier,
verschickt er schon wieder SMS. René
Milczynski würde ja noch mehr Zeit in
sein Hobby investieren, wenn da nicht die
Arbeit wäre. Er ist Fernmeldeelektroniker
bei den Berliner Verkehrsbetrieben,
Schichtdienst. Dazu zwei bis drei Mal pro
Woche Training, am Wochenende ein
Spiel. Welche Partnerin, welche Familie
machtdas aufDauer mit? Milczynski ist ledig.
Deal mit Textil. Trikots von Fußballern sind
bei Kindern beliebt. Foto: Imago/ActionPictures
Bei Askania würden sie gern noch eine
Mädchenmannschaft aufbauen. Anfragen
gibt es genug, Trainer nicht. Selbst wenn
sich die Zahl der Trainer verdoppeln
ließe, das Problem wäre nicht gelöst. Fußball ist gerade bei Kindern so beliebt, dass
er im Amateurbereich zwangsläufig an
Grenzen stoßen muss. Andere Sportarten
können da nicht mehr mithalten. Nicht
beiden Mitgliederzahlen, nicht unterwirtschaftlichen Aspekten und schon gar
nichtbei der Fernsehpräsenz. 2014schauten 34,6 Millionen Menschen das WM-Finale, ein Jahr zuvor waren sieben der zehn
meistgesehenen
TV-Sendungen
in
Deutschland Fußballspiele. Klubs wie der
FC Bayern oder Borussia Dortmund neh-
men Millionenbeträge durch Trikotverkäufe ein. Kinder tragen stolz die neuesten Modelle, Arjen Robben steht dann auf
ihrem Rücken oder Marco Reus. Trikots
von Spitzenhandballern oder Eishockeyspielern sucht man auf Schulhöfen meist
vergeblich.
Fußball war schon immer der Deutschen liebstes Spiel, nur ging die Schere
zu den restlichen Sportarten noch nie so
weit auseinander, wie es gerade der Fall
ist. Im Jahr 2014 musste der Deutsche
Olympische Sportbund einen Mitgliederrückgang bei den Sieben- bis Vierzehnjährigen vermelden. In dieser Altersklasse
konnten sich 3,2 Prozent weniger Kinder
und Jugendliche für olympische Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen,
Handball, Tennis oder Turnen begeistern
als im Jahr zuvor. Die Verbände werben
oft vergeblich um Kinder.
Der Berliner Fußball-Verband (BFV)
muss keine Werbung betreiben. Für den
BFV war 2014 ein Rekordjahr. 307 neue
Jugendmannschaften meldeten sich an,
das sind um die 5000 Kinder. Insgesamt
nehmen in dieser Saison 2193 Jugendmannschaften am offiziellen Spielbetrieb
teil. Mancherorts nimmt die Entwicklung
skurrile Züge an. Beim FC Viktoria 1889,
dem Klub mit der größten Jugendabteilung Deutschlands, sind zehn Mannschaften der Altersklasse neun bis zehn Jahre,
derE-Jugend, angemeldet. „Mitden Anfragen, die es gab, hätten wir auch noch eine
elfte aufmachen können,“, sagt der Trainer der zehnten Mannschaft.
Bernd Schultz, der Präsident des BFV,
glaubt, dass der Mitgliederanstieg auch
mit dem Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in
Brasilienzutun hat. „Aber auch inden Berliner Vereinen wurden mit viel Engagement herausragende Rahmenbedingungen geschaffen“, sagt Schultz. „Schön,
dass immer mehr Kinder und Jugendliche
den Weg zum Fußballsport finden.“
Andere Sportverbände dürftendieseBegeisterung kaum teilen. Fußball hat sich
zueinerPflanze entwickelt, einermit riesigen Blättern, in deren Schatten die übrigen Spezies nur mühevoll überleben.
René Milczynski versucht, seine Kinderfür verschiedene Sportarten zubegeistern. Manchmal geht er mit ihnen Bogenschießen, manchmal Kanu fahren. Nicht,
um sie vom Fußball wegzubringen, das
wäre ja verrückt. Er will nur zeigen, dass
es noch andere Sachen gibt, die auch beim
Fußball hilfreichsein können.Bogenschießen schult die Koordination und die Konzentration. Kanu fahren stärkt das Mannschaftsgefühl. Macht einer im Boot einen
Fehler, gerät das ganze Team ins Wanken.
Askanias Trainerbieten zusätzlich in einer Köpenicker Schule eine Fußball AG
an. Viele Kinder finden darüber den Weg
zu Askania. Der Fußball holt die Kleinsten
schon von der Schule ab, wie eine fürsorgliche Mutter. Die anderen können dagegen nur schlecht aussehen. Die Handbal-
ler und die Leichtathleten. Die Turner
und die Schwimmer. Sie sind scheinbar
zu Rabeneltern geworden. Oder ist das
zu einfach? AGs all dieser Sportarten
werden laut Milczynski an der Köpenicker Schule nicht angeboten. „Vielleicht
müssten die anderen Sportarten mehr
Präsenz zeigen“, sagt er. „Gerade in den
Schulen.“
Er, der Fußballer, glaubt, dass die
aktuelle Entwicklung irgendwann seinem Sport schaden könnte. In Berlin
sind Platzverfügbarkeiten immer ein
Thema. Wo sollen all die Junioren-Teams trainieren? Gerade kleinere
Vereine verfügen oft nur über ein, zwei
Felder. Und dann bleibt da die Trainerproblematik.
Eltern stärker einbinden,
so könnte es gehen
Im Berliner Südosten gibt es sie wie in
Mitte oder imäußersten Westen derStadt.
Bei Blau-Weiß Spandau klagt Jugendleiter
Andreas Kaminsky überdie gleichen Nöte
wie sein Kollege René Milczynski. Kaminsky, Jahrgang 1958, ein kräftiger, schlanker Mann mit raspelkurzen Haaren,
musste um die Weihnachtszeit viele Eltern enttäuschen. „Wir können ihr Kind
nicht aufnehmen, tut mir leid“, sagte er
und meinte es auch so. Umgekehrt gab es
oft weniger Verständnis. Manche Eltern
wurden laut, vergriffen sich im Ton. Kaminsky, pensionierter Polizeibeamter,
blieb ruhig. Von Berufs wegen.
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Spandau ist eine BerlinerFußball-Hochburg, zirka zehn Vereine ballen sich hier
auf engem Raum. Das Angebot ist hoch,
dieNachfrage höher.Freie Plätze in den Jugendteams gibt es nur wenige.
Die Anlage von Blau-Weiß Spandau
liegt an einer befahrenen Straße. Ein
Kunstrasenplatz, das war’s. Kaminsky hat
für das Treffen eine Eckkneipe genau gegenüber gewählt. Es ist noch nicht ganz
Mittagszeit, er braucht jetzt erst einmal einen Kaffee. „Wissen Sie“, sagt Kaminsky,
„ich versteh das auch nicht. Manche Eltern, die wollen ihren Vierjährigen schon
zum Fußball anmelden.“ Klar, es gibt
diese Altersklasse. G-Jugend, von vier bis
sechs Jahren. „Sinn macht das aber nicht“,
findet Kaminski. „Die Koordination ist
überhaupt noch nicht so da, und die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder ist gering. Im Idealfall müssten sich drei oder
vier Trainer um die Kinder kümmern.“
Drei bis vier Trainer, wer kann das schon
in Berlin? Blau-Weiß Spandau nicht.
Dem Klub fehlen vier bis fünf Trainer.
Anzeigen in Zeitungen schaltet Kaminsky
nicht mehr. „Da meldet sich eh keiner.“ Er
versucht jetzt was anderes. Sein Plan: Eltern stärker einbinden. Sie, die fast immer
mit am Spielfeldrand stehen, sind potentielles Trainer-Rohmaterial. Auch, weil
beim Jugendfußball eine Trainerlizenz
nicht Pflicht ist. Nur ein polizeiliches Führungszeugnis muss vorgelegt werden.
Sportlich betrachtet sind Trainer mit Lizenz natürlich nützlicher für die Entwicklung der Kinder, aber Kaminsky sieht das
pragmatisch. „Wenn wir wählerisch wären, müssten wir noch mehr Kinder wegschicken.“
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SPORT
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
DER 27. SPIELTAG DER FUSSBALL-BUNDESLIGA
Kein normaler Sieg
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Der FC Bayern gewinnt ungewohnt defensiv 1:0 bei Borussia Dortmund, das mit seiner Effektivität hadert
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Nach dem Schlusspfiff trafen sich Pep Guardiolaund Matthias Sammerund verharrZ_Tagesspiegel-Fußball_58-5x25_1 1
05.02.2015 11:14:54ten
Uhr lange in inniger Umarmung. Die Geste
BUNDESLIGA
zeigte deutlich, dass der FC Bayern München keinen normalen Sieg in der Bundes27. Spieltag
liga errungen hatte, sondern einen Erfolg
1. Bayern München
27 21 4 2 71:13 67 mit dem Prädikat „besonders wertvoll“.
2. VfL Wolfsburg
27 17 6 4 60:30 57
Der Rekordmeister gewann bei Borus3. Mönchengladbach 27 14 8 5 41:21 50 sia Dortmund vor 80 667 Besuchern im
4. Bayer Leverkusen 27 13 9 5 49:29 48
ausverkauften Stadion mit 1:0 (1:0) und
5. FC Schalke 04
26 11 6 9 37:31 39
erbrachte dabei den Nachweis, dass er
6. FC Augsburg
26 12 2 12 33:34 38
7. TSG Hoffenheim
27 10 7 10 41:42 37 auch beißen kann, wenn er mal nicht in
8. Eintracht Frankfurt 27 9 8 10 51:54 35 der Lage ist, seinen Gegner mit spieleri9. Werder Bremen
27 9 8 10 41:54 35 scher Leichtigkeit zu beherrschen. Das
10. Borussia Dortmund 27 9 6 12 34:34 33 Tor des Abends gelang dem ehemaligen
11. FSV Mainz 05
27 6 13 8 35:36 31 Dortmunder Robert Lewandowski. Da12. 1. FC Köln
27 7 9 11 26:33 30 mit machten die Münchener nicht nur ei13. Hertha BSC
26 8 5 13 31:44 29 nen großen Schritt Richtung Titelvertei14. SC Freiburg
27 6 10 11 27:36 28 digung, sie werteten den Sieg auch als
15. Hannover 96
27 7 7 13 31:44 28 Prestigeerfolg. „In Dortmund zu gewin16. Hamburger SV
27 6 7 14 16:41 25 nen“, betonte Kapitän Philipp Lahm, „ist
17. SC Paderborn
26 5 9 12 23:50 24
immer etwas Besonderes.“ München
18. VfB Stuttgart
27 5 8 14 28:49 23
kann sich auf eine neue Jubelfeier im Mai
Werder Bremen – FSV Mainz 05 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0:0 einrichten, für die Dortmunder wird es
Bayer Leverkusen – Hamburger SV . . . . . . 4:0 (2:0) immer schwieriger, in den sieben Partien
Eintracht Frankfurt – Hannover 96 . . . . . . . 2:2 (1:0) bis Saisonende zumindest noch die EuVfL Wolfsburg – VfB Stuttgart . . . . . . . . . . . . . . 3:1 (1:1) ropa League zu erreichen.
SC Freiburg – 1. FC Köln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1:0 (1:0)
Dabei hätten die Dortmunder, die sich
Hoffenheim – Mönchengladbach . . . . . . . . . 1:4 (1:3) in der zweiten Hälfte mit Macht der droBorussia Dortmund – Bayern München 0:1 (0:1) henden Niederlage entgegenstemmten,
FC Augsburg – FC Schalke 04 . . . . . . . . . . So., 15.30
mehr herausholen können. „Die Bayern
Hertha BSC – SC Paderborn . . . . . . . . . . . . . So., 17.30
waren nicht die bessere Mannschaft,
aber sie waren gnadenlos effektiv“, sagte
Der nächste Spieltag: Freitag, 10. April: Hannover
- Hertha (20.30 Uhr); Sonnabend, 11. April: Mainz - BVB-Spielführer Mats Hummels: „Du
kriegst gegen diesen
Leverkusen, Gladbach - Dortmund, Schalke - FreiGegner keine 15
burg, München - Frankfurt, Paderborn - Augsburg
Chancen, da musst
(alle 15.30 Uhr), Hamburg - Wolfsburg (18.30 Uhr); Bayern hatte
du die wenigen effekSonntag, 12. April: Köln - Hoffenheim (15.30 Uhr),
zeitweise
Stuttgart - Bremen (17.30 Uhr).
tiver nutzen.“
Die große Frage
sogar
war vor der Partie:
weniger
Wie viel Qualität
BUNDESLIGA
bleibt dem MüncheBallbesitz
ner Kader, wenn die
Bor. Dortmund - Bayern München . . . . . . 0:1 (0:1) als der BVB
HochgeschwindigDortmund: Weidenfeller - Sokratis, Subotic, Humkeitsspieler Alaba,
mels, Schmelzer - Gündogan (79. Mchitarjan), BenRobben und Ribery
der - Blaszczykowski (67. Kagawa), Reus, Kampl
(67. Ramos) - Aubameyang. München: Neuer - Be- ersetzt werden müssen? Das konnte in
natia, Boateng, Dante - Rafinha, Lahm (69. Dortmund trefflich überprüft werden,
Thiago), Xabi Alonso, Schweinsteiger (58. Rode), denn alle drei Leistungsträger fielen verBernat - Müller (79. Götze), Lewandowski.
letzt aus. Ein echtes Handicap, das GuarSchiedsrichter: Kircher. Zuschauer: 80 667 (aus- diola das Statement formulieren ließ, er
verkauft). Tor: 0:1 Lewandowski (36.).
befinde sich in seiner schwierigsten Phase
als Bayern-Trainer. „Ich würde gern anWerder Bremen - FSV Mainz 05 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0:0
ders spielen, als ich heute gespielt habe“,
Bremen: Wolf - Gebre Selassie, Prödl, Vestergaard, Sternberg - Kroos - Aycicek (83. Öztunali), gab Guardiola mit Verweis auf seine verBargfrede - Bartels - Di Santo, Selke (62. Junuzo- letzten Profis zu.
Der Spanier reagierte, indem er seine
vic). Mainz: Karius - Brosinski, Bungert, Bell, Park Geis, Baumgartlinger - Koo (86. Allagui), Malli, De Mannschaft ungewohnt defensiv agieren
Blasis (69. Bengtsson) - Okazaki.
ließ. Die Bayern, die das Spiel normalerSchiedsrichter: Weiner. Zuschauer: 41 000.
weise dominieren, hatten zeitweise weniger Ballbesitz als ihr Gegner. Eine Statistik
Bayer Leverkusen - Hamburger SV . . . . . 4:0 (2:0)
Leverkusen: Leno - Jedvaj (66. Donati), Toprak, Pa- mit Seltenheitswert. Überraschend beorpadopoulos, Wendell - Castro, Bender, Rolfes - Bel- derte Guardiola Mario Götze trotz aller
larabi (81. Calhanoglu), Brandt - Kießling (73. Personalsorgen auf die Bank, vielleicht
Drmic). Hamburg: Adler - Diekmeier, Djourou, Wes- wollte er den Schützen des entscheidentermann, Ostrzolek - Behrami, Jiracek (60. Díaz) - den WM-Tores in der alten Heimat vor
Nicolai Müller (67. Lasogga), Stieber (46. Holtby), den Schmähgesängen seiner ehemaligen
Ilicevic - Olic.
Fans bewahren. Dafür konnte Lahm erstSchiedsrichter: Gräfe. Zuschauer: 30 210 (ausverkauft). Tore: 1:0 Castro (7.), 2:0 Kießling (44.), 3:0 mals nach seinem Fußbruch im November von Beginn an auflaufen.
Kießling (56.), 4:0 Castro (63.).
E
F
E
F
Eintracht Frankfurt - Hannover 96 . . . . . . 2:2 (1:0)
Frankfurt: Trapp - Chandler, Zambrano, Madlung,
Oczipka - Hasebe, Kittel - Aigner (90. Piazón), Inui
(70. Stendera) - Seferovic (84. Valdez), Meier.
Hannover: Zieler - Sakai, Marcelo, Felipe, Schulz Sané - Briand (68. Schlaudraff), Kiyotake (88. Andreasen), Stindl, Prib (67. Albornoz) - Ya Konan.
Schiedsrichter: Aytekin. Zuschauer: 48 000.
Tore: 1:0 Madlung (27.), 2:0 Aigner (54.), 2:1 Marcelo (69.), 2:2 Ya Konan (82.).
VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart . . . . . . . . . . . . . 3:1 (1:1)
Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Naldo, Knoche, Rodriguez - Guilavogui (61. Perisic), Luiz Gustavo - Caligiuri (62. Schürrle), De Bruyne (89. Schäfer), Vieirinha - Dost. Stuttgart: Ulreich - Klein, Baumgartl,
Niedermeier, Hlousek - Serey Die (58. Romeu),
Gentner - Harnik (73. Werner), Maxim (87. Leitner),
Kostic - Ginczek.
Schiedsrichter: Welz. Zuschauer: 30 000 (ausverkauft). Tore: 1:0 Rodriguez (41./Foulelfmeter), 1:1
Harnik (44.), 2:1 Rodriguez (65.), 3:1 Schürrle
(76.).
SC Freiburg - 1. FC Köln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1:0 (1:0)
Freiburg: Bürki - Riether, Krmas, Mitrovic, Günter Klaus (84. Darida), Sorg, Höfler, Schmid - Frantz
(63. Philipp), Petersen (73. Mehmedi).
Köln: Horn - Olkowski (64. Halfar), Maroh, Wimmer,
Hector - Risse, Lehmann, Vogt, Peszko (75. Finne) Deyverson (54. Osako), Ujah.
Schiedsrichter: Dankert. Zuschauer: 23 800. Tor:
1:0 Frantz (37.).
Hoffenheim - Mönchengladbach . . . . . . . . . 1:4 (1:3)
Hoffenheim: Baumann - Beck, Strobl, Abraham
(72. Toljan), Kim - Amiri, Rudy - Volland (68. Modeste), Zuber, Roberto Firmino - Schipplock (68.
Salihovic).
Mönchengladbach:
Sommer
Jantschke, Brouwers, Dominguez, Wendt - Kramer,
Xhaka (76. Nordtveit) - Herrmann (66. Traoré),
Johnson - Raffael (71. Hazard), Kruse.
Schiedsrichter: Kinhöfer. Zuschauer: 30 150 (ausverkauft). Tore: 1:0 Schipplock (17.), 1:1 Kruse
(26./Foulelfmeter), 1:2 Herrmann (31.), 1:3 Raffael (36.), 1:4 Herrmann (51.).
E
TORSCHÜTZEN
F
1. Alexander Meier (Eintracht Frankfurt) . . . . . .
2. Arjen Robben (Bayern München) . . . . . . . . . . . .
3. Robert Lewandowski (Bayern München) . .
Bas Dost (VfL Wolfsburg) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
5. Thomas Müller (Bayern München) . . . . . . . . . .
P.-E. Aubameyang (Borussia Dortmund) . .
Franco Di Santo (Werder Bremen) . . . . . . . . . .
19
17
13
13
12
12
12
Spätes
Comeback
Eintracht Frankfurt – Hannover 96 2:2
Frankfurt am Main - Nach dem Schlusspfiff ballte Tayfun Korkut beide Fäuste.
Hannover 96 hatte gerade bei Eintracht
Frankfurt aus einem 0:2-Rückstand noch
ein völlig verdientes 2:2 (0:1)-Unentschieden gemacht. Zunächst wusste der
in die Kritik geratene Trainer nur, dass
dieser Punkt endlich wieder ein kleines
Erfolgserlebnis im Abstiegskampf war.
Wenig später sagte dann 96-Präsident
Martin Kind: „Es gibt keine Trainerdiskussion.“ Korkut genießt weiter das Vertrauen des Vereins und wird auch am
kommenden Freitag im Duell mit Konkurrent Hertha BSC auf der Bank sitzen.
„Mit dem Punkt und insbesondere mit
dem Spiel bin ich zufrieden. Dass sie nach
einem 0:2-Rückstand noch unentschieden spielt, spricht für die Qualität und den
Willen dieser Mannschaft“, sagte Kind.
Die späten Tore von Marcelo in der 68.
und Didier Ya Konan in der 82. Minute gaben diesem Spiel noch eine völlig leistungsgerechte Wende.
Alexander Madlung und Stefan Aigner
hatten die Eintracht zunächst in Führung
gebracht, aber der Tabellenachte war am
Samstag vor allem spielerisch so
schwach, dass Korkut später sagte: „Mit
etwas Abstand muss ich sagen: Heute
wäre mehr dringewesen.“ Drei Punkte
hätten die Hannoveraner auch gut gebrauchen können, denn noch immer hat der
Tabellen-14. in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga kein Spiel gewonnen.
„Dieses 2:2 ist ein großer Beweis dafür,
dass die Mannschaft intakt ist und sich
wehrt“, betonte Korkut. „Aber wenn man
auf die Tabelle guckt, sieht man, dass wir
weiter mittendrin sind im Abstiegskampf. Nächste Woche gegen Hertha sollten wir mehr holen als heute.“
dpa
Gladbach siegt beim 4:1
erstmals bei Hoffenheim
Freundschaft hält. Die Dortmunder Ex-Kollegen begrüßen Robert Lewandowski (M.) innig, dann trifft er zum Sieg für Bayern.
Auch wenn dem ehemaligen Kapitän
der Nationalmannschaft die fehlende
Spielpraxis noch deutlich anzumerken
war, tat seine bloße Präsenz dem Spiel der
Bayern gut. Zunächst übernahm jedoch
derBVB dasKommando, dieGastgeberbestimmten in der Anfangsphase das
Tempo. Dortmund drückte, doch mit ihrer ersten guten Offensivszene bekamen
die Bayern die Sache in den Griff. Dortmund attackierte nun nicht mehr so
forsch, und der Gast aus München
konnte zwar nicht glänzen, bekam das
Spiel aber immer besser in den Griff. Die
Führung für den Rekordmeister deutete
sich an, weil seine Offensivaktionen wesentlich klarer und zielgerichteter vorgetragen waren als die des BVB, der bis da-
hin noch gar nicht auf das gegnerische
Tor geschossen hatte.
Nach dem Spiel benannte Dortmunds
Trainer Jürgen Klopp das große Manko
ohne Wenn und Aber: „Uns hat in der letzten Zone die Klarheit und die Durchschlagskraft gefehlt.“
Und so kam es, wie zu erwarten war:
Die Bayern erzielten das eine Tor, das die
Partie entscheiden sollte. In der 36. Minute verlor Hummels den Ball an Lewandowski, der Thomas Müller in den Strafraum schickte. Dessen Schuss konnte Roman Weidenfeller zwar noch abwehren,
doch gegen den Kopfball des nachgerückten Lewandowski war er machtlos.
Der Rekordmeister hatte sich bis dato
als die spielerisch klar reifere Mannschaft
Foto: Imago
präsentiert. Dem wollten die Dortmunder
nach dem Wechsel mit Leidenschaft begegnen und berannten das gegnerische
Tor nun mit mehr Nachdruck. Die Bayern,
bei denen Thiago Alcantara nach langer
Verletzungspause für Lahm ins Spiel kam,
ließen sich nun weit nach hinten fallen. Es
machte den Eindruck, als reiche ihnen der
knappe Vorsprung. Ein Vabanquespiel,
Dortmund war nun besser, ohne wirklich
zwingend zu sein. Am Willen lag es nicht,
dass alle Bemühungen zum Ausgleich vergebens waren. Dem BVB fehlte schlicht
und ergreifend die Klasse, um das Schicksal zu zwingen. Guardiola dagegen rechnete bereits vor: „Wir müssen noch vier
von den kommenden sieben Spielen gewinnen, dann sind wir Meister.“
Ein Debüt, das Mitleid erregt
Peter Knäbel verliert sein erstes Spiel als HSV-Trainer 0:4 in Leverkusen
Leverkusen - Peter Knäbel sah am Samstag derart geknickt aus, dass man Mitleid
mit ihm haben konnte. Vom Sportdirektor
des Hamburger SV zum Cheftrainer und
Nachfolger von Josef Zinnbauer umgemodelt, erlebte er in Leverkusen bei seinem
Debüt an der Seitenlinie ein furchtbar
schwaches Spiel des HSV – und eine verdiente Pleite. „Insgesamt gibt es an der
Niederlage nichts zu deuteln. Das war enttäuschend“, lautete Knäbels Kommentar.
Vor 30 210 Besuchern inder Leverkusener Arena erlitt der HSV ein 0:4 (0:2) gegen eine Bayer-Elf, die bei besserer Chancen-Verwertung noch höher hätte gewinnen können. Überhaupt hat Roger
Schmidts Mannschaft einen bemerkenswerten Lauf, in den vergangenen acht
Pflichtspielen kassierte sie nur ein Gegentor und gewann in der Liga fünfmal in Serie zu Null. Dies gelang den Leverkusenern zuletzt in der Saison 1983/84.Hamburg wartet dagegen seit sieben Begegnungen auf einen Sieg. „Wir wollten ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir in der
nächsten Saison wieder in der Champions
League spielen wollen“, sagte Schmidt,
dessen Team Tabellenvierter ist.
Diemitgereisten HSV-Fans tobten dagegen im Gästeblock und beschimpften
nachdem Schlusspfiffdie Hamburger Profis. „Man kann es verstehen, sie haben ja
recht. Wir haben nicht genug gekämpft“,
sagte Kapitän Johan Djourou zu den „Wir
haben die Schnauze voll!“-Rufen.
Der Tabellen-16. präsentierte sich wie
ein Absteiger. Knäbel, der sich seit zwei
Wochen HSV-Trainer nennen darf,
sprach von einem „Horrorstart“, und er
bezog sich nicht nur auf seinen Einstand,
sondern auch auf eine Szene in der siebten Minute. Nach einem Einwurf bekam
Djourou den Ball nicht unter Kontrolle,
spielte einen wackeligen Pass zu Heiko
Westermann, der zusah, wie Karim Bellarabi an der Mittellinie den Ball abfing und
mit Gonzalo Castro in Richtung des Tors
von René Adlers spurtete. All dies ging
zu schnell für die Hamburger, sodass Bellarabi im Strafraum quer auf Castro passen konnte, der zum 1:0 ins leere Tor traf.
„Das erste Tor haben wir praktisch selbst
gemacht“, befand Knäbel. Zudem hatten
die HSV-Profis dazu beitragen, dass das
Selbstbewusstsein der Leverkusener weiter wuchs.
Mit der Führung im Rücken und stabiler Defensive spielte die Bayer-Elf eine
überlegene erste Halbzeit. Die Abwehr
funktionierte gut, obwohl Roberto Hilbert gelbgesperrt fehlte und hinten rechts
Bruchlandung. HSV-Kapitän Djourou (r.,
gegen Kießling) verschuldet das 0:1. Foto: dpa
durch den Kroaten Tin Jedvaj ersetzt
wurde, der nach langer Verletzungspause
sein Comeback gab.
Leverkusen hatte viele gute Chancen,
bevor Kießling in der 44. Minute per
Flugkopfball das 2:0 das erzielte. Die Vorlage kam von Castro, der den Ball nach
einer von Hamburg schlecht geklärten
Ecke flugs zurück in den Strafraum gebracht hatte.
Ständig kamen die HSV-Profis mindestens einen Schritt zu spät, waren oft nicht
auf Höhe des Geschehens. Im ganzen
Spiel hatten sie nur den Ansatz einer Torchance durch Ivo Ilicevic, der nach einer
guten Stunde an Bernd Leno scheiterte.
Nach dem Seitenwechsel bekam Bayer
die Partie noch besser in den Griff – und
konnte, da Hamburg immer mehr verzagte, sein Offensivspiel lässig und schön
aufziehen. Brandt und Kießling zeigten
sich gefährlich vor Adlers Tor, bevor
Kießling in der 56. Minute erneut traf.
Nach einem Durcheinander im Strafraum
staubte er aus kurzer Entfernung ab.
Auch Castro traf ein zweites Mal. Vorbereiter waren Kießling und Bellarabi, die
schneller dachten und passten als die
Hamburger Defensivspieler. Damit ließen es die Profis der Leverkusener gut
sein, sie brachten das Spiel locker und
trotzdem überlegen zu Ende. Als der
Ex-Hamburger Hakan Calhanoglu in der
82. Minute für Brandt ins Spiel kam, pfiffen ihn die HSV-Fans aus – was peinlich
war. Schließlich sangen sie von ihren vollen Schnauzen, während die Leverkusener Fans davon kündeten, dass den Bayern die Lederhosen auszuziehen seien.
Am Mittwoch empfängt Leverkusen die
Münchner im Viertelfinale des DFB-Pokals. Schmidtsagte dazu nur: „Wirwissen,
dass wir in einem sehr guten Zustand
sind.“
Christian Mitatselis
Sinsheim - Mit dem ersten Bundesligasieg
bei der TSG Hoffenheim hat Borussia
Mönchengladbach nachdrücklich seine
Champions-League-Ambitionen unterstrichen. „Das war heute ein ganz deutliches Signal, dass wir uns da oben nicht
mehr verdrängen lassen wollen“, sagte
Stürmer Max Kruse. Und Doppeltorschütze Patrick Herrmann stellte entschlossen fest: „Es sieht gut aus. Wir haben es selbst in der Hand.“ Mit dem souveränen 4:1 (3:1) feierte der seit sieben Spielen ungeschlagene Tabellendritte am
Samstag nicht nur den ersten Erfolg in
Sinsheim, sondern auch eine gelungene
Generalprobe für das Pokal-Viertelfinale
am Mittwoch bei Arminia Bielefeld.
Bei der TSG machte sich das Fehlen
des defensiven Mittelfeld-Duos Eugen Polanski und Pirmin Schwegler sowie des
Abwehrchefs Ermin Bicakcic deutlich bemerkbar. Das Team von Trainer Markus
Gisdol konnte die Ausfälle gegen einen
stark kombinierenden und schnell konternden Gegner nicht kompensieren.
„Mönchengladbach ist in einer sehr guten Verfassung. Gegen solch ein Team
brauchst du die Idealbesetzung“, stellte
Gisdol fest. Sein Kol- Beim siebten
lege Lucien Favre
hatte im Angriff auf Punktgewinn
Kruse anstelle von in Folge trifft
André Hahn gesetzt
und wurde für diese Patrick
Umstellung
be- Hermann
lohnt. Der Nationalspieler war mit ei- doppelt
nem Tor und zwei
Vorlagen neben dem
Doppelschützen Herrmann auffälligster
Akteur auf dem Rasen.
„Es war ein perfekter Tag“, sagte
Kruse. Dabei erwischte die TSG den besseren Start und ging in der guten Partie
nicht unverdient in Führung. Roberto Firmino spielte Schipplock mit einem
Traumpass frei, so dass der Stürmer leichtes Spiel beim Vollenden hatte.
Kurz darauf überschlugen sich dann im
Hoffenheimer Strafraum die Ereignisse.
Nach einem Foul an Gladbachs Fabian
Johnson zeigte Schiedsrichter Thorsten
Kinhöfer auf den Elfmeterpunkt, obwohl
Herrmann den Ball ins Tor befördert
hatte. „Er hat während des Spiels gesagt,
dass er etwas zu früh gepfiffen hat“, berichtete der verhinderte Torschütze. Dessen Part übernahm Kruse, der den Strafstoß zum Ausgleich verwandelte.
Es war das Startsignal für eine starke
Vorstellung der Borussia, die sich als echtes Spitzenteam präsentierte. Zunächst
spitzelte Herrmann eine Wendt-Flanke
ins lange Eck. Dann legte Raffael auf Vorlage von Kruse nach. Kurz nach der Pause
entschied Herrmann die Partie.
dpa
E
F
ZWEITE LIGA
27. SPIELTAG
1. FC Ingolstadt
2. 1. FC Kaiserslautern
3. Darmstadt 98
4. Karlsruher SC
5. Eintr. Braunschweig
6. Fortuna Düsseldorf
7. RB Leipzig
8. VfL Bochum
9. 1. FC Heidenheim
10. FSV Frankfurt
11. 1. FC Nürnberg
12. 1. FC Union
13. SV Sandhausen
14. Greuther Fürth
15. TSV 1860 München
16. VfR Aalen
17. Erzgebirge Aue
18. FC St. Pauli
26
27
26
26
27
26
26
26
27
26
26
26
26
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26
13
13
11
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9
7
9
9
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9
8
6
6
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3
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40:22
38:23
34:19
34:19
34:30
40:35
29:20
43:39
35:35
35:40
31:38
31:42
24:30
26:32
35:40
21:31
21:38
26:44
49
49
45
44
41
39
37
35
34
34
34
34
32
29
26
22
22
22
Greuther Fürth – Eintr. Braunschweig . 1:2 (1:1)
Schiedsrichter: Kampka. Zuschauer: 10 280.
Tore: 1:0 Zulj (28.), 1:1 Thesker (31./Eigentor),
1:2 Reichel (79.).
Kaiserslautern – 1. FC Heidenheim . . . . 4:0 (2:0)
Schiedsrichter: Ittrich. Zuschauer: 32 135. Tore:
1:0 Orban (4.), 2:0 Matmour (42.), 3:0 Klich (77.),
4:0 Hofmann (86.).
SV Sandhausen – 1. FC Union . . . . . . . . . . So., 13.30
TSV 1860 München – Erzgebirge Aue So., 13.30
Darmstadt 98 – VfL Bochum . . . . . . . . . . . . So., 13.30
FC Ingolstadt 04 – FSV Frankfurt . . . . . . . So., 13.30
RB Leipzig – 1. FC Nürnberg . . . . . . . . . . . . . So., 13.30
VfR Aalen – Karlsruher SC . . . . . . . . . . . . . . . . So., 13.30
FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf . . . . . Mo., 20.15
E
TORSCHÜTZEN
F
1. Simon Terodde (VfL Bochum) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2. Charlison Benschop (Fortuna Düsseldorf) . 13
Rubin Okotie (TSV 1860 München) . . . . . . . . . . 13
4. Florian Niederlechner (1. FC Heidenheim) . 10
Sebastian Polter (1. FC Union) . . . . . . . . . . . . . . . 10
Joel Pohjanpalo (Fortuna Düsseldorf) . . . . . . . 10
Rouwen Hennings (Karlsruher SC) . . . . . . . . . . . 10
8. Jakub Sylvestr (1. FC Nürnberg) . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Yussuf Poulsen (RB Leipzig) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Stanislav Sestak (VfL Bochum) . . . . . . . . . . . . . . . . 9
SPORT
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
19
Der Hamburger SV geht unter, Hannover kommt zurück und Mönchengladbach glänzt
Schürrle bringt
Schwung
in die Routine
Wo waren eigentlich …
DIE FLÜGEL?
Wolfsburg - Sein schöner Jubellauf war
von großer Euphorie angetrieben. Man
hätte fast denken können, dass André
Schürrle vor wenigen Sekunden wieder
Weltmeister geworden ist. „Du versuchst
in so einem Moment einfach alles mitzunehmen“, sagte jener Mann, dem zuvor
der vorentscheidende Treffer gelungen
war. Das 3:1 (1:1) des VfL Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart war lange Zeit ein
mäßiges undam Endedoch noch besonderes Spiel. Denn Schürrle, in der Winterpause für rund 32 Millionen Euro vom FC
Chelsea zu den Niedersachsen transferiert, hat endlich sein erstes Tor seit seiner
Rückkehr in die Fußball-Bundesliga geschossen. „Ich will zeigen, dass ich da
bin“, sagte Schürrle voller Angriffslust. Er
war von VfL-Trainer Dieter Hecking erneut auf die Bank gesetzt und erst in der
62. Minute eingewechselt worden.
Schürrles ausgelassene Freude und
zwei Tore von Verteidiger Ricardo Rodriguez, der per Foulelfmeter und per direkt
verwandeltem Freistoß getroffen hatte,
übertünchten einen mäßigen Auftritt des
Siegers. Was Schürrle mit Tempo und Euphorie gelang, erledigte Rodriguez mit demonstrativer Coolness. Der Schweizer
verwandelte einen anDaniel Caligiuri verschuldetenStrafstoß miteiner Prise Hochnäsigkeit. Bis zur letzten Sekunde hatte er
gewartet, dass VfB-Torhüter Sven Ulreich
in irgendeine Richtung hechtet. Auch
beim 2:1 durch Rodriguez sah Ulreich wie
der Depp des Tages aus, als der Ball an allenFeldspielern vorbeiim Tor landete.Genau dieser Schuss Routine von Rodriguez
und der nachträgliche Schwung von
Schürrle machten vor 30 000 Zuschauern
den Unterschied aus.
Man hätte es schon früh ahnen kann,
dass diese Pflichtaufgabe für den VfL
Wolfsburg mit Problemen beladen sein
sollte. Die hohe Fehlpassquote, an der
selbst der sonst so zuverlässige Antreiber
Kevin de Bruyne beteiligt war, entwickelte sich zu einem überraschenden Ärgernis. Dazu gesellte sich beim Tabellenzweiten noch eine gewisse Sorglosigkeit,
zu der eine Szene von Rodriguez passte.
Während das Spiel um ihn herum weiterlief, nahm sich der Schweizer die Zeit, um
seine zu einem Pferdeschwanz gebundenen Haare mit Hilfe eines Gummis neu zu
ordnen. Die Wolfsburger spielten zwar gewohnt dominant und hatten deutlich
mehr Ballbesitz. Aber es fehlte ihnen zunächst die nötige Konsequenz. Was hilft,
wenn es nicht nach Wunsch läuft, ist in
der Regel ein Schuss Raffinesse. So hatte
Caligiuri auf dem Weg zum Wolfsburger
Foto: Imago
Wolfsburgs Stürmer trifft
beim 3:1 gegen Stuttgart
Davie Selke hat sich in Bremen
nicht beliebt gemacht. Er wird
zu RB Leipzig wechseln. Dafür
wurde er ausgepfiffen – das traf
Selke. Gegen Mainz spielte er
schwach, ohne Brausekraft. jne
Müde
gegen
Mühsam
Werder Bremen – FSV Mainz 05 0:0
Wachsender Spaßfaktor. Herthas Trainer Pal Dardai beim 1:0-Auswärtssieg der Berliner in Hamburg.
Foto: Imago/MIS
Mit kämpferischem Optimismus
Unter Pal Dardai treten Herthas Profis selbstbewusster auf als vorher – die Ergebnisse belegen das
Von Michael Rosentritt
Berlin - Vielleicht ist es die natürliche
Verwegenheit, mit der Pal Dardai als Trainer von Hertha BSC vorneweg marschiert. In der Länderspielpause, die die
Bundesliga unterbrochen hat, war er
selbst in seinem Zweitjob bei der ungarischen Nationalmannschaft im Dienst,
viele Nationalspieler waren weg, nicht
alle sind gesund zurückgekehrt und doch
strahlt Dardai Positivismus aus, den sein
am Ende glückloser Vorgänger Jos Luhukay immer beschwor, aber nicht mehr
herstellen konnte. „Wir haben jetzt eine
schöne Serie hingelegt, die wollen wir gegen Paderborn ausbauen“, sagt Pal
Dardai.
Der SC Paderborn kommt Ostersonntag (Beginn 17.30 Uhr) ins Olympiastadion und an diesem Spiel hängt einiges.
Für beide Mannschaften. Der Berliner
Bundesligist steht derzeit bei 29 Punkten, hat aus den sieben Spielen unter Trainer Pal Dardai elf der möglichen 21
Punkte geholt. Das ist in etwa der
Schnitt, den Dardai für das Ziel Klassenerhalt ausgegeben hat. Seine Mannschaft
ist seit vier Spielen ungeschlagen und hat
sich vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz erarbeitet. Auf den Tabellen-Vorletzten Paderborn sind es fünf
Punkte.
Für die Paderborner ist die Tendenz
nicht so positiv. Nur ein Sieg in den vergangenen 16 Spielen spricht Bände. Mit
einem Erfolg über die Ostwestfalen
könnte sich Hertha BSC deutlicher von
jenen Mannschaften absetzen, die sich
zurzeit in der Gefahrenzone befinden.
Zumal in den dann anstehenden Punktspielen gegen Hannover 96 und den
1. FC Köln durchaus nachzulegen ist
Gegen Paderborn soll heute
„mit aller Macht“ ein Sieg her
für Hertha. „Jetzt geht es Schlag auf
Schlag“, sagt Manager Michael Preetz.
„Wir haben jetzt die Chance, wichtige
Meter zu machen – und das streben wir
mit aller Macht an.“
Tatsächlich ist die Ausgangslage günstig für Hertha BSC. Seit Einführung der
Drei-Punkte-Regelung reichten durchschnittlich 35 Punkte für den Klassenerhalt, diese sechs, sieben Punkte, die Hertha BSC dafür benötigte, liegen in greifbarer Nähe. Nach den Spielen gegen Paderborn, Hannover und Köln warten die
Schwergewichte der Liga, der FC Bayern,
Borussia Mönchengladbach und Dortmund.
Hertha sollte rasch die nötigen Punkte
einsammeln, doch das ist nicht so leicht.
Neulich hat Fabian Lusterberger daran erinnert, wie schwer sich die Mannschaft
gegen vermeintlich leichte Gegnerschaft
tue. Hertha müsse dann initiativ Fußball
spielen, was der Mannschaft nicht nur
nach Meinung des Mannschaftskapitäns
derzeit nicht leicht vom Fuß geht. Hertha
arbeitet inzwischen gut gegen den Ball,
aber mit dem Ball gelingt noch zu wenig.
Hertha hat nach wie vor eine schwache
Passquote und kreiert von allen Bundesligisten die wenigsten Torchancen. Die
kurzfristigen Ausfälle der Offensivkräfte
Änis Ben-Hatira (Muskelfaserriss) und
Tolga Cigerci (Ermüdungsbruch im rechten Fuß) machen die Sache nicht viel
leichter.
In der Hinrunde war gerade das Spiel
gegen Paderborn richtungsweisend.
Nach dem blamablen Pokalaus beim Drittligisten Bielefeld unterlag Hertha den Paderbornern 1:3, anschließend ging auch
das Spiel gegen Hannover verloren. Der
glückliche Auswärtssieg in Köln konnte
nicht wirklich verhindern, dass die Berliner in den Abstiegskampf trudelten und
es schließlich nach zwei verlorenen Spielen zu Beginn der Rückrunde zu einem
Trainerwechsel von Jos Luhukay zu Pal
Dardai kam. Der Ungar impfte der angeschlagenen Mannschaft einen neuen
„Fighting Spirit“ ein und schaffte es, der
Gruppe Halt und Aussicht zu schenken.
Es liegt inzwischen ein kämpferischer
Grundoptimismus über Hertha. Die zurückliegenden Ergebnisse, die Siege über
Augsburg und Hamburg sowie die Unentschieden gegen Stuttgart und Schalke haben das Selbstbewusstsein und das Zutrauen in die eigene Fähigkeit wachsen
lassen. „Im momentanen System fühlt
sich die Mannschaft am wohlsten – und
wir haben damit gute Ergebnisse geliefert“, sagt Sebastian Langkamp. Der Innenverteidiger spielt derzeit mit hoher
Verlässlichkeit das, was er kann. Das ist
genau das, was sich das Team unter
Dardai in den vergangenen Wochen erarbeitet hat. Jeder einzelne Spieler ist an
sein Leistungsniveau herangeführt worden. „Wenn jeder das einbringt, was er
einbringen kann, sind wir schwer zu
schlagen“, sagt Dardai.
Ein Sieg über Paderborn käme einem
Befreiungsschlag gleich. „Wir haben uns
selbst in diese Position gebracht“, sagt
Preetz. „Die Punkte müssen in Berlin bleiben.“ Und das ist mal nicht verwegen,
sondern Herthas Osterbotschaft.
So könnte Hertha spielen: Kraft – Pekarik,
Langkamp, Brooks, Plattenhardt –
Skjelbred, Lustenberger – Beerens,
Stocker, Haraguchi – Kalou.
Internationale Reife
Angekommen. André Schürrle feiert sein
erstes Tor für den VfL Wolfsburg. Foto: dpa
Führungstreffer seinen Körper so geschickt in die Quere gestellt, dass VfB-Verteidiger Florian Klein förmlich zu einem
Foul gezwungen wurde. Schiedsrichter
Tobias Welz entschied auf Elfmeter, was
unglücklich war für die Gäste. Dass er Sekunden später auf der Gegenseite bei einer ähnlichen Situation mit Filip Kostic
nicht auf Strafstoß entscheiden mochte,
blieb merkwürdig. Aber die strittige Entscheidung trug dazu bei, die Schwaben
aus der Reserve zu locken. Sie kamen zum
Ausgleich, weil Kostic gekonnt auf Martin
Harnik geflankt hatte, dem das zwischenzeitliche 1:1 gelang.
Wer den VfB Stuttgart dabei beobachtete, wie er sich frech und agil dem Favoriten in den Weg stellte, wird sich zwangsläufig gefragt haben, wie es diese Mannschaft bloß bis an das Tabellenende geschafft hat. Das Team von Trainer Huub
Stevens erwies sich als äußerst unangenehmer Gegner. Aber das Bundesliga-Schlusslicht ließ seine besten Gelegenheiten ungenutzt. „Wir konnten nicht
zulegen, was auch mit der Qualität des
Gegners zu tun hatte. Aber meine Mannschaft lebt“, versicherte Stevens. Stuttgart hatte in der Tat ziemlich gut gespielt
und ist trotzdem auf dem besten Weg in
die Zweite Liga.
Christian Otto
Heimatgefühle. Valmir Sulejmani (vorn) genoss es, für den Kosovo zu spielen, und konnte
Foto: Imago/Koch
sich durch gute Leistungen für Einsätze beim 1. FC Union empfehlen.
starker Spieler“, sagte der Coach des Kosovo.
Obwohl Sulejmani auch schon in der
deutschen U17 zum Einsatz kam, wird er
sich langfristig wohl für den Kosovo entscheiden. Offiziell hat der Verband zwar
noch keine Anerkennung durch die Fifa
und die Uefa erfahren. Sulejmani will
trotzdem für den Kosovo spielen, nicht
nur, weil die sportliche Konkurrenz geringer ist. „Ich bin überzeugt, dass wir für
dieWM 2018Qualifikationsspielebestreiten können. Ansonsten könnte ich auch
für Albanien oder Deutschland spielen.
Aber der Kosovo ist mein Land“, sagte Sulejmani. „Es macht mich stolz, für den Kosovo zu spielen. Obwohl ich in Deutschland geboren bin, entstehen Heimatgefühle. Im Sommer- und Winterurlaub bin
ichimmer dort. Da tanke ich Kraft, da sehe
ich meine Familie.“
Sulejmanis sportliche Heimat heißt
seit 2005 Hannover 96. Dort absolvierte
er unter den Trainern Mirko Slomka beziehungsweise Tayfun Korkut in der Spielzeit 2013/14 fünf Kurzeinsätze in der
Bundesliga. In der Hinrunde 2014/15
reichte es für das Talent nur noch zu 16
Vom Timing
her schön
SC Freiburg – 1. FC Köln 1:0
Valmir Sulejmani könnte beim Auswärtsspiel in Sandhausen sein Startelf-Debüt für den 1. FC Union geben
Berlin - Valmir Sulejmani ist in der vergangenen Woche fremdgegangen. Nicht
einmal, sondern zweimal. Der 19 Jahre
alte Mittelfeldspieler des 1. FC Union
Berlin absolvierte in der Punktspielpause
seine ersten beiden Einsätze für die kosovarische Fußball-Auswahl. In den Begegnungen gegen Eintracht Frankfurt (0:0)
und Werder Bremen (0:2) stand der offensive Mittelfeldspieler jeweils in der Startelf. Die guten Leistungen der Leihgabe
von Hannover 96 sprachen sich auch bis
zum 1. FC Union herum, der die Informationen eines Scouts und Videoaufnahmen auswertete. „Valmir hat einen sehr
ordentlichen Eindruck hinterlassen“,
sagte sein Vereins-Trainer Norbert Düwel. Heute im Auswärtsspiel beim SV
Sandhausen (13.30 Uhr) könnte Sulejmani auch deshalb erstmals in die Startelf der Berliner rücken. Bislang hatte es
für den Winterzugang nur zu drei Kurzeinsätzen gereicht.
Im Training, wo Sulejmani in den letzten öffentlichen Einheiten in der vermeintlichen Startelf stand, wirkte er beflügelt vom Auftritt in der gelb-blauen
Spielkleidung des Kosovo. Gegen Frankfurt hatte er Tricks gezeigt, die für einen
Fußballer mit wenig Spielpraxis schon ungewöhnlich waren. „Durch so ein Spiel
kann ich auch Selbstvertrauen für Union
gewinnen“, sagte Sulejmani und kehrte offensichtlich gestärkt von der Auswahl des
Kosovo zurück. Lob gab es auch von Albert Bunjaki. „Valmir war das erste Mal
bei uns. Er ist ein schneller und technisch
Bremen - Für Mainz 05 zahlt sich der Trainerwechsel beim Kampf um den Klassenverbleibimmer mehr aus. Dankeines kompakten Auftritts erkämpfte sich das Team
von Trainer Martin Schmidt ein 0:0 bei
Werder Bremen. „Mühsam ernährt sich
dasEichhörnchen“, kommentierte Mittelfeldspieler Johannes Geis das Unentschieden. „Wir haben jetzt 31 Punkte, brauchen sicherlich noch einige, stehen aber
im Abstiegskampf besser da als andere
Mannschaften.“
Auch Trainer Schmidt war nach dem
vierten Spiel in Serie ohne Niederlage zufrieden. „Kompliment an mein Team, das
in Bremen kein Tor kassiert hat“, sagte er.
„Das war ein weiterer und wichtiger
Punkt im Abstiegskampf.“ Der quirlige
Stürmer Yunus Malli haderte allerdings
mit der schlechten Chancenverwertung.
„Es wären vielleicht sogar drei Punkte
drin gewesen“, sagte er. Malli traf bei der
besten Mainzer Chance in der 35. Minute
nur das Außennetz.
In einer zerfahrenen Partie fehlte es auf
beiden Seiten an der klaren spielerischen
Linie. Die ambitionierten Bremer, die von
der Europa League träumen, wirkten etwas orientierungslos und müde. Spielmacher Zlatko Junuzovic saß zunächst nur
auf der Bank. „Der Trainer wollte das so,
die Länderspiele waren schon etwas anstrengend“, sagte der Österreicher, der
nach einer Stunde ins Spiel kam.
Die Bremer berannten weiter erfolglos
das gegnerische Tor. „Die Mainzer Mannschaft ist deutlich stabiler geworden“,
lobte Werder-Manager Thomas Eichin
den Gegner. Fast hätte es dennoch zum
Bremer Jubiläumssieg gereicht, doch Fin
Bartels vergab in der Nachspielzeit die
beste Chance. Nun streben sie den 500.
Bundesliga-Heimsieg gegen den Erzrivalen Hamburger SV an.
dpa
Regionalliga-Begegnungen in der zweiten Hannoveraner Mannschaft. Als sich
bei Union Mittelfeldspieler Maximilian
Thiel bei der Rückrundenvorbereitung
verletzte, wurde Sulejmani kurzfristig als
Ersatz bis zum Sommer ausgeliehen. Länger sollte es ursprünglich nicht werden.
Inzwischen haben beide Seiten dies relativiert. „Dass ich nach Hannover zurückkehre, ist der Stand der Dinge“, meinte
Sulejmani. „Aber wenn ich bei Union öfter und vielleicht sogar von Anfang an
spiele, weiß man nicht, was passiert.“
Düwel, der Sulejmani bereits in seiner
Zeit als Co-Trainer der 96er kennenlernte, verweist auf Sulejmanis Vertrag in
Hannover bis 2017. „Ob er für die
nächste Saison eine Option ist, liegt nicht
allein an uns. Es stellt sich die Frage, was
Hannover mit ihm vorhat“, sagte Düwel.
Die sich anbahnende Festverpflichtung
von Thiel, der wie Sulejmani im linken
Mittelfeld seine bevorzugte Position hat,
muss angeblich nicht das Aus für Sulejmani bedeuten. „Valmir ist ein außerordentlich talentierter Spieler. Solche Akteure haben wir immer im Fokus. Er hätte
den Vorteil, dass er keine große Eingewöhnungsphase bräuchte“, meinte Düwel. „Es ist immer gut, wenn mehrere
Spieler für eine Position vorhanden
sind.“
Matthias Koch
So könnte Union spielen:
Amsif – Trimmel, Puncec, Leistner,
Parensen – Kreilach, Zejnullahu – Quiring,
Sulejmani – Polter, Skrzybski.
Freiburg - Nach 63 Minuten ging Mike
Frantz mit Applaus. Der Stürmer des SC
Freiburg hatte sich bis dahin nicht nur völlig verausgabt im Heimspiel gegen den
1. FC Köln. Er hatte auch seinen optimalen Beitrag dazu geleistet, dass der Fußball-Bundesligist aus Südbaden den Abstand auf die Abstiegszone weiter vergrößerte. In der 37. Minute erzielte Frantz
vor 23 800 Zuschauern im Schwarzwaldstadion per Kopfball das Tor zum 1:0
(1:0)-Sieg der Freiburger. „Vom Timing
her hat alles gepasst. Das war ein schöner
Treffer von uns“, sagte Frantz.
Die Leistung der Gastgeber war zwei
Wochen nach dem 2:0-Heimsieg gegen
den FC Augsburg dagegen nicht so berauschend. SC-Trainer Christian Streich war
zwar erleichtert, dass seine Mannschaft
weiter Boden gutmachte im Kampf um
den Klassenverbleib. Er sprach aber von
einem „wirklich glücklichen Sieg“, weil
Köln vor allem nach der Pause „die bessere Mannschaft“ gewesen sei. „Aber ich
bin froh, dass wir gewonnen haben. Das
zeigt, was für ein langer Weg noch vor
uns liegt.“ Freiburg rückte bis auf zwei
Zähler an die Kölner heran, die wieder in
die Gefahrenzone gerieten. Es war Freiburgs dritter Pflichtspielsieg gegen den
Aufsteiger in dieser Saison nach dem
1:0-Auswärtserfolg in der Hinrunde und
dem 2:1 im Pokal-Achtelfinale.
„Wieder mal Gratulation an Freiburg.
Es ist heute bitter“, sagte der Kölner
Coach Peter Stöger, weil er denke, dass
die Niederlage „nicht notwendig war“.
Aber nur 45 Minuten eine gute Leistung
abzurufen, reiche eben nicht.
dpa
20
SPORT
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Wachsen
im
Farmteam
Platz
fünf rückt
immer näher
MLB: Donald Lutz schaut
beim Saisonstart nur zu
Die Füchse gewinnen
31:26 gegen Friesenheim
Berlin - Am Montag sieht Cincinnati
Rot. Das örtliche Baseball-Team der Reds
bestreitet an diesem Tag das erste Saisonspiel in der Major League Baseball
(MLB). Der sogenannte Opening Day in
der MLB wird nirgendwo in den Vereinigten Staaten mit mehr Spektakel begangen
als in der Stadt im US-Bundesstaat Ohio.
Dem Spiel gegen die Pittsburgh Pirates
voraus geht ein großer Umzug in Richtung Stadion, es wird Festtagsstimmung
herrschen in Cincinnati. Donald Lutz
wäre gern mit dabei gewesen, doch der
beste deutsche Baseball-Profi hat es auch
in diesem Jahr zunächst einmal nicht in
den Kader der Reds geschafft. Nach einer
soliden, aber nicht herausragenden Saisonvorbereitung wurde Lutz von den
Coaches aussortiert und startet das Spieljahr nun wieder im Ausbildungsteam der
Louisville Bats.
„Natürlich würde ich lieber in der Major League spielen, aber ich sitze jetzt
nicht frustriert in der Ecke“, sagt der
26-jährige Deutsche. „Klar war ich zunächst ein bisschen enttäuscht, aber man
muss das große Ganze sehen.“ Und das
bedeutet im Falle von Donald Lutz: Für
seine Entwicklung könnte es besser sein,
in Louisville als Leistungsträger zu glänzen und weiter an seinen Fähigkeiten arbeiten zu können als in Cincinnati nur den Rollenspieler zu geben.
Die Erfahrung musste
Donald Lutz in der vergangenen Saison machen, als er immer wieder in das MLB-Team beDonald Lutz
rufen wurde, sich dort
aber aufgrund geringer Spielanteile nicht
für einen dauerhaften Verbleib empfehlen konnte. „Mal war ich einen Monat dabei, dann wieder nicht. Da ist es schwierig, den Rhythmus zu finden“, sagt der in
den USA – im Staat New York – geborene
Deutsche.
Doch das Szenario droht 2015 wieder,
denn Donald Lutz steht als Nachrücker
ganz oben auf der Liste. Sobald sich ein
Stammspieler verletzt, sind Einsätze bei
den Reds möglich. „Darüber mache ich
mir keine Gedanken, das kann ich eh
nicht kontrollieren“, sagt Donald Lutz.
Die Saison in der MLB, die in der Nacht
von Sonntag auf Montag mit dem Spiel
Chicago Cubs gegen St. Louis Cardinals
eröffnet wird, beginnt damit ohne deutschen Spieler. Auch der Berliner Maximilian Kepler-Rozycki muss sich bei den
Minnesota Twins erst durch die Niederungen der Farmteams kämpfen.
Donald Lutz immerhin hat nun schon
viermal die Saisonvorbereitung bei den
Reds mitgemacht. So nah wie diesmal,
wie vor dieser Saison, war Lutz noch nie
dran am Profi-Team. Die Coaches loben
sein Engagement, aber so langsam wird
es Zeit für den endgültigen Durchbruch.
Noch setzt sich Donald Lutz deswegen
aber nicht unter Druck. „Ich zweifle nicht
an mir. Ich will mich mit guten Leistungen weiter anbieten. Und wenn ich gesund bleibe, dann schaffe ich das auch“,
sagt er.
Nach der Saison 2015 ergeben sich für
Donald Lutz ohnehin neue Optionen, ein
Wechsel zu einem anderen Team wäre
dann eventuell möglich für ihn. Doch das
muss nicht sein: Am liebsten würde sich
Donald Lutz bei den Reds durchsetzen,
allein schon deshalb, um einmal den Opening Day in Cincinnati als aktiv Beteiligter mitzuerleben.
Jörg Leopold
Ludwigshafen - Die Füchse Berlin haben ihre Pflichtaufgabe in der Handball-Bundesliga erfüllt. Bei Aufsteiger
TSG Friesenheim gewann der EHF-Pokal-Teilnehmer dank einer besseren zweiten Halbzeit mit 31:26 (15:15). Die Berliner sicherten sich damit fest eingeplante
Punkte im Kampf um einen internationalen Startplatz für die kommende Saison.
Als Siebter liegen sie in der Tabelle nun
zwei Punkte hinter dem angestrebten fünften Rang. Bester Torschütze bei den Füchsen war am Samstag Konstantin Igropulo
mit neun Treffern. Für Friesenheim traf
Nico Büdel mit sechs Toren am besten.
In der ersten Hälfte bereitete der Abstiegskandidat den Füchsen mehr Probleme als den Berlinern recht sein konnte.
Nach 23 Minuten lagen die Gäste aus der
Hauptstadt mit 9:11 zurück, gingen aber
mit einem 15:15 in die Pause. Nach der
Pause erspielten sich die Füchse eine Führung und lagen nach gut 44 Minuten erstmals mit vier Toren vorn (25:21) und bauten ihren Vorsprung noch aus.
dpa
E
NACHRICHTEN
BASKETBALL
Alba will sich das Heimrecht holen
Foto: p-a/dpa
Mit dem fünften Bundesliga-Sieg in Serie
will sich Alba Berlin vorzeitig das Heimrecht in der ersten Play-off-Runde sichern. Gewinnen die Berliner am heutigen Sonntag (17Uhr) bei denArtland Dragons, wären sie nicht mehr aus oberen
vier Tabellenrängen zu verdrängen. Tsp
VOLLEYBALL
Kleine Vergangenheit des großen Sports. Bis 2007 spielten die Berlin Thunder in der inzwischen eingestellten NFL Europe Football im Berliner Olympiastadion.
Foto: Imago/Camera4
Ein großes Ei für Berlin
Im Olympiastadion könnte 2017 ein Saisonspiel der National Football League ausgetragen werden
Von Sebastian Stier
Berlin - Am Mittwoch erreichte ein Fax
aus Deutschland den Hauptsitz der National Football League (NFL) in New York.
Absender war die Olympiastadion-Betreibergesellschaft aus Berlin. Ihr Anliegen:
Interesse bekunden an einem regulären
Saisonspiel der NFL. „Wir haben Kontakt
aufgenommen, um der Liga zu signalisieren, dass wir uns das gut vorstellen könnten“, bestätigt Christoph Meyer, Direktor
für den Veranstaltungsbetrieb der Olympiastadion GmbH.
Vor einigen Tagen hatte die beste Liga
im American Football bekannt gegeben,
dass sie ab 2017 noch stärker expandieren und ein Vorrundenspiel in Deutschland austragen will. Außerdem seien mittelfristig Spiele in Mexiko und Brasilien
geplant.
Seit einigen Jahren lagert die NFL bis
zu drei Ansetzungen pro Saison von den
Vereinigten Staaten nach London aus.
Das soll auch in Zukunft so bleiben. „Das
Spiel in Deutschland würde zusätzlich zu
denen in London stattfinden“, sagt Mark
Waller, der bei der NFL für das internationale Geschäft zuständig ist, dem Tagesspiegel. Deutschland bezeichnet er nach
Großbritannien als den zweitwichtigsten
europäischen Markt für die umsatzstärkste Sport-Liga der Welt. Es sei daher
nur logisch, dass die NFL irgendwann mit
einem regulären Saisonspiel nach
Deutschland kommt. Außerdem gebe es
weitere Faktoren, die für eine Austragung hierzulande sprechen. „Die Infrastruktur ist hervorragend, es gibt große
und moderne Stadien und ein begeisterungsfähiges Publikum“, sagt Waller.
Bisher habe sich die NFL aber noch auf
keine Stadt festgelegt. Grundvoraussetzung, um in Betracht zu kommen, seien
eine gute Verkehrsanbindung zu anderen
deutschen und europäischen Städten, ausreichend Hotelverfügbarkeiten, Trainingsmöglichkeiten für die Teams, eine
bestehende Fanszene und ein großes Stadion – alles ist in Berlin vorhanden. Waller sagt zwar, dass alle größeren deutschen Städte infrage kommen, aber „Berlin ist führend in vielen Bereichen. Das
spricht für die Stadt.“
Der Berliner Senat steht einem möglichen NFL-Spiel in der Stadt positiv gegenüber. Ein Sprecher sagt: „Grundsätzlich
wäre eine solche Veranstaltung zu begrüßen, da sie das Programm sportlicher
Highlights in unserer Sportmetropole um
ein nicht alltägliches Ereignis bereichern
würde.“
Nach der gescheiterten Olympiabewerbung wäre die Vergabe eines NFL-Spiels
an Berlin gleichzeitig ein Prestigegewinn
für die Stadt.
American Football besitzt in Berlin seit
vielen Jahren Tradition. Zwei Mannschaf-
ten aus der Hauptstadt spielen in der Bundesliga: die Adler und die Rebels. Dazu
findet seit einigen Jahren das Endspiel
um die deutsche Meisterschaft im American Football, der German Bowl, regelmäßig im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg
statt. Wichtiger aus Sicht der NFL war
aber die Präsenz der Berlin Thunder im
Stadtbild, die von 1999 bis 2007 in der
NFL Europe spielten. „Damals haben wir
schon gute Erfahrungen mit American
Football im Olympiastadion gemacht“,
sagt Meyer. Zwar kamen im Schnitt nur
Vor allem Frankfurt und
Düsseldorf gelten als
Konkurrenten von Berlin
15 000 Zuschauer, bei einem NFL-Spiel
wäre das rund 76 000 Zuschauer fassende Stadion aber mit großer Wahrscheinlichkeit ausverkauft. Wie in London würden Fans aus ganz Europa anreisen. „Solch ein Event bringt Touristen in
die Stadt“, sagt Meyer.
Bevor die NFL tatsächlich mit einem
Spiel nach Deutschland kommt, gilt es
für die Liga vorher, ein Problem zu klären. „An der Fernsehsituation wollen wir
definitiv etwas ändern“, sagt Mark Waller. Bisher waren die Vorrundenspiele
der NFL nur im Bezahlfernsehen bei
Sport1 US zu sehen. Der Vertrag lief
nach der gerade beendeten Spielzeit aus,
im Sommer wird neu verhandelt. Waller
und die Liga wünschen sich eine Partnerschaft mit einem Sender im frei empfangbaren Fernsehen, „um mehr Fans zu erreichen und so bessere Voraussetzungen für
ein Ligaspiel in Deutschland zu schaffen“.
American Football ist hierzulande als
Randsportart vor allem in Städten populär, die zu Zeiten der NFL-Europe ein
Team besaßen. Neben Berlin waren das
Köln, Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt. In der Endphase der Liga von 2005
bis 2007 kamen fünf der sechs Mannschaften aus Deutschland.
Die aussichtsreichsten Kandidaten für
ein NFL-Spiel dürften neben Berlin Frankfurt und Düsseldorf sein. Vor allem Frankfurt mit seinem großen Flughafen und
dem begeisterungsfähigen Publikum aus
Zeiten der Frankfurt Galaxy ist in
NFL-Kreisen beliebt und damit als großer Berliner Konkurrent anzusehen. Konkrete Aussagen aus den USA sind derzeit
aber noch nicht zu erwarten.
„Wir würden es toll finden, wenn wir
eine Antwort von der NFL erhalten und
uns zu Gesprächen treffen könnten“, sagt
Christoph Meyer. Denn, da ist er sich sicher: „Wir als Olympiastadion und Berliner können solche Events gut.“
Volleys bangen in Düren um Touzinsky
In der Arena Kreis Düren soll heute
(18 Uhr) der nächste Schritt Richtung Finalteilnahme folgen: Nach dem 3:1 im erstenBundesliga-Halbfinaleamletzten Donnerstag streben die BR Volleys den zweiten Sieg an. Dann könnte der Deutsche
Meister schon am kommenden Donnerstag in Berlin die „Best of Five“-Serie für
sich entscheiden. Die Volleys bangen jedoch um den Einsatz von Kapitän Scott
Touzinsky, den eine Zerrung plagt. Tsp
FUSSBALL
Özil trifft beim 4:1 gegen Liverpool
Der FC Arsenal hat seine Siegesserie in
der Premier League fortgesetzt. Die Londoner gewannen auch durch ein Freistoßtor des starken deutschen Nationalspielers Mesut Özil 4:1 (3:0) gegen den FC
Liverpool.
dpa
TENNIS
Miami: Finale Djokovic gegen Murray
Im Turnier von Miami kommt es zum dritten Mal zu einem Duell zwischen Novak
Djokovic und Andy Murray. Der serbische Weltranglistenerste Djokovic gewann sein Halbfinale gegen den US-Amerikaner John Isner mit7:6(7:3), 6:2. Olympiasieger Murray aus Schottland zog mit
einem 6:4, 6:4 gegen den Tschechen Tomas Berdych in das Endspiel ein.
dpa
EISHOCKEY
Ingolstadt erreicht das Finale
Titelverteidiger ERC Ingolstadt ist Mannheim in das Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gefolgt. Die Oberbayern gewannen gegen die Düsseldorfer EG
6:2 (1:0, 3:1, 2:1) und sicherten sich damit den noch fehlenden Sieg. Die „Best of
Seven“-Serie gewann der Deutsche Meister damit mit 4:1-Siegen.
dpa
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SPORT
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
Steigend beliebt
Bouldern ist mehr als
Bergsteigen ohne Berge.
Gerade in Städten wie
Berlin trifft das Klettern
ein Lebensgefühl
Fabian Federl
D
ie Sonne scheint, die Fenster
der Spreekähne reflektieren die
Strahlen. Auf dem Wanderweg
Bolleufer schieben junge Familien Kinderwagen vor sich her. Am Wegesrand vor dem Rummelsburger Hafen
tönt aus einer alten Lagerhalle Hip-Hop.
Davor liegen kleine Stoffsäcke mit
Kreide, Kletterschuhe. Junge Menschen
sitzen in Gruppen auf dem Boden, unterhalten sich, trinken Kaffee.
Die ehemalige Lagerhalle heißt jetzt
Ostbloc,seit 2010wird hier geklettert. Genauer: gebouldert. Sie ist Berlins älteste
Boulderhalle, mittlerweile gibt es vier
große Hallen und etliche Boulderräume.
Die Beliebtheit steigt, es gibt es im Hochschulsport, in Kindergruppen, als Betriebsausflug, auch als Wettkampfsport –
seit 2001 gibt es Weltmeisterschaften. In
Deutschland werden jedes Jahr rund 70
neue Boulderhallen mit je über 1000 Quadratmetern Fläche eröffnet.
Aber was ist Bouldern überhaupt? Und
wiekonnte dieseeinst obskure Klettervariante zu einem eigenständigen Sport werden? Gerade hier in Berlin? Der Stadt, deren höchster Gipfel die 122 Meter hohen
Arkenberge sind: eine Bauschuttdeponie.
„Bouldern ist Klettern auf Absprunghöhe“, sagt Lutz Schneider, 45 Jahre alt,
der zusammen mit seinem Kletterpartner
Jakob Hoppstock den Ostbloc gegründet
hat. Boulderer klettern Routen, die nicht
höher als etwa 4,50 Meter sind, der Hallenboden ist mit Matten ausgelegt. Es
gibt kein Seil, keinen Gurt, wegen der
niedrigen Höhe aber auch kein großes Risiko. Die Routen sind farblich nach
Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet. Wer
vor einer Wand steht, erkennt sofort, ob
die Route etwa seinem Niveau entspricht
oder nicht.
Die Bewegungen beim Bouldern sind
dynamischer, komplexer als beim Klettern. Es gibt seitliche Sprünge, Schwungbewegungen. Bouldern ist die Verdichtung der kniffligen Abschnitte einer Kletterroute. „Wirnennenesauch Bewegungsschach“, sagt Schneider. Beim Klettern
geht es um Ausdauer, Kraft und Technik,
beim Bouldern stehen Bewegungsfantasie und Koordination im Mittelpunkt.
„Bouldern liegt irgendwo zwischen Routenklettern und Parkour-Laufen“, sagt
Schenider.
Der Routenschrauber – also der, der die
Route an der Wand anbringt – stellt dem
Boulderer eine Aufgabe, die dieser lösen
E
DEL. Play-offs, Halbfinale (Best of Seven): ERC Ingolstadt - Düsseldorfer EG 6:2 (1:0, 3:1, 2:1),
Stand: 4:1, damit ist Ingolstadt im Finale.
FUSSBALL
England. Premier League: FC Arsenal - FC Liverpool
4:1 (3:0), FC Everton - FC Southampton 1:0 (1:0),
Leicester City - West Ham United 2:1 (1:1), Manchester United - Aston Villa 3:1 (1:0), Swansea City
- Hull City 3:1 (2:0), West Bromwich Albion Queens Park Rangers 1:4 (0:3), FC Chelsea - Stoke
City 2:1 (1:1). Tabellenspitze:
30
31
31
30
31
31
30
31
63:26
62:32
55:28
62:28
45:36
42:22
50:45
37:39
70
63
62
61
54
53
53
46
Italien. AS Rom - SSC Neapel 1:0 (1:0), US Palermo - AC Mailand 1:2 (0:1), Cagliari Calcio - Lazio
Rom 1:3 (0:1), Hellas Verona - AC Cesena 3:3
(2:0), Atalanta Bergamo - FC Turin 1:2 (0:2), Inter
Mailand - FC Parma 1:1 (1:1), Sassuolo Calcio Chievo Verona 1:0 (1:0), CFC Genua - Udinese Calcio 1:1 (1:0), AC Florenz - Sampdoria Genua 2:0
(0:0). Tabellenspitze:
1. Juventus Turin
2. AS Rom
3. Lazio Rom
4. AC Florenz
5. Sampdoria Genua
6. SSC Neapel
7. FC Turin
8. AC Mailand
28
29
29
29
29
29
29
29
55:14
40:21
54:28
43:31
37:30
47:37
34:31
43:36
67
56
55
49
48
47
42
41
Dritte Liga. Arminia Bielefeld - Energie Cottbus 3:0
(2:0), Stuttgarter Kickers - Borussia Dortmund II
2:0 (0:0), Chemnitzer FC - Dynamo Dresden 2:0
(2:0), FSV Mainz 05 II - Rot-Weiß Erfurt 3:1 (3:0),
Fortuna Köln - VfB Stuttgart II 0:1 (0:0), Jahn Regensburg - SV Wehen Wiesbaden 3:0 (2:0), Hallescher FC - Preußen Münster 3:0 (1:0), SG Sonnenhof Großaspach - Holstein Kiel 1:1 (1:1).
1. Arminia Bielefeld
2. Holstein Kiel
3. Stutt. Kickers
4. MSV Duisburg
5. Preußen Münster
6. Energie Cottbus
7. Hallescher FC
8. Erfurt
9. Wiesbaden
10. Chemnitzer FC
11. Dynamo Dresden
12. VfB Stuttgart II
13. VfL Osnabrück
14. Fortuna Köln
31
31
31
30
31
31
31
31
31
31
31
31
30
31
muss. „Man muss eine Choreografie entwickeln, um die Probleme zu lösen“, sagt
Schneider. Besonderer Vorteil gegenüber
dem Klettern: Man rätselt gemeinsam mit
anderenund tauscht sichaus. „Beimklassischen Klettern geht das eher nicht, weil
man ständig konzentriert in Kontakt mit
seiner Seilschaft sein sollte.“
Bouldern wird zunehmend auch Wettkampfsport – und Deutschland ist weltweit darin führend. Es gibt Speedbouldern, wo zwei Athleten dieselbe Route pa-
Bouldern passt Großstädtern
in ihr Zeitmanagement
rallel auf Geschwindigkeit klettern. Meist
jedoch werden Versuche gezählt: Die Athleten haben vier Minuten, in denen sie
eine Route zu schaffen haben, die sie davor noch nie gesehen haben. Der mit den
wenigstenVersuchen gewinnt. Viele semiprofessionelle Boulderer nehmen auch an
Kletterwettbewerben teil. Von den Wettkampfgeldern, zusammen mit Werbedeals und Fernsehauftritten, kann eine
Handvoll Athleten leben, unter anderem
der diesjährige Gesamtcupsieger des
F
ZAHLEN
EISHOCKEY
1. FC Chelsea
2. FC Arsenal
3. Manchester United
4. Manchester City
5. FC Liverpool
6. FC Southampton
7. Tottenham Hotspur
8. Swansea City
Höher, immer höher. Jan Hojer klettert bei der Boulder-WM 2014 in München.
19 5 7 63:33 62
15 11 5 41:20 56
15 10 6 51:37 55
14 10 6 47:32 52
14 9 8 45:36 51
13 9 9 39:37 48
13 7 11 43:40 46
13 7 11 42:42 46
13 6 12 46:37 45
12 7 12 32:29 43
11 8 12 36:38 41
11 7 13 39:44 40
11 6 13 42:47 39
10 8 13 32:34 38
15. Hansa Rostock
16. Großaspach
17. FSV Mainz 05 II
18. Unterhaching
19. Bor. Dortmund II
20. Jahn Regensburg
30
31
31
30
31
31
Foto: p-a/dpa
Worldcups, Jan Hojer, und Kletter- und
Boulderweltmeisterin Juliane Wurm,
beide aus Deutschland. Nirgendwo gibt es
so viele Hallen, so viele Wettkämpfe.
„Deutschland hat einer Art Vorreiterrolle
im Bouldern übernommen“, sagt Schneider. Holland und Polen holen gerade auf.
Zwei Länder, die nicht gerade für ihre alpinen Leistungen bekannt sind.
Denn auch wenn Klettern und Bouldern irgendwo mit dem Bergsteigen verwandt ist, hat das längst kaum mehr etwas
miteinander zu tun. Vor allem Bouldern
ist zunehmend ein städtischer Sport. Die
großen Zentren sind – neben den Vorreitern in Sachsen- vor allem in Köln, Berlin
und Frankfurt.
Es ist wohl der einfache Zugang, der für
den rasenden Beliebtsheitsanstieg der
Sportart verantwortlich ist – vor allem in
den Städten. Man hatschnell Erfolgserlebnisse, ein neuer Boulderer muss kaum in
Vorleistung gehen. Gelbe Routen werden
hochgestolpert, sagtman. Dieses anfängliche Rumklettern kennt jeder vom Spielplatz; es ist etwas Kindliches. Höhere
Schwierigkeitsgrade verlangen natürlich
Technik. Auch muss man keine Anschaffungen machen – keine Gurte, keine Seile.
Einen wichtigen Grund sieht Schneider
woanders: „Bouldern passt in das Zeitma-
nagement des Großstädters.“ Nach zwei
Stunden sei man ausgepowert; man
braucht keinen Partner, ist flexibel. „Man
trainiert, ohne es als Training zu empfinden.“ Hip-Hop-Musik aus Lautsprechern,
Matten auf dem Boden, kein Klettergeschirr – das hat nicht mehr viel mit Klettern am Stein oder Bergsteigen zu tun.
„90 Prozent der Leute, die hierherkommen, sind neu; die hatten nie etwas mit
Seilklettern zu tun“, sagt Schneider. Beim
Blick in den Ostbloc heute fällt auf, dass
es viele junge Leute sind, urbanes Publikum, Trendsport-Klientel. Öfter auch Familien mit Kindern, manchmal noch betagtere klassische Kletterer, die in der
Boulderhalle besonders komplexe Bewegungsabläufe trainieren. Früher war das
üblich. Dieser Trainingsgedanke ist aber
fast vollständig verschwunden.
Der Bouldersport ist mittlerweile eine
eigenständige Sportart, ist aber dem Klettern entsprungen. Ende des 19. Jahrhunderts zogen in Frankreich und England
Sandsteinfelsen und leer stehende Minen
Kletterer an, die in Schächten und Gräben
mit geringer Höhe kletterten. Das Wort
Boulder heißt so viel wie Fels.
Anfang des 20. Jahrhunderts kam der
Sport nach Sachsen und Nordbayern.
Hier fand in den 1970er Jahren die erste
Revolution des Klettersports statt: Wolfgang Fietz, der über ein Jahrzehnt hinweg
beste Kletterer der Welt, kletterte dynamisch und nahm die Energie als Schwung
mit auf den nächsten Tritt oder Griff. So
konnte er Abschnitte, die als unkletterbar
galten, überwinden – und war maßgeblich
verantwortlich für die Emanzipation des
Boulderns vom Routenklettern.
Gleichzeitig begann die Faszination des
Kletterns anOrten, die keinen natürlichen
Stein bieten. 1970 eröffnete die erste
künstlicheAnlage Deutschlands – derTeufelsturm im Grunewald in Berlin. In Leipzig richtete Lutz Schneider mit Jakob
Hoppstock 2006 einen Boulderraumin einer Kletterhalle ein,einen der ersten überhaupt. „Innerhalb eines Monats hat sich
die komplette Kundschaft geändert“, sagt
Schneider. „Die Leuten wollten nicht
mehr lernen, Gurte anzuziehen, das Sichern, Regeln in der Seilschaft und so weiter.“ Bouldern ist einsteigerfreundlicher.
Nach zwei Monaten war der Raum total
überfüllt. Dann kam die Idee mit Berlin.
Im Ostbloc laufen Kinder lachend
durch den Raum, einige Jugendliche unterhalten sich fingerzeigend darüber, wie
man denn jetzt bitte von da nach da kommen soll. Daneben gestandene Boulderer, die auf Zetteln die Routen eintragen,
die sie geschafft haben. Sie nehmen am
Monatswettkampf teil. Rund 7500 Leute
kommen jeden Monat allein in den Ostbloc. Anfang des Jahres haben Schneider
und Hoppstock den Südbloc in Mariendorf eröffnet – eine weitere große Halle.
Schon wenige Wochen nach Eröffnung ist
die Halle gut besucht. Die Berliner scheinen die Kletterei für sich entdeckt zu haben – auch ohne Berge oder Felsen.
Berlin - Mit einem Jubiläum beginnt
nach der sechsmonatigen Winterpause
der Start der diesjährigen Saison auf der
Galopprennbahn Hoppegarten. Fast auf
den Tag genau fand vor 25 Jahren, knapp
ein halbes Jahr vor der politischen Einigung, der erste deutsch-deutsche Renntag statt, der für alle Teilnehmer unvergesslich bleiben dürfte. Einen solchen Ansturm hatte die Rennbahn nach dem
Ende des Krieges nicht erlebt, wobei damals weniger die sportliche als die emotionale Komponente des Zusammentreffens im Vordergrund stand. Viele Beteiligte von damals werden am Sonntag in
Hoppegarten erwartet und dem Publikum ihre Eindrücke jenes denkwürdigen
Renntages schildern, die der heutigen Generation möglicherweise schon etwas surreal anmuten mag.
Schließlich wurden in der damaligen
Euphorie Hoffnungen genährt, denen jegliche realistische Einschätzung fehlte. Zu
groß waren die Systemunterschiede im
Rennsport der beiden deutschen Staaten,
um Hoppegarten wieder in einem überschaubaren Zeitraum zu dem Zentrum
des deutschen Galopprennsports zu machen, das es bis 1944 war. Aber dennoch
bildete der 31. März 1990 den Auftakt zu
einem Neubeginn der Hoppegartener
Parkbahn, der in den folgenden Jahren
dazu führte, dass auch international hervorragende Rennen ausgetragen wurden
und Spitzenjockeys wie Lester Piggott,
Cash Asmussen, Lanfranco Dettori und
andere die Reise nach Berlin antraten.
Hoppegarten wurde zumindest zu einer Bereicherung für den deutschen Galoppsport, eine echte Konkurrenz für
Köln,Hamburg, München oderBaden-Badenwar es nicht. Der Euphorie des Neubeginns folgte die Enttäuschung, anderthalb
Jahrzehnte nach dem Neubeginn erreichte Hoppegarten seinen Tiefpunkt, bevor es mit der Privatisierung der Rennbahn2008 wiederaufwärts ging. Nicht zuletzt dem Engagement des neuen Eigentümers Gerhard Schöningh ist es zu verdanken, dass die Rennbahn Hoppegarten weiterhin existenz- und konkurrenzfähig ist.
Auch in der diesjährigen Saison finden
vier Renntage mit Grand-Prix-Rennen
statt, wobei der „Große Preis von Berlin“
im August den Saisonhöhepunkt bildet.
Zur Saisoneröffnung (erster Start um
14 Uhr) stehen heute die Stuten im Mittelpunkt. Im mit 27 000 Euro (16 000 Euro
Siegprämie) dotierten „Preis des Gestüt
Röttgen – 25 Jahre Deutsch-Deutscher
Renntag“ treten sieben Vollblüter auf der
Meilendistanz an, darunter mit Lacy und
Sovalla die beiden Favoriten. Sovalla
wird von Deutschlands bestem Jockey,
Andrasch Starke, geritten und von Peter
Schiergen in Köln trainiert. Vor allem für
Schiergen, der in Deutschland sowohl als
Jockey wie als Trainer mehr als 1000
Siege zu verzeichnen hat, wäre ein Sieg
zur Saisonpremiere ein weiterer bewegender Moment in seiner außergewöhnlichen Karriere. Er hatte schließlich den
ersten gesamtdeutschen Renntag vor 25
Jahren mit vier Siegen als Jockey dominiert. „Für mich war der Renntag am 31.
März 1990 der wichtigste in meiner Karriere als Jockey“, lautet rückblickend sein
Kommentar. Gibt es ein größeres Kompliment für die geschichtsträchtige Rennbahn an der Stadtgrenze von Berlin?
Ein Kompliment, welches wohl auch indirekt als Appell an die Verantwortlichen
imGaloppsport zu wertenist, dennmit Erinnerungen an die Vergangenheit lassen
sich zukünftige Aufgaben nicht bewältigen.
Ulrich Nickesen
Als alle noch guter Hoffnung waren. Ein Bild vom ersten deutsch-deutschen Renntag in
Foto: Imago/Sorge
Hoppegarten am 31. März 1990.
cccccccccccccccccccccccccccD
Ganzheitliche Zahnarztpraxis
im Institut Complementärer Heilung
Gesundheitstag am 19. 4. 2015
von 11 – 16 Uhr mit Vorträgen
und Anwendungen
Bundesliga. TuS N-Lübbecke - SG BBM Bietigheim
32:24 (15:13), HSG Wetzlar - HC Erlangen 28:26
(16:11),TBV Lemgo- Bergischer HC 34:26(13:16), TSG
Friesenheim - Füchse Berlin 26:31 (15:15).
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VOLLEYBALL
Bundesliga. Männer. Play-offs, Halbfinale (Best of
Five): SVG Lüneburg - VfB Friedrichshafen 0:3 (16:25,
13:25, 20:25), Stand: 0:2.
Frauen, Halbfinale (Best of 3): VC Wiesbaden Dresdner SC 3:0 (25:22, 25:22, 25:14), Stand: 1:1;
Schweriner SC - Stuttgart 2:3 (20:25, 25:15, 25:14,
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22
WIRTSCHAFT
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Unsere Lieblinge
NUR OSTERN DIE NUMMER EINS: DER HASE
Der Hase ist das Tier der Stunde! Aber
auch das Tier des Jahres: Dazu hat die
Schutzgemeinschaft Deutsches Wild den
Feldhasen ernannt, weil seine Bestände
in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten merklich zurückgegangen sind.
Schuld ist die starke Intensivierung der
Landwirtschaft – der Hase findet nicht
mehr die Wiesen, die er braucht, stattdessen werden Dünger, Pestizide und Maschinen ihm gefährlich. Vor allem der Anbau von Getreide im großen Stil wirkt
sich dabei negativ auf die Hasenbestände
aus. In Deutschland wird die Art daher in
der Roten Liste des Bundesamts für Naturschutz als „gefährdet“ geführt, in Brandenburg sogar als „stark gefährdet“.
Gejagt werden darf der Hase in Maßen
dennoch nach wie vor: In Brandenburg
wurden vergangenes Jahr 3051 Hasen
zur Strecke gebracht, in Berlin wurde ein
geschossenes Tier gemeldet. Bundesweit
ist die Zahl erlegter Hasen seit den Neunzigerjahren jedoch um zwei Drittel zurückgegangen. Traditionell ist der Hase
vor allem wegen seines Fleisches begehrt. „Der Wert eines Hasen ist mit zehn
Euro ja eher niedrig“, sagt Daniel Hoffmann vom Verein Game Conservancy,
der sich für ökosystemgerechte Naturnutzung einsetzt. „Allerdings werden für
gute Hasenreviere hohe Pachten gezahlt.
Das kann bis zu 80 Euro pro Hektar gehen.“ Hasenfelle werden zwar auch verarbeitet, gelten aber als vergleichsweise instabil, struppig und unansehnlich. Auch,
weil die meisten durch Schrotlöcher ent-
wertet sind, gehen sie allenfalls für kleines Geld an die Filzindustrie.
Sucht man nach wirtschaftlicher Bedeutung der Hasenartigen im dritten Jahrtausend, ist es deshalb lohnender, den
Blick zu weiten: Das Kaninchen ist das
beliebteste Kleintier der Deutschen –
und verspricht damit gute Umsätze für
Zoofachhändler und Futterhersteller.
2014 wurden drei Millionen Kaninchen
in deutschen Haushalten gehalten, im
Durchschnitt der Geselligkeit halber
gleich zwei. Der Kaufpreis liegt aktuell
bei 40 bis 70 Euro, für die Grundausstattung würden nochmal 180 bis 250 Euro
fällig, erklärt Antje Schreiber vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe.
Im Monat gäben die Halter im Schnitt 40
Euro für die Lieblinge aus.
Ein wachsender Markt ist das Geschäft
mit dem Zubehör: Onlineshops wie Kleintiervilla.de träfen mit individuellen Angeboten den Nerv der Zeit, sagt die Expertin. „Die Gehege werden salonfähig.“
Auch die kleinen Zoohandlungen weiten
ihr Angebot aus verkaufen dekorative Futternäpfe und Spielzeug zunehmend online. Die Dachorganisation ZDRK listet
in Deutschland immerhin 5000 Rasse-Kaninchenzüchter-Vereine. Kaninchenzüchten ist offenbar keineswegs altmodisch.
Relativ neu ist auf jeden Fall diese Geschäftsidee: Ende Januar fand in der
Schweiz die vierte Europameisterschaft
im „Kanin-Hop“ statt. Bisheriger Rekord:
Drei Meter weit und ein Meter hoch. Die
Merchandising-Maschinerie läuft an.
Rund um Ostern haben sie Konjunktur.
Sie zieren Schaufenster, Grußkarten, Festtafeln.
Doch auch sonst spielen Häschen,
Lamm und Huhn in Deutschland eine Rolle.
Nicht allein als Fleischlieferanten,
sondern auch als Produzenten
von Eiern, Milch und Wolle.
Und natürlich als Haustier
Von Maris Hubschmid
NIEDLICH UND LECKER: DAS LAMM
energiesparender zu machen. Weil Schafwolle zudem schwer entflammbar ist,
wird sie auch für Sicherheitskleidung
und als Füllung von Polstern und Decken
eingesetzt. So gesehen schwach entwickelt ist hierzulande die verarbeitende Industrie. „Uns fehlen die Partner. Derzeit
bekommen wir für unsere Rohwolle pro
Kilo nur 30 bis 80 Cent“, sagt Verbandssprecher Völl. Die Erlöse deckten lediglich die Schurkosten.
Steigende Nachfrage verzeichnet die
Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände aber auch für Schafsmilch. Das hänge vor allem mit der ständig wachsenden Zahl von Allergikern innerhalb der Bevölkerung zusammen. Wer
unter Eiweißunverträglichkeit leidet,
kann bedenkenlos Schafsmilch konsumieren. Außer Schafskäse findet
sich in vielen Supermärkten
deshalb inzwischen auch
Schafsmilchjoghurt
und
-kosmetik. Und aufgepasst:
auch schon Schafsmilchschokolade.
Zunächst die wichtigste Neuigkeit: Die
Deutschen essen so viele Eier wie nie. Im
Durchschnitt 231 im vergangenen Jahr –
das waren 13 mehr als im Jahr davor, meldet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Zwei Drittel
der Eier kommen heutzutage aus Bodenhaltung, seit die Käfighaltung 2009 in
Deutschland verboten wurde. Lediglich
in Produkten, die oder deren Bestandteile aus dem Ausland importiert wurden, können noch Eier aus Käfighaltung
enthalten sein – zum Beispiel in Nudeln,
Mayonnaise oder Backmischungen. Auf
einen Anteil von zehn Prozent kommen
aber noch Eier aus sogenannter Kleingruppenhaltung, bei der bis zu 60 Hennen gemeinsam in einem Käfig leben.
Statt 600 Quadratzentimetern in der Einzelhaltung stehen jeder Henne dort umgerechnet 800 Quadratzentimeter Platz zur
Verfügung. Dagegen hat das Land Rheinland-Pfalz vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt. Und bekam recht: Auch die
Kleingruppenhaltung ist inzwischen verboten. Ehe sie tatsächlich Geschichte ist,
werden aber wohl noch einige Jahre
vergehen – die Betriebe haben
sich erfolgreich beschwert, weil
sie nach dem Verbot der Käfighaltung ja gerade erst
in die Gruppenkäfige investiert hatten. Sie warfen dem Bund „Enteignung“
vor. Die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) lenkte ein und
schlug eine Übergangsfrist
vor. Nun soll der vollkommene Ausstieg aus der Käfighaltung bis 2023 abgeschlossen sein.
Eier aus Kleingruppenkäfigen
sind mit einer „3“ auf dem Ei gekennzeichnet, 2 steht für Bodenhaltung, die 1
für Freilandhaltung und 0 für Bio.
Denn etwa genauso hoch wie
der Anteil von Eiern
aus Kleingruppenkäfigen ist inzwischen
der Anteil an
Bio-Eiern aus ökologischer Fütterung,
der sich seit 2007 mehr als verdoppelt
hat und zuletzt um 12,3 Prozent zunahm.
Noch stärker stieg zuletzt lediglich der
Anteil von Eiern aus Freilandhaltung: Mit
plus 13,2 Prozent auf 6,1 Millionen
Tiere oder 17 Prozent Gesamtanteil verzeichnete diese Haltungsform 2014 den
größten Zuwachs. Ein klares Signal der
Verbraucher.
Bewegung kommt endlich auch in die
Frage des Umgangs mit sogenannten Bruderküken, die, weil sie niemals Eier legen
werden, millionenfach jedes Jahr noch
am Tag des Schlüpfens getötet werden.
Als Spezialfutter landen sie zum Beispiel
in Zoos. Forscher der Universität Leipzig
wollen jetzt eine Methode gefunden haben, mit der das Geschlecht des Tieres
schon 72 Stunden, nachdem das Ei gelegt
wurde, bestimmt werden kann. Männliche Küken müssten damit gar nicht erst
ausgebrütet werden. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ver-
Pro-Kopf-Konsum von Eiern
in Deutschland seit 2008, Angaben in Stück
235
231
230
225
220
215
210 208
210
214
217
218
12
13
212
205
200
2008
09
10
11
Quelle: BMEL
spricht: Ostern 2017 kommt kein Küken
mehr in den Schredder. Sobald die Geschlechtsbestimmung im Ei praxistauglichsei,unddaransollen dieWissenschaftler ab Mai arbeiten, greife das Tierschutzgesetz. In das Projekt hat das Ministerium
bislang zwei Millionen Euro investiert.
Im Dezember 2013 zählten die Bauern
rund 38,4 Millionen Legehennen in
Deutschland, das waren 5,2 Prozent
mehr als im Vorjahr. Gestiegen ist 2014
auch die Produktion von Geflügelfleisch:
Deutschlandweit wuchs die Menge um
4,8 Prozent auf gut 1,5 Millionen Tonnen
an. So groß war der Zuwachs bei keiner
anderen Fleischart. Deutsche Verbraucher bevorzugen dabei zunehmend bestimmte Stücke wie Brust oder Keule. Immer seltener kaufen sie ein ganzes Suppenhuhn. Für die Bauern ist es daher lukrativer, das geschlachtete Geflügel in
Einzelteilen zu vermarkten. Kleinteile
wie Füße und Flügel werden nach
Asien und Afrika exportiert, Haut
und Innereien verstärken den
Geschmack von Wurst oder Fertiggerichten. Aus Nebenprodukten werden Gelatine und Fett
für die Kosmetikindustrie gewonnen.
Hühnerdaunen werden in
Deutschland dagegen nicht verarbeitet – es gibt keine. Denn im
Gegensatz zu Wassergeflügel wie
Ente und Gans besitzt das Huhn als
Landgeflügel kein Unterkleid.
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2014
Tsp/Schmidt
Fotos: Fotolia/Eric Isselée, Belkin & Co; Montage: Tsp
Es lebe das Symbol: Es gibt Osterlämmer
in Kuchenform, aus Schokolade oder
Seife. Man muss die echten nicht essen.
Viele tun das aber gerne. So kommt es,
dass von 986 400 geschlachteten Schafen
im Jahr zuletzt 874 600 Lämmer waren.
Damit ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr aber immerhin leicht um 1,3 Prozent
gesunken. Gemessen an der gesamten
Fleischproduktion spielt die gewerbliche
Schaf- und Lammfleischerzeugung ohnehin eine untergeordnete Rolle. 2014 wurden 19 700 Tonnen Lammfleisch produziert – im Vergleich zu gut 5,5 Millionen
Tonnen Schweinefleisch.
Pro Jahr und Kopf essen die Deutschen
knapp ein Kilogramm Lamm und Hammel. Grund dafür sind auch die vergleichsweise hohen Einkaufspreise. Ein
weiterer Trost aber: Kaum ein Tier, das
wir verzehren, wird so verlässlich artgerecht gehalten wie das Schaf. Dieses erfüllt in Deutschland auch eine wichtige
Aufgabe im Küstenschutz. Schafe treten
Deiche fest und grasen Zwischennutzungsfelder ab. Für Schafhalter gibt es
deshalb Prämien von der EU.
„Die Hälfte des Fleisches, das wir in
Deutschland verzehren, stammt aber
nicht aus heimischer Erzeugung, sondern zum Beispiel aus Neuseeland“,
sagt Stefan Völl, Referatsleiter Schaf
beim Bauernverband. Im Durchschnitt würden in Deutschland
rund 161 Schafe je Betrieb gehalten. In den östlichen Bundesländern lag die Zahl mit 262 Tieren deutlich höher.
Nachdem die Wolle als Kleidungsmaterial von Baumwolle
und synthetischen Fasern weitgehend verdrängt wurde, wird sie
heute wieder stärker nachgefragt.
Als natürlicher Kälte- und Wärmeschutz des Tieres hat sie eine
starke dämmende Funktion – was
sich auch die Industrie zunutze
macht. So verwendet BMW
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SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
E
Investoren setzen auf Erneuerbare
BÖRSEN Ausblick
Kaum einer
rechnet mit
einem Kursverfall
Frankfurt am Main - Reiselustige Ruheständler halten die Tourismusbranche
am Laufen. „Dass die Nachfrage konstant
bleibt, liegt vor allem daran, dass mehr
Senioren mehr reisen“, sagte Martin Lohmann vom Institut für Tourismus und Bäderforschung. Für die Branche seien die
Ruheständler ein wesentlicher Treiber.
Denn große Zuwächse des Gesamtmarktes seien nicht mehr zu erwarten. Zwar
bevorzugten viele Ruheständler Wanderurlaube, Kreuzfahrten und Trips im Inland. Nach der Studie „Urlaubsreisetrends 2025“ der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) stieg die
Zahl der Trips von Urlaubern ab 60 Jahren
von 17,8 Millionen im Jahr 2002 auf 20
Millionen 2013.
dpa
Von Rolf Obertreis
Von Rolf Obertreis
Vergangenes Jahr kurz vor Weihnachten
waren die Finanzexperten noch zurückhaltend: Im Schnitt trauten sie dem Deutschen Aktienindex Dax zum Ende des ersten Quartals 9953 Zähler zu. Der größte
Optimist tippte auf 10 700 Punkte. So
kann man danebenliegen: Am 31. März
stand das Börsenbarometer bei 11 966
Zählern und verbuchte damit in den ersten drei Monaten 2015 ein sattes Plus
von 22 Prozent. Es war das drittbeste
Quartal im Dax überhaupt und das beste
seit 12 Jahren - völlig überraschend auch
für erfahrene Börsianer, Aktienstrategen
und Anleger.
Mehrfach überwand der Dax im ersten
Quartal die Schwelle von 12 000 Punkten
bis auf das bisherige Allzeit-Hoch von
12 219 Zählern. Top-Papiere in den ersten drei Monaten waren Aktien von VW
(plus 34 Prozent), des Pharmakonzerns
Merck (plus 33) sowie BASF und K+S (jeweils plus 32). Am Ende stehen Lufthansa, nicht nur wegen des Absturzes der
Germanwings-Maschine, mit minus 5,4
und Eon mit minus 7,3 Prozent. Aktien
aus der zweiten und dritten Reihe legten zum Teil noch
Dax
stärker zu: Flugzeug12 500
hersteller Airbus um
12 000
fast 50, das Busines11 500
sportal
Xing
um
mehr als 70 Prozent.
11 000
Griechenland, der
10 500
Konflikt
in
der
10 000
Ukraine, die Probleme mit Russland
03.01.15 04.04.15
Quelle: Tsp
Tsp/Schmidt
und der Atom-Disput
mit dem Iran spielten und spielen auf
dem Parkett praktisch keine Rolle. Das
könnte sich in den nächsten Monaten ändern. Der jüngsten Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge werden
die Experten vorsichtiger. Den meisten
ist die Luft zu dünn, sind Aktien mittlerweile zu teuer. Aber einen Absturz der
Kurse erwartet vorerst niemand. Im
Schnitt soll der Dax zur Jahresmitte bei
gut 11 800 stehen. Julius Bär und die Landesbank Baden-Württemberg LBBW bleiben zuversichtlich: Sie rechnen Ende Juni
mit 12 500 Punkten.
Gaspreise bleiben stabil
Energiemix. In der chinesischen Stadt Dongfang rauchen nicht nur die Schlote herkömmlicher Kraftwerke, sondern drehen sich seit einiger
Zeit auch Windräder.
Foto: Reuters
Hamburg - Öl wird billiger, Gas dagegen
nicht. Die Gaspreise in Deutschland bewegen sich kaum. Bislang haben nur wenige der mehr als 700 Gasversorger in
Deutschland Preissenkungen angekündigt oder umgesetzt. Das ergaben Umfragen und Erhebungen des Hamburger
Energie-Informationsdienstes EID sowie
mehrerer Verbraucher- und Vergleichsportale im Internet. Der Verbraucherpreisindex Gas des Portals Verivox weist
einen Durchschnittspreis von 6,45 Cent
bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden aus. Das ist nur unwesentlich weniger als in den vergangenen drei
Jahren. Verglichen mit dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres ist Gas um etwa zwei
Prozent billiger geworden.
dpa
Verdi setzt Streik bei Amazon fort
Milliarden Dollar wurden für Letztere
ausgegeben, 45 Prozent mehr als 2013.
Knapp 36 Milliarden Dollar wurden in
den USA in Erneuerbare investiert, in Japan waren es 34 Milliarden. Zu den großen Investoren gehören neben China
auch Brasilien und Indien mit jeweils
rund 7,5 Milliarden und Südafrika mit
5,5 Milliarden Dollar. Insgesamt entfallen mittlerweile fast 50 Prozent der Ausgaben für neue Wind-, Sonnen- und Wasserkraftanlagen auf Schwellen- und Entwicklungsländer. Bemerkenswert sei, so
Moslener, dass auch Länder wie Indonesien, Mexiko, Kenia, Jordanien oder
Myanmar 2014 jeweils zwischen einer
halben und einer Milliarde Dollar ausgegeben hätten.
In Europa wird die Entwicklung von
neuen Offshore-Windanlagen dominiert.
Allein sieben Projekte mit einem Volu-
men von jeweils einer Milliarde Dollar
seien festgezurrt worden. Unter dem
Strich entfielen der Analyse zufolge im
vergangenen Jahr 48 Prozent der weltweit neu gebauten Anlagen zur Stromerzeugung auf erneuerbare Energien. „Und
in China wurden zum ersten Mal mehr
neue Kraftwerke auf der Basis von Wind,
Sonne und Wasser als auf der Basis von
Kohle gebaut.“ Weltweit flossen 92 Milliarden Dollar in Windräder und knapp 63
Milliarden in Solaranlagen.
Generell, sagt Moslener, sei die Entwicklung im vergangenen Jahr umso bemerkenswerter, als die Preise seit 2011
deutlich gefallen seien. „Jede Milliarde,
die investiert wird, sorgt also für deutlich
mehr Megawatt.“ 2014 seien etwa 103 Gigawatt an zusätzlicher erneuerbarer
Stromerzeugungskapazität
geschaffen
worden, während es 2011 nur 80,5 Giga-
watt gewesen seien. Und dies, obwohl damals die Rekordsumme 279 Milliarden
Dollar investiert worden war. Laut Experten lagen die durchschnittlichen Kosten
für Solaranlagen pro Megawatt 2009 bei
315 Dollar. 2015 waren es nur noch 129
Dollar. Bei Windanlagen auf dem Land
ging es von 96 auf 85 Dollar zurück, bei
Offshore-Windanlagen dagegen von 151
auf 203 Dollar nach oben.
In den nächsten Jahren hätten erneuerbare Energien allerdings steigende Herausforderungen zu bewältigen, sagt Moslener. Unter anderem seien dies Kürzungen bei der Förderung, steigende Kosten
für die Einspeisung des Stroms, die Probleme beim Leitungsbau etwa in Deutschland oder das wieder steigende Interesse
anGas.Andererseits leisteten dieErneuerbaren einen immer stabileren Beitrag zur
Stromerzeugung.
Düsseldorf - Die Gewerkschaft Verdi
hat den Arbeitskampf beim Online-Versandhändler Amazon an den beiden nordrhein-westfälischen Standorten Rheinberg und Werne am Samstag fortgesetzt.
Das hatten die zuständigen Tarifkommissionen am Karfreitag beschlossen. Betroffen waren mehr als 600 Beschäftigte. Bereits von Montag bis Donnerstag hatten
Amazon-Mitarbeiter an mehreren Standorten die Arbeit niedergelegt. Nach den
vier Tagen Arbeitskampf hatte Verdi den
Streik mit dem Ende der Spätschicht am
Donnerstag vorerst für beendet erklärt,
aber angekündigt, dass der Tarifkonflikt
weitergehe. Die Gewerkschaft will Amazon zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu den besseren Bedingungen des Einzel- und Versandhandels bewegen. Das
Unternehmen lehnt das ab. In dem Tarifkonflikt kommt es seit Mai 2013 immer
wieder zu Arbeitsniederlegungen.
dpa
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Quelle: Entscheidungsträger-Analyse Berlin 2014, www.tagesspiegel.de/leitmedium
*
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**
Gesamtbelegung mit Potsdamer Neueste Nachrichten
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F
Rentner stärken Tourismusbranche
Weltweit werden immer mehr Wind- und Solarkraftwerke gebaut – vor allem in China
Frankfurt am Main - Die weltweiten Investitionen in Anlagen zur Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien sind im
vergangenen Jahr deutlich auf 270 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 248 Milliarden Euro) gestiegen. Das war ein Plus
von 17 Prozent und die zweithöchste
Summe, die jemals in Windkraft- und Solaranlagen und Wasserkraftwerke investiert wurde. „Wir kommen langsam voran“, sagt Ulf Moslener, Professor für Umweltökonomie an der Frankfurt School of
Finance. Sie hat den
Bericht über Globale Trends bei InDer meiste
vestitionen in erneuStrom wird
erbare Energie zumit der Umimmer noch sammen
weltorganisation
mit Kohle
der Vereinten Nationen Unep erstellt.
und Gas
Trotz der hohen Inerzeugt
vestitionen spielten
Wind, Sonne und
Wasser beim tatsächlichen Stromverbrauch aber nach wie vor
weltweit mit einem Anteil von 9,1 Prozent im vergangenen Jahr eine untergeordnete Rolle, auch wenn es im Vergleich
zu 2013 leicht von 8,5 Prozent nach
oben ging. Der mit Abstand größte Teil
des Stroms wird weltweit weiter mit
Kohle und Gas erzeugt.
Gleichwohl bedeutet eine Quote von
rund neun Prozent, dass jährlich etwa 1,3
Gigatonnen an klimaschädlichen Emissionen vermieden werden, betont Moslener.
Deutschland liegt bei der Nutzung erneuerbarer Energien für Strom mit 26 Prozent mit in der Spitzengruppe. Allerdings
liegen die Investitionen in Wind-, Sonnen- und Wasserkraft hierzulande nur bei
elf Milliarden Dollar. Davon entfielen
nur drei Milliarden auf Solaranlagen.
2010 waren es allein dafür noch 24,5 Milliarden Dollar. Zwar spielt dabei auch der
Preisverfall für Solarmodule eine Rolle,
aber bei Weitem nicht die entscheidende,
wie Moslener betont.
Treiber der Investitionen in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
war auch 2014 China mit Aufwendungen
von 83,3 Milliarden Dollar. Dabei dominiert Moslener zufolge zwar weiter die
Windkraft. „Immer mehr Geld fließt aber
auch in kleinere Solaranlagen. Dort gibt
es einen regelrechten Boom.“ Allein 40
NACHRICHTEN
23
Sonne, Wind und Wasser: Die Welt investiert in erneuerbare Energien – Seite 23
WIRTSCHAFT
WWW.TAGESSPIEGEL.DE/ WIRTSCHAFT
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
E
F
NACHRICHTEN
Aufgehübschte Hüllen
Athen will Kredite zurückzahlen
Athen -Griechenlandwill inder kommenden Woche alle seine finanziellen Verpflichtungen begleichen - auch einen Kreditin Höhe von 460 Millionen Euro des Internationalen Währungsfonds (IWF).„Alles, was nächste Woche gezahlt werden
muss, der IWF, die Gehälter, die Renten,
wird gezahlt“, sagte ein Regierungsvertreter. EU-Parlamentspräsident Martin
Schulz (SPD) warnte Athen angesichts einer bevorstehenden Moskau-Reise von
Ministerpräsident Alexis Tsipras davor,
Europa spalten zu wollen. Der griechische
Innenminister Voutzis hatte gedroht, eine
am 9. April fällige Rückzahlung an den
IWF zu verschieben, weil Renten und Gehälter gezahlt werden müssten.
AFP
Kaum Topmanager aus dem Osten
Hannover - Auch rund 25 Jahre nach der
Wende ist Ostdeutschland in den
Dax-Vorstandsetagen erheblich unterrepräsentiert. Nur rund vier Prozent der
knapp 200 Topmanager in den Führungszirkeln der 30 Börsenschwergewichte
sind in den neuen Bundesländern geboren. Jeder fünfte Dax-Vorstand kam in
Nordrhein-Westfalen zur Welt. Dahinter
folgen mit je rund zwölf Prozent die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Diese Zahlen gehen aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur
und
der
Finanznachrichtenagentur
dpa-AFX hervor.
dpa
Agrarminister kritisiert EU-Vorgaben
Berlin - Die geplanten neuen EU-Vorgaben für Bioprodukte dürfen laut Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU)
die Einfuhren von außerhalb Europas
nicht
ausbremsen.
„Als
größter
Bio-Markt in Europa ist Deutschland auf
viele Importe aus Drittländern angewiesen“, heißt es in einem Schreiben
Schmidtsan EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Vielen Landwirten besonders in Entwicklungsländern böten Bio-Exporte
nach Europa wichtige Einkommenschancen, argumentiert Schmidt.
dpa
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Stand: 04.04.15 Quelle: www.teltarif.de
SEITE 24
Viele Produkte suggerieren, dass sie dem Kunden etwas Neues bieten. Doch oft können sie weniger als angenommen
Von Maximilian Vogelmann
Berlin - „Von dem Geld, das wir nicht
haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht
brauchen, um Leuten zu imponieren, die
wir nicht mögen.“ Das Zitat aus dem Film
„Fight Club“ passt zu dem Phänomen,
dass wir Altes, obwohl es noch tadellos
funktioniert, gerne durch Neues ersetzen. Wenn beispielsweise im Stabmixer
ein Plastikzahnrad in eines aus Stahl
greift, kann das nicht lange gutgehen: Das
harte Material verschleißt das weiche,
das Gerät geht kaputt, ein neuer Mixer
muss her. Dass Hersteller mit Absicht
ihre so Produkte bauen, dass sie sich kurz
nach Ablauf der Garantiezeit selbst zerstören, ist die These der sogenannten „geplanten
Obsoleszenz“.
Nachweisen
konnte man das allerdings noch keinem
Hersteller.
Eine ähnliche Taktik ist die „psychische Obsoleszenz“. Sie ist so alt wie
Werbung, Handel und Mode, im vergangenen Jahrhundert wurde sie in der Automobilindustrie zur Perfektion gebracht.
Hier wird nicht die Funktion eines Gerätes zerstört, sondern sein Image. Hersteller und Händler machen Verbrauchern
das madig, was sie schon besitzen – mit
kleinen Veränderungen am Produkt, dem
neuesten Software-Update, Display, Material, Farbe, Form oder Name.
„Das Neue ist in den seltensten Fällen
wirklich neu“, sagt der Kulturwissenschaftler Markus Krajewski, Professor an
der Universität Basel. „Da wird die Hülle
eines Produkts poliert, aber sein Inhalt
bleibt weitestgehend gleich.“ Die Hersteller arbeiteten mit ganz einfachen massenpsychologischen Mitteln, sagt Krajewski
und erklärt: „Bei uns hat sich der Zyklus
so eingespielt, dass einmal im Jahr das
neu aufpolierte Produkt auf den Markt
kommt, ob Auto, Smartphone oder Laptop. Eine neue Heckflosse – schon fühlt
sich der Wagen, den man besitzt und der
noch bestens funktioniert, veraltet an.“
Es geht bei der psychischen Obsoleszenz also nicht um eigens eingebaute
Schwachstellen, sondern um gut geplante Produktserien – und darum, Verbrauchern das Gefühl zu geben, ihre
Sachen seien zu alt, Viele
zu hässlich und
nicht mehr auf dem Produkte
neuesten Stand. Be- sind
triebswirt
Stefan
Schridde erklärt das nur
Phänomen so: „Die vermeintlich
Hersteller
wollen
uns durch nieder- veraltet
schwellige Ansprache von Bedürfnissen, Hoffnungen, Instinkten und Trieben
dazu bewegen, so schnell wie möglich etwas neu zu kaufen, auch wenn das alte
Produkt noch funktioniert.“ Gut zu beobachten sei dies beispielsweise bei Modeartikeln, Möbeln, Elektrogeräten oder
Autos. Schridde ist Experte zum Thema
Obsoleszenz. Er hat die Kampagne
„Murks? Nein Danke!“ ins Leben gerufen,
trat in Talkshows auf und schrieb ein
Buch.
Für Krajewski ist vor allem der Flachbildfernseher ein gutes Beispiel für psychische Obsoleszenz: „Der alte Röhrenfernseher funktioniert noch tadellos, landet aber auf der Straße. Den will keiner
mehr, weil er als veraltet gilt.“ Verbessert
werde nur das Äußere, die eigentliche
Funktion bleibe in den meisten Fällen
gleich. Ein Trick der Hersteller sei es
auch, bei einem neuen Produkt nicht mit
der besten aktuell verfügbaren Technik zu
arbeiten, sondern zunächst Luft nach
oben zu lassen. Krajewski: „Dann hat man
nächstes Jahr gleich etwas Neues zu verkaufen, das die alten Produkte hinfällig
scheinen lässt – zum Beispiel die bessere
Kameraauflösung eines Smartphones.“
Neueste Forschungsergebnisse scheinen dies zu bestätigen. Umweltbundesamt und Öko-Institut führen eine gemein-
GEPLANTE ABNUTZUNG
same Studie zur geplanten Obsoleszenz
durch und haben Anfang März erste Erkenntnisse veröffentlicht. Demnach wurden im Jahr 2012 mehr als 60 Prozent der
noch funktionierenden Flachbildfernseher deshalb ersetzt, weil ein neues Gerät
vermeintlich besser war. Nur ein Viertel
der Befragten kaufte einen neuen Fernseher, weil der alte kaputt war. Rainer
Grießhammer vom Öko-Institut sagt
dazu: „Heute werden mehr Elektro- und
Elektronikgeräte ersetzt, obwohl sie
noch gut funktionieren.“ Häufig seien
Technologiesprünge ein Auslöser.
Der Studie zufolge tauschten Verbraucher auch fast ein Drittel ihrer Waschmaschinen, Wäschetrockner und Kühlschränke aus, obwohl sie noch funktionierten.
„Man
Das
sagt ja oft, die KunLustzentrum den seien schuld,
die wollten das ja
im Gehirn
so, jedes Jahr ein
schüttet
neues Handy, einen
Fernseher,
beim Kaufen neuen
ein neues Auto“,
Dopamin aus sagt Schridde von
„Murks?
Nein
Danke!“. Doch das
stimme nicht, sagt er: „Es sind die Hersteller und Händler, die ganz gezielt
Knöpfe drücken, auch über neurobiologisches Marketing.“
Im Fokus der Verkäufer: Die Amygdala, das Lustzentrum unseres Hirns.
„Die Amygdala ist so eingestellt, dass
neue Dinge für uns interessant sind und
wir mit Glückshormonen belohnt werden, wenn wir Neues erleben“, erklärt
Schridde. In dem Moment, in dem wir
etwas kaufen, wird Dopamin ausgeschüttet, ein Neurotransmitter, der häufig als
„Glückshormon“ bezeichnet wird. Also,
sagt Schridde, gingen wir auf Beutezug
und stellten unser Zuhause mit lauter Trophäen voll, die wir aber gar nicht bräuchten.
Hersteller und Händler nutzten gezielt
das psychologische Grundgerüst des
Menschen aus, sagt Schridde. Alle Sinne
würden angesprochen, damit der Kaufanreiz direkt im Unterbewusstsein lande:
Restaurants blasen Küchendüfte auf die
Straße, der Sound der Mercedes-Tür
werde optimiert, damit sie schön satt
schließt, Erdnussflips so klein gemacht,
dass man immer wieder zugreifen will.
Schridde: „Man kriegt das bewusst gar
nicht mit.“ Auch soziale Grundbedürfnisse würden gezielt genutzt, damit Menschen etwas Neues kaufen, obwohl sie es
nicht brauchen. Denn die meisten wollen
dazugehören und Anerkennung bekommen.
„Psychische Obsoleszenz funktioniert
am besten bei Statussymbolen wie Autos
oder Smartphones – bei Bleistiften eher
nicht“, sagt auch Krajewski. „Die psychische Obsoleszenz ist nur eine Facette
der geplanten Obsoleszenz“, sagt
Schridde. Beides hänge mit unserem
Wirtschaftssystem zusammen: „Die Wirtschaft arbeitet nicht auf Glück hin, sondern auf Mangel. Den braucht sie, sonst
könnte sie uns keine Produkte verkaufen.“ Viele Menschen seien unglücklich
und dächten, sie könnten das überwinden, indem sie Dinge kaufen, sagt
Schridde und erklärt: „Aber man weiß
aus der Forschung: Mit Geld kann man
kein Glück kaufen. Das kann man nur mit
Zeit. Und die fehlt uns grundsätzlich.“
Wie aber können Verbraucher sich gegen die gezielte Manipulation wehren?
Krajewski gibt den Tipp: „Man sollte sich
fragen: Warum will ich das haben? Und,
wenn möglich, eine Nacht drüber schlafen.“ Schridde rät ebenfalls zur kritischen Selbstbefragung: „Brauche ich das
wirklich? Muss ich mir das kaufen?“ Im
Grunde sollte man also den Kaufanreiz so
lange aushalten, bis er wieder verschwindet. Dann kann man noch viel Freude an
alten und gut funktionierenden Geräten
haben – und viel Geld sparen.
Wunschobjekt Flachbildschirm. Messen wie die Internationale Funkausstellung wecken Begehrlichkeiten bei so manchem Verbraucher.
Dort stellen Hersteller aus aller Welt ihre neuesten Produkte vor.
Foto: dpa
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Gäste des Tagesspiegel Wirtschaftsclubs
D
Wenn der Laptop plötzlich streikt
Der Begriff Obsoleszenz
geht auf das lateinische
Verb „obsolescere“ zurück.
Es steht für „sich abnutzen“ aber auch „Geltung
und Ansehen verlieren“.
Wenn Drucker ihren Dienst
verweigern, obwohl sie
noch weiter drucken könnten, wenn der Laptop kurz
nach Ende der Garantiezeit
den Geist aufgibt – dann
werden Verbraucherschützer hellhörig. Sie verdächtigen Hersteller, mit Absicht
Schwachstellen in ihre Produkte einzubauen, damit
diese schneller kaputtgehen und die Konsumenten
so gezwungen sind, neue
Produkte zu kaufen. Der Begriff „geplante Obsoleszenz“ geht auf ein amerikanisches Buch aus dem Jahr
1932 zurück – „Ending the
Depression Through Planned Obsolescence“ des
Ökonomen Bernhard London. Seine Idee war es,
den Wirtschaftskreislauf
am Leben zu halten, indem
die Lebensdauer von Produkten künstlich begrenzt
wird. Der gezielte Einbau
von Schwachstellen lässt
sich allerdings schwer nachweisen. So fand die Stiftung Warentest im Jahr
2013 bei Tests von Waschmaschinen keine Anzeichen von geplanter Obsoleszenz. Eine Studie des
Umweltbundesamtes
kommt zu einem anderen
Ergebnis. „Der Anteil der
Geräte, die aufgrund eines
Defektes schon innerhalb
von fünf Jahren ersetzt werden mussten, ist zwischen
2004 und 2012 von 3,5
Prozent auf 8,3 Prozent auffallend stark gestiegen“,
heißt es dort. Hierbei geht
es um Haushaltsgeräte
wie Waschmaschinen, Wäschetrockner und Kühlschränke.
Tsp
Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und
Frauen und Stephan Schwarz, Präsident der
Handwerkskammer Berlin
Peter Raue, Rechtsanwalt
Der Tagesspiegel Wirtschaftsclub bietet seinen Mitgliedern ein starkes MultiplikatorenNetzwerk. Bei hochkarätigen Veranstaltungen treffen sich Persönlichkeiten aus Politik,
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SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
SEITE 25
Vertanzte
Sommerfrische
Die Casa di Goethe in Rom entdeckt Verbindungen
zwischen Thomas Mann und Luchino Visconti
Goethe, Thomas Mann, Luchino Visconti
– ganz unverhofft geraten sie dieser Tage
(wieder) zusammen: in der römischen
Casa di Goethe, Via del Corso 18. Dort,
wo Johann Wolfgang Goethe sich 1786
als deutscher Maler Filippo Miller auf seiner Italienischen Reise beim echten Malerfreund Johann Heinrich Tischbein eingemietet hatte, pseudonym, um den Fans
seines in ganz Europa verbreiteten „Werther“-Romans zu entgehen.
Die Ausstellung heißt „Mario und der
Zauberer – Thomas Mann und Luchino
Visconti erzählen vom faschistischen Italien“, was ein wenig strenger klingt, als es
sich für alle darstellt, die beispielsweise
als Osterurlauber in Rom nicht nur den
Papst erleben wollen. Zumal für Besucher, die noch nie in jener zentral gelegenen Casa di Goethe waren – die sich als
„einziges deutsches Museum im Ausland“ bezeichnen darf.
Magisch. Einband derErstausgabe von„Mario und der Zauberer. Foto: Spiekermann-Klaas
Wie kommt es nun zu der doch prima
vista überraschenden Dreiheit? Thomas
Mannhatte sich alsRepräsentantder deutschen Literatur und gleichsam lebender
Klassiker immer auch im Lichte und in der
Nachfolge von Goethe gesehen. Davon
zeugen nicht nur der Roman „Lotte in Weimar“ oder der Subtext seines „Doktor
Faustus“. Zu Mann wiederum und zum
deutschen Wesen mit allen Höhen und
Abgründen fand sich der italienische Regisseur Luchino Visconti zeitlebens hingezogen: Jeder Cineast kennt Viscontis
Verfilmung von „Tod in Venedig“, seine
Filme über Ludwig II. oder jene dämonisch-teutonisch-faschistische Industriellensippe mit dem Krupp-nahen Namen
von Essenbeck („Die Verdammten“).
Die in Rom lebende Germanistin und
Übersetzerin Elisabeth Galvan, die unlängst erst Thomas Manns frühes Drama
„Fiorenza“ (über Savonarola, die Medici
und die florentinische Renaissance) in
der deutschen Mann-Gesamtausgabe editiert hat, ist als Kuratorin auf eine kaum
bekannte unmittelbare Verbindung zwischen Mann und Visconti gestoßen.
1930 hatte Thomas Mann seine kleine
Erzählung „Mario und der Zauberer“ publiziert. Sie handelt von Sommerferien
des Erzählers im fiktiven toskanischen
Seebad Torre di Venere. Eine „afrikanische Hitze“ und unangenehm nationalistische Töne der italienischen Strandurlauber drücken auf die Stimmung; alles gip-
felt in der abendlichen Vorstellung eines
Zauberkünstlers, der als bucklichter Dämon und peitschenschwingender Dompteur sein Publikum behext und den mit
den Kindern des Erzählers befreundeten
jungen Café-Kellner Mario wie ein Diktator demütigt. Worauf Mario am Ende, aus
der Hypnose erwacht, den Magier niederschießt.
Die Novelle von 1930, die auf Erlebnissen der Familie Mann im Seebad Forte dei
Marmi von 1926beruhte,liest sich als Metapher und Menetekel der damaligen Mussolini-Herrschaft und konnte in Italien
erst nach Kriegsende 1945 erscheinen.
Der 45-jährige Visconti verfasste dann im
Sommer 1952 zusammen mit dem Komponisten Franco Mannino, seinem Schwager, das zweiaktige Ballett „Mario e il
mago“. Im April 1953 war Thomas Mann
nach Rom eingeladen, und Visconti und
Mannino zeigten dem deutschen Großmeister ihr Werk am Rande eines Empfangs. Mann, der recht gut Italienisch und
auch Noten lesen konnte, überflog das
15-seitige Libretto mitsamt der Partitur
und sagte, nach kurzer Weile, zu den zwei
bang und bleich Wartenden (wie Mannino
berichtet):„Bravo! Ich befürchtete,Sie hätten in expressionistischem Stil komponiert; ich bin froh, dass Sie es nicht getan
haben. Niemals Expressionismus in meinen Arbeiten!“
Das Ballett wurde im Februar 1956 an
der Mailänder Scala von Visconti uraufgeführt, ein halbes Jahr nach dem Tod des
Original-Autors. Nun, im 60. Todesjahr
und 140. Geburtsjahr Thomas Manns sowie 70 Jahre nach Kriegsende und der italienischen Erstausgabe, zeigt die kleine
Ausstellung in der Casa di Goethe historische Fotos der Aufführung, Szenenbilder,
Bühnenskizzen, ein Video. Und man hört
Manninos Musik, dazu Erinnerungen an
Mann, Italien und Visconti. Ferner gibt es
einen ausgezeichneten deutsch-italienischen Katalog.
Und wer durch die 2012 neu eröffneten
Räume der einstigen Goethe-Wohnung
des innen modernisierten, aber noch von
alten Holzdecken getragenen Hauses aus
dem 16. Jahrhundert geht, bekommt in
der Dauerausstellung der Casa auch noch
eineMenge JWG mit: bis hin zu Andy Warhols (originalem) Goethe-Porträt „after
Tischbein“.
Peter von Becker
— „Mario und der Zauberer“ bis 26. April.
Casa di Goethe, Rom, Via del Corso 18. DiSo 10 bis 18 Uhr. Eintritt 5 Euro, Katalog 8
Euro. Weitere Infos: www.casadigoethe.it
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Tim Renner und Chris Dercon
zur Zukunft der Berliner Volksbühne
Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner
hat auf die Kritik von Claus Peymann an
seiner Person reagiert: Der Intendant des
Berliner Ensembles, der Renner als „die
größte Fehlbesetzung des letzten Jahrzehnts“ bezeichnet hatte, sei „ein älterer,
trauriger Herr, der um sich schlägt“,
sagte er dem RBB-Sender „Radioeins“.
Peymann hatte sich einerseits beschwert, monatelang nicht in der Kulturverwaltung empfangen worden zu sein.
Andererseits griff er das Gerücht auf, der
Leiter der Londoner Tate Gallery, Chris
Dercon, solle Nachfolger von Frank Castorf an der Berliner Volksbühne werden,
und erklärte, damit würde das Theater
zur „Eventbude“ verkommen. Tim Renner seinerseits präzisierte nun, dass Dercon als Quereinsteiger Teil einer „neuen
Leitung“ der Bühne am Rosa-Luxem-
burg-Platz werden könne, deren weitere
Mitglieder aber „ein profundes Theaterwissen“ mitbrächten.
Aus der britischen Hauptstadt meldete
sich inzwischen auch der Museumsmann
zu Wort. In der „Frankfurter Allgemeinen“ erklärte er: „Ich bewundere die Arbeit der Volksbühne seit langer Zeit.“ Andererseits aber habe für ihn die Tate Vorrang: „Ich habe immer noch eine Menge in
London zu tun! Nicht zuletzt, der Gegenwartskunst im allgemeinen ,den Hintern
zu retten‘.“ Ihm gehe dabei allerdings „das
Theater intensiv im Kopf herum“. Boris
Charmatz habe im Mai in der Tate gastiert,
für 2016 sei Anne Teresa de Keersmaeker
eingeladen. „Es ist generell wichtig, neue
Modelle der Kulturproduktion zu entwickeln“, so Chris Dercon. „Und wieder festzulegen, was ,öffentlicher Raum‘ ist.“ Tsp
Awraham,
Abraham,
Ibrahim.
Der Vater ist bereit,
auf Befehl Gottes
seinen Sohn zu
ermorden.
Caravaggios
„Opferung des Isaak“
von 1601/02 hängt
in Florenz in
den Uffizien.
Foto: p-a/AKG
Im Zeichen der Drei
Ostern im Museum: über die Kraft und die Gewalt des Monotheismus
und das ewige Opfer der Söhne, nicht nur in der Bibel
Von Rüdiger Schaper
Manchmal wünscht man sich den griechischenGötterhimmel zurück,mit all seinen zutiefst menschlichen Geschichten
und Projekten, mit dem sympathischeren
göttlichen Personal. Nicht dass es in jenen
Zeiten, die Homer verewigt hat, friedlicher zugegangen wäre als nachher in den
christlich und islamisch geprägten Jahrhunderten. Aber man kann auch keinesfalls sagen, dass die Idee des Monotheismus eine besänftigende Wirkung auf die
Menschen gehabt hätte. Das Gegenteil
scheint der Fall zu sein. Die Vorstellung
von dem einzigen Gott – ohne andere Götter neben, unter und über ihm – ist offenbar so verführerisch, dass der Mensch sie
exklusiv haben will. So ist zu befürchten,
dass mit dem einen, wahren Gottder Glaubenskrieg in die Welt kam. Und Ausgrenzung und Gewalt.
Der Ägyptologe Jan Assmann schreibt
zu diesem Thema seit Jahren einen klugen
Text nach dem anderen; kürzlich ist sein
Buch „Exodus. Die Revolution der Alten
Welt“ erschienen. Auf dem Internet-Kulturportal „Perlentaucher“ findet sich
seine ausgedehnte Auseinandersetzung
über die Frage von „Monotheismus und
Gewalt“. DieWelt liefertdafürohneUnterbrechungneuen Stoff. Sunniten und Schiiten stehen sich an vielen Fronten gegenüber, die islamische Welt droht zu explodieren. Islamistische Terroristen aus Somalia haben am Donnerstageine Universität in Kenia gestürmt, sie töteten gezielt
Christen. Und wenn das „Time Magazine“ in seiner jüngsten Ausgabe von der
„Schlacht um Jerusalem“ schreibt („Juden
und Muslime verschärfen den Kampf um
die am leidenschaftlichsten begehrte heilige Stätte der Stadt“, den Tempelberg mit
der Al-Aksa-Moschee), ist das leider auch
keine Neuigkeit.
Es ist wird einem immerwieder gnadenlos vorgeführt, dass die Religionen des
Buchseinen aushärtestem Holz geschnitzten Gott verehren. Der sich auch nicht
wehrt, wenn inseinem Namenein„Gottesstaat“ ausgerufen wird oder, um in der
christlichenGeschichte zubleiben, Kreuzzüge geführt werden. Abraham, der alsUrvater von Juden, Christen und Muslimen
gilt, setzt seinem Sohn Isaak das Schlachtmesser an den Hals, um Gott gehorsam zu
sein. Im letzten Moment greift der Engel
ein und beendet die barbarische Prüfung.
DieGeschichte ist inder Malerei oftdargestellt worden, am schlagendsten auf
dem Gemälde von Caravaggio, das in Florenz in den Uffizien hängt. Dem Jungen
steht deruniverselleHorrorinsGesichtgeschrieben, aber auch Trotz. Auf dem Bild
wirkt der Vater fast ärgerlich, da er im Opferritual gestört wird. In der Bildmitte
blitzt das Messer. Die quälende Frage ist:
Warum greift keiner den Henkern des „Islamischen Staats“ in den Arm, wenn sie ihren Opfern den Kopf abschneiden?
Die Ostergeschichte ruft existenziellen
Schrecken hervor, wenn der Sohn Gottes,
wie er genannt wird, am Kreuz geopfert
wird. Er ist jemandes Sohn jedenfalls.
Spürt man da nicht eine Kinderangst vor
höheren Mächten und Vätermoral, vor
dem vermeintlich Unausweichlichen?
Und wer glaubt heute noch buchstäblich
andie Auferstehung, wie sie das Neue Testament verheißt?
Schöne österliche Gedanken sind das
nicht, oder doch – gerade. Tod und Leben
liegen an keinem Feiertag so nah beieinander. Drei Tage sind es ja, 72 Stunden, verdichtetes Drama von der Finsternis ins
Licht. Bei den Passionsspielen in Oberammergau, unter freiem Himmel, stellt sich
dieser Zustand unweigerlich ein: Beklemmung, Befreiung, Widerstand gegen das,
was geschehen muss, weil es geschrieben
steht. Das Ostererlebnis wird schon, bürgerlich-behaglich, in Goethes „Faust“ als
ambivalent geschildert. Heraus ins Freie
kommen die Leute, aus engen Gassen,
„aus dem Druck von Giebeln und Dächern“, „aus der Kirchen ehrwürdiger
Nacht / Sind sie alle ans Licht gebracht“.
Das Drama des agnostisch-hedonistischen Dr. Faustus kann beginnen.
Vielleicht aber führt der Weg an diesem
kalten Osterfest eher ins Museum. Im Museum haben die Dinge ein zweites Leben,
aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen oder gerettet, wie auch immer. Im Museum gehört die Wiedererstehung versunkener Welten zum Programm, da ist im weltlichen Sinn eigentlich immer Ostern. Und will man nicht
manchmal, wie der Zweifler Thomas in
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der Bibel, die Dinge berühren, um sie zu
verstehen? Hier existieren Polytheismus
und Monotheismus hübsch ordentlich
mit- und nebeneinander, zumal auf der
Berliner Museumsinsel. Wenn auch der
Pergamonaltar auf lange Jahre verschlossen bleibt – die alten Götter behaupten
ihre Präsenz. Auch im Bode-Museum mit
seinen Skulpturen und der byzantinischen Sammlung. Im Untergeschoss hat
jetzt eine kleine Ausstellung mit dem Titel
„Ein Gott. Abrahams Erben am Nil“ eröffnet. Da geht es um das Zusammenleben
von „Juden, Christen und Muslimen in
Ägypten von der Antike bis zum Mittelalter“ (bis 13.9., Di–So, 10–18 Uhr, Do bis 20
Uhr, Ostersonntag und -montag geöffnet).
Dazu braucht es eigentlich viel mehr
als ein paar Kellerräume, damit ließe sich
der große Gropius-Bau füllen. Aber den
Staatlichen Museen mit ihren vielen Baustellen fehlt nicht nur der Platz, sondern
auch das Geld für Sonderausstellungen.
„Ein Gott“ ist eine Kooperation mit dem
British Museum in London, dort soll die
Präsentation dann größer sein und umfangreicher bestückt.
Steigt man nun über die Treppe im
Bode-Museum hinab, trifft man auf ein
„Gottchen“. All die schlimmen Gedanken
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und Gewaltdebatten, der monotheistische Wahn, bleiben draußen. Hier geht es
nicht um das Trennende, vielmehr um Gemeinsamkeiten in der kulturellen Darstellung von Christen, Juden und Muslimen in
Alexandria. Auf die antike Weltstadt ist
die Ausstellung beschränkt, wie in einer
Oase des Friedens und der Toleranz.
Da gibt es in den Vitrinen Schönes, Seltenes, Tröstliches zu entdecken. Grabsteine der drei monotheistischen Religionen stehen friedlich beieinander und lassen sich nur aus der Nähe einer Glaubensrichtung zuordnen, durch die Schrift. Ein
Brief berichtet von einer Werkstatt, die
sich Juden und Muslime teilen. Ein Tuch
ist zweisprachig verziert, mit einem arabischen und hebräischen Schriftband. Holzschnitzereien, Gläser, Metallschmuck
deuten auf einen Alltag hin, in dem Menschen unterschiedlichen Glaubens viel
voneinander wussten und sich austauschten. Aber dann ist da natürlich auch wieder Abraham mit seinem Sohn Isaak, dargestellt auf einem bunten Stofffetzen des
7. oder 8. Jahrhunderts n. Chr. Wie in einem Comic: Der Alte hält in der einen
Hand das Messer, mit der anderen hat er
seinen Jungen am Haarschopf gepackt.
Und vom rettenden Engel ist nur der entscheidende Fingerzeig zu sehen.
Awraham, Abraham, Ibrahim. Gelebt
habensoll ervor4000 Jahrenin Mesopotamien, ein Nomade, ein Emigrant. Allen
drei Religionen ist er das Ur-Mannsbild an
Glaubenstreue und Gehorsam, Gottesfurcht. Der so weit gegangen wäre und seinen Sohn ermordet hätte, dazu war er be-
reit. Das ist die Schlüsselszene. Ein
Mensch machtsichzumWerkzeugund seinen Sohn zum Tier. Will man so einen Vater haben? Gibt er nicht Gewaltbereitschaft und blindes Gehorchen weiter, sät
Hassvon Generation zuGeneration?Inseinem Lied „Story of Isaac“ beschreibt Leonard Cohen den Mordversuch, die Kälte
des Vaters, der eine „Vision“ hatte, sich
„stark und heilig“ fühlt undden Befehl ausführen muss. „Ich war neun Jahre alt“, sagt
Isaac, der hier seine Geschichte erzählt
und mit seinem Vater geht, treu.
Auch Homer und Co. haben schreckliche Geschichten zu erzählen. Agamemnon, der griechische Heerführer, Spross
eines mit Fluch beladenen Clans, opfert
seine Tochter Iphigenie, um in den Trojanischen Krieg ziehen zu können. Seine
Frau zahlt es ihm heim, es beginnt der
entsetzliche Rache- und Familienzyklus
der „Orestie“. Der Dramatiker Aischylos
schlägt am Ende etwas Neues vor: Gerechtigkeit statt Gehorsam. Demokratie
statt Tyrannei. Die Götter machen mit.
„Ein Gott“. Draußen am Bode-Museum flattert ein Transparent mit dem Titel der Ausstellung im Aprilwind. Es
klingt fast wie eine Drohung. Das Thema
ist von ungeheurer Brisanz, in unserem
Alltag heute. Das versteckt man doch
nicht im Keller! Von Abraham wird berichtet, dass er auf Geheiß Gottes in eine
Werkstatt oder einen Laden ging und Götzenbilder zerschlug, denen die Menschen damals huldigten. Man kann es so
deuten, dass er dummen Aberglauben beseitigen wollte. Man wird aber auch an
die IS-Männer erinnert, die im Museum
antike Statuen vernichten, weil diese anANZEIGE
geblich den Islam beleidigen. Abraham
als militanter Bilderstürmer und Zerstörer von Kultur: Wenn man gerade aus
dem Museum kommt, neigt man dieser
Interpretation zu.
Schrecklicherweise funktioniert die
Stigmatisierung und Ausgrenzung des
Fremden ebenso ohne Gott. Man braucht
keinen Glauben, um Rassist zu sein. Der
Monotheismus trägt den Keim seines eigenen Todes in sich, Auferstehung natürlich inbegriffen.
26
KULTUR
DER TAGESSPIEGEL
Der Rest ist Schweigen
Wir sind’s
Bachs Johannes-Passion
mit dem Rias-Kammerchor
Jesus ist einer von ihnen. Da können die
„Jüden“ noch so wütend ihr „Kreuzige
ihn!“ anstimmen, es ändert nichts, er steht
mittendrin. Alle Solisten haben sich am
Karfreitaginder Philharmoniezu den Sängern des Rias-Kammerchors gesellt, gemeinsam stimmen sie die Choräle und
Chöre derJohannes-Passion an, tretenhervor, reihen sich wieder ein, auch Johannes
Weisser als souverän-gütiger Jesus.
Nicht die schlechteste Art, Bachs Juden-Hetzchören beizukommen, die in
heutigen Ohren so antisemitisch klingen.
René Jacobs vermeidet die Konfrontation
– hier Gottes Sohn, dort der Mob, hier die
gläubigen Christen, dort die mörderischen „Jüden“ – und probiert stattdessen
die Integration. Es ist viel geschrieben
worden über den Einfluss von Zeitgeist
und Luther auf Bach, über die Tempelaristokratie, die der Bibel zufolge Jesus
auslieferte (und eben nicht „das Volk“),
über die kommentierenden freien Passions-Verse, die nicht die „Jüden“, sondern
dieGemeinschaftderSünderin dieVerantwortung zieht.Ich bin’s, wir sind’s: Mitläufer, Selbstgerechte, Ausgrenzer, Abschieber. Wer ist frei von Ressentiment?
Schon im Eingangschor macht Jacobs
die Gleichzeitigkeit von Schmerz und
Trost aus, interpretiert die wellenförmige
Linienführung der Streicher, als segelten
die
Menschheitserlösungsbotschafter
über ein Tränenmeer. Bei den Chorälen
bremst er das Tempo aus, verwandelt sie
mit sanftem Legato und kurzen Fermaten
in Inseln der Friedfertigkeit, der Kammerchor singt sie zum Niederknien schön. Als
Pilatus die entscheidende Frage stellt,
„Was ist Wahrheit?“, René Jacobs
halten alle kurz inne.
Die Johannes-Pas- dirigiert
sion als Bibel-Oper das Werk als
und Psychodrama,
in der Urauffüh- Bibel-Oper
rungsfassung
von und
1724. Die mit Leidenschaft und Präzi- Psychodrama
sion zu Werke gehende Akademie für
Alte Musik, der Chor, die Solisten – unter
denen Sebastian Kohlhepp als deklamatorisch-lebendiger Evangelist und der klare
Altus von Benno Schachtner herausragen
– sie alle scheuen das Musiktheatralische
nicht. Aber eben kultiviert, ohne jede Gewalt. Das Orchester rechts, die Bläser
vorn, die Choristen links und hinten, auch
in kleineren Gruppen singend, in der
Mitte die mitunter inhomogene Continuo-Gruppe: So differenziert die Musik
sich aus und verzahnt sich wieder. Auch
dasistVersöhnung– eineFrage derPlatzierung.
Christiane Peitz
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Nicht aller Kriege wird gedacht: ein Besuch in der Mandschurei, wo sich einst 600 000 Russen und Japaner bekämpften
Von Stefan Schomann
Im Frühjahr 1904 begibt sich Elisabeth
von Oettingen, Operationsschwester in
Berlin-Steglitz, auf die längste Reise ihres
Lebens. Sieben Wochen lang dampft sie
mit der transsibirischen Eisenbahn bis in
den Fernen Osten, wo Japan und Russland
imKrieg miteinander liegen. Dessen blutigen Höhepunkt sie am Ende in einem
Frontlazarett miterlebt: bei Mukden, dem
heutigen Shenyang, kommt es Anfang
1905 zur bis dahin größten Schlacht der
Geschichte. Über 600 000 Soldaten gehen im eisigen mandschurischen Winter
aufeinander los, mit Krupp’schen Kanonen auf beiden Seiten. Die deutschen Zeitungen sind voll von Berichten aus diesem
unerhörten Krieg – Asien wagt es, Europa
herauszufordern. Selbst kleine Blätter wie
die Heilbronner „Neckar-Zeitung“ bringen Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz.
Besucht man diesen jedoch heute, so
erinnert nicht das Geringste mehr daran.
Es gibt keine Friedhöfe, kein Museum,
keine Denkmäler, keinen Diskurs. Als
hätte dieser Krieg nie stattgefunden. Es
werden weder Studienreisen noch Symposien noch Geschichtswerkstätten für
die Oberstufe veranstaltet. Kein Trauermarsch und kein Salut, kein Händeschütteln über Gräbern, kein Fahnenschmuck
und keine Beinhäuser, kein Kirschblütenhain, kein son et lumière.
Für einen Besucher aus Deutschland
ein irritierender Befund. Das glatte Gegenteil unserer ebenso inbrünstigen wie
automatisierten Erinnerungskultur, die
sich derzeit wieder in einer Reihe von Gedenktagen manifestiert. Kaum ist der Beginn des Ersten Weltkriegs vor hundert
Jahren absolviert, steht nun der 70. Jahrestag für das Ende des Zweiten Weltkriegs bevor. Wieder wird es eine Fülle
von Publikationen und Ausstellungen geben, von Gedenkveranstaltungen und
Ehrfurchtsbezeugungen.
Nichts dergleichen in Shenyang. Es
lebt ganz im Hier und Jetzt, lieber noch
im Hier und Morgen. In weitgezogenen
Sinuskurven kriecht der Hun-Fluss durch
den Süden der Stadt, für die zu jener Zeit
noch der mandschurische Name Mukden
gebräuchlich war. Von hier stammte die
regierende Qing-Dynastie. Damals tobte
an den Ufern des Hun die Schlacht, heute
aber tobt die Stadt, die größte im Nordosten Chinas, ein wichtiger Produktionsstandort auch für die deutsche Automobilindustrie. Auf dem einstigen Schlachtfeld ragen ganze Batterien schicker Wohntürme auf, dazwischen pompöse Hotels
und futuristische Arenen.
Man blickt nach vorn und nicht zurück;
hier ist kein rechter Platz für tote Seelen.
China 1905.
Großes Bild: Elisabeth
von Oettingen aus
Berlin-Steglitz als
Krankenschwester
inmitten russischer
Soldaten.
Unten: brennende
Lazarette sowie
der Kaiserpalast
in Mukden, dem
heutigen Shenyang.
Hier endete der Russisch-Japanische Krieg
mit einer großen
Schlacht.
Fotos: Universitätsarchiv
Düsseldorf
Zumal der Konflikt für China demütigend war. Zwei ausländische Mächte befehdeten einander auf seinem Gebiet,
aber es war zu schwach, um sie in die
Schranken weisen zu können. Allein die
Zahl der bei Mukden eingesetzten Soldaten entspricht dem Fassungsvermögen
der zehn größten deutschen Fußballstadien, zum Bersten voll mit wilden Männern. Rund 50 000 blieben auf dem
Schlachtfeld. Mit seinen erbitterten Grabenkämpfen, seinen dröhnenden Artilleriegefechten und den rauschhaften
MG-Salven geriet der Russisch-Japanische Krieg zur Generalprobe des Ersten
Weltkriegs. Doch anders als dieser
scheint er heute wie von der Zeit verschluckt. Wo verlief die Front? Wo setzten die Japaner über den Fluss? Wo lagen
die Erdbaracken, in denen die internatio-
nale Rotkreuzmission, zu der Elisabeth
von Oettingen gehörte, Schutz vor dem
Frost gesucht hatte?
Weder die Stadtverwaltung noch das japanische Generalkonsulat wissen etwas
darüber. In China muss man sich durchfragen; im Zweifelsfall bewahrt die mündliche Überlieferung mehr als die offizielle
Geschichtsschreibung. Der Freund eines
Freundes ruft schließlich einen Freund in
SuJia Tun an.Bis vor Kurzem einx-beliebiges Dorf südlich der Stadt, umgeben von
Weizenfeldern undBirkenwäldchen – Chinesisch-Sibirien. Doch rasch mutiert es
nun zu einem Satellitenvorort.
Dort, wo die japanische Offensive einst
begann, finden sich dann doch noch zwei
Granitstelen, die wenige Jahre nach dem
Krieg von den Kontrahenten errichtet
wurden. Die russische in Form eines Pa-
triarchenkreuzes, die japanische in Form
eines kleinen Obelisken. Vor einigen Jahren fügte dann auch Su Jia Tun ein symbolträchtiges Monument hinzu: Es baute
eine Pagode aus der Ming-Dynastie wieder auf, welche die Japaner zerstört hatten, damit die Russen sie nicht als Ausguck nutzen konnten.
Als die Stelen errichtet wurden, besuchte ein damals vierzehnjähriger Schüler aus Shenyang einen Klassenkameraden in Su Jia Tun. Er sah die Verwüstungen, er lauschte den dramatischen Berichten der Dorfbewohner. Und er schwor
sich, dass China nie wieder zum Spielball
fremder Mächte werden sollte. Sein
Name war Zhou En-lai. Die meisten chinesischen Intellektuellen aber, darunter
auch Sun Yat-sen, identifizierten sich damals noch mit Japan als Exponenten ei-
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nes starken Asien. Ihre Kollegen in Indien und Vietnam taten es ihnen gleich.
Europa dagegen verfolgte den Krieg mit
stillem Schaudern; Japans Sieg war, auf
dem Höhepunkt der Kolonialzeit, ein
Schock.Überraschend viele westliche Augenzeugen gaben sich damals mitten in
der Mandschurei ein Stelldichein: „eingebettete“Reporter,Militärbeobachter, Missionare, Ärzte und barmherzige Schwestern. Zurück in Steglitz, schrieb Elisabeth
von Oettingen ein Buch über ihre Abenteuer. Der Bericht aus dem Lazarett von
Mukden klingt gespenstisch. In immer
größeren Massen treffen Verwundete ein,
„Japaner und Russen
in bunter ReihenWegen desgeErinnerung? folge“.
frorenenBodenskönJa, wenn sie nen sie die Toten
nicht bestatten, sonden
dern müssen sie in
politischen
Zelten stapeln. Als
nicht zuhalAkteuren von dieStadt
ten ist, muss auch
heute dient
das Lazarett evakuiert werden. „Trage
folgte auf Trage.“
Zum Abschied stimmt die Kapelle eines
karelischen Regiments „Muss i denn“ an.
Das zentrale Axiom historischer Sinngebung ist es, dass die Schrecken der Vergangenheit zur Läuterung der Gegenwart
dienen mögen. Die Inschrift eines Mahnmals im nordfranzösischen Beauvais hält
diesen frommen Wunsch exemplarisch
fest: „Gedenkt der Toten – verwandelt
Euch.“ Der Toten von Mukden aber gedenkt niemand. Weil es ein Krieg war,
den keiner mehr gebrauchen kann. China
will nicht an seine Schwäche erinnern,
Russland nicht an seine Niederlage, Japan, nach allem, was dann noch folgte,
nicht an den Beginn seiner imperialen
Herrschaft in Ostasien.
Ganz anders verhält es sich etwa im Fall
der „Befreiung des Schanghaier Ghettos“,
deren 70. Jahrestag im September feierlich begangen werden wird. Dabei tut es
wenig zur Sache, dass diese „Befreiung“ in
einem geordneten Rückzug der Japaner
bestand, der nicht in China erzwungen
wurde, sondern in Hiroshima und Nagasaki. Doch sowohl die Länder, aus denen
die rund 18 000 Flüchtlinge stammten,
vor allem Deutschland und Österreich,
wie auch die Länder, in die sie nach dem
Krieg übersiedelten, vor allem die USA
und Israel, haben ein Interesse an guten
Beziehungen zu China, und umgekehrt.
Ob eines Krieges öffentlich gedacht
wird, darüber entscheiden nicht die Opfer der Vergangenheit, sondern deren
Brauchbarkeit für die politischen Akteure der Gegenwart.
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SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
27
Wenn Tänzer
zu weit
laufen müssen
Hin GEHEN
Streik beim
Staatsballett Berlin
Rund um
den Globus
Christiane Peitz sieht Menschen
bei der Arbeit zu
Seltsam, dass der aktuelle deutsche Film
derzeit so wenig Arbeitswelten erkundet.
Im Kino und im Fernsehen ist man derzeit
vor allem (auto-)biografisch oder zeithistorisch unterwegs. Nazi, DDR, die eigene
Jugend in den Achtzigern, von „Tod den
Hippies“ bis „Elser“ läuft da so einiges.
Auch das Generationenthema hat Konjunktur, besonders in Komödien raufen
sich Alt und Jung, Krank und Gesund
gerne zusammen, in Produktionen wie
„Wir sind die Neuen“ oder „Honig im
Kopf“. Aber wann bitte kann man seit
Nadja Uhls Altenpflegerin in „Sommer
vorm Balkon“ noch Leuten bei der Arbeit
zusehen? Oder verfolgen, wie sie sich mit
Arbeitslosigkeit herumschlagen, in prekären Verhältnissen?
Harun
Vor ein paar JahFarocki hat
ren gab es die HartzIV-Komödie, herrdie Schau
lich lakonische Pronoch selbst
duktionen wie „Im
Schwitzkasten“ mit
konzipiert
Christiane Paul und
Edgar Selge, aber die
kamschnell wiederaus der Mode. Wenigstens Christian Petzold verortet seine
Deutschland-Melodramen in Arbeitszusammenhängen,im Krankenhausbei„Barbara“, unter Malochern in „Jerichow“, bei
Risikokapital-Verhandlungen in „Yella“.
Was sicher auch an Petzolds Ko-Autor Harun Farocki gelegen hat – vergangenen
Sommer ist der Autor und Filmkünstler
überraschend gestorben, mit 70 Jahren.
Zu Ostern schlechtes Wetter? Wie wär’s
miteinerIndoor-Weltreise im Haus der Kulturen der Welt? Noch heute und am Ostermontag ist dort die Ausstellung Eine Einstellung zur Arbeit zu sehen (11–19 Uhr),
die Farocki noch selbst konzipierte, gemeinsam mit seiner Partnerin und Kollegin Antje Ehmann. Eine Installation mit
Ein-, Zwei-Minuten-Videos aus 15 Städten, ein halbes Dutzend pro Ort, von Berlin bis Buenos Aires, von Hanoi bis Johannesburg – lauter Filme ohne Schnitt, in nur
einer Einstellung also. Die kurzen Stücke
entstanden in Workshops, die die beiden
in all diesen Städten veranstaltet haben.
Das Ergebnis: lauter Nahaufnahmen –
der Automatisierung, Globalisierung und
ungerechten Verteilung von Arbeit. Eine
Ikea-Decken-Fabrikarbeiterin in Hangzhou, ein Tierkrematoriums-Angestellter
in
Berlin,
ein
ChristuskreuzAndenkenmacher in Rio. Dazu Einwohnerzahl, Durchschnittseinkommen, Lebenshaltungskosten, Arbeitslosenquote –
Ziffern, die für sich sprechen. DieTelefonsexarbeiterin in Boston erklärt mit einem
Lollipop, wie sie die Kunden befriedigt.
Die Männer in der argentinischen Lederwerkstatt reichen sich in stummer Kollegialität den Mate weiter. In einem Monitor-Kreis sind Variationen auf den Kurzfilm „Arbeiter verlassen die Lumière-Fabrik“ derGebrüder Lumière von 1895 versammelt. Menschen verlassen Kaugummi-, Saft-, Textilfabriken oder auch die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen in Genf. Überall Gitter,
Schranken, Tore – nicht alle sehen glücklich aus auf ihrem Weg nach draußen.
Ich bin Jude, ich darf das. Erez Israeli provoziert gern mit seinen Arbeiten. Sein Berlin-Aufenthalt hat Folgen. Bald zieht der Berghain-Fan ganz her.
Das Stechen unter der Haut
Von Tel Aviv
nach Friedrichshain:
Der Maler Erez Israeli
hat mit Norbert Bisky
das Atelier getauscht
und die Stadt erkundet
Von Christiane Meixner
Das Atelier war ihm zu groß. Erez Israeli
hat erst einmal die Tür zugemacht und
sich in den kleinen Raum zurückgezogen.
Dorthin, wo Norbert Bisky sonst isst
oder ausruht. Ein fremder Arbeitsort ist
ohnehin schon eine Herausforderung.
Und solche Dimensionen wie hier in
Friedrichshain kennt Israeli aus seinem
Atelier in Tel Aviv nicht. Also: Tür zu
und nachgedacht über das, was in den
nächsten Wochen entstehen könnte.
Drei Monate lang hat der 40-jährige
Künstler das Atelier mit Bisky getauscht und in Berlin gearbeitet. Sehr
intensiv, das sieht man seinen Bildern,
Scherenschnitten und Skulpturen an.
Unterbrochen wurden die Phasen von
Israelis Streifzügen über Flohmärkte,
von denen er Puppen oder hölzerne
Hampelmänner in Trachten mitbrachte.
Und am Wochenende von ausgedehnten Clubgängen ins Berghain. Eine Leidenschaft, die er mit Bisky teilt, der
wiederum drei Monate lang in Tel Aviv
gewesen ist. Und während der Berliner
Maler dort im vergleichsweise winzigen
Atelier gigantische Formate von über
fünf Metern schuf (die er aus Platzgründen in einzelnen Segmenten malen
musste), ließ Israeli eine Arbeit wachsen,
die auf zwei Arme passt: Er trägt sie unter
der Haut.
Ihre Entstehung wollte er eigentlich in
der Galerie Crone dokumentieren. Galerist Markus Peichl, der sonst Bisky vertritt, entschied sich spontan zu der Ausstellung. Er möchte zeigen, was den israelischen Künstler umtreibt, der vergangenes Jahr schon einmal in Berlin war und
ein Wandbild an der Brandmauer der
Kottbusser Straße 10 zurückgelassen hat.
Das Ergebnis eines Wettbewerbs: Israeli
widmete ihn dem von den Nazis ermordeten Juden Felix Israel, dessen Name dort
in farbigen Lettern steht. Buchstabe auf
Buchstabe, so dass ihn nur lesen kann,
wer die Geschichte kennt. „Auf diese
Weise bedeckt und löscht jeder Buchstabe den Buchstaben unter ihm aus“,
schrieb der Künstler in seinem Konzept
von 2014. Eine Idee, die das Offensichtliche mit dem Subtilen verbindet.
„BRGN“ ist ungleich intimer und aufs
Engste mit Israelis Körper vereint. In der
Galerie Crone hätte man Fotos von seinen Unterarmen mit den tätowierten
Berghain-Stempeln gesehen, die er sich
jedes Wochenende geben und anschließend im Tattoo-Studio nachstechen lässt.
Von den Handgelenken immer weiter
hoch, die jüngsten Motive sind kaum richtig verheilt. Auch Berlins legendärer
Club wäre in der Ausstellung aufgetaucht, in einem Video oder akustisch.
Doch die Schau hat sich während des Aufbaus anders entwickelt. Und das Berghain-Projekt, das längst noch nicht zu
Ende ist, bleibt für Außenstehende vorerst unsichtbar.
Die Ausstellung bietet auch so genug
Schockpotenzial. Denn bei den Tattoos
ist es nicht geblieben. Israeli hat sich das
Atelier in Friedrichshain über die Wochen dann doch sukzessive erobert und
schließlich die Silhouette eines riesigen
Narrenschiffs geschaffen. Begleitet wird
es von großen Leinwänden, auf denen es
brennt, während sich die Figuren auf
dem Bild – die oft aus Flohmarkt-Hampelmännern oder Puppenköpfen gemacht
sind – selbstgerecht abwenden. Und es
hängen kleine Zeichnungen, auf denen Israeli rassistische Witze nacherzählt und
drastisch illustriert. Fast immer geht es
um Nasen und große oder kleine Penisse,
die an die Stelle der Nasen rücken. Eine
Fantasie, die sich in Israelis „Darkroom“-Montagen
wiederholt:
Auf
schwarz gemaltem Karton vergnügen sich
Hampelmänner, an denen Fäden baumeln.Ziehtman daran, richten sichdieGeschlechter auf. Es gibt Porträtbüsten aus
Beton, in deren Gesichtern Mohrrüben
stecken, die langsam schrumpeln und
durch frisches Gemüse ersetzt werden.
Schließlich schmale,
schöne Körperabgüsse aus farbigem
Zieht man
Silikon, die ebenan dem
falls eine Verbindung Nase – Penis
Männchen,
herstellen.
richtet
Das wirkt ein bisschen
penetrant und
sich der
plakativ, bezieht sich
Penis auf
jedoch auf ein von
denNationalsozialisten propagiertes Klischee, das einen Rückschluss auf die
Größe beider Extremitäten behauptet.
Was hämisch und bösartig gemeint war,
setzt Israeli nun ein, um auf das Irrsinnige,
Absurde solcher Behauptungen zu zielen.
Vulgäres spielt auch in vielen der von ihm
gesammelten Witze eine Rolle, und jeder in Berlin kenne welche, erklärt Israeli. Genau wie die Mär von der „Nase
eines Mannes und seinem Johannes“.
Bloß aussprechen will das niemand. „Erzähl mir einen Witz über Juden“, hat er
am Anfang häufiger zu Freunden gesagt
und selbst welche gemacht. Doch die
Perspektive ist der Unterschied. „Ich
bin Jude, ich darf das“, lautet sein Fazit.
Er akzeptierte die Hemmungen und
setzte die Recherche im Internet fort, wo
er weit mehr vorfand, als ihm lieb war.
Natürlich ist diese Zurschaustellung
provozierend. Doch begnügt sich Israeli
nicht damit. Sie dient als Schlüssel der Erinnerung. An Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, Übergriffe, den Holocaust. „Die
Erinnerung muss lebendig bleiben, sonst
ist sie wie ein Mausoleum, und die
nächste Generation kann nichts mehr damit anfangen.“ Also nutzt er seinen Körper und den Schmerz als Instrument der
Intensivierung. 2009 ließ er sich einen Judenstern mit schwarzem Faden auf die
Brust nähen und wurde dafür in Israel heftig kritisiert. Die Witze macht der Künstler öffentlich, weil man zugleich lachen
muss und sichertappt fühlt. Und dieStempel hat er sich tätowieren lassen, weil man
unwillkürlich an jene Nummern denken
muss, die jüdischen Inhaftierten in den
Konzentrationslagern unter die Haut geritzt wurden. Für ihn repräsentiert „das
Berghain aber auch das neue Deutschland, in dem du dich frei fühlst“.
Sympathisch ist Israeli nicht zuletzt
das Verständnis für diese Doppelbödigkeit. Das hat Konsequenzen. Obgleich er
in Israel zu den bekanntesten Künstlern
seines Landes zählt, mit Preisenund Stipendien ausgezeichnet wurde und in
wichtigen Institutionen wie dem Tel Aviv
Museum of Art oder dem Herzliya Museum of Contemporary Art mit Einzelausstellungen vertreten war, will er im kommenden Jahr endgültig umziehen. Natürlich nach Berlin.
— Erez Israeli: „The Difference between
Ooooh and Aaaah“, bis 25.4. in der Galerie
Crone, Rudi-Dutschke-Str. 26. Die in Tel
Aviv entstandenen Bilder von Norbert
Bisky sind bis zum 30.8. in der Ausstellung
„Balagan“ in Bötzow Berlin, Prenzlauer Allee 242, zu sehen.
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Alle Beine stehen still, wenn ihr starker
Arm es will: Am Karfreitag rief die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Tänzer
des Berliner Staatsballetts kurzfristig zu
einem Warnstreik auf. Der startete um
18.30 Uhr und endete erst um Mitternacht. Damit fiel auch die abendliche Vorstellung von Peter Tschaikowskys Ballett
„Dornröschen“ an der Deutschen Oper
der Arbeitskampfmaßnahme zum Opfer.
1800 Besucher der ausverkauften Vorstellung mussten nach Hause geschickt werden. Die Tänzer versuchten, vor Ort ihre
Beweggründe darzulegen, ernteten vom
erbosten Publikum aber zum Teil harsche Reaktionen.
Hintergrund der drastischen Aktion ist
der Versuch Verdis, sich als Verhandlungspartner der Berliner Opernstiftung
in Fragen der Tarifverhandlungen durchzusetzen. Bislang weigert sich der Geschäftsführende Direktor des Staatsballetts, Georg Viertha- Verdi will
ler, mit Verdi zu
verhandeln.
Seit die Tänzer
Jahrzehnten sei es vertreten –
üblich, so sein Argument, dass Ballett- doch der
Profis von der „Ge- Arbeitgeber
nossenschaft Deutscher Bühnen-Ange- weigert sich
höriger“ sowie der
„Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer“
vertreten würden. Im Fall des Staatsballetts aber sind mittlerweile über 80 Prozent der 77-köpfigen Kompanie bei
Verdi organisiert.
ZielderGewerkschaftistes, einenHaustarifvertrag zu schließen, derdie besonderen Berliner Arbeitsbedingungen berücksichtigt. Da die Tänzer ihre rund 120 Vorstellungen pro Saison in allen drei Opernhäusern der Stadt absolvieren, wechseln
ihre Wege zum Arbeitsplatz ununterbrochen und sind oft überdurchschnittlich
lang. Weitere Punkte, für die sich Verdi
stark macht, sind die Bezahlung von solistischen Leistungen der Ensembletänzer
sowie das Mitspracherecht der Künstler
bei Pausenregelungen.
Ein Mitglied der Kompanie betonte am
Samstag gegenüber dem Tagesspiegel,
das gesamte Ensemble stehe geschlossen
hinter den Forderungen. Nachdem bereits
zwei Mal Proben bestreikt worden waren,
habe man sich am Freitag entschieden, die
Vorstellung ausfallen zu lassen. Ob die
nächste „Dornröschen“-Aufführung am
Ostermontag stattfinden werde, sei noch
nicht entschieden.
Frederik Hanssen
Dramatisch. Stattgefundene Szene aus
„Dornröschen“. Foto: Staatsballett/Yan Revazov
LITERATUR
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Geschwindigkeit ist alles
Fund STÜCKE
Baracke
und Weltbühne
Italien in den Zwanzigern, die USA in den Siebzigern: Rachel Kushner und ihr Roman „Flammenwerfer“
Von Ulrike Baureithel
A
m Anfang, schreibt Rachel
Kushner, habe es nur dieses Bild
gegeben, von einer Frau mit Klebeband über dem Mund. „Sie schwebte mit
einem finsteren, beinahe mordlustigen
Blick über meinem Schreibtisch, Kriegsbemalung auf den Wangen“, eingerahmt
von blonden Zöpfen, die den martialischen Gesichtsausdruck konterkarieren. „Ein sprachbe- An die Stelle
gabtes Wesen, zum
Verstummen
ge- des Pferds
bracht.“
ist das
Das auf dem Cover ihres zweiten Ro- Motorrad
mans „Flammenwer- getreten
fer“
abgebildete
Foto diente der in
Los Angeles lebenden Kunstjournalistin
als Inspirationsquelle einer Parallelerzählung, in der sie das rasante Lebenskonzept zweier selbst ernannter Avantgarden und deren Freiheitsversprechen einzufangen versuchte.
Aus der Sicht einer 1968 Geborenen
blickt sie auf Männer, die sich seit jeher
darin gefielen, „Frauen in der Hosentasche“ mit sich herumzutragen und mit virilem Eifer für radikale Gegenwärtigkeit
schwärmen. Ob ihnen der Erste Weltkrieg den Flammenwerfer in die Hand
gibt oder ob sie einige Jahrzehnte später
als linke Rebellen zu den Waffen greifen,
weil sie glauben, der Umsturz stehe bevor – die thematische Brücke, die
Kushner von der Kunst- und Emanzipationsbewegung der 60er und 70er Jahre
zum italienischen Futurismus schlägt, ist
überraschend.
In der geradezu kinematografisch wirkenden Eingangsszene schlägt der 1917
hinter seiner Staffel zurückgebliebene
T.P. Valera in einem abgelegenen Tal des
Isonzo einem Deutschen mit dem Scheinwerfer seines Motorrads den Schädel ein.
Valeras Motorrad-Gang, die sich für die
Arditi, die italienischen Sturmtruppen,
gemeldet hat, ist weitgehend aufgelöst,
er ist ein Versprengter. Dieser Valera
wird sich als der Vater eines Künstlers
namens Sandro entpuppen, der aus dem
italienischen Geldadel stammt und im
New Yorker SoHo der 70er Jahre Erfolge
feiert und gerne mit der Schrotflinte in
der Hand posiert.
Auch durch die 22-jährige Reno, die ihren Namen der Herkunft aus Reno, Nevada, verdankt, ist das Motorrad, das in
dieser voluminösen Bewegungsstudie
eine wichtige Rolle spielt, als Symbol gesetzt. Geschwindigkeit ist mit Gewalt gekoppelt. Auf ihrem Motorrad fegt Reno
mit 160 Kilometern über die Highways.
„Weiblich, arm und allein“ wie ihre Mutter, stammt sie aus einer „draufgängerischen unsentimentalen Familie“, mit
B
Finalistin beim National Book Award 2013. Rachel Kushner.
zwei Cousins, die ihr das Motorradfahren
beigebracht haben. Nach dem Kunststudium an einem Provinz-College taucht
sie in New York ein mit dem Wunsch,
möglichst schnell dazuzugehören.
Auch T.P. Valera sehnt sich nach Zugehörigkeit, als seine Familie 1912 aus
Ägypten nach Italien zurückkehrt und er
Ingenieurwesen zu studieren beginnt. Es
ist eine unruhige Zeit. Die jungen Männer, die den Pferderücken gegen den Motorradsitz ausgetauscht haben, drängen
auf eine Zukunft, in der nur noch die Intensität des Augenblicks zählt. Mailand
ist die Stadt des Neuen, und Filippo Tommaso Marinetti intoniert die militant-projektilen Fantasien des heraufdämmernden Geschwindigkeitszeitalters.
An diesem Knotenpunkt kreuzen sich
die beiden Zeitebenen und Figurenkonstellationen. Im einen Fall genealogisch
durch die Valera-Familie, im anderen dadurch, dass Reno auf den wesentlich älteren „bourgeoisen“ Sandro trifft und sich
in ihn verliebt. Vermittelt durch eine
Foto: Lucy Raven/Rowohlt
Freundin, Giddle, steht sie an der Pforte
zu Manhattans Künstlerszene, zu der ihr
Sandro, entlaufener Spross einer Dynastie von Reifenherstellern, die Türe öffnet. Reno hat auch als passionierte Skiläuferin eine Vision von „Landschaft, Geschwindigkeit und Bewegung“. Sandro
wiederum reizt die
Verbindung
von
Frau und Maschine.
Sie will
Für sie ist es Schickzur Bohème sal; für ihn nur eine
der Künstler von vielen Möglichkeiten, in einer zwivon SoHo
schen Authentizität
und Simulation vigehören
brierenden Gegenwart
aufzugehen.
„Das Leben ist es, das man wie Kunst behandeln muss“, doziert Giddle.
Manhattan in der erzählten Jetztzeit
von 1975 ist ein dampfendes Pflaster, auf
dem eine Hobby-Rennfahrerin, die durch
die Salzwüste düst und einmal sogar einen Geschwindigkeitsrekord aufstellt,
wie ein Tropfen verzischt. Die historisch
verbürgten „Motherfuckers“ verunsichern die Stadt mit ihrer situationistischen Aktionskunst und nehmen im
Kampf für „befreite Gebiete“ auch Kollateralschäden in Kauf; die Sozialwissenschaft übt sich in radikaler Teilnahme, bis
die Rolle zu einem Lebensentwurf wird
wie für die kellnernde Giddle; und die
Bohème streitet über Konzeptkunst und
Befreiungstheorien, blind für die repressiven Ausschläge ihres alltäglichen Verhaltens.
Doch Kushners Roman setzt nicht auf
Theorie, sondern auf die farbige Vergegenwärtigung eines Lebensgefühls, das
sich vom italienischen Futurismus, der in
den Faschismus mündete, bis in die Studenten- und Künstlerbewegung der USA
fortsetzt. „Was während des Aufstands
zwischen Körpern passiert, ist aufregender als der Aufstand selbst“, lautet eine
zentrale Botschaft.
Es sind Männer mit der Sucht, „sich
neu zu erfinden“, die „ohne Wurzeln“ ent-
weder wie Valero senior den brasilianischen Urwald kolonisieren und die Indigenen Kautschuk zapfen lassen, oder wie
Valero junior eine Pistole im Stiefel tragen, die ihm den Impuls eingibt, die acht
Dollar in seinem Geldbeutel gegen einen
Jugendlichen zu verteidigen. Die einstigen Kolonisatoren foltern die Natur, die
Künstler die Sprache, um eine Wahrheit
aus ihr herauszukitzeln. Die einen sind
bild- und kinoversessene Poseure, die anderen Menschen der Tat – oftmals Waffennarren, die mit Knarre zu Demonstrationen erscheinen oder Läden plündern.
Was zeigt, dass das staatliche Gewaltmonopol im turbulenten Manhattan eingeschränkt ist und im von den Roten Brigaden aufgestörten Italien der 70er Jahre
sogar nachdrücklich zur Disposition
steht. Als Reno zusammen mit Sandro
die Kunst- und Filmwelt New Yorks verlässt und in die disparaten Wirklichkeiten Italiens versetzt wird, bemüht sie sich
einmal mehr um Anpassung.
Doch am Comer See, in einer feudalen
Villa, begegnet man der Amerikanerin
feindselig: „Diese Leute haben keine Geschichte“, moniert Sandros Mutter Alba,
die, ein Glanzstück des Romans, als satirisch überhöhte Inkarnation italienischen Snobismus auftritt. Die Liebesgeschichte endet vorzeitig, und Reno findet
sich plötzlich in Rom auf der anderen
Seite der Barrikade wieder. Und obwohl
sie sich eine Zeitlang am Rande des politischen Untergrunds bewegt, wird sie auch
hier nicht Teil des proklamierten „Wir“.
All das erzählt die Nachgeborene aus
Oregon in rasantem Slalom und mit nie
geleugneter Faszination. Konzeptionell
ist der Roman nicht immer ganz schlüssig, die Zeitebenen bleiben manchmal
verwirrend und einige der vielen Abschweifungen sind ermüdend. Immer
wieder aber findet Kushner überzeugende Bilder: mit Reno, die die „Lockenwicklerzeit“ hinter sich lassen will, indem sie als Model für Hautfarben jobbt,
ist das ganze Drama einer weiblichen
Randexistenz eingefangen.
Die Spuren der Bewegungen sind nur
im Sinne politischer Nachhaltigkeit verwischt, nicht, was ihren ästhetischen
Überschuss betrifft. Es kann gut sein,
dass Rachel Kushners Phantasmagorien
deshalb auch etwas mit den Bildern von
bewaffneten jungen Männern im Hier
und Heute zu tun haben.
— Rachel Kushner:
Flammenwerfer.
Roman. Aus dem
Englischen von
Bettina Abarbanell.
RowohltVerlag,
Reinbek 2015.
560 Seiten, 22,95 €.
Möbel und Meeresträume
Abgründig abtrünnig
Slobodan Tišmas schillernder Roman „Das Bernardi-Zimmer“
Der frankophile Berliner Expressionist
Emil Szittya ist wiederzuentdecken
ernardo Bernardi war ein bedeutender kroatischer Architekt und Designer – nicht zu verwechseln mit
dem gleichnamigen italienischen Anthropologen. Vom Bauhaus beeinflusst, entwarf er von den 50er bis in die 80er Jahre
neben Hotels, Restaurant- und Kircheninterieurs auch Möbel. Seine Stühle und
Schränke sind heute noch immer schick
und spielen nun eine Hauptrolle in Slobodan Tišmas Roman „Das Bernardi-Zimmer“. Die Eltern des Protagonisten Pišta
Petrovik haben ihre neu bezogene Wohnung einst mit Bernardi-Möbeln ausgestattet – oder zumindest mit Möbeln, von
denen Pišta glaubt, sie stammten von dem
bekannten Designer. Die Eltern sind
längstgetrenntundweggezogen. Dafürhaben sich einige Außenseiter bei Pišta eingenistet. Sie stören ihn, doch er weicht
lieber in ein ausgeweidetes Autowrack
aus, als sie rauszuschmeißen.
Die aus hellbrauner Eiche und schwarzem Kalbsleder gefertigten Möbel („ziemlich unbequem, aber dafür eine Augenweide“) hat er in einem verschlossenen
Zimmer zusammengeschoben und abgedeckt. Sie sind für ihn so etwas wie ein
letzter Anker in der Normalität, ein Gegenpol zu seinem Abdriften in einen völlig ambitionslosen Zustand des Sich-Fügens und Alles-Ertragens.
Dass der in der ersten Person erzählende Antiheld einmal anders war, erfährt
man in kurzen Rückblenden und Erinnerungen. So hatte er eine Zeit lang intensiv
nach Leitideen für sein Leben gesucht,
schließlich aber alle verworfen. Sogar mit
Verrücktsein hat er es eine Weile versucht, um schließlich zu der Erkenntnis
zu gelangen: „Die Durchschnittlichkeit
war mein Fatum.“
Das verwundert, denn Pišta ist zumindest körperlich etwas Besonderes: Seine
Geschlechtsorgane sind verkümmert.
Eine zunächst bewilligte Geschlechtsumwandlung wird ihm verweigert, woraufhin Pišta eine Trotzphase durchläuft, während der er nur in der weiblichen Form
spricht – eine folgenlose Episode wie
seine Leitidee-Experimente.
Die Geschichte spielt Mitte bis Ende
der achtziger Jahre in einer fiktiven serbischen Stadt namens Ourvidek, was auf
Újvidék, den ungarischen Namen für
Novi Sad anspielt.Hierlebtder 1946 geborene Schriftsteller Slobodan Tišma, der in
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seiner Heimat auch als Dichter sowie als
Sänger der jugoslawischen Kultbands
Luna und La Strada bekannt ist.
Mit dem „Bernardi-Zimmer“ gewann er
2012 den bedeutenden NIN-Preis für den
besten serbischen Roman des Jahres. Es
ist das erste Buch von Tišma, das ins Deutsche übersetzt wird, und es macht neugierig auf diesen so lässig wie poetisch erzählenden Autor. Allerdings hätte „Das Bernadi-Zimmer“ einen besseren Druck und
eine schönere Gestaltung verdient gehabt.DasUmschlagmotivmitderverfremdeten Fotografie einer Statue schafft es locker in die Top Ten der hässlichsten Cover
des Frühjahrs. Noch ärgerlicher ist aber
der Klappentext, in dem Pišta Petrovik
fälschlicherweise als Hermaphrodit bezeichnet wird und die Handlung teils fehlerhaft nacherzählt wird.
Letzteres ist auch insofern widersinnig, als Träume, Abschweifungen und Erinnerungen für Pišta ohnehin wichtiger
sind als das Geschehen um ihn herum.
Vor allem zwei Autounfälle, die er vor einigen Jahren an der Adria-Küste aus
nächster Nähe beobachtet hat, kehren immer wieder in seine Gedanken zurück. Er
sinniert über die Fahrerinnen und stellt
spekulative Verbindungslinien zu Bernardo Bernardi sowie dem Autowrack
her, in dem er liegt. „Ich betrachtete die
glänzende Motorhaube des Mercedes,
wie sie sich in die unruhige Meeresoberfläche des eisigen Ozean verwandelt, und
den großen Stern am Horizont, wie er
über die Wellen auf- und absteigt und ich
nie wusste, ob er aufsteigt oder absteigt.
Es gab ein Gesetz, das Weltall drehte
sich, aber das Herz war der größte Streuner, die größte Ungewissheit, das untreue Herz, dieses Erzittern der Freiheit,
für manche die höchste Strafe, für manche der höchste Lohn.“
Schweifende und schlingernde Erzählbewegungen wie diese sind typisch für
„Das Bernadi-Zimmer“. Sie finden aber
immerwieder schnell in einigermaßen gerade Bahnen zurück. Ganz beiläufig erzeugt Slobodan Tišma so eine große Nähe
zu seiner eigenwilligen Hauptfigur, mit
der man gerne noch eine Weile länger auf
die Motorhauben-Meeresoberfläche starren würde.
Nadine Lange
— Slobodan Tišma:
Das Bernardi-Zimmer.
Roman. Aus dem
Serbischen von
Elvira Veselinovik.
Leipziger Literaturverlag, Leipzig 2015.
136 Seiten, 16,95 €.
A
llmacht, schrieb er über Macchiavelli, „ist nicht nur ein Staats-, sondern auch ein mystischer Begriff.“
Und gleich danach: „Mit Ausschwitzen
war seine Zeit untermittiert. Er war dem
Fleischleben abtrünnig. Er hatte Folgerichtigkeit. Es gab vorzugsweise in ihm
keine Emanationen.“ Was wollte er mit
dem Stakkato solcher wie verstümmelt
klingender Aussagen eigentlich mitteilen? Der Expressionist Emil Szittya verhielt sich in seinem Textkosmos rücksichtslos gegenüber Lesern.
Seine Sätze waren leuchtende Stelen,
getragen vom herrischen Anspruch, ausgesprochen zu werden. Kein vorgegebener Sinn und keine gesellschaftlich zugerichtete Bedeutung mussten ihnen innewohnen. Stattdessen beteiligte sich der
1886 in Budapest als Adolf Schenk geborene Szittya an der expressionismustypischen Neuerfindung möglichst verschrobener Neologismen: „pzkte“ (so!), „wollüsteln“, „geiern“, „Rasereipracht“ und
vieles Schöne mehr.
War das Credo des Expressionismus
eine durch die Urkatastrophe des Ersten
Weltkriegs bestätigte Absage an die konventionelle Art zu leben und zu denken,
so geht Szittya noch mehrere Schritte weiter: Kaum als Gewebe zu lesen sind diese
in Rausch und Traum entstehenden
Texte in dem Buch „Die Haschischfilms
des Zöllners Henri Rousseau“. Da nähert
sich der frankophile Ungar, der mit dem
ungarischen Avantgardisten Lajos Kassák
zeitweise als Vagabund durch die Straßen
Europas zog und nach einem ersten Aufenthalt im Vorkriegs-Paris 1927 wieder
auf Dauer an die Seine kam, fast schon
den Stadtvisionen des Surrealismus an.
„Eine Tür wird geöffnet. Es gibt einen
El-Greco-Himmel. Blinde Maroccaner
servieren uns Wein. Ein Kater stiert in
Mist. Unter dem Boden klopfts. Sulzbach, diesen Namen habe ich in Paris entdeckt.“ Der auch als Maler hervorgetre-
tene Szittya, der sein Pseudonym vom ungarischen Wort für das eurasische Volk
der Skythen ableitete, dachte und schrieb
in Farben, Bildern, Stimmungslagen. In
seiner Berliner Zeit schrieb er für den liberalen „ Börsen-Courier“ und den legendären „Querschnitt“ über Maler und Galerien. Von dieser Seite seines Vielschreibertums fällt ein weiteres Licht auch auf
die Porträts. Über George Grosz heißt es:
„Er baut ein Berlin, er amerikanisiert Berlin mit französischer Farbe, und seine Gestaltungskraft liegt darin, dass Berlin dadurch immer mehr Berlin wird.“
In der außerordentlichen Reihe „Pamphlete“ des Berliner Verlags Basisdruck
versammelt das von Walter Fähnders herausgegebene Buch vor allem Szittyas
Porträts, aber auch autobiografisch getönte Bettlerkurzromane. Idiosynkratisch seziert der Anti-Bürger sich selbst
und seine Umgebung – mit allen expressionistischen Standards: der Hure, dem
Krieg, der Stadt, dem Blut, der Geschlechtskrankheit, dem Wahnsinn.
Oft ist von einem Ich die Rede, aber
dieses Ich ist vor allem eine Drohung, ein
Verzweifeln, ein unbändiges Wollen und
Scheitern. Zwischen kreativer extremer
Subjektivität und künstlerischer Analyse
vergegenwärtigen die Beiträge des Bandes jenen „Herrn AUSSERHALB“, als der
der aus dem kulturellen Gedächtnis fast
verschwundene Emil Szittya immer noch
anregend durch die Literaturlandschaft
geistert.
Markus Bauer
— Emil Szittya:
Herr Außerhalb
illustriert die Welt.
Mit Erstdrucken aus
dem Nachlass.
Herausgegeben von
Walter Fähnders.
Basisdruck, Berlin
2015. 280 Seiten, 18 €.
Peter von Becker empfiehlt
Theaterbücher aus Ost und West
B
ald ist wieder Berliner Theatertreffen. Egal wie gut oder schlecht, immer ausverkauft. Dagegen haben es
Theaterbücher, egal wie gut, eher schwer.
Dabei gibt es gerade in Berlin zwei kleine
Verlage, die noch großartige Bücher machen. Keine Bildprachtbände, sondern
Handliches. Zum Nachdenken über das
Theater und die Welt.
Alsotreten jetztin zwei Büchern mit Regisseursgesprächen die beiden Theatermänner auf, die mit und nach der Wende
zu ost-westdeutschen Protagonisten der
Hauptstadtszene geworden sind: der Chef
der Volksbühne am Rosa-LuxemburgPlatz und der Leiter der Schaubühne am
Lehniner Platz alias Kurfürstendamm.
Fangen wir an mit Frank Castorf. (Die
Erotik des Verrats – Fünf Gespräche mit
Hans-Dieter Schütt, Alexander Verlag, Berlin, 160 Seiten, 14, 90 €). Der frühere Feuil-
Peter von Becker
schreibt an dieser
Stelle regelmäßig
über Trouvaillen.
Nächste Woche:
Gregor Dotzauer
über Zeitschriften
und Websites.
Foto: Kai-Uwe Heinrich
28
leton-Redakteur des „Neuen Deutschland“ hat die ersten vier Gespräche mit
Castorf schon im Herbst 1995 geführt,
20 Jahre später hat Schütt den in der Dämmerung seiner Volksbühnenära zwischen
„maulig und rotzig“ changierenden FC
nochmals befragt. Zur Zeit der sechsstündigen „Kaputt“-Inszenierung nach Curzio Malaparte.
Eine Kriegsromanadaption. Castorf
auf die Frage, was ihm das Wort „Sieg“
bedeute: „Ich weiß, dass wir unsere
Kriege verloren haben.“ Frage: „Welche
Kriege?“. Castorf: „Gegen die Gleichgültigkeit der Gesellschaft. Gegen einen
Markt, der noch die langweiligste Inszenierung von mir beflissen verarbeitet.
(...) Ich weiß doch genau, dass Leute in
meinen Aufführungen sitzen, die langweiligen sich zu Tode, aber sie halten das
aus, weil sie mal am Unverständlichen,
am Schwerkonsumierbaren, am Verquasten, am unkultiviert Ostigen und geistig
Verzwergten gerochen haben wollen.“
Und: „Was tun Sie dagegen?“ FC: Ich
werde weiter mit Freude unverständlich,
schwerkonsumierbar, verquast, unkultiviert ostig und geistig verzwergt sein.“
Als Großmeister der Dekonstruktion
bleibt ihm die „Sehnsucht nach Verständlichkeit, nach Wohltemperiertheit“ eine
Gegenwelt. Im Land des „kleinpfaffigen
Bürgermeisters Gauck“ setzt er auf den
„Geist des Grenzgängertums“, auf Céline,
Malaparte, Jünger oder Ulrike Meinhof
(die Mischung!) und sagt: „Mich interessiert nach wie vor, was mich übersteigt,
überfordert, was mir dunkel und komplex
erscheint.“ Dabei hatte er zwei Jahrzehnte
zuvor nach all dem „kämpferisch-politischen, dadaistisch-proletarischen Nonsens“ noch die „Sehnsucht nach einer gewissen Klarheit“ geäußert. Hier fehlt nun
die Nachfrage. Fehlt zum Götterdämmern
auch Castorfs Bayreuther „Ring“.
Den Gegenentwurf präsentiert Gerhard Jörder ( Ostermeier – Backstage, Verlag Theater der Zeit, 152 Seiten, 18 €). Im klugen, mit viel Information und Anschaulichkeit geführten Dialog mit dem Kritiker
und früheren „Zeit“-Feuilletonchef Gerhard Jörder erzählt der Schaubühnendirektor Thomas Ostermeier ein erstaunliches Leben. Aufgewachsen als Sohn eines
Bundeswehrsoldaten in einem Garnisonsnest in der Lüneburger Heide, bricht er als
junger Wilder und heute sehr nachdenklicher Erfolgsregisseur auf in die globale
Welt. Berühmt geworden Mitte der
1990er in der „Baracke“ des Deutschen
Theaters Berlin („Shoppen und Ficken“),
ist der vielsprachige
Ostermeier inzwiFrank Castorf schen zwar nicht
mehr so gelitten bei
liebt die
modischen Theatertreffen-Juroren. Sie
Trümmer,
haben zuletzt seine
Ostermeier
grandiose Inszenierungvon Lillian Hellliest sie auf
mans „Kleinen Füchsen“ (mit Nina Hoss,
UrsinaLardi, Mark Waschke) glatt übersehen. Und trotz seines Kultschauspielers
Lars Eidinger gilt Ostermeier, wie er
selbst interessant reflektiert, als Regisseur einer „neuen Bürgerlichkeit“. Doch
zugleich sind seine Schaubühnen-Aufführungen weltweit, von Rio bis Kalkutta, das
Markenzeichen eines nicht nur selbstreferenziellen, vital gegenwärtigen deutschen
Theaters.
Wider das „Klischee der Dekonstruktion“ will Ostermeier noch realistische
„Geschichten erzählen“, ob mit Shakespeare, Ibsen oder Sarah Kane. Sein „absolutes Gehör für theaternde Töne und
Theaterverlogenheit“ bewahre ihn dabei
„vor Konventionalität“, rühmt Gert Voss
im kurz vor seinem Tod im letzten Sommer geschriebenen Vorwort. Wohl denn!
OSTERRÄTSEL
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
29
Zehn prominente Persönlichkeiten gilt es zu erraten.
Sie alle haben in irgendeiner Form mit Europa im weitesten Sinn zu tun
DAS BIOGRAFISCHE OSTERRÄTSEL
1
Er war ein Mann, der weit über
den Tellerrand seiner Zeit
blickte, und das hätte ihm bei
seiner Geburt, deren Jahr nicht
genau feststeht, niemand vorausgesagt. Als unehelicher
Sohn eines Priesters hatte er es damals
nicht leicht. Der Gesuchte wird ebenfalls
Priester, nachdem er eine solide Ausbildung genossen hatte. Sein Bildungsdrang
führt ihn in verschiedene europäische
Länder, ein für seine Zeit nicht gerade allgemein übliches Pensum. Er hat Zugang
zu einem Königshaus und zur hohen
Geistlichkeit. Er lehrt an verschiedenen
Universitäten und wird alsbald ein viel
diskutierter Autor. Besonders eine ironische Schrift, die auch noch von einem bedeutenden Maler illustriert wurde, verschafft ihm viel Ruhm und Anerkennung.
Seine profunden Sprachkenntnisse führen dazu, dass er eine bedeutende Vermittlerrolle übernimmt, die auch von Einfluss auf andere Zeitgenossen ist. In den
geistigen Auseinandersetzungen der Zeit
versucht er zu vermitteln – von einem klaren Standpunkt aus. Gegenüber den weltlichen Händeln in einem Aufenthaltsland
bezieht er eine grundsätzlich pazifistische Position. Die neu anbrechende Zeit
und die damit verbundenen Folgen
wollte er nicht gutheißen. Er starb mit
70, Vermutungen zufolge eventuell auch
67 Jahren fern der Heimat.
***
„Alles, was
an Europa
wunderbar ist“
2
Nachdem die gesuchte Politikerin eines nordeuropäischen Landes ermordet worden war, sagte einer ihrer
Amtskollegen: „Sie stand für
alles, was an Europa wunderbar ist.“ Es hätte ihr nicht gefallen, wie
ihre Landsleute wenige Wochen später
über den Euro abgestimmt haben. Bis
heute ist ihr Land der gemeinsamen Währung nicht beigetreten. Dabei hatte die Politikerin, die nur 46 Jahre alt wurde, bei
ihren europaskeptischen Landsleuten für
den Euro und die europäische Integration geworben wie nur wenige vor ihr.
2003 betrat die Mutter zweier Söhne allein ein Warenhaus, um eine Kleinigkeit
einzukaufen. Dort lauerte ihr der Mörder
auf, der sie mit einem Messer lebensgefährlich verletzte. Der Täter wurde im folgenden Jahr zu einer lebenslangen Haft
verurteilt. Ob er psychisch krank war,
wie er selbst und sein Anwalt es behaupteten, oder nicht, war jahrelang umstritten.
Drei Gerichtsverfahren brauchte es, um
ihn endgültig zu verurteilen. Der Ehemann der Gesuchten ist ebenfalls Politiker und hatte in seiner Amtszeit die Psychiatrie in dem kleinen Land aufgelöst.
Die populäre Politikerin, über die fast
alle ihre Kollegen in Europa sagten, sie
sei eine Freundin gewesen, galt als mögliche Nachfolgerin ihres Regierungschefs.
Zwei Jahre nach ihrem Tod hat das Land
eine Stiftung mit ihrem Namen gegründet, die sich für die Verständigung Europas mit Nordafrika einsetzt.
***
Begründer
einer Union
für die Union
3
Schon in seinem Nachnamen
klingt viel Europa an. Oder genauer seinen Nachnamen,
denn es sind zwei. Der eine
geht auf ein westeuropäisches Adelsgeschlecht zurück, der andere auf Vorfahren aus dem
östlichen Mittelmeerraum. Er selbst
wuchs ungefähr in der Mitte dazwischen
auf. In seinem Leben hatte er drei Ehefrauen und drei Staatsbürgerschaften.
Das Schlüsselerlebnis für sein Europa-Engagement war der Erste Weltkrieg, den er
als Bürgerkrieg der Europäer wahrnahm.
Seine Folgerung: Zusammenschluss statt
Zusammenbruch, die europäische Einheit, in einem Staatenbund mit Frankreich und Deutschland als Kern, zunächst ohne Großbritannien (wegen des
Empires) und ohne die Sowjetunion (wegen des politischen Systems). Auch die
Türkei blieb außen vor. Sein programmatischer Text dazu erschien 1923. Mit der
Gründung einer transnationalen Bewegung machte er Geschichte – es gibt diese
Union bis heute, wenn auch deutlich konservativer als einst. Politiker quer durch
die Parteien unterstützten sie vor 1933 in
Deutschland; wegen des umstrittenen
Führungsstils des Begründers fielen jedoch einige wieder ab. Die Nazis verbrannten seine Schriften, später emigrierte er in die USA. Eine der berühmtes-
ten Europa-Reden (1946 in Zürich gehalten) geht auf seine Ideen zurück. Ihm
wurde ein berühmter Preis verliehen.
hatte. Eine solche europäische Identität
aber hielt sie für wesentlich für das Zusammenwachsen.
***
***
Der Blick
einer Frau
auf Deutschland
Weltoffenheit
ist keine Frage
des Wohnorts
4
8
Mit ihrem Buch über die
Deutschen hat die Gesuchte
einen Bestseller gelandet,
der das Deutschlandbild des
19. Jahrhunderts in Frankreich und darüberhinaus
prägte. Geboren wurde die Tochter eines
ehemaligen Schweizer Bankiers und späteren Finanzministers in Frankreich in Paris. Mit 19 Jahren wurde sie mit dem
schwedischen Botschafter in Paris verheiratet. Den Namen behielt sie ihr Leben
lang, den Mann dagegen nur bis 1800,
dann wurde die Ehe geschieden. Eine
Tochter, die mit zwei Jahren starb, ging
aus dieser Ehe hervor. Ihre vier weiteren
Kinder hatten andere Väter. Nachdem sie
vor der Französischen Revolution ins
Schlösschen ihres Vaters in der Schweiz
geflüchtet war, kehrte sie nach dem Ende
der Schreckensherrschaft zurück. Zunächst eine glühende Anhängerin Napoleons, der sich vor ihrem politischen Ehrgeiz fürchtete und weder von ihrem Geist
noch von ihren Reizen beeindruckt war,
entwickelte sie sich zu einer leidenschaftlichen Gegnerin des Feldherrn. Ihr
Deutschlandbuch durfte in Frankreich
nicht erscheinen, Napoleons Polizeichef
erteilte ihr sogar einen Platzverweis aus
Paris. Dass sie die Nachbarn als Musenfreunde und im Ganzen harmlos schilderte, tat ein Übriges. Die Gesuchte starb
mit 51 Jahren an einem Schlaganfall.
Lange war er ein Europäer
nur auf dem Papier. Die neuesten ästhetischen Entwicklungen aus Italien, aus Frankreich und Deutschland lernt
er in gedruckter Form kennen, studiert sie genau und macht sie sich
dann für seine eigenen Werke zunutze.
Geboren auf dem Lande, als zweites von
zwölf Kindern, wächst er in einer sangesfreudigen Familie auf, und geht, nach
Lehrjahren in Wien, dann wieder zurück
in die Provinz, als fürstlicher Dienstleister. Fast drei Jahrzehnte wirkt er in der
Abgeschiedenheit, aber stets mit wachem, experimentierfreudigem Geist. Im
Alter von bald 60 Jahren startet er dann
eine zweite Karriere, fern der Heimat, in
einer Weltmetropole. Auf den Einwand
eines Freundes, er sei der dortigen Landessprache doch gar nicht mächtig, erwidert der Gesuchte selbstbewusst, was er
zu sagen habe, verstehe man überall.
Zwei Gattungen seines Genres führt er zu
höchster Blüte – und eröffnet zudem
durch seine weltoffene Art den folgenden
Generationen viele Entwicklungswege.
Sein Name wird darum auch heute noch
zuweilen mit dem liebevollen Zusatz
„Papa“ gebraucht.
***
Ein Mann
für das
Grundsätzliche
***
Ein Mann,
der Bildung
schätzte
9
5
Es gelang ihm, für kurze
Dauer ein zentraleuropäisches Reich zu schaffen –
aber das gründete sich auf
Unterwerfung und nicht wie
heutzutage auf Verträge. Er
wurde in Rom gekrönt, aber seine Hauptresidenz lag weiter im Norden. Deshalb
waren es auch nicht die Italiener, die ihn
später zum Symbol für die europäische
Einigung machten, sondern die Deutschen und die Franzosen. Noch vor seinem Tod begann sich das Imperium aufzulösen. Das Bild des Herrschers, der
diesseits und jenseits des Rheins unterschiedlich heißt, ist aber in beiden Ländern keineswegs identisch. Französische
Kinder kennen ein Lied, welches das Bild
eines Regenten zeichnet, der die Schule
erfunden habe. Das ist wohl nicht ganz
korrekt, aber tatsächlich hat er sich Zeit
seines Lebens für Bildung eingesetzt. In
Deutschland hat man sich hingegen gelegentlich wegen der brutalen Unterwerfung der Sachsen schwerer mit ihm getan. Ihm ging es indes nicht nur um territoriale Eroberung, sondern auch um religiöse Unterwerfung und die Verbreitung
des Christentums. Heutzutage wird in
Deutschland jedes Jahr ein nach ihm benannter europäischer Preis verliehen. Zuletzt hat ein Deutscher ihn erhalten,
1978 übrigens auch ein Grieche.
Illustration: Michael Hahn für den Tagesspiegel
Ein Mann mit
ungewöhnlich
breiter Bildung
Wer
Sie haben sich für Europa eingesetzt und den Kontinent geprägt.
Bei den Gesuchten handelt es sich nicht nur um Persönlichkeiten
der Nachkriegsgeschichte – der Rahmen ist bewusst weit gesteckt
***
Eine Ostpreußin
suchte
die Versöhnung
E
uropa kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus – dabei geht es doch bei Europa um eine großartige friedensstiftende Idee, der man sich immer
wieder vergewissern muss. Wir suchen daher große Europäer und Europäerinnen im weitesten Sinn, der Personenkreis ist dabeinicht auf das institutionelle Europa beschränkt.Wir hoffen,dass dieses Maldie Gesuchtenvielleichteher dem Wunsch nachmehr Bekanntheit entsprechen als in der Vergangenheit.
Sie können Ihre Lösungen im Internet unter www.tagesspiegel.de/osterraetsel2015 direkt in eine Lösungsmaske eingeben und dann die Ergebnisse von dieser
6
Die Gesuchte sah sich als Europäerin, Krieg hin oder her.
1940 reiste sie nach Russland, das für sie ganz selbstverständlich zu Europa gehörte. Geboren in Ostpreußen, wurde die Frau später eine bedeutende Publizistin. Dass ihre Brüder Nationalsozialisten waren und ihre Flucht aus
Ostpreußen eine Folge dieser Politik, war
ihr wohl bewusst. Darüber geredet hat
sie, wie viele in der Bonner Republik,
nicht. Aber ihre Name wird immer verbunden bleiben mit der Aussöhnung mit
Polen, für die sie unermüdlich warb. Die
Ostpolitik war ihre Herzensangelegenheit. Aber auch gegen die Apartheid in
Südafrika schrieb sie an. Seit 2003 wird
ein Preis für internationale Verständigung
vergeben, der mit ihrem Namen verbunden ist. Die Einladung nach Warschau zur
Unterzeichnung des Warschauer Vertrages sagte sie im letzten Moment ab, weil
das den endgültigen Abschied von ihrer
Heimat in Ostpreußen bedeutete. Nachdem sie als junge Frau in Ostafrika auf
Großwildjagd gegangen war, pflegte sie
nach ihrer Flucht aus Ostpreußen eher einen bescheidenen Lebensstil. Nur eines
konnte sie bis ins hohe Alter nicht lassen:
Sportwagen fahren.
war’s?
7
Eine Frau,
die ihren
Weg ging
Dass heute ein nicht ganz unbedeutendes Gebäude, das
mit Europa zu tun hat, nach
ihr benannt ist – das zeigt
schon, dass ihr die Vereinigung des Kontinents ein zentrales Anliegen war. Nicht zuletzt galt das
auch für die Aussöhnung der beiden Kernländer, was ihr sozusagen in die Wiege
gelegt war – sie stammte aus dem Elsass.
Wobei ihr auch ein Land, das erst 1918
Website an uns abschicken. Oder Sie schicken uns eine
Postkarte an folgende Anschrift:
Der Tagesspiegel, Redaktion Sonderthemen, Kennwort: Osterrätsel, 10491 Berlin. Bitte vergessen Sie
nicht, Ihre Adresse anzugeben, da wir unter allen richtigen Einsendungen 30 Bücher verlosen. Einsendeschluss ist Dienstag, der 21. April 2015 (Poststempel).
Die Lösung veröffentlichen wir am 26. April im Kulturteil und auf unserer Internetseite. Die Namen derer, die
richtig geraten haben, werden nach Auswertung zu einem späteren Zeitpunkt publiziert – ohne Garantie.
Dann erfolgt auch der Versand der Buchpreise.
entstanden war, besonders am Herzen
lag. Sie war eine Frau, die ihren eigenen
Weg gehen wollte und dann auch konsequent gegangen ist. Gegen den Willen
des Vaters war sie Lehrerin geworden.
Sie war eine in ihrem Land sehr bekannte
Vorkämpferin für mehr politische Rechte
von Frauen (ihre ersten Artikel als Journalistin erschienen 1915 unter einem männlichen Pseudonym). In den zwanziger Jahren gründete sie eine Zeitschrift, welche
ein neues Europa propagierte, ein friedliches Europa, nicht wenige Prominente
schrieben für das Blatt, darunter Gustav
Stresemann und Aristide Briand. Im zweiten großen Krieg, den sie erlebte, war sie
mit dem Decknamen Valentine gegen das
Besatzungsregime aktiv. Sie verfasste
mehrere Romane und Theaterstücke (eines davon hatte eine süddeutsche Kleinstadt im Titel). Später wurde sie vor allem mit Reiseberichten bekannt, aus allen Weltteilen, gedruckten und gefilmten. Noch später im Leben, fast zum Ende
hin, zog sie (mittlerweile für eine konservative Partei, im früheren Leben stand sie
weiter links) in das Parlament ein, das
jene Einheit ausdrückt, der sie ihr Leben
gewidmet hat. Unkritisch sah sie dieses
neue Europa nicht: Die Institutionen der
Gemeinschaft, klagte sie einmal, hätten
zwar europäische Butter, europäischen
Wein und europäische Schweine geschaffen, aber noch keine europäischen Menschen – wie es sie ihrer Meinung nach in
früheren Jahrhunderten immer gegeben
Er war zu seinen besten Zeiten ein Schwergewicht. Politischundauchvon Statur.Geboren wurde dieser Europäer Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich, doch
schon bald verschlug es die gesamte Familie ins Badische, später nach Schwaben,
wo der Grundstein für die umfassende Bildung des Knaben gelegt wurde. Den Ersten Weltkrieg überlebte er unbeschadet,
Gleiches gelang ihm als rechtschaffener
Mann im darauf folgenden Jahrzehnt.
Durch die braune Zeit lavierte er geschickt genug, um sich ins Soldatenleben
zu „retten“. Ohne Übertreibung kann man
ihn als Gelehrten bezeichnen, der kurz
nach Kriegsende erkannte, dass „Integration“ die Zukunftsformel für Europa sein
würde. Neben einer politischen Laufbahn
– er gehörte mehreren Parlamenten an
und und bekleidete hohe Positionen –
nahmer auch den Rufauf den Lehrstuhl einer deutschen Universität an. Unser
Mannwurde mit Ehrenpreisenüberschüttet, Bauwerke und Institutionen wurden
nach ihm benannt (auch in Berlin), zu seinem 100. Geburtstag durfte sein Konterfei gar auf einer Briefmarke prangen. Sein
Nachlass landete im Archiv einer Stiftung
in Bonn. Begraben liegt der Gesuchte in
seiner dritten Heimat.
***
Eine Frau,
die aufrecht
blieb
10
Wahrscheinlich hat sie
ihre Eltern früh zur Verzweiflung
gebracht.
Mit elf Jahren raucht
das hübsche Mädchen
seine erste Zigarette,
hat wohl auch den ein oder anderen Matrosen geküsst. Die kamen aus aller Welt
und machten fest im großen Hafen. Aus
großbürgerlichen Verhältnissen stammend, macht die eigenwillige intelligente
Blondine brav ihr Abitur, doch studieren
will sie nicht. Ihr Traum: immer eine andere sein. Tatsächlich lernt sie das. Die
ersten Kritiken sind verhalten. „Talentlos“, steht in einer, „ungeschickt“ in einer
anderen. Ist ihr egal. Sie bleibt dran und
feiert bald internationale Erfolge. Sogar
für einen Oscar wird sie nominiert. Ausgerechnet auf einer Broadway-Bühne
ereilt sie jene Nachricht, die ihr Leben
fundamental verändern wird. Sie verliert
ihre Heimat, wird zur Frau ohne Papiere.
Sie gibt nicht klein bei – und später profitiert sie von ihrer aufrechten Haltung.
1978 dreht sie ihren letzten Film. Bald
nimmt sie eine andere Rolle ein – unter
dem Applaus ihres Volkes. Wie rückt
man die Schönheit und Vielfalt eines Kontinents ins rechte Licht? Auch dazu fällt
ihr etwas Wunderbares ein. Sie ist stolze
Vertreterin ihres Landes, dem manches
genommen wurde. Sie will es zurück,
doch in London beißt sie auf Granit. Die
Gesuchte stirbt an einem Märzsonntag in
einer Weltmetropole. Alle Theater bleiben an diesem Tag geschlossen.
30
MEDIEN
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Stirb langsam 6
Diesseits von Afrika
Zu meinem ÄRGER
Wo, bitte, ist
ARD Alpha?
Wie die Großmacht China den Medienmarkt auf dem Kontinent verändert
Der „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring erlaubt
sich eine spannende, aber logikfreie Ausgabe
Von Dagmar Dehmer
Frau Wellmer, worüber haben Sie sich in
dieser Woche in den Medien denn am meisten geärgert?
Jedes Mal auch ein mediales Ereignis: die
Zeitumstellung. Ohne pädagogische Hinweise in „Tagesschau“ & Co wüssten wir
nicht, wie spät es ist. Jedes Mal wieder die
Erklärstücke in Print und Online, was es
bringt oder vielmehr nicht bringt, was es
schadet und wer immer schon dagegen
ist.Undwasändert sich?Nüscht! Kleinkin-
Foto: RBB
Jessy Wellmer
35, Moderatorin der
ARD-„Sportschau,
„RBB Sportplatz“,
„RBB Aktuell“
der leiden unter Jetlag (und deren Eltern
natürlich auch) und verstehen nicht, weshalb sie früher ins Bett sollen. Und morgens ist plötzlich eine Stunde futsch, eine
Beschleunigung, die die Harmonie in der
Familie noch wochenlang sprengt.
Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen
konnten?
Wer sich zu Ostern also nach kompletter
Entschleunigung sehnt, der findet sie sogar imFernsehen. ARD Alpha guckt indiesen Tagen um 20 Uhr 15 Uhr Handwerkern bei der Arbeit zu. 60 Minuten lang,
ohne Schnitt, ohne Musik, ohne Sprache.
Einfach so. Es funktioniert. Jetzt müsste
mannur nochARDAlpha aufseinem Fernseher finden. (ARD Alpha ist bundesweit
übers Kabelnetz zu empfangen, die Red.)
Ihre Lieblingswebsite?
Auf radio.de gibt es nichtnur Radio aus Babelsberg, sondern auch Ilayaraja radio aus
Tamil Nadu, Südindien, oder Radio Wassoulou aus Yanfolila, Südmali. Radio hören!
E
NACHRICHTEN
F
„Der Alte“ besser als „Grzimek“
Krimi vor Biografie und Komödie: Bei
den Einschaltquoten haben sich am Karfreitag sowohl der neue Grzimek-Film als
auch Matthias Schweighöfer dem „Alten“
geschlagen geben müssen. Im Schnitt
4,55 Millionen sahen ab 20 Uhr 15 „Grzimek“ mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle.
Der ZDF-Krimi „Der Alte“ kam auf 5,37
Millionen Zuschauer. Dahinter lag auch
Sat 1 mit der Komödie „Schlussmacher“
von und mit Matthias Schweighöfer. dpa
Während die westlichen Auslandssender
seit der Finanzkrise sparen müssen, rollt
China den Medienmarkt in Afrika auf.
Die Deutsche Welle streicht Radioprogramme in afrikanischen Sprachen, der
britische Sender BBC sendet fast nur
noch auf English, Ähnliches gilt für
France24 oder Voice of America. Die Medienoffensive begann nach den Olympischen Spielen in Peking 2008, bei denen
sich China publizistisch ziemlich
schlecht behandelt sah.
Dabei hat Chinas Medienpräsenz in
Afrika eine lange Tradition. Die staatliche
Nachrichtenagentur Xinhua ist seit den
1950er Jahren in Afrika vertreten. Damals
ging es vor allem darum, befreundete Befreiungsbewegungen im Kampf um die
Unabhängigkeit zu unterstützten. Nach
2008 begann China mehr in Korrespondentenbüros in vielen afrikanischen Länder zu investieren. Xinhua ist derzeit mit
30 Korrespondentenbüros mit 60 chinesischen und 400 afrikanischen Journalisten
auf dem Kontinent vertreten. Die Nachrichten von Xinhua bekommen afrikanische Medien günstig oder sogar umsonst.
Zudem rüstete China afrikanische
Staatssender mit der neuesten Technik
auf. Die afrikanischen Regierungen haben sich dafür mit großzügigen Staatsaufträgen zum Ausbau der Breitbandnetze
vor allem für den Konzern Huawei und
andere chinesische Firmen revanchiert.
DasFlaggschiff ist derchinesische Fernsehsender CCTV Africa. 2011 eröffnete
in Nairobi ein riesiges Fernsehstudio des
staatlichenFernsehsenders mit40chinesischen und 70 afrikanischen Journalisten.
CCTV Africa strahlt eine tägliche Nachrichtensendung auf Englisch aus. „Africa
Live“ sendete am Donnerstag fast 20 Minuten lang Berichte und Hintergründe
zum Terroranschlag auf die Universität in
Garissa im Nordosten Kenias. Es folgte
eine Analyse mit mehreren Beiträgen zum
Wahlausgangs in Nigeria. Journalismus,
wie er anderswo auch gemacht werden
könnte. Einen unkritischen Bericht über
die Regierung Simbabwes und ihre Bemühungen, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen, würde man in anderen Medien dagegen nicht finden. Und
dann gab es einen Beitrag, der typisch ist
für das Selbstverständnis, das chinesische
und afrikanische Journalisten teilen: ein
langes Porträt eines kenianischen Unternehmens, das aus alten Flaschen Fenster-Mosaike macht.
Mohamed Keita, Afrikaanalyst für das
Komitee zum Schutz von Journalisten beschrieb diese Herangehensweise in der
„New York Times“ so: „Chinas und Afrikas Regierungen stimmen tendenziell darinüberein, dass sichdie Presse aufkollek-
Was geht hier vor? CCTV hat populäre Journalisten von nationalen Sendern eingekauft. Beatrice Marshall hatte zuvor bei einem beliebten Privatsender in Kenia gearbeitet. Screensh.:Tsp
tive Errungenschaften konzentrieren und
öffentliche Unterstützung für den Staat
mobilisieren sollte, anstatt über kontroverse Themen oder sogenannte negative
Nachrichten zu berichten.“ Auf der
CCTV-Internetseite liest sich der Anspruch ähnlich. Er werde, „Plattform für
sein chinesisches Publikum sein, um
Afrika besser zu verstehen, und die chinesisch-afrikanische Freundschaft fördern“.
So könne das „wirkliche China in Afrika
vorgestellt“ und das „wirkliche Afrika der
Welt präsentiert“ werden.
Negative Nachrichten
bleiben eher außen vor
CCTV sendet auf Frequenzen, auf denen sonst Staatssender zu sehen sind,
oder kauft sich in Frequenzen populärer,
aber finanziell oft klammer privater Senderein.Neben dereinstündigenNachrichtensendung produziert CCTV ein Wirtschafts-und ein Sportprogramm, eine wöchentliche halbstündige Diskussionssendung über aktuelle afrikanische Themen
und ein Dokumentarprogramm „Gesichter Afrikas“.
CCTV hat angesehene und populäre
Fernsehjournalisten von nationalen Sendern eingekauft. „Africa live“ beispielsweise wird von Beatrice Marshall präsentiert, die zuvor beim beliebten Privatsender KTN in Kenia gearbeitet hat, und die
eine Town-Hall-Veranstaltung mit Bun-
deskanzlerin Angela Merkel moderierte,
als diese 2011 Kenia besuchte.
Dennoch wird CCTV noch nicht als
Konkurrenz zu Al Dschasira, dem Nachrichtenkanal aus Katar mit umfangreicher Afrika-Berichterstattung, der BBC
oder dem US-Sender CNN wahrgenommen. China versucht sich mit seinen
Staatsmedien in aller Welt als friedliche
Großmacht zu präsentieren, der an guter
Zusammenarbeit und wirtschaftlichem
Wachstum gelegen ist. Und in China versuchen diese Journalisten zu erklären,
was das Land in Afrika eigentlich macht.
Bis zum Siegeszug von Al Dschasira waren die westlichen Auslandssender oft
die besten und manchmal einzigen Informationsquellen für kritische Geister in
Afrika. Erst mit der Liberalisierung der
Telekommunikationsmärkte seit den
1990er Jahren fand eine Öffnung der Medienmärkte statt. Zuvor gab es in vielen
Ländern nur staatliche Medien, in einigen wie Ruanda ist das bis heute so.
Nun kommt über den Einstieg von Al
Dschasira und CCTV mehr Vielfalt in die
Berichterstattung. Über die politische
Lage sogar in Nachbarländern erfahren
Afrikaner fast nur etwas bei der BBC oder
bei Al Dschasira. Eigene Korrespondenten gibt es nahezu nicht. Es gibt auch
keine afrikanischen Korrespondenten im
Rest der Welt. Nachrichten über Deutschland kommen in vielen afrikanischen Ländern indirekt über BBC oder France24 an
und seit einiger Zeit eben auch über Al
Dschasira und CCTV – mit einem deutlich kritischeren Blick auf den Westen.
Eine Charity-Gala in einem noblen Hamburger Bürogebäude, ein genervter
Hauptkommissar, der keinen Bock auf
Osterfeiern hat, sechs als Hasen verkleidete Männer, die lustig zusammenstehen
und Schießübungen machen, eine Geiselnahme bei der Gala, die in einem Fiasko
endet, und mittendrin, als Geisel, die mutige Kollegin des genervten Kommissars
– selten war die Idee zu einem Krimi so
interessant, so fulminant, selten die Ausführung so hanebüchen wie das, was uns
der NDR da am Ostermontag in seinem
neuen „Tatort“ präsentiert.
Da hat Wotan Wilke Möhring Besseres
verdient. Der Mann, der demnächst in einer „Winnetou“-Neuverfilmung Old Shatterhand spielen soll, ist als Kommissar
Thorsten Falke ja erst seit 2013 im Einsatz an der Elbe, ein wenig im Schatten
von Til Schweiger, dem anderen Hamburger „Tatort“-Kommissar. Man muss sich
noch gewöhnen an das Profil dieses knorrigen Typen mit Dreitagebart, Lederjacke, mit heikler Vorgeschichte und fernem 15-jährigem Sohn aus kaputter Beziehung. Die ersten vier Falke-Folgen sahen jeweils um die zehn Millionen Zuschauer, eine stolze Quote, auch am Montag dürften es so viele sein. Es gibt ja
kaum frisches Programm zu Ostern, fast
nur Wiederholungen.
Und dann das. Klasse ist hier nur der
Name der Hamburger Aktivistengruppe,
die eine österliche Charity-Gala in Sachen Flüchtlingshilfe überfällt: „Bad Easter Bunnies“. Sowie Marek Harloff und
Thomas Sarbacher als Köpfe der Bande,
der eine zweifelnd, ob es denn eine gute
Idee sei, diese feine Gesellschaft mit echten Waffen zu erschrecken, der andere
als undurchsichtiger, kerniger Typ mit
„Blockupy“-Verve, der, wie sich später herausstellt, noch anderes im Schilde führt,
als mit allen Mitteln nur dem guten
Zweck zu dienen.
Klasse auch Katharina Lorenz (Petra
Schmidt-Schaller), Falkes Kollegin, zu
der der Kommissar zuletzt erotische
Bande knüpfte. Falke muss nun zusehen,
wie die Bunnies die enttarnte Ermittlerin
bedrohen und via Livestream ihre Forde-
Bad Easter Bunnies. Die Aktivistengruppe
Foto: NDR
überfällt eine Charity-Gala.
rung nach einer Amnestie für alle Abschiebehäftlinge präsentieren. Die Lage
spitzt sich zu, eine Geisel wird getötet.
Das SEK schreitet ein. Jetzt knallt’s.
Ein Thriller soll dieser „Tatort“ sein,
ein Genrefilm (Buch und Regie: Thomas
Stiller), etwas Besonders zu Ostern. Stirb
langsam an der Elbe. Bruce-Willis-Fans
werden auf ihre Kosten kommen.
Freunde der subtilen Krimiunterhaltung
eher nicht.
Markus Ehrenberg
„Tatort - Frohe Ostern, Falke“,
Montag, ARD, 20 Uhr 15
Was schauen Kinder zu Ostern?
Bei dem schlechten Wetter besonders
wichtig: ein TV-Navigator. Der Programmratgeber für Eltern, „Flimmo“, bietet unter www.flimmo.tv ein Osterspezial
an,einen Überblick über dasFeiertagsprogramm im deutschen Fernsehen und Ratschläge dazu, welche Filme für welche Altersgruppe geeignet sind. Drei- bis Sechsjährige schätzten demnach unkomplizierteGeschichten,die eingutesEndenehmen. Meist ginge es um Zusammenhalt
und Freundschaft. Bei den Sieben- bis
Zehnjährigen dürfe es schon spannender
werden.KleineHeldenwüchsen indenFilmen über sich hinaus und erlebten Aben-
teuer. Starke, ungewöhnliche Figuren und
ein mitreißendes Erzähltempo begeistern
nach Angaben von „Flimmo“ die Zuschauer im Alter zwischen elf und 13 Jahren. Herzschmerz oder Fantasy werden
empfohlen. Auch Filmefür dieganzeFamilie werden aufgeführt.
Gleichzeitig warnt der Programmratgeber vor Schockern. Grundsätzlich sollten
Eltern nach 20 Uhr genauer darauf achten, ob eine Sendung für Kinder geeignet
ist. „Flimmo“ gibt es als Broschüre, im Internet und als App.
KNA/Tsp
www.flimmo.de/osterspecial
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MEDIEN
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
D
DAS PROGRAMM VOM OSTERSONNTAG
ARD
ZDF
D
RTL
D
5.30 motzgurke.tv 5.55 Der Sattelclub
6.45 Durch die Wildnis 7.10 Tigerenten-Club 8.10 Armans Geheimnis
9.30 Die Sendung mit der Maus 10.00
Tagesschau 10.10 Ostern in Rom
12.25 Tagesschau 12.30 Ich trag dich
bis ans Ende der Welt. Familiendrama,
D/A 2010 14.00 Die Aufnahmeprüfung. Komödie, D 2012 15.30 Tagesschau 15.35 Inseln vor dem Wind.
Abenteuerfilm, D/A 2012. Mit Muriel
Baumeister, Thure Riefenstein, Max Tidof. Regie: Dietmar Klein 17.05 Die
lange Welle hinterm Kiel. Melodram,
A/D 2011. Mit Mario Adorf, Veronica
Ferres, Christiane Hörbiger. Regie: Nikolaus Leytner 18.35 Tagesschau
18.45 Sportschau. 19.14 Fernsehlotterie 19.15 Abenteuer Mongolei
5.40 Das Dschungelbuch 6.00 Der
kleine Ritter Trenk 6.25 Ben & Hollys
kleines Königreich 6.35 Mofy 6.40 Die
Biene Maja 7.05 Ritter Rost 7.20 Bibi
Blocksberg 7.45 Bibi und Tina 8.10 Löwenzahn 9.00 sonntags 9.30 Ev. Gottesdienst 10.15 Im Zauber der Wildnis
10.57 heute 11.00 Beatrice Egli - Ein
Frühlingstag in Rom 13.15 Bares für
Rares 14.00 Die Büffelranch 14.45
planet e. 15.10 heute 15.15 Kreuzfahrt ins Glück. Hochzeitsreise nach
Korfu. Reihe, D 2010 16.45 Das
Traumschiff. Burma/Myanmar. Reihe,
D 2005 18.15 Sportreportage 19.00
heute 19.15 Südamerikas Traumroute - Unterwegs mit dem Patagonien-Express 19.28 Aktion Mensch Gewinner 19.30 Terra X
7.00 Dr. Dolittle 4. Komödie, USA/
CDN 2008. Mit Kyla Pratt, Peter
Coyote 8.20 Dr. Dolittle 5. Komödie,
CDN/USA 2009. Mit Kyla Pratt, Tegan
Moss 9.50 Movie Star - Küssen bis
zum Happy End. Teenagerkomödie,
USA 2011. Mit Sarah Hyland, Matt Prokop 11.40 Raise Your Voice - Lebe deinen Traum. Teenagerdrama, USA
2004. Mit Hilary Duff, Oliver James,
David Keith. Regie: Sean McNamara
13.30 Der Prinz & ich. Komödie, USA/
CZ 2004. Mit Julia Stiles, Luke Mably,
Ben Miller. Regie: Martha Coolidge
15.30 Deutschland sucht den Superstar. Dazwischen: 17:25 RTL Bibelclip
17.45 Exclusiv - Weekend 18.45 RTL
aktuell 19.03 Wetter 19.05 Bauer
sucht Frau - Das große Wiedersehen
20.00 Tagesschau
20.15 Tatort Die chinesische
Prinzessin. Krimi-Reihe,
D 2013. Mit Axel Prahl,
Jan Josef Liefers
21.45 Mankells Wallander
Das Schmetterling-Tattoo.
Krimi-Reihe, S/D 2013 Mit
Krister Henriksson, Charlotta
Jonsson, Leonard Terfelt
23.15 Tagesthemen
23.35 Greenberg
Komödie, USA 2010
Mit Ben Stiller, Greta Gerwig,
Rhys Ifans
Regie: Noah Baumbach
1.18 Tagesschau
1.20 Tatort
2.53 Tagesschau
2.55 Sodom und Gomorrha
Bibelfilm, USA/I/F 1962
Mit Stewart Granger, Pier
Angeli, Stanley Baker
Regie: Robert Aldrich
5.23 Tagesschau
5.25 Deutschlandbilder
20.15 Das goldene Ufer Historischer Liebesfilm, D 2015
Mit Miriam Stein, Volker
Bruch, Ulrike Folkerts
Regie: Christoph Schrewe
22.00 Heute-Journal
22.15 Ein starkes Team
Eine Tote zu viel. Krimi-Reihe,
D 2012 Mit Maja Maranow,
Florian Martens, Arnfried
Lerche
23.45 heute
23.50 Dante’s Peak
Actionfilm, USA 1997 Mit
Pierce Brosnan, Linda Hamilton, Jamie Renée Smith
Regie: Roger Donaldson
1.25 Ein starkes Team
2.55 Das goldene Ufer Historischer Liebesfilm, D 2015
Mit Miriam Stein, Volker
Bruch, Ulrike Folkerts
Regie: Christoph Schrewe
4.40 Global Vision
4.45 Terra X Die Geschichte des
Essens: Vorspeise
20.15 Der Zoowärter
Komödie, USA 2011
Mit Kevin James, Rosario
Dawson, Leslie Bibb
Regie: Frank Coraci
22.10 Kung Fu Panda 2 Doppelt Bärenstark
Animationsfilm, USA 2011
Regie: Jennifer Yuh Nelson
23.55 Metro
Actionkomödie, USA 1997
Mit Eddie Murphy, Kim Miyori,
Art Evans
Regie: Thomas Carter
2.05 Le Mac - Doppelt knallt’s
besser Komödie, F 2010
Mit José Garcia, Gilbert Melki,
Carmen Maura
Regie: Pascal Bourdiaux
3.40 Metro
Actionkomödie, USA 1997
Mit Eddie Murphy, Kim Miyori,
Art Evans
Regie: Thomas Carter
5.40 Fast & Furious 7
Das große Special zum Film
RBB
NDR
ARTE
D
D
D
12.25 Spürnase, Fährtensau & Co.
13.15 Vorpommerns Auen. Schreiadler und Biber 14.00 Der letzte Patriarch (1). Familiendrama, D/SIN 2010
15.30 Der letzte Patriarch (2) 17.00 In
aller Freundschaft 17.45 Sandmännchen 18.00 Aktuell 18.10 Das Himmlische Theater. Der Bilderschatz von
Neuzelle 18.40 Wildes Deutschland
19.27 wetter 19.30 Abendschau
11.30 Von einem, der auszog, das
Fürchten zu lernen. Märchenfilm, D
2014 12.30 Till Eulenspiegel. Kinderfilm, D 2014 13.30 Die Nordsee - Unser Meer. Dokumentarfilm, D 2013
15.00 NaturNah Spezial 16.00 FEIERtag! Sengelmann sucht Ostern 16.30
Sass: So isst der Norden 17.00 Bingo!
18.00 Nordtour Spezial 19.00 Nordseereport Spezial
12.30 Wie das Land, so der Mensch
13.00 Kunst lieben, Kunst hassen ...
In Galerien 13.40 360˚ - Kastanien:
das Brot der Korsen 14.30 Steinadler König der Berge 15.15 Die Kathedrale. Baumeister des Straßburger
Münsters 16.50 Max und Moritz. Die
unglaubliche Geschichte eines Kinderbuchs 17.40 Osterfestspiele 2015
aus Baden-Baden
20.00 Tagesschau
20.15 Die Küsten der Ostsee
Finnland / Baltikum
21.45 Aktuell
22.00 rbb Sportplatz
22.40 Sportschau Bundesliga am Sonntag
23.00 Anna Karenina Gesellschaftsdrama, I/E/LIT/F 2013
Mit Vittoria Puccini, Benjamin
Sadler, Santiago Cabrera
Regie: Christian Duguay
1.55 Himmel und Erde Magazin zu
Religion und Kirche
2.25 Berliner Abendschau
Vom 05.04.1990
2.50 Abendschau Magazin
3.20 Brandenburg aktuell
3.50 Das Vitamine-Dorf
4.20 Landschleicher extra
20.00 Tagesschau
20.15 Land im Gezeitenstrom
Von Sylt bis Eiderstedt
21.45 Sportschau Bundesliga am Sonntag
22.05 Die NDR Quizshow
22.50 Sportclub
Mit Valeska Homburg
23.35 Secret Defense Thriller,
F 2008 Mit Gérard Lanvin,
Vahina Giocante
Regie: Philippe Haïm
1.10 NDR Talk Show
3.25 Nordtour Spezial
4.25 Nordseereport Spezial
Traum: Insel
5.25 Tagesschau - Vor 20 Jahren
5.45 Die Olsen-Bande ergibt sich
nie Gaunerkomödie,
DK 1979 Mit Ove Sprogøe
19.15 Journal
19.45 Zu Tisch auf ... Gotland
20.15 Amadeus Künstlerbiografie,
USA 1984 Mit Tom Hulce, F.
Murray Abraham, Elizabeth
Berridge Regie: Milos Forman
22.50 Mozart Superstar Mit Patricia
Petibon, Benjamin Schmid
23.40 Durch die Nacht mit ...
Til Schweiger und
Fahri Yardim
0.35 Der Messias
Mit Julia Doyle (Sopran), Lawrence Zazzo (Countertenor),
Steve Davislim (Tenor), Neal
Davies (Bassbariton)
3.00 Pierre Bonnard - Die Farben
des Privaten
3.55 Die Alpen von oben Vom
Oberland zum Waadtland
DAS PROGRAMM VOM OSTERMONTAG
ARD
D
ZDF
D
RTL
D
5.30 Hans im Glück. Märchenfilm, D
1999 6.30 Der Sattelclub 7.45 Willi
wills wissen 8.10 Armans Geheimnis
9.55 Tagesschau 10.00 Ev. Gottesdienst zum Ostermontag 11.00 Tagesschau 11.05 Tod auf dem Nil. Kriminalfilm, GB 1978 13.20 Das Böse unter
der Sonne. Kriminalfilm, GB 1982. Mit
Peter Ustinov 15.10 Tagesschau
15.15 Mein Traum von Afrika. Melodram, D 2007. Mit Jutta Speidel
16.40 Tagesschau 16.50 Herzdamen
an der Elbe. Komödie, D 2013. Mit
Thekla Carola Wied, Mona Seefried.
Regie: Thomas Nennstiel 18.20 Tagesschau 18.30 Heute fängt mein Leben
an. Familienfilm, D 2006. Mit Christiane Hörbiger, Denise Zich, Walter
Kreye. Regie: Christine Kabisch
5.30 Wickie . . . und die starken Männer. Zeichentrickfilm, J/D/A 1978
6.50 Die Biene Maja 7.10 Bibi Blocksberg 8.00 Heidi 8.25 Heidi 8.45 Kikis
kleiner Lieferservice. Fantasyfilm,
J/CH 2014 10.30 heute 10.35 Pippi
außer Rand und Band. Kinderfilm, S/D
1970 12.00 Hanni & Nanni 3. Kinderfilm, D 2013 13.20 Michel bringt die
Welt in Ordnung. Kinderfilm, S/D
1973 14.55 heute 15.00 Das Café
am Island-Fjord 16.00 Ein Sommer in
Long Island. Liebesfilm, D 2009. Mit
Petra Schmidt-Schaller, Max von Thun,
Marc Hosemann. Regie: Sibylle Tafel
17.30 Wilsberg. Filmriss. Krimi, D
2008. Mit Leonard Lansink, Oliver Korittke, Rita Russek 19.00 heute 19.15
Wale und wilde Inseln 19.30 Terra X
6.15 Der Glöckner von Notre Dame.
Zeichentrickfilm, USA 1996 7.35 Die
Monster AG. Animationsfilm, USA
2001 9.00 Tarzan. Zeichentrickfilm,
USA 1999 10.30 Mulan. Zeichentrickfilm, USA 1998 12.05 Bolt - Ein Hund
für alle Fälle. Animationsfilm, USA
2008. Regie: Byron Howard, Chris Williams 13.45 Findet Nemo. Animationsfilm, USA 2003. Regie: Andrew Stanton, Lee Unkrich 15.25 Kung Fu Panda
2 - Doppelt Bärenstark. Animationsfilm, USA 2011. Regie: Jennifer Yuh
Nelson 17.00 Der Zoowärter. Komödie, USA 2011. Mit Kevin James, Rosario Dawson, Leslie Bibb. Regie: Frank
Coraci. Dazw.: 18:35 RTL Bibelclip
18.45 aktuell 19.05 Bauer sucht Frau
- Das große Wiedersehen
20.00 Tagesschau
20.15 Tatort Frohe Ostern, Falke.
Krimi-Reihe, D 2014
Mit Wotan Wilke Möhring,
Petra Schmidt-Schaller,
Sebastian Schipper
21.45 Mankells Wallander
Mordbrenner. Krimi-Reihe,
S/D 2013 Mit Krister Henriksson, Charlotta Jonsson
23.15 Tagesthemen
23.30 Pfarrer Braun
Das Skelett in den Dünen.
Krimikomödie, D 2003
Mit Ottfried Fischer
0.55 Tagesschau
1.00 Tatort Frohe Ostern, Falke.
Krimi-Reihe, D 2014
2.33 Tagesschau
2.35 Mankells Wallander
Mordbrenner. Krimi-Reihe,
S/D 2013 Mit Krister Henriksson, Charlotta Jonsson
4.05 Deutschlandbilder
4.43 Tagesschau
4.45 Abenteuer Mongolei
20.15 Rosamunde Pilcher: Ein
einziger Kuss Melodram,
D 2015 Mit Katja Weitzenböck, Rupert Graves,
Jean-Yves Berteloot
Regie: Sarah Harding
23.10 heute
23.15 Pietro Mascagni:
Cavalleria rusticana Oper.
Mit Jonas Kaufmann, Liudmyla Monastyrska, Stefania
Toczyska. Sächsische Staatskapelle Dresden, musikal.
Ltg.: Christian Thielemann,
Insz.: Philipp Stölzl. Osterfestspiele Salzburg 2015
0.30 Spartacus
Monumentalfilm, USA 1960
Mit Kirk Douglas, Laurence
Olivier, Tony Curtis Regie:
Stanley Kubrick
3.30 Das Café am Island-Fjord
4.30 Südamerikas Traumroute
Unterwegs mit dem
Patagonien-Express
4.45 Terra X
20.15 Asterix & Obelix - Im Auftrag
Ihrer Majestät Komödie,
F/E/I/H 2012 Mit Gérard
Depardieu, Dany Boon, Edouard Baer Regie: Laurent Tirard
22.15 Contraband - Gefährliche
Fracht Actionthriller,
USA/GB/F 2012
Mit Mark Wahlberg, Kate
Beckinsale, Ben Foster
Regie: Baltasar Kormákur
0.20 Asterix & Obelix - Im Auftrag
Ihrer Majestät Komödie,
F/E/I/H 2012 Mit Gérard
Depardieu, Dany Boon, Edouard Baer Regie: Laurent Tirard
2.15 Contraband - Gefährliche
Fracht Actionthriller,
USA/GB/F 2012
Mit Mark Wahlberg, Kate
Beckinsale, Ben Foster
Regie: Baltasar Kormákur
4.15 Die Trovatos - Detektive
decken auf
Doku-Soap
5.10 Explosiv - Weekend
RBB
NDR
ARTE
D
D
D
14.00 Pfarrer Braun. Die Gärten des
Rabbiners. Krimikomödie, D 2008
15.30 Die Heiden von Kummerow und
ihre lustigen Streiche. Heimatkomödie, DDR/D 1967 17.00 Ein frommer
Sturkopf. Bernhard Lichtenberg - Leben und Widerstand 17.45 Sandmännchen 18.05 wetter 18.10 Tier zuliebe Die Reportage 18.40 Wildes Deutschland 19.27 wetter 19.30 Abendschau
11.55 Siebenschön. Märchenfilm, D
2014 12.55 Till Eulenspiegel. Kinderfilm, D 2014 13.55 Die Feuerzangenbowle. Komödie, D 1944 15.30 Geschichten vom Darß 16.00 Mit dem
Oldtimer nach Australien 16.45 Norddeutschland von oben 18.15 „Rudis
Tagesshow“ extra 18.50 Heinz Erhardt - Geld sofort. Komödie, D 1958
19.30 Ländermagazine
8.25 X:enius 8.50 Tatort Matterhorn
10.20 Im Bann der Jahreszeiten. Frühlingserwachen / Im Märzen / April,
April / Wonnemonat Mai 13.20 Journal 13.50 Amadeus. Künstlerbiografie, USA 1984. Mit Tom Hulce, F. Murray Abraham, Elizabeth Berridge. Regie: Milos Forman 16.25 Mozart Superstar. Porträt 17.20 Biblische Detektivgeschichten
20.00 Tagesschau
20.15 Die Elbe von oben Von
Schnackenburg bis Cuxhaven
Dokumentarfilm, D 2013
21.45 Aktuell
22.15 Polizeiruf 110 Hexenjagd.
Krimi-Reihe, D 2014 Mit
Maria Simon, Horst Krause,
Annie Maria Rose Lade
23.45 Polizeiruf 110 Verlockung.
Krimi-Reihe, DDR 1985
Mit Peter Borgelt
1.05 Graf Yoster gibt sich die Ehre
Das Floß an der Wand / Computer-Ballade. Krimi-Serie
1.55 Berliner Abendschau
Vom 06.04.1990
2.20 Abendschau Magazin
2.50 Brandenburg aktuell
3.20 rbb Praxis
20.00 Tagesschau
20.15 Das große Wunschkonzert
Mit Nicole, Wolfgang Frank,
Andrea Berg, Helene Fischer,
Semino Rossi, Nik P., Fantasy
21.45 Gefragt - Gejagt Kandidaten:
Sabine Heinrich, Hans-Jochen
Wagner, Annabelle Mandeng,
Volker Lechtenbrink
22.45 Dalli Dalli
Gäste: Dirk Steffens, Steffen
Hallaschka, Johanna Klum,
Thomas Anders
23.45 Stell Dir vor ...!
0.10 50/50 - Freunde fürs (Über)leben Tragikomödie, USA
2011 Mit Joseph GordonLevitt, Seth Rogen, Anna Kendrick Regie: Jonathan Levine
1.45 NaturNah Spezial
19.10 Journal
19.30 Die Farben ... der Wüste
Die weiße Uyuni
20.15 Aufenthalt vor Vera Cruz
Melodram, F/MEX 1953
Mit Michèle Morgan, Gérard
Philipe, Víctor Manuel
Mendoza Regie: Yves Allégret, Rafael E. Portas
21.55 Für ihn verkauf ich mich
Parabel, F/MEX 1959 Mit Gérard Philipe, María Félix, Jean
Servais Regie: Luis Buñuel
23.35 Der Berg ruft Abenteuerfilm,
D 1938 Mit Luis Trenker,Herbert Dirmoser, Heidemarie
Hatheyer Regie: Luis Trenker
1.10 Rebellen am Ball
Dokumentarfilm, F 2012
2.40 Italo Calvino - Ein Porträt
3 SAT
D
9.50 Missa Solemnis - Messe D-Dur
op. 123 von Beethoven 11.20 Superbauten 12.49 Wittenberg - auf Luthers
Spuren 13.00 ZIB 13.10 Magische
Ostern 13.35 Polizischt Wäckerli. Komödie, CH 1956 15.20 Unterwegs in
der Weltgeschichte 17.30 Was der
Himmel erlaubt. Melodram, USA
1955. Mit Jane Wyman, Rock Hudson
19.00 heute 19.15 Auf Jesu Spuren
im Heiligen Land 20.00 Tagesschau
20.15 Berüchtigt. Thriller, USA 1946.
Mit Ingrid Bergman, Cary Grant. Regie:
Alfred Hitchcock 21.55 Ich kämpfe um
dich. Psychothriller, USA 1945. Mit Ingrid Bergman, Gregory Peck. Regie: Alfred Hitchcock 23.40 Die Brücken am
Fluss. Liebesfilm, USA 1995. Mit Clint
Eastwood, Meryl Streep
DER TAGESSPIEGEL
D
N24
Stündlich Nachrichten 10.10 Der Untergang der Bismarck 11.05 Die Wolfsrudel 12.10 Die Grauen Wölfe 13.05
Duell unter Wasser 14.05 Die Atlantik-Blockade 15.15 Superschwarm Die Macht der Masse 17.10 Nasenmuräne und Zebrakrabbe - Jagdszenen
am Meeresgrund 18.05 Geniale Erfindungen 19.10 Die Kraft der Wirbelstürme 20.05 Geheimnisse des Weltalls. Das Sonnensystem entsteht /
Kosmische Mächte 22.00 Geheimnisse des Weltalls. Größer, schneller,
weiter / UFOs und Aliens 23.55 Zielscheibe Erde - Angriff aus dem All 0.45
Zielscheibe Erde - Angriff aus dem All
1.30 Schatten der Zukunft. Entdeckung der Aliens 2.10 Geheimnisse
des Weltalls
PHOENIX
D
7.30 ZDF-History 8.15 fernOst - Von
Berlin nach Tokio 11.15 Im Dialog
11.50 1989 - Das Wunder von Berlin
12.00 History Live 13.00 Kamingespräch 14.00 Historische Ereignisse
16.50 Madagaskar. Naturparadies im
Indischen Ozean 17.00 Thema 18.15
Schätze der Welt - Erbe der Menschheit 18.30 Supermacht Preußen. Der
„alte“ Fritz und seine Erben 19.15
ZDF-History 20.00 Tagesschau 20.15
Sehnsucht Karibik. Reggae, Sklaven
und ein tödliches Beben / Schätze, Indianer und der Fluch des Vulkans
21.45 Mythos Marokko. Magie zwischen Atlas und Atlantik 22.30 Marokko. Wüstenmagie und vergessene
Paläste 23.15 Stationen.Dokumentation 0.00 History Live
TV-Tipp
Wang will weg: Kommissar Thiel (Axel Prahl) kann den chinesischen Kulturattaché trotzdem stellen. Eine „Tatort“-Wiederholung am Sonntag (ARD, 20 Uhr 15).
Foto: WDR
SUPER RTL
D
15.05 Star Wars: the Clone Wars - Poggles Droidenschmiede 17.15 Asterix
erobert Rom. Zeichentrickfilm, F 1976
18.45 Woozle Goozle 19.15 Bugs
Bunny und Looney Tunes 19.45 Dragons - Die Wächter von Berk 20.15
Free Willy - Ruf der Freiheit. Tierabenteuer, USA/F 1993 22.20 Free Willy 3
- Die Rettung. Tierabenteuer, USA
1997 23.55 Alex und Whitney
KIKA
D
15.00 Ritter Rost. Animationsfilm, D
2013 16.15 Schau in meine Welt!
16.45 Marco Polo 17.35 1, 2 oder 3
18.00 Shaun 18.15 Die Biene Maja
18.40 Löwenzähnchen 18.50 Sandmännchen 19.00 Robin Hood 19.25
Let’s talk 19.50 logo! Extra 20.00
Ki.Ka Live 20.10 Dance Academy
RTL 2
D
17.00 Mein neuer Alter 18.00 Grip Das Motormagazin 20.00 News
20.15 Schindlers Liste. Geschichtsdrama, USA 1993. Mit Liam Neeson,
Ben Kingsley. Regie: Steven Spielberg
23.20 Straßen in Flammen. Actionfilm, USA 1984. Mit Michael Paré 1.10
Schindlers Liste. Geschichtsdrama
3 SAT
D
9.05 Menschen untereinander.
Stummfilm, D 1926. Regie: Gerhard
Lamprecht 11.05 Wiener Osterkonzert. Hommage à Antonio Vivaldi - Musica sacra 12.15 Vivaldi und Venedig
12.40 Superbauten 13.25 Konditorei
Zürrer. Milieustudie, CH 1957. Mit
Emil Hegetschweiler 15.10 Unterwegs
in der Weltgeschichte 17.20 In den
Wind geschrieben. Melodram, USA
1956. Mit Rock Hudson 19.00 heute
19.15 Der Berg des Messias 20.00 Tagesschau 20.15 Der Duft der Frauen.
Tragikomödie, USA 1992. Mit Al Pacino, Chris O’Donnell, James Rebhorn.
Regie: Martin Brest 22.45 Der Fall Paradin. Justizkrimi, USA 1947. Mit Gregory Peck. Regie: Alfred Hitchcock
0.35 Unterwegs in der Weltgeschichte
D
N-TV
Stündlich Nachrichten 15.15 Mysterium Jesus 17.05 Spurensuche am
Meeresgrund: Der Sensations-Fund
18.30 PS - Klassik mobil 19.05 Top
Gear 20.15 Rekord! Die besten Flugzeuge der Welt 21.05 Geniale Technik
22.05 Deluxe 23.05 PS - Das Automagazin 0.05 Top Gear 1.00 Unser Universum. Neue Heimat Weltall 1.40 Planet Erde: Zerstörerische Kräfte
TELE 5
D
20.15 Chaplin. Künstlerbiografie, USA
/J/F/I 1992. Mit Robert Downey jr.,
Geraldine Chaplin, Dan Aykroyd. Regie: Sir Richard Attenborough 23.05
Das Leben ist ein Wunder. Liebesdrama, JUG/F 2004 2.05 Babettes
Fest. Literaturverfilmung, DK 1987.
Mit Stéphane Audran
ZDF NEO
D
19.00 Werner - Volles Rooäää!!! Zeichentrickfilm, D 1999 20.15 Werner Beinhart! Zeichentrickfilm, D 1990
21.40 Werner - Gekotzt wird später!
Zeichentrickfilm, D 2003 22.55 Fackeln im Sturm. Am Rande des Abgrunds / Bürgerkrieg / Die Ketten fallen. Familiensaga
D
N24
Stündlich Nachrichten 9.15 The
World Wars. Der Große Krieg / Fataler
Frieden 11.05 The World Wars. Diktatoren und Demokraten / Der Blitzkrieg
13.10 The World Wars. Globaler Krieg
/ Sieger und Besiegte 15.20 Die
Aliens kommen! Sind wir bereit?
16.15 Zielscheibe Erde - Angriff aus
dem All 17.10 Zielscheibe Erde - Angriff aus dem All 18.05 Geniale Erfindungen. Das Auto 19.10 Welt der Wunder 20.05 Dinosaurier - Auf Raubzug
21.05 Das Erbe der Dinosaurier
22.00 Das Erbe der Dinosaurier
23.00 Geheimnisse des Weltalls. Zeitreisen 23.55 Mystery. Mythos Leben
nach dem Tod 0.50 Krieger der Vergangenheit - Die Assassinen 1.35 Germania - Hitlers Größenwahn
WDR
D
18.20 Ein Herz und eine Seele 19.10
Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit-Geschichten 20.00 Tagesschau 20.15
Von und zu lecker 21.45 Sportschau Bundesliga am Sonntag 22.15 Lachgeschichten 23.15 Die Wiwaldi Show
23.45 Zeiglers wunderbare Welt des
Fußballs 0.15 Rockpalast. Noel Gallaghers High Flying Birds 1.45 Rockpalast. Paul Newsome
MDR
D
18.52 Unser Sandmännchen 19.00
SachsenSpiegel 19.30 Aktuell 19.50
Kripo live 20.15 Ostern war’s 21.45
Aktuell 22.00 Ostrock. Zwischen
Liebe und Zorn. Eine Recherche in Dokumenten, Archiven und Erinnerungen
23.30 Ostrocklegenden - Das Konzert.
Puhdys - City - Karat
BR
D
20.15 Die Posthalter-Christl. Heimatfilm, D 2010. Mit Gloria Nefzger, Bettina Redlich, Johann Schuler. Regie:
Alexander Wiedl 21.45 Sportschau Bundesliga am Sonntag 22.05 Blickpunkt Sport. 22.50 Blickpunkt Sport
Regional 23.00 Rundschau-Magazin
23.15 Sherlock 0.40 Startrampe
PHOENIX
D
10.45 Böhmische Flussfahrt. Entlang
der Elbe unterwegs 11.30 Unterwegs
mit der polnischen Eisenbahn 12.15
700 Kilometer Einsamkeit 13.00 Skiabenteuer auf dem Balkan 13.45 Raketenstart im Dschungel 14.00 Genuss auf Pilgerpfaden 14.45 Kulinarische Bahnfahrt durch Tschechien
15.30 Bergauf, Britannia! 16.15 Wildes Irland 17.00 Schweizer Himmelsstürmer 17.45 China auf zwei Rädern
18.30 Trekking-Tour im wilden Westen
19.15 Weite Wildnis Alaska 20.00 Tagesschau 20.15 Mitten ins Herz Südamerikas 21.45 Unterwegs mit Ecuadors neuer Eisenbahn 22.30 Mit der
Subway durch New York 23.15 Die
endlose Fahrt der „Liemba“ 0.00 Der
Himmel über Afrika
TV-Tipp
Der Klügere gibt nach. Hella von Sinnen (von li.), Hugo Egon Balder und Wigald Boning
Foto: dpa
versuchen sich an einer besonderen Form von Talkshow (Tele 5, 22 Uhr 15).
SUPER RTL
D
14.45 Tristan und Isolde - Im Land der
Riesen und Feen. Zeichentrickfilm,
F/LUX 2002 16.10 Go Wild! - Mission
Madagaskar 18.00 Free Willy - Ruf der
Freiheit. Tierabenteuer, USA/F 1993.
Mit Jason James Richter, Lori Petty,
Jayne Atkinson. Regie: Simon Wincer
19.45 Dragons - Die Wächter von Berk
20.15 Monk 21.10 Monk 22.05 Psych
23.00 Psych 23.50 Monk
KIKA
D
16.25 Der Schatz des Käpt’n Karotte.
Puppenfilm 17.25 Eine Möhre für Zwei
17.35 Kein Keks für Kobolde 18.00
Shaun18.15BieneMaja18.40Löwenzähnchen 18.50 Sandmann 19.00 Robin Hood 19.25 pur+ 19.50 logo!
20.00 Ki.Ka Live 20.10 Abenteuer Wilder Westen 20.35 dasbloghaus.tv
RTL 2
D
15.00 Der Trödeltrupp 17.00 Die Geissens 18.00 Köln 50667 19.00 Berlin Tag & Nacht 20.00 News 20.15 Die
Geissens - Eine schrecklich glamouröse Familie! 22.10 Der Trödeltrupp Das Geld liegt im Keller 0.00 Die Kochprofis - Einsatz am Herd 1.00 Zugriff Jede Sekunde zählt
N-TV
D
Stündlich Nachrichten 16.10 Wissen
17.05 Wenn die Natur zuschlägt
18.30 Seltene Erden: Rohstoff-Wunder aus der Tiefe 19.05 Mega-Projekte: Der Brücken-Gigant 20.15 Rekord! Die besten Züge der Welt 21.05
Geniale Technik 22.05 Paris: Geschichte einer Mega-Metropole 23.05
Der Hafen von Antwerpen 0.05 Mythen
der Geschichte 1.00 Mysterium Jesus
TELE 5
D
20.15 Eine Familie zum Knutschen in
Manhattan. Komödie, NL 1992. Mit
Nelly Frijda, Huub Stapel, René van’t
Hof. Regie: Dick Maas 22.15 Der Klügere kippt nach 23.20 Frau Dingens
will zum Fernsehen 23.50 Boomarama Late Night. Comedyshow 0.25
High Crusade 2.00 WWE RAW
ZDF NEO
D
20.15 Inspector Barnaby. Nachts,
wenn du Angst hast. Krimi-Reihe, GB
2004. Mit John Nettles 21.50 Inspector Barnaby. Nass und tot.
Krimi-Reihe, GB 2004. Mit John Nettles 23.25 Fackeln im Sturm. Unversöhnliche Rache / Das Chaos regiert.
Familiensaga 0.50 Fackeln im Sturm
WDR
D
19.30 Lokalzeit-Geschichten 20.00
Tagesschau 20.15 Geld oder Liebe
22.10 Der König von Mallorca - Das
Phänomen Jürgen Drews 22.55 Costa
Concordia: Die ganze Geschichte. Lügen, Versagen, Leid 23.55 Papst Johanna. Historiendrama, GB 1972. Mit
Liv Ullmann, Olivia De Havilland, Lesley-Anne Down. Regie: Michael Anderson 1.40 Der Jesuswanderweg
MDR
D
19.50 Mach dich ran! 20.15 Kulthits.
Die Show der 70er und 80er 22.45 Aktuell 23.00 Pfarrer Braun. Brauns
Heimkehr. Krimikomödie, D 2014. Mit
Ottfried Fischer 0.30 Adel verpflichtet.
Schwarze Komödie, GB 1949. Mit Alec
Guinness, Dennis Price, Valerie Hobson. Regie: Robert Hamer
BR
D
19.45 Stofferl Wells Bayern 20.15
Krambambuli. Literaturverfilmung, A/
D 1998. Mit Tobias Moretti, Gabriel Barylli 21.45 Rundschau-Magazin 22.00
Springer und Süß - Der Schein des Geldes 22.45 Sherlock 0.10 Des Hauses
Hüterin. Krimidrama, GB 2007. Mit Penelope Wilton, Daniel Mays
SAT 1
D
PRO 7
31
D
6.30 Steven liebt Kino - Spezial. Fast &
Furious 7 6.45 Bruce Allmächtig. Fantasykomödie, USA 2003. Mit Jim Carrey 8.30 So gesehen - Talk am Sonntag. Mit Julia Scherf 8.50 Zahnfee auf
Bewährung. Fantasykomödie, USA/
CDN 2010. Mit Dwayne „The Rock“
Johnson, Ashley Judd 10.45 Bedtime
Stories. Komödie, USA 2008. Mit
Adam Sandler 12.35 Die Geheimnisse der Spiderwicks. Abenteuerfilm,
USA 2008. Mit Freddie Highmore
14.20 Jumanji. Fantasyabenteuer,
USA 1995. Mit Robin Williams 16.15
Die Reise zum Mittelpunkt der Erde.
Abenteuerfilm, USA 2008. Mit Brendan Fraser 17.50 Die Abenteuer von
Tim und Struppi. Animationsfilm,
USA/NZ 2011 19.55 Nachrichten
4.55 Family Guy 5.15 Malcolm mittendrin 5.35 Malcolm mittendrin 6.00
Cougar Town 6.20 Cougar Town 6.40
Two and a Half Men 7.05 Two and a
Half Men 7.30 The Big Bang Theory
7.55 The Big Bang Theory 8.20 How I
Met Your Mother 8.45 How I Met Your
Mother 9.10 Galileo Big Pictures. Tag
X - Moment der Entscheidung 12.15
Galaxy Quest - Planlos durchs Weltall.
Science-Fiction-Parodie, USA 1999.
Mit Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan
Rickman. Regie: Dean Parisot 14.15
Fantastic Four. Comicverfilmung,
USA/D 2005. Mit Ioan Gruffudd, Jessica Alba, Chris Evans. Regie: Tim
Story 16.05 Fantastic Four - Rise of the
Silver Surfer 17.50 Newstime 18.00
Star Trek
20.15 Stirb langsam - Ein guter Tag
zum Sterben Actionthriller,
USA 2013 Mit Bruce Willis,
Jai Courtney, Sebastian Koch
Regie: John H. Moore
22.20 Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Abenteuerfilm, USA 2008
Mit Harrison Ford, Cate
Blanchett, Karen Allen
Regie: Steven Spielberg
0.45 Ohne Ausweg
Actionfilm, USA 1993
Mit Jean-Claude Van Damme,
Rosanna Arquette, Kieran
Culkin Regie: Robert Harmon
2.20 Steven Seagal - Kill Switch
Actionfilm, CDN/USA 2008
Mit Steven Seagal, Holly
Elissa, Karyn Michelle Baltzer
Regie: Jeff F. King
3.45 Ohne Ausweg
Actionfilm, USA 1993
Mit Jean-Claude Van Damme,
Rosanna Arquette, Kieran
Culkin Regie: Robert Harmon
20.15 Star Trek: Into Darkness
Science-Fiction-Film,
USA 2013 Mit Chris Pine,
Zachary Quinto, Benedict
Cumberbatch
Regie: J.J. Abrams
22.50 Star Trek: Nemesis
Science-Fiction-Film, USA
2002 Mit Patrick Stewart, Jonathan Frakes, Brent Spiner
Regie: Stuart Baird
1.10 Star Trek - Der Aufstand
Science-Fiction-Film, USA
1998 Mit Patrick Stewart,
Jonathan Frakes, Brent Spiner Regie: Jonathan Frakes
3.00 Star Trek: Nemesis
Science-Fiction-Film, USA
2002 Mit Patrick Stewart,
Jonathan Frakes, Brent Spiner Regie: Stuart Baird
4.50 Star Trek - Der Aufstand
Science-Fiction-Film, USA
1998 Mit Patrick Stewart,
Jonathan Frakes, Brent Spiner Regie: Jonathan Frakes
VOX
KABEL 1
D
D
6.00 Menschen, Tiere und Doktoren
7.05 hundkatzemaus 8.20 3 Engel für
Tiere 9.25 Vier Hochzeiten und eine
Traumreise 12.25 Vier Hochzeiten
und eine Traumreise. Finale 13.25
Goodbye Deutschland! Die Auswanderer 15.30 Auf und davon 16.30 Schneller als die Polizei erlaubt 17.00 auto
mobil 18.15 Unser Traum vom Haus
19.15 Ab ins Beet! Die Garten-Soap
8.45 Buddy haut den Lukas. Actionkomödie, I 1980 10.30 Zwei außer Rand
und Band. Komödie, I 1977 12.45
Zwei sind nicht zu bremsen. Actionkomödie, I 1978 14.55 Asterix - Sieg
über Cäsar. Zeichentrickfilm, F 1985
16.20 News 16.30 Asterix bei den Briten. Zeichentrickfilm, F 1986 18.00
Asterix bei den Olympischen Spielen.
Komödie, F/D/E/I/B 2008
20.15 Promi Shopping Queen
Motto in Berlin: Stiefelette,
Stiefel oder Bootie - Kreiere
den perfekten Look zu deinem neuen Lieblingsschuh!
Gäste: Melanie Müller,
Franziska Traub, Senta Sofia
Delliponti, Manuel Cortez
23.20 Prominent! Magazin
0.05 Game of Chefs
Kochshow
1.50 Ab ins Beet! Die Garten-Soap
Doku-Soap
2.40 Unser Traum vom Haus
Doku-Soap
3.30 Medical Detectives - Geheimnisse der Gerichtsmedizin
Eigen Fleisch und Blut /
Mord auf Raten /
Rendezvous mit dem Tod
20.15 Asterix und Obelix: Mission
Kleopatra Comicverfilmung,
D/F 2002 Mit Gérard
Depardieu, Christian Clavier,
Monica Bellucci
22.20 Kill Bill Vol. 2
Actionthriller, USA 2004
Mit Uma Thurman, David
Carradine, Daryl Hannah
Regie: Quentin Tarantino
1.00 Kung Fu Hustle Actionkomödie, HK/CHN 2004
Mit Stephen Chow, Yuen Wah
Regie: Stephen Chow
2.40 Kill Bill Vol. 2 Actionthriller,
USA 2004 Mit Uma Thurman
4.45 Die Wilde von Beverly Hills
Komödie, USA 1989
Mit Shelley Long, Craig T.
Nelson, Betty Thomas
SAT 1
D
PRO 7
D
5.15 Auf Streife 6.00 Steven liebt Kino
- Spezial 6.20 Die Geheimnisse der
Spiderwicks. Abenteuerfilm, USA
2008. Mit Freddie Highmore 7.55 Jumanji. Fantasyabenteuer, USA 1995.
Mit Robin Williams 9.50 Die Reise zum
Mittelpunkt der Erde. Abenteuerfilm,
USA 2008. Mit Brendan Fraser 11.20
Epic - Verborgenes Königreich. Animationsfilm, USA 2013 13.10 Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels. Abenteuerfilm, USA 2008.
Mit Harrison Ford, Cate Blanchett
15.25 Nachrichten 15.40 Schlussmacher. Komödie, D 2013. Mit Matthias
Schweighöfer 17.45 The Da Vinci
Code - Sakrileg. Mysterythriller, USA
2006. Mit Tom Hanks, Audrey Tautou,
Ian McKellen. Regie: Ron Howard
6.45 Das gibt Ärger. Komödie, USA
2012 8.25 „Fast & Furious 7“. Das
große TV-Special zum Film 8.35 Galaxy
Quest - Planlos durchs Weltall. Science-Fiction-Parodie, USA 1999. Mit
Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan Rickman 10.30 Fantastic Four. Comicverfilmung, USA/D 2005. Mit Ioan Gruffudd, Jessica Alba, Chris Evans. Regie:
Tim Story 12.15 Fantastic Four - Rise
of the Silver Surfer 13.50 (T)Raumschiff Surprise - Periode 1. Science-Fiction-Komödie, D 2004. Mit Michael „Bully“ Herbig, Rick Kavanian,
Christian Tramitz 15.30 Star Trek
17.40 Newstime 17.50 Star Trek: Into
Darkness. Science-Fiction-Film, USA
2013. Mit Chris Pine, Zachary Quinto,
Benedict Cumberbatch
20.15 Illuminati
Thriller, USA 2009
Mit Tom Hanks, Ewan
McGregor, Stellan Skarsgård,
Armin Mueller-Stahl, Carmen
Argenziano, Pierfrancesco
Favino, Nikolaj Lie Kaas
Regie: Ron Howard
22.55 Stirb langsam Ein guter Tag zum Sterben
Actionthriller, USA 2013
Mit Bruce Willis, Jai Courtney,
Sebastian Koch
Regie: John H. Moore
0.45 Alarmstufe: Rot II
Actionthriller, USA 1995
Mit Steven Seagal, Eric
Bogosian, Everett McGill
Regie: Geoff Murphy
2.25 Illuminati
Thriller, USA 2009
Mit Tom Hanks, Ewan
McGregor, Stellan Skarsgård
Regie: Ron Howard
4.45 Schicksale - und plötzlich ist
alles anders
20.15 G.I. Joe: Die Abrechnung
Actionfilm, USA 2013
Mit Dwayne Johnson, Bruce
Willis, Channing Tatum
Regie: Jon M. Chu
22.15 World Invasion: Battle Los
Angeles Actionfilm,
USA 2011 Mit Aaron Eckhart,
Michelle Rodriguez, Bridget
Moynahan Regie: Jonathan
Liebesman
0.30 G.I. Joe: Die Abrechnung
Actionfilm, USA 2013
Mit Dwayne Johnson, Bruce
Willis, Channing Tatum
Regie: Jon M. Chu
2.25 World Invasion: Battle Los
Angeles Actionfilm,
USA 2011 Mit Aaron Eckhart,
Michelle Rodriguez
4.20 Haunted Hill - Die Rückkehr
in das Haus des Schreckens
Horrorfilm, USA 2007
Mit Amanda Righetti, Cerina
Vincent, Erik Palladino
Regie: Victor Garcia
VOX
KABEL 1
D
D
7.40 Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt
für Wirbel. Komödie, USA 1991 9.35
Richie Rich. Komödie, USA 1994
11.25 Garfield. Comicverfilmung, USA
2004 12.55 Weil es dich gibt. Liebesfilm, USA 2001 14.40 Während du
schliefst. Liebeskomödie, USA 1995
16.40 Coyote Ugly. Komödie, USA
2000 18.30 10 Dinge, die ich an dir
hasse. Liebeskomödie, USA 1999
9.55 Asterix bei den Briten. Zeichentrickfilm, F 1986 11.25 Asterix und
Obelix: Mission Kleopatra. Comicverfilmung, D/F 2002 13.25 Police Academy II. Komödie, USA 1985 15.05
Police Academy III. Actionkomödie,
USA 1986 16.35 News 16.45 Police
Academy IV. Actionkomödie, USA
1987 18.25 Police Academy V. Actionkomödie, USA 1988
20.15 All Inclusive Beziehungskomödie, USA 2009
Mit Vince Vaughn, Jason
Bateman, Jon Favreau
Regie: Peter Billingsley
22.20 Wie ausgewechselt
Komödie, USA 2011 Mit Ryan
Reynolds, Jason Bateman
Regie: David Dobkin
0.20 All Inclusive Beziehungskomödie, USA 2009
Mit Vince Vaughn
2.20 Wie ausgewechselt
Komödie, USA 2011 Mit Ryan
Reynolds, Jason Bateman
Regie: David Dobkin
4.05 Medical Detectives - Geheimnisse der Gerichtsmedizin
Explosive Botschaft /
Spuren ins Ungewisse
20.15 Police Academy VI Widerstand ist zwecklos
Komödie, USA 1989
Mit Bubba Smith, David Graf
Regie: Peter Bonerz
22.00 Shaft - Noch Fragen?
Actionthriller, D/USA 2000
Mit Samuel L. Jackson, Vanessa Williams, Christian
Bale Regie: John Singleton
23.55 Shaft Actionthriller,
USA 1971 Mit Richard Roundtree, Moses Gunn, Charles
Cioffi Regie: Gordon Parks
1.55 Shaft - Noch Fragen?
Actionthriller, D/USA 2000
Mit Samuel L. Jackson
3.40 Liebesgrüße aus Pistolen
Actionthriller, USA 1972
Mit Richard Roundtree
32
E
WELTSPIEGEL
DER TAGESSPIEGEL
NACHRICHTEN
F
Mit Gott auf der Überholspur
Neue Hinweise auf
NSDAP-Mitgliedschaft Grzimeks
Berlin - Mehrere Dokumente belegen
nach einem Bericht der „Bild“ eine
Mitgliedschaft des früheren Tierfilmers Bernhard Grzimek in der
NSDAP sowie der SA. Das Blatt veröffentlichte einen parteistatistischen Erhebungsbogen aus dem Jahr 1939, in
dem die Parteimitgliedschaft Grzimeks
bescheinigt wird. Gezeigt wird auch
eine handschriftliche Notiz Grzimeks
von 1938, in der dieser eine SA-Mitgliedschaft von 1933 bis 1935 angibt.
Über eine NSDAP-Mitgliedschaft Grzimeks war wiederholt berichtet worden. Der 1987 verstorbene Veterinär,
der durch sein Werk „Serengeti darf
nicht sterben“ berühmt wurde, hatte
eine Parteimitgliedschaft stets abgestritten. Auch bei Befragungen durch
die US-Militärverwaltung nach dem
Krieg hatte Grzimek angegeben, die
Zugehörigkeit zur NSDAP sei ihm untergeschoben worden. „Bild“ zufolge
gibt es jedoch auch Dokumente über
eine Teilnahme an parteiinternen Schulungen sowie Veröffentlichungen in Parteiorganen.
AFP
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Auf 20 ha produziert Giuseppe
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landes-typischen Nero D’Avola.
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kräftig, dabei sehr elegant. Mit
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Kirschen und dunklen Beeren.
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LEUTE
Gloria von Thurn und Taxis war im Jet-Set zu Hause, wurde früh Mutter und später eine Top-Managerin. Bei allem half ihr der Glaube
Von Claudia Keller
Berlin - Früher reiste Gloria von Thurn
und Taxis dorthin, wo ausgefallen gefeiert wurde. Heute richtet sie sich danach,
wo es besondere katholische Gottesdienste gibt. Ihr Faible fürs Exzentrische
ist geblieben. Ostern verbringt die Fürstin in London. Hier geht sie täglich zur
Messe in die Oratorianerkirche im Stadtteil Brompton in Kensington, eine neubarocke Basilika aus dem 19. Jahrhundert.
Auch zu Hause in Regensburg stehen
prächtige Kirchen. Aber in London gibt
es jeden Tag lateinische Messen. „Die
großartige lateinische Liturgie ist für
mich immer sehr erhebend“, sagt sie dem
Tagesspiegel. Im Brompton Oratory sei
sie „besonders ergreifend“. Gloria von
Thurn und Taxis, heute 55, lebt seit 30
Jahren ein Leben auf der Überholspur, immer schneller und höher als andere. Mittelmaß reichte nie.
Zunächst deutete wenig auf die Überholspur hin. Gloria ist adelig als Gräfin
Schönburg-Glauchau geboren, aber die
Familie war nicht reich. Der Vater verdiente Geld fürs Studium als Leichenwäscher. Gloria pflückt Äpfel beim Bauern
und arbeitet in einer Töpferei, um sich
ein Moped zu kaufen. Die Schule bricht
sie ab. Es gibt Spannenderes. Mit 18 ist
sie in München und macht das Leben zur
Party. Sie jobbt in einer Galerie und verbringt die Nächte in New-Wave-Discos.
Eines Abends taucht der 34 Jahre ältere Johannes von Thurn und Taxis auf:
ein braun gebrannter Lebemann und Milliardär, eine Münchner Legende wie aus
„Kir Royal“. Sie ist beeindruckt, Männer
hatten sich bislang eher für ihre ältere,
weiblicher wirkende Schwester Maya interessiert. Der Fürst nimmt sie mit auf
seine Ranch in Mexiko. Als sie ihm eröffnet, dass sie nicht verhütet, antwortet er:
„Das macht nichts, wir heiraten doch.“ Er
braucht einen Erben. Die unbedarfte Gloria mit den sanften Rehaugen und ihrem
Stammbaum kommt gerade recht. Bei
der Hochzeit ist sie 20 und im dritten Monat schwanger.
Die Thurn und Taxis gründeten im
15. Jahrhundert das erste länderübergreifende Postunternehmen. Das war der Beginn ihres Aufstiegs und Reichtums. Aus
den Erträgen kauften sie Ländereien,
Brauereien und später Industrieunternehmen dazu. Gloria lebt nun in Regensburg
auf Schloss St. Emmeram, über dessen
500 Zimmer sie einmal sagte: „Der Buck-
F
Foto: AFP
ingham Palast ist nichts dagegen.“ Mit 24
Jahren hat sie zwei Töchter und einen
Sohn zur Welt gebracht. Sie kümmert
sich gerne um die Kinder. Doch nun will
auch sie es „wieder krachen lassen“, wie
sie später in einem Interviewbuch Peter
Seewald erzählt. Ihren Mann hatte es sowieso wieder in die Jetset-Welt hinausgezogen. Sie speckt zehn Kilo ab, tauscht
Dirndl gegen Pariser Design.
Im Januar trifft man sich in Rio, im Februar in St. Moritz. Im April ist London
angesagt, im Mai lebt es sich in Paris besonders gut, im August auf der Jacht in
Südfrankreich. Gloria öden die immergleichen Gesellschaften und Gespräche
an der Seite des Fürsten mehr und mehr
an. Sie beschließt: „Wenn ich in der oberflächlichen Welt mitspiele, dann will ich
sie wenigstens regieren.“ So erzählt sie es
im Rückblick. Starfriseur Gerhard Meir
türmt ihre Haare zu immer schrilleren
Formationen, Designer denken sich exzentrische Kostümierungen für sie aus.
Sie tanzt im Kettenhemd von Paco Rabanne im New Yorker „Studio 54“ auf der
Lautsprecherbox, sie hängt mit Prince
ab, Michael Jackson
lädt sie zur Privattour nach Neverland
Sie betet,
ein. Vanity Fair
beichtet
nennt sie „Princess
TNT“.
und
Ihr Mann ist fasziengagiert
niert – und irritiert.
Gloria
begleitet
sich sozial
nicht mehr ihn auf
Partys. Jetzt wird er
gefragt, ob er der Mann von Gloria sei?
Zu seinem 60. Geburtstag organisiert sie
auf St. Emmeram einen gigantischen Rokoko-Kostümball für ihn. Von Mick Jagger bis zum saudi-arabischen Waffenhändler Adnan Kashoggi sind alle Prominenten des internationalen Jetsets dabei.
Sie behängen sich mit Juwelen und verkleiden sich als dem Untergang geweihte
Aristokraten des vorrevolutionären
Frankreichs. Gloria trägt das Diamantendiadem von Marie Antoinette und überreicht Johannes eine Torte mit 60 Marzipan-Penissen.
Doch bald ist Schluss mit lustig. Johannes leidet unter Herzproblemen, schläft
nur mit Schlaftabletten, kann das Feiern
aber nicht lassen. Gloria wird zur Krankenschwester. Sie kippt ihm Wasser in
den Whiskey, um sein Herz zu retten,
und hält seine Launen aus. Die Streitereien hinter den Schlossmauern eskalie-
Adelig wurde Gloria von Thurn und Taxis als Gräfin Schönburg-Glauchau geboren, doch
ihre Familie war nicht reich. Ihr Aufstieg begann, als sie ihren späteren Mann Johannes von
Thurn und Taxis traf. Dieser starb 1990.
Foto: Andreas Lander/dpa
Germanwings-Jet muss notlanden
Heute aus Stockholm
Kronprinzessin Victoria (37) ist mit Abstand das beliebteste Mitglied der schwedischen Königsfamilie. Wie aus einer am
Samstag von der Zeitung „Aftonbladet“
veröffentlichten Umfrage hervorgeht,
nannten 52 Prozent der Befragten Victoria als ihren Liebling. Ihr
Vater, Schwedens König
Carl XVI. Gustaf, kam mit
13 Prozent an zweiter
Stelle. Auf Platz drei
folgte Victorias
Ehemann Daniel,
gefolgt von Bruder Carl Philip und
Königin Silvia. 15
Prozent der 1106
Befragten hatten
keinen Favoriten.
Für 61 Prozent
war Victoria
auch die beste
Repräsentantin
Schwedens im
Ausland.
dpa
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Philippinen bereiten sich
auf schweren Sturm vor
Nach Warnung über Ölverlust / Angehörige gedenken Opfern am Absturzort
Berlin - Die Fluggesellschaft Germanwings kommt nicht aus den Schlagzeilen.
Nach der Katastrophe in Frankreich
musste nun am Samstagmorgen ein Airbus 319 der Fluggesellschaft außerplanmäßig in Stuttgart landen. Eine Warnung
über Ölverlust zwang die Piloten zu dieser
Maßnahme. Verletzt wurde niemand, wie
der Geschäftsführer des Airports, Georg
Fundel, amSamstag mitteilte.Die 123Passagiere und fünf Crew-Mitglieder des
Flugs 4U814 hätten das Flugzeug auf normalem Wege verlassen, teilte Germanwings mit. Die Maschine war von Köln/
Bonn in Richtung Venedig unterwegs.
Nach der Warnung im Cockpit wurde
laut Germanwings aus Sicherheitsgründen ein Triebwerk abgeschaltet und
eine „Ausweichlandung“ vorgenommen.
„Es handelt sich hierbei um eine Standard-Sicherheitsprozedur. Die Landung
war keine Notlandung“, hieß es in einer
Mitteilung.
„Es war eine Notlandung“, sagte dagegen Fundel. Der Pilot habe einen Notalarm abgesetzt. Dieser löse sofort einen
Großalarm am Flughafen aus, was
höchste Sicherheitsstufe bedeute. „In solchenFällen müssensich alle anderen Flugzeuge hinten anstellen, weil die betroffene Maschine Vorfahrt hat“, sagte Fundel. Der Airbus wird nun von Technikern
untersucht. Die Passagiere konnten mit einem Ersatzflugzeug nach Venedig weiterbefördert werden. Im Luftverkehr wird
zwischen Sicherheits- und Notlandungen
unterschieden. Bei einer Notlandung ist
das Leben der Insassen in Gefahr, bei einer Sicherheitslandung entscheidet der
Pilot, frühzeitig zu landen, um einen möglichen Defekt zu prüfen oder einen Schaden am Flugzeug zu vermeiden.
Nach dem Germanwings-Absturz vom
24. März haben sich Angehörige der Opfer am Samstag zu einer Gedenkfeier am
Absturzort versammelt. 48 Familienmitglieder und Freunde der 150 Insassen, die
bei dem Absturz in den französischen Alpen ums Leben kamen, reisten zum Dorf
Le Vernet, um an einem Denkmal nahe der
Absturzstelle der Toten zu gedenken. Sie
wurden von Vertretern der Lufthansa-Tochter in einem Hotel empfangen,
wie die Präfektur Alpes-de-Haute-Provence mitteilte. Die Suche nach den Opfern ist unterdessen eingestellt worden.
Die Ermittler haben an der Absturzstelle
150 DNA-Sätze gesichert, mit deren Hilfe
die Identifizierung aller Opfer in den kommenden Wochen gelingen soll. Die Suche
nach ihren Habseligkeiten gehe jedoch
weiter,sagte einSprecherderörtlichenBehörden.
AFP/Reuters/dpa
ren so sehr, dass ihr der Arzt Valium zur
Beruhigung empfiehlt. Gloria betet lieber. Gott sei eine Konstante in ihrem Leben, sagt sie heute. Auch nach wilden Partys sei sie in die Kirche gegangen – „vielleicht nicht in die Frühmesse“.
1990 stirbt ihr Mann. In den Monaten
vor seinem Tod hat er sie in die Geschäfte
des Adelshauses eingeweiht. Es droht die
Insolvenz. Sie ist gerade mal 30 und
kennt sich aus mit Cocktails und Modetrends. Doch so exzessiv sie gefeiert hat,
so intensiv hängt sie sich nun ins Business. Sie lernt Betriebswirtschaft und
kämpft gegen die Manager ihres Mannes,
gegen die Familie,
gegen die Trauer.
Jahrelang nimmt sie Ostern ist
Aktenordner mit ins
Bett. Mithilfe von gu- für die
ten Beratern und ei- 55-Jährige
nem harten Sparkurs gelingt es ihr, eine
das Unternehmen „Kraftquelle“
zu sanieren. Sie
trennt sich von Personal, Schmuck, Möbeln, Kunst und 20
ihrer 27 Autos. Große Flächen des Schlosses vermietet sie als Büroräume und vermarktet die bayerische Noblesse als Label auf Regenschirmen und Schlüsselanhängern. 2002 kürt sie das Wirtschaftsmagazin „Business Week“ zur zehntbesten Finanzmanagerin.
Die Freunde wollen oft Videos von früher anschauen, klagt sie Peter Seewald.
Sie gehe dann aus dem Zimmer, so peinlich seien ihr die schrillen Auftritte von
damals. Sie trifft sich lieber mit Papst Benedikt, Kardinal Joachim Meisner und anderen stramm katholischen Hochwürden, die wie sie über den vermeintlichen
Sittenverfall durch die 68er lamentieren
und Sex vor der Ehe, Abtreibung, Homosexualität für Teufelswerk halten. Immer
mal wieder überrascht sie mit Ansichten,
die garantiert jenseits des Üblichen liegen, wie 2001 mit der, dass die Ausbreitung von Aids in Afrika daran liege, dass
der Schwarze „gerne schnackselt“.
Sie betet und beichtet regelmäßig, organisiert Suppenküchen und begleitet
Kranke nach Lourdes. Die Wintermonate
verbringt sie in ihrem Haus in Kenia. Sie
hat Wohnungen in Rom und New York.
Manchmal könne sie es selbst nicht fassen, „dass es immer weitergeht mit dem
Glücklichsein“. Ostern sei für sie eine besondere „Kraftquelle, die mich spüren
lässt, wie schön die Erlösung ist“.
Manila - Der Sturm „Maysak“ nimmt
weiter Kurs auf die Philippinen, wird
aber zusehends schwächer. Die Wetterbehörden stuften „Maysak“ daher von der
Kategorie „Taifun“ auf einen „Tropensturm“ ab. Die Spitzenwindgeschwindigkeiten seien von bislang 160 Kilometer in
der Stunde auf 145 Stundenkilometer gesunken, teilten die Meteorologen am
Samstag mit. Eine Sturmwarnung für 24
Provinzen bleibt aber weiterhin in Kraft.
„Maysak“ wird voraussichtlich am
Sonntagmorgen (Ortszeit) im Nordosten
der Philippinen auf Land treffen. „Wir erwarten dass er sich weiter abschwächt,
wenn er näherkommt“, sagte derMeteorologe Jun Galang. Die Wetterbehörde
warnte vor Erdrutschen, heftigem Regen,
Überschwemmungen und hohem Wellengang. Für Sturmfluten werde „Maysak“
vermutlich nicht mehr stark genug sein.
Die Provinzen Aurora und Isabela waren am stärksten gefährdet. Dort leben in
Küstenorten zusammen knapp 200 000
Menschen. Es befinden sich auch zahlreiche Ferienanlagen in den Gebieten.
Ostern ist Hauptreisezeit auf den Philippinen. Die Behörden brachten bis zu
24 000 Menschen in Sicherheit. „Die Anwohner von Küstendörfern sollen ihre
Häuser verlassen“, sagte ein ranghoher
Zivilschutzmitarbeiter. Der Taifun hat
auf seinem Weg durch den Westpazifik
auf den Inseln Mikronesiens schon fünf
Menschen in den Tod gerissen und
schwere Verwüstungen angerichtet.
Mitte März hatte mit „Pam“ einer der
gewaltigsten je gemessenen Zyklone im
Inselstaat Vanuatu im Südpazifik verheerende Verwüstungen angerichtet. Dutzende Menschen starben, tausende wurden obdachlos.
dpa/AFP
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SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
„Ich bin schwul –
und das ist auch gut so“
Der Titelkopf von Causa wird jede Woche von einem anderen Designer
gestaltet. Den Anfang macht KIRSTEN DIETZ. Sie ist Mitbegründerin
der Agentur Strichpunkt in Stuttgart und Gründerin von Type Hype in Berlin,
wo es zu jedem Buchstaben eine Berlin-typische Gestaltung zu finden gibt.
Sie ist eine der meist ausgezeichneten Designerinnen Deutschlands.
Ein Zitat und seine Geschichte – Seite 36
Oster-Botschaften
EDITORIAL
Kommunikation – im Grunde kann man
dieses Wort ja nicht mehr hören. Zu abgenutzt in Millionen Meetings, zu überfrachtet mit Bedeutungen, die alles und
nichts versprechen. Und doch: Gibt es etwas Spannenderes, als zu erfahren, wie
Menschen miteinander reden, Fragen
stellen, Ideen entwickeln, gemeinsam
nach Lösungen suchen? Darum geht es in
unserem neuen Zeitungsteil „Causa“:
Wie kommen neue Ideen in die Welt, wie
finden sie ihren Weg in die Köpfe und
Herzen der Menschen – und was stellen
sie dort mit ihnen an?
Diese Fragen werden in „Causa“ nicht
theoretisch, sondern ganz praktisch beantwortet. Wir stellen Ihnen interessante
Persönlichkeiten vor, oft die Besten ihres
Fachs, die Meinungselite. Sie erklären,
welche Themen, welche Trends ihr Metier gerade umtreiben. In jeder Ausgabe
beleuchten wir in einer aufwendigen
Grafik eine „Themenkarriere“; diesmal
geht es um die Frage, welche Ereignisse
die Menschen zu den berühmten Ostermärschen animiert haben – und, vielleicht noch interessanter: welche nicht.
Interviews, repräsentative Umfragen,
gut recherchierte Hintergrundgeschichten und amüsante Kolumnen zu den Themen Trends und Kommunikation: Mit
„Causa“ möchten wir Sie auf neue Ideen
bringen. Von heute an jeden Sonntag im
Tagesspiegel.
Arno Makowsky und
Christoph von Marschall
Abrüstungsgespräche in Genf scheitern. Der Nato-Doppelbeschluss
sieht vor, mehr Raketen aufzustellen, falls die UdSSR ihre Mittelstreckenraketen nicht abzieht.
In diesen Tagen marschieren
sie wieder. Die Causa-Grafik
über 60 Jahre Friedensdemos
zeigt, welche Themen die
Massen in Deutschland
mobilisieren. Und welche nicht
Teilnehmer : 700.000
Nach 9/11 und dem Beginn des Afghanistankriegs greifen
die USA auch den Irak an. Nun gehen wieder Hunderttausende
auf die Straße.
Teilnehmer: 500.000
Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg
drängen die USA die Regierung Adenauer
zur Wiederbewaffnung. Die Bundesrepublik tritt der Nato bei, die DDR dem
Warschauer Pakt.
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Teilnehmer: 10.000
„OHNE
MICH!“
Dunja Hayali
Moderatorin, ZDF-Morgenmagazin
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1962
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ung.
Was haben Sie kürzlich gekauft –
und warum?
Eine Skulptur von Ilona Ottenbreit.
Sie zeigt (für mich jedenfalls),
wie mehrere Menschen aus einem
entstehen, mit sich ringen, sich dann in
verschiedene Richtungen entwickeln,
ohne allerdings voneinander
loszukommen beziehungsweise
den Ursprung ihres Seins zu verlassen
oder zu vergessen.
Welche Frage treibt Sie gerade um?
Wem ich vertrauen kann. Bezogen auf
Medien – und Menschen.
Teilnehmer: 15.000
Afghanistan, Irak, Syr
ien,
Ukraine – die Konflikt
e mehren
und mehren sich. Die
Ostermärsche bleiben klein.
Teilnehmer : 1200
„KEINE AUSLANDSEINSÄTZE“
0
Teilnehmer : 10.00
Teilnehmer: 10
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„KEINE PROFITE
DURCH WAFFENEXPORTE“
„KAMPF DEM
ATOMTOD!“
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„ATOMKRAFTWERKE
ABSCHALTEN!“
uer ist der Zenit
Mit dem Fall der Ma
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Bosnien und dem
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Völkermord in
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Bundesrepublik.
Vorbild ist
Großbritannien
. Dort haben
1958 Tausende
gegen Atomwaffen protestie
rt.
er Protest begann zaghaft, jedenfalls
wenn man ihn an der verbreiteten Hoffnung der Deutschen 1945 misst, „Nie
wieder Krieg!“ führen zu müssen. Auf
die bedingungslose Kapitulation folgte jedoch
bald die Ost-West-Konfrontation. Der Druck zur
Wiederbewaffnung stieg in West wie Ost. In der
DDR gab es seit 1952 die kasernierte Volkspolizei,
in der Bundesrepublik trieb Kanzler Konrad Adenauer die Westbindung voran. Gegen die Wiederbewaffnung protestierte im Westen die „Ohnemich“-Bewegung, getragen von der Evangelischen
Kirche, Teilen der SPD und der Gewerkschaften.
Sie blieb aber klein. Die Angst vor dem Kommunismus wog damals für die Mehrheit schwerer.
Was bringt Menschen zur Friedensdemo auf die
Straße, welche Themen reizen zum Massenprotest, welche nicht? Die Causa-Grafik zeigt: Besonders provozierend finden die Westdeutschen alles,
was mit dem Engagement der USA zu tun hat – vom
Vietnamkrieg über die Nachrüstung bis zum GolfKrieg 2003. Alles andere, und sei es mit noch so viel
Die Nato führt einen Luftkrieg gegen
Serbien, um das Massenmorden
im Kosovo zu stoppen. Die Friedensbewegung bekommt Zulauf.
„STOPPT
DEN NATOKRIEG“
4.000
„OSTE
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Infografik: Carmen Klaucke
Infografik Ostermärsche: Carmen Klaucke, CAUSA-Kopf: Kirsten Dietz, Atelier Strichpunkt (beide für den Tagesspiegel)
Fotos: promo, Tom Ziora
Wo haben Sie Ihre Meinung geändert?
Teilnehmer: 250.000
00
mer : 1
Dass man deutschen Fußball-Clubs,
wenn sie international spielen,
die Daumen zu drücken hat (ja, auch
dem FC Bayern München). Das habe
ich als Mönchengladbach-Fan
beim letzten Spiel nicht gemacht.
Im Atomkraftwerk Fukushima
kommt es zum GAU.
Die Massenproteste wenden
sich gegen Atomkraft. In Syrien beginnt gerade
der Bürgerkrieg.
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„MAK
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Ein Gespräch mit einem buddhistischen Mönch über „Detachment“
(mehr Distanz). So zu leben, dieser
_Einstellung zu folgen, finde ich in
Bezug auf meine Familie, Freunde und
meinen Hund extrem schwierig. Er
sagte mir, dass ich natürlich auch
„attached“ sein dürfe, aber bei enger
Bindung würde ich, wenn einer geht
oder stirbt, eben auch extrem leiden.
Er erklärte es mir an diesem Beispiel:
Wenn man, um ein Bild aufzuhängen,
den Nagel ganz fest in die Wand haut
und es dann später entfernt, sind die
Wand und der Nagel kaputt. Besser
wäre es, den Nagel nur leicht in die
Wand zu hämmern. Wenn man ihn
dann lösen will, sind beide noch
intakt. Ich denke immer noch
darüber nach… Das war übrigens nur
die Kurzform des Gesprächs.
„STOPPT
DIE BUSHKRIEGER“
„PETTING STATT
PERSHING“
Von Marie Rövekamp
und Christoph von Marschall
Meine INSPIRATION
Was hat Sie zuletzt inspiriert?
SEITE 33
1981– 84
Leid verbunden, stößt auf mageres Interesse: der
Einmarsch der Russen in Afghanistan 1979 zum
Beispiel oder der Völkermord in Ruanda 1994.
Die Tradition der Ostermärsche begann 1960.
Vorbild war Großbritannien, dort hatten 1958
viele Menschen gegen Atomwaffen protestiert. Der
Mauerbau 1961 und die Kubakrise 1962 machten
die Angst vor dem Atomkrieg konkret. Die Friedensbewegung hatte ihr Thema. Zugleich wirkten
die Ereignisse auf viele Bürger wie Belege, warum
der Westen sich verteidigen müsse.
Richtig Zulauf erfuhr die Bewegung 1968: Die
„Kampagne für Demokratie und Abrüstung“ fand
mit den Studentenprotesten zusammen, die Teilnehmerzahlen vervielfachten sich – mobilisiert
durch den Vietnamkrieg, die Notstandsgesetzgebung und den Anschlag auf Studentenführer Rudi
Dutschke. Danach ermatteten die Proteste für ein
Jahrzehnt. Mit der ersten sozialliberalen Koalition, der neuen Ostpolitik und dem KSZE-Prozess
fanden alternative Strategien Eingang in die Politik
und nahmen dem Protest die Spitze.
1994 1999
2003
Mit dem Nato-Doppelbeschluss – die Nato rüstet
nach,wenn die Sowjetunion ihre Waffen nichtreduziert – wurde die Friedensbewegung zum Massenprotest. Zwischen 1981 und 1984 gab es mehrere
Großkundgebungen mit einigen Hunderttausend
Menschen, zum Beispiel 500 000 im Juni 1982 im
Bonner Hofgarten. 1983 zogen alle Ostermärsche
zusammen 700 000 Menschen an. Im Oktober
1983 bildeten 300 000 Rüstungsgegner eine Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm.
Schon zu Zeiten des Ost-West-Konflikts wurde
der Friedensbewegung vorgehalten, sie sei ideologisch einseitig, protestiere bevorzugt gegen Konflikte mit US-Beteiligung in Indochina oder Lateinamerika, nicht aber gegen Militärinterventionen
des Ostblocks wie die Niederschlagung der Aufstände in der DDR 1953, Ungarn 1956, der Tschechoslowakei 1968 und die Unterdrückung der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc 1981.
Diese Kritik setzte sich nach dem Mauerfall fort.
Den zweiten Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits
1991, das Saddam Hussein ein Jahr zuvor besetzt
2011 2014
hatte, führte eine breite, US-geführte Koalition mit
UN-Mandat. Dagegen ging die Bewegung auf die
Straße, nicht aber gegen die serbischen Kriege in
Kroatien, Bosnien und Kosovo. Die Nato-Intervention im Kosovo löste dann wieder Proteste aus,
ebensoder Krieg der USA gegenIrak zumSturzSaddams 2003. „Die Parolen richteten sich immer gegen die USA und die Nato als Kriegstreiber“, sagt
Wolfgang Seibel, Verwaltungsprofessor an der Universität Konstanz. „Das hatte oft wenig mit der politischen Wirklichkeit zu tun.“ Die Bewegung sei im
Kalten Krieg stecken geblieben. „Sie müsste pragmatischer und realpolitischer werden.“
Den Vorwurf weist der Politikwissenschaftler
Andreas Buro zurück. Er war von Beginn an bei
den Märschen dabei. „Die Abschreckungspolitik
von Ost und West ist doch nicht seit 1990 passé“,
siehe die Ukraine. Warum demonstrieren heute
trotz der vielen Konflikte weniger Menschen für
den Frieden? „Wir schaffen es nicht, die Leute dauerhaft zu motivieren“, sagt Buro. Aktiv würden sie
nur „bei persönlich aufwühlenden Ereignissen“.
34
CAUSA
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Die Trends der Woche
Die neuesten Entwicklungen, die aufregendsten Themen – die würde jeder gerne kennen,
darüber spekulieren alle. Wir wollen es genauer wissen. Und fragen die besten Leute ihres Fachs.
MOBIL
WELTMÄCHTE
„Das Auto von
morgen parkt
ohne Fahrer“
„Indien
wächst schneller
als China“
Der Fahrer stellt abends sein Auto vor der heimischen Garage
ab, nutzt mit seinem Handy eine App und geht ins Haus. Währenddessen fährt der Wagen ganz selbstständig in die Garage.
Und weil sich dort ein intelligentes, induktives und deshalb kabelloses Ladegerät aktiviert, füllt das E-Auto seinen Stromspeicher quasi über Nacht. Nein, das ist bald keine Vision mehr.
Ähnliches wird in Parkhäusern, zum Beispiel an Flughäfen, möglich sein: Das Auto sucht sich – fahrerlos und selbstständig –
seinen Platz, „Valet Parking“ auf moderne Art, teure Parkrempler wie bisher werden Vergangenheit sein. Und weil die Autos der
Zukunft dann auch noch miteinander und mit der Umwelt kommunizieren, werden Staus schon im Ansatz vermieden werden,
Suchverkehr ist passé. Das spart Kraftstoff und damit CO2. Und
noch wichtiger: Die Unfallzahlen werden durch Connectivity massiv zurückgehen, weil die Autos frühzeitig vor Gefahrenstellen
gewarnt werden und so Kollisionen vermeiden können. Mit dem
Ergebnis: Die Freude nimmt zu, der Ärger nimmt ab.
Matthias Wissmann
ist der Präsident
des Verbandes der
Automobilindustrie.
Indien will in den nächsten Jahren die schnellstwachsende Demokratie werden und
ein höheres Wirtschaftswachstum erzielen als China. Mitte des Jahrhunderts wird
Indien China auch als Land mit der größten Bevölkerung überholen. Es bleibt eine
zentrale Herausforderung für jede indische Regierung, dieses Potenzial durch umfangreiche Investitionen in den Bildungsbereich und den Arbeitsmarkt für die Entwicklung des Landes zu nutzen, damit aus der demografischen Dividende kein Fluch
wird.
Die Globalisierung stellt Indien und China vor ähnliche Probleme. Doch die indische
Demokratie bringt bessere Voraussetzungen mit, um darauf zu reagieren. Wirtschaftlich muss sich das Land zwar stärker globalisieren als China, was zahllose politische, soziale, ökonomische, ethnische und religiöse Konflikte in der heterogenen
Gesellschaft hervorrufen wird. Die indische Demokratie verfügt jedoch trotz aller
Probleme über eine breite Legitimität, und der Föderalismus hat durch seine vielfältigen Instrumente eine hohe Lösungskompetenz im Umgang mit den Forderungen der
GESUNDHEIT
„Fitness
wird zum
Anlagetrend“
Die Fitnessindustrie wächst europaweit. 50 Millionen Europäer
trainieren in Studios, der Umsatz beträgt 27 Milliarden Euro
jährlich – und wird 2015 weiter steigen. Besonders in Nord- und
Osteuropa wird Fitness immer wichtiger: Die Anzahl an Fitnessklub-Mitgliedschaften steigt ebenso wie die Zahl der Fusionen
und Investitionen auf Anbieterseite. Nach einigen Jahren Stagnation erkennen Finanzinvestoren wieder den Wert der Fitnessindustrie. Zwei Sektoren werden 2015 besonders interessant:
Die Zahl der Low-Budget-Anbieter steigt überall. Dazu zählen
Studio-Ketten, bei denen eine Mitgliedschaft nur wenige Euro im
Monat kostet. Gleichzeitig gibt es auch einen Trend zu sehr exklusiven Fitnessklubs. Qualitätsketten wie „Fitness First“ haben
zudem angekündigt, 2015 mehr Geld in Equipment zu investieren. Das müssen sie auch. Viele Klubs wissen noch nicht genug
über Technologien wie Fitbit oder Jawbone. Und wer nicht aufrüstet, wird für Kunden und Investoren uninteressant.
— Am 9. April beginnt in Köln die FIBO, die Internationale Leitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit.
verschiedenen Minderheiten entwickelt. Der Hindu-Nationalismus der BJP ist in der
heterogenen indischen Demokratie nicht mehrheitsfähig und taugt kaum als Instrument einer offensiven Außenpolitik. Indien erhebt keine territorialen Ansprüche gegenüber den Nachbarn und die Gefahr von außenpolitischen Konflikten um Handelswege, Inseln und Wasserstraßen ist dank der geografischen Lage geringer.
Indien strebt keine grundlegende Neuordnung des internationalen Systems an. Es
strebt Reformen an, die dem Land eine größere Mitsprache in globalen Fragen
geben. Trotz seiner Heterogenität ist Indien deshalb außenpolitisch ein berechenbarerer Partner als China. Wenn Indien keine gravierenden Fehler begeht, wird es bis
2050 zu einer herausragenden Großmacht in der internationalen Politik neben den Christian Wagner ist
USA und China aufsteigen.
Experte der Stiftung
FASHION
Trends von gestern
„Die Frühlingsmode
ist gender-neutral“
Sport, Sport, Sport! Ob Baseballjacken, Sweatshirts oder Trainingshosen,
bei vielen Labels sind in den Kollektionen verstärkt sportive Design-Einflüsse zu erkennen. Viele Meinungsführer und Modeleute tragen die vom
Sport inspirierten Looks im Stilbruch mit klassischem Hemd – und natürlich
sind auch Turnschuhe noch immer ein absoluter Trend. Sie sind schon lange
keine einfachen Turnschuhe mehr. Sie sind ein Fashion-Statement und die
Preisspanne ist enorm – vom klassischen Sportmarkenprodukt bis hin zum
High-End-Designer-Schuh.
Insgesamt gesehen entwickelt sich die Mode aktuell in die monochrome,
mehr klassische Richtung. Der Trend-Look ist minimalistisch, gerne
schwarz-weiß und puristisch. Ich würde sagen ,preppy mit einem Schuss
minimal’. Angesagte Silhouetten in der Frauenmode sind enge Hosen oder
Röcke, kombiniert mit voluminösen Tops. Drucke und Muster sind wieder so
angesagt wie noch nie. Ich denke, das steht vor allem mit dem Mode-Revival
der siebziger Jahre in Zusammenhang.
Auch moderne Technologien sind für die Mode gerade sehr wichtig. Man
denke doch nur mal an den Neopren-Trend und an all die unterschiedlichen
Laserdrucke. Das sehen wir auch im Möbelbereich. Bei Sofas zum Beispiel.
Die haben immer mehr Technologie-Ergänzungen wie Ladestationen und
W-Lan-Anbindung für Tablets. Solche Entwicklungen wird es auch in der
Mode geben. Ja, und gesellschaftlich ist gerade ,gender-neutral’, also ,genderless clothing’ ein großes Thema. Beispielsweise hat die Kaufhauskette
Selfridges in London eine komplette Unisex-Abteilung eröffnet. Sprich: Männer und Frauen tragen die gleichen Kleidungsstücke.
Museumsreif.
Ein TransrapidModell am
Münchner
Flughafen wird
abmontiert.
Der Transrapid
Michael Michalsky
hat sein eigenes
Label in Berlin und
berät Marken wie
MCM.
— Mehr Inspirationen? Vom 6. bis 10. Juli präsentieren Designer ihre Kollektionen auf der nächsten Berlin Fashion Week.
Herman Rutgers
ist Vorstandsmitglied
von Europe Active und
FIBO-Ambassador.
Wissenschaft und
— Indiens Premierminister Narendra Modi eröffnet am 12. April die Hannover Politik.
Messe. Indien ist Gastland. Es ist Modis erster Besuch in Deutschland.
Haben unsere Experten recht?
Diskutieren Sie mit unter www.tagesspiegel.de/causa
Fotos: Tobias Hase/dpa, Inga Kjer/dpa, promo (3)
— Vom 19. April bis zum 29. April findet in Schanghai die Internationale Automesse statt.
Wer erinnert sich nicht an die legendäre Stoiber-Rede aus dem Jahr 2002? „Wenn
Sie vom Flug ... vom ... vom Hauptbahnhof starten – Sie steigen in den Hauptbahnhof ein, Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in ...“ Mit
seiner Begeisterung für die geplante Trasse vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen war der damalige bayerische Ministerpräsident keineswegs allein. Ein Zug mit
einer faszinierenden Technologie – er schwebt mit einer Geschwindigkeit von bis zu
550 Stundenkilometern auf einem magnetischen Wanderfeld – Ausweis deutscher
Ingenieurskunst – musste das nicht ein Verkaufsschlager in aller Welt werden? 1,2
Milliarden Euro kostete allein die Entwicklung des Projekts, finanziert aus öffentlichen Mitteln. Die geplante Strecke zwischen Berlin und Hamburg galt als Symbol für
die deutsche Einheit; sogar ein „Parlamentarischer Gesprächskreis Transrapid“ unter Vorsitz von Hans Eichel wurde gegründet. Alles umsonst. Weder in Bayern, noch
zwischen Hamburg und Berlin fuhr jemals ein Transrapid. Auf der ehemaligen Versuchsstrecke im Emsland bröckelt heute der Beton, der Fahrbetrieb ist längst eingestellt. Vor allem die irrwitzig hohen Baukosten – man rechnete mit bis zu zehn
Milliarden Euro allein für das Hamburg–Berlin-Projekt – standen in keinem Verhältnis
zum Ertrag. Auch die Begeisterung für die Geschwindigkeit war irgendwann weg. So
ist heute weltweit nur ein einziger Transrapid im Einsatz: in Schanghai, zwischen der
Innenstadt und dem Flughafen. Meistens fahren nur ein paar Touristen mit.
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CAUSA
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
C MEDIEN-HYPE D
Noch nie hat ein Ereignis
so viel Aufmerksamkeit
erhalten. Über den
Germanwings-Absturz
berichteten die Medien mehr
als über die Fußball-WM
und den GAU in Fukushima.
Und schufen einen Krimi:
Erst gab es keinen Täter,
dann ein Monster, schließlich
den Mann von nebenan
Einschaltquoten
Die dramatische Wende beim Absturz der Germanwings-Maschine beherrschte das TV-Programm.
An dem Tag schalteten die Zuschauer vor allem
Nachrichtensendungen ein, Unterhaltungsformate
rückten in den Hintergrund.
Zuschauer in Millionen am 26.3.2015
ARD 20:18 ARD-Brennpunkt
5,91
ARD 20:00 Tagesschau
5,69
ZDF 19:00 heute
5,01
ZDF 19:23 ZDF Spezial
4,84
ZDF 21:59 heute-journal
4,72
ZDF 19:39 Notruf Hafenkante
4,02
ZDF 18:05 SOKO Stuttgart
3,97
RTL
Von Wolfgang Prosinger
18:45 RTL Aktuell
3,91
ZDF 20:29 Der Quiz-Champion
3,61
ARD 20:40 Echo 2015
3,39
Das Unglück bekam in den Nachrichten größeren
Raum als die Katastrophe von Fukushima oder
der WM-Sieg.
D
ie etwas wissen, schweigen. Sie können nicht mehr reden. Sie sind tot.
Der Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ist
ohne Zeugen. Nur die Informationen
auf der Sprachbox des Flugzeugs geben Kunde. Sie
sind spärlich. So spärlich, dass kein Wissen daraus
entstehen kann. Sondern nur Vermutungen.
Deshalb ist die Katastrophe von Flug 4U 9525
eine vermittelte Katastrophe, ein Ereignis, das
seine Bedeutung, seinen Schrecken, ja seine Wirklichkeit aus der medialen Darstellung gewinnt.
Ein Kommunikationsereignis: Was wird darüber
gesagt? Von wem? Was ist Wahrheit, was Fantasie?
DieMedien haben nicht gezögert,die ihnen zugewiesene Rolle anzunehmen. Sie haben eine mediale Wirklichkeit geschaffen wie noch nie. Nach
Erhebungen des Schweizer Instituts Mediatenor
hat das Thema bei ARD und ZDF in der Spitze 59
Prozent aller Nachrichtenplätze besetzt. So etwas
gab es noch nie. Selbst Großereignisse wie der Sieg
der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 2014
oder der GAU von Fukushima brachten es nur auf
jeweils 41 Prozent. Der Fall Germanwings war
mehr als eine Nachricht, er war ein Medienhype.
Es begann mit den Experten, gleich nach dem Bekanntwerden des Vorfalls vor zehn Tagen, und es
hielt jenen ganzen Dienstag an bis zum späten
Abend. Auf fast allen Fernsehkanälen wollten vom
Entsetzen überforderte Moderatoren von ebenso
überforderten Kundigen der Luftfahrt wissen, was
denn da im französischen Himmel geschehen sein
könnte. Die Befragten antworteten vernünftigerweise, dass sie das leider nicht wüssten, man habe
schließlich noch keinerlei Informationen, sie stünden vor einem Rätsel, und sie wollten sich nicht an
Spekulationen beteiligen – und tatenschließlich genau das. Bis hin zu den beängstigenden Vorstellungen, in dieser alpinen Wildnis gebe es bestimmt
Wölfe, nicht auszudenken, wenn diese …
Der Höhepunkt war mit dem ARD-Brennpunkt
erreicht, einer auf 45 Minuten zerdehnten Expertenbefragung, deren Länge in einem grotesken Widerspruch zur damaligen Informationslage bestand und offenbar hauptsächlich einem vermuteten Zuschauerinteresse geschuldet war. Man redete, auch wenn kaum einer etwas zu sagen hatte.
Aber muss einen das wundern? Ist das nicht ein
ganz typischer Vorgang bei solch dramatischen Ereignissen? Wenn etwas Unfassbares geschehen ist,
dann ist das Bedürfnis groß, dieses Rätsel verständlich zu machen, indem man nach rationalen
Erklärungen sucht. Darin drückt sich der Wunsch
aus, das Böse, das so urplötzlich in die Welt gekommen ist, zu bändigen. Und dafür sind Experten,
die Stimmen der Rationalität und des Wissens, natürlich die besten Botschafter. 80 Prozent der Zuschauer glauben ihnen, jedenfalls am Anfang.
Der Umschwung in der medialen Betrachtung
trat ein, als neue Informationen durchsickerten: Es
war wohl kein Unfall, kein technischer Defekt,
keine Wetterkatastrophe – sondern ein Verbrechen. Und es wurde ein Täter präsentiert. Der
Schrecken hatte ein Gesicht und einen Namen bekommen, den viele Zeitungen und Fernsehsender
auch nannten. Und damit begann, was man als Mythologisierung des Verbrechens bezeichnen
könnte: Das Unglaubliche der Tat wird in die Fiktion verlagert. Der Täter wird zum Monster, zum
Dämon.
35
DER TAGESSPIEGEL
Anteil der Berichterstattung an allen Nachrichtenbeiträgen
in ARD und ZDF (Tag mit dem jeweils höchsten Wert)
41,3%
41,5%
14.3.2011
14.7.2014
Fukushima
Reaktorunglück
in Japan
Wie der Schrecken
ein Gesicht bekam
Beispielhaft dafür ist die Titelgeschichte des am
Samstag nach dem Absturz erschienenen „Spiegel“. Die Journalisten verfügten wegen des nahenden Redaktionsschlusses nur über wenig mehr als
die karge Information, dass der Täter wahrscheinlich der Ko-Pilot gewesen sei, der sich in seinem
Cockpit eingeschlossen habe, um die furchtbare
Tat zu begehen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt also
von der Person des A. L. noch nicht viel bekannt
war,wusste der „Spiegel“zu berichten, dieser sei einer „der kältesten, entsetzlichsten Amokläufer, die
die Welt gesehen hat“. Nicht genug damit. „Ein größenwahnsinniger Nihilistund Narzisst“sei ergewesen. Und als ob er in dessen Gehirnwindungen eine
Wahrheit lesen könnte, stellt der „Spiegel“ fest,
dass der Täter sich „vielleicht gar keine Gedanken
machte. Noch nicht einmal dann, als die Berge und
Täler des Massif Trois Evêques vor dem Cockpit-Fenster rasend riesengroß wurden.“
Aus einem Menschen wurde ein Dämon. Kaum
war diese Verwandlung geschehen, setzte die Gegenbewegung ein, der Dämon wurde zum Menschen zurückhumanisiert. Wo kam er her? Aus
Montabaur. Wo lebte er? In einem Düsseldorfer
Randstadtteil. Wie sieht die Wohnung aus und wie
der Vorgarten, was stand auf dem Klingelschild? Im
Persönlichsten wurde nun gefahndet, Nachbarn
wussten dies undKollegen das.„Er warein sehrweicher Mann“, sagte eine frühere Freundin, „der
Liebe brauchte. Er hat Blumen geschenkt.“
Krankheiten wurden bekannt,Depressionen, Augenprobleme. Im Internet soll er sich über Selbstmordmethoden informiert haben. A. L. war nicht
mehr die Bestie, der Teufel, sondern der Nachbar.
Der Mensch von nebenan. Damit wuchs der Schauereffekt ins Unermessliche: Der Mörder kann überall sein, auch hinter dem freundlichen Gesicht, hinter der Maske der Normalität, mitten unter uns.
Genau das war der Grund, warum die öffentliche Erregung nun keineswegs abnahm. Wozu eigentlich gute Chancen bestanden. Gestützt auf
Fakten hätte man diese Botschaft in den Vordergrund stellen können: Kein technischer Defekt
und auch kein Wartungsproblem war Ursache des
Absturzes, sondern ein höchst unwahrscheinlicher Spezialfall. Also hätte man sich beruhigen
und in der Gewissheit wiegen können, Flugzeuge
seien immer noch, auch jetzt nach diesem Drama,
die sichersten Verkehrsmittel, kein Grund zur
Sorge, Entwarnung. Das Gegenteil geschah.
Das lag auch daran, dass aus der Medienmaschinerie mittlerweileeine Art Medienkarussell geworden war. Hundertschaften von Journalisten tummelten sich zwischen den französischen Alpen und
der Kleinstadt Haltern, aus der die Austauschschüler im Unglücksflugzeug gekommen waren, zwischenBarcelonaundDüsseldorfundMontabaur.Jeder musste etwas beitragen zur Information und
zur allgemeinen Erschütterung. Sonst hätte sich
seine Entsendung ja nicht gelohnt.
Also geschah das Übliche: Belästigung von Trauernden, Großaufnahmen von Tränengesichtern,
Geldzahlungen für Interviews mit Schülern, alle
jene Übergriffigkeiten, die spätestens beim Gladbecker Geiseldrama von 1988 ihren Anfang nahmen und sich fortsetzten bei jedem Amoklauf.
Und seit der Entstehung der Online-Portale, die
rund um die Uhr aktuell sein müssen und wollen,
zu einem Anschwellen des eiligen und voreiligen
Journalismus ohnegleichen geführt hatte.
Nichtdie Wölfe seiendas Problem,sagte ein französischer Bergführer, sondern die Journalisten.
Deshalb begann sogleich auch die Medienkritik
über diese Maßlosigkeit. Dabei ging es nicht nur
um fragwürdige journalistische Methoden, sondern auch um die Frage der Prioritätensetzung.
Denn für jede Sendeminute, für jede Druckzeile
über den Absturz wurden Minuten und Zeilen für
andere Themen gekappt. Roland Schatz, Gründer
von Mediatenor, ist regelrecht erzürnt darüber. „Es
gibt nur noch ein Thema“, sagt er, „und keiner stellt
die Frage: Wer ist eigentlich wirklich betroffen davon?“ Themen von größter Relevanz wie Griechenland und die Zukunft des Euro oder das Atomprogramm des Iran oder die Flüchtlinge aus Afrika und
Syrien, „da brennt die Hütte!“, seien vollkommen
in den Hintergrund gedrängt worden. „Jedes Jahr
sterben 55 000 Menschen infolge von mangelnder
Hygiene in den Krankenhäusern. Und wissen Sie,
wie groß der Anteil der Berichterstattung über diesen Skandal ist? 0,1 Prozent!“
So berechtigt diese Medienkritik ist, so richtig
das Entsetzen über den Verlust von Maßstäben,
über den „Extremismus der Erregung“, wie die
„Zeit“ schrieb, sie verkennt zugleich, dass das Bedürfnis nach großen Gefühlen sich nicht nur nach
Relevanz richtet, sondern von urmenschlicher Natur ist. Wofür wären sonst das Kino oder gar die
Oper erfunden worden? Und dass es daneben auch
einen berechtigten Drang nach Wissen-wollen
gibt. Der Gratgang zwischen Information, Anteilnahme, Schaudern und Voyeurismus ist dabei eine
schwierige und von Fehltritten stets gefährdete
Fortbewegung. Zumal bei einem Ereignis, über das
sich niemand ein eigenes Bild machen kann.
Medienhaben insolchen FälleneinehoheVerantwortung. Denn sie schaffen diese Bilder. Aber
wenn das Medienkarussell erst in Gang gekommen
ist, der unselige Wettlauf, Erster, Schnellster, Bester sein zu wollen, zu müssen, dann sind Journalisten nicht nur Antreiber dieses Karussells. Sie sind
auch Getriebene des Kommunikationsbetriebs.
Mitarbeit: Tatjana Kerschbaumer
59%
WM-Finale
Deutschland –
Argentinien
24.3.2015
Germanwings
Tag des
Absturzes
Themen-Verdrängung
Themenfelder wie Innenpolitik, Wirtschaft und
Sport wurden verdrängt. Der Wert für außenpolitische Themen stieg „künstlich”, weil der
Absturzort in Frankreich liegt. Griechenland,
Iran und Syrien fielen zurück.
Anteil der Berichterstattung in ARD und ZDF in Prozent
vor dem Absturz
nach dem Absturz
23
16
Innenpolitik
8
Sport
9
Kriminalität
6
11
Wirtschaft
5
10
Unternehmen
14
7
8
Außenpolitik
7
Gesellschaft
4
6
Umwelt/Verkehr
4
Sonstige Themen
5
4
1
13
Unglücke
38
Nachrichten-Fokus
Im Zentrum der Berichterstattung standen die
Opfer und der Lufthansa-Konzern, aber auch
die Regierungen der betroffenen Länder.
Stellenwert der Akteure in den Beiträgen zum Absturz,
24. bis 28. März 2015
Lufthansa/Germanwings
16,9
Regierungen
11,1
Opfer 17,8
Angaben
in Prozent
Sonstige
7,6
Copilot 3,2
Rettungs- 5,6
dienste
Behörden
10,9
Basis:
1048 Beiträge
9,6 Experten
7,8
Piloten
9,5
Angehörige
Quellen: www.horizont.net, www.mediatenor.de
CAUSA-Mitarbeit: Arno Makowsky, Christoph von
Marschall, Kai Müller, Marie Rövekamp, Tatjana
Kerschbaumer, Sabine Wilms (Gestaltung),
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36
CAUSA
DER TAGESSPIEGEL
Marketing INSIDER
Wie Flipper
und Bonanza
Carsten Heintzsch über das Comeback
von Albert Darboven
Große Freude, lieber Albert Darboven,
Sie kommen ins Fernsehen zurück! Was
haben wir Kreativen in den Achtzigern
und Neunzigern uns nicht die Krätze geärgert über Sie! Während wir in Tag- und
Nachtschichten die deutsche Reklame revolutionierten, tauchten Sie nachmittags
auf der Mattscheibe auf, tranken ihren
Idee-Kaffee und erzählten der Nation wie
gut der ist. „Null Idee!“, schimpfte ich damals. „Kult!“, rufe ich Ihnen heute weiser
und klüger zu. Es ist, als würden Flipper
oder Bonanza zurückkehren.
Drei Bitten: 1. Lassen Sie alles so wie
damals – Sie und Ihr Kaffee, fertig. 2.
Schenken Sie Deutschland Ihre Sendezeit. So zum Beispiel: „Guten Tag, ich bin
Albert Darboven, ich möchte mit Ihnen
heute über unser Miteinander im Straßenverkehr reden. Entdecken Sie da doch
mal die neue Coolness – entspannt sein,
lässig sein, vorbeilassen. Denken Sie mal
drüber nach, vielleicht bei einer Tasse
Idee-Kaffee.“ 3. Scheuen Sie kein Thema
und werden Sie so die dritte Kraft im
Land. Wenn die Kanzlerin und der Bundespräsident Weihnachten und Neujahr
mit ihren TV-Ansprachen kommen, sind
Sie, lieber „Addi“ Darboven, den beiden
längst enteilt. Mit klugen Themen, die
wir durch eine Website, die Sie uns dafür
eingerichtet haben, sogar mitbestimmen.
Das wird ein Fest!
— Der Autor ist ein bekannter deutscher
Werbe-Kreativer und Gewinner vieler
nationaler und internationaler Awards.
Der Kaffeekönig Albert Darboven kehrt in
die Werbung zurück. Foto: Oliver Hardt/Imago
Herr Bilgri, Kommunikation ist die Hauptaufgabe der
Kirche. Schließlich hat Jesus seiner Kirche aufgetragen,
die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Warum
tut sich die Kirche heute so schwer damit?
Die Kirche war über Jahrhunderte die kompetente Institution für Kommunikation. Doch dann ist sie in die
Falle der rationalen Begründung ihrer Botschaft getappt. Die drei zentralen Inhalte des christlichen Glaubens lassen sich aber nicht naturwissenschaftlich erklären: die Dreifaltigkeit, die Menschwerdung Gottes
in Jesus und die Auferstehung. Für die Jünger und die
Apostel waren das gängige Modelle des Gottesbezugs. Die waren aus der Mythologie und aus dem Judentum bekannt. Sie enthalten eine Wahrheit, sind
aber nicht rationalistisch zu begreifen – ähnlich wie
Märchen.
Was ist denn die Wahrheit hinter der Auferstehungsgeschichte?
Da ist die Botschaft, dass wir vor dem Tod keine Angst
haben sollten. Denn was wir gedacht und bewirkt haben, lebt weiter. Wir dürfen hoffen, dass es weitergeht, auch wenn wir scheitern. Damit ist die Hoffnung
etwas Positives. Bei den griechischen Philosophen
war sie negativ besetzt.
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Im Gegenwind
Und wie erklärt
man Ostern?
Anselm Bilgri war Benediktinermönch,
heute berät er Unternehmen.
Er weiß, warum sich die Kirche so schwer tut
mit ihrer Botschaft. Und erklärt, was
Kommunikatoren von ihr lernen können
„In der Wirtschaft ist alles auf Erfolg
getrimmt. Ostern macht Mut,
zum Misserfolg zu stehen“
Inwiefern?
Die Stoiker waren der Meinung, Hoffnung verhindere
Aktivität. Statt auf die Zukunft zu hoffen, sollte man
die Welt hier und jetzt ändern.
Am Karfreitag wird Jesus gekreuzigt. Die Jünger zerstreuen sich in alle Winde, es scheint, als sei ihre Bewegung tot. Doch dann erleben sie die Auferstehung ihres
Meisters. Ist das gelungene Krisenkommunikation?
Die Jünger merken, dass das, was Jesus verkündet hat,
weiterlebt. Diese Erfahrung war offenbar so intensiv,
dass man sie mit Bildern von der Erscheinung des Auferstandenen beschrieben hat.
Sie waren Benediktiner-Mönch. Was haben Sie im Kloster für die Welt gelernt?
In den Benediktiner-Klöstern gilt die Regel des Heiligen Benedikt. Das ist ein Führungs- und Organisationshandbuch. Darin geht es viel um die Frage, wie
man eine Gruppe heterogener Personen dazu bringt,
eine klösterliche Gemeinschaft zu bilden. Davon können Manager viel lernen.
Was zum Beispiel?
Dass es wichtig ist, aufeinander zu hören. Das ist mit
dem alten Begriff Gehorsam gemeint.
Gehorsam bedeutet nicht, der Chef ordnet an, der Rest
gehorcht?
Benedikt schreibt: Wir sollen im gegenseitigen Gehorsam miteinander wetteifern. Die Mönche müssen auf
den Abt hören, aber auch der Abt muss auf die Gemeinschaft hören. Benedikt fordert auch Demut, also
Dienstleistungsmentalität. Von einer Führungskraft
verlangt er die Gabe der Unterscheidung: Sie muss den
Einzelnen mit seinen Potenzialen wahrnehmen – und
Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten einsetzen. Sie darf
sie nicht in Schubladen einsortieren.
— Das Interview führte Claudia Keller.
Sie beraten Unternehmen. Gibt es etwas, was die aus
der Erzählung von der Auferstehung lernen können?
In der Gesellschaft und besonders in der Wirtschaft
ist alles auf Erfolg getrimmt. Die Realität sieht aber
ganz anders aus. So scheitern etwa viele neu gegründete Firmen nach zwei Jahren. Das wird kaum thematisiert. Da kann einem die Hoffnung helfen, dass es
trotzdem weitergeht. Und dass ich kein schlechter
Mensch bin, nur weil der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt. Ostern, speziell der Karfreitag macht Mut, zum
Misserfolg zu stehen. Die Jünger haben gesehen, dass
Jesus gescheitert ist. Aber sie haben erlebt, dass seine
Idee weiterlebt.
Und unglaublich erfolgreich wurde.
Die Kreuzigung war um das Jahr 33 herum. 20 Jahre
später schreibt Paulus einer Gemeinde in Rom. Das
heißt, innerhalb von 20 Jahren ist die christliche Idee
vom östlichen Rand des römischen Imperiums in sei-
ner Mitte angekommen. Nach 300 Jahren ist das Christentum Staatsreligion. Unglaublich.
Wie erklären Sie diese Dynamik?
Es gab offenbar eine große Sehnsucht nach etwas, was
man später Erlösung nennt. Der Ruhm des Römischen Reichs war leer und schal geworden, vieles
wirkte oberflächlich. Vielleicht eine ähnliche Situation wie heute.
Die Kirche müsste mit ihren Botschaften doch eigentlich
offene Türen einrennen. Hängt es auch an der insiderischen Sprache, dass sie wenig gehört wird?
Die Kirche versteckt sich hinter der Insider-Sprache
und verschanzt sich hinter vermeintlich unaufgebbaren Traditionen, um sich nicht mit den Alltagserfahrungen der Menschen auseinandersetzen zu müssen.
Und aus Angst, sich angreifbar zu machen. Dabei hat
die Kirche eine zeitlose, unglaublich moderne Botschaft, um den Menschen zu helfen.
ZUR PERSON
D
Anselm Bilgri
Theologe mit Geschäftssinn. Anselm Bilgri in seinem Münchner Büro.
Ein Zitat und seine Geschichte
„Ich bin
schwul –
und das ist
auch gut so“
Bilgri, 61, trat 1975 in die Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs ein. Er studierte in
München, Rom und Passau Philosophie und Theologie und wurde 1980 von Kardinal Joseph Ratzinger
zum Priester geweiht. Von 1986 bis 2004 war er Wirtschaftsleiter der Abtei St. Bonifaz in München und Andechs und profilierte die Marke „Kloster Andechs“.
1994 wurde er Prior und Wallfahrtsdirektor. 2004 trat
er aus dem Kloster und aus dem Benediktinerorden
aus. Mit Weggefährten gründete er das „Zentrum für
Unternehmenskultur“ und 2013 die „Akademie für
Muße“ in Gräfelfing bei München. Hier können die
Gäste bei Symposien, Einkehrtagen und in Seminaren die Kunst der Entschleunigung einüben.
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Klaus Wowereit am 10. Juni 2001 auf dem SPD-Landesparteitag
Foto: Ralf Hirschberger/dpa/pa
In meinem Redemanuskript stand dieses Zitat nicht, aber geplant
hatte ich so einen Satz natürlich trotzdem. Es war der Parteitag,
auf dem ich als Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters nominiert wurde. Ganz am Ende meiner Rede habe ich
es dann gesagt, obwohl mir vorher einige Kollegen abgeraten
hatten. Es war ja das erste Mal, dass sich ein aktiver Politiker
outet. Niemand wusste, wie die Öffentlichkeit reagieren würde.
Der Zusatz „… und das ist auch gut so“, der dann zu einem
geflügelten Wort wurde, ist mir so rausgeflutscht. Ehrlich wahr!
Ich wollte zum Ausdruck bringen: Ich muss mich nicht verstecken.
Ursprünglich hatte ich so etwas geplant wie: Ich bin schwul – und
dafür muss ich mich nicht entschuldigen. Wir haben die Worte
jedenfalls nicht im Team vorher abgesprochen. Dazu war in der
Hektik auch gar keine Zeit.
Drei Tage vorher, bei der Sitzung der Fraktion und des Landesvorstands, hatte ich das Outing schon vorweggenommen.
Ich fand, ich muss das den eigenen Leuten offen sagen, damit
sie wissen, worauf sie sich einlassen und zu mir stehen, wenn es
zum öffentlichen Thema wird. Viele wussten es längst, andere
nicht. Das war eine Zeit, wo so etwas als Privatsache galt und
Journalisten nicht darüber schrieben. In der Fraktion gab es
Beifall, ich wurde einstimmig nominiert. Auch einige Medien
berichteten darüber, aber für uns ging es um Wichtigeres:
Wir mussten die geplante Abwahl des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen vorbereiten. Das funktionierte nur gemeinsam mit der PDS, und das war für manche in der SPD das
größere Tabu.
Dann bekam ich aber Anrufe, dass „Bild“ und „BZ“ mit Berichten über mein Schwulsein einsteigen wollen. Es wäre mir merkwürdig vorgekommen, wenn die es bringen und ich auf dem
Parteitag nichts dazu sage. Das Redemanuskript muss noch
irgendwo im Keller liegen, aber ich glaube, ich habe mir nicht mal
eine Stelle markiert, wo der Satz kommen soll. Am Ende war
nicht nur wichtig, dass ich es gesagt habe, sondern wie ich es
gesagt habe: selbstbewusst und nicht defensiv. Der Satz machte
Furore. Für eine Woche war ich in allen Talkshows und bekam viel
positive Resonanz, weltweit, vor allem von Jüngeren. Und natürlich gab es auch Schmähbriefe. Auf jeden Fall war es der wichtigste Satz in meinem Leben. „Berlin ist arm, aber sexy“ – das
war harmlos dagegen.
Aufgezeichnet von A. Makowsky und C. v. Marschall.
Klaus Wowereits Outing steht in einem machtpolitischen Kontext:
dem Bruch der großen Koalition mit der CDU. An ihre Stelle soll eine
rot-rot-grüne Koalition treten. Am Mittwoch, 6. Juni 2001, beendet
die SPD das Bündnis mit der CDU. Am Donnerstag outet sich der
47-Jährige in der Fraktionssitzung, am Sonntag auf dem außerordentlichen Landesparteitag. Der wählt ihn zum Spitzenkandidaten.
Wenige Tage später wird Wowereit Regierender Bürgermeister.
1
Kraftstoffverbrauch innerorts/außerorts/kombiniert: 7,6/4,6/5,7 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 133 g/km.
Ein Leasingbeispiel der Mercedes-Benz Leasing GmbH, Siemensstraße 7, 70469 Stuttgart, für Privatkunden. Stand 01.12.2014. Ist der Darlehens-/Leasingnehmer
Verbraucher, besteht nach Vertragsschluss ein gesetzliches Widerrufsrecht nach §495 BGB. Das Angebot ist zeitlich begrenzt und gilt bei Bestellung bis 30.06.2015.
3
Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, zuzüglich lokaler Überführungskosten.
2
Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart
Mercedes-Benz Niederlassung Berlin,
14x in und um Berlin
Telefon +49 30 39 01-20 00, www.mercedes-benz-berlin.de, Salzufer 1, Seeburger Straße 27, Rhinstraße 120, Holzhauser Straße 11, Daimlerstraße 165,
Prinzessinnenstraße 21-24, Unter den Linden 14, Hans-Grade-Allee 61 - Schönefeld, Alt-Buch 72, Ollenhauerstraße 116-117, Körnerstraße 50-51,
Berlepschstraße 20-24, Blankenburger Straße 85-105
SONNTAG
Tipps für Kuchen
und Törtchen – Seite 6
Fotos: Kai-Uwe Heinrich, Mimi Mollica
SÜSS I:
Die kleine Nora steht
in der Welt herum – Seite 3
SÜSS II:
WWW.TAGESSPIEGEL.DE
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
SEITE S 1
mandem eine politische Idee aufdrängen. In den
60er-Jahren hätte man gesagt: ein Hippie.
Der „Spiegel“ macht seit Jahrzehnten immer wieder
Titelgeschichten über die Nazis, die Redaktion witzelt: „Hitler geht immer.“ Gilt das fürs Kino auch?
Oliver Hirschbiegel, 57,
machte sich zunächst als
Fernsehregisseur einen Namen,
für zwei seiner „Tatorte“
gab es den Grimme-Preis.
2001 debütierte er im Kino mit
dem Film „Das Experiment“.
Mit dem Hitler-Drama
„Der Untergang“ hatte er auch
international Erfolg,
nächsten Donnerstag kommt
„Elser“ in die Kinos.
Jetzt werden Sie unverschämt! Sie unterstellen
mir als Künstler, ich würde so strategisch denken?
Wenn ich so ein Thema mache, setze ich mich
monatelang hin und recherchiere, es geht da nicht
um wohlfeile zwölf Seiten im „Spiegel“, so ein
Film muss 50 Jahre lang Bestand haben.
Im Elser-Film gibt es die Figur des Arthur Nebe,
Chef der Reichspolizei und SS-Gruppenführer, gespielt von Burkard Klaußner. Der kommt recht sympathisch daher…
…ja, finden Sie?
Man muss schon genau aufpassen, um mitzukriegen, dass der freundliche Herr Nebe am Telefon bei
der IG Farben Unkrautvernichtungsmittel bestellt.
Was ist denn mit euch los? Ihr seid so schablonisiert in eurer Wahrnehmung! Ein Nazi muss immer böse sein und ein Schwein.
Nun lassen Sie doch mal…
…Entschuldigung, es geht mir auf den Sack! Der
Typ ist Polizist, er vernimmt den Elser, und wie
alle Kriminaler operiert er nach dem Prinzip:
good cop – bad cop. Nebe ist ein Meister dieser
Kunst, er gibt den guten Bullen, das ist es, was Sie
sehen. Nur weil er ein strammer Nazi ist, macht er
das doch nicht anders. Er will einen Fall lösen. Ihr
seid so… – ach, das macht mich wahnsinnig! Der
Nebe steht regungslos dabei, als Elser auf brutale
Weise mit dem Ochsenziemer geprügelt wird.
Was ist da missverständlich?
Interview: Andreas Austilat
und Norbert Thomma
Herr Hirschbiegel, Sie sind schon mit 16 Jahren zur
See gefahren und…
...als Küchenjunge! Das ist die unterste Sprosse
der Hierarchie auf einem Schiff.
Hatten Sie zu viel „Robinson Crusoe“ gelesen – oder
was hat Sie angetrieben?
Nö, Bücher steckten nicht dahinter, auch keine Piratenfilme. Das war immer eine Hamburger Tradition. Wenn man als Bursche keine Lehre gemacht
hat oder das Abitur, um zu studieren, war die
Schifffahrt eine andere Möglichkeit. Man fängt als
Küchenjunge an, klettert die Leiter hoch bis zum
Maat, wird Offizier. Das hatte ich aber nie vor.
Foto: pa/dpa/Angelika Warmuth
Was denn dann?
Ich hab die Schule geschmissen, weil ich ganz früh
wusste, dass ich Künstler werden will. Und ich
war arrogant genug zu sagen, die werden mich
schon nehmen, dann ist der Schulabschluss
scheißegal. Ich war nach der Mittleren Reife nur
zu jung und musste Zeit überbrücken. Also raus
auf See, raus in die weite Welt.
Ein Abenteuer.
Gar nicht. Lustigerweise war es ein bisschen langweilig. Kartoffeln schälen in der Kombüse, das Essen in der Messe auftragen, also beim Kapitän und
den Offizieren.
Bei hohem Wellengang ist das kein leichter Job.
Dann fand ich das auch richtig geil. Ich fuhr die
Route, Hamburg – Rotterdam – New York, auchmal
weiter nach Mexiko. Ich hatte gehofft, Sensationen
zu erleben, doch meistens stampfte das Ding ruhig
in eine Richtung. Das Meer schwappte vor sich hin.
Da war nicht viel zu tun außer Deck schrubben.
Sie haben nichts fürs Leben mitgenommen?
Doch! Wie Menschen unterschiedlicher Nationalität Hand in Hand, ohne jede Vorurteile, respektvoll miteinander arbeiten. Und ich habe gelernt,
was einen guten Kapitän ausmacht. Der redet möglichst wenig und lebt möglichst viel vor. Das war
eine ganz wichtige Lektion für mich.
Wenn ein Kind so jung in die Fremde geht, ist das für
die Eltern kein Albtraum?
Meine Mutter fand das auch nicht lustig. Aber
mein Bruder hat mit 15 illegal den Polizeifunk abgehört, ist in brennende, einstürzende Häuser geklettert und hat Fotos für die „Bild“-Zeitung geschossen. Sie hatte es nicht ganz leicht mit uns.
Das klingt so gar nicht anthroposophisch, dabei waren Sie auf einer Waldorfschule.
Privat war ich eher mit proletarischen Jungs von
der Straße unterwegs. Ich will die Schule gar nicht
schlecht machen, ich profitiere bis heute von dem
Wissen, es gibt jenseits der materiellen Welt unserer Zivilisation eine immaterielle, es existieren andere Energien, da ist eine Verbindung zur Natur,
bei der es nicht nur um die Pflege der Pflanzen geht.
In Ihrer Arbeit widmen Sie sich der realen Welt. Sie
haben mit dem „Untergang“ die letzten zwölf Tage
von Adolf Hitler verfilmt und nun das Leben von
Georg Elser, der Hitler töten wollte.
Mein Interesse an der Nazizeit war immer groß,
doch ich wollte nach dem „Untergang“ eigentlich
nicht noch einmal dahin zurück.
Wieso?
Da ist wenig Positives, genau genommen überhaupt nichts Positives, auch nichts Originelles,
man ruft unangenehme Geister wach. Wild gewordene Kleinbürger, diese Mentalität hat mir zeitlebens Beklemmungen gemacht. Doch als man mir
das Drehbuch zu Georg Elser gab, hatte ich das
Gefühl, das muss erzählt werden.
Georg Elser war ein schwäbischer Tischler, 36 Jahre
alt, der ganz allein eine technisch komplizierte
Bombe baute und 1939 im Münchner Bürgerbräukeller in einer Säule versteckte.
Ich fühle mich diesem Mann sehr verbunden, ihm
war die Freiheit des Wortes und der Bewegung
wichtig, die Individualität. Mir auch, schon als
Kind.
„Ihr wollt Pädagogenkino,
das liefere ich nicht!“
Er bewundert Hitler-Attentäter Elser, Edward Snowden und den „Sausack“ Tarantino.
Warum Oliver Hirschbiegel die Astrologie ernst nimmt, und was er auf See gelernt hat
Die Detonation erfolgte am 8. November 1939 pünktlich wie geplant, doch Hitler entging dem Anschlag
um 13 Minuten, weil er seine Rede vorzeitig beendete.
Der historische Witz ist, die hatten es so eilig, weil
tags darauf in Berlin alle zur großen Lage zusammenkamen, um eine Entscheidung über den Frankreich-Feldzug zu fällen. Das ist irre, oder?
Ein interessantes Gedankenspiel: Was wäre geschehen, wenn Hitler wie vorgesehen unter den Trümmern gestorben wäre?
Nach meiner Einschätzung hätte der Frankreich-Feldzug noch stattgefunden. Es gab genug revanchistische Fraktionen in der Wehrmacht, die
sagten, der Plan von General Guderian ist genial,
das machen wir jetzt. Die Vorbereitungen waren
weit gediehen, die Waffen bereit. Doch den Russland-Feldzug hätte es unter keinen Umständen gegeben – das war komplett verstiegener Wahnsinn.
Und auch der Holocaust wäre definitiv verhindert
worden. Wir reden also, bei einem Erfolg von Elser,
über mindestens 50 Millionen gerettete Leben!
Oder die Deutschen hätten Hitler auf der Höhe seines Ruhms in Erinnerung behalten. Einen gemäßigten Nationalsozialismus in einem Land voller Hitler-Denkmäler können Sie sich nicht vorstellen?
Es wäre ja nicht nur Hitler gestorben, um ihn herum saß im Bürgerbräukeller die erste Riege,
Himmler, Hess…, die ganze Bande. Alle tot. Außer
Bormann, und der hätte nichts auf die Reihe bekommen; er war ein erstklassiger Intrigant, gerissen, aber keine Führungspersönlichkeit. Nein, die
Sache war definiert über die Figur Adolf Hitler,
alle waren an seine Energie angedockt, ohne ihn
wäre die Bewegung ins Leere gelaufen.
Georg Elser wurde geschnappt, gefoltert, ins KZ gesteckt und kurz vor Kriegsende in Dachau erschossen. Im Nachkriegsdeutschland kam er nicht vor.
Er war eine Unperson, wie dann auch Stauffenberg und die Verschwörer des 20. Juli 1944, sie
galten als Verräter. Es dauerte bis Ende der 60er
Jahre, ehe diese Leute Anerkennung erfuhren.
Die Militärs um Stauffenberg haben das Kriegstreiben lange Jahre mitgemacht, während Elser schon
1939 nach dem Polen-Feldzug als Grund für sein Attentat angab: „Den Krieg vermeiden, durch meine
Tat noch größeres Blutvergießen verhindern.“
Damit führt Elser eine beliebte Ausrede ad absurdum: Wir wussten von nichts, wir hatten keine Ahnung. Dieser Tischler wusste. Er ist hellsichtiger
als alle anderen Deutschen, er verlässt nicht das
Land, er sagt: Da muss man was machen. Und tut es
imAlleingang.13Minuten,zigmillionen Tote weniger, unvorstellbar! Er handelt aus tiefster innerster
Bedrängung, er sieht, da werden die Menschenrechte eingeschränkt, ersieht, dawerden Personengruppen ausgegrenzt. Es gehört nicht viel Fantasie
dazu zu sagen, das ist nicht gut. Aber die Fantasie
zu haben, das wird eine Feuerwalze auslösen, das
reicht viel weiter. Deshalb lasse ich im Film auch einen Trupp geschorener Gefangener durch Elsers
Heimatdorf marschieren, das ist ja überall passiert.
Konzentrationslager gab es ab 1933.
Wann sind Sie Elser das erste Mal begegnet?
Das muss noch in meiner Schulzeit gewesen sein.
Er wurde geschildert als gestörter Einzelgänger
mit einer wahnhaften Idee. Dann habe ich die Konstruktionspläne seiner Höllenmaschine gesehen,
so nannte er das, die waren absolut genial. Er war
Bastler, konnte Uhren reparieren, komplexe Zeitzünder bauen, er war ein vielseitiger Musiker…
Ich dachte, entweder war der wirklich irre, oder
das ist alles eine große Lüge.
Der Dramatiker Rolf Hochhuth setzte sich früh für
das Gedenken an Georg Elser ein, er schrieb: „Dies
Volk liebt zwar die Freiheit / doch nicht jene / die
starben, um es zu befreien.“
Da ist was dran. Und dann galt der Elser auch
noch als Kommunist, das war im Westdeutschland
der 60er und 70er Jahre ein absolutes No-Go. Gegen die verhängte man Berufsverbote.
Auch in der so antifaschistischen DDR kam Georg
Elser nicht vor. Warum?
Das habe ich mich auch gefragt und bei meinen
Recherchen mit Leuten geredet, die in der DDR
aufwuchsen. Die sagten mir, man habe in der
Schule über Elser gesprochen. Er wurde nicht als
Held gefeiert wie ein Ernst Thälmann, aber wohl
als Widerstandskämpfer gesehen. Plätze, Schulen
oder Straßen wurden allerdings nie nach ihm benannt, erstaunlich. Ich möchte den Mann endlich
respektiert und bewundert sehen. Wissen Sie, er
erinnert mich etwas an Edward Snowden.
Bitte?
Ja, der hat auch ganz für sich entschieden, es muss
gegendieGeheimdienste etwasunternommen werden, die missbrauchen ihre Macht, bespitzeln Bürger und Politiker, untergraben die Demokratie. Da
werden Privatsphäre und Freiheit brutal undwiderlich verletzt. Elser und Snowden, beide handeln
selbstlos,beide verlassenihre Heimat, beideverlassen ihre Freundinnen, sie geben alles auf. Es ist beschämend, dass Snowden im totalitären Russland
sitzen muss und bei uns kein Asyl bekommt.
Wie sollen denn die Zuschauer Ihres Films diesen
Elser in Erinnerung behalten?
Als neugierigen Weltbürger, einen Freund der Musik, der Frauen und der Freiheit, mit gesundem
Menschenverstand und ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Sein Weg war nicht das Argument, die
Diskussion, er war nicht organisiert und wollte nie-
Herr Hirschbiegel, beruhigen Sie sich.
Ihr wollt Pädagogenkino! Das kann ich nicht liefern, ich nehme meine Zuschauer ernst.
Sie arbeiten meist mit historischen Stoffen, Prinzessin Diana, Hitler, Elser. Reizt es Sie nicht, mal Tarantino-artig alle Nazis in die Luft fliegen und Elser
zum Helden werden zu lassen?
Quentin Tarantino gehört zu den zehn besten lebenden Regisseuren, und der Sausack schreibt
auch noch selbst brillante Drehbücher, mit Mut
und Konsequenz. Ich bin ja kein schlechter Autor,
ich bin überhaupt keiner. Ich würde mir die Finger
lecken nach einem Tarantino-Skript.
Die Historie setzt Grenzen, man weiß immer, wie es
ausgeht: Hitler stirbt, Lady Di stirbt, Elser stirbt.
Diese Limitierung empfinde ich als sehr fruchtbar.
Wenn ich eingeschränkt bin in meiner Fantasie,
wird die Fantasie umso mehr angestachelt, Realität
herzustellen. Der Zuschauer spürt und weiß, das
ist rekonstruierte Wirklichkeit und nicht Erfindung, oder Behauptung von Wirklichkeit, was
Kino ja immer ist. Die Figur des Elser hat historisch
so viele Lücken, es ist auch ein Reiz, diese zu füllen.
Von Hitler gibt es Tausende von Fotos, von Elser
nur sieben oder acht. Doch diese Fotos sind eine
wunderbare Quelle. Die Frauen haben gesagt, der
Elser war schön und so höflich. Nach und nach
setzt sich ein Bild zusammen. Dann schaue ich mir
sein Horoskop an. Er war Steinbock, und …
… jetzt veralbern Sie uns!
Nein. Das ist eine Informationsquelle, die Sternenkunde ist jahrtausendealt, die modernen Wissenschaften sind deutlich jünger. Die Weisheit der Astrologie findet man in allen Kulturen, die Trefferquote ist erstaunlich hoch.
Was sagt das nun über Georg Elser?
Der Steinbock ist ein Kletterer, der nie aufgibt, der
auch lange Umwege in Kauf nimmt, ein Marathonläufer und Asket. Und die erste Dekade, in die Elser geboren ist, ist abenteuerlustiger als die zweite
und dritte, es gibt den Aspekt von Neugier. Das ist
eine Quelle, Tarot ist eine andere.
Sie lassen sich die Karten legen?
Nie, da habe ich Angst vor. Doch neulich hat die
Katja Eichinger mir die Karten gelegt, die ist darin
sehr gut, und ich habe vergessen, mich zu wehren.
Ein Superblatt, besser geht es gar nicht, insofern
war ich ganz froh, dass ich mich drauf eingelassen
hab. Das gilt für ein ganzes Jahr. Man darf das aber
auf keinen Fall zu oft machen.
Elser wurde an der Grenze zur Schweiz verhaftet,
der Beamte hieß Walter Zipperer. Der bekam von
den Nazis eine Belohnung und 1978 das Bundesverdienstkreuz für seine Erfolge als Geschäftsmann.
Ein ganz normaler Deutscher eben. Er ist beim
Zoll, er macht seinen Job, was willste ihm vorwerfen? Das Verdienstkreuz bekam er vielleicht zu
Recht, er war ja kein Kriegsverbrecher.
Die „Badische Zeitung“ zitierte ihn so: „Hätte ich
Dienst nach Vorschrift gemacht, wäre Elser nicht
gesehen und gefasst worden.“
So ein eitler Wichtigtuer. Es gibt zu allen Zeiten
diese stummen Mitmacher, den Beruf behaltend,
aber sind wir das nicht alle, wenn wir nicht wie
Elser oder Snowden rufen: Moment mal! Oh Gott,
jetzt werde ich selber pädagogisch.
Nach einer aktuellen Studie wollen 81 Prozent der
Deutschen vom Thema Holocaust nichts mehr wissen. Muss nicht mal Schluss sein damit?
Nein, da darf nicht Schluss sein. Wir sind, ob uns
das gefällt oder nicht, bis ans Ende der Tage das
Volk der Täter, verantwortlich für die grauenhaftesten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit. Diese Schuld wird nie abgetragen sein. Da
kommen wir nicht raus.
S2
ZU HAUSE
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Die MITFAHRER
Gott ist
ein Banker
Von: Berlin nach Frankfurt
Dauer: 6 Stunden
Auto: Silberfarbener Ford
Insassen: 5
Z
ur Begrüßung verteilt unser Fahrer
Paul Äpfel aus dem Garten seiner
Eltern. Ich vertraue ihm sofort. Die
anderen drei Mitfahrer, allesamt Besitzer
einer Bahncard 100, ausnahmslos in Anzug und Krawatte gekleidet, haben keine
Zeit für Smalltalk. Sie geben sich aufgrund eines Bahnstreiks ihrem Schicksal
hin. Strategisch verteilen sie sich auf die
„guten“ Randplätze und den Vordersitz,
öffnen ihre Laptops, tippen im Gleichklang und checken Aktienindexe.
Ich sitze eingeklemmt in der Mitte. Seit
ich mit 11 auf einem Familienurlaub nach
Kroatien 24 Stunden im Stau stand, hasse
ich Autos, Autobahnen, Mitfahren. Die
Enge, der Lärm, die Beschleunigung, das
Abbremsen. „Mit Paul und seinen Äpfeln
stehe ich das durch“, sage ich mir. Mit
diesem Kampfmantra im Kopf klammere
ich mich an meinen Rucksack. Im Minutentakt vergewissere ich mich, ob die drei
Banker noch auf ihre Laptops starren. So
viel Unhöflichkeit beruhigt mich. Die
drei denken nicht über Enge, Geschwindigkeit oder Fahrstil nach. Vorerst.
Meine Angst vor dem Autofahren hat
sich in den letzten Jahren zur Panik ausgewachsen. Ich überwinde sie nur zwei bis
drei Mal im Jahr:
Wenn die Bahn
streikt oder ich völMantra im
lig pleite bin. Auf
Kopf: Paul
den ersten 100 Kilometern der Autound seine
bahn scheint Paul
Äpfel bringen eine der Mittellinien
mich ans Ziel als Orientierungslinie zu nutzen. Angestrengt umkrallt er
das Steuer. Jetzt holt Banker 1 seine Rescue-Tabletten raus. Banker 2 öffnet das
Fenster. „Ich bin ja nicht so der Fan von
engen Räumen“, sagt er. Ich halte mich
an Banker 3. Gott sei Dank: Er blickt völlig gelangweilt auf seine Zahlen. Kein
Grund zur Sorge also.
„Meine Frau hat mir mal ein Buch gegen Platzangst geschenkt“, beginnt Banker 2 das Gespräch. „Man soll sich mit
seiner Angst konfrontieren und sie ansprechen.“ Banker 1 reicht ihm wortlos
die Rescue-Tabletten. „Eigentlich sind Autos ein ganz gemütlicher Ort”, bemerke
ich. „Als Kind fühlte ich mich in ihnen
sehr geborgen. Heute mag ich das allerdings auch nicht mehr.” Banker 1 reicht
mir seine Rescue-Tabletten. Banker 3 bemerkt: „Ich bin ja schon mit 21 aus der
Kirche ausgetreten. In Momenten wie
diesen finde ich allerdings oft zu meinem
Glauben zurück.“ Paul wirft ein: „Nur
noch vier Stunden, dann haben wir es geschafft.“
Von diesem Moment an bis zum Frankfurter Hauptbahnhof versorgten wir uns
gegenseitig: mit Essen, Anekdoten von
Angststörungen, Tabletten und Atemübungen zur Beruhigung. Der therapeutische Erfolg dieser Selbsthilfegruppe war
enorm. Ich freue mich seitdem auf die
nächste Mitfahrgelegenheit, aber bitte
nur mit Menschen, die die gleichen Störungen haben wie ich.
Clara Bucher
Der Laptop als Anker. Wo eine Steckdose Energie spendet, lässt sich Sebastian Canaves nieder – sei es im Flugzeug oder bei Kängurus.
Fotos: privat
Freie
W
ährend seine gute Freundin ein Jahr um die Welt
reiste, zog Thorsten
Kolsch in ihre Wohnung
im schicken Hamburger
Viertel Blankenese und goss Blumen. Als
er vom Fenster aus die Dampfer auf der
Elbe beobachtete, erwachte sein Fernweh. Was wäre, wenn er jetzt einfach den
Rucksack packen und wegfahren könnte?
Der 34-Jährige arbeitet im Online-Marketing, ist selbstständig. Viel lieber als am
immer selben Schreibtisch arbeitet er im
Café, in der Bahn, am Wasser. Reisen ist
seine Leidenschaft. Wie viele in seinerGeneration ist er ständig umgezogen für den
Job. Kolsch fühlt sich an vielen Orten
schnell heimisch. „Ich bin nicht der Typ
für Urlaubsfotos an den Wänden“, sagt er.
Wo wohne ich morgen? Diese Frage beschäftigte ihn. Darum begann er vor einem Jahr, Menschen zu suchen, die ortsunabhängig leben, und drehte die Dokumentation „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“. Darin erzählt er von den
modernen Wanderarbeitern, die nicht
mehr von 9 bis 18 Uhr im Büro verbringen, sondern ihren Rhythmus selbst bestimmen, Reisen mit Arbeit verbinden.
Ohne Zelt, aber mit Notebook und Smartphone, ziehen sie von Ort zu Ort, bleiben, wo es ihnen gefällt, Weltenbummler
und Unternehmer zugleich.
„Was uns verbindet, ist dieser Freiheitsdrang“, sagt Sebastian Canaves, einer dieser Umherziehenden. „Für mich geht es
darum, mich selbst zu verwirklichen.“
Sein Job als Marketingberater hat ihm
Spaß gemacht, doch er wollte „keine Marionette für jemand anderen sein“. Es war
ein fließender Übergang vom Vielreisenden zum digitalen Nomaden. Seit Mitte
2013 ist er unterwegs. „Ich kann tun, was
ich will, bin nicht gebunden.“
Kräfte
Sie ziehen mit dem Laptop um die Welt
und arbeiten, wo es ihnen gerade gefällt.
Sie besitzen nur das Nötigste,
den Rest organisieren sie sich online.
Sie nennen sich Digitale Nomaden
Von Isabel Stettin
Sein Zuhause, sagt er, befindet sich
dort, wo er sich gerade aufhält. Fast 100
Länder infünf Kontinenten hatder26-Jährige bereist, in Bulgarien, Thailand und
den Niederlanden gelebt. „Grundsätzlich
bin ich heimatlos“, sagt der Halbspanier,
der auf Mallorca aufwuchs, mit 14 in die
Nähe von Salzburg zog, dann nach Osnabrück. „In Spanien war ich der Deutsche,
in Deutschland der Spanier.“
Nach dem Abitur ging er nach Australien. 2012 kehrte er zurück, machte sich
als Online-Unternehmer und Blogger
selbstständig. Heute führt er zwei Blogs,
„TravelWorkLive“ und „Off The Path“,
und leitet mit „Nomaden-Kollegin“
Conni Biesalski die Agentur Transit Media, in der sie eine Bloggerschule anschlossen. „Off the Path“ ist einer der
größten Reiseblogs im deutschsprachigen Raum, derzeit hat er rund 70 000 monatliche Besucher. 2014 erwirtschaftete
Canaves einen Gesamtumsatz von
200000 Euro. Selbstdarstellung und ständige Online-Präsenz gehören zum Geschäftsmodell. Regelmäßige Beiträge darüber schreiben, wie man beispielsweise
Einsamkeit in fremden Ländern bekämpft, Fragen beantworten, twittern, Facebook und Instagram füttern.
Seit 161 Tagen führt Canavesein Videotagebuch, seit November arbeitet er am
ersten Buch. Er schrieb in Chiang Mai,
Bangkok, London, Edinburgh, Dubai,
Hongkong, Macau, Bali, sein momentanes Zuhause: ein Camper. Vier Quadratmeter auf vier Reifen. Seit vier Wochen ist
Canaves mit FreundinLine Dubois,26, unterwegs durch Australien. Seit Beginn ihrer Beziehung vor einigen Monaten reisen
sie gemeinsam, leben auf engem Raum.
„In puncto Partnerschaft habe ich in
den Gesprächen mit den digitalen Nomaden überwiegend eine ,Alles oder
nichts’-Haltung vernommen,“ erzählt
Thorsten Kolsch: „Nach dem Motto: Entweder die Partnerin oder der Partner unterstützt meinen Lifestyle zu 100 Prozent, oder es ist nicht die oder der Richtige.“ Wenn es um die persönliche Freiheit geht, wollen die Nomaden keine
Kompromisse machen, ob andere das für
egozentrisch halten, ist ihnen egal.
Canaves und seine Freundin reisen nur
mit Handgepäck, ein paar Hosen im Rucksack, ein Hemd für spontane Einladungen zu Konferenzen und vor allem die
technische Ausrüstung. „Die aktuelle Verbindung im australischen Outback ist besser als in der Berliner U-Bahn, sagt der
26-Jährige. Sein Motto: Erinnerungen,
nicht Dinge sammeln. In einem Abstellraum in Neukölln ist alles verstaut, was
Canaves und seine Partnerin noch besitzen. In sechs Umzugskisten passt ihr Besitz: Klamotten, Erinnerungsstücke und
wichtige Unterlagen.
Sieht so die Zukunft der Arbeit und des
Lebens aus? Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Pricewaterhouse
Coopers nach geht jeder Fünfte der jüngeren Generation davon aus, einmal von einer Vielzahl an Orten mobil zu arbeiten.
Weltweit finden sich mittlerweile Hotspots für Menschen, die arbeiten, wenn
sie reisen und umgekehrt. Was sie brauchen: Gemeinschaftsbüros, eine stabile
Internetverbindung und Apartments, die
man für kurze Zeiträume mieten kann.
Das Betahaus in Kreuzberg ist einer der
ältesten Coworking-Spaces Deutschlands. Seit 2009 trifft sich hier die digitale
Boheme. Vor einem Jahr fand in dem Gebäude die erste Konferenz für ortsunabhängiges Arbeiten statt. Mehr als200 Interessierte kamen. DiesesJahrhabendie Veranstalter, Felicia Hargarten und Marcus
Meurer, fürdasTreffen imMai bereits doppelt so viele Anmeldungen erhalten. Das
Paar ist seit 2013 auf der ganzen Welt unterwegs. Es kündigte die gut bezahlten
Jobs, vermietete seine Berliner Wohnung
unter und verkaufte auf dem Flohmarkt
kistenweise Bücher, Schuhe, allen Ballast
eben. Die Idee für die Konferenz hatten
die 33-Jährige und der 37-Jährige irgendwo zwischen Belize und Belgien.
Dieses Jahr wird Canaves dort über
seine Erfahrungen sprechen. Berlin ist für
ihn zur festen Anlegestelle geworden, den
Sommer verbringt das Paar in der Stadt.
Die frühere Wohnung ist noch untervermietet, bald möchte Canaves sich ganz
von ihr lösen. Lieber suche er für zwei Monate eine Bleibe auf Airbnb. Die Regel,
nach der er und seine Freundin leben: Drei
Tage arbeiten, zwei
Tagereisen.ErprotoDas Netz im kolliertseineArbeitszeit, durchschnittOutback ist
lich 52 Stunden pro
besser als in Woche, in Spitzenzeiten 80. „Wenn
der Berliner mich jemand mitleidig anschaut, weil
U-Bahn
um mich herum alle
Urlaubmachen,während ich am Notebook sitze, schaue ich
mitleidig zurück. Weil ich weiß: Er muss
bald wieder zurück.“
Mittlerweile hat auch Thorsten Kolsch
keine Wohnung mehr, im Sommer hat er
seine Möbel verkauft. Seitdemist erunterwegs, wohnt bei Bekannten oder sucht
sich Zimmer über Internet-Plattformen.
Es gehe ihm nicht darum, „Länder zu sammeln“, sagt er. Ihm reiche es schon zu wissen, dass er nicht an 30 Urlaubstage im
Jahr gebunden ist.
— Der Film von Thorsten Kolsch ist unter
http://deutschland-zieht-aus.de ab 1. Mai
abrufbar. Am 8. und 9. Mai findet in Berlin
die Konferenz für digitale Nomaden, die
DNX Berlin, statt.
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FRAUEN & MÄNNER
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
S3
Nora
mittendrin
Eltern fotografieren ihre kleinen Kinder gern beim Toben, Kleckern oder Schlafen.
Der Londoner Fotograf Mimi Mollica stellt seine Tochter einfach zu fremden Menschen,
in Szenen, in denen sie nichts zu suchen hat. Und Nora? Die steht halt rum
Fotos: Mimi Mollica
N
ora stört. Das ist ihre Aufgabe. Hat sich ihr Vater, der Londoner Fotograf Mimi Mollica, 40,
so ausgedacht, nachdem er sie das erste Mal in
ihrem Buggy vor einem hässlichen Ost-Londoner Wohnblock ablichtete. Da war Nora gerade
ein Jahr alt geworden. „Die Szenerie stand in krassem Gegensatz zu so etwas Lieblichem, Beschützenswerten wie einem Kind“, sagt Mollica. Zwei Welten kollidierten. Dank
Nora sah Mollica die Umgebung neu, mit ihren erstaunten
Augen. So entstand das Projekt #norathere (Nora ist da).
Seitdem stellt Mollica – bekannt geworden als Dokumentarfotograf mit Bildern über die Mafia in seiner Heimat Sizilien und den Straßenbau im Senegal – seine Tochter regelmäßig dazu. Wenn Fremde ihre Autos waschen, Hunde ausführen, Freundinnen Kaffee trinken. Normalerweise lacht
Nora viel. Hier nicht. Wie ein Geist spukt sie durch Mollicas Bilder. Aber es geht dem Fotografen nicht um sie. Die
intimen Schnappschüsse davon, wie hoch sie schon schaukeln kann und wie viele Kerzen sie auspustet, bleiben im
Familienalbum. „Nora“, sagt Mollica, „lässt uns bewusster
hinschauen, weil sie nicht weiß, was passiert. Wir sind irritiert, weil sie es ist.“ Sobald Nora aufhört sich zu wundern,
in ein paar Monaten, wenn sie zwei wird vielleicht, will ihr
Vater das Projekt beenden.
Julia Prosinger
Die meisten Bilder sind in Ost-London entstanden, wo Nora mit ihrem Vater lebt.
S4
RÄTSEL
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
D
BILDERRÄTSEL
D
KREUZWORTRÄTSEL
Was ist
denn
hier los?
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
17
14
15
16
43
44
18
19
20
22
23
26
Ein legendärer Moment,
eine historische Persönlichkeit oder ein einfacher Gegenstand. Es
kann alles sein. Jede Woche
zeichnet
Sascha
Dreier ein Rätsel in Bildern. Die Lösung ist einfach: Gesucht wird die
deutsche Übersetzung eines Zauberspruchs, an
dem der Legende nach
schon viele gescheitert
sind.
13
21
24
27
33
34
35
28
36
37
46
49
50
52
53
29
38
45
25
39
40
30
31
41
32
42
47
48
51
54
55
310
Lösungswort: Die Buchstaben in den Feldern mit den unten aufgeführten
Zahlen ergeben eine Örtlichkeit zum kollektiven Traurigsein.
1
D
SCHACHRÄTSEL
D
SCHWEDENRÄTSEL
Possenantike
reißer
Inschrift im span.
Theater
Stadt
an der
Bode
Zeichen
für Mendelevium
LoireZufluss
Musenross/
griech.
Sage
Stadt und
Provinz in
Ligurien
(Italien)
Blutdopingmittel
(Abk.)
röm.
Göttin
der
Freiheit
schriftl.
Reiseführer
(engl.)
hügelfreies
Gebiet
eingelegter
junger
Hering
ugs.
Kurzwort:
Mayonnaise
Gipfel
d. Kilimandscharo
keram.
Überzugsmasse
Mit Bravour und enormer Ausdauer
bewältigte Wolfgang Uhlmann in dieser Bundesligasaison seine vorerst
letzte Marathon-Sitzung. Nach stundenlangem Kampf und 116 Zügen bezwang er, für den USV Dresden spielend, einen 55 Jahre jüngeren Internationalen Meister! Trotz seines fortgeschrittenen Lebens – Uhlmann ist am
29. März 80 Jahre alt geworden – zeigt
er hin und wieder noch seine alte
Klasse. Er war der spielstärkste Großmeister der DDR, gewann elfmal den
Landesmeistertitel. Die besten Schachzeiten des Dresdners brachen in den
1960er Jahren an, und betrachtet man
seine Partien gegen Botwinnik,
Spasski, Fischer und andere Giganten
von damals, scheint sich das Spitzenschach kaum verändert zu haben. Zumindest in den Mittelspiel- und Endspielphasen dürften die Fehlerquoten
nicht höher gewesen sein als heute.
Wolfgang Uhlmann will künftig nicht
mehr in der Bundesliga spielen. Bei Seniorenturnieren wird er hoffentlich
noch oft so stark aufziehen wie oben
mit Weiß bei der Team-EM 2012.
Martin Breutigam
ugs.:
unnötiges
Gerede
annähernd,
ungefähr
Stadt
schmale
am
Rhein
Treppe
(Baden)
Verwaltungseinheit
Fluss
zur
Saale
norddt.:
Dorfschenke
Stadt
in Südperu
Pilzbelag
im Mund
griech.
Buchstabe
Wilder
Majoran
Männername
unterer
Teil der
Erdkruste
Provinz Stadt in
in
Saudi- der LomArabien bardei
das
frühere
Gumbinnen
fries.
Männeru. Frauenname
eine
Druckvorstufe
ehem.
Vizekanzler † 1998
Singvogel
griechische
Vorsilbe: neu
AUFLÖSUNG DES LETZTEN RÄTSELS
R
O
T
H
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Deckaufbau
auf dem
Vorschiff
Eroberer,
Eindringling
amerik.
Stararchitekt
(Thom)
vorderind.
Wüste
RheinZufluss
in Bad.Württ.
Rätselart
Nachname Bundesvon J. R. staat in
bei
„Dallas“ Indien
kräftiges
Band
Stadt
in der
Türkei
Häuslerwohnung
Strom in
Mitteleuropa
bayer.:
still
ugs.:
erstklassig,
großartig
Verbindung
von Autodach und
Karosserie
Strom
im Kaukasus
10-CentMünze
(USA)
Mineral
Stadt
auf Sizilien
ind.
Butterfett
engl.:
Zauberei
Alpengipfel
im Appenzell
früh.
schwarzafrik.
Soldat
Stadt an Kfz-Z.
der Una, Ägypten
in Bos(Egypt)
nien
Nacktheit,
Blöße
unfrei
Alte Klasse
Waschraum im
Bergwerk
engl.
Grafschaft
(Kw.)
österr.
Planetenveraltet:
name
Truthahn
Erfrischungsgetränk
(Kurzw.)
®
wasserdichter
Anstrich
sl1816.22-310
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5
8
26
34
41
Waagerecht: 1 Was Fischzüchter so
treiben. 17 Hier rechnen wir mit Abneigung. 18 Sie kommt der Warthe
von links. 19 Gesteigert heißt es "am
liebsten". 20 Sie gehören zu den Dingen, die gern schon mal abgebrochen werden. 21 Für den Engländer
ist das ein Freibrief. 22 Britisches
Elite-College inmitten von Bretonen.
23 Das waren Adelige. 24 Nach Meinung von Engländern ist hier etwas
verschlossen. 25 Vorspiegelung falscher Tatsachen. 26 Ein typischer
französischer Name. 27 Zentraler
Teil Polens. 28 Ein Lude wird erst
dann zu einem Vorspiel beitragen,
wenn dies vorausgeht. 29 "Gegenstück" zur Enite. 32 Allgemeine
Dienstanweisung in Kurzfassung. 33
Bei diesem Hochgebirgsdokument
sind Verlängerungen ausgeschlossen. 40 Der hier vornämlich Erwähnte schrieb "Kiss me, Kate". 42
Hier kam offensichtlich jemand aus
Gladbeck. 45 Benannt nach einem
schwedischen Botaniker, ist dieser
Korbblütler aus heimischen Gärten
nicht mehr wegzudenken. 46 Amerikanischer Autor (1809-1849) von
"Der Doppelmord in der Rue Morgue". 47 In Hellas Musensitz, sonst
auch Basstuba. 49 Diese französische Stadt findet man an der
Somme. 50 So rufen die Engländer
nach der Polizei. 51 Nicht erst, wenn
er ab ist, empfinden Briten den als
Mangel. 52 Drückt die Multiplikation aus. 53 Burt Lancaster war "Der
... Korsar". 54 Peripheres in südafrikanischen Portemonnaies. 55 An sie
zu kommen, das erfordert oft Geduld.
Senkrecht: 1 Wer das tut, riskiert. 2
In den Pyrenäen ist der spitze. 3 Gewässer; ein kurzes Stück vor Rom. 4
"Was ist der langen Rede kurzer ...?"
(Schiller, "Wallenstein"). 5 Als seine
Gäste sangen die Nibelungen ihr letztes Lied. 6 Motto dieser Stadt: "Das
Lächeln im Münsterland". 7 Verhü-
48
49
51
tungsmittel für Transportschäden. 8
Schloss, das man in Tirol besichtigen kann. 9 Das tapfere Schneiderlein hatte mit ihm zu tun. 10 Für 1
Krone zahlt sie 100 Heller. 11 Dabei
wird man wohl in die Wolle geraten.
12 Plauderei im Weltweitpalaver. 13
Zufluchtsstätte in den Shorts. 14 Im
Schadensfall wird der getan. 15 "Das
Unbehagen in der Kultur" schrieb gesuchter Psychiater 1929. 16 Halbes
Cabrio. 27 Er schmiert automatisch.
30 Erle, in Norddeutschland eingemeindet. 31 Abreibung, kein Frottieren. 33 "Als ... grub und Eva spann,
wo war denn da der Edelmann?"
(John Ball). 34 Was für ein Kamel!
Lässt keine Blamage aus. 35 Kommt
vor Collins vor. 36 Ein kleiner Giovanni. 37 Auf Handelsschiffen kam
sie von Asien nach Europa. 38 Unerwünschter Belag im Mund. 39 Alttestamentarisches Zeichen für trällernde Rabbis. 41 Wirtschaftsorganisation mit Sitz in Paris (engl. Abk.)
43 Astronomen sehen schwarz, wo
sie ein solches vermuten. 44 Frau,
mag gleichnamigen Fisch. 48 Entwicklungsfähiges Krokodil.
Auflösung vom 29. März:
Waagerecht: 1 Gespreiztheit, 14
HNO, 17 Anprangerung, 18 Waag,
19 Egoist, 20 Onan, 21 Gleise, 22
Lerse, 23 Friede, 24 Aerar, 25 Enten,
26 Abt, 28 Guru, 30 Dill, 33 Hbf., 36
Belange, 40 Laenge, 44 Aulet, 45
Trieb, 46 ISS, 47 nah, 48 Statue, 49
kosen, 50 crime, 51 EZU, 52 Tine,
53 Balg, 54 Hagen
Senkrecht: 1 Gaele, 2 Engen, 3
Sport, 4 Prise, 5 Rasen, 6 entfalten, 7
Igor, 8 Zenit, 9 traeg, 10 Hund, 11
Engerling, 12 Iglau, 13 Tweed, 14
Hair, 15 Nasal, 16 Oger, 27 Barke,
29 Uebel, 31 innig, 32 Lehen, 33
Hase, 34 Butz, 35 flau, 36 Bett, 37
Etui, 38 Niob, 39 Gesa, 41 Asch, 42
Esra, 43 game
Lösungswort: IDENTISCH
Bitte senden Sie das Lösungswort bis zum kommenden Donnerstag (Poststempel) an: Verlag Der Tagesspiegel GmbH, Kennwort Rätsel, Sonntag-Redaktion, 10876 Berlin, oder per E-Mail: sonntag@tagesspiegel.de.
Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir das Buch „Die neuen Leiden des alten M.“ von Tagesspiegel-Autor Harald Martenstein. Seine „unartigen Beobachtungen“ sind bei C. Bertelsmann erschienen.
D
REBUS
Gesucht wird ein Mann, den ein
diese Woche Verstorbener erfand.
d=a
Dies ist ein Rebus.
e
W
Und so funktioniert er: Nehmen Sie
die dargestellten Bilder wörtlich.
Wichtig ist, dass Aussprache immer
vor Rechtschreibung geht. Es hilft,
wenn Sie die Begriffe laut aufsagen.
D
Schach: 1.Sb8! (Klemmt den Turm in der Ecke einfach ab. Schwarz, der spanische Großmeister Orestes Rodriguez Vargas, gab hier bereits auf. Er ver-
löre entscheidendes Material, z.B. 1...Taxb8
2.Dxb8 Txb8 3.Txb8+ Lf8 4.Tdd8. Und falls 3...Tf8,
gewänne z.B. 4.De5 Lb4 5.Tbc1 nebst Td7, Dd5
und später ggf. Tcc7.) 1:0.
Rebus: Monaco Franze.
Bilderrätsel: Die Zauberformel heißt „Sesam öffne
dich“ und ist aus „Ali Baba und die 40 Räuber“,
einer Geschichte aus der arabischen Märchensammlung Tausendundeinenacht.
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DIE STADT
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DER TAGESSPIEGEL
S5
E
s gibt ja jede Menge Anleitungen zum
Glücklichsein, Selbsthilfebücher, die den
Leuten raten, nach innen zu gucken, um
glücklich zu werden, oder Gott zu fragen.
Dabei spricht einiges dafür, dass nicht wir
selbst es sind, die am dringendsten Hilfe brauchen,
sondern die Städte. Denn die beeinflussen, wie wir
uns fühlen und einander behandeln, und zwar in einer Weise, die den meisten gar nicht bewusst ist.
Seit dem Erscheinen meines Buches „Happy
City: Transforming Our Lives Through Urban Design“ vor zwei Jahren bekomme ich so viele Anfragen für Vorträge, Workshops und Beratungsjobs,
oft von Politikern, dass ich inzwischen ein ganzes
Team angeheuert habe. In Mexico City haben wir
gerade eine Anhörung in einem Armenviertel
durchgeführt, dessen Einwohner nie gefragt worden waren, was sie sich von der Gestaltung wünschten. Sie wollten, was wir alle wollen: mehr Freiheit
und Sicherheit, die Möglichkeit, sich zu bewegen,
ohne überfahren zu werden.
Wie in den meisten modernen Städten wurde in
Mexico City ein Großteil des öffentlichen Raums
einfach den Autos überlassen. Vor 50 Jahren wurde
die mexikanische Hauptstadt durch ein Netzwerk
von Super-Avenues in Stücke zerrissen. Trotzdem,
und das ist das Spannende, gibt es eine unglaublich
dynamische soziale Energie dort. Mexikaner sind
es gewohnt, Regeln zu brechen. Stadtplaner versuchenja, unserHandelnzukontrollieren,einedurchgestaltete Umgebung zu schaffen, aber bei den Mexikanern kommen sie damit nicht durch. Selbst
dort, wo man diese unmenschlichen Hochstraßen
hat oder Stadtautobahnkreuze, haben die Menschen den Raum darunter
einfach kolonialisiert für
Was Städter ihre kleinen Geschäfte. Die
besten Tacos von Mexico
glücklich
City zum Beispiel findet
man unter so einer Straße,
macht?
auf einer abgeschnittenen
Soziale
Verkehrsinsel. Das gefällt
Beziehungen mir, dieses Chaos, das Leben, die Komplexität. Das
ist es, was Städte blühen
lässt. Für mich, der ich aus einer so kontrollierten Stadt wie Vancouver komme, hat das was
sehr Erfrischendes.
Ich lebe in Vancouver und Mexico City. Zeitschriften wie der „Economist“ und „Forbes“ haben Vancouver zu einer der Städte mit der
höchsten Lebensqualität in Nordamerika erklärt.
Ich halte solche Einstufungen für gefährlich.
Sicher, im Vergleich mit vielen US-amerikanischen Städten ist es ein Paradies: nicht zu groß,
viel Grün, die Innenstadt sehr fußgängerfreundlich. Aber wenn die Bewohner in Umfragen
erklären sollen, für wie glücklich sie sich selber
halten, liegt die Zufriedenheit unter der von
Einwohnern kleinerer Orte.
Denn was Städter glücklich macht, ist nicht der
internationale Ruf ihres Wohnorts, sondern etwas
so Einfaches wie soziale Beziehungen,soziales Vertrauen. In Hochhäusern in Vancouver sieht es da-
mit besonders schlecht aus. Deren Bewohner
gaben an, sich isoliert und einsam zu fühlen, taten ihren Nachbarn nur halb so häufig einen Gefallen wie Bewohner niedrigerer Häuser.
Menschen in Kleinstädten scheinen die Zeit und
den Raum für Kontakte zu haben, der Großstadtbewohnern fehlt. Entweder weil wir zu viel arbeiten,
um uns das Leben dort leisten zu können, oder
weil wir im Verkehr feststecken.
Das heißt natürlich nicht, dass wir jetzt alle wieder in Kleinstädte zurückziehen sollen. Die Frage
ist:Wie könnenwir etwas von der dörflichen Geselligkeit und Lebendigkeit inunsere Großstädte bringen?Erstens,indemwirdafür sorgen, dassdie Viertel kleinteilig sind, fußgängerfreundlich und in der
Nutzung gut durchmischt. Zweitens, indem wir
diese Viertel miteinander verbinden, und zwar mit
öffentlichen Nahverkehrssystemen, die ein hohes
Ansehen genießen, schnell sind und effizient. Das
bedeutet: Der öffentliche Nahverkehr hat immer
Priorität vor dem privaten Auto. Und man muss dafür sorgen, dass Menschen, die laufen oder radeln
wollen, das auch auf sichere Weise tun können. Haben Sie mal versucht, in New York Fahrrad zu fahren?! Furchterregend!
In New York kann man besonders deutlich beobachten, dass die Dinge, die uns anziehen – eine solide Ökonomie, Chancenvielfalt, das Aufregende,
Neue –, eine Stadt auch schwierig machen: eben
weil sie zu viele Menschen anziehen. Fußgängerfreundlichkeit und urbane
Gestaltung allein können
Schon kleine nicht alle Probleme lösen.
Auch wenn New York sich
Flecken
in den vergangenen Jahren
Mühe gegeben hat, seine
Grün
Fußgänger und Fahrradfaherhöhen das rer zu respektieren, hat es
Wohlbefinden noch einen langen Weg vor
sich. Nach wie vor gehört
ein Großteil des öffentlichen Raums dem Auto, und das öffentliche Verkehrssystem ist völlig heruntergekommen. Der
Bahnhof Penn Station ist die Hölle, da muss
man sich in einem völlig beengten Wirrwarr
bewegen. Er wurde in den Untergrund gequetscht, damit über der Erde ein Sport- und
Bürokomplex gebaut werden konnte. Die New
Yorker U-Bahn ist uralt und überfüllt, der
Schweiß der Stadt tropft die Wände runter. Für
Ältere, Behinderte und Leute mit Kinderwagen
ist sie praktisch unerreichbar, weil es kaum Aufzüge oder Rolltreppen gibt.
Wir leben ja in der permanenten Spannung zwischen dem Bedürfnis, mit anderen Kontakt zu haben, und dem nach Privatsphäre. Wenn man in einer überfüllten, beengten Wohnung lebt, können
öffentliche Rückzugsmöglichkeiten einen Ausgleich schaffen – Parks, Plätze, Orte der Erholung.
Umgekehrt gilt das Gleiche: Wenn man in einer
sehr vollen öffentlichen Umgebung lebt, hilft es, zu
Hause einen Raum zu haben, in den man sich zurückziehen kann. Aber das können sich die wenigsten in New York leisten, weswegen jetzt so viele
junge Leute rausziehen.Was bedeutet, dass sie pendeln müssen. Und das ist ein echter Glückskiller.
Charles Montgomery
ist ein gefragter Experte
für das Thema:
Wie müssen Großstädte
gestaltet werden,
um ihre Bewohner
glücklich zu machen?
Hier verrät er seine Ideen
Eine schwedische Studie fand heraus, dass sogar
das Scheidungsrisiko markant steigt; Pendler
werden misstrauischer, engagieren sich kaum.
Wenn man das Geld, das für den Unterhalt
der Infrastruktur für private Autos nötig ist,
umleiten würde, könnte man die fantastischsten
öffentlichen Infrastrukturen finanzieren. Bogotás Bürgermeister Enrique Penalosa hat das demonstriert. Als er sein Amt antrat in der kolumbianischen Hauptstadt, die extrem gefährlich
und dreckig war, hat er das ehrgeizige Stadtautobahnprogramm gestoppt, stattdessen Schulen,
Kindergärten, Fahrradwege und Bibliotheken,
richtig schöne Bibliotheken, in den ärmsten Vierteln der Stadt gebaut, moderne Busse angeschafft. Das war sein erklärtes Ziel: mit der
Stadtplanung Menschen glücklich zu machen,
und möglichst viele an diesem Glück teilhaben
zu lassen. Er hat die Stadt umgedreht.
Aber Veränderungen können auch durch
Grassroots-Bewegung angestoßen werden. Die
enormen Verbesserungen der Lebensqualität in
New York werden meist Bürgermeister Bloomberg zugeschrieben. Tatsächlich aber waren es
Aktivisten, die den Samen gesät haben, die Quartiers-Netzwerke bildeten, dafür reiche Sponsoren
fanden und eine Online-Kampagne entwickelten,
um den Chef der Verkehrsabteilung abzusetzen.
Mit Erfolg! Sie haben es sogar geschafft, dass ein
Mitglied ihrer eigenen Bewegung, des „Livable
streets movements“, zu seiner Nachfolgerin ernannt wurde. Das kann überall geschehen. Frustrierte Bürger müssen nicht darauf warten, dass die
Politiker aktiv werden.
Schon kleine Veränderungen in einer Straße
oder einem Viertel haben eine Wirkung. Auf Manhattans Lower East Side habe ich zusammen mit einem Neurowissenschaftler ein Experiment durchgeführt, bei dem wir mithilfe eines Haut-Monitors
kleinste Reaktionen auf die Umgebung gemessen
haben. Dabei fanden wir heraus, dass selbst kleine
Stückchen Natur zu einem größeren Glücksgefühl
führen. Das heißt: Große, zentrale Parks reichen
nicht, die Natur muss Teil des Alltags sein – Nachbarschaftsgärten, ein Beet, ein Grünstreifen, ein
paar Blumentöpfe, vertikale Gärten. Das weiß man
auch aus Krankenhäusern: Patienten, die auf
Bäume, in einen Park gucken, werden schneller gesund als jene mit Blick auf Mauern und Beton.
Die Testpersonen fühlten sich besonders glücklich in Straßen, an denen viele kleine Läden, Lokale
und Dienstleister lagen – und unglücklich, wenn
sie an eintönigen Fassaden wie einem riesigen ausdruckslosen Supermarkt vorbeikamen. An denen
gehen sie schneller vorbei, sodass die Straßen leerer, auch gefährlicher werden.
InSeattle setzten wirdas Experimentfort. DasErgebnis: In den kleinteiligen Straßen waren die Fußgänger freundlicher als vor monofunktionalen Fassaden. Freiwillige hatten sich dort als Touristen
ausgegeben, die sich verlaufen hatten. In der
abwechslungsreicheren Umgebung hielten fünfmal so viele Passanten und boten ihre Hilfe an.
Wir glauben, dass das etwas mit dem Tempo zu
tun hat. Je langsamer die Menschen sich bewegen, desto sozialer ist ihr Handeln.
Die alten europäischen Städte waren darauf
angelegt, dass man sich dauernd über den Weg
lief. Aber im 20. Jahrhundert fand ein Kampf
der Ideen statt. Unglücklicherweise dominierten
jahrzehntelang die Vertreter der Hochmoderne,
die fanden, dass Städte wie Fabriken gestaltet
sein sollten. Die verschiedenen Funktionen wurden zum Teil meilenweit voneinander getrennt,
ohne menschliches Maß gebaut. Da nimmt ein
einziger Laden schon mal einen ganzen Block
ein, was extrem fußgängerfeindlich und entfremdend ist. Einige Städte reagieren endlich darauf.
In Melbourne, in Kopenhagen und einigen Vierteln von Manhattan ist es Banken zum Beispiel
inzwischen verboten, zu viel Raum einzunehmen. Zum Teil dürfen sie sich nicht an Ecken
niederlassen, weil die zu wertvoll sind als Ort
der Begegnung. Sie würden die Straße killen.
Gerade beiläufige Begegnungen sind extrem
wichtig für unser Wohlbefinden. Eine Psychologin der University of British Columbia hat eine
Studie durchgeführt, bei der sie die Zahl der
intimen und der oberflächlichen Kontakte
zählte, die Menschen im Laufe eines Tages hatten.
Sie fand heraus, dass jene, die mehr oberflächliche
Begegnungen hatten – Blickkontakt, Kopfnicken,
das Öffnen einer Tür, ein Kommentar zum Wetter –
am Abend von viel höherenGlücksgefühlen berichteten. Diese oberflächlichen Begegnungen schienen die Leute sogar froher zu machen als jene mit
Freunden und Familie. Weil sie einfacher sind, so
die Vermutung, aber auch, weil wir dazu neigen,
uns dabei von unserer besten Seite zu zeigen. Wir
geben uns mehr Mühe, nett zu sein.
Vertrauen zu denNachbarn, dasZusammengehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft, anderen zu
helfen, wirken sich sehr positiv aufunser Glücksgefühl aus. Und was schafft Vertrauen unter Nachbarn? Positive, zwanglose Begegnungen. Darauf
müssen wir bei der Stadtplanung achten! Wir
Illustration: Carina Crenshaw für den Tagesspiegel
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Happy
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City City
wissen, wann diese nicht geschehen: wenn wir
isoliert im Auto sitzen. Autofahrer erleben ein
vielhöheres Ausmaß an Unzivilisiertheit undGrobheit als Fußgänger. Wir sind fieser hinterm Steuerrad, dort haben wir weniger Möglichkeit zu kommunizieren.
Soziologen, Psychologen, Gesundheitsexperten, Stadtplaner, sie alle wissen inzwischen, dass
die amerikanische Form des Vororts schlecht ist für
Gesundheit und Glücksgefühl: Wenn wir vom
Haus direkt in die Garage gehen, ohne einen Nachbarn zu sehen, für jede Milch meilenweit fahren,
zur Arbeit unter Umständen Stunden brauchen.
Eine unglaubliche Energieverschwendung und ineffiziente Art der Fortbewegung. Heutzutage leben, essen, bewegen sich mehr Menschen denn je
alleine. Umso wichtiger ist es, Möglichkeiten der
Begegnung zu schaffen,auch mitHilfe halb öffentlicher Orte.
Das heißt jetzt allerdings nicht, überall Fußgängerzonen einzurichten. So wie es ein Fehler war,
Städte um eine Art der Fortbewegung, das Auto, herumzubauen, ist es ein Fehler zu glauben, dass eine
große Idee ein Viertel retten kann. Fußgängerzonen haben auf der ganzen Welt versagt. Nicht, weil
sie eine schlechte Idee sind – sondern weil so viele
verschiedene Faktoren über Erfolg und Misserfolg
entscheiden. Oft sind die Bewohner schon rausgezogen in
die Vororte, und die Zonen
Die
sind schwer zu erreichen.
beiläufige
Oder sie sind nicht nah genug
an dicht bebauten WohnvierBegegnung
teln, sodass Fußgänger nicht
ist extrem
automatisch vorbeikommen.
Wir müssen uns diesen Prowichtig
blemen von verschiedenen
Seiten nähern, viele Wege einschlagen. Einfach eine Straße in eine Fußgängerzone zu verwandeln, ist nicht die Antwort.
Dazu kommt das Glücksparadox: die Kluft zwischen dem, was gut für uns wäre, und dem, für das
wir uns tatsächlich entscheiden. Zum Beispiel wollen viele vielleicht, dass der Nahverkehr verbessert
wird – aber haben keine Lust, dafür mehr Steuern
zu zahlen. Wir sind oft katastrophal, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen, die zu unserem zukünftigen Glück führen.
— Aufgezeichnet von Susanne Kippenberger
S6
ESSEN & TRINKEN
DER TAGESSPIEGEL
TRADITIONELL
Würden die Franzosen sich nicht andauernd in Berlin verlieben und in die Einwohner dieser Stadt, wir alle äßen
schlechter. Wir Berliner bestellen ja
nicht einfach so den Glucose-Sirup und
die Zutaten für die Crème Pâtissière aus
Frankreich, oder? Wir würden nicht darauf bestehen, dass die Schokolade in
sechs verschiedenen Konzentrationen
von Valrhona kommt, dass Aprikosen jederzeit in einer tartefähigen Reife vorhanden sind und die Himbeeren mit Gardemaß einzeln strammstehen.
Aber Franzosen tun so etwas. Dafür
müssen sie sich nicht einmal verrenken.
Sie kaufen die Pistazien einfach, obwohl
die in diesem Jahr 40 statt 36 Euro im
Kilo kosten.
Christophe Malinge, Patissier aus Tarbes, Süd-West-Frankreich, steht in Wilmersdorf vor der Kulisse eines alten Bäckerei-Ofens mit Ausblick in einen grünen Hof. Die Haare zum Zopf gebunden,
legt er die Hände immer wieder um eine
Edelstahlschüssel und fühlt die Temperatur: Eine blassgrüne Nougatmasse versucht schon seit 50 Minuten runterzukommen. Von 120 Grad auf Raumtemperatur. Seit 50 Minuten dreht sich darin
ein stählerner Besen. Seit 30 Jahren organisiert Malinge Zucker, Ei, Schokolade,
Früchte und Nüsse immer wieder auf andere Weise umeinander herum. Er kann
das nun halb im Schlaf.
Als der Mann vor 20 Jahren der Liebe
wegen nach Berlin kam, irrlichterte er
eine Weile durch die Küchen Berlins, er
versuchte, die kadettenhaften Hotelkü-
Unsere
Besten
Canelés, Schoko-Torpedo, Basilikumgelee – in Berlin man kann so viel Gutes finden.
Zu Ostern drei Lieblingspâtissiers in unserer Serie: Teil 19
VERWEGEN
Pastis: Christophe Malinge, 49, in seiner
französischen Zelle in Wilmersdorf.
chen zu meiden und wurde vor fünf Jahren der Patissier und damit überhaupt
der erste Angestellte des Restaurants
„Pastis“ am Rüdesheimer Platz. Es handelt sich da um eine kleine französische
Zelle, in der nur Franzosen arbeiten, weshalb es passieren kann, dass ein Kellner,
der seine Eltern auf La Réunion besucht
hat, mit einem Kilo Vanilleschoten wieder zum Dienst erscheint.
Damit man das alles probieren kann,
haben sie sich den „Café Gourmand“ ausgedacht, das ist Tee oder Kaffee mit einer
Auswahl von Malinges Köstlichkeiten. Da
passt ein kompletter Frankreichurlaub auf
einen Teller. Zitronentartelettes, tiefdunkle Schokoladentörtchen, geeiste Nougat-Pistazien-Amarena,
Macarons,
Choux und sogar Canelés, das gerippte
Rumgebäck aus Bordeaux. Eine duftig-leichte Aprikosentarte kommt aus seiner Werkstatt, deren Beliebtheit nur noch
von der Birne-Mandelcreme-Tarte übertroffen wird. Man kann nicht behaupten,
diese Geschmäcker seien noch nie dagewesen. Ganz im Gegenteil: Es sind diejenigen, nach denen ein Leben lang sucht, wer
einmal in Frankreich zu Hause war.
Sogar die Eichhörnchen im Hof sind
schon verdorben. Sie wissen: Gelegentlich fliegen in hohem Bogen Haselnüsse
aus der Hintertür dieses Patissiers. Und
zwar geschält!
Deike Diening
— Eine Auswahl zum Mitnehmen gibt es
bei „La Cantine d’Augusta“, Langenscheidtstr. 6A, Di–Sa 10 bis 24 Uhr, So 10.30
bis 17 Uhr. Der „Café Gourmand“ sowie
das ganze Sortiment auf Vorbestellung im
Restaurant Pastis, Rüdesheimer Str. 9.
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Zuka: Konditormeister Gil Avnon, 46, heizt den Limonentartelettes ein.
Foto: Kai-Uwe Heinrich (3), Mike Wolff
EXPERIMENTELL
Jetzt streicht er mit dem Kaffeelöffel etwas Konfitüre auf
die Tartelettes, zack-zack, eine nach der anderen bekommt eine Schicht Orange-Mandarine, unten der gebackene Mürbeteig gefüllt mit Limonencreme, einer Mischung aus Zucker, Ei, Limone, Frischkäse und Sahne.
Fehlt noch der Baiser obendrauf, in einer großen Edelstahlschüssel rührt ein Schneebesen bereits kräftig Eiweiß und Zucker zu Schaum, unter diese Masse zieht man
dann noch Puderzucker, Baiser braucht eine Mischung
von 1:1:1, „so steht er besser“.
Es spricht und werkelt Gil Avnon, 46, Konditormeister,
Lehre im Café Genenz am Adenauerplatz, danach unterwegs in großen Hotels, ein paar Jahre davon im Ausland
(Wien, Zürich, London, Singapur), auch mal auf Tour mit
dem Tross der Formel 1, Höhepunkt das Rennen in Hockenheim, 10 000 Essen in drei Tagen, und Avnon,
schwarze Schürze, dunkles Hemd und ebensolche Augenringe, sagt: „Seitdem schockt mich keine Zahl mehr.“ Arbeiten sei eine Frage von Planung und Zeitmanagement,
man müsse sie nur körperlich durchstehen. Er redet mit
einer Stimme, die ihn zum Gregor-Gysi-Double befähigt.
Nun flitzt er zum Backofen, der gepiepst hat, die Plunder
sind fertig, Schokolade erwärmt sich im Wasserbad, die
Rührmaschineläuft, erbräuchte so viele Armewie die Göttin Shiva, er gleicht das mit Tempo aus, füllt den Schnee in
einen Dressierbeutel, spritzt daraus gleichmäßige Flocken
auf die Limonentartelettes, dann greift er zu einem feuerwehrroten Flammenwerfer, bräunt den Baiser, es ist sieben
Uhrmorgens, ein Teilchen von etwa 25, die im Zuka täglich
angeboten werden, kann in die Vitrine wandern.
Vor vier Wochen hat dieses Café geöffnet, an der Ecke
zum Ludwigkirchplatz, eine Art rundum verglaster Pavillon, früher war ein Drogeriemarkt hier drin, entlang der
ANZEIGE
Fensterfront stehen Tische und Stühle für alle, die ihre süßen Schnittchen und Stückchen vor Ort verzehren wollen.
Die Auswahl fällt nicht leicht, zinnsoldatenakkurat ist die
feine Patisserie an einer langen Theke aufgereiht, Mascarpone-Grüntee-Charlotte, Birnentarte, Kokos-Kirsch,
Mohn-Apfel, Cassistörtchen, Himbeercup, Schoko-Torpedo ...
Kleiner Selbstversuch. Die Brioche sind leicht, luftig
und schreien nach Marmelade, die Apfeltasche hat einen
wunderbar blättrigen Teig, gefüllt mit frischem Obst, das
Mohnplunder schmeckt buttrig und der Mohn erfreulicherweise nicht bitter, die Schnitten haben allesamt einen
eindeutigen, intensiven Touch, die
Kombinationen der Aromen sind so
Es geht ihm verblüffend wie nachvollziehbar,
nichts ist kapriziös, klebrig oder zu
um süß-saure süß.
Gil Avnon in seinem großräumiKontraste,
gen Reich aus Edelstahl und Maschium Brüche
nenpark redet von süß-sauren Kontrasten, von texturellen Brüchen, die
der Textur
ihn reizen, wenn etwa Cremiges auf
einen krachknusprigen Boden trifft,
der aus Grumble mit Sesam und Mandel gebacken ist.
Er sucht gerade etwas im begehbaren Kühlhaus, minus
20 Grad, hier frieren Teig, Böden und Eingemachtes vor
sich hin, der Konditor sagt: „Wenn ich müde bin wie im
Koma, habe ich die besten Ideen.“ So wie er ausschaut, ist
da noch einiges zu erwarten, denn er schiebt in den Anfangswochen extrem lange Schichten. Norbert Thomma
— Zuka Berlin-Wilmersdorf, Emser Straße 25, Telefon
88920203, geöffnet Mo–Sa von 9 bis 20 Uhr, So ab 10 Uhr.
Das soll ein Brownie sein?! Hat mit dem,
was man in Berlin sonst so unter dem Namen kriegt, wenig zu tun. Ein kleines, festes Kunstwerk ist das, kein klitschiges Industrieprodukt, mit knackigen Nüssen
und bester Schokolade. „Feine Patisserie“
steht am Ladenschild, und damit übertreiben Kai Michels und Lucie Babinska nicht.
Im vergangenen Sommer eröffneten die
beiden ihr Ladencafé in Prenzlauer Berg,
kennengelernt haben sie sich in der Weinbar Rutz. Dort war Babinska stellvertretende Restaurantleiterin, Michels Patissière. Gelernt hat die 34-Jährige allerdings Köchin, worüber sie froh ist: Dadurch sei ihr Spektrum größer. Schokolade mit Oliven zu würzen, Erdbeeren mit
Estragon ist für sie ganz normal.
Der Windbeutel hat sich schon zum
Klassiker entwickelt, im Moment ist er gefüllt mit Orangenstückchen, eingelegt mit
Anis. Aber die Freundinnen sehnen sich
nach frischem einheimischen Obst, nach
Erdbeeren, Pfirsichen,Aprikosen. Immerhin, die ersten Rhabarbertörtchen gibt es
schon: mit knackigen Früchten, zarter
Quarkmousse und knusprigen Streuselchen. Wie die meisten Stücke bekommt
man sie sympathischerweise in groß und
in klein, wobei groß, gemessen an amerikanischen Portionen, noch immer ziemlichkleinist. Dafürist jederBissen eineDelikatesse, die es in sich hat. Michels liebt
Butter, Eier, Sahne und Frischkäse. Dennoch kommen die Teile nicht zu schwer
und schon gar nicht zu süß daher, der
Cheesecake ist cremig-zitronig, die Limette-Mascarpone-Kugel enthält eine
grüne Überraschung: Basilikumgelee.
Wer mag, kann sich auch Hochzeitstorten
bestellen, mit Kitsch-frei-Garantie, was
Geschmack und Deko angeht. Oder ein
ganzes Dessertbuffet.
In der Hufelandstraße kann einem
nichtmal das miese Osterwetter was anhaben. Viel Weiß, lustige Glühbirnen, eine
mosaikartig hellblau gekachelte Wand,
die an einen Swimmingpool denken lässt,
und leuchtend gelbe Zitronentörtchen:
Wer den Laden betritt, hat das Gefühl, die
Sonne geht auf. „Heute schon gejubelt?“ steht auf der Tafel an der Wand.
Susanne Kippenberger
— Jubel, Hufelandstr. 10, Prenzlauer Berg,
Di–Fr 11–19 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr, mehr Infos unter jubel-berlin.de.
Jubel: Lucie Babinska, 33, (links) und Kai
Michels, 34, in ihrem Café.
BERLINER SPITZENKÖCHE verraten ihre Tricks
Kalbsragout
Von Michael Kempf
Havelufer
Der neue gastronomische Treffpunkt in Berlin!
Gediegenes Ambiente mit sportivem Charakter
Schönste Terrasse . Bester Havelblick . Regionale & saisonale Speisen
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F
ür das Ragout brauche ich (bei vier
Personen) 800 Gramm ausgelöste
Kalbshaxe. Die schneide ich in fünf
Zentimeter große Würfel, packe sie in
eine Plastikbox, da kommt ein halber Liter Rotwein dazu, vier Zweige Thymian,
zwei Zweige Rosmarin, sechs zerstoßene
Wacholderbeeren, zwei Lorbeerblätter
und ein Teelöffel schwarzer gestoßener
Pfeffer. Wichtig ist, dass das Fleisch mit
Rotwein bedeckt ist. Dann mache ich den
Deckel drauf und lasse es mindestens 24
Stunden im Kühlschrank marinieren.
Noch besser: zwei Tage. Danach trockne
ich das Fleisch gut ab, den Fond hebe ich
auf. In einen großen Topf drei Esslöffel
Pflanzenöl geben, dann werden die Kalbswürfel – leicht mit Mehl bestäubt, dadurch bekommen sie eine schöne Farbe
und die Sauce eine tolle
Bindung – und von allen
Seiten scharf in Öl angebraten. Rausnehmen.
Je 100 Gramm Möhren,
Knollensellerie
und Pastinaken, geschält, schneide ich in
ein Zentimeter dicke
Würfel, vier Schalotten und zwei Knoblauchzehen, geschält, in feine Würfel.
Schalotten und Knoblauch im Fett dunkel
anbraten, dann das restliche Gemüse
dazu. Einen halben Esslöffel Tomatenmark drauf, umrühren und mit dem Rotwein ablöschen. Jetzt alle Gewürze und
das Fleisch dazugeben und ohne Deckel
bei mittlerer Hitze ungefähr zwei Stunden schmoren. Ab und zu mal rühren.
Im Idealfall ist die Sauce schon gebunden, wenn das Fleisch gar ist. Wenn die
Foto: Mike Wolff
G en
ießen & relaxen am
Flüssigkeit nicht ausreicht, noch ein bisschen Wein dazugeben, wenn man zu viel
Sauce hat, einfach separat etwas einkochen lassen. Mit Salz abschmecken. Und
ich steh total auf Zuckerrübensirup, das
gibt eine schöne Süße. Ich würde vorsichtig starten, mit einem Teelöffel. Als Alternative: Johannisbeergelee oder Preiselbeeren, da braucht man aber einen Esslöffel. Außerdem die Schale einer halben
Orange und ein bisschen Saft, maximal
von einer ganzen Apfelsine. Wer mag,
gibt noch drei Esslöffel Frühstücksspeck,
ganz fein gewürfelt und knusprig in der
Pfanne ausgelassen, obendrauf. Dazu:
Serviettenklöße oder Spätzle. Im Herbst
und Winter kann man das Ragout auch
gut mit Hirschfleisch machen.
— Michael Kempf ist Chefkoch im Restaurant Facil an der Potsdamer Straße
Von TISCH zu TISCH
Schloss Britz
Hummer
mit Portweinsoße
Von Bernd Matthies
H
eute mal ganz was anderes: Nachrichten aus der hipsterfreien
Zone. Es gibt durchaus noch Restaurants in Berlin, die keine riesige Welle
vor sich her schieben, im Ausland unbekannt sind und einfach nur nett zu ihren
Gästen sein wollen. Im adrett restaurierten Schloss Britz findet sich ein solches
Restaurant, das noch eine andere Besonderheit bietet: Mit Ausnahme des Küchenchefs sind alle Mitarbeiter Azubis. Das
geht natürlich nur, weil sie im Estrel-Hotel angestellt sind und sich hier in einem
überschaubaren Rahmen ausprobieren
können, den ihnen das gigantische Hotel
naturgemäß nicht bietet. Gute Idee!
Das Restaurant Schloss Britz also –
nicht zu verwechseln mit dem Restaurant
von Matthias Buchholz auf dem Gutshof
ums Eck – ist winzig, ein gemütliches Kellergewölbe, stimmig und stilvoll eingerichtet, wobei die besser beleuchteten Tische zur Theke hin liegen und die am allerbesten beleuchteten im Garten vor der
Tür. Der ist ein guter Tipp fürs Freiluftes-
Schloss Britz, Alt-Britz 73, Britz, Telefon
609 750 39, Mi bis Sa 11.30 bis 22 Uhr, So bis
20 Uhr.
Foto: Kai-Uwe Heinrich
sen, wenn er auch nach vorn zur kleinen
Straße liegt und nicht auf der Parkseite.
Wir haben allerdings saisonbedingt drinnen getafelt und waren zufrieden, wenn
auch die Küche anfangs viel Zeit benötigte, um in die Gänge zu kommen. Doch
das schien kein Grundsatzproblem zu
sein, weil es deutlich zügiger weiterging.
Das Essen trägt natürlich die Handschrift des Küchenchefs René Bütefisch,
der seinem Namen zum Trotz gebürtiger
Koreaner ist. Fernöstliches klingt aber
nur im Vorzeigegericht der Küche an, der
„Tronconette“ vom Hummer, wahlweise
halb oder ganz für 21 oder 38 Euro.
Keine Ahnung, was dieser sehr unübliche
Begriff bedeutet, es handelt sich um
nichts als Hummer, vier Teile, in der
Schale angenehm aufbereitet. Dazu gibt
es eine kräftige, dunkelbraune Soße mit
weißem Portwein und ein mit Ingwer gewürztes Gemüse in dünnen Streifen, das
für meinen Geschmack zu wenig Biss
hatte. Insgesamt hat es mir ganz gut gefallen, ich würde aber verstehen, falls Puristen die Soße etwas laut finden und eine
Überarbeitung anregen.
Dieses Gericht läuft hier offenbar sehr
gut, aber es gibt natürlich auch Einfacheres. Etwa eine Linsenschaumsuppe mit
Kreuzkümmel, Minze und Kürbiskernen,
die man in Konsistenz und Würzung
nicht besser machen kann (7 Euro). Oder
eine brave Rinderbouillon mit Flädle und
Gemüsen (8 Euro). Oder die Gremolata
vom Rind, dünne, kurz und hübsch rosa
gebratene Fleischscheiben auf Gemüse
und Zitronencreme mit gebackenen Kapern, eine Vorspeise, wenn auch keine
allzu leichte (15 Euro). Das Angebot von
Hauptgängen startet beim Wiener
Schweineschnitzel; etwas anspruchsvoller geht es beim Tafelspitz zu, der nicht
nur auf einer kunstvoll verwobenen Mixtur aus Meerrettichsahne und Gemüsen
gereicht wird, sondern auch noch mit einem Rote-Bete-Salat und einem angenehm fettarmen Rösti kommt (16 Euro).
Das Zanderfilet „Grenobler Art“ war
ebenfalls üppig dosiert, sauber gebraten
und von einem Ragout aus Kartoffeln,
Gurken und Roten Beten angenehm begleitet, leider aber insgesamt merklich unterwürzt. Und ich würde auch raten, die
Kapern-Zitronen-Butter, die die Grenobler Art ausmacht, nicht oben auf die gebratene Haut zu packen, denn die wird
dadurch labbrig und lasch (19 Euro).
Aber das sind Einwände, die nichts daran
ändern, dass hier für vernünftige Preise
ein hoher Gegenwert geboten wird. Das
Dessert, na ja, hier schien der Azubi-Ehrgeiz dann doch an Grenzen zu stoßen,
denn der Ofenschlupfer war frisch aus
der Mikrowelle geschlupft und kam mit
Vanilleeis und Waldbeerensoße, die
beide sehr konfektioniert schmeckten.
Der Service, natürlich ebenfalls von
Azubis erledigt, funktioniert ausgezeichnet, aufmerksam und freundlich, wenngleich etwas befangen und mit zu vielen
Hat’s-geschmeckt-Nachfragen, aber das
ist in diesem Fall verständlich. Cool und
routiniert können die jungen Leute später ja immer noch wirken. Die Weinkarte
ist relativ klein, aber gut sortiert, und
auch die offenen Weine sind zwar nicht
billig, aber ihr Geld wert: Weißburgunder von Bassermann-Jordan aus der Pfalz
kostet 10 Euro im 0,2-l-Glas. Kurz: Ein
Restaurant, das sich vor dem Konkurrenten von nebenan nicht verstecken muss.
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
DIE GESCHICHTE
DER TAGESSPIEGEL
S7
In Aktion. Auf der Hängeseilbahn konnten sich
Kinder durch den Park
ziehen lassen (unten).
Das Bild darunter zeigt
den „Kraftmenschen“
Fritz Brust, wie er das
Gewicht eines Ambosses
und wiederholt Hammerschläge aushält.
Spektakel. Der „Eiserne
See“ (Bild rechts) gilt als
Vorläufer heutiger Autoscooter. Das Ausflugslokal
am Eingang des Areals
(unten) hatte mehrere
Terrassen, von denen
aus die Gäste Musikern
und Akrobaten zuschauen
konnten. Darunter:
Tänzer im Wellenbad.
F: pa/akg(2),pa/SZ,Imago,Ullstein
Extrem
und
unglaublich
laut
voll
den. Außerdem einen Saal, in dem ein neuartiger
Modetanz namens Tango ausprobiert werden
konnte, später auch Shimmy und Charleston. Auf
einer Wackeltreppe bewegten sich die Stufen fortereits wenige Tage nach Eröffnung gin- während auf und ab, sodass es mühsam war, sie zu
gen bei der Polizei Beschwerdebriefe erklimmen, und lustig für das Publikum, anderen
ein. Anwohner waren empört. Die zu dabei zuzuschauen. Abends erleuchteten zehntauHunderten vorfahrenden Autodrosch- sende Glühlampen das Gelände, und mehrmals in
ken verursachten rund um den Halensee der Woche wurde Feuerwerk abgebrannt.
Je nach Geschmack konnten sich die Gäste des
Gestank und Lärm, dazu kamen die Geräusche aus
dem Park: das Rattern von Metallrädern auf Holz- Lunaparks durchschütteln lassen, durchnässt, geschienen, das Kreischen der Gäste, Motorenbrum- dreht und geschleudert werden, schnelle Fahrten,
men. Auch die Völkerschau störte, damals im Mai ungewohnte Höhen, Fliehkräfte und optische Illu1910. Immer wenn die sogenannten „Somali- sionen auf sich wirken lassen. Doch auch ein ruhineger“ ihre Tänze aufführten, wurde getrommelt ger Aufenthalt war möglich. Die „Vossische Zeitung“ schrieb 1926: „Der Luna-Park, der in dem
und laut auf den Boden gestampft.
Polizei und Verwaltung reagierten auf die Be- staubigen Steinmeer des sommerlichen Berlins
schwerden: Das Dorf der Somalis wurde mit Lärm- eine erfreuliche Oase reiner Luft und gesunder Erholung bietet, ist schon wegen seines
schutzwänden abgeschirmt, den Gästen
herrlichen weiten Parks und wegen der
das Kreischen auf Fahrgeschäften unterkühlenden Nähe des Halensees ein besagt. Allerdings musste der PolizeipräsiDer Park
liebter Ausflugsort der Berliner.“ Überdent von Schöneberg-Wilmersdorf bald
eingestehen, dass die „völlige Beseiti- präsentierte haupt schrieben viele Zeitgenossen über
den Lunapark. Nicht alle waren begeisgung dieses Übelstands“ unmöglich
die erste
tert, manche lehnten die Vergnügungen
war, da trotz der an verschiedenen StelRolltreppe als oberflächlich ab. Maxim Gorki etwa
len auf seine Veranlassung hin angedurchlebte ein Wechselbad der Gefühle.
brachten Plakate, die Schreie verboten,
Berlins
Er beschrieb „gräuliche Pracht“ voller
einzelne Fahrgäste „immer noch unwill„alberner Attraktionen“ und „braver
kürlich ihren Gefühlen Luft“ machten.
Er war der größte und berühmteste Vergnü- deutscher Musik, die man ,Musik für Dicke‘ nengungspark Berlins. Direkt am Halensee gelegen, nen könnte“, und musste dennoch zugeben, dass
am westlichen Ende des Kurfürstendamms, wo die Seiltänzerin, das Feuerwerk und die nächtlidie dichte Innenstadtbebauung überging in die lo- che Illumination „beinahe schön“ waren. Heinrich
cker bebaute Villenkolonie Grunewald, bot der Lu- Mann fasste seinen Besuch des Parks im Sommer
napark auf 5,5 Hektar ein Sammelsurium an At- 1929 mit den Worten zusammen: „Dank Ironie
traktionen. Alle Gäste betraten ihn vom Kurfürs- wird alles erträglich.“
Von 1910 bis zum Ersten Weltkrieg öffnete der
tendamm aus durch ein nahezu haushohes Eingangsportal, an das sich ein enger Säulengang an- Lunapark jährlich im April oder Mai und bot dann
schloss. An dessen Ende öffnete sich das Gelände, ein Vergnügungsprogramm für die Sommermound über eine breite Freitreppe gelangten die Besu- nate. Kurz nach Kriegsbeginn 1914 musste der Lunapark schließen. Im Hauptrestaurant wurden ein
cher hinab in den Park.
Den vorderen Teil dominierten die „Terrassen Lazarett und eine Konservenfabrik zur Versoram Halensee“, ein Ausflugslokal für bis zu 10 000 gung der Armee eingerichtet. Erst an den PfingstGäste. Die Architektur des Riesen-Restaurants feiertagen 1920 eröffnete der Lunapark wieder.
Angesichts der hohen Ausgaben für neue Attrakwar ungewöhnlich. Von innen beleuchtbare
Türme, Skulpturen und ein künstlicher Wasserfall tionen, Energie für bis zu 1000 Angestellte und
schufen ein verspieltes Ambiente. Die Gäste sa- die „Lustbarkeitssteuer“ war der Lunapark darauf
ßen auf offenen Terrassen mit Blick auf den See. angewiesen, in der kurzen Sommersaison so viel
Vorm Gebäude musizierte ein Orchester, auf einer Publikum wie möglich anzuziehen. Deswegen
Freiluftbühne traten Akrobaten auf, eine illumi- musste sich die Direktion immer wieder Neuerunnierbare Fontäne sprühte Wasser in die Luft, im gen einfallen lassen: Liliput hieß 1926 die soge„Bayrischen Dorf“ wurde Bier ausgeschenkt und nannte Zwergenstadt, in der kleinwüchsige Bewohner den Bürgermeister, die Feuerwehr, die
Schuhplattler vorgeführt.
Dahinter befanden sich die Rummelplatzattrak- Stadtwache und eine Zirkustruppe stellten. Ebentionen. Die Karren der Wasserrutschbahn rollten falls 1926 installierte die Direktion eine der ersten
eine Rampe ins Wasserbecken hinab. Es gab den Rolltreppen Berlins – noch bevor diese zum alltäg„Eisernen See“, einen Vorläufer der heutigen Auto- lichen Beförderungsmittel in der Berliner U-Bahn
scooter, dazu Karusselle, Schieß- und Würfelbu- wurden. Und Max Schmeling trat im Park vor
Von Johanna Niedbalski
B
Am Halensee eröffnet
1910 der Lunapark –
ein gewaltiger Ort
der Vergnügungen.
Zehntausende Berliner
strömen hin,
Nachbarn sind genervt,
Maxim Gorki spottet
5000 Zuschauern zu seinem ersten Titelkampf an:
In nur zweieinhalb Minuten besiegte er seinen
Gegner Max Diekmann, wurde mit 21 Jahren Deutscher Meister im Halbschwergewicht.
Auch das neue Medium Rundfunk prägte das
Vergnügungsangebot des Parks. Seit Oktober
1923 wurden die ersten Radiosendungen aus dem
Berliner Vox-Haus gefunkt, noch aber gab es nur
wenige Privathaushalte mit Empfangsgeräten. Im
Lunapark öffnete daher ein Radiohaus, in dem das
Rundfunkprogramm gehört werden konnte. 1927
gab es ein Funkfest, das als Testlauf für die noch
junge Technik der Liveübertragung diente. Wer
inzwischen ein Radio besaß, konnte das Fest zu
Hause vor dem Gerät verfolgen. Dennoch musste
der Lunapark an diesem Abend wegen Überfüllung schließen. Die „Vossische Zeitung“ schrieb,
eine „noch größere Menschenmenge als sonst“
habe sich „vor den Toren des Lunaparks“ gestaut,
eine „bunte, fröhliche Menge wogte treppauf und
treppab, stand oben auf der Dachterrasse (...) und
hielt jedes kleinste Plätzchen und Tischchen besetzt“. Die Direktion teilte anschließend mit,
68 000 Gäste seien eingelassen, weitere 15 000 abgewiesen worden.
Warum sich Historiker heute mit einem Unterhaltungsangebot wie dem Lunapark befassen?
Weil auch dort gesellschaftlich relevante Konflikte ausgefochten wurden. Zum Beispiel die
Lärmbeschwerden der Anwohner. Sie zeigen, dass
bereits 1910 darüber gestritten wurde, wie laut
Vergnügen in der Stadt sein durfte, wo es überhaupt geduldet wurde und wie man die Störungen
für die Anwohner möglichst gering halten konnte.
Zu den Maßnahmen der Stadt gehörte damals übrigens auch, dass Taxis nur noch direkt auf dem Kurfürstendamm halten durften. Man nahm an, dass
sich die dortigen Anwohner bereits an die Geräusche des neuen Verkehrsmittels gewöhnt hatten.
Der Lunapark wollte ein zentrales Vergnügungsangebot der Weltstadt Berlin sein. Zum damaligen
Verständnis von Internationalität gehörte auch
ein großes Interesse an vermeintlich exotischen
Bauten, Menschen und Tieren. Bis in die 1930er
Jahre hinein wurden daher tausende Menschen
aus aller Welt von professionellen Impresarios
nach Europa und Nordamerika gebracht, um dem
Publikum ihren scheinbar authentischen Alltag
vorzuführen. Nach den trommelnden „Somaline-
Prominentestes Fahrgeschäft war die Gebirgsgern“ aus der Startsaison präsentierte der Park
1911 die „Straße von Kairo“ mit Nachbauten einer szeneriebahn, deren Kulisse im Laufe der Jahre zigMoschee, eines Kaffeehauses, einer Basarstraße fach umgestaltet wurde, mal eine Urwald-, mal
und eines Harems. Diese Attraktion wurde eher eine mittelalterliche, mal eine Wolkenkratzerdekospöttisch kommentiert, die „Berliner Morgen- ration abbekam. Letztere erinnerte viele Besucher
post“ schrieb: „Alles sieht noch etwas zu neu aus, 1928 an den im Vorjahr uraufgeführten Film „Meund in den Duft des Orients mischt sich der tropolis“ von Fritz Lang. Siegfried Kracauer
Geruch frischer Ölfarbe“. Ernsthafter fielen die dachte internationaler und beschrieb die Bahn als
Presseberichte zur Kongo-Schau des Lunaparks ein „überberlinisches New York“.
Mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit er1912 aus. Erst im November des Vorjahres waren
im Zuge des Marokko-Kongo-Abkommens zwi- regte das 1927 eröffnete Wellenbad. In dem 40
schen Frankreich und Deutschland Teile von Fran- Meter langen Becken badeten Frauen und Männer
zösisch-Äquatorialafrika übernommen und der gleichzeitig, damals keine Selbstverständlichkeit.
deutschen Kolonie Kamerun angegliedert worden. Eine Wellenmaschine erzeugte bis zu zwei Meter
Die Völkerschau des Lunaparks warb nun damit, hohe Wogen. Da sich das Hallendach öffnen ließ,
„unsere neuesten Landsleute, die Kongoneger“, im- konnte im Sommer unter freiem Himmel gebadet
portiert zu haben, und die Berliner Presse fühlte werden. Durch eine Brücke war das Bad mit dem
sich berufen, anthropologische und kolonialpoliti- Dach des Terrassengebäudes verbunden. Dort besche Statements abzugeben. Die „Wilmersdorfer fand sich eine Sommereisbahn, auf der Gäste im
Zeitung“ schrieb: Die ausgestellten Afrikaner zeig- Badekostüm Schlittschuh laufen konnten.
Der Betrieb eines Vergnügungsparks war (und
ten sich als ein „prächtiger, kräftiger Menschenschlag von nicht unbedeutender Intelligenz, die es ist) prekär. Bereits ein verregneter Sommer
unter der strammen deutschen Zucht wohl zur Ge- konnte sich verheerend auf das Geschäft auswirsittung und großen Brauchbarkeit für die mensch- ken. Der Lunapark meldete im Oktober 1933 nach
19 Betriebsjahren Konkurs an. Sein Ende war
liche Gesellschaft bringen“ würden.
Anders als heutige Anlagen waren Vergnügungs- durch diverse Faktoren bedingt: Mit der Weltwirtparks um 1900 nicht überwiegend Kinderbelusti- schaftskrise blieben die Massen von Gästen aus,
gungen. Vielmehr kamen hier Männer und die in der Lage waren, viel Geld für Unterhaltung
Frauen, alte und junge Menschen sowie Angehö- auszugeben. Die Betreiberfirma des Parks hatte
rige aller sozialen Schichten zusammen. Obwohl hohe Schulden angesammelt – ob Steuern oder
der Lunapark, wie der Berliner Flaneur Franz Hes- Misswirtschaft dafür verantwortlich waren, ist
sel schrieb, „für alle“ war, lag er doch am Ende des heute kaum rekonstruierbar. Ebenso ist der Einfluss der Machtübernahme der NationalKurfürstendamms. Dieser entwickelte
sozialisten schwer einzuschätzen. Desich zum Symbol nicht nur der Reichen
ren Abneigung gegen das vermeintlich
und Neureichen Berlins, sondern auch
An den
dekadente Treiben im Park war sicherder aufstiegswilligen Schicht der Angestellten. Letztere wohnten zwar selten „Elitetagen“ lich nicht förderlich. Doch die Organisatoren hatten es auch in den letzten Berund um den Kurfürstendamm, aber kakam nur
triebsjahren versäumt, in neue Attraktiomen dorthin, um die zahlreichen Vergnürein, wer
nen zu investieren.
gungslokale aufzusuchen und ihre BeVon den Fahrgeschäften und Buden ist
reitschaft zum sozialen Aufstieg zu ver- mehr zahlte
heute nichts mehr übrig. Mitte der
deutlichen. Joseph Roth bezeichnete
1930er Jahre zeigte der Berliner Magisden Lunapark daher als die „Pointe des
trat im Zuge der Planungen für die Olympischen
Kurfürstendamms“.
Der Park war auch deshalb für ein schichten- Spiele Interesse an den Grundstücken des ehemaliübergreifendes Massenpublikum attraktiv, weil es gen Lunaparks: Quer über das Gelände wurde eine
innerhalb des Geländes Möglichkeiten gab, sich Verbindungsstraße zwischen den südlichen Stadtabzugrenzen. Eine davon bestand in der Staffe- teilen, dem Messegelände und dem Olympiastalung der Eintrittspreise: In der Saison 1911 kos- dion gebaut. In den 1950er Jahren kam im Rahtete der Parkeintritt an normalen Tagen 50 Pfen- men des autogerechten Umbaus der Stadt der
nige. An „Volkstagen“ mussten die Gäste nur die erste Bauabschnitt der Berliner Stadtautobahn
Hälfte bezahlen. Das teurere Pendant waren die hinzu. Heute ist das einer der meistbefahrenen Au„Elitetage“, an denen der Eintritt eine Mark kos- tobahnabschnitte Deutschlands.
tete. Wer es sich leisten konnte, mischte sich unter
das exklusivere Publikum der Elitetage und bekam — Die Autorin ist Historikerin, promoviert an der
für sein höheres Eintrittsgeld auch Extras gebo- Freien Universität zur Berliner Vergnügungskultur
ten, etwa ein prächtiges Feuerwerk oder den Auf- um 1900 und hat die Geschichte des Lunaparks umfassend recherchiert.
stieg eines Fesselballons.
S8
SONNTAGS
DER TAGESSPIEGEL
BERLINER LISTE
D
Kleine
Geschichten
aus unserer
großen Stadt.
Wäre doch
schade, wir
hätten sie nicht
aufgeschrieben.
1
RELIGIONSUNTERRICHT
Montagmorgen, in einem
Bus in Neukölln. Zwei
Schüler unterhalten sich.
„Weißt du, was am Freitag
ist?“ – „Dann ist Osterhasens Geburt!“ – „Und
Sonntag?“ – „Da versteckt
er die Eier in den Stiefeln.“
2
KLEINE FREUDEN
Sonntagnachmittag. Eine
Frau in den besten Jahren
spielt mit ihrem Enkel im
Garten. Der Junge will,
dass sich beide hinknien
und sich dann den Ball zuwerfen. „Ich kann heute
nicht“, sagt seine Oma.
„Ich habe mir das Knie angeschlagen.“ – „Oh, zeig
mal her! Ui, das ist ja grün
und blau – toll, deine Lieblingsfarben!"
3
UNSER GUTER RUF
Samstag. Sellin auf Rügen.
In den Wellen schaukeln
mehrere kleine Boote mit
Anglern. Ein alter Seemann auf der Seebrücke
schüttelt den Kopf und
sagt: „Was wollen die denn
da fangen? Der Hering
kommt nech’ so dicht ans
Ufer. Vermutlich Berliner,
nech? Die wissen halt eh
alles besser.“
4
VERTAN
Mittwochmittag in einem
Biomarkt am Kaiserdamm.
An der Kasse packt ein
junger Mann große Mengen Gemüse auf das Laufband. Eine alte Dame fragt
erstaunt: „Das wollen Sie
alles essen?“ – „Ja, ich bin
Veganer.“ – „Ah, Amerikaner. Und ich dachte immer,
die essen nur Hamburger.“
5
HEIMISCHE GEBRÄUCHE
Samstagnachmittag, zwei
Spanier sind zu Besuch
und bummeln durch Kreuzberg und Neukölln. Sie tuscheln, zeigen auf Fassaden. Nach einer Weile fragen sie: „Darf man in Berlin jedes Haus mit Graffiti
bemalen?“ – „Nein, eigentlich nicht.“ Sie nicken,
nach ein paar Minuten:
„Aber die sind hässlich.“ –
„Tja ...“ – „Und wer macht
die dann weg?“ Schulterzucken.
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
6
EIN RELIKT
Donnerstagnachmittag,
ein Modegeschäft in Charlottenburg. Ein Jugendlicher wird von seiner Oma
neu eingekleidet und probiert in der Umkleidekabine einen Anzug an. Plötzlich ruft er: „Hier sind
keine Kleiderbügel, Oma!“
Sagt der Verkäufer: „Oh,
ein ordentlicher junger
Mann – so etwas ist selten
heutzutage.“
7
MANNOMANN
Donnerstagfrüh in einem
Kreuzberger FitnessStudio. Zwei ältere Herren
verabschieden sich voneinander. „Wünsche frohe
Ostern. Und viele dicke
und große Eier.“ – „Hab ick
jetze schon, höhöhö.“
SONNTAG
Norbert Thomma (Leitung),
Andreas Austilat (Stv.),
Susanne Kippenberger,
Esther Kogelboom, Sebastian
Leber; Mitarbeit: Ulf Lippitz,
Björn Rosen; Autoren: Deike
Diening, Jens Mühling,
Barbara Nolte, Julia Prosinger,
Hartmut Wewetzer;
Gestaltung: Ursula Dahmen,
Yvonn Barth.
Liebe Leser, schreiben Sie uns:
SONNTAG, 10876 Berlin,
oder sonntag@tagesspiegel.de
und werden Sie unser Freund:
tagesspiegel sonntag
Dr. WEWETZER
Neunfacher
Schutz
Hartmut Wewetzer
fahndet nach guten Nachrichten
in der Medizin. Heute: Eine neue
Impfung gegen krebserregende Viren
S
Vom Leben gezeichnet. Hier finden Sie jede Woche einen Comic, der extra für den Tagesspiegel gestaltet wurde; abwechselnd von Flix, Mawil, Olivia Vieweg und diesmal Tim Dinter. Mehr: tagesspiegel.de/comics
I
Katja Reimann macht sich locker
Yoga to go
Mit meiner Gewichtszunahme
kam die Sorge vor der Unbeweglichkeit. Unter keinen Umständen wollte
ich mich künftig morgens nur noch
ächzend aus dem Bett hieven, vom
Sofa nur noch mit Hilfestellung herunter- und die fünf Stockwerke Treppenstufen zu unserer Wohnung eben
so heraufkommen. Was ich früher
nie schaffte, erlegte ich mir nun als
Pflicht auf: jeden Tag Yoga, überall.
In der Praxis ließ sich das allerdings nicht stressfrei gestalten.
Schon gar nicht unauffällig. Ich begann zu recherchieren und stieß auf
Ratgeberliteratur, auf Dossiers zu
„Yoga im Büro“. Zu aufwendig. Es
dauerte, bis ich herausfand, dass Kollegen mir längst voraus waren.
Zwei Damen, die kurz vor der
Gründung einer Betriebssportgruppe „Treppenlauf“ stehen, zum
Beispiel. Die mir, im Vertrauen, verrieten, dass ein etwas längerer Auf-
Fotos: Mike Wolff
mmer mal wieder schreiben Menschen, dass Yoga ihr Leben verändert hat. Vor wenigen Tagen erst
las ich so einen Text online in einem
Fachmagazin. Eine Frau erklärte, wie
sie dank der regelmäßigen Gymnastik 20 Kilogramm abgenommen
habe, sich in der Folge also ihr Leben, jawohl, total veränderte. 20 Kilogramm, Respekt.
Ich nehme gerade zu. Darüber
schreibt natürlich niemand. Wie es
ist, Sport zu machen und dabei runder zu werden. Dabei ist es nicht weniger umwälzend.
Erst wechselte ich den Yogakurs,
vom dynamischen Vinyasa zum etwas entspannteren Hatha. Horchte
genau ins Knie, bevor ich mich in einen einbeinigen Krieger wuchtete,
bestand nicht mehr darauf, in der
Vorbeuge mit den Fingerspitzen den
Boden zu berühren. Und trotzdem
war ich dem Kern des Ganzen noch
nie näher: easy bleiben.
Plötzlich funktioniert es. Wurde
ich früher dazu aufgefordert, intensiv in mich hineinzuhorchen, vernahm ich viel weißes Rauschen.
Jetzt ist da noch etwas, ein zartes Gemurmel, jedenfalls so in der Art.
enthalt vor dem Kopierer ideal sei,
um in leichten Schaukelbewegungen
die sogenannte Venenpumpe zu bedienen. Gegen Krampfadern, Thrombosen und generelle Steifheit.
Kollege W. empfahl mir, mich zur
Dehnung der Rücken- und Nackenmuskulatur in einen Türrahmen zu
hängen. Kollegin S., zugegebenermaßen kleiner und leichter als W. und
ich, praktiziert dies regelmäßig an einem (festgeschraubten!) Regal.
Mein Vater wiederum riet mir, solange es nur gehe, die Schnürsenkel
meiner Schuhe täglich nicht im Sitzen, sondern vorgebeugt im Stehen
zu schließen.
Gestern nun habe ich mir ein Paar
Schuhe zum Hineinschlüpfen gekauft. Um das zu tun, stehe ich aber
jeden Morgen kurz auf einem Bein.
In neuen Schuhen marschiere ich
fünf Stockwerke zur Haustür hinunter, drei im Verlagsgebäude wieder
hinauf, ich trippel auf der Stelle und
wenn niemand hinsieht, baumel ich
gelegentlich im Türrahmen. Abends
gehe ich die fünf Stockwerke wieder
hoch. Manchmal mache ich eine
kleine Pause auf halbem Weg, da können die Nachbarn kichern, ich bleibe
Zen. Wer Yoga macht, der weiß:
Auch im Leben gilt das Motto der
Swinger – „Alles kann, nichts muss“.
Ich muss gar nichts!
Es heißt, wenn man schwanger ist,
verschieben sich Schwerpunkte im
Leben. Ich kann das nur bestätigen.
Niemals habe ich es vorher geschafft,
anständig in Malasana, der tiefen Hocke, zu sitzen. Füße flach auf den Boden und den Po so weit senken, dass
er knapp über dem Boden hängt, Ellenbogen an den Innenseiten der
Knie, Hände vor der Brust zusammen. Nun, mit ein bisschen Bauch,
hat das Gekippel ein Ende, ich hocke
wie eine Eins.
Den Text der erschlankten Kollegin habe ich mir ausgedruckt. Kann
sein, ich werde ihn noch brauchen.
— An dieser Stelle wechseln sich ab:
Sebastian Leber, Moritz Rinke, Katja
Reimann und Jens Mühling.
o richtig gut angesehen ist die Impfung gegen Papillomviren (HPV) in
Deutschland nicht. Während gegen
Masern immerhin um die 90 Prozent der
Kinder geimpft sind (und selbst das gilt
als zu niedrig), liegt die Impfrate bei
HPV, dem Erreger von Gebärmutterhalskrebs, je nach Schätzung nur zwischen
40 und 60 Prozent der Mädchen. Das ist
bedauerlich, denn die 2006 eingeführte
Vorsorge ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Gerüchte über schwerwiegende Komplikationen, nicht unerwartet
bei einem neuen Impfstoff, bewahrheiteten sich nicht.
Die Impfung, empfohlen für Mädchen
im Alter von neun bis 14, wappnet zuverlässig vor Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs, die durch die HPV-Typen 16
und 18 ausgelöst werden. HPV-16 und
-18 sind die Ursache von 70 Prozent aller
Fälle dieser Erkrankung. Ein neuer Impfstoff verleiht nun einen mutmaßlich
90-prozentigen Schutz, da er gegen eine
Reihe weiterer krebserregender HPV-Varianten schützt. Die Impfung richtet sich
gegen neun HPV-Typen, ihr voraussichtlicher Name lautet daher „Gardasil 9“. Vermutlich kommt sie
Anfang 2016 bei uns
Der Impfstoff auf den Markt.
Warum schreibe
schützt
ich „mutmaßlicher“
vermutlich zu Schutz gegen Krebs?
Das liegt ganz ein90 Prozent
fach daran, dass es
an die 20 Jahre dauvor Krebs
ern kann, bis nach eidurch
ner Infektion mit
Papillomviren HPV Krebs ausbricht. Die Impfung
ist zu neu, um den
Schutzeffekt bereits beobachten zu können. Aber mehrere Indizien sprechen dafür, dass er sich bewahrheiten wird: Der
Zusammenhang zwischen einem Befall
mit HPV und Gebärmutterhalskrebs ist
bewiesen, zudem schützt der Impfstoffgegen die HPV-Infektion und gegen KrebsVorstufen, die auf HPV zurückgehen.
Mehr und mehr zeigt sich außerdem,
dass das sexuell übertragbare Virus auch
bei anderen Tumoren im Spiel ist. Die
Liste ist lang: Vulva, Scheide, Penis,
Anus, Mund und Rachen sind anfällig für
HPV-bedingten Krebs. Es ist wahrscheinlich, dass die Impfung auch diesen Geschwulstformen vorbeugt.
„Dieser Impfstoff kann die Mehrheit
der Fälle von Gebärmutterhalskrebs buchstäblich ausmerzen, vorausgesetzt, er findet weite Verbreitung und wird richtig
eingesetzt“, sagt der Gynäkologe Warner
Huh von der Universität Alabama. Gemeinsam mit anderen Forschern hat Huh
den neuen Neunfach-Impfstoff getestet.
An der Studie, die erfolgreich verlief, nahmen rund 14 000 Frauen teil.
Es ist naheliegend zu fragen, ob der
Körper nicht überfordert ist, wenn er
gleich gegen neun Virustypen geimpft
wird. Die Wissenschaftler fanden dafür
keine Anhaltspunkte. Lediglich eine gelegentlich auftretende Schwellung an der
Einstichstelle war etwas häufiger bei dem
Neunfach- im Vergleich zum herkömmlichen Vierfach-Impfstoff. Das Immunsystem verfügt über erstaunliche Kapazitäten. Der Kinderarzt Paul Offit von der
Universität Pennsylvania hat einmal ausgerechnet, dass es möglich wäre, gleichzeitig gegen 10 000 Krankheitserreger zu
impfen. Selbst das würde die Körperabwehr noch verkraften. So viele verschiedene Spielarten hat nicht einmal HPV.
— Unser Kolumnist leitet das Ressort Wissenschaft und schreibt hier jeden ersten
Sonntag im Monat. Haben Sie eine Frage
zu seiner guten Nachricht?
Bitte an: sonntag@tagesspiegel.de
REISE
Foto: M. Vahlsing, picture alliance
SPANIEN Pilgern auf den Spuren
des heiligen Ignatius – Seite R 3
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Wandern abseits von bekannten Trampelpfaden
www.grafenast.at – Siehe Seite R2
RÜGEN Wandern im Zeichen
des Wandels – Seite R 4
WWW.TAGESSPIEGEL.DE/REISE
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
SEITE R 1
Fred braucht keine Bordkarte
Es war die Idee zweier
Liebhaber fürs Maritime:
Ein Stofftier sollte reisen.
Nun tourt es seit
fünf Jahren übers Meer
Von Bernd Ellerbrock
Dürfen wir Ihnen Fred vorstellen? Fred
befindet sich seit nunmehr fast fünf Jahren auf Kreuzfahrt und war schon auf
Malta, in New York City und Mumbai, in
der Karibik, durchfuhr den Panama-Kanal, besuchte Singapur, Hongkong und
die Antarktis. Neidisch? Nun, es kommt
noch besser. Fred reist für lau, zahlt keinen Cent, wird verwöhnt rund um die
Uhr, und ein Ende der Reise ist überhaupt nicht in Sicht. Er hat allerdings
auch keinerlei Gepäck dabei und verzehrt nichts. Das ist Ihnen jetzt zu viel
Seemannsgarn? Aber nein, hinter Fred
verbirgt sich ein pfiffiges Projekt für Seeleute und Landratten zugleich.
Fred reist also auf Schiffen um die
Welt. Seine Fahrt ins Ungewisse begann
im Juli 2010 auf dem Segelboot „Bareck“,
mit dem ihn sein Pate Martin die Elbe abwärts von Wedel nach Brunsbüttel
brachte. Seine Mutter Gudrun konnte
nicht dabei sein, die hatte im thüringischen Sonneberg genug in ihrer Manufaktur für Spielwaren zu tun, wo auch Fred
„geboren“ wurde. Denn Fred ist ein dreißig Zentimeter großes weißgraues
Plüschmaskottchen
mit
schwarzen
Panda-Kulleraugen, bekleidet mit einer
maßgeschneiderten
orangefarbenen
„Fred Rescue“-Rettungsweste. Fred sieht
aus wie ein Erdhörnchen und ist eine Erfindung von Axel Will (53) und Martin
Leuschner (35) – der eine war selbst jahrelang als Kapitän
auf den Weltmeeren
unterwegs und arbeiEr schlürfte
tet jetzt als Elblotse,
Cocktails,
der andere entwickelt Software für
schwitzte
die maritime Wirtin der Sauna schaft.
Ein am Schlüsselund tauchte
bund
hängendes
Stofftier
brachte
Will auf die Idee: „Oft wurden wir nach
dem Grund für dieses Projekt gefragt. Es
wurde spekuliert, ob wir auf die schwierige Situation der Seeleute aufmerksam
machen wollten oder ob wir eine ,Message‘ hätten. Nein, das Projekt ,Fred‘
sollte einfach nur Spaß machen. Allen,
die sich daran beteiligen und natürlich
uns.“
Fred ist ständig auf der Suche nach Paten, die ihn auf seine große Reise mitnehmen. Die sollen sich für das plüschige Etwas und das Projekt begeistern, Fotos machen („von dir und mir; von mir auf der
Brücke, auf der Barbecue-Party, oder vor
einer wunderbaren Kulisse“) und interessante Berichte schreiben über „Menschen und Schiffe, über Wind und Wetter, über nah und fern“. Alle Menschen
auf der Welt sollen daran teilhaben, indem sie das Logbuch lesen und die Bilder
bestaunen können. Und? Es funktioniert!
Auf 25 Schiffen (vom Containerfeeder
und Gastanker bis zum noblen Luxusliner und Expeditionsschiff) fuhr Fred bislang mit, unzählige Berichte verzeichnet
das Logbuch seitdem, die mit Hunderten
von Fotos illustriert wurden. Wir sehen
Fred am Ruder auf der Kommandobrücke
eines Atomeisbrechers, dann als Ehrengast einer zünftigen Barbecue-Party, Karussell fahrend auf einem Kreiselkompass oder zum Schnorcheln bereit mit
überdimensionaler Taucherbrille. Er
wurde abgelichtet während einer Feuerschutzübung, Seekarten und Monitore
studierend, Cocktails schlürfend, in einer
finnischen Sauna schwitzend oder Wache schiebend an einer Gangway. Bei Captain Oleg aus der Ukraine wird er kurzerhand zum 3. Offizier ernannt („Er ist ein
schlauer kleiner Kerl“), auf einem Forschungsschiff erhält er einen echten
Crew-Ausweis, und die EntertainmentTruppe eines Kreuzfahrtschiffes lässt ihn
Durchsagen machen.
Fred ist mal seekrank, hat manchmal
Heimweh, dann kann er vor Aufregung
nicht schlafen, weil es nach Russland
geht. In Portugal wird ihm verboten, das
Schiff zu verlassen: Fred wollte Nachtclubs aufsuchen. Fred geht fischen, spielt
Bingo, Tischfußball oder Kniffel, macht
Das muss man schon sagen: Für ein nicht näher zu definierendes plüschiges Etwas ist Fred, der hier entspannt an einer karibischen Palme lehnt, schon ganz schön in der Welt herumgekommen.
Freunde, wenn auch nicht fürs Leben.
einen
Zodiac-Schlauchboot-Führerschein (ausgestellt von S. Cherz), hält Wache auf der Brücke, hilft in der Kombüse
und posiert vor den Sehenswürdigkeiten
dieser Welt. Wir erfahren, dass er viel
fernguckt, eine Diät begonnen hat, seine
Kabine selbst reinigt, nach dem Klabautermann sucht oder hinter Mädels herschaut. Einmal muss er vor wilden
(Plüsch-)Tieren gerettet werden, die ihn
verspeisen wollen. In Kolumbien landete
er sogar volltrunken in einer Ausnüchterungszelle und in Hongkong gegen seinen Widerstand in der Waschmaschine!
Als Weltenbummler Fred mit dem Expeditionsschiff „National Geographic Explorer“ auf den Spuren Fridtjof Nansens im
Franz-Josef-Land weilte, sorgte sich Martin Leuschner: „Wir hätten ihm Thermowäsche anziehen sollen …“ Doch Fred
wurde wenigstens ein wärmender Schal
umgebunden, und es gab Glühwein.
Ende 2010 war Fred für ein paar Wochen verschwunden. Aufregung in Hamburg: Sollte das Projekt ein jähes Ende
nehmen? Freds Aufenthalt auf der „MSC
Splendida“ sei ein „großes Mysterium“
gewesen, wurde der Fangemeinde mitgeteilt. Tatsächlich musste das Team aus
Freds Heimatstadt mit tatkräftiger Unter-
Fotos (3): Fred-around-the-world
Foto: National Geographic Explorer Crew
Reisen macht müde, selbst Fred merkt das.
Unheimliche Begegnung in Coco Cay, Bahamas. Für Fred nicht wirklich ein Problem
stützung einer Reederei eine Suchaktion
starten: Sogar „Wanted-Poster“ von Matrosen mit Freds Foto wurden in den
Frachtern aufgehängt, bis Fred versteckt
als Blinder Passagier in einer Plastiktüte
in Südamerika wieder aufgespürt wurde
und seine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff fortsetzen konnte.
Als das Stofftierchen mit Luftpost versandt nach 308 Tagen wieder in Hamburg
eintraf (Fred hatte seine Einschiffung in
Buenos Aires verpasst …), wurde es sofort
erneut vom Reisefieber, dem „travel bug“,
gepackt. Mit ihrem Projekt „Fred around
the world (Fratwo)“ knüpfen die beiden
Macher an diese gleichnamige Spielart
des „Geocaching“ an: „Travel bugs“ sind
Gegenstände, die von Geocachern von einem Versteck zu einem anderen transportiertwerdenund deren dabei zurückgelegter Weg auf speziellen Internetseiten protokolliert wird. Zu diesem Zweck ist jeder
Travel Bug über eine eindeutige Zahlenkombination identifizierbar. Bei „Fratwo“
wird das Ganze nun mächtig ausgeweitet
und professionell mit einem aufwendigen
Internetauftritt unterstützt: Natürlich sehen wir auf einer Weltkarte immer, wo
Fred sich gerade aufhält und bereits aufgehalten hat (genutzt wird eine frei editier-
bare „OpenStreetMap“). Wir können uns
in seiner interaktiven Kabine umtun, die
Logbucheinträge studieren oder ins Fotoalbum gucken. Das Neueste können wir
uns twittern lassen oder auf Facebook mitverfolgen.
Wie in der internationalen Seefahrt üblich ist das Ganze – ohne jeglichen kommerziellen Hintergrund – auf Englisch abgefasst. Eine deutsche Version ist online,
sodass auch Menschen mit nicht so guten
Englischkenntnissen Fred auf seinen Reisen begleiten können. Es gibt einen Pressebereich mit Artikeln über die Aktion
und ein Gästebuch:
Ab und zu
„Die ganzen Fusselist der Star
viecher in Wohnmobilen, Autos oder an
auch
Rucksäcken finde
zu Hause
ich recht albern.
Fred ist aber geil.
in Hamburg
Mal kein Warmduscher.“ Dort meldeten sich unter anderem der „Reise-Elch“
Olaf, eine „Reisemaus“, der „Gustav Travelduck“, eine Reise-„Schnulli“, der
„Hase Cäsar“ und das Stinktier „Stinky“,
von dem Fred zu einer Busfahrt durch Lübeck eingeladen wurde. Originell auch
dieser Eintrag: „Sollte Fred einmal Urlaub machen, würde ich gerne als Ersatz
einspringen …“
Am meisten Spaß haben jedoch anscheinend die vielen Paten selbst – Lotsen, Kapitäne, Köche, Matrosen, Offiziere, Disponenten, Reedereimitarbeiter,
Schiffsmakler, Agenten. Mal liefern sie
Reiseberichte ab, dann wieder erfinden
sie witzige Geschichten oder arrangieren
mit und rund um einen vermenschlichten
Fred ihre zum Teil skurrilen Fotos und
vermissen ihn, wenn er mal wieder weitergereicht wird: „Vielen Dank an Captain Maggi und ihre Crew für all diese
Abenteuer. Ich werde euch alle vermissen.“ Ab und zu ist der „Superstar unter
den Maskottchen“ (ein Fan) auch mal zu
Hause in Hamburg, lässt sich vom NDR
interviewen, schiebt Wache beim DLRG
oder hilft bei der Wasserschutzpolizei
und in der Seemannsmission „Duckdalben“. Auch ein Praktikum bei „Barkassen-Meyer“ hat er schon absolviert.
Doch immer wieder zieht es ihn hinaus
aufs weite Meer. An Bord des Kühlschiffes „Cala Pino“ besuchte Fred das einstige berüchtigte Piratennest Cartagena in
Kolumbien. Zu seinem dreijährigen Reisejubiläum befand sich Fred auf dem For-
schungsschiff „Polarstern“ in der Antarktis. Während der Reise dorthin wurden
ihm noch schnell Fäustlinge und Thermohose geschneidert, Mütze und Schal gehäkelt, sodass Fred bei allen Expeditionen
dabei sein konnte. An Bord der „Dawn
Princess“, einem Kreuzfahrer, verwirklichte er sich einen lang ersehnten
Traum: eine Passage nach Neuseeland
und Australien. Überhaupt mag Fred den
Luxus von Kreuzfahrtschiffen am liebsten. Angeblich. Im Duty-Free-Shop der
„MSC Opera“ fand man ihn zum Beispiel
vollgefressen inmitten eines Berges von
Schweizer Schokolade.
Jüngstens schiffte Fred sich in Ushuaia/Argentinien auf die „Fram“ ein.
Eine auf die Polarregionen spezialisierte
Biologin kümmert sich nun um ihn: „Hoffentlich wird die Überfahrt nicht zu stürmisch.“ Bislang wurde also „stets ein
Schiff gefunden, das ihn mitnehmen“
wollte, und „die Nähte halten immer
noch“, sagen Will und Leuschner. Denn
Freds Reise geht immer weiter, ganz bestimmt.
Hier geht’s zur „Mitfahrgelegenheit“
im Internet:
fred-around-the-world.de
R2
REISE
DER TAGESSPIEGEL
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Direkt am Meer,
aber nicht am Strand
In Reisekatalogen wird vieles blumig beworben.
Die Wirklichkeit sieht oft ganz anders aus
Es ist zum Haareraufen: In Reisekatalogen und auf Webseiten wird auch heute
noch viel zu oft in blumigen, beschönigenden Worthülsen für Hotels und Ferienanlagen geworben. Doch hinter positiv klingenden, rechtlich nicht zu beanstandenden Formulierungen können sich Mängel
verbergen, die das Urlaubserlebnis deutlich schmälern können. Das Reiseportal
Travelzoo hat Beispiele zusammengestellt, bei denen Urlauber hellhörig werden sollten.
„Direktflug“: Hier ist – trotz anderen Assoziationen – eine Zwischenlandung zwar
selten, jedoch keineswegs ausgeschlossen. Zwar müssen die Urlauber den Flieger bei dem möglichen Stopp nicht verlassen, aber es entstehen in der Regel längere Wartezeiten. Besser nachfragen, ob
es sich um einen Nonstop-Flug handelt.
„Kurzer Transfer“: Das klingt nach einem
echten Zeitgewinn nach der Landung am
Urlaubsort, also kein lange Herumkurven im Bus. Doch die Beschreibung kann
auch auf Fluglärm im Hotel hinweisen.
„Idyllisch“ oder „verkehrsgünstig“: Ein ruhiges Hotel wünschen sich viele – doch
„idyllisch“ kann heißen, dass das Haus am
Arm der Welt liegt. Andererseits kann
„verkehrsgünstig“ bedeuten, dass Reisende mit Straßenlärm, Abgasen und anderem Ungemach rechnen müssen.
„Kinderfreundlich“: Das mag ja zunächst
einmal durchaus positiv zu werten
sein. Wer sich jedoch etwas Ruhe oder
gar romantische Zweisamkeit wünscht,
wird womöglich auf viele spielende Kinder verzichten wollen.
„Landestypische Einrichtung“: Klingt charmant. Doch bei dieser Formulierung soll-
ten Urlauber vor allem mit einer eher einfachen Zimmerausstattung rechnen.
Noch mehr Skepsis sollte der Begriff
„zweckmäßig“ auslösen – hier wird es im
Zimmer schnell spartanisch.
„Direkt am Meer“: Hört sich verlockend
an. Doch das heißt noch lange nicht, dass
es einen Strand und Bademöglichkeiten
unmittelbar bei der Unterkunft gibt.
„Meerseite“ und „seitlicher Meerblick“:
Meerblick wünschen sich wohl die meisten Urlauber. Doch „Meerseite“ kann heißen, dass sie nur einen Teil des Wassers
sehen oder sich sogar verrenken müssen,
um überhaupt einen Blick darauf werfen
zu können.
„Naturbelassener Strand“: Dieser ist vielleicht authentisch, wird allerdings meist
nicht gereinigt. Toiletten oder ein Kiosk
fehlen ebenfalls oft. Und statt Sand erwarten den Urlauber oft auch mal unangenehme Kiesel oder spitze Steine.
„Beheizbarer Swimmingpool“: Der darf
auch kalt sein. Denn die Möglichkeit, den
Pool zu heizen, ist noch keine Garantie
dafür, dass dies auch geschieht.
„Örtliche Reiseleitung“: Die ist womöglich sehr nett, spricht aber vielleicht kein
Deutsch. Die Formulierung bedeutet oft,
dass der Veranstalter kein eigenes Personal am Ort hat. Was misslich sein kann.
Sind Beschreibungen schwammig, sollten Reisende unbedingt gezielt nachfragen, was genau gemeint ist. In jedem Reisebüro sollte ein Expedient Auskunft geben können. Wer online auf Hotelseiten
sucht, kann die Bewertungen anderer Reisender einbeziehen, das allerdings auch
nur mit Bedacht: Nicht alles ist für bare
Münze zu nehmen.
Philipp Laage
Schlafen auf Stelzen. Diese Familie hat’s im Resort „Baumgeflüster“ in Bad Zwischenahn (Niedersachsen) ausprobiert.
Fotos: Carmen Jaspersen/dpa
Schöne Träume im Wald
Baumhaushotels sind besonders bei Familien beliebt. Kein Wunder, dass immer mehr entstehen
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Bismarck (1):
Bismarck (2):
Porträts & Präsente Politik & Diktat
in Sachsen-Anhalt in Bad Kissingen
Am 1. April 1815 wurde der erste deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck in
Schönhausen an der Elbe geboren. Im erhaltenen Seitenflügel des Geburtshauses
ist inzwischen ein Museum untergebracht, das zum 200. Geburtstag zwei
Sonderausstellungen zeigt. Eine heißt
„Familie“ und macht mit Ahnenporträts,
Urkunden und Bergungsfunden das Leben und Wirken der Bismarcks erlebbar.
Die andere Schau heißt „Geschenkt“ und
stellt Präsente und Ehrungen von Kaisern, Königen und Diplomaten aus, die
an Bismarck adressiert waren. Auf die
Ausstellungen macht die Tourismusorganisation für Sachsen-Anhalt aufmerksam.
Telefon: 03 93 23 / 388 74
Auch in der Hansestadt Stendal, in der
sich die Patrizierfamilie Bismarck im
13. Jahrhundert ansiedelte, gibt es im Jubiläumsjahr viel zu sehen: Im Altmärkischen Museum zeigt die Schau „Familie
im Wandel“ Leihgaben aus dem Besitz
der Familie Bismarck. Und im Dorf Döbbelin bei Stendal werden an Wochenenden Führungen durch das alte Bismarcksche Wohnschloss angeboten (Telefon:
03 93 29 / 284, bismarck-gmbh.de). dpa
Otto von Bismarck kam oft und gerne ins
Bayerische Staatsbad Bad Kissingen. Und
weil der ehemalige deutsche Reichskanzler vor 200 Jahren geboren wurde, feiert
ihn die Stadt mit einer Sonderausstellung
und mehreren Veranstaltungen. So zeigt
das Bismarck-Museum in dem Anwesen
Obere Saline vom 13. Mai bis 25. Oktober die Schau „Schlüsselworte für
Deutschlands Politik in Europa: Bismarcks Kissinger Diktat“. Hinter dem
Schriftstück verbirgt sich eine Konzeption der damaligen Bündnispolitik des
Reichkanzlers. Neben Führungen durch
das Museum gibt es Vorträge über Bismarck und sein Wirken.
dpa
— Informationen gibt es unter folgenden
Adressen in Bad Kissingen: Tourist-Information Arkadenbau im Kurgarten oder
Tourist-Information Altes Rathaus; Telefon: 09 71 / 804 84 44, E-Mail: tourismus@
badkissingen.de, im Internet unter: badkis
singen.de
Bismarck-Museum, Obere Saline 20; Telefon: 09 71 / 807 12 30, E-Mail: mos@stadt.
badkissingen.de, und auch im Internet unter: museum-obere-saline.de
Foto: Carmen Jaspersen/pa
Alpines Blütenmeer-Wandern
Am Abend, als es dunkel wird, gruseln
sich Robert und Frederik ein wenig. „Wir
sind richtige Stadtmenschen“, sagt die
Mutter der acht- und zwölfjährigen Jungen, Miriam Rittner. „Wir sind es nicht
gewohnt, so einsam im Wald zu übernachten.“ Genau das hat die Familie aus Bremen gemacht: Sie hat zwei Nächte im
Baumhaushotel in Bad Zwischenahn (Niedersachsen) verbracht. Vier luxuriöse,
39 Quadratmeter große Holzkästen mit
großen Fenstern und Terrasse stehen
dort auf Stelzen und eingehängt in einen Baum
in einem Waldstück.
Mit ihrem Kurzurlaub
liegt Familie Rittner im
Trend: 2005 eröffnete
das erste Baumhaushotel Deutschlands bei
Görlitz in Sachsen, inzwischen gibtes bundes- Insa Otteken
weit mindestens 16. Allein in Niedersachsen sind es fünf, demnächst kommen zwei weitere hinzu: Auf
der Elbinsel Krautsand und in Norden an
der Nordsee. Manche Baumhäuser sind
einfach gehalten mit Komposttoilette
oben und Gemeinschaftsdusche am Boden – andere sind mit Küchenzeile, Designerbad und Fußbodenheizung ausgestattet. Die meisten Wipfelunterkünfte sind
beheizbar und damit auch im Winter bewohnbar.
Insa Otteken eröffnete ihr Baumhausresort in Bad Zwischenahn Ende 2011.
Ihr Sohn hatte zuvor im Fernsehen einen Beitrag über Baumhaushotels in
den USA gesehen – und war total begeistert. Seine Mutter ließ sich davon
anstecken. Die Voraussetzungen, ein eigenes Resort aufzubauen, waren gut:
Die Familie besaß ein Waldstück, und
Otteken kannte sich sowohl im Hotelgewerbe als auch im Marketing gut aus:
Sie hatte Hotelfachfrau gelernt, Betriebswirtschaft studiert und in einer Werbeagentur gearbeitet. Ihre Gäste kommen
inzwischen nicht nur aus Deutschland.
„Wir haben auch international große
Aufmerksamkeit“, sagt Otteken.
Ihre Waldunterkünfte vier Meter über
der Erde hat der Bremer Baumhaus-Architekt Andreas Wenning entworfen. Er hat
schon etliche solcher kommerziellen Herbergen geplant, nicht nur in Deutschland, auch in Österreich, den USA und
Argentinien. Für ihn liegt der Erfolg dieser Anlagen auf der Hand. „Baumhäuser
sind losgelöst von konventionellen Orten, ein wunderschönes Refugium“, sagt
er. „Und man kann gucken, was die Natur
macht.“
Das empfindet auch Otteken als größtes Plus: „Gäste haben uns berichtet, wie
sie vom Schlafzimmer aus auf Augenhöhe in einem Vogelnest das Schlüpfen
des Nachwuchses beobachtet haben.“
Fast täglich seien etwa Rehe und Eichhörnchen im Eichenwald zu Gast. Auch
Familie Rittner aus Bremen genießt die
Natur. „Hier gibt es Vögel ohne Ende“,
sagt Miriam Rittner. Ihre Söhne informieren sich mit einem Vogelkunde-Buch
über die Namen.
Doch es ist nicht nur das Naturerlebnis, das Baumhausresorts erfolgreich
macht: So mancher erfüllt sich mit einem
Aufenthalt auch einen Kindheitstraum.
„Fast jeder hat als Kind davon geträumt,
einmal ein Baumhaus zu bauen und darin
zu spielen“, sagt der Hamburger Zukunftswissenschaftler Ulrich Reinhardt.
„Jetzt wird dieser Traum möglich.“ Und
zwar mit dem entsprechenden Komfort:
„Die Qualität stimmt mittlerweile.“ Der
wissenschaftliche Leiter der Stiftung für
Zukunftsfragen ist sich deshalb sicher,
dass die Erholung in Baumhausresorts
kein vorübergehender Trend ist. „Im Gegenteil: Es wird noch das ein oder andere
dazukommen.“ Und die bestehenden Resorts wachsen: Die Betreiber des Baumhaushotels auf der Kulturinsel Einsiedel
in Sachsen fingen mit fünf Einheiten in
zehn Metern Höhe an, im Sommer soll
nun das zwölfte Wipfelhaus bezugsfertig
sein. „Für die beliebten Wochenendtermine gibt es lange Wartezeiten“, sagt
Sprecherin Ulrike Konrad.
Auch Familie Rittner ist mit ihrem
Kurztrip in den Wald zufrieden. „Generell finde ich es schön, oben zu sein“,
sagt Miriam Rittner. „Und das Holz der
Häuser wirkt beruhigend.“ Das allerdings fanden ihre Söhne eher nicht. Das
ungewohnte Quietschen und Knarzen
ließ sie am Abend zweimal kontrollieren, ob die Außentür auch wirklich abgeschlossen ist.
E
Aufwärts auf Mallorca
Mallorca-Urlauber müssen sich im Feriengebiet an der Bucht von Palma auf deutlich gestiegene Hotelpreise einstellen.
Der Grund: Die Hoteliers haben an den
Stränden der Inselhauptstadt in den vergangenen Jahren viel Geld in die Modernisierung der Herbergen gesteckt, wie die
Zeitung „Ultima Hora“ schreibt. So
wurde unlängst erst das Riu Bravo für
15 Millionen Euro umgebaut. Die
Riu-Gruppe hatte bereits 2014 das altehrwürdige San Francisco einer Generalüberholung unterzogen. Im kommenden Jahr
wird das Riu Festival komplett renoviert.
Laut dem Bericht sind die Zimmerpreise
allgemein im Vergleich zum Vorjahr um
durchschnittlich fünf Prozent gestiegen.
Bislang lagen die Preiserhöhungen pro
Jahr eher bei zwei Prozent. Zur Playa de
Palma gehört auch die Hotellerie um den
Treffpunkt Küche. Das gilt auch im Urlaubs-Baumhaus.
Schlafzimmer mit Aussicht – zumindest so lange, bis alle Bäume wieder Blätter haben.
NACHRICHTEN
„Ballermann“. Nach Informationen der
Zeitung befinden sich in diesem Gebiet
jetzt mehr Vier-Sterne-Hotels als je zuvor. Ihre Zahl stieg demnach in den vergangenen vier Jahren von 18 auf 35. Im
Mai
soll
dort
erstmals
ein
Fünf-Sterne-Hotel eröffnet werden. dpa
Österreich: Skistars als Hoteliers
Zwei ehemalige Skistars gehen unter die
Hoteliers: Hermann („Herminator“)
Maier und Rainer Schönfelder wollen
auch im Beherbergungsgewerbe Spuren
hinterlassen. Ihr erstes Haus entsteht in
St. Johann in Tirol. Das Projekt wurde nun
im Gemeinderat präsentiert, schreibt die
„Tiroler Tageszeitung“, die Baukosten betragen sechs Millionen Euro. Dabei soll es
nicht bleiben: Geplant sind „acht bis zehn
Hotels“, so Maier. Die Ski-Cracks wollen
Familien „leistbares Skifahren mit leistba-
F
ren Preisen“ bieten, Familienzimmer sollen weniger als 120 Euro kosten. Als
nächste Standorte sind Schruns in Vorarlberg und Pichl bei Schladming in der Steiermark im Gespräch.
tdt
Wolkenkratzer in den Alpen
Im Schweizer Bergdorf Vals soll das
höchste Haus Europas entstehen: Als Hotel auf 83 Etagen mit 107 Zimmern und
Suiten zu schwindelerregenden Preisen.
Die Gäste sollen mit dem Helikopter anreisen und pro Nacht zwischen 1000 und
25 000 Franken zahlen, umgerechnet
950 bis 23 800 Euro. Dies zumindest ist
die Vision der beiden Unternehmer Pius
Truffer und Remo Stoffel, die dort aufgewachsen sind und für das 381 Meter
hohe Gebäude den amerikanischen Stararchitekten Thom Mayne gewonnen haben. Kosten des Projektes: 285 Millionen
Franken. Zwar bestehen schon ernsthafte
Pläne und Bildmontagen. Noch fehlt allerdings die Zustimmung der Dorfbewohner: Erst wenn die etwa 1000 Einwohner
der Graubündner Gemeinde bei einer Abstimmung im kommenden Herbst überwiegend dafür sind, kann der Spatenstich
für den Wolkenkratzer erfolgen. „Femme
de Vals“ – der Name des Turms lehnt sich
an die filigrane Figur „Femme de Venise“
des 1966 verstorbenen Künstlers Alberto Giacometti an – wäre nach seiner
Fertigstellung auf den Meter genau so
hoch wie der berühmteste Skyscraper
der Welt: das Empire State Building in
New York City.
tdt
REISE: Sonntagsbeilage des Tagesspiegels.
Redaktion: Gerd W. Seidemann
REISE
SONNTAG, 5. APRIL 2015 / NR. 22 363
R3
DER TAGESSPIEGEL
Schritt für Schritt zur Erleuchtung
Der Camino Ignaciano ist ein neuer Pilgerweg im Norden Spaniens. Anders als der beliebte Jakobsweg verläuft er andersherum – gen Osten nach Katalonien
Von Beate Schümann
TIPPS FÜR SPANIEN
Foto: Schümann
ANREISE
Die spanische Vueling Airlines fliegt
Berlin-Tegel–Bilbao
nonstop. Aktueller
Preis: 75 Euro. Zurück werden Wanderer von Barcelona
Guten Mutes
aus fliegen wollen:
Auch diese Strecke
bedient Vueling nonstop (aktuell ab
62 Euro).
REISEZEIT
April, Mai, Juni und Oktober. Selbst der
September kann noch zu warm sein.
ÜBERNACHTEN
Pilgerhotel Arrupe, Loyola; Doppelzimmer mit Frühstück ab 79 Euro, Einzel ab
53 Euro (hotelarrupe.org).
Hospeadría Los Parajes, Laguardia;
Doppelzimmer ab 121 Euro (hospederia
delosparajes.com).
Pilgerherberge Celdas Abat Marcet,
Montserrat; Doppelzimmer/Frühstück
ab 110 Euro (montserratvisita.com).
VERANSTALTER
Das Bayerische Pilgerbüro beispielsweise bietet den Ignaciano von Bilbao
bis Barcelona als achttägige Gruppenreise an. Im Preis von 1370 Euro sind
der Flug sowie Hotelunterbringung mit
Halbpension und Beleitung enthalten.
Auskunft in Reisebüros.
AUSKUNFT
Span. Fremdenverkehrsamt, Telefon:
030 / 882 65 43, Internet: spain.info
Sancti Ignatii Basilica in Loyola, erbaut 1738 zu Ehren des heiligen Ignatius, Begründer des Jesuitenordens. Davor ein Loyola-Denkmal des Bildhauers Jorge Oteiza.
Jakobsweg nach links, Ignatiusweg nach
rechts – Pilgerwege sind markiert
Reise nach Innen an, die sein Leben
vollständig veränderte.
Man kann sein Geburtshaus besichtigen, ein festungsartiges Schloss, mehr
Wehrturm als Wohnhaus. Im ersten
Stock stehen sein Krankenbett und die Kapelle, wo der Besucher erfährt, wie es
1522 zur Erleuchtung kam, auch auf
Deutsch. Draußen erkennt man einen
Rest der mittelalterlichen Pflastersteine,
REISEKISTE
F
tag, und in der Straße der Tapas kann
man für wenig Geld verschiedenste spanische Köstlichkeiten probieren.
Sicher muss niemand Loyolas Spuren
folgen, wenn er sein Leben umkrempeln möchte. Aber vielleicht bringt es
etwas, ein paar Tage zu verschwinden,
neue Einsichten in der Natur zu gewinnen oder bisher unbekannte Menschen
zu treffen, die einen zum Nachdenken
bringen. Wer weiß, möglich ist es.
Und wieder ändert sich das Landschaftsbild. In der weiten Ebene des
Ebro-Flusses gelangt der Wanderer nach
Alfaro, das sich
selbst zur „Welthauptstadt der Stör„Buen
che“ erkoren hat.
Camino!“,
Auf vielen Dächern
haben diese Vögel
grüßen die
ihre Nester gebaut.
Menschen
Vor allem auf der Kathedrale haben sie
im Ebrotal,
sich zahlreich breitwo Pilger
gemacht. Im Ebrotal
haben Pilger noch
selten sind
Seltenheitswert.
„Buen Camino!“, einen guten Weg wünschen freundlich die
Bewohner in den Dörfern.
Die Halbwüste Los Monegros in Aragón ist eine durchaus menschenfeindliche Gegend, wie sie arglose Wanderer
im sonst grünen Norden Spaniens kaum
erwarten. Da müssen wir nun durch.
Vor Hitze und Durststrecken waren wir
auf denen der 31-Jährige aufbrach, um zu
Gott zu finden.
Heute wird das Dorf von der barocken Basilika beherrscht, die für den
400-Seelen-Flecken völlig überdimensioniert erscheint. Die Sancti Ignatii Basilica mit Jesuitenkolleg wurde 1680 zu
Ehren des Heiligen erbaut und demonstriert, wie mächtig der Orden schon
war. Im Hintergrund der Kuppeln zeichnen sich Berge wie in den Alpen ab.
Alles ist grün, Kühe grasen wie auf
Almen, dicht stehen die Wälder.
Die Route führt den Pilger bei der
Stadt Oñati zur Wallfahrtskirche Arantzazu, einer noch größeren Klosteranlage, die wie eine Halluzination aus den
Felsen des Monte Aitzkorri steigt. Der
bizarre Komplex, der keine 100 Jahre
alt ist, geht auf eine Marienerscheinung
im Jahr 1468 zurück und wird von Franziskanern bewohnt. Weiter geht es steil
durch das Bergland und den Naturpark
von Aitzkorri, wo Wanderer die stille
Landschaft fast für sich haben. Ab und
zu hört man leises Glockengebimmel
von grasenden Tieren. Es sind Pottok-Ponys, eine seltene baskische Rasse.
In der Region La Rioja erhöht sich sowohl die Zahl der Weinberge als auch
die der Pilger. „Wohin geht ihr?“, fragen
wieder Muschelwanderer. Gegen den
Strom, den orangefarbenen Pfeilen
nach. Logroño spült die Pilger in die
historische Altstadt und hier vor allem
in die belebte Calle Laurel. Es ist Mit-
MEHR SEHEN
Kreidefelsen, Kirchen mit Kalkmalereien
geschmückt und der Hauptort Stege mit
seinem mittelalterlichen Stadtkern –
Møn wartet mit einigen Gründen für einen Besuch auf. Und der Seekajak-Spezialist Club Aktiv bietet einen weiteren an –
ein Seekajakcamp für Einsteiger, in dem
außerdem Profi-Fotograf Björn Nehrhoff
von Holderberg Workshops für Amateure anbietet. Anders als eine Seekajak-Wanderreise findet das Camp auf
Møn an einem Standort statt, von dem
aus Tagestouren unternommen werden.
Doch zunächst werden Einsteiger unter
fachkundiger Anleitung ins Seekajakfahren eingewiesen. So können auch Familien an den Tagestouren teilnehmen. In
Workshops im Juli zeigt Björn Nehrhoff
von Holderberg zudem die Möglichkeiten für bessere Bilder und neue Perspektiven auf. Im Preis von 838 Euro für die
einwöchige Reise sind die Fährüberfahrt
Puttgarden–Rødby–Puttgarden, Unterbringung im Zwei-Personenzelt sowie
Vollpension enthalten. Auskunft im Internet unter: club-aktiv.de
ITALIEN
Zu den Dörfern der Cinque Terre
Zu einem Sehnsuchtsziel vieler führt eine
Wanderreise entlang der Ligurischen Riviera: Die Cinque Terre ist in diesem Sommer neu bei Jahn Reisen im Programm.
Ein Deutsch sprechender Wanderführer
begleitet die kleine Gruppe bei der sechstägigenReise durch die Dörfer des Küstenstreifens nordwestlich von La Spezia. Die
Reise ist für Erwachsene mit etwas Wandererfahrung geeignet. Standort ist das
Vier-Sterne-Hotel Argento in Levanto.
Von dort aus starten drei unterschiedliche
Wanderungen, zu Klosterruinen, Olivenhainen, Weinterrassen und alten Mühlen.
Jeweils sonntags kann man Mitte Mai, Juni
und Juli sowie Ende September und Ende
Oktober zu der Wanderreise in einer kleinen Gruppe starten. Preisbeispiel: fünf
Übernachtungen imDoppelzimmer,Frühstück, diverse Mahlzeiten, drei Wanderausflüge, eigene Anreise, pro Person ab
749 Euro. Auskunft in Reisebüros mit Jahn
Programmen, Internet: jahnreisen.de
Atlantik
Bilbao
FRANKREICH
Loyola
Logroño
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Montserrat
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Barcelona
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Sportlich am Wilden Kaiser
Sechs verschiedene Aktivitäten können
Sportliche in sechs Tagen am Wilden Kaiser in Tirol erleben (vom 20. bis 27. Juni).
Im Rahmen der Bergsportwoche folgen
sie den Routen und Griffen berühmter
Bergsteiger, durchqueren bei einer Canyoning-Tour
tiefe
Schluchten und balancieren auf dem Mountainbike über schmale
Trails. Die richtige Technik vermitteln geprüfte
Berg- und Klammführer. Abends tauschen
Schüler und Guides ihre
Erfahrungen bei den
Der Berg ruft
Bergsport-Stammtischen aus. Die Teilnahme kostet für
Übernachtungsgäste der Tiroler Ferienregion 99 Euro pro Person. Auskunft unter:
wilderkaiser.info
Tsp
der Körper, dann die Psyche und ganz
zuletzt die Seele an. „Den Schmerz
fühlst du immer“, sagt der Mann im
schwarzen Ornat. Deshalb sei die Erfahrung so mächtig.
Nach Manresa, dem offiziellen Endpunkt des Caminos, sind es nur sechsKilometer. Diese letzte Station wird es nicht
leicht haben, zu einem Sehnsuchtsziel zu
werden wie die Kathedrale von Santiago
de Compostela. Zu unromantisch ist die
Industriestadt. Über die mittelalterliche
Brücke, die sich über Bahngleise spannt,
erreichte auch Ignatius die Höhle, in der
er neun Monate fastete, betete und beschloss, Christus nachzufolgen. Wer jedoch aufblickt und das Sanktuarium sieht,
den überwältigt doch die Freude, am Ziel
zu sein. An der Kasse gibt’s den letzten Pilgerstempel. Für das Jahr 2013 sind im Pilgerbuch 179 Namen verzeichnet, für
2014 schon 201. Und in diesem Jahr werden es wohl erneut mehr.
MEHR ENTDECKEN
ÖSTERREICH
Foto: TVB Wilder Kaiser/D. Reiter
Seekajak und Fotografie
gewarnt worden. Sind die einmal überwunden, können wir auf- und durchatmen. Schon in Katalonien wird die Felsenskyline des Sandsteingebirges Montserrat schnell dramatischer, bis der
ebenso dramatische Wallfahrtsort Montserrat erreicht ist. Wie Finger, Säulen oder
Palisaden zeigen die voluminösen Steinzacken im Rücken des Benediktinerklosters
in den Himmel. In dieser bizarren Felsenwelt legte Ignatius de Loyola seine feinen
Kleider und sein Schwert für immer ab.
„Ignatius ist unser bedeutendster Pilger“,
sagt Prior Ignasi Fossi. Für ihn ist der Heilige ein spirituelles Abenteuer. Denn Pilgern sei eine Metapher des Lebens, und
ein Pilgerweg gebe in kurzer Zeit wieder,
was ein ganzes Leben bedeute.
Wer den Zauber des Ortes verstehen
wolle, solle über Nacht bleiben, rät das
Klosteroberhaupt. Denn erst zur Dämmerung lichtet sich der große Platz vor
der Basilika, auf dem sich am Tage Hundertschaften drängeln, die mit Bussen
und Zahnradbahn zum 1236 Meter hohen Bergplateau hinauffahren. Alle
zieht es zum Heiligtum, dem Thron der
Schwarzen Madonna. Das Spirituelle zu
finden, sei in Zeiten ohne moderne Verkehrsmittel gewiss leichter gewesen, gesteht Fossi ein. Für moderne Pilger hat
er jedoch einen Rat: „Gehe langsam. Je
langsamer, desto besser.“ Bei fünf Stundenkilometern seien die drei Elemente
Seele, Geist, Körper im Einklang. Bei
schnellerem Gehen komme immer erst
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Fotos: Schümann
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„Hey, ihr geht in die falsche Richtung“,
ruft ein Jakobspilger den entgegenkommenden Wanderern erstaunt zu. Doch
der Mann mit der Muschel am Rucksack irrt. Er ist kurz vor Logroño angekommen, einer wichtigen Pilgerstation,
und marschiert in Richtung Westen.
Wir nicht. Seine Sehnsucht liegt in Galicien, unser Ziel ist Katalonien. Seine
Pilgertour endet in der Kathedrale von
Santiago de Compostela, die vor 1000
Jahren über dem Grab des Apostels Jakobus erbaut wurde. Seitdem ist das so
– alle gehen nach Westen. Doch der
heilige Jakob hat nun Konkurrenz bekommen. Ein neuer Pilgerweg ist eröffnet, der Camino Ignaciano, der ebenfalls durch Nordspanien führt. Allerdings in die andere Richtung – gen
Osten. Dorthin, wo die Sonne aufgeht,
wo das Licht ist. Er versteht sich als
eine Anti-Tour zum Trubel auf dem Santiagoweg, auf dem jedes Jahr Tausende
gehen.
Der Camino Ignaciano beginnt im baskischen Loyola, wo der heilige Ignatius
geboren wurde, und führt ebenfalls
durch Logroño. Die Provinzhauptstadt
von La Rioja ist ein Knoten- und Kreuzungspunkt der beiden
Pilgerrouten.
Dann nimmt der
Der Pater
Ignatius-Weg seine
nahm Pinsel Richtung über Navarra bis nach Kataund Farbe,
lonien auf. Anders
schwang sich als beim Jakobsweg
aufs Rad und folgt der IgnatiusPilger keiner Lemarkierte
gende, sondern den
Spuren eines Menden Weg
schen,
der
im
16. Jahrhundert tatsächlich gelebt hat: dem Begründer des
Jesuitenordens. Es ist der Weg seiner
Bekehrung vom adligen Ritter zum gottesfürchtigen Bettler.
„Der Jakobsweg war eine Erfindung
des Mittelalters“, sagt José Luis Iriberri,
Direktor vom Ignaciano-Pilgerbüro in
Barcelona. „Wir erfinden den Ignatiusweg für das 21. Jahrhundert.“ Um seine
Idee umzusetzen, nahm der Jesuitenpater vor einiger Zeit sein Fahrrad, verstaute Pinsel und Farbe auf dem Gepäckträger und radelte den Spuren des
Ignatius Loyola nach. Unterwegs markierte er als Erkennungszeichen orangefarbene Pfeile auf Hausecken, Felsbrocken und Bäumen. Die gut 750 Kilometer lange Strecke ist allerdings noch
nicht durchgängig ausgeschildert. „Bald
kommen noch Schilder mit einem Sonnensymbol dazu, das Pendant zur Jakobsmuschel“, sagt Iriberri. Bei Zweifeln über die richtige Wegstrecke können
Wanderer unterwegs die ausführliche
Routenbeschreibung auch auf einer Webseite abfragen. Vorausgesetzt, sie verfügen über Smartphone oder Tablet – und
Empfang.
Loyola liegt im Baskenland, das gern
eigenständig wäre. Vieles ist hier anders als im übrigen Spanien, nicht nur
die Sprache. Das Land ist grün wie in
Oberbayern und auf den Balkonen
leuchten Geranien. Das Dorf im Urulatal gehörte einst den reichen Grafen
von Loyola. Ignatius Iñigo Lopez Oñaz
y Loyola hatte eine steile Karriere vor
sich. Doch dann zertrümmerte eine Kanonenkugel sein Bein und damit seine
Laufbahn als Ritter. Iñigo trat eine
D
50 km
R4
REISE
DER TAGESSPIEGEL
MECKLENBURG-VORPOMMERN Im
NR. 22 363 / SONNTAG, 5. APRIL 2015
Norden tut sich auch im Frühling eine Menge
Wandern
zum Wandel
Dem Thema „25 Jahre Deutsche Einheit“ können
sich Besucher auf Rügen jetzt zu Fuß nähern.
Zahlreiche geführte Touren stehen zur Wahl
Von Franz Lerchenmüller
„Besuchen Sie Prora, solange es noch als
Prora zu erkennen ist“, sagt Klaus Boy.
„Zumindest in Teilen.“ Dieser gigantische, fast fünf Kilometer lange, fünf
Stockwerke hohe Beton-, Stahl- und Ziegelriegel also, den die Nazis von 1936 bis
1939 an den Oststrand der Insel Rügen
klotzten, um 20 000 Mitglieder der nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft
durch Freude (KdF) gleichzeitig mit
Frischluft, neuem Schwung und ideologischer Auffrischung zu beglücken.
Beeilen sollte man sich mit einem Besuch, denn Prora ist heute ein Ort im Wandel. Die sechs noch vorhandenen Blöcke
von je 500 Meter Länge sind verkauft, Baugerüste verdecken Fassaden, Schranken
sperren den Zugang. Vor Block 1 ist die
Straße aufgerissen. Presslufthämmer
dröhnen, es wird gebohrt, gebaggert und
verputzt. Neue Leitungen werden verlegt,
als Vorarbeitenfür die Eigentumswohnungen, von denen viele schon verkauft sind.
In den Apartments von Block 4 sind bereitsMieter eingezogen, in der Jugendherberge in Block 5 feiern seit 2011 Schulgruppen, und Jugendliche fluchen am
Strand, dass zwischen hier und dem glitzernden Binz drei, vier Kilometer Fußweg
liegen. In Block 3 stampfen am Wochenende die Beats in der „Disco Miami“, das
Restaurant „Fischerklause“ serviert
Dorsch gedünstet oder gebraten.
Verschlissene Bilder von Kunststudenten hängen an den Fassaden, Überreste
der einst geplanten „längsten Galerie
der Welt“. Und das Erlebnismuseum
zeigt Dokumentarfilme und ein 18 Meter langes Modell, an dem der Besucher
die ganzen Ausmaße der Anlage erst so
richtig erkennt. Über die spätere Zeit,
Kap Arkona
5 km
Vitt
Dranske
Hiddensee
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Bodden
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RÜGEN
Binz
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Greifswalder
Bodden
Mönchgu
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Gager
Stralsund
Zudar
Tsp/Schilli
als die Anlage von der Nationalen Volksarmee als Kaserne genutzt wurde, und
zwischen 8000 und 10 000 Soldaten
und Offiziere hier Dienst taten, über
den Drill und auch die Schikanen damals, informieren zwei Dokumentationszentren. Insbesondere auch über die
hier ab 1982 untergebrachten „Bausoldaten“, jene jungen Männer, die den
Dienst an der Waffe in der Nationalen
Volksarmee (NVA) ablehnten und stattdessen als „Spatensoldaten“ unter der
Knute der Streitkräfte 18 Monate „im
Interesse der Deutschen Demokratischen Republik“ malochen mussten.
All das zeigt und erklärt Klaus Boy während seiner Führung. Er spart nicht aus,
wie er während seiner Zeit als Leiter des
Kulturhauses der NVA selbst Strandpartys und Konzerte organisierte oder in der
Projektgruppe mitarbeitete, die nach der
Wende neue Ideen
Die Fischer
für die Nutzung entmussten
wickelte – vom gläsernen Penthouse
nach der
bis zum Planetarium
Wende rasch auf dem Dach war
die Rede. So entfalumdenken
tet sich nach und
nach eine teils dramatische, teils lächerliche Geschichte
von windigen Investoren, bombigen Geschäften, träumerischen Idealisten und
unsanften Bauchlandungen in der schnöden Wirklichkeit.
DergeführteRundgang isteines von vielen Angeboten des „3. Rügener Wanderfrühlings“, der dieses Jahr unter dem
Thema „25 Jahre Deutsche Einheit“ steht.
So kannder Besucher in Göhren oder Sassnitz verfolgen, wie die zurückliegenden
25 Jahre die Orte verändert haben, oder er
erforschtinPutbusdie „BesondereSymbolik der Deutschen Einheit“.
Im Mönchgut zeigt Gästeführerin KerstinBesch beimSpaziergangvon Middelhagen nach Lobbe, wie sich das Leben der
Bauern und Fischer gewandelt hat. Beschäftigte dieLPG Sellin bis 1989115 Mitarbeiter, die sich um 1250 Schweine,
550 Rinder und bis zu 4000 Schafe kümmerten,so sind heute in der GmbH, die daraus hervorging, gerade mal zehn Menschen tätig. 1100 Mutterschafe und 200
Mutterkühe stehen auf den Feldern und
im Stall. In Lobbe ducken sich zwei baufällige Schuppen hinter Dünen. Hier traf sich
im Herbst 1990 die Nachwuchspolitikerin Angela Merkel mit lokalen Fischern
und hörte sich deren Nöte an. Das Foto,
ein Werk im Stile alter niederländischer
Meister, ziert vieleihrerBiografien. Inzwischen sind die verbliebenen Fischer im
E
REISEKISTE
Auch der ostseetypischen Bäderarchitektur – hier in Sassnitz – ist die Zeit nach der Wende gut bekommen.
Kundig unterwegs, ob wie hier in Prora
oder in der weißen Stadt Binz: Klaus Boy
Mönchgut an einer Hand abzuzählen, nur
wer rechtzeitig dazu überging, den eigenen Imbiss oder ein Restaurant zu betreiben, konnte von dem Beruf noch leben.
Wer sich von dem eher gemütlichen
Spaziergang über den Deich nicht so richtig ausgelastet fühlt, zieht auf eigene
Faust weiter in die Zickerschen Berge auf
der Halbinsel Mönchgut. Die sanft gerundeten, von Trockenrasen bedeckten Hügel, über die ein Netz von Wegen verläuft, machen das Wandern zum Vergnügen. Etwas abenteuerlicher ist es, am
Fuße der Steilküste über Geröll und Steinblöcke zu klettern und am Meer entlang
von Groß Zicker nach Gager zu gelangen.
Auf der Insel Ummanz erzählt Ranger
Roland Bich, was sich in 25 Jahren Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft getan hat. Während er seine Besucher zwischen weiten Rapsfeldern hinaus zum Inselchen Urkevitz führt, erklärt er, wie die Röhrichtfelder als Filter
dienen, um Nährstoffe herauszuziehen,
die sonst über das abgepumpte Wasser in
die flachen Bodden gelangten. Die riesigen Ställe aus DDR-Zeiten wurden abgeschafft. Anders als vor 25 Jahren düngen
die Bauern heute gezielter, „die Bodden
schaffen es gerade noch, sich zu regenerieren“. Lerchen jubilieren, ein paar Kraniche ziehen am Himmel, Kiebitze flattern hoch hinaus. In den Salzwiesen, erläutert der auskunftsfreudige Mittfünfziger, wenden Salzbinse, Salzmiere und
Strandmelde ganz unterschiedliche Strategien an, um aufgenommenes Salz auszuscheiden. Er erzählt von den durchziehenden Gänseschwärmen, deren Landung
von Bauern ungern gesehen wird, und
von den Wildschweinen, deren Bestand
erheblich zugenommen hat, vor allem
dank der nahrhaften Maisfelder, aus denen die Biogasanlagen bestückt werden.
Dann geht es noch einmal zurück an die
Ostküste. Auch mit der Geschichte des
Seebades Binz hat sich Klaus Boy intensiv
beschäftigt. Esist gar nicht so einfach, sich
angesichts der strahlend weißen Fassaden
das Bild der Stadt von vor 25 Jahren vorzu-
F
Direkt an der Strandpromenade des Seeheilbades Bansin auf der Insel Usedom
entsteht derzeit ein neues Hotel mit
136 Zimmern. Für das „Kaiserstrand“
(Drei-Sterne-Plus) sind umfangreiche
Freizeitangebote für jede Jahreszeit geplant. Das Management übernimmt die
Seetel-Gruppe, die bereits 15 Häuser auf
Usedom sowie das Bahia del Sol auf Mallorca führt. Nur wenige Schritte vom
Strand entsteht auch eine große Sonnenterrasse, eine Bar-Lounge sowie ein
1000 Quadratmeter großer Wellnessbereich mit Pool, Saunalandschaft und Fitnessraum. Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen auf rund 35 Millionen
Euro. Die Eröffnung ist für den kommenden Sommer geplant. seetel.de
Sternerestaurant am Strelasund
„Stromerwachen“ in Warnemünde
Mit dem Restaurant „Scheel’s“ in Stralsund gibt es eine neue Sterneküche in
Mecklenburg-Vorpommern. In ihrer aktuellen Auszeichnungsrunde dekorierten die Tester des Feinschmecker-Führers „Guide Michelin“ das Lokal des
Romantik-Hotels Scheelehof mit einem
Stern. Die Küche des „Scheel’s“ zeichnet sich durch Regionalität, Frische und
Modernität aus und wird von den gebürtigen Stralsundern Björn Kapelke und
Henri Zipperling geleitet. Insgesamt
gibt es neun Sternerestaurants zwischen Ostseeküste und Seenplatte, kein
ostdeutsches Flächenland kann mehr
aufweisen. Mehr dazu im Internet:
hotel-stralsund-scheelehof.de
Mit dem traditionellen „Stromerwachen“
startet das Seebad Warnemünde in die
Saison. Vom 30. April bis zum 3. Mai jeweils von 10 bis 19 Uhr erleben Besucher
dabei ein Programm mit Live-Musik,
Kunsthandwerk
und
Köstlichkeiten aus der
Region. Die Erlebnismeile erstreckt sich von
der Parkanlage mit dem
Bootsverleih über den
Fischmarkt und die
Bahnhofsbrücke
bis
zum nördlichen Ende
Typisch Norden des Alten Stroms. Höhepunkt der Eröffnungsfeier am 1. Mai um 11 Uhr ist die erste
Drehung der historischen Bahnhofsbrücke nach den Reparaturarbeiten. Am
2. Mai macht das 15. Norddeutsche Oldtimertreffen mit rund 50 Fahrzeugen Station in Warnemünde. Für die musikalische Untermalung zeichnet außerdem
das Mecklenburger Drehorgelorchester,
das direkt vor dem Leuchtturm bekannte
Schlager, Evergreens und Volksmusik er-
Bei unseren Recherchen nutzen wir gelegentlich die Unterstützung von Fremdenverkehrsämtern, Tourismusagenturen, Veranstaltern, Fluglinien oder Hotelunternehmen. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt
der Berichterstattung.
Foto: imago/Jürgen Ritter
Neues Hotel in Bansin
Die größte barocke Schlossanlage in
Mecklenburg-Vorpommern, wird am
23. Mai der Öffentlichkeit übergeben.
Erst im Februar 2008 gelangten Schloss
und Park Bothmer in den Besitz des
Landes. Mit der Eröffnung des Schlosses werde das Land ein Kulturdenkmal
außergewöhnlichen Ranges gewinnen,
heißt es in einer Mitteilung des Tourismusverbandes, das weit über die Grenzen des Klützer Winkels hinaus strahlen solle. In die Restaurierung des
Schlosses und die denkmalgerechte Wiederherstellung des Parks investiert das
Land Mecklenburg-Vorpommern mit
Unterstützung der Europäischen Union
insgesamt 36 Millionen Euro. Mehr
dazu im Internet: schlossbothmer-mv.de
stellen. „Verzierungen und Ornamente
an Dächern und Balkonen gab es auch
damals. Aber sie waren aus Kiefernholz, die meisten arg verwittert und
heruntergekommen, denn Farbe hatte
fast niemand.“ Die zehn riesigen Bettenhäuser und drei „Fresswürfel“ des
Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes
prägten das Bild. Zu jeder der Villen,
zu jedem Hotel hat Boy eine Geschichte
parat: In der heutigen Jugendherberge
erholten sich Kinder der Arbeiter der
Sowjetisch-Deutschen
Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut. Wo sich der
Brunnen und die steinernen Löwen der
„Villa Salve“ erheben, tobten damals die
Schützlinge des Kindergartens „Käthe
Niederkirchner“ durch einen Garten.
1953 waren die meisten Eigentümer
von Ferienanlagen im Rahmen der „Aktion Rose“ enteignet worden. Viele gingen
anschließend in den Westen und erhielten
nach der Wende sehr schnellihre Immobilien zurück. Die meisten verkauften an Investoren. Geld floss, es wurde restauriert,
geklüngelt, spekuliert und gebaut, und
nach und nach erhielt Binz sein heutiges
alt-neues Gesicht, geprägt von den weißen Villen mit ihren feinziselierten Gittern und Rundbogenfenstern, den schlanken Säulen und luftigen Balkonen, den Erkern und Türmchen und allerlei verspieltem Zierrat, den die einen als kitschig, die
anderen als stimmig empfinden. In weniger als 25 Jahren ist die Stadt am Strand
wiederauferstanden, sagt Klaus Boy – und
alle, alle wollen sie heute dorthin.
TIPPS FÜR RÜGEN
D
ANREISE
Mit der Bahn ab Berlin mit dem Regionalexpress in knapp vier Stunden über
Stralsund nach Bergen. Etwas länger
benötigen verschiedene Fernbusse.
THEMENWANDERUNGEN
Der „Wanderfrühling“ findet vom 16. bis
26. April statt. Es werden 16, meist kostenfreie Wanderungen zu 70 Terminen
angeboten. Themenspektrum: von der
Heilkräuterführung bis zur Foto-Exkursion, vom Abendspaziergang zum archäologischen Ausflug, von der Joggingtour bis zum beschaulichen „Skizzieren
in der Natur“. Das gesamte Programm
findet sich im Netz unter rügen.de/wandern, Telefon: 0 38 38 / 807 70
ÜBERNACHTEN UND SPEISEN
Binz: Villa Salve; freundliche Gemütlichkeit an der Strandpromenade. Doppelzimmer mit Frühstück ab 75 Euro (Telefon: 03 83 93 / 22 23, salve-binz.de).
Middelhagen: Zur Linde; einer der ältesten Gasthöfe Rügens, um 1450 erbaut.
Vornehmlich Fischgerichte. Übernachtungsarrangement: drei Nächte mit
Halbpension ab 169 Euro (Telefon:
03 83 08 / 55 40, zur-linde-ruegen.de).
AUSKUNFT
Tourismuszentrale Rügen, Telefon:
038 38 / 80 77 80
Gemalt, gedruckt und gedrechselt
Neues aus Mecklenburg-Vorpommern
Schloss Bothmer wieder eröffnet
Fotos: Franz Lerchenmüller
klingen lässt, verantwortlich. Auskunft
im Internet unter: rostock.de/tourismus,
Telefon: 03 81 / 381 22 22
Welterbeforum auf Rügen
Zu besseren Orientierung der Urlauber,
die das Unesco-Welterbe im Nationalpark Jasmund auf Rügen entdecken wollen, entsteht an der Stelle des traditionsreichen Gasthauses „Waldhalle“ nun ein
Unesco-Welterbeforum, eine Art „Basislager“ am Rande des Unesco-Welterbes
als Ergänzung der Dauerausstellung im
Nationalpark-Zentrum Königsstuhl. Es
soll Wanderern und Naturliebhabern
dazu dienen, den Herzschlag der alten Buchenwälder zu spüren und sie über das
Welterbe informieren. Die Eröffnung ist
noch für 2015 geplant. Zu der neuen
Welterbestätte zählen ein 244 Hektar großer Abschnitt der Serrahner Buchenwälder im Müritz-Nationalpark sowie
493 Hektar des Buchenwaldes im Nationalpark Jasmund, dem mit 2100 Hektar
größten zusammenhängenden Buchenwald an der Ostseeküste.
Schwerin feiert den Frühling
Mit dem „FrühjahrsErwachen“ startet die
Landeshauptstadt in den Kultur- und Gartensommer. Vom 1. bis 3. Mai wird den
Gästen ein abwechslungsreiches Programm geboten. Den Auftakt bildet die
Einweihung des Jugendtempels, ein Nachbau des 1824 errichteten klassizistischen
Rundtempels im südlichen Schlossgarten. Neben Tanzdarbietungen in historischen Kostümen gibt es Aufführungen der
Musik- und Kunstschule. Am 2. und
3. Mai erwartet Besucher rund um den historischen Marktplatz das „Festival der
Kreativität“ mit einer Kunstgalerie unter
freiem Himmel. Ein Arrangement kostet
132 Euro pro Person mit zwei Übernachtungen inklusive Frühstück und weiteren
Extras. Telefon: 03 85 / 592 52 71, Internet: schwerin. info/kurzreisen
Tsp
Mecklenburg-Vorpommern ist Künstlerland. Viele Ateliers öffnen zu Pfingsten
Was mehr als 20 Jahre lang immer besser
läuft, muss gut und richtig sein: „Kunst:
Offen“. Dabei wurde die Idee, Künstlern
am Pfingstwochenende über die Schulter
zu schauen, gar nicht in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Die Norddeutschen haben das Konzept einfach –
mit Bravour – bei den Schweden abgekupfert. In diesem Jahr empfangen mehr als
800 Künstler und Kunsthandwerker, Ateliers und Werkstätten interessierte Besucher. Und die können staunen – und eine
ganze Menge lernen.
Zum Beispiel in der Mecklenburgischen Seenplatte. In Basedow etwa zeigt
Claudia Burmeister (Internet: papier
ziege.de) aktuelle Arbeiten auf Papier
und Holz, die aus verschiedenen Drucktechniken entstanden sind. Wer Porzellan mag, fährt nach Kummerow ins „maluka – Atelier für Porzellan und Keramik“
(maluka-porzellan.de). Hier führt die auf
Burg Giebichenstein ausgebildete Marie-Luise Knittel durch ihre Werkstatt
und erläutert die einzelnen Arbeitsschritte bei der Porzellanherstellung.
Schaudrechseln und -sägen stehen bei Jürgen und Doris Schulz in der Windmühlenstadt
Woldegk
(holzschuppen-wol
degk.de) auf dem Programm.
In den Regionen Ostseeküste Mecklenburg und Mecklenburg-Schwerin können
Besucherinnen in Laake zuschauen, wie
Dessous aus Ökobaumwolle hergestellt
werden. In Schwerin öffnet die
Gravur-Manufaktur
(gravur-manufak
tur.de) von Carola Frericks, um Besuchern handgefertigte Unikate mit Ornamenten, Wappen und Zunftzeichen zu
präsentieren.
Ein gelber Schirm – das Markenzeichen der Pfingstaktion – weist jeweils
den Weg zu den Künstlern. Eine Liste aller Teilnehmer findet man im Internet unter auf-nach-mv.de/kunstoffen. Entsprechende Broschüren liegen bei Tourist-Informationen, Kulturämtern oder Kurverwaltungen der Region aus.
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Foto: BUGA
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Frühling im Havelland: Am 18. April öffnet die BUGA 2015.
BUGA 2015 HAVELREGION: DAS BLAUE BAND DER HAVEL
„Fünf sind eins. Deins“: Fünf Orte entlang der Havel haben sich zusammengeschlossen und bilden –
jeder mit eigenem Profil und alle gemeinsam – ab 18. April die „BUGA 2015 Havelregion“.
Brandenburg an der Havel lockt mit Rosen in Hülle und Fülle. Premnitz setzt das Thema Energie kreativ in Szene.
Rathenow verspricht Ein- und Aussichten und fasziniert mit optischen Phänomenen.
Amt Rhinow / Stölln erinnert an den Flugpionier Otto Lilienthal und die Hansestadt Havelberg
inszeniert unter anderem prächtige Hallenschauen. Ein besonderer Höhepunkt ist der mobile Buga-Skyliner
an wechselnden Standorten: Die Besucher schweben 70 Meter in die Höhe und genießen einen atemberaubenden
Rundum-Panoramablick über die unberührte Natur im weiten Erlebnisraum Havellandschaft.
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Alle infos: www.buga-2015-havelregion.de
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The King's Consort | Il Giardino Armonico | Accademia Bizantina | Concerto Italiano | The Vegetable Orchestra Wien
Drei Opernpremieren | Gartenmusiken | Ein Tag mit Lenné | Jazz im Rosengarten | Abschlusskonzert mit Feuerwerk
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02.2015 Entrée
INHALT
04 Paretz – Lieblingsort der Königin Luise
05 Ein Blick in die Gärten des Welterbes
06 FRAUENSCHLÖSSER: Eine Frau in Sanssouci /
Eine Salonnière in Glienicke
08 Cecilienhof: 70 Jahre Potsdamer Konferenz
09 Pfaueninsel: 2. Mai 1945
10 Schlösser und Gärten im Überblick
12 Musik & Gärten im Einklang
13 Der Zauber von Rheinsberg
14 Die Moderne und die Schlösser
15 KinderKinder
16 Veranstaltungskalender
AKTUELL
ONLINE INS FRIDERIZIANISCHE POTSDAM
„gantz unvergleichlich... – Ernst Samuel Borchwards Reise
nach Potsdam 1749“, von der SPSG 2012 als Buch
herausgegeben, steht jetzt digital zur Verfügung. Die
originale lebhafte Beschreibung der Potsdamer Schlösser
und Gärten wird ergänzt durch ausführliche Kommentare
der Kunst-, Garten- und Architekturhistoriker der SPSG.
Die Abbildungen lassen in Vergrößerung alle Details der
Gemälde, Skulpturen, Bauwerke und Pläne erkennen.
http://quellen-perspectivia.net/de/borchward/start
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Frühling! „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick.“ Faust würde bei seinem Osterspaziergang in Sanssouci wohl
eher die von den Einhausungen befreiten Skulpturen in Versform besingen, denn
nun sind sie weg, die grauen Holzumbauten, die im Winter dem Park einen ganz
eigenen Reiz und fast schon kontemplatives Flair verleihen, aber die wetteranfälligen Marmorkunstwerke vor allem vor Winterschäden schützen. Allein rings
um das Schloss Sanssouci werden im Frühjahr fast 250 Skulpturen „ausgehaust“.
Und der Blick von Fausts Frühling würde hier neben der Frühjahrsbepflanzung
sicherlich auch die Exoten in der Orangerie beleben und sie aus dem Winterschlaf
erwachen lassen, erwartungsfroh ihrer „Ausfahrt“ am letzten Maitag aus den
Orangeriehallen entgegen sehend. Rund 1000 Kübelpflanzen sind es, die alljährlich im Frühjahr aus den Überwinterungshallen des Orangerieschlosses in den
Schlosspark verbracht werden.
Starke Frauen. Sie begleiten uns in diesem Schlösser- und Gartenjahr. Es war eine Frau,
die Schloss Sanssouci am längsten bewohnte: Elisabeth von Bayern (1801–1873),
Königin von Preußen und Gemahlin Friedrich Wilhelms IV., die einzige Hohenzollern-Fürstin, die im Schloss Friedrichs des Großen lebte. Und in der Tat sind
die heute von der Stiftung betreuten Schlösser häufig ausgesprochene FRAUENSCHLÖSSER, da sie in besonderem Maße von Frauen geprägt wurden. Das wollen
wir – Vorboten für die FRAUENSACHE im August – in den Schlössern Sanssouci,
Glienicke und Schönhausen bereits jetzt zeigen und haben dort kleinere Interventionen integriert, die die Rollen der Bewohnerinnen in den Fokus nehmen. Damit
möchten wir Sie, liebe Besucherinnen und Besucher, auf die große FRAUENSACHE einstimmen: Ab 22. August wird die wichtige Rolle der HohenzollernFrauen für die Geschichte Brandenburg-Preußens in den Mittelpunkt der Ausstellung im Theaterbau am Schloss Charlottenburg gerückt.
Als Kulturerbe exzellent. Vor 25 Jahren sind die Schlösser und Parks von Potsdam
und Berlin vom Welterbekomitee der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen worden. Das Welterbekomitee würdigte die Anlagen vor allem als außergewöhnliche Kunstschöpfungen: Über Jahrhunderte hinweg haben hier die bedeutendsten Baumeister und Gartenkünstler gewirkt und in der kreativen Adaption unterschiedlicher Baustile ein eigenständiges Gesamtkunstwerk geschaffen,
das durch das gelungene Wechselspiel von Baukunst und Gartenarchitektur
besticht. Und genau das zeigt die Ausstellung mit künstlerisch-fotografischen
Blicken in die Gärten des Welterbes von Hillert Ibbeken, die wir aus Anlass des
25-jährigen Jubiläums der UNESCO-Auszeichnung in den Römischen Bädern im
Park von Sanssouci präsentieren.
Frühling, Frauen, UNESCO oder auch nur Besuch von Freunden, Bekannten und
Verwandten: einige von tausend Gründen, die Schönheit und den Glanz der
preußischen Schlösser und Gärten gerade jetzt zu genießen – seien Sie uns herzlich willkommen!
Dr. Heinz Buri
Marketingdirektor, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
Berlin-Brandenburg (SPSG)
KOMBICKET CHARLOTTENBURG+ ONLINE
Wie für Schloss Sanssouci inklusive der Potsdamer
Schlösser können auch für das Berliner Schloss
Charlottenburg Zeitfenster-Tickets zum Wunschtermin
(Altes Schloss) gebucht werden.
Das Ticket Charlottenburg+ (19, erm. 15 Euro) gilt am
selben Tag zusätzlich im Schloss Charlottenburg Neuer
Flügel, Neuer Pavillon, Belvedere und Mausoleum.
http://tickets.spsg.de
NEUE KURZFÜHRER ERSCHIENEN
„Marmorpalais“ und „Jagdschloss Grunewald“ ergänzen
die handlichen Kunstführer zu den preußischen Schlössern
und Gärten (Deutscher Kunstverlag), erhältlich in den
Museumsshops.
www.museumsshop-im-schloss.de
TITEL
Ihre Anmut und ihre „ungemein schönen Augen”
nahmen Friedrich Wilhelm
(IV.) sofort gefangen.
1823 heiratete der preußische Kronprinz Elisabeth von
Bayern. 1840 wurde sie
Königin von Preußen und
verwandelte Schloss Sanssouci, den Sommersitz
des Paares, in ein wahres
FRAUENSCHLOSS.
Stieler, Joseph Karl, Königin Elisabeth von
Preußen als Braut
Foto: Klaus G. Bergmann
IMPRESSUM
Die nächste Ausgabe erscheint am 4./5. Juli (PNN / Tsp) 2015.
Herausgeber Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
Berlin-Brandenburg (SPSG), Postfach 601 462,
14414 Potsdam, Tel. 0331.96 94-317 Redaktion Ortrun Egelkraut Veranstaltungskalender Gesine Beutin
Mitarbeit Anne Biernath Verantwortlich Elvira Kühn Artdirektion Julia Kuon Titel Julius Burchard
Produktion Rolf Brockschmidt Druck Druckhaus Spandau Stand 27.3.2015, Änderungen vorbehalten © SPSG
Spendenkonto Commerzbank Potsdam, IBAN: DE19 16040000 0100177501, BIC: COBADEFFXX

4
Wie ein Bühnenbild wirkt Luises Schlafzimmer im Königlichen Palais, so festgehalten von Friedrich Wilhelm Klose.
Die reich verzierten Räuchergefäße gehörten zur originalen Ausstattung, ebenso
das kleine Bild, das auf dem Gemälde wie
in der Ausstellung links unten am Rand
lehnt. In der Vitrine im Hintergrund: Teile
aus dem vergoldeten Toiletteservice der
Königin.
Kult um Luise: Zu den ausgewählten
Kostbarkeiten zählen zwei Prunkvasen mit
Ansichten von Paretz, eine Erwerbung der
„Freunde der preußischen Schlösser und
Gärten e.V.“, und in der Vitrine in einem
schützenden Holzkasten Fragmente eines
Seidenschals, den Luise trug.
Noch nie öffentlich gezeigt wurde das
Mobiliar aus dem Belvedere auf dem Brauhausberg. Luise liebte den Ausblick
auf Potsdam und die Havellandschaft.
Fotos: Wolfgang Pfauder

Paretz – Lieblingsort
der Königin Luise
Eine neue Dauerausstellung stellt
den königlichen Landsitz um 1800 vor
von Ortrun Egelkraut
I
ch kann es nicht erwarten, dass
es nach Paretz geht!“ Es waren
nur wenige Wochen im Jahr, die
das königliche Paar zwischen
1797 und 1805 auf dem Landsitz
im Havelland verbrachte, doch
die zählten zu den glücklichsten im Leben der Königin Luise. Fern von höfischen Zwängen konnte sie in ihrem
„Schloss-still-im-Land“ das unbeschwerte
Landleben und den „Zauber von Paretz“
genießen. wie Theodeor Fontane 1871
schrieb. Heute ist Paretz, nahezu vollständig saniert, ein beliebter Ausflugsort, nur 20 Kilometer von Potsdam,
rund 40 von Berlin entfernt.
Neuer Anziehungspunkt im Schloss ist
neben den museal eingerichteten königlichen Wohnräumen die zu Saisonbeginn
eröffnete Dauerausstellung. In anspre-
chender Präsentation wirft sie einen
anderen Blick auf Luise und hebt die
Bedeutung des königlichen Landsitzes
um 1800 für die märkische Landbaukunst hervor. 1797 erwarb Friedrich
Wilhelm II., damals noch Kronprinz,
das Bauerndorf und ließ es von Baumeister
David Gilly zu einem Mustergut ausbauen. Die Oberaufsicht führte Hofmarschall Valentin von Massow, dessen
Schlossanlage Steinhövel, ebenfalls von
Gilly errichtet, Anregung für Paretz gab.
Die Baukunst jener Zeit und die Geschichte des Gebäudes bilden einen
Schwerpunkt der Ausstellung. So
dokumentieren Zeichnungen aus dem
berühmten Paretzer Skizzenbuch Gillys
Ideen und Fotos aus den Jahren nach
1945 den Niedergang des Schlosses. An
die aufwendige Sanierung und Wieder-
herstellung zwischen 1999 und 2001
erinnern ebenfalls Fotos und ein im
Schutt auf dem Dachboden gefundener
Tapetenrest, der die Rekonstruktion der
einzigartigen Paretzer Papiertapeten
ermöglichte.
Der andere Schwerpunkt ist – natürlich –
Luise. Wie eine Reliquie verwahrt ist in
einem Holzkasten ein Seidenschal, den
der trauernde König nach Luises Tod
der Kirche als Altardecke überlassen
hatte. Eine weitere Kostbarkeit ist die
Marmorbüste der Königin, ein Frühwerk (1804) von Christian Daniel Rauch,
das dank der großzügigen Unterstützung durch die Freunde der preußischen
Schlösser und Gästen e.V. 2012 für Paretz
erworben werden konnte. Luise in Marmor ist dort jetzt der Mittelpunkt, umgeben von gemalten Porträts ihrer Familie.
info
Schloss Paretz
Ein königlicher Landsitz um 1800
Öffnungszeiten für Schloss mit neuer
Dauerausstellung und Kutschenausstellung in der Remise
Di – So 10 – 18 Uhr
www.
spsg.de/koeniglicher-landsitz
Förderung der Dauerausstellung
EUROPÄISCHE UNION
Europäischer Fonds für
regionale Entwicklung
Investition in Ihre Zukunft!
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5
Blumen, Wiesen, Rondelle: Nichts ist zufällig in der Gartengestaltung, hier das Orangerieparterre im Neuen Garten.
Foto: Hillert Ibekken, SPSG
Der Blick in die Gärten des Welterbes
– Fotografien von Hillert Ibbeken
Ausstellung aus Anlass des 25. Jubiläums der
Ernennung der „Schlösser und Parks von Potsdam
und Berlin“ zur UNESCO-Welterbestätte
von Jürgen Becher

P
reußisches Arkadien“ – ein
Ort von paradiesischer
Schönheit und inspirierend
für Kunst-, Architekturund Gartenliebhaber: Vor
25 Jahren nahm die
UNESCO die „Schlösser und Parks von
Potsdam und Berlin“ in die Liste des
Natur- und Kulturerbes der Menschheit
auf. Mit diesem „Gütesiegel“ steigerte
die Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft
auch international ihre Strahlkraft.
Jede auf der UNESCO-Welterbeliste
verzeichnete Kulturstätte ist einzigartig
und erfüllt zudem das Kriterium der
Authentiziät, der historischen Echtheit.
Im Falle der „Schlösser und Parks von
Potsdam und Berlin“ würdigte das Welterbekomitee die außergewöhnlichen
Kunstschöpfungen der bedeutendsten
Baumeister und Gartenkünstler, die
über Jahrhunderte Baukunst und Gartenarchitektur ein ein eigenständiges
Gesamtkunstwerk geschaffen haben.
Die Eintragung der Potsdamer Schlösser
und Gärten in die UNESCO-Welterbeliste hatte die Deutsche Demokratische
Republik am 29. September 1989 beantragt. Die Bundesrepublik Deutschland
ihrerseits schlug am 14. Juni 1990 den
Teil der Havellandschaft mit den Schloss-
und Gartenanlagen in Glienicke sowie
die Pfaueninsel vor. Am 12. Dezember
1990, nur zwei Monate nach der Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten, besiegelte das Welterbe-Komitee der UNESCO die Aufnahme der
„Schlösser und Parks von Potsdam und
Berlin“. Mit der deutschen Wiedervereinigung und der UNESCO-Auszeichnung
bot sich die Chance, die während des
Kalten Krieges durch Grenz- und Sperranlagen brachial zerschnittene Kulturlandschaft wieder zusammenzufügen.
Die Restaurierung der Wege und
Flächen übernahm die 1995 gegründete
Stiftung Preußische Schlösser und
Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG).
Längst präsentiert sich die Potsdam-Berliner Kulturlandschaft wieder in beeindruckender Harmonie und Geschlossenheit. Sie umfasst – mit Erweiterungen
im Potsdamer Stadtraum – insgesamt
2064 Hektar und ist flächenmäßig eine
der größten deutschen Welterbestätten.
Aus Anlass des 25. Jubiläums der Eintragung in die Liste des UNESCO-Welterbes zeigt die SPSG eine Ausstellung
mit Fotografien von Hillert Ibbeken. Er
hat die Elemente der Gartenkunst, die
Vokabeln der Gartensprache, in das
Medium der Fotografie übersetzt: Der
See und das Ufer, der Kanal, der Graben,
der Teich und die Fontäne sind unverzichtbare Teile der Gartengestaltung.
Gleichermaßen wichtig ist die Flora:
der solitäre Baum, die Baumgruppe, der
Waldrand und das Waldstück, die Allee
und die Hecke, häufig auch importierte
exotische Pflanzen und Bäume. Die
Fülle der Blumen ist in Rabatten und
Beeten geordnet. Wege und Rondelle
schaffen eine räumliche Gliederung.
Hinzu kommen Denkmäler und Skulpturen, Brücken und Bänke, aber auch
Architekturen wie ein Stibadium oder
eine Pergola. Die Schlösser schließlich
vollenden das Gesamtkunstwerk.
Die ausgewählten Farbfotografien,
sämtlich Digitalaufnahmen, bringen all
diese Elemente, Strukturen, Hierarchien
und Stimmungen dem Betrachter nahe
und gestatten einen weiten „ Blick in
die Gärten des Welterbes und in die
anderen ebenso paradiesischen Schlossgärten der SPSG im Land Brandenburg
und in Berlin-Charlottenburg.“
Hillert Ibbeken, 1935 in Berlin geboren,
arbeitete bis zu seiner Emeritierung 1997
Professor für Geologie an der Freien Universität Berlin. Während seiner beruflichen Laufbahn und besonders intensiv
danach widmete er sich vor allem der
Architekturfotografie. In diesem Zusammenhang entdeckte er die königlich-preußischen Gärten der SPSG als
Architekturen der Gartenkunst.
Zwischen 2008 und 2013 hat er sie in
mehreren Kampagnen fotografiert.
Dr. Jürgen Becher ist Kurator der
Ausstellung und Leiter Dokumentations- und Informationszentrum SPSG
info
Ausstellungsort
Römische Bäder
Potsdam, Park Sanssouci
1. Mai bis 31. Oktober, Di – So 10 – 18 Uhr
www.
spsg.de/blick-ins-welterbe
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Frauenhände prägten auch FRAUENSCHLÖSSER:
Elisabeth von Bayern (links außen) war
Hausherrin im Schloss Sanssouci (oben),
Marie von Sachsen-Weimar im Schloss Glienicke.
Schlösseransichten: Hermann Kraemer nach Carl
Graeb: Schloss Sanssouci, obere Terrasse, 1855.
Carl Daniel Freydanck: Ansicht von Schloss
Glienicke, 1847. SPSG, KPM-Archiv(Land Berlin)
Porträts: Joseph Karl Stieler, Königin Elisabeth
von Preußen als Braut. Foto: Klaus G. Bergmann
Julius Schoppe, Marie von Sachsen-WeimarEisenach, Prinzessin von Preußen, 1839. Fotos: SPSG
FRAUENSCHLÖSSER
Vor 600 Jahren kamen die Hohenzollern nach Brandenburg. Rund 500 Jahre bestimmten
Kurfürsten, Könige und Kaiser die Geschicke der märkischen, preußischen und deutschen
Geschichte. Die Frauen an ihrer Seite – Ehefrauen und Töchter – sowie deren Bedeutung für die
Entwicklung Brandenburg-Preußens wurden von der Geschichtsschreibung bisher vernachlässigt
oder bewusst „herausgeschrieben“. Die SPSG nimmt das Jubiläum zum Anlass, erstmals die
Geschichte der Hohenzollern-Dynastie aus der Perspektive der Frauen zu erzählen und findet
eine klare Antwort auf die Frage, wie Brandenburg Preußen wurde: Das war FRAUENSACHE!
Frauen haben auch die Schlösser in und um Berlin geprägt. An drei authentischen Orten,
Dependancen der großen Schau FRAUENSACHE, die am 22. August im Theaterbau von Schloss
Charlottenburg öffnet, erinnern bereits jetzt kleine Sonderpräsentationen, integriert in die
jeweilige Dauerausstellung, an das Wirken der einstigen Hausherrinnen: Schloss Sanssouci
in Potsdam, Schloss Glienicke und Schloss Schönhausen in Berlin sind ausgesprochene
FRAUENSCHLÖSSER.
Das Ausstellungsprojekt wird gefördert durch:
Kulturstiftung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten / Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) /
Kulturstiftung der Länder (KSL) / Ernst von Siemens Kunststiftung (EvS) / Home Center Management GmbH (HCM)
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Eine Salonnière in Glienicke
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Bei Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach
traf sich in ungezwungener Atmosphäre die
geistige Elite Berlins zum Tee
von Kristin Bahre
E
Eine Frau in Sanssouci
Wohnen wie Friedrich der Große –
aber als glückliches Paar zu zweit:
Elisabeth von Bayern
und Friedrich Wilhelm (IV.)
von Vanessa Krohn
E
s war eine Liebesheirat, die
1823 für eine dynastische
Verbindung des bayerischen
Südens mit dem preußischen Norden sorgte.
Selbst konfessionelle Unterschiede wurden überwunden, um die
Eheschließung Elisabeth Ludovikas von
Bayern mit dem preußischen Thronfolger Friedrich Wilhelm (IV.) zu ermöglichen. Bereits als Kronprinzenpaar
hielten sich die beiden gern in Sanssouci auf, dem Lieblingsschloss
Friedrichs des Großen.
Nach der Thronbesteigung 1840 richteten sich Elisabeth (1801 – 1873) und
Friedrich Wilhelm (1795 – 1861) in den
Gästezimmern des Schlosses ganz
nach ihren Wünschen und Bedürfnissen
als Paar wohnlich ein. Das Dritte
Gästezimmer wurde zum Schlafzimmer
umfunktioniert. Da jedoch Ehebetten
in Friedrichs Sanssouci nicht vorgesehen waren, mussten diese vor der zu
schmalen Bettnische aufgestellt werden
und ragten so in den Raum hinein.
Elisabeth gefielen die weißblauen
Wandbespannungen in Sanssouci
sicherlich besonders gut, da sie den
Wappenfarben ihrer bayerischen
Familie glichen. So ließ sie die
Wandstoffe in ihrem Wohnzimmer
nach altem Vorbild erneuern und
durch gleichfarbige Polstermöbel
ergänzen. Die kühle Farbigkeit sorgte
für eine angenehme Atmosphäre in
den vorrangig im Sommer bewohnten
Räumen.
Der Höhepunkt der Raumfolge war
das sogenannte Voltairezimmer mit
seinen ausgefallenen Tierschnitzereien. Hier richtete sich Elisabeth ein
Toilettezimmer ein. Dabei behielt sie
die hochgeschätzte Rokoko-Einrichtung Friedrichs bei, ergänzte sie
allerdings üppig mit einem porzellanbesetzten Konsoltisch samt Wandspiegel aus Meißen und Sitzmöbeln im
Stil des Neurokoko. Die Stickereibezüge der Möbel, die heute im
Damenflügel von Sanssouci aufbewahrt werden, zeigen Tierszenen
nach den Fabeln La Fontaines. Und
auch der Papierkorb Elisabeths, der
jetzt in Sanssouci zu sehen ist,
bezieht sich, mit Affenfiguren versehen, auf die naturalistische
Wandvertäfelung des Voltairezimmers. Dennoch verrät schon dieses
kleine Möbel, dass es sich um eine
Ausstattung des 19. Jahrhunderts
handelt: Friedrich der Große benutzte
noch keine Papierkörbe dieser Art.
Elisabeth verbrachte insgesamt 38
Sommer in ihrem Sanssouci – mehr
Zeit als Friedrich der Große selbst.
Nach dem Tod ihres Mannes 1861
nutzte sie das Schloss auch als
Witwensitz und inszenierte sich als
zurückgezogene und trauernde
Witwe. Elisabeth von Bayern war
nicht nur die letzte, sie war auch die
einzige langjährige Bewohnerin des
Schlosses Sanssouci. Das hätte sich
Friedrich der Große wohl nicht
träumen lassen.
s war wohl Liebe auf den
ersten Blick, als sich Prinz
Carl (1801 – 1883) und Marie
von Sachsen-WeimarEisenach (1808 – 1877) zum
ersten Mal begegneten.
Liebe jedoch galt als Störfaktor im
Konzept dynastischer Heiratspolitik. In
diesem Fall hatte nicht das preußische
Königshaus die Fäden in der Hand. Es
waren Maries Eltern, Carl Friedrich
Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach und Großfürstin Maria Pawlowna
Romanowa, die für ihre Tochter nach
einem Thronfolger Ausschau hielten.
Der drittgeborene Sohn des preußischen Königs
Friedrich Wilhelm III. und Königin
Luises hatte da kaum Chancen. Doch
nach mehr als zwei Jahren Verhandlungen zwischen Berlin, Weimar und
St. Petersburg – Zar Alexander I. war
Maries Onkel – gelang es schließlich, die
Großherzöge zu einer Einwilligung zu
bewegen. Carl und Marie heirateten 1827.
Als Sommersitz wählte das Paar Schloss
Glienicke am Ufer der Havel. Das Anwesen hatte Prinz Carl 1824 von seinem
Vater zum Geschenk erhalten. Nach
einer Italienreise von der Leidenschaft
für den Süden gepackt, ließ Carl das
einstige Gutshaus des verstorbenen
Staatskanzlers Fürst von Hardenberg zu
einem vornehmen Landhaus im Stil
einer römischen Villa ausbauen. Karl
Friedrich Schinkel lieferte die Pläne für
die umfangreichen Umbauarbeiten,
Peter Joseph Lenné wurde mit der Gestaltung des Gartens beauftragt. So
entstand ein paradiesisches Fleckchen
Erde, auf dem man sich in Italien
wähnen konnte.
Vor allem aber sollte die Weimarer Herkunft Maries die Atmosphäre in Glienicke prägen. Der Hof in Weimar galt
als politisch äußerst liberal. Zudem wurden dort Kunst, Literatur und Wissenschaften mit großem Interesse gefördert. Man war stolz, Begegnungsort von
Dichtern wie Wieland und Herder,
Goethe und Schiller zu sein. Im Zentrum
der deutschen Aufklärung schienen
Standesgrenzen zwischen der großherzoglichen Familie und den bürgerlichen
Künstlern keine Rolle zu spielen. Marie
– übrigens Patentochter Goethes –
wuchs in dieser Umgebung auf, erhielt
eine entsprechend umfassende, humanistisch orientierte Bildung und erlebte
zugleich den selbstverständlichen Umgang mit Künstlern und Literaten. Ihre
Vorstellungen von Geselligkeit unterschieden sich stark vom steifen, eher
militärisch geprägten Berliner Hof.
Also drückt Marie Glienicke ihren per-
sönlichen Stempel auf und macht den
Ort zu einem bedeutenden Anziehungspunkt für Künstler und Intellektuelle.
Wie in Berlin seinerzeit nur in bürgerlichen Salons üblich, trifft sich die
geistige Elite Preußens in ungezwungener Atmosphäre bei Marie zum Tee.
Alexander von Humboldt gehört ebenso
zu dem erlauchten Kreis wie Schinkel
und Lenné. Der Architekt von Schloss
Glienicke und der Gestalter des Parks
werden nicht als bloße Bedienstete
angesehen. Man schätzt sie als ebenbürtige Gesprächspartner geschätzt.
Die liberale Haltung zeigt sich nicht
allein im Umgang der hochadligen Gastgeber mit ihren bürgerlichen Gästen.
Marie empfängt auch die Komponisten
Felix Mendelssohn-Bartholdy und
Giacomo Meyerbeer, die wegen ihrer
jüdischen Herkunft andernorts antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt sind.
Was für eine Vorstellung: In dem von
Schinkel entworfenen weißen Salon
sitzt der Künstler selbst mit der Prinzessin am Tisch und beide plaudern angeregt mit Lenné über den wunderschönen Garten direkt vor den Fenstern.
Humboldt blickt unterdessen über die
Havel und schildert Mendelssohn seine
Überfahrt nach Südamerika, während
Meyerbeer in Gedanken an seiner
nächsten Oper feilt, vielleicht an dem
Singspiel „Ein Feldlager in Schlesien“ ,
das 1844 an der Königlichen Hofoper in
Berlin uraufgeführt wird.
info
FRAUENSCHLÖSSER
Schloss Sanssouci
Elisabeth von Bayern
Schloss Glienicke
Marie von Sachsen-Weimar
Schloss Schönhausen
Elisabeth Christine von
Braunschweig-Wolffenbüttel
(vorgestellt in sans, souci. 1/2015)
www.
frauensache-preussen.de
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Ein Quart Geschichte
Mit einem Sonderinvestitionsprogramm (Masterplan) retten der Bund
sowie die Länder Berlin und Brandenburg bedeutende Denkmäler der
Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall und
damit ein Quart Geschichte.
Insgesamt kann die SPSG bis 2017
155,03 Millionen Euro in die Wiederherstellung nationaler Kulturgüter
zusätzlich investieren.
links: Historischer Saal der Potsdamer Konferenz. Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG
rechts: „Die Großen Drei“: Churchill, Truman und Stalin, Schloss Cecilienhof, 1945.
links unten: Vor der Gerüststellung: Schloss Cecilienhof mit blühenden Magnolien.
Wiederholt sich Geschichte?
Schloss Cecilienhof und 70 Jahre
Potsdamer Konferenz: In Europa wird wieder
über Krieg und Frieden diskutiert
von Matthias Simmich

Wo die
Magnolien blühen
Mit Arbeiten an Fassade und Dach
geht der Masterplan am Schloss Cecilienhof
in die nächste Runde
Die wichtigste Nachricht zuerst:
Schloss Cecilienhof bleibt trotz Baustelle geöffnet. Die Privaträume des
letzten preußischen Kronprinzenpaares
Wilhelm und Cecilie und die historischen Räume der Potsdamer Konferenz samt der dazugehörigen Dauerausstellung können besichtigt werden.
Auch der Ehrenhof mit dem „Roten
Stern“, Bestandteil der „Historischen
Stätte der Potsdamer Konferenz“, sowie
der Museumsshop bleiben zugänglich.
Die Sanierungsmaßnahmen Im Rahmen
des Masterplans, den die SPSG für das
Investitionsprogramm aufgestellt hat,
dienen vorrangig der Instandsetzung
und Sicherung der bedrohten Bausubstanz des vor rund 100 Jahren fertiggestellten Gebäudes. Zusätzlich soll die
Sanierung der technischen Infrastruktur die Betriebskosten senken.
Der erste Bauabschnitt „Haustechnik
und Erschließung“ im vergangenen
Jahr fand von den Besuchern fast unbemerkt im Untergrund des Kellers und
der Wirtschaftshöfe statt. Für die nun
anstehende Hüllensanierung, die abschnittweise erfolgen wird, verschwindet das charakteristische Fachwerkgebäude hinter Gerüsten und Bauplanen.
Der aktuelle Bauabschnitt reicht vom
Westturm bis in den Ehrenhof. Saniert
werden das Eichenfachwerk, die
immens große Dachlandschaft von der
Konstruktion über die Dachziegel bis
zu den Zierschornsteinen, die Fenster
und Außentüren sowie die Natursteinfassaden und Natursteingartenmauern.
Die Reparaturen werden vorrangig
handwerklich und unter Verwendung
originaler oder originalgetreuer Materialien erfolgen.
Für die notwendigen Gerüststellungen
wurden die Gehölzpflanzungen entfernt
und die Fassadenbegrünung in diesem
Bereich bereits abgenommen. Zuvor wurden die Gehölze durch die Mitarbeiter
der Gartenabteilung eingemessen, kartiert und gärtnerisch bestimmt. Besonders wertvolle Gehölze wurden bereits
2014 in die Parkgärtnerei gebracht. Nach
Abschluss der jeweiligen Bauabschnitte
werden sie dann wieder am Originalstandort eingepflanzt und das denkmalpflegerische Gesamtbild wiederhergestellt.
Vor Ort geschützt werden die historischen Magnolien an der Nordwestseite
des Schloss. Wer den herrlichen
Blumenschmuck trotz Bauarbeiten
bewundern will, muss das Schloss
besuchen. Aus dem Frühstückszimmer
hat man den besten Blick. Gleichzeitig
können die Besucher im Innern an
Fortgang und Ergebnissen von Restaurierungen unmittelbar teilhaben.
Es war kurz nach Mitternacht am 2. August 1945, als die Delegationen der
Hauptsiegermächte des Zweiten Weltkriegs die Konferenz von Potsdam für
beendet erklärten. In dreizehn Sitzungen
im Schloss Cecilienhof hatten USPräsident Truman, Generalissimus
Stalin für die Sowjetunion und der
britische Premierminister Churchill
sowie sein Nachfolger Attlee auf diplomatischem Parkett miteinander um
nichts Geringeres als die Nachkriegsordnung in Europa und der Welt gerungen. „Ich möchte die Hoffnung ausdrücken, dass diese Konferenz ein wichtiger Meilenstein auf dem Wege zu
einem dauerhaften Frieden (…) sein
möge“, äußerte sich beschwörend
Clement Attlee. „Das ist auch unser
Wunsch“, bekräftigte Joseph Stalin.
In der Präambel des Abschlussdokuments wurde dieser Wunsch dokumentiert. Doch bereits vier Jahre später
war alles Makulatur und Deutschland
in zwei Staaten geteilt. Spätestens
nach der Berlin-Blockade und der Luftbrücke 1948 standen sich die ehemaligen Verbündeten der Anti-HitlerKoalition, USA und Sowjetunion, als
Gegner gegenüber. Wortgewandt wie
eh und je schilderte Winston Churchill
in einer Rede am 5. März 1946 in
Fulton/USA die weltpolitische Lage:
„Von Stettin an der Ostsee bis Triest an
der Adria hat sich über den Kontinent
ein eiserner Vorhang gesenkt.“
Der Ost-West-Konflikt sollte für die
nächsten 45 Jahre die Weltpolitik
beherrschen. Und auch wenn keiner
der in Potsdam Anwesenden den Kalten Krieg geplant hatte, so trugen
Großmachtstreben, Kompromisslosigkeit und Nicht-Verstehen der anderen
Seite nicht unwesentlich zu seiner
Entstehung bei. „Die Amerikaner und
Engländer wollen uns knebeln“, fühlte
sich Stalin gegängelt, während Harry
S. Truman ernüchtert zu dem Schluss
kam: „Stärke ist das Einzige, was die
Russen verstehen.“.
Wiederholt sich Geschichte? Diese Frage
drängt sich auf, denn 70 Jahre nach dem
Ende des Zweiten Weltkrieges und der
Potsdamer Konferenz wird erneut über
Krieg und Frieden in Europa diskutiert.
Kann man aus Geschichte lernen?
Einfache Antworten gibt es darauf natürlich nicht, und diese sind auch nicht
in der Dauerausstellung zur Potsdamer
Konferenz zu erwarten. Aber am
authentischen Ort im Schloss Cecilien-
hof entsteht ein lebendiges Bild vom
Konferenzgeschehen. Vielschichtige
Informationen (in Deutsch und Englisch) und ein Audioguide (in zwölf
Sprachen) vermitteln anschaulich, um
welche Verhandlungsschwerpunkte
und Konflikte es 1945 ging. Damit
erhält der Besucher Anregungen zum
Nachdenken und Hinterfragen der
unterschiedlichen Positionen. Und
schnell werden Parallelen zur heutigen
Zeit erkennbar: Es geht um Konfliktlösungen, Friedensprozesse, den Umgang mit ethnischen Minderheiten, die
Festlegung von Grenzen, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, aber auch
um Feindbilder und die Zugehörigkeit
zu politischen Systemen. In den heutigen Sprachgebrauch übersetzt, würde
man z.B. bei der Deutschen Teilung
wohl eher von einem „Frozen Conflict“
sprechen. Das Potsdamer Kommuniqué
entspräche dem Minsker Verhandlungsergebnis im Ukraine-Konflikt. Es
handelte – und handelt sich – um einen
Minimalkonsens der beteiligten Verhandlungsparteien.
Ein Friedensvertrag mit Deutschland
wurde in Potsdam nicht unterzeichnet.
Dieser ließ noch 45 Jahre auf sich warten.
Erst mit dem „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf
Deutschland“ – dem Zwei-plus-Vier-Vertrag – aus dem Jahr 1990, wurde eine
völkerrechtlich verbindliche Regelung, ausdrücklich anstelle eines Friedensvertrags getroffen.
Gerade anlässlich des 70. Jahrestags
der Potsdamer Konferenz lädt das
Schloss Cecilienhof zum – erneuten
– Besuch der Ausstellung ein. Zusätzlich wird es im Juli und August, Sonderführungen geben.
Matthias Simmich ist Kurator der
Dauerausstellung und Assistent im
Schloss Cecilienhof.
info
Schloss Cecilienhof
Neuer Garten, Potsdam
Di – So 10 – 18 Uhr
www.
spsg.de/cecilienhof-potsdamerkonferenz
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9
Märchenhaft ist die Pfaueninsel nicht nur im Frühling,
wenn die Magnolien blühen und die Pfauen ihr
buntes Federkleid vor dem malerischen Schloss zur
Schau stellen. Foto: Michael Lüder
links: Buchcover „Pfaueninsel“ Foto: Kiepenheuer & Witsch
rechts: Marie Wolter Foto: privat
Pfaueninsel, 2. Mai 1945
Mut zur Rettung
von Michael Seiler
Einladung
auf die Pfaueninsel
Thomas Hettches Roman
lässt das 19. Jahrhundert lebendig werden
von Ortrun Egelkraut
„Eine Königin, ein Schloss, eine Insel.
Ein Ball.“ Das sind Zutaten für ein
Märchen. Thomas Hettche fügt diesem
Grundrezept eine weitere hinzu:
„Monster“. Schönheit und Romantik
auf der einen, das Hässliche und die
Realität auf der anderen Seite: Aus
dieser Konstellation gewinnt der Roman „Pfaueninsel“ seine Spannung –
und seinen besonderen Reiz aus dem
märchenhaften Erzählstil. Doch das
Buch ist weit mehr als ein Märchen.
Hettche entführt mit den Augen von
heute in die Welt des 19. Jahrhunderts.
Die paradiesische Pfaueninsel ist der
Mikrokosmos, in dem sich die politischen Ereignisse und die kulturgeschichtlichen Veränderungen draußen
spiegeln. Wie in einer genau recherchierten Chronik wird eine Epoche
aufgeblättert. Es treten unter anderem
auf: Königin Luise, drei Könige, Prinzen
und Prinzessinnen, Lenné und die
Gärtnerfamilie Fintelmann sowie –
Vorsicht: Märchen – Peter Schlemihl.
Hettche gelingt es auf faszinierende
Weise, historische Fakten und Figuren
mit der fiktiven und berührenden
Lebensgeschichte seiner nicht erfundenen Hauptfigur zu verweben. Das
Schlossfräulein Marie ist kleinwüchsig, ein „Monster“, das im „Maskenspiel in der Spielzeugwelt der Pfaueninsel“ ebenso zur Schau gestellt wird
wie die exotischen Tiere in der Menagerie. Einmal verlässt sie die Insel
und macht sich mit der fauchenden
Eisenbahn auf in das laute Berlin, in
dem die Industrialisierung längst
angekommen ist.
„Pfaueninsel“ macht neugierig, die
präzis beschriebenen Schauplätze zu
erkunden – die ideale Einstimmung
auf den nächsten Spaziergang auf der
Insel.
Pfaueninsel
Roman von Thoms Hettche
348 Seiten,
Kiepenheuer & Witsch, Köln
erhältlich im Museumsshop Pfaueninsel
Am 2. Mai jährt sich zum 70. Mal der
Tag, an dem Menschen und die
Schöpfungen der Bau- und Gartenkunst
der Pfaueninsel durch das mutige Handeln einer Frau vor Tod und Zerstörung
bewahrt wurden. Marie Wolter, Mitglied der KPD, war nach ihrer Entlassung am 16. Januar 1945 aus dem
Konzentrationslager Ravensbrück auf
die Pfaueninsel gekommen. Dort lebte
ihre Tochter Sonja zusammen mit
ihrem Mann Hans-Joachim Rohde bei
den Schwiegereltern im Schweizerhaus.
Am 26. April 1945 hatte die deutsche
Wehrmacht die Pfaueninsel, die inmitten des Kampfgebietes der von Osten
und Norden heranrückenden Roten
Armee lag, mit ungefähr 400 Soldaten
und Offizieren besetzt. Regulär lebten
dort 30 bis 40 Menschen. Nun hatten
sich zusätzlich 150 Personen auf die
Insel geflüchtet, in der Hoffnung, hier
den Krieg zu überleben. Die Rote
Armee stand bereits am gegenüberliegenden Ufer, Marie Wolter versuchte
den verantwortlichen Major zu überzeugen, die Insel zu übergeben, um
unnötiges Blutvergießen zu vermeiden.
Doch er lehnte entschieden ab.
In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai
versuchte die Wehrmacht von der Insel
zu entkommen. Es gelang aber nur
einigen Offizieren und einem kleinen
Teil der Soldaten. Am 1. Mai traf ein
sowjetisches Panzergeschoss den
südlichen Giebel des Schweizerhauses.
„Jetzt verließen wir uns nur noch auf
uns selbst“, schrieb Marie Wolter 1945.
Am 2. Mai fuhr sie in Begleitung von
sechs Zivilisten um 11.30 Uhr auf der
Fähre mit gehisster roter und weißer
Fahne zum gegenüberliegenden Ufer,
auf dem Sowjetsoldaten mit angelegten
Gewehren einen deutschen Maschinengewehrschützen am Fährhaus
daran hinderten, auf die Überfahrer zu
schießen.
Der russische Panzer, der sein Geschütz zur Insel gerichtet hatte, wurde
zurückgezogen. Auf die Frage des
sowjetischen Obersten, warum Zivilisten und nicht Soldaten zur Übergabe
gekommen wären, erklärte Marie
Wolter, dass diese Angst hätten. Sie
schrieb in ihrem noch im Mai 1945
verfassten Bericht: „Aber sonderbar,
nach einer halben Stunde kam der
Major in einem kleinen Boot mit der
weißen Fahne und ergab sich. Zehn
Minuten später marschierten die
deutschen Soldaten mit der weißen
Fahne am Fährhaus auf.“ Die Tochter
Sonja ergänzte später, dass die Soldaten
dort „Berge voller Waffen“ ablegten und
in Gefangenschaft gingen. So blieb die
Insel erhalten und die Menschen haben
überlebt. Die offizielle Kapitulation Berlins trat am 2. Mai um 15 Uhr in Kraft.
Marie Wolters vollständiger Bericht sowie die Erinnerungen, die ihre Tochter,
die Zeitzeugin Sonja Rohde (90), dem
Verfasser 2014 berichtete, sind in den
Mitteilungen des Vereins für die
Geschichte Berlins im Heft 1 (Januar
2015) nachzulesen. Dort wird auch die
Verbindung der Familie Rohde mit der
Pfaueninsel – Sonjas Schwiegervater
Walter Rohde arbeitete dort mit
Unterbrechungen seit 1914 – bis in die
Zeiten Lennés nachgezeichnet.
Prof. Dr. Michael Seiler lebt und
arbeitet seit 1979 auf der Pfaueninsel
und war von 1993 bis 2004 Gartendirektor der SPSG.
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JAGDSCHLOSS GRUNEWALD
MIT JAGDZEUGMAGAZIN
In Berlins ältestem Schlossbau (1542) am
Ufer des Grunewaldsees ist die bedeutende
Sammlung von Cranachgemälden der SPSG zu
sehen, außerdem Bildnisse der brandenburgpreußischen Kurfürsten und Könige vom 16.
bis ins 19. Jahrhundert. Das Jagdzeugmagazin
SCHLOSSMUSEUM ORANIENBURG
Als älteste barocke Schlossanlage in
Brandenburg zeugt Oranienburg von
den dynastischen Verbindungen zu den
Niederlanden. Errichtet wurde es ab 1651 für
Louise Henriette von Oranien, die erste Frau
des Großen Kurfürsten.
Ganzjährig, Di – So
SCHLOSS UND GARTEN PARETZ
MIT SCHLOSSREMISE
Das idyllisch nahe der Havel gelegene
Schloss Paretz gilt als Ideal eines pittoresken
Landsitzes. David Gilly erbaute es 1797 als
Sommersitz für den Kronprinzen Friedrich
Wilhelm (III.) und seine Gemahlin Luise.
Neben dem Schloss ist in der Schlossremise
SCHLOSS KÖNIGS WUSTERHAUSEN
Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig“, hielt
sich besonders gerne in Königs Wusterhausen
auf. Hier tagte das berühmte Tabakskollegium,
bei dem der König mit seinen Vertrauten offen
debattierte.
April – Oktober, Di – So
November – März, Sa/So/Feiertag
SCHLOSS UND PARK CAPUTH
Als frühbarocker Landsitz ist Schloss Caputh
das einzige erhaltene Zeugnis des Großen
Kurfürsten Friedrich Wilhelm in der Potsdamer
Kulturlandschaft. Berühmt sind der Fliesensaal
und die Wohnräume der Kurfürstin Dorothea.
Mai – Oktober, Di – So
November – April, Sa/So/Feiertag
BRANDENBURG
MAUSOLEUM
Ursprünglich als Grablege für Königin Luise
errichtet, fanden auch ihr Gemahl, König
Friedrich Wilhelm III. und später Kaiser
BELVEDERE
Als Aussichtspunkt im Schlossgarten Charlottenburg wurde dieser reizvolle Bau nach
Entwürfen des Architekten Carl Gotthard
Langhans 1788 erbaut. Heute wird hier eine
bedeutende Sammlung der Berliner Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) gezeigt.
April – Oktober, Di – So
SCHLOSS SCHÖNHAUSEN
Schloss Schönhausen diente als Landsitz
Königin Elisabeth Christines, Gemahlin
Friedrichs des Großen, im 20. Jahrhundert
aber auch als Präsidentensitz und
Staatsgästehaus der DDR.
April – Oktober, Di – So
November – März, Sa/So/Feiertag
NEUER PAVILLON
Das „Juwel der Schinkelzeit“ präsentiert
sich nach fünf Jahren Schließung
umfassend saniert und mit neuer
Dauerausstellung. Die Ausstellung sowie
inventargetreu eingerichtete Räume machen
das Wirken des Architekten Karl Friedrich
Schinkels erlebbar.
Ganzjährig, Di – So
SCHLOSS UND LUSTGARTEN
RHEINSBERG
In Rheinsberg verbrachte Friedrich der Große
seine Jugendjahre. Umgebaut durch Georg
Wenzeslaus von Knobelsdorff 1734/40, zählt
das Schloss zu den schönsten Bauten der Zeit.
Neben den Schlossräumen ist auch das Kurt
Tucholsky Literaturmuseum zu besichtigen.
Ganzjährig, Di – So
die Dauerausstellung „Kutschen, Schlitten und
Sänften aus dem preußischen Königshaus“ zu
besichtigen.
April – Oktober, Di – So
November – März, Sa/So/Feiertag
PFAUENINSEL
Auf der Pfaueninsel entstand ein Park als
Erweiterung und Ergänzung des Neuen
Gartens über die Havel hinweg. Dem Gefühl
der Zeit entsprechend sollten dort Mensch
und Natur im Einklang leben.
Im 19. Jahrhundert wurde die Pfaueninsel als
Teil der Potsdamer Kulturlandschaft von
Peter Joseph Lenné umgestaltet. An der
Westseite der Insel errichtete König Friedrich
Wilhelm II. ein kleines romantisches weißes
Schloss aus Fachwerk mit zwei Türmchen.
Insel/Fähre: ganzjährig, täglich
Schloss: April – Oktober, Di – So
Meierei: April – Oktober, Sa/So/Feiertag
SCHLOSS GLIENICKE UND CASINO
Karl Friedrich Schinkel ist der Architekt des
Schlosses Glienicke. Neben bedeutenden
Kunstwerken der Schinkelzeit hat das
Hofgärtnermuseum seinen Platz in Glienicke.
April – Oktober, Di – So
Nov., Dez., März, Sa/So/Feiertag
Januar – Februar geschlossen
Casino: April – Oktober, Sa/So/Feiertag
CHINESISCHES HAUS
Wie kaum ein anderer Bau verkörpert
das 1754 – 1757 errichtete Chinesische Haus
die Vorliebe der Zeit für Chinoiserien.
Mai – Oktober, Di – So
Osterfeiertage geöffnet
HISTORISCHE MÜHLE
Im niederländischen Stil entstand die Mühle
1787 – 1791. Nach einem Brand 1945 wurde sie
1993 wieder aufgebaut.
April – Oktober, täglich
November, Januar – März, Sa/So
SCHLOSS NEUE KAMMERN
Nach Plänen von Georg Wenzeslaus von
Knobelsdorff 1747 zunächst als Orangerie
errichtet, ließ Friedrich der Große die Neuen
Kammern in ein kostbar ausgestattetes
Gästeschloss umbauen.
April – Oktober, Di – So
BILDERGALERIE
In dem prachtvollen Galeriebau – gleich
neben Schloss Sanssouci – werden Gemälde
von Rubens, van Dyck, Caravaggio und
anderen berühmten Künstlern gezeigt. Die
1763 fertiggestellte Galerie war der erste
eigenständige Museumsbau in Deutschland.
Mai – Oktober, Di – So
NORMANNISCHER TURM / RUINENBERG
Der im 19. Jahrhundert erbaute Normannische
Turm auf dem Ruinenberg überblickt ein
Panorama, das vom Schlösschen auf der Pfaueninsel bis zur Wilhelmshöhe bei Werder reicht.
Mai – Oktober, Sa/So/Feiertag
SCHLOSS SANSSOUCI
Schloss Sanssouci ist das Hauptwerk deutscher
Rokokoarchitektur und ein weltweiter Mythos.
Es wurde nach Ideen des Königs Friedrich
dem Großen 1747 von Georg Wenzeslaus von
Knobelsdorff vollendet.
Ganzjährig, Di – So
Schlossküche: April – Oktober, Di – So
Damenflügel: Mai – Oktober, Sa/So/Feiert.
PARK SANSSOUCI
Der Park Sanssouci bildet ein einzigartiges
Ensemble von Schlössern und Gartenanlagen,
das im 18. Jahrhundert unter Friedrich II.
begonnen und im 19. Jahrhundert unter
Friedrich Wilhelm IV. erweitert wurde.
informiert über die Geschichte der Jagd in
Brandenburg und die Schlossgeschichte.
April – Oktober, Di – So
Nov., Dez., März, Sa/So/Feiertag
Januar – Februar geschlossen
SCHLOSS CHARLOTTENBURG
Schloss Charlottenburg ist heute die größte
und bedeutendste Residenz der Hohenzollern
in Berlin. Umgeben ist die prachtvolle
Schlossanlage von einem einzigartigen
Barockgarten, der in einen Landschaftspark
übergeht. Schloss und Garten wurden ursprünglich für die preußische Königin Sophie
Charlotte als Sommerresidenz errichtet und
durch die nachfolgenden Herrscher erweitert.
Die Kuppel des Schlosses Charlottenburg ist
eines der Wahrzeichen Berlins. Der älteste
Teil stammt aus den Jahren 1695 – 1713.
Friedrich der Große ließ 1740 – 1742 den
Neuen Flügel erbauen.
Altes Schloss: ganzjährig, Di – So
Neuer Flügel: ganzjährig, Mi – Mo
Wilhelm I. und Kaiserin Augusta hier ihre
letzte Ruhestätte.
April – Oktober, Di – So
POTSDAM
BERLIN
Die schönsten Ausflugsziele im Frühling: Park Sanssouci, Pfaueninsel, Schloss Charlottenburg, Neuer Garten
Fotos: Hans Bach, Gesine Beutin, Silke Hollender / Karte: kontur
MARMORPALAIS
König Friedrich Wilhelm II. ließ 1787 – 1791
das Marmorpalais am Ufer des Heiligen
Sees errichten. Mit seiner kostbaren Ausstattung zählt das Marmorpalais zu den bedeutendsten Bauten des Frühklassizismus.
Mai – Oktober, Di – So
November – April, Sa/So/Feiertag
NEUER GARTEN
Der Neue Garten wurde ab 1787 im Auftrag
Friedrich Wilhelms II. am Heiligen See
angelegt und war der erste englische
Landschaftspark der preußischen Könige.
Gleichzeitig entstand das Marmorpalais als
Sommerresidenz des Königs sowie zahlreiche
kleinere Parkbauten.
ORANGERIESCHLOSS
Nach Plänen von Ludwig Persius, Friedrich
August Stüler und Ludwig Hesse 1851 – 1864
entstanden, sind vor allem der Raffaelsaal
mit Kopien nach Werken Raffaels und der
Aussichtsturm Anziehungspunkte.
April, Sa/So/Feiertag
Mai – Oktober, Di – So
Aussichtsturm wegen Sanierung
bis 2016 geschlossen
RÖMISCHE BÄDER
Im Stil einer italienischen Villa entstand
nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel und
Ludwig Persius der malerische Komplex mit
Gärtnerhaus, Teepavillon, Großer Laube,
Arkadenhalle und Römischem Bad.
Mai – Oktober, Di – So
SCHLOSS CHARLOTTENHOF
Für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.)
und seine Gemahlin Elisabeth erbaute Karl
Friedrich Schinkel dieses elegante Schlösschen
am Rande des Parks Sanssouci. Einzigartig ist
die von Schinkel weitgehend selbst entworfene
Inneneinrichtung.
Mai – Oktober, Di – So
NEUES PALAIS VON SANSSOUCI
Friedrich der Große ließ das Neue Palais 1763–
1769 errichten. Prächtige Festsäle, Galerien
und fürstlich ausgestattete Appartements wie
die Königswohnung sind herausragende Zeugnisse des friderizianischen Rokoko.
Ganzjährig, Mi – Mo
Königswohnung: April – Oktober, Mi – Mo
JAGDSCHLOSS STERN
Im Rahmen von Veranstaltungen geöffnet,
zugänglich gemacht durch den Förderverein
Jagdschloss Stern - Parforceheide e.V.
DAMPFMASCHINENHAUS (MOSCHEE)
Im Stil einer Moschee errichtete Ludwig
Persius 1841 – 1843 am Ufer der Havel ein
Maschinenhaus.Die Dampfmaschine der Firma
Borsig diente als Pumpwerk für die Fontänen
im Park Sanssouci.
Mai – Oktober, Sa/So/Feiertag
FLATOWTURM
Von der Aussichtsplattform des 1853 – 1856
errichteten Flatowturms bietet sich ein
eindrucksvoller Rundblick über die Potsdamer
Parklandschaft.
Mai – Oktober, Sa/So/Feiertag
SCHLOSS BABELSBERG
Im neogotischen Stil 1834 – 1835 nach Plänen
von Karl Friedrich Schinkel für Prinz Wilhelm
von Preußen und Prinzessin Augusta von
Sachsen-Weimar erbaut.
Wegen Sanierungsmaßnahmen im Rahmen
des Masterplans derzeit geschlossen
PARK BABELSBERG
Der Park Babelsberg wurde in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts nach englischem Vorbild
von Peter Joseph Lenné und Fürst PücklerMuskau für Prinz Wilhelm, den späteren Kaiser
Wilhelm I., angelegt.
BELVEDERE AUF DEM PFINGSTBERG
Nach Skizzen Friedrich Wilhelms IV. 1847 – 1863
als Aussichtsschloss erbaut. Heute wird das
Belvedere durch den Förderverein Pfingstberg
e.V. zugänglich gemacht.
April – Oktober, täglich
März und November, Sa/So
Pomonatempel: Direkt unterhalb des
Belvedere gelegen; erster Schinkelbau 1801.
1. Aprilwochenende – Oktober, Sa / So /
Feiertag
SCHLOSS CECILIENHOF
Als Wohnsitz des Kronprinzen Wilhelm und
seiner Frau Cecilie entstand 1913 – 1917 dieser
letzte Schlossbau der Hohenzollern im Stil eines
englischen Landhauses. Berühmt wurde es als
Ort der „Potsdamer Konferenz“ 1945.
Ganzjährig, Di – So
www.spsg.de
Jahreskarte Freiwilliger Parkeintritt: 12 ¤
Berechtigt zu je 1x freiem Eintritt zu drei Türmen:
Normannischer Turm und Belvedere auf dem
Klausberg im Park Sanssouci, Flatowturm im
Park Babelsberg.
(Erhältlich u.a. bei den Besucherbetreuern im
Park und in den Besucherzentren.)
Freiwilliger Parkeintritt: 2 ¤
Inkl. Flyer mit Park-Karte und Sightseeing-Tipps.
(Erhältlich an den Automaten oder bei den
Besucherbetreuern im Park.)
FREIWILLIGER PARKEINTRITT
Um die UNESCO-Welterbestätten der PotsdamBerliner Kulturlandschaft zu schützen und zu
bewahren, benötigen wir Ihre Unterstützung!
Mit dem Freiwilligen Parkeintritt fördern Sie den
Erhalt der einzigartigen Gartenanlagen.
BESUCHERZENTRUM AM NEUEN PALAIS
Am Neuen Palais 3, 14469 Potsdam
(Dienstag geschlossen)
BESUCHERZENTRUM AN DER
HISTORISCHEN MÜHLE
An der Orangerie 1, 14469 Potsdam
(Montag geschlossen)
GRUPPENRESERVIERUNG
E-Mail: gruppenservice@spsg.de
Telefon: +49 (0) 331.96 94-222
Fax: +49 (0) 331.96 94-107
Postanschrift: Postfach 601462, 14414 Potsdam
BESUCHERINFORMATION
E-Mail: info@spsg.de
Telefon: +49 (0) 331.96 94-200
Gerne beraten wir Sie zu unseren Kombi- oder
Einzeltickets sowie Buchungsmöglichkeiten für
Gruppen.
Bitte informieren Sie sich über die genauen
Öffnungszeiten unter www.spsg.de und beachten
Sie die Sonderregelungen zu den Feiertagen.
INFO

12 
Stille Einkehr
und fröhliche Feste
Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2015
bringen MUSIK & GÄRTEN in Einklang

Seit 60 Jahren dabei: Die Gartenstühle der Musikfestspiele stehen
bald wieder für die Besucher bereit.
Foto: Udo Weber
A
m Anfang war ein wüster
Berg bei Potsdam. Und ein
König, der sich einen Ort erträumte, wo er Mensch sein
und glücklich leben könnte.
Heute prangt Sanssouci als
schönste Blüte im grünen Kranz der Gärten,
der sich rund um Potsdam windet. Generationen von Gärtnern und Baumeistern,
Künstlern und Ingenieuren formten eine
Landschaft, in der Natur und Kultur zu
einer Harmonie finden. Hier fühlt sich der
Mensch beglückt aufgehoben – als wär’s ein
Stück vom Paradies.
Als ein Kind der Gärten wurden die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci geboren:
Höchste Zeit für eine Hommage an ihre
wunderbaren Schauplätze und an den Garten als Lebensraum. MUSIK & GÄRTEN:
Das ist eine jahrhundertelange Geschichte
wechselseitiger Inspiration, die von stiller
Einkehr erzählt und fröhlichen Festen, von
fürstlicher Pracht und nahrhaften Früchten.
Bei den Musikfestspielen verbindet sich der
Hörgenuss erlesener Musik mit dem Blick
auf Potsdams Gärten zu einem einzigartigen
Erlebnis. Ob in der Ovidgalerie im Schloss
Neue Kammern oder im Palmensaal der
Orangerie im Neuen Garten – das tanzende
Miteinander von Musik und Gärten im
Wandel der Zeiten wird hautnah miterlebt.
Musik in geheimen und öffentlichen
Gärten, Musik, die von Lust- und Zen-Gärten, von Gemüsebeeten und Blumenrabatten inspiriert wurde: Immer findet
sich das Spiel mit Klang und Stille, mit Licht
und Schatten, mit Tages- und Jahreszeiten.
Viele Komponisten holten sich Anregungen
in Gärten. Mit Franz Liszt bereist man die
Gärten der Villa d’Este, mit Georg Friedrich
Händel die Vauxhall Gardens, Londons
beliebtester Sommerkonzertsaal im Grünen.
John Cage entführt in den Zen-Garten von
Ryoanji, Manuel de Falla in die Gärten der
Alhambra. Johann Adam Reincken schuf
sich sein eigenes musikalisches Gartenparadies Hortus Musicus; Esaias Reusner,
Kammerlautenist bei Kurfürst Friedrich
Wilhelm von Brandenburg, komponierte
Lautenfrüchte, Stefan George brachte
Arnold Schönberg in die Gefilde der mythischen hängenden Gärten der Antike. Und
der Garten Georg Philipp Telemanns war so
berühmt, dass man ihn vor Kurzem in
seiner Geburtsstadt Magdeburg wieder entstehen ließ.
Im Juni begeben sich die Musikfestspiele
Potsdam Sanssouci auf einen musikalischen
Streifzug durch die Gärten der Welt. Vier
Opernproduktionen, Gartenmusiken, „Ein
Tag mit Lenné“, das preisgekrönte Fahrradkonzert, ein Rosenfest, das Abschlusskonzert mit Feuerwerk und vieles mehr erwarten die Besucher in den Schlössern und
Gärten von Potsdam. Das Festival im Grünen
vereint Hörgenuss, Augenlust und Sinnenfreude im Zusammenspiel der Künste!
info
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
12. bis 28. Juni
Informationen und Karten:
Tel. 0331.288 88 28
www.
musikfestspiele-potsdam.de
Schlosskonzerte
Königs Wusterhausen
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Königs Wusterhausen aus der Luft:rechts oben das Schloss, links daneben der
Schlosspark, vorne rechts bilden die Kavalierhäuser
das Entrée zum barocken Schlossensemble.
Foto: Schlosskonzer te K W
Das erfolgreiche Festival
geht in seine zweite Saison
Die neue Konzertreihe mit hochkarätig
besetzten Ensembles beginnt in diesem Jahr
am 11. Juli, 19 Uhr, in der Kreuzkirche von
Königs Wusterhausen. Das „Orchestra in
Residence“, das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, präsentiert mit
Mendelssohns Klavierkonzert in d-Moll in
der so gut wie nie gespielten Fassung für
Klavier und Streichorchester eine Kostbarkeit. Solistin ist Gerlint Böttcher am Klavier,
zugleich die musikalische Leiterin der
Schlosskonzerte Königs Wusterhausen. Je
zwei weitere Konzerte folgen im September
und Oktober.
Zusätzlich zum historischen Konzertsaal der
Kavalierhäuser und zur gegenüberliegenden
Kreuzkirche (Schlosskirche) konnte als
neuer reizvoller Spielort die Bibliothek der
Technischen Hochschule Wildau in einer
denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikhalle gewonnen werden.
Zum Auftakt eines jeden Konzertabends
lädt die SPSG zu einer Führung ein, die
Einblick gibt in die Geschichte des Schlosses, das eng mit dem Preußenkönig
Friedrich Wilhelm I. verbunden ist. Und
wer noch mehr Kulturgenuss wünscht,
kann ein Rundum-Verwöhn-Programm
buchen. Schlossführung, königliches Drei-
Gang-Menü im stilvoll restaurierten Schlossrestaurant nach historisch überlieferten
Rezepten des 18. Jahrhunderts und ein
klassisches Konzert: Tickets für dieses
Komplettprogramm – 56 Euro für fünf
erlebnisreiche Stunden ab 16 Uhr – gibt es
nur im Vorverkauf direkt im Schloss Königs
Wusterhausen und im Schlossrestaurant
bzw. im Café des Kavalierhauses sowie mit
einem Aufschlag von 5 Euro an allen
Vorverkaufsstellen.
Eintritt Konzert und Schlossführung:
15 – 40 Euro (unterschiedliche Preiskategorien in Kirche, Kavalierhaus und Bibliothek); Tickets an den Vorverkaufsstellen.
info
Eröffnungskonzert
Romantische Musikwelten
Sa, 11. Juli, 19 Uhr
Kreuzkirche Königs Wusterhausen
Weitere Termine und Programme
www.
schlosskonzerte-koenigswusterhausen.de
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13 
Der Zauber von
Rheinsberg
Neuanfang zum Jubiläum:
Seit einem Vierteljahrhundert präsentiert
die Kammeroper Schloss Rheinsberg
die Weltelite der jungen Opernsänger
Von allen Seiten schön: Schloss Rheinsberg bildet die romantisch-malerische Kulisse für den „Singenden See“ und die Operngala im Schlosshof.
Fotos: Kammeroper/ Henr y Mundt; Kammeroper/ Jacqueline Schul z

Musik am Markt
Die SPSG übergibt den Marktflügel des
Kavalierhauses Rheinsberg nach abgeschlossener
Sanierung an die Musikakademie
Zum Schlossensemble Rheinsberg gehört
auch der Gebäudekomplex auf der Nordseite, bestehend aus Theaterflügel (1774),
Küsterhaus (1761/67), Neuer Flügel (1792)
und dem zum Markt hin orientierten Marktflügel. Dieser älteste Bestandteil des
Kavalierhauses, unter Leitung von Georg
Wenzeslaus von Knobelsdorff als Domestikenhaus erbaut, besitzt einen außerordentlichen Denkmalwert. Trotz vieler
Um- und Ausbauten ist in der Grundrissstruktur die ursprüngliche Gestaltung und
Funktion des Gebäudes noch deutlich
ablesbar.
2013 hat die SPSG die Grundinstandsetzung übernommen. Dabei wurden unter
anderem Dächer, Fassaden und die geschädigten Innenwände repariert. Außerdem
wurden der bauliche Brandschutz durch
die Bildung von Brandabschnitten
verbessert und die technischen Anlagen
umfassend modernisiert. Die frisch
sanierten Räume wurden Ende März der
Musikakademie Rheinsberg zur Nutzung
für Proben und Seminare übergeben. Seit
Sommer 2014 sind die Musikakademie
Rheinsberg (Landes- und Bundesakademie)
und die Kammeroper Schloss Rheinsberg
unter dem Dach der neugegründeten
Musikkultur Rheinsberg gGmbH vereint.
info
Kavalierhaus Rheinsberg, Marktflügel
Tag der offenen Tür
Sa, 30. Mai, ab 14 Uhr
H
erausragende Stimmen, einzigartige Aufführungen
und die zauberhafte Kulisse
des Rheinsberger Schlossensembles machen den
besonderen Reiz des international hochgeschätzten Festivals aus.
370 000 Besucher sahen bisher mehr als 70
Inszenierungen im Schlosstheater, im
Heckentheater und im Schlosshof. Und für
viele junge Sänger war Rheinsberg
Sprungbrett zu einer großen Karriere.
1990 gründete der Komponist Siegfried
Matthus das Internationale Festival junger
Opernsänger; nach 24 Jahren an dessen
Spitze gab der 80-Jährige die künstlerische
Leitung der Kammeroper Schloss Rheinsberg ab. Das Jubiläumsjahr 2015 verantwortet sein Sohn und Nachfolger Frank
Matthus. Der neue künstlerische Direktor
nimmt Liebgewonnenes wieder auf und
verspricht viel Neues. Zentral bleibt die
Förderung junger Sänger. So ging auch
2015 dem Festival ein internationaler
Gesangswettbewerb voraus, für den sich
nahezu 400 Teilnehmer beworben hatten.
Die 30 Preisträger, die im Februar ermittelt wurden, werden mit den Partien
im Rheinsberger Festivalsommer belohnt.
Operngala, Konzerte im Spiegelsaal, Matineen im Schlosstheater und der „Singende
See“ umrahmen drei Operninszenierungen. Den Auftakt zur Jubiläumssaison gibt
ein Barockfest im Heckentheater wie zu
Prinz Heinrichs Zeiten. Auf der über 250
Jahre alten Open-Air-Bühne wird Händels
Oper ,,Amadigi“ ohne akustische Verstärkung erklingen und mit Fackeln und Feuerschalen beleuchtet. Preisträger früherer
Kammeropern-Jahrgänge kommen zurück
und gestalten die drei Abende (26. bis 28.
Juni) mit.
Erstmals wird es beim Festival eine Uraufführung geben. Am 31. Juli hat im Schloss-
hof mit ,,Adriana“ eine Oper des 21. Jahrhunderts Premiere. Das Libretto schrieb
Elke Heidenreich, die Musik komponierte
Marc-Aurel Floros. Mit Verdis „La Traviata“
(Premiere 14. August) beginnt die Kammeroper eine Trilogie großer romantischer
Opern mit bewegenden Frauenschicksalen.
„Tosca“ und „Carmen“ sollen in den kommenden Jahren folgen.
In der Zusammenarbeit mit den Orchestern wird ebenfalls Bewährtes fortgesetzt.
Das Brandenburgische Staatsorchester
Frankfurt begleitet die Operngala, die
Brandenburger Symphoniker „La Traviata“.
Das Staatsorchester Braunschweig kommt
diesmal mit seinem neugegründeten Barockensemble zum Festivalauftakt. Die
Kammerakademie Potsdam gastiert erstmals in Rheinsberg und wird die Uraufführung von „Adriana“ spielen.
info
Kammeroper Schloss Rheinsberg
26. Juni bis 22. August
Kartenreservierung
Tel. 033931.349 40
www.
kammeroper-schloss-rheinsberg.de
Schlossführung
Der Musenhof am Grienericksee
an allen Aufführungstagen, 16.30 Uhr
Treffpunkt: Schlosskasse im Marstall
Alle Termine unter
www.
spsg.de/kalender

14 
Die Moderne
und die Schlösser
Zwei Ausstellungen zeitgenössischer Kunst
in Berlin und Potsdam zeigen Werke,
die in enger Beziehung
zur SPSG entstanden sind
von Samuel Wittwer

Mystisches Neues Palais
Fesselnd atmosphärische Aufnahmen
sind Markenzeichen der Berliner
Künstlerin Friederike von Rauch. Ein
spannendes Langzeitprojekt verbindet
ihre aktuelle und doch zeitlose Kunst
mit den preußischen Schlössern: Als
eine Art fotografische Tagebuchautorin
Mystisches Licht im Neuen Palais: „SPSG_14“.
© Friederike von Rauch
Noch fehlen
die Lotto-Millionen
Mit kleinen Spenden entwickelt sich der
Weinberg am Klausberg zum prächtigen Nutzgarten
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Nashörner sind das Hauptthema der
Ausstellung in der Galerie Mutter
Fourage in Wannsee. Wie das mit den
Schlössern zusammenhängt? Martin
Sperlich (1919 – 2003), der seit 1956 in
Charlottenburg tätig war, dem die
Rettung von Schloss und Garten mit
zugeschrieben werden darf und der 15
Jahre lang als Direktor das heutige Bild
des Hauses formte und prägte, hatte
eine große Leidenschaft für Nashörner.
Scheinbar dickhäutig und doch sehr sensibel spiegeln sie das Wesen dieses hochgeschätzten Mannes, der sich auch um
das zeitgenössischen Kunstschaffen im
Berlin der Nachkriegszeit verdient machte.
Die zahlreichen Künstler, mit denen
Sperlich freundschaftlich verbunden
war und die beim Wiederaufbau des
Schlosses Charlottenburg mit ihren
Werken die Brücke zur Gegenwart
schlugen, widmeten ihm oft Arbeiten
rund um das Rhinozeros. Joachim
Dunckel, Hann Trier und Peter Schubert, der im abstrakten Deckenbild der
Orangerie sogar ein Nashorn versteckte,
sind nur drei dieser Kunstschaffenden.
Nahezu 150 grafische Werke umfasst
Sperlichs Nashornsammlung. Historische Arbeiten wie von Albrecht Dürer
und moderne, wie von Karl SchmidtRotluff, Salvador Dalí oder Karl Oppermann, ergänzen diesen hervorragenden
Bestand. Damit dieses einzigartige
Zeugnis zusammenbleiben kann, um
künftig in Charlottenburg dauerhaft an
Martin Sperlich und seine Verdienste
um die preußischen Schlösser zu
erinnern, werden im Rahmen der
Ausstellung auch Spenden gesammelt.
Apfelbaum mit Namensschild und
Weinprobe auf dem Weinberg.
Foto: pr ivat
„Wenn ich den Lotto-Jackpot gewinnen würde, wäre dem Weinberg schnell geholfen.“
Wolfgang Hansen weiß genau, wie er die
fiktiven Millionen Euro aufteilen würde.
Drei Millionen, so viel werden gebraucht,
bekämen die Mosaik-Werkstätten, die den
königlichen Weinberg am Klausberg bis
2019, zum 250-jährigen Bestehen, wiederherstellen wollen – als Nutzgarten für den
Wein- und Obstanbau wie zu Zeiten
Friedrichs des Großen und mit restaurierten
Nebengebäuden.
Nun hat das Ehepaar Gisela und Wolfgang
Hansen die Millionen (bisher) nicht gewonnen, doch gespendet haben die beiden zum
wiederholten Mal: Patenschaften für jeweils
vier Rebstöcke mit den Maßen einer
„Preußischen Ruthe“ und einen Apfelbaum
gab es zuletzt zu Weihnachten und „die
nächsten Geburtstage rücken näher“. Auch
im Freundeskreis kämen solch originelle
Geschenke gut an, „denn man hat ja schon
alles“, fügt Gisela Hansen hinzu.
Gisela und Wolfgang Hansen verlegten vor
drei Jahren ihren Wohnsitz von Hamburg
nach Potsdam. „Wir wollten nach dem Ende
des Berufslebens noch mal was ganz
Anderes machen“. Die Potsdamer Kulturlandschaft mit „Wald, Wasser und Schlössern“ hatte es ihnen schon bei früheren
Besuchen angetan. Eine Wohnung fanden
sie so zentral, dass sie den Park Sanssouci
als ihren „Hausgarten“ bezeichnen und
dabei – „selbstverständlich“ – auf ihre
Jahreskarte für den Parkeintritt verweisen.
begleitete Friederike von Rauch über
Jahre hinweg auf Streifzügen durch
Dach, Keller und Prunkräume den
Wandel des Neuen Palais in Potsdam,
der sich im Rahmen der Restaurierungen und des Sonderinvestitionsprogramms langsam aber stetig vollzieht.
Es ist ihr besonderer Blick für Licht, der
die charakteristische Atmosphäre
dieses Hauses einzufangen vermag,
auch „hinter den Kulissen“, so etwa in
den Obergeschossen, Werkstätten und
Depotbereichen. Diese gleichsam
verpuppten Räume werden – wenn ihre
derzeitigen Nutzungen in den kommenden Jahren in neue Unterkünfte
überführt sind – einen wahren
„Schmetterling“ an nahezu unberührten,
kaiserzeitlich geprägten Appartements
freigeben. Umso wichtiger ist es, dass
ihre bisherige Geschichte nicht vergessen wird. Dazu tragen die Aufnahmen
dieser einfühlsamen Künstlerin wesentlich bei. Die Ausstellung im Kunstverein KunstHaus Potsdam zeigt erste
Resultate und lässt das scheinbar
vertraute Schloss als geradezu mystischen Ort und unbekannten Nachbarn
erscheinen.
Dr. Samuel Wittwer
ist Schlösserdirektor der SPSG.
info
Ausstellungen
Nashornsammlung von Martin Sperlich
und Werke Joachim Dunckels
14. Juni bis 19. Juli
Galerie Mutter Fourage
Chausseestraße 15a, Berlin-Wannsee
Friederike von Rauch. Fotografie
17. Mai bis 28. Juni
Kunstverein KunstHaus Potsdam e. V.,
Ulanenweg 9, Potsdam
Auf Spaziergängen in den Parks und Gärten
entdeckten sie den Weinberg am Klausberg.
Und weil Wolfgang Hansen ein kommunikationsfreudiger Mensch ist und zufällig
Andreas Kramp von den Mosaik-Werkstätten vor Ort war, kam man ins Gespräch. „In
Potsdam kommt man ja am Spenden kaum
vorbei“, lacht Gisela Hansen. Und das,
was die Mosaik-Werkstätten machen, die
Zusammenarbeit von Menschen mit und
ohne Behinderung, „das gefällt uns sehr
gut“. Dass man den Weinberg auch als Ort
für geselliges Beisammensein nutzen kann,
kam als Idee hinzu. Eine für alle Seiten
erfolgreiche Veranstaltung mit Weinprobe
findet sicher im kommenden Sommer ihre
Fortsetzung, um noch mehr Menschen auf
den Weinberg aufmerksam zu machen und
sie – natürlich – zum Spenden zu animieren. Noch bleibt viel zu tun.
info
Auskunft zu Spenden und
Patenschaften geben:
Tina Schümann / t.schuemann@spsg.de
Marius Porstendörfer /
m.porstendoerfer@spsg.de
Tel. 0331.96 94-432
www.
koeniglicher-weinberg.de

15 
Kinder, Kinder!
Heute möchte ich euch meinen besten Freund vorstellen:
er heißt Johann Ludwig von Fauch und ist ein kleiner lieber
Drache. Er wohnt im Marmorpalais in Potsdam und ist
3.000 Jahre alt – für einen Drachen ist er damit sehr jung!
Fauch wohnt schon eine ganze Weile hier an der Havel und
kennt sich bestens aus in der Gegend! Fast besser als ich
und deswegen habe ich beschlossen, ihn ab jetzt zu meinem
Nachfolger zu machen. Ich übergebe also an meinen liebsten
Freund Fauch und bin mir sicher, er hat eine ganze Menge
Geschichten auf Lager.
Möchtest Du gleich heute schon eine erzählen?
Mach mit!
Tanzen wie ein Königskind
Wolltet Ihr nicht auch schon immer
einmal Prinzessin oder Prinz sein?
Dann feiert Euren nächsten Geburtstag
doch mal im Neuen Palais im Park
Sanssouci! Dort könnt ihr euch kostbare historische Kostüme anziehen
und lernen, wie man am königlichen
Hof ein richtiges Menuett tanzte. Das
Menuett tanzen wir auch zusammen in
den Schlossräumen des Neuen Palais.
Sonntag, 10. Mai
11 / 13 / 15 Uhr
Potsdam, Park Sanssouci
Sonntagswerkstatt: Fête Champêtre
Fête Champêtre ist Französisch und
bedeutet ländliches Fest. An diesem
Sonntag wollen wir mit euch auch ein
kleines Fest feiern, ähnlich wie die
Hofgesellschaft vor 300 Jahren.
8|4€
Anmeldung: 0331.96 94-200 (Di – So)
oder info@spsg.de
Treffpunkt: Besucherzentrum Neues
Palais
Sonntag, 14. Juni
16 Uhr
Berlin, Jagdschloss Grunewald
Zwerg Nase
Ein spannendes Märchentheater mit
Puppen, Schauspielern und Musik für
Familien mit Kindern ab 5 Jahren.
Anmeldung: 030.8 13 35 97 oder
schloss-grunewald@spsg.de
8 | 6 € (inkl. Schlossbesichtigung
bis 18 Uhr)
Märchentheater für Menschen ab
5 Jahren
Treffpunkt: Schlosskasse im Café
> mehr Kinder- und Familienprogramm
findet ihr im Veranstaltungskalender!
Weitere Informationen unter
www.spsg.de/kindergeburtstag
Anmeldung unter 0331.96 94-222
(Di– So) oder gruppenservice@spsg.de
Geburtstagskinder beim Anziehen der
historischen Kostüme
Foto: Peter Adamik

Halbjahresprogramm
Ab sofort könnt ihr unter diesem Link
www.spsg.de/kinder alle Veranstaltungen für Kinder und Familien in
einem Download finden, immer zusammengefasst für ein halbes Jahr.
Illustrationen: Gesine Grotrian (Fledermaus), Ulrich Scheel
Sonntag, 12. April
13.30 Uhr
Potsdam, Neuer Garten, Marmorpalais
Johann Ludwig von Fauch auf Reisen
Der Schlossdrache Johann Ludwig von
Fauch führt Familien durch das Marmorpalais im Neuen Garten und freut sich
über kleine Begleiter, die mit ihm das
Schloss erkunden.
auch am 10.5. und 7.6. | jeweils 13.30 Uhr
8 | 6 € Familienkarte 15 €
Anmeldung: 0331.96 94-200 (Di – So)
oder info@spsg.de
Treffpunkt: Schlosskasse
Na logo, es ist mir eine
Ehre! Da wir gerade
beim Thema Freundschaft sind:
Wusstet ihr,
dass die
besten Freunde von König
Friedrich dem
Großen seine
Hunde waren? Er hatte insgesamt elf Lieblingshunde
und die wurden von den
Dienern sehr verwöhnt. Sie bekamen köstliches
Essen, durften bei König Friedrich mit im Bett
schlafen und mussten von dem Personal mit „Sie“
und auf Französisch angesprochen werden!
Unglaublich, oder? Die Hunde Friedrichs hatten
sehr ungewöhnliche Namen. Hier auf dem Bild
seht ihr seine Lieblingshündin „Biche“. Die Hunde,
die König Friedrich am meisten mochte, ließ er
neben sich oben auf den Terrassen von Sanssouci
begraben. Er wollte sie eben immer um sich haben.
VERANSTALTUNGSKALENDER
Foto: SPSG / Leo Seidel
Auf Spurensuche in FRAUENGÄRTEN –
Die „Preußisch Grün“-Saison 2015
Entdeckungen im Grünen bietet auch in diesem Jahr die Reihe „Preußisch Grün“ – zum Beispiel im Neuen Garten
Die beliebte Garten-Erlebnis-Reihe „Preußisch Grün“ widmet sich in diesem Jahr den Frauen der
Hohenzollern: Anlässlich der großen Sonderausstellung FRAUENSACHE (ab 22.8.2015) begeben wir
uns die ganze Saison hindurch auf Spurensuche in FRAUENGÄRTEN. Welche preußischen Fürstinnen
haben sich durch die Jahrhunderte mit Gärten beschäftigt, ihre Ideen in die Gartengestaltung
eingebracht? Welche der königlich-preußischen Gärten sind mit den Namen der Hohenzollerinnen
verbunden – und was ist vom einstigen Wirken der Fürstinnen heute noch wahrnehmbar?
Am 29.4. entdecken wir rund um das Neue Palais im Park Sanssouci den „Nachlass“ der
Prinzessin Victoria. Königin „Luises Bauernhof“ lädt am 7.6. Jung und Alt zum Familientag auf
die Pfaueninsel ein. Am 10.6. führt die „Gräfin Lichtenau“ höchstpersönlich durch „ihren“ Neuen
Garten in Potsdam, und am 17.6. entführt eine abendliche Promenade Sie an den Sehnsuchtsort
der Königin Elisabeth von Preußen: den Marlygarten im Park Sanssouci.
29.4. / 18.30 Uhr / Potsdam, Park Sanssouci am Neuen Palais
7.6. / 13–18 Uhr / Berlin, Pfaueninsel
10.6. / 19 Uhr / Potsdam, Neuer Garten
17.6. / 19 Uhr / Potsdam, Park Sanssouci, Marlygarten
Informationen zu Eintrittspreisen und Treffpunkten: www.spsg.de/preussisch-gruen
Eine Anmeldung ist für alle Veranstaltungen erforderlich, sofern nicht anders angegeben. Telefonnummer: 0331.96 94-200 (Di – So, 8.30 bis 17.30 Uhr) oder info@spsg.de
Buchung ab vier Wochen vor Veranstaltungstermin. Karten bitte bis 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung abholen.
Treffpunkt für alle Führungen, sofern nicht anders angegeben, an der jeweiligen Schlosskasse. Ausführliche Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter www.spsg.de/kalender
APRIL
SONNTAG / 5.
14 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Potsdams schönste Aussicht gestern
und heute
Führung: Belvedere, Pomonatempel und
Lennésche Gartenanlage im Wandel der
Geschichte
Veranstalter: Förderverein Pfingstberg e.V.
auch am 3.5., 7.6. und 5.7. | jeweils 14 Uhr
7,50 | 5,50 ¤
Anmeldung: 0331.2 00 68 41
Treffpunkt: Kasse Belvedere
Information: www.pfingstberg.de
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Mit der Kammerzofe Sophie durchs
Schloss
Eine Kammerzofe plaudert aus dem
Nähkästchen
Familienführung für Kinder von 6 bis 10
auch am 19.4., 3.5., 17.5., 31.5., 14.6. und
28.6. | jeweils 15 Uhr
8 | 6 ¤ Familienkarte 15 ¤ (2 Erw., max. 4
Kinder)
Treffpunkt: Kasse Neuer Flügel
16 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Jagdzeugmagazin
Laudate Dominum – Osterkonzert
Die Ostergeschichte nach Lukas
Erzählkonzert mit Laila Salome Fischer
(Sopran) und Daniel Kurz (Laute)
Kompositonen von Praetorius, Monteverdi,
Kapsberger u. a., Texte von Rilke, Hesse,
Goethe u. a.
15 | 12 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
(außer Schlossbesichtigung)
16 Uhr Berlin / Schloss Glienicke
Konzerte im Schloss Glienicke
Kammermusik durch die Jahrhunderte –
wechselnde Gastensembles
April – Juni immer Samstag & Sonntag,
zusätzlich Ostermontag und Pfingstmontag |
jeweils 16 Uhr sowie Fr., 19.6. | 19 Uhr
Veranstalter: Konzertagentur Tatjana Döhler
20 | 17 | 10 ¤
Anmeldung: 030.34 70 33 44
Information: www.konzerte-schloss-glienicke.de
jeweils 1 Std. vorher Schlossführung: 5 | 4 ¤
FREITAG / 10.
20 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Große Orangerie
Berliner Residenz Konzerte
Mozarts Meisterwerke
Veranstalter: Image Berlin GmbH
bis 18.9. immer Mi., Fr. & Sa. (Änderungen
vorbehalten) | jeweils 20 Uhr
ab 29 ¤
Anmeldung: 030.25 81 03 51 20
Information: www.konzerte-berlin.com
Extra-Tipp: Ein Dinner um 18 Uhr kann
optional dazu gebucht werden
SAMSTAG / 11.
16 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neue
Kammern
Potsdam im Bild des 18. Jahrhunderts
Sonderführung durch die Festsäle und zu
den Veduten der Gästezimmer
mit Peter Schamal
6|5¤
SONNTAG / 12.
11 Uhr Berlin / Glienicke
Glienicke – Vom Schweizerdorf zum
Sperrgebiet
Sonderführung mit der
Landschaftsarchitektin Manuela Arndt
8|6¤
11 Uhr Potsdam / Schlossküche Sanssouci
Preußisches Küchengeschwätz – Aus der
Zeit gefallen
Szenische Führung mit Ferdinand Andrea
Tamanti, königlicher Hofkoch
auch am 7.6. | 11 Uhr
12 | 10 ¤
Treffpunkt: Besucherzentrum Historische
Mühle
11 / 13 / 15 Uhr Potsdam / Neues Palais und
Museumswerkstatt
Sonntagswerkstatt: Königliche
Benimmschule
Kurzführungen durch das Neue Palais;
höfische Etikette in der Museumswerkstatt
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
8|4¤
Treffpunkt: Besucherzentrum Neues Palais
13.30 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Marmorpalais
Johann Ludwig von Fauch auf Reisen
Familienführung mit dem Schlossdrachen
für Kinder von 7 bis 12 Jahren
auch am 10.5. und 7.6. | jeweils 13.30 Uhr
8 | 6 ¤ Familienkarte 15 ¤ (2 Erw., max. 4
Kinder)
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Große Orangerie
Literatur im Schloss
Anne Ratte-Polle liest und spielt Texte von
Susan Sontag
Veranstalter: Image Berlin GmbH
20 ¤
Anmeldung: 030.25 81 03 51 20 oder
tickets@literatur-im-schloss.berlin
Information: www.literatur-im-schloss.berlin
15 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Marmorpalais
„Ein großer Liebhaber“
Das Musikleben am Hofe Friedrich Wilhelms II.
Führung mit Schlossassistentin und
Musikwissenschaftlerin Sonja Puras
auch am 10.5. | 15 Uhr
8|6¤
16 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Altes Schloss
Lietzenburg „à la turque“
Kostümführung mit Königin Sophie Charlotte
und ihrem „Kammertürken“ Aly
auch am 10.5. | 16 Uhr
12 | 10 ¤
Anmeldung: 030.3 20 91-0
Treffpunkt: Gruppenkasse im Ehrenhof
16 Uhr Potsdam / Schloss Sacrow
Sacrower Begegnungen
Nahostexperte Michael Lüders liest aus
seinem neuen Buch: „Wer den Wind sät.
Was westliche Politik im Orient anrichtet"
Veranstalter: Ars Sacrow e.V.
15 | 10 ¤
Anmeldung: karten@ars-sacrow.de
Information: www.ars-sacrow.de
MITTWOCH / 15.
19 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
Schlossgespräche: Matthias Platzeck
mit dem Historiker Robert Rauh
12 | 10 ¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
Information: www.schönhausenerschlossgespräche.de
11 Uhr Schloss Königs Wusterhausen
Auch Mädchen sind willkommen
Die Töchter des „Soldatenkönigs“
Thematische Führung mit Schlossassistentin
Kati Kausmann
6|5¤
Anmeldung: 03375.2 11 70-0
18 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
Frühling in Schönhausen
Kammermusik mit dem Musikgymnasium
C. P. E. Bach
Veranstalter: Förderverein Schloss und
Garten Schönhausen e.V.
9|6¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
SAMSTAG / 25.
11–18 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
KunstStoff Holz
Informatives und Unterhaltsames rund
um das Thema Holz: Baumkletterer,
Bogenschießen, Holzschnitzer,
Spielzeugherstellung, Musik u. v. m.
in Kooperation mit den Berliner Forsten
auch am 26.4. | 11–18 Uhr
Eintritt frei / Schlossbesichtigung 6 | 5 ¤
ohne Anmeldung
14 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neues
Palais
Ein Quart Geschichte – Baustelle Neues
Palais
Wiederherstellung von Bauwerk und
Skulpturenschmuck.
Führung zum Baugeschehen
bis Oktober an jedem 3. Sonntag im Monat
jeweils 14 Uhr
6|5¤
Treffpunkt: Besucherzentrum Neues Palais
(außer Schlossbesichtigung)
SONNTAG / 26.
14 Uhr Schloss Rheinsberg
Von Raum zu Raum durch das Schloss
Rheinsberg
siehe 18.4.
SAMSTAG / 18.
13 Uhr Kirch-, Rohrhaus- und Schlossgarten
Paretz
Hofgärtner „Widerwillen“
Kostümführung mit dem königlichen Hofgärtner David Garmatter und seiner Gemahlin
auch am 14.6. | 13 Uhr
10 | 8 ¤
Anmeldung: 033233.7 36-11
14 Uhr Schloss Rheinsberg
Von Raum zu Raum durch das Schloss
Rheinsberg
Führung mit Schlossassistentin Antje Lange
im Rahmen des 9. Kunsthandwerkermarktes
der Stadt Rheinsberg
auch am 19.4. | 14 Uhr
6|5¤
Anmeldung: 033931.7 26-0
Treffpunkt: Schlosskasse im Marstall
10–18 Uhr Schloss und Schlosspark
Oranienburg
Orangefest
Großes Schlossfest zum Königstag mit Musik,
Tanz, Akrobatik, traditionellem Handwerk,
Schlossführungen u.v.m.
5 | 2,50 ¤
ohne Anmeldung
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Mit der Kammerzofe Sophie durchs
Schloss
siehe 5.4.
16 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald / Alte
Küche oder Jagdzeugmagazin
Shoshana – Perlen jiddischer Musik
Gesang, Violine, Knopfakkordeon und Tanz
15 | 12 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
SONNTAG / 19.
11 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen
FRAUENSCHLÖSSER: 300 Jahre
Elisabeth Christine
Elisabeth Christine und Friedrich II. – Eine
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Frauen des Hauses Hohenzollern – Teil II
Sophie Dorothea und Elisabeth Christine –
zwei Königinnen um Friedrich den Großen
Führung mit dem Schlossbereichsleiter
Rudolf G. Scharmann
Teil III am 21.5.; Teil IV am 25.6. | jeweils 15 Uhr
in Kooperation mit der VHS City-West
8|6¤
Anmeldung: 030.3 20 91-0
Treffpunkt: Gruppenkasse im Ehrenhof
barrierefrei
bedingt barrierefrei
11 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen
350 Jahre preußisch-deutsche Geschichte
Führung mit Schlossbereichsleiter Jörg
Kirschstein
8|6¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
11–18 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
KunstStoff Holz
siehe 25.4.
16 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neue
Kammern
Phantasievolle Liebhaber
Verwandlungsgeschichten der antiken
Götterwelt. Führung durch die Ovidgalerie
mit Schlossassistentin Evelyn Friedrich
4|3¤
DONNERSTAG / 23.
16 Uhr Potsdam / Schloss Sacrow
Schlosskonzert: Luteduo aus Warschau
Werke von Purcell, J. S. Bach, Marais u. a.
mit Anna Kowalska (Barockgitarre, Laute)
und Anton Birula (Laute, Théorbe)
Veranstalter: Ars Sacrow e.V.
10 | 7 ¤
Anmeldung: karten@ars-sacrow.de
Information: www.ars-sacrow.de
für Familien und Kinder
tragische Königsehe?
Vortrag mit dem Historiker Robert Rauh
6|5¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
11 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neue
Kammern
Editha von Haacke – Aus der Zeit gefallen
Szenische Führung mit der Hofdame von
Königin Elisabeth, Gemahlin Friedrich
Wilhelms IV.
auch am 5.7. | 11 Uhr
12 | 10 ¤
Treffpunkt: Besucherzentrum Historische
Mühle
12–15 Uhr Schloss Paretz
Nähstüblein im Schloss
Schneidermeisterin Doris Hildebrandt gibt
Tipps rund ums Thema Nähen
auch am 31.5. und 28.6. | jeweils 12–15 Uhr
6 | 5 ¤ (im Schlosseintritt enthalten)
Anmeldung wird empfohlen
Information unter d.hildebrandt@gmx.de
oder Tel. 033233.4 87 12
Programm zur Ausstellung FRAUENSACHE

17 
Foto: Freie Musikschule Berlin
Klassik OpenAir – Mythos Natur
Berlin / Jagdschloss Grunewald / Schlosshof
Romantische Musik des 19. Jahrhunderts erklingt am Pfingstwochenende im Hof des Jagdschlosses Grunewald
Auch in diesem Jahr singt und klingt der Schlosshof des Jagdschlosses Grunewald am Pfingstwochenende klassisch-romantisch: Vor der malerischen Kulisse des Grunewaldsees ist das
diesjährige Programm dem Mythos Natur gewidmet. Viele Komponisten haben sich von Klängen
und Erscheinungen der Natur inspirieren lassen. Verflochten mit Gedichten, Geschichten und
Mythen rund um das Thema Natur erklingen an drei Abenden Werke wie Sibelius’ „Schwan
von Tuonela“, Webers „Oberon“-Ouvertüre und Beethovens „Pastorale“, um nur einige zu
nennen. Zu hören sind das Orpheus Ensemble Berlin, der Sinfonische Chor Berlin, das Ensemble
Brandenburg Brass, Nicola Proksch (Sopran) und Guido Beirens (Sprecher) unter der Musikalischen Leitung von Stefan Meinecke. Ab 18 Uhr haben Konzertbesucher Gelegenheit,
das Jagdschloss und seine Cranach-Ausstellung zu besichtigen.
In Kooperation mit der Freien Musikschule Berlin
Termine: 23. / 24. / 25.5. | jeweils 20.30 Uhr / Vorprogramm 19 Uhr / Einlass ab 18 Uhr
Eintritt: 25 | 15 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 20 Uhr)
Tickets: www.openair-grunewald.de oder Tel. 030.47 99 74 74,
an allen bekannten Vorverkaufskassen (zzgl. Gebühr) und an der Abendkasse
(außer Schlossbesichtigung)
Eine Anmeldung ist für alle Veranstaltungen erforderlich, sofern nicht anders angegeben. Telefonnummer: 0331.96 94-200 (Di – So, 8.30 bis 17.30 Uhr) oder info@spsg.de
Buchung ab vier Wochen vor Veranstaltungstermin. Karten bitte bis 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung abholen.
Treffpunkt für alle Führungen, sofern nicht anders angegeben, an der jeweiligen Schlosskasse. Ausführliche Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter www.spsg.de/kalender
14–17 Uhr Potsdam / Jagdschloss Stern
Saisoneröffnung Jagdschloss Stern
14–17 Uhr: Führungen durch das Jagdschloss
16 Uhr: Thematische Schlossführung „Väter
und Söhne“ über Generationenkonflikte
der Hohenzollern
Brotbacken im historischen Backofen
Musikalische Untermalung: Musikschule
Johann Sebastian Bach
Veranstalter: Förderverein Jagdschloss Stern –
Parforceheide e.V.
Eintritt frei
Information und Anmeldung für die
Führungen: www.jagdschloss-stern.de
MAI
14.30 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Marmorpalais
Die Prinzessin auf der Erbse
Papiertheateraufführung für Kinder ab 3
Jahren
mit der Cultureuse Pompeuse Annette Paul
8|6¤
18 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Alte Küche
Johann Sebastian Bach: Sechs Suiten für
Violoncello solo, Teil I
Suiten 1, 4 und 5
mit Martin Seemann – Violoncello
Teil II am 3.5. | 18 Uhr
15 | 12 ¤ Kombiticket für beide Tage 24 | 20 ¤
(inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Altes Schloss
Sophie Charlotte und ihre Familie
Kurzführung für Kinder von 7 bis 12 Jahren
mit anschließendem Suchspiel im Schloss
8 | 6 ¤ Familienkarte 15 ¤ (2 Erw., max. 4
Kinder)
Anmeldung: 030.3 20 91-0
Treffpunkt: Gruppenkasse im Ehrenhof
15 Uhr Schloss Caputh
Übers Meer und um die Welt
Erzählungen und Zaubermärchen für
Familien mit Kindern ab 6 Jahren
mit Franziska Bauer, Erzählwerk Potsdam
6 | 5 ¤ Familienkarte 15 ¤ (2 Erw., max. 4
Kinder)
Anmeldung: 033209.7 03 45
SAMSTAG / 2.
14.30 Uhr Berlin / Pfaueninsel
Mit Elfe Tana die Pfaueninsel entdecken
Familienführung für Kinder von 6 bis 10
Jahren
auch am 16.5., 6.6. und 20.6. | 14.30 Uhr
6 | 5 ¤ Familienkarte 15 ¤ (2 Erw., max. 4
Kinder), inkl. Überfahrt
Treffpunkt: Fährhaus Pfaueninsel
18.30 Uhr Potsdam / Park Sanssouci
FRAUENGÄRTEN: Vickys Nachlass
siehe Tipp Seite 16
11 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
Unter den Linden und Platanen
Die Staatsoper Berlin zu Gast im Schloss
Schönhausen
Kammermusik von Dvorak und Beethoven
mit dem Tilia-Quartett
15 | 12 ¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
DONNERSTAG / 14.
19 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
Schlossgespräche: Pankow-Heinersdorf
Eine Spurensuche
Buchvorstellung mit Daniel Becker und
Sandra Caspers, Moderation: Robert Rauh
12 | 10 ¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
Information: www.schönhausenerschlossgespräche.de
11 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
FRAUENSCHLÖSSER: 300 Jahre Elisabeth
Christine
Julie von Voß und Friedrich Wilhelm II. – Eine
tragische Liebesgeschichte
Tanztheater mit dem Maison Voltaire, Verein
für historische Theatertechniken
12 | 10 ¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
15 Uhr Schloss Paretz
Plaudereien bei Hofe
Unterhaltsame Schlossführung mit den
Hofdamen der Königin Luise
10 | 8 ¤
Anmeldung: 033233.7 36-11
SAMSTAG / 16.
14.30 Uhr Berlin / Pfaueninsel
Mit Elfe Tana die Pfaueninsel entdecken
siehe 2.5.
DONNERSTAG / 7.
14 Uhr Schloss Rheinsberg
Von Nymphen, Grotten und Wasserfällen
Sonderführung mit Schlossassistentin
Antje Lange
im Rahmen des 19. Rheinsberger
Hafenfestes
6|5¤
Anmeldung: 033931.7 26-0
14 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Potsdams schönste Aussicht gestern und
heute
siehe 5.4.
bedingt barrierefrei
SONNTAG / 10.
SAMSTAG / 9.
11 Uhr Schloss Königs Wusterhausen
Friedrich Wilhelm I. und das
Bernsteinzimmer
Lichtbildervortrag und Schlossführung mit
Kerstin Bragenitz
8|6¤
Anmeldung: 03375.2 11 70-0
barrierefrei
MITTWOCH / 6.
18–23 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Mondnacht
Spätöffnung für Nachtschwärmer mit
stimmungsvoller Musik im festlich
illuminierten Belvedere
auch am 5.6. und 3.7. | jeweils 18–23 Uhr
Veranstalter: Förderverein Pfingstberg e.V.
4|3¤
ohne Anmeldung
Information: www.pfingstberg.de
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Mit der Kammerzofe Sophie durchs Schloss
siehe 5.4.
für Familien und Kinder
16 Uhr Potsdam / Schloss Sacrow
Sacrower Begegnungen
Lesung mit Wolfgang Büscher, „Ein Frühling
in Jerusalem"
Veranstalter: Ars Sacrow e.V.
15 | 10 ¤
Anmeldung: karten@ars-sacrow.de
Information: www.ars-sacrow.de
11 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neue
Kammern
Lord Marschall George Keith, Vertrauter
Friedrichs des Großen – Aus der Zeit
gefallen
Szenische Führung mit einem Mitglied der
Tafelrunde von Sanssouci
auch am 21.6. | 11 Uhr
12 | 10 ¤
Treffpunkt: Besucherzentrum Historische
Mühle
FREITAG / 8.
DONNERSTAG / 30.
18 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Vortragsraum
Vom Berliner Schloss zum Humboldt-Forum
Vortrag mit Gunther Kämmerer, Förderverein
Berliner Schloss
Veranstalter: Freundeskreis der Chronik
Pankow e.V.
5¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
19.30 Uhr Schlossmuseum Oranienburg
Theater im Schloss: „Ein liebender Mann“
Szenische Lesung aus dem Roman von
Martin Walser
mit Petra und Andreas Schmidt-Schaller
18 | 16 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 03301.53 74 38
19 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
„April“ im Mai
Lesung mit Schriftstellerin Angelika
Klüssendorff, Moderation: Sabine Mähne
Veranstalter: Kunstverein Pankow e.V.
10 ¤ für Gäste / 8 ¤ für Vereinsmitglieder
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
19.30 Uhr Schloss Rheinsberg / Spiegelsaal
Kammermusik bei Kronprinz Friedrich
Werke von Anna Amalia von Preußen,
Friedrich dem Großen u. a.
mit Adelheid Krause-Pichler u. a.
im Rahmen des 23. Rheinsberger
Symposiums zur Friderizianischen Zeit
Veranstalter: Musikakademie Rheinsberg
GmbH
15 ¤
Anmeldung: 033931.3 49 40
Treffpunkt: Schlosskasse im Marstall
SONNTAG / 3.
MITTWOCH / 29.
18 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Alte Küche
Johann Sebastian Bach: Sechs Suiten für
Violoncello solo, Teil II
Suiten 2, 3 und 6
mit Martin Seemann – Violoncello
15 | 12 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
19 Uhr Schloss Rheinsberg / Spiegelsaal
Konzert im Spiegelsaal
Kompositionen der Bach-Zeit
mit der Rheinsberger Hofkapelle 2015
„Camerata Bachiensis“
Veranstalter: Musikakademie Rheinsberg
GmbH
20 ¤
Anmeldung: 033931.3 49 40
Programm zur Ausstellung FRAUENSACHE
11 / 13 / 15 Uhr Potsdam / Park Sanssouci /
Heckentheater am Neuen Palais
Sonntagswerkstatt: Fête Champêtre
Ein Fest auf dem Lande für Familien mit
Kindern ab 6 Jahren
(Schlechtwettervariante vorhanden)
8|4¤
Treffpunkt: Besucherzentrum Neues Palais
13.30 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Marmorpalais
Johann Ludwig von Fauch auf Reisen
siehe 12.4.
SONNTAG / 17.
14 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neues
Palais
Ein Quart Geschichte – Baustelle Neues
Palais
siehe 19.4.
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Mit der Kammerzofe Sophie durchs Schloss
siehe 5.4.
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Große Orangerie
Literatur im Schloss
Chris Pichler liest und spielt Romy
Schneider: Die Biographie
Veranstalter: Image Berlin GmbH
20 ¤
Anmeldung: 030.25 81 03 51 20 oder
tickets@literatur-im-schloss.berlin
Information: www.literatur-im-schloss.berlin
MITTWOCH / 20.
15 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Marmorpalais
„Ein großer Liebhaber“
siehe 12.4.
16 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Altes Schloss
Lietzenburg „à la turque“
siehe 12.4.
19 Uhr Schlossmuseum Oranienburg
„Anmut im Märkischen Sand. Die
Frauen der Hohenzollern“
Buchvorstellung mit Christine Gräfin von Brühl
auch 31.5. | 11 Uhr, Schloss Schönhausen
12 | 10 ¤
Anmeldung: 03301.53 74 38
DONNERSTAG / 21.
16 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Jagdzeugmagazin
300 Jahre Elisabeth Christine
Konzert für eine Königin: Werke von J. S. und
C. P. E. Bach, Quantz, Friedrich dem Großen u. a.
mit dem Havelland Ensemble
auch am 30.5. im Schloss Rheinsberg sowie
am 7.6. in der Orangerie Neuer Garten,
Potsdam
17 | 14 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
(außer Schlossbesichtigung)
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Frauen des Hauses Hohenzollern – Teil III
Königin Luise und Auguste Fürstin von
Liegnitz – Mythos und Legende
Führung mit dem Schlossbereichsleiter
Rudolf G. Scharmann
in Kooperation mit der VHS City-West
8|6¤
Anmeldung: 030.3 20 91-0
Treffpunkt: Gruppenkasse im Ehrenhof

18 
Foto: SPSG / Peter Adamik
Baron Carl Ludwig von Pöllnitz – Aus der Zeit gefallen
Potsdam / Park Sanssouci / Neue Kammern
Eine neue Szenische Führung steht in dieser Saison auf unserem Programm: Baron Carl Ludwig von
Pöllnitz, Oberzeremonienmeister Friedrichs des Großen, gibt sich die Ehre! Beim Rundgang durch die
Neuen Kammern, das einstige königliche Gästeschloss, berichtet er aus erster Hand über vielerlei
Begebenheiten bei Hofe und verrät so manches Geheimnis der vornehmen Gesellschaft.
Baron von Pöllnitz (1692 – 1775) war Schriftsteller, Abenteurer, Lebemann und Kenner vieler europäischer Fürstenhöfe. Als Oberzeremonienmeister des Königs hatte er Aufgaben bei Festen und
Staatsakten zu übernehmen; in der berühmten Tafelrunde von Sanssouci wurde er als amüsante
Plaudertasche geschätzt. 34 Jahre lang war der Baron am preußischen Hof tätig – seine Geschichten
und Anekdoten über das höfische Leben in Berlin und Potsdam haben ihn überdauert.
Termin: 24.5. | 11 Uhr
Eintritt: 12 | 10 ¤
Anmeldung erforderlich: 0331.96 94-200 (Di–So) oder info@spsg.de
Treffpunkt: Besucherzentrum an der Historischen Mühle
Wenn das der König wüsste! Oberzeremonienmeister Baron von Pöllnitz lädt die Besucher zum Schlossrundgang ein
Eine Anmeldung ist für alle Veranstaltungen erforderlich, sofern nicht anders angegeben. Telefonnummer: 0331.96 94-200 (Di – So, 8.30 bis 17.30 Uhr) oder info@spsg.de
Buchung ab vier Wochen vor Veranstaltungstermin. Karten bitte bis 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung abholen.
Treffpunkt für alle Führungen, sofern nicht anders angegeben, an der jeweiligen Schlosskasse. Ausführliche Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter www.spsg.de/kalender
SAMSTAG / 23.
MITTWOCH / 27.
bis Mo., 25.5. Schloss und Lustgarten
Rheinsberg
Rheinsberger Musiktage zu Pfingsten
und Musikwerkstatt Neue Musik 2015
Veranstaltungen im Schloss, Lustgarten und
Schlosstheater
Veranstalter: Musikakademie Rheinsberg
GmbH
Informationen: 033931.3 49 40 und
www.musikakademie-rheinsberg.de
18 Uhr Potsdam / Naturkundemuseum
Who is who in der Vogelwelt? – Teil I
Vortrag und Führung durch die
vogelkundliche Sammlung mit
Museumsdirektor Dr. Detlef Knuth
in Kooperation mit dem Naturkundemuseum
Potsdam
Teil II am 30.5. | 7 Uhr am Ruinenberg
6¤
Anmeldung: 0331.2 89 67 07
Treffpunkt: Naturkundemuseum Potsdam,
Breite Straße 13, 14467 Potsdam
19 Uhr Potsdam / Jagdschloss Stern
Mein Schreibtisch, mein Musikzimmer
Barockmusik am Cembalo und Lyrik
mit und von Martin Betz
Veranstalter: Förderverein Jagdschloss Stern –
Parforceheide e.V.
6¤
Anmeldung: 0331.58 29 11 37
Information: www.jagdschloss-stern.de
20.30 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
Klassik OpenAir – Mythos Natur
siehe Tipp Seite 17
SAMSTAG / 30.
7 Uhr Potsdam / Park Sanssouci /
Ruinenberg
Who is who in der Vogelwelt? – Teil II
Es war die Nachtigall und nicht die Lerche…
Vogelkundliche Morgenwanderung mit
Gärtner Uwe Dommaschk, SPSG
(Bitte auf festes Schuhwerk achten,
Mitbringen von Ferngläsern empfohlen!)
12 | 10 ¤
ohne Anmeldung
Treffpunkt: Besucherzentrum Historische
Mühle
SONNTAG / 24.
11 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neue
Kammern
Baron Carl Ludwig von Pöllnitz – Aus der
Zeit gefallen
siehe Tipp diese Seite
20.30 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
Klassik OpenAir – Mythos Natur
siehe Tipp Seite 17
MONTAG / 25.
14–17 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Familienfest am Pfingstmontag
Kaffee, Kuchen und Gegrilltes; buntes
Kinderprogramm; Musik mit dem Blas- und
Spaßorchester „Die Tiere“
Veranstalter: Förderverein Pfingstberg e.V
Eintritt frei, Turmaufstieg 4 | 3 ¤
ohne Anmeldung
Information: www.pfingstberg.de
18.30 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Marmorpalais
Mode à l’antique
Mode und Modisches unter Friedrich
Wilhelm II. – Szenische Modenschau mit
historischen Tänzen
in Kooperation mit Maison Voltaire, Verein
für historische Theatertechniken
15 | 12 ¤
19 Uhr Schloss Rheinsberg /
Spiegelsaal
300 Jahre Elisabeth Christine
Konzert für eine Kronprinzessin: Werke von
J. S. und C. P. E. Bach, Quantz, Friedrich dem
Großen u. a. mit dem Havelland Ensemble
auch am 10.5. im Jagdschloss Grunewald
sowie am 7.6. in der Orangerie Neuer Garten,
Potsdam
15 | 13 ¤
Anmeldung: 033931.7 26-0
Treffpunkt: Schlosskasse im Marstall
11 Uhr Schloss Königs Wusterhausen
„Man nannte mich Friederike Sophie
Wilhelmine…“
Lesung aus den Memoiren der Markgräfin
Wilhelmine von Bayreuth
mit Schauspielerin Ines Hommann
8|6¤
Anmeldung: 03375.2 11 70-0
12–15 Uhr Schloss Paretz
Nähstüblein im Schloss
siehe 26.4.
13–17 Uhr Potsdam / Park Sanssouci /
Orangerieschloss
Hinaus ins Freie!
Das „Ausfahren“ der Orangeriepflanzen
Eintritt frei | 1 Ticket für alle Führungen 6 | 4 ¤,
Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren frei
ohne Anmeldung
Treffpunkt: am Orangerieschloss
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Mit der Kammerzofe Sophie durchs Schloss
siehe 5.4.
SONNTAG / 7.
Veranstalter: GESOBAU
auch am 14.6. | 10–18 Uhr
Fest 2 ¤, Schloss 4 ¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
11 Uhr Berlin / Schlossgarten Schönhausen
Ein Garten der Moderne
Die wechselvolle Geschichte des
Schlossgartens Schönhausen
Gartenführung mit Silke El-Cherbiny
6|5¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
10.30 Uhr Potsdam / Park Sanssouci und
Friedenskirche
Garten und Orgel
Der Garten um die Friedenskirche – Ein Weg
durchs Leben ins Paradies
Gartenführung mit Heinrich Hamann;
Orgelmusik mit Kantor Joachim Walter
auch am 11.7., 18.7., 1.8., 8.8. | jeweils 10.30 Uhr
10 | 8 ¤
Anmeldung: 0331.86 74 55 10
Treffpunkt: Obelisk, Parkeingang
Schopenhauerstraße
11 Uhr Potsdam / Schlossküche Sanssouci
Preußisches Küchengeschwätz – Aus der
Zeit gefallen
siehe 12.4.
13–18 Uhr Berlin / Pfaueninsel
FRAUENGÄRTEN: Luises Bauernhof
siehe Tipp Seite 16
19.30 Uhr Potsdam / Friedenssaal
Benefiz Gala 60
zugunsten der Orgel der Evangelischen
Pfingstkirche und des Rosengartens am
Schloss Charlottenhof anlässlich des
60. Geburtstags von Thomas Wittig
Werke von Mozart, Beethoven, Verdi u. a.
mit Thomas Wittig (Bariton), Rebekka WittigVogelsmeier (Violoncello) und Anita Keller
(Piano)
Einlass ab 18.30 Uhr
Veranstalter: Thomas Wittig
20 | 15 ¤
Anmeldung: 0331.29 41 67 oder
thwittig@web.de
Treffpunkt: Friedenssaal Potsdam,
Schopenhauerstr. 23
Information: www.thwittig.de
13.30 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Marmorpalais
Johann Ludwig von Fauch auf Reisen
siehe 12.4.
14 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Potsdams schönste Aussicht gestern und
heute
siehe 5.4.
JUNI
FREITAG / 5.
18–23 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Mondnacht
siehe 8.5.
20 Uhr Potsdam / Neuer Garten / Orangerie /
Palmensaal
Duft der Eifersucht – La Jalousie
Szenische Lesung mit Musik und Gesang
mit der Schaupielerin Sonja Beck
15 | 12 ¤
Treffpunkt: Orangerie Neuer Garten
16 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Orangerie / Palmensaal
300 Jahre Elisabeth Christine
Konzert für eine Königin: Werke von J. S.
und C. P. E. Bach, Quantz, Friedrich dem
Großen u. a.
mit dem Havelland Ensemble
auch am 10.5. im Jagdschloss Grunewald
sowie am 30.5. im Schloss Rheinsberg
19,50 | 15,50 ¤
SONNTAG / 14.
10–18 Uhr Berlin / Schloss und Garten
Schönhausen
16. Kunstfest Pankow
siehe 13.6.
MITTWOCH / 10.
19 Uhr Potsdam / Neuer Garten
FRAUENGÄRTEN: Die Lichtenau und
„ihr“ Neuer Garten
siehe Tipp Seite 16
SAMSTAG / 6.
14.30 Uhr Berlin / Pfaueninsel
Mit Elfe Tana die Pfaueninsel entdecken
siehe 2.5.
FREITAG / 12.
18 Uhr Schloss Rheinsberg / Spiegelsaal
Benefizkonzert im Spiegelsaal
zugunsten der Restaurierung des Schlosses
Rheinsberg
mit Armin Thalheim (Cembalo) und Andreas
Finsterbusch (Violine)
im Rahmen der Rheinsberger Musiktage zu
Pfingsten
Veranstalter: Freundeskreis der Schlösser
und Gärten der Mark
16 ¤
Anmeldung: 033931.7 26-0
Treffpunkt: Schlosskasse im Marstall
20.30 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
Klassik OpenAir – Mythos Natur
siehe Tipp Seite 17
SONNTAG / 31.
11 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
FRAUENSCHLÖSSER: 300 Jahre Elisabeth
Christine
Buchvorstellung: „Anmut im Märkischen
Sand. Die Frauen der Hohenzollern“
mit Christine Gräfin von Brühl
6|5¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
19 Uhr Potsdam / Neuer Garten / Orangerie /
Pamensaal
25. Potsdamer Hofkonzerte Sanssouci –
Verabschiedung
Klaus Mann: „Symphonie Pathétique. Ein
Tschaikowsky-Roman“
Peter I. Tschaikowsky: Auszüge aus dem
Klavierzyklus „Die Jahreszeiten“, dem
Ballett „Der Nussknacker“ und der Sinfonie
Pathétique
mit Ulrich Noethen (Rezitation) und Hideyo
Harada (Klavier)
Veranstalter: Konzert- & Künstleragentur
Barbara V. Heidenreich
35 ¤
Information und Tickets: 0331.24 56 09
www.potsdamer-hofkonzerte.de
für Familien und Kinder
bis So., 28.6. Potsdam / Park Sanssouci
und weitere Orte
Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
Musik und Gärten
Veranstalter: Musikfestspiele Sanssouci und
Nikolaisaal Potsdam gGmbH
Informationen und Tickets: 0331.2 88 88 28
oder www.musikfestspiele-potsdam.de
SAMSTAG / 13.
10–18 Uhr Berlin / Schloss und Garten
Schönhausen
16. Kunstfest Pankow
Kunstmeile mit Malern, Mode- und
Schmuckgestaltern u. a.; Kurzführungen im
Schloss
barrierefrei
bedingt barrierefrei
10–18 Uhr Berlin / Schloss und Park
Glienicke
Jenseits von Mitte – Ein Kulturtag im Süden
Unterhaltsame Spaziergänge auf dem
Sommersitz des Prinzen Carl:
Schlossführungen, Antikenführung
und szenische Darstellungen im Park,
Spurensuche für Kinder mit Prinzessin
Päckchen, Musik
in Kooperation mit dem Kulturamt SteglitzZehlendorf
Im Rahmen des Steglitz-Zehlendorfer
Kulturtages
5¤
(außer Schlossbesichtigung)
11 / 13 / 15 Uhr Potsdam / Park Sanssouci
und Museumswerkstatt Neues Palais
Sonntagswerkstatt: Höfische Kinderspiele
Historische Kinderspiele im Park; kreatives
Arbeiten in der Museumswerkstatt
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
8|4¤
Treffpunkt: Besucherzentrum Neues Palais
Programm zur Ausstellung FRAUENSACHE
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Foto: SPSG / Olaf Saphörster
Ein Quart Geschichte: Baustelle Schloss Cecilienhof
Potsdam / Neuer Garten / Schloss Cecilienhof
Nach rund 100 Jahren wird es erstmals grundlegend saniert: Schloss Cecilienhof, erbaut
1913–1917 für das preußische Kronprinzenpaar Wilhelm und Cecilie. Die Sanierungsarbeiten
im Rahmen des „Masterplans“ (mehr dazu auf Seite 8) schreiten sichtbar voran; für die nun
anstehende Hüllensanierung wird das Schloss vom Westturm bis zum Ehrenhof eingerüstet.
Der „verpackte“ Eindruck täuscht jedoch: Schloss Cecilienhof bleibt während der gesamten
Sanierungsphase für den Publikumsverkehr geöffnet. Besucher können so nicht nur den
Fortgang der Dach-, Fassaden- und Mauerarbeiten von außen beobachten, sondern zum Teil
auch in den Innenräumen am Ergebnis von Restaurierungsleistungen unmittelbar teilhaben.
Blicke hinter die Bauplanen können Interessierte am letzten Samstag im Juni werfen: Architekten
und Baufachleute der Stiftung sowie am Projekt beteiligter Firmen führen über die Baustelle
und bieten Einblicke in das Bau- und Restaurierungsgeschehen.
Termin: 27.6. | 11– 15 Uhr; Führungen um 11 / 12.30 / 14 Uhr (Dauer jeweils ca. 1 Stunde)
Eintritt: 8 | 6 ¤ (1 Ticket gültig für alle Führungen)
Anmeldung erforderlich: 0331.96 94-200 (Di–So) oder info@spsg.de
Treffpunkt: Infostand vor dem Schloss
Eingerüstet: Am Schloss Cecilienhof schreiten die Sanierungsarbeiten voran. Der Besucherbetrieb geht aber weiter!
Eine Anmeldung ist für alle Veranstaltungen erforderlich, sofern nicht anders angegeben. Telefonnummer: 0331.96 94-200 (Di – So, 8.30 bis 17.30 Uhr) oder info@spsg.de
Buchung ab vier Wochen vor Veranstaltungstermin. Karten bitte bis 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung abholen.
Treffpunkt für alle Führungen, sofern nicht anders angegeben, an der jeweiligen Schlosskasse. Ausführliche Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter www.spsg.de/kalender
13 Uhr Kirch-, Rohrhaus- und Schlossgarten
Paretz
Hofgärtner „Widerwillen“
siehe 18.4.
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Mit der Kammerzofe Sophie durchs Schloss
siehe 5.4.
16 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Obstwiese
Zwerg Nase
Märchen mit Menschen, Puppen und Musik
nach Wilhelm Hauff für Kinder ab 5 Jahren
mit Christine Marx und Klaus Nothnagel
(bei Regen im Jagdzeugmagazin)
8 | 6 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr,
Kinder bis 3 Jahre frei)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
(außer Schlossbesichtigung)
18.30 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
Schlosshofkonzert I – Vokalensemble
Kammerton
Shakespeare Series – Spuren des
englischen Dramatikers in der Musik
(bei Regen im Jagdzeugmagazin)
weitere Schlosshofkonzerte am 28.6., 19.7.,
15. und 29.8. | jeweils 18.30 Uhr
15 | 12 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
MITTWOCH / 17.
19 Uhr Potsdam / Park Sanssouci /
Marlygarten
FRAUENGÄRTEN: Elisabeths Sehnsuchtsort
siehe Tipp Seite 16
SAMSTAG / 20.
14.30 Uhr Berlin / Pfaueninsel
Mit Elfe Tana die Pfaueninsel entdecken
siehe 2.5.
18–23 Uhr Schloss und Park Caputh
7. Caputher Schlossnacht: MittsommerOperngala
Arien und Ensembles von Verdi, Puccini,
Mozart, Rossini u. a., mit Solisten der
Leipziger Musikhochschule, begleitet vom
Leipziger Salonorchester Felix
Veranstalter: Caputher Musiken e.V.
23–29 ¤
Anmeldung: 033209.7 09 06 oder
info@caputher-musiken.de
Treffpunkt: Parkeingang, Straße der Einheit
Information: www.caputher-musiken.de
SONNTAG / 28.
bis Sa., 22.8. / Schloss und Lustgarten
Rheinsberg
25 Jahre Kammeroper Schloss Rheinsberg
Internationales Festival junger Opernsänger
Tickets: Tourist-Information Rheinsberg Tel.
033931.3 49 40 oder www.reservix.de
Information: www.kammeroper-schlossrheinsberg.de
12–15 Uhr Schloss Paretz
Nähstüblein im Schloss
siehe 26.4.
VORSCHAU
FREITAG / 3. JULI
18–23 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Mondnacht
siehe 8.5.
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Neuer Flügel
Mit der Kammerzofe Sophie durchs Schloss
siehe 5.4.
SONNTAG / 5. JULI
(außer Schlossbesichtigung)
19.30 Uhr Schlossmuseum Oranienburg
Theater im Schloss: „Der Haken mit der
Nase“
Musikalisch-literarischer Ringelnatzabend
mit Barbara Wurster und Verena Fräntzel
12 | 10 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 03301.53 74 38
SONNTAG / 21.
11 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
Preußen, Brandenburg und die Dohnas
Vortrag mit Friedrich Graf zu DohnaSchlobitten
8|6¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
DIENSTAG / 16.
19 Uhr Berlin / Schloss Schönhausen /
Festsaal
Schlossgespräche: Alexander Osang
mit dem Historiker Robert Rauh
12 | 10 ¤
Anmeldung: 030.40 39 49 26 25
Information: www.schönhausenerschlossgespräche.de
FREITAG / 26.
16.30 Uhr Schloss Rheinsberg
Der Musenhof am Grienericksee
Schlossführung
bis 22.8. an allen Aufführungstagen der
Kammmeroper Rheinsberg |jew. 16.30 Uhr
6|5¤
Anmeldung: 033931.7 26-0
Treffpunkt: Schlosskasse im Marstall
17.30 Uhr Schloss Königs Wusterhausen
Preußen – Ein wohlbestelltes Haus
Schlossführung mit Gabriele Leyh,
anschließend Sektempfang im Foyer und
Orgelkonzert in der Kreuzkirche
in Kooperation mit der Evangelischen
Kreuzkirche und der Zuckerbäckerei der
Kavalierhäuser
17 ¤ (inkl. ein Glas Sekt)
Anmeldung: 03375.2 11 70-0
11 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neue
Kammern
Editha von Haacke – Aus der Zeit gefallen
siehe 26.4.
18.30 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
Schlosshofkonzert II – AmorettaRenaissance Big Band
Tänze und Lieder der Hochrenaissance auf
historischen Instrumenten
(bei Regen im Jagdzeugmagazin)
weitere Schlosshofkonzerte am 19.7., 15. und
29.8. | jeweils 18.30 Uhr
15 | 12 ¤ (inkl. Schlossbesichtigung bis 18 Uhr)
Anmeldung: 030.8 13 35 97
11–18 Uhr Schloss und Park Caputh
Kegel, Bogen, Pfeil und Reifen
Barockes Kinderfest mit historischen Spielen
wie Stelzenlauf, Bogenschießen, Sackhüpfen
oder Hufeisenwerfen; Schlossführungen
8 | 6 ¤ Familienkarte 20 ¤ (2 Erw., max. 4
Kinder)
ohne Anmeldung
Treffpunkt: Parkeingang, Straße der Einheit
(außer Schlossbesichtigung)
DIENSTAG / 30.
18 Uhr Potsdam / Schloss Sanssouci
Die Bibliothek Friedrichs des Großen
Sonderführung mit Stiftungsbibliothekarin
Sabine Hahn
12 | 10 ¤
Treffpunkt: Ehrenhof Schloss Sanssouci
14 Uhr Potsdam / Pfingstberg
Potsdams schönste Aussicht gestern und
heute
siehe 5.4.
SAMSTAG / 27.
11 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neue
Kammern
Lord Marschall George Keith, Vertrauter
Friedrichs des Großen – Aus der Zeit
gefallen
siehe 10.5.
16 Uhr Berlin / Jagdschloss Grunewald /
Schlosshof
Bläserserenade
Ensembles der Musikschule City West stellen
sich vor
Eintritt zum Hof frei / 6 | 5 ¤ Schlosseintritt
ohne Anmeldung
11 – 15 Uhr Potsdam / Neuer Garten /
Schloss Cecilienhof
Ein Quart Geschichte – Baustelle Schloss
Cecilienhof
siehe Tipp diese Seite
(außer Schlossbesichtigung)
12 Uhr Potsdam / Schloss Sacrow
Farhan Sabbagh und seine Truppe
Arabische Musik
Veranstalter: Ars Sacrow e.V.
10 | 7 ¤
Anmeldung: karten@ars-sacrow.de
Information: www.ars-sacrow.de
14 Uhr Potsdam / Park Sanssouci / Neues
Palais
Ein Quart Geschichte – Baustelle Neues
Palais
siehe 19.4.
DONNERSTAG / 25.
15 Uhr Berlin / Schloss Charlottenburg /
Altes Schloss
Frauen des Hauses Hohenzollern – Teil IV
Königin Elisabeth – eine Wittelsbacherin auf
dem Preußenthron
Führung mit dem Schlossbereichsleiter
Rudolf G. Scharmann
in Kooperation mit der VHS City-West
8|6¤
Anmeldung: 030.3 20 91-0
Treffpunkt: Gruppenkasse im Ehrenhof
AUSSTELLUNGEN
PARETZ.
EIN KÖNIGLICHER LANDSITZ UM 1800
Geschichte und Nutzung der
Sommerresidenz Königin Luises und ihres
Gemahls
– Neugestaltete Dauerausstellung –
Schloss Paretz
ab 1. April 2015
Di – So / 10 – 18 Uhr *
6 | 5 ¤ (im regulären Schlosseintritt
enthalten)
www.spsg.de/koeniglicher-landsitz
DER BLICK IN DIE GÄRTEN DES WELTERBES –
FOTOGRAFIEN VON HILLERT IBBEKEN
25 Jahre UNESCO-Welterbe in Berlin und
Potsdam
Potsdam / Park Sanssouci / Römische Bäder
1. Mai – 31. Oktober 2015
Di – So / 10 – 18 Uhr *
5 | 4 ¤ (im regulären Schlosseintritt
enthalten)
Kombiticket mit Schloss Charlottenhof: 8 | 6 ¤
www.spsg.de/blick-ins-welterbe
70 JAHRE POTSDAMER KONFERENZ
Die Dreimächtekonferenz und das
Potsdamer Abkommen 1945
– Dauerausstellung am Originalschauplatz –
Potsdam / Neuer Garten / Schloss
Cecilienhof
Ganzjährig geöffnet trotz laufender Bau- und
Sanierungsmaßnahmen!
Di – So / 10 – 18 Uhr *
6 | 5 ¤ (im regulären Schlosseintritt
enthalten)
www.spsg.de/cecilienhof-potsdamerkonferenz
Foto: SPSG / Hillert Ibbeken
11 Uhr Schloss Königs Wusterhausen
Friedrich Wilhelm I. und Sophie Dorothea
zur „Herbstlust“ in Wusterhausen
Kostümführung durch das Schloss;
anschließend Schau-Exerzieren der „Langen
Kerls“ vom Verein Potsdamer Riesengarde
8|6¤
Anmeldung: 03375.2 11 70-0
Blick zum Belvedere auf dem Klausberg
* Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit
Alle Dauer- und Sonderausstellungen in den
preußischen Schlössern und Gärten unter
www.
spsg.de/ausstellungen
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