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Kostenloses Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II
www.zeit.de/schulangebote
Diese Arbeitsblätter sind ein kostenloser Service für
die Oberstufe und erscheinen jeden ersten Donnerstag
im Monat. Sie beleuchten ein aktuelles Thema aus der
ZEIT, ergänzt durch passende Arbeitsanregungen zur
praktischen Umsetzung im Unterricht.
In Zusammenarbeit mit:
www.dak.de
Thema im Monat November 2014:
»Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse
Sport und körperliche Bewegung haben sich als wirksame Heilmittel erwiesen, die so manche Pille ersetzen.
Bewegungsmangel ist in den Augen von Medizinern die wichtigste Ursache für zunehmende Gesundheitsstörungen bei Kindern und Jugendlichen, wie eine DAK-Studie belegt. Ein Grund mehr, in Aufklärung und
Bewegungsmotivation zu investieren. Aber darf der Staat einen gesundheitsbewussten Lebensstil verordnen?
In dieser Unterrichtseinheit beschäftigen sich Ihre Schüler mit Studienergebnissen zur Bewegungs- und Motivationsforschung. Sie erkunden selbstreflexiv ihre eigene sportliche Aktivität und konzipieren Kampagnen für
mehr körperliche Bewegung. Im Anschluss erörtern sie das gesellschaftspolitische Spannungsfeld zwischen
Eigenverantwortung und Sozialstaat, Gesundheitsausgaben und staatlicher Gesundheitsförderung.
Inhalt:
2Einleitung: Thema und Lernziele
3 Einstieg: Selbsteinschätzung: Bewegungsmuffel oder Sportass?
4 Arbeitsblatt 1: Wundermittel Bewegung
10 Arbeitsblatt 2: Studie: Bewegungsmangel gefährdet Kindergesundheit
13 Internetseiten zum Thema
»ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter | »Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse 2
Einleitung: Thema und Lernziele
Sport und Bewegung sind gesund, sagt eine Volksweisheit. Ärzte verschreiben zunehmend Sport statt Pillen gegen sogenannte Wohlstandskrankheiten. Die Forschung gibt beiden recht: Eine Vielzahl von medizinischen und psychologischen Studien belegen den positiven Effekt der Bewegung auf Körper und Geist.
Nun ist vom »Wundermittel Bewegung« die Rede: Mit einem einzigen Mittel, rechtzeitig und regelmäßig
angewandt, ließen sich Diabetes und Bluthochdruck bekämpfen oder Depressionen lindern. Es beugt Gefäßkrankheiten, Krebs und Osteoporose vor und erhöht die Konzentration und Kreativität. Und dieses eine
Mittel – nämlich Bewegung – kostet nichts: einfach rausgehen und rumlaufen.
Durch die Erkenntnisse der Bewegungsforschung werden neue Wege eröffnet, die steigenden Gesundheitsausgaben in den Griff zu kriegen. Dafür müsste allerdings die Bevölkerung stärker in die Pflicht genommen
werden, und das ist nicht ohne gesellschaftspolitische Brisanz. Nach Angaben des Bundesministeriums für
Gesundheit liegen die Gesundheitsausgaben derzeit bei rund 300 Milliarden Euro im Jahr – mit steigender Tendenz in einer alternden Gesellschaft. Eine fitte, bewegungsfreudige Bevölkerung würde eine große
Zahl Ritalin-Pillen, Antidepressiva, Blutdrucksenker, Insulindosen oder Herzoperationen einsparen. Geld, das
beispielsweise in der Pflege dringend gebraucht wird. Nur: Wie kriegt man die Leute dazu, mitzumachen?
Und wie geht man mit den Bewegungsmuffeln um? Aufklärungs- und Motivationskampagnen im Stile einer
»gesunden Schule« sind weitgehend akzeptiert. Anders sieht es aus, wenn die öffentliche Hand den Druck
auf die Bevölkerung erhöht. Dann ist schnell von Einmischung in die Privatsphäre die Rede, und es formiert
sich Widerstand gegen eine als puritanisch empfundene »Gesundheitsdiktatur«. Andererseits: In einer Solidargemeinschaft muss jeder einen Beitrag leisten. Viele gesundheitsbewusste Bürger sehen deshalb nicht
ein, für die vermeidbaren Leiden der Couch-Potatos höhere Beitragssätze zu zahlen. Und damit wird noch
ein Problemfeld deutlich, nämlich das der gesundheitlichen Chancengleichheit und sozialen Gerechtigkeit.
So hat eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit unter Kinderärzten nachgewiesen,
dass Übergewicht und motorische Defizite bei Kindern und Jugendlichen offenbar zunehmen. Die Mediziner
sehen hierbei weitgehend übereinstimmend einen Zusammenhang mit Bewegungsmangel, intensiver Mediennutzung, ungesunder Ernährung und auch fehlender positiver Vorbildfunktion der Eltern: alles Symptome,
die in den ärmsten Bevölkerungsschichten, bei Langzeitarbeitslosigkeit oder prekärer Beschäftigung entstehen, wie das Robert Koch-Institut nachweist.
Arbeitsblatt 1 informiert über Bewegung als medizinisch-psychologisches »Wundermittel«. Die Schüler
entwickeln Motivationsstrategien, vergleichen populäre Fitnesstipps mit den Studienergebnissen und recherchieren über den Trend, Fitness-Apps als Personal Coach einzusetzen.
Arbeitsblatt 2 stellt die Umfrageergebnisse der DAK-Studie zur Gesundheitsentwicklung von Kindern und
Jugendlichen vor. Die Schüler benennen gesellschaftspolitische Handlungsfelder bei der Gesundheitsförderung, recherchieren Kampagnen zur Bewegungsmotivation und entwerfen ein eigenes kreatives Konzept,
das sich in ihrem schulischen Umfeld umsetzen lässt. Abschließend erörtern sie die gesellschaftspolitische
Tragweite der Forschungsergebnisse anhand polarisierender Standpunkte aus der öffentlichen Diskussion.
»ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter | »Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse 3
Einstieg
Selbsteinschätzung: Bewegungsmuffel oder Sportass?
Wie aktiv bin ich, wie motiviere ich mich, und welche Ausreden habe ich?
1. Ich treibe Sport/bewege mich intensiv mindestens 30 Minuten
q Täglich q Vier- bis fünfmal wöchentlich q Zwei- bis dreimal wöchentlich
q Einmal wöchentlich q Seltener
2. Ich halte den ganzen Rummel um Bewegung und Sport für überzogenen Fitnesswahn
q Trifft völlig zu q Trifft weitgehend zu q Trifft teilweise zu q Trifft gar nicht zu
3. Ich habe als Kind deutlich mehr Sport getrieben
q Trifft völlig zu q Trifft weitgehend zu q Trifft teilweise zu q Trifft gar nicht zu
4. Ich nehme mir immer wieder vor, mich mehr zu bewegen
q Trifft völlig zu q Trifft weitgehend zu q Trifft teilweise zu q Trifft gar nicht zu
5. Diese Sport- bzw. Bewegungsarten übe ich regelmäßig aus:
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______________________________________________________________________
6. Diese Sport- bzw. Bewegungsarten würde ich gerne einmal ausprobieren:
______________________________________________________________________
______________________________________________________________________
7. Der Schulsport motiviert mich zu einem aktiveren Leben
q Trifft völlig zu q Trifft weitgehend zu q Trifft teilweise zu q Trifft gar nicht zu
8. Deswegen bin ich nicht aktiv bzw. weniger aktiv, als ich mir vornehme (falls dies der Fall ist):
______________________________________________________________________
______________________________________________________________________
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9. So motiviere ich mich zu (mehr) Bewegung/Sport:
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______________________________________________________________________
______________________________________________________________________
10. Ich selbst schätze mich ein als
q Überzeugten Couch-Potato q Entspannten Chiller
q Bewegungsmuffel q Outdoor-Freak
q Normal aktiven Menschen q Vereinssportler q Leistungssportler q Entspannten Spaziergänger
»ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter | »Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse 4
Arbeitsblatt 1
Wundermittel Bewegung
Sie verlängert das Leben, beugt Krankheiten vor und kann sie sogar heilen. Mit jeder
neuen Erkenntnis werden Mediziner sicherer: Bewegung wirkt wie eine hoch dosierte
Arznei.
Eine Arznei, die alle Krankheiten heilt und obendrein das Leben verlängert, existiert nicht. Oder vielleicht
doch? Ja, tatsächlich, es gibt da etwas. Ein Mittel, das man als Universalmedizin betrachten könnte. Es
kostet nichts, ist frei von künstlichen Zusatzstoffen und wirkt unzähligen Leiden entgegen: die Bewegung.
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Gegen Herzinfarkte, gegen Osteoporose und sogar gegen Krebs: Welche Wirkungen Sport haben kann
Wie eine hoch dosierte Pille setzt jede körperliche Anstrengung Kaskaden physiologischer Vorgänge in
Gang. Das Herz pumpt schneller, die Körpertemperatur steigt, Dutzende von Botenstoffen strömen in Kopf
und Glieder. Im Gehirn entstehen neue Nervenbahnen. Krankes Gewebe heilt, neue Zellen wachsen heran,
und Erbsubstanz wird repariert. […] Bewegung ist eine hocheffektive Therapie, die gegen weitaus mehr
Krankheiten hilft, als man bisher wusste.
Lange bekannt ist, dass Sport die Muskulatur kräftigt. Wer sich viel bewegt, ist weniger anfällig für Verspannungen und spannungsbedingte Kopfschmerzen, und er schützt sein Skelett bis ins hohe Alter vor
Brüchen. Denn auch die Knochensubstanz profitiert von Sport: Studien zeigen, dass äußere Krafteinwirkungen die Zellen des Knochenmarks anregen, neues Gewebe zu produzieren. Jede Kraft, die ein Muskel
erzeugt, wirkt auch auf den Knochen, mit dem er verbunden ist. Dabei verformt sich der Knochen leicht
– und das setzt innere Aufbauprozesse in Gang. Wer regelmäßig trainiert, am besten schon im Kindesoder Jugendalter, senkt daher sein Risiko für die Alterserkrankung Osteoporose, bei der die Knochen nach
und nach an Dichte und Stabilität einbüßen. […] Strittig ist noch, wie viel und welche Art von Aktivität am
besten ist. »Radfahren oder Schwimmen reichen nicht aus«, sagt Dieter Felsenberg, Leiter des Zentrums
für Muskel- und Knochenforschung der Charité in Berlin. Er rät dazu, zweimal die Woche intensives Krafttraining zu betreiben. […] »Auch Tanzen ist gut: Tänzer haben in der Regel sehr feste Knochen«, sagt der
Mediziner.
Gegen Wohlstandskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes mellitus und Bluthochdruck gilt Bewegung ebenfalls längst als probates Mittel – vorbeugend und sogar als eigene Therapieform. Sie hält die
Arterien gesund und bewahrt uns so vor Infarkten und Schlaganfällen. Sie kurbelt die Bildung des sogenannten guten HDL-Cholesterins an, das schädliche Blutfette aufnimmt und zur Leber transportiert, wo sie
ab- oder umgebaut werden. Zudem senkt Sport langfristig den Blutdruck. Und auch der Zuckerhaushalt
lässt sich mit Ausdauertraining so stabil halten, dass körperlich aktive Typ-2-Diabetiker keine Tabletten
mehr schlucken müssen. […]
Doch all das ist womöglich erst der Anfang. Bewegung vermag weit mehr, als Muskeln und Knochen zu
stärken und Adern gesund zu halten. Neuere Erkenntnisse legen nahe, dass Sport selbst vor Krebs schützen kann – und sogar das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann. Am besten erforscht sind die
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Effekte auf Brust- und Darmkrebs. So ergaben epidemiologische Studien – bei denen Bevölkerungsdaten
im Nachhinein ausgewertet werden –, dass körperlich aktive Menschen ein niedrigeres Risiko haben, an
Darmkrebs zu erkranken. Auch das Brustkrebsrisiko ist bei Frauen, die regelmäßig Sport treiben, geringer
als bei unsportlichen Frauen.
Wie Sport und Krebs im Detail zusammenhängen, weiß man noch nicht. Fest steht, dass Ausdauertraining Übergewicht entgegenwirkt – und damit einer Ursache vieler Krebsarten. Unsere Fettpolster speichern nämlich nicht nur überschüssige Energie, sie geben auch Hormone ab. Gerade im Bauchfett werden
entzündungsfördernde Stoffe wie Leptin, Interleukin-6 und das Sexualhormon Östrogen gebildet. Diese
wandern in andere Körperregionen ein und begünstigen dort das Zellwachstum. »Wachstum« klingt positiv, ist bei Körperzellen aber gefährlich: Beginnen sie sich unkontrolliert zu vermehren, kann sich daraus
ein bösartiger Tumor entwickeln, der Absiedelungen bildet. Indem Bewegung Fettzellen schmelzen lässt,
erstickt sie also einen Keim der Krebserkrankung. Doch selbst wer seine Pfunde nicht loswird, verringert
durch Sport sein Krebsrisiko, sagt Cornelia Ulrich, die am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Abteilung Präventive Onkologie leitet. Zum einen gehen Wissenschaftler davon aus, dass körperliche Ertüchtigung die Reparatur von Defekten in der Erbsubstanz DNA fördert, die als Auslöser von Krebs
gelten. Zum anderen verbrennen auch dicke Menschen beim Sport Zucker. Und sinkt der Blutzucker, fällt
es Krebszellen schwerer, sich zu vermehren und auszubreiten. Außerdem senkt körperliche Aktivität im
Blut die Menge der Botenstoffe Insulin, IGF-1 und -2, die ebenfalls im Verdacht stehen, Tumore sprießen
zu lassen.
Aber wie viel Sport ist nötig, um diese Mechanismen in Gang zu setzen? Schon eine halbe Stunde moderate Bewegung pro Tag reiche, heißt es in einer Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation. Entscheidend dabei ist, sagen Experten, dass man ein bisschen außer Atem gerät und den Stoffwechsel in Schwung bringt.
[…] Zudem lindert Bewegung die Nebenwirkungen, die Krebstherapien mit sich bringen: Körperlich aktive
Patienten leiden seltener unter Abgeschlagenheit und chronischer Müdigkeit und bleiben mental fitter.
Mit Stress, Schlafstörungen und Niedergeschlagenheit haben sie ebenfalls seltener zu kämpfen. »Sport
stimmt sie zuversichtlicher und steigert ihre Lebensqualität«, sagt Steindorf.
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Sport, das bessere Psychopharmakon
[…] Sport ist ein natürlicher Stimmungsaufheller. Im Gehirn wirkt er wie eine schwache Droge: Die als
Glückshormone bekannten Botenstoffe Serotonin und Dopamin werden ausgeschüttet, Stress wird abgebaut und Angst gedämpft. Und einem Experiment des amerikanischen Anthropologen David Raichlen
zufolge genügt schon eine halbe Stunde Joggen, um die Konzentration von Endorphinen im Blut zu erhöhen – weiteren Glückshormonen. Sogar als Mittel gegen ernste seelische Leiden wie Angststörungen,
Depressionen und Sucht scheint sich Sport zu eignen. So ergab eine Untersuchung des Psychiaters Andreas Ströhle von der Berliner Charité, dass Ausdauersport Patienten mit Phobien und Panikstörungen
helfen kann, Stress und Angst abzubauen. Warum, ist nicht klar. Bekannt ist aber, dass unser Herzmuskel
sogenannte atriale natriuretische Peptide (ANP) produziert, wenn wir uns anstrengen. Diese Botenstoffe
senken den Blutdruck und nehmen körperliche Angstgefühle.
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Eine amerikanische Studie mit rund 200 depressiven Patienten kommt zu dem Schluss, dass körperliches
Training bei Depressionen beinahe genauso wirken kann wie eine medikamentöse Therapie. Die Wissenschaftler forderten einige der Teilnehmer auf, dreimal pro Woche auf dem Laufband zu joggen. Anderen
verabreichten sie entweder ein Antidepressivum oder Pillen ohne Wirkstoff, sogenannte Placebos. Nach
vier Monaten zeigte sich, dass die depressiven Symptome der Sportlergruppe sich sogar ein wenig stärker
gebessert hatten als die der Medikamentengruppe. Die Aussagekraft solcher Studien ist begrenzt. Anders
als bei Arzneimitteltests können Forscher die Wirksamkeit von Sport nicht einfach gegen Placebos testen
– schließlich gibt es kein wirkungsloses »Scheintraining«. Auch ist nicht klar, wie lange der antidepressive
Effekt anhält.
Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass Sport im Körper Mechanismen in Gang setzt, die Depressiven
auch langfristig helfen. Untersuchungen zufolge lässt Bewegung – wie vermutlich auch antidepressive
Medikamente – die Konzentration des Botenstoffes BDNF (brain-derived neurotrophic factor) im Blut
steigen, an dem es Menschen mit Depressionen oft mangelt. Das Gehirn braucht den Botenstoff, um Nervenzellen wachsen zu lassen und sie neu zu vernetzen. Forscher vermuten, dass ein Mangel an BDNF die
Symptome einer depressiven Erkrankung mitverursacht. »Zudem ist BDNF die Voraussetzung dafür, dass
das Gehirn neue Verbindungen knüpft. Der Stoff ermöglicht somit, dass wir neue neuronale Muster formen
und neue Verhaltensweisen lernen«, sagt der Psychiater Ströhle. Vereinfacht gesagt, hilft BDNF dabei, aus
eingefahrenen, düsteren Gedankenstrudeln auszubrechen und sich gezielt neue, gesündere Denkweisen
anzugewöhnen. So kann Sport indirekt auch den Erfolg von Verhaltenstherapien fördern.
Dank Sport ein besseres Gedächtnis
[…] Sport macht auch das Gehirn fit – das weiß man. Nur warum das so ist, darüber rätseln die Wissenschaftler noch immer. […] Ein Grund ist wohl, dass das Gehirn stärker durchblutet wird, wenn wir uns körperlich betätigen. So wird es mit mehr Sauerstoff und Energie versorgt, wir fühlen uns wacher und können
uns zumindest vorübergehend besser konzentrieren. Der Hirnforscher Stefan Schneider vom Institut für
Bewegungs- und Neurowissenschaft der Sporthochschule Köln ist aber überzeugt, dass Sport im Kopf
weit mehr bewirkt. Seine Experimente deuten darauf hin, dass sich die Gehirnaktivität verändert, wenn
man sich bewegt: Der motorische Kortex, unsere Steuerzentrale für Bewegungen und Koordination, werde
aktiviert. Zugleich werde der präfrontale Kortex heruntergefahren, der für logisches Denken und Planen
zuständig ist. »Man kann sich das wie bei einem Reset eines Computers vorstellen, dessen Arbeitsspeicher
überlastet ist«, sagt Schneider. Der Neustart ermögliche, dass wir uns wieder besser konzentrieren und
unsere Aufmerksamkeit auf relevante Inhalte fokussieren könnten. Kurz: Wir haben den Kopf wieder frei
und können besser denken. […]
Als sicher gilt, dass das Gehirn langfristig von regelmäßiger Bewegung profitiert. Das ergab etwa ein Experiment einer Forschergruppe der Universität Ulm. […] Die Ulmer Forscher […] gehen davon aus, dass
regelmäßige körperliche Aktivität unseren Hormonhaushalt dauerhaft beeinflusst, weil sie zu einem verlangsamten Abbau des Botenstoffes Dopamin führt. Dopamin ist nicht nur ein körpereigener Stimmungsaufheller, es wird auch für wichtige kognitive Prozesse im präfrontalen Kortex gebraucht. Sinkt der Dopaminspiegel, lassen wiederum Aufmerksamkeit, Konzentration und andere geistige Fähigkeiten nach.
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Bei manchen Menschen wird das Hormon, genetisch bedingt, besonders rasch abgebaut. Bewegung hilft
ihnen, den Dopaminspiegel länger aufrechtzuerhalten.
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Ob der Dopaminabbau der entscheidende Faktor ist, weiß man nicht. Andere Studien stützen eher die
These, dass Sport die Plastizität des Gehirns vergrößert. Bei körperlicher Anstrengung setzt der Körper
nämlich Neurotrophine frei. Das sind Stoffe, die der Körper braucht, um Nervenzellen zu bilden und neue
Verbindungen zwischen bestehenden Nervenzellen zu knüpfen. Ein bekannter Vertreter ist das Eiweiß
BDNF. Bei Menschen, deren Blut viel davon enthält, ist der Hippocampus größer als bei Menschen mit
einem niedrigen BDNF-Spiegel. Diesen Zusammenhang wies etwa der Psychologe Kirk Erickson von der
University of Pittsburgh 2010 in einer Studie mit älteren Menschen nach. […]Der Hippocampus wird aktiv,
wenn wir lernen oder uns an etwas erinnern. Im Laufe des Erwachsenenalters sterben hier zahlreiche Nervenzellen ab, sodass er an Volumen einbüßt. Auch deshalb können ältere Menschen sich Dinge schlechter
merken als junge.
Erickson hatte in seiner Studie die Teilnehmer in eine Sportlergruppe und eine Kontrollgruppe unterteilt.
Die Sportler mussten ein Jahr lang dreimal wöchentlich 40 Minuten lang stramm spazieren gehen, die
anderen absolvierten nur ein leichtes Dehntraining. Zu Beginn und nach dem Programm schaute Erickson
den Probanden mithilfe eines Kernspintomografen in den Kopf. Die Bilder zeigten, dass eine bestimmte
Region des Hippocampus in der körperlich aktiven Gruppe um etwa zwei Prozent größer geworden war.
In der Dehngruppe war diese Region in der Zeit um etwa ein Prozent geschrumpft – wie bei jedem älteren Menschen. Das Gehirn wächst also, als Dünger braucht es nur Bewegung. Ob die neuen Nervenzellen
im Gehirn aber auch tatsächlich Aufgaben übernehmen und somit die Denkfähigkeit verbessern, konnte
Erickson mit seinen Hirnaufnahmen nicht zeigen.
Auf den Körper hören, statt ihn nur zu quälen
Ob eine Arznei nutzt oder schadet, hängt von der Dosierung ab. So ist es auch beim Sport: Im rechten Maß
hält Bewegung gesund und schützt vor Krankheiten. Wer es übertreibt, riskiert damit im schlimmsten Fall
sein Leben. […] Während moderate Bewegungseinheiten das Herzinfarktrisiko senken, kann zu intensives
Training dem Herzen nachhaltig schaden. […] Erfahrene Sportler kennen die meisten Warnsignale, sie sind
Seismografen des Körpers. Wer aber gerade erst mit dem Sport anfängt, weiß oft noch nicht, wo seine
Grenzen liegen. Deshalb neigen Anfänger dazu, sich zu überfordern und dadurch nicht nur das Herz, sondern auch ihre Knochen, Sehnen und Gelenke zu überlasten. […] »Wenn die Muskulatur zu schwach ist, um
Erschütterungen abzufedern, werden die Kräfte über die Sehnen auf den Knochen übertragen«, so Holger
Schmitt, Leiter des Zentrums für sporttraumatologische Chirurgie an der Atos-Klinik Heidelberg. »Die
Sehnenansatzzone entzündet sich, und eine zu starke Beanspruchung kann zu Schädigungen des Knochens führen.« Länger andauernde Überbelastung schädige auch die Gelenke, weil sich der Knorpel mit
der Zeit abreibe. Besonders belastend sind Ballsportarten, bei denen man häufig die Bewegungsrichtung
wechseln oder springen muss. Wer seine Gelenke und Knochen schonen möchte, sollte Fahrrad fahren,
schwimmen oder walken. Sportanfängern rät Schmitt, mit einem leichten Training zu beginnen und sich
langsam zu steigern. Zusätzlich empfiehlt er regelmäßiges Krafttraining zur Stärkung der Muskulatur.
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Der beste Schutz vor Verletzungen sei jedoch, den Körper bewusst und immer wieder neu wahrzunehmen.
»Schmerz ist ein Indikator für Entzündungen und Verletzungen im Körper – ignoriert man ihn, werden sie
unter Umständen zu chronischen Beschwerden.«
Die Motivationsforschung
Es regnet. Die Knie schmerzen. Am linken Fuß ist eine Blase. Die Sporthose hat ein Loch, ist noch in
der Wäsche oder passt nicht mehr. Bestimmt laufen wieder überall aggressive Kampfhunde herum. Die
Steuererklärung ist überfällig. Und überhaupt: Nach einem langen Arbeitstag wird man sich ja wohl mal
eine Pause gönnen dürfen! Argumente, keinen Sport treiben zu müssen, finden sich immer, und meist
klingen sie sogar plausibel. In der Theorie wissen wir zwar, dass Bewegung uns guttut, schlank macht und
hilft, Stress abzubauen. »Mehr Sport treiben« stand auf der letzten Neujahrsvorsätzeliste sicher ganz weit
oben. Wenn es aber konkret wird, wenn wir tatsächlich ins kalte Wasser oder in die verstaubten Turnschuhe steigen sollen, ist all das vergessen.
Glaubt man der Neurowissenschaft, so neigt das menschliche Gehirn zum sogenannten »delay discounting«,
also zum Abwerten zeitlich verzögerter Belohnungen. Wenn wir uns auf das Sofa kuscheln und fernsehen,
fühlen wir uns sofort entspannt. Wenn wir uns auf das Sofa kuscheln und fernsehen, fühlen wir uns sofort entspannt. Langfristig wäre es für Gesundheit und Aussehen besser, ins Fitnessstudio zu gehen. Dennoch bewerten wir die erste Variante intuitiv als attraktiver. Wir tendieren also dazu, sofortige und kurzfristige Genüsse
der längerfristig besseren Alternative vorzuziehen – sogar dann, wenn es uns später Nachteile verschafft.
Im Gehirn sind an diesem Abwägen zwei konkurrierende Systeme beteiligt. Die Aussicht auf den entspannten Abend auf der Couch setzt das limbische System in Gang, einen evolutionär sehr alten Teil des
Gehirns, der Sinneseindrücke verarbeitet und unbewusste, impulsive Handlungen steuert. Die Überlegung,
um der (späteren) Gesundheit willen zum Sport zu gehen, übernimmt der präfrontale Kortex, unser stammesgeschichtlich jüngstes Hirnareal, das es uns als einziger Spezies ermöglicht, abstrakt zu denken und
langfristige Zukunftspläne zu schmieden.
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Obwohl der präfrontale Kortex gewöhnlich die besseren Argumente hat, zieht er im Duell mit dem limbischen System oft den Kürzeren. Nichts anderes passiert bei der Wahl zwischen Sofa und Sport. Lieber
legen wir sofort die müden Beine hoch und futtern Schokolade, als uns einige Wochen später über gekräftigte Beinmuskeln und eine schlankere Taille zu freuen. Die schlechte Nachricht: Wenn wir diese Entscheidung immer wieder treffen, wird sie uns zur Gewohnheit. Und je öfter wir einer Gewohnheit nachgeben,
desto mehr verfestigen sich die beteiligten Nervenmuster. Gehirnzellen, die bei der ersten Entscheidung
noch zu Nervenstraßen verknüpft werden mussten, entwickeln sich so zu großen Autobahnen. Hat sich ein
Denkmuster zur festen Gewohnheit entwickelt, kann man es nur noch mit großer Mühe und Selbstdisziplin
wieder ändern. Die gute Nachricht: Es funktioniert auch andersherum. Je regelmäßiger wir Sport treiben,
desto weniger Überwindung kostet es uns. Mit der Zeit wird dann die Joggingrunde ein ebenso geliebtes
Morgenritual wie die Tasse Kaffee. […]
Lydia Klöckner, ZEIT Wissen Nr. 2/2014, http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/02/sport-bewegung-gesundheit-therapie (gekürzt)
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Aufgaben
1. Die eigenen Handlungsmuster mit Forschungsergebnissen abgleichen
Vergleichen Sie Ihre persönliche Bewegungsaktivität (siehe Einstiegs-Selbsteinschätzung) mit den im
Artikel aufgeführten Erkenntnissen aus der Bewegungsforschung, und ziehen Sie ein Fazit: Welche
Studienergebnisse können Sie anhand eigener Erfahrung nachvollziehen?
2. Populärliteratur mit wissenschaftlichen Studienergebnissen vergleichen
a. Tragen Sie zusammen, zu welchem Aktivitätsmuster populärwissenschaftliche Ratgeber aufrufen (z. B. Gesundheits-Websites, Zeitschriften/Bücher, TV-Sendungen, aber keine medizinischen
Fachbeiträge). Welches Bewegungsverhalten wird dabei als besonders gesundheitsfördernd
hervorgehoben, wovor wird gewarnt?
b. Beurteilen Sie, inwiefern die Ratschläge der populärwissenschaftlichen Medien mit den wissenschaftlichen Studien, die in diesem Artikel zitiert werden, übereinstimmen.
3. Motivationsstrategien entwickeln
Sammeln Sie in einem Brainstorming Ideen, wie man Vorsätze, sich mehr zu bewegen, umsetzen
könnte. Entwickeln Sie in Gruppenarbeit ein Konzept, das Ihnen erfolgversprechend erscheint, und
setzen Sie dieses anschließend in einem zweiwöchigen Praxistest in Ihrer Gruppe um. Ermitteln Sie
dann die Motivationsstrategie, die am erfolgreichsten war.
4. Informationen zu digitalen Fitness-Anwendungen recherchieren
Fitness-Apps oder Fitness-Armbänder versprechen, mithilfe einer digitalen Selbstkontrolle oder
eines digitalen Coachs die Bewegungsmotivation der User zu steigern. Recherchieren Sie einen
Aspekt zu diesem Thema: Beispiele von Apps oder Armbändern, Rezensionen oder Medienberichten
(z. B. bezüglich Datenschutz, »Selbstoptimierungswahn«, Verbraucherschutz etc.). Stellen Sie Ihre
Arbeitsergebnisse vor, und ziehen Sie ein Fazit, das Ihr Untersuchungsgebiet auch kritisch mit seinen
Stärken und Schwächen beleuchtet.
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Arbeitsblatt 2
Studie: Bewegungsmangel gefährdet Kindergesundheit
Immer weniger Kinder und Jugendliche haben ausreichend Bewegung und körperliche
Aktivität. Dies zeigt eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit, für die
im Jahr 2013 100 Kinder- und Jugendärzte in ganz Deutschland befragt wurden.
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In der Studie gaben mehr als die Hälfte der befragten Ärzte an, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand deutscher Kinder ihrer Einschätzung nach in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert habe. Der
Mangel an Bewegung sorge bei den Minderjährigen vor allem für motorische Defizite und Gewichtsprobleme. Beinahe alle befragten Mediziner (94 Prozent) stellten eine Zunahme von Übergewicht fest. Einen
Anstieg von motorischen Defiziten bei Minderjährigen sahen 80 Prozent der Befragten. Die altersspezifische Häufung weiche leicht voneinander ab: Mit Entwicklungsstörungen des Bewegungsapparats hätten
am häufigsten 3- bis 5-Jährige zu kämpfen, Gewichtsprobleme treten nach Einschätzung der Kinderärzte
vor allem bei 6- bis 8-Jährigen auf.
Die Gründe für diese Negativentwicklung sehen die Mediziner unter anderem in dem Mangel an Bewegung in der Freizeit (96 Prozent). Zu weiteren genannten Gefahren für die Gesundheit der Kinder gehören
eine zu intensive Mediennutzung (98 Prozent), eine ungesunde Ernährung (92 Prozent) und die fehlende
positive Vorbildfunktion der Eltern (89 Prozent). Erste Anzeichen für Bewegungsmangel können im Rahmen der regelmäßigen Kindervorsorge, bei den sogenannten U-Untersuchungen, festgestellt werden. Der
Kinderarzt kann hierbei frühzeitig Haltungsstörungen, Verzögerungen in der körperlichen Entwicklung
oder aber auch erste Anzeichen für Übergewicht erkennen und geeignete Maßnahmen zum Gegensteuern veranlassen. Diese Einschätzung eines Mediziners ist von großer Bedeutung, denn Eltern fällt es oft
schwer, objektiv zu beurteilen, ob sich ihr Kind genug bewegt. »Meist prägt das eigene Bewegungsverhalten auch den Drang nach Aktivität beim Nachwuchs«, erklärt Uwe Dresel, Diplom-Sportlehrer bei der
DAK-Gesundheit. »Kinder mit aktiven und gesundheitsbewussten Eltern haben oft eher einen Zugang zu
Sport und Bewegung.« Ähnlich sehe es mit dem Bewusstsein für den Bedarf an körperlicher Betätigung
aus. »Wer an Sport gar nicht oder nur wenig interessiert ist, vermisst diesbezüglich auch nichts. Diese
Menschen verspüren somit auch keinen Mangel an Aktivität – weder bei sich noch bei anderen.«
DAK-Gesundheit, 24.06.2013, http://www.dak.de/dak/bundesweite_themen/Bewegungsmangel_bei_Kindern-1319358.html
»ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter | »Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse 11
Aufgaben
1. Handlungsfelder und Akteure für die Gesundheitsförderung aufzeigen
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Kindern ist nicht allein ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftspolitisches Problem.
a. Entwerfen Sie gemeinsam im Plenum mithilfe der Umfrageergebnisse der DAK-Studie eine Mindmap, die aufzeigt, welche gesellschaftspolitischen Problem- bzw. Handlungsfelder in Beziehung
zur Gesundheitsförderung stehen.
b. Skizzieren Sie korrespondierend zu Aufgabe a) eine weitere Mindmap, in der Sie auflisten, welche
Institutionen, Entscheidungsträger, Verbände/Vereine oder anderen gesellschaftlichen Gruppierungen einen Beitrag zur Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen leisten könnten.
2. Eine Kampagne zur Bewegungsförderung recherchieren und vorstellen
Stellen Sie eine der unten genannten Initiativen vor. Beantworten Sie für Ihre Präsentation die wichtigsten W-Fragen zur Kampagne (»Wer macht was, wo, wann, wie und warum?«), und beurteilen Sie,
ob die Initiative in Ihren Augen motivationsfördernd, zielgruppengerecht, bewusstseinsfördernd und
originell/kreativ ist.
• 10.000 Schritte: http://zehntausendschritte.de/main/10000/index.php
• Teens4Kids: Bewegung und Ernährung, http://www.teens4kids.de
• DAK-Gesundheit: Junior-Aktivbonus, http://www.dak.de/dak/leistungen/Junior-Aktivbonus-1078182.html
• Bewegte Schule: Gesunde Schule Niedersachsen, http://www.bewegteschule.de
• Gemeinsam gesunde Schule entwickeln: Hol dir Gold! Gesund und fit mit dem FitnessPass,
http://www.gemeinsam-gesunde-schule-entwickeln.de/fitnesspass.html
• In Form: https://www.in-form.de
• Europäische Kommission: Jugend in Bewegung/Youth on the move, http://ec.europa.eu/
youthonthemove/index_en.htm; http://ec.europa.eu/social/main.jsp?langId=de&catId=950
• Intersport: Kids in Bewegung, http://www.intersport.de/cms/kampagnen/kids-in-bewegung
3. Eine Gesundheitskampagne ausarbeiten
Konzipieren Sie mithilfe Ihrer Arbeitsergebnisse aus Aufgabe 1 eine originelle Kampagne unter dem
Motto »Bewegt euch!«, die sich schwerpunktmäßig an Kinder und/oder Jugendliche richtet und/
oder von Schülern getragen wird. Entwerfen Sie einen Flyer, der über Ihre Kampagne informiert, und
formulieren Sie ein Konzeptpapier, in dem Sie Maßnahmen und Ziele der Initiative vorstellen.
»ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter | »Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse 12
4. Polarisierende Standpunkte in der öffentlichen Debatte differenziert diskutieren
Erörtern Sie folgende Statements zum Thema »Selbstverantwortung und staatliche Eingriffe bei der
Gesundheitsförderung«. Ergänzen Sie dabei die Liste mit weiteren Beispielen.
a. »Ich habe keine Lust, in einer Gesundheitsdiktatur zu leben. Muss ich einen Schrittzähler mit mir
führen, Schlaf- und Ernährungsberichte vorlegen, Tabak- und Alkoholtests mit mir machen lassen, um einen Beitragsbonus bei der Krankenkasse zu erhalten?«
b. »Couch-Potatos sind Sozialschmarotzer! Ich bin sportlich und esse gesund. Warum soll ich mit
meinen Krankenkassenbeiträgen selbst verschuldete Krankheiten mitfinanzieren?«
c. »Stress ist mindestens so schädlich wie Bewegungsmangel. Wenn Bewegungsmuffel höhere
Krankenkassenbeiträge zahlen sollen, weil sie einen riskanten Lebensstil pflegen, warum dann
nicht auch Leute in Stressberufen? Das Gleiche gilt übrigens für Übergewicht.«
d. »Wir dürfen nicht zulassen, dass Arbeitslose oder prekär Beschäftigte deutlich mehr gesundheitliche Probleme und eine geringere Lebenserwartung haben als reiche Bevölkerungskreise.
Staatliche Eingriffe in das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung sind keine Einmischung in das
Privatleben, sondern notwendige Maßnahmen. Zur sozialen Chancengleichheit gehört auch eine
gesundheitliche Chancengleichheit.«
e. »Viele Krankenkassen geben einen Bonus, wenn man in einem Sportverein ist. Aber es gibt
keinen Bonus, wenn ich nur so im Wald laufe und mit dem Hund herumtobe. Vielleicht geht es ja
nur darum, den Sportvereinen Mitglieder zuzuführen, damit deren Kasse klingelt.«
f. »Mehr Bewegung und Sport ist die einfachste und billigste Lösung, um die explodierenden
Gesundheitskosten in den Griff zu kriegen. Man sollte daher mehr in die Aufklärung und Bewegungsmotivation investieren. Das zahlt sich langfristig nicht nur finanziell aus.«
g. »Hinter dem Gesundheitswahn steckt eine genussfeindliche puritanische Ersatzreligion, die uns
bevormunden will. Die Überzeugung, dass die meisten Krankheiten eine Folge von ungesunden
Lebens- und Verhaltensweisen sind, diskriminiert kranke Menschen.«
Hinweis: Die zitierten Aussagen sind paraphrasierte Leserkommentare zur Thematik aus unterschiedlichen Onlinemedien.
»ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter | »Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse 13
Internetseiten zum Thema:
»Wundermittel Bewegung«: Die politische Kontroverse
ZEIT ONLINE: Trendsportarten: Bewegte Geschichte
http://www.zeit.de/2014/08/100-jahre-trend-sport
ZEIT ONLINE: Deutschlands Jugend ist sportlich und raucht weniger
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-06/kiggs-studie-gesundheit-kinder-jugendliche-deutschland
ZEIT ONLINE: Arme sterben früher
http://www.zeit.de/2012/29/Armut-Reichtum-Gesundheit
ZEIT ONLINE: Geht joggen! Oder doch nicht?
http://www.zeit.de/2010/52/CH-Gesund-oder-frei
Bundeszentrale für politische Aufklärung:
Die wichtigsten Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Teil 1: Staat und Politik
http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gesundheitspolitik/72565/staat-und-politik
Robert Koch-Institut: Sozialer Status und soziale Ungleichheit
http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Sozialer_Status/sozialer_status_node.html
Universität Bielefeld: Deutsche Jugendliche bewegen sich zu wenig
http://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/deutsche_jugendliche_bewegen_sich_zu
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IMPRESSUM
Projektleitung: Wiebke Prigge, Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG
Projektassistenz: Miriam Bernhard, Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG
Didaktisches Konzept und Arbeitsaufträge: Susanne Patzelt, Wissen beflügelt
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Seele and Geist
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