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Morgenpost
BERLINER MORGENPOST
FREITAG, 31. OKTOBER
Ein Rückblick auf die Ereignisse im Jahr 1989 – und die Originalseiten der Berliner Morgenpost zum Herausnehmen. Seiten 5–6
PA/DPA
März
AL regiert Schulsenatorin
Sybille Volkholz (AL) neben
ihrem neuen Chef, Bürgermeister
Walter Momper (SPD)
Vattenfall gibt
Braunkohle in
der Lausitz auf
Freitag,
3. März 1989
Das ZDF will
weiter durch
unendliche Weiten fliegen – und
kauft 78 weitere
Folgen: „The Next
Generation“.
Escort-Service
mit Jugendlichen –
Berliner verhaftet
Kinder dürfen mit Lärm
die Nachbarn stören
Kinder sind mitunter laut – und das kann
auch so bleiben. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hat die Beschwerde
von Anwohnern gegen einen Kindergarten in Aurich zurückgewiesen. Der
Gesetzgeber habe Kinderlärm gegenüber
sonstigem Lärm bevorzugt, so das Gericht. Nachbarn könnten sich nur in besonderen Ausnahmefällen gegen den
Betrieb einer Kindertagesstätte wehren.
WETTER
DPA/JENS FERSTERRA; THINKSTOCK; MONTAGE BM
Berlin im Oktober das
trockenste Bundesland
Hochschulen bekommen 25 Milliarden Euro
Wie viele neue Studienplätze Berlin erwarten kann, ist noch nicht berechnet.
Peter-André Alt, Präsident der Freien
Universität, geht von einem jährlichen
Plus von zwei bis drei Prozent aus. Die
Senatsverwaltung für Wissenschaft erwartet, dass bis 2020 mindestens
31.000 Plätze für Studienanfänger pro
Jahr in Berlin ausfinanziert sind. Für jeden Neu-Studenten zahlen der Bund
und die Länder jeweils 13.000 Euro.
Das schaffe Planungssicherheit, lobten
Politiker und Universitätsvertreter.
BERLIN – Bund und Länder investieren
bis zum Jahr 2020 mehr als 25 Milliarden Euro zusätzlich in die Hochschulen. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am Donnerstag
die Fortsetzung des Hochschulpaktes
beschlossen. Das bedeutet insbesondere, dass mehr Studienplätze finanziert
werden, um den steigenden Bedarf zu
decken. Gemessen am Stand von 2005,
dem Beginn der derzeit gültigen Vereinbarung, handelt es sich um 760.000
zusätzliche Plätze für Studienanfänger.
Hauptmann-Schule wird vorerst nicht geräumt – zumindest nicht heute
bewohnte Gerhart-Hauptmann-Schule
in Kreuzberg wird nicht am Freitag auf
Wunsch des Bezirks geräumt. „Die Frist,
die wir den Flüchtlingen zum Auszug gesetzt haben, läuft erst um Mitternacht
aus“, sagte Bezirkssprecher Sascha Langenbach am Donnerstag. Dann werde
nicht um 00.01 Uhr die Polizei um Amtshilfe gebeten.
„Unser Ziel bleibt es nach wie vor, die
Schule friedlich zu räumen, das heißt,
dass die Flüchtlinge freiwillig das Gebäude verlassen“, betonte Langenbach.
Das Bündnis „Zwangsräumung Verhin-
Börse
Seite 8
Wissen
9
Berlin
11–16
Brandenburg
17
Kultur
20–21
TV-Programm 22
Sport
23–26
Leserbriefe
27
Rätsel/Horoskop 27
Leute
28
Mittwoch, 29. März 1989
Unglaublich: Zwei tschechoslowakische Jugendliche entführen
ein
Flugzeug nach Frankfurt
a.M. In Prag
steigen der 15- und der 16-Jährige
in
die Maschine der Fluglinie
„Malev“
ein, ziehen Schrotflinte und
Karabiner und entführen die zehn
Passagiere und vier Besatzungsmitglied
er.
GERICHT
Die GWK beschloss ferner, die Programmpauschalen für mit Drittmitteln
finanzierte Forschungsprojekte von 20
auf 22 Prozent zu erhöhen. Der Bund
zahlt weiterhin 20 Prozent, den Rest
tragen die Länder. Mit den Pauschalen
werden Gemeinkosten, etwa für Verwaltung, Raummiete und Energie bezahlt. Zudem sprachen sich die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern dafür aus, die Exzellenzinitiative
für Spitzenuniversitäten auch nach
2017 fortzusetzen.
Seite 7
Nirgendwo sonst in Deutschland hat es
im Oktober so wenig geregnet wie in
Berlin. 37 Liter seien pro Quadratmeter
gefallen, teilte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mit. Bundesweit
waren es durchschnittlich 64 Liter je
Quadratmeter. Auch in Brandenburg war
es vergleichsweise trocken – dort fielen
den Angaben zufolge etwa 43 Liter auf
den Quadratmeter.
Kasupke sagt...
...wie es ist
Heute is nu die Nacht der Nächte – nee
nich Silvesta, sondern Halloween. Ick hab
mir ja neulich schon drüba ausjelassen
und allalei Post jekricht: Eeene Leserin
aus Groß Glienicke hat jeschrieben, det
ihr der Spaß vajangen is, als vor drei Jahren so ne Jöre im zarten Alta von fünf
Jahren vor der Türe stand und erklärt hat,
dettse nur Jeld nehmen würde! Und als se
nee jesacht hat, ooch noch von den erwachsenen Bejleitern beschimpft wurde.
Seitdem jeht die Leserin an Halloween
imma aus. Müssen wir wohl ooch machen, denn die Süßichkeiten, die Trude
für die lieben Kleenen jekooft hat, hab’
ick schon längst uffjefuttert...
Kasupke@morgenpost.de
Flüchtlinge müssen ausziehen
INHALT
BELGIEN € 1,90 / DÄNEMARK DKK 14,50 / GRIECHENLAND
€ 1,90 / ITALIEN € 1,90 / ÖSTERREICH € 1,90 / POLEN
PLZ 8,00 / SCHWEIZ CHF 2,40 / SPANIEN € 1,90 /
SLOWAKEI € 1,90 / TÜRKEI TL 4,60 / UNGARN FT 570
Dienstag, 28. März 1989
Von „bürgerkriegsähnlichen
Unruhen“ ist im Kosovo die
Rede – damals noch eine
„südjugoslawische Provinz“.
Albaner werfen Steine gegen
jugoslawische Polizisten,
die
reagieren hart: 21 Tote. Ein
Vorgeschmack auf Späteres.
Wie geht es weiter?
Maroder Kommunismu
s–
im Nordmeer versinkt
ein
Atom-U-Boot der Sowjets
Vier von fünf Deutschen empfinden den
persönlichen Umgang miteinander immer häufiger als kalt und gefühlsarm.
Jeder zweite Berufstätige sieht zudem im
Arbeitsleben keinen Platz für Emotionen,
wie es in einer am Donnerstag vorgestellten Erhebung der GfK Marktforschung
heißt. 28,4 Prozent gaben außerdem an,
dass es in ihrem Leben kaum Leidenschaft, Wut oder Verzweiflung gebe.
dern“ kündigte am Donnerstag zugleich
Widerstand gegen eine Räumung der
Schule „am Tag X“ an. Es forderte den
Bezirk auf, Wort gegenüber den Flüchtlingen zu halten. Auch ein Bündnis aus
Künstlern, Theatern und Flüchtlingsorganisationen protestierte dagegen, dass
Flüchtlinge per Zwang in die Obdachlosigkeit entlassen werden sollen. Das breche das Abkommen mit den Flüchtlingen, kritisierten die Unterzeichner. Dazu
gehören das Gorki Studio, das GripsTheater, das Ballhaus Naunynstraße
oder das ökumenische Bündnis Asyl in
der Kirche.
Seite 11
AMIN AKHTAR
nalamt ermittelt gegen einen 49 Jahre
alten Feuerwehrmann. Dieser soll einen Escort-Service betrieben und minderjährige Mädchen an zahlungswillige
Kunden vermittelt haben. Zudem hat
er laut Vorwurf die Opfer zuvor selbst
missbraucht. Der Mann leistete keinen
Widerstand, die Ermittler beschlagnahmten Computer, Telefone und
schriftliche Unterlagen. Die Auswertung der Beweismittel soll auch Aufschluss über das Netzwerk der Kunden
des Feuerwehrmanns geben. Seite 12
Freitag, 24. März 1989
Vor der Küste Alaskas
läuft der Öltanker „Exxon
Valdez“ auf Grund.
40.000 Tonnen Öl fließen
aus und verseuchen 2000
Kilometer der Küste.
Das große Tiersterben
beginnt.
Deutsche empfinden
Gesellschaft als immer kälter
BERLIN – Die von rund 45 Flüchtlingen
BERLIN – Das Berliner Landeskrimi-
Mittwoch,
8. März 1989
Der letzte Mauertote:
der Ost-Berliner Winfried Freudenberg
versucht, mit einem
Ballon die Mauer zu
überwinden – und
stürzt in den Tod.
den nächsten Jahren durchlässiger,
dass zwei Drittel der Jugendlichen
aber die Wiedervereinigun
sich in den 80ern überg sei abge- haupt nicht
hakt. „In diesen Tagen
für die DDR interessieren,
träumen nur rigen fiel
es schwer, drei ostdeutsche vielen unter 25-Jähdie romantischen Deutschen
Städte zusammenzuvon der kriegen. Leipzig,
Wiedervereinigung. Die
Rostock, Erfurt? Nie gehört.
meisten
Hermann Rusie nicht einmal für wünschenswert würden dolph, heute als Herausgeber
des „Tagesspiegels“ bekannt,
halten“, zitierte in der
schreibt die „Newsweek“.
Zeit einen westdeutschen
Frustriert fragt die wie
Schüler: „IrgendBerliner Morgenpost: „Ist
liegt das Land weiter weg
das wirklich so?“
als Trinidad, Kenia und SingaTatsächlich interessierte
pur zusammen.“ Die DDR
gerade junge Westdeutsche
scheint wie von der Landkarte
deutsche Teilung damals
die diert. Insofern spricht
herzlich wenig. Umfragen
„Newsweek“ doch eine Wahrheit razeigten, Für viele Junge
aus:
im Westen ist die Wiedervereinigun
g passé.
te zum Friedensgebet
– vor den Augen der
Welt. Es ist Frühjahrsmesse.
Schnitzler lässt sich
davon nicht beirren.
„Im Gegensatz zu
Bonn betreiben wir
konsequent Nichteinmischung. Allerdings, die Darstellung der sozialen
Wirklichkeit im Nachbarstaat ist ja wohl
erlaubt...“ MAZ ab.
UMFRAGE
Besetzt Noch leben rund 45 Flüchtlinge vom
Oranienplatz in der Hauptmann-Schule
BÖRSE Dax und Euro
WETTER Wechselhaft
KONTAKT
Der Dax steigt um 0,35
Prozent auf 9114,84 Punkte.
Zwischen dichten
Wolkenfeldern zeigt
sich auch immer
wieder die Sonne.
Es werden 14 Grad.
Seite 28
Anschrift: Kurfürstendamm 21-22, 10874 Berlin
E-Mail: redaktion@morgenpost.de
Redaktion: 030-25 91 736 36
Anzeigen: 030-58 58 88
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Der Euro sinkt um 1,09
Prozent auf 1,2598 US-Dollar.
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Genuss-Momente.
w w w. b b m - d e s i g n . d e
BERLIN/STOCKHOLM – Der Energieversorger Vattenfall plant den Braunkohleausstieg. Das Unternehmen sucht
nach einem Käufer für Tagebau und
Kraftwerke in Brandenburg und Sachsen. Betroffen sind rund 9000 Beschäftigte in der Region. Vattenfall will sich
in Deutschland auf erneuerbare Energien, Fernwärme, Stromvertrieb und
-handel konzentrieren. Die Berliner
Vattenfall-Kraftwerke will das Unternehmen nicht verkaufen.
Konzernchef Magnus Hall verkündete den Ausstieg bei Vorlage der
Neunmonatszahlen in Stockholm
praktisch nebenbei. Einzelheiten
nannte er nicht, etwa wer Käufer sein
könnte, wie der Zeitplan aussieht und
welchen Wert die Tagebaue und Kraftwerke haben. Nur dass Vattenfall im
engen Kontakt mit den Landesregierungen der beiden Bundesländer stehe.
Und Geld mit dem Braunkohlestrom
verdiene. Vattenfall mit zuletzt mehr
als 30.000 Beschäftigten gehört dem
schwedischen Staat. Vor wenigen Wochen hatte die neue schwedische Regierung bereits beschlossen, Vattenfall
müsse sich bis 2040 aus dem Geschäft
mit der Braunkohle zurückziehen. Jetzt
geht es vermutlich schneller.
Vattenfall prüft, Förderung und Verstromung der Braunkohle in Teilen
oder komplett zu verkaufen. Der Konzern hat mit sinkenden Großhandelspreisen zu kämpfen, weil die Menge an
Strom aus erneuerbaren Energien kräftig gestiegen ist. Klassische Kohle- und
Gaskraftwerke rechnen sich kaum
noch. Darunter leidet in Deutschland
nicht nur Vattenfall, sondern auch der
Konkurrent RWE, der viele Kohlekraftwerke betreibt. Vattenfall-Chef Hall
rechnet auch für 2015 nicht damit, dass
sich der Markt verbessert. Die Zahlen
sahen entsprechend schwach aus, mit
einem Verlust in den ersten neun Monaten des Jahres 2014.
Das Unternehmen investiert bereits
seit 2010 nur noch in erneuerbare
Energien. Zuletzt kündigte Vattenfall
Einheit?
Kein Bock!
Manchmal liegt man als
Journalist
daneben. Wie die europäische so richtig
Ausgabe der
„Newsweek“: „When Will
the
sie. Wann fällt die Mauer? Wall Come Down?“ fragt
Die Antwort ist deprimierend.
Zwar – spekuliert die „Newsweek“
– werde die Mauer in
Leipziger Menschenrechtsgruppen Mitte
März über den Zustand der DDR-Gesellschaft. Beklagen
Bespitzelung und
Denunziation im Land.
Am 13. März, einem
Montag, versammen
sich in Leipzig Hunder-
Nachrichten rund um die Uhr
Heute ist Halloween. Was ein
Vampirforscher
dazu sagt: Seite 13
an, einen zweiten Windpark mit den
Münchner Stadtwerken in der Nordsee
zu bauen. Außerdem will der Konzern
seinen Kohlendioxidausstoß deutlich
senken. Braunkohle ist der Energieträger mit den höchsten CO2-Werten,
wenn mit ihm Strom erzeugt wird.
Der geplante Verkauf bedeutet nicht,
dass Vattenfall sich aus dem deutschen
Markt zurückzieht. Für die VattenfallKunden werde sich nichts ändern, das
Unternehmen liefere weiter Strom,
sagte ein Sprecher. Auch am Fernwärmegeschäft halten die Schweden fest.
Und das Unternehmen will weiter das
Berliner Stromnetz betreiben. Das
Ausschreibungsverfahren dafür hat der
Senat gerade gestoppt, es soll erneut
ausgeschrieben werden. VattenfallChef Hall sieht in Deutschland sogar
den wichtigsten Wachstumsmarkt seines Unternehmens. Auch nach dem
Verkauf sei das Geschäft hier größer als
im Heimatmarkt Schweden.
Als mögliche Käufer wurden später
am Donnerstag die Mitteldeutsche
Braunkohle AG (Mibrag), die zum
tschechischen Energiekonzern EPH
gehört, sowie die Finanzinvestoren
KKK, Blackstone und CVC genannt.
Auch über eine Beteiligung Brandenburgs und Sachsens wurde spekuliert.
Vattenfall kommentierte das nicht.
„Wir wollen eine gute Lösung“, sagte
Hall, die nachhaltig sein solle. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar
Woidke (SPD) forderte rasche Gespräche. Vattenfall ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch ein großer Auftraggeber für die Industrie und
das Gewerbe in Ostdeutschland. Dem
Konzern zufolge erhielten 2013 mehr
als 1700 Firmen in Brandenburg und
Sachsen Aufträge im Gesamtwert von
rund 660 Millionen Euro.
In der Lausitz fördert Vattenfall in
Jänschwalde, Cottbus-Nord, WelzowSüd, Nochten und Reichswalde Braunkohle. Zudem betreibt das Unternehmen die Kraftwerke Jänschwalde und
Schwarze Pumpe (beide in Brandenburg) sowie Boxberg und Lippendorf
(Sachsen).
Seiten 2 und 17
In Leipzig brodelt
es – montags
morgenpost.de
Stadt der
Geister
Schwedischer Staatskonzern plant Verkauf von
Tagebau und Kraftwerken. 9000 Beschäftigte
betroffen. Bisher kein Zeitplan festgelegt
T VON BJÖRN HARTMANN
Morgenpost intern
„Zelli“ wurde er liebevoll genannt
– HansJoachim Stenzel. Seine Karikaturen
in der
Berliner Morgenpost sind
unvergessen. „Ich
wurde an einem blauen Montag
geboren.
Nachmittags natürlich, weil
ich nicht gern
früh aufstehe. Es war am 15.
Oktober 1923“,
so schrieb er über sich selbst.
Am Telefon in
der Redaktion meldete er
sich mit:
die Humorabteilung“. Tatsächlich „Hier ist
vieles auf den Punkt – allerdings brachte er
aus stockkonservativer Sicht, was ihn
bei Linken nicht
gerade beliebt machte. Bei
ihm kommt der
kleine Mann vor, er trägt noch
Anzug und
Krawatte und natürlich einen
Hut. 1989
waren seine Karikaturen oft
weitsichtiger als
mancher Text. Willy Brandt
bezeichnete Zelli
mal als „modernen Zille“. 1999
starb Stenzel.
„Jeder muss an seinem Ort beginnen, die
Wahrheit zu sagen.“ In
einem offenen Brief
beschweren sich
DDP IMAGES/CAMERA PRESS
HONOR
AR
PA/KPA
die in Spanien nach
der lähmenden
Franco-Diktatur
aufkommt. Lange gilt
Madrid als die Stadt
des Aufbruchs, der
Jugend, der Innovation in Europa. Bis sie
1989/90 unerwartet
von Berlin abgelöst
wird. Aber das ahnt im
März 1989 natürlich
noch niemand...
6
CR: kheinric AD: kheinric
Dieser Film ist pure,
schrille und knallbunte
Hysterie. „Frauen am
Rande des Nervenzusammenbruchs“
macht den spanischen
Regisseur Pedro
Almodóvar über
Nacht weltberühmt.
Die Filme von Almodóvar sind Produkte der Movida
Madrileña-Bewegung,
PA/DPA
+
Neue große Serie: Der Weg zum Mauerfall
Zeitgeist
Schräger
Humor Frau
flieht aus
Nervenklinik,
um Ex-Liebhaber zu töten
PICTURE-ALLIANCE/DPA/WEIH
S
Morgen folgt der April-Teil:
Es geht um Glasnost
und Perestroika.
Ein linker Senat
Das Wahlergebnis im Januar
1989
ner Sensation gleich: Schwere kam eiNiederlage
für die siegessichere CDU
mit ihrem Regierenden Bürgermeister
Eberhard Diepgen,
überraschend hoher Zugewinn
für die oppositionelle SPD, am Ende Gleichstand
mit je 55 Mandaten. Das Undenkbare konnte
wahr werden: eine rotgrüne Koalition zwischen
SPD und AL, der Alternativen Liste (Vorgänger der
Grünen), mit Momper
als
Regierendem Bürgermeister.
Bündnis zunächst eher nicht Der wollte ein solches
(die AL sei „nicht regierungsfähig“) und stellte
Bedingungen: Die AL dürfe
nicht an den Rechten
der West-Alliierten rütteln,
müsse der Gewalt abschwören.
Doch schon in der
Wahlnacht skandierte eine
nach acht Oppositionsjahren euphorische SPD-Basis
„Rot-Grün, Rot-Grün".
Als er am 16. März im
Abgeordnetenhaus gewählt
wurde, titelte die Berliner
Morgenpost: „Draußen Regen – drinnen Tränen“;
Freude im Momper-Lager,
Trauer bei der CDU. In
seiner Regierungserklär
ung
einen Monat später wird
auch die DDR ein Thema.
Der neue Senat suche
„Wege
schaft“. „In Mompers Erklärungzur guten Nachbarspielte die Einheit
der Nation und der Stadt
keine
wurde ausdrücklich akzeptiert. Rolle mehr, die Mauer
Damit setzte er sich
deutlich von der bisher
von
germeistern der Nachkriegszeitallen Regierenden Bürvertretenen Linie ab“,
schreibt Politikwissensch
aftler Steffen Alisch. Ironie
der Geschichte: Momper,
der die Einheit abgeschrieben hatte, wurde als Regierender
und „Mann mit dem
roten Schal“ angesichts
des Mauerfalls weltbekannt,
Diepgen – als bekennender
Gesamtdeutscher – war
in
den historischen Stunden
zum Zuschauen verurteilt.
PA/DPA/MK DHA
F R E I TA G , 3 1 . O K T O B E R 2 0 1 4
Erich Honecker sagt 1981
seinen brüderlichen Freunden in der Sowjetunion,
„dass die Stabilität der DDR
nicht mehr gewährleistet
ist“. Warum? Die DDR
ist
pleite. Doch er wird gerettet
– durch einen vom bayerischen Ministerpräsiden
t Franz Josef Strauß eingefädelten Milliarden-Kredit
aus der Bundesrepublik.
Die
wirtschaftlichen Probleme
bleiben trotzdem akut. Die
Planwirtschaft produziert
hochdefizitär. Unternehmen wie die Porzellanmanufa
ktur Meißen bilden da eine Ausnahme. Die bringen
wertvolle
März-Folge unserer Mauerfall-Serie Devisen. In der
halb die Flucht des DDR-Managers stellen wir desReinhold
Fichte
ins
Zentrum. Er verweigerte
sich
Ost-Berlin – und setzte sich zuletzt dem Druck aus
ab.
Preis 1,10 Euro
SERIE
Die Blamage
Ein „DDR-Top-Manager“
weniger. Der 46-jährige
Generaldirektor der staatlichen
Porzellanmanufaktur in
Meißen – dort, wo seit 1710
feinstes Porzellan entsteht
– hat rübergemacht. Statt
von der Messe in
Frankfurt am Main
zurückzukehren,
bleibt Reinhold Fichte
einfach da.
„Auch die Frau des Generaldirektors, Jutta Fichte, war
über die
Absicht ihres Mannes nicht
informiert“, schreibt die
Berliner Morgenpost damals.
Anruf in Meißen, wo
er
heute wieder lebt. War
die
Flucht wirklich so spontan?
„Relativ spontan“, sagt
er.
Nein, seine Frau habe
nichts
gewusst. „Es ist leichter,
nichts
zu wissen, als zu lügen.“
haupt habe man ihn damals Überobserviert und abgehört. Der
Druck sei groß
gewesen – Meißen sollte
Devisen reinholen,
um jeden Preis. Man wollte
aus der Meißner-Manufaktur eine „Töpfchenbude
machen, um kurzfristig
Geld zu schinden“. Fichte
spürt, er wird von Ost-Berlin entmachtet. Deshalb
der radikale Schritt, der
ihm
schwer fällt. Die DDR versucht
in den nächsten Monaten, seine weitere Karriere
in der Bundesrepublik zu
sabotieren, er muss mit
Personenschutz leben.
Im
September 1989 darf unerwartet
seine Frau Jutta ausreisen. Er arbeitet später
erfolgreich als Geschäftsführer für die Hoechst AG und
Dresdner Bank.
Mauerfall-Serie, Teil 3:
Der März 1989
Der Chef der Meißener Porzellanm
anufaktur flieht – peinlich
für die DDR. In West-Berl
in regiert ein neuer Senat
Die neue Serie
Redaktionsschluss: 22.30 Uhr | H | Nr. 297 / 44. W.
2014
Auch die
Prominenz haut ab
PA/DPA/FRANK KLEEFELDT
BM/BM-HP1
10.14/1/Pol5 KHEINRIC
Berliner
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