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AUS- UND WEITERBILDUNG8–32

EinbettenHerunterladen
138. Jahrgang
www.frankfurt-main.ihk.de
AUS- UND
WEITERBILDUNG
03.15
A 4836
8–32
BILDUNGSREFORM – AUSBILDUNG IM WANDEL – AZUBIMARKETING – IHK-FOSA – BILDUNG UND SPRACHE
STANDORTPOLITIK
STARTHILFE
UMWELT
STEUERN
Gasthaussterben in
Hessen: „Ein gefährdetes Kulturgut“ 33
Existenzgründung:
ein gelungener
Rollentausch
42
Energiewende:
Strom – regional,
grün, günstig
46
IHK-Bezirk: Kommunen drehen an den
Steuerschrauben 54
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Vorwort
Herausforderungen annehmen
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
W
„Wir müssen noch aufmerksamer auf
früh erkennbare Defizite reagieren.“
as sich heute in unbesetzten Ausbildungsstellen niederschlägt,
macht sich morgen als Fachkräftemangel bemerkbar. Einer
solchen Entwicklung müssen wir – in der Metropolregion
FrankfurtRheinMain und natürlich auch im Main-Taunus-Kreis – entgegenwirken. In Fachrunden, wie etwa im Netzwerk Jugend und Beruf
Main-Taunus-Kreis, und im Rahmen einer Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie möchten wir gezielt die Ausbildungsreife von jungen
Erwachsenen fördern und deren Berufsorientierung unterstützen, die
Übergänge in der Berufsausbildung erleichtern, die Ressourcen des
Arbeitsmarkts ausschöpfen sowie Zuwanderer und Flüchtlinge zügig und
nachhaltig in unsere Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt integrieren.
Um all dies zu leisten, müssen wir noch aufmerksamer und intensiver als bisher auf früh erkennbare Defizite reagieren, etwa indem
wir die individuellen Stärken junger Menschen erkennen und darauf
aufbauend Perspektiven entwickeln. Dem Fachkräftemangel können
wir nur begegnen, wenn wir allen Menschen die Chance eröffnen,
am Ausbildungs- und Arbeitsprozess teilzuhaben. So hat der MainTaunus-Kreis gemeinsam mit den Kommunen ein differenziertes
Betreuungsangebot aufgebaut, damit Mütter und Väter Arbeit und
Familie besser vereinbaren können.
Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen, ist Aufgabe der Unternehmen. Die jungen Menschen darauf vorzubereiten, dazu können
und müssen die Kommunen und Landkreise einen Beitrag leisten – und
diese Herausforderung nehmen wir an.
Wolfgang Kollmeier
Erster Kreisbeigeordneter,
Main-Taunus-Kreis
IHK WirtschaftsForum 03.15
3
08–32
INHALT 03.15
VORWORT 3
3
Herausforderungen annehmen Wolfgang Kollmeier,
Erster Kreisbeigeordneter, Main-Taunus-Kreis
SPECIAL AUS- UND WEITERBILDUNG 3
8
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14
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18
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28
30
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Bildungsreform Gut Ding hat keine Weile
Kompetenzorientierung Berufsausbildung im Wandel
Personalgewinnung Beim Recruiting kooperieren
Azubi-Marketing Die richtigen Kanäle bespielen
Bildungschancen Auf die Sprache kommt es an
IHK-Fosa Bildungsnachweise anerkennen
Agentur für Arbeit Partner der Wirtschaft
Kaufleute für Büromanagement „Eine große Aufwertung“
Weiterbildung Heute Trend, morgen Standard
Deutscher Qualifikationsrahmen Weiterbildung auf Höhenflug
Gütesiegel Qualitätsmanagement an Schulen
IHK WirtschaftsForum 03.15
33
42
50
38
STANDORTPOLITIK 3
33
36
38
40
41
Gasthaussterben „Ein gefährdetes Kulturgut“
Hessen „Unserem Land geht es gut“
Vitale Innenstadt Bestnote für die Erreichbarkeit
Main-Taunus-Kreis Auschwitz und die Freiheit heute
Forum Ehrensache Mehr Wert schöpfen
UNTERNEHMENSFÖRDERUNG UND STARTHILFE 3
INTERNATIONAL 3
48 Hessischer Exportpreis Internationale Erfolgsrezepte
50 Brasilien Trinkwasser – ein kostbares Gut
52 Hessischer Außenwirtschaftstag Wachstumsmärkte im Fokus
RECHT UND STEUERN 3
54 IHK-Bezirk Frankfurt An den Steuerschrauben gedreht
56 EU-Bilanzrichtlinie Harmonisierung schreitet voran
42 Serie Existenzgründung Ein gelungener Rollentausch
AUS- UND WEITERBILDUNG 3
UNTERNEHMENSREPORT 3
58 Argand’Or Der Baum des Lebens
44 IHK-Bildungszentrum
67 VORSCHAU | UNTERNEHMENSREPORT |
INNOVATION UND UMWELT 3
BEIM NAMEN GENANNT | IMPRESSUM 3
45 Normen Katalysator für Innovationen
46 Energiewende Strom – regional, grün, günstig
Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt eine Beilage der Schultz GmbH & Co. KG,
Wiesbaden, bei. Wir bitten um freundliche Beachtung!
IHK WirtschaftsForum 03.15
5
KURZMELDUNGEN
FOTO: PICTURE-ALLIANCE
STEUERN
Erbschaftsteuer: Rechtssicherheit
schaffen
Die vom Bundesverfassungsgericht
geforderten Neuregelungen bei
der Erbschaftsteuer sollen zügig
und auf keinen Fall rückwirkend
in Kraft treten. Damit geht die
Bundesregierung auf zentrale Forderungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags ein.
DIHK-Präsident Eric Schweitzer
hatte sich dafür eingesetzt, „dass
die Unternehmen beim Thema Erbschaftsteuer baldmöglichst wissen,
wo sie stehen. „Mit der gebotenen
Sorgfalt müsse in den kommenden Monaten Rechtssicherheit
geschaffen werden. Schweitzer
betonte: „Ansonsten befürchten
wir negative Auswirkungen auf
Investitionsentscheidungen und
Arbeitsplätze.“
❙
UMWELT
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat ihren
Bericht zur Rohstoffproduktion in
Deutschland, zum Rohstoffimport
und zur Preisentwicklung an den
Rohstoffmärkten vorgelegt. Danach wurden in 2013 energetische und mineralische Rohstoffe
im Wert von 142,8 Milliarden
Euro importiert. Die Top-fünfRohstoffe (Erdgas, Braunkohle,
Erdöl, Sand, Steine) machen 70
Prozent des Werts aus. Der Wert in
Deutschland geförderter Rohstoffe
erreicht mit 14,8 Milliarden Euro
dagegen nur ein Zehntel. Trotz
erhöhten Welthandels hat sich der
allgemeine Trend nachgebender
Rohstoffpreise ab Mitte 2011
in 2012 und 2013 fortgesetzt.
Mittelfristig wird eine leichte
Erhöhung der Rohstoffpreise erwartet, vor allem der Preise für die
konjunkturabhängigen Industriemetalle. Deutschland deckt seinen
Bedarf an Energierohstoffen nur
bei Braunkohle zu 100 Prozent aus
eigenen Vorkommen. Erneuerbare
Energien und die Kernkraft gelten
6
FOTO: PICTURE-ALLIANCE / DPA
90 Prozent der Rohstoffe werden
importiert
RECHT
Umfrage zur Arbeitsstättenverordnung
Metallspinde für alle, Fenster für
jede Toilette, Gasmasken für Kellner
in Raucherkneipen: Viele solcher
Fragen sind aufgekommen durch
den Entwurf der neuen Arbeitsstättenverordnung (AVO), den
die Bundesregierung im Oktober
verabschiedet hat. Die Arbeitsstättenverordnung legt fest, was
der Arbeitgeber beim Einrichten
und Betreiben von Arbeitsstätten in Bezug auf die Sicherheit
und den Gesundheitsschutz der
Beschäftigten zu beachten hat.
Geregelt werden etwa Anforderungen an Arbeitsräume, Pausen-,
Bereitschafts- und Sanitärräume,
Beleuchtung, Belüftung und Raumtemperatur. „Die neue AVO sorgt
wegen möglicher Überregulierung
für Verunsicherung in der Wirtschaft“, sagt Prof. Mathias Müller,
IHK-Präsident. Noch ist die neue
AVO nicht in Kraft. Die hessischen
IHKs und Handwerkskammern und
der Dehoga Hessen wollen die Belastungen der Wirtschaft ermitteln
und rufen daher Unternehmen zur
Teilnahme an einer Onlineumfrage
unter www.arbeitsstaetten-verordnung.de auf. Je nach Ergebnis
wollen sie im nächsten Schritt dann
Korrekturen des Verordnungsentwurfs anmahnen.
❙
STANDORTPOLITIK
Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
ebenfalls als vollständig heimische Energieträger. Erdöl, der
wichtigste Primärenergieträger,
muss fast vollständig importiert
werden. Bei Erdgas und Steinkohle liegt die Importquote bei
88 beziehungsweise 87 Prozent.
Bis 2018 wird die deutsche Steinkohleförderung eingestellt und die
konventionelle Erdgasförderung
geht ebenfalls stark zurück. Die
Importquote und -abhängigkeit
bei Energierohstoffen steigt damit
weiter an.
❙
Für den Ausbau kommunaler Schienenstrecken, Radwege und Straßen
sowie die barrierefreie Gestaltung
von Bahnstationen und Bushaltestellen hat Hessen im vergangenen Jahr rund 91,6 Millionen Euro
bewilligt. Das Geld verteilt sich
auf 139 Projekte in Kommunen,
Landkreisen und Unternehmen
des öffentlichen Personennahverkehrs. Auf ÖPNV-Projekte entfallen
47,6 Millionen Euro, auf den kommunalen Straßenbau 44 Millionen
Euro. „Die Landesregierung erfüllt
ihre Zusage, die beiden Förderberei-
che ins Gleichgewicht zu bringen“,
sagte Tarek Al-Wazir, hessischer
Wirtschaftsminister. Ein Schwerpunkt lag auf dem barrierefreien
Ausbau von Haltestellen und Bahnhöfen (18,2 Millionen Euro). Weitere 24,2 Millionen Euro dienen dem
Bau oder Ausbau von Schienenstrecken. Allein die neue S-Bahnstation Gateway Gardens am
Frankfurter Flughafen unterstützt
das Land mit 22 Millionen Euro.
Kommunale Rad- und Gehwegvorhaben wurden insgesamt mit rund
12,5 Millionen Euro gefördert. ❙
IHK WirtschaftsForum 03.15
FOTO: PICTURE-ALLIANCE / DPA
STANDORTPOLITIK
Schiersteiner Brücke:
Sperrung führt zu Verkehrschaos
Der Zustand der Infrastruktur
in Hessen hat sich dramatisch
verschlechtert. Das wachsende
Verkehrsaufkommen führt zu
einem beschleunigten Verschleiß
der Straßen und Brücken. Ein
Musterbeispiel hierfür ist die
Schiersteiner Brücke zwischen
Wiesbaden und Mainz, die Anfang
Februar wegen Schäden an einem
Pfeiler und einer Fahrbahnabsenkung aus Sicherheitsgründen
voll gesperrt werden musste. Das
Resultat ist ein Verkehrschaos,
das weit über die morgendliche
Rushhour hinausreicht und dessen
Auswirkungen in der gesamten
RheinMain-Region spürbar sind.
Seit Langem fordert die IHKArbeitsgemeinschaft Hessen,
dass mehr in den Erhalt und den
Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
investiert werden muss. Wichtig
sind zudem regelmäßige und
bundesweit einheitliche Netzzustands- und Netzleistungsberichte, um Überraschungen wie an
der Schiersteiner Brücke vorzubeugen. Es steht zu befürchten,
dass sich ähnliche Meldungen
in Zukunft häufen werden, wenn
nicht bald ausreichende Mittel
für die nötigen Reparaturen zur
Verfügung stehen. Wird zu spät
investiert, führt dies zu Verkehrsproblemen und gefährdet die
Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.
Zudem sind die Kosten für nicht
aufschiebbare Reparaturen sehr
viel höher als bei rechtzeitiger
Schadensbehebung. Staus, Verspätungen und Umwege führen
zu hohen zusätzlichen Kosten
und Umweltbelastungen für
Wirtschaft und Gesellschaft. Die
Arbeitsgemeinschaft fordert, dort
zu investieren, wo das Verkehrsaufkommen am höchsten und der
wirtschaftliche Nutzen am größten ist – das heißt in erster Linie in
Hessen. Ohne eine leistungsfähige
Verkehrsinfrastruktur kann Hessen als europäische Verkehrsdrehscheibe im internationalen
Standortwettbewerb langfristig
nicht mithalten.
❙
FOTO: PICTURE-ALLIANCE / R. GOLDMANN
RECHT
STANDORTPOLITIK
Mindestlohn: schnelle Anpassung
notwendig
Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland der Mindestlohn und schon
jetzt ist klar: Er bringt erhebliche
Rechtsunsicherheit und bürokratische Belastungen für die
Unternehmen mit sich. Dies gilt
beispielsweise für Haftungsfragen und Regelungen bei Praktika
sowie für die umfangreichen und
aufwendigen Aufzeichnungspflichten, selbst wenn die gezahlten Löhne weit über dem
IHK WirtschaftsForum 03.15
Mindestsatz von 8,50 Euro liegen.
Eric Schweitzer, DIHK-Präsident,
stellt fest: „Das passt alles nicht
zum erklärten Willen der Bundesregierung, die Bürokratiebelastungen für die Wirtschaft nicht
weiter zu steigern.“ Nun stellt
Bundeskanzlerin Angela Merkel in
Aussicht, die Probleme bis Ostern
zu überprüfen. Hier sind eine offene und ehrliche Evaluation sowie
schnelle Anpassungen nötig. ❙
„One in, one out“-Regel soll kommen
Das Eckpunktepapier der Bundesregierung zum Bürokratieabbau sieht
die Einführung der sogenannten
„One in, one out“-Regel vor. Sie
besagt, dass für jede belastende eine
entlastende gesetzliche Maßnahme
beschlossen werden muss. Der DIHK
hatte eine solche Regel als Ersatz für
ein konkretes Abbauziel gefordert. In
der Diskussion sind eine Umsetzung
rückwirkend zum 1. Januar und
eine breite Anwendung auf das
nationale Recht – also ohne diverse
Ausnahmen wie in Großbritannien,
dem Mutterland von One in, one
out. Dieser Stopp der Belastungen
ist ein wichtiger Zwischenschritt
beim Bürokratieabbau.
❙
UMWELT
Tür für Fracking muss offen bleiben
Mit einer eigenen Stellungnahme
zum Fracking-Gesetz hat sich der
DIHK in den laufenden Gesetzgebungsprozess eingeschaltet. Nach
sorgfältiger Abwägung spricht er
sich dafür aus, die Technologie –
mit Rücksicht auf den Umweltund Gewässerschutz – weiter
zu erproben. Damit stellt er sich
grundsätzlich hinter den Referen-
tenentwurf, sieht allerdings noch
Verbesserungsbedarf: So sollen
insbesondere der Arbeitsauftrag
der unabhängigen Expertenkommission näher bestimmt und die
Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für Erkundungen von einer allgemeinen
Vorprüfung des Einzelfalls abhängig gemacht werden.
❙
7
FOTO: MAURITIUS IMAGES / WAVEBREAKMEDIA
Über 80 Prozent der Unternehmen beklagen die
mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern.
BILDUNGSREFORM
GUT DING HAT KEINE WEILE
Mit Bildungsinitiativen versucht die schwarz-grüne Landesregierung mehr Ruhe in die seit Jahrzehnten heftig
diskutierte Schul- und Berufsausbildungspolitik zu bringen. Die große Bildungsreform steht indes noch aus.
W
ann werden diese Schulabgänger endlich besser, und wann
endlich sorgen die Schulen für genügend ausbildungsreife
Bewerber: Diese Fragen stehen unausgesprochen hinter den
Antworten, die die IHK-Organisation Jahr um Jahr in ihrer Umfrage zur
Aus- und zur Weiterbildungsbereitschaft ihrer Unternehmen erhebt.
Dass manche Unternehmen mit ihrer Kritik müde werden und für die
Panelbefragung nicht mehr zur Verfügung stehen, lässt sich an der
rückläufigen Beteiligung erkennen. Schließlich scheint es, als wären
die Kritiken seit Jahren wirkungslos. Nach wie vor sehen 82 Prozent
der Unternehmen die Ausbildungsreife junger Menschen als größtes
Hemmnis für ihre Ausbildungsbereitschaft. Und nach wie vor sehen
sie hierbei mangelnde Deutschkenntnisse und Rechenfertigkeiten als
größtes Manko an, gefolgt von Leistungsbereitschaft und Disziplin.
Hessische Unternehmen reagieren bei der Suche nach geeigneten
Bewerbern mit einem stärkeren Mix in ihren Akquisemethoden. Neben
Inseraten auf der Firmenhomepage und in der IHK-Lehrstellenbörse
setzen sie aber auch auf die Arbeitsagentur und auf erste Kontakte
über Schülerpraktika.
8
Klar ist: Unternehmen sind gewohnt, dass ein Umsteuern recht
kurzfristige Wirkung erzielt. Bei Bildungsreformen können hingegen
etliche Jahre ins Land gehen, bis sie greifen. Wie bei jeder Weiterbildungsmaßnahme gilt hier auch, dass nicht nur Einstellungen, sondern
auch das Verhalten sowohl von Lehrern wie auch von Schülern verändert
werden muss. Dagegen kann die Produktumstellung in einem Unternehmen manchmal kurzfristig vonstatten gehen. Geduld ist daher gefragt,
nicht aber Resignation. Zwar ist der Erlass zur Berufsorientierung an
Hessens Schulen schon seit anderthalb Jahren auf den Weg gebracht,
aber es wird noch einige Zeit dauern, bis er an den Schulen gelebt
wird, besonders an den Gymnasien.
Politische Leitlinien
Wenn IHK-Mitgliedsunternehmen testen wollen, wie weit es mit der
Berufsorientierung an der Schule ihres Bewerbers ist, so kann es den
Bewerber nach dem ausgefüllten Berufswahlpass fragen oder recherchieren, ob sich die Schule in einem Audit für das Berufswahlgütesiegel
hat zertifizieren lassen. Auskünfte hierüber erteilt auch die zuständige
IHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
IHK. Berücksichtigt man zudem, dass Studien zufolge die wichtigsten
Ratgeber für die Berufswahl immer noch die Eltern oder auch der
Freundeskreis sind, so könnte man auch über die Effektivität von
Schulpatenschaften und die Zusammenarbeit mit Lehrern nachdenken.
Bildungsreformen dauern etwas länger. Es scheint so, als hätte die
jetzige Landesregierung aus dem ständigen Wechsel im Kultusministerium gelernt, als sie den Bildungsgipfel in den Koalitionsverhandlungen
vereinbarte. Dieser soll mit den gesellschaftlich relevanten Gruppen – auch
mit der IHK-Arbeitsgemeinschaft Hessen – politische Leitlinien für die Bildungspolitik der nächsten zehn Jahre festlegen und somit für Schulfrieden
sorgen. Allerdings benötigte die Landesregierung ein Dreivierteljahr bis zum
Auftakt des Bildungsgipfels, womit schon wieder ein Schülerjahrgang ins
Land gegangen ist. Schade auch, dass dort die Themen Berufsorientierung
und Reform und Reduktion des Übergangsbereichs eingebracht werden, die
bereits 2012 gemeinsam mit Wirtschaftsorganisationen, Gewerkschaften
und Landesregierung in dem die Landesregierung beratenden Gremium,
dem Landesausschuss für Berufsbildung, endverhandelt wurden.
Finanzielle Sicherheit
Bis nun die Reform des Übergangsbereichs – der sogenannten Warteschleifen aus berufsvorbereitenden Lehrgängen bei beruflichen Schulen
oder Bildungsanbietern – angegangen wird, werden drei Schülerjahrgänge
ins Land gegangen sein. Schade auch für die Fortsetzung des Ausbildungspakts, der seit 2012 auf Eis lag und nun als Abkommen mit den
Wirtschaftsorganisationen, wie IHK-Arbeitsgemeinschaft Hessen, den
Kommunen, Arbeitsagenturen, Gewerkschaften und der Landesregierung
zur Stärkung der Attraktivität und Qualität von dualer Berufsausbildung
verabredet wurde. Auch hierfür wurden Jahre und Schülerjahrgänge
verschenkt und dem Rhythmus der Wahlkämpfe untergeordnet.
Bildungsreformen finden nicht statt. Dies gilt zumindest für den Bereich
der Weiterbildung, für den die Landesregierung einen Weiterbildungspakt
verabredet hat. Er soll den öffentlich finanzierten Anbietern von allgemeiner,
politischer, aber auch beruflicher Weiterbildung die finanzielle Sicherheit
während der nächsten zehn Jahre bieten. Hier handelt es sich weniger um
eine Verabredung mit unterschiedlichen Institutionen zur Weiterbildung,
sondern um eine bilaterale Absprache zwischen Finanzier und Fördernehmer. In diesem Zusammenhang verzichtet das Kultusministerium auf
eine große Reform und lässt die Anbieter selbst ihre Rahmenbedingungen
skizzieren. Weder wird dabei die Effizienz des Gesetzes für Bildungsurlaub
hinterfragt, das vornehmlich von Mitarbeitern von Großunternehmen
oder im öffentlichen Dienst genutzt wird. Noch wird untersucht, ob die
Hessen-Campus-Initiative der Vorgängerregierungen wirklich zu mehr
Weiterbildungsberatungen und einer Steigerung der Weiterbildungsbereitschaft in den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten geführt hat.
Messbare Indikatoren und Ziele
Zu diesen regional verabredeten Kooperationen hat sich die IHK-Arbeitsgemeinschaft schon vor Jahren mit ihren Vollversammlungen positioniert:
Volkshochschulen und andere öffentlich finanzierte Anbieter sollten nicht
mit subventionierten Preisen IHK-zugehörigen privaten Bildungsunternehmen Konkurrenz machen. Diese Forderung, die der Frankfurter IHKAusschuss Bildungswirtschaft gegenüber dem bildungspolitischen Sprecher
der CDU, Günther Schork, im vergangenen Herbst wiederholte, wird er auch
als Maßstab an den Weiterbildungspakt der Landesregierung anlegen.
IHK WirtschaftsForum 03.15
Da Bildungsreformen Menschen und ihr Handeln verändern sollen, ist Geduld, aber auch Hartnäckigkeit bei der Umsetzung gefragt.
Nicht das zur Verfügung gestellte Geld, das in den Sonntagsreden
der Politiker gern beziffert wird, zählt, sondern der Übergang in
Berufsausbildung, Arbeit oder Studium. Daher haben die hessischen
Industrie- und Handelskammern bei der Umsetzung des Bündnisses
für Ausbildung oder bei den Verabredungen zur Berufsorientierung in den lokalen Olov-Netzwerken (Optimierung der lokalen
Vermittlungsarbeit) darauf gedrungen, messbare Indikatoren und
Ziele zu vereinbaren. Sie haben diese Ergebnisorientierung auch bei
der Neukonzeption ihres eigenen Schulpreises berücksichtigt und
erstmals einen Preis an die Haupt- und Realschulen vergeben, die
nachweisbar vielen Schülern nach ihrem Abschluss eine berufliche
Perspektive vermittelt und sie in Berufsausbildung gebracht haben.
Damit wollen sie der Politik zeigen, was für Bildungsreformen gelten
muss: Das Ergebnis ist entscheidend und nicht allein die Höhe des
❙
für den Bildungsbereich investierten Betrags.
AUTORIN
DR. BRIGITTE
SCHEUERLE
Geschäftsführerin, Aus- und
Weiterbildung,
IHK Frankfurt
b.scheuerle@
frankfurt-main.
ihk.de
9
KOMPETENZORIENTIERUNG
BERUFSAUSBILDUNG IM WANDEL
Mit der Entwicklung zur kompetenzorientierten Berufsausbildung wandeln sich die traditionellen Aufgaben
der Ausbilder. Waren sie in der Vergangenheit überwiegend zuständig für die betriebliche Unterweisung, sind
sie heutzutage eher Lernbegleiter oder Coachs.
M
an stelle sich vor: Das Ende der Ausbildungszeit ist erreicht, die
Prüfungen sind abgeschlossen und die Ergebnisse der Industrieund Handelskammer liegen vor. Die Auszubildenden mit den
besten Ergebnissen werden mit Prämien belohnt und die Übernahme in
eine Festanstellung ist diesen Absolventen sicher. Können nicht alle Auszubildenden übernommen werden, haben Auslernende mit schwachen Prüfungsergebnissen das Nachsehen und müssen das Unternehmen verlassen.
Ein Kriterium von vielen
Dieses Szenario ist in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar, leider aber noch
immer Realität. Gute Prüfungsergebnisse sind jedoch nur ein Kriterium von
vielen, die die Weiterentwicklung der Kompetenzen eines jungen Menschen
in der Berufsausbildung aufzeigen: Prüfungsergebnisse lassen allenfalls vermuten, dass die Absolventen mit dem gebotenen Lernstoff besser umgehen
konnten als solche mit schlechteren Prüfungsleistungen. Ein Prüfungsergebnis
bewertet lediglich einen Teilausschnitt der beruflichen Kompetenzen eines
Auslernenden. Wenn es also darum geht, mit einem neuen Verständnis von
Bildung die Kompetenzen der Mitarbeiter lebenslang weiterzuentwickeln,
muss eine Abkehr von dem Goldenen Kalb der Prüfungsleistungen stattfinden
und bereits in der Berufsausbildung damit begonnen werden.
Die Unternehmen machen ihren Fachkräftenachwuchs in der Berufsausbildung für das Berufsleben allgemein, für den gewählten Beruf im Besonderen und für das Unternehmen fit. Das Ziel ist dabei keinesfalls primär,
dass Auszubildende mit gut gelernten Daten, Fakten und Informationen
eine theoretische Abschlussprüfung erfolgreich bestehen. Dies ist auch
vom Gesetzgeber nirgends gefordert. Als ausschließliches Ausbildungsziel
wäre es volks- und betriebswirtschaftlich sogar unverantwortlich, da ausschließlich die lernbesten und nicht die kompetentesten Nachwuchskräfte
das Reservoir der künftigen Fach- und Führungskräfte bilden würden.
Eigenverantwortung fördern
In den Ausbildungsordnungen und den Rahmenlehrplänen der kaufmännischen Berufsausbildungen wird deutlich auf die Anforderungen
Handlungsorientierung und Eigenverantwortlichkeit als Ziel einer
Berufsausbildung hingewiesen. So heißt es in den Rahmenlehrplänen
in Teil zwei: „Die aufgeführten Ziele sind auf die Entwicklung von
Handlungsorientierung gerichtet. Diese wird hier verstanden als die
Bereitschaft und Fähigkeit des Einzelnen, sich in gesellschaftlichen,
beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie
individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.“ Weiterhin fordern die
Verordnungen über die Berufsausbildung für die praktische Ausbildung,
„dass der Auszubildende zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen
Tätigkeit […] befähigt wird, die insbesondere selbstständiges Planen,
Durchführen und Kontrollieren einschließt“.
10
IHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
„Wir brauchen für die deutschen Unternehmen, wenn sie im
internationalen Wettbewerb dauerhaft mithalten wollen, ein
neues Verständnis von Bildung. Es wird mehr darum gehen, die
Kompetenzen der Mitarbeiter lebenslang weiterzuentwickeln und
diese auf deren individuelle Ansprüche und die des Unternehmens
selbst auszurichten. Es wird daher viel weniger um Abschlüsse
und Abschlussorientierung im Lebensbildungszyklus gehen.“
Nicole Gaiziunas-Jahns und Josef Krieg, Vorwort der Herausgeber,
Weiterbildungsstudie „Lernen im Jahr 2030“
Das bedeutet: Fachkompetenz ist in der Berufsausbildung gleichrangig mit persönlicher, sozialer und pädagogischer Kompetenz zu
vermitteln, um jungen Menschen eine ganzheitliche Entwicklung zu
ermöglichen. Eine verantwortungsbewusste Ausbildung führt junge
Menschen angemessen an die Berufswelt und den gewählten Beruf
heran. Sie hilft ihnen dabei, die individuellen Voraussetzungen für ihr
optimales Lernen zu erkennen und mit all ihrer Kompetenz die Fähigkeit
zu entwickeln, zielorientiert nach Problemlösungen für die Bearbeitung
von Aufgaben zu suchen.
von Lehrgängen und simulierten Projekten in Lehrwerkstätten, sind ihre
Aufgaben heute andere. Bezeichnungen wie Lernbegleiter oder Coach
signalisieren diesen Rollenwechsel.
Die künftigen Herausforderungen für das betriebliche Bildungspersonal
sind eindeutig: Den Auszubildenden ist Lernen zu ermöglichen, anstatt sie
zu unterweisen und zu belehren. Fehler müssen als Lernchancen begriffen
werden, die zuzulassen sind, statt sie von vornherein mit falsch verstandener Hilfsbereitschaft zu verhindern. Es gilt, geeignete Arbeitsaufgaben
zu erteilen, die alternative Vorgehensweisen und selbst gefundene Lösungen zulassen. Dabei zeigen Ausbilder lediglich die Möglichkeiten auf,
eigeninitiativ an Informationen zu kommen und sich Lösungshilfen zu
beschaffen. Ausbildungspersonal gibt Auszubildenden Hilfestellungen, die
sich mehr auf den Arbeitsprozess und weniger auf die direkte Bewältigung
der Aufgaben beziehen. Gute Ausbilder stellen künftig die Lernenden in
❙
den Vordergrund und nicht mehr das zu Lernende.
Lernen ermöglichen
Mit einer kompetenzorientierten Berufsausbildung wandeln sich auch
die traditionellen Aufgaben der Ausbilder. Waren sie in der Vergangenheit zuständig für die betriebliche Unterweisung, die Durchführung
AUTOREN
MICHAEL KRIEGER (l.)
Alternierender
Vorsitzender, Berufsbildungsausschuss,
IHK Frankfurt
michael.krieger@
vogel-krieger.de
JÖRG FERRANDO (r.)
Alternierender
Vorsitzender, Berufsbildungsausschuss,
IHK Frankfurt
joerg.ferrando@
igmetall.de
International. Individual. Inspiring.
Wer von beiden
wird international
Karriere machen?
Beide.
Bachelor-Studiengänge
B.A. International Management
B.A. Communications & Marketing
B.Sc. Finance & Management
B.Sc. Online-Marketing & E-Commerce
B.A. Tourism & Event Management
B.A. Psychology & Management
B.A. Global Brand & Fashion Management
Berufsbegleitende Studiengänge
B.A. Business Administration
M.A. Management
www.ism.de
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IHK WirtschaftsForum 03.15
Campus Dortmund, Frankfurt/Main,
München, Hamburg und Köln
05.02.15 15:31
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PERSONALGEWINNUNG
BEIM RECRUITING KOOPERIEREN
Jeder Job kann nur einmal vergeben werden. Das ist Fakt. Doch meist sind die anderen Kandidaten, die ebenfalls in
die engere Wahl gekommen sind, auch Topbewerber. Unternehmen könnten sich diese Bewerber abgeben und damit
zugleich den Arbeitsmarkt in der Region stärken.
12
FOTO: GETTYIMAGES / ERHUI1979
D
er Fokus in der Personalgewinnung liegt auf Fachkräften, die sich
aktiv bewerben. Viele Unternehmen berichten: „Wir bekommen
immer weniger geeignete Bewerbungen.“ Das wird dann gleichgesetzt mit Fachkräftemangel. Dabei wird übersehen, dass es sehr viele
unterschiedliche Gründe dafür geben kann, warum ein Unternehmen
weniger Bewerbungen bekommt. Ein echter Fachkräftemangel ist dabei
nur eine von 1001 Möglichkeiten.
Deutsche Unternehmen beschäftigen über 42 Millionen Arbeitnehmer. Ein Rekord. Darunter sind etwa 14 Millionen passiv suchende
Bewerber, die offen für einen neuen Arbeitgeber sind. Sie lesen keine
Stellenanzeigen und verschicken keine Bewerbungen. Aber es gibt
sie, und sie sind viel mehr als die aktiv suchenden Fachkräfte. Für
Unternehmen stellt sich daher die Frage, wie sie in Kontakt mit passiv
suchenden potenziellen Mitarbeitern kommen, damit sie ihnen ein
attraktives Angebot machen können.
Während große, bekannte Unternehmen immer mehr Bewerbungen
bekommen, bekommt der gesunde Mittelstand – das Rückgrat unserer
Wirtschaft – immer weniger Bewerbungen. Die Mehrheit der verfügbaren
Fachkräfte bewirbt sich bei der Minderheit deutscher Unternehmen.
Das geschieht aber aus bloßer Unwissenheit. Eine junge Absolventin
aus Heilbronn sagte einem Karrierecoach: „In Heilbronn, da gibt‘s doch
nur den Audi.“ Die 300 Weltmarktführer und Hidden Champions kennt
sie nicht. Unternehmen müssen sichtbar und erlebbar werden.
Aus Marburg-Gießen gehen 60 Prozent der Absolventen weg, obwohl
70 Prozent bleiben wollen, aber sie meinen: „Hier gibt‘s ja nichts. Hätte
ich ein attraktives Angebot, würde ich gerne bleiben.“ Kein Mensch
kann all die 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland kennen. Selbst
ein Prozent davon aufzuzählen, ist absolut unmöglich. Aber: Fachkräfte
können sich nur bei den Firmen bewerben, die sie kennen. Hier liegt
die Herausforderung für den Mittelstand: reden, reden, reden. Rufen,
bis die Lungen brennen. Im Produktmarketing sind erfolgreiche Unternehmen spitze. Dieses Erfolgsrezept müssten sie nur noch auf das
Personalmarketing übertragen: sichtbar und erlebbar werden. Das ist
die Voraussetzung für mehr gute Bewerbungen. Unternehmen stecken
zwangsläufig hinter Mauern, in Büros und Fabriken. Auch der beste
Arbeitsplatz im besten Unternehmen der Welt ist versteckt hinter
verschlossenen Türen. Deshalb gilt: finde den Fehler.
„Weniger Bewerbungen“ heißt also nicht automatisch, dass es viel
zu wenige Fachkräfte gibt. Langweilige Stellenanzeigen, die Unsichtbarkeit und Unbekanntheit toller Unternehmen und mangelhafter Zugang
zu der Masse der passiv suchenden Bewerber, das sind wesentliche
Gründe. Die größte Verschwendung leisten sich Betriebe dabei auf den
letzten Metern. „Gold oder gar nichts“, lautet das Motto. Oder warum
bekommen die meisten guten Bewerber in der engeren Wahl Absagen?
Insbesondere der Mittelstand hat es schwer, ausreichend Fachkräfte
zu rekrutieren. Das Erfolgsrezept des Personalmarketings: sichtbar
und erlebbar werden, aber auch Kooperationen mit der Konkurrenz.
Beim Sport gibt es Gold, Silber und Bronze. Eine super Anerkennung
für die drei Besten. Im Bewerbungsverfahren gibt es nur einen Besten.
Zweit- und Drittplatzierter klingt schon so, als wären Silber und Bronze
nicht gut. Dabei sind Silber- und Bronze-Bewerber auch top.
Bleibt die Frage, warum Unternehmen beim Recruiting nicht kooperieren. Sie könnten sich Silber und Bronze abgeben. 50 Unternehmen
könnten durch Kooperation 100 Silber- und Bronze-Kandidaten gewinnen und der Region als wertvolle Arbeitskräfte sichern. Das schafft
ein Unternehmen alleine nicht. „Ich werde doch keinen Bewerber
weiterempfehlen, sonst geht der ja zur Konkurrenz.“ Das ist vielerorts
zu hören. Und: Ja, es stimmt. Aber: Das macht ein Bewerber ohnehin,
wenn er eine Absage bekommt.
Es geht auch anders. Entscheidend beim Recruiting in Kooperation
ist: Die Unternehmen halten Qualität in der Region und sorgen für eine
schnelle Vermittlung mit Empfehlung. Pure Wertschätzung für den
Bewerber. Und auch Wertschätzung für den regionalen Arbeitsmarkt.
Dem Unternehmen, das den Topkandidaten nicht einstellt, aber weiIHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
terempfiehlt, bringt dies ein positives Image – und zwar doppelt: beim
Bewerber und beim einstellenden Unternehmen. Dauerhaft ist es ein
Geben und Nehmen: Denn kein Unternehmen kann für sich alleine auf
eine vergleichbare Menge an Topkandidaten bei den nächsten Suchen
zugreifen. Alleine kommt ein Unternehmen nicht an vergleichbar viele
Topprofile.
Hinzu kommt: Warum lassen Unternehmen die meisten ihrer
guten Bewerber schlecht über sich reden? Nur ein Kandidat erzählt
im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis: „Ja. Ich habe den Job.“
Mehrere Topkandidaten berichten, tweeten und whatsappen: „Nein,
bei dem Unternehmen xyz hat es nicht geklappt. Aber sie wünschen
mir alles Gute.“ Ina Ferber, Frankfurter Personalberaterin und Employer Branding-Expertin, sagt dazu: „Vergessen wird die Wirkung
der Absagen. Dabei können diese die Reputation am Arbeitsmarkt
nachhaltig beschädigen.“ Absagen kämen nie gut an, deswegen sei
das Empfehlen dieser wertvollen Kandidaten so wichtig. „Nach guten
Bewerbungsgesprächen können Unternehmen Absagen mit ehrlicher
Wertschätzung verknüpfen“, sagt sie.
Schnell wird es sich herumsprechen, wenn ein Unternehmen einem
Silber- und Bronze-Kandidaten Türen öffnet: 56, 80 oder 221 Türen bei
anderen Unternehmen – mit nur einer Empfehlung. Das Ganze muss
selbstverständlich datenschutzrechtlich korrekt sein. Unternehmen laden
Bewerber ein und schreiben eine kurze Empfehlung. Aber erst, wenn
der Bewerber die Einladung annimmt und selbst seine Kontaktdaten
Angebotsüberblick_FaM_Anzeige_185x124_022015.indd 1
IHK WirtschaftsForum 03.15
und den Lebenslauf einstellt, werden sie im geschützten Bewerberpool
für Unternehmen der Region sichtbar.
Es ist so einfach, in regionalen Märkten Fachkräfte zu binden und
Ressourcen zu bündeln. „Gerade in starken Wirtschaftsregionen sind
Arbeitsmärkte in manchen Branchen wie leergefegt. Da ist es umso
wichtiger, sich im Netzwerk zusammenzuschließen, um die begehrten
Fachkräfte, die da sind, in der Region zu halten“, so Ferber.
Recruiting ist nie kostenlos. Im Gegenteil: Personalgewinnung wird
immer teurer. Es gibt alleine 220 verschiedene Anbieter, bei denen
Unternehmen Geld für gutes Image zahlen. Personaldienstleister, Stellenanzeigen, Jobmessen, das alles kostet viel Geld. Geld zurück gibt es
nur in den webbasierten Empfehlungsnetzwerken. Unternehmen erhalten
eine Prämie, wenn ihre Silber- und Bronze-Kandidaten in der Region
einen Arbeitsvertrag bekommen. Es gibt mittlerweile bereits 50 regionale
Netzwerke, die einen webbasierten Empfehlungspool nutzen.
❙
AUTOR
MARTIN GAEDT
Geschäftsführer,
Cleverheads,
Berlin, gaedt@
cleverheads.eu
10.02.2015 15:11:15
13
A ZUBI-MARKE TING
DIE RICHTIGEN KANÄLE BESPIELEN
Sinkende Bewerberzahlen, konkurrierende Kurzzeitstudiengänge und Konzerne als Mitbewerber um die besten
Köpfe: Wie mittelständische Unternehmen dennoch bei potenziellen Azubi-Bewerbern punkten können.
Einblicke in den Arbeitsalltag
Mittelständische Betriebe konzentrieren sich in ihrer Azubi-Kommunikation derzeit noch zu stark auf die eigenen Erwartungen und Ansprüche
an potenzielle Auszubildende, anstatt diese zu umwerben. Stärker als
früher müssen Unternehmen ihr Ausbildungsangebot den zunehmend
selbstbewussten Kunden verkaufen. Mittelständische Betriebe sollten
dabei nicht den Fehler der Großunternehmen wiederholen und mit den
seit 20 Jahren etablierten Karrierefloskeln argumentieren. Stattdessen sollten sie sich auf Fragen konzentrieren, die Azubis tatsächlich
bewegen: Was mache ich in meinem Ausbildungsberuf eigentlich den
ganzen Tag? Mit welchen Menschen werde ich zusammenarbeiten?
Glaubwürdige Einblicke in den Arbeitsalltag und in die Teams
spielen für die Azubi-Kommunikation eine Schlüsselrolle. Die meisten
Azubis suchen nicht vorrangig Karriere oder Geld in der Ausbildung,
sondern Sinn. Sinn entsteht zum Beispiel durch das, was Auszubildende
während ihrer Ausbildung tun. In Deutschland gibt es derzeit rund
330 anerkannte Ausbildungsberufe. Längst nicht alle sind Schülern
bekannt. Mittelständische Betriebe müssen Bewerbern deshalb zum
Beispiel erst einmal erklären, worin die Aufgabe eines Zerspanungsmechanikers genau besteht. Ausbildungsbetriebe sollten zusätzlich
STUDIE „AZUBI-RECRUITINGTRENDS 2014“
Eine kostenlose Zusammenfassung der Studie kann per E-Mail unter
info@testsysteme.de (Betreff „Azubi-Recruitingtrends“) bestellt werden.
14
FOTO: MAURITIUS IMAGES / CHRIS HERMANN
W
ie können mittelständische Ausbildungsbetriebe im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter von morgen mithalten?
Dazu müssen sie stärker als bisher die Vorstellungen und
Erwartungen von potenziellen Azubis in den Blick nehmen und auf
den veränderten Ausbildungsmarkt reagieren. Die gemeinsame Studie
„Azubi-Recruitingtrends 2014“ von U-Form Testsysteme und HSBA
Hamburg School of Business Administration zeigt: Die BittstellerBewerber von einst sind aufgrund der veränderten Lage auf dem
Ausbildungsmarkt selbstbewusster geworden.
Derzeit sehen sich 69 Prozent der befragten Azubis „auf Augenhöhe“ mit den Ausbildungsbetrieben. 56 Prozent von ihnen streben
nach Spaß und Erfüllung im Beruf sowie nach einer Tätigkeit, die ihren
Wertvorstellungen entspricht. Der Hintergrund für gestiegenes Selbstbewusstsein und Sinnhunger: Azubis haben heute die Wahl. Die Hälfte
der befragten Azubi-Teilnehmer bekamen schon einen Ausbildungsplatz
angeboten, immerhin 44 Prozent gleich mehrere (durchschnittlich drei
Angebote). Auf diese Veränderungen müssen sich Ausbildungsbetriebe
einstellen – und an vier Hebeln ansetzen: Themenwahl, Sprache und
Stil, Kanäle und Prozesse.
Azubis sind nicht länger Bittsteller, sie haben heute die Wahl. Anders
als früher müssen die Unternehmen sich und ihr Ausbildungsangebot
daher den zunehmend selbstbewussten jungen Menschen verkaufen.
vermitteln, warum das, was sie tun, „Sinn macht“. Für ein Maschinenbauunternehmen ist das auf den ersten Blick schwierig. Richtet
es aber die Aufmerksamkeit potenzieller Bewerber auf die Frage, was
mit den Maschinen alles hergestellt wird, gibt es durchaus packende
Geschichten dazu.
Zukunftsperspektiven eröffnen
Azubi-Bewerber interessieren sich zudem dafür, was nach der Ausbildung passiert: Übernahmechancen, Aussichten auf dem Arbeitsmarkt
sowie Weiterbildungsperspektiven. Diese Aspekte der Attraktivität von
Ausbildungsbetrieben werden von Azubi-Bewerbern deutlich stärker
gewichtet als in der aktuellen Azubi-Kommunikation von Ausbildungsbetrieben. Wenn mittelständische Betriebe ihre Azubis zum Beispiel bei
guten Leistungen übernehmen, sollten sie das möglichen Bewerbern
unbedingt mitteilen – ebenso wenn für bestimmte Ausbildungsberufe
langfristig gute Berufsperspektiven zu erwarten sind.
Zielgruppengerechte Sprache
Die Sprache in Stellenanzeigen für Azubis ist oftmals nicht zielgruppengerecht. Schüler sind keine Fachkräfte oder Hochschulabsolventen.
Begriffe, die ihrem Ausbildungsniveau oder ihrer Lebenswirklichkeit
nicht entsprechen, verstehen sie nicht. Wie alle Menschen schätzen
IHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
auch angehende Azubis eine Ansprache auf Augenhöhe. Fachchinesisch
wirkt arrogant. Realschüler und Abiturienten werden die „ophthalmologische Diagnose- und Operationstechnologie“ in der Anzeige
eines Herstellers medizinischer Geräte kaum mit „Augenheilkunde“ in
Verbindung bringen. Selbst gängige Begriffe der Arbeitswelt wie die
„übertarifliche Bezahlung“ als Gehaltsperspektive entsprechen nicht
der Lebenswirklichkeit von unter 20-Jährigen.
Am sichersten treffen Gleichaltrige den richtigen Ton. Es ist daher
eine gute Idee, Anzeigen oder Texte für die Karrierewebsite durch die
Azubis des Betriebs gegenlesen und diese möglichst oft selbst und
weitgehend unzensiert über ihre Ausbildung sprechen zu lassen. Die
Kommunikation von Azubis in Richtung Azubi-Bewerber wirkt außerdem besonders glaubwürdig – egal, ob als Video-Testimonial auf der
Karrierewebsite, in Anzeigen oder beim Bewerbertag im Unternehmen.
Anzeige, Homepage, Facebook
Unternehmen fragen sich oft, auf welchen Kanälen sie mögliche Azubis
am besten erreichen. Die Antwort auf diese Frage muss sich vor allem
nach den Kommunikationsgewohnheiten angehender Azubis richten.
Diese nutzen aktuell für die Suche nach Ausbildungsangeboten besonders intensiv Karriere- und Ausbildungsseiten der Unternehmen
im Internet, Angebote der Bundesagentur für Arbeit sowie Ratschläge
von Eltern und Lehrern. Social-Media-Angebote wie Facebook spielen
hier kaum eine Rolle. Die Mühe können sich mittelständische Betriebe
also sparen.
Selbst kleinere Betriebe mit einem kontinuierlichen Bedarf an
mehreren Auszubildenden sollten dagegen ernsthaft über Azubi-Seiten
auf der eigenen Website nachdenken, sie aktuell halten und dort
möglichst die eigenen Azubis zu Wort kommen lassen. Azubi-Bewerber
sind es als Konsumenten gewöhnt, selbst lokale Angebote im Internet
zu suchen. Dort werden sie in vielen Fällen auch ihre Suche nach
Ausbildungsbetrieben vor Ort beginnen. Solche Seiten sind zudem eine
prima Projektaufgabe für die eigenen Azubis, die häufig ein besonderes
Faible fürs Internet mitbringen. Mittelständische Betriebe sollten zudem
Eltern und Lehrer gezielt ansprechen, die nach wie vor erheblich auf
die Berufswahl von Schülern Einfluss nehmen, zum Beispiel durch Tage
der offenen Tür für Eltern.
Bewerbungsprozess
Zum Aufbau eines guten Rufs als Ausbildungsbetrieb gehören an den
Bewerbern orientierte Bewerbungsverfahren. Wie ein mittelständischer
Betrieb mit seinen Azubi-Bewerbern umgeht, spricht sich vor Ort
schnell herum. Das gilt auch für abgelehnte Bewerber. Diese erzählen
Gleichaltrigen, Eltern und Verwandten von ihren Erfahrungen, die
wiederum anderen Menschen davon berichten. Gerade auf dem für
den Mittelstand unverzichtbaren lokalen Ausbildungsmarkt entsteht
so im Schneeballsystem relativ schnell ein negativer Ruf, positive
Erfahrungen pflanzen sich genauso fort.
Idealerweise erzählen Bewerber nach der Absage solche Geschichten: „Das war ein sehr netter Betrieb mit tollen Arbeitsbedingungen,
aber leider haben die mich nicht genommen.“ Die Verantwortlichen in
Ausbildungsbetrieben sollten sich bei allem, was sie tun, in die Lage
der Azubi-Bewerber versetzen. Azubis möchten ihnen auf Augenhöhe
begegnen. Oft senden die kleinen Dinge das entscheidende Signal aus,
wie etwa die während des Bewerbungsgesprächs angebotenen frischen
Brötchen. Angehende Azubis mögen es zum Beispiel auch, wenn man
ihnen eine Visitenkarte überreicht. Sie wollen einfach ernst genommen
werden.
❙
AUTORIN
FELICIA ULLRICH
Geschäftsführerin,
U-Form Testsysteme, Solingen
f.ullrich@
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BILDUNGSCHANCEN
AUF DIE SPRACHE KOMMT ES AN
Etwa ein Fünftel
der in Frankfurt
eingeschulten
Kinder weist
eine Auffälligkeit im Bereich
der Sprache auf.
E
FOTO: GETTYIMAGES / GARY WATERS
Dass Bildung und Ausbildung ohne Sprache nicht auskommen, ist klar. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie es um
den Sprachstand der Frankfurter Kinder steht und welche vorschulischen Fördermaßnahmen notwendig und hilfreich sind.
s ist die Wirtschaft, Dummkopf!“ hieß Bill Clintons erfolgreich
schlichter Wahlkampfslogan vor mehr als 20 Jahren. Und tatsächlich
kann die Wirtschaftslage wahlentscheidend sein. Wer wirtschaftliche
Probleme zu lösen verspricht, wird eher gewählt. Wer für eine schlechte
wirtschaftliche Lage verantwortlich gemacht wird, eher nicht (mehr). Mit
Blick auf die wichtigsten Voraussetzungen guter Bildungschancen der
Frankfurter Kinder und Jugendlichen könnte man ähnlich plakativ behaupten: „Auf ihre sprachlichen Kompetenzen kommt es an, worauf sonst?“
Zunächst ein Blick auf die (deutsch-)sprachlichen Kompetenzen
der Frankfurter Vorschulkinder: Den Kindergesundheitsberichten der
Stadt ist zu entnehmen, dass etwa 20 Prozent der Kinder eines Einschulungsjahrgangs eine Auffälligkeit im Bereich der Sprache aufweisen.
Bei Jungen ist das häufiger der Fall als bei Mädchen und bei Kindern
mit Migrationshintergrund häufiger als bei jenen ohne. Dabei nimmt
die Dauer des vorangegangenen Kindergartenbesuchs auf die Wahrscheinlichkeit von Sprachauffälligkeiten Einfluss: Kinder, die länger eine
Kita besucht hatten, sind seltener unter den sprachlich Auffälligen.
Ungünstig ist, dass Familien mit Migrationshintergrund weniger oft
und weniger lang einen Kindergartenplatz in Anspruch nehmen. Nicht
16
zu umgehen ist eine andere Problematik – dass nämlich manche Kinder
zum Zeitpunkt ihrer Zuwanderung bereits schulpflichtig sind und ein
Kindergartenbesuch für sie gar nicht mehr infrage kommt.
Sprachliche Entwicklungsauffälligkeiten sind behandlungsbedürftig,
nicht zuletzt, weil sie auch Ausdruck einer Sprachentwicklungsstörung
sein können. Werden Sprachauffälligkeiten erst bei den Einschulungsuntersuchungen festgestellt, ist das eigentlich viel zu spät. Wo besondere Sprachförderung nötig ist, muss möglichst schon vor dem vierten
Lebensjahr damit begonnen werden. Bleiben die Kindergartenjahre dafür
ungenutzt, wird es später um ein Vielfaches schwieriger, die sprachlichen Kompetenzen zu fördern. Später einsetzende Fördermaßnahmen
sind aber nicht nur aufwendiger, sondern auch weniger ertragreich.
Für den Schriftspracherwerb sowie für die Bildungs- und Ausbildungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen sind ausreichende
sprachliche Kompetenzen eine notwendige Voraussetzung. Sprechen
lernen Kinder – anders als das Lesen und das Rechtschreiben – zwar
ohne explizite und systematische Anleitung. Es bedarf aber geeigneter
sprachlicher Anregungen und Impulse, damit sich ihr Wortschatz entwickelt und damit die grundlegenden syntaktischen und morphologischen Regeln der Muttersprache erworben werden. Diese Anregungen
erhält ein Kind üblicherweise zunächst in der Familie. Später kommen
unterstützende Einflüsse der Kitas hinzu.
Wenn Kinder in der Familie kein Deutsch lernen, erschwert das die
Kompetenzentwicklung in der späteren deutschen Unterrichts- und
Bildungssprache. Für diese Kinder wären besondere und intensive
Fördermaßnahmen in der Kita dringend geboten. Wo vorhandene
vorschulische Angebote von den Eltern der Kinder nicht nachgefragt
werden, müssen auch auffordernde Hinweise (Schubser) in Betracht
gezogen werden. Dass die Sprachkompetenz in der Herkunftssprache
als zusätzliche Ressource wertgeschätzt und in der Familie weiter
gefördert werden sollte, bleibt davon unberührt.
Der simultane (bilinguale) Erwerb zweier Erstsprachen verläuft
nach ähnlichen Mustern und in der Regel ähnlich erfolgreich wie der
monolinguale Spracherwerb. Wie erfolgreich das letztlich ist, hängt
vom Anregungsgehalt der sprachlichen Umwelt ab. Wird hingegen
das Deutsche (oder eine andere Sprache) zeitversetzt zur Erstsprache
erworben, spricht man vom Zweitspracherwerb. Hier kommt es entscheidend darauf an, wann die zweite Sprache hinzukommt. Wenn
der Zweitspracherwerb bereits im dritten oder vierten Lebensjahr
einsetzt, können die Kinder ihre natürlichen Sprachlernfähigkeiten
aus dem Erstspracherwerb nämlich noch nutzen. Später nicht mehr.
Daraus folgt, dass es einer verlässlichen Sprachdiagnostik bedarf, um
sprachtherapeutische Maßnahmen und besondere Fördermaßnahmen,
die den Zweitspracherwerb unterstützen, frühzeitig zu planen und
durchzuführen. Und dass es natürlich für alle Kinder in allen EinIHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
richtungen einer professionellen alltagsintegrierten Sprachförderung
bedarf. Wichtig ist auch der Hinweis, dass die in der Kita begonnenen
Fördermaßnahmen schulbegleitend oder in Vorlaufkursen weitergeführt
werden müssen, wo es notwendig ist.
Etwa 18 000 Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen eine
der gut 700 Frankfurter Tageseinrichtungen. Die Träger verantworten
die Sprachförderung im Einklang mit dem hessischen Bildungs- und
Erziehungsplan, der die Förderung sprachlicher Kompetenzen als eines der wichtigsten Handlungsfelder benennt. Etwa zwei Drittel der
Frankfurter Kinder wachsen mehrsprachig auf. Eine alltagsintegrierte
Sprachförderung findet in allen Einrichtungen statt. Den besonderen
Fördermaßnahmen, die es in drei von vier Einrichtungen ebenfalls gibt,
muss eine verlässliche Sprachdiagnostik vorausgehen, damit die Kinder
individuell und mit den richtigen Methoden gefördert werden können.
Das hessische Sozialministerium empfiehlt seit 2008 für alle Vierjährigen den Einsatz des Kindersprachscreenings Kiss, um besondere
Förderbedarfe frühzeitig zu erkennen. Aber nur wenige Einrichtungen
nutzen das Screening und nur etwa sieben Prozent der Kinder eines
Altersjahrgangs werden damit getestet. Das ist in Frankfurt nicht anders
als in Hessen insgesamt. Sprachwissenschaftler und Spracherwerbsforscher sind darüber nur wenig betrübt, weil sie das Screening Kiss
ohnehin als ungeeignet betrachten.
Sprachförderung in Frankfurter Kindertagesstätten steht vor besonderen Herausforderungen. Eine Bestandsaufnahme verweist auf besonders
hohe Anteile mehrsprachiger Kinder, vor allem in den Einrichtungen in
städtischer Trägerschaft. Sprachstandserfassungen werden üblicherweise
im Rahmen allgemeiner Entwicklungsbeobachtungen betrieben, aus wissenschaftlicher Sicht ist ein flächendeckendes Sprachscreening auch gar
nicht notwendig. Allerdings ist für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache –
aber nicht unbedingt für die simultan bilingualen Kinder – eine besondere
Sprachstandsdiagnostik empfehlenswert. Wo eine besondere Förderung
in Kleingruppen oder als Einzelförderung stattfindet, ist entscheidend,
dass die besonderen Fördermaßnahmen mit ausreichender Intensität
zum Einsatz kommen und dass die Gruppen nicht zu groß sind. Wichtig
auch, dass die Erzieherinnen professionell auf diese Aufgaben vorbereitet
werden. Gerade in Einrichtungen, die unter erschwerten Rahmenbedingungen arbeiten, ist dabei die Ressourcenfrage von erheblicher Relevanz.
In den Frankfurter Kitas kommt ein breites Spektrum an Programmen
und Materialien zur Sprachförderung zum Einsatz. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dagegen nichts einzuwenden: Belastbare Studien, die
die Wirksamkeit des einen oder anderen Förderprogramms belegen
würden, gibt es bislang nicht. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand, der
aber die geringe Wertschätzung deutlich macht, welche die empirische
Erforschung früher Bildungsprozesse hierzulande genießt. Unstrittig
ist, dass eine professionelle Qualifizierung und Weiterbildung des pädagogischen Personals eine notwendige Voraussetzung wissenschaftlich
fundierter Sprachförderung ist und dass es im Bereich der Weiterbildung
einer strikteren Qualitätssicherung der Angebote und Anbieter bedarf.
Wie wirksam die Sprachförderung in den Frankfurter Kindertagesstätten letztlich ist, wissen wir nicht. Dass es ohne die förderlichen
Maßnahmen der Erzieherinnen mehr Kinder und Jugendliche mit
unzureichenden sprachlichen Kompetenzen geben würde, ist allerdings
gewiss. Ebenso, dass die Anstrengungen noch weiter intensiviert
werden müssen, weil der Bedarf zunimmt. Die Häufigkeiten von
Lern- und Entwicklungsstörungen sowie von Schulleistungs- und
Ausbildungsproblemen sollten aber nicht vorschnell als Indikatoren
einer unzureichenden elementarpädagogischen Förderung verstanden
werden. Denn nicht alle späteren Schul- oder Ausbildungsabbrecher
haben zwischen drei und sechs überhaupt eine Kindertagesstätte
besucht und dort eine sprachliche Förderung erfahren. Richtig ist
aber auch, dass nicht für alle sprachlich förderbedürftigen Kitakinder
die Fördermaßnahmen ausreichend gewesen sind, um ihnen gute
Bildungschancen zu eröffnen.
❙
AUTOR
ANDREAS GOLD
Professor für
Pädagogische
Psychologie,
Goethe-Universität Frankfurt
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IHK WirtschaftsForum 03.15
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17
IHK-FOSA
BILDUNGSNACHWEISE ANERKENNEN
Die Anerkennung des ausländischen Bildungsnachweises durch die IHK-Fosa lohnt sich. Denn die Chancen der beruflichen und sozialen Integration werden deutlich besser – eine Win-win-Situation für Unternehmen und Migranten.
WEITERE INFOS
IHK-Fosa (Foreign Skills Approval) ist die zentrale Stelle für die deutschen Industrie- und Handelskammern. Sie nimmt die Prüfung und
Anerkennung der ausländischen Berufsabschlüsse aus den Bereichen
Industrie, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen vor. Eine Erstberatung bei der IHK Frankfurt ist kostenlos, telefonische Terminvereinbarung unter 0 69 / 21 97-12 39. Anträge können online unter www.ihk-fosa.de/antragstellung heruntergeladen werden. Der Gebührenrahmen für
den Antrag bei IHK-Fosa reicht von 100 bis 600 Euro. Weitere Infos und
Einreichung der Anträge: IHK-Fosa, Ulmenstraße 52, 90443 Nürnberg,
Telefon 09 11 / 81 50 60, E-Mail info@ihk-fosa.de, Internet www.ihk-fosa.de. IHK-Fosa stellt nach Abschluss des Verfahrens einen Bescheid
aus, der die volle oder teilweise Gleichwertigkeit der ausländischen
Qualifikation mit der deutschen Referenzqualifikation bestätigt.
18
FOTO: GETTYIMAGES / FANGXIANUO
E
inerseits wird ein zunehmender Fachkräftemangel festgestellt, andererseits verfügen viele Migranten über einen in ihrem Herkunftsland erworbenen Bildungsnachweis. Die neu nach Deutschland
Zugewanderten haben zu fast 40 Prozent einen Hochschulabschluss.
Wenn dieser hierzulande nicht anerkannt ist, arbeiten viele Zugewanderte trotz höherer Qualifikation in einem schlechter bezahlten Beruf.
Wertvolles Fachkräftepotenzial wird dadurch verschenkt.
Die Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses, das heißt,
die Vergleichbarkeit mit einem deutschen Referenzberuf, unterstützt
die Unternehmen bei einem passgenauen Personaleinsatz. Der Arbeitgeber erhält Informationen zu den Kenntnissen und Fähigkeiten seiner
Fachkraft beziehungsweise eines Bewerbers. Ein Arbeitgeber, der eine
Position mit einem Mitarbeiter, dessen Qualifikation anerkannt wurde, besetzen kann, ist nicht auf aufwendige und kostspielige externe
Personalbeschaffung angewiesen. Für den Zugewanderten, der eine
Anerkennung seines ausländischen Bildungsabschlusses erhalten hat,
erhöhen sich die Chancen, eine seiner Qualifikation entsprechende
Stelle zu bekommen.
Die Zuordnung der ausländischen Berufsabschlüsse zu einem
deutschen Referenzberuf ist allerdings sehr schwierig. Denn die Bildungssysteme in den mehr als 190 Ländern sind sehr unterschiedlich.
Zudem werden die Ausbildungsinhalte in der Regel rein theoretisch
vermittelt und nicht – wie in der dualen Ausbildung in Deutschland
zu zwei Dritteln – in der betrieblichen Praxis.
Für die Beurteilung der ausländischen Ausbildung wird deshalb
auch einschlägige Berufstätigkeit berücksichtigt. Die Beurteilung der
ausländischen Bildungsnachweise und Zuordnung zu den Ausbildungsberufen in der dualen Berufsausbildung braucht Fachwissen, um die
ausländischen Bildungsnachweise transparent zu machen. Die IHKs
haben dafür eine zentrale Einrichtung geschaffen, die IHK-Fosa mit
Sitz in Nürnberg. Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes hat
Bislang hat IHK-Fosa rund 5 000 Bescheide über die Gleichwertigkeit ausländischer Berufsabschlüsse ausgestellt.
IHK-Fosa bereits mehr als 5 000 Bescheide über die Gleichwertigkeit
ausländischer Berufsabschlüsse ausgestellt.
Der Arbeitgeber, der einen solchen Bescheid vorgelegt bekommt,
kann sich ein umfassendes Bild über die Kenntnisse und Fertigkeiten
eines Bewerbers machen. Selbst wenn nur eine Teilanerkennung
ausgesprochen werden kann, erkennt er aufgrund der ausführlichen
Kommentierung, welche Kenntnisse und Fertigkeiten vorhanden sind
und welche Inhalte des deutschen Ausbildungsberufs noch nachzuholen sind, damit eine volle Anerkennung erreicht wird. Dafür kann das
Unternehmen gezielt Weiterbildungsmaßnahmen anbieten und eine
motivierte Fachkraft langfristig an sich binden.
❙
AUTORIN
ROSWITHA
SOPPER-BANNERT
Referentin, Ausund Weiterbildung,
IHK Frankfurt
r.sopper@frankfurt-main.ihk.de
IHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
BILDUNGSNACHWEIS
„MEIN LETZTER VERSUCH“
Martin Rooney hat sich seinen ausländischen Berufsabschluss als „Bachelor of Aeronautical Engineering and Operation“
bei der IHK-Fosa anerkennen lassen. Dieser Abschluss entspricht hierzulande dem Industriemeister Luftfahrttechnik.
Herr Rooney, Sie sind vor zehn Jahren aus England nach Deutschland
gekommen. Warum haben Sie jetzt einen Antrag auf Anerkennung
Ihres britischen Abschlusses gestellt?
ROONEY: Ich habe eine Arbeitsstelle bekommen, die einer Meisterstelle
entspricht. Allerdings hat mein Arbeitgeber die Auflage gemacht, dass ich
innerhalb von zwei Jahren die Meisterprüfung nachweisen muss. Dabei
hatte ich schon jahrelang versucht, mir meinen Abschluss anerkennen
zu lassen. Bis vor Kurzem ohne Erfolg.
Wo haben Sie das versucht?
ROONEY: Über mein Unternehmen. Dort wusste man aber nicht Bescheid
und konnte mir auch nicht weiterhelfen. Mein Abschluss konnte nicht
anerkannt werden, weil es kein deutsches Zeugnis ist.
Wie wurden Sie auf die Möglichkeit der Anerkennung aufmerksam?
ROONEY: Ich habe einen Flyer der IHK Frankfurt in die Hand bekommen,
der über die Anerkennung von Abschlüssen bei der IHK-Fosa informiert.
Das war mein letzter Versuch. Ich habe einen Beratungstermin ausgemacht und meine Unterlagen prüfen lassen. Wir haben besprochen,
mit welchem Abschluss eine Anerkennung möglich wäre. Ich habe den
Antrag gestellt und dann den Bescheid bekommen.
Martin Rooney, Industriemeister Luftfahrttechnik: „Gute Sprachkenntnisse sind
unverzichtbar. Denn man muss sich schließlich mit seinen Vorgesetzten, Kollegen und
Mitarbeitern verständigen und austauschen
können.“
Welche Bedeutung haben nach Ihrer Erfahrung die Sprachkenntnisse – und möchten Sie Ihre Sprachkompetenz weiter verbessern?
ROONEY: Gute Sprachkenntnisse sind unverzichtbar. Denn man muss
sich schließlich mit seinen Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern
verständigen und austauschen können. Meine Deutschkenntnisse will
ich in jedem Fall noch weiter verbessern, damit ich nicht nur korrekt
❙
sprechen, sondern auch korrekt schreiben kann.
Hat Ihr Arbeitgeber den Anerkennungsbescheid akzeptiert?
ROONEY: Ja, der Bescheid wurde als Meisterprüfung anerkannt. Ich wurde
als Meister eingestuft und bekomme dadurch auch ein höheres Gehalt.
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Zeitpunkt des Vertragsschlusses weder einen bestehenden Kreditkarten- noch Kreditvertrag mit Barclaycard haben.
INTERVIEW
ROSWITHA SOPPER-BANNERT
Referentin, Aus- und Weiterbildung, IHK Frankfurt
r.sopper@frankfurt-main.ihk.de
FOTO: GETTYIMAGES / ALEX SLOBODKIN
AGENTUR FÜR ARBEIT
PARTNER DER WIRTSCHAFT
Ob Qualifizierungsberatung, ausbildungsbegleitende Hilfen, Umschulungen oder Einarbeitungszuschüsse:
Die Agenturen für Arbeit stehen den Unternehmen zur Seite, wenn es um die Fachkräftesicherung geht.
D
er Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Frankfurt bietet
der Wirtschaft eine Vielzahl von personellen und materiellen
Dienstleistungen. So können Unternehmen zum Beispiel eine
Qualifizierungsberatung durch den Arbeitgeberservice in Anspruch
nehmen. Wenn ein konkreter Personalbedarf nicht durch Vermittlung
aus dem Pool Arbeitssuchender gedeckt werden kann, sind alternative
Lösungsansätze und Strategien erforderlich. Bei der unter anderem bei
der Qualifizierungsberatung durchgeführten Kompentenzinventur wird
beispielsweise festgestellt, welche Fähigkeiten die Mitarbeiter eines
Unternehmens haben und welche erforderlich sind. In diese Analyse
werden alle Beteiligten – also Unternehmensleitung, direkte Vorgesetzte,
Mitarbeiter – einbezogen.
Qualifizierungsberatung
So wandte sich zum Beispiel ein Unternehmen im Reiseverkehrsbereich
an den Arbeitgeberservice am Airport Frankfurt mit der Bitte um eine
Qualifizierungsberatung. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse bei der
Altersstrukturanalyse – hier wird der Fachkräftebedarf für die nächsten
fünf bis zehn Jahre ermittelt – zeigte sich bei diesem Unternehmen kein
Handlungsbedarf. Durch die Verlagerung des Kerngeschäfts mussten
aber Erkenntnisse über den Qualifizierungsbedarf des vorhandenen
Personals erarbeitet werden. Es wurde festgestellt, dass vor allem
bestimmte EDV-Anwendungen geschult werden müssen. Bei der passenden Kurssuche und der Suche nach einem Weiterbildungsträger
half ein Mitarbeiter des Arbeitgeberservices Airport.
20
Ob finanzielle Hilfen gewährt werden können, wird durch den Arbeitgeberservice im Einzelfall entschieden. Die Weiterbildung beschäftigter Arbeitnehmer ist grundsätzlich Aufgabe der Unternehmen und
Beschäftigten selbst. Nach wie vor werden die Chancen und Risiken am
Arbeitsmarkt aber entscheidend von der Qualifikation bestimmt. Gering
qualifizierte und ältere Arbeitnehmer tragen das mit Abstand größte
Arbeitsmarktrisiko, ihre Beteiligung an Weiterbildung ist dennoch gering.
Bildungsgutscheine
Zielgruppe des Programms Wegebau (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen)
sind geringqualifizierte Beschäftigte und Beschäftigte in kleinen und
mittleren Unternehmen. Die Arbeitnehmer erhalten für die Förderung einen Bildungsgutschein. Damit können sie unter zugelassenen
Weiterbildungsangeboten wählen. Die Förderung soll dabei eine Anschubfinanzierung für die Weiterbildung, insbesondere in kleineren
und mittleren Unternehmen, darstellen. Dies hilft vor allem Branchen,
die bereits jetzt unter einer zu geringen Zahl an Fachkräften leiden.
Die Arbeitsagentur Frankfurt hat so beispielsweise über das Programm
Wegebau Altenpflegehelferinnen zu Altenpflegerinnen ausbilden lassen.
Auch bei der Suche nach Auszubildenden wird der Arbeitgeberservice
der Arbeitsagentur tätig. Möchten Unternehmen Jugendlichen ohne
Ausbildungsplatz eine Chance geben oder hat es mit der Azubisuche
nicht geklappt, dann eröffnet die Einstiegsqualifizierung (EQ) neue
Perspektiven. Für Jugendliche unter 25 Jahren, die keine AusbildungsIHK WirtschaftsForum 03.15
EVO-Ausbildung
stelle gefunden haben, bietet EQ die Möglichkeit, erste Erfahrungen
in einem Ausbildungsberuf, in einem Betrieb und in der Praxis zu
machen. Unternehmen können mit EQ die Stärken und Fertigkeiten
des Jugendlichen über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten
kennenlernen. Gleichzeitig können sich die jungen Menschen im Betrieb
als künftige Azubis empfehlen. EQ ist für viele Jugendliche eine Brücke
für den Einstieg in die Berufsausbildung.
Ausbildungsbegleitende Hilfen
Hat der Jugendliche die Ausbildung begonnen, ist es besonders wichtig,
dass möglichst gleich zu Beginn der Ausbildung Probleme oder schlechte
Noten in der Berufsschule beseitigt werden. Dafür gibt es die Förderung
durch ausbildungsbegleitende Hilfen (abH). Das Ziel ist ein erfolgreicher
Abschluss der Ausbildung; aber schlechte Noten oder andere Hindernisse
stehen diesem Ziel manchmal im Weg. Die nötige Unterstützung bieten
oftmals die ausbildungsbegleitenden Hilfen. Dieses Programm sollte genutzt
werden, bevor es zu spät ist. An mindestens drei Stunden in der Woche gibt
es die persönliche Unterstützung, die benötigt wird. Das sind zusätzliche
Nachhilfe in Theorie und Praxis, Vorbereitung auf Klassenarbeiten und
Prüfungen, Nachhilfe in Deutsch, Unterstützung bei Alltagsproblemen oder
auch vermittelnde Gespräche mit Ausbildern, Lehrkräften und / oder Eltern.
Einarbeitungszuschuss
Ein weiterer Weg, als Unternehmen Fachkräfte zu gewinnen, bietet
auch die betriebliche Umschulung. Hierdurch werden aus ungelernten
Arbeitnehmern gefragte Spezialisten. Aktuell befinden sich 17 zuvor
Arbeitslose über 25 Jahre und ohne Ausbildung in einem Projekt im
Rahmen der Kampagne „AusBildung wird was“. Hier werden sie zu
Fachlageristen umgeschult und legen abschließend die Prüfung vor
der Industrie- und Handelskammer ab. Durch die Weiterzahlung von
Arbeitslosengeld und ein Entgelt der Ausbildungsfirma entstehen keine
finanziellen Nachteile, sodass auch die wirtschaftliche Lage während
der Umschulung gesichert ist.
Werden fachfremde Menschen eingestellt, erfordert dies zumeist
eine längere Einarbeitungszeit. Die Arbeitsagentur unterstützt den
Mehraufwand des Unternehmens durch die Zahlung eines Einarbeitungszuschusses. Höhe und Dauer hängen vom individuellen
Einarbeitungsbedarf, aber auch vom Alter und der Qualifikation des
Arbeitnehmers ab.
Diese Angebote und Dienstleistungen sind nur ein kleiner Teil dessen,
was die Arbeitsagentur Frankfurt zu bieten hat. In den meisten Fällen
bieten sich durch die individuelle Beratung noch weitere Möglichkeiten, damit sich Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt gut positionieren
können und auch in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung
haben.
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E X TERNENPRÜFUNG
„ES IST NIE ZU SPÄT“
Pierre Schwan arbeitet als Fachkraft für Lagerlogistik bei der Firma Pegasus Spiele, Friedberg. Er gehört zu den
700 Personen, die im vergangenen Jahr als Externe die Abschlussprüfung in einem Ausbildungsberuf vor der
IHK Frankfurt ablegten.
FOTO: STEFAN KRUTSCH
So wurde ich bei diesem Schritt auch seitens meines Arbeitgebers
finanziell unterstützt.
Pierre Schwan (r.) hat zunächst eine Ausbildung zum Glaser gemacht. Nachdem
er längere Zeit arbeitslos war, hat er eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik angehängt. Im Oktober wurde er als IHK-Bester des Jahrgangs 2014 geehrt.
Herr Schwan, wie kam es, dass Sie eine Prüfung zur Fachkraft für
Lagerlogistik als Externer abgelegt haben?
SCHWAN: Da muss ich etwas ausholen. Nach der Schule habe ich eine
Ausbildung zum Glaser gemacht. Nachdem ich in diesem Beruf später
keine weitere Stelle gefunden habe und eine längere Zeit arbeitslos
war, habe ich den Beschluss gefasst, mich beruflich umzuorientieren.
Über mein Hobby als Spieleerklärer habe ich ein Arbeitsangebot bei
Pegasus Spiele erhalten. Dort habe ich vier Jahre im Lager und Versand
gearbeitet. Mit der Zeit konnte ich immer mehr leitende Tätigkeiten
übernehmen. Als ungelernte Kraft stößt man aber oft an seine Grenzen,
daher habe ich mich zu einer fachlichen Weiterbildung entschieden.
Ich hoffte, mit fundiertem Wissen meine Kollegen und die Lagerleitung
noch besser unterstützen zu können. So bin ich auf die Möglichkeit
der Externenprüfung der IHK gestoßen.
Wie haben Sie davon erfahren, dass es diese Möglichkeit gibt?
SCHWAN: Aufgrund meiner Vollzeitbeschäftigung war ohnehin nur
eine nebenberufliche Weiterbildung denkbar. Also habe ich mich im
Internet schlaugemacht. Unter den Suchbegriffen wie „Weiterbildung“,
„Umschulung“ und „berufsbegleitend“ im Zusammenhang mit Lager
und Logistik bin ich schließlich auf einige Anbieter gestoßen, die eine
Möglichkeit der berufsbegleitenden Aus- und Weiterbildung angeboten
haben. Die Externenprüfung der IHK passte optimal. Und auch meinen
Chef konnte ich vom Vorteil einer solchen Ausbildung überzeugen.
22
Wie haben Sie sich auf die Prüfung vorbereitet und wie lange hat
die Vorbereitungszeit gedauert?
SCHWAN: Der regelmäßige Abendunterricht und die Betreuung
des Anbieters hat mir bei den Vorbereitungen sehr geholfen. Eine
Nacharbeitung am Abend oder auch am Wochenende musste natürlich sein. Durch den praktischen Bezug zu meiner Arbeit fand
ich es nicht so schwer, mir den Lernstoff anzueignen. Insgesamt hat
meine berufsbegleitende Ausbildung anderthalb Jahre gedauert. In
dieser Zeit habe ich einmal wöchentlich den Unterricht besucht,
hinzu kam noch eine Vollzeit-Prüfungsvorbereitungswoche kurz
vor der Prüfung.
Welche Schwierigkeiten traten während der Vorbereitung auf?
SCHWAN: Es hat mich viel Überwindung gekostet, nach so vielen
Jahren noch einmal die Schulbank zu drücken und mich selber regelmäßig zum Nacharbeiten des Lernstoffs zu bringen. Es war auch nicht
einfach neben den alltäglichen Dingen, wie Haushalt und Familie und
meinem Job, die Selbstdisziplin aufrechtzuerhalten. Mit ein wenig Hilfe
von Freunden konnte ich jedoch auch meinen inneren Schweinehund
überwinden und mich doch zum Lernen motivieren. Immerhin war
mein Ziel in greifbarer Nähe.
Was fanden Sie in der Prüfung einfach oder schwierig?
SCHWAN: Es fiel mir nicht ganz leicht, mit der nötigen Gelassenheit
und Sicherheit zur Prüfung zu gehen und nicht nervös in Panik zu
verfallen. Obwohl ich mich im Stoff und dem gelernten Wissen
relativ sicher und gut vorbereitet fühlte, ist die Prüfungssituation
doch immer etwas anderes, als Testaufgaben im Unterricht oder
zu Hause auf dem Sofa durchzugehen. Obwohl ich mich bemüht
WORKSHOPS FÜR IHK-PRÜFER
Im Rahmen der Neuberufung der Prüfungsausschüsse in den kaufmännischen und kaufmännisch-verwandten Ausbildungsberufen zum
1. April werden zu den folgenden Themen Prüferworkshops angeboten:
praktische Prüfung nach Ausbilder-Eignungsverordnung – Ablauf, Fragetechniken, Bewertung, Zusammensetzung der Prüfungsausschüsse;
rechtliche Grundlagen für (neue) Prüfer; Fragetechniken in mündlichen
Prüfungen; Softskills; Korrektur schriftlicher Prüfungsaufgaben in der
Weiterbildung, insbesondere komplexe Situationsaufgaben; Rolle und
Funktion der Vorsitzenden im Prüfungsausschuss. Weitere Infos und
Anmeldung online unter www.frankfurt-main.ihk.de/prueferworkshop.
IHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
habe, die Prüfungssituation ansatzweise nachzustellen, also mich
an einen zeitlichen Rahmen zu halten und nicht ständig in den
Lernmaterialien nachzulesen, ist der Prüfungstag dann doch völlig
anders.
Sie haben die Prüfung im Gesamtergebnis mit der Note „sehr gut“
abgeschlossen und gehören damit zu den IHK-Besten des Jahrgangs 2014. Dafür wurden Sie auch Anfang Oktober im Rahmen
der IHK-Bestenehrung ausgezeichnet. Was empfehlen Sie anderen
Interessierten, die eine Prüfung als Externe ablegen wollen?
SCHWAN: Mir hat es viel geholfen, mich mit Schulkollegen
regelmäßig zu treffen. In unserer Lerngruppe konnte ich viel
fokussierter lernen, als dies im Alltag oder alleine zu Hause
möglich gewesen wäre. Außerdem war die überschaubare Zeit
bis zur Prüfung eine große Hilfe, meine Priorität festzulegen. Ich
habe mich mit Partner und Freunden abgesprochen, so erhielt
ich viel Unterstützung und Verständnis für meine Ausbildung.
Besonders der „Tritt in den Hintern“ meiner Freunde, wenn ich
zu viel Zeit für Freizeitaktivitäten opferte, anstatt mal ins Buch
zu schauen und regelmäßig ein paar Seiten zu lesen und zu
lernen, hat mir sehr geholfen. Wenn man vom privaten Umfeld
unterstützt wird, motiviert das ungemein.
Hat der Ausbildungsabschluss nun auch Auswirkungen auf Ihre
berufliche Zukunft?
SCHWAN: Sicherlich, große Auswirkungen sogar. Aktuell zog es eine
finanzielle Verbesserung nach sich, aber auch meine Aufstiegschancen
haben sich beträchtlich verbessert. Mir erschließen sich jetzt neue Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens. Ich kann Prozesse
optimieren, mich beispielsweise bei Verhandlungen mit Speditionen
oder Logistik-Dienstleistern einbringen oder sogar selbst Verhandlungen
führen. Zudem ist der Umgang mit Berufskollegen anderer Firmen nun
viel leichter. Wir sprechen im beruflichen Bereich oder im Alltag nun
dieselbe Sprache. Auch bei einem geplanten Firmenwechsel wäre es
selbstverständlich wesentlich einfacher, einen neuen Arbeitgeber zu
finden, wenn man einen qualifizierten Abschluss vorweisen kann. ❙
INTERVIEW
CHRISTOPH KOCH
Teamleiter, Kaufmännische Ausbildungsprüfungen,
IHK Frankfurt
c.koch@frankfurtmain.ihk.de
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IHK WirtschaftsForum 03.15
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FOTOS: GETTYIMAGES / CSA IMAGES
Frischer Wind im Büro: Die alten Ausbildungsberufe
Bürokaufleute sowie Kaufleute und Fachangestellte für
Bürokommunikation wurden ersetzt, da sich das Berufsbild in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt hat.
K AUFLEUTE FÜR BÜROMANAGEMENT
„EINE GROSSE AUFWERTUNG“
Ein Gespräch mit Sammy Koch und Thomas Schulz, geschäftsführende Gesellschafter, AllOfficecenters, Frankfurt,
und Michaela Schröer-Standfuß, Personalleiterin, ICS International Identcode-Systeme, Neu-Anspach, über die
Neuordnung der kaufmännischen Büroberufe.
Herr Koch, wann und wo haben Sie das erste Mal von der Neuordnung der Büroberufe gehört?
KOCH: Die ersten Informationen zur Neuordnung der Büroberufe haben wir während einer Informationsveranstaltung der IHK Frankfurt
erhalten. Anschließend haben wir alle für uns relevanten Informationen und Fragen im Internet recherchiert und persönlich mit einem
IHK-Ausbildungsberater besprochen. Als Immobilienberater von sofort
bezugsfertigen Büroräumlichkeiten legen wir sehr großen Wert auf
flexible und transparente Arbeitsstrukturen. Daher auch unsere Entscheidung, im neuen Ausbildungsberuf auszubilden.
Der neue Ausbildungsberuf Kaufleute für Büromanagement fasst
künftig die bisherigen Berufsbilder der Bürokaufleute und Kaufleute
für Bürokommunikation zusammen. Damit schafft der neue Beruf
eine gemeinsame Ausbildungsgrundlage für die Dienstleistungen
unseres Unternehmens. Die veränderten Ausbildungsinhalte stellen
sich praxisorientierter dar und ermöglichen uns als Unternehmen,
schon heute kommunikative, kreative und flexible Mitarbeiter
auszubilden. Je nach Fähigkeit und Interesse ist anschließend der
Einsatz als Allrounder im Büroalltag oder als Spezialist in einem
Fachbereich möglich.
Frau Schröer-Standfuß, was waren Ihre Beweggründe, den neuen
Beruf Kaufleute für Büromanagement auszubilden?
SCHRÖER-STANDFUSS: Wir bilden bereits seit einigen Jahren erfolgreich in den bisher gültigen Berufsfeldern im Bürobereich aus.
Kernqualifikationen in Büro- und Geschäftsprozessen bilden die
gemeinsame Basis für alle Ausbildungsverhältnisse im neuen Ausbildungsberuf. Auf der Grundlage von zwei ausgewählten Wahlqualifikationen können Unternehmen jedoch flexibel und entsprechend
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IHK WirtschaftsForum 03.15
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Aus- und Weiterbildung
ihres Leistungsprofils ausbilden. Wie ist der neue Ausbildungsberuf
bei Ihren Bewerbern angekommen?
SCHRÖER-STANDFUSS: Die meisten Bewerber hatten sich bereits im
Vorfeld über den neuen Ausbildungsberuf informiert und wussten
auch in der Theorie, was auf sie zukommen würde. Unsere Bewerber
haben den neuen Beruf mit Begeisterung aufgenommen. Zum einen
wertet die neue Berufsbezeichnung die Ausbildung – zumindest aus
psychologischer Sicht – für sie sofort auf. Zum anderen sehen sie darin
eine gute Gelegenheit, sich bereits während der Ausbildung nach der
Kernqualifikation in die Richtung zu spezialisieren, für die sie eine
besondere Neigung oder Fähigkeit besitzen.
Sammy Koch, geschäftsführender Gesellschafter, AllOfficecenters, Frankfurt:
„Nahezu alle Bewerber haben den neuen
Ausbildungsberuf sehr positiv aufgefasst
und sehen die Veränderung als eine große
Aufwertung.“
KOCH: Auch wir können von einer positiven Resonanz berichten. Nahezu
alle Bewerber haben den neuen Ausbildungsberuf sehr positiv aufgefasst
und sehen die Veränderung als eine große Aufwertung. Viele Bewerber
waren bereits durch Internetrecherchen, IHK-Infobroschüren oder auch
schulische Unterrichtungen sehr gut informiert.
Der neue Kaufmann für Büromanagement erhält zehn Wahlqualifikationen, mit denen die Betriebe künftig noch flexibler und
passgenauer ausbilden können. Welche Vorteile bietet das für die
Unternehmen und die Azubis?
SCHRÖER-STANDFUSS: Wir begrüßen die neue Struktur der Ausbildung, weil sie zunächst einmal in der Phase der Kernqualifikation
allen Auszubildenden fundiertes Basiswissen vermittelt und sie für
das Berufsprofil des Kaufmanns für Büromanagement qualifiziert.
Des Weiteren gibt die Wahlqualifikation sowohl den Unternehmen die
Möglichkeit, Spezialisten für bestimmte Fachbereiche zu rekrutieren,
als auch den Auszubildenden die Chance, sich bereits in der Ausbildung
ihren Interessen und Stärken entsprechend beruflich zu orientieren.
Außerdem können die gewählten Qualifikationen viel umfassender und
intensiver vermittelt werden.
Aus den zehn Wahlqualifikationen müssen bei Vertragsabschluss
zwei ausgewählt werden. Grundsätzlich können nur solche Bausteine
gewählt werden, die vom Ausbildungsbetrieb tatsächlich vermittelt
LINK ZUM THEMA
Weitere Infos über die neu geordneten kaufmännischen Büroberufe
online unter www.frankfurt-main.ihk.de/neue-ausbildungsberufe.
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werden können. Wer legt in Ihrem Unternehmen die Wahlqualifikationen fest?
SCHRÖER-STANDFUSS: Als einer der führenden deutschen Anbieter
von IT-Systemlösungen für Lager, Produktions- und TransportLogistikumgebungen haben wir uns sehr schnell für die Wahlqualifikationen „Auftragssteuerung und -koordination“ sowie „Einkauf
und Logistik“ entschieden, da diese Fachbereiche Schwerpunkte in
unserem administrativen Bereich sind. Für andere Wahlqualifikationen, wie beispielsweise Marketing, bieten wir bereits separate
Ausbildungen an.
Herr Schulz, bei dem neuen Ausbildungsberuf wird die Abschlussprüfung in zwei Teilen durchgeführt. Die bisherige Zwischenprüfung wird
es nicht mehr geben. Welche Vorteile sehen Sie in der sogenannten
gestreckten Abschlussprüfung?
SCHULZ: Die entzerrte Prüfung erleichtert deutlich die Vorbereitung. Für
die Auszubildenden bedeutet dies, dass die Prüfungssituation dadurch
konzentrierter und entspannter wird. Sie haben zwei Prüfungstermine
mit Ernstcharakter statt bisher nur einen einzigen Termin. Dies fördert
die Motivation der Auszubildenden, beide Teile der Prüfung erfolgreich
abzulegen.
Michaela Schröer-Standfuß, Personalleiterin,
ICS International Identcode-Systeme, NeuAnspach: „Die veränderten Ausbildungsinhalte stellen sich praxisorientierter dar und
ermöglichen uns als Unternehmen, schon
heute kommunikative, kreative und flexible
Mitarbeiter auszubilden.“
SCHRÖER-STANDFUSS: Uns gefällt die neue Struktur, denn sie bietet
für die Auszubildenden einige Vorteile. Sie können sich beim ersten Teil
ganz auf die unternehmensbezogene Prüfung an einem Praxisbeispiel
im Bereich informationstechnisches Büromanagement konzentrieren.
Ein weiterer Vorteil ist beim zweiten Teil die Wahl zwischen Report
und klassischer Fachgesprächsvariante. Da haben die Auszubildenden die Möglichkeit, sich ganz konkret auf Themen vorzubereiten,
die ihnen im Laufe der Ausbildung auch sehr nahegebracht wurden.
Zudem verteilt sich durch die zwei Prüfungen auch etwas der Druck,
der ansonsten entsteht, wenn man nur eine Prüfungschance am Ende
der Ausbildung hat.
❙
INTERVIEW
WIKTOR
BARTENBACH
Ausbildungsberater,
IHK Frankfurt
w.bartenbach@
frankfurt-main.
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IHK WirtschaftsForum 03.15
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WEITERBILDUNG
HEUTE TREND, MORGEN STANDARD
Viel ist zurzeit von Disruptionen die Rede, von den kommenden umwälzenden Veränderungen der Wirtschaft
und der Auflösung von Branchengrenzen. Im Folgenden ein Überblick, wie sich Unternehmen fit für den großen
Umbruch machen können.
V
iele Branchengrenzen lösen sich auf, wie beispielsweise in der
Automobilbranche. Google kooperiert hier mit Audi, Mercedes
und Ferrari arbeiten neuerdings mit Apple zusammen. Das ist
kein Zufall, sondern ein sich deutlich abzeichnender Trend: Unternehmen überwinden nicht nur Unternehmensgrenzen, wie heute
schon beim Management von Wertschöpfungs- und Lieferketten
(Supply-Chain-Management), sie überschreiten auch Branchengrenzen. Wie wir alle wissen: Was heute Trend ist, ist morgen vielleicht
schon Standard. Sollte es tatsächlich so weit kommen, liegt zwischen
Heute und Morgen jedoch eine heftige Disruption (englisch „disrupt“:
unterbrechen, zerreißen).
Neue Konzepte gefragt
Wollen zum Beispiel die Entwickler von Audi und Google erfolgreich
zusammenarbeiten, sollten die Teammitglieder die Branchengesetze
und -gepflogenheiten ihres jeweiligen Gegenübers aus dem anderen
Unternehmen kennen. Diese Schnittstellenproblematik zwingt Personalabteilungen, Bildungsreferenten und die Personalentwicklung in
den Unternehmen förmlich zu etwas, das – wenn überhaupt – bislang
nur in Ausnahmefällen gemacht wurde: gezielt branchenübergreifende
Seminarkonzepte zu erstellen.
STUDIE „WEITERBILDUNG IM UMBRUCH“
Die kostenlose Studie „Vernetzt denken, vernetzt lernen – Weiterbildung im Umbruch“, herausgegeben vom Institute of Corporate Education und dem Institut für Demoskopie Allensbach, kann online unter
info@incore-education.org angefordert werden.
28
Welt im Wandel
Die Welt steht an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution; Unternehmen sehen sich mit fundamentalen Veränderungen
konfrontiert, Komplexität und Dynamik nehmen zu – was sich auch
im neuen Kunstbegriff Dynaxität widerspiegelt. Immer häufiger ist
die Rede davon, dass wir in einer Vuca-Umgebung leben, das heißt,
einem Umfeld, das zugleich volatil, unsicher, komplex und ambivalent ist. Viele Unternehmer sind zunehmend verunsichert, wenn
es um Entscheidungen und Investitionen geht. Althergebrachte
Wirtschafts- und Lebensmuster werden infrage gestellt. Viele Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter, die bislang ein eher stabiles
Unternehmens-, Branchen- und Konjunkturumfeld gewohnt waren,
fühlen sich dadurch überfordert. Damit sie nicht von der Welle der
Entwicklung fortgerissen werden, sondern möglichst gut gewappnet
in diese neue Ära disruptiver Änderungen aufbrechen können, bedarf
es einer guten Vorbereitung – beispielsweise durch die betriebliche
Weiterbildung.
Dabei sehen sich die Fachleute für betriebliche Weiterbildung in den
Unternehmen derzeit selbst zahlreichen neuen Themen, Technologien
und Methoden gegenüber: etwa kostenlosen Onlinekursen für jedermann
(Massive Open Online Courses) und adaptiven Lernsystemen, bei denen
sich Inhalte an den Lernenden vor dem Bildschirm dynamisch hinsichtlich Lerntyp oder Lernfortschritt anpassen. Oder aber fotorealistische
virtuelle Lernwelten, wo man mit seiner Grafikfigur (Avatar) durch
Bibliotheken und Seminarsäle in virtueller 3-D-Welt schreiten kann.
Kein Wunder also, wenn sich selbst viele jener internen Fachexperten
überfordert fühlen, die doch der Belegschaft eigentlich diese Themen
näherbringen sollten.
IHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
Vernetztes Denken
Aus dieser scheinbar ausweglosen Situation gibt es einen vergleichsweise einfachen Ausweg. Das Stichwort lautet „vernetztes Denken“.
Wenn die Branchengrenzen fallen und sich die verschiedenen Branchen
miteinander vernetzen, verkörpert vernetztes Denken den logischen
Weg zur Bewältigung dieser Disruption. Vernetztes Denken ist in der
betrieblichen Praxis weitgehend bekannt – immerhin erschien Frederic
Vesters wegweisendes Buch zum Thema bereits 1978 –, wird aber noch
nicht ausreichend praktiziert. Allein schon deshalb, weil das Thema
sehr selten in Seminarprogrammen auftaucht. Noch. Doch es gibt erste
Anzeichen, dass sich das nun ändern könnte.
Was Topmanager denken
Entsprechende Hinweise liefert eine aktuelle repräsentative Studie, die
das von der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geförderte Institute
of Corporate Education (Incore) in Zusammenarbeit mit dem Institut
für Demoskopie Allensbach (IfD) erstellt hat: „Vernetzt denken, vernetzt
lernen – Weiterbildung im Umbruch“. Danach erachten 87 Prozent
der Topentscheider in Unternehmen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern
in Deutschland vernetztes Denken als für den langfristigen Erfolg des
eigenen Unternehmens von großer Bedeutung. 52 Prozent gar halten
es für einen Schlüsselfaktor für zukünftigen Erfolg. Woraus sich die
Frage erhebt: Wenn vernetztes Denken so wichtig ist, wie sichert sich
ein Unternehmen genügend Mitarbeiter, die es beherrschen.
FÜNF ANSATZPUNKTE FÜR VERNETZTES DENKEN UND LERNEN
Gemeinsamkeit will gelernt sein
In Zukunft werden jene Unternehmen erfolgreich sein, bei denen Manager und Mitarbeiter in der gesamten Wertschöpfungskette und darüber hinaus nicht nur zusammen arbeiten, sondern auch zusammen trainieren.
Transformation durch Training
Nur mit dem aus diesem vernetzten Training erwachsenden gemeinsamen Verständnis, Sprachgebrauch und den daraus resultierenden Synergien lassen sich sowohl die Markt- und Strukturbrüche als auch die
umwälzenden Veränderungen der Zukunft zeitnah und reibungsarm erfolgreich bewältigen.
Durch Sparen wird man nicht reich
Grenzüberschreitende vernetzte Weiterbildung gibt es nicht zum Nulltarif. Dafür sind Investitionen in neue Bildungsprogramme und übergreifende Strukturen, wie zum Beispiel Supply Chain Academies, nötig
sowie neue Kompetenzen in Personalentwicklung und Personalabteilung.
Es lebe die Grenzüberschreitung
Vor allem Manager, die branchenbezogen Grenzen überschreiten, haben
in Zukunft Erfolg in komplexen Supply Chains (Wertschöpfungsketten).
Querdenker gesucht
Künftig verwandelt sich unkonventionelles, bestehende Regeln und Gewissheiten hinterfragendes Denken vom Störfaktor zum Schlüsselfaktor des Erfolgs.
Branchenübergreifende Bildung
Der einfachste Weg dahin führt über die Einstellung vernetzt kompetenter Bewerber. Der etwas ergiebigere Weg führt über die betriebliche
Weiterbildung in drei Stufen. Auf der ersten Stufe trainieren jene
Fachabteilungen eines Unternehmens – am besten projektbezogen –
zusammen, die auch zusammenarbeiten. Auf Stufe zwei werden Führungskräfte und Mitarbeiter unternehmensübergreifend zusammen mit
Kollegen anderer Firmen aus derselben Wertschöpfungskette geschult
und entwickelt. Größere Unternehmen gründen dafür sogenannte Supply Chain Academies, Mittelständler bedienen sich zu diesem Zweck
manchmal der Kooperation.
Auf der dritten Stufe befindet sich eine Corporate Academy, bei
der über Branchengrenzen hinweg gemeinsam trainiert wird. Viele
Unternehmen arbeiten derzeit an Konzepten für diese funktions-,
unternehmens- und branchenübergreifende Weiterbildung. Allein
diese ungewohnte konzeptionelle Anstrengung bedeutet oft bereits
eine Unterbrechung des üblichen Tagesgeschäfts. Wer jedoch diese
gewollte Abweichung von der Routine nicht auf sich nimmt, wird
sich schwertun mit den ungewollten Disruptionen, die eine ungewisse
Zukunft für uns alle bereithält.
❙
AUTOREN
DR. HEIKO VON
DER GRACHT
Leiter Think Tank für
Zukunftsmanagement,
Institute of Corporate
Education, Berlin
hgracht@incoreeducation.org
IHK WirtschaftsForum 03.15
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05.02.15 18:56
DEUTSCHER QUALIFIK ATIONSRAHMEN
WEITERBILDUNG AUF HÖHENFLUG
Die Qualifikationsrahmen tragen dazu bei, Bildungsabschlüsse innerhalb der EU besser vergleichen zu können.
T
FOTO: GETTYIMAGES / TOM MERTON
In Deutschland absolvieren so viele Menschen eine Weiterbildung wie nie zuvor. EQR und DQR machen Weiterbildung europafähig. Absolventen und Unternehmen profitieren von der Zuordnung der Prüfungsabschlüsse.
alente sind knapp. Die Folge ist: Betriebe suchen händeringend gut
qualifizierte und hinreichend motivierte Mitarbeiter“, sagte Karen
Hoyndorf, stellvertretende IHK-Präsidentin, anlässlich ihrer Begrüßungsrede zur Jahrestagung Personal. „Der europäische Qualifikationsrahmen
und der deutsche Qualifikationsrahmen sind eine gute Hilfestellung, um die
Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen in der EU bei der Rekrutierung
neuer Mitarbeiter zu erleichtern.“ Seit 2009 nutzen immer mehr Menschen
die Freizügigkeit am EU-Arbeitsmarkt: Sie suchen jenseits der Landesgrenzen
einen Job und legen bei der Bewerbung ihre Zeugnisse vor.
Die EU-Staaten haben unterschiedliche Bildungssysteme mit einer
Fülle verschiedener Abschlüsse. Das macht es schwer, einzuschätzen,
welche Kompetenzen ein im EU-Ausland erworbener Abschluss beinhaltet. Die EU-Kommission hat deshalb den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) für lebenslanges Lernen entwickelt. Er schafft
Transparenz über Landesgrenzen hinweg und fördert die europaweite
Mobilität von Arbeitnehmern. Der EQR unterscheidet acht Qualifikationsniveaus. Je höher das Niveau, desto höher sind die erworbenen
fachlichen und persönlichen Kompetenzen.
Am 1. Mai 2013 ist der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) in Kraft
getreten. Er überträgt für ab diesem Zeitpunkt ausgestellte Zeugnisse das
EQR-Modell auf das deutsche Bildungssystem. Für Absolventen der beruflichen Bildung in Deutschland gilt: Ausbildungsabschlüsse mit zweijähriger
Ausbildungszeit sind dem Niveau drei zugeordnet, Ausbildungsabschlüsse
mit drei- und dreieinhalbjähriger Ausbildungszeit dem Niveau vier.
Besondere Bedeutung kommt dem DQR bei der Aufstiegsfortbildung
zu. Angesichts des sich zunehmend abzeichnenden Fachkräftebedarfs ist
die betriebliche Weiterbildung von Beschäftigten ein zentraler Baustein
zur Sicherung qualifizierter Mitarbeiter und somit auch ein zentrales
Instrument betrieblicher Personalpolitik. Wie sich die hessischen Betriebe
30
2013 verhalten haben, zeigt das Betriebspanel Hessen des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit auf.
Befragt wurden 1 000 hessische Arbeitgeber.
Die Weiterbildungsbereitschaft der hessischen Betriebe bewegt sich
weiterhin auf einem hohen Niveau. Eine deutliche Mehrheit der Betriebe
übernimmt die anfallenden Kosten und ermöglicht eine Weiterbildung
während der Arbeitszeit. Auch der Nationale Bildungsbericht 2014 berichtet
nach einer langen Phase der Stagnation in der Weiterbildungsteilnahme,
die von 1997 bis 2010 dauerte, aktuell von einem deutlichen Anstieg der
Weiterbildungsbeteiligung von 42 auf 49 Prozent. Jährlich absolvieren rund
50 000 Frauen und Männer bei den IHKs eine Prüfung der Aufstiegsfortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), zum Beispiel zum Fachwirt
oder Industrie- beziehungsweise Fachmeister. Diese Fortbildungsabschlüsse
befinden sich auf der gleichen Stufe wie der Bachelorabschluss der Hochschulen (DQR-Niveau sechs). Seit dem 1. Juli 2014 ist ein Hinweis auf den
Abschlusszeugnissen eingeordneter IHK-Fortbildungsprüfungen vermerkt,
welchem DQR-Niveau der erreichte Abschluss entspricht. „Der Hinweis auf
das DQR-Niveau ist ein bildungspolitischer Meilenstein. Denn dieser Satz
macht die Gleichwertigkeit von beruflicher und hochschulischer Bildung
deutlich“, so Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.
Bislang sind dem DQR und damit auch dem EQR Qualifikationen des
formalen Bildungssystems – der Berufsbildung und der Hochschulbildung –
zugeordnet. Die Zuordnung der allgemeinbildenden Schulabschlüsse wird bis
2017 zurückgestellt, eine Ausweitung auf andere Lernbereiche wie informelles
Lernen ist ebenfalls vorgesehen. Da die Umsetzung der Zuordnung sukzessive erfolgt, überrascht es nicht sonderlich, dass erst wenige Unternehmen
den DQR kennen. Gerade 16 Prozent der im Frühjahr 2014 im Rahmen der
Ausbildungsumfrage der IHK-Organisation befragten 13 000 Unternehmen
gaben an, den DQR zu kennen. Allerdings erwarten davon rund 70 Prozent
vom DQR einen unternehmerischen Nutzen.
Die gleichwertige DQR-Zuordnung von Qualifikationen der Berufsund der Hochschulbildung macht die hohe Qualität der deutschen
WEITERE INFOS
Weitere Informationen zum deutschen und europäischen Qualifikationsrahmen (DQR / EQR) mit einer vollständigen Übersicht der aktuell zugeordneten Qualifikationen online unter www.dqr.de. Qualifikationen, die nicht in dieser Übersicht stehen, sind noch nicht zugeordnet.
Sollten DQR-Zuordnungen von Qualifikationen vorgelegt werden, die
dort nicht erfasst sind, handelt es sich um nicht autorisierte Zuordnungen. Wer wissen möchte, welchem Niveau eine bestimmte Qualifikation zugeordnet ist, kann unter „Qualifikationstyp“ und / oder
„Qualifikation“ danach suchen. Wer lediglich wissen möchte, welche
Qualifikationen auf einem bestimmten Niveau angesiedelt sind, sucht
über „DQR- / EQR-Niveau“.
IHK WirtschaftsForum 03.15
Aus- und Weiterbildung
Berufsbildung europaweit sichtbar. Für Unternehmen kann das beispielsweise bei der Bewerbung auf internationale Ausschreibungen hilfreich
sein. Sie können die Beschreibungskategorien des DQR auch innerhalb
des Unternehmens nutzen, um mehr Transparenz zu schaffen, wenn es
zum Beispiel um die Erstellung von Anforderungsprofilen, Arbeitsplatzbeschreibungen, Stellenausschreibungen und Soll-Ist-Analysen geht.
Von der Transparenz durch den DQR profitieren auch und gerade die
Bildungseinrichtungen. Sie können die kompetenzorientierten Kategorien des DQR für die (Weiter-)Entwicklung von Curricula nutzen. Das
unterstützt transparente Leistungsbeschreibungen. Der Nutzen eines
Bildungsangebots lässt sich für die Adressaten auf gut nachvollziehbare
Weise verdeutlichen.
Die Zuordnung zu DQR und EQR kann Absolventen zum Beispiel bei
Bewerbungen helfen, potenziellen Arbeitgebern im EU-Ausland, aber
durchaus auch im Inland, die eigene berufliche Kompetenz verständlich zu
präsentieren und die Gleichwertigkeit bestimmter beruflicher mit akademischen Abschlüssen zu verdeutlichen. Anhand der Qualifikationsrahmen
können zudem der eigene Karriereweg geplant und bei Bedarf geeignete
weiterführende Bildungsmaßnahmen ausgewählt werden. DQR und EQR
können ferner im Rahmen von Prüfungen die Anrechnung bereits erbrachter
Bildungsleistungen und den Zugang zu Bildungsgängen erleichtern. Rechtliche Ansprüche werden durch die Zuordnung allerdings nicht begründet.
Ob frisch gebackene Fachkraft nach bestandenem Ausbildungsabschluss oder Teilnehmer einer bestandenen Fortbildungsprüfung: Mit
IHK WirtschaftsForum 03.15
dem deutschsprachigen Zeugnis erhalten Absolventen der IHK Frankfurt
seit Jahren zugleich eine Übersetzung in Englisch und Französisch. Dies
entspricht dem Trend, dass sich die Berufstätigen in ihrem Erwerbsleben
häufiger bei internationalen Arbeitgebern vorstellen werden. Diese
Übersetzungen umfassen nun auch die Zuordnung zu DQR und EQR.
„Der Berufsbildungsausschuss der IHK Frankfurt will die Weiterbildungsbereitschaft bei Arbeitnehmern und Unternehmen auch in Zukunft
weiter fördern und ausbauen“, heißt es in einer Stellungnahme des
Gremiums. Michael Krieger und Jörg Ferrando, die beiden alternierenden
Ausschussvorsitzenden, erwarten deshalb nach einer Diskussion im Berufsbildungsausschuss von der Bundesregierung umgehend eine Zuordnung
der noch ausstehenden Fortbildungsprüfungsregelungen und fordern: „Für
die in Frankfurt erlassenen Prüfungsordnungen, zum Beispiel für Investmentfachwirte, Industriemeister Luftfahrttechnik und Energiefachwirte,
❙
muss rasch die Zuordnung im DQR-System erfolgen.“
AUTOR
THOMAS STETZ
Stellvertretender
Geschäftsführer,
Aus- und Weiterbildung, IHK Frankfurt
t.stetz@frankfurtmain.ihk.de
31
Aus- und Weiterbildung
GÜTESIEGEL
QUALITÄTSMANAGEMENT AN SCHULEN
FOTO: SCHULEWIRTSCHAFT
Vor fünf Jahren wurde das Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung Hessen eingeführt. Es wird an Schulen vergeben, die
ihre Schüler unter anderem durch betriebliche Kooperationen und Praktika vorbildlich auf das Erwerbsleben vorbereiten.
Bislang können 169 hessische Schulen das Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung vorweisen.
S
chüler sollten sich rechtzeitig damit beschäftigen, was sie nach
der Schule tun wollen und was sie dafür tun müssen. Schule und
Unternehmen können sie dabei entscheidend unterstützen, wenn
sie kooperieren“, sagte Mathias Samson, Staatssekretär, hessisches
Wirtschaftsministerium, anlässlich der Verleihung des Gütesiegels
Berufs- und Studienorientierung Hessen am 18. September in Karben.
Eine qualifizierte Berufsorientierung informiere nicht nur über die
Vielfalt der Ausbildungsberufe, sondern unterstütze die Jugendlichen
auch, ihre besonderen Fähigkeiten und Neigungen zu erkennen und
weiterzuentwickeln.
Das Gütesiegel wurde mit Beginn des Schuljahrs 2010 / 2011 in
Hessen eingeführt. Weil eine gute Berufs- und Studienorientierung ein
wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung ist, gehören die Vertreter der
hessischen Wirtschaft zu den Initiatoren des Gütesiegels und beteiligen sich am Zertifizierungsverfahren. Unterstützt wird das Gütesiegel
durch das hessische Kultusministerium, hessisches Wirtschaftsministerium, Landesarbeitsgemeinschaft SchuleWirtschaft, Vereinigung der
hessischen Unternehmerverbände, IHK-Arbeitsgemeinschaft Hessen,
Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern und Regi-
LINKS ZUM THEMA
Weitere Infos online unter www.netzwerk-berufswahl-siegel.de und
www.olov-hessen.de.
Mitarbeit in Audit-Teams
Unternehmen, die Berufsorientierung an Schulen mitgestalten wollen,
können durch Mitarbeit in den Audit-Teams diese Prozesse unterstützen. Weitere Informationen über die jeweils zuständigen Geschäftsführungen der Arbeitskreise SchuleWirtschaft oder über das Olov-Projektbüro. Kontakt: Gertrud Hirschhäuser, E-Mail ghirschhaeuser@vhu.de
oder guetesiegel@olov-hessen.de.
32
onaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Im Auftrag des
hessischen Kultusministeriums ist für die Organisation des Verfahrens
ein eigens eingerichtetes Projektbüro zuständig. Dieses ist damit betraut,
das Gütesiegel weiterzuentwickeln und das Zertifizierungsverfahren
zu koordinieren.
Das Gütesiegel wird an Schulen vergeben, die eine vorbildliche
Berufsorientierung mit Förderung der Ausbildungsreife nach den
Olov-Qualitätsstandards (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit
im Übergang Schule – Beruf) gestalten und umsetzen. In Schulen mit
gymnasialer Oberstufe und beruflichen Gymnasien wird zudem auch
die Studienorientierung bewertet.
Alle Schulen mit Sekundarstufe I und / oder gymnasialer Oberstufe sowie die beruflichen Gymnasien können sich um das Gütesiegel
bewerben. Die Bewerbungen werden zuerst von einer Jury geprüft.
Nach erfolgreicher Prüfung werden die schulischen Konzepte sowie
deren Umsetzung vor Ort in einem eintägigen Schulbesuch auditiert.
Den Auditteams gehören Vertreter aus dem Schulbereich, Unternehmen und Beratungsbereichen an. Ein Team besucht nach Absprache jeweils
eine Schule, an der es sich das Konzept der Berufs- und Studienorientierung erläutern lässt. Bei entsprechend guten Audit-Ergebnissen wird die
Schule für drei Jahre zertifiziert. Danach kann sie sich weiterführend für
eine Rezertifizierung bewerben. 59 der im September ausgezeichneten
77 Schulen hatten das Siegel schon vor drei Schuljahren erhalten und
wurden nun aufgrund ihres weiterentwickelten Angebots zur Berufs- und
Studienorientierung rezertifiziert. Insgesamt sind bereits 169 hessische
Schulen mit dem Gütesiegel ausgestattet und können damit werben.
Unternehmen, bei denen sich Schulabgänger von Schulen mit
Gütesiegel bewerben, können erwarten, dass die Schüler durch intensive betriebliche Kooperationen, Praktika und / oder Lernortwechsel
kontinuierlich mit den Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt
bekannt gemacht wurden. Sie wissen, welche Stärken und Fähigkeiten sie besitzen, und sind in der Lage, selbstständig Informationen
zu sammeln und auszuwerten. Die Schüler sind beim Verlassen der
Schule über ihre beruflichen Perspektiven informiert, können ihre
Berufs- beziehungsweise Studienwahl begründen und wissen am Ende
der Schulzeit, welchen Ausbildungsweg sie einschlagen möchten. ❙
AUTORIN
HEIKE WUNDER
Ausbildungsberaterin,
IHK Frankfurt
h.wunder@
frankfurt-main.
ihk.de
IHK WirtschaftsForum 03.15
FOTOS: PETRA MENKE
Laut Prognose des Dehoga Hessen wird es hierzulande bis 2020 nur noch rund 1 000 Gasthäuser geben.
GASTHAUSSTERBEN
„EIN GEFÄHRDETES KULTURGUT“
Ein Gespräch mit Gerald Kink, Präsident des Dehoga Hessen, über die Ursachen des Gasthaussterbens in ländlichen
Regionen, den ungebrochenen Trend zur regionalen Küche und das Dialogforum „Gasthaus trifft Rathaus“.
Herr Kink, in Hessen gab es vor
rund zehn Jahren etwa 3 000
Gasthäuser, inzwischen sind es
nur noch knapp 1800. Und ein
Ende des Gasthaussterbens ist
nicht in Sicht: Bis 2020 rechnet
der Dehoga Hessen mit einem
weiteren Rückgang um 40 Prozent. Wie beurteilen Sie diese
Entwicklung?
KINK: Angesichts dieser Zahlen
fällt mir nur das Wort „dramatisch“ ein.
Jedes Gasthaus hat seine eigene
Geschichte. Und jeder Gastwirt,
der sein Haus aufgibt, hat dafür
individuelle Gründe. Eine der
Hauptursachen für das Gasthaussterben ist landauf, landab die Nachfolgeproblematik.
Warum scheint der Beruf des
IHK WirtschaftsForum 03.15
Gastwirts für junge Menschen
so wenig attraktiv zu sein?
KINK: Kleine Gasthäuser sind
in der Vergangenheit oftmals
gerade eben über die Runden
gekommen, folglich gibt es immense Investitionsstaus. In vielen
Gasthäusern müssten Nachfolger
erst einmal kräftig Geld in die
Hand nehmen, um sie auf einen
modernen Standard zu bringen.
Gleichzeitig sind die Banken sehr
zurückhaltend, wenn es um Kredite für die Gastronomiebranche
geht. Das macht es für potenzielle Nachfolger nicht leichter,
diesen mutigen Schritt zu wagen.
Ein Gasthaus zu betreiben, ist
eine sehr komplexe, zeitintensive
Aufgabe. Bei einem Gastwirt
ist der Beruf daher immer auch
Berufung.
Gastwirte beklagen die überbordende Bürokratie. Müssten die
Betriebe angesichts des massiven
Gasthaussterbens von der Politik
nicht umso mehr unterstützt
werden, damit zumindest der
jetzige Bestand erhalten bleibt?
KINK: Das wäre wünschenswert,
denn das Füllhorn ist voll – mit
Auflagen, Verordnungen, Dokumentationspflichten. Es ist an der
Zeit, die Gastwirte zu entlasten
und eine Pause beim Erlassen
neuer Verordnungen einzulegen.
Bei entsprechend dünner Finanzdecke können neue Gesetze oder
Auflagen einem traditionellen
Gasthaus durchaus den Todesstoß
versetzen. Entfällt beispielsweise
der Bestandsschutz eines Gebäudes, verschlingen die gesetzlich
vorgeschriebenen Brandschutz-
GASTHAUS TRIFFT RATHAUS
Dienstag, 17. März, 15 bis 17 Uhr, Restaurant-Pension „Zur Frischen
Quelle“, Grävenwiesbach-Laubach
Gemeinsam mit Gastronomen, Kommunalpolitikern, Touristikern, Einzelhändlern und Vereinsvertretern möchte der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Hessen im Rahmen des Dialogforums „Gasthaus trifft
Rathaus“ nachhaltige Zukunftskonzepte erarbeiten, um das Kulturgut
Gasthaus in ländlichen Regionen zu bewahren. Eine Anmeldung ist
nicht erforderlich. Weitere Infos online unter www.dehoga-hessen.de.
33
Fachkräfte nur dann gewinnen und
halten, wenn eine entsprechende
Infrastruktur vorhanden ist. Dann
geben Standortfaktoren wie Kindergärten, Schulen, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten sowie
Kultur- und Freizeitangebote den Ausschlag, ob
die Fachkraft den Job
annimmt und mit
der Familie aufs
Land zieht. In
diesem Kontext
ist das Gasthaus
nur eine von vielen Stellschrauben.
türen manchmal den
kompletten Jahresumsatz
eines Gastwirts. Der Teufelskreis schließt sich: Das Geld fehlt
dann, um in den für die Gäste
sichtbaren Bereich zu investieren. Derzeit verbringt ein
Gastwirt etwa 20 bis 30 Prozent seiner täglichen Arbeitszeit
mit berufsfremden Dokumentationspflichten und sonstiger
Bürokratie. Diese Zeit fehlt für
die eigentliche Profession – den
Dienst am Gast.
Was bedeutet der seit Januar
geltende gesetzliche Mindestlohn für die Gastronomie?
KINK: In unserer Branche stand
der Mindestlohn überhaupt nicht
zur Debatte. Abgesehen von wenigen schwarzen Schafen, zahlte die
Branche längst weitaus höhere
Löhne als den gesetzlichen Mindestlohn. Dazu bedurfte es keines
neuen Gesetzes. Jeder Kollege,
der sein Haus verantwortungsvoll
und zukunftsorientiert führt, zahlt
gerne mehr, weil er gute, motivierte Mitarbeiter an sein Haus
binden möchte.
Seit Mitte Dezember gibt es
abermals ein neues Bürokratiemonster, die Allergenkennzeichnung.
KINK: Abgesehen von der unnötigen Bürokratie, trifft diese
neue EU-Verordnung die Branche
ins Herz. Sobald eine Rezeptur
geändert wird, muss dies in der
Speisekarte umgehend deklariert
werden. Für den Küchenchef sind
Spontanität und Kreativität dadurch passé. Mit der Folge, dass
Speisekarten in vielen Häusern
künftig sehr viel statischer sein
werden. Der Gesetzgeber will mit
34
dieser Verordnung die Verbraucher
schützen, tatsächlich ist es aber
eine Bevormundung. Essen hat
schließlich mit Genuss zu tun –
und es macht nicht wirklich Appetit, wenn man Speisekarten in
Gaststätten aufgrund der Kennzeichnung von Zusatzstoffen und
Allergenen wie Laborberichte liest.
Immer mehr Menschen zieht es
in die Städte. Ländliche Regionen entvölkern sich und vergreisen, dörfliche Strukturen
brechen weg. Oft schließt nicht
nur das letzte Gasthaus im Dorf,
längst haben auch Bäcker, Metzger und das Lebensmittellädchen
aufgegeben. Müsste das Thema
Gasthaussterben nicht in einen
umfassenderen Kontext gestellt
werden?
KINK: Diese einzelnen Aspekte dürfen keinesfalls isoliert betrachtet
werden, schlussendlich geht es um
die Sicherung der Lebensqualität
in ländlichen Regionen. Ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern, das
seinen Sitz beispielsweise in Mittelhessen hat, kann qualifizierte
Wenn ein alteingesessenes Einzelhandelsgeschäft aufgibt, dann ist der Aufschrei meist groß. Viele beklagen diesen Verlust, haben
dort aber selber jahrelang nicht
oder nur selten eingekauft. Lässt
sich ein ähnliches Phänomen
auch bei den Gasthäusern beobachten?
beim Gastwirt im Ort freudig mit
runden Geburtstagen, Taufen,
Konfirmationen oder Hochzeiten
zur Feier mit der Familie und
Freunden angemeldet hat. Das
hat sich ebenfalls verändert, diese
Umsätze sind stark geschrumpft.
Der Stammtisch und die Gäste,
die nach der Vereinssitzung oder
der Gesangsstunde auf ein paar
Bier vorbeischauen, sind für einen Gastwirt aber zu wenig, um
finanziell überleben zu können.
Die Essgewohnheiten und das
Freizeitverhalten der Menschen
haben sich ebenfalls gewandelt.
Das klassische Gasthaus hat
Konkurrenz bekommen.
KINK: Die großen Supermärkte und Möbelhäuser mit ihren
angegliederten Stehcafés und
Restaurants, Fastfoodketten und
Shoppingcenter sind ganz harte
Wettbewerber, die Konsumkraft
abziehen. Ich finde es sehr traurig,
wenn die Großeltern mit ihrem
Enkelchen zu Fastfoodrestaurants
fahren, statt in einem gemütli-
Gerald Kink, Präsident, Dehoga Hessen, und
geschäftsführender Gesellschafter, Hotel
Oranien, Wiesbaden: „Dorfgasthäuser sind
Orte der Begegnung, des Austauschs und
des Wohlbefindens. Sie sind ein wertvolles,
bewahrenswertes Kulturgut.“
KINK: Durchaus. Aber ich glaube,
das ist vielen Menschen gar nicht
bewusst. Oftmals merken sie erst
dann, wenn ein Geschäft oder
Gasthaus nicht mehr da ist, dass
es eigentlich zum Dorf gehört hat.
Vorher hat man aber vielleicht
gar nicht daran gedacht, dass
man dort öfter hätte einkaufen oder einkehren können. Vor
20, 30 Jahren war es auch noch
selbstverständlich, dass man sich
chen Dorfgasthaus einzukehren.
Es gibt doch nichts Schöneres als
diese Form des Miteinanders beim
gemeinsamen Essen. Dorfgasthäuser sind Orte der Begegnung,
des Austauschs und des Wohlbefindens. Sie sind ein wertvolles,
bewahrenswertes Kulturgut.
Müssen sich Gasthäuser in ländlichen Regionen neu erfinden,
um eine Zukunft zu haben?
IHK WirtschaftsForum 03.15
Standortpolitik
KINK: Ich würde es anders formulieren: Die Gastwirte sollten
sich auf das Wesentliche, das Bodenständige besinnen. Die vielfältigste Küche ist immer noch
die Hausmannskost mit regionalen und saisonalen Zutaten. Die
Produkte müssen klar definiert
und mit handwerklicher Qualität
und Sorgfalt zubereitet werden.
Und die gute alte Gaststube muss
auch nicht mit modernen Designelementen verunstaltet werden.
Menschen lieben authentische
Lokalitäten. Wenn dann noch das
Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt
und die Gäste spüren, dass die
Gastfreundlichkeit wirklich von
Herzen kommt, haben solche
Gasthäuser in Zukunft eine große
Chance.
In Kooperation mit dem Hessischen Tourismusverband und
dem Hessischen Städte- und
Gemeindebund hat der Dehoga
Hessen die Kampagne „Gasthaus
trifft Rathaus“ initiiert. Welche
Ziele verfolgen Sie mit diesem
Dialogforum?
KINK: Es geht uns zum einen
darum, Politik und Öffentlichkeit für das gefährdete Kulturgut
Gasthaus zu sensibilisieren. Zum
anderen wollen wir gemeinsam
mit Wirten, Bürgermeistern, Landräten, Vereinen und Touristikern
nach Lösungsansätzen suchen, um
Dorfgasthäusern ein Überleben
zu sichern. Der guten alten Zeit
nachzutrauern oder in bekannten
Problemen zu verharren, bringt
uns nicht weiter. Es muss darum
gehen, die veränderten Rahmenbedingungen als gegeben zu akzeptieren und daraus Zukunftsperspektiven für die Branche zu
entwickeln. Niemand hat derzeit
ein Patentrezept, wie das Kulturgut Gasthaus gerettet werden
könnte. Das ist ohnehin eine Aufgabe, die alle Akteure gemeinsam
angehen müssen. Dieser Prozess
darf dabei nicht losgelöst von der
IHK WirtschaftsForum 03.15
Weiterentwicklung touristischer
Destinationen betrachtet werden. Politiker und Touristiker sind
gefordert, das Kirchturmdenken
hinter sich zu lassen und über
Stadt- und Kreisgrenzen hinweg
ihre Kräfte zu bündeln, um Synergien zu heben.
Zwei Jahre lang tourt die Roadshow durch Hessen, um Dialoge vor Ort anzustoßen und die
Öffentlichkeit wachzurütteln.
Doch wie geht es weiter, wenn
die Kampagne gegen das Gasthaussterben beendet ist?
KINK: Natürlich reicht es nicht
aus, Dinge bloß anzustoßen. Man
muss anschließend auch seine
Hausaufgaben machen. Bei der
Veranstaltungsreihe möchten wir
zunächst genau hinhören, welche
Themen den Gastwirten in verschiedenen hessischen Regionen
besonders wichtig sind. Im Verlauf
der Roadshow werden sich nach
und nach Problemfelder herauskristallisieren. Und wir müssen
dann schauen, welche Lösungsansätze wir als Branchenverband
anbieten können. Erfreulich ist
es, dass die Auftaktveranstaltung bereits Eigendynamik entwickelt hat und das Thema in
der Politik angekommen ist: Im
Main-Kinzig-Kreis soll das Thema
„Gasthaus trifft Rathaus“ auf
die Tagesordnung der nächsten
Bürgermeisterdienstversammlung
gesetzt werden.
Ergänzen Sie abschließend bitte
noch den Satz: Ein Dorf ohne
Gasthaus ist …
KINK: … ein Dorf ohne Seele. ❙
INTERVIEW
PETRA MENKE
Chefredakteurin,
IHK WirtschaftsForum, Unternehmermagazin der
IHK Frankfurt
p.menke@frankfurt-main.ihk.de
HESSISCHER
EXPORTPREIS 2015
Erzählen Sie uns Ihre internationale Erfolgsgeschichte
und bewerben Sie sich bis zum 20. April 2015 um den
Hessischen Exportpreis 2015!
Bewerber: Kleine und mittlere Unternehmen aus Hessen
(bis 250 Mitarbeiter)
Kategorien:
Handwerk grenzenlos erfolgreich
Service und Beratung international
Innovative Exportstrategien
Preisverleihung: 6. Juli 2015 in Frankfurt
WWW.HESSISCHER-EXPORTPREIS.DE
HESSEN
„UNSEREM LAND GEHT ES GUT“
FOTO: PICTURE-ALLIANCE / DPA
Ein Gespräch mit Volker Bouffier (CDU), hessischer Ministerpräsident und stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender,
über die erste schwarz-grüne Koalition eines Flächenlandes und die größten Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Hessen.
Debatte im Hessischen Landtag.
Herr Ministerpräsident, seit einem Jahr sind Sie Regierungschef der ersten schwarz-grünen
Koalition eines Flächenlandes.
Sehen Sie in dieser Konstellation
nach wie vor ein Zweckbündnis
oder gar ein Erfolgsmodell für
den Bund und für die nächste
Legislaturperiode in Hessen?
BOUFFIER: Bisher funktioniert
das zwischen CDU und Grünen
in Hessen gut. Die Atmosphäre
stimmt und die Konstellation
hat ein eigenes Profil entwickelt.
36
Die Gemeinsamkeiten, aber auch
die Unterschiede der beiden Koalitionspartner haben im ersten
Jahr mit dazu beigetragen, neue
Perspektiven zu eröffnen. Wir
sind in der Verantwortung und
dem Wunsch geeint, unser Land
ökonomisch, ökologisch und sozial weiter zu stärken. Wenn wir
weiter auf der Erfolgsspur bleiben,
wird sich zeigen, ob eine solche Koalition nicht auch für ein
anderes Bundesland oder sogar
auf Bundesebene eine Lösung
sein könnte. Nach einem Jahr
Erfahrung in Hessen lassen sich
zwei Dinge feststellen: Unsere
schwarz-grüne Landesregierung
arbeitet gerne und erfolgreich
zusammen und unserem Land
geht es gut.
Welche Ergebnisse der Arbeit
von Schwarz-Grün haben der
Wirtschaft aus Ihrer Sicht bisher
am meisten genutzt?
BOUFFIER: Wir haben bereits eine
ganze Reihe von Entscheidungen
mit positiven Wirkungen für die
hessische Wirtschaft auf den Weg
gebracht. Ich nenne drei: erstens,
die Novellierung des Vergaberechts, bei der wir ganz bewusst
die vor einigen Jahren eingeführten erhöhten Vergabefreigrenzen
beibehalten haben. Das stärkt
besonders die kleinen und mittelständischen Unternehmen vor
Ort. Zweitens ist es gelungen,
den Finanzplatz Frankfurt als
erstes Handelszentrum für die
chinesische Währung Renminbi
in der Eurozone zu etablieren. Das
nutzt ganz konkret den weltweit
agierenden Unternehmen, die ihre
Geschäfte mit dem Wachstumsmarkt China künftig einfacher und
günstiger abwickeln können. Und
drittens arbeiten wir in engem
Austausch mit für die hessische
Wirtschaft besonders wichtigen
Branchen an Zukunftskonzepten,
wie beispielsweise in der Initiative
Gesundheitsindustrie Hessen.
CDU und Grüne machen vor
allem Strukturpolitik, legen den
Fokus auf Bildung und Schul-
denbremse. Das freut auch die
Wirtschaft. Aber darüber hinaus kann die Landesregierung
auch Wachstumsimpulse geben.
Welche sind aus Ihrer Sicht am
stärksten?
BOUFFIER: Die wichtigste Voraussetzung für künftiges Wirtschaftswachstum ist eine intakte
Infrastruktur. Von herausragender
Bedeutung ist für Hessen immer
der Frankfurter Flughafen. Hier
haben wir in enger Abstimmung
mit der Region und Fraport einen
neuen Dialog angestoßen. Und
mit dem Lärmpausenmodell können die Anwohner eine Stunde
mehr Ruhe bekommen, ohne dass
dabei die Wettbewerbsfähigkeit
des Flughafens leidet. Auch ein
intaktes Straßennetz ist entscheidend. Hierbei setzen wir einen
Schwerpunkt auf die Sanierung
von bestehenden Straßen und
Brücken, verlieren aber auch regional bedeutende Neubauprojekte nicht aus dem Auge. Im
Bereich der Schiene gibt es wichtige Fortschritte: So läuft für die
Nordmainische S-Bahn zwischen
Frankfurt und Hanau inzwischen
für alle Abschnitte das Planfeststellungsverfahren, und auch der
dringend notwendige Ausbau der
Bahnstrecke von Hanau nach Fulda kommt endlich voran.
In Ihre aktuelle Amtszeit als
Präsident des Bundesrats fallen
die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Was empfinden Sie,
wenn in Dresden mehr als 10 000
Menschen auf die Straße gehen
IHK WirtschaftsForum 03.15
Standortpolitik
und „Wir sind das Volk rufen“,
um gegen eine angeblich fortschreitende Islamisierung und
Überfremdung zu protestieren?
BOUFFIER: Wahr ist: Der Islam ist
in Deutschland Realität. Deshalb
gehört er auch zu Deutschland.
Wahr ist aber auch, dass Tausende
Menschen auf die Straße gehen.
Das zeigt erst einmal, dass sich
diese Menschen Sorgen machen.
Es ist Aufgabe der Politik, zu zeigen, dass diese Ängste unbe-
gehören auch die beschlossenen Erleichterungen bei der Arbeitsaufnahme. Die sogenannte
Vorrangprüfung entfällt nun beispielsweise für Hochschulabsolventen in Engpassberufen, die die
Voraussetzungen für eine Blaue
Karte EU erfüllen oder für Fachkräfte, die eine anerkannte Ausbildung für einen Engpassberuf nach
der Positivliste der Bundesagentur
für Arbeit haben beziehungsweise an einer Maßnahme für die
Volker Bouffier, hessischer Ministerpräsident:
„Bisher funktioniert das zwischen CDU und
Grünen in Hessen gut. Die Atmosphäre
stimmt und die Konstellation hat ein eigenes
Profil entwickelt. Wenn wir weiter auf der
Erfolgsspur bleiben, wird sich zeigen, ob eine
solche Koalition nicht sogar auf Bundesebene eine Lösung sein könnte.“
gründet sind. Wir müssen ihnen
die Furcht vor der angeblichen
Islamisierung nehmen. Zwei Dinge
müssen aber klar sein: Wer hier
Stimmung macht, gefährdet den
gesellschaftlichen Frieden. Für
Intoleranz und Gewalttätigkeit
gibt es hier keinen Platz.
Die Wirtschaft braucht Fachkräfte, das Sozialsystem braucht
Zuwanderung. Sollte Hessen
jetzt nicht die Chance nutzen
und die Flüchtlinge, die ja hohe
Erwartungen bei ihrer Ankunft
in Deutschland haben, willkommen heißen und zügig in unsere
Arbeitswelt integrieren?
BOUFFIER: Zunächst ist es eine
große Herausforderung für Bund,
Länder und Kommunen, die bei
uns Hilfe suchenden Flüchtlinge
angemessen zu versorgen und
unterzubringen. Das Land Hessen
meistert diese Aufgabe bisher. Wir
werden die Potenziale nutzen,
welche die zu uns kommenden
Flüchtlinge mitbringen; dazu
IHK WirtschaftsForum 03.15
Berufsanerkennung teilnehmen.
Das gilt auch für Menschen, die
seit 15 Monaten ununterbrochen erlaubt, geduldet oder mit
einer Aufenthaltsgestattung in
Deutschland sind. Damit haben
auch Flüchtlinge die Chance, relativ schnell in den Arbeitsmarkt
integriert zu werden. Dies fügt
sich in die Fachkräftestrategie
des Landes Hessen ein.
Sie haben Bund und Länder aufgefordert, sich bis Ostern auf
eine Reform des Länderfinanzausgleichs zu einigen. Halten
Sie es für realistisch, dass dies
gelingt?
BOUFFIER: Die Interessenlage
der Länder ist so uneinheitlich,
dass ich sehr skeptisch bin. Bund
und Länder haben sich im Dezember darauf verständigt, bis
zur nächsten Besprechung der
Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder im Juni ein
Konzept für die Neuordnung der
Bund-Länder-Finanzbeziehungen
zu erarbeiten. Insbesondere nach
den jüngst veröffentlichten Zahlen
für 2014 ist aber eines unstrittig:
Das System des Länderfinanzausgleichs ist vollkommen aus den
Fugen geraten.
Woran hapert es eigentlich, dass
der Abbau der kalten Progression
bei der Einkommensteuer zwar
schon seit etlichen Jahren auf
der Agenda steht, aber bislang
nie richtig angepackt wurde?
BOUFFIER: Die Bekämpfung der
kalten Progression bleibt weiterhin eines der wichtigsten
Ziele in der Steuerpolitik. Lohnerhöhungen, die dem Ausgleich
von Preissteigerungen dienen,
dürfen nicht mehr von einem
höheren Steuertarif aufgezehrt
werden. Wir wollen finanzielle
Spielräume erarbeiten, um noch
in dieser Legislaturperiode Bürger
in einem ersten Schritt bei der
kalten Progression zu entlasten.
Voraussetzung hierfür bleiben
der ausgeglichene Haushalt und
der Verzicht auf Steuererhöhungen. Die Beseitigung der kalten
Progression verstehen wir als
Daueraufgabe.
Was sind die größten Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Hessen in den nächsten
fünf Jahren?
BOUFFIER: Sicherlich die Fachkräftesicherung – insbesondere
vor dem Hintergrund des de-
mografischen Wandels. Nur mit
qualifizierten Fachkräften können wir den bedeutenden Wirtschaftsstandort Hessen weiter
stärken. Auch die Angleichung
der Lebensumstände in den Ballungszentren und den ländlichen
Gebieten in Hessen ist eine große
Herausforderung. Weder vertragen die Ballungsräume einen
unkontrollierten Zuzug, noch verkraften die ländlichen Gebiete
einen anhaltenden Wegzug der
Menschen. Die unterschiedlichen
Lebensbedingungen in den Ballungszentren und dem ländlichen
Raum dürfen sich nicht zu weit
auseinanderentwickeln, damit
alle Regionen für die Menschen
in Hessen attraktiv bleiben. Eine
weitere große Herausforderung ist
außerdem nach wie vor die Umsetzung der Energiewende, wobei
wir an den im hessischen Energiegipfel 2011 formulierten Zielen
festhalten und uns weiterhin für
eine sichere, umweltschonende,
bezahlbare und gesellschaftlich
akzeptierte Energieversorgung
für alle hessischen Bürger und
Unternehmen einsetzen.
❙
INTERVIEW
GORDON BONNET
Leiter Unternehmenskommunikation,
IHK Wiesbaden
g.bonnet@wiesbaden.ihk.de
37
Schandfleck Hauptwache: Einzelhändler fordern schon seit Langem die Sanierung und Neugestaltung.
VITALE INNENSTADT
BESTNOTE FÜR DIE ERREICHBARKEIT
Das IFH Institut für Handelsforschung, Köln, untersucht mit Kooperationspartnern bundesweit die Vitalität der
Innenstädte. In insgesamt 62 Städten wurden rund 33 000 Passanten befragt, unter anderem in Frankfurt.
Die Frankfurter Ergebnisse
der Befragung „Vitale Innenstädte“ stellten Dehoga Hessen, Kreisverband Frankfurt,
Tourismus+Congress Frankfurt,
LINK ZUM THEMA
Weitere Infos online unter
www.frankfurt-main.ihk.de/
passantenbefragung.
38
Wirtschaftsförderung Frankfurt
und IHK Frankfurt gemeinsam
auf einer Pressekonferenz vor.
Danach sind Vielfalt und Angebot
des Einzelhandels in der Frankfurter Innenstadt von 76 Prozent
der Innenstadtbesucher als sehr
gut oder gut bewertet worden.
Fast 62 Prozent beurteilen das
gastronomische Angebot als sehr
gut oder gut. Mit fast identi-
schen Bewertungen wird das
Freizeitangebot in der Innenstadt benotet. Hier zeigt sich der
seit Jahren anhaltende massive
Wettbewerbsdruck auf die Unternehmen, der sie permanent zu
Verbesserungen zwingt.
Auch die Aufenthaltsqualität
wurde bei der Passantenbefragung von den Interviewten bewertet. Die Bestnoten sehr gut
und gut gaben für die Gestaltung der Innenstadt 54 Prozent
der Befragten. Ambiente, Atmosphäre und Flair haben knapp
47 Prozent mit den Bestnoten
bewertet. Bei der Sauberkeit
lagen diese sehr positiven Bewertungen bei nur noch rund 36
Prozent und bei der Sicherheit
bei gut 39 Prozent. In puncto
Sauberkeit und Sicherheit sind
IHK WirtschaftsForum 03.15
FOTO: PETRA MENKE
Standortpolitik
somit kritischere Einschätzungen erkennbar.
Die Erreichbarkeit der Innenstadt hat bei den Attraktivitätskriterien für die Innenstadt den
Bestwert der Umfrage erreicht.
Gut 85 Prozent der Befragten
beurteilten die Erreichbarkeit
der Innenstadt als sehr gut oder
gut. Als Kontrast hierzu hat das
Kriterium Parkmöglichkeiten
den schlechtesten Wert bei den
Attraktivitätskriterien erhalten.
Nur knapp 20 Prozent haben
die Parkmöglichkeiten als gut
oder sehr gut bewertet. Rund
28 Prozent gaben die Noten mangelhaft oder ungenügend. Dies
zeigt die relative Unzufriedenheit
der Autofahrer. Dass Besucher
in einer Großstadt wie Frankfurt nicht vor jedem Geschäft
parken können, ist eine Selbstverständlichkeit. Insgesamt ist
aber die Zahl der Parkplätze auch
während der Haupteinkaufszeiten ausreichend, und die freien
Plätze können zudem durch Parkleitsysteme gefunden werden.
Allerdings dürfen die Parkgebühren nicht weiter erhöht werden.
Generell müssen die Hürden bei
der Erreichbarkeit der Innenstadt
so gering wie möglich gehalten
werden.
Derzeit diskutiert die IHK
Frankfurt mit der Stadtpolitik
die Idee einer Reduzierung der
Fahrbahn der Berliner Straße
von vier auf zwei Spuren. Bevor jedoch ein solcher Schritt
realisiert wird, muss bei einer
derartig zentralen Verkehrsachse
zunächst untersucht werden,
welche Auswirkungen er für
den Zielverkehr Innenstadt hat.
Auch in den Hauptverkehrszeiten müssen die Parkhäuser
südlich der Zeil weiterhin ohne
große Staus erreicht werden.
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IHK WirtschaftsForum 03.15
Die IHK ruft daher die politisch
Verantwortlichen auf, einen
Probebetrieb mit einer provisorisch verengten Berliner Straße
durchzuführen. Erst nach einem
erfolgreichen Versuch sollte die
Entscheidung über eine endgültige Fahrbahnreduzierung
getroffen werden.
Die Passantenbefragung ergab ferner, dass gut zwei Drittel
der Befragten in unterschiedlicher Häufigkeit im Internet einkaufen. Ein Viertel der Befragten
erklärte, zunehmend online einzukaufen und folglich seltener in
die Innenstadt zu gehen. Dies hat
zur Konsequenz, dass die über das
Internet getätigten Umsätze dem
stationären Handel unmittelbar
fehlen. Zudem machen sich die
zurückgehenden Innenstadtbesuche bei den Passantenfrequenzen
bemerkbar. Dadurch, dass sich
diese potenziellen Kunden des
Einzelhandels seltener überhaupt
in der Innenstadt aufhalten, kommen sie zudem als Spontankäufer
seltener infrage.
Zwar wird Frankfurt auch
international als Einzelhandelsstandort für hoch attraktiv
gehalten, was die anhaltende
Nachfrage ausländischer Handelsunternehmen nach Einzelhandelsflächen belegt. Dennoch
müssen die Anstrengungen intensiviert werden, diese Attraktivität in Zeiten des Onlinehandels
auch für die Zukunft zu sichern.
Dazu zählt, den stark in die
Jahre gekommenen Auftritt der
Hauptwache zu überarbeiten.
Das unterschiedliche Niveau des
Platzes durch diverse Absätze, die
überdimensionierten Eingänge
zur B-Ebene und der Belag des
Platzes lassen stark zu wünschen
übrig. Die B-Ebene bedarf ebenfalls der Aufwertung. Ähnliches
gilt für die Konstablerwache. Ihr
Podest wirkt trennend zwischen
West- und Ostzeil und entzieht
die Gebäude auf der Südseite des
Platzes der Aufmerksamkeit der
Passanten.
Die Frankfurter Innenstadt
steht im permanenten Wettbewerb mit leistungsfähigen
Einkaufszentren in den Stadtteilen oder auf der grünen Wiese,
zunehmend aber auch mit dem
Internet als gigantischem Vertriebskanal. Unternehmen und
Stadtpolitik sind also gefordert,
❙
das Notwendige zu tun.
AUTOREN
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39
MAIN-TAUNUS-KREIS
AUSCHWITZ UND DIE FREIHEIT HEUTE
FOTO: MAIN-TAUNUS-KREIS
Gemeinsam mit Vertretern von Politik und Gesellschaft gedachten zahlreiche Unternehmer aus dem IHK-Bezirk
Frankfurt am 27. Januar in Hofheim der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren.
Eintrag ins Goldene Buch des Main-Taunus-Kreises: Michael Cyriax, Landrat,
Janusz Marszalek, ehemaliger Bürgermeister, O´swi¸ecim, und Wolfgang Männer, Kreistagsvorsitzender (v. l.).
Michael Cyriax, Landrat des MainTaunus-Kreises, erinnerte in der
Gedenkveranstaltung „Auschwitz
und die Freiheit heute“ im Landratsamt an die Mahnung des früheren Bundespräsidenten Roman
Herzog, der den 27. Januar offiziell
zum „Tag des Gedenkens an die
Opfer des Nationalsozialismus“
erklärte. Herzog stellte 1996 fest:
„Die Erinnerung darf nicht enden;
sie muss auch künftige Generationen zu Wachsamkeit mahnen.
Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken
der Opfer gewidmet sein und
jeder Gefahr der Wiederholung
entgegenwirken.“
Dieser Gedenktag wirkt nach
den Worten von Cyriax „tief ins
Heute hinein“. Um die Freiheit des
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Europa vor der Wahl:
Wirtschaftspolitische
Positionen
34
IHK INTERN
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Familienunternehmen: Pioniergeist der
Enkelgeneration 40
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die Freiheit des Gedankens, „brauchen wir einen wehrhaften Staat,
aber auch einen offenen Geist in
unserer Gesellschaft selbst“. Deshalb sei die Erinnerung an die Zeit
des Nationalsozialismus und das
Reden darüber so wichtig. „Diese
Zeit lehrt uns, wohin es führt,
wenn eine Ideologie menschenverachtend durchgesetzt wird“, so
der Landrat. Die Beispiele reichten
vom massenhaften Schrecken der
Konzentrations- und Vernichtungslager bis hin zu tragischen
Einzelschicksalen wie dem der
Anne Frank. „Sie war ein Frankfurter Mädchen, und eine Schule
in Kelkheim trägt ihren Namen.
Sie ist uns also ganz besonders
verbunden. Anne Frank starb Anfang März vor 70 Jahren im KZ
Bergen-Belsen“, erinnerte Cyriax.
Er wies darauf hin, dass der
Main-Taunus-Kreis ein weltoffener
Kreis ist: „Hier leben Menschen mit
Staatsangehörigkeiten aus rund
160 Ländern. Wir haben gewissermaßen die ganze Welt zu Haus.“
Jeder Einzelne trage daher Verantwortung, damit ein friedliches
Zusammenleben gelinge. „In den
vergangenen Jahrzehnten ist uns
dies sehr gut gelungen. Wir können
auf unser Land und das Erreichte
stolz sein. Trotzdem müssen wir
gerade heute ansprechen, was in
unserem Land nicht gut ist.“
Die Meinungsfreiheit bezeichnete Cyriax als ein elementares
Menschenrecht. Der freiheitliche
Staat müsse diese Freiheit schützen und verteidigen. Ein Mensch
mit Grundrechten habe auch
Verantwortung. „Wir sollten bei
allen Meinungsäußerungen auch
darauf achten, dass wir andere
nicht verletzen. Das gebietet uns
der gegenseitige Respekt. Nicht
alles, was man sagen darf, muss
man auch sagen“, sagte er.
„Nicht wegschauen oder gar
tolerieren werden wir auch die zunehmende Radikalisierung junger
Menschen, die hier aufwachsen,
zur Schule gehen und mancherorts
im Koran auf eine Weise unterrichtet werden, die sie gezielt in
die Hände des barbarischen IS
treibt, dem manche sich dann als
Kämpfer anschließen“, so Cyriax.
„Hier werden wir wachsam sein
und mit aller Härte und Schärfe
des Rechtsstaates Grenzen ziehen.“
Selbst 90 Prozent der Muslime, die
sich als hochreligiös bezeichnen,
hielten die Demokratie für die beste Regierungsform, und die überwältigende Mehrheit von ihnen
habe in ihrer Freizeit Kontakte zu
Nichtmuslimen. Das seien gute Voraussetzungen für ein friedliches,
offenes Zusammenleben.
Der frühere Bürgermeister von
O´swi¸ecim, Janusz Marszalek, stellte
in der Gedenkveranstaltung ein
Projekt zum Aufbau eines Friedenszentrums in seiner Heimatstadt vor.
Cyriax und Kreistagsvorsitzender
Wolfgang Männer erklärten, der
Main-Taunus-Kreis werde dazu einen finanziellen Beitrag leisten. ❙
AUTOR
REINHARD
FRÖHLICH
Geschäftsführer,
Unternehmenskommunikation,
IHK Frankfurt
r.froehlich@
frankfurt-main.
ihk.de
IHK WirtschaftsForum 03.15
Standortpolitik
FORUM EHRENSACHE
MEHR WERT SCHÖPFEN
FOTO: STEFAN KRUTSCH
In der neuen Veranstaltungsreihe „Forum Ehrensache“ werden Lösungsansätze vorgestellt, die Unternehmen
benötigen, um von Corporate Social Responsibility als Wettbewerbsvorteil profitieren zu können.
Von links: Andreas Streubig, Otto, Christoffer Brick, GIZ, Prof. René Schmidpeter, Cologne Business School,
Manuela Wehrle, Moderatorin, Kristin Heckmann, Hess Naturtextilien, und Clemens von Stockert, Fraport.
„Verantwortung übernehmen,
gleichzeitig den Profit steigern
und dabei noch wettbewerbsfähig bleiben, das ist gelebte
Corporate Social Responsibility“,
erläuterte Prof. René Schmidpeter, Cologne Business School, in
seinem einführenden Vortrag bei
der Veranstaltung „CSR – Image
oder Nachhaltigkeit“. Sie war der
Auftakt der neuen Reihe „Forum
Ehrensache“.
„CSR sollte praktisch angegangen und als Innovationskon-
WEITERE INFOS
Die Vorträge der Veranstaltung „Corporate Social Responsibility –
Image oder Nachhaltigkeit“ können online unter www.frankfurt-main.
ihk.de/csr nachgelesen werden.
IHK-ARBEITSKREIS NACHHALTIGKEIT
Im Dezember hat der Arbeitskreis Nachhaltigkeit der IHK Frankfurt
seine Arbeit aufgenommen. Rund 30 Unternehmen unterschiedlicher
Größen und Branchen sind dem Aufruf von IHK-Vizepräsidentin Marlene Haas gefolgt, um sich im Arbeitskreis zu engagieren. Das Gremium sensibilisiert die regionale Wirtschaft branchenübergreifend für
das Thema Nachhaltigkeit. Haas wurde in der ersten Sitzung zur Vorsitzenden des Arbeitskreises gewählt, Joerg Weber ist stellvertretender
Vorsitzender. Weitere Infos und Kontakt: Dr. Ralf Geruschkat, E-Mail
r.geruschkat@frankfurt-main.ihk.de, und Eva Mariel Bergauer, E-Mail
e.bergauer@frankfurt-main.ihk.de.
IHK WirtschaftsForum 03.15
zept verstanden werden. Erst
dann sehen Unternehmer den
Nutzen und ziehen mit“, fügte er
hinzu. Die Frage laute heute nicht
mehr, „ob“, sondern „wie“ ein
Unternehmen sich seiner Verantwortung gegenüber Gesellschaft
und Umwelt stelle.
Das ist jedoch nur möglich,
wenn ein betriebswirtschaftlicher Ansatz verfolgt wird. Den
Unternehmen muss heutzutage bewusst sein, dass es ein
Wettbewerbsnachteil sein kann,
wenn sie CSR nicht umsetzen.
Die deutsche Gesellschaft für
internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat diese Herausforderungen für Unternehmen
erkannt und unterstützt diese
nach dem Shared-Value-Ansatz
von Michael Porter, um diese
fit für die Zukunft zu machen.
Dieser umschreibt, dass die gesellschaftlichen Veränderun-
gen und neue Anforderungen
an Unternehmen als Potenzial
und nicht als Gefahr erkannt
werden. Die Kernkompetenzen
des Unternehmens werden genutzt und ausgebaut, somit wird
die Wettbewerbsfähigkeit des
Unternehmens erhöht.
Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion. Führungskräfte und
Manager der Otto Group, Hess
Naturtextilien und Fraport gingen dabei der Fragestellung nach,
welche Rolle Stakeholder im
CSR-Kontext spielen. Die Diskutanten rechneten den Stakeholdern eine wichtige Aufgabe, aber
auch Verantwortung zu, die es im
kompletten Wertschöpfungsprozess zu berücksichtigen gilt. Eine
wichtige Erkenntnis dabei war,
dass die betriebswirtschaftliche
Wertschöpfungskette als Kreislauf – und nicht als Kette mit
einem Anfang und Ende – wahrgenommen werden sollte. Damit
werden vor- und nachgelagerte
Stufen der Wertschöpfungskette
miteingeschlossen. Alle Beteiligten waren sich außerdem einig,
dass CSR vor allem dann einen
Wettbewerbsvorteil darstellt,
wenn es als Bestandteil interner
Innovationsprozesse gesehen
wird.
❙
AUTORIN
EVA MARIEL
BERGAUER
Stellvertretende
Leiterin, Unternehmensentwicklung,
IHK Frankfurt
e.bergauer@
frankfurt-main.
ihk.de
41
FOTO: STEFAN KRUTSCH
Grischa Götz, Inhaberin, Buchhandlung Eselsohr: „Ich hoffe, dass die
kleine Oase in einer Zeit der Schnelllebigkeit noch lange erhalten bleibt.“
SERIE E XISTENZGRÜNDUNG
EIN GELUNGENER ROLLENTAUSCH
Jede Existenzgründung birgt eine individuelle Geschichte in sich. Die Unternehmensgründung von Grischa Götz
ist dabei gleichzeitig die Geschichte einer Unternehmensnachfolge. Sie übernahm im Juli 2012 die Kinder- und
Jugendbuchhandlung Eselsohr in Frankfurt-Bockenheim.
Die Kinder- und Jugendbuchhandlung Eselsohr ist seit über 30 Jahren eine Institution im Frankfurter
Stadtteil Bockenheim. Das traditionsreiche Buchgeschäft hat mit
seinem nostalgischen Charme, den
knarrenden Dielen und den gemütlichen Sitzecken eine ganz eigene
Atmosphäre. 1982 gründete Ulrike
Boessneck-Voigt den Laden mit viel
Liebe und Engagement. Dieselbe
Leidenschaft und Einsatzbereitschaft erwartete die Buchhändlerin
von ihrer Nachfolgerin. Sie musste
nicht lange überlegen, Grischa
Götz zu fragen, die bereits seit
2002 zur Eselsohr-Familie gehört.
42
Götz wollte nach dem Abitur
ursprünglich Psychologie studieren. Da der Andrang auf einen
Studienplatz in diesem Fach sehr
groß war, hat sie zunächst eine
Ausbildung als Buchhändlerin
gemacht, um die Wartezeit auf
den Studienplatz sinnvoll zu überbrücken. Den praktischen Teil der
dualen Ausbildung absolvierte sie
bei „Schwarz auf Weiß“ in Viernheim, den theoretischen Teil auf
der Buchhändlerschule in Frankfurt. Während der Ausbildung
entdeckte sie ihre Leidenschaft für
Kinder- und Jugendliteratur. Daher entschied sie sich nach ihrer
Ausbildung zur Buchhändlerin gegen ein Psychologiestudium und
für ein Germanistikstudium an der
Goethe-Universität in Frankfurt
mit den Schwerpunkten neuere
deutsche Literatur sowie Kinderund Jugendliteratur. Psychologie
und Pädagogik belegte sie in den
Nebenfächern.
Der Kontakt zur Buchhandlung
Eselsohr entstand durch verschiedene Praktika bei namhaften Verlagen vor und während ihres Studiums. Seitdem arbeitet Götz in der
Buchhandlung, zuerst als Aushilfe
neben ihrem Studium, dann zwei
Jahre als Festangestellte nach ih-
rem Magisterabschluss und nun als
Inhaberin. Die Kombination aus einer praktischen und theoretischen
Ausbildung – gepaart mit der Passion für Kinder- und Jugendliteratur – überzeugte Boessneck-Voigt
auf ganzer Linie. Seit Juli 2012 ist
Götz nun die neue Inhaberin der
Buchhandlung Eselsohr, die sich
von Anfang an auf Kinder- und
Jugendbücher spezialisiert hat,
jedoch auch ausgewählte Spiele
und Spielwaren verkauft, Veranstaltungen organisiert und zudem
Bestellbuchhandlung ist.
Die angebotenen Produkte
werden von Götz und ihrem sechsIHK WirtschaftsForum 03.15
Unternehmensförderung und Starthilfe
KONTAKT
Buchhandlung Eselsohr
Grischa Götz, Inhaberin
Am Weingarten 11
60487 Frankfurt
E-Mail kontakt@eselsohrbuchhandlung.de
Internet www.eselsohrbuchhandlung.de
köpfigen Team, in dem auch die
Gründerin weiterhin mitarbeitet,
ausgesucht. Das bedeutet, Individualität und Qualität der angebotenen Produkte haben für sie einen
hohen Stellenwert. Um das Sortiment einzigartig und besonders zu
gestalten, hat die Buchhandlung
bewusst auch viele kleinere, unbekanntere Hersteller und Verlage
im Programm. „Ziel ist es, Sachen
zu führen, die man woanders nicht
bekommt“, erzählt Götz.
Dieses Konzept geht auf.
Eselsohr ist über die Stadtgrenzen Frankfurts hinaus bekannt
und verfügt über einen großen
Stammkundenkreis. Durch Veranstaltungen wie Lesenachmittage
mit Kinderbuchautoren, Lesekreise,
in denen sich Kinder über verschiedene Bücher austauschen
können, oder Kooperationen mit
Kindergärten, gelingt es Grischa
Götz, den Kreis immer weiter auszubauen. Um auf die Angebote
aufmerksam zu machen, nutzt sie
viele Kommunikationswege, wie
beispielsweise Flyer und Plaka-
Weitere Kontaktadressen
und Infos rund um das Thema
Existenzgründung bei der IHK
Frankfurt, Unternehmensförderung und Starthilfe, Stefan Müller, Börsenplatz 4, 60313 Frankfurt, Telefon 0 69 / 21 97-12 77,
E-Mail s.mueller@frankfurt-main.
ihk.de, Internet www.frankfurtmain.ihk.de/existenzgruendung
te, die eigene Homepage, soziale
Netzwerke oder Newsletter. Neben
der Verkaufstätigkeit im Laden
ist auch die Kontaktpflege mit
Verlagen, Autoren, Mitbewerbern
und Einrichtungen ein fester Bestandteil ihrer täglicher Arbeit.
Auch wenn sie heute ihrem
Beruf mit großer Begeisterung
nachgeht, war ihr der Weg in
die Selbstständigkeit nicht von
Anfang an klar und später auch
nicht immer einfach. Götz war es
wichtig, das erlernte, praktische
Wissen aus der Buchhändlerausbildung mit den theoretischen
Ansätzen aus der akademischen
Ausbildung zu vereinen.
Ihr großer Wunsch war es
zunächst, als Lektorin zu arbeiten.
Bei der Arbeit im Verlag vermisste
sie jedoch den täglichen Umgang
mit Menschen. Götz beschreibt
sich selber als „kontaktfreudiger
Kundenmensch, der die Vielfalt
und den Überblick mag“. Deshalb
verwarf sie den Gedanken, als Lektorin für einen spezifischen Verlag
zu arbeiten, schnell, genauso wie
die Überlegung, nach dem Magisterabschluss zu promovieren. Als
dann das Angebot für die Übernahme des Ladens von BoessneckVoigt kam, musste sie nicht lange
überlegen. „Es war klar, wenn
ich im Buchhandel bleibe, mache
ich mich selbstständig. Erst in
der Findungsphase entstand der
Traum zur eigenen Buchhaltung,
der durch das Angebot dann real
wurde“, so Götz.
Neben der finanziellen Komponente waren auch die zwischenmenschlichen Aspekte eine
Herausforderung für Götz auf dem
Weg in die Selbstständigkeit. An
das Delegieren von Aufgaben, den
Rollentausch mit der ehemaligen
Chefin, das Führen von Mitarbeitern sowie daran, die komplette
Verantwortung für einen eigenen
Laden zu übernehmen, musste sie
sich erst gewöhnen. Zusätzlich
spielten natürlich auch wirtschaftliche Gesichtspunkte eine
wichtige Rolle, da das Aufnehmen
eines Kredits, die Gespräche bei
Banken und das Informieren über
weitere Zuschüsse ebenfalls neu
für sie waren. Gerade die Finanzierung erwies sich als unerwartet
schwierig. „Es ist schon so, dass
einem als Gründer auch Steine in
den Weg gelegt werden können.
Und der Buchhandel ist leider
nicht die Branche, die großzügig Kredite bekommt“, sagt Götz.
Nach einer ersten Ablehnung kamen schließlich zwei Zusagen von
Banken für den Kfw-Gründer-
kredit. „Letzten Endes hat mich
aber auch ein privater Kredit von
der Familie und Freunden gerettet, sodass ich nicht voll auf die
Bankenfinanzierung angewiesen
war“, erzählt die Buchhändlerin.
Für Götz haben sich die Anstrengungen trotz aller Hindernisse gelohnt. Die nostalgischen
Räumlichkeiten, die langjährige
Zusammenarbeit mit den Kollegen,
das liebevoll zusammengestellte
Spielwarensortiment, die treuen
Stammkunden, das breite Angebot
an Veranstaltungen ergeben eine
bunte Mischung, die für den Erfolg
des Ladens steht. „Das Schönste an
meinem Job sind positive Rückmeldungen der Kunden, denn dann
wird der Erfolg spürbar“, so Götz.
Für die Zukunft von Eselsohr
wünscht sich Grischa Götz weiterhin eine gute und erfolgreiche
Entwicklung. Natürlich sind die
Online-Buchhandlungen große
Konkurrenten. Dennoch glaubt
die Buchhändlerin fest an das
Konzept des Ladens, was auch die
steigenden Umsatzzahlen belegen:
„Ich hoffe, dass die kleine Oase
in einer Zeit der Schnelllebigkeit
❙
noch lange erhalten bleibt.“
AUTORIN
ELISA WRABETZ
Referentin,
Unternehmenskommunikation,
IHK Frankfurt
e.wrabetz@
frankfurt-main.
ihk.de
9. Aufschwung-Messe und Kongress
Für Existenzgründer und junge Unternehmer / Dienstag, 10. März, 10 bis 18 Uhr, IHK Frankfurt
Die Aufschwung-Messe ist die Leitmesse rund um Existenzgründer und
junge Unternehmer in Hessen. Im
vergangenen Jahr kamen 2 500 Interessierte zur Aufschwung, informierten sich und knüpften Kontakte.
Auch in diesem Jahr präsentieren
250 Experten aus Institutionen,
IHK WirtschaftsForum 03.15
Gründernetzwerken und Unternehmen während der Messe ihre Angebote und Dienstleistungen rund um
die berufliche Selbstständigkeit. In
mehr als 40 Vorträgen und Praxisforen erfahren die Besucher, wie sie
beispielsweise Zukunftstrends erkennen, neue Geschäftsideen ent-
wickeln, Ideen, Produkte und Designs schützen, Geldgeber von sich
überzeugen, Fördermittel beantragen, Kunden gewinnen und sich im
Wettbewerb behaupten können. Als
Mitveranstalterin ist auch die IHK
Frankfurt mit ihren Beratern auf der
Messe präsent und informiert un-
ter anderem über Gewerberecht,
Finanzierungs- und Förderangebote sowie Businessplanerstellung.
Veranstalter ist Beewell Business
Events, Frankfurt. Der Eintritt kostet 20 Euro. Weitere Infos und Anmeldung online unter www.aufschwung-messe.de.
❙
43
Aus- und Weiterbildung
IHK-BILDUNGSZENTRUM
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11. / 12. März 2015 / 8 UE / 2-Abende-Seminar
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WORKSHOP CONTROLLING I
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KOMMUNIKATION / GESPRÄCHSFÜHRUNG
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27. / 28. März 2015 / 16 UE / zweitägiges Seminar
325 Euro
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11. / 12. März 2015 / 16 UE / zweitägiges Seminar
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DER WEG IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT
ab 13. April 2015 / 20 UE / 5-Abende-Seminar
150 Euro
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EINFÜHRUNG IN DAS FACILITY MANAGEMENT
13. März 2015 / 8 UE / eintägiges Seminar
250 Euro
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BERUFSBEGLEITENDE ZERTIFIKATSLEHRGÄNGE
DIE ERFOLGREICHE GMBH-GESCHÄFTSFÜHRUNG
ab 16. März 2015 / 20 UE / 5-Abende-Seminar
650 Euro
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ab 17. März 2015 / 50 UE / ca. 3 Monate
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ab 20. März 2015 / 88 UE / ca. 4 Monate
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18. / 19. März 2015 / 16 UE / zweitägiges Seminar
485 Euro
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TELEFONTRAINING I
25. / 26. März 2015 / 16 UE / zweitägiges Seminar
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26. / 27. März 2015 / 16 UE / zweitägiges Seminar
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JAHRESABSCHLUSS
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Innovative Exportstrategien
Preisverleihung: 6. Juli 2015 in Frankfurt
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Änderungen vorbehalten.
Innovation und Umwelt
NORMEN
KATALYSATOR FÜR INNOVATIONEN
Die Forschung benötigt Normen
beispielsweise für Terminologien und Begriffsdefinitionen. In
der Produktentwicklung werden
Qualitäts- und Sicherheitsnormen
beachtet, darüber hinaus auch
Schnittstellen- und Kompatibilitätsnormen zu vorhandenen
Systemen, Produkten oder Anlagen. Normen können die Entwicklung neuer Technologiefelder
vorantreiben; dazu werden Messund Prüfnormen herangezogen.
Normen nutzen Synergien und
beschleunigen die Kooperation
zwischen Forschung und Wirtschaft. Normen, die zeitnah die
Entwicklungen in Wissenschaft
und Technik aufnehmen und begleiten, tragen zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie
sowohl im Inland als auch auf
globaler Ebene bei.
Normen geben ferner den
Menschen Sicherheit in allen Bereichen des täglichen Lebens, so
zum Beispiel am Arbeitsplatz, im
Kinderzimmer, im Straßenverkehr
oder auch beim Sport. Durch Normen werden wesentliche Fragen
zur Sicherheit, Verträglichkeit,
Gesundheit, Umwelt, Gebrauchstauglichkeit und Zuverlässigkeit
geklärt. Normen schützen Arbeitnehmer und unterstützen
KONTAKT
Karl-Ludwig Blumenthal
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Gebäude B 598, Raum 641
Industriepark Höchst
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IHK WirtschaftsForum 03.15
Arbeitgeber bei der Erfüllung der
Technical Compliance.
Unternehmen, die sich an der
Normungsarbeit beteiligen, erzielen wirtschaftliche Vorteile durch
einen technologischen und zeitlichen Vorsprung vor Mitbewerbern und Partnerfirmen. Durch die
Anwendung von Normen können
Transaktionskosten, beispielsweise
im Einkauf und bei Ausschreibungen, deutlich reduziert werden.
Zukunftsorientierte Unternehmen der deutschen Großindustrie
und eine Vielzahl von kleinen und
mittelständischen Unternehmen
haben aus diesem Grund die Normung fest in ihre Unternehmensstrategie einbezogen.
Aktive Mitarbeit bedeutet, die
Inhalte von Normen zu gestalten
und zu beeinflussen. Experten
aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Hand sowie Anwender
und Verbraucher legen fest, welche Anforderungen an Produkte,
Systeme und Dienstleistungen
gestellt werden oder nach welchen Verfahren und Methoden
geprüft wird. Wer in der Normung
mitwirkt, ist stets in ein Netzwerk
eingebunden.
In diesem Netzwerk – den
Normungsgremien – sitzen einander nicht nur die künftigen
Anwender der Normen und Regelwerke gegenüber, sondern auch
potenzielle Kunden. Sie verständigen sich darüber, was technisch
machbar sowie ökologisch und
ökonomisch sinnvoll ist und was
der Markt verlangt. Dadurch gewinnen die Netzwerker wertvolle
Kenntnisse über Vorstellungen und
Erwartungen ihrer derzeitigen und
FOTO: PICTURE-ALLIANCE / CHROMORANGE
Normen haben positive Effekte für den gesamten Entstehungsprozess neuer Produkte – von der Grundlagenforschung
über die Entwicklung bis zur Markteinführung. Sie tragen dazu bei, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Erfolgreiche Industrieunternehmen haben die Normung
längst in ihre Unternehmensstrategie einbezogen.
künftigen Marktpartner. Das ist
strategisches Marketing.
Ein Einstieg in die Normenarbeit kann die Mitarbeit in einem regionalen DIN-Ausschuss
Normenpraxis (DIN ANP) sein. In
Deutschland gibt es derzeit zwölf
Regionalgruppen; die Regionalgruppe Frankfurt besteht schon
seit 1918. Die Mitglieder treffen sich in der Regel viermal im
Jahr zu einem Informations- und
Erfahrungsaustausch zur Regel-
werksverfolgung, bei dem auch
Beispiele zur Best Practice aus dem
Arbeitsumfeld der teilnehmenden
❙
Firmen vorgestellt werden.
AUTOR
KARL-LUDWIG
BLUMENTHAL
Fachgruppenleitung Standards
and Guidelines,
Siemens, Frankfurt, karl-ludwig.
blumenthal@
siemens.com
45
Innovation und Umwelt
ENERGIEWENDE
STROM – REGIONAL, GRÜN, GÜNSTIG
In einer Veranstaltungsreihe gehen die IHK Frankfurt und der Regionalverband FrankfurtRheinMain der Frage
nach, welche Potenziale in den Investitionen für mehr Energieeffizienz stecken und welchen Beitrag die Region
zur Energiewende leisten kann.
FOTOS: GETTYIMAGES / KLIK
Zur Umsetzung der Energiewende und zur Optimierung
der Energieversorgung ist mehr
Flexibilitätsmanagement erforderlich. „In der Erschließung von
unterausgelasteten dezentralen
Ressourcen, wie Blockheizkraftwerken, Wärmepumpen oder
Fotovoltaik-Anlagen, mittels
Auswertung von Energieinformationen und Datenanalysen
liegen unendliche Potenziale
für die Steigerung der Effizienz
unseres Energiesystems“, sagte
Prof. Jens Strüker, Geschäftsführer, Institut für Energiewirtschaft, Hochschule Fresenius,
Idstein, zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Strom – regional, grün und günstig“ in der
IHK Frankfurt.
Flexibilität als Wirtschaftsgut
Aus Sicht von Strüker wird zum
Beispiel das Lastverschiebungsund Speicherpotenzial in Gebäuden bislang nicht ausreichend
genutzt. Die damit verbundene
Flexibilität stelle ein Wirtschaftsgut dar, das Grundlage für eine
erhöhte Energieeffizienz und für
neue Geschäftsmodelle sei. Neben dem Einsatz als Regelenergie trete auch die ökonomische
Nachfragesteuerung als Kapazitätsressource zur Spitzenlastabdeckung
hinzu. In der Metropolregion
FrankfurtRheinMain seien hier
schon einige vielversprechende
Pilotprojekte auf dem Weg, so
Strüker.
Eine Voraussetzung dafür
sei der zeitnahe Austausch der
Erzeugungs- und Verbrauchsdaten unter den Partnern auf
der lokalen Ebene und mittels
Preissignalen über die Energiemärkte: „Geteilte Energiedaten
sind doppelte Freude.“ Auch ohne
die Subventionen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)
seien einige dieser Projekte schon
wirtschaftlich rentabel, etwa lokale Energienetze (sogenannte
Arealnetze oder Micro-Grids) oder
Mieterstrommodelle.
Da die Potenziale sich nur
schrittweise erschließen, sei es
ratsam, auch auf regionaler Ebene viele Entdeckungsverfahren in
Gang zu setzen und Erfahrungen
mit Energiedaten zu sammeln,
die unter anderem intelligente
Zähler (sogenannte Smart Meter) liefern würden.
Die neue Devise laute: Lasst uns
zuerst Informationen über Angebot und Bedarf von Wärme
und Strom vor Ort erheben und
dann schauen, wann und wie viel
Strom eingespeist oder bezogen
werden soll.
Klimaschutz schafft
Mehrwert
Veranstalter der neuen Reihe
„Energiewende quo vadis“ sind
der Regionalverband FrankfurtRheinMain und die IHK Frankfurt. Beide wollen erkunden,
welche regionalen Potenziale sich aus der Energiewende für mehr Klimaschutz und
neue Geschäftsmodelle ergeben. Verbandsdirektor Ludger
Stüve hob die Bedeutung des
Klimaschutzes hervor. „An der
Erderwärmung und den daraus
resultierenden Konsequenzen
kommt niemand mehr vorbei“,
betonte er. Klimaschutz koste
Geld, schaffe aber auch Mehrwert. „Selbst China hat erkannt,
dass das Wachstum der Volkswirtschaft auf Dauer nicht durch
rücksichtslosen Umgang mit der
Umwelt erkauft werden kann.“
Der Regionalverband suche eine
Antwort auf die Frage, wie die
Kosten-Nutzen-Relation der
Energiewende in ein vernünftiges Gleichgewicht gebracht
werden kann.
Industrie ist Energielieferant
IHK-Geschäftsführer Detlev Osterloh sagte, der beste Beitrag
zum Klimaschutz sei jeweils das
46
IHK WirtschaftsForum 03.15
Focus
Die nächsten Schwerpunkte 2015 im
Energie ernten – Betriebskosten senken
Mittwoch, 10. Juni, 16 Uhr,
IHK Frankfurt, Infos online unter www.region-frankfurt.de
Kilowatt, das aufgrund effizienter Produktionsprozesse erst gar
nicht verbraucht werde. Allerdings dürfe nicht erwartet werden, dass der Strombedarf in der
industriestarken Region FrankfurtRheinMain so schnell durch
erneuerbar erzeugten Strom aus
der Region komplett befriedigt
werden könne. Die Industrie als
großer Wärmeerzeuger sei nicht
nur ein Verbraucher, sondern
auch ein wichtiger Lieferant
von Energie. In der Nutzung
der industriellen Wärmeenergie
lägen weitere Potenziale für
den besseren Klimaschutz in
der Region.
In der Veranstaltung kritisierte Dr. Clemens Christmann,
Geschäftsführer, Vereinigung
der hessischen Unternehmerverbände, die milliardenschweren
Subventionen durch das EEG.
Diese verteuerten den Industriestandort Deutschland und
verursachten Verlagerungen
von Investitionen der Industrie
ins Ausland. Ein intelligenter
Umbau der Energieversorgung
hin zu erneuerbarer Erzeugung
und mehr Energieeffizienz sei
richtig, dürfe aber nicht weiter
zulasten der internationalen
Wettbewerbsfähigkeit stromintensiver Unternehmen gehen.
Gegen neue Einspeisevergütungen
Christmann forderte, den Ausbau von Windkraft, Biomasse
und Fotovoltaik zukünftig nur
noch indirekt zu fördern. Für
neue Anlagen dürften keine
Einspeisevergütungen über 20
IHK WirtschaftsForum 03.15
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Focus
Windenergiepotenziale
stärker nutzen
Michael Häußer, Geschäftsführer, Luftstrom Energiegesellschaft, Mühlheim, und
Vorsitzender Regionalverband
Südhessen, Bundesverband für
Windenergie, warb für die verstärkte Nutzung der Windenergiepotenziale in der Region. Die
Windenergie sei ein wichtiger
Beitrag zur dezentralen Energieversorgung, wodurch kostspielige überregionale Versorgungsnetze kleiner ausfallen könnten.
Dezentrale Energieversorgung
mittels Windkraftanlagen, verbunden mit lokaler Wertschöpfung für die Kommunen und
Bürgerbeteiligung, seien wichtig
für die Verankerung und Akzeptanz der Windkraft in der Region. Häußer plädierte für eine
verstärkte Forschung, Förderung
und Ausbau der lokalen Stromspeicherung, damit der fluktuierende Wind-Sonnenstrom und
andere alternative Energieträger
den Ansprüchen an eine verlässliche Energieversorgung gerecht
würden.
❙
AUTOR
REINHARD
FRÖHLICH
Geschäftsführer,
Unternehmenskommunikation,
IHK Frankfurt
r.froehlich@
frankfurt-main.
ihk.de
V·E·R·L·A
·G·S
04 | 2015
ngen
Veranstaltu
e
Betriebsfest
n,
Impressum:
▼
VERANSTALTUNG
Jahre mehr zugesagt werden.
Stattdessen solle der Staat die
Energieversorger verpflichten,
von Jahr zu Jahr einen wachsenden Anteil an Ökostrom zu
vermarkten. Dies bringe die
Energiewende weiter voran
und sorge für mehr Wettbewerb zwischen Energieträgern,
Techniken, Regionen und Anlagegrößen, sagte Christmann,
der sich davon preisdämpfende
Effekte erhofft.
04
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47
HESSISCHER E XPORTPREIS
INTERNATIONALE ERFOLGSREZEPTE
Bis 20. April können sich Unternehmen in den Kategorien „Handwerk grenzenlos erfolgreich“, „Service und
Beratung international“ sowie „Innovative Exportstrategien“ um den Hessischen Exportpreis 2015 bewerben.
Das hessische Ausfuhrgeschäft
zeigte sich im vergangenen Jahr
einmal mehr robust. Von Januar
bis November exportierten Unternehmen aus Hessen Waren
und Dienstleistungen im Wert
von über 54 Milliarden Euro –
ein Anstieg um 2,3 Prozent im
Vergleich zum Vorjahreszeit-
48
raum. Angesichts zahlreicher
internationaler Störfaktoren,
mit spürbaren Auswirkungen
auf den Außenhandel, kann
die hessische Exportwirtschaft
somit auf ein erfolgreiches Jahr
zurückblicken.
Dass sich die Rahmenbedingungen in 2015 nicht min-
der herausfordernd gestalten,
deutet die Studie „Going International 2014 / 2015“ an.
Die Umfrage, an der sich 2 000
auslandsaktive deutsche Unternehmen beteiligten, weist
auf leicht eingetrübte Erwartungen hin. Zwar nehmen
hessische Unternehmer die
Geschäftsperspektiven für das
laufende Jahr in den wenigsten Märkten tatsächlich als
schlecht wahr. Dennoch fallen
die Bewertungen durchweg
negativer als noch im Vorjahr
aus.
Gerade in einem solchen
unsicheren Wirtschaftsumfeld
braucht es mehr als nur ein
gutes Produkt, um international wettbewerbsfähig zu sein.
Gute Exportstrategien sind
genauso unverzichtbar wie das
Wissen um die Besonderheiten
der regi onalen Absatzmärkte.
Hessische Unternehmen
sind in dieser Hinsicht sehr gut
aufgestellt. Ein breites Portfolio an Produkten wird von
hessischen Exporteuren erfolgreich in die verschiedensten
Länder und Regionen der Welt
geliefert – neben Fahrzeugen,
Fahrzeugteilen und Maschinen
insbesondere pharmazeutische
und chemische Erzeugnisse.
Hessen ist, mit einem Anteil
von 13,2 Prozent am deutschlandweiten Export, nach Baden-Württemberg nicht nur
der Topexporteur von Pharmamitteln. Mit einem Anteil des
Auslandsumsatzes von rund
53 Prozent am Gesamtumsatz
weist das Bundesland darüber
LINK ZUM THEMA
Weitere Infos zum Hessischen
Exportpreis und Bewerbungsunterlagen online unter www.
hessischer-exportpreis.de.
hinaus eine für Deutschland
überdurchschnittliche Exportquote auf.
Weil das Exportgeschäft
kein Selbstläufer ist, prämieren
die hessischen Industrie- und
Handelskammern, die hessischen Handwerkskammern und
das Land Hessen zum dritten
Mal internationale Geschäftserfolge hessischer Unternehmen. Am 6. Juli werden die Gewinner im Vorfeld des hessischen Außenwirtschaftstags
von Hessens Wirtschaftsminister, Tarek Al-Wazir, mit dem
Hessischen Exportpreis ausgezeichnet.
Bis zum 20. April können
sich mittelständische hessische
Unternehmen mit maximal 250
Beschäftigten in Deutschland
in den drei Kategorien „Handwerk grenzenlos erfolgreich“,
„Service und Beratung international“ sowie „Innovative Exportstrategien“ um den Preis
bewerben.
❙
AUTOR
JULIAN ECKERT
Referent,
International,
IHK Frankfurt
j.eckert@frankfurt-main.ihk.de
IHK WirtschaftsForum 03.15
International
AHK SAUDI-ARABIEN
Zusammenarbeit intensivieren
Die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen (AHK Saudi-Arabien) hat
ihr Jobvermittlungs- und Praktikumsprogramm für saudische Studenten in Deutschland ausgebaut.
Mehr als 50 saudi-arabische Studenten nahmen am 19. Dezember
am zweiten Job-Forum in der IHK
Frankfurt teil, das von der AHK
Saudi-Arabien in Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat
des Königreichs Saudi-Arabien in
Frankfurt und der Kulturabteilung
der saudi-arabischen Botschaft
in Berlin organisiert wurde. Ziel
der Veranstaltung war es, saudische Studenten an deutschen
Hochschulen an deutsche Unternehmen in Saudi-Arabien zu
vermitteln. Die Studenten, die
von der AHK vorselektiert wurden,
kamen aus ganz Deutschland
angereist, um sich über die vielfältigen Aussichten zu informieren,
die sich Absolventen in deutschen
Unternehmen bieten.
Deutsche Unternehmen in
Saudi-Arabien haben einen großen
Bedarf an Nachwuchskräften in
den unterschiedlichsten Sektoren,
wie Verfahrenstechnik, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen.
Mit der Veranstaltung in Frankfurt
führte die AHK ihre im Jahr 2013 in
Hannover ins Leben gerufene Initiative für saudische Studenten fort.
Die kulturellen Beziehungen
zwischen Deutschland und SaudiArabien haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend positiv
entwickelt. In Djidda und in Riad
gibt es beispielsweise deutsche
Schulen und die König-Fahd-Aka-
demien in Bonn und Berlin werden
von der saudischen Regierung unterstützt. Mit dem Stipendiatenprogramm von König Abdallah sind in
den vergangenen Jahren mehr als
1 500 junge Menschen zum Studieren nach Deutschland gekommen.
An der King-Saud-Universität gibt
es einen Studiengang für DeutschArabische Übersetzung.
Wichtigstes Mittel bei der Vermittlung des aktuellen Deutsch-
landbilds ist die deutsche Sprache. Im Mittelpunkt steht hierbei
der Studiengang Übersetzer für
Deutsch in Riad, an dem jährlich
etwa 100 Studenten eingeschrieben sind. Daneben werden auch
Abendsprachkurse angeboten.
Das Interesse am Studienstandort
Deutschland steigt in Saudi-Arabien stetig. Gemeinsame Projekte
sollen die Zusammenarbeit künftig
weiter intensivieren.
❙
KONTAKT
Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und
Jemen (AHK Saudi-Arabien), Andreas Hergenröther, Delegierter, Futuro
Tower, 4th Floor, Al Ma’ather Street, P. O. Box 61695, Riyadh 11575,
Königreich Saudi-Arabien / Kingdom of Saudi Arabia, E-Mail hergenroether@ahk-arabia.com, Internet http://saudiarabien.ahk.de
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Müllkippe von Gramacho in Rio de Janeiro.
BRASILIEN
TRINKWASSER – EIN KOSTBARES GUT
Der brasilianische Umwelt- und Energiemarkt ist der größte Lateinamerikas. Die Bereiche Management von Wasserressourcen und Abfall bieten gute Marktchancen für kleine und mittelständische deutsche Unternehmen.
Der brasilianische Umweltmarkt
wächst: Mit dem Programm
zur Wachstumsbeschleunigung
(Programa de Aceleração do
Crescimento) erhöht die brasilianische Bundesregierung ihre
Investitionen in die Infrastruktur und dabei hauptsächlich in
die Kanalisation. Dennoch hat
knapp ein Fünftel der brasilianischen Bevölkerung (34 Millionen
Menschen) keinen Zugang zu
sauberem Trinkwasser, vor allem
im Norden und Nordosten des
Landes.
50
Die Abwässer von 113 Millionen Menschen (52 Prozent der
Bevölkerung) werden immer noch
nicht ausreichend behandelt. Die
Mehrheit dieser Personen (rund 95
Millionen) leben in kleinen beziehungsweise mittleren Städten mit
bis zu 100 000 Einwohnern.
Um dieser enormen Nachfrage
gerecht zu werden, hat die Bundesregierung in Zusammenarbeit
mit der staatlichen Sparkasse
(Caixa Econômica Federal) und
der staatlichen Entwicklungsbank
(Banco Nacional de Desenvolvi-
mento Econômico) zwischen 2011
und 2014 circa zwölf Milliarden
Euro in das Kanalisationssystem
investiert. Neben den staatlichen
Mitteln sind auch private Unternehmen durch öffentlich-private
Partnerschaften (PPP) im Markt
vertreten. So haben bereits zahlreiche mittelgroße Städte (100 000
bis 500 000 Einwohner) durch PPP
die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung an private oder
teilprivate Unternehmen vergeben.
Obwohl Brasilien eines der
Länder mit den größten Süß-
wasservorkommen weltweit ist
(13 Prozent), sind die Vorkommen ungleich verteilt. Ein Großteil
(65 Prozent) konzentriert sich in
der Amazonasregion, wo jedoch
nur 13 Prozent der Bevölkerung
leben. Zugleich leidet der Südwesten, die bevölkerungsreichste
Region Brasiliens (45 Prozent der
Bevölkerung), unter akutem Wassermangel. Darunter leiden neben
der Bevölkerung auch die Industrie sowie die Landwirtschaft. In
der Region wachsen die Investitionen sowohl öffentlicher als
IHK WirtschaftsForum 03.15
International
auch privater Unternehmen in Leitungs-, Wiederverwertungs- und
Filtersysteme. Dazu zählen auch
große Bauunternehmen, welche
im Bereich Green Buildings aktiv
sind und deshalb Wohnanlagen
und Wohnhäuser mit Systemen
zur Wiederverwendung des Wassers bauen.
Im Bereich der Wasserwirtschaft und Kanalisation gibt es
gute Möglichkeiten zum Markteintritt für deutsche Unternehmen. So besteht ein Bedarf an
Beratungsleistungen in den Bereichen Hochwasserprävention,
Gewässerschutz (Flüsse und Seen)
sowie effiziente Wassernutzung
und -wiederverwendung in Industrie, Wohngebäuden und Landwirtschaft. Zudem können sich
deutsche Unternehmen mit Messgeräten zur Qualitätsanalyse und
mobilen Reinigungseinheiten für
Haushalts- und Industrieabwässer in den brasilianischen Markt
einbringen. Auch die Einbringung
von Erfahrungen und finanzielle
Beteiligungen an PPP-Projekten
im Bereich der Aufbereitung
von Haushaltsabwässern bieten
interessante Chancen. Darüber
hinaus gibt es zahlreiche weitere Geschäftsmöglichkeiten für
Anlagen und Zubehör in anderen
Bereichen. Transportkosten sowie
Zollgebühren können jedoch den
Preis der Produkte erhöhen. Daher
empfiehlt es sich, lokale Partner
zu finden, die über entsprechende
Produktionsanlagen verfügen.
In Brasilien werden jährlich rund 80 Milliarden Tonnen
Hausmüll produziert, wovon 80
Prozent gesammelt werden. Davon landen wiederum 58 Prozent
auf offiziellen Mülldeponien und
42 Prozent auf unkontrollierten Anhäufungen. Brasilianische
Großstädte wie Salvador, Brasília
und Porto Alegre besitzen noch
keine offiziellen Mülldeponien,
auch der Großteil der Deponien
mittelgroßer Städte (zwischen
100 000 und 500 000 Einwohnern) gelangt an seine Kapazitätsgrenzen. In den knapp 6 000
brasilianischen Gemeinden gibt es
insgesamt lediglich 994 Projekte
zur Förderung der getrennten
Müllsammlung beziehungsweise
des Recyclings.
Die Situation sollte sich landesweit durch die Einführung
der Nationalen Politik der festen Abfälle (Política Nacional de
Resíduos Sólidos) verbessern. Das
Gesetz legt die Verantwortung
für die korrekte Verwaltung und
Endlagerung des Mülls für Hersteller, Vertriebe, Konsumenten
und Gemeindeverwaltungen fest.
Allerdings wird es zu großen Überschüssen an recycelbaren Materialien sowie organischen Abfällen
für die Kompostierung führen. Um
diesen Umständen gerecht zu
werden, bilden Gemeinden und
Unternehmen PPP zum Bau von
Mülldeponien – oft in Form von
Konsortien mit Beteiligung mehrerer Unternehmen verschiedener
Branchen (Investoren, Betreiber,
Technologielieferanten) sowie
mehrerer Gemeinden. Dadurch
eröffnen sich diverse Marktchancen für deutsche Unternehmen
in folgenden Bereichen: Beratungsdienstleistungen zur Einführung von Rückwärtslogistik in
Industrie und Vertrieb, Beratung
zum Umgang mit Abfällen der
Elektronikindustrie sowie beim
Bau von Mülldeponien, neue
Technologien zur Nutzung von
Polymeren, Projekte zum Bau von
Recyclinganlagen, energetische
Nutzung von organischen und
anorganischen Abfällen.
❙
AUTORIN
DANIELY
ANDRADE
Leiterin, Abteilung
Umwelt, erneuerbare Energien und
Energieeffizienz,
AHK São Paulo
mambiente@
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FRANKFURTER AUSSENWIRTSCHAFTSKALENDER
Workshop zu Markterschließung
Brasilien
Donnerstag, 19. März, IHK Frankfurt, 10 bis 15.30 Uhr, Telefon
0 69 / 21 97-15 06
Erfolgreiche Kommunikation mit
koreanischen Geschäftspartnern
Donnerstag, 26. März, IHK Frankfurt, 9 bis 17.30 Uhr, Telefon
0 69 / 21 97-12 16
Internationaler Stammtisch
Montag, 13. April, 19 Uhr, Bar
James, English Theatre, Gallusanlage 7, Frankfurt, Telefon
0 69 / 71 91 65 81, E-Mail info@
newcomers-network.de, Internet www.newcomers-network.de/
stammtisch
Verleihung des Hessischen
Exportpreises 2015
Montag, 6. Juli, IHK Frankfurt,
18 Uhr, Telefon 0 69 / 21 97-15 06
Hessischer Außenwirtschaftstag 2015
Dienstag, 7. Juli, IHK Frankfurt, 8.45 bis 18 Uhr, Telefon
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WACHSTUMSMÄRKTE IM FOKUS
Insgesamt 1,2 Milliarden Euro
mehr als im Vorjahreszeitraum
überwiesen ausländische Importeure von Januar bis November
2014 an hessische Unternehmen.
Für das Exportplus von 2,3 Prozent sorgten in erster Linie die
Zuwachsraten aus den für Hessen
wichtigsten Absatzmärkten. In
die Europäische Union, die mit
einem Anteil von 57 Prozent bedeutendste Absatzregion, war ein
Anstieg der Ausfuhren von drei
Prozent zu verzeichnen.
Negativ entwickelte sich die
Nachfrage wenig überraschend
in Osteuropa. Hier sind die Ausfuhren hessischer Unternehmen
im vergangenen Jahr deutlich
eingebrochen – zwischen Januar
und November 2014 sank der Wert
der Exporte nach Russland im
HALLEN
Industrie- und Gewerbehallen
Büro- und Verwaltungsbauten
von der Planung und Produktion
bis zur schlüsselfertigen
Halle
Vergleich zum Vorjahreszeitraum
um 18 Prozent, in die Ukraine
sogar um 30 Prozent. Für 2015
ist zunächst keine Besserung in
Sicht. Vielmehr sehen mehr als die
Hälfte der betroffenen hessischen
Unternehmer schlechter werdende
Geschäftsperspektiven in dieser
Region. Damit stellt Osteuropa
den einzigen Markt dar, der von
der Mehrheit der Unternehmen
pessimistisch bewertet wird.
Vielversprechende Zahlen liefert hingegen der Außenhandel
mit den wichtigsten Abnehmerländern, den USA, Frankreich und
Großbritannien. Die Exporte in den
französischen und großbritannischen Markt entwickelten sich
dynamisch – für Frankreich stieg
der Ausfuhrwert um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, für
Großbritannien um zehn Prozent.
Im Besonderen trägt jedoch
der US-amerikanische Markt zum
hessischen Exportwachstum bei.
Ohne die Ausfuhren in die USA
würde das Exportplus um 1,9 Prozentpunkte schwächer ausfallen
und nur noch 0,4 Prozent betragen. Damit profitiert Hessen
überproportional von der guten
Wirtschaftslage in den Vereinigten
Staaten. Während deutschlandweit der Wert der Exporte über
den Nordatlantik um knappe sechs
Prozent zulegte, waren dies für
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Prof. Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, München, hält den Impulsvortrag
auf dem diesjährigen Hessischen Außenwirtschaftstag. Er findet am Dienstag, 7. Juli, in der IHK Frankfurt statt.
Zum hessischen Importwachstum trägt insbesondere der US-amerikanische Markt bei.
mehr als einer Milliarde Euro über
17 Prozent.
Inwieweit das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP)
für zusätzlichen Schwung in den
Geschäftsbeziehungen zu den USA
sorgen könnte, wird derzeit ebenso
leidenschaftlich diskutiert wie
die potenziellen Gefahren dieses
Vertrags. Die Bedeutung des Freihandels wird daher Kernthema der
Podiumsdiskussion im Rahmen des
Hessischen Außenwirtschaftstags
am Dienstag, 7. Juli, sein. Neben
Nordamerika und Europa werden
auch viele weitere Märkte und
Regionen im Fokus des Veranstaltungsprogramms stehen: Chinas
Wirtschaft wandelt sich – mehr
Innovation statt mehr Produktion.
Können die niedrigen Ölpreise die
stagnierende Nachfrage aus Indien und Thailand wieder ankurbeln
oder verlangsamt sich die Dynamik
der asiatischen Wachstumsmärkte
dauerhaft? Wie entwickelt sich
Lateinamerika, und kann Brasili-
en seine Strukturprobleme überwinden? Über diese und andere
Themen werden Experten mit den
Teilnehmern der sechs Workshops
diskutieren.
Prof. Hans-Werner Sinn, Präsident, Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, wird in seinem Impulsvortrag das Thema Außenwirtschaft aus einer wissenschaftlichen Perspektive betrachten.
Während des Außenwirtschaftstags haben die Teilnehmer darüber
hinaus die Möglichkeit, sich von
Experten aus dem Netzwerk der
Deutschen Auslandshandelskammern (AHK) in Einzelgesprächen
beraten zu lassen.
❙
AUTOR
JULIAN ECKERT
Referent,
International,
IHK Frankfurt
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IHK WirtschaftsForum 03.15
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IHK WirtschaftsForum 03.15
WP/StB Steffen Drögemüller - StB Thomas Kammandel *) - WP/StB Thomas Worm **)
*) Fachberater für internationales Steuerrecht
**) Fachberater für Vermögens- und Finanzplanung
53
IHK-BEZIRK FRANKFURT
AN DEN STEUERSCHRAUBEN GEDREHT
Abermals müssen Unternehmen in vielen Kommunen des IHK-Bezirks Frankfurt höhere Steuern zahlen.
Sieben von 25 Gemeinden erhöhen in 2015 ihren Gewerbesteuerhebesatz, eine Senkung erfolgt nirgends.
In der Stadt Frankfurt sowie in
den Kommunen der Landkreise
Hochtaunus und Main-Taunus
erhöhen 60 Prozent der Städte und Gemeinden ihre Steuern. Dies ist das Ergebnis einer
Umfrage der IHK Frankfurt. Die
Kommunen begründen die Erhöhungen durchweg damit, dass
ansonsten die Genehmigung
des Haushalts gefährdet sei. In
diesem Zusammenhang wirft
schon die geplante Reform des
kommunalen Finanzausgleichs
ihre Schatten voraus.
Danach werden alle Kommunen, deren Gewerbesteuerhebesatz niedriger als 357 Prozent
liegt, reicher gerechnet als sie
tatsächlich sind. Im Umkehr-
schluss bedeutet dies, dass das
Land annimmt, die Kommune
habe einen geringeren Finanzbedarf und benötige somit geringere Zuweisungen aus dem
Finanzausgleich. Um dieser Fehleinschätzung entgegenzuwirken,
sehen sich viele Kommunen, deren
Hebesatz niedriger als 357 Prozent ist, schon jetzt gezwungen,
diesen zu erhöhen.
Ausgabenkürzungen
Diese Entwicklung schadet letztlich dem Wirtschaftsstandort
Hessen. Die hessischen IHKs fordern deshalb, beim kommunalen
Finanzausgleich den sogenannten
Nivellierungshebesatz bei 310
Prozent zu belassen und nicht –
RANKING GEWERBESTEUERHEBESÄTZE 2015 IM IHK-BEZIRK FRANKFURT
(Stadt Frankfurt, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis)
Hebesätze 2014, wenn im Jahr 2015 eine Hebesatzänderung erfolgte
Hebesätze 2015
Frankfurt
460
Bad Homburg
385
Königstein
380
345
Hofheim
370
Oberursel
360
Liederbach
360
310
Neu-Anspach
355
345
Friedrichsdorf | Usingen | Hattersheim | Schwalbach
350
Steinbach
350
335
Glashütten | Hochheim1
345
Wehrheim
340
Kelkheim
330
310
Flörsheim | Kriftel | Weilrod
330
Eppstein | Kronberg | Schmitten | Sulzbach
310
Grävenwiesbach
310
300
Bad Soden
310
280
WEITERE INFOS
280
Eschborn
0
100
200
300
400
Da noch nicht alle Kommunen ihren Haushalt 2015 verabschiedet haben bzw. noch nicht alle Haushalte von der
Aufsichtsbehörde genehmigt worden sind, können sich noch Änderungen ergeben.
1 IHK-Bezirk
54
Wiesbaden
wie vom hessischen Finanzminister geplant – auf 357 beziehungsweise bei den kreisfreien Städten
sogar auf 454 Prozent anzuheben.
Außerdem sollten die Kommunen
ihre Haushalte noch stärker durch
Ausgabenkürzungen konsolidieren und auf Steuererhöhungen
verzichten.
Liederbach erhöht seinen Gewerbesteuerhebesatz am stärksten, und zwar um 50 Punkte von
310 auf 360 Prozent. Diese Erhöhung bewirkt, dass eine Kapitalgesellschaft, das sind insbesondere
Gesellschaften mit beschränkter
Haftung (GmbH) und Aktiengesellschaften (AG), jetzt 12,6 (bisher 10,85) Prozent ihres Gewinns
beziehungsweise Gewerbeertrags
als Gewerbesteuer an die Kommune abführen muss. Dies sind
über 16 Prozent mehr als bisher.
Damit nähert sich die Gewerbesteuerbelastung in Liederbach
der Körperschaftsteuerbelastung,
die deutschlandweit einheitlich
15 Prozent für Kapitalgesellschaften beträgt, immer mehr an.
Ob die Erhöhung bei Personenunternehmen eine zusätzliche Belastung verursacht,
muss – wegen der bestehenden
Verrechnungsmöglichkeit mit der
Einkommensteuer – im Einzelfall
500
Eine Gesamtübersicht über
die Entwicklung der Gewerbe- und Grundsteuern im Bezirk der IHK Frankfurt online
unter www.frankfurt-main.
ihk.de (Suchbegriff „Realsteueratlas“).
geprüft werden. Zu den Personenunternehmen zählen vor allem
Einzelunternehmen, Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), offene Handelsgesellschaften (OHG)
und Kommanditgesellschaften
(KG). Neben Liederbach erhöhen
den Gewerbesteuerhebesatz im
Main-Taunus-Kreis Bad Soden
von 280 auf 310 und Kelkheim
von 310 auf 330 Prozent.
Anstieg setzt sich
verstärkt fort
Im Hochtaunuskreis hebt Königstein den Gewerbesteuersatz mit
35 Prozentpunkten von 345 auf
380 Prozent am stärksten an. Es
folgt die Schutzschirmgemeinde Steinbach, die diesen Satz
nach einer Anhebung in 2014
um 15 Prozentpunkte in diesem
Jahr um weitere 15 Punkte auf
350 Prozent erhöht. Neu-Anspach
und Grävenwiesbach heben ihren
Gewerbesteuerhebesatz jeweils
um zehn Punkte auf 355 beziehungsweise 310 Prozent an.
Den höchsten Gewerbesteuerhebesatz im Hochtaunuskreis hat
mit 385 Prozent nach wie vor Bad
Homburg, im Main-Taunus-Kreis
Hofheim mit 370 Prozent. Den
niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz im IHK-Bezirk hat immer
noch Eschborn mit 280 Prozent. Es
folgen Bad Soden, Eppstein, Grävenwiesbach, Kronberg, Schmitten und Sulzbach mit jeweils
310 Prozent.
Der schon in den zurückliegenden Jahren zu verzeichnende Anstieg der Gewerbesteuerhebesätze
setzt sich verstärkt fort. So steigt
der durchschnittliche GewerbeIHK WirtschaftsForum 03.15
Recht und Steuern
steuerhebesatz im Vergleich zum
vergangenen Jahr im Main-Taunus-Kreis von 321 auf 330 Prozent,
im Hochtaunuskreis von 335 auf
344 Prozent. In Frankfurt beträgt
der Gewerbesteuerhebesatz auch
in diesem Jahr 460 Prozent. Kapitalgesellschaften müssen somit
16,1 Prozent ihres Gewinns beziehungsweise Gewerbeertrags an die
Stadt abführen. Dies ist ein höherer
Betrag als die Körperschaftsteuer,
deren Satz deutschlandweit einheitlich 15 Prozent beträgt.
Grundsteuerhebesatz
Fast die Hälfte der Kommunen
im IHK-Bezirk Frankfurt hebt
den Grundsteuerhebesatz B zum
Teil spürbar an, acht davon hatten diesen bereits 2014 erhöht.
Hier liegen Königstein und NeuAnspach mit jeweils 200 Prozentpunkten von 340 auf 540 Prozent
vorne. Mit 150 Punkten folgen
Flörsheim (340 auf 490 Prozent)
sowie Kelkheim mit 120 Punkten
(von 330 auf 450 Prozent). Da der
Grundsteuerhebesatz B für alle
Grundstücke mit Ausnahme der
land- und forstwirtschaftlichen
gilt, sind von dessen Anhebung
unter anderem auch Unternehmer
und Mieter betroffen. In Frankfurt
liegt der Grundsteuerhebesatz B
❙
bei 500 Prozent.
AUTOR
ALFRED SIEGL
Stellvertretender
Geschäftsführer,
Recht und Steuern,
IHK Frankfurt
a.siegl@frankfurtmain.ihk.de
IHK WirtschaftsForum 03.15
Rechts- und Steuertipps
✔
Nichtbeanstandungsregelung
bei Reverse Charge für Metalllieferungen
Mit Schreiben vom 22. Januar erweitert das Bundesministerium der
Finanzen die Nichtbeanstandungsregelung für die Anwendung des
Reverse-Charge-Verfahrens bei Metalllieferungen im Inland. Umsätze,
die im Zeitraum vom 1. Januar bis einschließlich 30. Juni 2015 ausgeführt
werden, können demnach auf Basis
der Rechtslage nach dem KroatienBegleitgesetz netto berechnet werden, auch wenn die erneute Änderung
durch das Zollkodexanpassungsgesetz
dem entgegensteht.
✔
Anwendungsbereich des
Kroatien-Begleitgesetzes eingeschränkt
Mit dem sogenannten KroatienBegleitgesetz wurde für im Inland
ausgeführte Metalllieferungen zum
1. Oktober 2014 die Steuerschuldumkehr eingeführt. Aufgrund erheblicher Kritik der Wirtschaft wurde der
Anwendungsbereich der Regelung in
§ 13b Abs. 2 Nr. 11 Umsatzsteuergesetz (UStG) mit dem Zollkodexanpassungsgesetz eingeschränkt.
Dazu wurde die Anlage 4, die die
Gegenstände gelistet anhand von
Zolltarifnummern enthält, die nach
§ 13b Abs. 2 Nr. 11 Umsatzsteuergesetz unter die Steuerschuldumkehr
fallen, deutlich reduziert. Zudem wurde eine Bagatellgrenze von 5 000 Euro
eingeführt.
5. Dezember eine Nichtbeanstandungsfrist bis zum 30. Juni 2015
eingeräumt. Diese wird im nun vorliegenden Schreiben nochmals aufgenommen. Unternehmen, die bereits
auf das Reverse-Charge-Verfahren
nach dem Kroatien-Begleitgesetz
(Rechtslage ab dem 1. Oktober 2014)
umgestellt haben, fielen jedoch nicht
unter diese Regelung. Das BMF räumt
diesen Unternehmen nun ebenfalls
eine Nichtbeanstandungsregelung bis
zum 30. Juni 2015 ein. Das Ministerium kommt damit einer Forderung der
Wirtschaft nach. Weitere Infos online
unter www.bundesfinanzministerium.de (Suchbegriffe „Umsatzsteuer“,
„BMF-Schreiben“).
✔Lohnsteuerliche Behandlung
von Rabatten an Arbeitnehmer
von dritter Seite
Mit Schreiben vom 20. Januar reagiert das Bundesministerium der
Finanzen (BMF) auf die Urteile des
Bundesfinanzhofs vom 18. Oktober
2012 und vom 10. April 2014 zur
lohnsteuerlichen Behandlung von
Rabatten von dritter Seite. Das BMF
legt fest, auf welche weiteren Fälle beziehungsweise unter welchen
weiteren Voraussetzungen Rabatte
an Arbeitnehmer von dritter Seite als
Arbeitslohn lohnsteuerlich zu erfassen sind. Weitere Infos online unter
www.bundesfinanzministerium.de
(Suchbegriff „BMF-Schreiben“).
✔
✔
Steuerliche Behandlung
von Reisekosten bei der Gewinnermittlung
Für Unternehmen, die bislang ihre
internen Prozesse noch nicht umgestellt haben und Lieferungen noch
nach altem Recht (Rechtslage vor dem
1. Oktober 2014) brutto abrechnen,
hat das Bundesfinanzministerium
(BMF) bereits mit Schreiben vom
Mit Schreiben vom 23. Dezember
hat das Bundesfinanzministerium
zur ertragsteuerlichen Beurteilung
von Aufwendungen für Fahrten
zwischen Wohnung und Betriebsstätten und von Reisekosten unter
Berücksichtigung des steuerlichen
Reisekostenrechts zum 1. Januar 2014
Nichtbeanstandungsfrist
bis 30. Juni bestätigt
und der Anwendung bei der Gewinnermittlung Stellung genommen. Das
Schreiben umfasst zahlreiche Beispiele, aufgegriffen werden unter
anderem folgende Punkte: Aussagen
zur Betriebsstätte / Tätigkeitsstätte, Dauerhaftigkeit einer Tätigkeit,
häusliches Arbeitszimmer, Ausübung
der Tätigkeit an mehreren Betriebsstätten. Weitere Infos online unter
www.bundesfinanzministerium.de
(Suchbegriffe „Umsatzsteuer“, „BMFSchreiben“).
✔
Anerkennung der Ausgangsvermerke im Atlas-Verfahren als
Ausfuhrnachweis für Umsatzsteuerzwecke
Mit Schreiben vom 23. Januar erkennt
die Finanzverwaltung neben dem
klassischen Ausgangsvermerk beziehungsweise Alternativ-Ausgangsvermerk auch andere im IT-Verfahren
Atlas erzeugte Ausgangsvermerke
als Nachweise der Umsatzsteuerbefreiung für Ausfuhrlieferungen nach
§ 4 Nr. 1a UStG an. Die Grundsätze
des Schreibens des Bundesfinanzministeriums gelten in allen offenen
Fällen. Weitere Infos online unter
www.bundesfinanzministerium.de
(Suchbegriffe „Umsatzsteuer“, „BMFSchreiben“).
✔
Klarstellung zur Nichtbeanstandungsregelung bei Reverse
Charge für Bau- und Gebäudeleistungen
Mit Schreiben vom 4. Februar stellt
das Bundesfinanzministerium (BMF)
klar, dass auf Bauleistungen, die vor
dem 15. Februar begonnen, aber erst
nach dem 30. September 2014 erbracht wurden und die entsprechend
der ab dem 1. Oktober geltenden
Rechtslage nicht unter die Steuerschuldumkehr (Reverse Charge) fallen,
die Nichtbeanstandungsregelung des
BMF-Schreibens vom 5. Februar 2014
ebenfalls anwendbar ist.
❙
55
FOTO: GETTYIMAGES / YULIA POPKOVA
EU-BIL ANZRICHTLINIE
HARMONISIERUNG SCHREITET VORAN
Das Bundesjustizministerium hat den Referentenentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der EU-Bilanzrichtlinie
vorgelegt. Diese ist bis 20. Juli in nationales Recht umzusetzen und beinhaltet Änderungen bei den Vorschriften
zur Rechnungslegung.
Mit der neuen EU-Bilanzrichtlinie
über den Jahresabschluss, den
konsolidierten Abschluss und damit verbundene Berichte von Unternehmen bestimmter Rechtsformen schreitet die Harmonisierung
des europäischen Wirtschaftsraums – auch im Bereich der
Finanzberichterstattungspflicht –
weiter voran. Die Richtlinie ist
bis zum 20. Juli durch die Mitgliedsstaaten in nationales Recht
umzusetzen. Sie soll erstmals auf
Jahresabschlüsse anzuwenden
sein, deren Berichtszeitraum nach
dem 31. Dezember 2015 beginnt.
Das Bundesjustizministerium hat
mit Stand vom 27. Juli 2014 den
Referentenentwurf eines Gesetzes
zur Umsetzung dieser Richtlinie
veröffentlicht.
Der Gesetzgeber hatte bereits
2012 durch das Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsän-
56
derungsgesetz (MicroBilG) erhebliche Erleichterungen für
Kleinstunternehmen geschaffen,
die nun künftig durch die Umsetzung der EU-Richtlinie weitere Modifizierungen erfahren
sollen. Der Referentenentwurf
sieht insbesondere Änderungen
des Handelsgesetzbuchs (HGB),
des Publizitätsgesetzes (PublG),
des Aktiengesetzes (AktG) und des
Gesetzes betreffend die Gesellschaft mit beschränkter Haftung
(GmbHG) vor.
Größenmerkmale
Wesentliche Änderung des Referentenentwurfs ist, dass die
Größenmerkmale für die Klassifizierung kleiner, mittelgroßer und
großer Kapitalgesellschaften und
diesen gleichgestellten Personengesellschaften angehoben werden
sollen. Gleiches gilt für Konzerne.
Die höheren Größenmerkmale
sollen bereits auf Jahresabschlüsse anzuwenden sein, die nach
dem 31. Dezember 2013 folgende
Geschäftsjahre umfassen. Da die
neuen Größenmerkmale rückwirkend angewendet werden sollen,
könnte sich demnach für viele
Unternehmen eine Änderung der
Größenklasse bereits erstmals
zum 31. Dezember 2013 ergeben.
Gemäß Referentenentwurf
sollen von diesen Erleichterungen folgende Unternehmen
ausgenommen sein: Investmentgesellschaften des Kapitalanlagegesetzbuchs, Unternehmensbeteiligungsgesellschaften und
andere Unternehmen, deren einziger Zweck darin besteht, Beteiligungen an anderen Unternehmen
zu erwerben und zu verwalten,
ohne dass diese Unternehmen unmittelbar in die Verwaltung dieser
Unternehmen eingreifen. Für die
Investmentgesellschaft und die
Unternehmensbeteiligungsgesellschaft ergab sich dies bisher
bereits aus dem Investmentgesetz
(InvG) beziehungsweise aus dem
Gesetz über Unternehmensbeteiligungen (UBGG).
Befreiungsvorschriften
Weiter sollen die im HGB enthaltenen Befreiungsvorschriften
sprachlich abgeändert werden. Die
in einem Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen
(Tochterkapital- und Personengesellschaften) waren bisher unter
bestimmten Voraussetzungen
von den strengen Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten
befreit, sofern das Mutterunternehmen eine Verlustübernahme
eingegangen war. Nunmehr sieht
der Entwurf für die Befreiung
IHK WirtschaftsForum 03.15
Recht und Steuern
von der Rechnungslegungs- und
Publizitätspflicht vor, dass das
Mutterunternehmen für das
Tochterunternehmen eine Außenhaftung begründen soll („das
Mutterunternehmen hat sich bereit erklärt“). Nach dem Referentenentwurf soll künftig auch ein
Tochterunternehmen verpflichtet
sein, zusätzlich zur Offenlegung
des Konzernabschlusses durch
das Mutterunternehmen den Konzernabschluss des Mutterunternehmens zu veröffentlichen, was
im Ergebnis zu einer zweifachen
Offenlegungspflicht desselben
Konzernabschlusses führt. Auf
Personenhandelsgesellschaften,
die zugleich Mutterunternehmen
sind, sollen nach dem Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz (BilRUG)
die Befreiungsvorschriften nicht
anwendbar sein, sodass sie neben
ihrem Konzernabschluss zugleich
ihren Einzelabschluss offenlegen
müssten.
Lageberichterstattung
Erhebliche Änderungen sollen
sich weiter im Bereich der Anhang- und Lageberichterstattung
ergeben. So soll für Angaben, die
bislang wahlweise in der Bilanz
oder im Anhang gemacht werden
konnten, eine Anhangberichterstattung verpflichtend werden.
Weiter soll der Ausweis von außerordentlichen Aufwendungen
und Erträgen in der Gewinn- und
Verlustrechnung zugunsten einer
Darstellung von Betrag und Art
dieser Aufwendungen und Erträge im Anhang entfallen. Hinzu
kommen sollen erweiterte oder
gar neue Angaben wie Angaben
zu sonstigen finanziellen Verpflichtungen (zum Beispiel aus
Altersversorgung sowie gegenüber
verbundenen und assoziierten
Unternehmen), Angaben zu den
Ereignissen nach dem Bilanzstichtag, ein Vorschlag für die
Ergebnisverwendung oder die
Darstellung zu den latenten Steuersalden und ihren Bewegungen
im abgelaufenen Geschäftsjahr.
Umsatzerlöse
Der Referentenentwurf sieht zudem vor, die Definition der Umsatzerlöse neu zu fassen: Künftig sollen in den Umsatzerlösen
auch nicht für die gewöhnliche
Geschäftstätigkeit der Gesellschaft typische Umsatzerlöse
aufzunehmen sein. Zudem sollen
auf Kleinstgenossenschaften die
für Kleinstkapitalgesellschaften
geltenden Erleichterungen der
Rechnungslegungsvorgaben übertragen werden.
Darüber hinaus soll die Abschreibung für selbst geschaffene
immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens oder
eines entgeltlich erworbenen Ge-
schäfts- oder Firmenwerts auf
mindestens fünf und höchstens
zehn Jahre festgelegt werden, sofern die voraussichtliche zeitliche
Nutzung dieser Vermögensgegenstände nicht bestimmt werden
kann.
Bürokratieabbau
Über die aufgeführten Regelungen
hinaus ergeben sich für Konzernabschlüsse keine erheblichen Änderungen. Der Entwurf
sieht insoweit lediglich noch bei
Bilanzierung von assoziierten
Unternehmen, ergänzend zur
Zwischenergebniseliminierung,
eine Schulden-, Aufwands- und
Ertragskonsolidierung vor.
Hinsichtlich des abweichenden Stichtages eines Tochterunternehmens galt nach Handelsgesetzbuch bislang, dass ein
Tochterunternehmen auf einen
Zwischenabschluss verzichten
kann, wenn der Abschlussstichtag des Tochterunternehmens
um nicht mehr als drei Monate
vor dem Stichtag des Konzernabschlusses liegt. Gemäß dem
Referentenentwurf sollen die bis
zu drei Monate nach dem Konzernabschlussstichtag liegenden
Fälle den bisherigen Vorgaben
gleichgestellt werden.
Für Minderheitenanteile soll
eine einheitliche Postenbezeichnung „Nicht beherrschte Anteile“
eingeführt werden. Außerdem
sieht der Referentenentwurf noch
Änderungen betreffend die Pflicht
zur Angabe zu den Bezügen für
Mitglieder des Geschäftsführungsorgans, eines Aufsichtsrats,
eines Beirats oder einer ähnlichen
Einrichtung des Mutterunternehmens sowie für frühere Mitglieder
vor. Die Angabe der Bezüge soll
künftig unterbleiben, wenn sich
anhand dieser Angabe die Bezüge
eines Mitglieds dieser Organe
feststellen lassen.
Mit dem BilRUG will der Gesetzgeber die europäischen Vorgaben der EU-Bilanzrichtlinie
in nationales Recht umsetzen,
wobei die dabei zur Verfügung
stehenden Wahlrechte zum Bürokratieabbau möglichst genutzt
werden sollen. Wesentliche Änderungen betreffen insbesondere
die Bewertung, den Ausweis, den
Anhang und die Konzernrechnungslegung. Es bleibt abzuwarten, was letztendlich bis Juli in
das deutsche Recht umgesetzt
werden wird.
❙
AUTOR
CHRISTIAN
AURICH
Referendar, Recht
und Steuern,
IHK Frankfurt
t.winkler@frankfurt-main.ihk.de
STEUERFÄLLIGKEITEN IM MÄRZ
Staatssteuern
Am 10. März 2015 werden fällig: Vorauszahlung auf die Körperschaftsteuer sowie die Einkommensteuer einschließlich
Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer der Veranlagten für das erste Quartal 2015.
Umsatzsteuer- / MehrwertsteuerVorauszahlung für den Monat Februar 2015 der Monatszahler. Monatszahler ist jeder Unternehmer,
dessen Umsatzsteuer im Kalenderjahr 2014 mehr als 7 500 Euro
betragen hat; Monatszahler sind
auch solche Unternehmer, die ihre
IHK WirtschaftsForum 03.15
berufliche oder gewerbliche Tätigkeit im Jahr 2014 oder 2015 aufgenommen haben (Existenzgründer).
Im Februar 2015 einbehaltene
Lohn- und Kirchensteuer sowie einbehaltener Solidaritätszuschlag, wenn die für das Kalenderjahr 2014 abzuführende
Lohnsteuer mehr als 4 000 Euro
betragen hat.
Im Februar 2015 einbehaltene
Bauabzugsteuer (Abführung an
das für den beauftragten Bauunternehmer zuständige Finanzamt;
weitere Infos online unter www.
finanzamt.de).
57
ARGAND’OR
DER BAUM DES LEBENS
Anfang des Jahres wurde Argand’Or in die Neuauflage des „Lexikon der deutschen Weltmarktführer“ aufgenommen: Rudolf Bresink (1. v. l.) und Mohamed El Karz (2. v. r), Geschäftsführer,
Argand’Or, mit Dr. Florian Langenscheidt (2. v. l.) und Prof. Bernd Venohr, Herausgeber (1. v. r.).
„Wir haben die Argand’Or im
Jahr 2005 gegründet, um eines
der kostbarsten Lebensmittel und
wertvollsten Hautpflegemittel –
handgepresstes Arganöl – in
seiner Ursprünglichkeit zu bewahren und vielen Menschen,
auch außerhalb Marokkos, näherzubringen“, erzählt Rudolf
Bresink, Firmengründer und Geschäftsführer. „Der Arganbaum
wird in den Berberfamilien als
Baum des Lebens wertgeschätzt“,
KONTAKT
Argand’Or
Ferdinandstraße 9
61348 Bad Homburg
E-Mail info@argandor.de
Internet www.argandor.de
58
so Mohamed El Karz, ebenfalls
Gründer und Geschäftsführer. Das
Öl aus den Arganmandeln sei für
die Berber sowohl Lebensmittel
als auch heilsame Medizin für
viele Krankheiten.
Produkt des Jahres
Mit ihrem Einsatz wollen Bresink und El Karz dazu beitragen,
dass die Bedeutung des Arganbaums nicht in Vergessenheit
gerät. Arganbäume wachsen
ausschließlich im Gebiet um das
Atlasgebirge in der sogenannten
Arganeraie und sind trotz großer
Anstrengungen vom Aussterben
bedroht. Es existieren nur noch
etwa 20 Millionen Bäume.
Die beiden Gründer stellten 2005 auf der Weltleitmesse
FOTO: PRIVAT
Argand’Or mit Sitz in Bad Homburg vertreibt original handgepresstes Arganöl aus Marokko. Produkte mit Arganöl
werden nicht nur in der gehobenen Küche verwendet, sondern auch in der Kosmetikindustrie verarbeitet.
Biofach in Nürnberg Arganöl
erstmalig der Öffentlichkeit vor.
Handgepresstes Arganöl wurde
zum „Produkt des Jahres“
gewählt und löste einen
regelrechten Trend
aus. Das kostbare Öl
ist seitdem fester
Bestandteil in der
gehobenen Küche
und ein begehrter Wirkstoff in der
Kosmetik. Vom Büro
in Bad Homburg werden der weltweite Vertrieb
und die neu gegründete Firma
Argand’Or Maroc Group in Agadir
geleitet.
Durch ihre Arbeit und in Kooperation mit der Deutschen
Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt Argand’Or die Frauenkooperativen der Arganeraie
(Unesco-Weltkulturerbe) in ihrem Bestreben, die überlieferte,
jahrhundertealte Tradition der
Herstellung des Arganöls mittels
Handpressung und die einzigartige Kulturlandschaft der Arganbäume zu erhalten. Argand’Or
hat aus dem noch vor wenigen
Jahren unbekannten Arganöl in
kürzester Zeit eine internationale
Marke entwickelt.
Sie zeigt beispielhaft, wie
aus einem Schwellenland traditionelles Wissen um die Heilkraft natürlicher Produkte in
einem hoch industrialisierten
Land erfolgreich vermarktet
werden kann, ohne die Lebensbedingungen der Menschen im
Ursprungsland zu verschärfen. Vielmehr erfüllt
Im Atlasgebirge wachsen etwa
20 Millionen Arganbäume.
IHK WirtschaftsForum 03.15
FOTO: THOMAS RUHL
FOTOS: GUIDO SCHROEDER
Unternehmensreport
Von der Frucht zum Öl (l., M.). Besuch einer Frauenkooperative anlässlich der Produktion des Buches „Arganöl - Das Kochbuch“: Rudolf Bresink, Geschäftsführer, Argand‘Or, Stefan Wiertz, Autor und Koch, Ines Halfmann-Wiertz, Mohamed El Karz, Geschäftsführer, Argand‘Or (v. l.).
das handgepresste Arganöl von
Argand’Or die strengen Maßstäbe des Biosiegels und des
„Commerce Equitable“, also des
fairen Handels. Zwischenzeitlich arbeiten 1 300 Berberfrauen
für Argand’Or, und rund 6 000
Menschen leben insgesamt vom
Verkauf der Produkte.
Für sein nachhaltiges Unternehmenskonzept wurde das junge
Unternehmen schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Diese reichten vom Produkt des
Jahres im Gründungsjahr 2005
über den Hessischen Gründerpreis,
Großer Preis des Mittelstandes
(Finalist), Global Connect Award
(Nominierung), bis zur Aufnahme
des Unternehmens in das Lexikon
der deutschen Weltmarktführer
im Januar. Dort werden 750 deutsche Unternehmen der Weltspitze
vorgestellt, die für die Innovationskraft in ihrer Branche stehen.
Das internationale Magazin ODE
wählte Argand’Or in die Organic
Top 17.
Heilende und antioxidative Wirkung
IHK WirtschaftsForum 03.15
FOTO: ARGAND’OR
FOTO: GUIDO SCHROEDER
In Anerkennung der fairen und
nachhaltigen Geschäftsidee wurde die Geschäftsführung sogar
vom marokkanischen König empfangen. „Dieser hat nicht nur
selbst eines unserer Argand’OrProdukte, Öl in Kapselform, wel-
ches das Immunsystem stärken
soll, probiert, sondern war auch
besonders begeistert von dem
sozialen Aspekt des Argand’OrProjekts“, erzählt El Karz.
Die Berberfrauen erhalten
von Argand’Or für ihre traditionelle Handpressung einen
deutlich höheren Lohn als bei
der industriellen Kaltpressung.
„Natürlich wirkt sich der höhere
Einkaufspreis auch auf den Preis
der hochwertigen Produkte aus“,
sagt Bresink. So können Kunden
das Speiseöl neben dem Internetshop ausschließlich in ausgesuchten Feinkostgeschäften,
Reformhäusern und Biofachmärkten kaufen.
Forscher haben in handgepresstem Arganöl gesunde
Inhaltsstoffe entdeckt, die in
dieser Kombination in keinem
anderen Öl zu finden sind. Die
antioxidative Kraft resultiert aus
dem hohen Anteil an lebenswichtigen ein- und mehrfach
ungesättigten Fettsäuren. Das
Öl ist ungewöhnlich reich an
Vitamin E und an natürlichen
Antioxidantien. Arganöl kann
den Cholesterinspiegel senken.
Seine pflanzlichen D-7-Sterole
gelten in der Krebsprävention als
neue Hoffnungsträger.
Die heilende und antioxidative Wirkung, vor allem gegen freie
Radikale, wird zunehmend von
der Kosmetikindustrie erkannt. So
wird Argan-Hautöl als eines der
potentesten Anti-Aging-Mittel
für die Haut gesehen. Aus diesem
Grund hat Argand’Or neben Biospeiseöl und Bioarganöl-Kapseln
auch zertifizierte, vegane und
tierversuchsfreie Naturkosmetik,
wie Hautöl, Bodylotion, Pflegecreme und Seife, in sein Programm aufgenommen.
Immaterielles Kulturerbe
„Unser Ziel ist es, Arganöl weltweit zu vermarkten und damit die
sozialen, ländlichen Strukturen in
der Arganeraie zu erhalten“, sagt
Bresink. In einigen europäischen
Ländern seien die Produkte schon
in den Geschäften vertreten, Russland und USA würden sich langsam entwickeln.
Mit dem aktuellen Beschluss
der Unesco, den Arganbaum und
die traditionelle Herstellung des
Arganöls mittels der einzigartigen Handpressung in die Liste
des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes aufzunehmen, erfährt das
Argand’Or-Projekt eine weitere
internationale Anerkennung. ❙
AUTORIN
VALENTINA SCHEU
Leiterin Geschäftsstellen Bad Homburg und Hofheim,
IHK Frankfurt
v.scheu@frankfurt-main.ihk.de
59
Focus
V·E·R·L·A·G·S
03 | 2015
Aktuelle Untersuchung
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Finanzierung
RBS
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GmbH & Co. KG
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Schmitt werden Seite IV
Gervinusstraße 15
60322 Frankfurt am Main
T +49 69 500 60-2020
Impressum:
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Sontraer Straße 6, 60386 Frankfurt am Main,
Telefon 0 69/42 09 03-75
Die Textbeiträge in diesem Verlagsfocus wurden
von den werbenden Unternehmen verfasst.
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Mittelstandsfinanzierung, Banken,
Factoring und Bürgschaftsversicherung
Vermögen professionell von Experten managen lassen
Wer seine berufliche Existenz in die eigenen
Hände nimmt, trägt eine große Verantwortung.
Unternehmer, Freiberufler sowie Handel und
Gewerbetreibende müssen neben ihrer eigentlichen Geschäftstätigkeit viele weitere Aspekte im Auge behalten, um langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Betriebsplanung, Auftragslage, Liquiditätsmanagement, Finanzierungen, Kosteneffizienz, konjunkturelle Entwicklungen und
steuerliche Rahmenbedingungen – all das
muss berücksichtigt werden. Aber auch die
Vermögensanlage spielt eine wichtige Rolle.
Selbstständige, die langfristig freies Vermögen im Unternehmen zur Verfügung haben, sollten nicht dabei
zusehen, wie dieses aufgrund von aktuellem Zinstief und Inflation
auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten an Kaufkraft verliert und
schrumpft. Ziel sollte vielmehr sein, Vermögen zu sichern oder zu
vermehren.
Experten raten daher, zumindest einen Teil
des Vermögens in Wertpapieren anzulegen.
Angesichts von Kapitalmärkten, die ständig
in Bewegung sind, fehlt insbesondere Selbstständigen oft die Zeit, sich regelmäßig um
ihre Geldanlage zu kümmern. Eine Alternative ist, dies einem Spezialisten zu überlassen. Selbstständige können beispielsweise
mit dem professionellen Vermögensmanagement der Commerzbank bereits ab kleinen
Anlagesummen auf die Expertise und das
Know-how erfahrener Anlagespezialisten
zurückgreifen. Diese kümmern sich laufend
darum, dass die Vermögensanlage bestmöglich strukturiert und optimal investiert ist.
Grundlage dafür sind das persönliche Anlageziel und die individuelle Risikoneigung. So können Ertragschancen aus verschiedenen
Anlageformen genutzt und Risiken reduziert werden. Selbstständige
haben so mehr Zeit, sich um ihr Unternehmen zu kümmern. Weitere Informationen unter www.commerzbank.de/geschaeftskunden
Ohne Bürgschaftsbank weniger Kredite
Häufig ermöglicht erst eine Sicherheit der Bürgschaftsbank Hessen die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen (KMU),
Unternehmensnachfolger oder Existenzgründer – auch wenn diese
erfolgversprechende Businesspläne vorlegen. Denn im Gegensatz
zu großen Firmen fehlen KMU häufig Eigenkapital, Sicherheiten
und interne Ressourcen für ein eignes Berichtssystem. Dies ist das
wichtigste Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der THM Business School der Technischen Hochschule Mittelhessen im Rahmen
der Promotionsarbeit von Anke Valentin an der Edinburgh Napier
University.
Die Forscherin konnte auf Basis einer Befragung von 157 Unternehmen, die von der Bürgschaftsbank unterstützt wurden, belegen,
welchen wesentlichen Wettbewerbsfaktor das hessische Bürgschaftswesen für KMU darstellt. Tatsächlich wären ohne dieses Engagement viele Kredite erst gar nicht vergeben worden.
Somit profitieren alle Beteiligten: Unternehmen haben besseren
Zugang zu Krediten, Banken können ihr Risiko senken und während der Laufzeit können Bank-Kunden-Beziehungen vertieft und
Vertrauen aufgebaut werden, was zukünftige Kreditentscheidungen
erneut erleichtert.
Dass viele hessische Unternehmen sehr wohl kreditwürdig sind,
beweist einmal mehr die Bilanz der Bürgschaftsbank Hessen: Im
Jahr 2014 konnten 290 Bürgschaften und Garantien übernommen
werden, die erst ein Volumen an Investitionen und Betriebsmitteln
in Höhe von 124 Millionen Euro ermöglichten. Damit wurden über
3.400 Arbeitsplätze in Hessen gesichert oder neu geschaffen.
die Bürgschaftsbank lediglich bei zwei Prozent der übernommenen
Engagements aus den Bürgschaften in Anspruch genommen.
Mehr über die Produkte der Bürgschaftsbank Hessen hier:
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Die Bürgschaftsbank Hessen haftet dabei gegenüber den Kreditgebern in Höhe der übernommenen Bürgschaft. Eine Inanspruchnahme auf Zahlung kommt tatsächlich eher selten vor. 2014 wurde
Mittelstandsfinanzierung, Banken, Factoring und Bürgschaftsversicherung | VerlagsFocus
II
Diagnose Mittelstand 2015
Unternehmen finanziell gut ausgestattet, aber zurückhaltend bei Investitionen
Der deutsche Mittelstand ist hervorragend kapitalisiert: Mit einer Eigenkapitalquote von 22,3 Prozent im Mittel wird ein neuer Rekordwert erreicht. Die Steigerung des Eigenkapitals ist dabei in allen
Betriebskategorien erfolgt. Auch Kleinunternehmen mit einer Umsatzgröße unter einer Million Euro verfügen mit 17,2 Prozent über ein
solides Eigenkapitalpolster.
Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Diagnose Mittelstand
2015“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, für die die
Bilanzdaten mittelständischer Unternehmen ausgewertet wurden.
Abermals gestiegen sind die Personalkosten der mittelständischen
Unternehmen: Die höheren Tarifabschlüsse führten zu einer Steigerung der Personalaufwandsquote um 1,2 Prozentpunkte auf
19,2 Prozent in der Trendrechnung für 2013.
Die 14. Auflage der Sparkassen-Studie „Diagnose Mittelstand“
zeigt, dass trotz der Zurückhaltung bei Investitionen und der verringerten Rentabilität viele mittelständische Unternehmen ihre Wachstumschancen für 2015 optimistisch einschätzen. 65,8 Prozent der
befragten Sparkassen-Berater für Firmenkunden sehen die aktuel-
Trotz einer hervorragenden
Ausstattung mit Eigenkapital
halten sich die Unternehmen
aber bei den Investitionen zurück. Nur noch knapp 16 Prozent der Sparkassen-Experten
geben an, dass ihre Kunden
mehr Investitionsmittel abfragen. 45,8 Prozent der Firmenkunden aus dem Mittelstand
haben weniger Investitionsmittel abgerufen als im Vorjahr.
Über die Hälfte der Unternehmen investiert, um Maschinen
und Anlagen zu ersetzen. Nur
noch 19,7 Prozent der Firmen
investiert, um zu expandieren.
Das ist der niedrigste Wert seit
2010.
Die hauptsächlichen Gründe für die Zurückhaltung bei
Investitionen sehen die Sparkassen-Experten in der Unsicherheit
durch geopolitische Krisen und die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Euro-Zone.
Schon jetzt ist die Umsatzrentabilität der mittelständischen Unternehmen rückläufig: 2013 betrug der Wert 6,4 Prozent nach
7,7 Prozent im Vorjahr.
Die Hoffnung, dass die außerordentlich guten Finanzierungsbedingungen zu einem Investitionsschub führen, habe sich bisher
leider nicht erfüllt, so DSGV-Präsident Georg Fahrenschon bei der
Vorstellung der Studie in Berlin. „Niedrige Zinsen und immer mehr
billiges Geld können allein keinen Investitionsaufschwung bewirken.
Deswegen braucht die Euro-Zone auch keine weitere Ausweitung
der Bilanz der Europäischen Zentralbank über den breit gestreuten
Ankauf von Staatsanleihen“, sagte Fahrenschon. Stattdessen seien
der Abbau von Schulden sowie Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in den einzelnen Euro-Ländern erforderlich. Fahrenschon: „Nur so kann das dringend notwendige Vertrauen der Unternehmer in die Leistungsfähigkeit Europas wieder gestärkt werden.“
III
le Lage der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr unverändert.
16 Prozent der Experten sehen sogar eine Verbesserung der Situation ihrer Geschäftspartner für das Jahr 2014. In der Summe halten
die Experten der 416 deutschen Sparkassen ein Wirtschaftswachstum für 2015 von bis zu 1,5 Prozent für möglich.
Grundlage für die „Diagnose Mittelstand“ ist mit über 250.000 Bilanzen pro Jahr die größte derartige Sammlung von Jahresabschlüssen Deutschland. Die Analyse der Sparkassen-Finanzgruppe gibt
einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Mittelstands.
Ergänzt wird die Bilanzdatensammlung durch eine Expertenbefragung in den Sparkassen. Hierfür wurden im Oktober 2014 die
Firmenkundenberater aller Sparkassen um ihre Bewertung der Geschäftslage mittelständischer Unternehmen gebeten.
Kontakt: Stefan Marotzke
stefan.marotzke@dsgv.de
VerlagsFocus | Mittelstandsfinanzierung, Banken, Factoring und Bürgschaftsversicherung
Warum sich die Finanzaufsicht manchmal für Pralinen interessiert
Alternative Unternehmensfinanzierungen müssen sorgfältig geplant werden
Eigentlich eine tolle Idee: Eine Confiserie wollte expandieren. Finanziert wurden die Expansionspläne aber nicht durch eine Bank. Stattdessen lieh man sich das benötigte Geld von den eigenen Kunden.
Diese stellten der Confiserie jeweils einen Betrag zwischen 2.000
und 20.000 Euro für drei Jahre zur Verfügung. Die Geldanlage wurde den Anlegern durch die Verzinsung versüßt. Die erfolgte nämlich
in Form einer jährlichen Lieferung von Pralinen. Da lag es auf der
Hand, dass das Ganze „Genussrecht“ getauft wurde.
Zunächst sah alles nach einem vollen Erfolg aus. Es fanden sich
ausreichend Geldgeber, um die geplante Expansion zu finanzieren.
Bei der Confiserie freute man sich außerdem über die positiven Nebeneffekte der ungewöhnlichen Finanzierung. Die teilnehmenden
Kunden wurden noch enger an das Unternehmen gebunden. Da
viele Zeitungen über die außergewöhnlichen „Genussrechte“ berichteten, erzielte die Confiserie sogar bundesweite Aufmerksamkeit
mit ihrer Finanzierung.
Das tragische Ende einer guten Idee
Die Erfolgsgeschichte der „Genussrechte“ endete dann aber jäh.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der
Konfiserie die weitere Ausgabe der „Genussrechte“ untersagt. Außerdem verlangte die BaFin, dass die bereits angenommen Gelder
umgehend an die Anleger zurückgezahlt werden müssen.
Auch bei der Finanzierung steckt der Teufel im Detail
Die BaFin stufte die Annahme der Gelder als sogenanntes Einlagengeschäft ein. Und nach dem Kreditwesengesetz dürfen nur Banken
das Einlagengeschäft betreiben. Wer über keine Bankzulassung
verfügt, bekommt nicht nur Ärger mit der BaFin. Es droht außerdem
ein Strafverfahren. Das unschöne Ende der „Genussrechte“ hätte
sich leicht vermeiden lassen, wenn die Confiserie in den Verträgen
mit den Kunden ein Detail anders geregelt hätte. Wenn in die Verträge eine sogenannte Nachrangklausel aufgenommen wird, liegt
nämlich kein Einlagengeschäft vor. Eine solche Klausel schränkt die
Leistungspflicht gegenüber den Geldgebern im Fall der drohenden
sowie im Fall der bereits eingetretenen Insolvenz ein.
Das Beispiel der „Genussrechte“ zeigt, dass alternative Finanzierungskonzepte durchaus auch Vorteile gegenüber einer klassischen Bankfinanzierung haben können. Wie
so oft steckt aber auch hier der Teufel im Detail.
Autor: Thomas Böcker
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Beim Namen genannt
Peter Ohlig
Prof. Martin Wentz
Am 28. Februar feierte Prof. Martin Wentz
seinen 70. Geburtstag. Der gebürtige
Hallenser lebt seit
1950 in Frankfurt
und wurde 1989
zum hauptamtlichen
Stadtrat und Dezernenten für Planung der Stadt
Frankfurt gewählt. 2001 gründete
er die Wentz Concept Projektstrategie und im Jahr 2010 das Nachfolgeunternehmen Wentz & Co.
Der promovierte Physiker ist nach
Lehrtätigkeiten als Stadtplaner an
den Universitäten Kaiserslautern,
Karlsruhe und an der European
Business School in
Oestrich-Winkel seit
2006 als Honorarprofessor für die Irebs
International Real Estate Business School
an der Universität
Regensburg tätig. Er
veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu Themen
der Stadtentwicklung und des
Städtebaus und war Herausgeber der Buchreihe „Zukunft des
Städtischen“. Wentz ist der IHK
Frankfurt eng verbunden, seit
2007 ist er Mitglied im Ausschuss
Bau- und Immobilienwirtschaft
und seit 2009 Vizepräsident. ❙
Prof. Knut Ringat
Am 29. Februar hatte Prof. Knut Ringat
eigentlich seinen
55. Geburtstag. Weil
es in diesem Jahr keinen 29. Februar gab,
feiert er 2016 erst seinen 14. Geburtstag. In
2008 kam Ringat zum
Rhein-Main-Verkehrsverbund
(RMV), seit September 2009 ist
er Sprecher der Geschäftsführung.
Zuvor war er nach leitenden Funktionen in Dresden seit 1994 Geschäftsführer beim Zweckverband
Verkehrsverbund Oberelbe, ab
2000 leitete er zudem parallel den
Verkehrsverbund Oberelbe. Ringat
Peter Ohlig feierte
am 22. Februar seinen 80. Geburtstag.
Er ist Geschäftsführer des Unternehmens
Ohlig + Compagnon
Immobilien. Das 1966
gegründete Unternehmen ist seit fast
50 Jahren im Immobilienbereich
tätig und eines der ältesten Maklerunternehmen in Frankfurt. Von
1998 bis 2007 war er zudem
ehrenamtlicher Handelsrichter. Neben seiner beruflichen
Tätigkeit engagiert sich Ohlig
seit Jahrzehnten ehrenamtlich
bei der IHK Frankfurt. Er ist
Gründungsmitglied
der seit 1967 bestehenden Frankfurter
Immobilienbörse bei
der IHK Frankfurt
und seit 1990 auch
Vorstandsmitglied.
Seit 2000 ist Ohlig
zudem Mitglied im
Ausschuss Bau- und Immobilienwirtschaft, zuvor war er schon
im Arbeitskreis Immobilienwirtschaft tätig. Zwischen 1997 bis
2004 war er darüber hinaus Mitglied der IHK-Vollversammlung.
2004 wurde Peter Ohlig mit der
Ehrenmedaille der IHK Frankfurt
❙
ausgezeichnet.
Dr. Peter von Arx
ist Vizepräsident des
Verbands Deutscher
Verkehrsunternehmen
(VDV), stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der VDV
eTicket, Präsident der
Deutschen Verkehrswissenschaftlichen
Gesellschaft, Honorarprofessor
der TU Dresden und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender
der RTW Planungsgesellschaft.
Seit April 2014 ist er zudem Mitglied der IHK-Vollversammlung;
dem Verkehrsausschuss der IHK
Frankfurt gehört er seit Juni 2011
an.
❙
Am 24. Februar feierte Dr. Peter von Arx,
Vorstandsmitglied,
Bethmann Bank,
seinen 60. Geburtstag. Seine berufliche
Laufbahn begann der
promovierte Jurist
im Jahr 1986 bei der
Credit Suisse in der Schweiz, wo
er mehrere Managementfunktionen übernahm. Im Jahr 1998
zog er nach Frankfurt und wurde
in den Vorstand der neu gegründeten Credit Suisse (Deutschland) berufen. Im Jahr 2006
wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands
bestellt. Im Zuge des
Zusammenschlusses
mit dem in Deutschland gebuchten
Private-BankingGeschäft der Credit
Suisse (Deutschland)
wechselte er 2014
als Vorstandsmitglied zur Bethmann Bank. Dort
verantwortet er zusammen mit
einem Kollegen das Ressort
Products & Solutions und ist
insbesondere für den Bereich
Private Equity und Corporate
Advisory zuständig. Seit 2010 ist
er Mitglied im Bankenausschuss
der IHK Frankfurt.
❙
übernahm er im Zuge
eines ManagementBuy-ins die heutige Kunzler Service
GmbH und gründete
2009 das Unternehmen Kunzler Notstromtechnik, einen
Hersteller und Servicepartner für
Diesel-Notstromanlagen. Seit
2006 gehört Thomas Moog dem
IHK-Industrieausschuss an, seit
April 2014 ist er Mitglied der
IHK-Vollversammlung. Zudem ist
er seit 2009 auch Handelsrichter
❙
am Landgericht Frankfurt.
Thomas Moog
Am 9. Februar feierte Thomas
Moog, Geschäftsführer, Kunzler
Notstromtechnik, Frankfurt, seinen 55. Geburtstag. Der gebürtige
Idsteiner arbeitete nach seiner
Ausbildung als Energieanlagenelektroniker und dem Studium
der Elektrotechnik seit 1985 für
66
japanische und amerikanische Unternehmen im Vertrieb und
Marketing, später in
der Geschäftsleitung,
für den europäischen
Markt in der Industrie-Automation. 2005
IHK WirtschaftsForum 03.15
Beim Namen genannt | Unternehmensreport | Vorschau | Impressum
138. Jahrgang
04.15
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A 4836
Integrierte Stadtentwicklung – Wachsende Städte, schrumpfende Regionen – Masterplan
Industrie – Wohnungsmarkt im IHK-Bezirk – Museum für moderne Kunst im TaunusTurm
STANDORTPOLITIK
Asyl und Arbeitsmarkt: Den Zugang erleichtern – Strategien zur regionalen Entwicklung von
FrankfurtRheinMain – IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2015 INNOVATION UND UMWELT
Duales IT-Studium: Theorie und Praxis verzahnen – Innovative Stromspeichertechniken und
die Stromerzeugung in der Stadt von morgen
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BAUWIRTSCHAFT
RECHT UND STEUERN
Auftragsberatungsstelle Hessen: Was mittelständische Unternehmen bei der Bewerbung um
öffentliche Ausschreiben beachten müssen – Kommunaler Finanzausgleich
WACHSENDE STÄDTE, SCHRUMPFENDE
REGIONEN – INTEGRIERTE STADTENTWICKLUNG
SPECIAL – STANDORTPOLITIK – UNTERNEHMENSFÖRDERUNG UND STARTHILFE –
Änderungen vorbehalten.
AUS- UND WEITERBILDUNG – INNOVATION UND UMWELT – INTERNATIONAL –
RECHT UND STEUERN – IHK-EHRENAMT – UNTERNEHMENSREPORT – IHK INTERN
Die nächste Ausgabe des IHK WirtschaftsForums erscheint am 1. April 2015.
Stefan Messer
IMPRESSUM
Mitteilungen der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main
IHK WirtschaftsForum
Unternehmermagazin für die Region FrankfurtRheinMain
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Industrie- und Handelskammer
Frankfurt am Main
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60313 Frankfurt am Main
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Fax 0 69 / 21 97-14 24
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IHK WirtschaftsForum 03.15
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Nr. 116 vom 1. November 2014
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Societätsdruck, Frankfurt
Der Bezug des IHK-Magazins erfolgt im
Rahmen der grundsätzlichen Beitragspflicht als Mitglied der IHK. Das IHK
WirtschaftsForum ist für Mitgliedsunternehmen der IHK Frankfurt am Main
kostenlos. Nichtmitglieder können das
Unternehmermagazin für FrankfurtRheinMain abonnieren. Das Jahresabo kostet
für Nichtmitglieder 30 Euro, das Einzelexemplar 2,50 Euro. Das IHK WirtschaftsForum erscheint am Anfang jeden Monats,
Doppelausgaben im Juli/August und Dezember/Januar.
Stefan Messer, Geschäftsführer, Messer Group, feierte am 20. Januar seinen
60. Geburtstag. Seit 2004
leitet er in dritter Generation das weltweit größte
inhabergeführte Industriegase-Unternehmen,
das in Bad Soden seinen Sitz und
eine 117-jährige Firmengeschichte hat.
Messer engagiert sich ehrenamtlich in
Gremien der Wirtschaft: So ist er seit
2002 Mitglied des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Frankfurt und
seit 2006 Vorsitzender des Gremiums.
Der Vollversammlung gehört er seit
2007 an, seit 2009 ist Messer auch
Vizepräsident der IHK Frankfurt. Außerdem gehört er unter anderem dem
DIHK-Außenwirtschaftsausschuss,
dem Präsidium der International
Chamber of Commerce sowie dem
Präsidium des Ostasiatischen Ver-
eins / German Asia-Pacific
Business Association an.
Als Präsident des Internationalen Industriegaseverbands Ioma vertritt er
Brancheninteressen. Messer ist außerdem Ehrensenator der TU Darmstadt
und der Goethe-Universität Frankfurt
sowie Honorarkonsul der Republik
Slowenien. Mit der Adolf-MesserStiftung fördern Stefan Messer und
seine Familie Forschung und Lehre.
Mit der Dr.-Hans-Messer-Sozialstiftung unterstützen sie Menschen, die
unverschuldet in Not geraten sind.
Messers große Verdienste um sein
Unternehmen, insbesondere sein verantwortungsvolles und nachhaltiges
Handeln sowie sein gelebtes soziales
Unternehmertum, wurden bereits
mit einer Reihe von Auszeichnungen
gewürdigt.
❙
DIENSTJUBILÄEN IM MÄRZ
25 Jahre
Michael Becker, Neubronner,
Oberursel
Birgit Enste, Commerzbank,
Frankfurt
20 Jahre
Frank Hofmann, A&R Carton
Frankfurt, Kriftel
67
Finanzierung
Electronic
Banking
Internationales
Kundengeschäft
Unternehmensnachfolge
Vermögen
Geschäftskonto
Karten
Pensionsmanagement
Factoring: Liquidität,
mit der Sie rechnen können
Flüssig zu sein ist für Sie als Unternehmer ein wichtiger Kostenfaktor.
Statt auf Ihr Geld zu warten oder im schlimmsten Falle ganz darauf
zu verzichten: Verkaufen Sie einfach Ihre offenen Forderungen und
sichern sich so eine feste Kalkulationsbasis.
Ihr Firmenkundenbetreuer informiert Sie gerne über diese innovative
und sichere Finanzierungsform.
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