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Leseprobe zum Titel: Stuttgarter Zeitung (21.03.2015)

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Die unabhängige Zeitung für Baden-Württemberg
2,00 €
Samstag, 21. März 2015
Nr. 67 | 12. Woche | 71. Jahrgang | E 4029
Der Passagier
als Geisel
Foto: Lichtgut/Max Kovalenko Montage: Detsch
Sonnenfinsternis
Spektakel
am Himmel
In Stuttgart verfolgen Tausende bei bestem Wetter das
seltene Naturereignis – und sind fasziniert. SEITEN 9 UND 21
// Mehr Bilder gibt es unter http://stzlinx.de/sonnenfinsternis15
Tagesthema
Stuttgart
Die Brücke zur Welt
„Keep cool“: wie die Klimarettung
spielerisch funktioniert SEITE 2
Willkommen in der Eiszeit: die neue
Schau im Naturkundemuseum SEITE 22
Gefährlicher Spaltpilz: Separatismus
in der Europäischen Union SEITE V1
Athen verspricht
klare Reformliste
Griechenland hat laut Regierungschef Alexis Tsipras vorerst keine Schwierigkeiten,
seine Kreditverpflichtungen zu bedienen
und den Staat am Laufen zu halten. Es gebe
„kurzfristig keinerlei Liquiditätsproblem“,
sagte Tsipras am Freitag in Brüssel. Zahlungen an Bürger und Institutionen seien
„vollkommen sicher“, ebenso wie die Einlagen bei den griechischen Banken. Tsipras
will derzeit mit den europäischen Gläubigern die Voraussetzungen für die Zahlung
von Geldern aus dem jüngst verlängerten
Hilfsprogramm schaffen. Nach langen Beratungen mit Bundeskanzlerin Merkel
(CDU), Frankreichs Präsident Hollande sowie Spitzenvertretern der EU verpflichtete
sich Athen, in den kommenden Tagen eine
vollständige Reformliste vorzulegen. AFP
– Reportage: Das letzte Aufgebot SEITE 3
– Kommentar: Bewegung SEITE 3
– Klartext im kleinen Kreis SEITE 4
Anschläge auf Moscheen
Bei Selbstmordanschlägen auf zwei Moscheen im Jemen sind rund 140 Menschen
getötet und 350 weitere verletzt worden.
Zu den Attentaten in der Hauptstadt Sanaa
bekannte sich die Terrormiliz IS. Das Land
stürzt damit noch tiefer ins Chaos. SEITE 5
Kretschmann laviert
Das grün-rote Hin und Her um die Reform
der Erbschaftsteuer zehrt am Ruf Winfried
Kretschmanns als Wirtschaftsversteher.
Zudem droht wegen des geplanten transatlantischen Freihandelsabkommens neuer
Verdruss mit den Bundesgrünen. SEITE 6
Pilotenstreik wird härter
Der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa
und ihrem Cockpit-Personal ist festgefahren. Am Freitag fielen durch den Pilotenstreik rund 700 Kurz- und Mittelstreckenflüge aus, bevor am Samstag wieder die
Langstrecke bestreikt werden sollte. SEITE 13
Sonntag
7°/1°
Montag
12°/4°
Börse SEITEN 16, 17
Dax 12 039,37 Punkte (+ 1,18 %)
Dow Jones 18 127,65 Punkte (+ 0,94 %)
Euro 1,0776 Dollar (Vortag: 1,0677)
Ausführliches Inhaltsverzeichnis SEITE 2
66012
4 190402 902005
Sparkassenverbände Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
wollen die größte deutsche LBS schaffen. Von W. Messner und A. Müller
Finanzen
ie Sparkassenverbände in BadenWürttemberg und Rheinland-Pfalz
nehmen einen neuen Anlauf, ihre
Landesbausparkassen (LBS) zu fusionieren. Einen entsprechenden Vorschlag werden die Verbandsspitzen nach Informationen der Stuttgarter Zeitung am Montag den
Gremien der beiden Verbände und Institute unterbreiten. Geben diese grünes Licht,
sollen Verhandlungen über die Fusion aufgenommen werden. Bei einer Verschmelzung entstünde die bundesweit größte Landesbausparkasse innerhalb der Sparkassenorganisation. Offiziell gibt es keinen
Kommentar zu den Plänen.
Die LBS Baden-Württemberg ist etwa
drei- bis viermal größer als das Schwesterinstitut in Rheinland-Pfalz. In Stuttgart
wird ein Vertragsbestand von 51,3 Milliarden Euro verwaltet, in Mainz von 14,5 Milliarden Euro. Die dortige LBS war erst
2004/05 aus der Landesbank RheinlandPfalz herausgelöst worden, als diese von
der LBBW übernommen wurde. Man richte sich auf eine lange Zeit der Selbstständigkeit ein, hieß es seinerzeit.
Schon damals gab es aus Stuttgart Vorstöße für ein Zusammengehen. Dazu drängten insbesondere der damalige Sparkassenpräsident Heinrich Haasis und der damalige LBS-Chef Heinz Panter. Die Pläne stießen in Mainz nicht auf Gegenliebe. Eine
Verschmelzung sei „politisch nicht gewollt“, verlautete aus Rheinland-Pfalz, auch
mit Blick auf Standorte und Arbeitsplätze.
Der baden-württembergische Sparkassen-
D
verband beteiligte sich aber mit 20 Prozent
an der Mainzer LBS. So solle verhindert
werden, dass die Rheinland-Pfälzer „in
Richtung Münster/Düsseldorf oder Hessen
abdriften“, wie Panter einmal sagte.
Hintergrund der neuen Fusionspläne
sind auch die Probleme, die alle Bausparkassen durch die anhaltende Niedrigzinsphase haben. Viele Institute sehen sich dadurch gezwungen, hochverzinste, schon
länger zuteilungsreife Verträge zu kündigen. Die LBS Rheinland-Pfalz machte
schon früher diesen Schritt, den inzwischen auch die Baden-Württemberger gehen. Durch das Umfeld entstehe ein erhöhter Handlungsdruck, hieß es aus Sparkassenkreisen. Beide Institute seien gesund, es
handele sich nicht um eine Notfusion. Angesichts der schwierigen Zeiten habe eine
größere Einheit aber Vorteile.
Auch die Landesbausparkasse BadenWürttemberg war aus einer Fusion hervorgegangen, im Jahr 2000 zwischen dem badischen und dem württembergischen Institut.
Dies habe Einsparungen von gut zehn Prozent ermöglicht, hieß es 2005 in einer Zwischenbilanz. Wie eine Fusion zwischen
Stuttgart und Mainz konkret ausgestaltet
würde, ist noch offen. Die beiden Sparkassenpräsidenten, Peter Schneider (Stuttgart)
und Beate Läsch-Weber (Mainz) wollen sich
von den Gremien am Montag einen entsprechenden Verhandlungsauftrag holen. Es gilt
als wahrscheinlich, aber nicht völlig sicher,
dass die Gremien diesen erteilen.
– Bericht und Kommentar SEITE 11
Renten steigen um
bis zu 2,5 Prozent
Die mehr als 20 Millionen Rentner bekommen ab 1. Juli spürbar höhere Bezüge. Damit profitierten auch sie von der guten
wirtschaftlichen Lage, sagte Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD). In Westdeutschland steigt die Rente um 2,1 Prozent, im Osten um 2,5 Prozent. Das führt
bei einer Monatsrente von 900 Euro zu
einem Aufschlag von brutto 18,90 Euro im
Westen und 22,50 Euro im Osten. Die Erhöhung ist etwas kräftiger als von der Deutschen Rentenversicherung im November
prognostiziert. Sie wird auch nicht durch
die Inflation aufgefressen, diese Rate betrug zuletzt minus 0,1 Prozent.
dpa
– Kommentar: Zwischenhoch SEITE 3
– Rentner profitieren von guten Löhnen SEITE 4
Mohr
Sonnenfinsternis
Protest auf Bestellung
icht nur in der Hauptstadt Kiew, auch in Ukraine Studenten und oder Organisation den Aufruf startet, werden am
Telefon nicht beantwortet. Auch vor dem Dienstanderen Städten der Ukraine kommt es
Rentner verdienen sich
sitz des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko
immer häufiger zu Protesten. Die Intermit Demos ein Zubrot.
spielen sich mehrmals pro Woche Protestszenen
netzeitung „Apostroph“ und mehrere TV-JourVon Nina Jeglinski
ab. Mal fordern bis zu 150 überwiegend ältere
nalisten haben sich das Phänomen näher angeMenschen die Rücknahme von Preiserhöhungen
sehen und festgestellt: viele dieser Demonstrationen sind von einflussreichen Geschäftsleuten oder von rus- für Metro- und Busfahrten. Am nächsten Tag versammeln sich
sischen Event-Agenturen organisiert. Ziel sei, die prowestliche dort Studenten, die die Senkung von Strom- und Gaspreisen
Regierung von Präsident Petro Poroschenko und Ministerprä- fordern. Eine ebenfalls wiederkehrende Protestvariante: an eisident Arsenij Jazenjuk in Verruf zu bringen – insbesondere de- nige Omas werden weiße Taschentücher zum Winken verteilt;
ein halbes Dutzend Männer steht neben ihnen und hält Plakate
ren Reformpläne für den Energie- und Bankensektor.
Seit Wochen ziehen Gruppen vermeintlich geprellter Klein- mit dem Spruch „Auf Wiedersehen, Herr Klitschko“ in die Luft
anleger vor die Nationalbank in Kiew, um gegen die „wahllose – in deutscher Sprache. Auf die Frage eines Reporters, was die
Schließung von Banken“ zu protestieren. Die eigentlichen Parole bedeute, wussten die Demonstranten keine Antwort.
Viele Menschen mit geringem Einkommen bessern mit den
Strippenzieher seien jedoch die Besitzer der Kreditinstitute
wie die Nadrabank. Per Zeitungsannonce oder im Internet ge- Demos ihr schmales Salär auf. Nach getaner Arbeit erhalten die
hen Agenturen täglich auf Demonstranten-Suche mit Texten Statisten ihre Aufwandsentschädigung von bis zu 100 Griwna
wie: „Biete Job für zwei Stunden in der Kiewer Innenstadt. Be- (vier Euro). In einer Nebenstraße zahlen Mittelsmänner das
zahlung erfolgt sofort und in bar.“ Außer einer Handynummer Geld aus. Viele Teilnehmer gehen danach ins nächste Geschäft,
wird nichts weiter angegeben. Neugierige Fragen, welche Firma um sich Brot, Milch und Eier zu kaufen.
N
Wetter SEITE 8
Samstag
11°/1°
Landesbausparkassen
sollen verschmelzen
www.stuttgarter-zeitung.de
// Sonnenfinsternis
Leserbilder aus Stuttgart
// StZ
Arbeitskampf Die
Gewerkschaft Cockpit bringt
die Lufthansa in Bedrängnis.
Von Klaus Dieter Oehler
or gut einer Woche noch zeigte sich
Carsten Spohr zuversichtlich. „Wir
werden eine Einigung finden“, sagte
der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa zu
dem anhaltenden Streit mit den Piloten der
Fluggesellschaft. Als Grund für seine Zuversicht gab der ausgebildete Pilot auf dem
Chefsessel an, dass beide Seiten am Ende ja
gar nicht ohneeinander existieren könnten. Die Piloten können nur fliegen, wenn
sie dafür Flugzeuge haben, die ihnen das
Unternehmen zur Verfügung stellt. Und
das Unternehmen kann nur dann seine
Dienstleistung erbringen, also Passagiere
befördern, wenn im Cockpit erfahrene
Flugzeugführer sitzen.
Seit einem Jahr aber funktioniert dieses
Bündnis zumindest mit 5400 Piloten des
Konzerns nicht mehr richtig. Die zwölfte
Streikwelle läuft seit Mittwoch, und ob sie
tatsächlich an diesem Samstag endet, ist
nicht absehbar. Hunderttausende von
Kunden der größten Fluggesellschaft
Europas sind wieder einmal betroffen,
gleichgültig, ob die meisten von ihnen am
Ende doch noch ihr Ziel erreichen oder
nicht. Die Geduld der Passagiere nähert
sich ihrem Ende, immer mehr von ihnen
weichen schon bei der Buchung auf anderen Gesellschaften aus, um nicht wieder
Opfer dieser unsäglichen Tarifauseinandersetzung zu werden. Das schadet der
Lufthansa als Ganzes, allen knapp 120 000
Mitarbeitern des Unternehmens. Und es ist
nicht auszuschließen, dass dieser Schaden
nachhaltige Folgen haben wird, weil die
Fluggäste erkennen, dass sie mit Air France
oder British Airways auch nicht schlechter
an ihr Ziel kommen als mit der Lufthansa.
Natürlich ist es das tarifvertraglich gesicherte Recht der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), ihren Forderungen
auch mit Arbeitsniederlegungen Nachdruck zu verleihen. Das gilt aber nur dann,
wenn Verhandlungen nicht zu einem Ergebnis führen. Da drängt sich der Eindruck
auf, dass vor allem die VC bisher noch nicht
alle Möglichkeiten zu ernsthaften Gesprächen ausgenutzt hat. Wenn man die ursprünglichen Forderungen des LufthansaManagements mit den aktuellen Angeboten zur umstrittenen Übergangsversorgung vergleicht, hat sich offenbar nur eine
Seite, der Vorstand, wirklich bewegt. Die
Piloten ihrerseits beharren darauf, dass die
seit 50 Jahren geltenden Privilegien auch
für künftige Generationen gelten sollen –
als Zeichen der Generationengerechtigkeit. Das ist ein hoher Anspruch, der aber
nicht mehr in die heutige, vom verschärften Wettbewerb geprägte Zeit passt. Die
Umstände in der Luftverkehrsbranche haben sich dramatisch geändert, auch und gerade für die Lufthansa. Dass es anders geht,
haben die Regelungen mit den anderen
rund 5000 Piloten im Konzern gezeigt.
An der Schlüsselfunktion, die die Piloten in dem Konzern einnehmen, wird sich
nichts ändern, auch wenn das im Dezember verabschiedete Gesetz zur Tarifeinheit
Wirklichkeit werden sollte und der Einfluss der Spartengewerkschaft VC beschnitten würde. Eine solche machtvolle
Position erfordert aber auch ein besonderes Verantwortungsbewusstsein. Daran
scheint es der VC derzeit zu mangeln, denn
durch ihr Verhalten bringt sie den Konzern
stärker in Bedrängnis, als dies nötig wäre.
Den Kunden, der breiten Öffentlichkeit,
ist es letztlich egal, worüber die beiden Seiten streiten, ob es um die Übergangsversorgung oder die Lohnerhöhung oder die
Pläne zur Einführung einer Billigfluglinie
geht. Sie wollen einen verlässlichen Vertragspartner, eine Fluggesellschaft, bei der
man davon ausgehen kann, dass der gebuchte Flug auch tatsächlich abhebt. Diesen Ruf hatte sich die Lufthansa über gleich
sechs Jahrzehnte erarbeitet, aber sie ist dabei, ihn aufs Spiel zu setzen. Eine Lösung
kann nur am Verhandlungstisch gefunden
werden, notfalls mit Hilfe eines neutralen
Schlichters. Nicht aber, indem man die Passagiere quasi als Geiseln nimmt.
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