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Alpenwetterbericht

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61. Jahrgang · Nr. 11 · November 2014 · 10889
Korrespondenz
Abwasser · Abfall
11/14
www.dwa.de/KA
Zertifizierter Kanal-Sanierungs-Berater 2.0
100 Jahre Belebungsverfahren
Für Qualität in der Bildung
PraxisTage Kanalinspektion und -sanierung
BMBF-Fördermaßnahme INIS
Leistungsvergleich
kommunaler Kläranlagen
Spurenstoffe:
Testverfahren für
Aktivkohle
Auslegung von
Ozonanlagen
Einsatz reaktivierter Aktivkohle
aus Wasserwerken
Leitparameter für
Spurenstoffe
Quellenorientierte
und nachgeschaltete Maßnahmen
zur Emissionsminderung
Kosten der Pulveraktivkohleanwendung
TAGUNG 12.-13. November 2014, Dortmund
2 0 1 3
Inspektions- und SanierungsTage
mit begleitender Fachausstellung
14-11- 011
KA
Ku
951
ge
Korrespondenz
Abwasser, Abfall
86
Organ der DWA und des Güteschutz Kanalbau
Herausgeber und Verlag:
GFA
Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef
Postfach 11 65, D-53758 Hennef
Telefon +49 2242 872-333, Telefax +49 2242 872-1 51
Internet: www.gfa-ka.de
Redaktionsbeirat:
1. Bauass. Dipl.-Ing. Otto Schaaf, DWA-Präsident
2. Ltd. BD Dipl.-Ing. Arndt Bock, DWA-HA
„Gewässer und Boden“
3. Prof. Dr.-Ing. Harro Bode, DWA-Vorstand
4. Prof. Dr.-Ing. Norbert Dichtl, DWA-HA
„Kreislaufwirtschaft, Energie und Klärschlamm“
5. Prof. Dr.-Ing. habil. Andreas Dittrich, DWA-HA
„Wasserbau und Wasserkraft“
6. Ltd. BD Dipl.-Ing. Werner Kristeller, DWA-HA
„Kommunale Abwasserbehandlung“
7. Bauass. Dipl.-Ing. Johannes Loha us,
DWA-Bundesgeschäftsführer
8. Prof. Dr.-Ing. Hubertus Milke, DWA-Vorstand
9. Dr.-Ing. Uwe M ü ller, DWA-HA
„Hydrologie und Wasserbewirtschaftung“
10. Prof. Dr.-Ing. Heribert Nacken, Fachgemeinschaft
Hydrologische Wissenschaften in der DWA
11. Prof. Dr.-Ing. Johannes Pinnekamp, DWA-HA
„Entwässerungssysteme“
12. Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Rosenwinkel, DWA-HA
„Industrieabwässer und anlagenbezogener Gewässerschutz“
13. Dr. Frank Andreas Schendel, DWA-HA „Recht“
14. StadtDir Dipl.-Ing. Robert Schmidt, DWA-HA
„Bildung und Internationale Zusammenarbeit“
15. Dr. Jochen Ste m plewski, DWA-HA „Wirtschaft“
16. Rolf Usade l , GFA-Geschäftsführer
Redaktion:
Dr. Frank Bringewski (ChR, v. i. S. d. P.), Tel. +49 2242 872-1 90,
E-Mail: bringewski@dwa.de
Dipl.-Volksw. Stefan Bröker, Tel. +49 2242 872-1 05,
E-Mail: broeker@dwa.de
Anzeigen:
Christian Lange, Tel. +49 2242 872-129, E-Mail: anzeigen@dwa.de
Monika Kramer, Tel. +49 2242 872-130
Sekretariat:
Annette Wollny
Tel. +49 2242 872-1 38
E-Mail: wollny@dwa.de
Erscheinungsweise: monatlich
vierteljährliche Beilage KA-Betriebs-Info
Anzeigenpreise: Zurzeit gilt Anzeigenpreisliste Nr. 43
vom 1. Oktober 2012.
Satz, Druck, Bindung: Bonner Universitäts-Buchdruckerei,
Justus-von-Liebig-Straße 6, D-53121 Bonn
Bezugspreis: Der Verkaufspreis ist durch den DWA-Mitglieds­­bei­
trag abgegolten. DWA-Mitglieder, die Mehrexemplare der KA erwerben möchten oder die sich für die Zeitschrift KW – Korrespondenz
Wasserwirtschaft als kostenlose Mitgliederzeitschrift entschieden
haben, können die KA zusätzlich für 109,50 Euro zzgl. Versandkosten bestellen.
Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages
in ­irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikrofilm oder irgendein anderes Verfah­ren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden. Von
einzelnen Beiträgen oder Teilen von ihnen dürfen nur einzelne Vervielfältigungsstücke für den persönlichen und sonstigen eigenen Gebrauch hergestellt werden. Die Weitergabe von Vervielfältigungen, gleichgültig zu welchem Zweck sie hergestellt werden, ist eine Urheberrechtsverletzung. – Der Inhalt dieses Heftes wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und ­Verlag
für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für ­eventuelle
Druckfehler keine Haftung. Insbesondere unterliegen die Angaben in Industrieund Produktberichten nicht der Verantwortung der Redaktion.
Richtlinien zur Abfassung von Manuskripten können beim Redaktionssekretariat angefordert werden.
Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier mit 100% Recyclingfasern.
© GFA
D-53773 Hennef ISSN 1866-0029
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952
Inhalt
11/2014
Editorial
DWA-Mitgliederversammlung
im Zeichen der Kontinuität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 955
Frank Bringewski
Berichte
100 Jahre Belebungsverfahren
Jubiläumskonferenz in Essen�������������������������������������������964
Norbert Jardin (Essen)
Seite 964
Im Juni 2014 fand auf der Zeche Zollverein in Essen die
Jubi­läumskonferenz zu 100 Jahren Belebungsverfahren
statt. Organisiert wurde diese Veranstaltung der International Water Association (IWA) gemeinsam von Emschergenossenschaft/Lippeverband und Ruhrverband, die weitere Unterstützung, zum B
­ eispiel durch die DWA, erhalten haben.
Seite 982
Im DWA-Leistungsvergleich
kommunaler Kläranlagen werden die
(Foto: Kläranlage Kressbronn)
Qualität der Abwasserreinigung und der dafür aufgewendete Stromverbrauch dargestellt. Schwerpunkt in der aktuellen Ausgabe
ist die Phosphatelimination.
Beiträge in
KW – Korrespondenz Wasserwirtschaft 11/2014
Schwerpunkt Hochwasser
H.-P. Hack: Hydraulische Modellversuche bei Flutpoldern
P.-M. Schulz: Bauen in Überschwemmungsgebieten in der
aktuellen gerichtlichen Praxis
R. Haselsteiner, N. Schrage, K. Lippert und G. Antony: Der
Entwurf eines gehölzresistenten Absperrdamms am HRB
Clervaux in Luxemburg
K.-H. Rother: Zur Abschätzung des verbleibenden Risikos
hinter Hochwasserschutzanlagen unter sich verändernden gesellschaftlichen Randbedingungen
G. J. A. Schrenk: Audit Hochwasser – wie gut sind wir
vorbereitet
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2014 (61) · Nr. 11
Advanced Wastewater Treatment and Water Reuse –
The Future is now
Vorkonferenz der IWA Young Water Professionals
in Essen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 972
Anna Abels und Despina Athanasiadou (Aachen)
Strategien, Analysen, Kennwerte und Qualitätsaspekte
Karlsruher Flockungstage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 974
Miriam Leicht (Karlsruhe)
Forschung und Innovation
Was macht INIS?
Aktuelle Entwicklungen aus drei Verbund­projekten
der BMBF-Fördermaßnahme „­ Intelligente und
multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine
zukunfts­fähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ (INIS) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 977
Angela Million (Berlin), Birgit Schlichtig (Stuttgart),
Martina Winker (Frankfurt a. M.) und
Stefanie Wolter (Hennef)
Kommunale Abwasserbehandlung
26. Leistungsvergleich kommunaler Kläranlagen
Phosphor im Visier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 982
DWA-Arbeitsgruppe BIZ-1.1 „Kläranlagen-Nachbarschaften“
Spurenstoffe
Schnelle und kostengünstige Testverfahren für Aktivkohle
zur Kontrolle der S
­ purenstoffelimination in der Praxis . . . 989
Alexander Sperlich, Johannes Altmann,
Frederik Zietzschmann, Felix Meinel, Aki Sebastian Ruhl,
Regina Gnirss und Martin Jekel (Berlin)
Rubriken
Spektrum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 956
Güteschutz Kanalbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 980
Güteschutz Kanalbau – Gütezeicheninhaber . . . . U3
Personalien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1043
Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1046
www.dwa.de/KA
953
Korrespondenz
Abwasser, Abfall
Hinweise zu Auslegung und Design von Ozonanlagen
zur ­Mikroschadstoffelimination . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 998
Christian Maus, Heinrich Herbst, Sandra Ante (Köln),
Hans-Peter Becker, Wolfgang Glathe, Andrea Börgers
und Jochen Türk (Duisburg)
Einsatz reaktivierter Aktivkohle von Wasserwerken
zur Spurenstoff­elimination in kommunalen
Kläranlagen am Beispiel Düsseldorf . . . . . . . . . . . . . . . . 1007
Karen Clausen, Manfred Lübken (Bochum),
Bernd Pehl, Thomas Bendt (Düsseldorf)
und Marc Wichern (Bochum)
Anwendung von Leitparametern zur Abschätzung
des Verhaltens o
­ rganischer Spurenstoffe in einem
urban geprägten Gewässer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1013
Marie Launay, Bertram Kuch, Claudia Lange,
Birgit Schlichtig, Ulrich Dittmer, Jörg W. Metzger
und Heidrun Steinmetz (Stuttgart)
Kombination quellenorientierter und nachgeschalteter
Maßnahmen zur Emissionsminderung von Mikroschad­
stoffen aus dem urbanen Bereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1019
Thomas Hillenbrand, Felix Tettenborn,
Eve Menger-Krug, Stephan Fuchs, Snezhina Toshovski
(Karlsruhe), Steffen Metzger, Imee Tjoeng (Stuttgart),
Paul Wermter (Aachen), Michael Kersting (Bochum)
und Christian Abegglen (Glattbrugg/Schweiz)
Kosten der Pulveraktivkohleanwendung
zur Spurenstoffelimination am Beispiel
ausgeführter und in Bau befindlicher Anlagen . . . . . . . . 1029
Steffen Metzger, Imee O. Tjoeng, Annette Rößler
(Stuttgart), Gert Schwentner (Sindelfingen) und
Reinhold Rölle (Stuttgart)
DWA
25 Jahre DWA-Mitgliedschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 962
26. Leistungsvergleich kommunaler Kläranlagen . . . . . . . 982
Regelwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1038
Fachgremien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1042
Software . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1042
Landesverbände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1043
Seite 998
Die Ozonanlage im
Ablauf der Kläranlage Duisburg-Vierlinden ist seit 2011 in
Betrieb. Aus den gesammelten Betriebserfahrungen und Er(Foto: Grontmij/Wirtschaftsbetriebe Duisburg)
kenntnissen wissenschaftlicher Untersuchungen wurden Empfehlungen zur Bemessung von Ozonanlagen abgeleitet. Für den Ozoneintrag
werden die Erfahrungen zu unterschiedlichen Steuer- und
Regelstrategien der Ozondosierung vorgestellt.
Seite 1007
In einer halbtechnischen Versuchsanlage auf der Kläranlage Düsseldorf-Süd wurde eine möglichst einfache Verfahrensvariante zum Einsatz von
Pulveraktivkohle untersucht,
um die Betriebskosten zu minimieren. Gewählt wurde die
Direktdosierung in das Belebungsbecken. Eingesetzt wurde reaktivierte Pulveraktivkohle aus Wasserwerken.
Seite 1013
Weltweit konnten bislang deutlich über 600 Arzneimittelwirkstoffe sowie deren Abbauprodukte in Gewässern, Böden, Klärschlamm oder Lebewesen nachgewiesen werden.
Um die Komplexität von Untersuchungen hinsichtlich Zahl
und Art der Spurenstoffe zu vermindern, wird die Strategie
verfolgt, nur wenige Verbindungen mit bestimmten Eigenschaften, die stellvertretend für größere Stoffgruppen stehen („Leitparameter“) als Basis für ein Monitoring auszuwählen. In Baden-Württemberg wurden umfangreiche Untersuchungen zur Leitparameter-Strategie an einer Kläranlage und einem Gewässer durchgeführt.
Veranstaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1046
Industrie und Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1047
Stellenanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1048
KA 12/2014
Adressenbörse für die Abfallwirtschaft . . . . . . . . 1055
Erscheinungstermin: 28. November 2014
Beratende Ingenieure . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1055
Anzeigenschluss: 3. November 2014
Beilagenhinweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1006
www.dwa.de/KA
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2014 (61) · Nr. 11
Editorial 955
DWA-Mitgliederversammlung
im Zeichen der Kontinuität
Der bisherige DWA-Präsident ist auch
der künftige: Die DWA-Mitgliederversammlung hat Otto Schaaf am 30. September 2014 zum dritten Mal zum Präsidenten der Vereinigung gewählt, einstimmig, ohne Enthaltung (auch nicht
„mit Enthaltung des Betroffenen“, weil
dieser vorher den Raum verlassen hatte
und so nicht mit abstimmte). Was brachte die Mitgliederversammlung noch?
Eberhard Jüngel ist nun Ehrenmitglied,
Max Dohmann wurde die Max-Prüss-Medaille verliehen. Johannes Pinnekamp
wurde als Vorsitzender des Hauptausschusses „Entwässerungssysteme“ bestätigt, ebenso Karl-Heinz Flick als Vorsitzender des DWA-Beirats. Franz Nestmann, Peter Stamm und Helge Wendenburg wurden für eine weitere Amtszeit
als Mitglieder des Vorstands wiedergewählt. Vorgestellt wurde auch der Entwurf eines Leitbildes für die DWA, nachdem der Vorstand beschlossen hatte,
dass ein Leitbild erarbeitet werden solle.
Ziel dieses Prozesses ist es, eine klare
Orientierung für die zukünftige Verbandsarbeit zu formulieren und der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wofür die DWA
steht. Wie im letzten Jahr wird in den
Dezember-Heften der DWA-Zeitschriften
KA und KW eine kurze Zusammenfassung der Beschlüsse der Mitgliederversammlung gegeben werden; das vollständige Protokoll der Versammlung
wird im Mitgliederbereich der DWAWebsite zum Download bereit stehen.
Zu aktuellen Ausgabe: Das Thema
„Spurenstoffe“ hatte so starken Zuspruch
gefunden, dass über das vom Redaktionsbeirat beschlossene Schwerpunktheft
im Oktober hinaus auch das vorliegende
Heft ganz im Zeichen der Spurenstoffdiskussion steht: Der Platz reichte im Oktober schlicht nicht aus, um alle Beiträge,
die speziell zu diesem Heft eingegangen
waren, unterzubringen, denn aus Kostengründen kann eine Ausgabe der KA
nicht beliebig umfangreich gemacht werden. Auch die aktuellen Nachrichten in
der Rubrik „Spektrum“ beginnen mit
dem Thema „Spurenstoffe“: In Mannheim wird die bisherige Teilstrombehandlung mit Pulveraktivkohle auf 90
www.dwa.de/KA
Prozent des Abwasserstroms erweitert,
und das ohne „kurzfristige Gebührenerhöhung“. Baden-Württemberg veröffentlichte ein „Spurenstoffinventar der Fließgewässer“ (das auf der Bundestagung
Ende September in Baden-Baden bereits
in einem Vortrag angekündigt wurde).
Rheinland-Pfalz testet Nano-KeramikMembranen auf einer Kläranlage und
lässt dabei auch untersuchen, ob damit
auch Mikroschadstoffe zurückgehalten
werden. Die EU-Kommission schließlich
hat eine öffentliche Konsultation zu endokrin wirkenden Substanzen gestartet.
Keine einzige Meldung gibt es in diesem Heft übrigens zum Fracking, das
zeitweise viel Raum eingenommen hatte.
Hierzu scheint es nichts Neues zu geben.
Die Bundesregierung arbeitet an Gesetzesentwürfen zur weiteren Einschränkung dieser Gas-Fördermethode. Michael Reinhardt, Direktor des Instituts für
Deutsches und Europäisches Wasserwirtschaftsrecht der Universität Trier, macht
in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass „aber schon im geltenden
Wasserrecht die Gewässergefährdung
durch Förderung unterirdischer Gasvorkommen ‚verboten‘“ sei und „die staatliche Wasserwirtschaftsverwaltung über
ein weitreichendes und effektives Instrumentarium zur Handhabung der Gefahren des Fracking“ verfüge, also im Grunde keine Gesetzesänderung nötig sei
(www.springerprofessionals.de).
Nichts wirklich Neues gibt es auch
beim Umgang mit Klärschlamm. ClausGerhard Bergs aus dem Bundesumweltministerium berichtete auf der DWABundestagung, dass der Bundesgesetzgeber der Abwasserwirtschaft für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung voraussichtlich eine
Frist von zehn Jahren einräumen werde.
Dies seien aber lediglich „derzeitige
Überlegungen“ seines Hauses, keine abgeschlossenen Planungen. Das Thema
dürfte also noch Anlass zu manchen Vorträgen geben, etwa im nächsten Jahr,
wenn alle sieben Landesverbände ihre
Landesverbandstagungen ausrichten.
Ein anderes aktuelles Problem
scheint für die Wasserwirtschaft, zumin-
dest in Deutschland, ohne Bedeutung zu
sein: der Ebola-Ausbruch in mehreren
Ländern Westafrikas. Biologische Gefahren sind grundsätzlich durchaus ein Thema für die KA: So hatten wir vor Jahren
über BSE und seine Bedeutung für die
Wasserwirtschaft, speziell auch das Betriebspersonal von Abwasseranlagen, informiert. Man denke auch an die aktuellen Hinweise der DWA und der KA im
letzten Jahr über das Auftreten von Legionellen in Warstein. Zu Ebola und dem
Umgang mit Erkrankten und Krankheitsverdächtigen sagt nun das Robert-KochInstitut (Stand 17. Oktober 2014): „Abwasser, inklusive Stuhl und Urin, kann
außerhalb von Sonderisolierstationen
über die Toilette in das normale Abwassersystem entsorgt werden. Eine vorausgehende Desinfektion ist nicht nötig.“ In
Sonderisolierstationen scheinen nach
vorläufigen Recherchen das in ihnen anfallende Abwasser zu autoklavieren – in
Leipzig beispielsweise bei 154 °C – und
als Sondermüll zu entsorgen. In jedem
Fall bleibt zu hoffen, dass es bald gelingt, die Epidemie einzudämmen, zu
beenden und möglichst Gegenmittel zu
finden.
Allen Leserinnen und Lesern eine
spannende, anregende und nutzbringende Lektüre
Frank Bringewski
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2014 (61) · Nr. 11
956 Spektrum
Startschuss für die IFAT 2016
Das Jahr 2016 scheint noch in weiter
­Ferne, aber die Vorbereitungen für die
nächste IFAT, die vom 30. Mai bis 3. Juni
2016 in München stattfindet, sind bereits
angelaufen. Interessierte Unternehmen
können sich ab sofort online zur Weltleitmesse für Umwelttechnologien anmelden. Anmeldeschluss ist der 30. April
2015. Die letzte IFAT hatte im Jahr 2014
mit insgesamt 3081 Ausstellern aus
59 Ländern und 135 288 Besuchern aus
168 Ländern neue Bestmarken aufgestellt. Die IFAT 2016 findet etwas später
als gewohnt statt, weil für Mitte April die
bauma terminiert ist, die weltweit größte und wichtigste Baumaschinenmesse.
www.ifat.de/anmeldung
A
Zehnjahresfrist für Ausstieg
aus landwirtschaftlicher
Klärschlammverwertung
Für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung wird der
Bundesgesetzgeber der Abwasserwirtschaft voraussichtlich eine Frist von zehn
Jahren einräumen. Dies berichtete ClausGerhard Bergs, Leiter des Referats WR II
4 „Siedlungsabfälle, Thermische Behandlung von Abfällen“ im Bundesumweltministerium, auf der DWA-Bundestagung
Ende September in Baden-Baden. Bergs
betonte allerdings, dass es sich dabei lediglich um derzeitige Überlegungen seines Hauses und nicht um abgeschlossene Planungen handele. Das Bundesumweltministerium bereitet derzeit die
Umsetzung des Koalitionsvertrages vor.
CDU/CSU und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken
zu beenden und Phosphor und andere
Nährstoffe aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen. Der Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Verwertung wird aber
möglicherweise nicht für alle Kläranlagen gelten, angedacht sind Bagatellklauseln für Kläranlagen der Größenklassen 1 und 2. Hierdurch sollen vor allem
hohe wirtschaftliche Belastungen von
kleinen Kläranlagen verhindert werden.
Bei Umsetzung der aktuellen Überlegungen wäre dadurch ungefähr ab 2025 die
landwirtschaftliche Verwertung von rund
90 Prozent der Klärschlämme untersagt.
Die energetische Verwertung wäre nach
den Planungen bis 2025 für alle Klär-
schlämme unabhängig vom Phosphorgehalt möglich. Mit dem Jahr 2025 würde dann die Pflicht zur Phosphorrückgewinnung beginnen. Bei der „Mitverbrennungsoption“ müsste diese ab einem
Phosphorgehalt von 20 g/kg Trockenmasse aus dem Klärschlamm erfolgen.
Bei der „Monoverbrennungsoption“ entstünde die Pflicht zur Phosphorrückgewinnung aus der Klärschlamm-Verbrennungsasche unabhängig vom Phosphorgehalt des verbrannten Klärschlamms.
Allerdings soll wahrscheinlich auch eine Lagerung der phosphorhaltigen Klärschlammasche für eine spätere Phosphorrückgewinnung zulässig sein. A
Mannheim: Erweiterung
der 4. Reinigungsstufe
ohne „kurzfristige Gebühren­
erhöhung“
Mit einem feierlichen Spatenstich wurde
Ende September 2014 der Startschuss
zum Ausbau der 4. Reinigungsstufe im
Klärwerk Mannheim gegeben. Seit 2010
läuft im Klärwerk eine Pilotanlage im
großtechnischen Maßstab zur Beseitigung organischer Spurenstoffe aus dem
gereinigten Abwasser durch Adsorption
an Pulveraktivkohle (PAK) aus einem
Teilstrom des gereinigten Abwassers.
Aufgrund der positiven Ergebnisse wird
die PAK-Anlage jetzt für 90 % des Abwasseranfalls ausgebaut, die Gesamtkosten
betragen ca. sieben Millionen Euro. Das
Land Baden-Württemberg gibt hierfür einen Zuschuss von ca. 1,4 Millionen Euro.
Da die neue Anlage in bereits vorhandene Beckenstraßen eingebaut werden
kann, sind die Gesamtkosten für den
Ausbau überschaubar. „Eine kurzfristige
Gebührenerhöhung wird es deswegen
nicht geben“, so Betriebsleiter Alexander
Mauritz. Die Mehrkosten durch den Betrieb der PAK-Anlage bezifferten sich
langfristig auf 6 Cent pro Kubikmeter
Schmutzwasser.
A
EU-Kommission:
öffentliche Konsultation zu
Kriterien für die Identifizierung
endokriner Disruptoren
Die Europäische Kommission hat eine
Online-Konsultation im Hinblick auf die
Festlegung von Kriterien für endokrine
Disruptoren gemäß den Rechtsvorschriften über Biozide und Pflanzenschutzmit-
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2014 (61) · Nr. 11
tel gestartet. Interessenvertreter und die
allgemeine Öffentlichkeit werden eingeladen, sich zu den Optionen für Kriterien
und deren Umsetzung zu äußern. Die
Konsultation läuft bis zum 16. Januar
2015.
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20141014_004
A
Organische Spurenstoffe in
allen Gewässern in BadenWürttemberg nachweisbar
In Baden-Württemberg sind organische
Spurenstoffe grundsätzlich in allen Gewässern nachweisbar, vor allem Arzneimittelrückstände sind flächendeckend
verbreitet. Dies geht eindeutig aus dem
Anfang Oktober vom Land veröffentlichten Bericht „Spurenstoffinventar der
Fließgewässer in Baden-Württemberg“
hervor. Über einen Zeitraum von knapp
einem Jahr hat die LUBW Landesanstalt
für Umwelt, Messungen und Naturschutz
in Zusammenarbeit mit dem Technologiezentrum Wasser (TZW) in Karlsruhe
kommunale Kläranlagen und Fließgewässer im Land auf Spurenstoffe untersucht. Monatlich entnommene Proben
aus 17 Fließgewässern sowie aus den Zuund Abläufen von sechs repräsentativ
ausgewählten Kläranlagen wurden auf
insgesamt 86 Stoffe untersucht. Im Mittel wurden etwa 50 Prozent der 86 analysierten Stoffe in den Proben gefunden.
Die Untersuchung hat dabei zudem gezeigt, dass die Belastung eines Flusses
oder Baches mit dem Anteil an Abwasser
im Gewässer sowie der mittleren Wasserführung, also Abfluss und Wasserstand,
zusammenhängt. Überdurchschnittlich
belastete Fließgewässer zeichnen sich
durch eine geringe mittlere Wasserführung und einen hohen Abwasseranteil
aus. Erhebliche Unterschiede bestehen
zudem zwischen den verschiedenen Arten von Spurenstoffen. So konnten Arzneimittelrückstände flächendeckend in
allen Proben nachgewiesen werden. Besonders auffällig war zudem das giftige
und in der Umwelt nicht abbaubare Perfluoroctansulfonat (PFOS). Die Wissenschaftler haben PFOS in den kommunalen Kläranlagen nach der Reinigung des
Abwassers mit durchschnittlich 13 Nanogramm pro Liter gemessen. Geht man
von einer Verdünnung von eins zu zehn
aus, würde rechnerisch im Fließgewässer
als Eintrag aus der Kläranlage noch im-
www.dwa.de/KA
Spektrum 957
mer ein Wert von 1,3 Nanogramm pro Liter erreicht. Zum Vergleich: In der EURichtlinie 2013/39/EU wurde erstmals
im Jahr 2013 eine Umweltqualitätsnorm
für PFOS in Oberflächengewässern von
0,65 Nanogramm pro Liter festgelegt.
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20141008_003
A
Rheinland-Pfalz testet
­Nano-Keramik-Membranen
auf einer Kläranlage
Auf der Kläranlage Petersberg in Rheinland-Pfalz werden Nano-Keramik-Membranen getestet. Die größte Membrankläranlage in Rheinland-Pfalz filtere kleinste
Teilchen und erprobe die neue Technik
unter wissenschaftlicher Begleitung, erklärte Umweltministerin Ulrike Höfken
Mitte Oktober 2014 bei der Einweihung
des Neubaus der Anlage in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen-Wallhalben. Das Land fördert das Pilotprojekt
mit 1,58 Millionen Euro. Die Keramikfilter der Kläranlage haben Poren im Nanobereich. Sie sind 2000mal kleiner als ein
Haar und sollen den Eintrag von gefährlichen Keimen und Bakterien in die Gewässer reduzieren. Das Zentrum für innovative Abwassertechnologien der TU Kaiserslautern prüft über 18 Monate den Nährstoffabbau und die Energieeffizienz der
Anlage und untersucht außerdem, ob
auch Mikroschadstoffe wie Arzneimittelreste oder Pflanzenschutzmittel zurückgehalten werden können.
A
UBA legt Stellungnahme
zu Abwässern aus der
­Kaliproduktion vor
Die salzhaltigen Abwässer aus Kaliproduktion und Kalihalden belasten seit Jahrzehnten die Flüsse Werra und Weser und
gefährden das Grundwasser. Verschiedene
Gremien auf Länderebene suchen derzeit
nach Lösungen für dieses Problem. Das
Umweltbundesamt (UBA) war vom Bundesumweltministerium gebeten worden,
nur einen dieser Lösungsvorschläge isoliert zu prüfen: die so genannte Eindampfung der Abwässer mit Salzrückgewinnung. Mitte Oktober hat das UBA nun seine Stellungnahme vorgelegt. Unter den
derzeitigen Randbedingungen kann die
Behörde die „Eindampfungslösung“ allerdings nicht empfehlen: Erstens würden
www.dwa.de/KA
allein die Voruntersuchungen für den Bau
einer solchen Anlage vermutlich vier bis
fünf Jahre dauern – und damit viel zu lange, denn die Maßnahmen für einen guten
ökologischen Zustand in Werra und Weser
müssen spätestens 2015 festgelegt und
der EU-Kommission berichtet werden.
Zweitens können die Gesamtkosten erst
nach den Voruntersuchungen seriös geschätzt und erst dann beurteilt werden,
ob der Bau einer solchen Anlage für die
KS Aktiengesellschaft aus Kassel wirtschaftlich verhältnismäßig ist. Und drittens wird mit der Eindampfung das langfristige Problem der Haldenabwässer
nicht gelöst.
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20141015_004
A
Hessen und KS wollen
Salzwasserproblematik
dauerhaft lösen
Das Bundesland Hessen und der Düngemittelhersteller KS haben sich Ende
September auf einen Vier-Phasen-Plan
zur Lösung der Salzabwasserproblematik
verständigt. Langfristig sollen dadurch
Werra und Oberweser wieder Süßwasserqualität erreichen. Der in einem Eckpunktepapier vereinbarte Regelungszeitraum
reicht bis 2075. Der Eckpunkteplan sieht
vor, die Versenkung von Salzabwässern
im Untergrund bis 2021 zu beenden. Ab
2021 soll die lokale Entsorgung dann
durch den bis 2060 befristeten Betrieb einer Leitung zur Oberweser ergänzt werden, um Flexibilität bei der Entsorgung
der Abwässer zu gewinnen. Bereits ab
2017 soll eine neu entwickelte Anlage –
eine Kainit-Kristallisations-Flotationsanlage am Standort Hattorf – den Salzwasseranfall von bisher sieben Millionen Kubikmeter um 1,5 Millionen m³ auf 5,5 Millionen m³ pro Jahr verringern. Zudem soll
eine Haldenabdeckung den Haldenwasseranfall reduzieren. Diese Eckpunkte sollen in den nächsten Wochen in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag ausgearbeitet
und festgeschrieben werden.
Für KS bedeutet diese Vereinbarung
zusätzliche Investitionen in Höhe von
rund 400 Millionen Euro, die hauptsächlich in den Jahren 2018 bis 2021 getätigt
werden sollen. Ein erheblicher Teil davon fließt in die Planung, den Bau und
den Betrieb der befristeten Ergänzungsleitung an die Oberweser. Im Gegenzug
soll KS eine letztmalige und bis Ende
2021 befristete Versenkererlaubnis erhalten. Voraussetzung hierfür ist die Unbedenklichkeit der Einleitung für Grundund Trinkwasser. KS muss dies unter
anderem durch ein 3D-Modell nachweisen. Der Umfang der Versenkung wird in
sechs Jahren insgesamt circa zwölf Millionen Kubikmeter betragen (jährlich etwa
zwei Millionen Kubikmeter). Für das
Jahr 2014 liegt das genehmigte Versenkvolumen bei 4,5 Millionen Kubikmeter.
Mit Inbetriebnahme der Oberweser-Fernleitung sollen in Phase 2 der Planungen,
ab 2021, dann die Grenzwerte zur Ein­
leitung in die Werra im Vergleich zur ersten Phase gesenkt werden: Chlorid von
2500 mg/l auf 1700 mg/l, Kalium von
200 mg/l auf 150 mg/l und Magnesium
von 340 mg/l auf 230 mg/l. In der Phase 3 ab 2032 soll dann die Salzbelastung
der Werra auf 1000 mg/l Chlorid zurückgehen. Hintergrund ist, dass die Rohsalzaufbereitung am Standort Unterbreizbach/Thüringen aller Voraussicht nach
im Jahr 2032 eingestellt wird. Dies würde die Produktionsabwässer um eine
weitere Million Kubikmeter verringern.
In der Phase 4 ab Ende 2060 soll die
Werra dann Süßwasserqualität erreichen. KS geht davon aus, dass in diesem Zeitraum mit Erschöpfung der Lagerstätten die Kaliproduktion im Werk
Werra eingestellt wird und somit keine
Produktionsabwässer mehr entstehen.
Zudem soll dann die Abdeckung von
60 Prozent der Haldenfläche abgeschlossen sein. Diese Maßnahme soll das
Haldenabwasser auf 1,5 Millionen Ku­
bikmeter pro Jahr bis spätestens 2075
senken. Am Pegel Gerstungen sollen
dann die Grenzwerte 800 mg/l Chlorid,
70 mg/l Kalium und 90 mg/l Magnesium
erreicht werden. Die jetzt zwischen Hessen und KS getroffene Vereinbarung ist
in anderen Ländern allerdings nicht unumstritten. Der Weser-Anrainer Niedersachsen begrüßt zwar den geplanten Bau
einer neuen Anlage zur Reduzierung des
Salzwasseranteils. Gleichzeitig meldet
das Umweltministerium des Landes aber
Zweifel an, ob der Stufenplan die Anforderungen an den Gewässerschutz erfüllt.
Das Land will daher den Plan sorgfältig
prüfen. Gleichzeitig zeigt sich Niedersachsen erstaunt darüber, dass Hessen
die Versenkung der Salzabwässer bis
2021 genehmigen will. Eine Verlängerung der Versenkung über 2015 hinaus
sei bisher vom Land Hessen immer ausgeschlossen worden, so das niedersächsische Umweltministerium.
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KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2014 (61) · Nr. 11
958 Spektrum
Keine Einstellung der Wasserversorgung bei rückständigen
Abwassergebühren
weltverbandsklagen gegen den Ausbau
der Weser eine ähnliche Entscheidung
getroffen und mit Beschluss vom 11. Juli 2013 (BVerwG 7 A 20.11) dem EuGH
Eine Einstellung der Wasserversorgung eine Reihe von Fragen zum sogenannten
„darf nicht (auch) darauf gestützt wer- Verschlechterungsverbot und Verbesseden, dass ein Bezieher von Wasser seinen rungsgebot der Wasserrahmenrichtlinie
finanziellen Verpflichtungen wegen an- vorgelegt. Laut dem Bundesverwaltungsderer öffentlicher Forderungen, insbe- gericht ist diese noch ausstehende Eusondere wegen offener Gebühren für die GH-Entscheidung auch für das Verfahren
Abwasserentsorgung, nicht nachgekom- über die Elbvertiefung vorgreiflich, weil
men ist oder nachkommen wird.“ So ent- die Vorlagefragen sich auch hier stellen.
schied das Verwaltungsgericht Freiburg Erste Einordnungen hat das Bundesveram 4. September 2014 (Az. 4 K 1748/­ waltungsgericht im Anschluss an die
14). Die Einstellung der Wasserversor- fünftägige mündliche Verhandlung im
gung aufgrund rückständiger Forderun- Juli 2014 aber getroffen. Bei den Vergen des Versorgers sei nur dann gerecht- handlungen wurden die Gutachten der
fertigt, wenn es um Forderungen gerade Bundesanstalt für Wasserbau zu den Ausaus dem Wasserversorgungsverhältnis wirkungen des Vorhabens auf die Tidegehe. Ein Ehepaar hatte in vorliegenden wasserstände, die StrömungsgeschwinFall bei einem Kommunalunternehmen digkeiten und die Sedimentationsraten,
Gebühren in Höhe von rund 1600 Euro der Verkehrsbedarf und die Alternativenoffen, etwa die Hälfte davon für die Ab- prüfung sowie die Betroffenheit gewasserentsorgung. Das Unternehmen schützter Tier- und Pflanzenarten (zum
hatte darauf die Wasserversorgung ein- Beispiel Schierlings-Wasserfenchel, Fingestellt, wogegen das Ehepaar geklagt te, Schnäpel, afrosibirischer Knutt) erörhat. Das Gericht sieht die Verhältnismä- tert sowie über den sonstigen Streitstoff
ßigkeit nicht gewahrt und verlangt eine beraten. Nach seiner vorläufigen EinAbwägung durch den Versorger und schätzung leiden die Planfeststellungsbefragt auch, wie der Versorger „sich im schlüsse im Bereich der FFH- und der
konkreten Fall ein (menschenwürdiges) Umweltverträglichkeitsprüfung an verLeben der Antragstellerin ohne jegliche schiedenen Mängeln. Diese Mängel sind
Wasserversorgung auf Dauer vorstellt“. aber behebbar und führen weder einzeln
Ebenso hätte das Versorgungsunterneh- noch in ihrer Summe zur Aufhebung der
men abwarten können, ob das Jobcenter Planfeststellungsbeschlüsse. Für eine abdie offene Forderung durch eine Darle- schließende Entscheidung des Senats
müsse daher das Urteil des EuGH in der
hensbewilligung ablösen würde.
Rechtssache C-461/13 abgewartet werden. Die mündliche Verhandlung vor
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20141015_003
A dem EuGH hat bereits am 8. Juli 2014
stattgefunden, mit einem Urteil wird im
Frühjahr 2015 gerechnet.
während des über 60-jährigen Bestehens
der Kommission erhalten. Von einer offenen Kloake, als die der Rhein in den
1960er- und 1970er-Jahren galt, hat er
sich dank einer auf Solidarität gründenden guten Zusammenarbeit aller Staaten
wieder erholt. Die Umsetzung des Aktionsprogramms Rhein und von EU-Richtlinien hat die Wasserqualität und den
ökologischen Zustand des Rheins und
vieler seiner Nebengewässer deutlich
verbessert. Über 96 Prozent der Bevölkerung sind heute an Kläranlagen angeschlossen. Viele große Industriebetriebe
verfügen über eigene Kläranlagen. Die
Zahl der Tier- und Pflanzenarten hat zugenommen. Derzeit leben beispielsweise
wieder 63 Fischarten im Rhein. Überflutungsflächen des Rheins wurden wieder
hergestellt, Altarme wieder an den
Rheinstrom und an Nebenflüsse angeschlossen, und auf kleinen Streckenabschnitten wurden die Uferstrukturen
ökologisch aufgewertet. Auch zur Minderung negativer Folgen von Hochwasserereignissen sind beträchtliche Anstrengungen unternommen worden, unter anderem durch die Einrichtung zusätzlicher Hochwasserrückhalteräume.
Der von der International River Foundation gestiftete Thiess International
­Riverprize wurde 1999 zum ersten Mal
verliehen.
Bundesverwaltungsgericht
setzt Verfahren über Elb­
vertiefung aus
Am 10. Oktober 2013 wurde im Rahmen der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin ein Memorandum of Unterstanding zwischen
der ZongDe Metal Group (Jieyang,
Volksrepublik China) und dem Institut
IWAR der TU Darmstadt unterzeichnet.
Diese Zeremonie fand statt im Beisein
des chinesischen und des deutschen
Staatssekretärs aus den jeweiligen Wirtschaftsministerien. Prof. Peter Cornel
vom Fachgebiet Abwassertechnik des Institutes IWAR und sein Team beraten
die Zongde Metal Group bei Planung,
Bau und Betrieb von zwei semizentralen
Ver- und Entsorgungszentren auf dem
Gelände eines ökologisch ausgerichteten Industrieparks sowie eines neuen
Stadtteils in Jieyang.
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Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
hat Anfang Oktober das Verfahren der
Umweltverbände BUND und NABU gegen die Planfeststellungsbeschlüsse für
die Fahrrinnenanpassung von Unter- und
Außenelbe bis zur Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) in Luxemburg über eine bereits anhängige Vorlage zur Auslegung der Wasserrahmenrichtlinie ausgesetzt. Die Entscheidung der Richter kommt nicht überraschend. Der für das Recht der Wasserstraßen zuständige 7. Senat des Bundesverwaltungsgerichts hatte bereits im vergangenen Sommer anlässlich der Um-
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20141006_001
A
Thiess International RiverPrize
für die IKSR
Am 16. September 2014 hat die Internationale Kommission zum Schutz des
Rheins (IKSR) in Canberra (Australien)
den Thiess International RiverPrize 2014
gewonnen. Der Preis wurde dem Präsidenten der IKSR, Gustaaf Borchardt, und
der stellvertretenden Geschäftsführerin,
Anne Schulte-Wülwer-Leidig, während einer Gala-Veranstaltung überreicht.
Die IKSR hat den Preis für ihre Erfolge auf dem Gebiet des Rheinschutzes
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2014 (61) · Nr. 11
www.riverfoundation.org.au
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TU Darmstadt: Memorandum
of Unterstanding zur Unterstützung der Planungen in
China unterzeichnet
www.dwa.de/KA
Spektrum 959
Portugal drohen Zwangsgelder
wegen unzureichender Abwasserbehandlung
Wegen der mangelhaften Umsetzung
der Kommunalabwasserrichtlinie drohen Portugal Zwangsgelder der Europäischen Union. Die Europäische Kommission hat gegen Portugal Mitte Oktober
eine entsprechende Klage beim Euro­
päischen Gerichtshof eingereicht. Bereits 2009 hatte der Gerichtshof fest­
gestellt, dass Portugal seiner Verpflichtung zur ordnungsgemäßen Sammlung,
Aufbereitung und Entsorgung von kommunalem Abwasser nicht nachgekommen ist. Sieben Gemeinden mit mehr als
15 000 Einwohnern verfügten nicht
über die notwendigen Sammelsysteme,
und in 15 fehlte es an geeigneten Kläranlagen. Fünf Jahre nach dem Urteil des
Gerichtshofs erfüllen zwei Gemeinden
immer noch nicht die EU-Standards. In
Vila Real Santo António (116 500 EW)
sind die Arbeiten zwar weit vorangeschritten, doch sind zwei Bezirke noch
nicht an die Kanalisation und das Klärsystem angeschlossen. In Matosinhos
(Einwohnerwert: 287 000), einem wichtigen Fischereihafen und Industriegebiet in der Nähe von Porto, haben die
Arbeiten zur Modernisierung der Kläranlage nach den neuesten der Kommission vorliegenden Angaben noch nicht
begonnen, und das neue System kann
frühestens gegen Ende 2017 in Betrieb
genommen werden. Bis dahin werden
nicht ordnungsgemäß behandelte Abwässer weiterhin ins Meer eingeleitet.
Die Kommission hat nun eine pauschale
Geldstrafe von 4,45 Millionen Euro sowie ein tägliches Zwangsgeld von
20 196 Euro beantragt.
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EU-Kommission verklagt
Rumänien wegen Umwelt­
gefährdung durch toxischen
Abwassersee
Die Europäische Kommission verklagt
Rumänien vor dem Europäischen Gerichtshof wegen eines Verstoßes gegen
die EU-Vorschriften über Bergbauabfälle.
Die Rechtssache betrifft den BoşneagSee, einen 102 ha großen Bergeteich, der
Abfälle aus den Kupfer- und Zinkminen
in Moldova Noua˘, Rumänien, enthält
und gegenwärtig beinahe vollständig trockenliegt. Der Abwassersee ist eine erhebliche Verschmutzungsquelle, die gifti-
www.dwa.de/KA
gen Staub verbreitet und eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit und
die Umwelt darstellt. Rumänien hatte
zwar zugesagt, das Problem anzugehen,
nach Ansicht der Kommission sind bisher
aber nur unzureichende Maßnahmen getroffen worden. Die Kommission hat das
Vertragsverletzungsverfahren gegen Rumänien im Oktober 2012 mit einem Aufforderungsschreiben und einer anschließenden mit Gründen versehenen Stellungnahme (Februar 2014) eingeleitet.
In seiner Antwort räumte Rumänien ein,
dass der Boşneag-Abwassersee bei windigen Wetterverhältnissen eine Verschmutzungsquelle darstelle und Handlungsbedarf bestehe. Zwar wurden bestimmte
Maßnahmen vorgeschlagen, unter anderem die Einrichtung eines Benetzungssystems, konkrete Maßnahmen blieben
jedoch aus.
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20141016_006
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Griechenland droht Strafgeld
wegen unzulänglicher Behandlung gefährlicher Abfälle
Griechenland droht seitens der Europäischen Union eine empfindliche Geldstrafe wegen der unzulänglichen Behandlung gefährlicher Abfälle. Die EUKommission hat Ende September den
Europäischen Gerichtshof aufgefordert, gegen Griechenland eine einmalige Strafe in Höhe von knapp 15 Millionen ­Euro sowie ein tägliches Zwangsgeld von 72 864 Euro bis zur Erfüllung
der Auflagen zu verhängen. 2009 hatte der E
­ uGH in einem Urteil gegen Griechenland das Fehlen eines Bewirtschaftungsplans für die verschiedenen Arten
gefährlicher Abfälle wie medizinische
Abfälle und Chemikalien, die lange Zeit
in der Umwelt verbleiben und vermutlich krebserregend sind [polychlorierte Biphenyle (PCB) und polychlorierte Terphenyle (PCT)], bemängelt. Nach
Ansicht der EU-Kommission liegt auch
fünf Jahre später weder ein entsprechender Bewirtschaftungsplan vor noch
stehen angemessene Anlagen zur Verfügung, um die produzierten gefährlichen
Abfälle zu bewirtschaften. Beispielhaft
führt die Kommission Anlagen für die
Altölaufbereitung, die Behandlung von
Altfahrzeugen, das Recyceln von Batterien und die Rückgewinnung bestimmter Metalle an.
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CARISMO für den Deutschen
Nachhaltigkeitspreis nominiert
Das Berliner Abwasserbehandlungskonzept CARISMO (CARbon IS MOney) wurde Anfang Oktober für den Deutschen
Nachhaltigkeitspreis Forschung 2014 nominiert. Forscher des Kompetenzzentrums
Wasser Berlin haben seit 2011 gemeinsam
mit den Berliner Wasserbetrieben und Veolia das Konzept entwickelt. Ziel des Projekts CARISMO war es, im Abwasser vorhandenes Energiepotenzial bestmöglich
auszuschöpfen: Ein neues Filterverfahren
holt hierfür die energiereichen organischen Stoffe schon im Zulauf der Kläranlage aus dem Abwasser und überführt sie direkt in die Schlammfaulung, wo über den
Weg der Biogasgewinnung Strom erzeugt
wird. Der energieaufwendige Weg der
„Schlammbelebung“ entfällt damit. Bestehende Klärbecken können ohne großen
Mehraufwand umgebaut und genutzt
werden. Neue Anlagen nach dem CARISMO-Prinzip kosten im Betrieb laut den
Berliner Wasserbetrieben zudem nicht
mehr als herkömmliche Anlagen. Im Pilotversuch über 18 Monate wurde Berliner
Rohabwasser über Trommelsiebe von bis
zu 80 Prozent der Organik und des Nährstoffs Phosphor befreit. Der gewonnene
Schlamm lieferte gut 80 Prozent mehr Biogas als herkömmliche Systeme. Der Stromverbrauch für die Abwasserreinigung halbierte sich, ihr Prozess wurde energiepositiv. Die Pilotversuche für das Forschungsprojekt fanden im Berliner Klärwerk
Stahnsdorf mit Spezialisten der Wasserbetriebe statt. Jetzt wird ein Folgeprojekt
vorbereitet. Denn den Kohlenstoff, der
durch die CARISMO-Methode aus dem
Abwasser entfernt worden ist, benötigen
die Mikroorganismen im Klärbecken eigentlich für eine wirksame Stickstoffentfernung. Er müsste also zumindest teilweise wieder zugesetzt werden. Das neue Vorhaben sucht nach innovativen Technologien zur alternativen Stickstoffentfernung
aus dem mit CARISMO bereits behandeltem Abwasser. Die Kombination beider
Methoden soll energiepositive Klärwerke
mit hoher Ablaufqualität ermöglichen.
Der Sieger des Forschungspreises
2014 wird in Kooperation mit der Wissenschaftssendung „nano“ (3sat) über
ein Online-Voting ermittelt und im Rahmen der Preisverleihung am 28. November 2014 bekanntgegeben. Das Voting
läuft bis zum 20. November 2014.
www.forschungspreis.de
A
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2014 (61) · Nr. 11
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