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Ausgabe | 11
20. März 2015
Deutsche
MittelstandsNachrichten
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Ukraine-Krise
Mittelstand in Ukraine von Warenlieferungen abgeschnitten
Deutsche Firmen in der Ukraine können Frachtlieferungen aus dem Ausland nicht mehr bezahlen – das Geld wird knapp
N
scher Firmen wie etwa
och immer sind zahlder Autozulieferer Leoni,
reiche deutsche UnGroßhändler Metro oder
ternehmen in der Ukraine
der Elektronikkonzern Sietätig. Obwohl die Situatimens. Die Unternehmen
on angespannt ist, ziehen
vor Ort beschäftigen im
sich die Firmen noch nicht
Schnitt rund 1.100 Mitaraus dem osteuropäischen
beiter.
Land zurück. Die meisten
Während die ProduktiBetriebe sind im Westen
on im Westen der Ukraine
der Ukraine angesiedelt,
weitgehend
aufrechterder nicht von Kampfhandhalten werden kann, sind
lungen betroffen ist. Doch
die meisten Produktionsdie Mobilisierung der ukstätten deutscher Unterrainischen Armee hat auch
nehmen in der Ostukraine
die Mittelständler vor Ort Der Krieg im Osten der Ukraine belastet auch Unternehmen im Westen.
unzugänglich. Märkte und
Foto: Flickr/Global Panorama/CC BY-SA 2.0
erschüttert. Die EinberuGeschäfte sind aufgrund
fung der Mitarbeiter in den
Schätzungen des Vereins zufolge der hohen Gefahr von Plünderungen geWehrdienst bringe die Produktionsabläufe
vieler Unternehmen durcheinander, sagt sind noch etwa 2.000 Unternehmen mit schlossen. Die Stilllegung der Produktion
Marcus Felsner, Vorsitzender des Osteuro- deutscher Beteiligung in der Ukraine tä- zieht auch deutsche Speditionen in Mittig, darunter Tochtergesellschaften deut- leidenschaft, die keine Waren mehr in das
pavereins der deutschen Wirtschaft.
Analyse
Sanktionen zerstören das Vertrauen für neue Geschäftsbeziehungen
Der Ukraine-Konflikt schadet nicht
nur den deutschen Firmen vor Ort, sondern aufgrund der Sanktionen und dem
ausuferndem Handelskrieg auch den Mittelständlern, die Waren nach Russland
exportieren oder dort einen Firmensitz
haben. Die Vertrauensbasis für neue Geschäfte wird durch die Sanktionen nachhaltig geschädigt.
Die deutschen Exporte nach Russland
sind 2014 um 20 Prozent eingebrochen.
Wichtigste Exportgüter waren im vergangenen Jahr Maschinen mit einem Anteil
von 22,6 Prozent, gefolgt von Kraftwagen
und Kraftwagenteilen (19,0 %) sowie chemischen Erzeugnissen (10,0 %). Der Exportrückgang fiel bei Fahrzeugen mit 27,3
Prozent am stärksten aus. Bei Maschinen
schlägt ein Minus von 17,2 zu Buche, bei
Chemieprodukten von 5,9 Prozent.
Viel schlimmer als der Einbruch
des Warenexports ist jedoch der Verlust
des Vertrauens infolge des Sanktions-
Wettlaufs. Die über Jahre und Jahrzehnte
geknüpften Geschäftskontakte drohen
wegzubrechen. Zumindest führen die
Handelsbeschränkungen dazu, dass keine
neuen Geschäftskontakte entstehen. Was
in Deutschland Regeln, Verträge und Vorschriften sind, wird in Russland über Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung
geregelt. Nicht selten kommen Geschäfte
aufgrund einer Verstehens- und Vertrauensbasis zustande.
Schätzungen zufolge haben etwa einhundert deutsche Unternehmen ihre Niederlassungen in Russland bereits geschlossen. Ihnen wurde die Geschäftsgrundlage
entzogen, weil russische Staatsunternehmen nicht beliefert werden dürfen. Einer
Umfrage des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK)
zufolge sind in Russland 78 Prozent der
Unternehmen vom Ukraine-Konflikt betroffen. 91 Prozent der Unternehmen
erwarten auch für 2015 eine negative Geschäftsentwicklung.
Die „Sanktionen treffen den klassischen deutschen Mittelständler mit
100, 150 Angestellten und einem hohen
Russland-Anteil“, beschrieb Jens Böhlmann, Mitglied der Geschäftsführung der
deutsch-russischen
Außenhandelskammer, die Auswirkungen auf die rund 6.000
in Russland tätigen deutschen Firmen. Von
der neuen Sanktionswelle seien viele Unternehmen und Branchen betroffen, die
bislang noch geschont worden seien. Die
meisten Mittelständler in Russland wollen
ihre Geschäfte jedoch langfristig weiterführen, berichtet die AHK. In einem Leitfaden fasst sie die Hürden zum Markteintritt
für deutsche Mittelständler in Russland
zusammen – von Transport und Logistik,
Zoll- und Zertifizierung bis hin zu rechtlichen Fragen der Gründung von Repräsentanzen und Tochterunternehmen.
Thomas Gollmann
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Krisengebiet liefern können.
Die Frachten, die noch in die Ukraine gelangen, können meist nicht bezahlt
werden. Aufgrund der Wirtschaftskrise –
die Ukraine wird nur noch durch Kredite
aus dem Ausland vor der Staatspleite bewahrt – hat zu einem Verfall der Währung
geführt. In der Folge sinkt die Verfügbarkeit von Devisen, was zu Liquiditätsengpässen führt.
Aufgrund der schwierigen Situation
kürzen viele Unternehmen mit Sitz in
Deutschland ihre Budgets für die Krisenregion. Damit schneiden sie ihre Tochterfirmen fast komplett vom Markt ab. „Es wird
deswegen kein Unternehmen von deutscher Seite geschlossen, aber es ist eine
stille Rückführung des Geschäfts“, sagte
Felsner einem Bericht von N-TV zufolge.
Aufgrund des anhaltenden Krieges
in der Ukraine ist auch die Stimmung
der Unternehmen in Deutschland verhalten. Gerade einmal 19 Prozent der deutschen Mittelständler rechnen mit einer
Verbesserung der Wirtschaftslage. Das
Geschäftsklima hat sich laut des Mittelstandbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) entsprechend weiter eingetrübt. Der Anteil
der deutschen Unternehmen, die negative
Auswirkungen der aktuellen Spannungen
mit Russland auf das eigene Geschäft spüren, ist im Vergleich zu Juli vergangenen
Jahres deutlich von 17 auf 26 Prozent gestiegen. Von den Industrieunternehmen
sind sogar 32 Prozent betroffen.
„Deutschlands Mittelständler sind
massiv verunsichert“, sagt Peter Englisch
von EY. „Die vielen weltweiten Krisen erschweren die Planungen. Insbesondere
die weitere Entwicklung des Konflikts mit
Russland bleibt ungewiss. Das kostet Vertrauen und bremst die Investitionen.“
Für deutsche Exporteure wird die
staatliche Absicherung ihrer Ausfuhren
nach Russland teurer. Das Wirtschaftsministerium erklärte in Berlin, Hintergrund
sei eine geänderte Risikobewertung Russlands durch die Industrieländerorganisation OECD. Bisher rangierte Russland in der
Risikokategorie drei von insgesamt sieben
Einstufungen. Nun gelte für Russland die
riskantere Kategorie vier. Die OECD-Länderkategorie hat Einfluss auf die Höhe des
Entgelts, das ein Exporteur für die Übernahme einer Hermes-Exportkreditgarantie entrichten muss.
Besonders betroffen sind Finanzgeschäfte, Rüstungsgüter und Hochtechnologie. Die Sanktionen treffen vor allem
den mittelständischen Maschinenbau. Einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zufolge
glaubt die Hälfte aller Maschinenbauer,
dass Finanzierungsprobleme das Russland-Geschäft erschwerten. Hinzu kämen
Auftragsstornierungen,
Verzögerungen
beim Import, Zahlungsausfälle wie auch
Verzögerungen bei der Exportkontrolle.
Zudem herrsche wegen möglicher weite-
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rer Sanktionen gegen Russland eine „extreme” Verunsicherung vor. Viele Maschinenbauer wüssten nicht, ob sie überhaupt
noch einen Auftrag aus Russland annehmen sollten. Sie fürchten, dass dieser dann
nicht abgewickelt werden könne.
Wegen der schwachen Konjunktur waren die Ausfuhren nach Russland bereits
2013 um 5,2 Prozent gefallen, nachdem sie
in den Jahren zuvor um bis zu knapp 31
Prozent jährlich gestiegen waren. Die Zeiten, in denen Russland als einer der wichtigsten Absatzmärkte für Deutschland
galt, sind vorbei.
In der EU werden ständig neue Vorschläge zur Ausweitung der Sanktionen
gegen Russland diskutiert. Bisher hat die
EU Einreiseverbote gegen mehr als 100
Personen und Beschränkungen für über
20 Einrichtungen wie Unternehmen ausgesprochen und ihr Vermögen gesperrt.
Deutschlands Unternehmen befürchten bei scharfen Sanktionen gegen Russland den Verlust lukrativer Geschäfte an
die Konkurrenz aus Asien. Weitergehende
Wirtschaftssanktionen würden „zu einer
deutlichen Hinwendung der russischen
Wirtschaft und Politik nach Asien, insbesondere nach China, führen”, heißt es
in einem Positionspapier der DAK an die
Bundesregierung. „Ein solcher Verlust von
Marktpositionen europäischer und deutscher Unternehmen würde angesichts
schon jetzt schwieriger Marktverhältnisse
langfristig und nachhaltig sein.”
Arbeitsmarkt
Weniger Tarifverträge: Lohnungleichheit in Deutschland wächst
Die deutschen Löhne driften stärker auseinander als in Großbritannien oder den USA. Ein neues Gesetz soll Abhilfe schaffen
D
ie Löhne in Deutschland haben sich
einer Studie zufolge vor allem wegen der Tarifflucht vieler Betriebe in den
vergangenen Jahren immer stärker auseinanderentwickelt. Während die Beschäftigten im oberen Fünftel der Einkommensskala seit Mitte der 90er Jahre ihre
Reallöhne steigern konnten, sanken sie
für das untere Fünftel deutlich ab, ergab
eine am Mittwoch veröffentlichte Studie
der Bertelsmann-Stiftung. „Verantwortlich
für diese Entwicklung ist zu 43 Prozent die
stark rückläufige Zahl der preisgebunde-
nen Unternehmen”, heißt es in der Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit dem
Ifo-Institut in München entstand. Dagegen leiste der verstärkte internationale
Handel mit lediglich 15 Prozent einen eher
geringen Beitrag zu dieser Entwicklung.
Insgesamt konnten die Beschäftigten
der oberen 20 Prozent in der Verdienstrangliste der Studie zufolge ihre Reallöhne inflationsbereinigt um 2,5 Prozent seit
Mitte der 90er Jahre ausbauen. Das Lohnniveau im unteren Fünftel sei um zwei
Prozent abgesackt. Trotz dieser wachsen-
den Lohnungleichheit liege Deutschland
hier noch unter dem Durchschnitt der
in der OECD engagierten Gruppe der Industrieländer. Die Löhne in Deutschland
seien aber in den vergangenen beiden
Jahrzehnten stärker auseinandergedriftet
als beispielsweise in den USA und Großbritannien.
Das liegt nach Auffassung der Autoren der Studie vor allem an der wachsenden Zahl der Betriebe, die sich aus dem
Geltungsbereich der Tarifverträge verabschiedeten. Der Anteil der tarifgebunde-
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Der Mindestlohn soll der wachsenden Lohnungleichheit entgegenwirken.
Foto: Flickr/Dennis Skley
nen Betriebe sei seit Mitte der 90er Jahre
von 60 auf 35 Prozent gesunken. Damit
fiel die Quote der Beschäftigten, die in
tarifgebundenen Firmen arbeiten, von 82
auf 62 Prozent. „Dieser Rückgang ist der
stärkste Treiber für die wachsende Lohnungleichheit”, heißt es in der Studie.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass es zwischen national und
international tätigen Unternehmen ein
Lohngefälle gibt. Bereits Mitte der 90er
Jahre zahlten exportorientierte Betriebe
einen um elf Prozent höheren Bruttolohn.
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Bis 2010 wuchs dieser Unterschied auf
knapp 15 Prozent. Als Konsequenz aus der
Studie forderte der Chef der BertelsmannStiftung: „Wir brauchen in Deutschland
mehr Anstrengungen, um die Einkommensungleichheit zu verringern und dabei die Beschäftigungsverluste möglichst
gering zu halten.” Zudem müsse der Staat
verhindern, dass die Löhne im Zuge des
Wettbewerbs immer stärker nach unten
gedrückt werden. Auch nach Einführung
der Mindestlöhne bestehe hier weiter
Handlungsbedarf.
Innovation
Intelligente Sprach-Software verstummt auf der Überholspur
Eine Sprach-Software für Autos unterbricht die Sprachausgabe in kritischen Situationen. Der Fahrer wird nicht abgelenkt
F
orscher der Universität Bielefeld entwickeln ein Sprachdialogsystem, das
den Fahrer in brenzligen Situationen
nicht stört. Die Sprachsoftware unterbricht automatisch, sobald sie ein kritisches Manöver des Fahrers erkennt. Das
soll dem Fahrer ermöglichen, sich voll
und ganz auf die Straße zu konzentrieren und nicht abgelenkt zu werden.
Mit Sprachsteuerungssystemen im
Auto lassen sich Navigationsgeräte oder
Radios mündlich steuern. So sollen sie
Fahrer vor Ablenkung bewahren. Doch
oft ist das Gegenteil der Fall. Die Systeme
sprechen häufig auch dann weiter, wenn
der Fahrer eine schwierige Verkehrssituation meistern muss.
„In kritischen Situationen wie
Überholmanövern reicht die Konzentrationsfähigkeit nicht aus, um zusätzliche Aufgaben zu bewältigen“, sagt der
Sprachwissenschaftler David Schlangen
von der Universität Bielefeld. „Der Fahrer wird zum Multitasking gezwungen,
wodurch ihm beide Aufgaben – Fahren
und Zuhören – schwerfallen.“
Schlangen verweist auf neue Untersuchungen der University of Utah
(USA) und der Vereinigung Foundation
for Traffic Safety aus Washington (USA).
Die Studien bestätigen, dass Sprachsteuerungssysteme in Autos das Fahren unsicher machen, weil sie oft komplex oder
anfällig für Fehler sind.
Das neue Sprachdialogsystem aus
Schlangens Forschungsgruppe „Angewandte Computerlinguistik“ soll dieses
Problem beseitigen. Die Gruppe gehört
zur Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft und ist am Exzellenzcluster CITEC beteiligt. Anders als bisherige
Systeme kann die Neuentwicklung auf
die Verkehrssituation eingehen und hält
sich in kritischen Momenten zurück.
In einer Studie mit 17 Versuchspersonen erprobten David Schlangen und sein
Team das System in einem Fahrsimulator. In ihrem Experiment untersuchten
die Wissenschaftler, wie gut ihr System
im Vergleich zu einem herkömmlichen
abschneidet.
In dem Experiment mussten die
Versuchspersonen eine Autobahnfahrt
simulieren. Sie kontrollierten dafür
Steuer und Gaspedal im Fahrsimulator.
Per Lichtsignal wurde ihnen angezeigt,
wann sie überholen sollen. Während der
Fahrt meldete sich das Sprachdialogsystem bei ihnen – entweder das System
von Schlangen oder ein auf herkömmliche Weise arbeitendes Gerät.
Es machte die Fahrer auf Termine
aufmerksam („Du bist um 13 Uhr zum
Mittagessen mit Peter verabredet. Ihr
trefft euch in der Cafeteria“). Das herkömmliche Gerät sprach auch dann weiter, wenn der Fahrer mitten im Überholvorgang war. Das neue System stoppte,
sobald der Fahrer zum Überholen ansetzte. Es sprach erst weiter, wenn das
Manöver vorbei war. Dabei konnte es
Teile des schon Gesagten wiederholen,
damit der Wiederanfang natürlich klang.
„Wir konnten nachweisen, dass unser System im Vergleich zu einem herkömmlichen deutlich weniger ablenkend
wirkt. Es hat deutlich weniger negativen
Einfluss auf die Leistungsfähigkeit beim
Fahren“, betont Schlangen. „Dank unserer neuen Technik fährt der Fahrer präziser und, zumindest in der Simulation,
die Gefahr von Unfällen sinkt. Bei herkömmlichen Systemen verschlechtert
sich die Leistungsfähigkeit so stark wie
Sprachcomputer sollen dem Fahrer assistieren und
nicht ablenken.
Foto: Universität Bielefeld
beim Telefonieren während der Fahrt.“
Die Forscher testeten außer dem
Einfluss auf die Leistungsfähigkeit auch,
ob sich die Versuchspersonen korrekt an
die Termine erinnern konnten, die das
jeweilige Sprachdialogsystem angesagt
hatte. „Dabei kam heraus, dass sich die
meisten Teilnehmer die Termine merken konnten, wenn sie von unserem Sys-
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tem übermittelt wurden“, sagt Spyridon
Kousidis, einer der Versuchsleiter. „Wenn
das System, das sich nicht unterbrechen
kann, den Termin nannte, konnte er hingegen nur seltener behalten werden.“
Die Forscher verglichen ihr System
nicht nur mit herkömmlichen Systemen. Sie erfassten auch, wie leicht den
Versuchspersonen das Fahren fällt, wenn
kein Sprachdialogsystem vorhanden ist.
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Das Ergebnis: „Unser System funktioniert so dezent, dass die Fahrer genauso wenig abgelenkt sind, als wäre kein
Sprachdialogsystem vorhanden“, sagt
Schlangen.
Innovation
Smarter Ball bringt Kindern Programmieren bei
Mit dem Hackaball sollen Kinder spielend erlernen, Lichter, Geräusche oder auch Bewegungen zu programmieren
H
eute wachsen Kinder automatisch
mit den neuesten Technologien
auf. Doch das heißt noch lange nicht,
dass sie diese auch in ihrer Tragweite
zu benutzen wissen. Oft bleiben auch
die Kinder bei der Nutzung von Tablet,
Smartphone und PC nur an der Oberflä-
Über eine kostenlose App können die Kinder ihre
eigenen Spiele für den Ball programmieren.
Foto: Screenshot
che. Um dies zu ändern und die Kinder
noch schneller an ein grundlegendes
Verständnis für Technologie heranzuführen, werden immer neue Spiele und
Lernprogramme entwickelt. Der Hackaball soll Kindern unter zehn Jahren nun
einen Zugang zum Programmieren
schaffen.
Ausgestattet ist der Ball mit einem
Mini-Computer, neun LEDs, Bewegungssensoren, Lautsprecher, Akku, einem
Speichermodul für Geräusche und Bewegungssensoren. Mit einer iPad-App
kann das Kind auf den Computer des
Balls zugreifen. Vorinstallierte Spiele erklären die Grundfunktionen des Balles,
so dass die Kinder später entsprechende
eigene Spiele programmieren können.
Verschiedene Licht- und Soundeffekte sowie Vibrationen stehen dafür zur
Verfügung. Die Kinder nutzen die kostenlose App dann, um das Verhalten des
Balles so zu ändern, wie sie es möchten.
Anschließend können die programmierten Spiele mit Freunden geteilt werden.
Bei Kickstarter werben die Erfinder
für ihren smarten Ball, um ihn mittels
Crowdfunding auf den Markt bringen zu
können. Bis zum 3. April müssen dafür
über Kickstarter 100.000 Dollar eingesammelt werden. 75.000 Dollar haben
die Macher schon beisammen. Wenn
alles klappt, soll der Ball im Dezember
zunächst an Unterstützer der Kampagne ausgeliefert werden. Der Preis liegt
bei 65 Dollar.
Mittelstand
Schlechte Wechselkurse senken Gewinne britischer Exporteure
Britische Unternehmen leiden unter ungünstigen Wechselkursbedingungen. Das starke Pfund verteuert Exporte in den Euroraum
D
as britische Pfund steigt im Wert im
Vergleich zum Euro und fällt jedoch
im Vergleich zum US-Dollar. Das führt
Unternehmen Großbritanniens in eine
Zwickmühle. Das Programm zum Ankauf
von Staatsanleihen der EZB hat das britische Pfund Sterling auf 1,42 Euro anwachsen lassen. Das ist der höchste Wert seit
sieben Jahren. Gleichzeitig bereiten sich
Investoren darauf vor, dass der US-Dollar
weiter an Wert gewinnen wird.
Diese beiden Währungsentwicklungen könnten die Gewinne britischer Unternehmen drücken, berichtete die Financial Times. Besonders betroffen sind die
Firmen, die Rohmaterialien aus den USA
importieren und ihre Produkte auf dem
EU-Markt verkaufen. Die Einkaufskosten
erhöhen sich aufgrund des starken Dollars
dramatisch. Die Exporte in den Euroraum
fallen aufgrund des starken britischen
Pfundes entsprechend schwach aus. Die
EU macht für britische Exporteure 40 Prozent des Absatzmarktes aus.
Diese Währungskonstellation ist für
die britischen Exporteure am ungünstigsten. Der starke Dollar kann durch niedrige Energiekosten aufgrund des geringen
Ölpreises kompensiert werden. Aber der
schwache Euro bleibt eine große Herausforderung. Britische Exporteure senken
ihre Preise im Euroraum. Doch das drückt
die Gewinne in den Keller. Unternehmen
in Großbritannien bleibt nichts anderes
übrig, als die Produktion zu optimieren
und Kosten zu sparen.
Das schwache Exportgeschäft nach
Europa senkt auch die Konjunkturaussichten für Großbritannien. Die Wirtschaftsleistung werde 2015 wie im vorigen
Jahr um 2,6 Prozent zulegen, sagte OECDGeneralsekretär Angel Gurría bei der Vorstellung der Prognose in London, doch
Großbritannien dürfe sich darauf nicht
ausruhen.
Obwohl Großbritannien 2014 andere
große Industriestaaten wie die USA und
auch Deutschland in den Schatten gestellt habe, seien Fortschritte nötig. Die
Betriebe müssten durch höhere Produktivität Lohnzuwächse ermöglichen. Dies
sei wichtig, um den Lebensstandard der
Briten zu heben. Dies sei „eine zentrale
Herausforderung der kommenden Jahre”,
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so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Gurría sagte, die Infrastruktur müsse
verbessert, finanziell gesunden Firmen
der Zugang zu frischem Geld erleichtert
und die Berufsausbildung gestärkt werden. Zugleich mahnte die OECD das Land,
auch nach den im Mai anstehenden Parlamentswahlen den Kurs der Haushaltssanierung beizubehalten. Im Wahlkampf haben sowohl die regierenden Konservativen
von Ministerpräsident David Cameron als
auch die oppositionelle Labour-Partei angekündigt, die Ausgaben für Schulen und
das Gesundheitswesen nicht anzutasten.
Laut OECD könnte dies allerdings dazu
führen, dass in anderen Bereichen zu kräftig gekürzt werden müsse.
Das Wachstum der britischen Wirtschaft kommt auch durch die niedrige
Inflation zustande, die den Anstieg der
Lebenshaltungskosten bremst und den
Konsum anregt. Die Preise in Großbritannien steigen so langsam wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr
legten sie im Januar laut Statistikamt ONS
nur noch um 0,3 Prozent zu. Eine niedrigere Inflationsrate hat es seit Beginn der
amtlichen Aufzeichnungen im Jahr 1989
noch nicht gegeben. Nach Schätzungen
des ONS sind die Lebenshaltungskosten
sogar seit 1960 nicht mehr so langsam gestiegen.
muss. Zugleich könnte die niedrige Inflation die für Anfang nächsten Jahres erwartete Zinswende in Großbritannien hinaus-
Der schwache Euro drückt Gewinne britischer Exporteure.
Diese Stärkung der Kaufkraft der Bürger dürfte der konservativen Regierung
von Premierminister Cameron in die Hände spielen, die sich im Mai Wahlen stellen
einer Deflation gilt als bedrohlich, da Verbraucher bei beständig sinkenden Preisen
auf eine weitere Verbilligung spekulieren
Der Dollar hat zum britischen Pfund Sterling deutlich an Boden gewonnen.
zögern. Die Bank of England (BoE) hält den
Schlüsselzins seit mehr als fünf Jahren auf
dem historisch niedrigen Niveau von 0,5
Prozent.
Sie erwartet, dass es noch rund zwei
Jahre dauern werde, bis ihr Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent annähernd
erreicht ist. Die BoE will daher mit einer Zinserhöhung nichts überstürzen.
Zugleich hält sich Notenbankchef Mark
Carney sogar eine Hintertür für eine
Foto: ariva.de
Zinssenkung offen, falls die Gefahr eines
Preisverfalls auf breiter Front drohen sollte. Dieses derzeit für Großbritannien als
eher unwahrscheinlich erachtete Szenario
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Foto: ariva.de
und Käufe aufschieben könnten. Damit
würde eine Abwärtsspirale aus sinkenden
Löhnen und stockenden Investitionen
ausgelöst, die die Wirtschaft letztlich abwürgen könnte.
Die Widerstände gegenüber der EU
sind in Großbritannien in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, dass eine
Debatte um den Austritt aus der EU nach
einem Referendum immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der ehemalige britische
Premier Sir John Major schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Austritts auf 50 Prozent, Tendenz steigend.
„Als eine sehr alte Demokratie können wir die öffentliche Meinung nicht
ignorieren“, warnte der ehemalige britische Premier Sir John Major bei einer
Veranstaltung der Konrad Adenauer Stiftung. Aus diesem Grund habe Cameron
ein Referendum für 2017 in Aussicht gestellt, wenn er denn wiedergewählt werden würde. „Ich wünsche es mir nicht,
aber die Chance, dass mein Land sich für
unabhängig erklärt, schätze ich auf 50
Prozent.“ Großbritanniens „Frustration ist
kein Spiel“. Es gebe ein reales Risiko einer
Abspaltung, was die „Zukunft Großbritanniens beschädigen könnte und Europa
im Ganzen“, sagte Major. Europa würde
die „zweitgrößte und robusteste Volkswirtschaft“ verlieren und „den vielleicht
am weitesten reichenden diplomatischen
Arm und die größte militärische Kapazität
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der EU mit Nuklearkapazität“.
So sei für Großbritannien die immer
stärker werdende europäische Integration
ein massives Problem und auch die Diskrepanz zwischen der Eurozone und den
anderen Mitgliedsstaaten. Je stärker die
Länder der Eurozone sich wirtschaftlich,
sozial und juristisch annäherten, umso
wichtiger sei es, zu klären, welche Position die übrigen EU-Länder zukünftig haben werden, so der ehemalige Premier. Er
betonte diesbezüglich die Macht der EU-
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Institutionen und die große Uneinigkeit
hinsichtlich der Einwanderungspolitik.
Wohingegen beispielsweise einige europäische Bevölkerungszahlen schrumpfen,
wuchs die Bevölkerung in Großbritannien
um sieben Prozent.
Märkte
Niedrige Kosten, hohes Wachstum: Zulieferer blicken nach Asien
Der Autozulieferer SHW will in Asien und den USA expandieren. Ein Joint-Venture in China ist kurz vor dem Start
D
er Autozulieferer SHW will mit dem
kürzlich eingesammelten Kapital sein
Wachstum außerhalb Deutschlands vorantreiben. „Unsere Eigenkapitalsituation
macht es möglich, Akquisitionen zu tätigen”,
sagte Vorstandschef Thomas Buchholz am
Montag in Frankfurt. Dabei sei man auf der
Suche nach Übernahmezielen in Nordamerika und Asien. Der im vergangenen Jahr in
das Kleinwertesegment SDax aufgestiegene
Hersteller von Pumpen, Motorkomponenten und Bremsscheiben hatte im Februar
24,6 Millionen Euro durch die Ausgabe neuer Aktien eingesammelt.
Möglich seien kleinere Zukäufe mit Umsatzvolumen von 30 bis 50 Millionen Euro,
sagte Buchholz. Aber auch einen größeren
Zukauf traut sich das als Schwäbische Hüttenwerke gegründete Traditionsunternehmen aus dem schwäbischen Aalen zu: So sei
im vergangenen Jahr der Kauf des Thüringer Pumpenproduzenten GPM in Betracht
gezogen worden. Doch ließ SHW Buchholz
zufolge den Plan fallen, weil der Konkurrent
nicht profitabel genug sei. Die GPM sei dann
für 250 Millionen Euro an den japanischen
Mischkonzern Nidec gegangen.
Die SHW hat in den USA und China
noch Nachholbedarf. Unter dem ehemaligen Haupteigner Nordwind Capital war
der Zulieferer aus einem Gemeinschaftsunternehmen in den USA 2012 ausgestiegen. Jetzt haben die Schwaben von einem
US-Autobauer einen Großauftrag ergattert,
der von 2018 bis 2023 rund 160 Millionen
Euro Umsatz bringen soll, und suchen unter
Hochdruck nach einem neuen Produktionspartner für Pumpen. In China geht im Ap-
ril ein neues Gemeinschaftsunternehmen
zur Herstellung von Bremsscheiben an den
Start. Bis 2020 will der Autozulieferer seinen
Umsatz von zuletzt 430 Millionen Euro auf
700 Millionen Euro steigern – Zuwächse aus
Akquisitionen sind hier noch nicht eingerechnet. Während heute die Erlöse fast nur
in Europa erwirtschaftet werden, sollen bis
zum Ende des Jahrzehnts fast 30 Prozent aus
Nordamerika und Asien stammen.
Chinas Bedeutung für deutsche Exportunternehmen ist immens. Mit der Abhängigkeit vom chinesischen Markt steigen aber
auch die Risiken. Der Kreditversicherer Euler
Hermes erwartet für 2015 einen Anstieg der
Insolvenzen im Reich der Mitte um fünf Prozent. Gründe dafür sind die sinkende Liquidität von Unternehmen durch das schärfere
Vorgehen gegen Schattenbanken, Überkapazitäten im Immobilienmarkt und die wachsende Disziplin bei den Ausgaben der Lokalregierungen. Aufgrund der hohen Kosten
und der enormen Komplexität sind gerichtliche Insolvenzverfahren in China – anders
als beispielsweise in Europa – jedoch relativ
selten, insgesamt rechnen Ökonomen mit
rund 2.800 Fällen im laufenden Jahr.
Eine wachsende Anzahl von Unternehmen ist auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen, da sie keinen
Zugang zu Bankkrediten haben. Verbreitet
sind daher extrem lange Zahlungsziele sowie das Ausreizen dieser Ziele bis hin zum
Zahlungsverzug. Zahlungsausfälle haben
sich 2014 nach Schätzungen von Euler Hermes im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (+104 %). Besonders stark betroffen
sind die Lebensmittel- (+450 %) und die Che-
miebranche (+206 %), Rohstoffe (+150 %)
sowie Computer und Telekommunikationsgüter (+129 %). Unternehmen werden somit
anfällig für Übernahmen aus dem Ausland,
wie zum Beispiel aus Deutschland.
Die in der Bundesrepublik üblichen Lieferanten-Entwicklungsprogramme setzen
sich auch im Reich der Mitte immer mehr
durch. Die Unternehmen reagieren damit
auf steigende Produktionskosten, größeren
Wettbewerbsdruck und Zwangspreissenkungen der chinesischen Regierung. Die
Produktivität in chinesischen Fabriken kann
um mehr als ein Drittel gesteigert werden,
Ausschuss und Durchlaufzeit lassen sich
halbieren. Das ermöglicht hohe Kosteneinsparungen, zeigen Marktanalysen der Unternehmensberatung Staufen.
Neben der Übernahme chinesischer
Unternehmen durch deutsche Industriebetriebe gehört auch die Entwicklung der
Zulieferer (Supplier Development) zur Modernisierung der chinesischen Industrie.
Vorreiter bei dem Thema sind wieder einmal die Automobilhersteller, inzwischen
ziehen jedoch auch andere Industriebranchen, beispielsweise Maschinenbauer und
die Hersteller von Haushaltsgeräten, massiv
nach.
Wie in Deutschland üblich vergeben die
Autoproduzenten und große Industrieunternehmen anderer Branchen auch in China inzwischen ganze Baugruppen an ihre
lokalen Partner. Hinzu kommt: Der Trend
zur Anlieferung Just in Time (JIT) und Just
in Sequence (JIS) lässt keine Zeit mehr zum
kurzfristigen Beheben von Qualitätsmängeln beim Lieferanten.
Impressum Geschäftsführer: Christoph Hermann, Karmo Kaas-Lutsberg. Herausgeber: Dr. Michael Maier (V.i.S.d. §§ 55 II RStV). Chefredakteurin: Jennifer Bendele. Redaktion: Thomas Gollmann, Anika Schwalbe, Gloria Veeser. Sales Director: Philipp Schmidt. Layout: Elke Baumann. Copyright: Blogform
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