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Labs als Experimentierorte in der Stadt

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Labs als Experimentierorte in der Stadt
Im Zusammenhang mit zukunftsorientiertem, innovativem Wirtschaften in großen Städten scheinen sogenannte Labs eine
wichtige Rolle einzunehmen. Sie bereichern den Austausch von Wissen, Ideen und Informationen und gelten als besonders kreativitäts- und innovationsfördernd. Doch was sind Labs eigentlich genau und welche unterschiedlichen Ziele und
Finanzierungsmodelle gibt es? In einer Studie in Berlin sind IRS-Wissenschaftler auf eine enorme Vielfalt an Labs gestoßen, die von den Freiräumen der Stadt profitieren und zugleich das urbane Umfeld maßgeblich prägen.
Als Labs verstehen wir Organisationen,
die Arbeitsräume und technische Infrastrukturen für eine begrenzte Zeit an
sehr unterschiedliche Nutzer bereitstellen. Sie zeichnen sich durch eine
hohe soziale Offenheit aus und bringen
Akteure bewusst zusammen, um kreatives Experimentieren und Arbeiten
zu fördern. Einige von ihnen, wie z.B.
Grassrootslabs oder Co-Working Labs,
sind beispielsweise aus Do-it-yourselfInitiativen entstanden. Gemeinsames
Praktizieren, Entwickeln und Testen
stehen im Fokus. Demgegenüber gibt
es aber auch solche Labs, die von Unternehmen oder Forschungseinrichtungen als Think Tanks und als Orte für
die Umsetzung von ‚Open Innovation‘Prozessen eingerichtet werden. Grundlegendes Kennzeichen ist ihre interdisziplinäre und branchenübergreifende
Ausrichtung. „Im Detail haben wir
neben gemeinsamen Merkmalen natürlich auch große Differenzen in der
IRS AKTUELL No 82 | März 2015
Lab-Szene gefunden und darauf aufbauend Typen beschrieben“, sagt Dr.
Suntje Schmidt, stellvertretende Leiterin der Forschungsabteilung „Dynamiken von Wirtschaftsräumen“. Als
wesentliches gemeinsames Merkmal
sieht sie die Kombination aus einer
Zielgruppe besonders anspricht“, so
Schmidt.
Die zweite wesentliche Gemeinsamkeit verschiedener Lab-Typen ist die
Ausstattung mit sogenannten „Maker
Tools“, also einer technischen Ausstat-
Ein wesentliches gemeinsames Merkmal ist die
Kombination aus einer großen thematischen
Offenheit vieler Orte und einem unterschiedlich
stark ausgeprägten Kuratieren.
großen thematischen Offenheit vieler
Orte und einem unterschiedlich stark
ausgeprägten Kuratieren. Lab-Betreiber
schaffen demzufolge hierfür Anlässe
wie Barcamps, Workshops, aber auch
Ideen-Präsentationen und gemeinsames Feiern, die natürlich bestimmte
Nutzergruppen besonders ansprechen. „Wir reden von einer kuratierten
Offenheit der Labs, die eine bestimmte
tung, die ihren Nutzern einen niederschwelligen Zugang zu Produktionsverfahren bietet. Vergleichbar mit einer
offenen Werkstatt stellt ein Lab beispielsweise 3D-Drucker, Laserschneider, Vinyl-Cutter oder CNC-Fräsen
zur Verfügung, mit denen die Nutzer
Prototypen oder Kleinserien herstellen
können. Entscheidend ist, dass Materialien und Werkstoffe, technische Gerät11
schaften sowie Software und Applika- den Öffnung von Organisationen und
tionen flexibel genutzt werden können, Innovationstätigkeiten. Gerade in Berum kreative und innovative Verfahren lin florieren diese temporär nutzbaren
zu testen und zu optimieren. „Diese Labs, was sowohl an der großen AtVielfalt fördert die Funktion von Labs traktivität der Stadt für Gründer und
Freiberufler liegt
als Experimentierals auch an der
räume“, so Schmidt. „Unorthodoxe Ideen
Verfügbarkeit von
„Unorthodoxe Ideen
haben hier die notRäumen. Schmidt
haben hier die notwendigen Freiräume,
sieht daher posiwendigen Freiräume,
tive Effekte in
um sie im Einzelfall
um sie im Einzelfall zu
zweierlei Hinsicht:
zu einer wirklichen
einer wirklichen
Zum einen treten
Neuerung heranreiNeuerung heranreifen
mit den Labs neue
fen zu lassen.“ Viele
Akteure in das InLabs unterstützen
zu lassen.“
novationssystem
diese Innovationsund Lernprozesse auch durch Schu- ein, die – anders als große Forschungslungen und Workshops, die auf der und Entwicklungsabteilungen nachfraanderen Seite wieder Instrumente der ge-, interessen- und problemgetrieben
agieren. Zudem lasse sich in Labs InterSelektion der Nutzer sind.
disziplinarität schneller und unkompliDie Studie der Berliner-Lab-Szene zierter herstellen und schneller und fozeigt, dass diese Einrichtungen in kussierter arbeiten. Zum zweiten sieht
engem Zusammenhang zu neuen Schmidt die Labs als Bereicherung von
wirtschaftlichen Entwicklungen in der Städten wie Berlin an, weil sie deren InStadt stehen, und wie sie vor allem nut- novationskraft stärken und ihr Image
zergetriebene wie auch problemzent- verbessern würden.
rierte Innovationsprozesse stützen.
„Die Art, wie Labs Urbanität beispielsGrassrootslabs entsprechen am ehesten weise in Berlin-Neukölln oder Kreuzdem Bild der privat motivierten Ini- berg nutzen und prägen, sollte aber
tiativen, die Innovationen von unten nicht verklärt werden“, schränkt
fördern. Unternehmenseigene oder Schmidt ein. „Wir können eine räumforschungs- und hochschulnahe Labs liche und zeitliche Parallele zwischen
sind enger an bestehende Einrichtun- dem Auftreten von Labs und Transforgen angebunden, um deren Innovati- mations- und Aufwertungs-Zyklen in
onstätigkeit zu unterstützen. „Hier öff- Stadtteilen erkennen, da der für Labs
nen sich bestehende Einrichtungen für affine Personenkreis in diesen Prozesdie Einbindung externer, oft mals kre- sen eine wichtige Rolle einnimmt.“ Dies
ativer Experten für die Umsetzung zeige, wie das Aufkommen von Labs
von Unternehmenszielen oder strate- auch mit großen städtisch-gesellschaftgischer akademischer Innovationstä- lichen Entwicklungsprozessen zusamtigkeit. Interessant ist, dass eine sol- menhängt. Die Zusammenlegung oder
che Öffnung nicht nur organisatorisch Nähe von Wohnen und Arbeiten und
zu verstehen ist, sondern auch räum- die Rückkehr zu kleinen, flexiblen Einlich vollzogen wird.“ So richten sich heiten sei auch als Gegenbewegung der
beispielsweise einige Unternehmen Stadtentwicklung nach der Charta von
bewusst in Berlin ein, um das kreative Athen zu sehen. Diese prägte mit FunkPotential der Stadt zu nutzen. Das ist tionsteilung und Großstrukturen die
wichtiger für den Prozess als die räum- europäische Stadtentwicklung von circa
1930 bis in die 1980er Jahre hinein.
liche Nähe zum Unternehmen selbst.
„Derzeit sieht die Zukunft der Städte
Die offenen, flexiblen und kommuni- eher kleinteilig und funktionsgemischt
kativen Arbeitsorte sehen Schmidt und aus“, schließt Schmidt. Labs als Experiihre Kollegen in der Forschungsabtei- mentierorte sind dafür ein immer wichlung als Ausdruck einer sich wandeln- tiger werdender Baustein.
den Arbeitswelt und einer zunehmen12
KONTAKT
Dr. Suntje Schmidt,
Tel. 03362 793-172,
schmidts@irs-net.de
Suntje Schmidt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin
der Forschungsabteilung „Dynamiken
von Wirtschaftsräumen“ des IRS. Schwerpunkte ihrer Forschungsarbeiten sind
räumliche Aspekte von Wissensökonomien
und Innovationen, kreative Ökonomien,
Governance und EU-Regionalentwicklungspolitik.
Verena Brinks,
Tel. 03362 793-281,
brinksv@irs-net.de
Verena Brinks ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Leitprojekt „Lokale Anker
translokaler Wissensgemeinschaften:
Neue Brennpunkte der Wissensgenerierung und ihre Territorialität“ der Abteilung
„Dynamiken von Wirtschaftsräumen“ tätig.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind Wirtschaftsgeographie, nutzerinduzierte Innovationsprozesse, Communities of Practice,
Wissenspraktiken, Arbeitsgeographie.
IRS AKTUELL No 82 | März 2015
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