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Neue Musik
Neue Klänge
im Radio und
auf der Bühne
Termine im November und Dezember
11 | 12.14
wdr 3. Aus Lust am Hören.
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Konzerte hören, wo
und wann Sie wollen!
Jetzt informieren
auf wdr3.de
s o n n ta g
mit t woch
2. November · 23:05 bis 0:30
5. November · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
wdr 3 open:
Studio Elektronische Musik
szene [42]:
Sommeratelier Darmstadt
Autor: Michael Rebhahn
Schatten
Moderation: Martina Seeber
Alberto Posadas *
Sombras (2010 – 12)
für Sopran, Bass­klarinette und
Streichquartett
Elektronik bei den Darmstädter
Ferienkursen für Neue Musik
2014
Sarah Maria Sun · Sopran
Carl Rosman · Bassklarinette
Quatuor Diotima
Als in den 1950er-Jahren die
Darmstädter Ferienkurse zum
Epizentrum der Avantgarde
wurden, fehlte dort eine der
wesentlichsten Erscheinungsformen des musikalischen Aufbruchs fast vollständig: Die
Elektronische Musik, deren Produktionsmittel damals kaum
transportabel waren. Letztlich
dauerte es allerdings bis zum
Jahr 2010, bevor die Elektronik
zum festen Bestandteil der Kurse wurde. Seitdem gehört das
»Electronics Atelier« zum Repertoire der Veranstaltungen.
Auch bei den diesjährigen
Kursen war einiges an Elektronik zu hören.
Mit Musik von Marko Ciciliani,
Robert Lippok, Gilbert Nouno,
Gerriet K. Sharma und Mario de
Vega.
Alberto Posadas bezieht sich in
seinem abendfüllenden Zyklus
Sombras auf Worte von Emil
­Michel Cioran. Dem rumänischfranzösischen Philosophen galt
der Schatten als zentrale Metapher, die er mit Begriffen wie
Ewigkeit und Leidenschaft in
Beziehung setzte und mit einem
poetischen Pessimismus umkreiste, in dem sich Sinnlichkeit
und Angst vereinen.
Posadas folgt Ciorans Worten
mit vielfältigen musikalischen
Anspielungen. Der spanische
Komponist schafft darüber hinaus einen ganz eigenen Deutungsraum, in dem er sich nicht
nur auf schattenhafte Klänge
und Gesten beschränkt. In den
fünf Sätzen des Werkes treten
Sopranstimme, Bassklarinette
und Streichquartett in wechselnden Kombinationen hervor;
unterbrochen durch zwei kurze
Dialoge, die als Zwischenspiele
bzw. Übergänge fungieren.
* = Erstsendung,
wdr-Neuproduktion
Neue Klänge 3
f r e i ta g
s a m s ta g
s o n n ta g
7. November · 23:05 bis 24:00
8. November · 23:05 bis 24:00
9. November · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Akustische Kunst
Akio Suzuki/Aki Onda
bonn hoeren:
Somewhere Between (2014)
wdr 3 open: FreiRaum
To Rococo Rot
bonn hoeren: Glockenlied
Moderation: Raphael Smarzoch
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
His Master’s Choice [7]
Fabio Nieder
Am Mikrofon: Fabio Nieder
Die japanischen Klangkünstler
Akio Suzuki und Aki Onda
trennt altersmäßig ein Unterschied von 25 Jahren – was ästhetisches Konzept und Haltung
betrifft, sind sie sich trotzdem
einig: Für die Konzertperformance in der Fabrik45 in Bonn
haben sie ihr Instrumentarium
auf drei zuvor kurzerhand aus
einer nahegelegenen Galerie
geliehenen Tischen mit Marmorplatten verteilt: »Das ist für
heute unser neues Instrument,
diese Steintische. Wie sich herausstellte, klingen sie wirklich
gut!« Weitere Geräuschquellen
wie selbstgebaute Instrumente,
Radiogeräte, Alltagsgegenstände und Verstärker, die über den
Raum verteilt sind, erzeugen im
Wechselspiel mit der Architektur und ihrer Akustik durch das
behutsam und improvisiert
gesetzte Handeln der beiden
Künstler ein spannungsvolles
Netz aus Klängen.
Aufnahme vom 14. Juni 2014
aus der Fabrik45 in Bonn
4 Neue Musik
1995 gründen die Brüder Robert
und Ronald Lippok zusammen
mit Stefan Schneider die Band
To Rococo Rot. Die Grundbestandteile ihres Sounds haben
sie bis heute nur minimal variiert: Das Trio experimentiert mit
instrumentalen und elektronischen Klängen, die von repetitiven Rhythmen begleitet werden. Es ist eine hypnotische
Musik, die viele Assoziationen
hervorruft. Auf frühen Alben
glaubt man, Bezüge zum Clicks
& Cuts Sound der Mille Plateaux
Schule zu hören. Jüngere Experimente öffnen Hörräume in
Post- und Krautrock-Welten. Mit
dem Faust Experimentator Hans
Joachim Irmler improvisierten
sie auf dem Album Speculation.
Auf ihrem neuesten Werk, Instrumental, gastiert der BossaNova-Avantgardist Arto Lindsay
und verziert den instrumentalen Sound des Trios mit seinem geschmeidigen Gesang.
Das Glockenlied spielte die
Band während des diesjährigen
Bonn Hoeren Festivals im
Dialog­r aum der Sankt Helena
Kirche.
Aufnahme vom 21. Juni 2014
aus dem Dialograum Kreuzung
an St. Helena in Bonn
Mit Ausschnitten aus
folgenden Werken:
György Kurtág
Drei Alte Inschriften
op. 25 (1986) für Sopran und
Klavier
Luciano Berio
Coro (1975 – 76) für 40 Stimmen
und Instrumente
György Ligeti
Hora lunga, aus: Sonate für
Viola (1991 – 94)
Luigi Dallapiccola
Goethe-Lieder (1953) für Frauenstimme und 3 Klarinetten
Pierre Boulez
Rituel – in memoriam Bruno
Maderna (1974 – 75) für
Orches­ter in 8 Gruppen
Karlheinz Stockhausen
Jubiläum (1977) für Orchester
Olivier Messiaen
Couleurs de la cité celeste
(1963) für Klavier, Bläser­
ensemble und Schlagzeug
Wenige Tage vor der Kölner
Uraufführung seines neuen
Chortableaus stellt Fabio Nieder seine Lieblingsstücke vor.
Nieders Heimatstadt Triest ist
ein Schmelztiegel italienischer,
deutsch-österreichischer, slowenischer, jüdischer und griechischer Einflüsse. Kein Wunder,
dass Fabio Nieder ein Grenzgänger zwischen den Kulturen ist.
In seiner Musik finden sich Einflüsse aus Ost und West, aus
mitteleuropäischen Traditionen
wie aus dem Balkan oder aus
Asien. Nieder, der seit etwa
20 Jahren in Deutschland lebt,
in Amsterdam und Triest lehrt,
ist Komponist, Pianist und Dirigent. Er studierte bei so unterschiedlichen Lehrern wie Witold
Lutoslawski, Klaus Huber und
Iannis Xenakis. Prägend war
seine Begegnung mit Luciano
Berio, aus der eine intensive
Freundschaft erwuchs. Als Musiker arbeitet Nieder, der eine
besondere Beziehung zum
deutschen Lied pflegt, vor allem
als Begleiter renommierter
Lied-Interpreten wie Elisabeth
Schwarzkopf, Alfredo Kraus
und Barbara Hannigan. Neue Klänge 5
mit t woch
f r e i ta g
s a m s ta g
12. November · 23:05 bis 24:00
14. November · 23:05 bis 24:00
15. November · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Akustische Kunst
Dagmara Kraus/Marc Matter
Entstehung dunkel (2014)
wdr 3 open: FreiRaum
Volta Guy &
The Homogenic Fruit
Holiday on Ice/
Björk trifft Lady Day
wdr 3 open:
Studio Elektronische Musik
profil [49]: Morton Subotnick
Autor: Reinhold Friedl
Mit Ausschnitten aus:
Morton Subotnick
Silver Apples of the Moon
Lamentation
Axolotl
Wild Beasts
LIVE at CTM 2013
Pauline Oliveros
Mnemonics III
The Grateful Dead
Feedback (live)
Charles Ives
Universal Symphony
Harry Partch
A Ritual Of Dream And Delusion,
Sanctus
6 Neue Musik
Morton Subotnick ist einer der
herausragenden Protagonisten
der elektronischen Musik: er
entwarf den ersten ModularSynthesizer und komponierte
mit seinem Silver Apples of the
Moon einen elektronischen
Klassiker. Subotnick berichtet,
wie dieser Auftrag des Labels
Nonesuch zustande kam, aber
auch, wie die Musiker von
Velvet Underground oder The
Grateful Dead in seinem Studio
in downtown New York abhingen und er trotzdem stoisch seine eigenen Ideen immer weiter
verfolgte. Nachdem er einst als
Klarinettist angefangen hatte
und im Rahmen seines Militärdienstes in einer Band mit Chet
Baker gespielt hatte…
Zu hören sind unter anderem
verschiedene kaum bekannte
oder gar unveröffentlichte
Werke Subotnicks, darunter einige der frühesten live-elektronischen Kompositionen überhaupt, seine sogenannten
Ghost Pieces, in denen die Hüllkurven seiner eigenen Stimme
die Klänge von live gespielten
Instrumenten modulieren. Aber
auch neueste Musik aus einem
Live-Konzert in Berlin 2013.
Die Dichterin Dagmara Kraus
und der Klangkünstler Marc
Matter haben aus mehrstimmigem Vortrag, lyrischen
Strukturen und rhythmischen
Klangtexturen ein akustisches
Vexier­bild aus Stimmgeräu­
schen und Text komponiert.
Laut- und Stimmfolgen werden
darin auf eine Weise bearbeitet
und aufgelöst, dass ihr Ursprung
nur mehr erahnt werden kann:
Sie zerfließen in den Mustern
und Rhythmen, den variierten
Wiederholungen und Verfremdungen zu einem dunklen drei­
strophigen Geräuschgedicht,
dessen Ausgangsmaterial sich
ausschließlich aus Sprache und
Stimme speist. Ein heimliches,
hermetisches Reden ebendieser Sprache und ihrer Stimme
dringt an Tag.
Zwei Sängerinnen und mindes­
tens zwei Welten. Billie Holiday
und Björk werden selten in
einem Atemzug genannt. Zu
unterschiedlich scheint ihr jeweiliger Klangkosmos, das his­
torische Umfeld, der Charakter.
Bei der einen denken wir an Film
Noir, Rassismus, verletzte Gefühle und einen frühen Drogentod mit 44 Jahren. Bei der anderen an bizarre isländische Landschaften, technoide Fabelwesen, zornigen Aktivismus und
die Schwierigkeit zu altern.
Das Berliner Soundfusion-Projekt Volta Guy & The Homogenic
Fruit hat die Stimmen von Björk
und Billie Holiday untersucht
und riskiert in der Collage
­»Holiday on Ice« Gegenüberstellungen, die die Hörgewohnheiten von Barjazz-Freunden
und Indierockfans in Frage
stellen. Wurde auch Zeit.
Neue Klänge 7
s o n n ta g
mit t woch
f r e i ta g
16. November · 23:05 bis 24:00
19. November · 23:05 bis 24:00
21. November · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Elektronische Musik
profil [50]: Mario Davidovsky
Autor: Hubert Steins
wdr 3 open:
Studio Akustische Kunst
Achim Lengerer
Entretien sonore avec Fernand
Deligny – Öffentliche Proben für
eine Tonspur (2014)
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
Arditti Quartet 40 [1]
Moderation: Kornelia Bittmann
Wolfgang Rihm *
In Verbundenheit (2014)
für Streichquartett
Mark Andre *
iv 13a (2014) für Streichquartett
Brian Ferneyhough *
Silentium (2013)
für Streichquartett
Harrison Birtwistle *
Hoquetus Irvinius (2014)
für Streichquartett
Brice Pauset *
Wahrheitsverfahren
(I: Wissenschaft) (2014) für
Cembalo und Streichquartett
Hilda Paredes *
Hacia una bitácora capilar
(2013 – 14) für Streichquartett
Toshio Hosokawa *
Small River in Distance (2014)
für Streichquartett
James Clarke *
String Quartet No. 3 (2014)
Arditti String Quartet
Brice Pauset · Cembalo
8 Neue Musik
Nachlese zum 40. Dienstjubiläum des Arditti String Quartet,
das im Rahmen der diesjährigen
»Wittener Tage für neue Kammermusik« gefeiert wurde.
Mit dem Festival verbindet die
Vierer-Gruppe eine lange Geschichte. Erstmals gastierte das
Quartett 1978 in der Ruhrstadt.
Seitdem brachte die legendäre
Formation dort mehr als 37
Werke ans Licht der Musikwelt,
dazu 17 deutsche Erstaufführungen – mehr als jedes andere
Ensemble.
2014 kamen 14 neue Stücke
dazu, die eigens zum runden
Jubiläum entstanden sind und
die kurz nach der Premiere im
Studio aufgenommen wurden.
Ergänzt wird die Party durch
eine Hommage von James Clarke,
der – als spezielle Danksagung –
ganz gezielt die Grenzen der
Spielbarkeit ansteuert und tendenziell überschreitet.
Mario Davidovsky
Elektronische Studie 1 (1961)
Synchronisms No. 1 (1963)
für Flöte und Elektronik
Synchronisms No. 5 (1969)
Schlagzeug und Elektronik
Synchronisms No. 6 (1970)
für Klavier und Elektronik
Synchronisms No. 9 (1988)
für Violine und Elektronik
Synchronisms No. 10 (1990)
für Gitarre und Elektronik
Chacona (1971)
für Violine, Cello und Klavier
Mario Davidovsky, 1934 in
Argentinien geboren, lebt und
arbeitet seit den 60er-Jahren
in New York. Neben zahlreichen
Kammermusiken und Orches­
terwerken schuf Davidovsky
mit seinem Zyklus der Synchronisms Schlüsselwerke der elektroakustischen Musik Amerikas. Die zehn zwischen 1962
und 92 entstandenen Stücke
kombinieren elektronische
Klänge mit unterschiedlichen
Soloinstrumenten und bestechen durch die subtile Verzahnung von Elektronik und live
gespielten Instrumentalklang.
Martin Bross, Stimme
Die Auseinandersetzung mit
dem französischen Pädagogen,
Schriftsteller und Filmemacher
Fernand Deligny (1913 – 1996)
ist Ausgangspunkt des Projektes von Achim Lengerer.
­Deligny beginnt in den 1940erJahren, als Sozialarbeiter mit
Kindern und Jugendlichen zu
­arbeiten. Später gründet er mit
jungen Erwachsenen in Südfrankreich eine Siedlung, um
mit von der Psychiatrie als »autistisch« bezeichneten Kindern
zusammenzuleben. Durch die
Jahrzehnte entstehen mehrere
dokumentarische Filmprojekte
mit begleitenden Texten sowie
Schriften zum kinematographischen Bild.
Achim Lengerer nähert sich dem
Denken von Fernand Deligny
»innerhalb und außerhalb der
Sprache«. Für das Kölner Kolumba Museum hat er einen
Archivraum eingerichtet, der
die Arbeit von Deligny und seinen Mitarbeitenden dokumentiert. Das Hörstück vereint die
Ergebnisse seiner Suche nach
Räumen der akustischen, sinnlichen Interaktion, die von Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, aber
auch von Abweichung geprägt
sind und die sich jenseits hierarchisierender Sprache artikulieren.
Neue Klänge 9
s o n n ta g
mit t woch
23. November · 23:05 bis 24:00
26. November · 20:05 bis 22:30
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
Arditti Quartet 40 [2]
Moderation: Kornelia Bittmann
Marco Stroppa *
La Vita Immobile (2014)
micro automi musicali
für Streichquartett
György Kurtág *
Clov's last monologue
[a fragment] (2014)
für Streichquartett
Liza Lim *
The Weaver’s Knot (2013)
für Streichquartett
Uri Caine *
Caprice 13 (2014)
für Klavier und Streichquartett
Georg Friedrich Haas *
LAIR (2014) für Streichquartett
Hans Abrahamsen *
For Arditti Quartet (2014) für
Streichquartett
Arditti String Quartet
Uri Caine · Klavier
Zweiter Teil des Ständchens,
mit dem das Arditti String Quartet seinen »Vierzigsten« bei den
diesjährigen Kammermusiktagen feierte.
Dem Wittener Reigen folgen –
als spezieller Party-Service –
nun die Studioaufnahmen, die
direkt im Anschluss an das
Fes­tival in Köln produziert wurden. Unter den Gratulanten sind
alte und neue Freunde, die zu
diesem Anlass ihre ganz persönlichen Klangpräsente und
-grüße übermittelten. Darunter
sind – mit Uri Caine und Brice
Pauset – auch zwei Komponis­
ten/Interpreten, die Quintette
beisteuern, um Ihren Dank als
mitspielende Performer
abzustatten.
wdr 3 Konzert
Musik der Zeit [2] Wortlöschung
Moderation:
Michael Struck-Schloen
György Ligeti *
Ejszaka/Reggel (1955) und Zwei
Kanons (1952) für gemischten
Chor (Text: Sándor Weöres)
Eiko Tsukamoto *
Pero fue el último: fue el eclipse
eterno (2014) für drei Schlagzeuger ua
Georg Friedrich Haas *
... wie ein Nachtstück (1990)
für Akkordeontrio
Jukka Tiensuu *
... mutta (1987) für Akkordeontrio
Fabio Nieder *
Thümmel, oder die Verlöschung
des Wortes: Der Anfang. Die
Mitte. Das Ende (2011 – 13) für
gemischten Chor, Akkordeontrio und drei Schlagzeuger
(Text: Claudio Magris, Liturgie)
ua
Ein neues Chortableau von
Fabio Nieder – aus seiner Oper
über den Triestiner Maler Thümmel – steht im Zentrum des Konzertes. Dabei geht es, nachdem
der Bilderfresser sich ausgetobt
hatte, nun um die »Verlöschung
des Wortes«. Dem Chor zur Seite stehen drei Akkordeons und
drei Schlagzeuger, die im ersten
Teil des Programms jeweils
»a cappella« in Aktion treten:
Der Chor mit Stücken von György Ligeti; die Schlagzeuger mit
einem neuen Trio der jungen
Japanerin Eiko Tsukamoto und
das Akkordeontrio mit Stücken
von Jukka Tiensuu und Georg
Friedrich Haas, der sich von der
rätselhaften Raumwirkung des
Balginstruments zu einer
Nachtmusik inspirieren ließ.
Teodoro Anzellotti,
Vladimir Blagojevic und
Antony Millet · Akkordeon
Schlagquartett Köln
wdr Rundfunkchor Köln
Leitung: Rupert Huber
Mitschnitt vom 15. November
2014, Funkhaus Wallrafplatz
Köln
10 Neue Musik
Neue Klänge 11
mit t woch
s a m s ta g
s o n n ta g
26. November · 23:05 bis 24:00
29. November · 23:05 bis 24:00
30. November · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Elektronische Musik
techné [62]: EMS Synthi-A
Moderation: Björn Gottstein
wdr 3 open: FreiRaum
Der Herbst der Klänge
Musiker ergründen den Sound
des Zerfalls
Autor: Raphael Smarzoch
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
Meilensteine der Moderne [8]
Klaus Huber
Autor: Max Nyffeler
Beim Digitalisieren alter Kassetten bemerkt der Komponist
William Basinski, dass die
Bänder zerfallen, während sie
abgespielt werden. Der New
Yorker hält das Sterben seiner
Musik fest. Die Disintegration
Loops sind nicht die einzige Arbeit, die Sounds im Kontext von
Zerfall und Verwesung dokumentiert. Nach einer Akustik
des Rosts sucht der amerikanische Elektroniker Jim Haynes.
In seinen Arbeiten hört man
leerstehende Lagerhallen, verlassene Industriegebiete oder
auf dem Ozean herumtreibende
Öltanker. Eine Geistermusik,
die auch James Kirby mit seinen
Projekten The Caretaker und
The Stranger beschwört. Sein
Album Watching Dead Empires
in Decay ist eine Ode an vergangene Zivilisationen und
verblichene Erinnerungen.
Ebenfalls mit Sepiatönen arbeitet Lee Gamble. Auf Diversions
1994 – 1996 reanimiert er Klänge von alten Jungle-Kassetten.
Alles bloße Nostalgie oder
haben diese Experimente womöglich einen konkreten Zeitbezug?
Klaus Huber
Cantiones de circulo gyrante
(1985) für Chor, Soli, Sprecher
und 13 Instrumentalisten nach
Texten von Heinrich Böll und
Hildegard von Bingen
Theophil Maier · Stimme
Les jeunes solistes
Leitung: Rachid Safir
Als die Firma EMS 1971 den Synthi A vorstellte, kam das einer
Sensation gleich. Zwar war der
Londoner Synthesizer-Produzent keineswegs der erste Hersteller, der ein portables Gerät
auf den Markt brachte. Aber
zum einen war der Synthi A mit
seinem Aktenkofferdesign außerordentlich handlich. Zum anderen hatte der EMS-Entwickler
Peter Zinovieff hochwertige und
flexible Module in den Synthesizer gebaut, sodass das Gerät
viele Möglichkeiten des elektronischen Studios in Heimarbeit
möglich machte. Damals traten
Pink Floyd und Tangerine Dream
mit dieser Maschine auf. Heute
ist der Kultsynthesizer vor
allem ein Instrument der Avantgarde, der von Carsten Nicolai,
Merzbow und Thomas Lehn
gespielt wird. Studio elektronische Musik stellt das Instrument vor.
Mit Musik und Klangillustra­
tionen von Thomas Lehn,
Masami Akita, Cor Fuhler und
Yoshio Machida.
12 Neue Musik
»Ich muss hinhorchen auf
Elend, Ungerechtigkeit, Unfreiheit, Armut, Intoleranz, Gewalt
..., damit ich handle, ausbreche,
mich solidarisiere.« Klaus Hubers Musik ist geprägt durch
politisch-religiöses Engagement und kämpferischen Humanismus.
Das gilt auch für die Cantiones
de circulo gyrante, eines seiner
wichtigsten Werke, das 1985 für
die Kölner Kirche St. Maria im
Kapitol – quasi maßgeschneidert – entstanden ist. Klaus Huber verbindet in dieser Raummusik Elemente der Totenmesse mit Texten von Hildegard von
Bingen und Heinrich Böll. Der
Kölner Schriftsteller hatte kurz
vor seinem Tod in einem eigens
für Huber verfassten Poem an
das zerstörte Köln erinnert:
»versunken die Stadt ... zerbrochen ihre romanischen Herzkammern«.
Zum 90. Geburtstag des
Schweizer Komponisten, der
am 30. November 1924 in Bern
geboren wurde.
Neue Klänge 13
mit t woch
f r e i ta g
s a m s ta g
3. Dezember · 23:05 bis 24:00
5. Dezember · 23:05 bis 24:00
6. Dezember · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Akustische Kunst
Stefan Winter
Vor der Stille (2014)
wdr 3 open: FreiRaum
Vokalviagra und geschminkte
Stimme – Autotune und
Selbstoptimierung
Autor: Klaus Walter
wdr 3 open:
Studio Elektronische Musik
point of view [53]:
Evelyne Gayou
Moderation: Reinhold Friedl
Evelyne Gayou ist seit über
dreißig Jahren Mitglied der
GRM, der Groupe de Recherches
Musciales am französischen
Rundfunk. Sie stellt neben elektroakustischer Musik, die sie
inspirierte, auch jüngere Komponisten vor und erinnert an
das akustische Logo des Pariser
Flughafens, das der kürzlich
verstorbene Bernard Parmegiani komponiert hatte. Luc Ferrari
ist für sie komplementär zu Ivo
Malec: Ferrari komponiert orchestrale konkrete Musik, Malec konkrete Orchesterstücke.
Gayou konzentriert sich aber
nicht nur auf die Musik der
GRM, sondern betont, dass
ohne die amerikanischen Programmierkünstler, wie John
Chowning oder Max Mathews,
die heutige elektroakustische
Musik nicht dieselbe wäre. Und
erstmals zu hören ist ein Ausschnitt aus ihrer eigenen, gerade entstandenen Komposition
Jeu de la Perception attentive.
14 Neue Musik
Mit Ausschnitten von
Pierre Schaeffer
Etude aux Objets
Michel Chion
Requiem, Dies Irae
Ivo Malec
Sigma
Luc Ferrari
Hétérozygote
Bernard Parmegiani
indicatif de Roissy
Beatriz Ferreyra
Dans un Point Infini
Monique Rollin
Etude Vocale
John Chowning
Turenas
Laurent Delforges
Dragonfly
Benjamin Thigpens
Still
Alejandro Vinao
Hildegard’s Dream
Evelyne Gayou
Jeu de la Perception attentive
Stefan Winter setzt mit Bruchstücken elementarer Umwelt­
geräusche einen Kontrapunkt
zur Berieselungskultur. Klangfetzen aus entlegenen Wäldern,
fernen Küsten, urbanen Räumen und andere Soundbits, die
er auf Reisen mit Mariko Takahashi gesammelt hat reiht er zu
Handlungen, die auf die Erzählmacht der Geräusche vertrauen.
Ein Hörfilm aus zwölf Klang­
szenen, teils nach Motiven von
Hermann Hesse, Gustav Mahler,
Koran und Johannesevangelium, teils »Aufnahmezustände«
im Crossover aus Literatur und
Performance, Konzert und
Naturereignis.
Mit Sepp Bierbichler · voc
Jean-Pierre Collot · piano,
celesta, toys
Ernst Reijseger · cello, voc, toys
Fanny Winter · voc, toys
Stefan Winter · toys, piano
Autotune ist das digitale Kind
des Vocoders. Ein Effekt, der
die Stimme verändert. Eigentlich dient Autotune der Perfek­
tionierung des Gesangs. Wenn
ein Sänger den Ton nicht richtig
trifft, dann wird nachgeholfen
mit Autotune. So weit, so normal, so Gaga, so Bohlen. Bis
jemand den Reiz der Übertreibung entdeckt. Im Clubtrack camoufliert Autotune die Autorenschaft und verstärkt Flow und
Anonymität. Im HipHop und
R&B wurde der Autotune-Effekt
Ende der Nullerjahre massiv
eingesetzt – bis zum Überdruß,
bis zum »D.O.A.« – den Death of
Autotune verkündet Jay Z. 2009.
Auf Tod und Overkill folgt der
produktive Backlash. Unter
Folkies und Vollbartträgern,
House-Crooner und wohltemperierten Klavierschülern feiert
Autotune ein kreatives Comeback. Der verfemte Effekt
scheint rehabilitiert.
Neue Klänge 15
s o n n ta g
mit t woch
f r e i ta g
7. Dezember · 23:05 bis 24:00
10. Dezember · 23:05 bis 24:00
12. Dezember · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Elektronische Musik
point of view [54]:
Gordon Kampe
Moderation: Michael Rebhahn
wdr 3 open:
Studio Akustische Kunst
Marcus Schmickler/
Julian Rohrhuber
Copula E
Laboratory of Language
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
circle surround
Moderation: Johannes Zink
Morton Feldman
Piece for Four Pianos (1957)
Helena Bugallo,
Amy Williams, Amy Briggs,
Benjamin Engeli · Klavier
Johannes Schöllhorn
red and blue (1999)
für sechs Schlagzeuger
ensemble S
Franco Donatoni
Lame II (1996)
für acht Violoncelli
Cellisten des wdr Sinfonie­
orchester Köln
Leitung: Peter Rundel
Steve Reich *
New York Counterpoint (1985)
für elf Klarinetten
NYC Project: Thorsten Johanns
und Studierende · Klarinette
Leitung: Jonathan Stockhammer
Der Kreis gilt als Sinnbild des
Vollkommenen, des Ewigen und
der gottgeordneten Welt. Auch
in der Musik steht der Kreis für
Ganzheit und Perfektion, für
Harmonie und Geschlossenheit.
Etwa wenn Musiker sich im
Kreis gegenüberstehen und vis
à vis austauschen, sich die Töne
wie Bälle zuwerfen und im
Raum rotieren lassen. Eine Art
des Musizierens, die gleichermaßen fundamental wie kommunikativ ist.
Die kreisförmige Aufstellung ist
natürlich auch ein dankbarer
Test für moderne Aufnahmetechnologie. Mit 5.1 surround
lässt sich der runde Klangraum
gut abbilden. Das Publikum
wird, was bei einer Live-Aufführung nur selten möglich ist, dergestalt eingekreist und findet
sich mitunter mitten im Klangkörper, zwischen den Musikern,
wieder.
Parallele Ausstrahlung in
5.1 Surround-Sound
Elfenbeintürme sind nicht die
Sache des 1976 in Herne geborenen Komponisten Gordon
Kampe. Im Gegenteil: Zu den
besonderen Qualitäten von
Gordon Kampes Musik gehört,
dass sie ohne Umschweife dort
ansetzt, wo Klänge physische
Bedeutung gewinnen: im Akt
des Musizierens und im Vorgang des Wahrnehmens. Für
Point of View hat Kampe elektronische Stücke ausgewählt,
die ebenfalls auf eine »unverblümte« Direktheit zielen.
Zu hören ist Musik von Matthew
Herbert, Kerim Karaoğlu, Gottfried Michael Koenig, Matmos,
Alexander Schubert und Gordon
Kampe.
Neben der Lesart der Stimme
als ästhetisches Klangphänomen oder als Vehikel sprachlicher Bedeutung existiert eine
weitere: sie ist weder Sprache
noch Körper, sie bildet einen
anderen Raum an deren Berührungspunkt. Die Stimme ist ein
Rest, ein Objekt, an dem sich
das Denken schult. Davon ausgehend versucht COPULA E,
Überlegungen zur (Keno-)Grammatik und Metaphysik der Verwechslung, zur Politik der Stimme und zur Phonologie wörtlich
zu nehmen und in Sound rückzuübersetzen. Das Ausgangsmaterial sind Kunststimmen auf
der einen Seite und Formalismen
von Programmiersprachen auf
der anderen.
Mit Judith Hoffmann, Anno
­L auten, Hayden Chisholm, u. a.
Marcus Schmickler, geboren
1968, zahlreiche Soundprojekte
u. a. als Pluramon, Wabi Sabi,
Sator Rotas, Theater-, Film- und
Hörspielmusiken.
Julian Rohrhuber, geboren 1973,
Musikinformatiker und Medientheoretiker, Mitentwickler der
Computersprache SuperCollider.
Mitglied bei den powerbooks
unplugged und drb.
Parallele Ausstrahlung in
5.1 Surround-Sound
16 Neue Musik
Neue Klänge 17
s a m s ta g
s o n n ta g
mit t woch
13. Dezember · 23:05 bis 24:00
14. Dezember · 23:05 bis 24:00
17. Dezember · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
Vor und Zurück: Nicolaus
A Huber zum 75.
Mathias Spahlinger im
Gespräch mit Martina Seeber
wdr 3 open:
Studio Elektronische Musik
techné [62]: Smart Phone Apps
Autor: Martina Seeber
wdr 3 open: FreiRaum Hip-Hop in Ägypten –
Zwischen Revolutionspathos
und Anpassung
Autor: Arian Fariborz
Noch vor drei Jahren fristete das
Hip-Hop-Phänomen am Nil ein
Schattendasein. Zu groß war
die Konkurrenz aus anderen islamischen Staaten wie Algerien,
der »Wiege des arabischen
Rap«. Doch spätestens seit dem
Ausbruch der Revolution vom
25. Januar 2011 und dem Sturz
des Mubarak-Regimes hat das
Hip-Hop-Virus auch Ägypten
­erfasst: Rap-Idole wie MC Amin
oder Mohammed El-Deeb traten
während des Volksaufstands
live auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf und kreierten ihren ganz
eigenen und politisch ambitionierten Soundtrack zur Revolution. Vor allem in der Innenstadt
von Kairo entdeckten sie neue
Spielräume in alternativen
­Kultureinrichtungen wie dem
­legendären »100 Copies Space
Center« oder dem »Rawabet
Theater«.
18 Neue Musik
Doch im Schatten der gegenwärtigen politischen Krise, der
gesellschaftlichen Polarisierung und dem gegenwärtigen
autoritären Machtanspruch des
Militärs, ist es um die einstigen
Frontmänner vom Tahrir-Platz
heute ruhiger geworden. Der
revolutionäre Enthusiasmus ist
verblasst und der zunehmenden
Anpassung gewichen – auch
wenn sich viele Rapper noch
immer als Sprachrohr für politischen Protest und Rebellion
gegen soziale Ungerechtigkeit
und Unterdrückung der Meinungsfreiheit verstehen.
Mit Auszügen aus folgenden
Werken von
Nicolaus A Huber
Informationen über die
Töne e – f (1965/66)
für Streichquartett
Versuch über Sprache (1969)
für 16 Solostimmen, HammondOrgel, Kontrabass und zwei
obligate Lautsprecher-Kanäle
Harakiri (1971)
für Orchester
Vor und zurück (1981)
für Oboe
Sphärenmusik (1981)
für Orchester
Clash Music (1988)
für Schlagzeuger
Zum Beispiel wogende Äste
(2011) für Ensemble
Seine Musik verheißt nüchterne
Botschaften wie »Informationen über Töne« und drastische
Schockmomente in Gestalt von
»dialektischen Donnerschlägen«. Nicolaus A Hubers Werk
ist ebenso klar strukturiert wie
sprunghaft und skurril. Martina
Seeber spricht mit Mathias
Spahlinger über die Musik des
Essener Komponisten, der am
15. Dezember seinen 75. Geburtstag feiert.
Noch nie waren Miniaturcomputer in Gestalt von Smartphones
und Tabletcomputern so verbreitet und erschwinglich wie
heute. Aber nur die wenigsten
Nutzer wissen, wie viel ungenutztes musikalisches Potential
sie täglich mit sich herumtragen. Die Möglichkeiten entwickeln sich täglich weiter. Apps
simulieren Gitarren, GamelanOrchester und Okarinas, aber
auch Synthesizer und Drum
Machines. Das große Potential
der Technik liegt aber in den
eingebauten Steuerungsmöglichkeiten über Berührung, eingebaute Kameras, GPS-Technik,
Mikrofone und Neigungssensoren. Vor allem an Hochschulen experimentieren inzwischen
viele Musiker mit der live-elektronischen Miniaturausrüstung.
In den USA, aber auch in
Deutschland, gründen sich
­Mobil-Phone-Orchester und
vernetzen sich mit Forschungsgruppen. Ist die Live-Elektronik
jetzt endgültig im Alltag angekommen?
Neue Klänge 19
f r e i ta g
s a m s ta g
s o n n ta g
19. Dezember · 23:05 bis 24:00
20. Dezember · 23:05 bis 24:00
21. Dezember · 23:05 bis 24:00
wdr 3 open:
Studio Akustische Kunst
Friederike Mayröcker 90
Friederike Mayröcker 90
Die Umarmung, nach Picasso
(1986)
wdr 3 open: FreiRaum DJ Hooked & Switched
Electric Abendland: Roll over
Recomposed
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
Repercussio
Moderation: Michael Rebhahn
Sie nannten sich z. B. »Classics
up to date«, »Rockin’ the
Symphonics« oder »Klassik
remixed«. Es herrscht keine
Mangel an Projekten, bei denen
nachschaffende Musiker versuchen, sich selbst akademische
credibility zu erwirtschaften
oder das Wahre, Schöne und
Gute wenigstens nachträglich
zur Marktreife zu bringen.
Popularität und Fallhöhe des
»abendländischen Kanons«
mit Markennamen wie Bach,
Beet­hoven oder Wagner haben
Generationen von Bearbeitern
magisch zu pubertärem Trotz
oder geschmeidigen Recycling
animiert. Dabei geht es weniger
um bestimmte Akkordfolgen
oder Melodiemuster, als um den
Zauber der abgelaufenen Regelschutzfrist. Gerade zur Weihnachtszeit sind Updates zu den
Fetenhits des Feudalismus wieder häufiger gefragt. Jenseits
der Geschäftigkeit von Staatsswing, Edukationsrock und
SubventionsDJing passieren
aber immer wieder kleine Wunder des epochenübergreifenden
Klangdialogs. Nämlich ausgerechnet dann, wenn heutige
Produzenten sich unbefangen
nicht um die Herkunft des Materials scheren oder die CrossoverModen des letzten Jahrhunderts
ihrerseits zum Thema machen.
Georges Aperghis
Retrouvailles (2013)
für zwei Darsteller
Christian Dierstein und Richard
Dubleski · Darsteller
Ein Bildband über Pablo Picasso, der seine Suite Vollard zeigt
– eine Sammlung von über 100
Radierungen aus den 1930erJahren, benannt nach dem
Kunsthändler Ambroise Vollard
– gibt Friederike Mayröcker die
Anregung zu diesem Hörstück.
Eines der Werke zeigt einen
Minotaurus in enger Umklammerung mit einer Frau. Diese
Umarmung wird zum Titelgeber
und thematischen Aufhänger
des komplexen Dialog-Hörspiels: Darin führt SIE, Kustodin
in einem Museum, IHN, den sie
liebt, der jedoch zögert, ihre
Liebe zu erwidern, durch die
Ausstellung der Radierungen
der Suite Vollard von Picasso.
Ihr Gespräch über die schwarzweißen Zeichnungen entwickelt
sich nach und nach zu einem
Assoziations- und Farbenrausch, in dem Wirklichkeit und
Wunschbilder zunehmend miteinander verschmelzen.
20 Neue Musik
Michel van der Aaa
Wake (1997)
für Schlagzeug-Duo
Thomas Meixner und
Dirk Rothbrust · Schlagzeug
Gérard Grisey
Stéle (1995) für zwei Schlag­
zeuger
Stephan Meier und
Peppie Wiersma · Schlagzeug
Rebecca Saunders
void (2013 – 14) für SchlagzeugDuo und Kammerorchester
Christian Dierstein und Dirk
Rothbrust · Schlagzeug
wdr Sinfonieorchester Köln
Leitung: Peter Rundel
Repercussio: Die Idee des Wiederanschlagens, Rückprallens,
Widerhalls verbindet die
Schlagzeugduos dieses Programms. Ein Schattenspiel inszeniert Michel van der Aa. Sein
Duo ist eigentlich ein Solo, das
von einem zweiten Solisten
stumm deboubled wird. Nach
Straßentheater riecht Retrouvailles von Georges Aperghis,
der eine (Wieder) Begegnung
zweier guter alter Bekannter
inszeniert. Gérard Grisey bewegt sich am Rande der Stille.
Er lässt sein Duo »eine rhythmische Inschrift« skizzieren,
wie von zwei Archäologen, die
»eine Stele entdecken und
den Staub entfernen, bis sie
eine Grabinschrift zu Tage befördern«. Rebecca Saunders
umgibt ihr Schlagzeugduo mit
einem Kammerorchester, das
die Impulse der beiden Solisten
aufgreift, vielfältig spiegelt
und verlängert.
Neue Klänge 21
s a m s ta g
27. Dezember · 20:05 bis 22:30
wdr 3 Konzert
Welten Räume Galaxien:
Kosmische Fantasien
in der Musik
Moderation:
Michael Struck-Schloen
Olivier Messiaen
Les ressuscités et le chant
de l‘étoile Aldébaran aus
Des canyons aux étoiles (1974)
für Orchester
Orchestre Philharmonique
de Radio France
Leitung: Myung-Whun Chung
Kaija Saariaho
Asteroid 4179: Toutatis (2005)
für Orchester
Berliner Philharmoniker
Leitung: Simon Rattle
Rued Langgaard
The Gospel of Flowers –
The New Day – The End:
Antichrist – Christ,
aus Sphärenmusik (1918)
für Soli, Chor und Orchester
Hedwig Rummel, Annette
Simonson · Alt
Dänischer Nationaler
Rundfunkchor
Dänisches Nationales
Radio-Sinfonieorchester
Leitung:
Gennadij Roschdestwenskij
Guillaume Dufay
O gemma, lux et speculum
Adam Gerhardt, Kai
Wessel · Countertenor
Ensemble
Leitung: Helga Weber
Matthias Pintscher
towards Osiris (2005)
für Orchester
Berliner Philharmoniker
Leitung: Simon Rattle
John Williams
Night Skies aus der Musik zu
Star Wars für Orchester
Royal Scottish National
Chorus & Orchestra
Leitung: Joel McNeely
Claude Vivier
Orion (1980) für Orchester
wdr Sinfonieorchester Köln
Leitung: Peter Rundel
Gustav Mahler
Urlicht aus der Sinfonie Nr. 2
Uri Caine & Ensemble
Gustav Holst
Saturn, the Bringer of Old Age
aus The Planets op. 32 (1916)
für Orchester
swr Radio-Sinfonieorchester
Stuttgart
Leitung: Roger Norrington
22 Neue Musik
Igor Strawinsky
Sternenkönig (1912)
für Männerchor und Orchester
Cleveland Chorus & Orchestra
Leitung: Pierre Boulez
Jean-Philippe Rameau
Ballet des Astres, des Planètes
et des Satellites aus Castor et
Pollux (1737) für Orchester
L’Orfeo Barockorchester
Leitung: Michi Gaigg
Henri Dutilleux
Nébuleuse aus Timbres, espace, mouvement ou La nuit
étoilée (1978) für Orchester
Orchestre National de Lyon
Leitung: Serge Baudo
Karlheinz Stockhausen
Sirius (1975 – 77) elektronische
Musik mit Trompete, Sopran,
Bassklarinette und Bass
(Ausschnitt)
Markus Stockhausen · Trom­
pete, Annette Merriweather ·
Sopran, Suzanne Stephens ·
Klarinette, Boris Carmeli · Bass,
Studio für Elektronische Musik
des wdr
George Crumb
Alpha Centauri aus Makrokosmos IV, Celestial Mechanics
(1979)
Cosmic Dances for Amplified
Piano, Four Hands
Klavierduo Grau Schumacher
Brett Dean
Komarov’s Fall (2004)
für Orchester
Berliner Philharmoniker
Leitung: Simon Rattle
In der Musik hatte die Überwindung der Schwerkraft und die
Weitung akustischer Fantasien
in den Weltraum immer schon
Konjunktur. Seit Jahrhunderten
wird über die Musik der kreisenden Planeten und tanzenden
Sterne spekuliert. Werke über
den abgestürzten Kosmonauten
Komarov oder über die Weltraumhündin Laika aus jüngster
Zeit stricken am Mythos moderner Weltraumfahrer.
Für die Komponisten des Mittelalters war das Weltall ein Teil
der göttlichen Ordnung, die sich
auch in der Musik spiegelte –
ein Gedanke, dem im 20. Jahrhundert noch der bekennende
Katholik Olivier Messiaen anhing. Doch mit der Entzauberung eines »Gottes im Himmel«
durch die Wissenschaft polarisierte sich auch die Beschäftigung der Kunst mit dem Universum. Da wurde der Kosmos einerseits in tönenden Visionen
von Igor Strawinsky und dem
dänischen Außenseiter Rued
Langgaard bis zu Karlheinz
Stockhausen mit neuen Mythen
aufgefüllt. Andererseits förderte die wissenschaftliche
Erkundung des Alls nicht nur
Science-fiction-Legenden à la
Star Wars, sondern auch Versuche, die Geräusche krachen­
der Pulsare und galaktischer
Explosionen zu erkunden. Eine
musikalische Weltraumfahrt
durch die Geschichte ist also
immer für Überraschungen gut.
Neue Klänge 23
Öffentliche Veranstaltungen
s a m s ta g
s o n n ta g
s a m s ta g
m o n ta g
27. Dezember · 23:05 bis 24:00
28. Dezember · 23:05 bis 24:00
15. November · 20:00
24. November · 18:00
wdr 3 open: FreiRaum Floating down the Liffey –
Auf der Suche nach dem
2014-Sound
Autor: Daniel Mendig
wdr 3 open:
Studio Neue Musik
Welten Räume Galaxien
Gesang der Sterne
Moderation: Martina Seeber
Köln, Funkhaus Wallrafplatz
19:00
Einführung mit Fabio Nieder
und Eiko Tsukamoto
Gloria-Theater
Die traditionelle Nabelschau
und Endabrechnung der Fach­
redaktion für musikalischen
Diebstahl und Atonalität with a
swinging beat: Daniel Mendig
zieht die Bilanz des FreiRaumJahrgangs 2014. Das jahresultimative Plunderphonica-Destillat aus 1865 Minuten zwischen
Improv & Exotik, Les Adieux &
Les Paul, Ernie & Pärt, Asien &
Afrika, Elvis & Electronica. Ein
Wiederhören mit allerlei Provokationen in Dur und Moll. Alte
Wunden reißen auf.
Gérard Grisey *
Le Noir de l’étoile (1989 – 90)
für sechs Schlagzeuger,
Tonband und astronomische
Signale
Ensemble S
Massimo Mariani · Klangregie
Gérard Grisey macht den Weltraum hörbar: Le noir de l´étoile
ist den Signalen zweier Neutronensterne abgelauscht, deren
pulsierendes Ticken während
der Aufführung über Lautsprecher eingespielt wird. Diese
Signale wurden früher einmal
für Botschaften außerirdischer
Lebewesen gehalten, bis man
feststellte, dass diese O-Töne
aus dem All von Pulsaren stammen.
Zweien dieser Pulsare baut
Grisey in seiner Sternenmusik
quasi eine Bühne: in Form von
Vor-, Zwischen- und Nachspielen für sechs Schlagzeuger, die
im Kreis um das Publikum aufgestellt sind und so die Klänge
– wie die Signale der Sterne – im
Raum rotieren lassen. Le noir de
l´étoile ist, wie der Astro-Physiker Jean-Pierre Luminet bemerkte, »gewaltsam, stechend,
stockend, immer wieder neu
beginnend«, wie der Rhythmus
des Kosmos.
Musik der Zeit [2]
Wortlöschung
Musik der Zeit
Response Abschlusskonzert
in Zusammenarbeit mit
Koelnmusik
Leitung: Thomas Taxus Beck
Teodoro Anzellotti, Vladimir
Blagojevic und Antony Millet ·
Akkordeon
Schlagquartett Köln
wdr Rundfunkchor Köln
Leitung: Rupert Huber
Moderation: Michael StruckSchloen
György Ligeti
Ejszaka/Reggel (1955) und Zwei
Kanons (1952) für gemischten
Chor (Text: Sándor Weöres)
Eiko Tsukamoto
Pero fue el último: fue el eclipse
eterno (2014) für drei Schlagzeuger ua
Georg Friedrich Haas
... wie ein Nachtstück (1990)
für drei Akkordeons
Jukka Tiensuu
... mutta (1987)
für drei Akkordeons
Fabio Nieder
Thümmel, oder die Verlöschung
des Wortes: Der Anfang. Die
Mitte. Das Ende (2011 – 13) für
gemischten Chor, drei Akkor­
deons und drei Schlagzeuger
(Text: Claudio Magris, Liturgie)
ua
Sendung wdr 3
26. 11. 2014, 20:05
Parallele Ausstrahlung in
5.1 Surround-Sound
24 Neue Musik
Neue Klänge 25
wdr3.de
Neue CDs | wdr-Produktionen
Dieter Ammann
unbalanced instability
für Violine und Kammer­
orchester
Carolin Widmann · Violine
wdr Sinfonieorchester Köln
Leitung: Emilio Pomàrico
Musiques Suisses Grammont
Sélection 7 MGB CTS-M 142
(2 CD)
28. – 31.1.2015
»domicil« und Konzerthaus
Dortmund
Ming Tsao
Pathology of Syntax (2007)
for String Quartet, One-Way
Street (2006) for clarinet, oboe,
violin, viola, violoncello and
percussion, Not Reconciled
(2003) for clarinet, trombone,
guitar, percussion and
violoncello
Arditti String Quartet
ensemble recherche, surplus
Leitung: Jonathan Stockhammer
Mode Records 268
Alle Konzerte
auch im Radio
Infos auf wdr3.de
Beat Furrer
Ira-Arca (2012) für Bassflöte
und Kontrabass
Eva Furrer und Uli Fussenegger
aer (1991) für Klarinette,
­V ioloncello und Klavier
Trio Catch
Kairos 0013312 KAI
26 Neue Musik
Fr 30.1.2015
20:00 | Konzerthaus Dortmund
Stephan Mattner BEAM
wdr jazzpreis 2015
22:00 | domicil
u.a. mit der wdr Big Band Köln
Moderation: Götz Alsmann
Kirk Lightsey Trio &
Jazzmeia Horn
23:30 | domicil
Kaja Draksler
23:30 | domicil
Craig Taborn Quartet
Sa 31.1.2015
20:00 | domicil
Do 29.1.2015
20:00 | domicil
Programmänderungen vorbehalten.
Emilio Pomàrico
Trio per archi
(Quaderno giallo) (2006),
ombre chiare, inquiete parole
(1997)
für Bläsertrio
Nachtfragmente (1995/98)
für Streichtrio
ensemble recherche
ediiton zeitklang 59057
Mi 28.1.2015
20:00 | domicil
Thomas Rückert Trio
Sarah Buechi/Niels Klein
Wiresongs
22:00 | domicil
22:00 | domicil
23:30 | domicil
Pablo Held Trio &
John Scofield
1:00 | domicil
23:30 | domicil
Jazzpaña
Lorenz Raab Quartet
Frank Woeste Quartet
Nguyên Lê
wdr 3 im Dialog
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#wdr3jazzfest
Der wdr 3 Konzertplayer:
wdr 3-Konzerte 30 Tage
lang kostenfrei zum
Nachhören – mit dem
Neue Klänge 27
wdr 3 Konzertplayer.
wdr 3 open: Studio Elektronische Musik Mi 23:05
wdr 3 open: Studio Akustische Kunst Fr 23:05
wdr 3 open: FreiRaum Sa 23:05
wdr 3 open: Studio Neue Musik So 23:05
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96,3
98,2
93,1
95,1/98,1
93,1
95,1
97,3
95,1
89,7
97,3
98,1
97,5
97,8
88,7
98,4
97,0
92,7
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