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Lektion 4 (PDF, 43 KB) - Rechtswissenschaftliches Institut

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Rechtswissenschaftliches Institut
Methodenlehre
4. Lektion: Einfluss der neueren Hermeneutik
Masterstudium Rechtswissenschaft
Prof. Dr. iur. Thomas Gächter
Rechtswissenschaftliches Institut
Hermeneutik
„Unter Hermeneutik versteht man im Allgemeinen das Auslegen
und Verstehen von Texten. Aufgabe der Hermeneutik ist es, den
„Inneren Sinn“ aus einer Aufgabe, Text herauszufiltern. Dabei
bedient sich die Hermeneutik auch der Bedeutung von Symbolen
und sonstigen Vorkenntnissen von Personen.“
Quelle: http://lexikon.stangl.eu/237/hermeneutik/
Seite 2
Rechtswissenschaftliches Institut
Klassische und neuere Hermeneutik
Klassische Hermeneutik
Lehre vom Verstehen eines Objekts, das vom verstehenden
Subjekt zu unterscheiden ist
Klare Trennung von Subjekt/Objekt
Neuere Hermeneutik
(Dilthey), Heidegger (hermeneutischer Zirkel), Gadamer
(Vorverständnis als Verstehensvoraussetzung, Kreativität des
Verstehens)
Keine Trennung von Subjekt und Objekt möglich
Historische Distanz bedingt Neu-Verständnis durch jeden
Auslegenden
Seite 3
Rechtswissenschaftliches Institut
Verstehensverständnis: Savigny vs. Esser/Hinderling
Methoden/Kriterien zum
Verständnis (z.B. canones
von Savigny)
Verstehensvorgang als
schöpferischer Akt
Objektive Sinnermittlung
Zeitliche/historische Distanz
öffnet Verstehensvorgang
Ziel: objektives/historisches
Verständnis des Textes
Subjektivität der Sichtweise
lässt sich durch Methode
zurückdrängen
Keine Objektivität möglich
Vorverständnis/Vorurteil als
Verstehensvoraussetzung
Hermeneutischer Zirkel:
Vertiefung des Verständnisses durch eigenes
Verstehen auf der Basis des
„Vorverständnisses“
Seite 4
Rechtswissenschaftliches Institut
Insbesondere: Vorverständnis und Methodenwahl (Esser)
Bereits die Wahl der anwendbaren Normen basiert auf einem
Vorverständnis
Würdigung des Sachverhalts im Hinblick auf einen bestimmten
Normenkomplex
Verständnis/Deutung des Sachverhalts als wesentliche
Vorbedingung der Rechtsanwendung
Syllogistischer Schluss kann keine subsumtive Richtigkeit
garantieren
Massgeblich ist nicht „korrekte Subsumtion“ sondern korrekte
Urteilsbildung zum Obersatz und zum Untersatz
Seite 5
Rechtswissenschaftliches Institut
Hermeneutik und „open texture“
Offenheit und Abstraktheit von Normen setzen „Auslegung“
voraus; auch bei präzis oder dicht abgefassten Normen
Sprachliche Offenheit vergrössert den Verstehensspielraum.
Je offener die sprachliche Gestaltung, desto weniger geleitet
ist das subjektive Verstehen.
Seite 6
Rechtswissenschaftliches Institut
Konsequenzen für Auslegungsverständnis und
Rechtsfortbildung
Zusätzliches Argument gegen Objektivität von Rechtsordnung
und Auslegungsverständnis
Aufforderung zur kritischen Selbstreflexion
Delegitimation von juristisch-logischen Scheinargumenten (vgl.
Freirechtsbewegung)
Gesteigerte Bedeutung des Entscheidfindungsverfahrens und
der Entscheidbegründung
Seite 7
Rechtswissenschaftliches Institut
Bedeutung und Kontrolle von Vorbeurteilung /
Vorverständnis
Unvermeidlichkeit von Vorbeurteilung / Vorverständnis
Offenheit und Transparenz der eigenen Reflektion
Offenheit und Transparenz in der Entscheidbegründung
Auslegungeslemente etc. als Argumente zur Sichtbarmachung
der Elemente des eigenen Verstehens
Seite 8
Rechtswissenschaftliches Institut
Widersprüche zwischen Methodenverständnis der neueren
Hermeneutik und verfassungsrechtlichen Grundsätzen?
Gefährdung der Rechssicherheit?
Unmöglichkeit von „Gesetzesbindung“ (Legalitätsprinzip)?
Gesteigerte Bedeutung der Verfahrensgrundrechte (z.B.
Bedeutung der Parteirechte wie rechtl. Gehör)
Bedeutung der Unabhängigkeit der urteilenden /
rechtsanwendenden Behörden
Legitimation der urteilenden Behörde (z.B. Wahl)
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